Indiana Tribüne, Volume 23, Number 55, Indianapolis, Marion County, 12 November 1899 — Page 3

Zer froHitrf .

Uiomcn t?cn V. rth. (16. Fortsetzung.) 22. 5apitel. iOicr Tag? später hatte das Stra ßenfcSir von Buenos Aires wieder ganj seinen gewöhnlichen Charakter angenommen, wie wenn die Erinnerang an die blutigen Scenen, deren Schauplatz die nämlichen Straßen noch vor so kurzer Zeit gewesen, bereits völlig aus dem Gedächtniß der Einwohner getilgt wäre. Doktor Vidal hatte den Wagen, der ihn vom Regierungsgebäude zurückgebracht, vor seinem Hause verlassen und war langsam, mit ernster, sorgenvoller Miene die Treppe zu seiner Wohnung emporgestiegen. Ein farbiger Diener osfnete ihm, aber hinter demselben erschien auf dem Gange ein schönes, bleicbes MädchenantliK, das Antlitz Jsabella's. Don Jose reichte ihr die Hand, und gemeinsam traten sie in sein Arbeitszimmer ein. - Forschend und in angstvoller Spannung ruhten die dunklen Augen des Mädchens auf seinem Gesicht. Sie bringen mir schlechte Neuigkeitcn," sagte sie, ich seh: es Ihnen an und bitte :?. lassen Sie mich ersahren, was mir doch nicht verborgen bleiben kann. Es steht schlecht um meinen Vater man wird ihm d:n Prozeß machen, nicht wahr?" Don Jose zauderte ein wenig; dann, indem er noch einmal ihre Hand erfaßte, erwiderte er herzlich: Ich hatte allerdings gehofft, daß ich mit besseren Nachrichten zurückkehren würde. Aber lassen Sie darum den Muth nicht sinken, mein liebes Kind! Der Präsident ist wohl in diesem Augenblick sehr aufgebracht gegen Ihren Vater, aber es wird immerhin noch einige Zeit bis zu der Verhandlung vergehen, und inzwischen kann sich manches ändern." In Jsabella's Zügen verrieth sich nicht, ob dieser Trost die beabsichtigte Wirkung gethan habe. Ihr Gesicht, das in diesen wenigen Tagen sehr schmal geworden war. blieb ünverändert ernst und traurig. Und meine Mutter?" fragte sie. Ist es Ihnen gelungen, sie zu sprechen?" Meine Bemühungen waren leider umsonst. Man läßt Niemand zu ihr, und ich fürchte, daß man selbst mit Ihnen keine Ausnahme machen würde. Aber ich kann Ihnen wenigstens zu Jhrer Beruhigung sagen, daß sich Dona Maria bei quter Gesundheit befindet." Ich danke Ihnen, Herr Doktor! Es ist mir sehr peinlich, Sie neben all den Sorgen, die bereits auf Ihnen lasten, auch noch mit meinen Angelegenheiten zu behelligen, um so mehr, als ich leiß, wie wenig Anspruch meine Eliern sich auf Ihre Freundschaft erworben haben. Aber ich habe keinen Beschütze? außer Ihnen und würde ganz hilflos und verlassen sein ohne Ihren großmüthigen Beistand. Alle, die sich einst unsere Freunde nannten, haben sich von uns abgewendet, und man geht der Tochter des Verräthers aus dem Wege, als könne es Gefahr bringen, auch nur ein Wort mit ihr zu wechsein." Ja. Sie haben trübe Erfahrungen machen müssen, armes Kind." sagte Don Jose mitleidig. Aber seien Sie getrost. Es werden auch wieder bessere Tage kommen. Wie steht es übrigens um unseren Patienten? Ist e? noch nicht zu klarem Bewußtsein erwacht?" Jsabella schüttelte den Kopf, und der Schatten auf ihrem Gesicht schien noch dunkler zu werden. Nein. Er öffnete wohl ein paarmal die Augen, aber er erkannte mich nicht und antwartete nicht auf meine Fragen. Ich bin in einer fo furchtbaren Angst, Herr Doktor,' daß sein Geist durch diese Verletzung gelitten haben könnte." Das 'zu besorgen haben wir vorläufig noch keinen Grund. Die durch den Kolbenschlag herbeigeführte Gehirnerschlltterung erklärt die anhaltendc Bewußtlosigkeit zur Genüge, andere bedrohliche Symptome aber haben sich bisher nicht gezeigt. Wenn ich die Patienten abgefertigt habe, die drüben warten, werde ich eine Erneuerung des Verbandes vornehmen.. Bis dahin haben Sie wohl die Güte, bei ihm zu bleiben." Jsabella nickte und zog sich in das Krankenzimmer zurück, das sie verlassen hatte, als sie den Schritt des heimkehrenden Arztes vernahm. Es war ein großes, luftiges Gemach, das man durch herabgelassene Vorhänge künstlich verdunkelt hatte. Rodemaldt ruhte mit verbundenem Haupte auf dem Lager. Einer der Vorhänge war ein wenig zurückgezogen und gestattete den Blick auf sein bleich und hager gewordenes Antlitz, dessen Züge deutlich genug das Gepräge schweren Leidens trugen. Mit unhörbaren Schritten ging Jsabella zu dem Korbstuhl neben dem Bette und ließ sich darauf nieder, den Blick unverwandt auf den Kranken gerichtet. Und es schien fast, als ob er diesen Blick trotz . seiner geschlossenen Augen wahrzunehmen vermöchte, als ob er ihn aufrege und beunruhige, denn er wandte den Kopf wiederholt von einer Seite zur anderen; seine. Lippen bewegten sich seine Lider begannen zu zittern, und langsam, 'wie mit schwerer Anstrengung schlug er sie endlich vollends auf. Die Augen des Patienten und seiner Pflegerin begegneten sich. Wohl eine Minute lang sah er sie an, dann murmelte er mit schwacherStimme, wie Jemand, der im Schlafe spricht: Conchita liebe Conchita!" Ein glückliches Lächeln huschie um seine Lippen, dann schloß er auf's neue die Augen und seine Athemzüge waren

tief und ruhig, w!e dce eines Schlum mernden.

Jsabella hatte die Hände geballt. eine scharfe Falte war zwl:chen tkren Brauen erschiene.: und an ihrenMundwinkeln zeigte sich derselbe harte, fast grausame Zug, der in Augenblicken zorniger Erregung dem Antlitz ihrer Mutter eigen war. Außer stände, mit diesem Sturme leidenschaftlicher Empfindungen, der ihr ganzes Innere aufwühlte, langer in der bisherigen Unbeweglichkeit zu verharren, sprang it auf und trat an das Fenster. Sie und immer wieder sie!" flüsterte sie. Alle seine Gedanken gehören nur ihr. Es wird ein furchtbarer Schlag für ihn sein. Aber gleichviel, er muß er wird sie vergessen Als Don Jose eine halbe Stunde später in das Zimmer trat und einen Blick auf den Patienten warf, erhellte sich sein Gesicht. Ich glaube, Senorita Jsabella, daß wir Ursache haben, uns zu freuen. Das Aussehen unseres Freundes gefällt mir viel besser als an irgend einem dieser letzten Tage. Hat er vielleicht schon mit Ihnen gesprochen?" Nein, er osfnete die Augen und sah mich an, doch er schloß sie wieder, ohne etwas zu sagen." Sie sprach jetzt die Unwahrheit, wie sie sie schon vorhin gesprochen hatte, denn die Mittheilung, daß Werner jedesmal mit dem Namen Conchitas aus seinem Dämmerzustande erwacht sei, wollte ihr nicht über die Lippen. ' Doktor Vidal aber hegte ersichtlich keinen Argwohn. Er winkte ihr, die noch immer am Fenster stand, näher zu kommen. Sogleich leistete sie der stummen Aufforderung Folge und war ihm mit allerlei kleinen Handreichungen behilflich, als er den Verband löste, um sich über den Zustand von Werners Kopfwunde zu unterrichten. Was er sah. befriedigte ihn offenbar in hohem Maße. Er hat eine prächtige Natur, dieser junge deutsche Riese," sagte er. Der Heilungsprozeß verläuft über alle ErWartung rasch und günstig, und doch würde ein Schlag wie dieser vollkommen hingereicht haben, einen Menschen von minder kräftigem Bau zu tödten." Die Untersuchung der Wunde und das Anlegen des neuen Verbandes mußten dem Patienten Schmerzen verursacht haben, denn ein leises Stöhnen kam 'von seinen Lippen, und plötzlich schaute er dem Arzte mit völlig klarem, erstauntem Blick in das Gesicht. Sind Sie es. Doktor Vidal?" sagte er. Mein Gott, wo bin ich. und wie kam ich hierher?" Auf die natürlichste Weise von der Welt, und Sie sind hier so wohl aufgehoben wie unter dem Dche Ihres Vaterhauses. Ich wünsche Ihnen Glück zur Rückkehr in das Leben, mein lieber mnaer Freund! Aber Sie durfen jetzt nicht viel fragen und sich nicht unnütz den Kops Erbrechen. Sie brauchen vorläufig noch Ruhe, und wenn der rechte Zeitpunkt dazu gekommen ist, werden wir Ihnen alles erklären." Wirklich schwieg Werner em paar Minuten lana. aber als der Arzt seine Arbeit beendet hatte, konnte er sich doch Nicht enthalten, mit einem dankbaren Lächeln zu sagen: Wie gut Sie gegen mich sind! Ich werde wahrhaftig Mühe haben, Ihnen das alles zu vergelten." Ist langst vergolten, lieber Freund! Und es gibt überdies Leute, die aus Ihre Erkenntlichkeit viel größeren Anspruch haben als ich. Mochten Sie unserem Patienten nicht auch ein freundliches Wörtchcn sagen, liebe Senorita?" Er hatte diese Frage an Jsabella gerichtet, die sich bei Werners ersten Worten so weit von dem Lager zurückgezogen hatte, daß er sie nicht wahrnehmen konnte. Nun kam sie zögernd näher, und ihre eben noch so bleichen Wangen waren von dunklem Roth überfluthet. Der Verwundete hatte den Kopf nach ihr gewendet, aber ein scharfes Auge würde vielleicht erkannt haben, daß es mehr Bestürzung als Freude war, was sich bei ihrem Anblick in seinen Zügen malte. Jsabella Sie? So war es also doch kein Traum? Sie kamen zu mir, um mich zu warnen und mich vor meinen Verfolgern zu retten?" Die Gefragte blieb stumm, und Doktor Vidal war es. der statt ihrer Antwort gab. Ja, und sie hat dies Vorhaben rechtschaffen ausgeführt, die tapfere junge Dame. Danken Sie ihr dafür! Dann aber verbiete ich Ihnen vorerst jede weitere Unterhaltung. Erst wenn Sie kraftiger sind, darf von dem Vergangenen die Rede sein. Für jetzt muß es Ihnen gemie iem zu wissen, daß alle Noth und Gefahr vorüber ist." Werner streckte Jsabella seine Hand entgegen. Ich danke Ihnen, Senorita! Und ich bitte Sie um Verzeihung. Sie haben mehr für mich gethan, als ich um Sie verdiente." Sie hatte seme Hano genommen. doch nur für einen flüchtigen Augenblick. Ohne ihren Druck zu erwidern, gab sie sie wieder frei und trat stumm in den Hintergrund des Zimmers zurück. Doktor Vidal goß' einige Tropfen einer auf dem Nachttischchen stehenden Arznei in ein Glas Wasser und setzte es dem Kranken an die Lippen. Trinken Sie das, lieber Freund, und machen Sie dann keinen Versuch mehr, sich gegen das Schlafbedürfniß zu wehren. Nach Ihrem Erwachen werden wir Zeit genug haben, über alles zu plaudern, was Ihnen am Herzen liegt." Werner gehorchte und schon nach kurzer Zeit war er in der That wieder fest entschlummert. Als Doktor Vidal sich nach Jsabella umsah, war er betroffen von dem tiefschmerzlichen Ausdruck ihres Gesichts. Thränen glänzten an ihren Wimpern, aber da sie den forschenden Blick Don

Jos6s fühlte, tilgte sie sie hastig mit dem Taschentuche hinweg. Sie sind erschöpft, liebes Kind." sagte er freundlich. Nach all den Aufregungen dieser letzten Tage hätten Sie sich der aufreibenden Nachtwache bei unserem Freunde nicht unterziehen dürfen. Und wenn ich es nicht ernstlich bereuen soll, meine Einwilligung dazu gegeben zu haben, so müssen Sie mir jetzt gehorchin und sich in Ihr Stübchen zurückziehen. Unser Patient bedarf kaum noch einer beständigen Bcaufsichtigung; aber ich werde trotzdem meinen Diener herschicken, der ein zuverlässiger Bursche ist und mich sofort benachrichtigen wird, wenn mein Erscheinen aus irgend einem Grunde nothwendig werden sollte." . Er mochte kaum erwartet haben, daß sie sich ohne weiteres fügen würde, aber sie erhob in der That keinen Widerspruch und ging still hinaus. In dem kleinen freundlichen Zimmer aber, das ihr Doktor Vidal eingeräumt hatte, seitdem in Manuel del Vascos prächtigern Hause alle Thüren mit großen amtlichen Siegeln verschlossen waren, sank sie kraftlos nieder und brach in ein so leidenschaftliches Weinen aus, daß ihr schöner Körper wie von wilden Fieberschauern geschüttelt wurde. 23. Kapitel. Aber wenn ihr wirklich nichts Schlimmeres widerfahren ist, warum kommt Conchita dann nicht hierher?

Ich kann Ihnen nicht sagen, Doktor, wie ich mich nach ihr sehne. Ich glaube sicher, fcnß ich mit einemmale gesund sein würde, wenn es mir vergönnt wäre, sie nur eine Minute lang Zu sehen." Mit diesen Worten bestürmte Rodewaldt seinen ärztlichen Freund, als er vierundzwanzig Stunden später wieder mit ihm allein war. Seine Genefang hatte in dieser kurzen Zeit die erfreulichsten Fortschritte gemacht und er würde sich stark genug geglaubt haben, das Lager zu verlassen, wenn ihn nicht Don Jos6s entschiedenes Verbot davon abgehalten hätte. Jsabella del Vasco hatte seit gestern das Krankenzimmer nicht mehr betreten, aber Werner's erste Frage beiDoktor Vidals Eintritt hatte trotzdem nicht ihr, sondern Conchita gegolten. Es war gut, daß die künstliche Dammerung, in der man das Gemach noch immer erhielt, ihn verhinderte, den schmerzlich verleaenen Ausdruck in den Zügen des Gefragten wahrzunehmen, als dieser ihm erwiderte: Ich kann Ihnen nur wiederholen, , liebster Freund, daß Sie keine Ursache haben. sich wegen der Senorita Ortegas zu beunruhigen. Sie kann augenblicklich nicht zu Ihnen kommen, weil sie, wie Sie wissen. Nicht die freie Herrin ihres Willens ist. Aber Sie werden sie wiedersehen, sobald die Umstände es nur irgend gestatten, und Sie würden sich schlechten Anspruch auf ihren Dank erwerben, wenn Sie durch diese zwecklose. Ungeduld den Fortgang Ihrer Genesung verzögerten." Werner seufzte tief aus. Es ist schwer, sich in Geduld zu fassen, wenn man von verzehrender Sorge erfüllt ist. Und ich brauche Ihnen wohl lern Ge heimniß mehr daraus zu machen, Doktor, daß ich Conchita liebe. Freilich mcht, denn ich mußte es wohl errathen. Aber sind Sie denn nicht neugierig zu erfahren, wie Sie hierher kamen, und was sich seit dem Augenblick Ihrer Verwundung zugetragen? Um Ihnen das zu erzählen, habe ich Sie ja jetzt aufgesucht." So lassen Sie mich's wissen. Don Josö! Ist mir's doch wirklich, als befände ich mich noch immer mitten in einem wüsten Traum, oder als wäre es ein romantisches Märchen, das ich wirklich zu durchleben glaube, während mich in Wahrheit doch nur trügerische Einbildungen täuschen." Es sind keine Einbildungen, lieber Freund, aber bei uns zu Lande sieht die Wirklichkeit allerdings zuweilen märchenhaft genug aus. Und die Veränderungen, die gerade während dieser letzten Tage in jähem Wechsel aufeinander gefolgt sind, konnten selbst einem an südamerikanische Revolutionen hinlänglich gewöhnten Eingeborenen wie mir einiges Staunen erregen. Sie erinnern sich wohl, daß auf die von del Vasco erstattete Anzeige hin ein Detachement Soldaten in mt Wohnung Ihres Landmannes Henninger abgeschickt worden war, um Sie zu verhaften?" Werner bejahte. Die Senorita Jsabella war ja gekommen, mich zu warnen. Aber ich glaubte ihr mcht. Als die Kerle dann in mein Zimmer drangen, mußte ich freilich erkennen, daß sie es redlich Mit Mir gemeint hatte. Aber da war es zu spät, ihren Rath zu befolgen. Von dem. was dann weiter geschehen ist, habe ich nur eine sehr unbestimmte Vorstellung. Es ist mir, als müßte mich eine? jener Halunken mit seinem Gewehr niedergeschlagen haben." Und so war es in der That. Sie würden der Wuth der Soldaten auch ohne Zweifel zum Opfer gefallen sein, wenn Ihnen nicht diese kleine Teufelin, Senorita Jsabella, und ein glücklicher Zufall zu Hilfe gekommen wären. Das junge Mädchen hatte nämlich im Aug:nblick der höchsten Noth einen für alle Fälle mitgebrachten Revolver gezogen und auf Ihre Angreifer zu feuern begönnen. Zwar hat sie allem Anschein nach keinen von ihnen getroffen, aber sie hat doch bewirkt, daß die Kerle zunächst von Ihnen abließen, und die damit gewonnene Zelt reichte hin, Sie zu retten. Denn ein großer Trupp von Aufständischen drang eben in die Straße ein, eine geschlagene Militärabtheilung vor sich hertreibend, und die zu Ihrer Verhaftung ausgesandten Soldaten waren sich der Gefahr kaum bewußt geworden, in der sie selbst schwebten, als sie auch schon allesammt

ihr Heil in schleuniger Fluch! suchten. So waren Sie wie durch ein Wunder abermals dem Tode entgangen. Es gelang der muthigen jungen Dame, trotz des an vielen Stellen tobenden Straßenkampfes, meine Wohnung zu erreichen, und ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, wie sehr ich mich beeilte, ihrem Rufe Folge zu leisten und zu Ihnen zu eilen. Mein Wagen hatte angespannt im Hose gestanden, und die Aufständischen wie die Regierungätruppen hatten Achtung genug vor meinem ärztlichen Beruf, mich überall ungehindert Passiren zu lassen. Ich fand Sie in tiefer Bewußtlosigkeit und mit einer Kopfwunde, die ich selbst im ersien Moment für recht bedenklich hielt. In dem Hause Ihres verdächtigen Freundes durfte ich Sie natürlich nicht lassen, so nahm ich Sie gleich mit. Senorita Jsabella verdanken Sie Ihr Leben. Vielleicht erwartet sie dafür keinen anderen Lohn, als ein wenig freundlich von Ihnen behandelt zu werden. Den aber sollten Sie ihr um so weniger vorenthalten, als sie sich augenscheinlich in einer recht beklagenswerthen Lage befindet. Ihre Eltern sitzen unter der Anschuldigung des Hochverraths im Gefängniß, und Sie haben ja nun Gelegenheit gehabt, an sich selbst zu erfahren, was zu gewissen Zeiten in Argentinien eine solche An-, schuldigung bedeutet." Wie? Manuel del Vasco im Gefängniß mit seiner Gemahlin? Und wege Hochverraths? Wie ist. das möglich?" fragte Werner erstaunt den Doktor. War er denn nicht einer der treuesten Anhänger des Präsidenten? Oder haben die Aufständischen gesiegt? Sind sie es, die sich jetzt am Ruder befinden?" Sie sind es nicht mehr. Aber daß sie es für die Dauer eines Tages waren, ist Don Manuel und seinem intriganten Weibe zum Verhängniß geworden. Hatten die Regierungstruppen wegen ihrer geringen Zahl und ihrer schlechten Bewaffnung schon am ersten Tage keinen wirklichen Erfolg über die Insurgenten zu erringen vermöcht, so gestaltete sich am zweiten die Sachlage für sie noch um vieles ungünstiger. Die Aufständischen kämpften mit großer Erbitterung, und da sich das Gerücht verbreitet hatte, der Präsident wolle freiwillig abdanken, so fehlte denRegierungstruppen bei ihrem Widerstande die rechte Begeisterung. Ein Theil ging sogar direkt zu den Revolutionären über, und schon am Mittag befand sich der größte Theil der Stadt mit den wichtigsten öffentlichen Gebäuden in den Handen dieser letzteren. Für die Anhänger des Präsidenten begann die Lage kritisch zu werden, und viele von ihnen machten Miene, sich dem neu aufgehenden Gestirn des Jnsurgentenführers Rodrigo Pena zuzuwenden. Keiner aber that es mit gleich unverhllllter Schamlosigkeit wie Manuel del Vasco. Es heißt; daß er durch seine Frau schon seit langem heimliche Beziehungen zu dem als' Gegner des Präsidenten bekannten Rodrigo Pena unterhalten habe, und die Bereitwilligkeit, mit der ihn dieser, sobald er sich im Besitz der Macht glaubte, zu einem Mitgliede der provisorischen Regierung ernannte, läßt allerdings darauf schließen, daß diese Behauptung mehr als eine böswillige Erfindung von del Vascos Feinden ist. Allein die Herrlichkeit des neuen Usurpators war von sehr kurzer Dauer; sie währte nicht länger als einen einzigen Tag. Schon am Abend verbreitete sich in der Stadt das Genicht, der Präsident sei mit einer starken Truppenmacht im Anmarsch auf Buenos Aires begriffen, und am nächsten Morgen war er wirklich da. . So wenig war man noch auf sein Erscheinen vorbereitet gewesen, und so sehr hatten die voraufgegangenen zweitägigen Strapazen die Kräfte der wenig kriegsgeübten Insurgenten erschöpft, daß sie sich fast ohne Kampf ergaben. Das Munizipalgebäude, das Sie ja von Ihrem unfreiwilligen Aufenthalt her kennen; hatte sich ohnedies gegen die Aufständischen behauptet, und so war bereits um die Mittagszeit ra Schicksal der Revolution entschieden. Rodrigo Peni, der sich heldenmüthig vertheidigt hatte, befand sich als ein zum Tode Verwundeter in den Händen seines siegreichen Gegners, und noch im Laufe des Tages erfolgte die Verhaftung der am meisten kompromittirten

Persönlichkeiten seiner Gefolgschaft." Und Senorita Jsabella?" Das junge Mädchen habe ich in Schutz genommen. Verzweifelt, ohne Obdach, ohne Freunde, von allen gemieden und verlassen, wie sie ist, hat sie bei mir Zuflucht gefunden. Sie ist trotz ihrer Erschöpfung volle vierundzwanzig Stunden hindurch kaum von Ihrem Lager gewichen.und es war sehr beruhigend für mich, Sie in so aufmerksamer Pflege zu wissen, da ich ja nicht immer bei Ihnen bleiben konnte. Es gab Nicht nur nach den dreitägigen Kämpfen, wie Sie sich wohl denken können, für mich eine Fülle von Arbeit, sondern ich mußte auch ungesäumt die erforderlichen j Schritte thun, um jede weitere Gefahr von Ihnen abzuwenden." Welche unsägliche Mühe habe ich Ihnen da verursacht! Noch bin ich kaum dazu gekommen, Ihnen für meine Befreiung aus dem Gefängniß zu danken, und schon sehe ich mich Ihnen für eineMenge neuer aufopfernder Freundschaftsbeweise verpflichtet." Ah, reden wir doch nicht davon! Was die Aufhebung dieses verrückten Todesirtheils betrifft, so kostete es mich nicht mehr als eine vicrtelstündige Audienz bei dem Präsidenten, um sie herbeizuführen. Der Spruch des Kriegsgerichts' wurde auf die Anordnung Seiner Excellenz sofort vernichtet, und jedes weitere Vorgehen gegen Sie eingestellt. Man wird am Ende froh sein, wenn Si. sich nicht beschwe-

ren und der Negierung der Republik keine Ungelegenheiten bereiten." Diese Absicht havö ich allerdings nicht, sei es auch nur, um nicht meine hiesige Stellung aufgeben zu müssen. Aber ich gestehe Ihnen offen, lieber Doktor, daß es am allerwenigsten die Sorge um mein eigenes Schicksal war. die mich beunruhigt. Zwar habe ich Ihre Erklärung, daß Conchita nichts Schlimmes Widersahren ist. aber ich kann die Angst um sie nicht los werden, und diese schwere Last wird nicht früher von meinem Herzen fallen, als bis ich sie wiedergesehen habe. Und daneben ist es auch der Gedanke an die Pflichten meiner Stellung, der mir keine Ruhe läßt. Sie werden mir unbedingt gestatten müssen, noch heute mit einem unserer Disponenten RÜ& spräche zu nehmen." Gegen die Erfüllung eines solchen Wunsches läßt sich kaum etwas Ernstliches einwenden, vorausgesetzt, daß es nicht Herr Henninge? ist. den Sie zu sprechen begehren. Im Uebrigen darf ich Ihnen mittheilen, daß bis jetzt schwerlich etwas versäumt worden ist. Die La Plata - Bank hat gleich allen anderen ausländischen Geldinstituten ihre Bureaux während der letzten Tage geschlossen gehalten, und der Geschäftsbetrieb soll erst morgen oder übermorgen auf die dringenden Vorstellungen des Präsidenten wieder aufgenommen werden." Das beruhigt mich' freUich sehr. Kann ich doch nun wenigstens verhindern, daß dieser schurkische Henninger weiter Einfluß auf die Geschäfte der Bank ausübt. Zu einer endgültigen Abrechnung mit ihm wird dann auch später Zeit genug sein." Er gab dem Arzte die Adressen zweier bei der La Plata - Bank angestellt Herren, die er in seinem Namen um ihren Besuch bitten sollte. Schon eine Stunde später waren die Gerufenen zur Stelle und empfinge außer den erforderlichen Weisungen und Vollmachten eine von dem Direktor diktirte und eigenhändig unterzeichnete Verfügung, die den bisherigen Prokuristen Georg Henninaer seiner Stellung enthob und ihm jeder weitere Betreten des Bankgebäudes untersagte. Erleichtert athmete Werner auf, als er sich wenigstens von dieser Sorge befreit sah. Da sich aber wieder ziemlich heftige Schmerzen eingestellt hatten, verbot ihm Doktor Vidal für den Rest des Tages jede weitere Unterhaltung

und sorgte überdies durch die Veraoreichung eines einschläfernden Mittels dafür, daß er auch während des Alleinseins vor quälenden Grübeleien und aufregenden Gedanken bewahrt bleibe. Ob nun aber die Dosis dieses Mittels nicht stark genug gewesen war, oder ob die dunklen Ahnungen und Befürchtungen, die ihn quälten, seinem Nervensystem eine erhöhte Reizbarkeit gegeben hatten schon um mehrere Stunden früher, als Doktor Vidal es vorausgesehen, erwachte Werner aus dem künstlich erzeugten Schlummer. Es war Abend geworden, und nur der matte Schein eines Nachtlämpchens verbreitete ungewisse, dämmerige Helligkeit in dem Gemach. Ein leises Geräusch neben seinem Lager hatte Werner veranlaßt, den Kopf nach jener Seite zu wenden, und er sah. daß Jsabella del Vasco eben im Begriffe war. sich behutsam zu entfernen. Wieder stieg ihr das Blut in die Wangen, als ihr Blick dem seinen begegnete. Verzeihen Sie, Senor, wenn ich Ihnen noch einmal durch meine Gegenwart lästig geworden bin," sagte sie halblaut und mit gepreßter Stimme. Es war nicht meine Absicht, denn ich würde schon früher gegangen sein, wenn mir nicht Doktor Vidal gesagt hätte, daß Sie kaum vor Mitternacht erwachen würden." Und was bringt Sie auf den Gedanken, daß Ihre Gegenwart mir lästig sei? Ich freue mich ihrer vielmehr aufrichtig, denn ich habe Ihnen ja vieles zu sagen." Jsabella setzte ihren Weg nach der Thür nicht fort, aber sie kehrte auch nicht an das Bett zurück. Mit gesenktem Haupte und schlasf herabhängenden Armen blieb sie mitten im Zimmer stehen, wie in schweigender Erwartung dessen, was er ihr mitzutheilen wünsche. Anfänglich kamen die Worte nur stockend und unsicher über Werner's Lippen. Die eigenthümliche Lage, in der er sich diesem Mädchen gegenüber befand, machte es ihm unsäglich schwer, den rechten Ton zu finden. Bald aber hatte das tiefe Mitleid mit ihrem traurigen Geschick den Sieg über seine Verlegenheit davongetragen, und er sprach zu ihr mit brüderlicher Wärme. Er dankte ihr für alles, was sie an.ihm gethan, suchte sie mit tröstlicher Zuversicht auf eine glücklichere Zukunft zu erfüllen, und gelobte, ihr in allen Lebenslagen als treuer Freund zur Seite zu stehen. Sie hörte ihn an, ohne ihn zu unterbrechen und ohne ihn anzusehen. Ihr Gesicht war wieder sehr bleich geworden und von Zeit zu Zeit zuckte es schmerzlich darüber hin. Was Sie mir da sagen," erwiderte sie, sind doch nur Worte nichts als Worte! Was soll ich mit ihnen beginnen?" Freilich sind es nur Worte. Aber was vermöchte ich Ihnen in diesem Augenblick anderes zu geben?" Nein, Sie können mir nichts anderes geben," sagte sie herbe. Und weil Sie es nicht können, ist es wohl besser, von alledem gar nicht zu reden. Es giebt Wunden, die jedes Trostwort nur von Neuem bluten macht. Und Sie sehen ja, daß auch ich keinen Versuch mache, Sie zu trösten." Mich zu trösten? Ja. glauben Sie denn, daß ich eines Trostes bedürftig sei?" Um so besser, wenn ich mich darin getäuscht habe. Aber ich wähne bis zu diesem Augenblick. Sie hätten meine Conchita geliebt."

Entseht war Werner emporgefahren, und namenlose Seelenangst spiegelte sich in seinem Gesicht wie in seinen weit geöffneten Augen. Was ist's mit Conchita? Sprechen Sie ich beschwöre Sie!" Sie rührte sich nicht aus ihrer bisherigen Stellung und ihre Stimme hatte noch immer denselben matten, gleichgültigen Klang, als sie erwiderte: So wußten Sie noch nicht, daß Conchita verschwunden ist seit vier Tagen spurlos verschwunden, und daß es leine Hoffnung mehr giebt, sie lebend wiederzufinden?" Nur ein dumpfes Stöhnen wurde von dem Lager des Kranken her vernehmlich, Werner war in die Kissen. zurückgesunken, und dunkle Nöthe bedeckte sein Gesicht, seine Lippen bewegten sich, aber kein verstandliches Wort, nur ein dumpfes Stöhnen kam aus seiner Kehle. Mit einem gellenden Aufschrei flog Jsabella auf ihn zu und warf sich neben dem Lager in die Kniee. Werner mein Geliebter! Sieh mich an sprich nur ein Wort! Nein, nein, das habe ich ja nicht gewollt! Seine Augen richteten sich auf ihr Gesicht, aber in ihrem Ausdruck war etwas, das sie auf's Neue tödtlich erschreckte. Sinnlos vor Angst lief sie. zur Thür, auf deren Schwelle sie fast mit Doktor Vidal zusammengeprallt wäre. Mit beiden Händen umklammerte sie seinen Arm und zog ihn nach dem Lager hin. Retten Sie ihn, Doktor! Er stirbt und ich ich habe th gemordet!" In äußerster Bestürzung blickte Dorr Jos6 auf den Patienten, um sich dann mit zornsprühenden Augen gegeir Jsabella zu wenden. Verlassen Sie auf der Stelle dieses Zimmer und hüten Sie sich, seine Schwelle wieder zu überschreiten! Sie werden mir später Rechenschaft geben über das, was hier geschehen ist. Schicken sie , mir jetzt, meinen Diener!" Es kostete sie ersichtlich einen- furcht--baren Kampf, sich aus der Nähe des geliebten Mannes zu entfernen, aber als Don Jos6 feinen Worten durch eine gebieterische Handbewegung noch größeren Nachdruck gab, wagte sie keinen Widerspruch mehr und ging schluchzend hinaus. Sie that einige Schritte durch das Nebengemach, dann aber fiel sie, ohne einen Laut von sich zu geben, schwer auf den. Teppich nieder, und dort lag sie regungslos noch immer, als Doktor Vidal beinahe zwei Stunden später erschöpft und mit sorgenvollem Antlitz aus dem Krankenzimmer trat. 24. Kapitel Als der Doktor sie bei ihrem Namen anrief, richtete sich Jsabella empor.. Ihr Gesicht sah furchtbar verstört aus. und es schien, als wäre sie innerhalb, dieser wenigen Stunden um ein. Jahrzehnt gealtert. Ist es geschehen?" fragte sie. Sagen Sie mir die Wahrbeit. Doktor. Vidal er ist todt?" Don Josö. machte eine verneinende Bewegung. Er lebt aber sein Zustand ist bedenklich genug, und Sie haben wahrlich Anlaß, sich die schwer sten Vorwürfe zu machen, wenn Sie dieses Unglück verschuldet. Hoffentlich haben Sie jetzt wenigstens den Muth, mir zu sagen, was Sie gethan." Ich habe ihm mitgetheilt, daß Con chitcr Ortegas spuisks verschwundensei, und daß er nicht hoffen dürfe, sie. lebend wieder zu sehen." Ich ahnte es. Und Sie, Senorita. mußten voraussehen, was Sie mit Ihrer grausamen Enthüllung anrich-. ten würden Sie konnten bei seinem. Zustande nicht darüber im Zweifel fein. Und doch waren Sie im Stande, es zu thun. Weshalb haben Sie Ihr eigenes Leben für das des ' jungen Mannes da drinnen eingesetzt, wenn es doch Ihre Absicht war, 'ihn schließlich zu todten?" Mit einem wilden Blick sah siihn an. Ja, sind wir Frauen denn überirdische Wesen ohne Blut und Herz und ohne Verlangen nach Glück, daß Ihr immer sogleich aufhort.uns zu verstehen, wenn wir der Stimme der Leidenschaft williger gehorchen als den Gesetzen der kalten Vernunft!? Wohl war ich bereit, mein Leben für ihn herzugeben, wie ich noch jetzt dazu bereit bin. Aber nicht, weil ich das seine für jene andere retten wollte. Mir sollte er gehören mir allein! Wer darf es wagen, mir einen Vorwurf daraus zu machen? Sie hat ihren Anspruch auf seine Liebe nicht theurer bezahlt als ich." Vielleicht doch, Senorita! Denn es scheint ja, daß sie wirklich ihr Leben für ihn gelassen hat in jener Nacht, da sie todesmuthig in sein Gefängniß gegangen war, um ihn zu befreien. Aber es ist müßig, hier noch Verdiensie und Rechte der einen und der anderen abzuwägen. Die, welche Sie für Ihre Nebenbuhlerin halten, weilt aller menschlichen Voraussicht nach ' nicht mehr unter den Lebenden. Sie brauchten sie also nicht mehr zu furchten und Sie hätten geduldig warten sollen, bis die Dankbarkeit des Geretteten Ihnen gewährte, was Sie ersehnten." (Scbluß folgt.)

Aus der Schule. Wieviel Zähne hat der Mensch?" fragt der Lehrer den kleinen Hans; pünktlich antwortet dieser: Das ganze Maul voll." . Zweifelhaftes Lob. Sagen Sie aufrichtig, wie gefällt Jhnen meine Braut?" 0, für Ihre Braut ist sie ganz hübsch!" Die drei Lokale. Erster Student: Wohnst Du jetzt angenehm?" Zweiter Student: Oh fa.mok! Ich habe fünf Minuten bis zur Kneipe, nicht ganz eine Viertelstunde rn's Versatzamt und eine gute Stund: auf die Universität." . .

Kür die Lüche. ' SevlgnebällchenmitJlu m e n k o h l. Ein großer Kopf Blu menkohl wird zurechtgestutzt, in wallendes Salzwasser gelegt und fast gar gekocht, worauf man ihn abtropfe i'dt und in eine passende Schüssel legt. Hierin bestreicht man ihn mit einer dicken Masse, die mau aus schaumig gerührter Butter, saurer Sahne, einigen Eiern, Salz, etwas Pfeffer, mehreren Löffeln Parmesankäse zusammengerührt hat, streut dick geriebene Semmel über den Blumenkohl, gießt ein halbes Pint von dem Wasser, in dem der Kopf abgekocht, darunter und stellt ihn noch 15 Minuten in einen heißen Ofen, in dem er eine goldbraune Kruste bekommen muß. Indeß werden die Sevignebällchen aus dem Fleisch eines Tags zuvor gebratenen jungen Huhnes bereitete Man wiegt es fein, vermischt es mit acht großen, kalten, geriebenen Kartoffeln, vier harten, durchgestrichenen Eigelb, zwei Unzen schaumig gerührter Butter, zwei bis drei ganzen rohen Eiern, Salz, Pfeffer, wenig Muskatnuß und vier Eßlöffel voll ganz fein qewiegten süßen Mandeln. Aus de? Masse werden längliche Bällchen geformt, die man in Butte? goldbraun backt. GefüllteKrautköpfe. Man putzt gute Weißkrautköpfe fo zurecht, wie man sie, auch zum Zerschneiden oder Hobeln gebracht, und Unstet sie in Salzwasser nur balbweick. leat sie

dann aufs Haarsieb und läßt sie ablaufen. Hierauf macht man eine Farce von Rind-,, Kalb- und. fettem Schweinefleisch zu- gleichen Theilen, indem man die Fleischtheile' recht fein schabt oder durch eine Fleischhackmaschine treibt: Man schmeckt die Farce mit etwas Zwiebel, Pfeffer,' und Salz ab. Nun legt man das Kraut' auf einBreti und' blättert recht behutsam die Blätter auseinander, so viel als möglich, eins nach dem andern, streicht die natürlich noch rohe' Farce dazwischen, drückt den Kopf wieder gut in seine vorige Gestalt zusammen, bindet ihn, mit grobem Zwirn mehrmals umwunden, gut zusammcn und-legt den Kopf in eine enge Kasserolle oder wenn es mehrere sind, legt man sie dicht nebeneinander und läßt sie in guter Fleischbrühe und reichlich Butter ordentlich gar dünsten, wobei man Sorge trägt, sie auch ordeutlich zu begießen. Hierauf wird eine Beschamelsauce gemacht, mit welcher die Köpfe, wenn sie angerichtet sind, übergössen werden. Zu dieser Beschamelsauce kann man besser als Sahne die Dunstsauce von den Köpfen nehmen und zuletzt daran gießen, wenn man nicht überhaupt vorzieht, die Sauce nöthigenfalls durch Angießen von etwas Fleischextrakt mit wenig braunem Zucker ganz braun wie Bratenbrühe zu halten und zuletzt mit Kartoffelmehl seimig zu machen. In letzterem Falle geben wir gern einige Körner schwarzen Pfeffer, sowie Rauchfleisch- oder Schinkenabgänge, Speck- und Zwiebelscheiben auf den Boden der Kasserolle. An ch o v i.s, E ier in Saue Vier Eier werden zehn Minuten gekocht, in kaltes Wasser gelegt und ab geschält-. Das Weiße wird darauf fein gewiegt, die Dotter durch ein Sieb gedrückt, doch jedes für sich; dann röstet man weißes Brot und schneidet es in beliebige Formen.. Ein Pint Milch wird siedendheiß gemacht,, ein Eßlöffel Weizenmehl, darunter gerührt und gekocht, bis es so- dick ist wie Sahne ode: Creme Die Masse färbt'man Hellrosa, vermittelst Anchovis-Sauce ode: -Pa-str, und mischt das gewiegte Eiweiß darunter Von dieser Mischung- giebt man ein Häufchen auf jedes Stück geröstetes Brot, streicht es glatt und umgiebt es mit einem Ring des. feinen Dotters. Man servirt die Croutons sehr heiß und gefalteter Serviette. Fe.i.ne-r Kartuffelscrlat. Die. in der Schale gekochten. Kartoffeln werden geschält und in Scheiben geschnitten es darf aber keine mehlige- Kartoffelart sein. Alsdann reibt man einige gut gewässerte und gesäuberte Sardellen durch ein Sieb und verrührt sie mit etwas frischer Butter. Aus zwei rohen Eidottern, etwas englischem Senf,. Salz, Pfeffer. Prcvcnceröl und Essig macht man eine feste Mayonnmsensauce, in die man die Sardellenbutter mit einrührt. In diese Sauce hinein giebt man die Kartoffelscheiben nebst gewitzter grüner Petersilie und mischt den Salat gut durch. Amerikanische HundertKuchen. Zwei Tassen voll Butter, zwei Tassen saurer Sahne, vier bis sechs Tassen Zucker. 12 Tassr gutes Weizenmehl, ein Theelöffel Natron, ein halber Theelöffel Cremor Tartari. Gewürz nach Geschmack. Dies alles menge man ganz vorzüglich, rolle den Teig dann aus und bestreue ihn mit Zucker, worauf man ihn mit dem Krichenrädchen in Stücke von der gewünschten Größe schneidet und bei der MittelHitze gar bäckt. Vorzüglich und leicht und einfach in der Bereitung. Jmitirte Suppe h la reine. Aus einem Pfund Kalbfleisch und 3 Unzen Schinken kocht man in den nöthigen Suppenkräutern. Salz, 5 süße Mandeln und einer Drittel Unze Zucker eine Suppe, die man durch ein Sieb gießt und hierauf mit einer hell gelben Mehlschwitze seimig macht. Alsdann kräftigt man dieselbe mit zwei Drittel Unzen Liebigs Fleischextrakt, zieht sie mit 6. in einem halben Pint Sahne zerquirlten Eidottern ab und richtet sie über Scheiben von gedämpfte? Kalbsmilch an. Schinkenbrödchen und Zungknbködchen. Reste von beiden werden feingehackt mit einem Eidotter und süßem Rahm vermischt, auf hellbraun geröstete Vrodscheiöen gestrichen und im Ofen erhitzt so fort angerichtet.