Indiana Tribüne, Volume 23, Number 109, Indianapolis, Marion County, 7 January 1900 — Page 7
f eigenen Müßen. '. . . JSon Paul V.. fftrftcm. '.. Muttchen, i Heht's! Nun sieht man doch beft feigst Aufstieg! Im letzten Monat waren es schon zweihundert und fast achtzig Mark.Wirklich. Gleichen?! Ach sieh, d ist hübsch. Freilich, wie mußtest Du Dich auch quälen, armes Kind!" Aber Muttchen ohne Mühe kein Preis! Und es ist doch immer besser, auf eigenen Füßen zu stehen, als so von der Gnade der Verwandten abhangen, nicht? Ich habe noch das Gefühl, als ob sie es uns damals immer borge warfen hatten." Sie legte die Bücher, in denen sie eben den Abschluß des letzten Monats vorgenommen hatte, sauber bei Seite, strich sich die Haare, die etwas widerspenstig um das frisch, gesunde Geficht hingen, und die zierliche Schürze, die sie bei der Arbeit trug, zurecht dann stand sie plötzlich bei der Mutter. Na, was meinst Du", sagte sie zärtlich, indem sie die Arme leise um die feinen Schultern legte, wollen wir mal vornehm sein, mal Rentiers spielen und das schöne Wetter noch benutzen? Na, Mutter so 'n bischen an die Luft, he? Vielleicht treffen wir unsere lieben Verwandten, dann haben sie wenigstens die nächste Woche was zu klatschen." Kind, Kind Du mußt nicht imrner so reden! Du bist nicht immer ganz gerecht, Gretchen. Du weißt doch, welche Pläne sie mit Dir haben!" Du lieber Gott " Achte das nicht gering! 53 ist doch immer besser, versorgt als sein Leben lang auf seiner Hände Arbeit angewiesen zu sein. Sieh nur das Beispiel an mir!" Aber Muttchen," sie streichelte ihr -die vergrämten Wangen, mit Dir das ist doch ganz etwas anderes. Du bist kränklich, verwöhnt, und als der große Schmerz über uns kam. . . Na, weine nicht, Muttchen, es wird ja doch im Leben noch mal besser! Ist es nicht selbst jetzt schon geworden?" Die verwittwete Frau Hauptmann v. Venefeld nickte mit dem Kopfe. Ja. Jtmb, durch Deinen Fleiß, durch Deine Arbeit und Deinen guten Muth. Aber was wir alles dafür haben -aufgeben müssen. . . Unser Stellung in der Gesellschaft, unsere Position, wir sind nun aus allem ganz verdrängt." Eine leise Trauer lag in ihren Worten. Ist das wirklich so' schlimm?' antwortete die Tochter. Hast Du mir nicht selbst erzählt, wie Du Dich mit unserem guten Papa immer von allem zurückgezogen hast, wie Ihr beide ganz allein für Euch ein Leben für Götter geführt habt?!" Die Augen der alten Frau leuchteten seltsam hell auf. Ja. Gretchen, das war was anderes! Wie mich Dein Papa geliebt, wie er auf der ganzen, weiten Welt nichts anderes gehabt, als nur mich, nur mich siehst Du, das findet sich nicht alle Tage! Du bist heute nun schon siebenundzwanzigJahtt. Ein so tüchtiges, braves Mädel na, und siehst Du, es war noch imrner keiner da!" Grete lachte. Aber Mutti, heutzu. tage ist doch das Loos einer altenJungfer nicht mehr so schlimm. Heute giebt'Z viele, die schwören das Heirathen überHaupt ab. Und weiß der Himmel, wenn nicht bald einer kommt.dann mache ich's auch so. . . und dann setze ich meinen ganzen Stolz darin, Dich, Mutter, so zu hegen und zu pflegen, daß Du alt wirst, wie Methusalem. Und dann, Mutter, es Will mich doch keiner!" Die Mutter drehte sich zu ihr um. Gretchen, das ist doch nicht wahr. Du weißt doch, der junge Assessor von Pörlitz der wartet nur-auf Dein Wort." Ach der wartet zuerst auf seine Anstellung! Und. irre ich nicht, jetzt schon fünf Jahre. Und soll ich dann etwa wieder in einen Kreis kommen, wo ich zuerst doch nur geduldet bin, weil ich einmal schrecklich zu sagen! gearbeitet habe. Bei uns freilich kennt man ja das nicht. Und dann soll ich tagaus tagein nie me" ?twas anderes zu thun haben, als' ,nch um zuziehen, als Visiten und Kaffeebesuche zu machen und stets das schöne Lächeln aufzusetzen, das mir oft wie eine Larve vorkommt! Ich glaube nicht, Mutter, daß ich mich daran noch mal werde gewöhnen können!" Aber um Gotteswillen, Kind. . . . Du wirst ihm das doch nicht etwa sa-gen!"
Ja, Mutter . . " Das junge Mädchen wurde etwas 'verwirrt. Will er denn überhaupt kommen? Du machst mir wirklich Angst!" Gewiß will er kommen. Aber, Kindchen,, rege Dich nicht auf!" Die alte Mutter streichelte sie sanft. Es sind ja noch ein paar Tage bis dahin, da hast Du Zeit, Dir alles ruhig zu überlegen."Die Tochter ging erregt im Zimmer auf und ab. Das Andenken an die letzten Jahre wollte aus ihrer Seele Nicht fort, und der Gedanke, um aufs neue in diese Abhängigkeit vom Vorwärtskommen und der Stellung zu gerathen, schüttelte sie ordentlich. Nein, dann schon lieber zeitlebens arbeiten und sich quälen. Dann schon lieber mit Arbeiten und Wäschenähen sein Leben verbringen, als diese Qual, diese Angst und diesen Zwang! Von tausend Augen stets beobachtet sein, jedes Wort, jede That unter der Kritik von so und so vielen, jDie sonst weiter gar kein Interesse an einem hatten! Nein sie fühlte, dci lohnte sie nicht mehr ertragen. Dc"i hült sie auch ihr Geschäft und ihre klbstständigkeit zu lieb gewonnen, .a that man seine Pflicht und Schuld:gl!?t. da brachte jeder Tag Neues urv IlnregendeZ, und Um auch mal tte. uty schlag. . . mit
einem bischen, .iten Willen konnte man den immer gutmachen. Eine stille Erinnerung zog ihr durch das Herz. Als ihr Vater noch lebt5. da war ein junger Lehrer oft zu ihnen ins Haus gekommen. Der Vater hatte viel mit ihm zusammen gearbeitet, und wenn sie dann später alle vier zusammen um den sauber gedeckten Abendtisch saßen, dann hatte sie aus seinem Munde viel Anregendes, viel, was ihr zu denken gab, gehört, und es war ihr jetzt noch oft, als wäre sie ohne ihn eigentlich nie zu ihrem Beruf, zu ihrer freien Unabhängigkeit gekommen. Er war es ja dann auch gewesen, der ihr später, als der Druck ihrer Verhältnisse zu schwer auf ihnen lastete, den wohlgemeinten Rath gegeben hatte, ihre Fähigkeiten und ihren Geschmack nutzbringend zu verwerthen. Er war es eigentlich.der sie dahin gebracht, sich das Atelier für Wäscheausstattungen einzurichten, weil frei für sich und selbstständig zu sein auch für ihn das höchste Ziel war. Und wie um ihr das gute Beispiel zu geben, war er auch bald seinem Lehrerberuf entflohen, und hatte sich dem Kaufmannsstande gewidmet, wobei ihm seine Sprachkenntnisse und sonstigen Fähigkeiten nicht unwesentliche Dienste leisteten. Jetzt hatte er schon eine ganz annehmbare Stellung. Freilich war er darüber 34 Jahre alt geworden, und bis zum äußersten Ziel, sich etabliren zu können, da war für ihn noch ein weiter Weg. In seinem ehrlichen Vertrauen hoffte er auch den noch zurückzulegen. Frau v. Benefeld stand neben ihrer Tochter. Na, Kind, zerbrich Dir nicht den Kopf! Es ist ja noch Zeit. Komm, laß uns gehen. Das Wetter ist wirklich zu schön, um Grillen zu fangen. Und wer weiß, wie lange es noch so bleibt." Doch Grete war keine Natur, die so einfach alles bei Seite schieben konnte. Sie mußte immer erst mit sich :m Klaren sein, und da sie selber nicht dazu kam, so lehnte sie den Wunsch der Mutter ab und schrieb ihrem alten Freund. Sie bat Herrn Schmidt" sie hatten oft schon über den Collectivnamen gelacht um seinen Besuch. Nach einer Unterhaltung mit ihm, wußte sie, würde sie den rechten Weg schon finden. Am nächsten Morgen erhielt die Mutter einen Brief von dem Assessor. Ihm war die feste Anstellung jetzt zugesagt, und da er ja selber etwas Vermögen und viel Protektion hatte, so wollte er sich erlauben. . . Die Mutter druckste ein Weilchen herum, dann gab sie schnell entschlossen der Tochter den Brief. Ein wehmüthiges Lächeln fuhr über deren Züge. Dann reichte sie den Brief zurück. Um ein Uhr will er kommen ? Na, vielleicht bin ich dann schon llar." Zweifelnd sah die Mutter sie an, doch sagte nichts. Schon kurz nach Zwölf, um die Zeit, wo er zum Mittagessen ging, kam Herr Schmidt. Grete führte ihn schnell in ihren geschäftlichen Empfangsraum. Eine schamhafte Nöthe lag auf ihrem Gesicht, ihr Herz klopfte stark. Lieber Herr Schmidt", fing sie ganz resolut an, man will mich verheirathen". Gnädiges Fräulein. . er wurde ganz verwirrt. Ja, denken Sie!" Nun. und. . . mögen Sie nicht?" Sie schüttelte den Kopf. Deshalb rief ich Sie doch!" Fräulein Gretchen!" Ich soll dann alles aufgeben, was ich Ihnen verdanke, und was mir so. . . lieb gewesen ist!" Aber Fräulein Gretchen, wie kann ich das verhindern?" Herr Schmidt, das fragen Sie noch?" K Nun ja, ja aber. . . bin doch noch nicht so weit." Eine heiße Blutwelle stieg ihm in das Herz. Aber ich ich bin es doch!! Und wenn eine so tüchtige Kraft wie Sie noch mit ins Geschäft kommt, dann dann. . ." Dann wollten Sie wirklich mich mich heirathen!!" Ja doch, ja doch!! Um Gotteswillen, sagen Sie doch nur schnell ja. Da drinnen hör' ich ja schon " Nun dann ja. ja!!" Er schloß sie in seine Arme. Ich hab' es ja nur nicht gewagt. Ich wollte erst etwas sein.denn eine geborene v. Benefeld eine simple Frau Schmidt " Er schüttelte ungläubig den Kopf. Sie reichte ihm die Hand. Adelt Arbeit denn nicht?" Vom Nebenzimmer rief die Mutter. Sie gingen Beide hinein. Aengstlich fing die alte Mutter an. Kindchen, ich habe Dir was mitzutheilen. . ." Doch Grete ließ sie nicht aussprcchen. Ich Dir auch, Mutter. Ich habe mich soeben mit Herrn Schmidt. . . verlobt in Firma v. Benefeld & Schmidt!!" Wie sie rechnet. Mann: Zwanzig Gulden willst Du. einen Hut zu kaufen? Dafür kannst Du ja schon ein Kleid bekommen!" Frau: Siehst Du. Karl, dann bin ich für vierzig Gulden vollständig ausgestattet!" Garstig. Bader: Döö sag' i Dir. die Medizin is sakrisch schlecht. Kannst Du, Sepp, was Garstiges nehmen?" Bauer: Geh'. Bader, ob i was Garstiges nehma kann? Kennst nit mei Weib!" V e r s ch n a p p t. Der Vater der Braut: Man sagt, .Sie seien stark verschuldet?" Lieutenant? Dieses böswillige Gerücht können nur meine Gläubiger ausgestreut haben." ,
?er Zimmerherr. Von Emil Zimmermann. . Entsetzlich, wie heut wieder die Feoer krakte: es wollte auch aar nickt
1 j'hn, aber das kam nur von den dumrcn Gedanken. Aergerlich legte der Mann, der in dem kleinen Parterrezimmer der Hinterhauswohnung in einem Grundstück des Berliner Westens vor einem einfachen Holztische emsig Noten geschrieinn hatte, die Feder bei Seite und blickte nachdenklich zumFenster hinaus. ?kicht auf den mit Steinplatten belegten, ziemlich kleinen Hof und die schmutzig-graue Hinterfront des Vorderhauses fiel sein Blick, sondern er schweifte über den in der Hinteren rechten Ecke dieses Hofes ein wenig beachtetes Dasein führenden Garten und den Bretterzaun hinweg hinüber zu dem großen, neuen Eckhause nebenan mit seinen Balkönen und den schonen Frauen undBlumen auf den Balkönen. Wie sie sich wohl auönehmen mochte auf jenem Balkon im zweiten Stock da drüben zwischen den herrlichen Blattgewachsen und den dunkelrothen Rosen.... Neben dem Stuhle dort mußte sie stehen, die kleine Toni aber auf dem Stuhle, mit ihrem reizenden Lächeln die Mutter anschauend. Aber Unsinn! Was gingen ihn seine Logiswirthin und ihr kleines Töchterchen an! Er war zwar ein armer Geiger nur einer armseligen Vorstadtthea-ter-Capelle, aber er war ein Künstler, daö wollte er der Welt schon noch bekreisen. Wie oft hatte er davon geträumt, als er noch hungernd und geigend in einer Dachkammer saß. und als er bann seine erste Anstellung bekam bei der Berliner Vorstadttheater-Eapelle, da glaubte er sich auf dem Wege zur Erfüllung seiner Träume. Doch fünf Jahre waren seitdem in's Land gegangen, und noch immer war er über diesen kärglich besoldeten Posten nicht hinausgekommen, .dessen bescheidene MonatSerträge er durch Abschreiben von Noten für Geld zu erhöhen suchte. Er starrte hinaus und sann. Der braune Bretterzaun ihm gegenüber, wie es über ihn hinüberfloß in denHof hinab, wie ein heller Strom, der Alles vergoldet, was er trifft. Die Ranken von wildem Wein, die sich über den Zaun emporhoben, standen als wunderbar geformte Goldspiralen in dieser Fluth, die oben am Zaunrand die Blätter des Weins bespülte und ihnen in Ansehen gab, als kämen sie in einer lange im Schooße der Erde hinfließenden Goldwelle plötzlich zum Tage empor, um dann wieder zu verschwinden. Aber dieser Goldstrom brach nochmals aus dem Dunkel und umzitterte in tausend wechselnden Farbennüancirungen das Roth der kleinen Pelargonienblüthen im Garten und das mit einem schwärzlichen Streifen gezeichnete Dunkelgrün ihrer Blätter, und das Roth war gar kein Roth mehr und das Dunkelgrün kein Dunkelgrün; nichts Todtes war es, nichts Starres, nichts, das man in eine Form fassen und mit dem Namen dieser Form belege konnte; nein, es lebte, wuchs, wechselte, sprühte in ewig neuen Tönen auf, ein wunderbares Spiel, im Werden 'und Vergehen von hundert und aber hundert Gestaltungen, und nur die Schwerfälligkeit der Menschen konnte dies lebende Wunder mit den armseligen Bezeichnungen Roth" und Dunkelgrün" abthun. In einem breiten Streifen ergoß sich der goldene Lichtstrom in den Rasen; es war, als saugten die Spitzen der Gräschen unaufhörlich das erdwärts fluthendeGold in sich hinein. , Onkel, ißt denn die Erde all das iioldene Licht auf?" hatte ihn die vierährige Toni gefragt, als er sie einmal m Walde darauf aufmerksam machte, wie das Sonnengold durch die grünen Vlätterkronen brach, die vom Winde in steter Bewegung gehalten wurden, so daß bald da, bald dort ein goldgesättigt Lichtfleck über dem Moose zitterte, als ob die Engel das neckische Spiel der Menschenkinder trieben, mit Spiegeln das Sonnenlicht auffingen und es durch einfache Drehung der Hand von Ort zu Ort hin- und zurückgehen ließen Aber da war er schon wieder bei der kleinen Toni, und hinter den runden, vollen Bäckchen der Kleinen tauchte das schmale, blasse Gesicht der jungen Wittwe auf. der er ein möblirtes Zimmer abgemiethet hatte. Eigentlich war die junge Frau recht hübsch. hübsch? . . . was ging ihn das an?... Wieder wollte er sich selber zürnen, aber dann dachte er, daß man das schließlich doch nicht abstreiten konnte, und er beruhigte sich. Er wandte sich wieder zum Tische und griff zur Feder, konnte aber von dem Gedanken nicht loskommen, daß seine junge Logiswirthin eigentlich recht hübsch war. Die Beobachtung hatte er zuerst gemacht, er erinnerte sich wohl, wann es gewesen war. als er an einem Sonntag im Mai nach den Havelseen hinausgefahren war. Er liebte es. allein im Walde herumzustreifen. über Hügel und Bäche, durch Busch und Dorn, und sich dann am grünen Hange niederzulegen, in die Baumkronen zu starren und dem Scnge der Vögel zu lauschen; gern auch schlenderte er an der sich behaglich breitenden Havel entlang und freute sich am Glitzern des leise bewegten WasserL, wenn sich darauf die Sonnenstrahlen zu wiegen schienen, oder crn sanften Geplätscher der sich am Ufer brechenden Wellen, und alö er an jenem Maiensonntag in den Nachmit tags stunden schauend und geniißend dem Laufe des Flusseö folgte, wurde er Augenzeuge einer reizenden Scene, du er aar nicht vergessen konnte. Eben wollte er eine Biegung der Straße nehmen, welche sich am Fuße der die Havel begleitenden und .mU
Laubwald bestandenen , Hügelreihen hinzieht, immer dicht am Wasser, als er einer jungen Frau ansichtig wurde, die zum lebhaften Vergnügen ihres dabei siehenden Töchterchens flache Kiesel über das Wasser tanzen ließ. Diese Frau war seine junge Wirthin. Er trat ein paar Schritte zurück, hinter einen Baum, um die Scene nicht zu stören; aber es hätte dessen garnicht bedurft, so vertieft waren Mutter und Kind in ihr Spiel. Wie die Kleine in die Hände klatschte und aufjauchzte mit einem so hellen, sonnigen Lachen, wenn der Wurs geglückt war! Und die Mutter dabei mit strahlenden Augen und hochrothen Wangen, eifrig am Strande suchend und sich dann und wann zu ihrem Töchterchen niederbeugend, um es herz, haft zu küssen:, der ärgste Griesgram hätte an diesem Bilde seine Freude haben müssen! . . Nach einer Weile erst trat der jung Musiker aus seinem Versteck hervor. Den weiteren Nachmittag verlebte man natürlich zusammen, zusammen machten sie auch die Fahrt nach Haus. Wie e5 gekommen war, wußte er nicht mehr; die Thatsache bestand aber, daß er hernach bei seiner Wirthin in der Küche zu Abendbrot gegessen und geplaudert hatte oder dem Geplapper der kleinen Toni zugehört; ja, als daS Kind den Wunsch geäußert hatte, Märchen zu hören, hatte er sofort das Amt des Erzählers übernommen und vorgetragen, was Klein-Toni wünschte, die ihm bis dahin gänzlich unbekannten Märchen vom großen Fiss", vom großen Löwen", vom Baubau" und das Märchen vom Mausekönig". Je wneiger er aber von all' diesen Schöpfungen einer kindlichen Phantasie etwas wußte, desto oesser erzählte es sich, und Toni war unermüdlich im Anhören der Schicksale ihrer Helden, welche der .Onkel" so ganz anders darzustellen wußte, als es die Mutter bisher aethan hatte. Auch der junge Musiker fand Gefallen an diesen Unterhaltungen, und seitdem kam er öfter einmal Abends in die Küche, um mit der kleinen Frau zu plaudern oder ihrer Kleinen Märchen zu erzählen; gar manchen Sonntag aber machte man einen gemeinschaftlichen Ausflug. Mit Schrecken wurde er im Nachdenken inne. wie sehr er sich schon an die kleine Toni und ihre Mutter gewöhnt hatte, wie wenig er die traulichen' Abende in der Küche entbehren konnte, und wieder warf er im Aufspringen die Feder hin: Was sollte das nur werden? ... nur werden? ... . . .Er, er sich hier einspinnen?... Wie die Blume des Südens sehnte er sich nach Licht, nach Farbe, nach Tönen, nach Duft, nach LuxuS, nach dem reichen, vollen Leben, . . . nur noch warten, die Gelegenheit abwarten, da er die Schwingen entfalten konnte . . . Er trat zum Fenster, stützte die Arme auf das Fensterbrett und schaute hinaus auf den wilden Wein, der über denÄretterzaun herabfloß, die in Sonnengold schimmernden Blumen des GärtchenZ, in all' dieses Wogen von Licht und Farbe ... Die Septembersonne war im Niedergehen, und ehe sie von dem kleinen Gärtchen auf dem Hofe Abschied nahm, schien sie noch einmal recht innig die Blumenköpfchen und die grünen Spitzen der niedrigen Hecke küssen zu wollen. Noch ein wunderbares Lichtspiel, ein Aufflammen der Blätter- und Blüthenspitzen in Purpur und Rosa und Violett, in den tausend Farbennüancirungen von Violett bis Purpur, die das Auge nicht schaut, nur der Geist, wie ein zarter Apparat aufnimmt, der auf die leisesten Farbenschwingungen reagirt: dann lag das Gärtchen dunkel; der Schatten kroch langsam an die Mauer des Vor-der-und Seitengebäudes ' hinauf wie ein schwarzes Verhängniß, welches langsam aber sicher kommt. Eine leise Trauer befiel des jungen Mannes Seele. Auf den hellen Tag folgen die Schatten des Abends; wohl dem, der bei Zeiten daran dachte" . . . Wer hatte das doch gesagt?... Er sah sich im Geiste um Jahre zurückversetzt. Gerade hatte er seine Stellung angetreten, und das war im Kreise der neuen College gebührenderweise gefeiert worden. Die Meisten waren jung, Manche gerade vom Conservaiorium gekommen. so waren denn in der Trinklaune Pläne geschmiedet, Träume geträumt worden . . . Einer hatte nicht mitgemacht, der alte Cellist. Der junge Mann wohnte damals in einer Straße mit dem Alten, vom Theater begleitete er ihn fast täglich heim; sie wurden vertraut mit einander. Da hatte denn auch der Alte eines Abends seiirxHerz ausgeschüttet. Alles, was ihn bedrückte, seine Einsamkeit, seine Abgeschiedenheit, seine Men-schen-und Gottverlassenheit; es war ein verfehltes Leben, in welches der JLnqling hineinblickte. Beim Abschiede hatte es damals der Alte gesagt: Aus den hellen Tag folgen die Schat ten des Abends"... Auck der alte Mann hatte einst von ?Iuhm und Ehre geträumt; dem am Fenster Lehnenden war, als stünde er neben ihm und flüsterte ihm wie an jenem Abend mit. heiserer Stimme zu: J4 hätte es auch haben können, ein llZelb. Kinder, eine tüchtige, liebevolle Frau, von der ich wußte, daß sie mich liebte . . . Aber die Handwerkertochter war mic zu gering; etwas Besonderes wollte ich. eine Luxusblume,' und ich wartete auf Ruhm und Ehre, die mir Alles bringen sollten, Geld und Wohlleben und das Weib nach meinem Herzen. Ich wartete und wartete; grau wurde mein Haar, und das runzelige Alter kam; aber der Ruhm kam nicht, und so bin ich ein gebrochener Mann geworden, der selber, sein Glück vez-
scherzt hat. Junger Freund, tch rathe Ihnen, greifen Sie zu, greifen Sie ja zu, nehmen St das Glück, wo Sie es finden." . . . . - : So hatte der Alte an jenem Abend gesprochen, und der junge Geiger dachte daran, wie der Cellist wenige Wochen darauf einsam und verlassen gestorben war. Sollte das auch sein Schicksal sein? . . . Nein, nein! Er war ja noch jung, voller Kraft ... Jung, mit- dreiunddreißig Jahren, nach zehn Jahren vergeblichen Ringens? . . . Und das Glück, war denn der Ruhm das Glück?... Er sah sich selber, wie er alt und krank und ganz allein, von Allen verlassen, sich auf dem Lager wälzte, einzig die Erinnerungen um ihn, trübe Erinnerungen an Entbehrungen und Enttäuschungen; eine Angst erfaßt ihn, daß es so werden könnte . . . Und dann sah er wieder die kleim Toni vor sich, wie sie daö Gesichtchen zu einem breiten, ganzen Lachen verzog: Onkel, erzähle doch vom Mäusekönigl" . . . Nein, nein, es sollte nicht so werden, nicht so; hinweg mit allen entnervenden Träumen; klar und besonnen in's Leben geschaut und in's Leben gefaßt. Er trat vom. Fenster zurück und begann, die Hände auf den Rücken gelegt, langsam im Zimmer auf und ab zu gehen. Ob er die kleine Frau liebte, mit der er seit Monaten Wand an Wand wohnte? Gewiß, er liebte sie seit jenem Tage, als er sie am Wasser überraschte, wie sie mit ihrem Töchterchen spielte; er hatte es sich nur nicht eingestehen wollen. . Aber sie. sie? Ein jäher Schreck durchzuckte ihn, daran hatte er ja garnicht gedacht, und das war doch die Hauptsache! Zwar sielen ihm die mancherlei Aufmerksamleiten ein, die er bis dahin gar nicht beachtet hatte, die Blumen auf seinem Tische, die peinliche Sauberkeit, die er bei anderen Wirthinnen gar nicht gewöhnt gewesen war; aber dann fragte er sich beklommen, was er denn zu bieten hätte. Noch war er nichts, war immer noch der arrne Geiger mit seinem geringen Monatsgehalt, zu dem er sich mit Notenschreiben den Monat sünfundzwanzig Mark, zuweilen auch nur zwanzig, hinzu verdiente, und sie, sie war ohne Zweifel eine tüchtige und practische Frau. Sie konnte Alles. Sie schneiderte für Private, arbeitete Luxusartikel für das Geschäft, und zuweilen ging sie auch bei vornehmen Herrschaften serviren und brachte einen Verdienst von zwei Thalern und mehr davon nach Hause: ob sie nicht etwas Sicheres. Festes wünschte und ihn, den armen Geiger, abweisen würde? Aber dann kamen ihm die Abende in der Küche in den Sinn, ... er, die Kleine auf den Knieen, die ihn mit den großen, blauen Augen ansah und ihm mit offenem Munde zuhörte, wie er erzählte vom großen Fiss", mit Augen von der Größe eines Wagenrades und einem Maule, so groß wie Mamas Schürze; aber so lang war er wie die Straße, in welcher wir wohnen, von einem Ende bis zum andern" ... und die junge Mutter dann dabei, mit ihrer Stickerei beschäftigt, ein stilles Lächeln des Glücks auf den Lippen; zuweilen ab:r lachte sie laut auf, wenn in dem Märchen gar zu haarsträubende Dinge vorkamen ... Hätte die junge Frau so dagesessen, wenn er ihr gleichgiltig war? Auch jene Scene, die sich ereignet hatte, als sie am Abend eines Sonntags auf dem Wege waren von dem Concertgarten eines Vorortes nach Hause, trat ihm lebhaft vor Augen, wie da Toni nämlich sich dicht an ihn geschmiegt hatte: Onkel, du müßtest eigentlich unser Papa sein!" Er hatte wohl das tiefe Roth bemerkt, das unmittelbar darauf der jungen Frau in die Wangen schoß, hatte ihre Verlegenheit gesehen, die sie sich zu verbergen bemühte, indem sie so that, als hätte sie nichts gehört; heute aber glaubte er die tiefe Bewegung zu verstehen, die sie gezeigt hatte, als sie einander Gute Nacht" sagten. Da hatte sie seine Hand ergriffen und sie herzlich geschüttelt, etwas, das noch nie zuvor noch nachher wieder geschehen war. Er trat wieder zum Fenster und schaute hinaus . . . Da lag der Garten dunkel und standen die Pelargonien so einfach ziegelroth... was waren sie ohne die Sonne? . . . , Und wenn die prächtigste Rose, die farbensatteste Tropenblume da im Schatten hindämmern würden, könnten sie den kleinen, rothen Blüthen gleichkommen, um welche die Sonne spielte?... Dk Sonne, sie war Alleö, sie war daö Leben so wie die Liebe. Er hatte sich nach der Luxusblume gesehnt... Würde die Sonne eines reichen Herzens sie umstrahlen wie den echten Demant der farbensprühende, augenblendende Abglanz seines Werthes? Doch seine kleine, bescheidene Blume da drinnen, tausend Lichter spielen um sie mit ihren wechselnden Tönen; sie würde ewig neu sein, ewig tief, ewig reich und ewig schön, ein ewiges Gotteswunder ... Liebe, Liebe, du Leben vergoldende, du Sonne! Er breitete die Arme aus, und ein zitterndes Verlangen erfaßte ihn, zu ihr hineinzugehen und ihr Alles zu sagen. . Noch ging er nicht, noch blendete ihn daö Neue, Ungeahnte, so daß er die Augen mit der Hand beschatten mußte . . . Dann aber ermannte er sich und eilte zu ihr mit der Fröhlichkeit deö gefaßten Entschlusses.' Die kleine Toni war zuerst ganz verblufft, alö sie sehen mußte, wieder
Onkel" die Mma in den Armen qteit und küßte: dann aber verzog sie daS Mündchen zu einem verschmitzt-ver schämten. Lachen: - -'- Onkel, du bist ein großer Mäusekönig." , - ?tn Ammenmärchen.
Von HanS Füller. - Unvermuthet betrat der Herrscht? das Gemach, in dem die Erziehung der kleinen Prinzen stattfand. Er, erblickte ein reizendes Idyll: die lieblichen Fürstenkinder in den schmucken Hauptmannsunisorm:n ihrer Regimenter auf dem Schoße der alten Amme sitzend und mit leuchtenden Augen den Märchen lauschend, die sie erzählte. Aus einen Wink des Fürsten fuhr sie in ihrer Erzählung fort: v r und dem Könige hatte eine gütige Fee herrliche Gaben des Geistes und des Körpers verliehen, darum liebten ihn seine Unterthanen über -alles.Aber dieser Liebe fehlte die rechte Herzenswärme. Und überall, wo dieser Mangel an HerzNchkeit. sei es in Worten, sei es in Gebärden, erkennbar wurde, waren flugs des KLnigs getreue Diener bei der Hand; und sie rissen den Unvorsichtigen hinweg von dem Feuer seines Herdes und warsen ihn in den Kerker, da. wo er am finstersten ist. Darob erhob sich viel Wehklagen im Lande, und die Liebe des Volkes wurde kälter von Tag zu Tag. Bald mußte der König die Zahl seiner Di:ner und. seiner Kerkerhäuser verzehnfachen. Das betrübte'' den guten Monarchen gar sehr. Das. Essen wollte ihm nicht mehr munden, er wurde täglich bleicher und magerer und Nachts wälzte er sich schlaflos in seinen seidenen Kissen und grübelte darüber nach, wie er die Herzen seiner Unterthanen gewinnen könne. Als sogar seine Lieblingsspeise. Schweinebauch mit Sauerkohl, unberührt wieder von der Tafel getragen werden mußte, wurde der Hofmedikus sehr nachdenklich und erbat sich eine Audienz bei der Königin. Auf deren Wunsch beschied der König die drei weisesten Männer seines Landes vor seinen Thron und fragte sie um ihren Nath, wie er die Liebe desVolkes zu seinem angestammten Herrscher herzlicher gestalten könne. Der erste Weise rieth ihm.. er solle in den Krieg ziehen; denn nichts entzünde mehr Begeisterung bei den V?lkern, als wenn ihnen gnädigst gestattet würde, sich für ihren königlichen Herrn abschlachten zu lassen. Der zweite gab den Nath. der Konig solle allen seinen Unterthanen gestatten, ihrem Namen das Wörtchen von" vorsetzen zu dürfen. Der dritte Weise hatte aus dem Kerker geholt werden müssen, in dem er schmachtete, weil er selbst den König nicht herzlich genug liebte. Er sprach: O Herrscher, verbiete Deinen Dienern, auch nur einen Deiner Unterthanen einzukerkern, weil er Dich nicht herzlich genug liebt, und Dein Wunsch wird in Erfüllung gehen." Zwischen diesen drei gleich vorzüglichen Rathschlägen fiel dem Könige die Wahl schwer, und er ließ die Würfel entscheiden. Da sie sich für den dritten Rath entschieden, gab der König sogleich den Befehl, daß es fortan seinen Unterthanen frei stünde, ihn herzlich oder weniger herzlich zu lieben, und weit ließ er die Kerkerthore offnen. Die Freigelassenen priesen die Weisheit des Königs, ein Jubelrus ging durch das Land, Männer hatten Thränen der Rührung in den Augen. Frauen schlössen den gütigen Monarchen in ihre Gebete ein, Jünglinge jauchzten ihm begeistert zu, und von Stund an wohnte er im Herzen des Volkes. Von Dankbarkeit überströmend, schloß er den Rathgeber in seine Arme und sprach, indem er in Thränen ausbrach " Genug!" rief der Herrscher, der in tiefer seelischer Erregung der Erzählung gelauscht hatte, und stürmte au! dem Gemach. Noch am selben Tage wurde die alte Kinderfrau fortgejagt. In ihrem Zeugniß stand als Entlassungsgrund: Verdirbt die Phantasie der Kinder durch Erzählung gänzlich unwahrscheinlicher Märchen." ff Qtt Lchoppe Vkoscht".
Unter der Regierung des verstorbenen König Wilhelms 1. von Württemberg wurde jährlich am 27. September, dem Geburtstage des Fürsten, das Volksfest in Canniatt abgehalten, das aus Prämirung der schönstenFeldund Gartenfrüchte sowie des bestgezogenen Rindviehs den Bauern eine Anregung geben sollte. Als Preisrichter fungirte u. A. auch der längst verstorbene wegen feiner Tüchtigkeit bekannte, wegen seiner Derbheit berüchtigte Oberamtsthierarzt Kaltschmidt aus Ludwigsburg. Um nun den Bauern seines Bezirkes einen Begriff von seiner Beliebtheit bei Hofe zu geben, berichtete er über einen Besuch beim Kömg, daß dieser sofort nach seinem Eintreffen seine Gemahlin geborene Großfürstin Katharina von Rußland gerufen und zu ihr gesagt habe: Kathrene gang in Keller ra und hol dem Kaltscbmidt en Schoppe Moscht ruf.Immer derselbe. Major (das Mannschaftszimmer verlassend): Adieu, Füsiliere!" Einjähriger Hirsch: Adieu, Herr Major; beehren Sie unö recht bald wieder!" ' Eine Musterhausfrau. Gatte: Aber. Kind, die Kartoffeln sind ja nur halb gar." Gattin: Na, Männchen, dann iß doch einfach die .Hälfte, die gar ist!" Das wahre Glück haben die Menschen dann, wenn sie vom Glück 'ihuziz
Frauknschönhelt. Die Schönheit einer Frau dieS sei sogenannten älteren Frauen zum. Troste gesagt währt ziemlich durch das ganze Leben. Sie nimmt jeden Tag an Reife zu; denn daß die Schönheit der Frauen gleich der der Männer vom Gesichtspunkt der Reife aus beur-
theilt werden muß, ist nicht zu bezwei. feln. Abgeschmackt ist die Behaupt tung. daß die reife Schönheit von 40' Jahren weniger fesselnd sei, als derr Jugendreiz der in der Knospung 6cfindlichen Sechzehnjährigen. Wenn die Frauen nur mit den Gesetzen der Natur in Harmonie leben, so hat jedes Le bensalter seinen eigenen Zauber. Der Schönheit Fülle nähert sich ihrem H'6 hepunkt nicht vor dem 35. oder 40. Jahre. Helena, die große griechische Schönheit, war 48 Jahre alt. als sienach Troja kam. Aspasia wurde ersr im 37. Lebensjahre die Freundin desPerikles und glänzte noch lange danach wie ein Stern der Schönheit. Klcopatra war über 30 Jähre alt, als sie dem. Antonius begegnete.' Diana von PoU tiers zählte 36 Jahre, als sie Heinrichsdes Zweiten Herz gewann. Der König, war halb so alt, wie Diana, hörte jedoch nie auf, sie zu verehren. Anna voir. Oesterreich war 38 Jahre alt, als sieals Europas schönste Frau bezeichnet wurde. Madame de Maintenon war als Ludwig der Vierzehnte sie kennen lernte, 43 Jahre alt. Mlle. Mars, dieberühmte Schauspielerin, war am. schönsten mit 45 Jahren und MmRecamier zwischen 35 und 55 Jahren.. Die wahrste und stärkste Liebe wird durchaus nicht immer von 20jährigen Schönheiten eingeflößt. Die Begeisierung über das bezaubernde 17. Lebensjahr muß vor der alten Erfahrungzurückweichen, daß in der Unreife die: höchste Schönheit nicht zu finden ist. Denn unter Schönheit versteh! man nicht blos wohlgeformte Züge und fri sche Gesichtsfarbe das haben auch geistlose Wachspuppen. Die thauige und rosige Gesichtsfarbe der Jugend ist ein besonders herrliches Geschenk der Natur, aber einer Frau bestes undreichstes Alter ist eigentlich das zwi schen 36 und auch über 40 Jahre. Jeirr Frau begeht den größten Fehler, die' sich in einem gewissen Alter für passtt" hält. Sie muß es nur verstehen,, würdig dem höheren Alter entgegen zu. gehen. Dies sind die Ausführungen . eines Franzosen, die aber wohl auch bei.deutschen Frauen Zustimmung finden. Wie man die Mode zwingt Fast tagtäglich hört man von: Ver--einen, deren Zweck es ist, die Bekleidung des Körpers für die Gesundheit zuträg-. licher zu gestalten. Mit scharfen Zun-.-gen wird gegen das Corset gekämpsr Mit Logik und Energie versucht man.. es, der Schleppe den Garaus zu -manchen. . Diese Bestrebungen rufen die Kleiderordnungen aus verflossenen. Jahrhunderten wach, die strengen. Worte der Prediger, die von der Kanzel, herab gegen den Luxus, die maßlose: Putzsucht und die Modethorheiten eifer-' ten, in die Erinnerung. Interessant ist es, daß früher nicht allein die Frauen solche Vorwürfe ertragen muß- -ten. Der gerechte Tadel traf in gleichem Maße die Männer. Höchst eigen--artig war das Mittel das Landgraf Wilhelm IX. von Hessen anwendete, um die Tracht der Jncroyables" (derUnglaublichen) zu bekämpfen. DeeFreiheitsdrang der französischen Revo--lution trieb die Menschen zu dem Ausdruck der Freiheit im Costüm. AlleS Unbequeme streiften sie ab und gelangten zur Uebertreibung des Natürlichen. Aus dem Spazierstock wurde in dicker Knotcnstock. Aus den Westentaschen, baumelten gewichtige Paradepetschaf--ten. Der Eylinder verwandelte sich in. ein formloses Ungethüm. Um den HalS. toickelte man sich bis zum Mund hin--auf, an Stelle des Halstuches, eineFülle von geblümten Tüchern, die dashalbe Gesicht zudeckten. In wirren. Strähnen fiel das Haar herab. Zwischen den schlottrigen Stiefeln und den. Beinkleidern aus rothem Kaschmir ka--men bunte Strümpfe und Strumpfe bänder mit großen Schleifen zum Vor--schein. Diese unglaubliche Tracht fand in Deutschland Beifall. Vergeblich rief man die Polizei dagegen zu Hilfe, weil man hinter dem Costiun Revolutionäre witterte. Da glaubten Landgraf Wilhelm IX. ein Mittel zur Ausrottung dieser Affentracht gefunden zu haben. Im Jahre 1799 ließ er die in Kassel inhaftirten Züchtlinge bis auf's Kleinste nach der Art der Incroyables kleiden, jedoch mit grobstoffigen Zeugen. In diesem Aufzuge, mi Ketten an den Händen und Füßen. mußten sie die Gassen kehren und inr Theater und an allen öffentlichere Plätzen die gewohnte Arbeit verrichten. Der erwünschte Erfolg des Versuches blieb aus. Erst mit der Aenderung der Gesinnung der Männer änderte sich die Klcidung, denn die Mode ist der Ausfluß der Zeitströmung. asernenyofblüthe Wachtmeister (sich mit einem ungeschickten Rekruten ärgernd): Hammelmeier, Sie boshafte Laune der Natur!Na, Meier, Sie machen ja heute eine so superkluge Visage, als wenrr S i e den Parademarsch erfunden hät--ten."
Reimt Strohhuber. Sie Erzdummkopf! Sie werden gewiß noch als zehnfacher Vater an den Storch glauben!" GuteWaffe. Frau: Unx Gottes willen, ich glaube, dort kcnmt ein Räuber!" Mann: .Richtig. t weh! Du Eulalia, sing Z)ksiu was! ..
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