Indiana Tribüne, Volume 23, Number 69, Indianapolis, Marion County, 26 November 1899 — Page 2

WujlKmltcnwitz. Von kZranz Fridbcrg. Eigenartiges Völkchen, diese Nünstler aus der Musikerbranche sie mache:: Alle Witze! Man verlangt es sogar von ihnen in der Gesellschaft als Begleiterscheinung ihrer Jhrnst. Auch ist man warum, weiß ich nicht meist eher geneigt, ihnen schlechte und selbst unstatthafte Witze zu verzeihen, den anderen Sterblichen. Ob Vach oder Beethoven witzig iva ren, weiß ich nicht; von Hayia und Mozart haben wir Beispiele. Seinen geistreichsten Witz .machte Haydn unstreitig mit seiner Abschiedssymphonie, oder, n?ie sie in Wien genannt wird, Lichtlsymphonie" Der Graf Esterhazy gab eines Tages Haydn die Absicht kund, sein über zwanzig Jahre bestichendes Hausorchester nufzulösen. Haydn war erschiittert von dieser Nachricht, nicht weil er selbst seine Stellung verlor, sondern weil die meisten der Orchestermitglieder hier alt und grau geworden waren und nun auf einmal brotlos werden sollten. Er suchte den Grafen umzustimmen, vergebens der Kostenpunkt sprach hier ein zu großes Wort mit. Haydn kam jetzt auf einen ganz originellen Einfall: Das letzte Concert fand statt. Haydn hatte für diesen Abend eine neue Symphonie componirt. Der Graf saß im Kreise seiner Familie und lauschte mit Aufmerksamkeit und innerer Bewegung diesem letzten ihm von seinem theuren Haydn gespendeten Hochgenuß. Die Symphonie war ungefähr bis zurHälfte gediehen, da stand der erste Violinist plötzlich auf, löschte das eine Licht seines Pultes aus, nahm seine Geige unter den Arm und ging gesenkten Hauptes von dannen. Einige Takte später erhob sich der zweite Geiger, und so weiter, bis nur der Pauker übrig blieb. Der gab noch zwei matte Schläge ab, dann löschte auch er sein Licht aus, ging hinaus die Symphonie war zu Ende. Der Graf war derart gerührt, daß er die Entlassung zurücknahm und das Orchester bis an sein Lebensende behielt, obgleich er daran zu Grunde ging. Mozart hatte einmal eine größere Gesellschaft bei sich. Er hätte gern seinen Gästen ein Glas Champagner vorgesetzt, aber das nöthige Geld fehlte. Er dachte einen Augenblick nach, dann stand er auf, bat, ihn für ein Weilchen zu entschuldigen, ging in die Nebenstube und kam ungefähr nach einer halben Stunde mit einem beschriebenen Notenblatt zurück, einem Klavierstück, das er soeben componirt hatte. Einer der Gäste sttzte sich an's Klavier, um es vorzuspielen. Er war bis gegen die Mitte gekommen, da stockte er. Metster." wendete er sich an Mozart, das muß hier ein Irrthum sein. Die rechte Hand ist im Discant beschäftigt, die linke im Baß, und in der Mitte soll auch noch ein Ton angeschlagen werden. Das ist rein unmöglich. Solche Hände hat kein Mensch in der ganzen Welt!" Mozart blieb ernst und proponirte eine Wette, daß dies doch möglich sei. Die Wette wurde angenommen. Mozart setzte sich hin, spielte, .und als er zu der betreffenden Stelle kam, schlug er den unmöglichen Ton mit der Nase an. Alles lachte, und Meister Mozart hatte die zwölf Flaschen Champagner gewonnen, die auf der Stelle getrunken wurden. Professor Richard Lewy in Wien, der berühmte Waldhornist der Oper und Gesanglehrer der Lucca, ich glaube auch der Mallinger und vieler anderer berühmter Sängerinnen, führte eine giftige Zunge. Seine Witze waren tödtliche Dolchstöße. Man konnte sicher sein, wenn Richard! so nannten wir ihn alle den Mund aufthat, fiel Jemand getroffen zu Boden. Hier ein Pröbchen seiner Art: Er trug einmal in einer Gesellschaft ein Hornsolo vor. Unter den Größen befand sich auch der Luslspieldichter Eduard Mautner. Mautner war als Gesellschafter in Wien ungemein beliebt und namentlich bei der hohen Aristokratie. Wenn seine Stücke im Burgtheater aufgeführt wurden, so hatte er es wohl mehr seiner hohen Protektion wie seinem Talent zu verdanken. Während Lewy nun sein Solo blies, stand Mautner mit einigen jungen Damen nicht weit davon und plauderte und lachte immerfort. Lewy warf ihm erst warnende Blicke zu, als die aber nicht helfen wollten, brach er plötzlich ab und rief hin: Herr Mautner, ich finde es durchaus nicht in der Ordnung, daß Sie hier zu meinem Spiel lachen. Sehen Sie, mein Lieber bei Ihren Lustspielen im Burgtheater lache ich auch nicht." Fabel.

Ein alter Bienenkorb ward mit einem verbrauchten Papierkorb in dieselbe Rumpelkammer geworfen. Es währte nicht lange, so entstand zwischen beiden ein Streit darüber, wer der Menschheit größere Dienste geleistet hätte. ..Wie darfst du dich mit mir vergleichen!" rief der Bienenkorb. Hunderte von Menschenzungen haben sich an der köstlichen Speise gelabt, die in meinem Innern bereitet ward." Wohl wahr." entgegnete der Papierkorb. aber den geistigen Magen Tausender vor unverdaulicher Kost bewahrt zu haben, ist auch ein Verdienst." Guier Vorsatz. Gefäng??!ßdirector (zum entlassenen Sträfling): Sie müssen die Anstalt mit dem festen Vorsatze verlassen, nie mehr dahin zurückzukehren!" Sträfling: Den Vorsatz hätt' i' schon, Herr Director aber wenn s' mV halt wieder Kwisch'n!"

guxnz. Frau Mode, die Ewigjunge und doch Uralte, entfaltet ihren in allen Regendogenfarben schillernden Fächer, um dahinter ein spottendes Lachen zu verbergen. Jrgendjemand hat ganz ernsthaft den Ausspruch gethan, der Luxus unserer Tage sei an allem Unheil schuld und darum sei es nothwendig, zu den einfachen Gewohnheiten der .guten, alten Zeit" zurückzukehren. Frau Mode lacht über solche Weisheit und Lehren. Gewiß ist der Luxus in unserem Seitalter zu hoher Blüthe gelangt Unsummen werden von vornehmen Frauen allein für Juwelen ausgegeden. Hof- und Staatskleider sind mit Edelsteinen auf's Reichste verziert. Wenn di? Kaiserin - Wittwe MariaFeodorowna in ihrem russischen Nationalcostllm, welches ihre Hoftracht bildet, erscheint, gleicht sie an Pracht einem Märchenbilde; von Edelgestein, von Diamanten, Smaragden und Rubinen glitzert und sprüht es und funkclt. Aber die gute, alte Zeit sie war darin keineswegs einfacher. Eine Kleopatra löste eine kostbare Perle in 5ssig auf, um sie zu trinken. Die vornehmen Römerinnen der Kaiserzeii trugen an ihren weißen Obergewändern eine Falbel von Purpur und goldenen Streifen. Aus feinem Goldblech, das zerschnitten und aufgeheftet wurde, oder auch aus echten Goldfäden bestand deren Zierrath. Mit Perlen wurde ein so schrankenloser Aufwand getrieben, daß Plinius einmal sagt, man gehe buchstäblich auf Perlen, woraus zu schließen ist, daß die Perlen nicht nur zum Schmuck der Schultern, sondern auch zu Bordüren verwendet wurden. Und diesem Luxus paßten sich nun alle Lebensgcwohnheiten, die Einrichtung und Ausstattung der Häuser, der ganze Comfort an. Die bunten, babyIonischen Teppiche waren besonders beliebt und scheinen einen ungeheuren Werth gehabt zu haben. Die Sitze der Stühle waren mit Schildkrötenschalen ausgelegt und mit kostbaren Polstern bedeckt, die mit Daunen gefüllt und mit reichen Stickereien aus Babylon geschmückt waren. Elfenbeinerne und silbermEötterbilder, Kandelaber.Dreifüße und andere Gefäße aus Gold und edlem Metall zierten die Gemächer. Reiche Baldachine spannten sich bei den Gastmählern über die Häupter der Schmausenden. Mit Blumen wurde ein für uns fabelhafter Luxus getrieben. Sklaven streuten Blumen und Blüthen auf den Boden und auf die Ruhebetten und krönen jeden Gast mit Rosenkränzen, die mit Evheu durchflochten und meist auf Seidenbast befestigt waren. Anfänglich hatten diese Kränze stets aus ganzen Rosen bestanden, später wurden nur die einzelnen Blätter zu dicken Guirlanden vereinigt. Um nun diesen schuppenförmig aneinander gereihten Blumenblättern einen Halt zu verleihen, wurden sie eben auf Seidenbast geheftet. Die Schilderung der Toilette und des Comforts einer reichen Dame im alten Pompeji führt uns in ein durchaus luxuriöses Milieu. Ein kostbarer Tisch trägt einen Stahlspiegel von hellstem Glänze. Dosen und Büchsen mit Wohlgerüchen, Seifen undSchminken umgeben ihn. Durch die Dämmerung des Gemaches schimmern die in den leuchtendsten Farben prangenden Fresken der Wand, welche die JahrHunderte mit ihrem wunderbaren Schmelz überdauert haben. Ein orientalischer Teppich bedeckt den Boden, vor der Thür zu dem Nebenraum hängt ein kostbarer, mit goldenen Blumen gestickter Vorhang. Einer besonderen Sklavin lag das Geschäft ob, die Juwelen zu ordnen und die Gebieterin damit zu schmücken: mit den massiv goldenen Armbändern undRingen, den herrlichen Schnallen mit Kameen zum Halten des Obergewandes, dem purpurnen, mit Gold durchwirkten und juwelenbesetzten Gürtel. Die Wagen, deren sich die Vornehmen in Pompeji bedienten, waren an der Außenseite mit kunstvollen Reliefs versehen, die Rosse von seltener, parthischer Rasse folgten der leisesten Berührung des Wagenlmkers, der hinter seinem Gebieter stand. Die Kleidung eines solchen edlen Pompejaners bestand aus einer purpurnen Tunika, die Fibula, durch die sie befestigt wurde, strahlte von Smaragden. Um seinen Hals legte sich eine goldsne Kette, die in der Mitte der Brust in einen Schlangenkopf endete, aus dessen Rachen ein großer Siegelring von feinster Arbeit herabhing. Die weiten Aermel der Tunika waren mit goldenen Fransen besetzt. Der ebenfalls goldene, mit Arabesken verzierte Gürtel diente statt einer Tasche, um Schnupftuch, Börse, Griffel und Schreibtafel aufzunehmen. Vielbesprochen ist der Aufwand, der mit dem kostbaren Purpur und Vyssus getrieben wurde, von welchem nicht feststeht, ob es ein dichtes, wahrscheinlich baumwollenes, aber überaus feines Gewebe gewesen, oder ob darunter etwas Spitzenartiges z?i verstehen ist. Schilderunzen von geradezu unglaublichem Luxus überliefern uns die Chronisten aus dem alten Byzanz. Am Thron des Kaisers Romanos und der Augusta Zoe um das Jahr 1028 hielten zwei goldene Löwen die Wacht. Infolge einer mechanischen Vorrichtung erhoben sie sich, brüllten und legten sich dann wieder nieder. Vor dem Throne stand eine goldene Platane, auf deren Zweigen zahllose, mit Edelsteinen besetzte Vögel saßen, die man mit den Flügeln schlagen und zwitschern lassen konnte. Dementsprechend waren die Paläste und Wohnungen der Vornehmen und Großen eingerichtet. Wundervolle Marmorbauten mit Säulenhallen und ausgedehnten Gärten erstreckten sich bis zum Meer. Treppen von Jaspis und

Alabaster führten hinab, zum Gestade Die Pracht der Königsbauten von Linderhof und Herrenchiemsee verblaßt gegen die Schilderungen aus jener Zeit. Am längsten hatte sich die Einfachheit der Sitten in Germanien erhalten, bis auch dort infolge des zunehmenden Verkehrs und Handels mit anderen Ländern der Luxus um sich griff. Die Kreuzzüge führten Tausende zu einander und über ds Meer in den prunkliebenden Orient, aus dem die kostbarsten Stoffe in das Abendland eingeführt wurden. Im dreizehnten Jahrhundert zogen die ersten Sei:nhändler aus Toscana und der Lombardei nach Paris noch heute heißt die Straße, wo sie wohnten, Rue des Lombards. Venedig lieferte Federn, Edelsteine, Teppiche und andere Prunkgegenstände, die von einer Handelsflotte aus dem Morgenlande eingeführt wurden. König Wenzel ließ sich Anno 1367 ein Gewand anfertigen, welches nach unserem Gelde $-20,000 kostete. Die Mitglieder der Familie Medici und Borgia gefielen sich gleichfalls in einem ungeheuren Aufwan'?. Giuliano di Medici soll 1469 auf der Piazza St. Croca zu Florenz bei einem Turnier einen Anzug getragen haben, dessen Preis 10.000 Goldgulden betrug. Lucretia Borgia erhielt bei ihrer Vermählung mit Alfons von Este 200 Hemden, von denen jedes Stück 100 Dukaten und jeder der goldgestickten Aermel allein 30 Dukaten kostete. Karl der Kühne von Burgund, dieser Heldenhafte Recke, besaß Röcke, auf die die Verse seiner Lieblingsdichter in Perlen und Diamanten gestickt ioarcn. Jedes dieser poetischen Gewänder war ein Vermögen werth. Der Chronist spricht von 200,000 Dukaten. Zu seinen Feldzügen nahm der Herzog nicht weNiger als 400 Kisten mit, die nur mit seiner eigenen Garderobe gefüllt waren. Eine ähnliche Vorliebe fr kostbare Kleidungsstücke soll König Amadeus VI. von Savoyen gehabt haben, dessen Hüte ihn allein 1000 Dukaten, also über 10.000 Mark kosteten. Der Seidenstrump war erst eine Erfindung des Zeitalters der Königin Elisabeth von England. Sie hat die ersten mit der Hand gestrickten, seidenen Strümpfe getragen. Uebrigens ist die ruhmreiche Königin keineswegs von weiblicher Eitelkeit frei gewesen ihre dreitausend Kleider von den verschiedensten Schnitten und sämmtlich von größter Kostbarkeit erwiesen dies. Weich' eine Unmenge Juwelen eine Dame jener Zeit auf ihrem Costüm anzubringen vermochte, ist geradezu unfaßbar, wenn man bedenkt, bis zu welchem Grade sich das Gewicht der Gewänder dadurch erhöhen mußte. Der Brautstaat von Maria von Medici soll mit 32.000 Perlen und 3000 Diamanten besetzt gewesen sein. Dazu kommen noch die Perlen- und Juwelenreihen, die Hals und Arme und das Haupt zierten, sowie die kostbaren Spitzen, die den Ausschnitt des Kleides anmuthig einrahmten. Aber schon früher hatten Katharina von Medici und ihr Sohn Heinrich III. von Frankreich den Aufwand in's Ungeheure gesteigert. Letzterer erschien 1576 zu Blois in einem Kleide, das mit 4000 Ellen Borten und Spitzen besetzt war. Wohlmeinende Väter der Stadt sahen sich im Mittelalter oft veranlaßt, für ihre Bürger eigene Ordnungen zu erlassen, um dem immer wachsenden Aufwand in Kleidung und bei Familienfesten kräftig zu steuern. Für die verschiedenen Stände wurden genau die Stoffe und Ellenzahl für die Kleider, der Umfang des Besatzes u. s. w. angegeben, auch wurden Maßregeln 'gegen das Ueberhandnehmen der Gänge bei den Schmausereien getroffen. Von den Gigerln dieser Zeit erfahren wir, daß zu ihren Pluderhosen 25 Ellen Zeug verwendet wurden, und daß dieselben mit Häcksel gefüllt waren, um ihnen einen eleganten Sitz zu verleihen. Wir besitzen auch zahlreiche Predigten gegen den ÄZodeteufel jener Zeit. Aber nicht nur Gewänder und Geräthschaften boten Anlaß zu Auswand und Verschwendung. In der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts wurde die Tulpe (Tulipane) in Deutschland bekannt, und ein Gelehrter Gesner lieferse zuerst ine Beschreibung von ihr. Anfänglich kannte man nur die einfache, gelbe Sorte, dann- entstanden durch Züchtung die verschiedensten Farben. Die Niederländer, besonders die Stadt Harlem, brachten herrliche Abarten dieser Blume hervor und erzielten ganz unglaublich hohe Preise dafür. Im Jahre 1634 nahm der Tulpenhandel eine ganz eigenartige Wendung. Er artete in ein förmliches Glücksspiel aus, so daß sich 1673 die Obrigkeit energisch in's Mittel legen mußte und mittels Verordnungen, wie einst gegen Schleppen und Spitzen, jetzt geg:n Tulipanen zu Felde zog. Und dieses Einschreiten erscheint gerechtfertigt, wenn man liest, daß im Jahre 1C0G ein Exemplar dieser Blumen, Vtemii, für 2 Last Weizen, 4 Last Roggen, 4 fette Ochsen, L fette Schweine. 12 fette Schafe, 2 Ozhoft Wein, 4 Tonnen Bier, 2 Tonnen Butter, 1000 Pfund Käse, ein vollständiges Bett, einen Anzug und einen silbernen Becher verkauft wurde. Eine andere Zwiebel, sernper Aujrustus, ward mit 4600 Gulden und einer mit zwe. Apfelfchimm:ln bespannten Kutsche bezahlt. In Harlem hatte die Tulpenliebhaberei ihren Höhepunkt in dem Jahrzehnte 1630 1&40. Da wurde für eine selt:ne Tulpenzwiebel wohl bis zu 13.000 Gulden holländischer Münze gezahlt. Der prachtliebende August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, bezahlte für den Diamantenbesatz seines Staatskleides zwei, Millionen Thaler, und allein die Knöpfe am Krönungsornate des ersten Königs von Preußen sollen

Dukaten gekostet haben. Und nun jenes Gewebe, das im Thale der Düfte und Blumen unter einer heißeren Sonne gefertigt wird! Im Thale von Kaschmir liefert jede Ziege jährlich ' zwei Pfund Flaum, welcher sorgfältig von den Haaren geschieden und mit Reisstärke gewaschen wird. Bei der Zubereitung geht die Hälfte des Materials noch verloren. Dies und die ungemein mühsame Art der Herstellung machen die hohen Preise der Kalchmirshawls einigermaßen erklärlich. Eine Weberei kann mit einem einzigen, besonders schönen Exemplar über ein Jahr beschäftigt sein. Bon den kostbarsten wird täglich kaum ein Viertelzoll fertig. Shawls, die zahlreiche Figuren enthalten, werden auf verschiedenen Webstllhlen angefertigt. Auserlesene Stücke dieserGewebe sollen so fein sein, daß man sie zusammengerollt durch einen Ring ziehen kaun. Wenn die Königin von England, wie sie mitunter zu thun pflegt, ihren Kindern und Kindeskindern einen solchen Shawl zum Geschenk macht, so ist dies dann in der That als eine königliche Gabe zu betrachten. Dies und noch mancherlei Anderes wäre von dem Luxus der Großen in der einfachen guten, alten Zeit" zu vermelden. Aber ob der Luxus, wenn er auch bei den Großen der Welt wemger in's Ungeheure gehende Formen angenommen hat, jetzt nicht doch verbreiteter ist und allgemeiner, als in früheren Zeiten? Frau Mode lächelt: Das ist ein ganz anderes Thema! Ser Schleier.

Unsere Damen werden es mit Schaudern hören: der Schleier soll in Acht und Bann gethan werden. Dieses leichte, duftige Gewebe, das holde Reize halb errathen läßt, das so manches Fältchen schonungsdoll den Augen der kritischen Männerwelt verhüllt soll es wirklich von der Bildfläche verschwinden? Nach der Ansicht eines Arztes ist derSchleier die Ursache eines ungemein verbreitetenUebels. Schleiertragende Mädchen und Frauen zeigen häufig eine auffallende fleckige Röthung der Nase, besonders an der Spitze, also gerade da, wo der Schleier am dichtesten anliegt. So weich ein Schleier bei oberflächlicher Prüfung erscheint, so scharf und rauh sind doch in Wahrheit die Fäden, durch die die Löcher und Muster gebildet werden. Er scheuert bei Bewegungen des Kopfes direct die Nasenspitze und kann eine empfindliche Haut empfindlich reizen. Vor allem aber wirkt er dadurch schädlich, daß der die Nase verlassende Wasserdampf, der im Sommer leicht verdunstet, in der kalten Jahreszeit das Gewebe des Schleiers bald so vollkommen durchtränkt, daß eine Art beständig feuchtkalter Atmosphäre sich bildet, die wie ein schlecht aufgedeckter Umschlag wirkt. Der blutüberfüllten Haut wird fortwährend Wärme entzogen, da die Feuchtigkeit nicht verdunsten kann, und dabei wird die Haut noch durch Druck oder Reibung besonders stark gereizt. Das Blut wird aus dem Bereich der Nasenspitze verdrängt und strömt den seitlich davon und unmittelbar darüber geleger.en Partien zu. Je länger der Schleier ohne Lllftung getragen wird, je mehr er wegen zu großer Spannung seine schädliche Wirkung ausüben kann, je kälter der Winter ist und je mehr die Trägerinnen sich der kalten Lust aussetzen, desto weniger geht die Erweiterung der feinen Blutgefäßchen zurück der Zustand wird schließlich stabil, und kein Schönheitsmittelchen kann das.häßliche Uebel beseitigen. Merkwürdigerweise sind die Damen stets geneigt, diese verrätherische Färbung 'ihres Näschens auf die Einwirkung der scharfen Luft und auf die besondere Zartheit der Haut zu schieben, und deshalb schützen sie es erst recht hinter dichteren und fester anliegenden Schleiern. Damit wird aber die Nasenhaut nur noch stärker gereizt. Darum heißt das erste Gebot für Alle, die die ersten Spuren der ominösen Röthung wahrnehmen: fort mit dem Schleier! Kommt man aus dem Freien, so betrete man nicht sofort ein warmes Zimmer, weil der rasche, unvermittelte Uebergang in eine hohe Temperatur die Blutgefäße stark erweitert und sie sich nur langsam und unvollkommen zusammenziehen läßt. Beim Aufenthalt in freier, scharfer Luft ist es zweckmäßig, die Nase ganz leicht mit Lanolin oder Coldcream zu bestreichen und etwas Puder darauf zu streuen. Wer beim Schlittschuhlaufen oder Radfahren durchaus einen Schleier zum Schutz der Augen oder der Haarfrisur benutzen will, darf nur einen Halbschleier tragen, der die Nasenlöcher vollkommen frei läßt, so daß der Wasserdampf der ausgeathmeten Luft ungehindert' entweichen kann. Freilich ist es sehr schwer, den Schleier so zu befestigen, daß er nicht der Nasenspitze anliegt oder durch den Luftzug angepreßt wird, und deshalb läßt man ihn in solchen Fällen besser ganz weg. Ueberlistet. Ein-jüdischer Hausierer kommt zu einem Bauer, einem langjährigen Kunden, der ihm jedoch diesmal durchaus nichts abkaufen will, indem er als Grund anführt, daß 1 er plötzlich Antisemit geworden sei. Wie haißt. Antisemit?" ruft der Händler. Habe ich hier echte, antisemitische Hosenträger, die können Se doch gebrauchen." Das leuchtet dem Bauer ein, worauf er für sich und seine Söhne Hosenträger kauft. Ausweg. Arzt: Hirn, schluckt Ihr Mann Eis, wie ich verordnet habe?" Frau: Ja, es muß aber gesrorenes Bier sein!"

Aas Kindcrniß. Oon M. Huntingdon Denton. Wenn du am Abend mit deinem Bräutigam im Parke spazieren gehst," hatte die Mutter gesagt, solltet Ihr stets in der großen Allee bleiben,-denn m den Seitenwegen ist es durchweg zu feucht." Und ich gehorchte trotz der Einwendüngen meines Alfred, der, ich weiß nicht warum, eine ausgesprochene Borliebe für die halbdunkeln Fußwege hatte. Eines Abends jedoch war mir der Kopf so wirr, das Herz that mir so weh, denn am Tage darauf sollte er mich auf eine Woche verlassen, um irgend ein zu unserer Trauung erforderliches Dokument aufzutreiben. Acht Tage, ohne ihn zu sehen! Wie sollte ich das ertragen? Und er benutzte meine gedrückte Stimmung und lenkte mit mir in den feuchten Seitenweg ein, der mir übrigens ganz trocken und dah-er besser erschien, als sein Ruf. Meine Luise, Du wirst mich in diesen acht Tagen doch nicht vergessen?" Dich vergessen! Ach!" Ich würde die Hände erhobsn haben, um den Himmel als Zeugen aufzurufen, daß dergleichen niemals geschehen könne, wenn er sie nicht in den seinigen festgehalten hätte. Alfred, nicht wahr, du liebst mich?" fuhr ich fort. Nun denn, so will ich dir alle meine Fehler bekennen. Ich werde ruhiger sein, wenn du sie kennst, ehe wir Mann und Frau werden, denn du würdest sie doch früher oder später entdecken. Also höre zu: Ich bin sehr eigensinnig; ich werde mich dir nicht unterwerfen, darauf mache dich gleich gefaßt. Auch bin ich heftig; ich stampfe mit dem Fuße, ich schreie, ja ich weine zuweilen. Zum Glück geht dies Alles rasch vorüber. Ueberdies bin ich eine Cokette wie alle Frauen; ich hoffe, du wirst nicht eifersüchtig werden. Ja, was ist's denn sonst noch? Mir fällt eben nicht gleich Alles ein. Ach richtig, manchmal ein vischen Leckermaul, aber nicht böse, nicht ränkevoll ich finde nichts weiter. Das wä der moralische Theil. Was den physischen betrifft, 'ja, wo fehlt es denn da? Auch das mußt du wissen. Ach richtig ! Einer von meinen Fingernägeln ist nicht ganz so wie die anderen. ieh! Aber ich meine nicht, daß er gerade häßlich aussieht." Dabei entzog ich ihm meine Hand und zeigte ihm den Nagel, der etwas breiter war, als die übrigen. Alfred lachte und wollte ihn küssen, aber ich versteckte schnell die Hand. Ich habe auch einen Weisheitszahn verloren, der nicht wieder wächst ach! ich werde niemals zur vollen Weisheit gelangen. Und nun ist die Reihe an dir, also bekenne deine FehIcr!" Alfred wurde sichtlich verlegen und schwieg. Nur zu, fasse Muth! Du darfst ganz ruhig sein, denn ich werde nicht schelten. Ich kenne deine Fehler und Mängel nicht, aber daß du solche hast, )t doch ganz gewiß. Erstens bist du kurzsichtig, denn du trägst einMonocle, statt eines Lorgnons, mit welchem du, meiner Meinung nach, weit besser sehen würdest. Die Mutter sagt, das Glas verleite dich, fürchterliche Gesichter zu schneiden, allein ich kann das nicht finden; du gefällst mir so, wie du bist. Nimm es doch einmal ab, damit ich sehen kann, wie du ausschaust, wenn dein Gesicht nicht schief ist." Ich hatte die Schnur des Monocles erfaßt, aber Alfred hielt meine Hand fest. Nicht doch, meine süße Luise, laß es, wo es ist. Ohne das Monocle könnte ich dich ja nicht mehr sehen. Ich bin kurzsichtig, sehr kurzsichtig, es ist wahr, und ich muß dich sehen, denn du bist das Licht meiner Augen." Am nächsten Morgen hatten wir Abschied von einander genommen. Der Vater begleitete ihn bis zum Bahnhofe, indeß die Mutter und ich zusammen frühstückten. Ich fühlte mich aber so elend und verlassen, und während die Mutter wie gewöhnlich aß. schienen mir die Bissen im Munde stecken bleiben zu wollen. Inmitten der Mahlzeit öffnete Rieke, unser Dienstmädchen, die Thür: Gnädige Frau, Herr von Steinbach hat sein Glasauge liegen lassen. Soll es ihm nachgeschickt werden?" Sein Glasauge, Ricke?!" wiederholte ich entsetzensvoll. Ja, gnädiges Fräulein; es liegt auf seinem Waschtische. Die Muter erbleichte, blieb aber gefaßt. . Es ist gut, Rieke," sagte sie, geh' nur. Wir werden Dir Bescheid geben, ob es ihm nachgeschickt werden soll." Mir blieb nur die Wahl, in Ohnmacht zu fallen oder in krampfhaftes Schluchzen auszubrechen. Ich wählte das Letztere. Mutter! O Mutter! Er hat ein Glasauge! Gerechter Himmel, ist es möglich? Wie entsetzlich! Ich werde mich niemals mehr beruhigen der Gram wird mich tödten." Fasse dich, mein Kind, fasse dich." Warum sagte er mir das nicht? Mir, die ich ihm alle meine Mängel bekannte den Nagel, den Weisheitszahn und mein Temperament, Alles, Alles! Und erst gestern Abend hat er gesagt: .Du bist das Licht meiner Augen" Meines Auges" hätte er sagen müssen! Zlch, es ist furchtbar, grauenvoll!" Nun fuhr die Efctte? in einer Art von Monolog fort: Es ist wirklich entsetzlich. Die ganze Ausstattung ist mit einem S" gezeichnet! Wir werden keinesfalls denselbenAnfangsbuchstaben wiederfinden, und mein Mann wird Niemand anderem Gehör schenken er war von Anfang an in diesen Herrn verliebt. Seine Empfehlungen waren vorzüglich. Aber ich abe jfctö

etwas Sonderbares an ihm bemerkt, er wollte mir nicht gefallen, und ich hatte wieder einmal Recht." Ich hatte den Kopf wieder erhoben. Ich sah meinen Bräutigam, seine Güte und Zärtlichkeit. Ich gedachte nochmals aller unserer Zukunftspläne; ja ich fühlte, daß ich Alfred trotz seines einen Auges liebte und daß nichts mich bewegen könne, von ihm zu lassen. Mutter," sagte ich, ich bin üverzeugt, daß er sein Auge bei einer ehrenvollen, hochherzigen Affaire verloren hat." Was sagst du? Bist du ganz närnsch geworden, Kind? Glaubst du, ich würde zugeben, daß du diesen Menschen trotz eines solchen Gebrechen heirathest? Du, so schön und reich und siebzehn Jahre alt? Wenn er daS andere Auge auch verliert, ist er ganz blind und wie angenehm müßte das für dich sein." Aber Mutter, ich will sein treuer Engel sein, will ihn führen und ihn lieben trotz alledem." - Ich befand mich jetzt in einem Zustände hochgradiger Aufregung und

schluchzte heftiger denn t zuvor, als Rieke wieder zurückkam, deren ehrliches , Gesicht den Ausdruck des höchsten . Staunens, ja der Verblüffung trug, j Wie können Sie sich nur so darüber, alteriren, gnädiges Fräulein," hob sie an, daß Herr von Steinbach sein Auge vergessen hat. Auf jeden Fall kann er ein anderes kaufen, wenn er es braucht, und wird gewiß nicht in's Wasser springen, weil er das Ding da nicht mehr im Gesicht hat." Und dabei zeigte mir Rieke Alfred's mir so wohlbekanntes Monocle. Ich war sprachlos, die Mutter aber schritt hastig auf das Mädchen zu: Ist dies das Glasauge, von dem du sprachst, Rieke?" Freilich, gnädige Frau." Mein Weinen und Schluchzen ver- j wandelte sich in tolles Lachen ach, ich war so zufrieden, so glücklich! Das ist nun fünfundzwanzig Jahre her. Alfred ist ein vortrefflicher Gatte. Er trägt seit langer Zeit eine Brille, und das Monocle ruht sicher imSchubfach meiner Commode. Meine Töchter sind verlobt, und ich'habe ihnen bereits gesagt, daß die Fußwege im Park am Abend zu feucht und kühl sind. In dieser Welt hat Alles und Jedes seine j Zeit. Kleines Mißverständnis. Der Huöerbauer wird seit drei Wochen von einem schrecklichen Zahnweh geplagt, und ist, trotzdem der Zahn bedeutend wackelt, nicht zu bewegen, ihn reißen zu lassen. Es wird schon wieder vergehen!" denkt er und geht seiner Arbeit nach. Er hat in der Stadt zu thun. Kaum angekommen, fängt der Zahn wieder an. fürchterlich zu schmerzen. Der Huberbauer rennt wie verzweifelt durch die Straßen, es ist nicht zum aushalten! Da leuchtet ihm ein Hoffnungsstrahl in der Form eines blanken Schildes, auf dem in glänzenden Lettern die verheißungsvollen Worte stehen: Walter Reißmann. Schnelle und schmerzlose Zahnoperation. Rasch entschlossen rennt er die Treppe hinauf und reißt heftig an der Klingel. Die Thüre wird von innen geöffnet, der Huberbauer tritt ein, stürzt jedoch über die bei der. Thüre angebrachte Stiefelbürste der Länge nach auf den Boden und der Zahn ist draußen. Noch starr vor Schreck, kaum fähig, sich zu erheben, die Hand an der Wange, so findet ihn der auf den Lärm herbeigeeilte Operateur. Was ist los?" fragt er den noch immer daliegenden, indem er ihm aufhilft. Herr Doctor. dös ham Sie sehr praktisch eingerichtet sagt der Huberbauer das muß man sagen, schnell is 'gangen," und mit dem Finger drohend setzte er hinzu: aber ganz schmerzlos war's nöt!" Der brave Walbl. on W. Zerdik. Ja, meine Herren," hub der Oberförster Lügdreist in der Sylvesterkneipe an, man sollt's nicht glauben, was für Klugheit in so einem Hundevieh steckt. Sie haben heute mein neues Gewehrfutteral bwundert, sehen Sie, das verdanke ich meinem Waldl. Herr Apotheker, ich verbitte mir von vornherein Ihr malitiöses Lächeln. Es war also am Christtag. Ich will Mittags noch hinausgehen, pfeif' meinem Waldl. der Hund ist nicht da und nirgends zu finden. Das war mir noch nicht vorgekommen. Ich geh' verstimmt allein fort, komm' gegen vier Uhr heim, meine erste Frage gilt dem Hund der Waldl ist verschwunden. Sie wissen, meine Herren, wie ich an dem Hund hänge, Geschenk der seligen Durchlaucht, mir war die ganze Weihnachtsfreude verdorben. Meine Frau zündete endlich den Christbaum an, die Kinder jubeln, mir ist nachgerade doch warm um's Herz geworden da krant's an der Tbüre. ck j mach' auf wer stolzirt zweibeinig ! herein mein Waldl, das Futteral und einen Versatzschein im Maul. Hat ; der Kerl sein silbernes Halsband veri setzt, um mir ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Ist's wahr oder nicht. ! Waldl?" Entgegenkommend. Richter: Sie Hnd schon vorbestraft. Wie oft im Ganzen?- Strolch (überlegend): Viermal, Herr Jerichtshof." Richter: So, in den Acten steht aber. ! daß Sie schon zehnmal bestraft sind!" ' i i jt . rr .1 . . n i Vlroicz: ei rann vocz NMmeni

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Won Aug. Plinke. Leise geht der Tag zur Rüste; Purpuroth zum letztenmal Glüht der Wato, als ob ihn lüßie Heiß der Sonne goldner Strahl. Weiße Nebelschleier steigen Wallend aus dem 'See empor. Rings ist Stille nur und Schweigen, Und kein Laut klingt an mein Ohr. Und es streben alle müden Füße nun der Heimath zu, Denn der Abend lockt mit Frieden Und die Nacht mit süßer Ruh. Und in ferne Weltenweiten Wogt die Seele mir hinaus. Gleich als wollte sie bereiten Sich zum Flug ins Vaterhaus. Fraucnlebcn in Serbien. Wer dm Serben uid die Serbin kennen lernen will, die serbische Frau als Weib und Mutter, als Gattin und Gefährtin des Mannes, darf seine Weisheit nicht aus Büchern schöpfen, muß an Ort und Stelle seine Beobachtungen anstellen. Und da wird er ein arbeitsames, fleißiges Volk finden, das mit glühender Liebe an seiner Scholle hängt, ein Volk voll lebhafter Empfänglichkeit für das Schöne und Zierliche der Natur, für alles, das seinem Formensinn schmeichelt und zu ihm in satten Farben spricht, daß man sich daran erfreue. Der Serbe lebt für seine Familie und fühlt sich innerhalb seiner Grenzpfähle, in seinem Heim, am wohlsten. Am deutlichsten zeigt uns dies die serbische Frau und ihre Stellung, die sie im Volke und in der Familie einnimmt. Das Loos der russischen Bäuerin ist das möglichst traurige; denn außer Prügel gibt es für sie keine anderen Zärtlichkeiten. Es ist ja ein bekannter Scherz, dem leider ein tiefer Sinn innewohnt, daß einst eine Russin zum Popen kam und sich bitterlich beklagte, sie habe die Liebe ihres Gatten verloren. Woran erkennst Du das?" fragte sie der Pope. Er hat mich seit zwei Tagen nicht mehr geprügelt." antwortete weinend die Bäuerin. Wie so ganz anders die Serbin! In der Familie nimmt sie die erste Stelle ein; denn sie repräsentirt das Haus, sie ist die Wirthin und der gute Geist der Familie und vor allem die Mutter. Darin liegt etwas erhaben Heiliges für jeden Serben. Der Mutter gebührt bei Tisch der Ehrensitz, die Mutter schaltet und waltet daheim wie eineKönigin, sie wacht über die Kinder und die Dienerschaft, über Wald und Flur, bei deren Bestellung sie dem Manne mithilft. Hat sie aber zu Hause eine Wirthschaft", Kühe, Ziegen und Geflügel, dann gehört diese ausschließlich ihr. Das Mädchen wird schon in frühester Jugend für diesca Frauenberuf erzogen. Nicht nur auf dem flachen Lande, sondern selbst in der Stadt. Wenn gelegentlich behauptet wurde, die weibliche Jugend Serbiens sei durch und durch verdorben, so ist das eine arge Entstellung der Wahrheit. Das serbische Mädchen kommt überhaupt nie aus dem Hause und nie aus den Augen der Mutter, so lange es nicht verheirathet ist. In Serbien gibt es keine serbischen Dienstboten! Die (Arbin braucht eben nicht in fremdeDiensie zu treten; das Gesetz sichert jedem Serben Grundbesitz, der nicht veräußert und auch nicht gepfändet werden kann, und der so zu sagen als Fideikommiß von Familie auf Familie sich vererbt. Die Arbeitskraft des Mädchens wird deshalb zu Hause selbst aufgebraucht. So wächst die junge Serbin inmitten eines patriarchalischen Lebens auf, das ja bei einem Ackerbau treibenden Volke geradezu selbstverständlich ist, sie wächst auf in der ergreifenden, Poesievollen Stille des Waldes, im Angesicht der blühenden Wiesen. Und die sie umgebende Natur hat ihr Herz und ihre Seele gebildet, hat stille Sehnsucht und leise Trauer in ihr Wesen gegossen, es erzogen zu blumenfreudigem Sein. Die junge Serb schmückt sich mit Blüthen, die sie in's Haar flicöt oder an das weiße Linnen ihres Hemdes heftet, sie blickt mit keuschen, reinen Augen in die Welt, die ihr nur eine Idylle ist. Die Treue der serbischen Frau ist im ganzen Balkan sprichwörtlich ohne daß sie nach türkischer Art eingesperrt oder nach russischem Muster geprügelt werden müßte. Sie ist aber auch schön, die Serbin. Schlank und geschmeidig wie eine Wiesenblume, mit großen, verwundert dreinblickendenKinderaugen im feingeschnittenen Oval des zarten Gesichtes. Die schwarzen Haare sind schlicht in zwei Zöpfe geflochten. Als Frau windet sie, wenn sie das Nationalkleid und die kurze türkische Sammtjacke mit Goldsaum anlegt, diese Zöpfe um ven kleinen, flachen Fez, der auf dem Hinterhaupte getragen wird. Ein entzückend schönes Bild ist es nun, wenn man draußen auf demFelde die jungen Mädchen Kolo tanzen sieht. Züchtig fassen sie sich an den Händen und in kleinen, kaum merklichen Schritten bewegen sie sich, als würden sie über den Boden nur huschen. Und die faltigen Kleider umwallen den schlanken Körper, daß das Ganze uns an die klassische Zeit Hellas mahnt. . . schöne, lebenswahre Jugend schwebt dahin über duftenden Blüthen ein poetischer Hauch weht uns entgegen. Die merkwürdige Musik des Serben stimmt so weich; denn aus ihr klingt leises Klagen, verhaltenes Schluchzen und entzücktes Jauchzen. Eine Volksseele spricht aus diesen Klängen, die in die laue Abendluft verwehen. . . . t m m Seines Ehrgeizes braucht sich niemand zu' schämen, aber man suifc ihu M5".chlt öeibcrR. .