Indiana Tribüne, Volume 23, Number 62, Indianapolis, Marion County, 19 November 1899 — Page 7
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Geistiges Wachsthum. Es giebt wohl keinen inieressaninen Gegenstand für menschliches Beobachten und Forschen als den Menschen selbst. Das Geheimniß des Werdens und Entstehens, das uns die Beobachtung der organischen Natur so ungleich reizvoller erscheinen läßt als die der leblosen, tritt uns beim Menschen, der mit Recht von älteren und neueren Philosophen ein Mikrokosmus, eine Welt im Kleinen, bezeichnet worden ist, cm mächtigsten und unwiderstehlichsten entgegen. Und doch hat Sigismund wohl nicht ganz Unrecht, wenn er sagt: Wir wissen, wann die einzelnenPflanzen blühen und fruchten, wann jeder Vogel mausert, wandert oder nistet; wir wissen, wie lange die oder jene egyptische Königsfamilie regiert hat und wir kennen unsere eigene EntWickelung nur so äußerst ungenau." Es werden eben Bücher, die sich mit dem geistigen Werdegang im Kindesalter beschäftigen, von Müttern und Erziehern leider noch viel zu wenig gelesen; die Erziehung erhalt aber durch das Studium der Seelenentwickelung erst ihr festes Fundament. In den ersten Lebenswochen führt das Kind noch ein Leben in des Unbewußtseins Frieden". Selbst im wachen Zustande hört es nicht mit den Ohren, sondern es hat nur einige ganz unbestimmte, unserer Beobachtung unzugängliche Eindrücke. Auch zeigt es eine gänzliche Theilnahmlosigkeit dem gegenüber, was um es herum und selbst mit ihm geschieht. Der Säugling gleicht einem Pflänzchen, welches durch Nahrung und Wärme sich von innen heraus körperlich entwickelt, das Ge Hirn schlummert noch, andere Nerven besorgen das für die Entwickelung Nothwendige. Etwa in der Mitte des ersten Vierteljahres. also in der siebenten bis zehn, ten Woche, zeigt sich der erste uns erkennbare Schritt in der geistigen EntWickelung des Kindes es lächelt. Manche Kinder lächeln zuerst im Schlafe spielen mit den Engelchen" bald lächelt es auch, wenn man es freundlich anblickt. Diese Erwiderung des Lächelns ist das erste Zeichen deö Wahrnehmens und Zurückgebens einer Empfindung eines anderen Wesens; eine wunderbare Sympathie, welcher auch wir Erwachsene uns nicht ganz entziehen können. Der Geschmackssinn ist zweifellos der erste, der dem Kinde Eindrücke bis zur Wahrnehmung bringt. Der Geschmack des Süßen wird bald allen anderen Geschmacksarten vorgezogen, und es entwickelt sich die während der Säuglingsperiode onhaltende Vorliebe für die Milch. Eine ausgeprägte Kundgebung des Geruchssinnes läßt sich im Anfang des Lebens nicht erkennen; sie tritt erst in späterer Zeit merkbar hervor, doch nur so, daß der Säugling vom Wohlgeruch angenehm und vom Gegentheil unangenehm berührt wird. Als Tastorgan gebraucht das Kind zuerst die Lippen, welche von Anfang an durch das Saugen ausgebildet und geübt werden. Selbst im zweiten Vierteljahr, wo das Kind bereits mit den Händen greift, führt es noch lange alles zum Munde, um es mit den Lippen zu betasten. Erst durch viele Fehlgriffe und längere Erfahrungen kommen die Tastnerven der Finger in Uebung. Die Augen, die Werkzeuge des Gesichtssinnes, hat das Kind gleich nach der Geburt offen; allein es fehlt ihm das bewußte Sehen. Indessen wird hell und dunkel anscheinend frühzeitig empfunden, ersteres als Unlustempfindung. Erst in der zweiten Hälfte des ersten Vierteljahres lassen sich Wahrnehmungen des Gesichtssinnes erkennen, da das Kind jetzt seinen Blick auf bestimmte Gegenstände richtet und dem bewegten Lichte mit den Augen folgt. Eine Unterscheidung der Farben wird nach einem halben Jahre bemerkbar, wo die grelleren Grundfarben (roth, gelb, blau) die Augen sichtlich anziehen. Daß das Kind taub auf die Welt kommt, ist eine bekannte Thatsache: einerseits ist der Gehörgang verklebt und nicht für Schallwellen durchgängig. andererseits fehlt es im Mittelohr noch an Luft, welche erst beim Athmen und Schlucken in dasselbe hineingepumpt wird. Diese beiden Hindernisse verschwinden im Verlauf der ersten Tage, und vor Ablauf Itt ersten Woche pflegen die Gehörempfindungen sich schon einzustellen. Die Richtung, woher der Schall kommt, scheint erst gegen Ende des ersten Lebensjahres erkannt zu werden. Für die geistige Entwickehing gewinnt vor allen anderen Sinnen das Ohr von da ab eine besondere Bedeutung: es erschließt durch den Ton seiner Umgebung das verborgene Innere, welches sich dem Auge entzieht; es läßt beim Klang der menschlichen Stimme gleichsam in das Innere des Menschen hineinhorchen. Das Sprechenlernen ist ein physiologischer Vorgang, also an die ThätigZeit der Nerven und gewisser Muskeln (des Kehlkopfes, des Mundes u. s. w.) gebunden. Der Beginn des Sprechenieruens datirt von dem Zeitpunkt an, wo anstatt des Schreiens, das aus Lust- uud Unlustgesühlen entspringt, die Sprechlaute der Umgebung nachgeahmt werden. Dieser Zeitpunkt fällt keineZfalls vor den vierten Monat. Mit d:r Entwickelung der Sprache hat das geistige Wachsthum einen mächtigen Schritt vorwärts gethan, indem Gedächtniß und Erinnerung, Auffassung und Begriffsöildung leichiert sind. Das geisiigeWachsthum ist auf jeder Stufe an die körperliche Entwickelung gebunden. Für die Bedeutung der vbysischen Kräftigung als Grundlag: einer gesunden geistigen und sittlichen Entwickelung spricht noch heute das
alte ewig wahre Wort: Ein gesunder Geist wohnt nur in einem gesunden Körper Der Gorilla. Ein Erlebniß aus dem CirruZ. Wir alle liebten Zengbia, nicht allein wegen ihres hübschen blassen Gesichts, sondern weil sie ein liebes, gutes Mädchen war. das sich alle Herzen gewonneu hatte. Dabei machte sie keinerlei Unterschiede, sondern behandelte alle gleich, von dem Direktor bis zu dem letzten Stallknecht hinunter. Ein Circus ist sonst gerade nicht der Ori, in welchem übertriebene Rücksichtnähme und zartes Taktgefühl anzutreffen wären; doch Zenobia, die Königin der Drahtseiltänzerinnen", wie sie auf unsern bunten Plakaten genannt wurde, hätte keinen Grund, sich über die Behandlung zu beklagen, die ihr von allen Mitgliedern des weltberühmten Feldbergschen Circus, verbunden mit Menagerie, zu Theil wurde. Kciner sprach je einen Fluch oder ein böses Wort aus, keiner wagte es, einen Ausdruck zu gebrauchen, der nicht für weibliche Ohren paßte, und leiner ließ sich je dabei ertappen, sie zu hänseln oder sich unziemliche Scherze zu erlauben. Dabei war sie nur ein kleines einfaches Mädchen von 17 Jahren, die nur eine sehr armselige Nummer des Programms ausfüllte, auch verdiente sie weniger als die anderen Artisten, mich einbegriffen, der ich die Ehre hatte, drei kluge Elephanten dem Publikum zweimal täglich vorzuführen. Merkwürdig! Gerade der beste, wenigstens der eleganteste und schneidigste Mann der ganzen Gesellschaft achtete das junge Mädchen am wenigsten; d. h. deutlich gesprochen, er hatte den geringstenNespect vor ihr. Doch man verstehe mich nicht falsch; er liebte sie mehr als wir tiefer, aber wenig uneigennütziger und infolgedessen auch mit weniger selbstlosem Respect. Wir waren zufrieden, wenn sie mit ihrer Silberstimme ein kleines Wörtchen an uns richtete und dieses Wörtchen mit einem freundlichen Lächeln begleitete. Doch Stavarta : das Wunder der Welt" war damit nicht zufrieden, und er hätte sich nicht einmal mit ihrer Seele begnügt, wenn sie sie ihm geopfert hätte. Das Endliche ereignete sich in P., und zwar fo plötzlich und unerwartet, daß alles vorüber war, bevor man überhaupt wußte.' wie es begonnen hatte. Die Circusvorstellung war in vollem Gange. Das Publikum, welches jeden Platz in dem großen Amphitheater füllte (bis auf die Galerie, die von der Polizei als feuergefeuerlich geschlössen worden war), hatte sich bis dahin die Menagerie angesehen, die vor der Vorstellung des Circus geöffnet wurde ; jetzt aber saßen die Zuschauer auf ihren engen Plätzen und blickten hernieder, auf die Manege, wo eine Vroduction der anderen folgte. Zenobias Nummer wurde stets mtt großem Interesse erwartet, obwohl sie nichts fo Außergewöhnliches bot und sie ihren Erfolg mehr dem Liebreiz ihrer Erscheinung als der Originalität ihrer Darbietungen verdankte. Als die Gesellschaft am Sonntag in P. eintraf, entdeckte der Direktor, daß es infolge architektonischer Mängel unmöglich war, Zenobis Schleppseil oder ihr Fallnetz gehörig zu befestigen. Infolgedessen war das Netz mit Zenobras Zustimmung weggelassen und das Schleppseil durch ein straffgespanntes Seil ersetzt worden. Auf diese Weise erregte Zenobi Sensation, als sie in P. über ein 100 Fuß langes Seil lief, das sich 80 Fuß hoch von der Erde erhob und unter dem Schimmer der Bogenlampen, die wie Lichtbälle von der Wand herabhingen, auf dem zwei Zoll breiten Strick tapfer hin- und herwandelte. Zenobia war wemger nervös als jonst einer von uns und schien sich völlige Geistesgegenwart bewahrt zu haben. Ich für meinen Theil hatte jedenAbend Während ihrer gefährlichen Production dabei gestanden und sie von dem dünnen Gazevorhang während ihrer waghalsigen Wanderung beobachtet; der Kops wirbelte mir dabei, das Herz schlug mir zum Zerspringen und mein Puls jagte in fliegender Eile. Auch an diesem Abend stand ich auf meinem gewöhnlichen Beobachtungsposten indeß meine drei Elephanten wartend hinter mir standen und verwundert ihre Rüssel bewegten, angstbeklommen stand ich da und beobachtete das Gesicht der kleinen Zenobia, auf dem auch nicht die leiseste Furcht zu entdecken war. Zenobia betrat das Seil mit einem Kleinen japanischen Sonnenschirm in der Hand, als ich sah, daß das Seil ganz eigenthümlich schwankte und Zenobia anfing, nach dem Brett zurückzugehen. Zuerst konnte ich die Situation nicht begreifen. Zenobias Bewegungen waren nicht heftig genug, um das Schwanken des Seiles zu'rechtfertigen, und loir alle wußten, daß sie nur mit dem größten Widerwillen rückwärts ging. Was giebt's?- flüsterte ich einem meiner Collegen zu. Sie geht zurück, .weil sie sich auf dem Strick nicht umdrehen kann", versetzte er. Doch warum versucht sie nicht, nach der andern Seite zu kommen?" In diesem Augenblick schien eine heftige Panik sich des Publikums zu bemächtign; ein halblautes Murmeln durchlief den Cirkus, das sich zu dumpfcm Grollen steigerte. Dau erhob sich daZ Publikum wie eiivMann und starr vor Grauen und Entsekten anaesichts der Tragödie, die sich vor sewen Augen abspielte. Als ich jetzt hinblickte, begriff ich alles. Mit zögernden, schwankenden Schritten zog sich Zenobia mit ihrer langen Balancirstanae zurück, bald
nach der einen bald nach der anderen Seite sich wendend, dabei schwankte das Seil heftig, aber nicht infolge ihrer Bewegungen, sondern vom anderen Ende her. Dort saß nämlich auf dem kleinen schmalen Brett Krollo, der große Gorilla, und seine langen, spitzen Krallen umklammerten den Strick, den er aus Leibeskräften schüttelte. Ich stieß einen Schrei des Entsetzens aus, der von tausend Kehlen wiederholt wurde, dann stürzte Zenobia aus der furchtbaren Höhe in die Arena nieder. Ich liebte sie nicht weniger als alle die Anderen; aber ich allein behielt in diesem schrecklichen Augenblick denKopf oben. Mit heftiger Bewegung drehte ich mich um und flog, so schnell mich meine Füße tragen konnten, zu der nächsten Treppenthür, die zu der verschlossenen Galerie führte. Um diese Thür zu erreichen, mußte ich die Menagerie passiren, und die Thiere brüllten laut auf, als sie mich in wilder Hast vorllberlaufen sahen. Als ich an den Leoparden auf der rechten Seite vorüberkam, warf ich einen Blick auf den Käfig des großen Gorilla und blieb stehen. Athemlos, starr vor Entsetzen, stand ich da und betrachtete in stummer Verwunderung, während sich mir die Haare vor Angst und Grauen sträubten, den großen Gorilla, otx aufrecht in seinem Käfig stand und seinen langen, muskulösen Arm durch die Stäbe nach mir ausstreckte. Der große Gorilla saß in seinem Käfig, während ich zwanzig Sekunden vorher gesehen hatte, wie er das Seil aus Leibeskräften in der Manege schüttelte. Was sollte das bedeuten? Ich fuhr mit den Händen über die Augen, als wollte ich einen bösen Traum verscheuchen. Ich rüttelte an dem eisernen Käfig, doch die Thür war verschlossen, fest verschlossen. Konnte der Gorilla das gethan, haben? Es war möglich. Konnte er in zwanzig Sekunden in seinen Käfig zurückgeschlüpft sein und das Schreckliche vollbracht haben? Auch das war möglich. Doch war es anzunehmen, daß die wilde Bestie, die sich eben ihre Freiheit erzwungen, sich so schnell selbst wieder zum Gefangenen gemacht haben sollte? Nein, nein! Ich rannte schnell wieder die Galerie hinunter und blieb, gerade als ich die Thürklinke niederdrücken wollte, stehen. In diesem Augenblick hörte ich etwas die Treppen hinunterrasen, und ein Gedanke fuhr mir durch den Sinn. Schnell sprang ich hinter einen Haufen altes Gerümpel und wartete, ohne mich auch nur zu rühren. Ich hörte etwas die letzte Flucht derGalerietreppen hinunterrennen und sah die kleine schmiegsame Gestalt eines Mannes in fleischfarbenen Tricots auf den Käfig des Gorilla zuspringen und sich gegen die Thür lehnen. Es war Stavarta. O. Du Bestie!" schrie er in einem Tone, aus dem Angst und Grauen klang. O, wären doch meine Hände stark genug, um Dir das Leben aus Deinem scheußlichen Körper zu reißen. Doch warte nur, warte nur, warte!Er wandte sich von dem Käfig fort, blickte sich scheu um und verschwand. Ich setzte mich auf einen alten, zerbrochenen Stuhl, preßte meinen Kopf in die Hände und überlegte mir, was das alles wohl zu bedeuten gehabt. Doch bevor ich meine Gedanken noch zu sammeln vermochte, kam eine Schaar Man ner, leichenblaß und zitternd, hereingestürzt. Ja! Hier ist er!" rief einer. Ich sagte es immer, wir würden noch einmal Unglück mit ihm haben! Ich habe Euch stets erklärt, die Bestie wäre im Stande, das Schloß aufzubrechen!" Zenobia!" rief ich. Wie geht's Zenobia?" Mehr todt als lebendig!" versetzte Ravello, der Löwenbändiger. Doch sie lebt noch!" Wird sie auch am Leben erhalten bleiben?" Vielleicht die Aerzte sagen, sie würde wohl leben bleiben. Der Sturz ist dadurch abgeschwächt worden, daß sie auf die Trapeze anschlug." Dem Himmel sei Dank!" fuhr der Direktor fort. Diese Bestie!" setzte er hinzu, sich hastig nach dem Gorilla umwendend, der seinen Hut fortzuschleppen versuchte. Dieses bösartige Thier soll erschossen werden! Ja, aber sofort! Sofort! Gleich!" riefen die Anderen. Irgend ejn böser Instinkt muß ihn zu dem schändlichen Verbrechen getrieben haben", sprach der Direktor weiter. Hätte nicht Stavarta so viel Kühnheit und Geistesgegenwart bewiesen. es hätte noch mehr Unheil ange-richtet!-Stavarta?" rief ich; was that denn Stavarta?" Er wartete in der Galerie auf seinen Auftritt, wie er saat. als er börte.
wie das Publikum unruhig wurde. Er lief nach der Balu trabe und sah gerade wie Zenobia lel und die Bestie das Geländer der Galerie hinaufklet terte. Ohne an sein eigenes Leben zu denken, und welcher Gefahr. e? sich aussetzte, wenn er die furchtbare Bestie ohne Waffen angriff, stürzte er vor. Doch der Gorilla war zu flink, er entschlüpfte, von Stavarta gefolgt rannte um die Galerie, die Treppe hinunter und schlüpfte in seinen Käfig. alsSta varta die Thür zufeuerte und den Riegel vorschob." Stavarta hat Euch das gesagt? Ja, Stavarta!" Stavarta lügt!" rief ich und sprang schnell auf die Füße. Einer aus der Reihe der Männer stürzte auf mich zu und eine Hand fiel schwer auf mein Gesicht Stavartas Hand. Ich habe gelogen, sagst Du, Bube? brüllte er. Du warst stets eiferfüch-
tig auf die Liebe, die sie für mich hegte eifersüchtig warst Du, Du Hund! Und jetzt wagst Du, hinter meinen Rücken zu behaupten, ich hatte gelogen?" " Ja, Tu hast gelogen", versetzte ich, ohne den Schlag zu erwidern und ihm nur fest in's Auge blickend, und warum Du es gethan, das werden wir bald erfahren. Eifersüchtig auf Dich! Du weißt, daß sie keinen von un aliebt und Dich am allerwenigsten! Jetzt beobachtet sein Gesicht und hörl zu. was ich zu sagen habe!" In demselben Augenblick, als ich Zenobia fallen sah", fuhr ich in leidenschaftlichem Tone fort, rannte ich die Treppen hinauf, ohne an etwas Anderes zu denken, als Rache an dem Gorilla zu nehmen und diese Rache wollte ich mit meinen eigenen Händen vollführen. Als ich hierher kam, blickte ich mich um und fuhr entfttzt zurück, als ich Krollo still und ruhig in seinem Käfig sitzen sah. Du lügst. Du lügst!" rief Stavarta, und stürzte auf mich zu, doch die Anderen hielten ihn wie mit eisernen Klammern fest. Der Käfig war ' verschlossen und verriegelt", fuhr ich fort. Verriegelt?" riefen einige der Männer. Jawohl, verriegelt, und Stavarta war nicht hier. Ich hörte jemand die Treppe hinunterkommen. Ich versteckte mich und sah Dich hereinstürzen. Dich, Stavarta! Du sprangst auf den Käfig zu und verfluchtetest das Thier, dann sahest Du Dich um, als wenn Du erwartetest, es würde in diesem Augenblick jemand hereinkommen undDich bemerken." Du lügst. Du lügst!" brüllte er und schlug mit den Füßen um sich, um sich frei zu machen und auf mich loszustürzen. Aber weshalb sollt er das alles zusammenlügen?" fragte der Direktor zornig. Weil er mich haßt", schrie Stavarta mit blutrothem Gesicht; weil er mir den Ruhm meiner That abspenstig machen will." Ruhe. Stavarta. Ruhe!" rief der Direktor, dann wandte er sich zu mir und fragte: Du sahst den Gorilla ebenso wie wir alle in der Manege. Wie erklärst Du Dir dieses Räthsel?" Kommt und folgt mir", versetzte ich; ich glaube, ich .kann es Euch lösen!" Ich stieg die Treppe hinauf in Begleitung der Anderen, welche Stavarta zwangen, ihnen zu folgen. Stufe auf Stufe erklommen wir die Wendeltreppe, und bei jedem Absatz ward Stavartas Gesicht fahler und seine Stimme klang dumpfer und hohler. Schließlich erreichten wir die Galerie, ich wandte mich nach links, und ich führte meine Begleiter nach der Seite, wo sich sechs kleine Logen besänden. Ich stieß die erste Thür auf und ging hinein, der Raum war leer. Ich versuchte dasselbe bei der nächstenThür. Der Raum war ebenfalls leer. Die dritte Thür aber war verschlossen. Wo ist der Schlüssel?" fragte ich. Hier ist ein Schlüssel, der fünfzig Thüren wie diese erschließt," sagte einer der Männer und holte einen großen Dietrich hervor. ?ine Falle, eine Falle!" rief Stavarta und wollte sich wieder losreißen, während wir erstaunt einen langen braunen Pelz und. eine große Affenmaske betrachteten, die an der Erde lagen. Der Pelz war zerrissen und die Maske zerbrochen, weil man sie in fliegender Eile abgerissen hatte. Die handschuhähnlichen Hände und die haarigen Füße waren mit blauer Farbe beschmiert. Das Geländer war nämlich neu gestrichen worden. An einem Finger des rechten Handschuhs steckte ein Ring, und dieser Ring gehörte Stavarta. Zenobia blieb am Leben, doch sie lahmte und muß sich noch heute eines Stockes bedienen. Sie ist jetzt mein geliebtes Weib. Stavarta aber, der das Verbrechen ausRache begangen hatte, weil Zenobia seine Liebesbetheuerungen zurllckgewiesen und ihm gestanden hatte, daß sie nur mich liebe, vergiftete sich im Gefängniß. Der Schurke hatte sich selbst gerichtet. Eine unheimliche Zlacht. Von Josef Wicbner. Wie ich noch als fahrender Schüler die Thürklinken drückte, mein Sprüchlein sprach, mein Zeugniß hin- und meine rechte Hand aufhielt, da trugen mich des Schusters Rappen eines schönen Sommertages in ein Thal, das sich nach den ersten Siedlern das Walliseroder Walserthal nennt, und eines schönen Sommerabends in ein Dorf, das hieß gar Sonntag. Meine Verwandten wußten zu berichten, ich sei an einem Sonntag zur Welt gekommen, also ein Sonntagskind. und so durfte ich als Bürger des erwähnten Dorfes auf freundlichen Empfang rechnen. Und richtig, da stand die rothe Schwarz - Adler - Wirthin bereits unter der Thüre des wuchtigen HolzSaues. dessen allmälig ansteigendes Schindeldach Steinblöcke vor den zerführenden Winden schützten. Sie stand mit verschränkten Armen und rauchte in aller Gemächlichkeit ihr kurzstieliges und gar saftiges Holzpfcifchen. Im Walserthale rauchen sie nämlich alle, die Männer wie die Weiber, die Jünglinge wie die Jungfrauen, und was nicht raucht, das schickt (kaut Tabak) und in einer so weltlichen Sache lassen sie sich nicht einmal vom Herrn Pfarrer etwas dreinreden. . Also die rothe Schwarz-Adlerwir-thin rauchte ihr Pfeifchen. Roth war ihr in dichten Strähnen
um's Haup gelegte Haar, roty ver lange Rock, der, unter den Armen gebunden, zu den Knöcheln hinabfiel, roth die Strümpfe; ein schwarzes Sammetband aber hielt die Fuchszöpfe fest, ein schwarzer Spenser beengte den unheimlich kurzen Oberleib, eine schwarze, äußerst breite Schürze bedeckte einen Großtheil des Rothrockes, schwarze 5)albfchuhe, deren Sohlen mit gewaltigen Nägeln beschlagei waren, verliehen dem Weibe die in den Bergen so nöthige Standfestigkeit, ein schwarz angestrichener Doppeladler mit goldener Krone, Szepter und Reichsapfel baumelte ob dem Eingange. So war sie die rotheSchwarz-Adler-Wirthin, und dieweil sie rauchte und das Pfeifchen, wie die sich schnell folgenden Rauchballen bewiesen, einen guten Zug hatte, so war sie auch gut gelaunt, und ich konnte es wagen, ihr bezüglich des Viatikums meine Bitte vorzutragen. Ich fand' meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Im besten Falle mochte ein Zehnerlein, im allerbesten ein Schoppen Wein herausschauen, und nun meinte die Wirthin in ihrer höchst eigenthümlichen, kaum verständlichen und in der Schrift kaum Wiederzugebenden Mundart, die Wörter ruckweise hervorschießend: Bischt as bravs Buebe! Chumm (komm) nu iha (herein); chascht (kannst) essa und trinka bis zum Chraga (Kragen) ufsi, und ligga chascht umasus!" Run, ich war von einem achtstündigen Marsche hundsmüde, und ich war innen leer bis zum Kragen herauf, und so wollte es mich schier bedllnken, es sei das gastliche Haus rein das wiedergefundene Paradies. Ich schlüpfte also schnell hinein, und bald saß ich. des bestäubten Ranzens ledig, bnter dem mächtigen Eichentisch auf der Bank, die aus dem Getäfel sprang, und ich weiß nicht mehr, was mir besser schmeckte, der süsfige Tyrolerwein oder der wohlig duftende Kalbsbraten. Ich arbeitete, der wiederholten Auffordeinng der Wirthin Folge leistend, wieeinDrescher, und ich erzählte, durch den Wein gesprächig geworden, wie ein Bramarbas, und also hatte ich meine Zuschauer und Zuhörer so gut, wie der Schauspieler im Theater. Auch der Wirth, ein stämmiges, krummbeiniges Männlein, hatte sich mit der narbigen Tabaksblatter an den Tisch gesetzt, und der alte Dorfschulmeister hatte sich auch eingefunden, und der ewig schnupfende Krämer mit den Rinnaugen und den Goldnägeln in den Oberläppchen auch, und zu meinen Füßen lag der Türk, ein riesiger Bernhardiner, den übrigens die Knochen des Bratens mehr interessirten, als meine Geschichten, über die sich die weltfremden Leute schier zu Tode lachen wollten. Die Wirthin sparte den rothen Tyroler nicht, um ja recht viel aus mir herauszulocken, und ich trank, der Versicherung trauend, er thue mir nichts, er sei as guets, as zahms Wile" leider weit über den Durst und erfand in pudelnärrischer Stimmung ein Abenteuer m's andere trotz dem phantasireichsten Romanschriftsteller. Als aber mein Redestrom denn doch versiegte, wollte auch der Wirth nicht zurückstehen, und da er von sich nicht viel zu berichten wußte, tischte er die Eigenschaften und Thaten seines Hundes auf, und der Hund knurrte im Halbschlummer hie und da dazwischen, als wollte er seines Herrn Rede bekräftigen. Der Türk war, wie der Wirth versicherte, getreu bis in den Tod. und er machte in Haus und Hof Schlösser und Schlüssel völlig überflüssig. Wehe dem, der sich in der Nacht, 'nach fremdem Gute lüstern, einschleichen wollte! Ehe er sich's versah, lag er auch schon, so lang ihn Gott geschaffen hatte, auf dem Rücken und der Hund auf seiner Brust, und nun ließ das Thier den Einormglmg nimmer los, ors es .ag wurde und der Herr den wackeren Wächter ablöste. Aber", fragte ich. meine Beine unwillkürlich einziehend, beißt er , denn nicht? Der Riefenlackel könnte ja den stärksten Mann umbringen!" Ja, das sei eben das Gute und Bewundernswerthe an dem Thiere, daß es 'keinem weiter ein Leides zufüge, wenn sich eins klug in's Unvermeidliche schicke und schön ruhig auf Ablösung warte. Es Hab's auch noch nie Jemand gewagt, mit dem Hunde zu raufen, fönst . . . sonst wäre er freilich inStücke zerrissen worden! Unter solchen. Gesprächen war die Mitternacht herongekommen. und ich wankte etwa unsicheren Schrittes, von der Wirthin, die in einem Eisengestelle eine brennende Unschlittkerze trug, geleitet, in die für mich bestimmte Kammer, um Wein und Müdigkeit zu verschlafen. Wie ich mich entkleidet habe, wie ich in's Bett gekommen bin, vermag ich nicht zu sagen; aber auf einmal wachte ich aus und merkte nur zu deutlich, daß der rothe Tyroler bei weitem nicht so zahm war, wie die Wirthsleute ihn geschildert hatten. Sapperlot, der Kerl hatte mir tüchtig eingeheizt! Der Kopf brannte mir ... ich vermeinte, in dem niederen, dumpfen Gemache ersticken zu müssen . . . ich fühlte, wie das Bett ganz gegen die Gewohnheit der Betten zu tanzen anhub .... Ein irrer, hilfesuchTndcr 2lic! durch die Kammer ließ mich erkennen, daß das einzige Fenster, durch das der Mond, schadenfroh lächelnd, hereinblickte, nach Vauernart fest verschlossen war, obschon ich der frischen und erfrischenden Luft mehr denn je bedürfte. Ich kroch aus der centnerschweren Tuchent, ich tappte, mit den Händen vorgreifend, der einzigen Lichtquelle entgegen, ich schob den Laufflügel zu-
rück ... ein balfamifcher Strom . . . ach, so unendlich wohlthuend ... bespülte mein Antlitz und nahm den Kampf mit den Geistern, die mich unterkriegen wollten, siegreich auf. Neben dem Fenster stand ein uralter Großvaterlehnstuhl. Er streckte mir
seine Arme hllfoereit entgegen, und so i ließ ich mich zu kurzer Rast auf das ! schwellende Lederpolster nieder, und I selbst der auftauchende Gedanke, es seien vielleicht die Ahnherren und Ahnfrauen des Hauses in ihm der Reihe nach hinübergeschlummert, schreckte mich nicht. Bald aber begann mich zu frösteln; denn ich war nur im Nachtkleide. So wollte ich wieder in die Federn, und so stemmte ich mich auf des Sessels Arme, um mich zu erheben. Da kam das Entsetzliche! Einer der morschen Arme, in dem der Holzwurm seit Jahrzehnten ein Labyrinth baute, brach mit Gekrach, ich sank zurück, und im nächsten Augenblicke that es einen schrecklichen Knurrer und der zottige Türk lag mit seinem Vorderleibe und den wuchtigen Pranken auf meinem Schooße, die Zunge hing dem hastig athmenden Thiere weit aus dem Rachen und die funkelnden Augen bohrten sich in die meinigen, als wolle der Hund nach Kinderart mit mir crnsteln", wer den Blick, ohne zu lächeln, länger halten könne. Die Lage der Dinge war mir trotz meines Schreckens vollkommen klar. Der Türk war der mich begleitenden Wirthin unbeachtet gefolgt. Während die Frau noch mit mir sprach, hatte ihn in einem Winkel der Schlaf übermannt, und nun . . . nun hatte er durch's Gekrache des Sessels wach geworden, wiederum einen Dieb abgefangen und erwog in seinem Herzen, dessen kräftige Schläge ich deutlich fühlte, ob er ihn gleich in Stücke zerreißen oder ob er ihn nur festhalten solle bis zum. Morgengrauen und bis sein Herr sich das Apportel anschaue. Die Erzählungen des Wirthes waren mir noch zu lebhaft im Gedächtnisse, als daß ich's gewagt hätte, mich mit dem Unhold in einen völlig aussichtslosen Kampf einzulassen. Der Versuch, ihn durch Liebkosungen zu beschwichtigen, mißlang völlig; denn wie ich ihm mit meiner Rechten den Kopf krauen wollte, schnappte er nach meiner Hand, und die im Mondlichte schreckbar funkelnde Doppelreihe messerscharfer Zähne und das Geknurre, das zwischen ihnen hervorkam, sagte verständlich genug, es sei der widerhaarige Bursche für derlei listiges Liebesgeheuchel vollkommen unempfindlich. Also barg ich meine Hand, die ich ja noch zu den Schul-Aufgaben und zum Löffelhandwerke brauchte, hinter der Rücklehne des Sessels und versuchte es, nachdem ich mich einigermaßen gefaßt hatte, mit freundlichen Worten. Türkle," sagte ich, was fällt Dir denn ein, einen reisenden Studio so zu erschrecken?" Krrrr!" war die Antwort. Schau ... ich bin ja kein Dieb . . . hab' mein Lebtag nichts gestohlen, als einmal einen Unserherrgott im Nachbarhause und vielmal Kirschen und Stachelbeeren und Johannisbeeren; aber das ist schon lange her und ist auch nicht so arg. daß Du einen gleich umbringen müßtest!" Krrrrr!" Freilich . . . bist ein brav's Hllndle . . . recht ein brav's . . . verdienst rein ein Denkmal, wenn d' einmal ... hin bist, Du ver L. . .r! (Das L...r dachte ich nur; denn . . . wenn der Hund deutsch verstand, war es um mich geschehen.) Ist auch recht gut gemeint, daß Du mich wärmst mit Deinen Zot teln und Deinem Leibe, daß ich nicht erfrier oder gar eine Lungensucht krieg in der Nachtluft; aber ... weißt ... was gar schwer bist doch auf die Länge, wie Du so auf mir liegst! Möchtest nicht gefälligst zu meinen Füßen Platz nehmen?" Krrrrrrrrrr . . . wu . . . wu!" Ui jegerl ... der Busche führte eine laute Sprache l Völlig das Trommelfcll wollte es mir zersprengen, da er mir in die Ohren rief, er sei durchaus nicht gesonnen, auch nur einen Schritt zu weichen. Der Gescheitere giebt nach." sagt ein Sprüchwort, und also spielte ich den Gescheiteren, und zwar um so lieber als einige gut gemeinte Flüche, die ich dem Türk in aller Manier an den Kopf warf, nur bewirkten, daß er sich noch mehr an mich schmiegte und so lange Knurrer losließ, daß ich schon heimlich, aber leider vergeblich hoffte, es würde ihm der Athem ausgehen. Ich ergab mich also in mein Geschick und schaute bald dem Türk in seine funkelnd'en Augen, bald hinaus in die Sternennacht und sprach ein inniges Dankgebet,. als .ein Sternlein' um's andere gleich den verschlafenen NachtWächtern in's Bett schlüpfte und vom nahen Thurme herüber das Aveglöcklein crt'önte. Bald darauf ward's imHause lebendig. Der Hahn weckte seine Weiber, Thüren wurden geöffnet und zugeschlagen, ein 5wecht, eine Magd schlürfte in Holzpantoffeln über den Hof zum Kuhstalle, eine mir bekannte weibliche Stimme rief: Wo ist denn der Cheib (Keifer), der Chog (Aas), der Türk?" Hier!" 5trrrr ... wu!" So ich und mein Busenfreund. c:c:if ein Gijanr.r.:: :nit Anrufung aller vierzehn heiligen Nothhelfer. Dann ging die Kammerthür auf, und die Wirthin befreite mich von dem Alp, der mich fast vier Stunden lang gedrückt hatte. Am selbigen Tag .ward ich im schwarzen Adler" von der rothen Wirthin auf's trefflichste verpflegt. Sie wollte die Bitterniß. die ich zur Genüae verkostet hatte, mit allem, wa3
Kllche'und Keller boten, versüßen. Al5 es aber gegen Abend ging, war ich mm mer zu halten . . . alles Zureden, ich möge wenigstens noch eine Nacht bleiben und mich ordentlich ausschlafen, half nichts; denn der Türk stand dabei und schielte mich allweil so an. daß ich nur das Weiße seiner Augen sah, und also mochte ich dem Landfrieden trotz aller Versicherungen des Wirthes nicht recht trauen. Schönheitsmittel.
Vielbewundert und beneidet ist der fast unverwüstliche Teint, die fast vollständige Faltenlosigkcit des Gesichtes der berühmten Diva Adelina Patti, geschiedenen Marquise de Caux, verwittweten Nicolini und neu verehelichten Gräfin Cederström. Adelina. Patti behauptet, daß es eine Zeit aabr in welcher ihr Gesicht auffallend viel Falten und Runzeln bekam. Es war damals, als der verabschiedete Gemahl Marquis de Caux die Scheidungsklageeinreichte und durch die Motive sie vor aller Welt bloßstellte und dem Gespötte der Witzblätter preisgab. Die böseir Falten verschwanden durch Massage. In ihrem Zauberschloß Craig-y-Nos, das in Wales, mitten in romantischer Umgebung liegt, hat die Divcr ein Toilettengemach, das nur ihre Miß. Roby, die getreue Kammerfrau und Vertraute, betreten darf. Dort wird,, nachdem die Patti einige Minuten, durch einen trichterförmigen Apparat lauwarme Lavendeldämpfe auf ihrGesicht hat strahlen lassen, dasselbe von. Miß Roby regelrecht massirt. Nach der Massage vermeidet die Diva zwer Stunden die Luft, wie die Patti sich, nie den Sonnenstrahlen ausfetzt . und' bei rauher Witterung das Gemach auch nie verläßt. Nur so erhält man sich," versichert die Diva, die demGrafen Cederström in ihrem 56. Jahre ihr Herz, ihren Reichthum und die Reste ihrer Schönheit zu Füßen legte, Jugend--frische und langes Leben." Ein althergebrachtes Schönheitsmit--tel der Pariser Theaterdamen, das auch Madame Rejane imGebrauch hat,, ist das Blüthenwasser". Vielleicht' interessirt es die Leserinnen, das Recept zu erfahren, das nichts weniger als den jungfräulichen Blumenblüthen, entnommen zu sein scheint. Wer Lust hat, mag es sich bereiten, denn es istziemlich einfach, es lautet: Mam nimmt frisch gelegte Eier, so viel man: will, läßt solche acht Tage lang in frischem Weinessig liegen, bis die Schale ganz weich geworden ist. Alsdann nimmt man eines nach dem anderen, heraus in die Hand, zersteche es über: und über mit einer Nähnadel und lasse? das klare Wasser, so viel darin ist, herausrinnen. Dies wird in einem Glase gesammelt und der warmen. Sonne ausgesetzt oder zur Winterszeit sonst auf einer warmen Stelle, jedochwird es besser in der Sonne, je länger: je besser und gleichsam destillirt. Von. diesem Wasser nimmt man alle Mo?gen und alle Abend und wäscht damit das Angesicht. Dieses Schönheitsmittel erhält, wie die Damen des Theaters, namentlich Madame Rejane, behaupten, den Teint vollkommen rein und frisch und verhindert jede Faltenbildung im Gesicht. Also, keine Falten mehr, meine Damen! Eleonora Duse, die große italienische Tragödin, ist und war nie eine jener vielberühmten Schönheiten, zu deren Verkllndern sich seit alten Zeiteir die Dichter und Maler der Nationengemacht haben; aber sie war immer eine Frau, die ihren Zügen, ihrer Hal--tung einen intimen, anziehenden Reiz ein undefinirbares Etwas zu geben verstand. Wer kann sagen, daß diese in letzter Zeit stets leidende Frau häßlich oder faltenreich geworden? Eleo--nora Duse hat die zarteste Hautfarbe die würdevollste Haltung und die voll--endetste Grazie, trotz ihres Alterst Eleonora Duse weiß als kluge Frau, ganz genau, daß sie von Natur nicht fchön ist; sie brachte daher in Italien zuerst ihre Einfachheit und den künstlichen blassen Teint in Mode. Da die Tragödin jeder Schminke abhold ist., so gebraucht sie künstliche Mittel, sich den Teint zu erhalten, indem sie dem. Körper als Nahrung hauptsächlich Früchte, Fische, Hühner zuführt, destillirtes Wasser trinkt und Milchbäder nimmt. Zur Conservirung des wun dervollen Haares gebraucht Eleonora. Duse ein aus Deutschland bezogenes Mittel Prinzeßkopfwasser", das sich die Künstlerin überall nachsenden laßt, da dies Kopfwasser, wie die Künstlerin behauptet, nicht nur die Haare in der ursprünglichen Farbe erhält, sondern auch stets gegen Kopfschmerz schützte Bäder spielen überhaupt in der Ge-' schichte der Toilettenkunst eine Haupte rolle. , Gegenwärtig ist in Paris das Honigbad. das schon die Damen der Gesellschaft vor 100 Jahren liebten, wieder in Mode; es soll der Figur Fülle geben. Ninon de Lenclos, die ewig. Junge, entschloß sich zu seinem Gebrauch, als sie auf der Höhe ihres Ruhmes stand, und sie war von dem Erfolg aufs höchste befriedigt. Sie badete stets 15 Minuten lang vor dein Zubettgehen und schlief dann Vorzuglich darnach. Um die Haut glatt und von Runzeln vollkommen frei zu erhalten, wird ein Milchbad warm empfohlen. Seit Jahrhunderten baderr sich weltbekannte Schönheiten inMilch man weiß dies' auch von der Pompadour, die der Milch ncch überdies einen Zufaij rcu zwei Bruno Himbeeren ' geben ließ, und von der russischen Kaiserin Katharina II., die das Milchbad so heiß nahm, wie es nur überhaupt möglich war. Protest. Arzt: Zuerst wollen wir 'mal die Heiserkeit Ihrer Frau zu heben suchen " r Ehemann (eilig): Ach, Herr Doctor. ich meine, das hätte gerade Zeit bis zuletzt.-
