Indiana Tribüne, Volume 23, Number 90, Indianapolis, Marion County, 17 December 1899 — Page 6
s. Die Hände in die Taschen seiner 'aufgekrempelten, mit Straßenschmutz 'bespritzten Jexpressibles versenkt, sieht der Londoner Bursche vor dem Hauptthor von St. Georges Barracks. Sein Oberkörper ist in eine Jacke gezwängt, deren Ellbogen abgeschabt, t:xtn Knopflöcher ausgefranst sind und "deren Taschen nicht mehr die rechte Form besitzen. Die zerknüllte Schirminütze hat er tief in den Nacken geschoben. Halb gierigen, halb staunenden Blickcs betrachtet er die ausgehängten, in grellen Farben leuchtenden Uniformtafeln: die Garde zu Fuß in rothem Waffenrock mit der mächtigen Grenadiermütze. die Riflemen in grünem Nock init dem Kalpak auf dem Kopf, die Husaren gelb in gelb von denHosen bis .zum Mantel oder gar die Schotten mit nacktem Knie, das Plaid über die Schulte: geschwungen, im weißcn Spencer, der Mütze mit der hochragen"den Hahnenfeder und dem prächtigen breiten Ledergürtel. Zaudernd wan'dern dann seine Augen von dem sechs Fuß hohen unbeweglichen Wachtposten zum auf- und abwandelnden WerbeUnteroffizier in schwarzer Hose und -rother Weste, dem auf der linken .Hälfte seines blonden Riesenkopfes ein kleinwinziges rothes Mützchen schwebt. Vor dem Werbebüreau. Zum Generalarzt, wenn's gefälZig," wagt er endlich den Posten zu fraßen. Dienstbeflissen nähert sich der Sergeant. Freundlich führt er ihn einen langen schmalen Gang entlang in einen geräumigen Saal zu ebener Erde der Kaserne. An einem langen !isch mit dem Rücken zur weißgetünchten Mauer sitzt mit einigen ande.?en Unteroffizieren zusammen eine 'Anzahl Civilisten, die. was die Ekganz ihrer Kleidung anlangt, auf ein Saar dem Neueintretenden ähneln. -Offenbar alles arme Teufel, kleine Schreiber, erwerblose Commis. Kellntx, Taglöhner. die der Mangel an Arbeit und Brot der Armee zutreibt. Mit zuvorkommender Miene reicht der Sergeant feinem Schützling ein Vlatt blaues Papier zum Unterschreiben Es enthält die Erklärung des freiwilligen Verlangens, angeworben zu werden, und die landläufigen Fragen nach Namen, Alter, Geburtsort -und Stand. Auch ie Angabe darf -nicht fehlen, ob der Geworbene schon einmal Soldat gewesen und vielleicht gar aus dem Dienst entlassen worden ist. Falsche Angaben werden mit drei Monat Gefängniß und Zwangsarbeit bestraft" lautet der Schlußsatz, der wohl nur der guten Form halber dasieht. Denn thatsächlich fragt Nie.Tnanb nach Dokumenten.
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... -' Einschreiben. Wer und was der Gewordene war, ist einerlei. Solange er in dem Rock T)tz Königin steckt, trägt er den Namen. 7)en er sich vielleicht widerrechtlich beigelegt hat. Nur zu oft bezieht er unter 'demselben Namen nach vollendeter Dienstzeit noch jahrelang seine Pension. Der Sergeant, der ihn anwirbt, Zvird sich wohl hüten, ihm unbequeme Fragen zu stellen. Für jeden tauglichen Äekruten, den er dem General-Arzt zuführt, hält er ein bestimmtes Werbegeld, das je nach der TruppenGattung, in die der Rekrut eintritt, verschieden ist: ein halbes Pfund trägt -ihm der Milize ein, ein ganzes der Insanterist, noch mehr ein Reiter oder ein 'Artillerist. Ist es ihm gar gelungen, inen Mann einzufangen, den der Arzt für die Leibgarde würdig erklärt, dann mag er mit seinem Tagewerk zufrieden sein. Der angehende Rekrut jedoch erkunZzigt sich, bevor er das Anwerbedokuinent unterschreibt, noch vorsichtig nach ien einzelnen Verhältnissen. Sie sind verlockend genug für den armen Teufel, der es in der City tagelang dem Zufall überlassen muß, ihm einige Pennies Aerdienst zuzuwenden: täglich 30 Cts. Sold, wovon er 10 Cts. auf die Hand erhält. Den Rest spart die Regimentsfasse für ihn. Und dann die glänzende Verpflegung: drei Mahlzeiten am Sag, viermal die Woche ein halbes ZpfundFleifch und einenKrug Bier und schließlich das lustige Leben bei Fußball und Cricket. Nach Lljähriger Dienstzeit endlich eine Pension, die je ach dem Grad zwischen 18 Cts. und $140 lävanZt. öat er Gluck und ist er
tüchtig, so kann er in verhältnißmäßig kurzer Zeit Corporal und in spätestens vier Jahren auch Unteroffizier werden eine herrliche Aussicht auf tägliche Löhnung bei freier Verpflegung und auf die Erlaubniß, heirathen und auf Staatskosten seine Familie in die Colonien nachkommen lassen zu dürfen. Kleine Familien verköstigt der Staat dort sogar aus eigener Tasche. Kein Wunder, daß der Bursch, nachdem er sich für die neun Jahre Cavallerie oder für die sieben Iahn Infanterie mit je fünf Jahren Reserve entschlossen hat, das Aufnahmedokument leichten Herzens ausfüllt und unterschreibt. Bevor der Unteroffizier ihn nun zur ärztlichen Untersuchung führt, wird er gemessen und gewogen, denn Leute unter dem Mindestmaß und Mindestgewicht dürfen dem Arzt gar nicht erst vorgestellt werden. Hierauf erhält er auf Kosten Ihrer Majestät ein Bad, und dann erst betritt er das Zimmer des Arztes. General Don ist wohl in diesen Tagen der meistbeschäftigte Arzt von London. Werbebureaus giebt's ja in England, Schottland und Irland noch mehr, aber zwei Fünftel der Rekruten für die britische Armee kommen von London und Umgegend. Trotz dieses Andranges aber es werden an einem Tage oft mehr als hundert Leute eingehend untersucht wird die ärztliche Untersuchung sehr strenge genommen, denn was dem britischen Soldaten an moralischenTugenden abgehen mag, an körperlichen darf es ihm nicht fehlen. Ist die Untersuchung befriedigend ausgefallen, so übernimmt ein Sergeant den Rekruten zur weiteren BeHandlung. Ist er aber untauglich, so kümmert sich kem Mensch mehr um ihn, es sei denn der Werbeunteroffizier, in dessen verächtlicher Miene deutlich das tiefe Bedauern zu lesen ist, mit einem so kläglichen Individuum so viel schöne
Zeit vergeudet zu haben. Schnell werden nun die letzten Formalitäten mit dem Angeworbenen erledigt. Am selben Tag noch wird er beeidigt und eingekleidet, und wenige Stunden später verläßt ein slotter Rekrut in weißem Wamms und schwarzen, straffsitzenden tteiyiLj Der Rekrut. Hosen mit rothn Biesen, die Knopfmütze auf das linke Ohr gedrückt, stolzen Schrittes die Kaserne, die er vor kurzem erst als zerlumpter Vagabund betrat. Die hübschen Mädchen aber, die dem neugebackenen Soldaten lächelnd nachgucken, wissen auch, welch ein Vagabund in den schönen Kleidern der KLnigin steckt, und deshalb kann der englische Soldat ihre Achtung nicht so leicht erringen. Gar mancher Mutter Sohn mag Trotz oder Liede in die Armee treiben; im Allgemeinen aber rekrutirt sich das britische SöldnerHeer aus gescheiterten Existenzen, mit denen der Bürger nichts zu thun haben will. Aus seiner verachteten Stellung tritt der Soldat nur zu Kriegszeiten heraus. Und das weiß er selbst ganz wohl. Erde als Schutz. Trotz der gewaltigen Durchschlagskraft der modernen Gewehre ist der durch den Erdwall eines Schützengrabens gedeckte Soldat vor feindlichen Kugeln fast immer sicher. Eine gewöhnliche Büchsenkugel dringt nur wenige Zoll in das Erdreich. Unsere Illustration zeigt in anschaulicher Im Schützengraben. Weise die verhältnißmäßige Tiefe, in welche Geschosse des Martini-, Mau-ser-, b?zw. Lee - Metford - Gewehres in einen gewöhnlichen Grabenwall einzudringen vermögen. Hinter solch einem schützenden Erdwall kann der Soldat ruhig sein Pfeifchen rauchen, während ein Kugelhagel über ihm dahtnbraust. Gleichundgleich. Prima Ballerina: Also Sie wollen mich allen Ernstes heirathen, Herr Baron? Sie, ein Kavalier aus altem Geschlecht, mich, die Proletariertochter, das Kind aus dem Volke, die Enterbte?- Baron: Da passen wir ja vortrefflich zusammen; ich bin nämlich seit gestern auch ein Enterbter.Talent. Klavierlehrer: Ich kann Ihnen nur rathen, den Klavierunterricht Ihrer Tochter aufzugeben; sie hat nicht die geringsten Anlagen dazu, und so ein Bearbeiten der Tasten ist abscheulich." Vater: Aber ich bitte Sie, Sie beherrscht die Tasten der Schreibmaschine so vollkommen, und da wollen Sie behaupten, sie hätte kein Talent?' ... -
Zur Kimmeksforschung. Bis über die Mitte dieses Jahrhunderts hinaus spielte die Erforschung der Natur der Himmelskörper in der Astronomie eine ziemlich bescheidene Rolle; sie beschränkte sich fast nur auf AeußerLchkeiten und wurde daher von vielen als etwas den übrigen Gebieten, der Himmels forschung durchaus Unebenbürtiges betrachtet. Erst die große Entdeckung Kirchhoffs über den Zusammenhang zwischen Emission und Absorption des Lichts schuf die feste Grundlage für den Ausbau der Astrophysik zu einem vollberechtigten Gegenstand wissenschaftlicher Forfchung, und heute hat sich das Verhältniß der übrigen Zweige der Astrononomie zur Astrophysik beinahe umgekehrt. Nachdem es im Jahre 1869 dem genialen Physiker und Astronomen Zöllner gelungen war, zum erstenmal die Protuberanzen der Sonne vermittelst des Spektroskops in ihrer wahren Gestalt zu sehen, erwachte das Interesse an der spektral-analytischen Erforschung der Himmelskörper, die bisher fast nur auf das Ausland beschränkt gewesen war, auch in Deutschland, und die gewissermaßen neu entstandene Wissenschaft der Astrophysik fand auch hier eifrige Förderer. Zu
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DaS Institut. ihnen gehörte in erster Linie der damalige Direktor der Bothkamper Sternwarte, heute Direktor des astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam, Geheimer Oberregierungsrath Profesfor Dr. H. C. Vogel. Als zu Anfang der siebziger Jahre die Gründung dieses Observatoriums von der preußischen Staatsregierung beschlossen war, wurde Vogel an das Institut als Observator berufen, zugleich mit dem eisrigen Sonnenbeobachter Professor Spörer in Anklam. Bald gingen nun von Potsdam aus die Veröffentlichungen über die daselbst geleisteten Arbeiten in die Welt, und eine ganze Anzahl von Instituten ähnlicher Art entstand im Verlaufe des nächsten Jahrzehnts in Europa und vor allem in Amerika. . Als es nun !n Potsdam gelungen war, durch Anwendung feinster Methofeen und unter Zuhilfenahme der Spektralphotographie ein Problem zu lösen, das man bis dahin für fast unlösbar halten mußte, nämlich die Bewegung Ler Gestirne in der Gesichtslinie mit einer bewundernswerthen Sicherheit zu bestimmen, erwachte überall ein wissenschaftkicher Eifer, es dem Potsdamer Institut hierin nachzuthun. Letzteres konnte wegen unzureichender instrumentaler Hilfsmittel die von ihm geschaffenen und ausgebildeten Veobachtungsmethoden nur auf die beschränkte Zahl von etwa fünfzig der hellsten Fixsterne zur Anwendung bringen, und es stand somit zu befürchten, daß die Früchte deutscher Geistesarbeit auch diesmal wieder wie in so vielen früheren Fällen dem Auslande in den Schooß fielen. Dem Direktor des Instituts gelang es jedoch, nach mehreren fruchtlosen Versuchen den Bau eines genügend lichtstarken Instruments durchzusetzen. Das Instrument ist ein großer Refraktor mit zwei Objektiven, die in einem gemeinsamen Rohr nebeneinander Die neue Kuppel. vereinigt sind. Auf mächtiger Säule ruht das eigentliche Fernrohr, das, wie alle größeren Refraktoren, um zwei Achsen drehbar ist. von denen die eine der Erdachse parallel liegt, die andere senkrecht zu der ersteren steht. Das größere der beiden Objektive, mit einer Oeffnung von 80 Centimeter, ist so berechnet, daß die chemisch wirksamsten Strahlen vereinigt werden; es eignet sich daher ganz besonders. zur photographischen Aufnahme von Sternspekinzl. während es für direkte Beobachtu.'g wenig geeignet ist. Hierzu ist das zweite Objektiv von 60 Centimeter Oeffnung bestimmt und demgemäß so geschlissen, daß es die optischen Strahlen vereinigt. Es würde für sich allein schon ein hervorragendes Hilfsmittel für Himmelsbeobachtungen bilden; jedoch hat es in Verbindung mit dem andern Objektiv vor allem die Aufgäbe, die Möglichkeit zu gewähren, einen Stern, der photographisch fixirt werden soll, thunlichst an 'derselben Stelle der Platte festzuhalten. Das gemeinsame Rohr für beide Objektive ist, die Brennweite derselben entsprechend, circa 12z Meter lang; alle Bewegungen des Fernrohrs um seine Achsen können vermittelst der an der Säule befindlichen Nader mit Leichtigkeit ausgeführt werden. Die Aufstellung dös Instruments ist in einem Kuppelbau erfolgt, dessen Dlmensionen denen des Fernrohrs entsprechen; der Durchmesser deS gewalti gen Bauwerks betragt 22 Meter. Mit
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großer Exaktheit ist die Aufgabe gelost worden, den oberen, beweglichen Theil der Kuppel trotz feines großen GeWichts er ist aus Eisen construirt und wiegt etwa 200.000 Kilogramm mit Leichtigkeit und Sicherheit so zu drehen, wie es für die jeweiligen Beobachtungen erforderlich ist. Für
Der große Refraktor. Handbetrieb, der gleichwohl möglich ist, sind die zu bewegenden Massen zu beträchtlich, als daß die Umdrehung in genügend schneller Zeit bewirkt werden könnte; die Bewegung erfolgt daher für gewöhnlich durch Elektricität. Der Spalt der Kuppel, durch den das Fernrohr auf den Himmel gerichtet wird, ist gleichfalls durch elektrische Kraft zu öffnen und zu schließen. Auch der große Beobachtungsstubl, auf dessen Podium der Beobachter Platz nimmt, und der dem Spalt gegenüber an der Kuppel befestigt ist. gestattet außer der ihm schon bei Drehung der Kuppel ertheilten Bewegung noch geringe seitliche Verschiebungen und ein Heben und Senken des Podiums. Letzteres ist erforderlich, damit der Beobachter dem Okularende des Fernrohrs stets in Augenhöhe gegenüber bleibt. Bocrenführcr. Der transvaalsche Boer ist in erster Linie zwar Bauer, aber stets bereit, mit der Waffe in der Hand für die Freiheit seines Landes einzutreten und er muß bereits durch und durch hinfällig sein, wenn er zu Hause bleibt, während sein Land bedroht ist und auf fein Gewehr rechnet. Während des Einfalls von Jameson sah man in den Reihen der Boeren gebrechliche Leute, die sich auf ihr Pferd batten festbinden lassen und mit ihren gesunden Händen die Flinte tapfer hantirten. Wenn der Feldcornet. junge Boer 16 Jahre alt ist, erhält er -I X! .i . i rx O x r -, ein iciucii, uuh in. in et jiiy eu Cincs Lebens nicht mehr trennt, und wenn er von dem feldcornet aufaerufen wird. dann sattelt der Boer sein Pferd, hängt leinen Patronengurt um, nimmt m den Mantelsack in Form von getrocknetem Fleisch für 14 Tage Mundvorrath mit uno reitet nach vem Sammelplatz seines Bezirks. Die ??eldcornets sind die Führer dieser freien Bauern in Waffen uno mt Fuyrerstellen liegen in den Händen von Männern, die sich in den Stunden der Gefahr bereits bewährt haben. Theaterpech. Director (zum Schauspieler, der in die Versenkung fiel): Sie müssen doch immer aus der Rolle fallen!" Die junge Hausfrau k lN S) MM ""V Marie, machen Sie das Fenster auf die Milch muß jeden Augenblick überkochen!"
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Ein Wink. Vater: Zwei Dollars für die Stunde ist miz etwas zu theuer. Herr Professor, vielleicht findet sich Jemand, der meinem Sohne billigere Nachhilfestunden ertheilt!" Professor: Ja, billiger werden Sie es schon bekommen, aber es frägt sich nur, ob er dann bei mir nicht durchfällt!" Unnöthige Frage. Köchin (welche zum ersten Male mit einem Kavalleristen ausgeht und welche früher nur Bräutigams von der Jnfanterie hatte, beim Aufbrechen): Ich weiß nicht, wie es die Herren von der Kavallerie halten, bei der Infanterie hab' immer ich bezahlt!
Deutschland in Paris. In der Völkerstraße" am Quai d'Orsay zu Paris geht jetzt auch das deutsche Repräsentationsgebäude der Vollendung entgegen. Es wird sich unter den Bauten der verschiedenen Nationen ohne Zweifel vortheilhaft hervorheben. Durch einen 62 Meter hohen Thurm ist es schon von weitem kenntlich. Nicht durch besonderePracht soll es sich auszeichnen, sondern den soliden deutschen Bürgerwohlstand zum Ausdruck bringen, der die Eonsequenz rührigen Schaffens und der Beherzigung des Dichterwortes ist Arbeit ist des Bürgers Zierde". Eine unverweichlichte, kräftige, nüchterne Eleganz, die den Beschauer wohlthuend und nicht abstoßend berührt, wird das Deutsche Haus zieren und den Besuchern der Weltausstellung zeigen, daß ausdringlicher Luzus, Verschwender!scher Prunk nicht deutsche Art sind. Der Plan des deutschen Hauses stammt von dem Regierungs - Baumeister Johann Radke in Berlin und hat die prächtigen nürnberger Bauten deutscher Renaissance zum Vorbild. Gothische und romanische Anklänge finden sich in der Gruppenanordnung der Ostund Westfront. Dächer in bunten Ziegeln, Thürme mit vergoldetem Kupfer gedeckt, Holzarchitektur und Wandmalerei werden dem Ganzen ei-
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Das Deutsche Haus. nen flotten, fröhlichen Eindruck derleihen. Das Deutsche Haus" ist 26 Meter breit. 23 Meter tief und bis zum Dachfirst 25 Meter hoch. Es hat eine Grundfläche von 7000 Quadratmetern. Der Bau war kein ganz leichter. Mußte doch das Gebäude über dem 16 Meter breiten Tunnel der vom Eifelthurm bis zum Jnvalidenplatz verlängerten Moulineaux - Eisenbahn errichtet werden, ohne sich auch nur mit einem Pfosten auf diesen zu stützen. Das Gebäude soll in erster Linie der Vertretung der Reichsregierung dienen, in zweiter zur Ausstellung specifisch deutscher Culturerzeugnisse (Buchdruckerkunst, graphische Künste) und von Gegenständen zur Veranschaulichung der Fortschritte der socialen Fürsorge (sociale Ausstellung) verwendet werden. Auch eine Ausstellung von deutschen Uniformen und von deutschen Weinen soll es im Anschluß an ein Weinrestaurant beherbergen. Letzteres wird im Kellergeschoß eingerichtet, das sociale Museum im Erdgeschoß. Boeren-Artillcrie. Wenn auch von einer Armee im europäischen Sinne des Wortes in der Südafrikanischen Republik nicht die Rede sein kann, so besitzt dieselbe doch eine ausgezeichnete Artillerie, die der englischen, wenn nicht überlegen, doch zum allermindesten ebenbürtig ist. Ihre Mannschaften sind nach europäischem Muster geschult; die Stärke beträgt 8 Batterien mit 42 Schnellfeuer- und 10 Maxim - Kanonen. Die Geschütze sind durchweg französisches Fabrikat (Creusot); ursprünglich sollen für ihre LieEin Belagerungsgeschütz. ferung mit Krupp Unterhandlungen stattgefunden haben, die aber, nachdem sie bis zu einem gewissen Punkte gediehen waren, plötzlich abgebrochen wurden. Wenn man den Versicherungen Sachverständiger glauben will, kann ein Boerengeschütz in derselben Zeit sechs Schüsse gegen zwei englische abgeben. Unter den Feldgeschützen befindet sich auch das Modell 120 kurz-, das bekanntlich im Dreyfus - Proceß eine Rolle gespielt hat. Abweisung. Junger Geck: Nicht wahr, Grün ist Ihre Lieblings-färbe?-Dame: Aber nicht bei jungen Herren!" Unverbesserlich. Aermster, gestern ist Ihr sechstes Stück durchgefallen Sie haben wohl eine schlaf lose Nacht verbracht?" Ja habe ein neues angefangen!" Der. Trinker auf See. Warum sind Sie eigentlich immer, oben auf Deck, Herr Bierle?" .Ich, kann's unter der Wasserlinie nicht aus I fATfm . .... ' "
Väterlicher Triumph.
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Alter Zecher (seinen Sprößling bezecht im Rinnsteine findend): Hurrah! Jetzt soll mir meine Alte nur noch einmal sagen, der Junge sei ganz nach ihr geartet!" Marineblüthe. '''llilliiiL"" mlSm Hl!',.. MMtzW rNeri:tii'',,ll,!"l,il'',J Maat: Stövensee, Sie Seepferd! Richardsee, Sie Walroß! Na, ich sehe schon, hier hat sich die gesammte Meeresfauna ein Rendezvous gegeben!" Alter Adel. Neugea'oclter Bankier (gespannt auf den letzten Glockenschlag des Jahres 1899 lauschend): Sarah, jetzt stammen mer aus dem vorigen Jahrhundert!" Nach dem Commers. 'mm wm m l'lWN Kmmmmm Dienstmann (zu einer StudentenWirthin): Sie entschuldigen, ist vielleicht heute Morgen bei Ihnen ein falscher Student abgegeben worden?" Boshaft. , i . miLV LxW Ipvjn V Der Michelbauer will bei einer Tramwaystation einsteigen, schwätzt aber so lange mit einem Bekannten, bis der Wagen sich in Bewegung set. Keuchend läuft er eine ziemliche Strecke hinterdrein und fragt ndlich den Conducteur: Was kostet's bis Schwabing?" Conducteur! S o gar nichts!" Tiefsinnige Logik. Jfs "k w jn nr??k.fif. ik " ibrwggt
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Nun. Herr Zapferl. wie steht's denn mit Ihrer Beförderung?'' O mei', i' weiß net. is's was oder is's nix mir scheint aber, 's iS mehra nix wie was!" Korrektur. Als Sie um die junge Dame warben, hat ' deren Herz wohl geklopft, was, Herr Lieutenant?" .Jeklopft? Jedampfhämmert!" - '
Friede. Oon Anna Ritter. Des Tages Ufer sanft verblaßt. Wirf ab, was du getragen hast An Lust und Leid und werde still, Da nun der Abend kommen will. Des Schlummers ruhevolles Meer Schwillt heimlich rauschend um dich her. Und ferne auf der Wogen Schaum Wiegt lächelnd sich ein schöner Traum Er schaut dich an du kennst den Blick! Bor langen Jahren trug dein Glück Das Antlitz, das dort lächelnd winkt. Dein Herz wird still ... die Welt versinkt. Du treibst dahin auf weiter Fluth Wie ruhst du sanft, wie ruhst du gut. Nun dich die Welle singend hebt Und über dir der Friede schwebt. Ritterlichkeit. Wir leben in einer Zeit, in der die Frauenbewegung eine große Rolle spielt. Der Kampf um gleiche Rechte, um Zulassung zu allen Berufsarten, wird von den Frauen energisch und mit viel Erfolg geführt. Schritt für Schritt erobern sich unsere Schwestern neue Erwerbsgebiete. Sie beweisen der Welt, daß das Weib dem Mann doch an Geisteskraft und Arbeitsdaucr nicht nachsteht. Indem sich nun die Frau kühn in die Reihen der Männer stellt, in Wettbewerb mit ihnen tritt, giebt sie natürlich ein früheres Vorrecht auf. das Vorrecht derSchwachheit. denSchutz des anderen Geschlechtes. Sie will ja nicht schwächer sein als das männliche Geschlecht? in sich gefestet, voll Muth und Kraft nimmt sie den Lebenskampf auf. Wo sind jene Zeiten, in denen das Weib nur zum Schmuck des Lebens geboren zu fein schien, in denen es als höheres, besseres Wesen verehrt wurde? Jenes romantische Zeitalter mit seinem Zauber ist längst verrauscht. Die Ritter, die der Minne Dienst über alles stellten, die um ihrer holden Frauen Ehr' und Gunst zur Fehde zogen, sie sind verschwunden. Nur zartempfundene Minnelieder, alte Ueberlieferungen erzählen uns noch von ihnen, und es muthet uns daraus an, als wären sie von einer anderen Welt. Doch eine lebende Spur führt uns aus jenen vergangenen Tagen bis in unser Jahrhundert, b:s in unsere moderne Zeit,, in der man das Weib an Benehmen und Kleidung oft kaum mehr vom Manne zu unterscheiden vermag. Die Ritter sind nicht aus dem Leben geschieden, ohne ein Erbe zu hinterlassen, das sich von Generation zu Generation bis auf den heutigen Tag erhielt die Ritterlichkeit, jene echte, edle Ritterlichkeit, wie sie sich in der Hochachtung und der zarten Fürsorge des Mannes dem Weibe gegenüber ausspricht. Berührt sie uns moderne Frauen nicht auch heute noch angenehm, wo immer sie uns begegnet ? Gewiß selbst die energischste Käinpferin für Frauenrechte kann sich ihrem Zauber nicht verschließen. Wohl uns, wenn diese echte Ritterlichkeit noch lange nicht aus der Welt schwindet, sie erleichtert doch ungcmein den Verkehr der beiden Geschlechter. Wir Krauen können selbst viel dazu beitragen, sie am Leben zu erhalten. Einmal durch unser eigenes Benehmen, durch unser Auftreten in der Welt, das trotz aller Thatkraft, trotz unseres guten Selbstbewußtseins niemals herausfordernd sein darf. Wirkliche Tüchtigkeit wird auch der Mann am schwächeren Geschlecht gern anerkennen. Wo aber die Sucht aufzufallen, um jeden Preis die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, unter dem Mantel der Emanzipation hervorlugt, da braucht es uns wahrlich nicht zu wundern, dies Bestreben mit Nichtachtung, Hohn und Spott gelohnt zu sehen. Leider wird dann leicht von der einzelnen auf die Allgemeinheit geschlossen und so der Ruf des modernen Weibes geschädigt. Zum andernmal aber ist unsFrauen die Macht in die Hand gegeben, durch unseren Einfluß auf die Jugend, auf unsere Kinder, die Ritterlichkeit nicht aussterben zu lassen. Ein Kindergemüth ist weiches Wachs, die ersten Eindrücke der Kinderjahre haften darin für's Leben. Mögen auch veränderte Verhältnisse, mögen Schicksalsfügungen oft einschneidende Wandlungen des Charakters hervorbringen, niemals lassen sich die Spuren der Kinderstube gänzlich verwischen. Der Mann, dem in seiner Jugend die Mutter als ein Vorbild holder, echter Weiblichkeit vor Augen stand, zu dem er bewundernd aufschaute, der Mann, dem frühzeitig gelehrt wurde, den Ritter seiner kleinen Schwestern und Spielgefährtinnen abzugeben, sie in jeder Weise zu unterstützen, nicht mit der souveränen Verachtung des Stärkeren auf die zarten Geschöpfchen hinabzuschauen er wird sich wohl auch im späteren Leben jenes edlen, feinen Benehmens im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht befleißigen, das wir unter dem Namen Ritterlichkeit" verstehen, und das wir Frauen so hoch zu schätzen wissen. Der gute Junge. Karl, wo ist denn das Stück Kuchen geblie den, das vorhin noch auf dem Tische lag? .Das habe ich einem Buben gegeben, der so großen Hunger hatte!So na das ist brav! Wer war denn der kleine Bube?" Ich!" Entrüstung. Studio: Wie, Arthur, Du bist im Examen durchge-fallen?-Candidat: Ja und am meisten ärgert mich, daß ich deswegen gestern den Frühschoppen habe ttrsäu ri r"!
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