Indiana Tribüne, Volume 23, Number 55, Indianapolis, Marion County, 12 November 1899 — Page 2
Jas Ficssicöchcn. Humoreske von Crvme-Lckwiening. Wieviel Unheil haben sie schon ngerichtet in der lustigen, lebensfrohen LieutenLntswelt, diese Officiersburschen! Wieviel Stoff haben sie gelieseit für die langweiliaenCasinoabende, wieviel HimmelschockgranatendonnerWetter" auf ihre geschorenen, schuld:gen Köpfe entladen lassen müssen! Oberlieutenant Bi:sedow ist eine Seele von einem Manne. Seine Kameraden schwärmen für ihn, seineVorgesetzten schätzen ihn, seine Soldaten Würden für ihn durchs Feuer gehen. Und doch gibt es ein Wort, das diesen liebenswürdigen Officier in den hellsten Aerger zu versetzen vermag. Das Wort heißt: Knobbe. So hieß einer seiner früherenOfficiersburschen. Besagter Knobbe war soweit ein ganz strammer Soldat und aufmerksamer Bursche. Nur einen Fehler hatte er: er war etwas vergeßlich. Und in seiner Vergeßlichkeit hatte er Lieutenant Biesedow den schlimmsten Streich seines Lebens gespielt. Zu jener Zeit hatte sein Compagniechef seine junge Schwägerin auf Vesuch da wie seine Gattin eine junge, lebensfrohe, flotte Münchnerin. LieuGenant Biesedow war nie so oft im Hause seines Hauptmanns gesehen worden, als während jener Zeit. Man flüsterte schon von einer Verlobung der beiden, dann aber reiste die junge Münchnerin plötzlich ab und Lieuteant Biesedow ging eine Weile umher wie vor den Kopf geschlagen. Vierzehn Tage später meldete sich sein Bursche zur Compagnie zurück und von jenem Augenblicke an war der Name Knobbe" der fürchterlichste in den Ohren seines früheren Herrn. Zwischen all' diesen Dingen gab es einen Zusammenhang. Das ahnte inan. Erst jetzt habe ich ihn erfahren. Zwei unschuldige sächsische Garnisonnamen haben ein Paar auseinandergerissen, das für einander bestimmt schien. Die Officiere von Biesedows Regiment, das in einer großen sächsischen Garnison lag, hatten ein Liebesmahl mit Damen veranstaltet. Natürlich war das Miezerl, seines Hauptmanns junge Schwägerin, Biesedows Tischdame. Und als die Aufsätze mit dem Naschwerk kamen, mußte er eine doppelte Krachmandel erwischen. Natürlieh gab's ein Vielliebchen und ebenso natürlich wußte Biesedow, daß es seinePflicht sein werde, es zu verlieren. Er erfüllte diese Pflicht und als er. Miezerls helleFreude darüber sah, daß er verloren, wandte er sich zu ihr und flüsterte: Darf mein Vielliebchen" Ihnen Gründe von dem geben, was .ich über Sie denke?" Da war das Miezerl bis in die zarten, zierlichen Ohrläppchen hinein roth geworden und hatte lachend erwidert Nur, wenn Ihnen das mit einem einzigen Worte möglich ist!" Oh!" hatte er lustig geantwortet, mit einem Worte aus unserer Quariierliste sogar mit dem Namen einer kleinen sächsischen Garnison!" Und mit einem vielsagenden Blicke, vor dem das Miezerl die Augen nieverschlug, 'war er gegangen, um sein Vielliebchen einzukaufen ein paar zierliche Alt-Meißner Nippes, die er in seine Wohnung beorderte Hier setzte er sich an seinen Schreibtisch, nahm eine seiner Karten und schrieb auf die Rückseite den Namen Ks Garnisonstädtchens Oschatz". Oschatz O, Schatz!" murmelte er dabei mit leuchtenden Augen verständlicher kann man ja gar nicht fein." Dann klingelte er dem Burschen. Knobbe ich muß zum Dienst. Aber inzwischen habe ich eine Besorgung für Dich. Es muß gleich ein Packetchen kommen, auf dieses schiebst Du diese Karte hier irnd machst darüber einen neuen sauberen Papierumschlag. Und dann gehst Dn zu Herrn Hauptmann v. Studbrock und läßt Dich bei seiner. Schwägerin, Fräulein v. Berstl, melden. Verstanden? Gut. Der Dame händigst Du mit einem Compliment vom Lieutenant Biesedow das Päckchen ein verstanden, Knobbe?" ' Zu Befehl, Herr Lieutenant!" Dann mach' Deine Sache gut noch eins, räume hier auf und leg Feuer im Ofen an ich hab' nach dem Dienst zu arbeiten!" Zu Befehl. Herr Lieutenant!" Als der Officier das Zimmer verlassen hatte, studirte Knobbe zunächst die. hinterlassene Visitenkarte. Oschatz?" murmelte er da hat sich mei' Lieutenant doch verschrieben wir liegen ja gar nicht in Oschatz. Na mein'swegen mir kann's egal sinn!" Und damit begann er das Zimmer aufzuräumen, die Papierschnitze!, die auf dem Tisch und dem Fußboden zerstreut umherlagen, zu sammeln und in den Ofen zu werfen, in welchem er, wie ihm befohlen war, ein helles, lustiges Feuer angezündet hatte. Ei Kreiz neine noch eemal !" schrie er plötzlich auf und starrte erschrocken 'in die' helllodernde Flamme. Er hatte auch guten Grund zu erschrecken; achtlos hatte er die Visitenkarte seines Lieutenants in der Hand behalten und mit anderen Papierspänen in den Ofen geworfen. Er fuhr mit der Hand in die Gluth hinein, aber was er hervorzog, war eitel verbranntes Papier, das zwischen seinen Fingern zu schwarzen Atomen zerfiel. Knobbe kratzte sich wortlos den Kopf. Er kannte feinen Lieutenant. War dessen Auftrag nicht bis zu seiner Rückkehr vom Dienst ausgeführt, dann entlud sich über seinem Haupte ein Donnerwetter nee, nee DunnerMtn, xitL nur das nicht!"
AIS er nachdachte, erhellten sich seine Züge. Es war ja Gott sei Dank kein Brief gewesen nur eine Visitkarte, wie sie drüben auf dem Schreibtisch noch zu Dutzenden lagen. Das eine Wort auf. der Rückseite na, das konnte er auch zur Noth draufschreiben dann merkte kein Mensch etwas vra seiner Unachtsamkeit. Aber, als er sich an den Schreibtisch setzte, malte sich die hilfloseste Versegenheit von neuem in seinem Antlitz. Ja welches Wort hatte doch auf der Rückseite gestanden? Ein Städteund ein Garnisonname war's aber welcher? Das war ihm rein aus dem Gedächtniß entflogen. Knobbe rieb sich die Stirn, schlug mit der geballten Faust an sie, rannte -im Zimmer umher, steckte den Kopf tief in das Sofa, und gleich darauf in des Lieutenants Waschschüssel umsonst, der entflohene Name kehrte nicht zurück. Da klingelte es sollte nicht schon der Lieutenant heiß und kalt ward ihm! Aber nein, es war nur das Packet aus der Meißner PorzellanNiederlage, das für den Herrn Lieutenant abgegeben wurde. Nun wurde die Sache brennend und Knobbe gerieth in Verzweiflung. Aber, je meh-r er nach dem entflohenen Namen haschte, desto mehr entwich ihm dieser. Schweißtriefend kam endlichKnobbe zu folgender Resolution: Kreiz verpippchen 's war doch ä Garnison in der Nähe denken m'r doch eemal ruhig un verninsdig nach welche Garnisonen ham' m'r denn eegentlich so in d'r Neehe 'ram!" Eine Weile sann Knobbe mit an die Nase gehaltenem Finger, dann leuchitk es in seinen Augen wieder auf. I nadierlich das war'sch nä. wie konnt' ich's nur vergessen!" Und schnell stand in genau so unschönen Zügen, wie in denen seines Herrn, aber dennoch deutlich lesbar der Name aus der Rückseite der Karte. Diese unter den Kreuzbindfaden des Packetchens schieben, einen neuen Umschlag daruni machen und forteilen, um es der schönen Empfängerin auszuhändigen. war das Werk eines Augenblicks. Als am folgenden Mittag Lieutenant Biesedow Hochklopsenden Herzens bei seinem Hauptmann vorsprach und sich bei den Damen melden ließ, empfing er die Antwort, die Damen ließen bedauern, ihn jetzt nicht empfangen zu können. Bestürzt ging der Officier davon, als er aber am nächsten Morgen hörte, Fräulein von Berstl sei plötzlich abgereist, drohte ihm das Herz stillzustehen. Sie hatte alfs mit ihm gespielt und war der zart angedeuteten Aeußerung seiner Gefühle ausgewlchen für immer. Was haben Sie denn mit meiner llemen Schwägerin gehabt, 'lieber Biesedow?" fragte ihn nach einer Reihe von Tagen der Hauptmann. Sie ist ja im Groll über Sie abgereist. A propos heute kam von ihr ein Packetchen an meine Frau, mit der Bitte, Ihnen das zu übermitteln. Ich lasse es in Ihre Wohnung besorgen. 'Morgen lieber Biesedow."
Tin unrubiaer Erreauna wartete. Biesedow in seiner Wohnung das Eintreffen des Packetchens ab. Es enthielt seine Nippes und Karte, aber als er diese umwandte, grinste ihm statt des Wortes Oschatz" in steilen ungelenken Buchstaben das Wort Wurzen" entgegen. Also als eine Würzen", als eine unschöne, nicht begehrensnxrihe Personlichkeit hatte sie sich von ihm betrachtet geglaubt. Biesedow raste! Die folgende halbe Stunde war peinlich für den guten Knobbe. Am anderen Morgen meldete er sich zur Compagnie zurück. Die 13 als Glütkszahl. Reisende berichten über einen eigenartigen, hübschen Hochzeitsbrauch aus Peru, über dessen Ursprung und Bedeutung die Meinungen vielfach auseinandergehen. Nach der einen Lesart ist diese Sitte den heiligen Legendenbüchern entnommen, nach einer anderen verdankt sie ihr Entstehen den spanischen Heerschaaren. die unter dem blutigen Eroberer Pizarro das Reich der Inka" überflutheten. Hat nämlich dort zu Lande ein liebendes Paar alle Etappen des Brautstandes bis zum Traualtar zurückgelegt, so will es das Herkommen, daß die Pathin oder der Pathe des Bräutigams einem männlichen oder weiblichen Taufzeugen von Seiten der Braut einen Präsentirteller mit 13 zierlich darauf vertheilten Geldstücken einhändigt. Mögen diese, je nach dem Bermögensstande des Hochzeiters, aus Gold oder Silber bestehen, es kommt nur darauf an, daß die Zahl 13 innegehalten wird, die an Jesuö und seine 12 Jünger erinnern soll. In feierlicher Haltung bietet fcei Pathe das Tablett der Braut dar, die es an den Priester weiterreicht, dem alsdann die Sorge obliegt, die Spende an die Bedürstigen seines Kirchspiels gelangen zu lassen. Jedenfalls, beweist der Brauch, daß die Zahl 13 nicht immer als Unglückszahl gilt. DaherderZorn. A.: Warum haben Sie denn dem jungen Mann, der eben vorüberging, so giftig nachgeschaut?" 23.: Warum, das will ich Ihnen sagen, dieser Mensch hat mir meine letzte Köchin, die so ausgezeichnet kochen konnte, weggeheirathet!" Z u k u n f.t s b i l d. Verehrer: O theuersieHulda, welche Wonne liegt doch in der Liebe, wenn das Herz klopft und die Pulse schneller fliegen!" Sie (weiblicher Arzt, seine Hand ergreifend): Ha! Verräther! Sie täuschen mich! Ihr Puls geht ganz normal 72 in der Minute!"
Aic Ausgesiolzcncn. Won Paul A. Kirstein. Es wehte ziemlich scharf durch die Luft. Die Menschen, die noch auf den Straßen zu thun hatten, hüllten sich fröstelnd fester in die wärmenden Mäntel und bargen die Hände tief in den Taschen. Der Spätherbst war da. Das Laub längst von den Bäum-n,die Acste kahl und leer und wie drohende Finger gen Himmel gestreckt. Der Nebel lag schon wie ein Vorbote des künftigen Schnees in der Luft, und Alles deutete darauf hin, daß es mit den warmen Tagen nun vorbei, daß der Winter kam mit Schnee und Eis und mit den Schrecknissen für die armen, darbenden Leute. Auf den Straßen mußten die Laternen schon früh angezündet werden. Nachmittags um fünf Uhr stießen die eilenden Menschen sich schon aneinander. und der hastende Wagenverkehr gerieth oft in bedenkliches Schwanken. Nach und nach wurde es nun auch in den Läden hell, und in ganz lurzerZeit strahlten dann die Hauptstraßen in blendendem Glanz, nicht als ob es Elend und Armuth in der Welt gäbe, sondern als ob Alles behaglich und freundlich eingerichtet wäre, als ob Jeder sein warmes Heim und seinen Unterschlupf hätte, als ob die ganze Welt ohne Noth und Sorge wäre. Ein junger Mann wanderte- nun schon das vierte Mal die Hauptstraße auf und ab, froh, daß ihn Niemand sah und beobachtete, daß in dem Halbdunkel. das vorerst noch herrschte. Keiner seine abgetragene Kleidung bemerkte, und daß er gehen konnte, unbeachtet und ohne das beschämende Gefühl einer furchtbaren Erniedrigung. Ja freilich .... wenn die zu Hause von seiner unglücklichen Existenz wissen würden. Aber das hatte er sich ja verscherzt! Muthwillig, wie die Einen sagten, einem inneren Zwange folgend, wie er es nannte. Er hatte nun einmal die stete Beaufsichtigung, die Botmäßigkeit nicht mehr ertragen können. Schon auf der Schule war es ihm nicht mehr möglich gewesen. Er war doch damals immerhin schon ein Mensch im siebenzehnten Jahr, und da sollte er nun nachsitzen, wie ein kleiner Knabe, sich ausschelten und schuhriegeln lassen nein, das hielt er nicht mehr aus. Kurzer Hand nahm er seinen Abschied, selber ein Mensch, selber ein Erwachsener zu sein. Er erinnerte sich noch ganz deutlich, wie er damals mit seinem Plan nach Hause kam. Sie waren zwar Alle erst etwas verwundert, aber dann stimmten sie gerne zu. Gerade damals waren ja die Verhältnisse seines Vaters auch nicht besonders gut. Die reiche Concurrenz hatte dem alten Geschäft doch auch gehörig zu schaffen gemacht, und erst viele Jahre später gelancz es den energischen Bemühungen seines Vaters, es wieder flott und auf die alte Bahn zu bringen. Man war also damals durchaus nicht abgeneigt, ihn von der Schule zu nehmen, und in ein Geschäft zu bringen. ffreilich das suchte auch der Vater wieder aus, weniger nach den Neigungen seines Sohnes, als nach der Ueberzeugung, die er im Moment von der geschäftlichen Conjunktur hatte. Willig ging Walter Riemann auch auf seinen Plan ein. Als er aber dann nach einigen Wochen einsehen lernte, wohin er sein junges Leben gegeben, da rüttelte und schüttelte es in seiner Seele, daß er am liebsten Alles gleich über den Haufen geworfen hätte. Nur die Ermahnungen seiner guten, kränklichen Mutter hielten ihn noch. Aber dann dann kam wieder ein Tag, an dem er das Alles vergaß. An dem Pflichten und Umgebung ihm so niedrig und beengend erschienen, daß er es nicht mehr aushalten zu können glaubte. Dieses ewige Streiten um die Preise beim Ein- und Verkauf, dieses Handeln mit den Arbeitern, die stückweise beschäftigt und bezahlt wurden er konnte es nicht mehr ertragen! Er sah wohl ein, daß dieses Borgehen im Interesse des Geschäfts unumgänglich nöthig war, aber nur er er konnte es nicht! Es war so unbehaglich, so so unfein. Kleinlich kam es ihm vor und anständiger Leute nicht würdig, kurz er mußte fort. Seine Chefs sagten selber, bei allem guten Willen für diese Branche wäre er nicht brauchbar. Als er diesmal wieder nach Hause kam. empfing man ihn nicht sehr gnädig. Man nannte ihn faul, untüchtig, man warf ihm Energielosigkeit und Hang zum Nichtsthun vor an sein Gefühl, an all die Seelenkämpfe, die er mit sich durchgemacht, dachte man nicht. Man ließ ihn ruhig seines Weges gel)n. Ging's nicht im Guten, nun dann sollte ihn das Leben erziehen. Er lachte bitter auf. O ja, es hatte ihn erzogen! Es hatte ihn hungern und entsagen gelehrt, hatte ihn abwechselnd hinauf- und hinuntergeworfen, aber seinen Stolz, sein Selbstgefühl hatte es nicht gebrochen. Die beiden Faktoren trug er noch immer fest mit sich herum, und nie, wenn ihm auch das Messer an der Kehle saß, hatte er Jemandem sein Leid geklagt. Denen zu Hause am 'Allerwenigsten! Aber die mußten seine Lage doch wohl aus lcincn Briefen herausgelesen haben, denn ihre Antworten wurden spärlicher. wortarmer und kühler, sie hörten von Zeit zu Zeit ganz auf. Trotz Allem ging er noch muthig und voll Vertrauen durch's Leben. Nur jetzt jetzt war er doch manchen Tag und manche Stunde am Rande. Jetzt war in der großen, weiten Welt Alles still für ihn. Jetzt hörte er von keinem Menschen mehr! Kein tröstendes, theilnehmendes Wort, keine nrage, kein Interesse. Wie ausgestoßen ging er zwischen Allen umher.
Seine letzte Stellung hatte er vloren. weil das neueUnternehmen, in das er gleich bei der Gründung eingetreten war. die vielen Spesen und die Last des Personals nicht tragen konnte. Was, nützte es ihm da, daß der Chef ihm ein glänzendes Zeugniß ausstellte, daß er ihm bescheinigte, daß er außerordentlich tüchtig und fleißig gewesen war. und daß er ihn nur ungern, einer Nothwendigkeit gehorchend, entließe! Die Stellung war er nun los und das mühsam, groschenweise ersparte Geld auch, denn anderes hatte er trotz aller Zähigkeit und Mühe nicht finden können, und das Leben in der großen Stadt, mit den vielen Laufereien und Bewerbungen kostete viel, viel Geld. Schon seine Miethe hatte er nicht begleichen können, trotzdem er seit Tagen nichts Warmes mehr aß. . Die arme ,Zrau, bei der er wohnte, hatte ihn so dringend heute darum gebeten. . Er wußte ja wohl, sie brauchte es selbst, aber woher sollte er es nehmen?! Zwei Thränen zitterten in seinem Auge. So elend, so weltverlassen!! Und um ihn herum lachte und plauderte Alles vergnügt, die Menschen fuhren an ihm vorbei, geputzt und geschmückt, auf die Feste, in die Theater. Er hätte von dem, was sie da ausgaben. viele Wochen leben können, hätte
sich Vielleicht für immer aufraffen kirn nen. aber so.... Er sah nur noch den Tod vor sich, als einzigen, letzten Ausweg. Er blieb an einem Schaufenster stehen. Ach ja, auch ein einziger von den blitzenden Steinen da drin würde ihn retten können. Für so Viele waren sie Tand, für ihn -.' Er mochte es, nicht mehr ausdenken. Aber begreifen konnte er mit einem Mal, wie man ein Verbrechen begehen konnte! Wie man stehlen und rauben und plündern konnte, denn so, trotz aller Lust zur Arbeit gaben sie einem nicht das be scheidenste Leben. Aber nein, nein! Dann schon lieber sterben. Der Tod nach all der Noth mußte etwas so Sanftes, Süßes sein. Er drehte sich von der Auslage ab und ging weiter. Auf der anderen Seite sah er einen Bekannten. Im ersten Moment hatte er das Gefühl, sich vor ihm zu verstecken, wie vor allen Anderen, die ihn in seiner guten Zeit gekannt, aber dann dann stieg in ihm die Erinnerung auf, wie er Jenem in weit gefährlicherer Noth auch einmal geholfen. ... Guten Abend, Herr Krus." Er zog bescheiden den Hut, und hielt sich mehr im Dunkel. Ach. Sie sind's. Riemann?! Na wie geht's denn?" Er streckte ihm jovial die Hand hin. Walter senkte die Augen. Sie sehen's ja, Herr Krus, schlecht sehr schlecht. Ich hab' keine Stellung." So? Ach, das thut mir leid." Ich hab' auch kein Geld," kam es zögernd nach. Ei, Donnerwetter," sagte der Andere, das ist schlimm." Ich wollte Sie bitten, Herr Krus ich hab' Ihnen doch auch einmal geholfen geben Sie mir ein paar Mark." Ich?!!" Der Andere lachte auf. Aber Mensch, haben Sie. denn 'ne Ahnung, was mich die Frauen kosten?! Ich hab' Nichts!" Nur ein paar Mark, Herr Krus. Ich ich brauch' es dringend!" Aber Bester, ich kann's wirklich nicht! Uebrigens, Pardon da kommt meine Pferdebahn. Na, lassen Sie sich 'mal sehen!" Er reichte ihm flüchtig die Hand und rannte davon. Verduft blieb Walter stehen. Jn's Gefängniß wär' er gekommen, wenn ich nicht Hahaha, das ist die Vergcltung!" Sein Gesicht verzerrte sich dann rannte es blindlings in eine Seitenstraße hinein. Niemand sollte ihn sehen, wie er die Zähne zusammenbiß. daß ihm die Thränen nicht strömweise herniederstürzten. Wenn doch die Nacht erst kommen würde! Die war für seinen Plan am besten. Da kümmerte sich Keiner um ihn, da hielt ihn Nichts mehr von seinem Vorhaben ab! Hatte er nicht wie ein Bettler vor Jenem gestanden? Er wie ein Bettler!! Er ging immer weiter durch menschenleere Straßen. Die Läden wurden bald geschlossen und überfüllt rollten die öffentlichen Wagen einher. Alles fuhr nach Hause, in die Familie, in die warme, behagliche Wohnung für ihn war das Alles verloren. Am Rande des großen Parkes blieb er endlich stehen, seine Füße trugen ihn nicht mehr. Er hatte den ganzen Tag noch nicht geruht, auch noch nichts gegessen.. Scheu sah er sich nach einer Bank um. Als er sie entdeckt, wankte er müde auf sie zu. Ein bleiches, junges Mädchen sah zu ihm auf. Herr Riemann! Sie hier," Er nickte nur trüb. Ja, Fräulein Becker ich hab' keinen anderen Ort." Er ließ sich ermattet neben ihr nieder. Ich bin den ganzen, langen Tag gelaufen keine Aussicht, keine Hoffnung. Alles am Ende!" Sie sah ihn mitleidig an. Armer Mensch. Und keinen Mantel, so dünn angezogen bei dieser Kälte!" Er seufzte tief. Es ist ja nun Alles vorbei. Ob ich friere, ob ich hungere. , Es bleibt sich gleich. Einmal da muß es ja doch zu Ende fein." Herr Riemann! Sie sind fo jung noch, Sie haben so gute Zeugnisse Ja, und bin damit rumgelaufen durch die ganze Stadt. Ich habe gebeten' und gebettelt" er schluckte an dem Wort für mich war kein Platz!" Aber es wird noch kommen! Die Tage sind noch nicht zu Ende!-. . .
Meinen Sie? Sie sind doch nun auch schon gelaufen, Tag für Tag haben Sie noch Hoffnung?" Sie schwieg still und senkte tief den Kopf. Und sitzen nun hier," fuhr er fort, ausgestoßen und verachtet, wie ich." Ich schäme mich vor meiner Mutter," sagte sie leis. Sie ist krank. Die Unterstützung reicht nicht für uns Beide." Armes, armes Fräulein!" Aber ich habe Hoffnung. Im Vureau heute hat man mir so viel gemacht." Er lachte wieder höhnisch auf. Im Bureau!! Ja da macht man immcr Hoffnung. Aber wenn dann was kommt, dann kriegt es doch ein Andcrer." O sagen Sie das nicht. Erst gestern erlelt eine Freundin von mir einen Posten. . . ." Und ein Anderer ging in's Wasser! Das gleicht sich aus." Herr Riemann. . . ." sie schwieg erschrocken still. Und die kalte Nachtluft überfiel sie Beide, daß sie fröstelten. Eng aneinander drückten sie sich, daß Einer den Anderen wärme. Gehen Sie doch nach Haus, Herr Riemann." Nach Haus? Ich hab' keins.Herr Riemann. . . ." Da aber, wo ich hingehen will, ist es auch still und warm, da gibt es keine Sorge und Noth, da ist es so ruhig " Er breitete weit die dürren Arme aus. daß sie ihn ängstlich von der Seite ansah. Kommen Sie, Fraulein Becker, ich bringe Sie erst nach Hause, daßSie nicht belästigt werden." Sie schüttelte stumm den Kopf. Ich lasse Sie heute nicht." Warum nicht?" Ich will nicht, daß Sie. . . . Seien Sie doch vernünftig, Herr Riemann Das Leben kann so schön sein!" Kann so schön sein!" wiederholte er wie in Gedanken. Ich hab' es auch einmal geglaubt. Aber nun einsam und verlassen in der Welt, un-
geliebt, unbeachtet wie ein todter j Wurm." Ueber seine Wangen fiel es naß herab, sein ganzer Körper zitterte. Ich habe auch einmal geglaubt, ich würde die Welt einreißen können mit meinen Plänen und Hoffnungen, ich habe auch einmal geglaubt, ich würde die Freude zwingen können mit Fleiß und Ausdauer, und was ist nun? Obdachlos bin ich, ohne Geld, ohne Freunde. . . ." Ohne Freunde auch?" fragte sie ! leis. Wissen Sie nicht, wie Sie mich so oft 'getröstet haben, und mir bei all den Bewerbungen halfen. Wie Sie für mich fragten und mit Erkundigun- i gen sorgten? Wissen Sie's nicht mehr?" Sie sind doch eine Frau!" Und kann ich nicht deshalb doch ein Freund, ein Kamerad sein?! Leidensgeführten sind wir auch, und getheiltes ; Leid Sie wissen es ja tragt sich leichter!" Langsam zog sie ihn von der Bank. Kommen Sie es wird zu kalt." Sie faßte ihn unter und zog ihn durch die Straßen, daß ihr Arm ihm wenigstens etwas Wärme gäbe. , Und vor dem Haus, da blieb sie stehen. Kommen Sie mit! Es wird Sie nicht geniren, daß meine Mutter ; schläft, und Sie brauchen dann nicht ' wie ein verlorener Mensch die Nacht im j Freien sein. Mechanisch ging er die Treppe mit hinauf. Die alte Mutter machte zwar ; erstaunte Augen, doch als sie in sein vergrämtes Antlitz sah, da schwieg sie still. Sie kannte diese Züge! Das Leid bringt sie hervor und hält die ( Menschen beieinander. I Walter Riemann ließ sich auf einem ' Stuhle nieder. Die müden Augen , fielen ihm bald zu. Aber ein paar andere wachten für ! ihn. Während er unruhig athmete und sich hastig bewegte, schrieb seine Freundin einen langen Brief an feinen Vater. Walter merkte nichts davon. Merkte es erst, als die Antwort kam. Man schickte ihm Geld für Amerika. Bittend sah er seine Freundin an. Kommen Sie mit. Es reicht für uns Drei und drüben, da können wir arbeiten, ohne Scheu, was uns beliebt. Rücksichten auf Stand und Herkommen sind da vorbei. Da sind wir endlich frei " Er faßte ihre schmale Hand. Hier sind wir doch ausgestoßen, vogelfrei, vielleicht in Wochen wieder am I Rand! Drüben ach, da kann man I die Arme regen, kann sich bewegen und Nichts wird mir zu viel, wenn Sie. die mir einst den Muth wieder gaben. mit mir aus diesem fürchterlichen Verlassensein heraus wollen!" Da nickte sie ihm leise zu. Aber arbeiten will auch ich, arbelten, bis ich den letzten Tropfen Blut verliere. Besser ist's immer, als die Schande, die mich hier erwartet " Wer immer über sich sieht. verliert zuletzt den Boden unter den j Füßen. - j GutangewendetePhrase. Ich habe das Vergnügen, Ihnen die 100 Dollars, welche Sie mir geliehen. zurückzuerstatten." O, das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite!" j E r w e i ß s i ch z u h e l f e n. Regisseur (einer Schmiere): Herr Direktor, das Stück können wir nicht geben; der erste Akt spielt in einem Garten, der zweite am Ufer von Brasilien, der dritte auf einem Pariser Boulevard nd wir haben doch bloß eine einzige Zimmerdekoration!" Direktor: Wird gespielt!, Wir nehmen einfach fortgefetztes Regenwetter an. Da könnten die Leute doch nicht immer im Freien her-umlaufen
ßtwas vom Küssen. Von Erwin Schmitt. Vor der modernen Wissenschaft hält selbst die Poesie des Kusses nicht
Stand. Die moderne Forschung wagt sich ganz ketzerisch selbst an die Dinge hran, die von den Dichtern aller Zeiten und aller Orten in begeisterten Versen gefeiert worden sind. Die moderne Hygiene hat den Kuß längst für gesundheitsschädlich erklärt, und in England, wo man die Theorie stets in die Praxis ülvrsctzt, hat sich in diesem Jahre eine Art Anti-Kuß-Cwb gebildet, eine Vereinigung, die gegen das Küssen agitirt. Besonrs die sögenannten Familien- und Conventwnsküsse sollen, mit Rücksicht auf die Möglichkeit von Krankheitsübertragungen beim Küssen, bekämpft und womöglich ausgerottet werden. Auch in Deutschland ist verständigerweise die Gewohnheit, daß hübsche kleine Kinder von Fremden auf den Mund geküßt werden, sckon lange be-, kämpft worden und im Schwinden. Freilich wird, im Allgemeinen in Deutschland noch viel mehr geküßt als in England, wo man öffentlich nicht küßt und wo vollends der Kuß unter Männern ganz verpönt ist. Der englisch? Schriftsteller O'Clarus Hiebslac. der lange Zeit auch deutsche Verhältnisse studirt hat, erzählt in seinem allerliebsten Buche Englische SprachSchnitzer" auch vom Küssen in England. Wie er berichtet, küßt der Vater d Mutter und die Töchter, die Mutter die Söhne und Töchter, der Bruder küßt die Schwester, aber niemals seinen Bruder, und niemals küßt der Vater den Sohn, sobald er der Kindheit entwachsen ist. Bezieht der Junge die ferne Schule, so küssen ihn Mutter und Schwestern, aber niemals Dater und Bruder. Sie scheiden mit einem Händedruck. Mädchen küssen sich allerdings wohl noch öfter, als in Deutschland. Das Küssen unter Männern ist eine erst von Frankreich nach Deutschland gebrachte Mode; unter den deutschen Landleuten kommt es nicht vor. In allen Fällen aber, so räth O'Clarus Hiebslac, vermeide der Deutsche, einen Freund in England in Gegenwart von Engländern zu küssen, und niemals lasse er sich einfallen, einem englischen Freunde selbst unter vier Augen einen Kuß anzubieten, da dieser einen solchen Kuß mit Entschiedenheit zurückweisen würde. Die englischen Damen freilich scheuen trotz ihrer Prüderie nicht davor zurück, Küsse zu wohlthätigen Zwecken öffentlich versteigern zu lassen. Selbst in kleinen Orten kommen solche Auctionen von Küssen bei Wohlthätigkeitsveranstaltungen nicht selten vor, und diejenige Dame fühlt sich natürlich am meisten geehrt und entzückt, für deren Küsse von Verehrern und Bewunderern am meisten geboten wird. Im vergangenen Herbst fand eine derartige Auction zu wohlthätigen Zwecken öffentlich in London statt; da wurde ein Kuß der ebenso bedeutenden und geachteten wie schönen Schauspielerin, Miß Mabel Harlowe, versteigert, einer Künstlerin, die die öffentliche Aufmerksamkeit in ganz England besonders dadurch auf sich gezogen hatte, daß sie einen der reichsten Aristokraten wegen Bruchs des Eheversprechens verklagte. Es wurden ihr $60,000 Entschädigung zugebilligt. Miß Harlowe machte das Urtheil in allen Zeitungen bekannt, verzichtete aber auf das Geld. Sie ist eine wirkliche 5ame, der auch der böseste Neid nicht das Geringste nachsagen kann. Ein Kuß von ihr mußte also für die Wohlthätigkeitskasse einen hohen Betrag einbringen. In der That wurde als höchftes Gebot die Summe von 800 Lstrl. gleich $4000 für einen Kuß von Miß Harlowe abgegeben, und der glückliche Ersteigerer war ein alter Oberst. Der alte Herr indeß erklärte, er habe nicht für sich, sondern für seinen siebenjährigen Enkel, der an diesem Tage seinen Geburtstag feierte, den Kuß ersteigert, und der vielbeneidete kleine Knabe erhielt öffentlich den Kuß der fchönen Schauspielerin. Man sieht aus der Art und Weise, wie hier die Kuh - Auction verlief, daß die Engländer derartige Dinge gentle rnanlike behandeln. Was die Engländer thun, ahmen die Amerikaner oft genug nach. In den kirchlichen Abenduntcrhaltungen der Stadt Donough, welche Gelder zum Umbau einer alten Kirche sammelte, aber bei den jungen Herren wenig Sympathie gefunden hatte, begannen die jungen, ledigen Damen Küsse an den Meistbietenden zu verkaufen, und ließen die Einnahmen dem Umbaufonds' zufließen. Aber die Einnahmen waren nicht sehr groß, denn die jungen Herren boten niemals mehr als 10 Cents. Infolgedessen gab man zunächst die Auctionen au? und hängte ein Plakat mit der Inschrift auf: Küsse zu allen Preisen von 25 Cents bis 100 Dollars. Geborgt wird nicht." Das Geschäft wurde nun ein großartiges, man verkaufte manchen Abend mehr cls 100 Küsse, und dem Kirchen-Um-bau-Fonds flössen reichliche Beiträge zu. Daß es in Europa jemals Länder gegeben hat, in denen das Küssen gänzlich unbekannt war, dürste wenig bekannt sein. Als aber Cromwell, der englische Dictator, einen seiner Getreuen, den Aulstroda Whiteloke, als Gesandten nach (Schweden sandte, meldete dieser in seinen Berichten aus Stockholm, daß den Schwedinnen das Küssen gänzlich unbekannt sei. Gleiche Unkenntniß herrscht heute noch in China. Die Chinesen erklären die Art und Weise, in der der Europäer küßt, für barbarisch, ja für nicht menschenwürdig. Dabei haben sie auch eine Art von Zärtlichkeitsbezeugung, die wenigstens einigermaßen an den europäischen Kuß erinnert. - Der Chine tyt die Nase auf die Wange der
geliebten Person, dann folgt eine lange Einathmung und ein schmatzendes Geräusch mit den Lippen, ohne daß d!ese die Wangen berühren. Als ein merkwürdiges Ueberbleibsel alter Sitten ist wohl der in dem rumäNischen Orte Halmagen heute noch übliche Kußmarkt anzusehen. An einem bestimmten Markttage kommen alle jungen Mädchen und Frauen der Umgegend in Halmagen zusammen und küssen Jedermann, der sich ihnen in gebührender und höflicher Weise nähert und ihnen eine kleine Münze schenkt. Die Frau oder das Mädchen erwidert das Geschenk nicht nur mit einem Kuß, sondern auch mit einem Schluck Wein aus einem Kruge, den sie bei sich führt. Die Münzen werden zu wohlthätigen Zwecken abgeliefert. Dieser eigenartige Brauch stammt der Tradition nach daher, daß nach einer fürchterlichen Bedrückung durch die Türken sich die Rumänier in einem Aufstande von den Feinden loszureißen suchten, und daß nach glücklich vollendeter Befreiung die Frauen damals in ihrer Freude alle ihnen begegnenden Männer küßten. Acr Hcuscr ausdieAreitc. LZon Reinhold Volker. Es wird Zeit, daß Du heirathest!" sagte des Teufels Großmutter. Du wirst mir sonst immer grilliger, und wenn ich unvermuthet einmal das Zeitliche segne, kannst Du Dir die Hosenknöpfe allein annähen!" Es wird schwer halten, Eine zu bekommen!" meinte der Teufel. Ohne Sorge!" erwiderte die Großmutter. Um einen Mann zu kriegen.
ist schon Manche zum Teufel gegangen, auch wenn er kein so prächtiger Kerl wäre! Aber passe nur auf, daß Du nicht 'reinfällst! Bedenke, daß es in der Ehe mehr auf die inneren Qualitäten ankommt! Bor allem hole Dir Eine mit guten Nerven, die nicht zimPerlich ist und ab und zu ein Scheitchen mit zulegt, wenn Du nach dem Essen Dein Nickerchen machst. Weißt Du, so eine rechte schwarze Seele, in der Seele gefärbt, wo die Farbe nicht abgeht!" Die wird leichter zu finden sein, als das Gegentheil!" dachte der Teufel. Erst will ich Dich aber noch ein bis- . chen herausputzen!" fuhr die Groß- ' mutter fort, nahm eine Wichsbürste und wichste ihn von oben bis unten, daß er glänzte wie Speckschwarte, schnitt ihm die Nägel, steckte ihm einen Blausäurekrystall in den Schlips, eine Schwefelblume in's Knopfloch, und flocht ihm eine zierliche Schleife in den Schweif. j Servus!" sagteer. I ,Adje!" sagte die Großmutter, und gab ihm einen schnalzenden Abschiedskuß, ich will Dir derweilen den Daumen halten!" Auf dem Markte hockten die FischWeiber. Da kam der Teufel aus einer Schleuse gefahren und stand plötzlich mitten im Gewühle, gerade vor einer, die gleichgültig einem Aal nach dem anderen das Fell über die Ohren zog. Das wäre ja gleich die Rechte!" dachte er vergnügt. Aber auch das Weib hatte ihn bemerkt und sagte mit dem gutmüthigsten Gesichte von der Welt: Sie werden entschuldigen, mein Herr, aber Sie haben sich an der Nase ganz schwarz gemacht!" Da merkte er, daß es noch nicht die Nichtige war. Er kam an ein großes graues Gebäude. finster und kahl, mit engen, vergitterten Fenstern. Vielleicht findest du hier, was du brauchst!" dachte er, kletterte am Blitzableiter hinauf und lugte hinein. Er sah, in der Ecke zusammengekauert, ein Weib. Es war eine Mörderin, tückisch und bodenböse, und sie rasselte grimmig an ihrer Kette. Nicht übel!" schmunzelte er und rückte näher. Da kam ein Marienkäferchen geflogen und setzte sich ihr auf die 5)and. Sie betrachtete es eine Weile, seufzte und hielt es dann in die Sonne, die in einem dünnen Strahle hereinschien, bis es die betupften Flügel spreitete und fröhlich davonflog. Da rutschte der Teusel wüthend wieder herunter. Er rannte straßauf, straßab, roch in die Winkel, schnüffelte in die Höfe, in die verrufensten Löcher aber eine Seele, wie er sie brauchte, eine Seele ganz und gar schwarz, die fand er nicht. Irgend ein Fleckchen war an jeder noch weiß. Schließlich war er ganz niedergeschlagen und eben schon wieder auf dem Wege nach Hause. Da begegnete ihm Einer, der die- Ohren noch tiefer herabhängen ließ, und da er nichts unversucht lassen wollte, redete er ihn an. Erschrecken Sie nicht!" begann er so freundlich er konnte, ich bin nämlich der Teufel! Wissen Sie keine Frau, für mich?" Ei ja!" sagte der Mann ganz vergnügt und nahm ihn gleich unter'n Arm. Er führte ihn in ein Haus, die Treppe hinauf, vo? eine Thüre. So!" ! sagte er, und mit zwei Sätzen war er ! auch schon wieder hinunter. Der Teufel schielte durch s Schlusselloch und sah eine alte Frau, mit einer gedübelten Haube und einer Hornbrille auf der Nase. Die Nase war krumm wie beim Habicht und sehr energisch. Niemand anders konnte es sein, als die Schwiegermutter des Mannes. Sie saß da und zog ein blaues Bündchen eifrig durch eine Häkelarbeit. Wie er bemerkte, war es ein Kinderjäckchen. Er sah. wie sie es mit zweiFingern emporhob und zärtlich betrachtete. Da fuhr er prustend in die Hölle zurück und ist heute noch Hage-
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