Indiana Tribüne, Volume 23, Number 90, Indianapolis, Marion County, 17 December 1899 — Page 3
Die Jlstc0c Des Spanfers. Vornan auZ der Zeit des spamsch-ame rikanischen Krieges. Von Karl Rcutcr.Kcrger. Copyright 1899 by the Germaa Presi & PUte Cfl (4. Fortsetzung.) Einen Augenblick noch, bitte," rief t-tx Fremde fast flehend, der junge 1ll:nsley ist war 5er beste Freund meines todten Bruders, er liebte ihn, ja und da las ich in einem New QrZeanser Blatte, daß er am Gelben Fietex gestorben sei. Ich kann es aber nicht glauben ich habe noch einen Auftrag meines verstorbenen Bruders cn ihn auszurichten, nicht wahr er !ebt noch?" Alfred antwortete nicht gleich. Es lag etwas in der Stimme des Fremden, dls er nicht enträthseln konnte. Sicher aber war es keine ängstliche Theilnahme. Dazu der lauernde däinornsch Blick. Er grübelte nach. Plötzlich kam es wie eine Erleuchiung über ihn. .Ist Harald Ehester Ainsley ein 'hübscher junger Mann mit blauen AuJen und blo.idemSchnurrbart?" fragte er. Ja ja, das ist er!" entgegnete der Fremde hastig, und seine Augen funleiten wie die eines Raubthieres, welches Beute wittert. Dann, ja dann ist er todt!" Nicht möglich!- .'ief der Unbekannte mit heiserer Stimme und seine Hände kramjiften sich zusammen. Gewiß, er starb am Gelben Fieber, ich selbst habe 'die Leiche gesehen!" Ein dumpfer Wuthschrei drang aus der Brust des Fremden. Eine Weile blickte er starr vor sich hin. Dann wandte er sich plötzlich und eilte, ohne ein Wort zu sagen, davon. Alfred verfolgte ihn mit seinen Blicken, bis er Vit Landstraße erreicht hatte, welche zu der nächsten Eisenbahnstation führte. Dann that er einen tiefen Athemzug, seine Gestalt schien zu wachsen und ein schwärmerisches Feuer leuchtete in seinen Augen auf. Alice, meine geliebte Alice," murmelte er zärtlich. Dann wieder stiegen Zweifel in ihm auf. Hatte er denn auch richtig combinirt und sich nicht getäuscht? Nein, es konnte ja nicht anders sein. Jener elegante junge Mann, den Alice so zärtlich gegrüßt hatte, war ihr Bruder. Deutlich erinnerte er sich seiner Züge und jetzt auch fiel ihm die Familienähnlichkeit der beiden Geschwister auf. Und dieser unheimliche Südländer war ein Feind, ein Todfeind des jungen Mannes, das hatte er aus dessen ganzes Gebahren ersehen und in Den Augen gelesen. Damm auch, weil der junge Mann sich 'verfolgt wußte, hatte er seine Ankunft geheim gehalten o jetzt war ihm Alles klar. Gewiß hatte er ihrem Bruder einen großen Dienst erwiesen, ihn vielleicht vom Tode errettet! Mit elastischen Schritien setzte der junge Mann seinen Weg fort, im Herzen neue Hoffnung, die ihm die Welt und Zukunft in sonnigem Lichte erscheinen ließ. 8. Es war am Nachmittage desselben Tages. In einem mit solider Eleganz ausgestattetem Gemache saßen sich George und Harald Ainsley, die beiden Brüder, gegenüber. Harald zog ein elegantes Etui aus der Tasche, zündete sich eine Eigarette an, schlug die Beine übereinander und lehnte sich gernächlich auf die Lehne seines Ledersessels zurück. Sein Bruder, welcher an seinem Schnurrbart kaute und nervös auf der Tischplatte trommelte, unterbrach das nach einem vorhergehenden Gespräche eingetretene Schweigen und sprach: Ich muß gestehen, Harald, diese Geheimnißkrämerei gefällt mir gar nicht. Die Erklärung Deiner Motive wäre wohl am Platze, aber es scheint, daß Du etwas zu verbergen hast, was das Licht scheut " George " Bitte unterbrich mich nicht immer. Du weiß! ganz gut, daß ich mit meiner Vermuthung ziemlich den Nagel auf den Kopf treffe. Zuerst läßt Du in einer New Orleans Zeitung eine Notiz einrücken, daß Du am Gelben Fieber gestorben seiest. Nur ein Glück, vaß wir die betreffende Zeitung nicht halten und erst dann von der Notiz Kunde erhielten, als Du bereits Deine Ankunft angemeldet hattest. Und jetzt diese Heimlichkeit! Niemand soll wissen, daß Du hier bist, damit Deine Freunde Dich nicht überfallen und Du Dich in aller Ruhe erholen kannst! Glaubst Du wirklich Harald, daß ich das für baare Münze nehme? Da steckt ein Geheimniß dahinter!" Harald schnippte mit dem Finger die Asche von seiner Eigarette und sprach: Rege Dich doch nicht auf, George, Du bist das nicht gewöhnt und es könnte Deiner Gesundheit schaden. Du hast, wie immer, ja so recht, ein Geheimniß steckt dahinter, aber vorläufig bleibt das mein Geheimniß. Was Deine Insinuationen anbetrifft, so kann ich Dir nur sagen, daß, wenn ich auch kein Tugenbold bin, ich mich noch nie einer That! schuldig gemacht habe, wegen welcher ich vor Dir oder unserm Vater zu errothen hatte. Was ich gethan habe und wodurch ich gezwungen wurde, für eine Zeit lang aus der Öffentlichkeit zu verschwinden, würdest Du unter denselben Umstä.:den auch gethan haben. Und Hauptfächlich verberge ich mich deßhalb, um nicht noch einmal gezwungen zu werven, eine ähnliche That zu begehen.Da soll nun ein Mensch klug daraus werden? Ist auch gar nicht nöthig," entgeg nete Harald leichthin und schritt durcb eine nach dem Park führende Thüre w's Freie.,' ... ; . ..
Langsam schlenderte er auf den saubern Pfaden unter dichten Baumkrönen hoher Magnolien dahin und gelangte an einen weiten Rasenplatz, welcher für Croquet und Lawn Tennis eingerichtet war. Im Hintergrunde erhob sich eine Gruppe riesiger Lebenseichen mit lang herabwallenden Moos-
schleiern. unter welchen mehrere Ruhebänke standen. Auf einer derselben saß. mit einem Buche in der Hand. Alice Ainsley. Sie las aber nicht, sondern blickte träumerisch vor sich hin. Bei dem Geräusche der nahenden Schritte blite sie auf, und als sie ihren jüngeren Bruder erkannte, erhob sie sich rasch und eilte ihm entgegen. Das freut mich. Harald, ich fürchtete. Du seiest noch zu schwach, sonst hätte ich Dich schon geholt. Für den Roman da kann ich mich nicht recht interessiren und möchte lieber plaudern. Komm setz Dich!" Als die Beiden nebeneinander auf der Bank saßen, zündete der junge Mann ,tch eine neue Eigarette an. Aber Harald kannst Du es denn gar nicht lassen?" sprach das Mädchen vorwurfsvoll. Was?" Das Cigarettenrauchen, es soll doch so schädlich sein!" Ach Kind, wenn mir nichts mehr schadet, wie die paar Cigaretten, die ich täglich rauche, dann werde ich gewiß ein alter Mummelgreis. AproPos wann kommt denn der Papa von Washington zurück?" Wir erwarten ihn nicht vor dem ersten December!" Hm hm, also in zwei Wochen." Er blickte nachdenklich vor sich hin. Erzähle mir doch etwas von New Orleans", rief Alice lebhaft. Ich habe nun schon seit drei Monaten das Hausmütterchen gespielt und weiß gar nicht mehr, was draußen in der Welt vorgeht. Ach. lebte doch die Mama noch!" schloß sie seufzend. Harald nickte. Erinnerst Du Dich noch," sprach er dann lächelnd, wie wir hier zusammen als Kinder herumtobten? Schon damals spieltest Du das Hausmütterchen und ich war Dein Baby, obschon ich fünf Jahre älter war wie Du. Und wenn ich mich weigerte, von den Kuchen zu essen, die Du aus feuchtem Lehmgrund gebacken hattest, konntest Du ernstlich böse werden und geschimpft hast Du, na, ich habe mich oft darüber gewundert, wo Du mit Deinen vier Jahren alle die Worte herhattest." Alice lächelte. Ja, das waren schöne Zeiten. Aber Du solltest mir doch von New Orleans " Na, diese Unverschämtheit!" rief der junge Mann plötzlich erregt. Was ist's, Harald?" Siehst Du nicht den Fremden dort? Weiß der Kerl denn nicht, daß das Betreten der Anlagen verboten ist?" Ein Fremder ist es gerade nicht, Harald, es ist unser Ingenieur!" Das bleibt sich ganz gleich, der Kerl hat hier nichts zu suchen! Ist es ein hiesiger? Ich erinnere mich nicht, ihn jemals hier gesehen zu haben!" Papa hat ihn anfangs der Saison engagirt, er ist ein Deutscher." Das dachte ich mir doch, nur ein Dutchman kann so ungehobelt sein!" Herr Linden ist nicht gerade unaehobelt, Harald!" Schon mehr unverschämt, das stimmt!" Alfred Linden hatte sich inzwischen bis auf ungefähr hundert Schritte genähert. Sein Herz klopfte heftig und seine Wangen brannten ihm. Am liebsien wäre er Meilen weit entfernt geWesen. Wohl gewahrte er den hochmüthig finstern, fast feindseligen Blick des jungen Mannes. Aber zum Rückzuge war es jetzt zu spät. Die Augen geradeaus auf den jungen Advocaten gerichtet, das holde Wesen an dessen Seite wagte er nicht anzuschauen, trat Alfred näher, zog seinen Hut. verneigte sich tief gegen die Geschwister vnd sprach: Entschuldigen Sie gefälligst habe ich vielleicht die Ehre, Herrn Ainsley vor mir zu sehen?" Der bin ich," sprach dieser schroff, was wünschen Sie?" Gestatten Sie mir, mich Ihnen vorzustellen, Alsred Linden ist mein Name!" Harald nickte nur hochmüthig und ungeduldig mit dem Kopfe als oi er sagen wollte: was geht das mich an? Jedenfalls muß Ihnen mein unbefugtes Eindringen etwas sonderbar erscheinen," fuhr Alfred unbeirrt fort, ich hätte mich erst anmelden lassen sollen. Doch glaubte ich, es sei in Jhrem eigenen Interesse gehandelt, wenn jedes Aufsehen vermieden würde. Ich weiß zwar nicht, ob meine Vermuthung richtig ist, daß ich durch meine Handlungsweise eine Gefahr von Ihnen abgewandt habe, aber allem Anscheine nach wenn ich " Er hielt inne. Die Augen des jungen Mädchens, welche er fest auf sich gerichtet fühlte, derwirrten ihn. Der moquante Zug um die Lippen des jungen Ainsley war gleich nach den ersten Worten Alfreds verschwunden. Nervös an den Spitzen seines Schnurrbarts drehend, fragte er: Nun und? Von welcher Gefahr reden Sie denn eigentlich?" Alfred fand bei der sichtlichen Unruhe seinesGegenübers seine volle Ruhe wieder und schilderte nun ausführlich seine Begegnung mit dem Fremden, dessen Person er genau beschrieb, und wie und warum er demselben die Vermuthung genommen habe, daß Harald Ehester Ainsley noch lebe. Letzterer wurde abwechselnd roth und blaß und dasZittern ferner schmalen Hand verrieth seine innere Erngung. Nachdem Alfred geendet hatte, blickte er eine Weile starr vor sich hin. Dann erhob er sich langsam,- reichte dem Deutschen seine Hand 'hin und sprach: Herr Linden, ich danke Jhnen! Sie haben mir einen großen
Dienst erwiesen, der Fremde war mein Todfeind und darum habe ich es Ihnen zu verdanken, daß ich noch !ebe!"
9. An einem klaren Morgen gegen Ende Nodembe: entstiegen den Kannnen des am Fuße der Soraparu Straße in New .Orleans liegenden Dampfers Cristobal Colon" schwarze Rauchwolken. Durch die Fluthen des Mississippi Pflügte in weitem Bogen ein kleiner Schleppdampfer, welcher an der Seite des großen Frachtschiffes, welches via Havana nach Liverpool bestimmt war, anlegte. Bald darauf ein eilfertiges Hin- und Hereilen der Mannschaften, Commandoworte in spanischer Sprache, das Rasseln von Ketten und Eisen, ein heiseres anhaltendes Gebrlllle der Dampfpfeife, gefolgt von einem schrillen Pfiff des Schleppdampfers dann setzte sich der Coloß langsam in Bewegung. Auf dem Achterdeck stand, gegen die Brüstung gelehnt, der einzige Passagier des Frachtdampfers, Manuel Ramos di Larrinaga. Er wollte zu seiner Schwester in Havana. , Mehrere Fischer aus New Orleans, Landsleute von ihm, hatten ihn auf den Chandeleur Island entdeckt und gerettet, als cr gerade, von Hunger und Verzweiflung getrieben, sich mit dem letzten Rest seiner Kraft nach dem Rande der Insel schleppen und seine Qual in den Fluthen enden wollte. Wochenlang hatte er zwischen Leben und Tod geschwebt, bis schließlich seine eiserne Constitution und Willenskraft den Sieg davongetragen hatten. Beinahe aber hätte er einen Rückfall bekommen, als er rfuhr. daß das Gelbe Fieber iöm sein Opfer entrissen habe. a er die Nachricht von dem Tods 5linLleys aber nur in einer Zeitung fand, stiegen Zweifel an die Wahrheit derselben in ihm auf. In der Office des jungen Advocaten wurde ihm freilich gesagt, derselbe sei am Gelben Fieber gestorben, doch waren diese An gaben so unsicher, man schien nichts Bestimmtes zu wissen und schießlich erhielt er auf seine eindringliche Fragen gar keine Antwort mehr. Kurz entschlossen reiste er nach der London Plantage, wo er dann nach den Mittheilungen des jungenJngenieurs nicht longer daran zweifeln konnte, daß sein ursprünglicher Racheplan erfolgreich gewesen. Es litt ihn nicht länger in den Ver. Staaten und er benutzte die erste Fahrgelegenheit, um nach der Perle der Antillen zu gelangen. Düster sinnend blickte Manuel auf den Häuserwald von New Orleans, welcher langsam an seinen Blicken vorüberzog Als die Thürme der St. Louis Kathedrale in Sicht kamen und die hoben rauchenden Kamine der Zuckerraffinerien. in deren Nähe der französische Markt sich befindet, bildeten sich zwischen seinen Brauen zwei senkrechte Falten und heftig biß er sich auf die Lippen, als wolle er einen innern Schmerz verbeißen. Als die Abendröthe Land und Meer mit rosigen Tinten umhauchte, hatte der Dampfer die Mündung des Mississippi erreicht und zog bald schon rauschend durch die blauen Fluthen des Golfes.. Die Küste der Vereinigten Staaten war endlich nur noch wie ein dunkler Strich sichtbar. Manuel warf einen letzten Blick auf denselben, einen langen, haßerfüllten, drohenden Blick, und begab sich dann in seine Kajüte. Zweiter Theil. 10. Zahllose Sterne flimmerten am dunkeln, klaren Nachthimmel. In den Straßen Havanas herrschte ein reges, buntbewegtes Leben und Treiben. Die Nacht war zum Tag umgewandelt worden. Wenigstens in den Hauptstraßen. Ueberall Licht und Leben, fröhliche Laute des Glückes, gedämpftes Flüstern der Liebe. Leichte Equipagen, in welchen schöne Frauen mit blitzenden Augen saßen, rollten vorüber. Doch abseits von den Hauptstraßen, wo das Laster herrschte und die Armuth, war es still und dunkel. Nur zuweilen erklang das Lallen eines Betrunkenen, das schrille Gekeife einer wüthenden Megäre. Dazwischen das Gewinsel der Hungernden, das Stöhnen der Kranken und Elenden. 'An der Obispo Straße, eine der Hauptgeschäftsstraßen derStadt, wandelte langsam ein Mann in der Kleidung der vornehmen Spanier entlang. Seine Haltung und sein Aussehen hatten jedoch nichts Vornehmes. Unter dem breitrandigen Panamahute funkelten zwei dunkle zusammengekniffene Augen. Ein krauser schwarzer Vollbart umrahmte das fahle Gesicht. Dieser Mann war Manuel Ramos di Larrinaga I Olano. Auf dem Trottoir der größtenteils amerikanischen, deutschen und englischen Geschäftshäuser saßen die Angestellten, meistens junge Leute, rauchend, plaudernd und die Passanten kritisirend. Mancher der Vorübergehenden mußte sich eine anzügliche, wenn auch nicht gerade bös gemeinte Bemerkung gefallen lassen. Nur der finster dreinschauende Manuel blieb verschont, bis er vor ein stattliches Haus gelangte, in dessen hellerleuchteten großen Fensterscheiben zu lesen stand: American Dry Goods Store". Mit den Stühlen gegen die Wand gelehnt, saßen dort mehrere junge Männer. Der jüngste von ihnen, ein bartloser Jüngling, welcher Tabak kaute, spuckte gerade aus. als Manuel vorüberschritt. War es nun Absicht oder Zufall, der Saft spritzte auf die schneeweißen Beinkleider des Spaniers, einen großen braunen Fleck zurücklassend. Die jungen Leute brachen in ein lautes Gelächter aus. Manuel war stehen geblieben und blickte den jungen Mann drohend an. einen .grimmigen Fluch vor sich hinmurmelnd.
Paß 'auf, John flüsterte ein Nachbar des unmanierlichen Jünglings, der sieht r.icht danach aus, als ob er mit sich spaßen ließe." Ach was." meinte John wegwersend, die Spanier sind feige, vom Boxen verstehen sie keine blaue Bohne, nur wenn sie Jemand so unverhofft im Dunkeln mit dem Stilett zwischen die Rippen kitzeln können, dann sind sie dabei." Das konnte Dir auch am Ende pas siren. sieh nur, wie seine Augen Dolche schießen!" John lachte, aber es klang etwas gezwungen. Auch er hatte den drohenden, unheimlichen Blick bemerkt und es wurde ihm unbehaglich zu Muthe. Eben ging er mit sich zu Rathe, ob es nicht besser sei. den Fremden um Entschuldigung zu bitten, als sich dieser rasch entfernte. Hatte ich es Euch nicht gesagt?" prahlte er nun, ich kenne die Kerle, es gibt Hunde, welche ganz gefährlich die Zähne fletschen, aber wenn man c:f sie losgeht, kneifen sie den Schwanz ein und nehmen Reißaus!" Na, auf ihn losgegangen bist Du nun gerade nicht," spöttelte sein Nachbar. Du hast doch gesehen, daß es gar nicht nothwendig war. Uebrigens stehen wir unter dem Schutze der Vereinigten Staaten und Onkel Sam läßt nicht mit sich spaßen, das wissen diese Dons ganz gut." Darauf verlasse Dich aber nicht zu sehr, wenn so ein Don Bragadozio Dir mal so im Vorbeigehen einige Zoll Stahl zwischen die Rippen gleiten läßt, hilft Dir kein Onkel Sam mehr." Einer von den jungen Leuten, welcher bisher schweigend seine Eigarette gerauch? hatte, ergriff das Wort und sprach: Eins will ich Euch sagen, Jungens, die Geschichte hier wird bald anders. Ich habe so etwas im Comptoir munkeln hören. Unser Chef hat nämlich einen Bruder, welcher inWashington eine hervorragende diplomatische Stellung einnimmt. Von diesem hat er kürzlich ein längeres Schreiben erhalten, aus dessen Inhalt hervorzugehen scheint, daß Präsident McKinley und sein Kabinet die hiesigen Vorgänge mit großem Interesse verfolgen. Wenn diese spanischen Blutsauger und Menschenschinder nicht bald andere Saiten aufziehen, dürfte es zu einem ernstlichen Conflikt mit den Ver. Staaten kommen." Die Kerle machen es aber auch bald zu arg," ließ ein anderer sich vernehmen, die Concentrados in den Provinzen sollen vor Hunger und Elend dahinsterben wie die Fliegen nach dem ersten Frost." Inzwischen war Manuel mit Wuth im Herzen weiter geschritten. Als sein Blick wieder auf den braunen Fleck an seiner Hose fiel, murmelte er: Warte nur. Du Hund, der Fleck kostet Blut!" Er schlug eine Seiteustraße ein und erreichte bald den Hafen. Nachdem er eine Strecke weit an der Werft entlang gegangen war, wandte er sich stadtwärts unl gelangte bald an eine enge dunkle Straße. Aus den niedrigen Häusern drang hier und da wüster Lärm. Hier befanden sich die Spelunken. in welchen allerlei Gesinde! sich ein Stelldichein gab und die Hafenarbeiter ihren sauer verdienten Lohn durch die Gurgel jagten. Freilich, so lebhaft wie früher ging es nicht zu. .Infolge der unglücklichenVerhältnisse auf der Insel lagen Hanvel und Wandel stark darnieder und die Leute verdienten blutwenig. Manuel, welcher hier bekannt zu sein schien, betrat eine der Spelunken. Eine mit scharfem Tabakrauch geschwängerte, schwüle, übelriechende Atmosphäre herrschte in dem niedrigen, kahlen, von einer qualmenden Lampe trüb erhellten Raum. Ungefähr ein Dutzend verwegene Gestalten faßen gestikulirend und sich anscheinend in aufgeregtem Tone unterhaltend, an den Tischen. . Die meisten hatten die breitrandigen Hüte in den Nacken gestülpt und in den braunen Gesichtern schimmerte der Schweiß. Beim Eintreten des elegant gekleideten Spaniers verstummte die laute Unterhaltung wie auf Kommando und die schwarzfunkelnden Augen richteten sich erstaunt und keineswegs freundlich auf den Ankömmling. Die Männer waren ohne Ausnahme Cubaner und wenn sie es auch nicht wagten, ihren Haß gegen ihre Unterdrücker offen zur Schau zu tragen, und sich wenig um die Schicksale und Bestrebungen ihrer Brüder in den Provinzen kümmerten, da das gegen ihre eigenen Interessen gewesen wäre, so waren sie doch weit davon entfernt, den Spanier willkommen zu heißen und harrten mit finsteren Blicken der Aufklärung über die Bedeutung dieses ungewöhnlichen Besuches. Manuel that, als bemerke er die feindlichen Blicke nicht, trat ungenirt an einen der Tische, ließ sich auf den dreibeinigen Holzstuhl nieder, wa.:f seinen Hut auf den Tisch und grüßte die Anwesenden mit einem freundlichen: Guten Abend, meine Herren!" Keiner erwiderte den Gruß. Heda, Wirth, wo steckt denn der Kerl?" rief Manuel laut. Im Rahmen der zu einem Nebengemache führenden Thür erschien die fette, schmierige Gestalt des Gerufenen. Als er den vornehmen Gast erblickte, riß er vor Staunen seine Augen weit auf und kam dann rasch heran. Was wünscht Sennor von seinem unterthänigen Diener?" fragte er in unterwürfigem Tone. Habt Ihr Wein im Hause, der sich trinken läßt, ich meine wirklichen echten Wein, kein Gepansche?" ' Si Sennor, zu dienen, ausgezeichneten Malaga, ein feuriger Tropfen!" .Gut, so bringt diesen braven Leuten. von dem Stoff, so viel s trinken mögen, für mich bereitet ein GlaL Li-monade!"
.Der Herr soll mit mir zufrieden sein." entgegnete der Wirth mit einem tiefen Bückling und entfernt: sich. Ein unterdrücktes Gemurmel. ein erwartungsvolles Räuspern. ging durch das Zimmer. Bei einer solchen ungewohnten Freigebigkeit und in Erwartung der bevorstehenden Genüsse vergaßen die Leute, daß es ein Feind ihres Volkes war. der sie traktireu wollte, und die Blicke erhellten sich. Manuel zündete sich gleichgiltig eine Eigarette an und sprach: Nicht wahr, Jungens, die Zeiten sind gegenwärtig gerade nicht glänzend, ich bin erst kürz lich von den Vereinigten Staaten hier angekommen, kenne deshalb die Verhältnisse nicht so genau, aber das habe ich schon gemerkt, die gebratenen Tauben fliegen hier nicht herum." Gewiß nicht. Sennor." nahm einer der Anwesenden, ein stark gebauter Mann mit riesigem schwarzenSchnurrbart, welcher unter seinen Collegen die erste Geige zu spielen schien, das Wort, die Seiten sind verflucht schlecht, unsereins kann kaum noch das Salz m die Kost verdienen. Und man ist doch gewöhnt, Sennor, zuweilen etwas anderes zu trinken, als wie das miserable dünne Wasser. Ah !" Der Ausruf galt dem Erscheinen des Wirthes, welcher einen dickleibigen Krug hereinschlcppte. In der anderen Hand trug er die Limonade, die er mit einem tiefen Bückling vor dem Spanier hinstellte und dann die Gläser holte und sie füllte. Gierig wurde der langentbehrte feurige Trank hinuntergeschlürft, oder vielmehr geschüttet, denn die Leute legten den Kopf in den Nacken, sperrten den Mund weit auf und schütteten den Inhalt des hoch erhobenen Glases hinein. Sag mal, Freund, wie heißt Du denn?" wandte sich Manuel an den Schnurrbärtigen. Jose Podiaz, Sennor." Gut, Jose, ich ernenne Dich zum Mundschenk, laß die Gläser nicht zu lange leer stehen und wenn der Krug nicht reicht, muß der Wirth noch einen zweiten bringen." Jose waltete seines Amtes mit Lust und Gewissenhaftigkeit. Nicht lange dauerte es. da war der Krug leer und Manuel bestellte einen zweiten. Die Stimmung wurde immer lustiger und ausgelassener. Endlich hielt Manuel den Zeitpunkt für gekommen, an die Ausführung seines Planes zu gehen. Er winkte Jose an seinen Tisch und sprach in halblautem Tone: Sag, Freund, würdest Du, oder vielmehrwürden Du und Deine Freunde mir einenGefallen erweisen, wobei nebenbei jeder von Euch zehn Pesetas verdienenkann?" Jose blickte den Spanier einen Augenblick fragend an, legte dann seine Hand auf die Brust und sprach: Sennor. für Euch holen wir des Teufels Großmutter aus der Hölle, wenn Ihr es verlangt!" Das verlange ich nun gerade nicht." entgegnete Manuel lächelnd, Ihr sollt blos einem jungen Amerikaner, der mich beleidigt hat, einen kleinen Denkzettel geben,' daß ihm die Lust vergeht, zum zweitenmale einem Spanier und Bürger Havanas auf die Hose zu spucken." Ein Amerikaner, sagt Ihr, Sennor?" fragte Jose und zerrte an den Spitzen seines Schnurrbartes. Die Augen des Spaniers fingen an zu funkeln. Was?" zischte er, eben brüstest Du Dich, des Teufels Großmutier für mich aus der Hölle holen zu wollen und fürchtest Dich, einen amerikanischen Lassen zu züchtigen, was ich selbst gethan haben würde, wenn ich es nicht unter meiner Würde gehalten hätte? Geh doch weg. Du bist feige!.Wie von einer Natter gestochen, sprang der Cubaner auf und sein Athem ging schwer. Sagt das nicht noch einmal, Sennor," sprach er heiser und seine Fäuste krampften sich zusammen. Verzeih, Jose, aber aus Deinem Tone glaubte ich annehmen zu müssen, daß Du Furcht hattest, beweise nun. daß ich mich geirrt hatte." Sagt mir, wo wir den Mann finden. Sennor, er soll Euch nie wieder belästigen." Manuel nannte ihm nun das Haus und gab ihm eine genaue Beschreibung des jungen Amerikaners. Beeilt Euch," sagte er zum Schlüsse, in einer Stunde bin ich wieder hier, bis dahin muß die Geschichte abgemacht sein, und vergiß nicht. Du erhältst zwanzig Pesetas und jeder von Deinen Kameraden zehn." Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren, erhob er sich und verließ das Lokal.
11. Vor dem American Dry Goods Store" an der Obispo Straße saßen nur noch zwei junge Männer, die übri gen hatten sich inzwischen schon entfeint. Einer von den Beiden zog seine Uhr und sprach: Schon gleich Elf. John, ich denke, man legt sich auf's Ohrl" Warte doch noch ein wenig, Bill, es ist noch so verdammt schwül in meiner Bude." Warum machst Du es denn nicht wie ich. und legst Dich in eine Hängematte draußen im Hofe?" Damit die Mosquitos und anderes Ungeziefer ein Picnic haben." Na, dem kannst Du doch leicht abhelfen. Du kaufst Dir ein Stück Gaze und spinnst Dich darin ein, daß das Gethier nicht an Dich kommen kann!" Keine schlechte Idee, das werde ich morgen mal versuchen. Sag mal,Bill, Du bist doch schon länger hier, wird es noch bedeutend heißer im Sommer?" Soll ich denken." lachte Bill, .warte mal. bis Du nur noch den S hatten Deiner Nasenspitze sehen rinnst .Uebrigens, wie gefällt eä Dir denn hier?" Well zuweilen ganz gut, zuwei-
ken denke ich aber auch wieder, daß eö daheim in Chicago doch bedeutend angenehmer war und sein würde." Mir geht's gerade so, John. Trodem ich nun schon drei Jahre hier bin, kann ich mich doch noch nicht so recht einleben. Diese schmierigen braunen Gesellen nrit ihrem ewigen Geschnatter, von dem man nicht glauben sollte, daß sie es selbst verstehen, sind mir gar nicht sympathisch und werden es auch toohl nie. Und diese wüste Wirthschaft hur, und erst ar m den Provinzen, wahrhaftig, eine Schande ist's, und dabei nennen sich die Leute noch Christen und gebärden sich, als ob sie ganz allein den Himmel in Pacht bätten. Weißt Tu was. wenn ich di? Mittel hätte, ich packte gleich morgen auf und gcnde! nach meinem lieben St. Louis! John seufzte. Ich wäre dabei, Bill! Weiß der Teufel, wie mir der Gedanke kam. durchzubrennen nach dieser sogenannten Perle der Antillen! Wenn ich mich nicht schämte, würde ich keine Woche mehr hier bleiben. Aber zu Hause würden sie mich ja riesig auslachen, wenn ich nach kaum zwei Monaten wieder zurück käme, wo ich geprahlt hatte, daß ich erst nach mehreren Iahren als gemachter Mann wiederkommen würde. Freilich meine Mutter würde sich freuen, die gute alte Seelen Ha ha weißt Du, Bill, was sie mir zu Weihnachten schickte? Gestern erhielt ich das Packet, es waren drei Anzüge Unterzeug darin von Flanell denk Dir blos. Flanell! und drei Paar wollene Strümpfe! Halloh da kommt ja eine ganze Bande von diesen braunen Gesellen, na, haben die aber scharf geladen!" Lärmend und gestikulirend, mit unsicheren Tritten, nahte sich ein Trupp Cubaner. Bei den jungen Amerikanern blieben sie wie auf Commando stehen. Ewer von ihnen, es war Jose, taumelte auf John los, rannte gegen dessen Stuhls und ehe der junge Mann es sich versah, lag er auf dem Pflaster. Ein lautes Gelächter erscholl ob dieser Heldenthat und am lautesten lachte Jose, welcher breitspurig stehen blieb. Das Lachen sollte ihm aber bald vergehen. John sprang auf, und im nächsten Augenblicke fuhren die geballten Fäuste des in der Kunst desBoxens wohlbewanderten Jünglings dem Cubaner mit rapiden Stößen in die Rip pen, so daß, er zwischen seinen Genossen zurückwich. John folgte ihm und war bald von den braunen Gesellen umringt. Plötzlich erscholl ein schriller Aufschrei. Dann stob die feige Bande auseinander. Der junge Amerikaner lag röchelnd auf der Straße. Der ganze Vorgang hatte kaum eine Minute gedauert und ehe Bill sich von seiner Ueberraschung erholt hatte und seinem Freund zu Hilfe eilen wollte, war es schon zu spät. Verfluchte Feiglinge.Hunde!" schrie er in schmerzlichem Zorn,, sprang auf, riß seinen. Revolver aus der Hüftentasche und feuerte fünf Schüsse hinter den Fliehenden her. Einer von ihnen that einen Luftsprung und stürzte mit lautem GebrüU zu Boden. Ohne sich wei--ter nrn ihn zu bekümmern, setzten seinr Gefährten ihre Flucht fort. Bill kniete neben seinem Freund nie--der und fragte ängstlich: Lüas ist. es,. John, bist Du verletzt?" Hier hier " hauchte der Jüngling, und nun sah Bill, wie zwischen, den Fingern der rechten Hand,, die John auf die Brust gepreßt hatte,, dunkle Bluttropfen sickerten. Q Bill ich muß sterben " röchelte der Unglückliche mit verlöschender Stimme. Ach nein, John, so schlimm wird es doch nicht sein!" Es ist ich fühle es o meine arme Mutter schreibe ihr, Bill nein, schreib' es ihr nicht vielleicht " Seine Stimme erstarb in einem un-. heimlichen Gegurgel. Mutter ich ich komme wieder heim ." Wie ein Hauch kam es von den Lippen des Jünglings. Dann wurde es still, ganz still,, und über das jugendliche Antlitz mit den in weite Ferne blickenden großen Augen breitete sich der starre Schleier bei Todes. Inzwischen hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, angelockt durch das Knallen der Schüsse, das Röcheln, des Sterbenden und das Gebrüll des verwundeten Cubaners. Auch mehrere Polizeisoldaten kamen herbeigerannt und bahnten sich mit Püffen und Stößen einen Weg durch die. Menge. Bill, welcher der spanischen Sprache ziemlich mächtig war. theilte dem Polizeilieutenant mit zitternder Stimme den Vorfall mit. Der Mann des Gesetzes erkundigte sich nach dem Namen und der Wohnung des Ermordeten, und als er erfahren hatte, daß letztere sich in der Nähe befinde, gab er zwei von seinen Leuten den Auftrag, die Leiche dahin zu schaffen. Dann begab er sich zu dem ungefähr fünfzig Schritte entfernt liegenden Verwundeten, welcher sich eben bemühte, aufzustehen, was ihm aber trotz der Hilfe einiger Land'sleute nicht gelingen wollte, da ihm die Kugel oberhalb des Knies in's Bein gedrungen war. Zurück. Platz da!" donnerte der Beamte den Umstehenden zu. Als er dann in dem Verletzten einen Cubaner erkannte, herrschte er ihn an: Heule doch nicht so wie ein auf den Schwanz getretener Hund! Caramba. schaut doch diese Memme an! .Wie heißt Du denn?" Zose Podiaz. Sennor Capitano winselte der Cubaner. (Fortsetzung folgt.) Grausam. Mutter: Warum weinst Du denn, Mucki?- Mucki: Der Herr Lehrer hat gesagt, ich soll' den Griffel und die Ohren spitzen." . .
Aür die Küche. ' Wkndfo: - Suppe. Man setzt ein altes 'Suppenhuhn mit Wurzelwerk, Salz und einer Prise rothem Pfeffer an. Ist das Huhn weich, so streicht man die Bouillon und. das Wurzelwerk durch ein Sieb, verbessert sie durch eine balbe Unze Fleischertrakt und kocht darin gemahlene Gerste gar. Inzwischen hat man das Brustfleisch ganz fein geschnitzelt, gibt es nebst kleinen gerösteten Semmelwürfeln in die Terrine und gießt die fertige Suppe darüber, nachdem man sie vorher auf Salz abgeschmeckt hat. Vechamell - Kartoffeln. In einem Viertel PfundButter schmort man ziemlich lange fünf bis sechs gehackte Zwiebeln und etwas rohen Schinken. Nun rührt man zwei Eßlöffel voll Mehl daran und löscht alles nach und nach mit einem Quart Milch ab. Gewürzt wird die Brühe mit Salz, Pfefferkörnern und Lorbeerblatt. Inzwischen hat man gute, mehligei Kartoffeln gekocht, sie geschält und in ftine Scheibchen geschnitten. Diese vermischt man nun mit der durchgetriebenen Sauce, bringt das Gericht rn eine feuerfeste Form, etwa eine Auflaufform, überstreut die Kartoffeln mir Parmefankäse und beträufelt sie mit zerlassener Butter. So hergerichtet. stellt man die Form auf einenDreifuß. in die Bratröhre und bäckt die Speise eine halbe Stunde lang. Die Brühe darf nichr zu wenig, das heißt die Kartoffeln zu trocken fein, ebenso aber auch dürfen die Scheiben nicht schwimmen L'eberknodel mit Sauerkraut. Schöne, frische Kalbsleber, 1 Pfund,, wird fein geschabt oder gewiegt, am besten vom Metzger hergerichtet. In einem Viertel Pfund gutem Fett, es darf auch die Hälfte Nierenfett sein, wird feingeschnitteneZwiebel und etwas Majorangewürz gedünstet und heiß über die Leber geschüttet. In einer anderen Schüssel hat man sechs bis acht Weißbrötchen geschnitten, in kleine Würfel, oder- feine Scheibchen, sodann vier Eier und etwas Milch darunter gemengt. Nachdem man letzteres hat eine gute Stunde kochen lassen, verrührt man beide Massen gut nniteinander, würzt nach Belieben mit Salz, Muskatnuß und so weiter, und giebt noch einen Löffel Semmelmehl in die Masse. Nun macht man einen Probekloß, und hält dieser zusammen, so legt man alle mit einem Löffel in strudelndes Salzwasser. Man richtet dieKlöße als Kranz um das Sauerkraut herum an und schmälzt sie mit heißer Butter, in welcher Semmelmehl dünstete. Sülz e v trn Kalbskopf. Man koche einen Kalbskopf mit einigen Kalbsfüßen in Wasser mit Salz.Zwiebeln, Lorbeer und etwas Essig recht weich. Ist der Kopf abgekühlt, nehme man die Knochen heraus, lasse das Fleisch kalt werden und schneide es in Würfel und Streifen. Die Suppe gieße man durch ein feines Haarsieb, koche sie kurz ein und gebe alsdann das geschnittene Fleisch hinein, das eben mit-aufwallen muß. Ist die Masse abgeschmeckt, so fülle man sie in eine Form, um sie später stülpen zu können. Rosenkohl. Wasche sorgfältig die kleinen Sprossen in Salzwasser, damit die Insekten, die sich manchmal darin befinden, entfernt werden und koche ihn in Salzwasser (unbedeckt) zehn Minuten. Dann gieße ihn durch einen Seiher und schütte kaltes Wasser nach. Schmelze einen Eßlöffel voll Mehl darin, gebe den Kohl hinein, etwas weißen Pfeffer, ein wenig Zucker und SalZ' daran, gieße Fleischbrühe hinzu und lasse dies kurze Zeit zusammen kochen, dann stelle den Topf an eine warme Stelle des Herdes, bis es Zeit ist, das Gemüse anzurichten. Sch lesisch er gedämpfter Schweinebraten. Vier Pfund Schweinskeule klopft man gut und bringt sie in eine Pfanne, welche aur Hälfte mib kaUem Salzwasser angefüllt ist. Das Fleisch wird mit einem Deckel bedeckt und auf der Herdplatte zum Kochen gebracht. Hat es eine Stunde lang gekocht, so fügt man 68 schwarze Pfefferkörner, das Viertel eines Lorbeerblattes und eine kleineHand voll ganz fein gehackter Zwiebeln und wenn man- will, auch einen Theelöffel voll Fleischeztrakt hinzu. Ist das Wasser eingebraten, so fügt man immer wieder eine Tasse warmes oder kaltes Wasser hinzu. Hat alles etwa drei Stunden tüchtig gebraten, wobei man eS öfters umlegt, so wird es aufgedeckt und noch eine halbe Stunde gedünstet. Man richtet das Fleisch dann an, kocht, die Sauce mit etwas in Wasser verquirltem Weizen- oder Kartoffelmehl los, giebt sie nicht erst durch ein Sieb und reicht sie in einer Saucire zum Braten, mit welchem man am liebsten Mehl- oder Kartoffelklöße und Sanerkraut resp. Dünstkraut servirt. Marinirter Fisch. Man schneidet einen Hecht in Scheiben und siedet diese in einer Brühe' ans gewäsfertem Weißwein, etwas Essig, Zucker. Lorbeerblätter, ganzem Pfeffer, gelben ötuben, Sellerie. Zwiebelscheiben und klein gehackter Petersilie, bis sie weich sind, aber nicht zerfallen, legt sie auf der Schüssel wie ganz zusammen undläßt sie erkalten. Inzwischen setzt man die Brühe, klart sie wie Äspic, gießt sie über den Fisch und stellt ihn auf EiS. Vor dem Auftragen ziert man ihn mit: Citronenscheiben, gelbem oder rothenr Aspic, Caviar und Eiern. Theekuchen - Recept. Acht ganze Eier werden mit einem Pfund feinen Zucker zu Schaum gerührt, dann gibt man nach und nach ein halbes Pfund zerlassene Butter, tnZ Va ille. 1 gutes Pfund Mehl, einige Tropfen Citronenöl, ordentlich durcheinandergerührt, davon werden mit einem Theelöffel Platzchen uf ein mit Speck abgeriebenes Blech gelegt und bei mäßiger Hitze goldgelb gebacken. . v
