Indiana Tribüne, Volume 23, Number 103, Indianapolis, Marion County, 31 December 1899 — Page 2

Proslt Neujahr! !tt Fenster auf, die Herzen auf, Und laßt der Freude vollen Lauft Schon gab die Uhr vom letzten Tag Des alten Jahrs den letzten Schlag, Und brausend durch den Wintergrauö Hallt's jubelnd in die Nacht hinaus: Prosit Neujahr! WaS uns die Zulunft bringen mag. Wer denkt daran am heut'gen Tag! Mas nicht geglückt im alten Jahr, Bringt uns gewiß das neue dar. Und rauschend über Land und Meer Klingt es in vollem Chor daher: Prosit Neujahr! ) 2Ht Wächter auch mit deinem Speer, Stell mal beiseite deine Wehr! Nimm hir den Heißen Labetrank, Und ruf dafür zu schönem Dank Vor jedem guten deutschen Haus Nur lauter frohe Stunden aus Prosit Neujahr! Eine söffe Wacht. Svlrester-HumorcSke von Georg Prinz. . Herr Berger sah auf die Uhr. Es ist erst elf", sagte er, kommen Sie, Doktor, wir lassen das junge Volk hier unter sich und ziehen uns drüben in die Kaminnische zurück, dort habe ich uns einen guten Tropfen reserviren lassen, und dort erzähle ich Ihnen die Geschichte." Der Andere nickte und ging mit hinüber in die lauschige Ecke, wo sie sich niederließen. Und Herr Berger erzählte: Damals war ich siebenundzwanzig Jahre und bis über die Ohren derliebt in einen entzückenden Blondkopf. Mein Glück war ohne Grenzen, als ich eines Tages erfuhr, daß auch Mariechen (so hieß das hübsche Kind) Interesse an mir fand. Selbstverständ!ich setzte ich nun Himmel und Hölle in Bewegung, um jeden Tag meine Angebetete zu sehen. Na, ich will mich kurz fassen: nach vierzehn Tagen wa?en wir Liebesleute. Ich schwamm in einem Meer von Wonne und hätte mein Mädel am liebsten gleich vom Fleck weg geheirathet. Aber es gab ein Hinderniß. Der Vater meines Mädchens war ein praktischer Mann und als solcher gab er einem anderen Freier, einem corpulenten, nicht mehr ganz jungen, dafür aber um so reicheten Rentier den Vorzug vor mir, denn uiein Einkommen war damals noch sehr mäßig. Das bereitete mir natürlich ernstlichen Kummer, aber mein Mariechen tröstete mich, und außerdem gewann ich auch bald noch die Mama für mich, so daß ich nicht zu verzagen brauchte. Acht Tage vor Neujahr bekam ich eine Einladung zur Sylvesterfeier in i?er Familie meiner Holden. Ich war Überglücklich. Aber die nächste Vost schon brachte mir ein Briefchen meines MädelZ, das alle meine Hoffnung wieder sinken ließ, denn am Sylvester sollte die Verlobung mit dem dicken Nentier proklamirt werden, so schrieb sie mir. Ich war niedergeschlagen und völlig rathlos. So traf mich ein Freund, dem ich mein Leid klagte. Dieser aber, ein flotter Junge, hörte mich an, Überlegte ein wenig und sagte dann : Aber furchtbar einfach, der dicke Kerl darf eben gar nicht erscheinen zur Sylvesterfeier. Wir müssen ihn fortschassen oder ihn auf irgend eine Weise zurückzuhalten suchen." Sprachlos sah ich ihn an. Er aber lachte laut auf und schrie: Ich hab's! ich hab's!" und rannte fort. Der Sylvester kam heran. Ein leiser Schimmer von Hoffnung erhielt mich aufrecht. Um acht Uhr war ich geladen. Vorher aber wollte ich mich vergewissern, ob mein Nebenbuhler erschienen war. Ich schlich also durch den Garten ins Haus und gab meinem Mädel ein Zeichen. Voll Freude rief sie mir zu, daß er noch nicht da fei. Ich athmete auf und rannte nach Hause, um mich umzuziehen. Als ich an meinen Schrank komme, mache ich die Entdeckung, daß mein Frack nicht da ist. Ich alarmire die Wirthin. Sie weiß auch keine Auskunst zu geben. Plötzlich fällt mir ein, daß vielleicht mein Stubennachbar, :in guter Freund von mir, meinen Frack sich geholt haben, könnte. Und richtig, so war's denn auch. Auf meinem Schreibtisch fand ich ein paar Zeilen von ihm. Er fei zum Ball geladen, und zwar ganz plötzlich erst, und da er mich nicht daheim-antraf, habe er sich leihweise meinen Frack genommen, ich möge entschuldigen und so weiter. Was nun?" Ich war außer mir. denn es war bereits neun Uhr und ich sah im Geiste schon den dicken Freier antanzen. Angstschweiß perlte au? meiner Stirn. Endlich schleppte die Wirthin einen alten Frack, den sie in der Nachbarschaft geborgt, heran. Aber eben, als ich den Aermel schlüpfte, giebt es einen kleinen Krach und rrrrr! die Rückennaht war ausgeplatzt. - Meine Wirthin lachte laut aus. Ich aber war sprachlos vor Wuth. Das ganze Gebäude meiner kühnsten Hofsnungen sank in ein Nichts zusammen, denn jetzt mußte der dicke Rentier doch längst das väterliche Jawort erhalten haben. Und ich verwünschte alles, wag mich in diese entsetzliche Situation gebracht hatte lnwischen war die Wirtbin sleißig gewesen und haue versuch?, den Schaden so gut wie möglich auSzu, bessern. Ich fuhr zum zweiten Mal hinein in die Aermellöcher, diesmal aber vorsichtiger. Doch alle Vorsiazt war umsonst. Kaum war ich mit meinen Armen drinnen und versuchte einen geraden Rücken zu machen, da gab es wiederum einen Krach, dies-

mal aber einen ordentlichen, denn der Frack war von oben bis unten auöewander geplatzt,, weil. er mir.viel zu eng war. Jetzt war es mit meiner Geduld zu Ende. Wie ein Besessener tobte ich im Zimmer umher, so daß die gute Wirthin ernsthaft besorgt war um ihre zerbrechlichen Gegenstände. Plötzlich ertönte die Thürglocke. Entsetzt fuhr ich zusammen. Ich war aus das Schlimmste gesaßt. Ein Dienstmann brachte mir ein Billet von Mariechen. Weshalb ich denn nicht käme?" und so weiter. Es stände sehr gut um unsere Sache, denn der dicke Rentier sei noch immer nicht erschienen. Ich möge also sofort kommen, bevor es zu spät sei. Mein Muth keimte wieder empor, meine Laune kam zurück, die Hoffnung gab meinem Leben neuen Inhalt. Frau Wirthin," rief ich, schaffen Sie mir einen anderen Frack, und sollten Sie ihn einem Könige mit Gefahr Ihres Lebens stehlen, aber ich muß jetzt einen Frack haben!" Die Wirthin zuckte die Achseln und meinte, jetzt bliebe nur noch das Ver-leih-Jnstitut. Richtig!" schrie ich. Im nächsten Augenblick saß ich in einer Droschke und fuhr nach dem Geschäft. Aber es war inzwischen halb elf Uhr geworden und so fand ich das Geschäft natürlich geschlossen. Doch ich ließ nicht nach. Ich ging in, die Privatwohnung des Inhabers. Auch hier war es umsonst. Die Leute waren fortgegangen zu Bekannten, mit denen sie Sylvester feiern wollten. Ich ließ mir von dem Dienstmädchen die Adresse der Bekannten nennen und fuhr nun dahin, denn jetzt hatte ich eZ mir vorgenommen, meinen Willen durchzusetzen. Endlich fand ich den GefchäftsinHaber. Er war bereits ein wenig angeheitert, so daß er, als ich ihm mein Malheuer erzählte, dröhnend auflachte. Indessen war er ein guter Mensch, deshalb stieg er sofort mit mir in den draußen wartenden Wagen und fuhr zurück nach dem Geschäft. Inzwischen war eS nahezu yalv zwölf Uhr geworden. Mit Grausen sah ich aus die Uhr. Aber ich beruhigte mich doch, denn ich hatte jetzt ja einen Frack, und wenn ich mich nun recht beeilte, konnte ich vielleicht noch vor Anbruch des neuen Jahres bei meiner Angebeteten sein. Als ich nach Hause komme, blaß und matt vor Aufregung, kommt mir freudestrahlend die Wirthin entgegen mit der Nachricht, daß mein Stubennachbar bereits vor einer halben Stunde den geliehenen Frack zurückgebracht habe, weil er ihn nicht mehr brauche. Ich fluche zwar wegen der Kosten, die ich mir nun umsonst gemacht habe, heimlich aber freue ich mich doch, daß ich nun mit meinem eigenen Frack, gehen kann. Also schnell Toilette gemacht und dann fort zu der Angebeteten. Zehn Minuten vor zwölf bin ich fertig. Aber, o weh! jetzt finde ich nirgends einen Wagen. Also zu Fuß nur schnell weiter! Leider ging das nicht so glatt, wie ich erhoffte. Kaum war ich fünfzig Schritte gegangen, als eine Horde roher Burschen mir entgegenkommt und mich mit einem Prosit Neujahr!" anschreit. Ich will ausweichen. Umsonst. Man rempelte mich an. Ein Wort giebt das andere, und plötzlich ist ' mein Cylinderhut eingetrieben. Nun beginne ich zu rasen. Wie ein Wilder schlage ich um mich. Aber der Gegner waren zu viele. In wenigen Minuten war ich durchgebläut, mein Mantel und Frack zerrissen, mein Vorhemd und meine Kravatte waren zerfetzt, und ich bot ein Bild des Jammers. Endlich kommt die Polizei. Es geht zur Wache. Ich wollte rasen vor Wuth. Neujahr! Wie ein tausendstimmiges Gebrülle hallt es durch die Luft. Ich aber hätte weinen mögen! Endlich sind die Namen festgestellt und ich kann gehen. Mit Sturmes sausen eile ich nach Hause mich noch einmal umzukleiden. Aber als ich vor der Hausthür stehe, kann ich nicht hinein, denn meine Schlüssel steckten im anderen Beinkleid. Nun Haschte ich in die Hände und schreie und machte einen Höllenspektakel, aber alles umsonst, niemand hört mich. Nach einer qualvollen halben Stunde, kommt dann endlich meine Wirthin und öffnet. Ich fliege die Treppe hinauf und stürze in mein Zimmer. Wo ist der andere Frack?" schrie ich. Und die Wirthin antwortet mir, daß mein Stubennachbar noch ein-

mal dagewesen sei und sich jet den Frack wieder geholt habe, weil er schnell noch einen öffentlichen Ball besuchen wolle." Geknickt sank ich nieder. Nun war alles aus. Voll Resignation vor Wuth, schließlich aber fand ich meine Laune wieder, braute mir einige steife Grogs und feierte mutterseelenallein meinen Sylvester. Dann setzte ich mich hin und ichrieb meiner Holden einen greifenden Entschuldigungsbrief und krzählte ihr mein Abenteuer. AISdann bekneipte ich mich, bis ich einschlief. AIS ich am NeujahrStage im Hause meiner Angegebeteten meine Bisite machte, empfing man mich mit stürmischem Gelächter. Mein entsetzliches Pech hatte sie Alle riesig heiter gestimmt, so daß man für mein AuSbleiben schnell eine Entschuldigung fand. Nun ein Glück in all' dem Pech wir mir beschicken: mein Nebenbuhler, der dicke Rentier war auch nicht erschienen beim Sylvesterfest; mein Freund hatte ihn verschleppt, ihn betrunken gemacht und war die ganze ?!acht mit izn um-

her gebummelt, so daß er einfach un

fähig war, das Fest zu besuchen. Und das war mein Gluck, denn von diesem Tage an stiegen meine Aktien bei dem so sehr gefürchteten Schwiegerpapa ganz bedeutend, so bedeutend, dak icb ein Kalbes ?labr spater um die Hand meiner Marie anhalten konnte. Das ist die Geschichte, wie ich zu meiner Frau gekommen bin." Damit erhob sich Herr Berger. Und nun kommen Sie, Doltorchen, es ist bald 5Zeit zum aroken Anstoßen, denn der Zeiger rückt auf Zwölf zu. Kommen Sie hmuber zu dem jungen UiOiu Da schlug es zwölf und da stieg es brausend zum nächtlichen Himmel empor, ein Jubeln und Schreien, ein Singen und Klingen. und tausend geheime Wünsche wurden emporgeschickt zum Himmel, und tausend Bitten um Erfüllung. ' Ein endloses Prostt Neujahr!hallte über die Welt. Der ZauderVogel. . Vom ffeinlüger. Es ist eine Reihe von Jahren her, da war ich auf einem kleinen Nest bei einer gräflichen Herrschaft. Aus dieser Zeit will ich Ihnen heute eine merkwürdige Geschichte erzählen, eine Geschichte, so merkwürdig, daß ich sie selbst nicht glauben würde, wenn ich nicht Augenund Ohrenzeuge in eigener Person geWesen wäre. In einem obskuren Gasthause deS erwähnten kleinen Städtchens gab ein sogenannter Zauberküstler Vorstellungen, welche derartig viel von sich reden machten, daß meineHerrschast beschloß, ihn eine Soiree auf dem Schlosse geben zu lassen, da sie doch nicht gut die gewöhnlichen Kneipen aufsuchen konnte. Die gräflichenGatten waren auf daZ Höchste entzückt das hatten sie nicht erwartet und doch drohte der Abend mit einem Mißton zu enden, wenn nicht .... doch ich will nicht vorgreifen An dem betreffenden Abend also hatte der Zauberkünstler ganz wunderbare Piecen vorgeführt und das Auditorium die Herrschaft hatte die Erlaubniß gegeben, daß auch wir Beamten an der Vorstellung theilnehmen durften ließ eS nicht an rauschendem Beifall fehlen. Endlich war das hochinteressante Programm erledigt, aber die Frau Gräfin drang in den Prestigiateur, doch noch etwas zuzugeben. Er hatte zwar schon mit dem Einpacken seiner Apparate begonnen und es schien ihm die Aufforderung nicht ganz angenehm zu sein, schließlich derstand er sich aber doch dazu nur bat er sich aus, ihm nicht zu zürnen, wenn daS Experiment nicht gelingen sollte, eS sei eineS der schwierigsten, und eineS, welches er nur höchst selten produzire. Doch die Gräfin lächelte nur, und als er erklärte, das kostbarste Schmuckstück, welches sie an sich trage, sei dazu nothwendig, reichte sie ihm ohne Bedenken einen Ring, der nicht nur dadurch von unschätzbarem Werthe war, daß in ihm ein sehr großer Diamant gefaßt war, sondern auch deshalb, weil ihn einst der hervorragendste Ahne deZ Geschlechtö trug. Im nächsten Augenblicke jedoch schrie sie entsetzt auf und wir mit, denn kaum hatte ihn der Künstler in der Hand, so warf er ihn kurzweg zum offenen Fenster hinaus. Es entstand eine beängstigende Pause, während deren der Künstler in einem Köfferchen herumkramte. Plotzlich wandte er sich sichtlich erschrocken und in größter Verlegenheit, zu den gräflichen Herrfchaften: Er müsse daS geheimnißvolle Augenglas, welches ihn auch durch die tiefste Finsterniß jeden Gegenstand sofort finden lasse verloren haben. Aller Anwesenden bemächtigte sich eine tiefe Entrüstung und wirBediensteten sorgten dafür, daß der Mann nicht entrinnen könne. Die Gräfin war ganz außer sich, tief unglücklich sogar! Fast fiebernd forderte sie zuerst ihre Kammerzofe auf, den Ring mit allen verfügbaren Mitteln zu suchen, und diese ging aber sie kam nicht wieder! . Nun mußte der alte und bewährte Kammerdiener ebenfalls auf die Suche gehen, aber uns gruselte auch er kam nicht wieder! Auch diese beiden schienen verloren! Das war selbst dem sonst sehr reservirten Grafen zu bunt und er forderte den Zauberer" energisch auf, entweder den Ring herbeizuschaffen oder die schweren Folgen seinerHandlungsweise zu tragen. Da geschah etwas Wunderbares. Der Mann, der bis jetzt so gedruckt ausgesehen hatte, lachte plötzlich laut auf: Daß ich nicht daran dachte! Ich habe ja noch den Kanarienvogel hier, der in der 4. Piece erinnern sich die Herrschaften? alles. waS man nur wollte, fand! Komm her, Bijou alIons apporte!" Mit diesen Worten hatte er den zierlichen Käfig des Vögelchen geöffnet, dieses flog in die Dunkelheit hinaus und kaum, daß wir unS von unserem Erstaunen erholt hatten, flog eS wieder herein: im Schnabel den Ring, in dem einen Fuß die Kammerzofe, in dem anderen den alten Kammerdiener haltend!" Vor Gericht. Der Prästdent: Angeklagter, Sie behaupten also, daß Ihr Complice daS Alles gethan hat; nun ist aber die Kanaille verschwunden. ... So geben Sie mir wenigstens'sein Signalement.... Wie sieht dr .eerl denn aus?- Der Angeklagt (nach einigem Nachdenken): Nun, 1 ist ein Typuö so ungefähr wie d Ihrige." Unbedacht. Frisch geadelter :ron (zu einem anderen): Wissen S' .::ch, daß meine Ahnen bis zur Z' der Kreuzzuge zurückreichen?' iler Baron: " Pah! Da waren n schon auögestorben!

Zur Jahreswende. Mancher Wunsch ist in dem Jahr' ' Unerfüllt geblieben - Scheiden aus der Freunde Schaar Sahst Du manchen Lieben. Wenn die Glocke nun durch's'Land Ruft mit ernsten Tönen, Deinem Feinde reich' die Hand Willig zum Versöhnen! WaS Du selbst in hartem Strauß Konntest nicht erringen. Wird zum neuen Jahr in'S HauS Dir der Frieden bringen. Sylvester Wysterimn. Bon M. Lindner. Bei Großmama Bechlin in dem alten Landhaus hatte die Feier des Sylvesterabends stets einen ganz besonderen geheimnißvollen Reiz. Hier konnte man noch an Geister und Geisterweben, an Zukunstsprophezeiungen und Zukunftsdeutungen au3 alten Sylvesterbräuchen glauben, wenn

die feierliche Neumhrsnacht wie eine große heilige Andacht rings auf das

schweigende Schneegefild herabsank, wenn es wie Orgelton durch dieVaumriesen rauschte, die viele Menschenalter hindurch daS Haus umstanden und das Kienholzfeuer in den mächtigen bunten Kachelöfen knackte und bullerte, daß es förmlich unheimlich abzuhören war. Auch heute duftete das gnze alte Haus nach Punsch und Pfannkuchen; auf dem Tisch stand die dampfende Bowle, und immer neue Berge von braungelben zuckrigen Krapfen kamen aus dem siedenden Schmalzkessel vom Kllchenheerd. Die Großmama saß am Whisttisch mit Herrn und Frau Pastor Lippert und einem Gutsnachbarn, dem stocktauben alten Onkel Dagobert. Vor dem Ofen aber goß man Blei, ließ Nußschalen schwimmen und warf mit Pantoffeln und Aepfelschalen, um die Zukunft zu deuten. Onkel Heinz. Großmamas ältester Enkel, der mit ihr das Gut bewirthschastete. saß dabei in seinem großen Ledersessel und scherzte mit den Backfischen, die entsetzlich neugierig waren, ob sie sich in dem neuen Jahr verloben würden; er uzte die Kadetten und Primaner, welche die Backfische poussirten, und neckte die jungen Mädchen, die mit den Vettern und dem jungen Volontär charmirten. Am allermeisten neckte er Fräulein Blasius, Pastors ältliche Gouvernante, die ihn anschmachtete. Nur mit einer scherzte er nicht; das war die schöne Eva von Trontheim. Mit dieser hatte es eine besondere Bewandtniß. Sie war keine ' Verwandte, sondern dieEnkelin von Großmamaö liebster Jugendfreundin und ein Schooßkind des Glücks gewesen, bis eines Tages ihres Vaters Existenz zusammenbrach denn er war ein Spieler. Jetzt hatte die Großmama daZ heimathlose Mädchen eingeladen und es liebevoll als Gast aufgenommen. Da saß es nun wie eine verwünschene Prinzessin unter der harmlosen Jugend vom Lande, die dunklen Augensterne voll banger Räthselfragen an die Zukunft. Fast noch ein Kind, war Eva im elterlichen Hause von Anbetern und Courmachern umgeben gewesen, aber jetzt zum ersten Mal hatte sie ihr Herz derloren an den blonden Niesen, der so große Fäuste und so seelensgute Augen hatte. Sie hatte es nie für möglich gehalten, daß sie einen so derben Landmann mit ungeschminktem Wesen leiden möge, aber er war so treuherzig, so lieb mit der Großmama und Alles in ihm und an ihm recht und wahr. Ob er sie ein klein wenig leiden mochte? Ach, daß doch diese Sylvesierstunde eine Antwort auf solche Schicksalsfrage wüßte! Onkel Heinz, Onkel Heinz l" rief eben Lore, der übermüthigste aller Backfische, meine Aepfelschale hat ein deutliches H" gebildet, am Ende muß ich Dich noch heirathen!" Na, es könnte auch Hinze- bedeuten. weißt Tu. Lore, den Schneider Hinze von drüben. Nimm Dich nur in Acht!" Alles lachte und Lore warf dem bösen Onkel den Rest ihrer Aepfelschalen an den Kopf. Und wie deuten Sie dieses Zeichen, Herr von Bechlin?" fragte Fräulein Blasius mit einem schwimmenden Augenaufschlag. Das kann nichts Anderes bedeuten als u. s. w." Sie werden also fortfahren wie bisher. Andere unglücklich zu machen und unerbittlich zu bleiben, Sie Marmorherz!" , Und so weiter! Und so weiter!" jauchzte die übermüthige Jugend und Onkel Dagobert fragte aufhorchend: Was gibt's? Fräulein Blasius soll einen bunten Reiter heirathen?" Darüber fielen nun die Backfische fast unter den Tisch vor Lachen. Der Jubel steigerte sich noch, als der junge Volontär mit dem flüssigen Viel deutlich und unverkennbar einenSaug pfropfen goß (wenigstens deutete Onkel Heinz eZ so), und Pastors Aelteste, die sanfte Frieda, einen Husarensäbel. MSaliche und unmöglkche Dinge wurden da in Blei gegossen: R'ge, Pantoffel, BallbouczuetS, Brauttt ze, Hufeisen, Kinderwiegen, Geroj?cke, seltsame Thiergestalten. Paläste. VilUn Pflugschare. Orden Onkel Heinzens Humor wußte auch dem tollften Krimskrams noch eine Deutung abzugewinnen, und er hatte ein dankbares Publikum. Endlich war die Reihe an Eva. Ihre weiße Hand zitterte ein wenig, als sie den Löffel hielt und Heinz von Vechlins Hünengestalt sich über sie beugte, das Resultat erwartend. .Ab! WaS ist das?" riefenLlle vx

gleich, und dann tönte eS im Chor: Ein Schlüssel, deutlich und unverkennbar ein Schlüssel!" Die Großmama kam' herbei, um sich selbst zu überzeugen, und auch Onkel Dagobert war neugierig. Ein Rüssel? Kinder, das ist doch im Leben kein Rüssel?" verwunderte sich der alte, taube Onkel. Nein, ein Schlüssel," sagte Großmama, das ist seltsam, denn es kommt nicht oft vor. K.ennt Ihr nicht den alten Glauben: wer in der Sylvestermitternachtsstunde einen Schlüssel gießt, der soll durch drei Thüren gehen und an die dritte mit dem Schlüssel klopfen, dann findet er dahinter einen Schatz?" Ach. wie reizend, wie gruselig! Wirst Du es Probiren, Eva? O, wir beneiden Dich! Nein, um keinen Preis wagte ich das, ich stürbe vor Angst!" so riefen vie jungen Mädchen durcheinander. Ich ginge nur, wenn Onkel Heinz mit seinem Gewehr, Onkel Dagobert mit seinem alten Kürassirsäbel und Serr Vastor. um alle bössn Geister zu

beschwören, mitkämen," bemerkte Lore. Nein, ganz allein und unbemerkt muß man gehen," sagte Großmama, sonst wirkt der Zauber nicht." Ich gehe nicht, ich finde doch keinen Schatz!" erwiderte Eva auf alles Bitten und Drängen der jungen Mädchen, das Wunder zu Probiren. Aber als die allgemeine Aufmerksamkeit sich jetzt auf Frau Pastor richtete, welche den jungen Leuten die Karten legen wollte und mit Jubel umringt wurde, schlich sich Eva heimlich fort. Sie wollte allein sein, einen Augenblick allein in dieser weihevollen MitternachtLstunde, ihr Herz war zu voll, zu schwer für die laute Gesellschaft und fast schämte sie sich, es sich einzugestehen ihr war so ahnungsvoll, so wunderlich zu Muthe! Hier in diesem guten alten HauS mit seinen urväterlichenSchränken und Truhen, mit den alten Familiengeschichten und Familienaberglauben, seinen von Urahnen ererbten Leinenzeug. Kochrezepten und der frommen Einfalt hier glaubte auch sie an Wunder und übernatürliche Mächte. Muthig schritt sie durch die erste Thür und ein dunkles Zimmer, dann durch die zweite Thür in den großen Festsaal des Hauses, den Schlüssel in der Hand. Hier wurde ihr etwas seltsam zu Muth. Der Mond schien hell durch die Fenster und in seinem Schein schienen die alten Familienbilder an der Wand zu leben. Winkte ihr mcht dort die gepuderie Dame mit dem Fächer, und batte der alte Herr mit der Allongeperucke nicht den Kopf geschüttelt? Ein leises Grauen lief ihr kalt den Rücken hinunter. Jetzt raschelte eZ deutlich hinter ihr, als knistere ein seidnes Frauengewand auf den Dielen gewiß, das war die Ahnfrau, die umging Eva hatte sich zu viel zugemuthet, mit einem leisen Schrei stürzte sie vorwärts auf die erste, beste Thür zu, hinter der sie einen Lichtschein bemerkte und dieselbe aufstoßend, siel sie mit einem Schreckensruf einige Stufen hinunter. Sie hatte in ihrer Angst übersehen, daß sie in ein Gelaß hineinlief, in dem die Weine aufbewahrt wurden, welche aus dem Keller zum Verbrauch heraufgeholt waren und gerade hierher hatte sich Heinz begeben, um ein paar Flaschen vom Besten eigenhändig zur Feier der Neujahrsstunde auszusuchen. Als Eva von ihrer Schreckensbetäubung die Augen aufschlug, lag sie in seinem Arm und er beugte sich besorgt über sie. Tiefbeschämt und furchtbar verlegen wollte sie sich aufrichten, aber er hielt sie fest und deutete lächelnd auf den Schlüssel in ihrer Hand. Also doch das Schicksal versucht? Armes 5ttnd. und dafür der Schreck! Aber wie, Eva, wenn der alte Zauberspruch sich doch bewahrheitete? Wenn Sie gefunden hätten, was Sie suchten es gibt auch Schätze, die nicht von Gold und Silber sind, sondern von Fleisch und Blut, und statt Juwelen ein Herz voll Liebe haben? Wenn Sie mit diesem großen, zweibeinigen Schatz zufrieden sind. Eva. so brauchen Sie ihn nur in Besitz zu nehmen." Eva schmiegte statt aller Antwort das Köpfchen fester an seine Brust. Feierlich tönte von der Dorfkirche der Glockenschlag der Miternachtsstunde herüber. Großmama," sagte Heinz, als er Hand in Hand mit Eva zu der Gesellschaft zurückkehrte, Dein Wunderglaube ist Wahrheit geworden; sich nur, was für einen ungeheuer großen Schatz unser Evachen sich mit ihrem Schlüssel geholt hat, ganz nach Borschrift, hinter der dritten Thür.Das gab einen Jubel und Gläserklingen, ein fröhliches Beglückwünschen und Prost Neujahr! Ja, ja," sagte die Großmama, wer wollte nun noch zweifeln an dem My sterwm der Sylvesternacht." Der Oylvesterrausch. Eine Gemeinheit war'S, einfach eine Gemeinheit, ihn da kurz vor Weihnachten von den weinfr'öhlichen Ufern der Mosel nach dem kleinen roestpreußischen Nest zu versetzen. Aber was half's im Interesse deL Dienstes" hatte in dem amtlichen Schreiben gestanden da hatte er wohl oder übel seine sieben Sachen packen müssen. Seine Antrittsvisiten hatte er Pflichtschuldigst geschnitten", und da war als erster Erfola die Einladung zum Sylvesterball beim Herrn Amtsrichter gekommen. Es ging sehr correct während der Tafel zu, man aß, unterhiett sich vom Wetter, besprach daS nächste Casinovergnügen und brachte Trinksprüche aus. Der Assessor gedachte deS SylvesierabendS im Vorjahre. . SDen hatte er in der Familie eineS Wein-

guisbesitzerS zugebracht, daS war er ganz andere Nummer" gewesen! Da war man lustig, ausgelassen , lustig, und was für prächtige Menschen, die redeten wenigstens, wie ihnen - der Schnabel gewachsen war. Aber hier . . Nach Aushebung der Tafel zog er sich in eine entlegene Ecke zurück und knöpfte sich einige Flaschen seines geliebten Moselweins vor. Mit innigem Behagen sog er die zarte Blume ein, ließ die ersten Schlückchen bedachtsam über die Zunge gleiten, ach, welch' ein guter Tropfen! Und den hatte er früher tagtäglich zur Verfügung gehabt ... Er feufzte wiederholt, und nach jedem Seufzer leerte er sein Glas. Nach und nach überkam ihn eine wohlige Stimmung, Moselweinstimmung", lachte er vergnügt in sich hinein. Und am Ende würde ja die Zeit hier auch vergehen. Dann ließ er sich schleunigst wieder zurückversetzen nach den sonnigen Rebengeländen, dem glitzernden Strom . . . freilich, so lange er hier bleiben mußte O alte Burschenherrlichkeit", summte er vor

l sich hin. Da krach, ein Pfropfen sprang. Famos", mate er. Sect giebt's ja auch." Er ließ sich sein Spitzglas füllen, ein-, zwei-, dreimal, 'ne ganz vorzügliche Marke: Veuve Cliquot. Aus dem Saale schlugen die Klänge der Schönen blauen Donau" an sein Ohr. Er sang halblaut die Melodie mit und fand, daß er kreuzfidel war. Er ließ seinen Ehapeau hochspringen, stülpte ihn halb links" auf den Kopf, steckte die Daumen in die Armausschnitte der Weste und: La, la, la, la, la larah . . ." sang er und drehte sich im Walzertact. La, la, la, la, la laah ", damit war er schon in daS an den Saal stoßende Zimmer gerathen, dessen Wände die Ballmütter garnirten. Die zogen lange Gesichter, der Tanzende bemerkte sie aber gar nicht, er blieb bei seinem La, la, la. la, la laah ..." Im Saal war man schon auf den wunderbaren Vorfall aufmerksam geworden, auch der Herr Amtsrichter eilte herbei und setzte sofort seine Amtsmiene auf. Aber Herr Assessor, was haben Sie denn?" fragte er mit grollender Stimme. O nichts", lachte der dergnügt, das ist mein erster Rausch in neuen Jahre. Stoßen wir an, Herr Amtsrichter! Mögen Sie im ganzen neuen Jahre so selig sein, wie ich eS heute bin. Es lebe das neue Jahr!" Neujahröbräuchc. Schon das Alterthum kannte Neujahrsgeschenke. Bei den alten Römern hießen die Geschenke trenae und sie bestanden in Palmfrüchten, Blüthenzweigen und Honigkuchen ; später wählte man goldene oder wenigstens mit Gold überlegte Becher, Ringe und Münzen. Solche Geschenke sandte man namentlich den Freunden, in deren Häusern man verkehrte, urtd diese erwiderten ihrerseits die Aufmerksamkeit. In Italien heißen die Neujahrsgeschente noch heute strenae, woraus in Frankreich les dtrennes geworden ist. Bei den Deutschen war früher die Sitte der Neujahrsgeschenke allgemein; im Mittelalter wurde sie durch Gesetze und Statuten oft bei hoher Strafe verboten. Heutzutage sind dieselben durch die Weihnachtsgeschenke fast überall verdrängt worden. In Frankreich und in Belgien 'dagegen hat man die altrömische Sitte beibehalten, und die Neujahrsgeschenke, les dtrennes, für Groß und Klein spielen dort eine sehr bedeutende Rolle, die verschiedene große Industriezweige beschäftigt. Am Neujahrsmorgen ist in allen Familien große Bescheerung. Die Kinder werden mit Spielsachen, Büchern und Leckereien bedacht, die Damen erhalten Bouquets, Bonbonniören, Schmucksachen oder Kunstgegenstände, und dann erscheinen Diener, Briefträger, Straßenkehrer etc., um ein gutes und glückliches neues Jahr zu wünschen und dafür als Gegengabe das üblich-e Trinkgeld in Empfang zu nehmen. Auch in England waren Neujahrsgeschenke üblich. Man beschenkte sich dort gern mit Handschuhen und Nadeln und gab Geld dazu, woher die Bezeichnung 'Handschuhgeld" (glovernoney) oder Nadelgeld" (pinmoney) stammt. Königin Elisabeth soll Schmuck und Garderobe größtentheils aus den ihr gespendeten Neujahrsgeschenken bestritten haben. Wie Neujahrsgeschenke, so waren auch Neujahrswünsche schon im Alterthum üblich. Ganz Rom wünschte einander Glück zum angehenden Jahre und erinnerte sich durch wechselseitige Geschenke an die goldenen ceiien, in denen Reinheit der Sitten und wechfelseitige Treue herrschte. , Auch die Versendung der Neujahrskarten an Verwandte, Freunde und Bekannte hat wohl eine ältere Geschichte. - als die Meisten glauben, die davon .Gebrauch machen. Die Herstellung titUx Karten hat ihren Ursprung in br Erfindung der Kupferstech- und' lzschnei dekunst. Der älteste beka.. :'Neujahrswunsch ist einKupferstich c:: dem Jahre 1466. Auf demselben IjUein Christuskind abgebildet, das ein Barti in den Händen hält, auf welchem folgender Neujahrswunsch prangt, mit dem wir unsere Plauderei beschließen , rr rr ' i r tu v louen: guoi jeng jori Nur immer schneidig! Oberlehrer F., Lieutenant der Reserve, führt im Manöver seine Leute zum Angriffe. Mit geschwungenem Säbel stürzt er voran und überhört dabei in seiner Begeisterung das Signal: Das Ganze Halt!" Plötzlich ertönt hinter ihm aus den Reihen der Mannschaft vernehmlich der Ruf: Laßt doch das dumme Luder olleene loofezl!" Entrüstet wendet er s.ch l:rum, droht mit dem Fin5:r und s1: Ci: mächt ich nich vjz?) ä iT.'M:Z 1 ' "I ren!" .

verulkt! Beim Rentier Kießling war's dieSmal am Sylvester ganz besonders hoch hergegangen, namentlich der alte He war in bester Laune. Kein Wunder, denn auch nicht einer seiner vierzig Miether hatte den eingeschriebenen Kündigungsbrief geschickt. Sogar der Budiker blieb wohnen, und da hatte man in der Nachbarschaft erzählt, der .mache schlechte Geschäfte und verdiene nicht die Hälfte der Miethe, dum. mes Geschwätz! Das Geschäft mußte ganz gut gehen, denn vor einigen Tagen war der Mann erst bei ihm gewe sen und hatte gebeten, ihm für Syl. vester lange Nacht" insofern zu gestatten, als er concertiren dürfe, ft lange Gäste kämen. . Man tafelte also bei Kießlings recht vergnügt und trank sich stimmungsvoll über die Mitternachtsstunde hinweg. Auch unten in der Kneipe herrschte tol. les Leben: Clavier. Geiae und 9,!er.

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wv. Mvti. vjuii luiutu uiiu ymui, in der zwölften Stunde fuhren auch zwei Möbelwagen vor, deren Usch noch einige steife Grogs genehmigten. Auch die Aiehleute fanden sich ein und gössen was Kräftiges hinter die Binde. Oben verübte gerade das Töchter, chen des Hausherrn den Singsang von? Süßen Schwan", als das Mädchen für Alles in den Salon kam und er freut meldete: Unten beim Budike, machen sene Fackelpolonäse übern Hof." Die ganze Gesellschaft eilt zum Fenster. Richtig zuerst zwei Mann mit brennenden Lampen, dann der Leierkastenmann, der Wirtb und V

seine Gäste, die Stocklaternen trugen. Die luftige Polonäse sang: So leb denn wohl, du stilles Haus, wir zieh vergnügt aus dir hinaus ..." Herr Kießling hatte am näch sten Morgen ein gelindes Schädelweh. aber das würde schon vergehen, wenn die Miether kämen und ihren Zins abluden. Sie traten denn ai h pünktlich an, nur der Budiker blieb aus. Da Herr Kießling sich nach einem Frühschoppen sehnte, schickte er das Mädchen hinunter. Es sei noch alles zu, meldete sie. Sie solle nur durch die Hinterthüi hineingehen, befahl er. Es dauerte geraume Zeit, ehe daß Mädchen zurückkehrte, blaß, zögernden Schrittes. Eö ist unten alles leer berichtete sie. Budikers sind diest Nacht gerückt!" Gerückt?" slagte Herr Kießlinz entsetzt. Das Mädchen nickte. Elende Bande," knurrte der Haus Wirth. Das war sein erster Aerger im neuen Tiahzt. Die Pfeilspitzen der Feuerländer. Völker, die in armen und unwirthlichen Gegenden wohnen, müssen mit um so größerer Sorgfalt Alles ausnützen, was ihnen ein freundlicher Zufall spendet und was ihnen irgendwie dienen kann. Diesem allgemeinen Gesetz folgend, haben sich die Feuerländer für ihre Pfeile ganz eigenartigeSpitzen angeschafft. Auf ihrem trostlosen und ganz meiallarmen Eiland .mußten sie sich früher ihre Pfeilspitzen aus FisHgräten oder Thierknochen herstellen; als aber mehrere dort für kurze Zeit vor Anker gegangene Schiffe eine Anzahl leerer Flaschen zurückgelassen hatten, erfuhren die Feuerländer, wie scharf und spitz Glasscherben sein können, und seitdem verwandeln sie alle Glasscherben, deren sie habhaft werden, in Pfeilspitzen. Aber undankbar verwenden sie die neue Waffe nicht nur bei der Jagd, sondern gegen Diejenigen, denen sie die ganze Errungenschaft verdanken. Vier Weiße, die quer durch Feuerland vordringen wollten, wurden von den Eingeborenen überfallen und einer wurde durch einen Pfeilschuß in die Brust getödtet: die gläserne Pfeilspitze war abgebrochen und in der Lunge stecken geblieben. Kathertnettläuten. Vom Katharinatage (25. Novem, ber) bis Weihnachten findet in Hann. Münden das sogenannte Katharinen läuten statt, ein Jahrhunderte alte, Brauch. Mit dem Läuten ist das sog. Schruppen" verbunden. Das Schrup pen, sonst eine harmlose Spielerei dn Kinder, hat in den letzten Jahren si3 zu einer Art Volksjustiz gestaltet. Während des Läutens wird gerufen: Hie hebbet se ne! Hie schruppet se ne' Die Gcgefrc?ye lautet: Wene denn?' Und nun wird der Name desjenigen gerufen, der geschruppt" wird. Vo, dem Hause dessen, der den Haß bei Volkes auf sich geladen hat und des. halb geschruppt" wird, sammelt sich dann eine Volksmasse, deren Zerstreu, ung den Polizeibeamten oft Schwierig' keiten macht. Ain Neujahrsmor gen. Nachtwächter (einen angeheiterten Stu diosus führend): ' Wohnt dieser Student bei Ihnen?" r -r;rt Weiß es nicht bin e: hier!" Nachtwächte?- .Na. nehran Sie J-r'h Wenn's nicht 4-- - .. ..i...rjci i .s5c umtciuuii: - Mancher ist ein origineller Kop, weil er lobt, was anderen ui '.t und tadelt, was anderen gefällt .erschnappt. Dein Man if den Assessor furchtbar eiferist jc sucht! ' Und gerade be: dem hat er lli X. ha' V. auf l ner C

W" t i m m t. A.: Der Studio eine reicheErbschaft gemacht! Ha, das ist wieder mal Bitt Mühle!" , i Gif er. Reisender (in ei. s:st von seinen Abenteuerv . n ? " rzu A , h , l-j ' f ' ' - V- t"1 V i - ..' - M

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