Indiana Tribüne, Volume 23, Number 62, Indianapolis, Marion County, 19 November 1899 — Page 3

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'per frotatf.

Wcmcn von K. Orih. (17. Fortsetzung und Schluß.) Ja, warten. geduldig warten das ist der Trost, mit dem Ihr stets so bereitwillig bei der Hand seid, wenn es sich nicht um Euch selbst, sondern um andere handelt. Todt oder lebendig sie ist mir nichts als die verhaßte Näuberin meines Glückes. Alle seine Gedanken gehörten ja nur ihr. Die erste Regung seines wiederkehrenden Bewußtseins war eine Erinnerung an sie. Und zu mir begann er zu reden wie ein Bruder zu seiner Schwester. Es waren theilnehmende, gütigeWorte, die er mir sagte, aber es waren Worte, die mir trotzdem wie ebenso viele Dolchstiche in die Seele drangen. Denn jedes von ihnen in seiner kühlen Freundlichkeit war mir ein Beweis, wie weit, wie unendlich weit ich noch davon entfernt war, seine Liebe zu gewinnen. . Ich sah, daß er nicht einmal eine Empfindung hatte für die Qualen, die er mir mit seinen Tröstungen bereitete, und da war es mit meiner Widerstandsfähigkeit zu Ende. Es war schlecht, was ich gethan ich weiß es aber die Verzweiflung hatte mich wahnsinnig gemacht. Sie müssen ein schlechter Arzt sein, Don Jos6, wenn Sie es nicht begreisen." Sie hatte sich, während sie sprach, laugsam vom Fußboden erhoben und, auf die Lehne eines Stuhles gestützt, stand sie in müder, gebrochener Haltung da, den Blick der tief eingesunkenen dunkel umschatteten Augen starr in das Leere gerichtet. Doktor Vidal betrachtete sie ein paar Sekunden lang, dann legte er seine Hand auf ihre Schulter und sagte mit väterlichem Ernst: Ob ich es nun begreife oder nicht jedenfalls fühle ich mich nicht berufen. Sie zu richten. Sie sind wohl hart genug bestraft durch das. was Sie selbst über sich heraufbeschworen haben. Denn Ihr Gewissen wird Sie nie mehr freisprechen von dem Vorwurf, daß Sie diesem unglücklichen jungen Manne da drinnen zum Verhängniß geworden sind." Er wird also sterben? Sie haben keine Hoffnung, Doktor Vidal?" Ich sehe keinen Grund, Ihnen jetzt noch etwas zu verhehlen. Nein, nach dem, was ich soeben gehört habe, hege ich keine Hosfnung mehr." Und warum erst nach diesem?" Weil ich sicher bin. daß der Anfall, der für diesmal noch ohne eine Katastrophe vorübergegangen ist, sich wiederholen wird, da ich ja die Ursache nicht beseitigen kann, die ihn herbeigeführt hat. Oder halten Sie es für möglich, daß man den Kranken jetzt noch durch erlogene Tröstungen täuschen könnte, wenn er nach der Senorita Ortegas fragt? Was auch immer ich ihm sagen würde, er würde es nicht glauben, es sei denn, daß wir Conchita lebend und gesund an sein Lager führen könnten. Sie haben Ihren Freund vor einem Verhältnißmäßig leichten Tode bewahrt, um ihn einem schmerzlicheren zu überliefern." Sie schlug die Hände vor das Gesicht und verharrte regungslos ein Bild unsäglichen Jammers. Auch Don Jos6 schwieg eine Weile, dann sagte er, indem er zur Thür ging: Sie werden das Krankenzimmer selbstverständlich nicht wieder betreten. Wenn Sie glauben, mir für das, was ich bisher an Ihnen gethan. Dank schuldig zu sein, so versuchen Sie es nicht, wieder bei ihm einzudringen. Ich werde außerdem Fürsorge treffen, daß es Ihnen unmöglich gemacht wird. Nun folgen Sie meinem Rathe und begeben Sie sich zur Ruhe. Gute Nacht!" Er legte die Hand auf den Thürgriff und stand eben im Begriff, das Gemach zu verlassen, als es von der Stelle her, wo Jsabella stand, dumpf und tonlos hinter ihm drein klang: Bleiben Sie noch, Don Jostl ich will Ihnen sagen, wo Sie Conchita finden." Daktor Vidal war stehen geblieben und starrte sie in sprachlosem Erstaunen an. Dann drückte er die Thür leise hinter sich in's Schloß und eilte mit raschen Schritten auf sie zu. Habe ich recht gehört, Senorita? Sie wissen, wo Ihre Base sich aufhält, und Sie konnten es mir bis zu diesem Augenblick verschweigen, mir, der ich seit Tagen vom Morgen bis in die Nacht nach ihr suche?" Ja," erwiderte sie starren Antlitzes und mit derselben klanglosen Stimme, nennen Sie mich eine Verworfene eine Verbrecherin, nennen Sie mich; wie Sie wollen ja. ich habe es von allem Anbeginn gewußt." Und wo wo ist sie? Befindet sie sich noch am Leben?" Ich glaube wohl, wenn ich mich auch nicht dafür verbürgen kann. Gehen Sie nach der Convalescencia dort wird man es Ihnen sagen." Nach der Convalescencia in das Irrenhaus? Nein, das ist unmöglich! Wie hätte Sie gerade dahin kommen können?" Man fand sie am Morgen nach Senor Rodewaldts Flucht aus dem Gefängnisse schwer krank und mit einer Schußwunde in der Schulter auf der Straße. Da sie ohne Bewußtsein war, brachte man sie zunächst in dasFrauenHospital nach der Calle Esmeralda. Sie kam im Laufe des Tages wieder zu sich und nannte ihren Namen. Aber man zweifelte an der Richtigkeit ihrer Angaben, weil sie die Kleidung einer Zofe trug. Trotzdem benachrichtigte man meinen Vater, und da er selbst durch seine gerade an jenem Tage so wichtigen Geschäfte daran verhindert war, begab sich meine Mutter in das Hospital. Bei ihrer Ankunft war Conchita schon wieder ohne Besinnung.

D!e Munds selbst sollte zwar nach der Angabe der Aerzte nicht gefährlich sein, aber ein heftiges Fieber hatte Conchita ergriffen. Meine Mutter ließ sich an das Bett der Patientin führen und erklärte dem sie geleitenden Arzte, diese 5!ran!e sei keineswegs ihre Nichte Conchita Ortegas, sondern eine ehemalige Kammerjungfer derselben, die von jeher Spuren von Geistesstörung gezeigt habe und sich wohl nur im Wahnsinn für ihre Gebieterin au5-gezeo:n haben könne." Sagen Sie nur auch wirklich die Wahrheit, Senorita Jsabella?" fragte der Doktor streng. Was Sie mir da erzählen, klingt in hohem Maße abenteuerlich und unwahrscheinlich. Welchen Zweck könnte Ihre Mutter mit einer so abscheulichen Lüge verfolgt haben, die überdies schon in der nächsten Stunde entdeckt werden mußte?" Ich spreche nichts als die volle Wahrheit, Don Jos6! Und von ihrem Standpunkt aus war das, was meine Mutter that, wohl so thöricht nicht. Sie durfte sich versichert halten, dcf; man zunächst ihren Angaben mehr Glauben schenken würde, als den Versicherungen einer Fieberkranken. Mit dem Augenblick, wo sie Conchita als ihre Nichte anerkannte, übernahm sie auch die Verpflichtung, alles Erdenkliche für die Erhaltung ihres Lebens zu thun. Und bei sorgfältiger, aufmerksamer Pflege würde diese sicher bald wieder hergestellt worden sein. Blieb sie aber in dem großen Hospital, oder brachte man sie, wie meine Mutter hoffte, wohl gar auf die Krankenstation der Convalescencia, so waren die Aussichten für eine Genesung derKranken bei den dort herrschenden Zuständen gering. Und selbst in dem wenig wahrscheinlichen, unerwünschten Fall, daß sie trotz alledem genas, hatte meine Mutter sich durch ihre Erklärung die Möglichkeit geschaffen, einen seit langem gehegten Plan zur Ausführung zu bringen. Es giebt irgendwo in der Provinz, ich habe den Namen des Ortes vergessen, einen Arzt, der eine sögenannte Heilanstalt für Nervenkranke zu keinem andern Zweck unterhält, als um darin Personen, die ihren Angehörigen lästig geworden sind, als angebliche Geisteskranke für immer gefangen zu halten. War es einmal aelungen, Conchita der Obhut dieses Menschen zu übergeben, so konnte es kaum noch allzu große Schwierigkeiten haben, ihr Vermögen auf die eine oder die andere Art qanz in die Hände meines Vaters zu bringen Ein sauberer Plan!" sagte Doktor Vidal kopfschüttelnd. Aber sprechen Sie weiter; man schenkte also der Erklärung der Senora del Vasco Glauben und brachte die arme Conchita wirklich als eine Wahnsinnige nach der Convalescencia?" Jsabella nickte. Meine Mutter hatte sich erboten, die Verpflegungskosten zu tragen. Ich erfuhr von alledem erst, als sie von ihrem Besuche im Hospital heimkam, und ich erfuhr es zugleich mit der Thatsache, daß Csnchita es gewesen war, die mir Rodewaldts Herz entfremdet, die mir seine Liebe gestohlen hatte. Meine Mutter vermochte mir darüber volle Gewißheit zu geben, denn sie hatte in Erfahrung gebracht, daß die beiden häufig heimliche Zuamm:nkünste gehabt, und sie wußte auch, wie groß Conchitas Antheil an Senor Rodewaldts Befreiung gewesen war." Und deshalb ließen Sie das schändliche Verbrechen zu, das man an ihr beging? Deshalb machten Sie sich zur Mitschuldigen Ihrer Mutter, mdem Sie keinen Einspruch gegen ihre Handlungsweise erhoben?" Jsabella neigte bejahend den Kopf. Es war nur noch für eine von uns beiden Raum auf Erden. Sie mußte sterben, und es war gut für sie wie für mich, wenn es auf solche Art geschah. Denn sonst sonst würde ich sie vielleicht eines Tages mit eigenen Händen getödtet haben." Sie sind ein beklagenswerthes Geschöpf. Mir graut vor Ihnen. Aber wie kommen Sie bei solch böser Sinnesart dazu, mir das alles jetzt zu gestehen?" Sie wandte den Kopf und sah ihm mit ihren großen, düsteren Augen fest in's Gesicht. Fragen Sie mich überHaupt nichts .mehr. Gehen Sie, sich über Conchitas Schicksal zu unterrichten. Vielleicht gelingt es Ihrer Kunst, sie zu retten und damit auch ihn. Mir gilt es gleich ich bin jetzt mit allem fertig." Wohl, so werde ich Sie in Ihr Zimmer bringen, und eines der Mädchen wird bei Ihnen bleiben." Auch gegen diese Verfügung erhob Isabella keinen Widerspruch. Starr mvü stumm ruhte sie auf ihrem Lager, als er sie verließ.

25. K a p i t e l. Doktor Vidal fand bei seinem Besuch in der Convalescencia alle Angaben Jsabellas bestätigt. Er ließ sich an das Bett Conchitas führen und war tief erschüttert von dem Anblick der Veränderung, die während dieser wenigen Tage mit dem schönen, lebensprühenden Mädchen vorgegangen war. Der Arzt, der sie behandelte, hatte sich gegen ihn sehr ungünstig über die Aussichten aus eine Wiederherstellung ausgesprochen. Don Jos6 aber sagte ihm, nachdem man ihm gestattet hatte, die Patientin selbst zu untersuchen, rund heraus, daß er anderer Meinung sei, und daß es seiner Ueberzeugung nach nur einer veränderten BeHandlung und einer sorgfältigeren Pflege bedürfe, um das junge Mädchen glück lich über die gefährliche Krisis hinweg zu bringen. Bei dem hohen persön lichen Ansehen, dessen er sich in ärztlichen Kreisen erfreute, und angesichts seiner Erklärung, daß er alle Kosten zunächst auf sich nehme, 'fügte man sich ohne weiteres seinem Verlangen, der Kranken ein eigenes Zimmer und eine

eigene Wärterin zu geben und ihre weitere Behandlung in seine Hände zu legen. Am liebsten freilich hätte er sie sogleich in das deutsche Krankenhaus bringen lassen, aber er sürchtete die Gefahren, die mit einer solchen Ueberführung verbunden sein konnten und verzichtete darum vorerst noch auf die Erfüllung dieses Wunsches. Conchita selbst hatte ihn nicht erkannt. Sie war nach der Angabe der Wärterinnen wohl zuweilen für kurze Zeit aus ihren unruhigen Fieberträumen erwacht, aber sie hatte dann zumeist still und apathisch dagelegen, ohne auf die an sie gerichteten Fragen zu antworten. Lange nach Mitternacht erst kehrte Vidal in seine Wohnung zurück, und zwei neue Ueberraschungen waren es, die dort seiner warteten. Man . theilte ihm mit, daß Senorita Jsabella del Vasco sich gleich nach seiner Entfernung wieder angekleidet und trotz aller Bitten und Vorstellungen das Haus verlassen habe. Don Jos6 fürchtete, daß sie Hand an sich gelegt haben könnte, aber ein von ihr zurückgelassener Brief, den man ihm übergab, beruhigte ihn wieder. Sie fchricb, daß sie nach dem Vorgefallenen feine Gastfreundschaft nicht länger in Anspruch nehmen dürfe und auch nicht die Kraft besitze, fernerhin unter demselben Dache zu weilen mit dem, dessen Verhängniß sie geworden sei. Sie werde in dem Kloster der Ursulinerinnen eine Zuflucht suchen. Es ist daS beste, das sie bei ihrer verfehlten Erziehung und ihrem im glücklichen Temperament thun konnte dachte Vidal. In der Welt hätte sie doch stets nur sich und andere Unglücklich gemacht." Die andere Ueberraschung bestand in einem ebenfalls an sein: Adresse gerichteten Briefe, den sein Diene: vorhin bei der Reinigung von Rodewaldts Kleidern in einer Tasche gefunden hatte. Es war jener Abschiedsgruß, den der Gefangene im Angesicht des Todes an ihn hatte richten wollen. Und mit steigendem Interesse las Doktor Vidal die ausführliche Schilderung der von Manuel del Vasco gegen Conchita verübten und versuchten Schurkereien. Lange noch, nachdem er mit der Lektüre zu Ende gekommen war, ging er in seinem Arbeitszimmer auf und nieder, angelegentlich mit der Erwägung eines Planes beschäftigt, den der Inhalt dieses Briefes in seinem, Geiste hatte entstehen lassen. Nach einer kurzen Nachtruhe, und nachdem er sich überzeugt hatte, daß Werners Zustand im wesentlichen noch unverändert war, fuhr er in das Regie rungsgebäude, um eine Audienz bei dem Präsidenten der Republik nachzusuchen. Glückliche Umstände fügten es, daß ihm dieselbe sogleich gewährt werden konnte, und es war beinahe eine Stunde vergangen, als Don Jos6 das Cabinett des höchsten Beamten wieder verließ. Er begab sich geradewegs in das Untersuchungsgefängniß und verlangte aus Grund einer ihm ertheilten Ermächtigung, in die Zelle des Senor del Vasco geführt zu werden. Es War in dem Passierschein ausdrücklich vermerkt, daß die Unterhaltung mit dem Gefangenen ohne Zeugen stattfinden dürfe, und so ließ man die beiden miteinander allein. Der Zustand, in welchem Doktor Vidal den noch vor kurzem so stattlichen und eleganten Caballero antraf, wäre wohl danach angethan geWesen, sein Mitleid zu erregen, wenn nicht die tiefe Verachtung, die er gegen diesen Menschen empfand, jede derartige Regung hätte ersticken müssen. Die Todesfurcht hatte einen gebrochenen, hinfälligen Greis aus dem kraftvollen Manne gemacht, und der kluge Arzt sah sogleich, daß er diesem in wahnsinniger Angst um sein Leben zitterndenSchwächling gegenüber leichtes Spiel haben würde. Er erklärte ihm unumwunden, daß seine Aussichten die schlechtesten wären. Die ErHebung einer Anklage und die Aburtheilung während des für die Hauptstadt noch immer bestehenden Belagerungszustandes würde für ihn gleichbedeutend sein mit einem Todesurtheil, und es wäre thöricht, in diesem Fall auf eine Begnadigung von feiten des Präsidenten zu hoffen. Wohl aber gebe es vielleicht noch ein Mittel, die Einleitung des Verfahrens bis zu einem Zeitpunkt hinauszuzögern, wo das Standrecht aufgehoben und die ordentlichen Gesetze wieder in Kraft getreten sein würden. Dann wäre auf ein wesentlich milderes Urtheil zu rechnen, um so mehr, wenn del Vasco vorher seine aufrichtige Reue durch entsprechende Handlungen hinlänglich bewiesen haben würde. Wie er es nicht anders erwartet hatte, griff dör Gefangene diese Hindeutung mit großem Ungestüm auf und beschwor den Arzt, ihm zu sagen, was er thun könne, um wenigstens für den Augenblick das Verhängniß von sich abzuwenden. Er sei zu allem bereit, wenn es ihm eine Hoffnung aus die Erhaltung seines Lebens eröffne. Ohne Umschweife ging Don Jos6 nun auf sein eigentliches Ziel los. Er sagte ihm, daß der Präsident ein lebhastes persönliches Interesse an Conchita Ortegas und ihremProzeß nehme. Gewisse schwerwiegende Anzeichen," fügte er hinzu, haben den Verdacht wach werden lassen, daß es sich bei diesem Prozeß um ein von langer Hand vorbereitetes, betrügerisches Manöver gegen die Ihrer Obhut anvertraute Waise handle. Sollte diese Vermu thung zutreffen, so könnten Sie in Ihrem eigenen Interesse nichts besseres thun, als durch ein offenes Bekennen der Wahrheit volles Licht in das bisher nur zum Theil aufgehellte Dunkel zu bringen. Wie ich den Präsidenten kettne, wird er es Ihnen hoch anrechnen, wenn Sie auf diese Weise Ihr Gewissen entlasten und noch zu rechter Zeit schweres Unrecht verhüten. Aber Sie dürfen die Zeit nicht mit langem

Ueberlegen verlieren. Seine Excellenz steht im Begriff, eine strenge Untersuchung über die Vorkommnisse bei der Verhaftung und der Entlassung des Senor Pedro Alvarez anzuordnen. Bringt diese Untersuchung Ihre Schuld an den Tag. so ist es für ein freiwilliges Geständniß zu spät, oder man würde demselben doch nichi. mehr den geringsten Werth beimeffen." Manuel del Vasco vermochte sich jedoch nicht ohne weiteres zu dem zu entschließen, was man ron ihm verlangte. Er äußerte den Wunsch, zunächst mit seiner Gemahlin Rücksprache nehmen zu dürfen, und erst, als Doktor Vidal ihm mit aller Bestimmtheit erklärte, eine solche Unterredung werde unter keinen Umständen gestattet werden, fand er sich nach einem letzten harten Kampfe bereit, für die Hoffnung auf die Erhaltung seines Daseins alles andere preiszugeben, was ihm bis dahin Lebenszweck und Lebensziel gewesen war. Ein umfassendes Schuldbekenntniß war es, das er ablegte. In einem Geheimfach seines Schreibtisches sollten sich, wie er versicherte, alle jene Papiere befinden, deren Vorlegung die Haltlosigkeit der von Conchitas Prozeßgegnern auf sein Anstiften erhobenen Ansprüche auf das Unzweideutigste crweisen mußte. Das von Pedro Alvarez unterfertigte Schriftstück, in welchem dieser erklärte, von den Vorgängen bei der Trennung der beiden Compagnons aus eigener Wahrnehmung nicht das mindeste zu wissen, war dem unglücklichen Manne von del Vasco durch die Drohung mit der im Weigerungsfalle unvermeidlichen Vollstreckung des Todesurtheils abgepreßt worden, und Alvarez hatte außerdem einen Eid schwören müssen, diese Erklärung nicht etwa zu widerrufen, sobald er sich jenseits der Grenze in Sicherheit befand. Diese für den Ausgang von Conchitas Prozeß bedeutsamen Geständnisse waren jedoch nicht die einzigen, die del Vasco machte. Er legte auch seine BeZiehungen zu Georg Henninger und dem durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Direktor Strahlendorf dar. Und als Don Jos6 nach mehr als zweistündigem Verweilen die Gefängnißzelle verließ, war er im Besitze eines so gewaltigen Belastungsmaterials gegen den ehemaligen Prokuristen der La Plata - Bank, daß es ihm nicht schwer fiel, noch an diesem Vormittag einen Haftbefehl gegen Henninger zu erwirken. Zur Ausführung kam derselbe freilich nicht mehr, denn man fand den Gesuchten weder in seiner bisherigen Wohnung, noch an irgend einem der anderen Orte, an denen man geglaubt hatte, ihn vermuthen zu dürfen. Er hatte jedenfalls schon bei dem Empfang der von Rodewaldt erlassenen Verfügung erkannt, daß das Spiel für ihn verloren sei, und es vorgezogen, sich rechtzeitig aus dem Staube zu machen. Die übrigen Angaben del Vascos aber erwiesen sich sämmtlich als richtig. Man fand an der bezeichneten Stelle die für Conchita so wichtigen Papiere und beschlagnahmte in der La PlataBank die Wechsel, die nach seinem Geständniß unter Vorwissen Henningers von ihm gefälscht worden waren. Das ganze Gespinst von Lüge und Betrug lag mit all seinen viel verschlungenen Fäden osfen zu Tage, und die es so klug gewoben hatten, sahen sich hart vor dem ersehnten Ziel um die Früchte ihrer Mühen betrogen.

Als Rodewaldt aus dem langen Schlafzustande erwachte, in welchem Doktor Jos6 Vidal ihn nach jenem ersten bedrohlichen Anfall durch künstliche Mittel zu erhalten gewußt hatte, fand er auf der Decke seines Bettes einen offenen Brief ein kleines, fliederfarbiges Blatt, das nur mit wemgen Zeilen beschrieben war, aber in einer lieben, wohlbekannten Handschrist, deren Anblick ihn aufjubeln machte, wie unsicher und zitterig auch die einzelnen Züge sein mochten. Das Briefchen lautete: Guten Morgen, mein Geliebter, und Glück auf zur Genesung! Noch kann ich nicht selbst zu Dir kommen, doch sei guten Muthes! Ich bin nicht todt, wie Du siehst und ich bin meines wicdergeschenkten Lebens über alle Maßen froh, seitdem ich weiß, daß ich für Dich leben darf nur noch für Dich allein! Auf Wiedersehen auf glückliches Wiedersehen! In Ewigkeit Deine Conchita." Doktor Jos6 Vidal, der hinter dem Kopfende des Lagers gestanden, so daß Werner ihn nicht hatte sehen können, trat jetzt hervor, um seinem jungen Freunde die Erläuterungen zu Conchitas Brief zu geben, deren er noch bedurfte. Schon als sie zu ihm in das Gefängniß gekommen war, hatte sie die Vorboten der schweren Krankheit gefühlt, welche die seelischen Erregungen der letzten Stunden über sie heraufbeschworen. Aber sie hatte sich aufrecht erhalten, um ihr Rettungswerk zu vollbringen. Sie hatte mit den Wachen geschäkert, um den Weg für den Geliebten offen zu halten, und als sie ihn in Sicherheit wußte, noch Kraft genug gehabt, sich den zudringlichen Soldaten zu entziehen. Dann aber hatte sie sich plötzlich in einer von neuem Kampfgetümmel erfüllten Straße gesehen. Von einer Kugel an der Schulter gestreift, war sie zu Boden gesunken. und so hatte man sie bei Tagesanbruch gefunden. Jetzt aber war. wie Don Jos6 seinem Schützling versichern konnte, jede Gefahr für ihr Leben beseitigt. Wenige Tage später durfte Rodewaldt zum erstenmal Conchitas Krankenzimmer betreten. Bis an die Schwelle der offenen Thür hatte Doktor Vidal ihm das Geleit gegeben; dann aber winkte er der um die PattenUnbeschäftigten Pflegeschwester mit den Augen, zu ihm herauszukommen,

und schloß, als sie seine? Aufforderung gefolgt war, hinter den beiden Glück lichen lv$z die Thür. ,Diese Aufregung wird ihnen nichts schaden dafür will ich vor meinem ärztlichen Gewissen getrost die Verantwortnng übernehmen," sagte er lächelnd zu der etwaÄ besorgt dreinschauenden Schwester. Und sie haben die Seligkeit dieses Augenblicks' wahrlich theuer genug erkaufen müssen." Jsabella dcl Vasco hielt an ihrem in einer Stunde tiefster Verzweiflung gefaßten Vorsatz auch in der Folge fest. Sie ließ sich nicht bewegen, das Kloster, in dem sie als Novize Aufnahme gefunden, wieder zu verlassen, auch als Manuel del Vasco und seine Gemahlin, durch die Gnade des Präsidenten nur mit einfacher Landesverweisung bestraft, alle Mittel der Ueberredung aufboten, sie in ihrem Entschlüsse wankend zu machen. Sie weigerte sich sogar entschieden, ihre Mutter zu einer zweiten Unterredung zu empfangen, und das Ehepaar del Vasco mußte Argentinien verlassen, ohne das einzige Kind mit sich zu nehmen. Don Manuel verließ die Stätte seiner Freuden und Triumphe als ein Bettler aber mit der Hoffnung, daß in absehbarer Zeit irgend eine neue politische Umwälzung ihm Gelegenheit zur Rückkehr geben und ihm eine vielleicht erfolgreichere Laufbahn erschließen würde. Georg Henninger blieb verschwunden. Rodewaldt aber harrte noch ein Jahr lang auf seinem Posten aus. um die Verhältnisse der Bank, deren durch die betrügerischen Manipulationen del Vascos herbeigeführte Verwirrung erst jetzt klar zu Tage trat, wieder völlig zu ordnen, und um zugleich die Veräußerung der großen Besitzungen seinerjungen Gattin zu bewirken. .Dann aber duldete es Conchita nicht länger in der Heimath, unter deren Himmel sie so trübe und schmerzliche Tage hatte verleben müssen. Ihr Herz zog sie unwiderstehlich nach dem Lande, das ihrem geliebten Gatten das Leben gegeben, und an einem herrlichen Frühlingsmorgen, der ganz so lind und sonnig war, wie der, an welchem Rodewaldt als Passagier der Jtalia" in den Hafen von Buenos Aires eingefahren war, gab Doktor Jos6 Vidal dem Zungen Paare bis zur Außenrhede das Geleit. Thränen glänzten in seinen Augen, als er den jungen deutschen Freund, den er wie einen Sohn lieben gelernt, zum letztenmal umarmte. Ich brauche euch kein neues Glück mehr zu wünschen. ihrLieben," sagte er. Möge euch der Himmel nur erhalten, was ihr jetzt mit euch hinübernehmt in die alte Heimath!" Das Zeichen mit der Schiffsglocke nöthigte ihn, auf den kleinen TransPortdampfer zurückzukehren; aber als er sich schon an Bord desselben befand, rief ihm Rodewaldt noch einmal zu: Bringen Sie auch dem guten Senor Cabildo meinen letzten Gruß! Und sagen Sie ihm, er möge sich auf dem Posten, den ich ihm gegeben, auch künftighin so wacker halten wie bisher." Dumpf dröhnend rollte der Donner eines Kanonenschusses über die weite Wasserfläche des silbernen Stromes dahin. Mit weithin vernehmlichem Kettengerassel stiegen die beiden Anker aus der Tiefe empor, ein leichtes Erzittern ging durch den gewaltigen Schiffsleib, und majestätisch glitt der Dampfer dem offenen Meere entgegen. (Ende.)

Doppelsinnig. Wie hat Ihnen meine Vorlesung gefallen, Herr Professor?" Haben Sie denn nicht gesehen, ich nickte Ihnen doch zu!" Unerbittlich. Ihr Alter, gnädiges Fräulein?" Zwanzig Jahre vorbei. Herr Präsident!" Ihr Alter genau?" Zwischen Zwanzig und Dreißig!" Aber bitte, sagen Sie uns gütigst, wann Sie Dreißig erreichen." Morgen, Herr Präsident!" Nichtverg essen. Fremder(ein altes Schloß besichtigend): Ich war vor mehreren Jahren einmal mit einer großen Gesellschaft hier; erinnern Sie sich meiner noch?" Kastellan (brummend): Na und ob Sie waren doch der einzige, der kein Trinkgeld gegeben hat!" Vorschlag. Symbolist: Ich denke, ich nenne mein Bild: Jagd nach dem Glück" .... was meinst Du?" Naturalist: Ich würde vorziehen Saujagd". S e i n e L i e b e. Liebst Du mich wirklich treu und wahr. Arthur?" Auf Ehre, liebes Weibchen! Verlange jeden Beweis bis zum Betrage von fünfzig Dollars." KomischeFrage. Schneider: Ich darf heute nicht ohne Geld heimkommen, mein Hausherr wartet schon wegen der Miethe auf mich." Schuldner: Muß die denn gerade mit meinem Gelde bezahlt werden?" ProbatesMittel. Denk' Dir nur, meine Frau sieht den' ganzen Tag in den Spiegel!" .Der Häßliche: Das hab' ich meiner bald abgewöhnt!" Wie so denn?" Der Häßliche: Ich habe mich immer neben sie gestellt!" Im Examen. Professor: Bei uns sind die Fremdwörter so eingewurzelt, daß wir sogar als Abschiedsgruß noch immer das französische Adieu" beibehalten haben. Können Sie mir als Ersatz einen echt deut, schen Gruß nennen, Müller?" Müller: Pros't!" GefährlicheKahnfahrt. Aeltliche Kokette: Nun, Herr Max, wollen Sie sich nicht auch morgen an der Kahnpartie, die ich mit meinen Schwestern unternehme, betheiligen?" Herr: Ja aber nur unter der Bedingung, daß Sie nicht m'ä Wasser fallen!".

ASr die Mche.

H a s e n s u p p e. Man nimmt das Geräusch (Herz, Leber. Nieren), dann Kopf, Hals undVorderläufe. wäscht es, zerhaut es ein wenig und bringt es mit Wasser, Salz, zwei Lorbeerblättern, einer großen, mit Gewürznelken besteckten Zwiebel, etwas Thymian und einigen zerquetschten Wachholderbeeren zum Feuer. Sobald das Fleisch weich ist, gießt man die Brühe durch ein Sieb und röstet mit einem guten Stück Butter und zwei Eßlöffeln voll Mehl eine hellbraune Einbrenn und verdünnt mit der kräftigen Brühe. Ueber ganz feine Scheibchen Weißbrot, die man auch rösten kann, richtet man die sehr wohlschmeckende Suppe an. Hammelkeule mit Senf. Eine mehrere Tage alte Keule wird gut abgehäutet und alles Fett herunter ge schnitten, dann stark geklopft. Nun, spickt man sie auf beiden Seiten, legt sie einige Tage in Essig. Zwiebeln und Lorbeer, verschiedene Küchengewürze.' sowie Wurzeln. JedenTag wendet man, das Fleisch um; vor dem Gebrauch nimmt man es einige Stunden aus der Beize, laßt es gut ablaufen und bestreicht es mit Senf. Sodann bratet man die Keule in Butter, giebt etwas von der Beize an die Sauce und macht letztere mit saurem Rahm fertig. Kartoffeln mit Aevfeln und Sch w e i n s r i p p e n. Ein dick ausgeschnittenes Rippenstück von einem jungen Schwein, beide Seiten zusammen, brate in einer flachen Pfanne, unter fleißigem Begießen mit gelbbrauner Butter und etwas kochendem Wasser saftig und schön braun. Lege das Fleisch auf eineSchüssel, nimm von der Brühe das Fett, lasse diese in der Pfanne, belege den Boden der Pfanne etwa $ Soff dick mit Scheiben von frischen, in der Schale gekochten Kartoffeln, streue Salz darauf, lege die Rippen mit den Knochen nach oben aus die Kartoffeln, fülle die hohle Knochenseite mit geschälten Aepfelvierteln, schwenke diese mit etwas Zucker und Wein leichr durch, decke die Pfanne fest zu und schiebe sie, bis die Aepfel weich sind, in den Ofen. Beim Anrichten auf einer langen Schüssel lasse die Aepfel so liegen und lege die Kartoffeln im Kranz um die Rippen. Leipziger Käsekuchen. Aus etwa 7 Unzen Butter, 2 Pfund Mehl, etwas Salz. 3 Unzen Zucker, 5 Eiern. 1 Quart Milch und 1 Unzen Hefe arbeitet man einen Teig und rollt ihn auf einem Kuchenblech dünn aus. Hiernach schiebt man ihn auf einen nur warmen Ofen und läßt ihn gehen. Inzwischen verrührt man frischen Quar! mit Salz. Zucker. Rosinen und einigen Eigelb, streicht sodann diese Masse fingerdick auf den Teig, macht einen Guß von saurem Rahm, Butter und Zucker darauf und läßt den Kuchen, der bekanntlich vorzüglich schmeckt, bei mäßiger Hitze fertig backen. Salatgemüse. Sechs bis acht feste Salatköpfchen schneidet man in Hälften, blanchirt sie in kochendem Wasser, legt sie mittels eines Schaumlöffels auf ein Sieb und drückt sie mit diesem zu möglichst festen Bällen zusammen. Nun nimmt man ein Stück frische Butter, einen Löffel süßen Rahm, ebensoviel Mehl, einen halben Theelöffel Fleischextrakt in eine Kasserolle, legt die Salatköpfchen nebeneinander geschichtet in die Sauce, läßt sie gar dämpfen, würzt mit Salz und Pfeffer und, wenn beliebt, mit etwas Citronensaft,, und richtet sie mit bei Sauce an. Enten-Ragout. Zuthaten: Zwei Enten, sechs Unzen Butter, U Unze Mehl, ein Pint kräftige Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extrakt, eine Zwiebel, mit drei Gewürznelken besteckt, sechs Gewürz- und Pfefferkörner, die Schale einer halben, der Saft einer ganzem Citrone, ein Glas Portwein oder Madeira, Salz nach Geschmack, eine kleine Prise Cayenne-Pfeffer. Zur Verwendung können ältere Enten kommen, die. in bekannter Weise vorbereitet, in einem Viertel Pfund Butter halbweich gebraten, dann in beliebic kleine Stücke zerlegt, mit der Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extrakt überfüllt, mit der Zwiebel. Salz. Gewürz. Pfefferkörnern, Citronenschale, vollständig weich gekocht werden. In einer anderen Kasserolle bräunt man indessen den Rest der Butter mit Mehl, verkocht die Schwitze mit dem durch ein Sieb gege, benen Bratenfond, setzt die Entenbrühe zu, würzt mit Citronensaft, Wein und einer ganz kleinen Messerspitze Cayenne, legt das Entenfleisch in die Sauce, läßt es in dieser kochend heiß werden und richtet das Ragout mit Fleurons umkränzt an. Es kann diese Schüssel auch von Resten gebratener Enten bereitet werden. Gedämpftes oder bayrisches Kraut. Das Kraut wird fein und länglich geschnitten, in kochendem Wasser gebrüht, damit es seinen herben Geschmack verliert, durchgeseiht und in heißem Schmalz mit feingeschnittener Zwiebel gedämpft rmd unter öfterem Umwenden mit Fleischbrühe aufgefüllt. Wenn beliebt, kann auch etwas Kümmel daran gegeben werden. Ist das Kraut weich, so staubt man etwas Mehl ein, giebt Salz und Essig dazu, röstet ein Stuckchen Zucker in ein wenig Schmalz braun und rührt dies, sowie etwas heißes Bratenfett hinein. Nach gutem Durchkochen des Krautes reicht man dasselbe zu Schweinebraten oder Bratwürstch:n aller Art. BeimProtzenüauer. Arzt: So. geben Sie von dieser Medicin Ihrem Manne stündlich einen halben Eßlöffel!" Bäuerin: O mei. Doctor, ich kann meinem Mann schon jede Stunde einen ganzen Eßlöffel geben; das macht uns nix. wir sind, Gott sei Dank, gut gestellt!-

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33 3. 2fcicl:ri. Fern tüat das Ziel, das du ertrachtet Im Leben. Auf dem Wege dem Ging dir zur Seite, kaum beachtet, Ein w'.mderholdes Mägdelein. Still hat am Kreuzwez deines Leö5 Die Maid zum Abschied sich gewandt. Wer mag es sein? Tu sinnst vergebens Und reichest flüchtig ihr die Hand. Nun ist sie rasch davongegangen. Du siehst ihr nach: Welch' liebes Ding! Zu spät, umsonst ruft dein Verlangen, Die Jugend war's, die von dir ging. Manövcrtag. Ccn Kurt Kamlah. Hoffnungsloser kalter Regen! Von den Apfelbäumen rinnen Bäche und rieseln wie kleine hurtige Schlangen in den grauen Schlamm der öden endlosen. Chaussee. Die munteren Gesänge in der Batterie sind verstummt, selbst der begeistere Sänger des Brommelbeercnliedes schweigt und drückt mißmuthig das Wasser aus den vollgesogenen Tuchaufschlägen. Pfeifen und Cigarren sind ausgegangen verdrossen blicken die Leute in den grauen Nebel. Die Pferde dampfen, ihre Hufschlüge senden Kothspritzer auf die blauen Nöcke, denir der Mantel ist vorschriftsmäßig gerollt. Dumpf dröhnen die Geschütze auf der Basaltschot, terung. dazwischen leises Klingen und Klirren der Ketten und deä Zaumzeugs. Schauderhafte Schweinerei!." lautet das Urtheil des. Batteriechefs,, der wie eine verregnete. Nebelkrähe auf seinem Halbblut hockt und vergeblich dem Schnurrbart die standesgemäß emporgebürstete Form zu geben versucht. So'n Sauwetter ! Batterie Tera-a-b!" Zögernd setzen sich die Pferde in die gewünschte Gangart, das Wasser quietscht in den hohen Stiefeln, der. Reiter beim Auf- und Niederwippen des Fußes im Bügel, und der Chausseeschlamm übersät die auf dem Geschütz kauernden Kanoniere mit grauen Klümpchen. Ein Muthizer.beginnt zu singen. Laß man. Dir regnet's doch nur das Maul voll!" knurrt ein Unterofficier und giebt seinem braunen Wallach verdrießlich die Sporen. Lieutenant Rübe, haben Sie noch einen Schnaps?" Zu Befehl, Herr Hauptmann!" Im Linksgalopp, denn das verdämmte Biest springt immer falsch an", naht der Jüngste im Regiment. Während des Herankommens versucht er den Kork von der Flasche zu ziehen quatsch, sie liegt im Schlamme, der tiefgelbe Inhalt mischt sich mit der zähen Masse. Ein Grinsen erhellt die Gesichter der Kanoniere des ersten Ge schützes. Donnerwetter, Rübe, Sie sind ein Engel von Geschicklichkeit! Fragen Sie mal den Sommerlieutenant, der hat immer noch was!" Der dicke Assessor hat sogar noch sehr viel, aber im Nu ist seine Flasche geleert. Noch ein paar Kilometer!" sagt der Hauptmann. Die drei reiten schweigend' nebeneinander und lassen sich den Regen an den Nasenspitzen herunterlaufen. Hinter ihnen ist es lebhafter geworden. Der Vorderreiter des ersten Geschützes hat einem Mädchen zugenickt, das verlegen lachend aus dem kleinen Fenster eines Bauernhauses hervorlugt.. Derbe Worte fallen: Strammes Mädchen!. Willste mit? Dunnerschlag, dort im Quartier!"' Der Kanonier auf der letzten Lafette wirft eine Kußhand. Dann wird es wieder still in der Batterie. Am Himmel wechseln dunkle, zerrissene Wolken mit gleichförmigem Grau, aber unablässig strömt der Regen., Kein Mann hat den bekannten trockenen. Faden am Leibe. Die Gesichter sind gelbgrau geworden. Die Führer haben sich durch den langen Trab einigermaßen warm gehalten, dieZügel glitschen.ihnen durch die Finger. Das Haar der Pferde gleicht dem Fell des eben dem Wasser entstiegenen Bibers, und das Geschirr, ist grünschmutzig. Da unten liegt das Nest!" ruft der Batteriechef. Der Sommerlieutenant, knurrt nur. Aus dem gleichmäßigen, Grau, ragen, röthliche Dächer unbe-.-stimmte Umrisse eines Kirchthurmes'. verschwimmen im Nebel. Nach einer kleineir Viertelstunde marschiren die,' Geschütze an der Dorfstraße unter großer Theilnahme der Jugend nebenein-. ander aus Kurze- Commandorufe.Rasseln der Geschirre, Trappeln der ungeduldigen Pferde. Heute Abend Grog und Skat: in meinem Quartier, meine Herren!." Und der Hauptmann folgt eiligst dem führendenBurschen. Traurig blickt der Assessor auf die verregnete neue Uniform: Kommen Sie, Rübe, auf den Schrecken erst einen Cognak!" . Ja, nun denken Sie mal erst im Kriege ' " Ach, Unsinn! Krieg giebt's überHaupt nicht mehr! Die Völker nehmen doch immer mehr Verstand an, lain men Sie nur rasch!" . Die Beiden verschwinden in der Dorfkneipe. Der Regen fällt gleichmaßig nieder und vertreibt die neugierige Jugend. Er wäscht d Koth von den blauen Rädern und bald stehen die Geschütze in einem Meinen See. Mür risch geht der Posten auf und nieder, er klappert mit den Zähnen und denkt an das Vauernmädchen am kleinen Fen ster: Dunnerschlag, dort im Quar tier!" Von einer blühenden Schönheit darf man keine reisen Grundsätze, erwarten.