Indiana Tribüne, Volume 23, Number 97, Indianapolis, Marion County, 24 December 1899 — Page 6
Zcy yaoe Keine Zettl Wie oft Hingen uns diese Worte inZ -Oqr! Bisweilen mögen sie wahr sein -.und ihre Berechtigung haben, bisweilen .werden sie unehrlicher Abstammung sein und als Ausrede gelten müssen, -und vielemal sind sie nichts als eine 'leere Redensart, die gedankenlosen Menschen zur Gewohnheit geworden. Es ist gar staunenswerth, wie dehnar die Zeit für flinke, fleißige Persomir ist. Wie viel in einer Stunde ge--leistet werden kann, wenn der Wille vorhanden ist. Die Zeit ist eines unserer kostbarsten Güter, doch nur wenige fassen ihren hohen Werth und wissen ihn zu schätzen. Und eben jene, welche btn Ausspruch ich habe keineZeit" mit Äorliebe im Munde führen, verzetteln und vertrödeln sie am meisten. Gar 'diele hätten zu vielem Zeit, wenn sie :ia5 Kapital, genannt Zeit", nicht so zersplittern und vergeuden würden. Ein ernsthafter, denkender Meusch besinnt sich, den obigen, gerügten Aus--spnich als Antwort zu geben. Er ist bestrebt, das Leben ganz und von der -schiedenen Seiten kennen zu lernen und aufzufassen und darum leicht geneigt, sich mit diesem oder jenem Ding ver'traut zu machen, es anzuwenden, zu -thun oder zu unterlassen, je nach Sache und Art! Mancher Mensch mag nun in. ehrlicher Wahrheit und vielleicht mit .leiser Betrübniß sagen ich habe keine &itl" Ihm sind Pflichten in Hülle und Fülle auferlegt; er nützt wohl den Tag schon in möglichster Weise aus, -und es ist ihm zu seinem eigenen Be'dauern verwehrt, anderen Erscheinungen und Ursachen näher zu treten. Die "Mehrzahl aber wendet die besprochenen Worte in gedankenloser Gleichgiltigkeit ein, um eine augenblickliche Verlegen heit abzuschütteln, ein unbequemes LZerlangen zu ignoriren, ein gewisses Vielbeschästigtsein zu zeigen. Und &use Mehrzahl gehört zweifellos zu der Lilasse der Zcitverschwender. Zeit ist Geld, und eines ist so kostbar tSqu das andere. Wie eng diese beiden Merthobjecte miteinander . verwachsen -sind, erkennen wir bei näherer An'schauung: je kleiner des Menschen Vesitz an Geld und Gut, desto sorgfälti- . ger muß er die Zeit benutzen. Indem ' seine Arbeitskraft verwendet, ist ihm die Zeit alles. Sie richtig und mitGeschick zu verwerthen ist ein Kunst, die :nui Menschen zu eigen ist, die von kleinauf sahen und erkennen lernten, .-daß eine kluge Ausnützung der Stunde '.das Kapital ersetzt. Auch das Sparen an Geld geht mit ' dem Sparen an Zeit Hand in Hand. Ißiih mit bescheidnen Einnahmen -setzen uns in Verwunderung, wie viel -sie mit ihren kleinen Mitteln erreichen. 'Sie verstehen es nicht nur, ihre Tage, -sondern auch ihr Geld zweckmäßig und -nutzbringend einzutheilen und haben so dcpelten Segen. Andere jedoch, die pekuniär weit besser gestellt sind, klagen fortwährend über ihr knappes Auskommen. Diese entbehren der Kunst des richtigen Zeitverbrauchs und nicht weniger der Kunst des sparsamen Gelderbrauchs. Zeitverschwender sind meist Geldverschwender. Wer die Zeit und den ihr innewohnenden Werth nicht achtet, i mißachtet auch das Geld und läßt es 'leichter rollen als ein arbeitssamer, tagsüber thätiger Mensch. Und eine gewisse Trägheit, BequemTlichkeit und Selbstsucht gedeiht bei dietn Menschen und legt ihnen schließlich atm den Spruch in den Mund: ich habe keine Zeit!" Natürlich, sie wollen ja gar keine .Zeit haben. Sie sind zu bequem zu eillem, zu apathisch und halten es für '.unnöthig. sich mit nicht unumgänglich '.Nothwendigem abzuplagen. Es muß :ja nicht sein. Weiß Gott, was daraus erwachsen würde, wenn man diesen Math befolgen, jenen Wunsch erfüllen der dem in irgend einer Weise gemachJen Vorschlag näher treten wollte. Und man hat bereits so viel zu thun, und .der Tag ist so kurz! O, meine verehrten Leserinnen, der ag ist in Wirklichkeit gar lang, und Zt richtigem Erwägen und Vorbedacht Zönnen wir Unglaubliches vollbringen. IDies und das kann bewältigt werden, -so daß wir schließlich selbst staunen über die Fülle und den Reichthum, den Hie Stunden bergen. Aber Lust und Liebe müssen dabei Mitwirken, die Freude an aller ThätigZeit muß uns leiten. Stark muß unser Wollen sein, dann geht es mit dem Tonnen nicht so schwer. Ein gewisse? Ehrgeiz soll uns fassen, so viel zu lei.sten, wie nur möglich ist. Ich habe keineZeit", aber möge kein 'ieblingsspruch unserer Lippen wer'den. Sprechen wir ihn nur mit VorBedacht aus; denn bisweilen mag er ja ein Platze sein. Fragen wir uns stets erst ernsthaft und imStillen: habe ich wirklich keine Zeit?" und wir werden finden, daß wir meistens können, wenn ioir nur wollen.
Die zedisseneu Onkel. Kaiser Wilhelm II. besuchte Windsor zum ersten Male im Jahre 1863 gelegentlich der Vermählung des Prinzen von Wales. Er wohnte der Trauung in der St. Georgs Kapelle in Windsor mit seiner Mutter, der darnaligen Kronprinzession vonPreußen, bei. Der Bischof von Oxford, WilÄerforce, welcher als Geistlicher der Trauung beiwohnte, trug damals folgende Notiz über den künftigen Kaiser in sein Tagebuch ein: Der kleine Prinz Wilhelm von Preußen stand zwischen seinen beiden kleinen Uxhln, welche ihn in Ruhe fclku Mm, die er beide, wie d Kronprinzessin mir sagte, in die ihrer schottischenKleidung zufolge nackten Beine, biß, jedes Mal, venn sie ihn berührten,' um ihn ruhig halten." , . -
Zettungsstationm. Wenn der grimme BoreaS seinen eisigen Odem in Gestalt von Schneestürmen über Land und Meer bläst und in dem dichten Flockenwirbel das Auge des Seefahrers außer Stande ist, das warnende Leuchtfeuer an gefährlicher Küste zu erspähen, dann beginnt die Zeit des schweren Dienstes für die Mannschaften der Rettungsstationen, von denen die Bundes-Regierung an der Küste des Atlantischen Oceans nicht weniger als 192 unterhält. , Außerdem gibt es noch 56 Stationen an den Großen Seen, allein diese sind während des Winters geschlossen, da dann die Seeschiffahrt ruht ; 15 Stationen befinden sich an der Pacificküste und eine an den Ohiofällen in Louisville, Ky.. doch auf keiner der letzteren ist der Dienst so schwer und gefahrvoll, wie an der atlantischen Küste. Die Rettungsstationen sind einfache, aber wetterfeste Bauten. Die Quartiere der Mannschaften bieten nur geringen Comfort, aber dieser genügt den wetterharten Männern, welche gegen kargen Lohn ihr Leben einsetzen, um gefährdeten Seefahrern in Sturm und Wogenbraus Hilfe zu bringen. Besondere Räume bergen alle nur denkbaren Utensilien und Geräthe, welche dazu erforderlich sind, wie, Boote, Flöße, Ruder. Taue. Bojen. Anker u. f. w. In einem andern Raum steht der Karren für das Rettungsgeschütz, bepackt mit Tauen zum Hin- und Herziehen, dem Kasten für die Schußleinen, den Bojen, in welchen die Schiffbrüchigen durch das Wasser geholt werden. Daneben ein Behälter, in dem die Geschosse sich befinden, Raketenapparate und Mörsergeschütze für Bomben. Auch eine Nothapotheke findet
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Rettungsstation. man vor, welche alle möglichen HeilMittel und Nahrungsmittel enthält. An der Thür des Schrankes sind die Instruktionen über den Gebrauch der verschiedenen Mittel, nach denen zu handeln ist, wenn kein Arzt erreicht werden kann, angeheftet ; daneben stehen auf großen Plakaten die durch Bilder erläuterten Regeln zur Rettung scheinbar Ertrunkener. In einem besonderen Verschlage befinden sich die sorgsam verpackten Bündel SignalRaketen und Leuchtfeuer, welche Nachts benutzt werden, theils um ein Wrack von den Hilfeleistungen der Station in Kenntniß zu setzen, theils um den Mannschaften des Rettungsbootes während der Fahrt Zeichen zu geben, theils auch um das Wrack zu beleuchten. Die Rettungsstationen haben, der Mehrzahl nach, nur eine Besatzung von sieben Mann, einem Aufscher und sechs sogenannten surf men". Diese surf men" sind wohl die tüchtigsten, unerschrockensten Seeleute, die man auf der Welt finden kann, muthige, unverdrossene Retter, welche Menschen, die in höchster Todesnoth schweben, zu jeder Zeit zur Hilfe zu kommen bereit sind, obwohl sie sich selbst dabei einer ebenso großen Lebensgefahr preisgeben. Der Dienst der surfmen" ist monoton, aber äußerst anstrengend. Fast jeden Tag werden Uebungen am Strand vorgenommen und die verschiedenen Rettungsmethoden der Mannschaft eingedrillt. Der Rest des Tages wird der Ausbesserung der Geräthschaften 'gewidmet. Der wichtigste Theil des Dienstes kommt erst in der Nacht, wo sie mit eine: großen Laterne und einer Tasche mit Signalen bewasfI n der Brandung. net ihre Strandpatrouille von SonnenUntergang bis Sonnenaufgang zu machen haen. Die Nachtwache ist in vier Patrouillen von je zwei Mann eingetheilt. Der eine geht rechts, der andere links den Strand entlang, mehrere Meilen weit, bis sie die Wache der nächsten Rettungsstation treffen ; mit dieser wechseln sie eine Blechmarke, welche dem der Regierung gegenüber ver.gntwortlichen Vorsteher der Station beweisen, daß sie den Pflichten ihres Dienstes nachgekommen sind. Hierauf geht es wieder nach der Station zurück. Diese nächtlichen Patrouillengänge sind schon bei gutem Wetter sehr beschwerlich, wie viel mehr aber noch in einer stürmischen Winternacht, wenn der Wind dem sursrnan" Regen, Schnee oder Hagel in's Gesicht treibt. Aber selbst diese fürchtet der, uefman" nicht so sehr wie den Sanv. wenn der Wind in einer sonst vielleicht ganz klaren Nacht mit ner Geschwindigkeit von sechzig, achtzig Meilen per Stunde daher braust, seine Laterne wiederholt auslöscht und ihm mit den Sandkörnern , das Gesicht verwundet oder ihm in die Augen fährt. Das einzige Gute bei der Sache ist, daß er uicht leicht seinen Weg verlieren kann.
2 geht eben immer am Meeresstrand entlang. In einigen Nächten aber finden solche fürchterlichen Sandwehen statt, daß es einfach unmöglich ist, die Patrouille auszuschicken, und selbst die Fensterscheiben der Station sind nicht sicher, oft genug sind am Morgen alle Fenster zertrümmert.
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&V . !lJl VWr' - ..rtt C i ) hl 'i j I Mörserapparat. Bei schlechter Witterung muß auch Tagesdienst versehen werden. Außerdem ist ein Mann zu jeder Zeit in der Station auf dem Ausguck nach gefährdeten oder verunglückten Schiffen. Denn der Hauptzweck einer RettungsKation ist, ein Fahrzeug, wenn es sich :n stürmischem Wetter der Küste nähert. zur rechten Zeit zu warnen. Erspäht der Ausguck oder Strandpatrouilleur ein Schisf in Noth, so brennt er ein rothes Signalfeuer ab. um entweder das Fahrzeug zu unterrichten, einen anderen Kurs einzuschlagen, oder der schiffbrüchigen Mannschaft zu bedeuten, daß Hilfe nahe ist. Ist er sicher, daß er es mit einem Schiffbruch zu thun hat, so eilt er zum Vorsteher der Station. Alles ist sofort auf den Beinen und zur Arbeit bereit. Befindet sich das gefährdete Schiff weit vom Ufer, dann muß der Versuch gemacht werden, es mit dem Rettungsboot zu erreichen. Letzteres steht vollständig ausgerüstet auf einem Wagen im Schuppen. Es wird schleunigst herausgeschafft, jeder Mann ergreift ein Tau, und so wird es nach dem Strand hinuntergezogen, durchaus keine leichte Arbeit, da Jeder ungefähr 180 Pfund von der Stelle zu schaffen hat. Auch müssen manchmal große Strecken zurückgelegt werden, um den zur Abfahrt günstigsten Platz zu erreichen. Die Rettungsboote sind von verschiedener j Bauart. Einige sind aus Holz construirt und durch verschiedene im Boot angebrachte Metall-Liftkasten und einen äußeren Korkring unversenkbar gemacht. Andere, von bedeutend leichterem Gewicht, sind aus gewelltem Eisenblech angefertigt und ebenfalls vorn und hinten mit Luftkissen versehen. In der Hosenboje. Am Strande wird der Vordertheil des Wagens gelöst und die Helling, auf der das Boot ruht, etwas gehoben, worauf das Boot leicht herabgleitet. Die Mannschaft, in Korkjacken, welche den schwersten Mann, bekleidet, vierundzwanzig Stunden und länger über dem Wasser halten, besteigt das Boot und stößt vom Strande ab. Ueber die Brandung hinauszugelangen. darin besteht die große Schwierigkeit, später, wenn das Rettungsboot erst in den breiten Mögen vorwärts gedrängt ist, ist die größte Gefahr des Kenterns vorüber. Falls die Brandung die VerWendung des Rettungsbootes unnöthig macht, werden Raketen- oder Mörserapparate in Thätigkeit gesetzt, um mittels einer Leine eine Verbindung mit dem gefährdeten Schiffe herzustellen. Der Raketenapparat besteht aus einem Bock, von welchem eine Rakete unter einem Winkel von 45 Grad abgefeuert wird. Sie hat eine Schußweite von vier- bis fünfhundert Aards und trägt eine ziemlich starke Leine, welche sich von glatten konischen Pflöcken abwickelt, an Bord des Schiffes. Bei den Mörsern ist die Rettungsleine an dem Geschoß befestigt. Der Mörser schießt mindestens ebenso weit und ist billiger als die Rakete, aber namentlich bei Regen und Dunkelheit schwer zu bedienen, auch führt die große Geschwindigkeit des Geschosses leicht zu Verwickelung und Abreißen der Leine. Ist mittels Rakete oder Mörser den Schiffbrüchigen eine Leine vom Land glücklich zugeworfen, so holen jene mit derselben einen Holzblock an Bord, i welchen ein Tau eingeschoben ist, dessen beide Enden am Lande bleiben und zusammengesplißt werden. Diese befestigen die Leute irgendwo auf dem Schiff und somit ist. eine Eommunikation mit dem Lande fertig. Zunächst wird jetzt ein starkes Seil nach dem Wrack geschafft und dort so hoch wie möglich an einem Mast befestigt, während das andere Ende am Lande an einem Anker befestigt wird. Das ausgespannte Tau versieht gleichsam den i Dienst emer Brücke, indem in ihr hangend . die Hosenboje, eine kurze starke Segeliuchhose an emem Kork?:ng mit , der anderen dünnen Leine hin und hert gezogen werden kann. . Die Hosenboje ist zur Aufnahme einer Person geeignet, und man kann
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mit ihrer Hilfe die ganze gefährdete Nannschaft an Land schassen. Wenn aber Frauen mit Kindern und Kranke sich an Bord befinden, dann wird ein größeres bootartiges und oben verschließbares Holzgestell, life saving car genannt, angewandt. In besonders schwierigen Verhaltnissen benutzt man die Ankerraketen, die eine Leine werfen, an deren vorderem Ende ein Anker befestigt ist. Hat der Anker gefaßt, so ziehen die vier vordersten Mann die Leine ein, während die übrigen rudern. Die Ausgaben für die Rettungsstationen belaufen sich jährlich aus etwa $1,500,000, aber diese Summe ist im Hinblick auf ihre Dienste gering zu nennen. Während des verflossenen Jahres leisteten sie 1092 Fahrzeugen Beistand und retteten 3847 Menschen aus Lebensgefahr. Maxim-Geschütze. In der Hand der Boeren ist das Mausergewehr eine furchtbare Waffe, da sie auf die weitesten Entfernungen ihr Ziel mit absoluter Sicherheit treffen. Dies haben die Engländer nicht nur bei Majuba Hill, sondern auch in allen Gefechten des gegenwärtigen
Vorposten mitMaxim - Geschütz. Krieges zu ihrem Schaden erfahren, wie die unverhältnißmäßig große Zahl der gefallenen britischen Officiere beweist. Da sie nun den Boeren nicht ebenso gute Schützen gegenüberstellen können, müssen sie sich auf die bessere Qualität ihrer Waffen verlassen und darum spielen bei ihnen die MaximGeschütze, welche den Feind mit einem wahren Hagel von Geschossen zu überschütten vermögen, eine große Rolle. Selbst den Vorposten sind Mazim-Ge-schütze beigegeben, um die Boeren in respektvoller Entfernung zu halten. o Der Telegraph in Pretoria. In Pretoria, der Hauptstadt des Transvaal, befindet sich ein eigenartiges, thurmartiges Gebäude, das seines Gleichen nicht in der' Welt hat. Dort befindet sich das Eentral-Telegraphen-amt der Südafrikanischen Republik. Gerade zur jetzigen Zeit fesselt dieser Thurm die Aufmerksamkeit der ganzen Welt, denn er ist der Eentral-Sammel-Punkt für alle Neuigkeiten vom südafrikanischen Knegsschauplatze. Daß der Telegraphendienst gerade jetzt viel zu wünschen übrig läßt, kann nicht überDer Telegraphenthurm. raschen, denn während der kriegerischen Operationen werden die Leitungen häufig durchschnitten und an Stelle des elektrischen Funkens müssen Brieftauben treten. Daran, daß die Welt über den Fortgang des Krieges nur unvollkommen unterrichtet wird, ist freilich die Depeschencensur der Engländer schuld, die alle ihnen ungünstige Nachrichten stark modificiren. Eine alte Rechnung. Wirth: Herr Spritzmeier, es stehen vom vorigen Jahr noch 16 Glas Bier hier!" Spritzmeier: Schütt' sie weg. schütt' sie weg, altes Haus, die müssen ja längst sauer sein!" Modern. Papa (zu Fritz, der am selben Morgen sein fünftes Geschwisterchen bekommen hat): Was schreibst Du denn da?" Fritzchen: Ich mache dem Storch einen Abrü-stungsvorschlag.-Dasgenügt. Frau: Hoffentlich hast Du die vier Wochen ordentlich ausgenutzt, die Du in dem Luftkurort zugebracht hast?- Mann: Na ich sage Dir, mir thun jetzt noch ordentlich die Kinnladen ;.'om Luftschnappen weh!" Schmerzliche Entkeimung. Hausfrau (die Hundefutter beim Schlächter geholt hatte): S?hen Sie nur, das ist ja in ein Gedicht von Ihnen eingewickelt!" Dichter (schmerzlich): Was, sogar die Abfälle wctden in meine Gedichte eingewickelt!" Schauderhaft. Bankier: Also, die Hand meiner Jüngsten wünschen Sie?! Wieviel Schulden haben Sie denn?" Baron: Circa 80,000 Gulden. Bankier: Wissen Sie was? Machen Sie noch 50.000 Gulden Schulden dazu und dann kommen Sie um meim Aeltege.
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Fekegrapyie ohne Arayt.
Den Göttern, aber auch den zauberkundigen Männern", welche die geheimnißvollen Naturgewalten beHerrschen, hat von jeher der naive Sinn des Volkes die märchenhafte Eigenschaft beigelegt, ihren Willen durch den leeren Raum hindurch ohne jegliche Vermittelung in die Ferne senden und bethätigen zu können. Was die Phantasiereichen Vater dereinst gesponnen, ya: die Thatkraft und der reiche Geist der großen Naturforscher und Techniker gar oft in die Wirklichkeit verwandelt. So auch in diesem Falle. Durch die . ' f t r i . '.Ll eiegrapme oyne urayl uno rorr jci befähiat. unsere Wünsche nach allen Richtungen der Windrose, frei durch den Aether hindurch, übertragen zu können. Die Möglichkeit, zwischen zwei Stationen ohne verbindenden Draht zu telegraphiren, ist allerdings nicht mehr neu, aber es gelang nur, mit Hilse von sogenannten Jnductionsströmen auf kurze Entfernungen Botschaften zu senden. Erst in der neuesten Zeit war es dank den Forschungen des Bonner Physikers Heinrich Hertz möglich, die Telegraphie ohne Draht auch für weitere Entfernungen nutzbar zu machen. Gegen Ende der achtziger Jahre hatte er eine neue elektrische Erscheinungsgruppe ermittelt und sie in theoretischer und practischer Beziehung Aufgabestation. vollkommen durchforscht. Es war ihm gelungen, Wellen elektrischer Kraft zu erzeugen und ihre Ausbreitung frei im Raume nachzuweisen. Seine Versuche gipfelten in dem Schlüsse, daß Elektricität und Licht Wellenbewegungen des gleichen Stoffes, des Aethers, seien. Die Lichtwellen, die von der Königin des Tages uns zufließen, unterscheiden sich nur der Größe nach von den elektrischen Wellen. Eine Lichtwelle entspricht etwa dem millionsten Theile einesMillimeters; eine elektrische Welle hat zumeist die Länge von vielen Metern. Die elektrischen Wellen, die mit Lichtgeschwindigkeit den weiten Raum durchmessen, tragen jetzt in der neuen Telegraphie ohne Draht, der Wellentelegraphie, unsere Botschaften in die Ferne! Um willkürlich elektrische Wellen erregen zu können, erfand Hertz auf Grund tiefsinnigster Studien einen Apparat, den er den elektrischen Oscillator nannte. Man bezeichnet ihn jetzt häufig auch als den Transmitter oder Strahlapparat. In ihm wirken die von Faraday entdeckten Jnductionsströme. Der Apparat, welcher diese Ströme erzeugt, besteht der Hauptsache nach aus zwei in sich geschlossenen Drahtspulen, die, ohne sich zu berühren, ineinander geschoben sind. Fließt zu der einen Drahtspule, wir wollen sie die primäre nennen, ein elekirischer Strom, dann bilden sich in der zweiten, der secundären Spule, ohne weiteres elektrische Stromstöße, die nach entgegensetzte: Richtung wandern. Das sind die Jnductionsströme. Der Jnductionsapparat steht nun durch zwei Drähte mit dem Herrschen Oscillator in Verbindung und letzterer baut sich auf zwei Glasstützen auf, die je einen Metalldraht tragen. Dort, wo die Metalldrähte sich gegenüberstehen, sind kleine blank geputzte Messingkugeln angebracht. Beginnt der Inductionsavvarat sein Sviel. dann treten awista den Kugeln weiße. zackie Funken hervor, die mit hartem Knall veraellen. feie Neuen ven liucil der elektrischen Wellen dar, die sich nach allen Ricktunaen des Raumes verbreiten. . Empfangsstation. Die Wellen der Luft, die den Klana der Musik übertragen, erkennen wir mittels unseres Ohres; die Llchtweüen nimmt unser Auge wahr. Zur Erkennung der elektrischen Wellen hat die Natur dem Menschen kein Oraan verliehen; sie verlaufen unsichtbar und unhörbar m Raume. Es bedürfte des höchsten Scharfsinnes und der bewunderunaswürdiasten Erfinderkunst. um ein solches Oraan, also gleichsam ein elektrisches Auge, künstlich zu schaffen. Dem elektrischen Organ zur Wahrnehmung der Wellen, welches man in der Wellentelegraphie verwendet, liegt eine merlwürdigeThatsache zu Grrnde. Der französische Physiker Branly fand nämlich, daß ein elektrischer Strom nicht fähig ist. ein Metallpulver zu durchdringen, das man in seinen Weg '. eingeschaltet hat; das Pulver wirkt wie I ein Nichtleiter. Treffen aber elektri-.
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sche Wellen auf das Metallpulver, bann schließen sich sofort die Theilchen aneinander, und der Strom vermaa
wiederum zu cirkuliren. Der Englänoer ttver 5ovge nannte diese ornchtung Coharer , weil die Thellchen sich in ihr cohäriren oder anziehen. Station South-Foreland. Der Oscillator und der Cohärer sind die beiden Hauptapparate, die der Wellentelegraphie zu Grunde liegen. Xtx Oscillator erzeugt die Wellensignale; der Cohärer zeigt ihre Gegenwart an. Mit ihrer Hilfe kann man in der That Depeschen befördern und sie mit den bekannten Punkt- und Strichznchen des Morsealphabets nieverschreiben. Drückt man in der Aufgabestation den Telegraphenschlüssel, nieder, dann bilden sich zwischen den Kugeln des Oscillators die elektrischen Wellen, die sich nach allen Richtungen hin verzweigen. Gelangen sie auf ihrer Wanderung zur Empfangsstation, so rufen sie, vermöge ihrer eigenartigen Wirkung, die sie auf den Cohärer ausüben, in dem geschlossenen Drahte einen Ostrom hervor. Dieser erreat emen Elektromagneten und befähiat den Morseapparat, seine Schuldigkeit zu thun. Em Nedenschlun belebt zualeick einen kleinen Hammer,der sofort wiederum die Metalltheüchen des Coyarers durcheinander schüttelt und den Strom unterbricht. Es bedarf neuer Wellen, um von Neuem das Spiel ernzuleiten. Schon um die Mitte unseres Jahrzednts wurde von mehreren Elektro technikern mit ähnlichen Vorrichtungen ielegraphirt. Daß man im Stande ist. mit Hertz'scyen Wellen über weite Ent fernunaen einen wirklichen telearavbi schen Verkehr einzurichten, das ist das ausschließliche Verdienst des Italic ners Marconi. Station Boulogne. Er fand nämlich, daß die Strecke, über welche man zu telegraphiren vermag, sich sehr erweitern läßt, wenn sowohl der Sender wie der Empfangsapparat mit der Erde, beziehentlich mit einem möglichst langen, vertical aufgerichteten Drahte, verbunden sind. Dementsprechend muß am Oscillator die eine Kugel mit der Erde, die andere mit einem verticalen Leiter verknüpft werden. Gleiches geschieht mit den beiden Enden des Cohärers. Je länger die Luftleiter sind, je weiter ist auch die Strecke, über die man telegraphiren kann. Bei sehr großen Strecken hat Marconi die Luftleitung an Masten befestigt. Die Hochburg der modernen Wellentelegraphie liegt auf South-Foreland, dem wogenumbrandten Cap an der Südost-Küste Englands. Von South. Foreland aus hat Marconi das bis da hin vergebens umworbene Problem gelöst, zu einem sehr weit draußen im Meere liegenden Leuchtschiffe zu sprechen. Trotz heftigen Unwetters und gewaltiger Stürme, die einmal sogar die Takelage des Schiffes über Bord warfen, wurde oie telegraphische Verbindung niemals gestört. Die erste größere Strecke, über die Marconi telegraphirte, beträgt fast 52 Kilometer und dabei war South-Foreland mit Boulogne an der französischen Küste verbunden. Räch den neuesten Berichten konnte Marconi seine Stationen auf 125 Kilometer mit gutem Erfolge aiiseinander rücken. EinhöflicherMann. Herr (welcher bei einer Keilerei etwas mit abbekommt): Aber, erlauben Se gidigst, meine Herrn, was verschafft mer i das Vergnügen?" Kasernenhofblüthe. Feldwebel (zum Rekruten): Jetzt bekommt der Kerl sogar noch eine Glatze; Sie wollen wohl Ihrer Dummheit eine Krone aufsetzen?" Finanzpolitiker am Schenktisch. Ede: Du. hier lese & eben: de Handelskammern . haben M beschwert, dat et vill zu wenig Fehnpfennigstücke jiebt. Lude: Na?Z! L2at hab iö wmn jesagt???! : .
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Sie: Ein Brief von Vetter Adolf er schreibt, er stehe zwar noch tief in Deiner Schuld, aber er glaubt, daß Du ihm noch einmal aushelfen würdest!" Er: Aber er glaubt?! Wie kann er als gebildeter Mann so abergläubisch sein!" Täuschung. , : ' I. ' .Ja, was ist denn das?! Miste im Urwald eine Fabrik? Da soll doch gleich n. Donnerwetter rmrchr da5 Vieh ga? durch die Nase!" Naiv. Herr (bei der Besichtlgumz- enics möblirten Zimmers): Ueberein Pians verfügen Sie wohl nicht?" Wirthin: Ein Klavier haben, wir nicht, aber einerr Schreibsecreir der schaut g'rad' sa-ausr Ahnungs vall ! Müntt (mit seiner Frau vom Stan desamt kommend): .Liebe Dora. wir wollen uns doch gleich photographinn lassen; wer'weiß. ob wir später noch so ein freMdNches Gesicht machen!." Vortheil der Berühmtheit. Hausfrau: Diese Nacht sollen Sie im Chausseegraben gelegen haben; zwe! Herren, die vorüberkamen, haben Sie hier abgeliefert!" Dichter: Sehen Sie, e5 ist doch eine schöne Sache, wenn man berühmt ist! Verwechslung. Fräulein: Warum sind Sie denn auf meine Hil feruse nicht herbeigeeilt?" Hausbewoh ner: Entschrldigen Sie, wir dachten Alle, Sie hätten gesungen!". J
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