Indiana Tribüne, Volume 23, Number 55, Indianapolis, Marion County, 12 November 1899 — Page 7
Kandschuy imb HaschenlUch. Von I. EebeschuZ. ' Handtuch und Taschentuch sind zwei unentbehrliche Requisiten des modernen Menschen. Allem Anschein nach sind die Handschuhe früheren Ursprungs, weil die Volker des Nordens ihrer zum Schutz gegen das rauhe Klima zur Winterszeit bedurften. Die erste schützende Hülle für die von der Kälte erstarrte Hand mag ein Stück Thierfell gewesen sein, das einfach um die Faust gebunden wurde. Dann bekam diese fackartige Hülle seitlich ein eigenes Futteral für den Daumen und'avancirte damit bereits auf die Stufe des FaustHandschuhs. Später entstanden neben diesem Futteral noch zwei andere für je zwei Finger. Sodann kamen die Fingerlinge hinzu, die bei Tafel be nutzt wurden, weil es keine Gabeln gab, die Speisen also unbedenklich mit den Fingern gefaßt und zum Munde geführt wurden. Von dem greisen Laeries erzählt Homer, daß er bei der Gartenarbeit dem ritzenden Dorne zur Abwehr" derbe Handschuhe anlegte. Den späteren Griechen und Römern waren die Fingerlinge nur bei Tisch bekannt, obwohl sie nach jedem Gange des Mahles sich von den bedienenden Sklaven das Waschbecken reichen und Wasser über die Hände gießen ließen. In Rord-Europa kommen dieHandschuhe in allerfrühester Zeit bei den Skandinaviern vor anfangs als Fausthandschuhe, dann als ausgebilbete Fingerhandschuhe mit reicher Verzierung. Das 13. Jahrhundert verwendet den festen Stulphandschuh für die Jagd: auf der fo geschützten Faust sitzt der Jagdfalke. Bereits die Karolinger bedienten sich aber schon auch bei feierlichen Aufzügen der Handschuhe, und weißliche Handschuhe", also ungefärbte, naturfarbene, trug auch der Dänenkönig Harald. Rothpurpurfarbene Seidenstoff - Handschuhe gehörten im 12. und 13. Jahrhundert zum Kronungsornat der deutschen Kaiser ; sie waren genäht, nicht gewirkt, und trugen Gold- und Perlenstickerei in zierlichem Laubgewinde. In England werden die Handschuhe zuerst im 11. Jahrhundert erwähnt; die Normannen trugen im 12. und 13. Jahrhundert Handschuhe, deren Säume reich gestickt waren, oft reichten diese Handschuhe bis an den Ellenbogen. Außer mit zierlichster Stickerei an den Säumen wurden die Handschuhe, besonders für Würdenträger, auf dem Handrücken mit Edelsteinen geschmückt. Die Prälaten sollen schon seit dem 7. Jahrhundert sich der Handschuhe bedient haben, sobald sie bei feierlichen Gelegenheiten in vollem Ornat erschienen. Im 10. Jahrhundert war verordnet, daß der bischöfliche Handschuh nur gewirkt kein sollte, im Gegensatz zu dem bisher aus Seide genähten Handschuh; seit jener Zeit waren auch überwiegend Fingerhandschuhe in Gebrauch. Mit Schluß des 13. JahrHunderts begann man nun auch für die Straßentoilette Handschuhe anzulegen. Meist waren es Stulphandschuhe aus Seidenstoff oder aus Leder, im Winter aus Pelz. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden die mit Perlen und Stickerei ausgestatteten Handschuhe von den jungen Männern der feinen Gesellschaftskreise am Gürtel getragen, während die Frauen sie über die Hand streiften. . Die Luxushandfchuhe des 16. Jahrhunderts waren zierlich gesteppt, bestickt und oft durchbrochen und farbig unterlegt, am Rande mit Knöpfen geschlossen. Im 16. Jahrhundert aber tauchen in Italien und bald auch in Deutschland die ersten Taschentüchlein auf, die aber keineswegs in der Tasche, sondern offensichtlich in derHand getragen wurden. Anfangs wurden diese italienischen Fazzoletti" auch in Deutschland mit ihrem heimathlichen Namen benannt; doch wurde das Fazilettlein" auch ebenso häufig mit dem kräftigeren Namen Schnüffeldecke" belegt. Man fertigte diese ersten Taschentücher aus guten Stoffen, auch aus Se?de an, verzierte sie mit Stickerei und Spitzenbesatz und behing sie an den vier Ecken mit Quästchen aus Gold und Silber, so daß man sie zu einem Prunktuch ausstattete. Zu den Geschenken, welche im 16. Jahrhundert die Braut dem Bräutigam darbringt, gehörte auch ein Nesedock" (niederdeutsche Bezeichnung für Nasentuch) von besonderer Schönheit und Kostbarkeit. Im 17., mehr noch im 18. Jahrhundert gehört das Taschentuch bereits zu den unerläßlichen Dingen. Der Handschuh des. 17. Jahrhunderts ist nicht mehr überwiegend weiß oder Naturfarben, sondern lohbraun, grünlich, violett. Der lange bis zum Ellenbogen reichende Aermelhandschuh wird reich gestickt; besonders schön ist der aus grünem Atlas oder aus hochrothem Sammet gefertigte Handschuh mit langem Fransenabschluß am Stulprande. Im 18. Jahrhundert wird für den kurzen, spitzenbesetzten Aermel des Frauenkostüms der lange Handschuh aus weißer oder schwarzer Taffetseide sehr beliebt. Der Seiden-silet-Handschuh kommt 1740 hinzu, ihm folgt der Tricothandschuh, der von der Schulter bis zu den Fingerspitzen reichte und nicht das geringste Fältchen werfen durfte. Häufig trug man auch Halbhandschuhe, die zwar den Arm ideckten, aber beim Fingeransatz abschlössen. Die Männerhandschuhe blieden, nachdem der Stulphandschuh aus der Mode gekommen, unverändert in der Form; sie schlössen am Handgelenk mit einem Knopf ab, während der Frauenhandschuh, je nach seiner Länge, eine Unzahl von Knöpfen besaß. 1850 ungefähr kommen die dänischen Handschuhe auf, dann treten die Glacehandschuhe hinzu. Heute sindLeder-, Stoff-, Awirn-, Spitzen- glor- und ZZel
Handschuhe, genahte, gewebte und ge strickte, kurze und lange Faust-, Finger- und Halbhandschuhe modern. Das Thränentüchlein" oder Taschentuch, das im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts in der Hand g:tragen wurde, .überreichte die Dame beim Tanz ihrem Partner zur AufbeWahrung. Dannbrachte es die Dame in der Tasche ihrer Dienerin unter. Das mag manche Verlegenheiten hervorgerufen haben daher richteten die Modistinnen ihr Augenmerk wieder auf die mittelalterlichen Taschen der Großmütter und führten diese aufs neue ein. . Die Zeitströmung zu Anfang des 19. Jahrhunderts war entschieden der Antike zugeneigt, daher wählte man auch einen antiken Namen als Bezeichnung für die neuerstandcnen Tafchen und Täschchen; man erinnerte sich, büß die Römer ihre Jagdtaschen Rcticule" nannten, und dies römische Wort machten sich die Kaufleute und d'e Damen zu dem französischen Ridicule" zurecht. So wurde denn die Tafche mit dem allgemein gebräuchlichen Ridicule bezeichnet. Man trug sin in der Hand oder an langen Schnüren am Gürtel befestigt. Diese Ridicules und Pompadours haben wir jetzt bereits wieder glücklich überwunden und haben dafür die praktische Kleidertasche erbal-ten.
Creuc gitbt. Ü?on Wilhelm Thal. I. Also, liebe Cousine, Du liebst mich Nicht?" Aber Cousin, warum diese ewige Frage; zweifelst Du denn an meiner Freundschaft?" Q, suche mir nicht auszuweichen, Cousine Charlotte; Du weißt recht wohl, daß ich nicht vonDeiner Freundfchaft spreche, sondern. . ." Nun gut, lieber Charles, sprechen wir ernsthaft. Ueberlege Dir doch die Sache einmal: Ist es wohl vernünftig, daß Du mich durchaus liebst? Ist das wohl vernünftig? Ich bin nicht hübsch " Oh! Und ich bin auch nur eine arme, kleine Bäuerin, ohne Erziehung und ohne Bildung. Wenn ich so verölendet wäre und einwilligte, Deine Frau zu werden, denke Dir"nur, welche alberne Figur ich Deinen Freunden gegenüber in Deinen Kreisen spielen würde. Du würdest Dich meiner bald schämen, vor allen Dingen aber würde Dir meine Unwissenheit, mein schlechter Geschmack Unannehmlichkeiten bereiten." Cousine Charlotte, es ist unmöglich, mit Dir ernsthast zu sprechen ; ich gebe ja zu, daß unsere beiderseitigen Stellungen verschieden sind. Dein Vater ist ein einfacher Ackerbürger, während der meinige etwas reicher und angesehener ist. Doch willst Du mir vielleicht sagen, was das beweist? Ist meine Mutter nicht die Schwester der Deinigen? Hat mein Vater, als ser sich mit ihr vcrheirathete. vielleicht auch so lange gezögert? Denkt er daran, sich über ihre Erziehung zu beklagen? Liebt er sie nicht? Warum sollte also ich zogern, wenn es sich um Dich handelt? Ich liebe Dich und werde stolz auf Dich sein, Charlotte." Wer weiß!" Charles machte eine ungeduldige Bewegung. Fangen wir nicht wieder zu streiten an; Du willst mich eben nicht verstehen." Nein, Vetter, Du willst mich nicht verstehen." Nun. machen wir ein Ende. Ich bitte Dich, gieb mir eine klare Antwort, weil. . ." Weil?" Weil ich endlich einmal wissen will, woran ich bin. Sieh mir fest in's Auge und sage, willst Du mich zum Manne, ja oder nein?" Aber. . ." Es giebt kein aln"; ja oder nein?Nun denn: Nein"!" Cousine, Du liebst einen Andern!" Charlotte erblaßte und antwortete nicht. - Charles schwieg. Charles", sagte die kleine Cousine nach einer Pause mit zitternder Stimme, Du wirst mich wohl jetzt hassen?" ' Hassen, oh nein, Cousine, ich werde Dich niemals hassen, was Du mir auch anthun mögest. Ich danke Dir sogar für Deine Offenheit; sie hat mir wehgethan, doch sie wird mich heilen. Bis jetzt hoffte ich noch immer. Du liebtest mich, doch Du liebst einen Anderen. Um so schlimmer für mich! Es ist nicht Deine Schuld und auch nicht die meine." Wir bleiben also gute Freunde?Gewiß, immer. Cousine Charlotte. Du wirst meine beste Freundin sein, da Du ja meine Frau nicht werden kannst; auch meine Führerin sollst Du werden: ich werde Nichts versuchen, ohne daß Du Deine Zustimmung dazu gegeben hast. Das soll meine Art sein. Dir meine Liebe zu beweisen, und zwar so ehrfurchtsvoll, daß Dein Gatte nicht eifersüchtig werden wird." Ich habe Dich auch sehr lieb." Hättest Du mich doch anders lieben können!" Schon wieder; nein, Charles, ich bin wirklich zu niedrig neben Dir. Deine Frau? Ich könnte ja Deine Magd sein! Nein. Du mußt ein junges, schönes Mädchen aus Deinen Gesellschaftskreisen haben." Fängst Du schon wieder an?" Fräulein Rigaud, zum Beispiel." Wenn Du so weiter fortfährst, werde ich sie schließlich noch heirathen." Wirklich, Du willst um ihre Hand snyailen' .
.Jetzt, ja; Fräulein Rigaud oder keine Andere!"
ste Ist bttx als eine Andere; Ich ' kenne sie und weiß, daß Du ihr qefällst. Wenn Du sie heirathest. wirst Du gewi& glücklich werden." Das heißt, meine Stellung würde dadurch gewinnen; wenigstens behauptet das mein Vater. Wie alle Welt, hat auch er diese Heirath' für mich im Auqe!" Das Glück hängt oft von der Stellung ab. Zuerst würde Dein Ehrgeiz befriedigt werden, und dann ist es doch kein Unglück, eine hübsche, vollkommene Frau zu besitzen. Doch gehen wir nach Hause, man wird sich über unseren Spazicrgang schon beunruhigen und sich Gedanken machen." Umso besser!" Beeilen wir uns, daß wir nach Hause kommen." Mit diesenWorten ergrisf sie Charles bei dem Arm und fuhr fort, ihm die Vorzüge des Fräulein Nigaud zu rühmen II. Der junge Mann war tief trauig. als er seine Liebe so zurückgestoßen sah. Die kleine Cousine wollte also nichts von ihm wissen! Und doch hatte er sie sehr lieb; sie war so hübsch, wenn sie es auch leugnete. Mit ihrem Bäuerin-nen-Costllm sah sie allerliebst aus und hatte in ihrem ganzen Wesen eine so angeborene Vornehmheit, daß die Dorfbewohner sie das Fräulein" nannten. Warum also weigerte sie sich, seinen Wünschen nachzukommen? Es war ganz sicher, sie liebte einen Anderen! Aber wen? Der alte Decaux, ihr Vater, verkehrte nur mit armen Bauern; sie sprach täglich nur mit Dienstboten und Ackerknechten sollte sich der Sieger unter diesen verbergen? Ein Einziger konnte dem jungen Mädchen Sympathie einflößen, das war Jean, der den Posten des Obergärtncrs einnahm. Dieser junge Mann besaß in der That treffliche Eigenschaften und sein Herr schätzte ihn hoch; ja er behandelte ihn sogar wie seinen eigenen Sohn. Unter solchen Betrachtungen , war man vor dem Hause angelangt, wo Charlotte Charles' Arm losließ, um ihrenVater zu umarmen, der vor der Thür stand. Man wartete nur noch auf die beiden jungen Leute, um zu speisen. Einige Freunde hatten sich zu Ehren des Herrn Charles versammelt, der mit der Absicht angekommen war, sich eine bis zwei Wochen auf dem Lande zu erholen. Unter ihnen befand sich auch die Obergärtner, der sich vor dem Cousin etwas genirt führte, denn er betrachtete ihn vielleicht als gefährlichen Rivalen. Indessen war Charlotte ganz beson ders liebenwürdig und freundlich ihm gegenüber, was den verschmähten Freier in feinem Argwohn bestätigte. Der arme Charles war darüber immer trauriger geworden, und plötzlich faßte ihn eine Art Widerwillen.' Er theilte seine Absicht mit. auf der Stelle nach Paris zurückreisen zu wollen. Wie!" rief der Onkel. Du bist erst gestern angekommen, wolltest eine Woehe, ja noch länger hier bleiben, und langweilst Dich jetzt schon?" Nein, lieber Onkel", versetzte er, ich langweile mich nicht und möchte gern so lange hier bleiben, wie ich es beabsichtigt hatte; doch ich bin der Sklave meiner Geschäfte und erinnere mich jetzt, daß ich einen Ingenieur sprechen muß, der morgen Paris verläßt; sobald ich meine Angelegenheit erledigt habe, komme ich zurück." Wirklich?" Auf Ehrenwort; ich lasse meinen Koffer hier." Ohne das geringste Mißtrauen begleitete ihn der Onkel Decaux zum Bahnhof und verließ ihn mit den Worten: Alfo auf morgen Abend!" Charles ließ seinen Koffer erst sechs Monate später holen. HI. Inzwischen hatte er Fräulein Rigaud geheirathet. Diese Vernunstheirath schuf ihm eine glänzende Stellung, denn sein Schwiegervater zog sich van den Geschäften zurück und übergab ihm eine bedeutende Fabrik. Die Arbeiten und eine hübsche Frau ließen Charles bald Charlotten vergessen, und cx hegte für sie nur noch eine echt brüderliche Freundschaft. Er drängte sie sogar, sich ebenfalls zu verheirathen, und die kleine Cousine wiverstand zuerst, indem ste meinte, sie Wäre noch zu jung. Schließlich aber gab sie dem Drängen ihrerVerwandten nach und reichte ihre Hand dem Obergärtner Jean. Am Tage der Hochzeit war die ganze Gegend auf den Beinen, und es fand ein prächtiges Mahl statt. Noch am selben Abend reiste das junge Paar nach Jean's Heimath, der Bourgogne ab; doch die Hochzeitsreise war nicht glücklich, und in Folge der Aufregung und der Nachtkälte traf Charlotte fröstelnd und fiebernd bei ihren Schwiegereltern ein. Diese legten in der Freude der ersten Begegnung, dem UnWohlsein keine große Bedeutung bei und dachten, eine Nuhe von zwei bis dui Tagen würde sie wieder herstellen. Unglücklicherweise wurde die junge Frau aber immer schwächer, und ein Arzt, den man befragte, rieth, sie nach ihrer Heimath zurückzubringen, was Jean denn auch nach kurzer Zeit that. Sie klagte über Schmerzen in der Brust und hustete viel; doch da ihre Laune noch gut blieb, so verzweifelte man nicht und hoffte, das Uebel mit guter Pflege zu besiegen. An guter Pflege fehlte es weder von Seiten des Mannes, noch von der der Eltern, trotzdem wurde der Zustand ux
Kranken immer schlimmer. Die arme Charlotte mußte das Bett hüten und der Husten schien jeden Tag zuzunehmen. Der Cousin Charles wurde von dem Zustande benachrichtigt. Er kam mit seiner Frau und ließ sich im Hause des Onkels nieder. Er brachte Aerzte aus Paris mit, doch nichts vermochte den Lauf der Krankheit aufzuhalten. Charlotte selbst fühlte, daß sie verloren war. Trotzdem gebrauchte sie ihre ganze Willenskraft, um heiter zu bleiben; sie zeigte sich lustig unter ihren Verwandten, die rotbgeweinte Augen hatten, und manchmal wußte sie sogar ihnen. Hoffnung einzuflößen. Ihr Gatte kümmerte sie weniger; sie bemerkte nicht einmal, daß der Unglückliche vor Angst verging. Jean schrieb sich nämlich die Schuld an der Krankheit zu. Er machte sich Vorwürfe, die Reise mit ihr angetreten zu haben und glaubte, daß sie jetzt durch seine Schuld stürbe. Eines Morgens athmete die ganze Gesellschaft auf; die Hoffnung verklärte das Haus, denn Charlotte war lächelnd und weniger blaß, als fönst, erwacht; sie hustete auch nicht mehr. Ihre Augen fanden den Glanz wieder und die Wangen die fchöne Farbe. Fast ohne Stützt ging sie durch das Zimmer. Die alten Eltern und ihr Schwiegerfohn dachten schon daran, dem Himmel zu danken; Charlotte war gerettet. Gegen Mittag erklärte sie, sie wäre ermüdet und legte sich zu Bett. Bald darauf verlangte sie Charles zu . sprechen; das war augenscheinlich eine Laune. , Niemand erhov einen Einwand und man ließ Charles mit seiner Cousine allein. Cousin", sprach si5. mit ganz schwacher Stimme, bist Du glücklich?" Weshalb fragst Du?" versetzte Charles überrascht. Ich möchte es wissen, oö Deine Frau Dich glücklich macht", entgegnete sie lächelnd. Nun denn, Cousine, ich bin glücklich, so glücklich ein Mensch eben sein kann." So habe ich es also recht gemacht" murmelte Charlotte. Was hast Du recht gemacht?" wiederholte Charles, ohne zu verstehen. Daß ich Dich zurückwies, als Du mich heirathen wolltest; Du weißt doch, ich habe Dich gezwungen, Dich mit Fräulein Rigaud zu vermählen." Ja, Cousine." Das freut mich und ich kann jetzt in Ruhe sterben." Cousine!" schrie arles us, was sagst Du? Sprich mchrt vom Tode, Du
böses Kind. Du hast mich glücklich ge-' macht, zetzt mußt auch Du glücklich werden." O. mein Glück hatte ich ganz auf Dich allein gesetzt; ich habe nichts mehr zu wünschen und will lieber sterben." Cousine. Cousine. Du verbirgst mir etwas. Du hast ein Geheimniß." Ja, aber ich werde es Dir nicht sagen." Selbst wenn ich darum bitte?" O. quäle mich nicht!" Plötzlich schien sie zu ersticken, ihr Gesicht färbte sich m einer leichten Nöthe, stärker drückte sie Charles' Hand. Nun gut", stammelte sie, so höre, höre." 'Er beugte sich zu ihrem Mund hernieder und sie murmelte mit geschlossn nen Augen: Cousin, willst Du mich umarmen? Deine Frau wird nichts davon ersahren." Oh. Charlotte." Er küßte ihre brennenden Lippen, sie zitterte am ganzen Körper, ein Schluchzen zerriß ihre Brust und sie rief: Mein Gott, ich liebte Dich, ich liebe Dich noch." Charles richtete sich betroffen auf. Sie liebte ihn, und weil sie sich unwüdig glaubte, ihn glücklich zu machen, hatte sie ihn einer Reicheren in die Arme gestoßen! O, Charlotte!" rief er. tiefschmerzlich bewegt, mit einem Ausdruck des Vorwurfs. Charlotte rührte sich nicht mehr. Er legte die Hand auf ihr Herz und nahm keinen Schlag wahr; er berührte ihre Lippen und spürte keinen Hauch: die kleine Cousine war todt! Stumme Anbetung. Von Freiherr von cblicht. Ich weiß nicht, mir ist so, als hatte ich' einmal irgendwo gelesen, daß die Zeit des Götzendienstes vorüber sei, Anbetungen wären nicht mehr Mode und Opfer würden nicht mehr gebracht. Wie gesagt, mir ist so, als hätte ich derartiges einmal irgendwo gelesen, aber ich kann mich auch irren. Wie dem ber auch sei, bei's Civil" mag der Satz seine Nichtigkeit haben, bei's Militär" ist er falsch, ganz falsch. In der kleinen Garnison findet am nächsten Morgen die Regimentsvorstellung statt. Se. Excellenz der commandirende Herr General hat es befohlen und dagegen ist leider nichts zu machai. Man muß sich darauf beschränken, Excellenz zum Teufel zu wünschen und das thut man redlich. Es ist ein Glück, daß die stillen Verwünschungen keine weiteren Folgen haben es ist wirklich' ein Glück. Manche aber sagen auch: es ist ein Jammer. Wer Recht hat, weiß ich nicht. Ich glaube doch auf das, was ich glaube, kommt es ja nicht an.' Die höchste Excellenz kommt: Alle, die s hören, haben nur 'oen einen Wunsch: O, 5ärc sie erst wieder fort!" ' .
Der Herr Oberst wünscht es sich am sehnlichsten, er weiß nicht, woran es liegt, ihm ist mit einem Male gar nicht so ganz extra. Seine Gattin rieth ihm, Camillenthee in größeren Quantitäten zu sich zu nehmen. Du weißt nicht. Otto, wie gut das thut," sagt sie, probir es nur 'mal!" Aber Otto will nicht. Der Oberstlieutenant weiß, daß er morgen den Auftrag bekommen wird, den markirten Feind zu führen. Der markirte Feind verläuft sich immer. Es gibt Leute, die allen Ernstes behaupten, selbst Moltke, der doch sonst nicht ganz unbefähigt war, würde das Kunststück nicht fertig gebracht haben, den markirten Feind dorthin zu führen, wohin er soll. Und der Oberstlieutenant ist kein Moltke; ach nein, leider nicht. Manche sagen, er hätte die Epauletts eines Stabsofficiers und die Kenntnisse eines Fähnrichs. Und Fähnriche haben bekanntlich keine Ähnung". Der Oberstlieutenant ' will Oberst werden das will Mancher. Bange Zweifel quälen ihn, ob es ihm gelingen wird, bei dem hohen Vorgesetzten seinen Willen durchzusetzen bei Untergebenen ist so etwas bedeutend leichter. Du solltest Camillenthee trinken, Ferdinand," räth ihm die Gattin. Aber Ferdinand will nicht. Die Herren Bataillonscommarrdeure hoffen dereinst Etatsmäßige" zu werden. Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden" lehrt ein altes Wort, aber beim Militär gilt dies Wort nicht, was sollte da wohl werden, wenn alle Hoffnungen sich erfüllten Diese Frage kann selbst kein Borgesetzte? beantworten und das will viel sagen, denn die hohen Herren wissen Alles. Bei der Regimentsvorstellung kann ein Hauptmann sich bis zur Bewußtlosigkeit blamiren. Das wissen die Herren,, sie haben Furcht vor dem kommenden Tag, sie sind aufgeregt und zittern. Mit einer braunen Kanne voll Camillenthee kommt die Gattin, ach die theure. Trink nur Fritz, es wird Dir gut thun, es beruhigt Dei Blut und Deine Nerven. Denke Dir nur, es wäre doch schrecklich, wenn Du Bezirksofficier würdest. Das darfst Du mir und den Kindern nicht anthun bis zumHauptmann erster Classe mußt Du es wenigstens bringen." Fritz ist verständig, er sieht das' ein, aber Camillenthee trinken will er auch nicht. Gekocht ist der schöne, theuere Thee aber nun einmal. Soll er in die Gosse wandern? Das bringt die sparsame Hausfrau nicht fertig sie trinkt ihn selbst. Guten Appetit. Die Einzigen, die sich durch das Erscheinen Sr. Excellenz nicht aus der Ruhe bringen lassen, sind die Herrn Lieutenants. Liegt das daran, daß keinem Lieutenant ein Commandirender, oder daran, daß keinem Commandirenden ein Lieutenant imponirt? Ich weiß es nicht. Excellenz kommt, dank der schlechten Eisenbahnverbindung, bereits am Abend vor der Besichtigung, und mit ihm kommen die anderen hohen Herren. Der Herr Tivisionscommandour, Excellenz, der Herr Brigade-Com-mandeur, nicht Excellenz, und dann die Adjutanten und Generalstabsofficiere, auch keine Excellenzen, .aber nach ihrer eigenen Meinung viel klüger und bedeutender, als Ercellenzen im Allgemeinen zu sein Pflegen und ihre Excellenzen es im Besonderen sind. Im ersten Hotel der Stadt sind Zimmer für die hohen Herren bestellt und der Speisesaal ist für die Herrschaften reservirt. Wer von den Offici:ren der Garnison das noch nicht weiß, erfährt es aus einer .Regimentsnotiz, die der Adjutant auf Veranlassung des Herrn Oberst verbrochen" hat, die durch eine Ordonnanz sämmtlichen berittenen Officieren zugestellt wird, und die da lautet: Se. Excellenz der commandirende Herr General sowie die übrigen hohen Vorgesetzten gedenken den heutigen Abend in ihrem Hotel zu verbringen. Auch ich werde dort sein. es wäre zu wünschen, daß möglichst viele Herren sich gegen acht Uhr im Hotel einfmden." Jeder, der diesen Befehl erhält, flucht wie ein Wilder, erklärt den Oberst für blödsinnig, daß er solchen Mist" loslassen könne, schwört zehn Eide, daß keine hundert Pferde ihn in das Hotel' bringen würden und zieht sich dann seinen besten Ueberrock an und geht doch hin. Der Oberstlieutenant als erster. Einmal, weil es der Oberstlieutenant ist, dann aber auch, weil er etwas in Erfahrung zu bringen hofft, wo morgen der Feind stehen foll er hätte dann Zeit, sich heute Nacht in Ruhe zu überlegen, wie er am besten nach dem ihm bezeichneten Fleck Erde hinkäme. Ob diese Ueberlegung einen practischen Nutzen haben würde, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Er verläuft sich doch. In dem 'Speisesaal des Hotels verssmmeln sich nach und nach sämmtliche Herren. Man sitzt an einer langen Tafel in der Mitte der Commandirende, zu seiner Rechten der Herr Didisionscommandeur. ihm gegenüber der Herr Oberst. Zur Rechten des Herrn Oberst der Herr Oberstlieutenant, zur Linken der älteste Herr Major zur Rechten und zur Linken reihen sich die anderen Herren, streng nach der Ancien-iiöt und der Rangliste. Se. Excellenz der Commandirende hat sich ein Glas Vier bestellt und sogar einen kleinen Kümmel. Geben Sie mir dasselb?," sagt der Herr Divisionscommandeur. Mir auch," befiehlt der Brigadecomman-deur.
Die anderen Herren bestellen sich dasselbe, aber nicht so laut' und selbstbewußt, es könnte einen schlechten Eindruck machen, wenn man dem Beispiele Se. Excellenz mit einem einfachen Mir auch!" folgte. Schlechte Eindrücke müssen heute Abend unter allen Umständen vermieden werden, die kommen morgen immer noch früh genug; wenn nicht zu früh. Neben dem jüngsten Major sitzt der älteste Hauptmann: für sein Leben gern würde er sich eine Flasche Rothwein bestellen oder wenigstens eine halbe, denn er ist mit seinem Magen thatsächlich nicht in Ordnung. Was meinen der Herr Major?" fragt er seinen Nachbarn, kann ich mir wohl Wein kommen lassen?" Ich würde es an Ihrer Stelle nicht thun," lautet die Antwort, es könnte unangenehm auffallen; auf jeden Fall würde Excellenz sich wundern." Nichts ist schlimmer, als wenn die Vorgesetzten sich über die Untergebenen wundern das weiß der Hauptmann, so bestellt er sich ebenfalls ein Glas Bier. Excellenz zündet fich eine Cigarre an und die andern Herren folgen seinem Beispiel. Wie auf Commando erscheinen die verschiedenen Cigarrentaschen und wie auf Commando werden ungefähr zwanzig Streichhölzer angezündet wenigstens zehn werden Sr. Excellenz offerirt. . . Excellenz nimmt dankend das brennende Hölzchen des Herrn Divisionscommandeurs. Dieser strahlt vor Glückseligkeit: wer kann es wissen, vielleicht wird er doch noch einmal commandirender General? Eigentlich ist er für diese Charge schon zu alt, aber uneigentlich Weiter kommt er nicht mit seinen Gedanken, denn die höchste Excellenz trinkt den Herrn erst seinen Kümmel und dann seine Blume vor. Und die Anderen kommen ihm nach. Die Cigarre brennt, die Blume ist getrunken die Anbetung beginnt. 'Se. Excellenz der commandirende General fängt an zu erzählen, selbstverständlich vom letzten Feldzug. Wie oft dieser letzte Feldzug. trotz seiner herrlichen Folgen, schon verflucht worden ist, das weiß nur Derjenige, der zu wiederholten Malen Gelegenheit hatte, einer Anbetung beizuwohnen. Excellenz erzählt, weder geistreich, noch amüsant, noch fließend aber er erzählt. Aufmerksam lauschen Alle. Der Herr Divisionscommandeur an der Spitze. Wie das bei der hohen Charge, die er bekleidet, selbstverständlich ist, hat er für das, was erzählt wird, nicht nur das größte Interesse, sondern vor allen Dingen auch das größte Verständniß. Mit chargenweise abnehmendem Interesse und Verständniß lauschen die Andern. Sehr interessant," denkt der DiVisionscommandeur. Wenn er doch endlich einmal den Mund halten wollte, damit man wenigstens einmal wieder trinken kann," denkt der jüngste Hauptmann. Alle sitzen und lauschen auf das, was Excellenz erzählt der Commandirende ist der Einzige, der an der großen Tafel spricht. Die Anderen sind stumm sie bedauern lebhaft, nicht taubstumm zu sein. Der jüngste Hauptmann hat einen mächtigen Durst, es zuckt ihm in den Fingern, das Glas zu erheben und an seine Lippen zu führen aber er wagt es nicht. Excellenz könnte es bemerken und sich mit Recht darüber wundern, daß Jemand für leibliche Genüsse Interesse hat, während er, der Commandirende, so geistreich und vor allen Dingen so belehrend erzählt. Wenn Excellenz trotz des vielen Sprechens nicht durstig ist, darf er erst recht nicht durstig sein. Er schiebt sein Glas weit von sich, am liebsten würde er es ganz hinausbringen und es dann, nachdem er es leer getrunken, ganz fortseien. Der Gedanke ist gar nicht so dumm und während Excellenz über die Einschließung der Festung Metz buchtet, denkt der Hauptmann darüber nach, wie er sich und sein Glas Bier mit Anstand zur Thür hinausbringt. Er könnte ja auch sein Bier stehen lassen und sich draußen ein neues Glas geben lassen. Der Gedanke ist sogar in Anbetracht des um ihn herum Herrschenden Stumpfsinns sehr geistreich. Er denkt über die Ausführung nach man muß ihm anmerken, daß er mit seinen Gedanken weit, weit weg ist, denn plötzlich trifft ihn ein tadelnder Blick des Herrn Oöerst. der da zu sagen scheint: Bete an. Der Hauptmann fällt vor Schreck beinahe vom Stuhl. Das durfte nicht kommen, das nicht. Er weiß, w:nn er oder seine Compagnie morgen auch nur den geringsten Bummel macht. Wird dies dem Herrn Oberst die bekannte militärische erwünschte" Geleg?nheit geben, ihm maßlos grob zu werden. Der, Anpfiff kommt so sicher, wie der Segen in der Kirche," denkt der Hauptmann, aber wenn man mir nun doch einmal grob wird, ' will ich auch wenigstens ger.au wissen wofür, dann will ich wcniostens etwas dafür haben." Er ergreift sein Bierglas und führt es au die Lippen, er stößt seinen Nachbar mit dem Ellenbogen und sagt Prosit! Alle hören dies Wort All: sind starr. Der Hauptmann selbst bekommt darüber, daß ihm das Wort so laut entfahren ist, einen solchen Schreck, daß er mit dem Glas an den Lippen unbeweglich, wie eine Wachsfigur dasint. i
''Nun gibt's ein Unglück." denkt der Häuptling. Die Anbetung ist jäh unterbrochen der Hauptmann kommt stch vor wieein Mensch, der durch sein Benehmen.. den Gottesdienst gestört hat. Die Predigt ist unterbrochen Excellenz schweigt. Mitten im Satz hat er innegehalten und sieht den Sünder drohend, nsier an. Der sitzt immer noch unbeweglich,, nun aber löst sich der Bann. Vor Entsehen über den Blick Sr. Excellenz läßt der Hauptmann den rechten Arm. sinken. Mit dem Arm sinkt das Seidel, tieftr. immer tiefer nun sind Beide auf dem Tisch angelangt. Und der Hauptmann hat nicht einmal getrunken! In den Augen Sr. Excellenz blitzt es freudig auf: er hat den Rebellischen zur Raison gebracht. Strafe aber muß der Sünder ha--ben; so wendet sich Se. Excellenz denn an den Herrn Regimentscommandeur und sagt die kurzen, aber inhaltsreichen Worte: Nicht wahr. HerrOberst?" Der ergänzt den Satz in Gedanken dahin: Nicht wahr. Herr Oberst. Siesprechen morgen einen Ton mit dem Herrn Hauptmann?" Selbstverständlich. Excellenz, selbst--vcändlick'." beeilt er sich u erwidern.. Armer Hauptmann, Dir wäre des--scr. Du wärest nie geboren. Einen Augenblick herrscht noch einetiefe Stille: man bemüht sich, sich wieder zu fassen, die Gedanken wieder zu sammeln und auf Se. Excellenz zu richten. Aber nicht nur die Gedanken,, auch die Blicke der kleinen Gemeindeaehen zu Excellenz und scheinen da zusagen: Wende Dich nicht von uns, strafe uns nicht um des einen Sun--ders willen." Excellenz läßt sich erweichen er: beainnt von Neuem zu erzählen. Die Anbetung nimmt ihren Fort--gana und sie dauert, so lange das Wissen Sr. Ercellnz reicht. Das Wissen einer Excellenz aber ist. grenzenlos. Pflichten.
Von A. v. Tiemar. DäuchtDir's anfangs Luch recht schwer,. Sind Dir Pflichten viel gegeben. Bald erkennst Du's immer, mehr.. Wie sie Werth veröeih'n dem Leben.. Nicht umsonst hast Du gelebt. Sagt Dir jeder Tag auf's neue, Bist Du fleißig nur bestrebt, Zu erfüllen sie mit Treue. Und, wie schnell die Zeit auch flieht,. Ausgefüllt sind Deine Stunden; Fühlst der Menschheit nützlichGlied Mit dem Ganzen Dich verbunden; Und das Glückgefühl wird Dein, Nach erfüllter Pflicht zu wissen, ' Du wirst unvergessen sein. Jemand wird Dich hier vermissen!' Trt4 sahst -TVit ATT.tr Tt ist . UVAjf tbVl U UUllll CI IIU( - Fern von zeoem Psllazlenlrelje, Sinterläkt Du keine Svur Einst auf Deiner Lebensreife. -ujifc un v.u, un ins jL'iiii .. Lautlos fällt und still entschwindet.. Ist der Mensch, der nimmermehr Seinen Pflichtenkreis hier findet! i - Ein Hoyenzoller gegen den Bart.. Während die Regenten aus dem Hohenzollernstamm fast durchweg im Schmucke schöner nd stattlicher Bärte prangen, war Sigismund, der zweite.' oh Joachims II., ein direkter Gegner dieser höchsten Zierde des Mannes". Der junge Prinz, der sich dem. geistlichen Stande gewidmet hatte und 1552 Erzbischof von Magdeburg ge--worden war, weihte sein ganzes Lebem dem Feldzug gegen den Bart. Als er1564 bei den Grafen von MansfeldzurTafel war, wußte er diese so dringlich zu bearbeiten, daß sie sofort nach' Aufhebung der Tafel den ' Barbierkommen und sich und allem Hofgesinde die Bärte abscheeren ließen. Dieselbe Wirkung erzielte der Erzbischof bei den Herzögen Heinrich und Julius von Braunschweig und endlich, als er wieder nach Magdeburg kam, bei feinen: Domherren und all feinem Hofgesinde So sehr die Herrschaften auch murrten,, die Losung hieß: Bart ab!" Am. Ostermittwoch desselben Jahres weilte Sigismund in Halle. Sein Erstes war. die Rathsherren auf das Schloß zu bitten und zum Ablegen der Bärte zu bewegen. Thatsächlich ließen sich denn auch der Bürgermeister, die. Schoppen und Salzgrafen scheeren. Der bartfeindllche Hohenzoller hätte nv der Rococozeit leben sollen, welche bekanntlich (außer dem Schnurrbart bei Grenadieren und Husaren) keine Bärteduldeie Die hohe Pforte. Diese Bezeichnung der osmanischen Regierung ist eine so verbreitete, dafe es sich verlohnt, auf den Ursprung diefes Ausdruckes zurückzukommen: Als Al-Mostassem. der Letzte der Khilifen aus der Rasse der Abbassidcn, seinen Palast verließ, mußte er ein: höh: Pforte durchschreiten, auf d:mt Schwelle er ein Stück des schwarzen Steines aus der Morschee zu Metta hatte einfügen lassen. Die Pfcrte selbst überdeckte ein Vcröina vcn s5-'?nr suk crAfef. s. trnSammet, der b'5 r C:de H-C vor dem die Crcßcn dc3 Hcfj, enso , . . c r wie vor o:m ':e.n. :o:v. aj ic Ehrerbietung bezeigen mußten, wdem sie sie mit Küssen bedeckten. Diese Pforte, der Gegenstand der allgemeinen Verehrung, wurde die Pforte des Khalisen" genannt. Nachdem die Sultane 1517 dem Dasein der Schattenkhalisen ein Ende gemacht, wurde der Ausdruck Die hohe Pforte" beibehal--ten. um den Hof des Fürsten zu bezeichnen. . . . . -
