Indiana Tribüne, Volume 23, Number 97, Indianapolis, Marion County, 24 December 1899 — Page 7
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Sesüynt. I SZon Rudolpd v. Nosen. Vor zehn Jahren etwa saßen am Weihnachtsabende mehrere Artisten des Circus Renz und deren Freunde in Sanct Pauli im englischen Restaurant Charles Niels, einem der beliebtesten Trinkhäuser Hamburgs, beim perlenden Sect beisammen. In der Mitte des altmodisch und nach Londoner Art ingerichteten Raumes, dem ein mächtiger schwedischer Ofen Wärme spendete.stand ein bis an dieDecke reichender geputzter Christbaum mit brennenden Lichtern. Gäste waren außer denen an dem Circustische keine da und die Kellner lauschten unbehindert den Gesprächen der Künstler, weideten sich an dem reizenden Anblicke der jungen Reiterin Miß Neptunia, die als einzige Dame der Gesellschaft neben dem alten Webb saß, einem ehemaligen Parforcespringer. den sie Vater" nannte. In dem Momente, als Mr. Webb eine gar merkwürdige Geschichte zu erzählen begann, öffnete ein fremder Gast die Thür, trat sachte ein und nahm an einem der vielen leeren Tische Platz. Der Mann war gut gekleidet, doch trugen seine Züge den Ausdruck bitterer Welterfahrung. Webb sandte einen schnellen Blick zu dem Ankömmling hin, dann sprach er: So will ich denn auch eine WeihNachtsgeschichte zum Besten geben und erzählen, wie ich zu meiner lieben Ziehtochter Lisa, genannt Neptunia, gekommen bin." Ueber des blonden Mädchens rosiges Gesichtchen legte sich ein Schatten wehinuthsvoller Trauer. Webb erzählte und die Tafelrunde lauschte. Auch der einsame Gast am Nebentische vernahm jedes Wort. Zwei Tage vor Weihnachten verließ die Circusgesellschaft, welcher Webb ein hübscher Bursche in der Blüthe sei-
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ner Kraft angehörte, die alte preußische Stadt Königsberg mit ihrem alterthümlichen Steindammer-Thor, der dreimal vom Blitze eingeäscherten und immer wieder aufgebauten Haberberger Kirche, dem von mittelalterlichen Gebäuden begrenzten Gesecusplatz und allen ihren sonstigen Sehcnswürdigkeiten. Im Königsberger Hafen lag der Frachtdampfer Karkow" und hatte den ganzen Circus, dessen, lebendes und todtes Inventar an Bord genommen. Die Pferde, sowie die Costüme und Requisiten waren gut versichert worden bei den ersten Assecuranzen die Menschen lagen dem Dlrecior weniger am Herzen, und zur Vorsicht fuhr der Prinzipal selbst den Landweg nach Kopenhagen, wohin der etwas morsche Karkow" das Circus-Ensemlbe brmgen sollte. Das lustige Völkchen der Künstler bekümmerte sich nicht um mögliche Gefahren, fondern richtete sich's an Bord so beauem wie thunlich ein. Der sfrachtdampfer, dessen StauungSraum als Pferdestall adoptirt wor??n war, glich in Bezug auf die vielea Damen und Herren, die er für achtundvierzia Stunden aufgenommen hatte, wahrlich einer Sardinenbüchse mit enge gepökelt tem Inhalte. Wer eine MatrosenkoZe sich erobern konnte, war da vom Glück begünstigt, sonst lagen die Passagiere zwischen Koffern und Colli kunterbunt durcheinander und mischten sich Kindergeschrei, Abschiedsgesänge. Hnndegebell. Miauen, das Kreischen von Papageien mit den gröhlenden Stimmen der Schiffsmannschaft. Um vier Uhr Morgens dampfte der Karkow" Capitän Klaas aus dem Königsberger Hafen hinaus und an Bord 'ourde es allmählich still. Webb, der von seiner Mutter auf allen Reisen begleitet wurde, da diese alte Frau mit rührender Liebe an dem einzigen Sohne hing, war vom Capitän in einer Vorrathskammer im Hinterdeck untergebracht worden. Jljtt alte Mutter soll wenigstens einige Bequemlichleiten haben!" So hatte der weiterharte Klaa? mit einem gutmüthigen Blicke auf die Greisin gesagt und dafür gesorgt, daß eine erträgliche Lagerstatt beschafft wurde. .Die Reise sollte ja nicht lange dauern am. Christtag
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,nußte die erste Vorstellung in KopenHagen sein. Der Tag nach der Abreise neigte sich seinem Ende zu. Auf Deck des Kar kow" war es wenig belebt, denn diehohe See bekam den Reisenden nicht gut. Die Sonne verschwand in einem Nebelball und der Steuermaat sagte zu Webb, der an der Bordbrückung lehnte: Hat die Sonn' ihre Schlafmütze aufgesetzt, gibt es eine lebhafte Nacht. Ist ein altes Seemannswort " Der junge Webb versank beim Betrachten der mondbeglänzten Meereswellen in träumerische Gedanken und schrak auf, als eine weiche Hand die seinige berührte. Er sah ein bleiches, doch wunderbar schönes Mädchenantlitz vor sich eine Fremde, die nicht zum Circus gehörte. Die in dunkle Kleidung gehüllte Gestalt war zwischen Schiffstaugewinden versteckt. Mein Herr!" lispelten schmerzvoll zuckende Lippen. Zu Ihnen habe ich Vertrauen! Ihnen darf ich es gestehen, daß ich mich auf dem Dampfer einschlich.um mich meiner Heimath und der mich dort erwartenden Schmach und Verachtung zu entziehen!. ... . Ich verbrachte Stunden in diesem Versteck ohne Nahrung, ohne einen Trunk Wasser " Sie sollen Alles haben!" flüsterte Webb mitleidsvoll. Doch warum wagen Sie sich nicht hervor?" Nein, nein lassen Sie mich hier, verrathen Sie meine Anwesenheit nicht! Ich bin eine Unglückliche gehöre nicht zu guten Menschen!" Webb, tief ergriffen, wartete einen günstigen Moment ab, um der Unbe kannten Speise und Wasser zu bringen. Er nöthigte sie auch, ein Fläschchen Wein in ihr Versteck zu nehmen, wollte sie unter Deck bringen, denn die Nacht war kalt. Aber das Mädchen weigerte sich. Traurig ging der junge Artist von der Seltsamen fort und sann darüber nach, ob er dem Capitän Mittheilung von seiner Entdeckung machen sollte. Da Webb's Mutter recht krank geworden war in Folge der Seereise, blieb der Sohn bei der lieben alten Frau und es vergingen die Nacht und auch der zweite Tag, ohne daß die geheimnißvolle junge Dame aus ihrer Verborgenheit aufgestört wurde. Der 24. December brach nebelig an und verging eintönig. Die Wellen gingen hoch und das Schiff rollte, in den Reisenden -ein beängstigendes Gefühl erzeugend. Es herrschte keine Weihnachtsstimmung an Bord und Capitän Klaas zeigte eine sorgenvolle Miene. Das Nebelhorn ertönte klagend und mahnend an Gefahr; die Lichter der rothen Laternen erschienen nur in einem dichten Dunstkreise. Unten im Schiffe drängten sich die Menschen eng aneinander. Die Pferde schlugen mit den Hufen gegen die Bretter und wie-
herten gedämpft, sie schnupperten, rissen an den Halftern, als wollten sie loskommen, hinausrennen aus dem dumpfigen Raum, der so leicht ein nasses Grab werden konnte. . . Und die Künstlerschaar des Circus verharrte in düsterem Schweigen. Fern von Eltern, Freunden und Geliebten schwammen sie auf den trügerischen Wogen, vom Tode getrennt nur durch den morschen Bretterbau eines invaliden Schiffes, und mit beklommenen Herzen sahen sie der heiligen Nacht entgegen, die sonst von den JubeltLnen über die Geburt des göttlichen Erlösers durchrauscht wird. Jetzt heulte die Windsbraut und der alte Karkow" krachte unter dem Anprall der aufgereitschien Meereswellen. Eine grausige heilige Nacht! Gebete werden gestammelt, das Nebelhorn ruft lauter, verzweifelter. Kommt ein anderes Schiff, gibt es einen Zusammenstoß, dann ist Alles verloren Von oben herunter tönt eine gellende weibliche Stimme. Die gcängstigten Circusleute hören es, gelähmt vom Entsetzen Webb stürzt allein die schmale Treppe empor; er allein ahnt ja, was vorgeht. In dem rothen Dunstkreise einer Schifflaterne sieht Webb das fremde, junge Weib mit zwei Matrosen ringen. Die Aermste will über Bord springen. Seht den Sturm das Unglück!!" kreischt sie. Ich habe es über Euch gebracht mich will Gott vernichten und deshalb lasset mich der See als Opfer!. . . Ihr Ihr Alle seid dann gerettet!" Die braven Matrosen hielten die Rasende, der Capitän sprang herbei. Webb schrie: O, bringt sie in Sicherheit!". . . Die Unglückliche verstummt, ihr Widersiand hört auf und in Eile wird sie unter Deck getragen. Ruft Frauen herbei!" befiehlt Capitän Klaas seinen Leuten. Und legt die unbekannte Dame gleich hier im Vferdestall auf Stroh. Hier wird es am wärmsten sein für das Würmchen, das in solcher heiligen Nacht geboren werden soll!" Der Sturm und die Wogen wüthen, das Schiff ist dem Zerschellen nahe. Da ertönt der erste Schrei des neugeborenen Kindes und Hoffnung zieht ein in Aller Herzen, denn die Elemente stellen ihr Nasen ein. Webb's alte Mutter kniet neben der todtesbleichen jungen Mutter, Webb und der Capitän stehen in geringer Entfernung. Ein Christkindlein!" murmelte der alte Klaas ergriffen. Doch der Angstruf der Frau Webb läßt ihn derstummen. Die beiden Männer treten näher; sie vernehmen die letzten Worte einer Sterbenden: Verführt verlassen Schmach gebracht über meine braven Eltern!. . . O, nehmt daS Kind " Ein Mädchen!" schaltet Frau Webb leise ein. So klein, so lieb .Benennt es Elise Lila, wie ick heiße!-..hauchte die verbleichende Mut-I
Weiynachten.
Ueber Fluren, Thal und Hügel Streifend mit dem schweren Flügel Winter zog in's Land; Schweigend legt auf Baum und Hecke Weiß und weich des Schnees Decke Seine kalte Hand. Schimmernd von Demantgeschmeide, Bleich und todt im Winterkleide Dünkt uns die Natur. I ier. Beschützt mein Kind und laßt meinen Tod die Sühne sein für die schwere Schuld!" Ihr Haupt sank in den Arm Webb's und die seelenvollen Augen brachen. Als ihr Leichnam in's Meer versenkt wurde, war ein sonnenheller Christtag. Der bleiche Mann am Nebentische sprang wild auf, nachdem der alte Webb seine Weihnachtsgeschichte der Tischgesellschaft in der Taverne Charles Niels in Hamburg auserzählt hatte. Lisa! . . . Lisa Du bist also todt! Ich kann Dich auf Erden nicht mehr um Verzeihung anflehen!" schluchzte der einsame Gast. Und Lisas Kind " Die Ziehtochter Webb's erhob sich rasch und sprach mit bleichem Antlitz und fliegenden Pulsen: Das Kind bin ich . . .Und ich segne das Andenken meiner armen Mutter und der guten Mama Webb, die mich erzogen hat!" Aufrecht hielt sich die jugendliche Miß. Neptunia und vor ihr stürzte der starke Mann in die Knie. Ich bin Dein Vater, der Dich beschwört, ihm das zu vergeben, was er im Leichtsinne an Deiner armen Mutter sündigte! Glaube mir, daß ich bereut und viel gelitten habe!. . . Ich bin reich, führe einen stolzen Namen doch ich irrte unstet und verzweiflungsvoll umher. . . Aber jetzt jetzt 0, lass' mich es sühnen, was ich verbrach, sühnen, -wie Lisa sühnte!. . . Nun, in heiliger Nacht!" Schimernde Thränen hingen an Lisas Wimpern und langsam nahm sie den Kopf ihres Vaters zwischen die zarten, weißen Hände. ciUidc Freude. Mancher hat darüber, daß er eine Wahrheit gesunden, den Verstand verloren. . '
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Nur getrost! Des Lebens Fülle Schlummert unter starrer Hülle Sanft und sicher nur. So lebt L i e b e in der Seele Selbst, die Eigennutz und Fehle Starr umfangen hält; Und vom Klang der Weihnachtslieder Neu erwacht, strahlt segnend wieder Heut' sie durch die Welt.
Weihnachten. von Johannes Maykrbofen. Tiefdeutige Gebräuche knüpfen sich an das Weihnachtsfest. Der lichtstrahlende Weihnachtsbaum weckt die Erinnerung an ferne, längst verschwundene Zeiten, und die Kinder sehen in ihm bis Verkörperung ihrer schönsten Träume. Die flammenden Lichter, in deren Schein die grünen, mit allerlei Zierrat behängten Tannenzweige märchenhaft glitzern, haben tiefe Bedeutung. Sie waren in der fernen Vorzeit ein Symbol der nach der Anschauung jener Zeit zu Weihnachten neugeborenen Sonne und Naturkraft. Im Weihnachtsmonat wurde von den alten Völkern das Fest der Wintersonnenwende mit vielen Lustbarkeiten und Schmausereien gefeiert, das bei den Germanen und Kelten Julfest" genannt wurde und zwölf Tage dauerte. Die immergrünen Zweige der Mistel, sowie der Tanne wurden zu diesem Feste als Symbole des kommenden Frühlings in die Wohnräume gebracht und auf dem Herde des HauseS loderte ein brennender Holzblock, der Julblock. Die alte isländische Volkssage berichtet sogar schon von eimm heiligen Vaume, der in der Julnacht" auf allen Zweigen strahlende Lichter trägt, und unser Weihnachtsbaum hängt mit diesen altheidnischen Vorstellungen auf das Innigste zusammen. In der christlichen Zeit wurde das Fest der winterlichen Sonnenwende dann zum Weihnachtsfeste. Räuchern. Im Anfange der christlichen Zeitrechnung wurde der Weihnachtstag nicht einheitlich gefeiert, sondern, da sich der Geburtstag Christi nie mit Vestimmtheit ermitteln ließ, je nach den Deutungen auf verschiedene Jahreszeiten verlegt. Im Orient galt der 6. Januar bis in's fünfte Jahrhundert, wo Kaiser Justinian durch ein Gesetz denselben auf den 25. December verlegte, an welchem Tage seither Weihnachten gefeiert wird, als der Geburtstag. Die Aufstellung von Weihnachtsbäumen scheint am frühesten in Frankreich Sitte gewesen zu sein, denn schon im 12. und 13. Jahrhundert werden solche in Dichtunqen erwähnt. Mit der Einführung des Weih. nachtsfestes wurden die alten Gebräuche des Wintersonnenwendfestes nicht nur zum größten Theile auf dasselbe übertragen, sondern es wurde auch die darauf passende deutsche Bezeichnung heilige Nacht- beibehalten. Wie die alten Germanen und Kelten durch Räucherungen die Unholden" fernhal ten wollten, so räuchern noch heute die Bewohner der österreichischen Gebirgsorte alle Räume ihres Hauses aus, um dasselbe nach ihrer Meinung vor Unheil zu bewahren. Am Vorabend des Weihnachtstages schreitet der Hausbesitzer, wenn es zu
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dunkeln beginnt, mit' einer Gluthpfanne, die mit glühenden Kohlen gefüllt ist. auf welche geweihtes Salz und Weihrauch gestreut werden, durch alle Stuben und Wirthschaftsräume und räuchert dieselben aus. Bei seinem
B a a m s ch a tz ' n." Rundgange begleitet ihn ein erwachsener Sohn oder der Altknecht, ein Gefäß mit Weihwasser, in dem sich ein kleiner aus Strohähren verfertigter Sprengwedel befindet, mittragend. Vor dem Verlassen eines jeden einzelnen Raumes, wird derselbe nach allen Seiten mit Weihwasser besprengt, die Hausgenossen bleiben während der Vornahme der Räucherung betend im Wohnzimmer versammelt. Wenn zum Gehöfte ein Obstgarten gehört, so begeben stch alle Hausgenossen nach der Räucherung in denselben hinaus, um den Brauch des BaumjcyatzenS (Baamschatz'n) vorzunehmen. Zu diesem Zwecke wurde schon srüber ein Bund Kornstroh unter den Backtrog gelegt. Der Strohbund wird nun hervorgenommen und in den Garten gebracht, und nachdem alle Hausgenos. sen ein Büschelchen davon bekommen haben, wird jeder Obstbaum mit den Halmen umwunden, damit er reichlich Früchte tragen soll. Geräthbeten. In vielen Orten wird auch noch der Brauch des G'räthbetens beobachtet. Die Dienstleute tragen zu demselben einen Pflug, eine Egge, sowie ein Scheffel Haber" in die Stube, wo sich die Hausgenosseil vusamnenfinden, um vor der festlichen Abendmahlzeit zu beten. In vielen Orten finden sich noch die Hirtensinger" ein. Meistens sind es vier junge Burschen. Drei von ihnen sind Lls Hirten gekleidet, während der Vierte als Engel erscheint. Die Hirten treten zuerst in die Stube und bitten den Hausherrn, daß er ihnen erlaube, sich ein wenig am Ofen zu wärmen, da die Kälte sehr groß sei. Wenn sie sich dann, nachdem ihnen die Erlaubniß ertheilt wurde, beim Ofen niedergelegt haben und scheinbar eingeschlafen sind, tritt der als Engel gekleidete Bursche ein, berührt sie mit seinem Stäbe und ruft: Gloria in excelsis Deo". Sie wachen auf und nun erzählt er ihnen, daß sich in Bethlehem ein Wunder zugetragen habe. Darauf singen alle Vier zusammen ein Hirtenlied, in dem diesesWunder geschildert wird. Die Hirten wollen dem lieben Büaberl" im Stalle zu Bethlehem auch Opfer bringen. Einer sagt, daß er ein feistes" Lämmchen hintragen wolle. Der Zweite will ein neues rothes Jankerl!" und derDritte Hirtensänger. feine Kohlmeise mit dem Häusl (Vogelkäsig) überbringen. Das liebe Vüaberl" hat eine große Freude, als es die Geschenke sieht, und schlägt lustig lachend die kleinen Patschhanderln" zusammen. Zum Schlüsse wünschen die Sänger glückselige Feiertag, worauf sie vom Hausherrn beschenkt werden. In den Orten, wo die Mette" noch um Mitternacht stattfindet, richten die Leute nun Alles zum Kirchgange her und setzen sich dann zusammen, um die
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Zeit 'bis dahin mit harmlosen Spielen und Scherzen zu verbringen. Wenn es "zum Kirchgange endlich - Zeit geworden ist, verlassen sie, mit Lichtern versehen, di: Gehöfte. Von allen Seiten nähern sich die Bewohner der Umgegend und es gewährt einen gar eigenartigen Anblick, die aufglühenden Lichter der Laternen, die alle einem Ort zustreben, zu beobachten. Während der Mette" ertönen auf demChor die Hirtenpfeifchen, in deren Töne sich die Klänge des Dudelsacks" und das Zwitschern und Jubiliren der Vögel mischen. Im Morgengrauen wandern die Mettenbesucher heim und nun können sie sich an den Fleischspeisen, die inzwischen zubereitet wurden, gütlich thun, die Hausangehörigen erhalten auch je einen Stritzel oder ein Leibchen Kletzenbrod", das aus Dörrobst und Brodteig gebacken wird, zum Festtage. Die früher sehr verbreiteten Krippendarstellungen werden jetzt immer mehr von dem Weihnachtsbaum verdrängt, der auch in den Gebirgsorten nicht mehr selten ist. Beim Scheine der auf dem Baume brennenden Kerzchen gibt sich Jung und Alt der beglückenden Weihnachtsfreude hin. Christkinds Gehilfen.
dfr wriT r " i v. , jr-r 'am fXsJ;rifcs riZfi&- 1 Auf dem Leuchtthurm. Der Kreislauf des Jahres hat sich geschlossen, immer kürzer wurde der Tag. immer länger die Nacht. Aber in dieser düsteren Zeit strahlt am hellsten die Gewißheit, daß es wieder aufwärts geht. Dem deutschen Volk gilt die Wintersonnenwende seit jeher als ein Fest der Hoffnung, und desto freudiger schloß es sich an die Kunde an, daß in der Weihnacht der Erlöser geboren sei. daß die Engel vom Himmel herniederstiegen, um das Christuskind in der Krippe von Bethlehem zu begrüßen. Gloria in excelsis Deo! Ehre sei Gott im Himmel und Friede auf Erden! Im Walde braust der Sturm, daß die stärksten Bäume knicken und splittern, der Schnee stäubt von den Aesten, und ängstlich huschen die aufgescheuchten Vögel durch das fahle Dunkel aber im Herzen der Menschen ist's heller Sonnenschein, und selbst in den niedrigsten Hütten strahlen die Lichter des Christbaums. Fern von den menschlichen Wohnstätten. auf öden Klippen oder auf weit vorgeschobenen Landspitzen, wo Land und Meer sich befehden, erheben sich die kunstvollen Bauten der modernen Leuchtthürme. Der Helm, der oberste Theil, ist ganz aus Glas gefertigt, um das Leuchtfeuer unabhängig von Wind und Wetter zu machen. Unter dem Helm ist das Wärterzimmer. Es ist ein verantwortungsreicher und entbehrungsvoller Beruf, der des Leuchtthurmw'ärters. Andere Gesellschaft als die der Genossen sieht er nur in den kurzen Pausen des Dienstes. Desto weniger wollen sie darauf verzichten, den Faden des Zusammenhanges mit der Christenheit zu lösen. Auch im einsamen Wächterzimmer brennt das Weihnachtsbäumchen, klingt der Ruf: Fröhliche Weihnachten! Der Brief ans Christkind. ' Der Geldprotz Herr Commerzienrath haben bei der letzten Spekulation 200,000 Mark verloren?Ja! Nicht wahr, ein ganz hübscher Verlust für andere Leute?!"
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umsehend, fand ich zum Schlüsse eines mühevollen Herumsuchens ein geeignetes möblirtes Zimmer, das ich noch am leioen age meiner Ankunft in Be schlag nahm. Es entsvrack volllom men meinem Wunsche und ich fühlte'. Mich cyon bei dem Gedanken überglück-' lich. daß ich eine gute und nebstbei einebillige Unterkunft habe. Das Restaurant hatte ich auch in der Nähe, wo ich in Gemüthlichkeit mein Nachtmahl ver. zehrte und nach beendetem Imbiß sofort meinem neuen Heim zueilte, um mich mit meinem wenigen Hab und Gut dort einzurichten. Ich zündete Licht an, packte aus stellte alles in Kasten und Fach. E5 währte nur kurze Zeit und ich war mit meinen Habseligkeiten inOrdnung., Befriedigt blickte ich in meinem Zimmer herum. Meine Unterkunftsgeb:rin schien eine ordentliche Hausfrau zu sein; alles glänzte vor Reinlichkeit. der polirte Kasten, der Schreibtisch., das Bett mit den schneeweißen Ueberzügen. der Waschtisch darauf schon, alles für morgen in Vorbereitung sogar an dem daneben stehenden etwasalten und ungeformten Kleiderstock fand ich ein Wohlgefallen, weil er soüberrascht machte ich in meinem Gedankengange Halt; mcin Blick blieb an einem Regenschirm haften, der sich gemüthlich an den Kleiderstock anlehnte. Den hatte ich bis jetzt noch nicht einmal bemerkt. Neugierig ging ich auf ihn zu, nahm ihn in'die Hand, er war ziemlich schwer und schien dem. Aussehen nach im gleichen Alter mildem Kleiderstocke zu stehen gewiß: hat ihn mein Vorgänger liegen !ass?n dachte ich mir, und stellte ihn wieder auf seinen Platz, setzte mich dann zum Schreibtische, um eine auf der Reise angefangene Skizze auö Murgers Bo heme" weiter zu lesen. Die rührende Beschreibung Fränz chens Muff" ließ mich ganz auf den Schirm vergessen. Es mochte schon gegen elf Uhr sein, als ich mich, theils von der Reise, theilsvon der Jagd nach Wohnungen todt, müde, zu Bette warf und sofort ein schlief. Unruhige Träume überfielen mich;.' ich konnte nur wenig geschlafen haben,, als ich wieder aufwachte. In meinem Zimmer war es hell; das Licht Datte ich brennen lassen, und ebenwollte ich aufstehen, um es auszulöschen, als ich vernahm, daß Jemand an der Thüre meines Zimmers herumtastete, gleichzeitig kündete dieKuckucks---uhr im anstoßenden Zimmer meiner.Hausfrau die zwölfte Stunde. Ahnungslos. wem es eingefallen, - mich -jetzt zu stören, wartete ich beklommen, des Eintretenden. Die Thüre that sich auf und ich; erstarrte völlig vor Entsetzen. Herein trat ein bleicher, gebeugter., alter Mann; einen Cylinder aus dem Kopfe, auf der etwas langen spitzen Nase eine Brille, schneeweißer Bart umrahmte das geisterhaft aussehende Gesicht, und am Leib schlotterte ihm ein etwas abgetragener Gehrock schweißtriefend vor Angst erwartete ich was dieser gespenstige Gast mit seinem-, nächtlichen Besuch will. Eine Weileschaute er sich stehen bleibend in meinem Zimmer um, dann ging er schnürstracks auf den Kleiderstock zu, nahm den dort befindlichen alten Regenschirm, in die Hand, und fort war er. Ich weiß nicht, war es Ohnmacht' oder nn andererZustand. der über mich kam denn ich fiel wieder in tiefen Schlaf, der erst mit dem späten Morgen endete, als mich meine Hausfrau, mit einem vielfachen lauten guten. Morgen" aufweckte. Sie schlafen aber fest," rief sie la---chend, brauch' nicht zu fragen, ob Sie: die Nacht gut zugebracht haben." Ich rieb mir die Augen, jetzt in derfesten Meinung, nur alles geträumt zu haben, schaute aber dennoch nicht ohne ein gewisses Bangen nach dem Kleiderstock hin Der Regenschirm stand nicht mehr dort. Ja. so eine Reise ermüdet einerr schon." setzte meine gesprächige Wirthin fort, und junge Leute schlafen immer Herne in der Frühe; da war der Herr Professor Gott hab ihn selig! ein anderer Mensch; der arbeitete bistief in die Nacht hinein und in der. Früh' gegen sechse saß er schon wieder am Schreibtisch. Leider hat ihm gerade das vielleicht geschadet." Der Herr Professor?" stammelten ich, die Frau unterbrechend. Ja, er hat nämlich auch diesesZim--mer bewohnt, ist aber vor einigen Tagen am Herzschlag gerade während desVortraqes gestorben aber was ist. Ihnen?" Es ist mir ein bißchen schlecht, bringen-Sie mir frisches kaltes Was ser." Meine Hausfrau lief besorgt hinaus und ich dachte fröstelnd über den Spuk nach, zugleich ging mir ein Licht auf. warum der Geisterprofessor kam er hatte seinen Regenschirm in's Jenseits mitzunehmen vergessen. Gegenseitig. Warum schauen S' mir denn so aufmerksam beim Essen zu?" Weil es mich freut, daß es Ihnen so gut schmeckt! So, dann seien S' so gut und be-' zahlen Sie die Zech', damit ich doch auch a Freud' hab'!" - Schlechte Erfahrung. So, Sie haben also aufgehört mit Radfahren und reiten lieber?- Ja. sehen Sie, daö Pstrd- geht wenigstens nicht jedes Mal kaput." Armer Kerl. Der FeigeleS ist ja freigesprochen worden wegen mangelndem Beweis." Gott, bei dem. mangelt's aber auch cn Allem."
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