Indiana Tribüne, Volume 23, Number 55, Indianapolis, Marion County, 12 November 1899 — Page 6
Aamiricttlcöcn. .L'auöratcr und 3i:niutter, Schlirßt Cure Itntr am au3: Sciis: uaiirctt (ruer Friede U:iD Euer G.üc! hinaus ' Nicht von der Größe seines Gebiete? 'hängt die B-Deutung und Macht eines Äo!i5s ab, soncern von seiner sittlichen, geistigen und körperlichen Tüchtigkeit. iDh Einzelwesen aber, welche ein Volk darstellen, gehen aus der Familie, der HäuZlichkeit hervor. Was ein Volk erhält oder zu Grunde richtet, was die Wett beherrscht an Wahrheit und Irrthum in der Familie hat es seine Wurzel. Die Familie hat ihre Bedeutung für das öffentliche und auch für das Leben des einzelnen, sie ist gleichsam die Werft, auf welcher das Lebensschiff des einzelnen gezimmert wird: ein solides, festes Fahrzeug, das jedem Sturme zu trotzen vermag, oder ein leichtes Spielwert für Wind und Wellen. Tie Familie stärkt und ermuthigt zur Arbeit in der Welt und bietet zugleich eine Schutzwehr gegen geistige und körperliche Überlastung im Beruf. Sie ist aber auch die heiligste Verbindung der Menschen, ein Heiligthum selbst, und an ihrer Veredelung zu arbeiten ist vielleicht das wichtigste Neformationswerk der Gegenwart? Hüterin des Familienlebens, die 'Priesterin im Heiligthum des Hauses crber ist die Frau. Und sie darf sich dieser Mission um so freudiger unterziehen, als es zu ihrer Erfüllung weder der Jugend noch der Schönheit, weder besonderer Gelehrsamkeit noch eines stolzen Besitzes bedarf; nur redlicher Mille und Pflichtbewußtsein müssen 'vorhanden sein. Leider giebt es aber Diele Hausfrauen übrigens auch andere Menschenkinder welche daheim lediglich erwarten, glücklich gemacht" zu werden, ohne daß sie sich je darüber klar werden, daß das Glück'lichmachen gerade ihre Sache zunächst ist, daß der Geist des Hauses von der Frau ausgeht. Ob eine Frau in ihrem häuslichen Thun Anerkennung findet oder nicht, an ihren Pflichten als Gatiin und Mutter ändert das nichts; thut sie das ihre nur um der Anerkennung i willen, nicht weil es ihr innerste Her.zenssache, thut sie es wohl gar in schweigsamer Verdrossenheit, so darf sie sich nicht wundern, wenn sie keine 'Befriedigung, kein Genügen findet, wenn das Familienleben verödet. Bcdarf es wirklich der Auseinander'setzung, was die Frau dem Hause, der 'Familie sein kann und soll? Eine ' willensschwache Träumerin, eine Dilettantin im Haushalt, eine Frau, welche nur sich und ihren Interessen lebt, kann das Glück der Ihren nicht sein! Wo Ober feste Hausordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit, 'Sparsamkeit und Umsicht nicht ab und zu einmal, sondern stets, damit allezeit ein Verlaß darauf sei neben fürsorzender Liebe. Geistesruhe und Heiterkeit ihr Werk und Wesen beherrschen, da webt sie jenen Zauber, der so unsagbar wohlthuend die Familie wie den Fremdling umfängt, und dem sich keiner entziehen kann und mag, der darinnen lebt. Aus solchen Häusern werden alsdann auch -charactervclle, pflichttreue Kinder, Frauen und Männer hervorgehen, die der Stolz der Ihren, die Stütze de'Volkes werden, und die Familien, die sie dereinst bilden, werden glückliche und gesegnete sein, ob reich oder arm an Gütern. Bei der Erziehung der Kinder wird 'dem Gedanken an dieses spätere Familienleben aber viel zu wenig Rechnung getragen, sonst müßte es anders um das häusliche Leben stehen. Bei den '.Töchtern zumal sorgt man sich 'oft viel und schwer um die dereinstige äußere 'Ausstattung; hinsicbtlich der inneren 'Ausstattung, des Eharacters, der Aus'bildung der Fähigkeiten macht man sich viel weniger oder gar keine Scrupel. 'Man belächelt Fehler, statt sie zu beKämpfen. Wie könnte es so ganz anders in vielen Familien aussehen! Wenn alle die Talente, die Bemühungen, Fremden zu gefallen, der Aufwand an Kosten. Zeit, Nachdenken,' Liebenswürdigkeit der heranwachsenden Jugend dazu angeTvandt würden, das eigene Familienleben zu verschönern, daheim Freude und Frohsinn zu verbreiten, es stände um die Häuslichkeiten besser. Mag darum heute die Mahnung -nicht ungehört verhallen: belebt, erhalriet, stärkt das Familienleben! Sorgt dafür, so viel ein jeder an seinemTheile vermag, daß dirH'äuslichkeit inmitten des brandenden Lebens Euch, den Euren und dem Volke zum Wohle eine freundliche Insel bleibe voll Sonnenschein der Liebe und Blumen stiller Freuden. Wieviel des stillen Glückes, des Seyens ist in die Hand der Frau gegeben! Daß doch diese Erkenntniß sich mehr Bahn bräche! Daß eine und die andere, 'sich darauf besinnend, spräche: Ich Ivill die lauten Freuden nicht; mein stilles Haus ist meine Welt. VomStern der treu erfüllten Pflicht sei einzig nur mein Herz erhellt.- Ja Frauenmacht, wenn Du Dich recht verständest wir wären besser, heiliger' wär' das Haus!Darum richt da draußen lebe, glänze, nicht draußen suche Erfolge . Im trauten Heim, im Lieb' umwobenen Haus Streu, deutsche Frau, des Friedens Gaben aus!" Aha! A.: Wie, Sie lassen sich nicht von Ihrem Manne behandeln?" Doktorsgattin: Nein, der kennt mich zu gut!" Größter Hunger. Sie waren auf dem weiten Marsche wohl recht hungrig?- Wie ein Kannibale, der vor Hunger seine Schwiegermutter Ikißt."
Der Acrg Atyos. Am südöstlichen Rande Europas und doch unendlich fern von europäischem Wesen und Treiben liegt, der Heilige Berg Athos die große Büßund Glaubensanstalt anatolischen Ehnstenthums. Die Halbinsel gleichen Namens, nur durch eine schmale Landzunge mit dem Eontinent verbunden. auf drei Seiten vom Meer umrauscht, nach Norden zu durch ein schroffes, schwer zugängliches, quer über die Halbinsel streichendes NadelHolzgebirge abgeschlossen, ist die Heimstätte einer wundersamen Mönchsrepublik. Die orthodoxen Landeskirchen der Griechen, Russen, Serben, Bulgaren, Rumänen haben dort, zum Theil seit einem Jahrtausend, große Klöster, die Zufluchtsstätten derer, die der Welt" müde geworden sind und in der Einsamkeit einer entzückenden Natur den Frieden mit Gott und mit sich selbst suchen. Einundzwanzig, theilweise sehr bedeutende Klöster, dazu noch elf große Einsiedeleien (Skitia) und zahllose Klausnerzellen (Kellia) sind über den ganzen Heiligen Berg zerstreut. Kein Frauenfuß betritt je
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Kloster Agios Pavlos. dieses Land; selbst weibliche Hausthiere sind ausgeschlossen. In tiefer, friedevoller Waldeinsamkeit, in die das Rauschen der ewigen Brandung Yeremklingt, leben die Mönche ihr entsagungreiches, zwischen Gottesdienst und körperliche Thätigkeit getheiltes Leben, dessen hauptsächlichste Bedürfnisse (Gemüse. Früchte. Wein) sie meist selbst in harter Arbeit dem Felsenboden des Athos abringen. Die Männer, die mit den Freuden auch die Schmerzen der Welt vergessen wollten, haben fürwahr kein günstigeres Stück Erde aussuchen können als den Heiligen Berg. Etwa eine halbe englische Meile breit und gegen 2000 Fuß hoch, zieht sich der sattelförmige Bergrücken der Halbinsel von Nord nach Süd hin gleichmäßig abgedacht, nach Süden zu immer schroffer und steiler werdend. An der äußersten Spitze ragt, scheinbar unersteiglich, ohne jeden Uebergang, nach drei Seiten rund und massig in's Meer fallend, der gewaltige Felskegel des eigentlichen Berges Athos bis zur Höhe von übe? 6000 Fuß empor. . Auf seinem Gipfel KlosterDochiario. sieht einsam das kleine Kirchlein Mariä Himmelfahrt. Die ganze Halbinsel ist ein gewaltiger, immergrüner Wald von Kastanien und Nußbäumen, ' Buchen, Steineichen, Platanen und Limonen, Oliven und Feigen. Weinranken und Weißdorn. Die Geschichte der Athosklöster beginnt etwa 970 n. Ehr. Freilich war schon Jahrhunderte vorher der Heilige Berg, durch seine einzigartige Lage gleichsam dazu bestimmt, der Zujluchtsort zahlreicher Einsiedler und Asceten gewesen; aber zur Bildung festorganisirter Gemeinschaften und Klöster war es vor 970 nicht gekommen. Die große Slawennoth, die vom 6. bis 8. Jahrhundert das byzantinische Reich bedrohte, die beständigen Plünderungszllge der arabischen Seeräuber, die von Kreta'aus die Küsten der Balkaninsel unablässig gefährdeten, hatten die Einrichtung geordneter Klosteranlagen unmöglich gemacht. Erst nachdem der oströmische Kaiser Nikephoros II. Phokas (959 bis 969). der Sarazenenbesieger". die Araber in Kreta ausgerottet und das griechische Meer wieder frei gemacht hatte, zog V'-' LRj Ja 2;!1 ßjiÄ M5GM J5l i HP) mmmm. rZ?S&Ügi& KlosterJwiro. der Mönch Athanasios von Konstant!nopel mit einer kleinen Schaar von Genossen nach dem Athos und gründete dort am Fluß des Athoskegels, auf der Ostküste der Halbinsel, das erste, noch heute bestehende Kloster St. Lavra. Um 1385 waren die 21 heute noch bestehenden Klöster gegründet, als das letzte das trapezuntisch: Dionysiu. Die meisten sind von der Heimath aus reich mit Geld und Landbesitz ausgestattet. Ein schweres Unwetter brauste über die Athosgemeinde hin, als im 14. und 13. Jahrhundert lateinische Abenteurer, die berüchtigten Eondottiert, die Inseln und Küsten des griechischen Meeres plünderten und unsägliches Elend über die Bevölkerung brachten. Der sogen. Katalanischen Abenteurercolonie", die 1303 bis 1309 auf der dem Athos bej nachbartenHalbinsel Kassandra hauste, ist höchstwahrscheinlich auch die histo-
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lisch bezeugte Verwüstung der AthoSklöfter Zographu, Teropotamu, Kutlumusi, Dochiario u. a. zuzuschreiben. Die Türken haben der Mönchsrepublil für freie Entwickelung Raum gegeben und ihr volle Schonung angedeihm lassen. Nur einmal, etwa ein Jahrhundert nach der Eroberung von Konstantinopel, griffen ' sie in einem An-
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KlosterEsphigmenu. fall von Fanatismus nach dem Kirchengut des Mönchsstaates und der" brannten dabei einige der nördlicheren Klöster auf dem Heiligen Berg. Doch schnell war dieser Schlag verwunden. Waren auch die früheren Schirmherren der Klöster, die orthodoxen Kaiser von Konstantinopel und Trapezunt, durch die Türkenwelle hinweggespült: die orthodoxen Slawenfürsten wetteiferten darin, ihre Frömmigkeit durch reiche Schenkungen an die Athosklöster zu beweisen, und namentlich den Bojaren der Moldau und der Walachei verdanken die Klöster ihren erneuten Glanz und großen Besitz. Allerdings hat vor einem Jahrzehnt das junge Königreich Rumänien die innerhalb seiner Grenzen gelegenen Güter der Athosklöster säcularisirt, wodurch vornehmlich Lavra und Jwiro einen Theil ihrer Besitztümer eingebüßt haben. Doch ist das Einkommen der meisten Klöster immer noch sehr beträchtlich; so bezieht das reiche Batopädi aus seinem im Kaukasus gelegenen Grundbesitz eine Jahresrente von etwa 200.000 Frs. Der Berg Athos, nominell zur Türkei gehörig, ist bis auf ein an die Pforte zu zahlendes Jahrgeld völlig unabhängig; die Mönchsrepublik verwaltet sich selbst. Etwa in der Mitte der Halbinsel liegt das kleine Karyäs, das einzige Städtchen des Landes. Hier residirt die Heilige Synode, die oberste Regierungsbehörde des Athos. Sie setzt sich zusammen aus je einem Vertreter der zwanzig alten Klöster, die auf Jahresdauer in ihren Eonven ten gewählt werden, und vier Vorsichern, die der Reihe nach aus den verschiedenen Klöstern genommen werden. Neben diesem Rath der Vierundzwanzig" hat auch die Pforte in Karyäs einen Kaimakam (Landrath) dessen Hauptausgabe darin besteht, sich nach Kräften zu langweilen. Selbst die Freuden der Ehe muß der Türke entbehren, denn das Mitbringen seines Harems ist ihm untersagt, da kein weibliches Wesen den Bezirk des Heiligen Berges betreten darf. Das gegen die Frauen gerichtete Verbot wird übrigens streng beobachtet. Mit Genehmigung derPforte hält der Mönchsstaat eine Truppe von 50 Gardisten (christlichen Albanesen), die über die ganze Halbinsel vertheilt sind, und deren Hauptaufgabe es ist, auf die strikte Durchführung jenes Verbots zu l k A & MÄZ, gMCkm" 9 1 M rJ Kloster Panteleinion. achten. Und das ist nicht schwer, denn die Felswände fallen so steil in's Meer hinab, daß der Plätze wenige sind, wo ein Boot landen kann, ohne Gefahr zu laufen, von der See an den Felsen zerschmettert zu werden. Ueber jedem dieser kleinen Landungsplätze erhebt sich ein Kloster, und die ein- ujtd ausgehenden Fremden, allermeist Pilger, werden scharf überwacht. So bietet Karyäs das wundersame, auf der ganz:n Welt wohl einzigartige Bild eines Städtchens ohne Frau, ohne Kind. Mönche halten dort in den Läden die einfachen Erzeugnisse ihrer Arbeit und Gegenstände der Pilgerandacht feil. Mönche treiben dort die allernöthigsten Handwerke. wie Schuhmacherei, .Schneiderei, Schmiedearbeit. Einige 'wenige Wcltleute" müssen daneben als nothwendiges Uebel geduldet werden, um den Handelsverkehr mit der Außenwelt zu vermitteln. Aber nirgends lautes, geräuschvolles Treiben, keine Hast, keine Leidenschaft, kein Zank, ja kaum ein lautes Wort vernimmt man in den drei Gäßchen dieser Stadt; still licgt.alles, friedlich in eine immergrüne Schlucht eingebettet, von unversieglichen Bächen durchströmt, und von fern schimmert das blauglänzende Meer herüber. Zahlreiche Kirchenkuppeln überragen die zerstreuten, von Grün umbuschten Häuser, denn jedes Kloster hat hier seine eigene Kapelle, und außerdem gibt es noch eine Anzahl anderer Kirchen, darunter das älteste Bauwerk der Halbinsel, die Hauptkirche von Karyäs. . Das Einzige, was die unendliche Stille zu zeiten unterbricht, ist, abgesehen von dem Schlagen zahlloser Nachtigallen, die feierliche Stimme der Kirchenglocken, die bei Tag und bei Nacht die frommen Väter zum Gottesdienst rufen. Der Fleißige ist nie um eine Arbeit, der Faule nie um eine Ausrede verlegen. Gemüthlich. Gast: Sagen Sie mal. das Fleisch fängt schon an zu riechm!" Wirth: Na, da essen Sie 's doch schnell!"
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VieKawcrSpinttstuöc". Der ruhe- und luftbedürftige Großstädter. der sich im Sommer eine Zeitlang dem Hasten und Treiben des täglichcn Lebens entziehen will, hat vor allem das Verlangen, Eindrücke frischer und reiner Natur in sich aufzunehmen. Mag er deshalb am Strand oder im Gebirge Erholung suchen, immer wird das Land, die Umgebung, die größte Anziehungskraft auf ihn ausüben, während er kaum Zeit darauf verwendet, den Leuten und ihren Gewohnheiten etwas liebevolle Theilnähme zu widmen. Freilich tritt von der Eigenart, den Sitten und Bräuchen des Volkes nur noch an einigen günstigen Gegenden etwas zu Tage. Die Cultur in jeglicher Gestalt nimmt auch vom entferntesten Winkel Besitz und schleift unbarmherzig alles Besondere in.Sitte und Tracht ab. Die Freunde und Liebhaber alter Volksbräuche haben das lange mit großem
DerSchwarze. Schmerz erkan; seit Jahren sucht man der alles gleichmachenden Mode hierin Einhalt zu thun und unterstützt auf's eifrigste, was auf Erhaltung des Charakteristischen abzielt. Wie man anderswo durch Trachtenfeste und Aufführungen das Interesse daran zu beleben sucht, ist bekannt; hier soll auf ein Unternehmen der Art hingewiesen werden, das schon seit Jahren besteht und vom schönsten Erfolg von Anfang an begleitet worden ist. Angeregt durch denHauptmann Cogho in Warmbrunn in Schlesien unternahm es ein Comite heimathskundiger Männer aus Hain im Jahre 1893, eine Bauernaufführung zu veranstalten; in anspruchslosem Rahmen suchte man ein lebensfrisches, getreues Bild vergangener Zeit zu geben. Das Stück Die Hainer Spinnstube" wird seitdem zur Som-mer-wie Wintersaison an verschiedenen Orten des Riesengebirges durch Einwohner des freundlichen Gebirgsdorfes Hain gegeben; in diesem Jahre erlebte es die 40. Aufführung. Es ist kein Theaterstück im gewöhnlichen Sinne, eine eigentliche Handlung fehlt, auch steht der Text nicht unverbrüchlich fest, wird nach Belieben erweitert oder geändert und der Jmprovisation freier Spielraum gelassen. So gewinnen die Mitwirkenden 'selbst an der von einigen Comitemitgliedern geschickt gearbeiteten Dichtung Antheil. Echt bis in alle Einzelheiten sind die altväterische Einrichtung der Bauernstube. das Gefäßspind, mit buntbemalten Tassen und Tellern besetzt, die alten geschnitzten Stühle, der hochbeinige Bauerntisch, die buntbemalten Spinnräder. selbst die Katze am Ofen fehlt nicht, echt die Costüme der Mitwirkenden. die bunten Schürzen und Hauben der Mädchen, die kurzen Jacken der Burschen. Frisch und natürlich im Spiel geben sich die Schauspieler, von irgend welcher Befangenheit ist nichts zu merken. Der eigentlichen Scene, die eine der in den Spinnstuben üblichen Unterhaltungen bietet, geht ein humoristischer Prolog voraus, gesprochen vom Großbauern, das Stück selbst wird mit einem stimmungsvollen Spinnlied eröffnet, das Hanne", die JSf ,3 Fuhrmannswalzer. Hauptperson, singt. Der Mutter, die bald hereintritt und mit der Muhme gemeinschaftlich sich in Plänen über die Zukunft ihrer Tochter Hanne ergeht, folgen nach und nach die anderen Sitziggängerinnen", das sind diejenigen, die zu einer Sitzung", dem Lichtoder Spinnabend beim Nachbar sich einfinden. Der Vater kommt aus dem Wald, zieht am altmodischen Stiefelknecht. unter Beihilfe der Tochter, mit vieler Mühe die schweren Stiefel aus und hilft fleißig beim Spinnen. Junge Burschen erscheinen, scherzen mit den Mädchen, der Dialog, kräftig und vor gesunder Derbheit oft nicht zurückscheuend, wird lebhafter, gemeinsame Gesänge wechseln mit Erzählungen alter Geschichten und Sagen. Die Muhme sorgt für Erfrischung, indem sie mit einem mächtigen Kruge herumgeht und den fleißigen Spinnerinnen einen guten Trunk Buttermilch zukommen läßt. Von dem lebhaften Treiben bleibt nur eine Gestalt unberührt; ruhig sitzt am Ofen der alte, halbtaube Großvater, die Pfeife im Munde, ne-
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5cn sich den flackernden Kienspahn, den er nur von Zeit zu Zeit wieder ergänzt. Eine Unterbrechung erfährt die Unterhaltung durch das Erscheinen des hochbcpackten Schwarzen" aus der
Würgewalzer. Spindlerbaude, einer weit und breit im Gebirge bekannten Persönlichkeit, der wohl als Pascher, vor den verfolgenden Grenzjägern Zuflucht suchend, gedacht ist. Daß zum Schluß die am Anfang berührten Heirathspläne befriedigende Erfüllung finden, versteht sich von selbst. Die Verlobung gibt die Veranlassung, sich in überaus charakteristischen Tänzen zu gefallen. Es sind alles alte Volkstänze, die wir da zu sehm bekommen: den ahlen (alten) Deutschen", den Würgewalzer", den Fuhrmannswalzer", den TrampelWalzer" u. a. m. Ein kurzer stimmungsvoller Epilog, den nach dem Fallen desVorhangs Bauer und Bäuerin, die jetzt als altes Paar auftreten, sprechen und darin wehmüthig der alten, guten Zeit" gedenken, während sie der neuen keinen Geschmack abgewinnen können, schließt den Abend. ' Berittene Infanterie. Ebenso gute Schützen wie Reiter sind die Boeren namentlich für den Guerillakrieg wie geschaffen und an unangenehmen Ueberraschungen für ihre Feinde werden sie es nicht fehlen lassen. Eine Patrouille. Um sich gegen solche möglichst zu schützen, haben die Engländer eine Abtheilung berittener Infanterie im Felde. Dieselbe wird namentlich in dem wichtigen Recognoscirungsdienst Verwendung finden, da sie die Vortheile der Cavallerie und Infanterie in sich vereint. Britische Fcldpolizci. Unter dem Commando des Col. Plumer ist in Buluways das Corps der britischen Feldpolizei concentrirt, deren Aufgabe es sein wird, in den von der Kriegsfurie heimgesuchten Districten die Ordnung aufrecht zu erhalten. In Anbetracht des Umstandes, daß nicht blos weißes, sondern auch i m Feldvolizisien. schwarzes Gesinde! das durch den Krjg firhnrrt0ritfn sTfitnS fipnnfon Viitrff WVVV4V4UWtlV wiuvw vviiugwit VMfcltV, um marodirend das Land zu durchiehen, wird es dieser Feldpolizei !an Arbeit nicht fehlen. Das Corps ' ist durchweg aus kriegstüchtigen Leuten recrutirt und an den beschwerlichen Dienst in dem nur dünn besiedelten Lande gewöhnt. Schön gesagt. Hänschen (an einem sternenhellen Abend): Sieh' mal. Papä. ist heute die Milchstraße aber milchig!" Zugegeben. Tourist: Sie, schöne Sennerin,ich liebe Sie loahnsinnig!" Sennerin: Ka schon sein, Jeder, der verliabt ischt, ischt scho so halb verruckt." Schönes Be wußt sei n. Herr Commissionsrath haben da ja ein paar prachtvolle Brillantringe am kleinen Finger." Nich wahr? Am kleinen Finger 'n großes Vermögen!" JnCommission. Herr (zu einem Kaufmann): Sind die drei blonden Mädchen hcirathsfähige Töchter von Ihnen?" KauflNann: Nem, das sind Töchter meines Bruders, die hab' ich in Commission!"' H e r a u s g e s ch l ü v f t. Unteroffizier (spricht von (Unbestechlichkeit): Rumpel, wenn Sie also Jemand festgenommen und in's Schilderhaus gesteckt haben und er bietet Ihnen 1 Mark an, damit Sie ihn wieder laufen lassen, was thuen Sie dann?" Soldat: Herr Unterofficier, für eine Mark. iht ich es überhaupt nicht."
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Eine historische Stätte. Das Stammschloß des Fürsten Mllnsttr-Derneburg ist das Schloß Ledenburg bei Osnabrück, ein Bau aus dem fünfzehnten Jahrhundert, belegen an den Ausläufern des Teutoburger Waldes. Uralte Linden von riesiger Dimension umgeben das Schloß, das in tiefer Einsamkeit daliegt. Schloß Ledenburg ist ein verfallender Bau. deshalb aber nicht minder interessant für den . Beschauer.
ijrff7zv '", . ' -s?-rxy r ,.' "ff, "zis 5 Sfi ','"' 'rt 7' S.' w.u V'r'S'.s y 3 k? 5 , .ss. " "X r n wa o i h ej u ym irms3&&m m bi ficc Schloß Ledenburg. Wenige Minuten vom Schloß entfernt erhebt sich ein einfacher Obelisk, der die Inschrift Johann Parricida" trägt und nach dem Volksglauben für n Grabstein des Königsmörders gilt. Johann von Schwaben hatte am 1. Mai 1303 im Thale der wilden Reuß seinen Oheim, den deutschen König Albrecht I., von dem er sich benachtheiligt glaubte, ermordet. Dann wandte er sich, von Entsetzen ergriffen, von dem Orte der That hinweg. Wohin? Darüber vermag die Forschung keinen genauen Aufschluß zu geben. Man nimmt vielfach an, und auch Schiller . ufii nsorasssMk Der Parricida-Stein. folgt im fünften Act seines Tell" dieser Auffassung, daß er vom Papste Verzeihung erfleht habe und später in Pisa gestorben sei. Diese Annahme nun wird durch die Forschung nicht beglaubigt. In Niedersachsen aber besteht die Tradition, daß Johann Parricida, nachdem er lange unstet umhergeirrt, an jener Stelle gestorben und beerdigt worden sei. Gegen Vorschrift. w00 Bei einer Uebung der Sanitätssoldaten hat die 5. Compagnie die Leute zu stellen; ein Theil derselben bekommt eine Binde um den rechten Arm. auf welcher die Verwundung steht, mit dem Auftrag, während des Sturmangriffes zurückzubleiben und sich hinzulegen. Der Füsilier Piefke denkt nicht an seine Binde und macht den Sturmangriff mit. Der Hauptmann, welcher dies bemerkt, ruft dem Feldwebel zu: Schreiben Sie den Piefke zu 3 Tage Mittelarrest auf, weil er mit abgeschossenen Beinen einen Sturmangriff mitmachte!" Pünktlich. Lcbensüberdrüssiger (der sich auf die Eisenbahnschienen gelegt hat, um sich vomZuge überfahren zu lassen): Was, schon 6 Uhr 40! Und der Zug sollte um 6 Uhr 25 hier vorüber fahren! Da muß ich mich aber gleich beschweren!" Das Weib hört da auf, wo die Logik ansängt. Sicherer T r o st. Studiosus A.: Ist es wahr, erbst Du von Deinem verstorbenen Onkel fünfhundert Flaschen Tokayerwein?" Stu; diosus B.: Ja, ein süßer Trost ist mir geblieben!" Ihr Pech. Der kleine Fritz (der eben ein drittes Schweshrchen bekommen hat): Die Mama hat Pech; immer wenn ein Schwesterchen kc:::mt, ist sie krank. I n der Som 7i erfrisch ?. ! Sommerqst: Sind in d'.rrn ?,lv. j mer auch Flöhe?" Wirth (entr'Istei): : Niemals!" Sommergast: Schade! Bei dem langweiligen Wetter hätte ich sie dressiren können." Wenn die Herrschaft aus dem Hause ist. Stubenmädchen: .Sagen's. Johann, könnt i nct ganz gl die Gnädige vorsiell'n?" Diener: S:lz, Mali, unverschämt san's a'nua dau."
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Lehrer (im grammatischen Unterricht): Wir wollen jetzt Sätze bilden mit den persönlichen Fürwörtern: ich, du etc. Wenn z. B. der Latcr sagt: Ich gehe aus, wie sagt dann die Mutter zum Vater?" Schüler: Du bleibst zu Hause!" Der verkannte Tiroler. ' Schau, Franzl, wie der seine Strümpf' ausgewachsen hat!" Gewissenhaft. Aber, Herr Professor, g'rad san S' von an' Berg abgestürzt und glücklich mit heiler Haut ' davon'komma, und jetzt wollen S' schon wieder 'naufkraxeln!" Ja will nur messen, wie hoch ich 'runtergefallen bin!" Fatal. jm SW mm. Freund: Aber warum, so wild? Das Benefiz nicht nach Wunsch ausgefallen?" Schauspieler: Denke Dir, ich bestelle gestern beimGärtner einen Kranz, gebe dem Gehilfen ein gutes Douceur, daß er mir ihn während der Vorsiellung hinaufreicht, und was thut der Esel? Er reicht mir den 5lranz hinauf und sagt unter lautloser Still:: Herr Schauspieler, die Rechnung bekommen S' morgen, i' hab's vergessen!" . . Fatale Situation. l Studiosus (während einer Festlichkeit, zum Hausherrn): Onkel, wenn Du mir jetzt nicht 50 Mark vorschieß':, pumpe ich alle Deine Gäste an!" Otteh!Jch bin ein großer Freund des Wassersportes, gnädige Frau, und Gottlob läßt sich dieses Vergnügen mit meinem Beruf vereinigen!" Ja, mein Mann sagte mir schon. Sie seien Weinhändler!" DasFolgeübel. Arzt: So, Herr, aus derJnfluenza hätten wirSie herausgerissen: ich mache Sie aber aufmerksam, die Influenza an sich ist nicht so schlimm, das Schlimmste sind die Folgeübel dieser Krankheit, die selten ausbleiben." Reconvalescent: Ja, ich verstehe, Herr Doctor, bitte mir nur du Rechnung zu schicken." t j
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