Indiana Tribüne, Volume 23, Number 76, Indianapolis, Marion County, 3 December 1899 — Page 7

Zie Kache Höhen. Erzählung emeZ englischen GtimiiKl brarnten. Es war offenbar ein schwieriger Fall. Infolge unbegreiflicher Stupidität derDistrictspolizei war die Sache erst zwei Tage nach der Bubenthat zur Kenntnis des Gerichtshofes gelangt, und mittlerweile hatten die Thäter vollauf Zeit gefunden. England den Rücken zu kehren und jegliche Spur zu verwischen. Meiner Jnstruction gemäß begab ich inich nach Richmond, woselbst ich das Opfer der That noch inatt und schwach, doch bei vollkommen klarer Besinnung und fähig fand, mir eine klare, sachliche Schilderung des Herganges zu geben. Mein Name ist Robinson begann drr alte Herr. Major Robinson vom 109. Fuß-Negiment. welches, wie Jhnen vielleicht bekannt, vor acht Jahren nach Hindostan, zur Bekämpfung der ufständigeu Eingeborenen commandirt war. Um die Affitors für die grausame Massacrirung britischer enterthanen zu bestrafen, zerstörten wir damals ihre Dörfer, verbannten ihre Tempel und nahmen, was wir an Werthgegenständen zu erbeuten trmochten. Ich speciell war so glücklich, von den Götzenbildern in den Tempeln qoldene Zierrathe und Juwelen im .Werthe von etwa 10.000 Pfund Sterling zu erbeuten. Diese Schätze brachte ich mit nach England. Bald nach meiner Heimkehr quittirte ich den Dienst und kaufte mir dieses Haus. Die kostbarsten Kleinodien bewahrte ich in meinem eisernen Tresordie Curiositäten in einem Glasschrein meiner Bibliothek auf. Von Eingeborenen vernahm ich hinierher, daß derjenige, der die hölzernen Idole ihrer Zierrathe beraubt, den Zorn der Affitorgötzen auf sich geladen habe, die nun nach Rache schrieen, sodaß die Tcmpelpnester geschworen hätten, nimmer zu -ruhen, bis die Juwelen zurückerstattet und das Leben des Tempelschänders ihren Götzen als Sühneopfer dargebracht worden. Aber wie Sie sich denken können, amüsirte diese Mittheilung mich, anstatt nur Angst einzuflößen. Der Zorn der Götzen beunruhigte mich ebenso wenig wie der Priester Racheschwur. Woher sollten diese wissen, daß ich der Besitzer ihrer Schätze war, und wo ich weilte? Denn nur ein oder zwei Leute meiner Compagnie wußten von meinem Besitz. Und selbst wenn sie beides in Erfahrung gebracht hätten, wie konnten sie mir folgen, mir irgend etwas anhaben, nun ich mich in England befand? Nein, die Idee, daß mein Leben gefährdet sei, erschien mir absurd und beunruhigte mich keinen Augenblick, bis ich vor etwa zwei Wochen eine mysteriöse Botschaft erhielt, welche besagte, daß die rächenden Priester mich verfolgten. Das frappirte mich, und meine Betroffenheit stieg noch, als am Morgen 13 Ueberfalles abermals eine geheime Sendung anlangte. Bitte, reichen Sie mir einrnal jenen Kasten." Als ich diesem Wunsche entsprochen, entnahm der Major dem Kasten eine kleine, schmutzige, mit grauem Seidenfaden umwundene Pergamentrolle, die er mir mit dem Ersuchen überreichte, Kenntniß von dem Inhalte zu nehmen. Ich entfaltete die Rolle und überlas die mit seltsam geformten, verschnörkelten Buchstaben niedergeschriebenen Zeilen, welche also lauteten: Zittere, verruchter Sahib! Die beleidigten Götter schreien nach Rache. Sie schreien nach den Diademen, die sie dereinst geschmückt. Sie schreien nach dem Herzen des Diebes, des Räubers, des Zerstörers. Nach der heutigen Nacht werden sie nicht mehr schreien; denn sie werden gerächt sein, und Du, Hund, wirst sterben! Kali hat gesprochen." Und dann folgten curiose, unmoglich zu entziffernde Lettern oder Worte, die wie hindostanisch aussahen. Begreiflicherweise begann die Sache mir unheimlich zu werden." fuhr der Major fort, als ich ihm die Rolle wieder eingehändigt. Doch wußte ich nicht, was ich thun sollte. - Offenbar waren die Priester mir auf der Spur; denn in England wußte Niemand, wie ich in den Besitz der Juwelen gelangt war, mit Ausnahme Stimpsons, meiner früheren Ordonnanz, und der davon war ich überzeugt würde sich niemals ein Wort darüber entschlüpfen lassen. Er war mir stets außercrdentlich ergeben gewesen und kam, als er dem bunten Rock Balet gesagt, zu mir mit der Frage, ob ich nicht irgend eine Anstellung für ihn hätte. Ich nahm ihn daher als Gärtner bei mir auf und wies ihm einimmer im JTitffHfWfvmlV

- -"fJ w -w W Vy V V M j V als Wohnung an. Was mich bei diesen mysteriösen Drohungen am meisten frappirte. war die unerklärliche Art. in der sie zu mir gelangten. Nicht etwa per Post oder durch einen Boten, sondern auf unsichtbarenWegen und einfach mit einem Seidenfaden umwunden. Wie von einer Geisterhand daselbst niedergelegt, fanden sie sich plötzlich auf meinem neben demFenster stehenden Schreibtische, während Niemand als ich allein im Zimmer war und Thüren und Fenster geschlossen waren. Ich befragteMrs. Barnes, die Haushälterin, die Dienerschaft, doch alle behaupteten, keine Ahnung zu haben, wie die Rollen auf meinen Schreibtisch gekommen fern könnten. 3st gestern während meiner Abwesenheit irgend Jemand hier gewesen?" fngte ich. seine Menfchenseele, außer den Haii:lZleuten." versetzte die Haushälterin. Gewiß' "war noch Jemand da," Wandte Stilen ein. itä sab Sie

doch an der Hausthür mit einer . Mannsperson reden." Ach, das war nichts, Sir," erklärte Mrs. Barnes. Nur ein Mann, der eine Karte von einem Detectio-Jnstitui abgab." ! Ein Deteciiv - Institut? Hatai !

Sie die Karte noch? Dann zeigen S:e sie einmal her." Sie brachte mir die Karte. Harrisons Privat-Detectiv-Jnsti-tut, Beaumont-Street 124. Unbedingter Erfolg in allen Fällen garantirt. Nur Specialisten verwendet. Strengste Discretion. Mäßige Bedingungen," stand darauf. Ich telegraphirte sogleich nach Harrisons Institut, und anderthalb Stunden später traf der Chef desselben bei mir in. Ich machte ihn unverzüglich mit dem ganzen Sachverhalt bekannt. Daraufhin meinte er, es sei eine äußerst schwierige Situation, sodaß er die zu treffenden Maßregeln erst ernstlich erwägen müsse. Nachdem er sodann gefrühstückt, erklärte er mir das Resultat seiner Erwägungen, daß ich unbedingt in großer Gefahr schwebe, da die Pergamentrollen zweifellos von den Priestern stammten, und wenn die Hindus auf Rache sinnen, pflege keine Macht der Welt sie von der Ausführung derselben zurückzuhalten. Und zum Beweis erzählte er mir allerhand schrealiche Fälle ähnlicher Arr. Dann äußerte er die Ueberzeugung, daß für die nächste Nacht unbedingt ein Attenat auf mein Leben zu gewärtigen sei und machte mir den Borschlag, Abends wiederzukommen, und dann in Gemeinschaft mit mir die Nacht über zu wachen. Mit Revolvern bewaffnet, sollten wir dann beide im Dunkeln in dem Zimmer sitzen, welches die Kleinodien barg und bei dem leisesten verdächtigen Laut das im Bereiche unserer Hand befindliche elektrische Licht entzünden und Feuer geben. Ohne daß die Domesticen etwa? davon merkten, ließ ich Harrison Abends in das Haus. Nachdem wir uns überzeugt, daß alle Thüren und Fenster fest verschlossen waren, begaben wir uns in die Bibliothek und nahmen dort nebeneinander, doch die Gesichter nach verjchiedener Richtung gewandt, Platz. Harrison, der dem elektrischen Lichte am nächsten saß, löschte dasselbe, und in unheimlichem Schweigen, den Finger am Hahn des gespannten Revolvers, erwarteten wir das Nahen meiner Feinde. Dann umfing mich Bewußtlosigkeit, aus der ich erst am nächsten Nachmittage erwachte. Ich fand mich mit benommenem Kopfe, fiebernd und schwindelig nuf meinem Lager und den Arzt, eine Wärterin und Mrs. Barnes um mich beschäftigt. Die Letztere erzählte mir, was siH zugetragen. Als sie am Morgen die Bibliothek betreten, war ihr ein starker, widerlicher Geruch aufgefallen, und im nächsten Moment hatte sie mich mit esse nem Munde, hintenüber hängendem Kopfe, einem Revolver auf den Knieen, leblos in einem Lehnstuhle entdeckt. Mit dem Rufe Mörder. Mörder!" war sie hinausgestürzt und hatte das Hausmädchen nach einem Arzt und einem Polizisten gesandt. Ersterer erklärte, ich sei tödtlich chloroformiri worden und schwerlich noch zu retten. Doch gelang es ihm wider Erwarten. Der Constabler entdeckte, daß mein Geldschrank und mein Curiositätenschrein geplündert waren und die Schlüssel an der Schrankthür hingen. Natürlich liegt der Zusammenhang klar auf der Hand, zumal Stimpson seither verschwunden ist. Zweifellos hat er in Gemeinschaft mit Harrison, dem er von meinen Kleinodien erzählt haben muß, diesen schlauen Plan ausgeheckt. Und während Harrison und ich nebeneinander im Dunkeln saßen, hat der Spitzbube mich einfach chloroformirt. sodann mittels meinerSchlüssel die Schränke geöffnet und sich dann mit all' meinen Werthsachen aus dem Staube gemacht. Nun wünschte ich nur, Sie möchten ihn fangen und mir wieder zu den Juwelen verhelfen. Das ist leichter gesagt als gethan," gab ich zurück. Bedenken Sie, daß die Schurken zwei Tage Vorsprung haben. Wie soll man nun noch ihre Spur auffinden? Sie können schon längst außer Landes sein." Das wohl," meinte der Major, aber was helfen uns denn die Detcctivs, wenn sie nicht gewitzigter sind als gewöhnliche Sterbliche? Wenn die Polizei allein im Stande wäre, die Spitzbuben zu fangen, so brauchten wir Sie nicht zu bemühen." Können Sie mir irgend etwas Besonderes über Stimpson oder Harrison mittheilen?" fragte ich. Hm nein, das wohl kaum. Nur ja, nun ich darüber nachdenke, scheint mir eine ausgesprochene Aehnlichkeit zwischen beiden vorhanden zu sein. Auch entsinne ich mich, daß Stimpson mir früher einmal erzählte, er hätte einen Bruder, mit dem er häufig verwechselt würde. Und beim Zeus! Ich möchte wetten, daß Harrison, der Schurke, sein Bruder ist." Sehr möglich. Diese Information ist außerordentlich werthvoll. Ist Jhnen sonst niemals irgend twas an Stimpson aufgefallen?" . Nicht daß ich wüßte; außer, daß ich ihn kürzlich einmal in eingehendes Studium eines vollkommen leeren Blattes von blauem Schreibpapier vertieft fand. Auf meine Frage, was er da mache, erklärte er, er studire das Wasserzeichen." Ein merkwürdiges Studium für einen Menschen dieses Schlages!" bemerkte ich. Ich will sogleich weite Untersuckuncrn anstellen." Dieselben führten zunächst zu der Entdeckung, dß Hirnjons privat-Detectiv-Jnsiitut aus einem einzig

tteimn Zimmer bestand, welches nichts als einen Tisch und einen Stuhl e'nthielt. Die ausgezeichneten Specialisten", Gehilfen usw. waren sämmtlich abwesend, eine Thatsache, die keineswegs befremdlich war in Anbetracht des Umstandes. daß das Institut lcdiglich für diese eine Gelegenheit gegründet worden. Der geriebene Chef hatte in dem nämlichen Hause Kost und Logis innegehabt, und seine Wirthin, die ihn seit oem Abend des Raubanfalles nicht mehr zu Gesicht bekommen, war sehr in Sorge um die schuldige Miethe und Pension. Er hat nichts zurückgelassen, woran ich mich halten könnte," klagte sie. Eine alte, abgenutzte Schreibmaschine, etwas Papier und eine leere Kiste, das ist alles." Bitte, zeigen Sie mir die Sachen," sagte ich und erklärte ihr, wer ich sei. Sie führte mich in Harrisons Privatzimmer. Die Schreibmaschine war thatsächlich ein werthloses, altes E;emplar mit schadhafter Mechanik, während die Walze Spuren zahlloser Abdrücke aufwies. Wo sind die Papiere, derer Sie erwähnten?" fragte ich. Dort!" Sie wies auf etliche Bogen blauen Schreibpapiers, die im Berein mit schmutzigen Löschpapieren, auf dem Boden verstreut lagen. Weiter nichts?" rief ich enttäuscht. Das sind ja nur leere Blätter, die können mir nichts nützen." Ja, das ist alles, was da ist," erklärte sie. Ich hob eins der Löschblätter vom Boden auf und gewahrte darauf verschiedene seltsame Zeichen, welche mich zu näherer Besichtigung veranlaßten. Dann las icy sorglich auch die anderen Stücke vom Boden auf und hätte bei der Untersuchung eines weißen, noch unbefleckten Löschblattes beinahe ein lautes Hurrah" ausgestoßen. Das war der glücklichste Fund, den ich je durch Zufall gemacht; denn hier hatte ich die Erklärung für Stimpsons Studium der Wasserzeichen und zugleich Aufschluß über dieReiseroute der beiden Schurken. Sogleich kehrte ich zu Major Robinson zurück. Herr Major." sagte ich, nun weiß ich, wo Ihre Spitzbuben und Schätze zu suchen sind, und ich bitte Sie. mich zu ihrerJdentificirung sogleich nach Newcastle zu begleiten. Machen Sie sich reisefertig, während ich mir einen Verhaftsbefehl besorge." Zwei Stunden darauf dampften wir gen Newcastle. Wie bereits erwähnt, hatte das reine Blatt weißen Löschpapiers mir auf die Fährte geholfen. In Berücksichtigung der Möglichkeit, daß das Papier in unrechte Hand gelangen könne, hatte Harrison, der früher als Bureauschreiber thätig gewesen und mit derSchreibMaschine gearbeitet hatte, seine das Complott betreffenden Mittheilungen an seinen Bruder auf folgende ingeniöse Art abgefaßt: Nachdem er das Band von der Schreibmaschine entfernt, hatte er ein Löschblatt unter das blaue Briefpapier gelegt und sehr kräftig auf die Tasten der Maschine gedrückt. Infolgedessen wurden die Worte in farbloser, dem Papier eingedrückter Schrift gedruckt, welche indeß nur in einem gewissen Lichte sichtbar war, sodaß jeder Uneingeweihte das Papierblatt für leer und unbeschrieben halten konnte. Natürlich waren die Lettern was Harrison glücklicherweise entgangen war auch auf dem darunter liegenden LöschPapier abgedrückt und namentlich auf dem reinen weißen Löschbogen, den er als Unterlage seines letzten Briefes benutzt, vollkommen leserlich. Halte dich heute Nacht bereit," hieß es darin. Sache geht A 1. Werde diese Nacht mit dem Alten das Haus bewacben, so geht's am besten. Aber man darf uns nicht .zusammen sehen, also geh' du nach Liverpool und von dort nach Newcastle. Keine Verkleidung, du brauchst nur schmutzig und harmlos auszusehen. Ich komme über Hull dorthin. Montag segeln wir dann mit der Maggie Maid" nach Ostende. Schon alles abgemacht. Wollen uns amüsiren auf dem Continent. Fangen können sie uns nicht. Verbrenne dies. Bill." Selten habe ich ein paar verdutztere Schurken gesehen, als die beiden verwegenen Kohlenschaufler, die wir auf der Maggie Maid" arretirten, als das Schiff soeben ZmBegriff war, seine Anker zu lichten und nach Belgien zu segeln. Und statt des erhofften Amüsements auf dem Continent, fanden sie für die nächsten fünf Jahre dauernde Beschäftigung in den Steingruben von Portland. Eingegangen.

Am Stammtisch im Casino" pflegte Herr Müller, sobald Meinungsverschiedenheiten über irgend eine Sache entstanden, sich in's Bibliothekzimmer zu schleichen, dort das Conversationslexikon über die strittige Sache nachzusehen und. zurückkehrt. Wetten zu proponiren, die er. vermöge seiner eben geschöpften Kenntniß, natürlich immer gewann. Eine lange Zeit hindurch hatte er diese Praxis mit schönem Erfolge ausgeübt. Eines Abends, als wieder einmal ein Streit entbrennt, eilt er. wie gewöhnlich. nach seiner Geistesschatzkammer, holt sich den entsprechenden Band heraus, findet aber, als er ihn an der betreffenden Stelle aufschlägt, einen Zettel mit der Aufschrift: Guten Abend, Herr Müller! Die Casino - Gesellschaft." Nichtskommt so sehr an die große Glocke, als was man einander leis in's Ohr raunt.

Die Ecschwister. Won A. Gaber. . "Ach Toni, ich bin so müde! Gehen wir bald schlafen?" Die Angeredete nickte leicht, ohne aufzublicken. Ueber den Strickrahmen gebeugt, folgt sie spannenden Auges den regelmäßigen Bewegungen der Rechten, welche den bunten Seidenfaden durch leuchtenden, schillernden Atlas zieht. Jetzt hält sie tief aufathmend inne. Sieh. Wally, es macht sich doch recht nett. Edelweißblüthen auf schneeigem Grunde. Die Schattirung wirkt apart, nicht?" Wally schaut bewundernd auf der Schwester Arbeit. Meisterin, die Du bist! Aus rein Nichts zauberst Du ein Kunstwerk! Schade, wirklich schade, daß es für fremde Leute ist. Was bekommst Du denn wohl dafür?" Toni lächelt. Ein wehmüthiges Lächeln. Bier Mark vielleicht. Kann sein auch fünfzig Pfennige mehr. Es langt dann gerade zu einem Paar neuer weißer Schweden für die Soiree bei v. Asiens." Sie fädelt mechaxisch einen hellen Seidenfaden durch das feine Nadelöhr. Ja. es wird furchtbar schlecht bezahlt. Mein Fliederzweig bringt auch nicht viel mehr, und ich sitze schon drei volle Tage daran. Daß uns der Papa auch so knapp hält mit dem Taschengelde!" Laß, Wally. Papa kann's nicht. Du weißt Eberhard." Ja, ja, ich weiß! Der Herr Lieutenant! War ja immer so. Bon klein auf sind wir's gewöhnt, ihn als die Hauptperson zu betrachten. Er spielt den Baron was meinst Du wohl! Was sind ihm vier Mark, für die wir drei Tage lang sticheln! Ein einziger Abend kostet bei ihm das zehnfache. Da bleibt für uns allerdings nicht viel mehr übrig!"' Eine beklommene Pause entsteht. Auf und nieder taucht die Nadel, leise knistert der Seidenstoff, klappert die Scheere, goldig leuchtet das glattgescheitelte Haar der älteren .Schwester im Lampenlichte. Jetzt, wo sie gespannten Blickes die Arbeit- prüft, mit fest zusammengepreßten Lippen, wie blaß und schmal und ernst erscheint das feine Mädchengesicht. Du Toni wer kommt denn morgen alles zu Deinem Geburtstag?" Wally red' nicht so unnütz. Du weißt ja. Erna und Marga und Leonline " Lisbeth Bauer auch?" Toni zuckt verächtlich die Achseln. Ach die! Das paßt doch nicht. Seitdem sie in ein Geschäft geht, ist sie doch gesellschaftlich unmöglich geworden. So gewissermaßen! Sie kann ja auch erst nach Acht kommen das stört und fällt furchtbar auf!" Aber sie verdient schönes Geld Toni! Mehr wie wir!" Einerlei! Eine Geschäftsdamc gehört nicht in unsere Kreise. Denke an Leonie und ihre Verwandten! Ihre Tante ist ja eine Cousine des früheren Reichskanzlers!" Na Du aber eine sehr entfernte! Und was kann denn da Leonie dafür? Wir sind im Grunde genommen ja auch nichts weiter als Arbeiterinnen!" Ein Blick aus den großen Augen der Schwester läßt Wally erschrocken verstummen. Himmel das war eine Antwort! Wie kühl und vornehm wie hochmüthig verweisend die grauen Sterne sie angeblitzt hatten! Sie schweigt verschüchtert. Endlich besiegt ihr rasches, fröhliches Temperament aber doch die momentane Verstimmung. Du, Toni ich weiß was!" Nun?" Wie ich heut in Eberhards Zimmer die Consols und Tischchen abstäube, falle ich beinahe über einen in der Ecke lehnenden Carton. Ich hebe ihn auf, öffne ihn und Toni, soll ich Dir's sagen, was drin lag? Nein, ich behalt es lieber für mich bis morgen!" Sag's nur! Du denkst doch nicht, daß Eberhard ein Geburtstagsgeschenk für mich hat? Das wäre das erste Mal allerdings! Wie hart und bitter die Worte klingen! Doch Toni! Diesmal macht er alles wieder gut. Ach so was Schönes! Wenn Du nicht meine Toni wärst!" Nun sag's doch endlich!" Ein Fuchs, Toni! Goldig braun, mit glänzendem, seidenweichem Fell und einem Mäulchen so süß, zum Küssen! Wenn ich denke, wie sich der Pelz auf Deinen Schultern herrlich ausnehmen wird zu dem hellen Tuchcostüm, in dem Du so vornehm aussiehst! Seit drei Jahren meine einzige Galatoilette! Ich weiß schon nicht mehr, wie ich's variiren soll! Möchte wissen, wie viel Eberhard inzwischen " Du aber! Diesmal ist er nobel! Der Fuchs kostet mindestens 50 Mark. Der ist echt das hab' ich gleich weg gehabt. Du weißt,, dafür habe ich einen Blick! So nun aber Feierabend! Sonst ist mein Geburtstagskind morgen ungenießbar!" Sie nimmt der Schwester Nadel, Fingerhut und Scheere aus der Hand, schlägt die Arbeiten in weiße Tücher und reckt die vollen Arme hoch in die Luft. Gottlob, morgen wird nicht ge-

! stichelt zur Feier des Tages! Toni, das ü das Schönste an Demem Geburtstage! Und den Fuchs den darf ich auch mal umnehmen? Ja? Morgen, wenn ich zur Clavierstunde muß?" Toni blickt der sich schmeichelnd an sie schmiegenden Schwester forschend in die dunklen Augen. Warum putzt Du Dich gerade für die Clavierstunde so hübsch heraus, Wally?" m3oUt wie Du immer frägst! Wa

rum soll ich mich denn , dazu nicht hübsch anziehen?" " I Toni bleibt ihr die Antwort schuldig. Ihre Gedanken schweifen zurück in die eigene, wie ein Traum ver-

rauschte Kindheit. Und wie leise Trauer zieht es durch ihren Sinn: Wieder ist ein Jahr Deines Lebens nutzlos dahingegangen!" Der Geburtstag ist vorüber. Die Gratulanten, welche die 25jährige Tochter des Oberst von Seefeldt beglückwünschten, haben sich längst wieder entfernt. Es lag eine so kühle, frostige Stimmung über dem sonst so behaglichen Heim, die eine zwanglose Fröhlichkeit gar nicht aufkommen ließ. Da hatte man sich denn bald nach einer Viertelstunde gern empfohlen. Wieder sitzen beide Schwestern an ihrem Strickrahmen. Und noch einer ist im Zimmer, ein hier seltener Gast: Eberhard, der Oberlieutenant. Er steht schweigend an dem Geburtstagstische und nimmt mechanisch eins und das andere der darauf liegenden Geschenke in die Hand. Lauter Kleinigkeiten. Es gilt nicht als vornehm bei Seefeldts, werthvolle große Präsente zu machen; nur einige kleine Aufmerksamkeiten, das genügt. Etwas Billetpapier, etwas v Parfum; von der Mutter ein Dutzend feine Taschentücher, deren kunstvoller Hohlsaum von mancher mühsamen Stunde erzählt, von Wally ein Band Engelhorn, von Eberhard eine Schachtel Confitüren. Daneben einige kleine Handarbeiten der Freundinnen, das ist alles. Tonis Gedanken durchleben noch einmal den heutigen Tag mit all seinen Bitternissen, Kämpfen und Stürmen. Warum hatte sie sich eigentlich 'so auf das Geburtstagsfest gefreut? Schon der Morgen hatte ihr eine Enttäuschung gebracht. Sie hoffte diesmal ganz sicher auf ein neues Gesellschaftskleid oder wenigstens auf ein modernes Straßencostüm. Und als sie die Mutter bei Seite zog und ihr beschwichtigend zuflüsterte: Du sollst eine Toilette bekommen, ganz nach Deinem Geschmack, nur hatte Papa jetzt kein Geld." da wußte sie, daß es nur beim guten Willen bleiben würde, wie immer. Auch Eberhards bescheidene Gabe entlockte ihr nur ein trauriges Lächeln. Wer weiß, was Wally wieder einmal geträumt hatte, als sie von dem Fuchspelz gesprochen! Dann war sie Zeuge einer heftigen Auseinandersetzung gewesen zwischen Vater und Bruder. Das alte Lied von Spiel und Schulden! Und während der Bruder im Kreise der Kameraden bei Wein und Karten die halben Nächte und das väterliche Geld verbrachte, saß sie mit der Schwester und stickte um ein paar Handschuhe! Es muß sein, Papa." hatte Eberhard auf die Vorwürfe des Vaters erwidert. Ich kann mich nicht ausschließen. So ein kleines Jeu. was ist's denn auch weiter ganz harmlos, sag ich Dir! Hatte gerade mal Pech; ein andermal hol ich's zehnmal wieder ein." Und der Vater hatte geschwiegen. Dachte er an seine eigene Lieutenantszeit und den alten Spruch, daß Würfelspiel mit der Soldateska seit ewigen Zeiten Eins gewesen?. Bei Tisch war die Unterhaltung oft in's Stocken gerathen. Man sprach überhaupt nie viel dabei, und höchstens über die alltäglichsten Dinge, schon des Burschen wegen, welcher das frugale Mahl mit der ihm mühsam eingedrillten Grandezza servirte. Er mußte für die nächste Gesellschaft geschult werden. ZumKaffee waren einige Verwandte erschienen, unter ihnen Tante Johanna, die gefllrchtete, mitleidslose Wächterin über die Ehre der Familie, besonders wenn es den weiblichen Theil derselben betraf. Und die Zornesfalte auf ihrer Stirn kündete nichts Gutes. Bald kam auch der Grund ihrer UnZufriedenheit zur Sprache. Sie hatte Wally heute, die Musikmappe am Arm, mit einem jungen Herrn in der Königgrätzer Straße gesehen. Ein peinliches Jnquisitorium folgte. Das Resultat war, daß Toni Weisung erhielt, die Schwester nie mehr allein gehen zu lassen nicht einen Schritt. Wally war empört. Was war denn dabei, wenn sie den Bruder ihrer Freundin, den jungen Franz Bauer traf und mit ihm über die Schwester plauderte? Wenn er auch nur ein einfacher Bankbuchhalter war nett und gebildet blieb er doch trotzdem! Hätte man sich auch so aufgebracht gezeigt, wenn Graf Western an feiner Stelle gewesen wäre? Schwerlich wohl. Und der heirathete sie gewiß nicht; dann der Franz noch viel eher. Eine heftige Sehnsucht nach Selbstständigkeit, nach nützlicher, existenzschaffender Arbeit erfaßte das junge Mädchen. Wie beneidete sie ihre Freundin, die Geschäftsdamc! Gott, Kinder, seid doch nicht so fleißig! Di: Armen Berlins leben auch ohne Eure gestickten Sophakissen weiter. Wie viele Bazars zum Besten der Armen" wollt Ihr denn noch mit Euren Arbeiten bedenken?' Eberhard sagte es leise, mit spöttischern Tonfall. Dabei mustert er kriiijch die von dem hellen Lichte der Hängelampe beleuchteten Gestalten der Schwestern. Tonis schlanke, Lberschlanke Figur, mit der steifen Haltung, dem blassen, etwas hochmüthigen Antlitz, dem glattgescheitelten Blondhaar contrastirt eigen zu dem noch im Stadium der ersten Entwickelung begriffenen, vollen Figürchen der Schwester. Und ein anderes Frauenbild taucht vor ihm auf: Sascha Louisa. Er sieht die hohe, elegante Erscheinung im enganschließenden Sammetkleide vor dem ' großen Pfeilerspiegel ihres reizenden Wohnstübchens. Mit leichter, graziöser Handbewegung ordnet sie die. bei seiner stürmischen Be-

grüßung'etwas derangirte Haarsrisur; und dabei lacht der kleine Mund mitden kirschrothen Lippen so eigen. Leise tritt er von rückwärts auf sie zu. Rasch hebt er die Hände ein goldig braun schimmernder Fuchspelz ruht auf ihren Schultern. Sie schreit leise auf, halb ausSchrecken, halb inFreude. Dann küßt sie stürmisch ihn? Nein, oh nein! Das kleine rosige Mäulchen mit den spitzen Zöhnchen, das sich so vertraulich an ihren Busen schmiegt. Immer und immer wieder drückt siedas Fuchsköpfchen an die Lippen. Und dabei stammelt sie: Mein lieber, lieber, einziger Freund Du!" Eberhard springt auf. Noch jetzt, in der Erinnerung packt ihn die Erregung, die sich gestern Abend seiner bemächtigte. Wäre eine seiner Schwestern wohl einer solchenFreude fähig? Toni? Nie! Wally? Vielleicht! Aber auch sie steht schon unter dem Zwange der guten Erziehung, die Selbstbeherrschung als erstes Gebot vorschreibt. Fort, fort! Wie öde und langweilig ist's hier! Dort ist Leben, Empfindung, Temperament! Sascha, ich komme! Er stürmt hinaus. Wally reckt die steifgewordenen Glieder. Eberhard ist aber furchtbar langweilig, nicht, Schwester?" Toni nickt. Du den Fuchs schenkt er mir gewiß zum Geburtstage, nächste Woche werde ich ja schon achtzehn!" Keine Antwort. Tonis Lippen zucken verächtlich. Wer weiß, wer den Pelz jetzt schon trägt! Toni bleibst Du noch lange sitzen?" Ich muß fertig werden heute, Kmd.

Geh' Du nur schlafen!" Gute Nacht, Schwester!" Sie umschlingt zärtlich die schlanke Gestalt Tonis. Wenn ich doch den Franz wiedersehen könnte! Weißt Du. wenn Du mitgehst, dann ist doch nichts weiter dabei! Du bist ja schon so alt!" Toni nickt. Dann vertieft sie sich wieder in ihre Arbeit. Und unermüdlich führt die Hand die blitzende NaFel durch die knisternde Seide. Die Haarpflege. Die Allheilmittel des Haarschwund sind zahlreich wie der Sand am Meer; da es aber noch keinem Mediziner geglückt ist, ein Elixir oder eine Behandlungsmethode festzustellen, dem es gelänge, das Haar über gewisse Stadien hinaus festzuhalten oder gar zu mehren und zu verstärken, sollte umsomehr für Erhaltung des Haarschmucks durch rationelle Haarpflege gesorgt werden. Der Haarboden verlangt vor Allem mäßige Entfettung. Durch sie wird das Haar fester eingepflanzt, weicher und glänzend erhalten, bis infolge des Alters die Hautelastizität Überhaupt vermindert und damit die Ernährung der Haardrüsen geschwächt wird. Aber auch Schmeerbildung kann den Haarausfall bedingen, verminderte Talgabsonderung das Haar wieder spröde und brüchig machen, in gleicher Weise wie bei übermäßigem Schwitzen; die Haarbodenpflege hat sich also in gewissen Grenzen zu halten und innerhalb dieser von den kosmetischen Befehlen Gebrauch zu machen. Die Kopfhautpflege hat demgemäß vorerst daraus Bedacht zu nehmen, daß schon bei normalem Haarwuchstriebe die Absonderungsstoffe der Talg- und Schweißdrüsen eine Ansammlung von UnreiTiigkeit begünstigen, indem die abge, stoßenen Epidermisschuppen mit dem Staub der Atmosphäre eine Decke bilden, welche einerseits die Verdunstung der Absonderungsstoffe verhindert, und andererseits einer oberflächlichen Reinigung Widerstand leistet. Einfaches Naßmachen der Haare oder gar häufiges Kämmen allein genügt nicht, um die Niederschläge der Drüsenmündungen zu erreichen und den Schmutz zu beseitigen; das Jucken bei gesunder Kopfhaut liefert eben hierfür den Beweis. Eine gründliche Kopfwaschung ist daher mindestens einmal in der Woche angezeigt und bei Gebrauch von Pomaden wiederhole man sogar diese Prozedur öfters. Langes Haar werde zu dem Zweck erst in einzelnen Strähnen ausgekämmt und mit fettlosen Bürsten gründlich gereinigt. Hierauf zertheile man das Haar in einzelne Büschel und reibe mit den Fingern an den freiwerdenden Hautstellen bis zur Schaumbildung eine Seife - ein, bei Spannung der Haut ein Eigelb. Die darauffolgende Reinwaschung der Kopfhaut wird erst mit ebenso lauwarmem Wasser wie bei der Einseifung vorgenommen und im zweiten Tempo mit einem kühleren Wasser besorgt, solange noch Spuren von Seife sichtbar sind, oder die Klebrigkeit des Eidotters bemerkbar ist. Beim nunmehrigen Abtrocknungsakt vermeide man, wie beim Kämmen und Bürsten sorgfältig jede Zerrung der Haare, lasse sie über Nacht ungeflochten und unbedeckt und salbe sie erst am nächsten Morgen mit ein wenig Mandelöl , oder Pomade. Kamm und Bürste, die zur täglichen Reinigung der Haare verwendet werden, sind auf's sorgfältigste reinzuhalten. Das Einfetten der Haare kst immer angezeigt, sobald die Haare spröde, glanzlos werden, sich zu spalten beginnen und beim Frisiren nicht glätten lassen, ferner wenn Waschungen mit Seifenwasser erfolgt sind und durch Verscifung des natürlichen Haarfettes Weichheit, Glanz und Geschmeidigkeit der Haare vermindert wurden. So sehr nun aber eine minimale Fettdecke zur Conservirung der Haare in noch höherer Grade, als Wasser und Seife beiträgt, zersetzt sie sich bei vernachlässigter Kopfwaschung oder bei mangelhafter Ausbürstung des alten Fettes, verbreitet einen unangenehmen Genick und verstovft die Talgdrüsen-

Mündungen. Daher ist es rathsam, bei genügender Fettbildung die Haaröle nur ein- bis zweimal wöchentlich zu verwenden, wenn sie aber häufiger nöthig sind, auch die Kopfwaschungen 'häufiger zu wiederholen. Haaröle und Pomaden müssen rein sein und dürfen nicht ranzig werden. Als Grundlagen der Oele bediene man sich des Mandelöls, als Grundlage der Pomaden des gereinigten Schweinefett tes; ätherische Oele werden des Parfüms wegen beigemischt; Bartwichse, Kräuselpomade entsteht durch BeiMischung von Gummi, Glycerin und Alkohol und dient zur Fixirung der Haare. Doch repräsentiren AgarAgar, ebenso wie Gummi schädlicheBeimengen, weil sie durch ihren klebrigen Charakter Schmutz ud Unrein lichkeit fördern, abgesehen von ihrer leichten Zerfetzbarkeit. Acrtttt.r W in.

Der Weinbau gehörte in älterer Zeit mit zu den besten Einnahmequellen der Berliner. Wenn man den Chronisten glauben darf, soll der Berliner Wein sogar wegen seines vortrefflichen Geschmacks berühmt" gewesen sein. 1565 zählte Berlin 55 Weinberge und 19 Weingärten, Cölln 15 Weinberge und 7 Weingärten, die theils im Norden, theils im Süden der beiden Städte sich hinzogen. Die Kirchhofshügel in der Bergmannstraße, der Kreuzberg, die Zionskirche - Anhöhe u. f. w. waren jener Tage 'alle mit Wein bepflanzt. Nach der Kämmereirechnung von 1583 wurden aus den Weinbergen in der Bergmannstraße, den Cöllnischen", allein 18z Tonnen Roth- und Weiß, wein gewonnen, 1595 sogar 36 Ton--nen. Ueber die in Alt - Berlin gebauten Weinsorten giebt eine Abhandlung des Arztes Elsholz (1623 1688) sehr interessante Aufschlüsse. Er theilt sie in blanke, rothe und sonderbare", d. h. seltene Weine. Zu 'den ersten gehört: u. a. der Schönedel - Wein, der Rüßling mit Mußkateller - Geschmack, von dem der Berliner den edelsten Rheinwein" (!) gewann. Unter den rothen Weinen findet man Roth Schonedel", SchielTraminer" und Ungarisch Leibfarb". Als sonderbare" Reben zog man Weintrauben ohne Körner mit kleinen, süßen Beeren, Petersilien - Wein, desscn Blätter dieser Küchenpflanze glichen, Tintenwein mit schwarzrothemSaft, Viti I:i'vm.i vom Vesuv und Malvasier, sowie Muskateller. Sehr interessante Einblicke in das Winzerle ben unserer Vorfahren gewährt eine Weinmeisterordnung von 1604 Die. Weinmeister wurden danach alljährlich um Michaeli angestellt und blieben, bis der Wein im Faß war, im Dienst. Nachder Lese mußten die Spalierstöcke ausgezogen werden. Zwischen den Reben waren Senkgruben anzulegen, auch mußten die Stöcke nach Lichtmeß be schnitten werden. Zu Fastnacht wurden die Berge geräumt und gedüngt; zu Ostern setzte man wieder die Stöcke ein, worauf dann die erste Hackung vorze nommen wurde. Nach Pfingsten erfolgte die erste, Johannes die zweite und Bartholomäi die dritte Heftung" der Neben. Die Hefterin erhielt 10 Pfennig Tagelohn. Nach dieser Zeitbesichtigen die Amtsleute die Pflanzungen und bestimmten, welche Stöcke durch neue zu ersetzen seien. In der Zeit der Reife wurden die Berge Tao und Nacht bewacht, damit kein Mensche noch Vieh oder Thier" sie betrete. Jrgend einem Menschen eine Traube zu schenken, war den Weinmeistern streng verboten, nur kranken Leuten" durften sie zu Zeiten wohl ein paar Trauben verabreichen". Das Jnstandhalten der zur Kelter nöthigen Geräthe lag. ebenfalls in der Hand des Weinmei--sters. Im 18. Jahrhundert ging der Weinbau zurück. 1781 hatte Berlin nur zwölf Morgen Weinland, 1782 sogar nur neun Morgen. Heute erinnern bloß noch Weinbergsweg, Wein- und Weinmeisterstraße an die Glanzzeit deä Berliner Weins. S,amen?lye ?locssormcl. Die Formel, unter welcher die hohen Beamten des siamesischen Hofes den Eid der Treue leisten, lautet: Das Blut soll us jeder Ader meines Körpers weichen, der Blitz mich in zwei Theile zerspalten, Krokodile sollen mich fressen, ich soll verdammt sein, Wasser in bodenlosen Körben durch die Flammen der Hölle zu tragen, nach meinem Tode soll ich in den Körper eines Sklaven wandern, welcher die härteste Behandlung so viele Jahre als Sandkörner in der Wüste und Tropfen im Meere zu erdulden hat, ich soll von Neuem als' blinder, stummer, tauber, mit den ekelhaftesten Geschwüren bedeckte? Bettler geboren und sofort in die Hölle verstoßen werden, wenn ich je geaen mei ien Eid verstoße." (So schön! Freundin: Karo line, ist Dein neuer Mantel schön?" Ehefrau: Na, ein halbes DutzendMal darf stob mein Mann dafür bezechen!" SchönerGedanke. Kannibale (einen Münchner verspeisend): Kinder, wenn wir jetzt auch noch das Bier hätten, das durch diese Kehle $t flössen!" O weh! Ich bin em große? Freund des Wassersports, gnädige Frau, und Gottlob, läßt sich dieses Vergnügen mit meinem Beruf veinigen!" Ja, mein Mann sagte mir schon, Sie seien Wcinhändler!" Auf dem Exerzirvlatze. Hauptmann (zu den Mannschaften): Ihr Kerls seid nicht werth, daß Euch ein Hauptmann commandirt! FürEuch ist gerade das erste beste Rhinozeros gut genug." (Steckt den Degen ein und wendet sich an den Secondelieutenani): Herr Lieutenant, bitte, übernehmen Sie das Commando!"

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