Indiana Tribüne, Volume 23, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1899 — Page 7

Aas ungegessene Diner. Von der KoSfrau selbst erzählt. Ekizze von Alfred af Hedenstjerna. Oft, wenn ich in knickerigen Häusern bin, wo die Herrschaft nichts draufgehen lassen will, oder wenn ich in einem Hause bin, wo kleine Verhältnisse sind und doch alles großartig" sein soll, oder wenn ich bei solchenLeuten Diners bereite, die niemals wissen, was sie wollen, muß ich immer an Direktor Vrandbergs Diners denken, besonders aber an das letzte, daß ich dort bereitete. Die Frau war eine geborene von Silbersporn, und man gab in diesem Hause mehr für die Blumen auf der Tafel aus, als andere Leute für den Braten. Ihr Vater und ihre Mutter hatten kaum das tägliche Brot gehabt in ihrer letzten Lebenszeit; aber Fräulein Jeannette entschädigte sich wahrlich dafür, als sie später den Direktor heirathete. Soll man Vrandberg heißen, so will man wenigstens wissen, daß man lebt," sagte sie einmal, als die Kammerjungfer sich darüber entsetzte, was der Conditor für zwei SchweizerHäuschen und sechs Herden aus Eis nahm, denn sie war sehr adelsstolz und es fiel ihr schwer, daß sie nicht die Freiherrnkrone auf dem Tischzeug haden konnte. Der Direktor gab ihr alles, was sie wünschte, einmal, weil er sie liebte, und dann auch, weil er selbst gern leuchten und großthun wollte, und es konnte vorkommen, daß er noch ein Zwischengericht hinzufügte, wenn die Frau ihm das Menü zeigte, wie wir es zusammengestellt hatten. Da lachte sie, aber es flammte etwas wie Hohn in ihren großen, klaren, grauen Augen, und einmal, als der Direktor gesagt: Liebe Frau Holm, nehmen Sie, um Gotteswillen, etwas Neues, was die Leute noch nicht gesehe r oder noch nicht gegessen haben, etw zs, was sie begaffen können, bevor sie ts in den Mund bekommen!" da hörte ich deutlich, wie sie murmelte: Ja, nun denkt Nachtwächter Brandbergs Sohn, er sei zu Macht und Ansehen gekommen!" Denn das ließ sich nicht leugnen, daß sein Vater diesen Staatsrock getragen und um die üblichen Zeiten in den Nächten die Stunden abgerufen hatte. Ja, Herr Gott, wenn ich nur an eiries denke: süßer Champagner auf der einen Seite des Tisches nach dem Fenster zu, trockener Champagner nach dem Büffett zu, Burgunder auf der einen Seite und Bordeaux auf der andern, und dann an das, was gar nicht aus der Jahreszeit war, und so zwölf Gelichte und am Schluß ein ganzer Kübel zerbrochener Gläser. Vor Brandbergs Zeit kannte man keine Spültassen und Mundwasser an gedeckter Tafel in unserer Stadt. Einige hatten ja so etwas auswärts, an größeren Orten, gesehen, und die andern paßten auf, wie der Direktor es vormachte, denn ihm hatte die Frau es am Tage vorher eine halbe Stunde lang im Servierraum einstudirt. Und es gelang allen ganz gut. nur Vrandbergs Schwager, der Lehnsmann in Haberberg war, sah weder nach rechts noch nach links, sondern trinkt, sobald er die Geräthe bekommen hat, zuerst das Nasse aus dem Glase

herunter und dann alles das, was in ! der Spllltasse war, und dann schmatzte ! er und sagte: Na ja, das war ja recht eraulaeno: Ueberfluß war immer bei Brandkergs, aber niemals schlimmer, als wenn die Revisoren" kamen. Er war nämlich Bankdirektor, und einmal im Jahr kamen immer die Herren, die nachsehen sollten, daß nichts um die Ecke ging und alles wäre,, wie es sein sollte. Und wenn sie unten in der Bank alles angesehen hatten, kamen sie immer hinauf in die Wohnung des Direktors zum Diner, und das waren dann solche Diners, daß die Leute sich todtessen konnten, nachdem sie schon vorher halbtodt waren. So war es viele Jahre gegangen, ihre Kinder waren halberwachsen, der Direktor hatte den Wasaorden auf die Brust und die Gicht in die Beine bekommen, und selbst der schönen Frau sah man an, daß die Zeit mitnimmt, denn mitten auf dem Scheitel begann es in dem Braun grau zu glänzen. Also es war wieder ein Revisionsdiner. Der Direktor war am Tage vorher nicht ganz wohl, als ich kam, um alles vorzubereiten. Er lief aus und ein und wollte zum Abendbrot Morcheln haben, aß sie dann aber nicht. Die Frau fragi: ihn dies und 'jenes über das Menü, aber er sagte nur: Wie gewohnlich. Liebste, wie gewöhnlich. Liebste!" Aber die Frau war ganz wie sonst, und die Kinder waren lustig, und was die Haselhühner anbetrifft, so glaube ich, es kann schon dem König passirt sein, schlechtere gegessen zu haben, und zum Zwischengericht hatten wir einen zarten, schönen Schinken, der in Wein gelegen hatte, so daß er wie nach Odecologne" roch! Um balb fünf sollte gegessen werden, und das ist spät und fein in unserer Stadt, obgleich ich wohl weiß, daß es draußen in großenStädten Leute giebt, die alle Tage um fünf Uhr essen, aber ich glaube nicht, daß das für den Magen gut ist. Es wurde dreioiertel fünf, und es schlug fünf, aber der Direktor, der Bankkassirer und die Revisoren kamen nicht. Es waren auch einige andere Leute geladen, und sie hatt:n seit halb fünf gewartet. Die Direktorin war ja eine feine Dame die sich nichts merken ließ; aber sie war zweimal bei mir draußen, und ich verstand wohl, das erste Mal be,cuhigte sie sich wegen des

Fisches, das zweite Mal aber zumeist um den Bankdirektor. Schließlich kommt Sjöberg, der Bankdiener, und bittet, er mochtr die Frau sprechen; aber bevor sie noch ein Wort gewechselt hatten, kommt Proku rist Markström, der jetzt Bankdirektor ist und damals eine Art Subdirektor war, und stößt Sjöberg zur Seite und zieht die Bankdirektorin in die Kinderstube hinein. Während sie noch drinnen sind, kommt Kassirer Esting und flüstert ein wenig mit den Gästen, und, wie die Kammerjungfer erzählt, werden sie dann alle bleich wie Leichen und eilen in den Flur hinaus, nehmen ihre Ueberröcke und gehen fort, ohne sich zu verabschieden. Um halb sechs Uhr ist der Fisch ganz zerfallen, und sie telephoniren vomCcnditor und wollen, bestimmt wissen wann sie das Eis bringen sollen, und noch hat der Prokurist mit der Frau nicht ausgesprochen. Da werden die Kinder ganz wild und drängen sich zu ihrer Mama hinein, und dann ertönt erst ein Schrei, als wenn jemand ermordet würde, und hierauf ein Schluchzen, daß ich es durch zwei Thüren hörte und ich auch zu Heulen anfing, ohne zu wissen, worum es sich handelte. Aber daß etwas sehr Schlimmes, etwas unbeschreiblich Trauriges passirt sein mußte, wenn alte, verständige Leute solch ein Mittag stehen und verderben lassen, kann man sich wohl denken. Nachdem Bankdirektor Sjöberg schließlich eine Omelette vertilgt hatte, die für den Vortisch sein sollte, und ein großes Trinkglas Sherry hinuntergetrunken hatte, da er erklärte, so alterirt zu sein, daß ihn seine Füße fast nicht mehr tragen würden, erbarmte er sich unserer und sagte, es wäre gewiß etwas bei der Bank nicht in Ordnung; denn der Direktor hätte vor den Revi soren geweint und gesagt: Nur einen Monat, und alles soll gedeckt sein. Erbarmen Sie sich meiner armen Frau und meiner unglücklichenKinder!" Aber dazu waren sie offenbar nicht geneigt, und ein Weilchen später wäre der Staatsfiskal gekommen. Dann ist es zu Ende", sagte ich sogleich, denn ich habe einen tödtlichen Schrecken vor Staatssiskalen und dergleichen seit meiner Kindheit, als es bei Vater brannte und ein Staatsfiskal kam und ein Gerede machte wegen einer Rußluke und Feuerleiter, die nicht vorHanden waren, und mein Vater beinahe um seine Feuerversicherung gekommen wäre. Im selben Augenblick hören wir einen Wagen rollen, eine Fensterscheibe im Saal zerbrechen und einen entsetzlichen Schrei, und als wir Hineinstürzen, sehen wir den Direktor, wie er ins Gefängniß fortgeführt wird, mit dem Staatsfiskal neben sich der Fiskal zu seiner Rechten, wer hätte sich das am Morgen gedacht? Und die. Frau ist an's Fenster gestürzt irnd hat es so heftig aufgerissen daß es gleich zersprungen ist. Erst fiel sie in Ohnmacht, die arme Frau; als sie aber zu sich kam, warf sie den Kopf zurück und murmelte: Ein Silbersporn hätte niemals diesen Tag überlebt!" Du lieber Gott, da stand sie und schalt bei sich den Armen, daß er nicht das Elend noch durch einen Selbstmord vergrößert hatte! -Und als ich eine Weile später zu der Armen hineinging, um zu sehen, ob sie soweit bei Besinnung wäre, daß sie sagen könnte, was mit dem Essen und allem werden sollte, umfaßte sie den Hals ihres ältesten Knaben mit beiden Armen und schluchzte: Dankt Gott, Kinder, daß es nicht der alte Ehrenname der Silbersporns ist, der in den Schmutz gezerrt wird!" Da konnte ich mich nicht mehr halten und sagte: Liebe, gute Frau Direktorin, es ist ebenso schlimm, daß es der Name der Kinder und ihres Vaters ist; aber was sollen wir nun mit all' dem schcnen Essen anfangen?" Aber darauf bekam ich keine Antwort und weiß noch heute nicht, was aus all' den guten Sachen geworden ist, denn es war viel dabei, was sich nicht aufbewahren ließ. Wohl brachten Sjöberg und' der andere Diener ein gut Theil auf die Seite, und Sjöberg sagte zu mir: Frau Holm", sagte er, nehmen Sie sich Fourage mit nach Hause, denn bezahlt bekommen Sie dies Diner doch niemals!" Aber ich nahm nur zwei Haselhühner, -einiges Backwerk und ein großes Stück vom Weinschinken mit, und damit ging ich direkt zu Frau Svensson, der Frau des Gefängnißaufsehers, und sagte: Untersuchungsgefangene dürfen sich selbst beköstigen, nicht wahr, Frau Svensson?" Ja, das ist richtig, Frau Holm!" erwiderte Frau Svensson. Nehmen Sie dies und verwahren Sie es. bis der arme Direktor so weit aus Deck ist, daß er waö essen will. Das ist von seinem Revisionsdiner!" Gelungene Ausdrucksweise. A.: Weshalb weint denn Ihr Kleiner?" Frau: Ach, mein

Mann hatte ihm be: seiner Abreise tu nen Elephanten ins Ohr gesetzt und jetzt hat er ihm keinen mitgebracht!" Verschnappt. Mutter: Emma, wie kannst Du M der Unsicherheit der Gegend nur so häufig einsame Spaziergänge machen?" Tocht:r: Aber. Mama. Adolf ist ja so stark und tapfer." EinVubenstreich. Was lacht Ihr denn. Jungen?" Ach. wir tjüttn dem Onkel Professor einen Knoten in's Sacktuch gemacht; jetzt denkt er schon seit zwei Stunden darüber nach, an was ihn der Knoten eigentlich erinnern soll!" E i n e s h a t die Dummheit vor dem Verstand voraus die Grenzen- ' losigkeit.

Jiit Weckuhr. Humoreske von Erich zu Scbirfeld. Den grauen Sommermantel genial nachlässig auf den Schultern, den breitrandigen Filzhut etwas nach hinten geschoben und die linke Hand in die

Tasche seinerPantalons versenkt, währeno die rechte ein Spazierstockchen herumwirbelte, so schritt, ganz das kiilh ausgesprochener Sorglosigkeit, ein junger Herr durch die morgendämmernden Straßen der Provinzialstadt M. Die Arbeiter gingen bereits in die Fabriken und musterten den leise schwankenden Schwärmer mit neidisehen Blicken. Offenbar befand ej sich in sehr gehobener Stimmung, und er hatte auch allen Grund dazu. Hinter ihm lag nämlich ein fröhlicher Polterabend, vor ihm der Hochzeitstag einer Cousine, die heute seinem prächtigen College?, und lieben Freunde, dem Rc-gierungs-Assessor Walter Birow, die Hand zum ewigen Bunde reichen wollte. Da hatte nun Kurt Schindler den verschiedenen Weinsorten weidlich zugesprochen. Doch mehr als aller Wein berauschten ihn ein Paar dunkle Augen, deren Blicke er trank, ein rosiger Mund, dessen Lächeln ihn entzückte, und eine kleine Hand, die er zu ergreifen und festzuhalten seit drei Stunden fest beschloßen hatte. Charlotte von Wittingen. seine Angebetete, war ein Engel mit goldenen Flügeln. Mit ihrer Mitgift von einer halben Million mußte sie jedem Manne von einigermaßen bescheidenen Ansprüchen den Himmel auf Erden bereiten. Das alles wußte er von seiner Cousine, der glücklichsten Braut, zu deren Hochzeit die Penstonsgenossin vom schönen Rhein herbeigeeilt war. Ob er hoffen durfte? Welch' eine Frage! Ihm hatte bisher noch keine widerstanden! Aus ihren lachenden Augen las er, daß er bereits Eindruck auf sie gemacht hatte, und morgen an der Hochzeitstafel sollte der Sturm vorbereitet werden. der unbedingt zum Siege führen mußte. Sein Herz jubelte. Als er in seine Wohnung trat, kochte seine Wirthin in der Küche bereits den Morgenkasfee. Es war gut, daß er sie traf. Frau Wachtel!" sagte er pathetisch, sorgt, daß mich Niemand stört! Ich denke einen langen Schlaf zu thun." Schön. Herr Assessor. Und wann wünschen der Herr Assessor aufzustehen?" Bitte! Das hat Zeit, bis mein Wecker trommelt." Damit schob er sich in sein Zimmer, zog gewissenhaft die Uhr und den Wecker auf. dessen Zeiger er auf die zweite Stunde stellte, und entledigte sich nicht ohne Mühe seiner Kleider. Schwer sank er dann in die Kissen und schlief bald den Schlaf des Gerechten. Und das konnte er, denn auf seinen Wecker durfte er sich verlassen! Drei Uhr Nachmittags. Charlotte von Wittingen, ganz in weiße Spitzen gehüllt, Rosen im Haar und auf den Wanaen. schaute zornglänzenden Blickes durch die Scheiben des Erkerfensters auf die Straße hinaus. Man hat mich vergessen, Tantchen." ruft sie. Ei, wie du nur so etwas denken kannst," erwidert die alte Dame beruhigend. Dich vergessen !" Es ist fünf Minuten nach drei Uhr. Die Trauung muß bereits begonnen haben, und kein Wagen ist zu sehen." Beruhige dich, Kind, so pünktlich ist man nicht." Charlote schweigt und blickt starr hinaus. In ihren Augen glänzen Thränen. Ich reise ab, auf der Stelle," ruft sie und wirft ihren Fächer auf den Tisch. Habe ich die weite Reise gemacht, um mich beleidigen zu lassen? Unerhört!" Das wirst du nicht thun, liebes Kind." sagte die Tante Majorin sanft, aber bestimmt. Was würde die Braut, deine beste Freundin, dazu sagen! Eine so unüberlegte Handlung würde ihr nicht nur den heutigen Tag, sondern selbst die Erinnerung daran verbittern." Charlotte sann nach und fand, daß die Tante am Ende doch recht hatte. Gut," sagte sie mit raschem Ent schluß, so fahre ich allein." In demselben Augenblick klang auch schon die Glocke. Sie war sehr energisch, die kleine Charlotte, und an's Befehlen gewöhnt. Man scheint vergessen zu haben, mir einen Wagen zu senden," rief sie dem eintretenden Mädchen zu. Besorgen Sie mir, bitte, eine Droschke." Fahren Sie mit der Straßenbahn zum Fuhrherrn Mahrenholz. Er soll mir sofort den vergessenen Wagen sen den." corrigirte die Tante ruhig. Wird jemacht. jn'äje Frau," sagte Marie und verschwand. Wenige Mlnuten später trat sie in daZ Comptoir des Fuhrherrn. Det is ja 'ne nette Wirthschaft, fuhr sie ihn an. Warum haben Se den Wagen mch geschickt? Wie?" Ja, wohin denn? Zu was denn? Jott, duhn Se doch nich so neuje--boren! Sollten Se nich 'ne Hochzeitskutsche nach Aujusta-Straße vierundfünfzia. eine Treppe zu Frau Majorin ! von Altern schicken? Nu beeilen Se sich 'mal jefälligst 'n blsken." In diesem Augenblick bog ein Coup in den Thorweg ein. ' Im ' nächsten Augenblick war Marie draufon. .Sie. Onkel." rief sie den Kutscker an, spannen Se man garnicht erst aus. Wir fahren nach Aujusta Straße vierundfllnfzig eine Treppe un denn mit unser Frauem m die Kirche. Damit kletterte sie behende zum Ku: scher auf den Bock. Erlauben Sie mal," intervenirte der Fuhrberr. so ohne weiteres geht ' das denn doch nicht. Wir saben Mte

verschiedene Trauunaen. die bestellten

Wagen sind aber richtig gestellt wor den. Also sur wen... Marie war entrüstet. ?ls Tthntn eine Frau MaZorin von Altern noch nicht jut genug? Wir sind sichere Leute." Zum Kukuk ja doch. AVer ver Kutscher muß doch wenigstens wissen, nach welcher Kirche er fahren soll." Marie begriff und ward aus eme Sekunde verlegen. Doch sie überlegte schnell. . m Na'n Dom natürlich, aale iie stolz. Wir jehcn blos nach'n Dom, wo wir himehoren. Immer 'i no belste!" Der ubrberr aav dem ttut er einen Wink und ging in's Comptoir zurück. Hier blätterte er in seinen ucyern. Sankt Katbarinen: Ingenieur Wollschläger und Fräulein Glaser," murmelte er. Sankt Ulrich: Assessor Nirow und Fräulein Wächter. Dom: aha Commercienrath Steins rmaard m t dem Baron MiNöteoen. Hm, da also! Die Herrschaften haben eigene Wagen, nur drei irno ocneui, wird aber doch wohl stimmen." Er setzte dem Conto des Herrn Commercienraths einen Wagen zu. kbarlotte von Wittinaen betrat das Innere des Doms in dem Augenblick, als das Paar vor dem Altar bereits die Ringe wechselte. Sie vttev unwillkürlich sieben und wäre am liebsten davongelaufen. Aber aus der Gruppe der Trauzeugen nayerte sicy iyr nrn raschen leisen Schritten ein Husarenofficier, der ihr den Arm bot und sie hrm Kreise der Gesellschaft, für deren Mitglied er sie hielt, zuführte. Welch' eine neue Ueverrajazung: vas war nickt ibre lüfte Elfriede, die da vor dem Altar kniete, sie sah überhaupt nicht eine der ihr vom Potteraveno yer bekannten Personen. Jetzt ward es ihr klar: sie war in eine unrechteKirche, in eine ihr völlig fremde Gesellschaft gerathen. Der Pastor hatte den Segen gesprochen, die Orgel brauste, und paarweise schritt man zu der Ca pelle am Ausgang, wo den Neuvermahlten die ersten Glückwünsche dargebracht werden sollten. Der Officier blieb mit Charlotte ein wenig zurück. Gnädiges Fräulein gestatten," sagte er, Eugen von Sobritz." Ucberrascht und erfreut sah Charlotte zu ihm empor. O," sagte sie, dann sind Sie ja ein Freund meines Bruders Hans Hans von Wittingen. Er hat zu Hause von Ihnen erSählt." Und nun war Herr von Sobritz freudig überrascht und schätzte sich glücklich, die liebreizende Schwester seines besten Freundes und Kameraden kennen gelernt zu haben. Charlotte hatte ihre Unbefangenheit und frohe Laune wiedergefunden. Sie berichtete mit Humor über ihre Irrfahrt und suchte möglichst schnell fortzukommen. Herrn von Sobritz schien die Wendung der Sache gar nicht zu gefallen. Mit Bedauern führte er sie zu ihrem Wagen, empfing aber die Erlaubniß, sicy am folgenden Tage nach ihrem Befinden zu erkundigen und ihr ein wemg von dem geliebten Bruder zu erzählen. Herr Assessor! Herr Assessor! Der Wagen ist da." Ach, das ist ja Unsinn. Mein Wecker hat noch nicht geklingelt, also..." Aber der Wagen. Herr Assessor! Jetzt hörte auch Kurt das Knallen der Peitsche, richtete sich auf und sah nach dem Zisferblatt. Drei Uhr." Seine Augen wurden weit, der Schweiß trat ihm auf die Stirn, und mit einem Ruck sprang er aus dem Bette. . Einen Augenblick! Komme sofort!" schrie er dem harrenden Rosselenker durch das schnell aufgerissene Fenster zu. Krampfhaft durchwühlte er dann den Kleiderschrank. Endlich war alles beisammen. Er wusch sich nur halb trotz des Aufwandes einer verdoppelten Gewalt. Zum Ueberfluß entglitt ihm der Kragenknopf. Kurt warf die Stühle um. rückte das Sopha weg und suchte in allen Winkeln. Zum Schluß trat er auf den bis in die Mitte des Zimmers gekollerten Ausreißer, der darüber natürlich in die Brüche ging. Frau Wachtel! Sofort einen Knopf, einen Kragenknopf, Sie sollen f,",i-m;rf belohnt werden!" Während Frau Wachtel in ihrem Raritätenkästlem lramie, i.ag iun Kurt seinen Wecker an. Er war richtig nicht abgelaufen, und er konnte es nu nickt, denn die kleine Hemmvorricktung unter der Glocke hielt den Hammer fest, das hatte Kurt übersew als er das Kunstwerk aufzog. Endlich kam der Knopf und wenige Minuten spater saß unser freund im sm?n. Es war vier Uhr. Der Waam lauste nach Auaustastraße 54. Das gnädige Fräulein sei vor einer hnlbtn Stunde im eigenen Waaen schon allein zur Kirche gefahren, sagte man ihm. Fort, nach der Ulrichskircke!" Die Trauung war bereits vorüber. Brautpaar und Gaste oefanden sich wahrscheinlich längst im Hoch zeitshause. Hotel Kaiserhof!" Richtig. da war man schon im Begriff, sich zur Tafel zu setzen. Flüchtig, streut brachte er bei dem neuvermählten Ehepaar seinen Glückwunsch und seine Entschuldigungen an. Seine Blicke irrten suchend im Saale umher. Endlich! Dort entdeckte er sie. Die Angst vor ihrem Zorn quälte ihn. Wie freudig war er überrascht, als ihn ihr fröhlich lachender Blick traf. Nein, sie zürnte ihm nicht, im Gegentheil, sie war lustiger als je und gab ihr Abenteuer mit kindlichem Vergnügen zum besten. Ach, er hatte es ja gwußt: seinem Zauber konnte sie nicht wider

stehen, ihm hatte ja noch keine wider-

standen! Nur einmal wurde sein Selbstvertrauen em wenig erschüttert, als sie von Herrn von Sobritz sprach. Beim Champagner ließ er bereits das schwere Geschütz ernster Liebeswerbung spielen, aber zum eigentlichen Sturmangriff kam er doch nicht, weil ihm der Feind im entscheidenden Augenblick stets auswich. Wenn er nur eme einzige Viertelstunde mit Charlotte hatte allein sein können! Nun denn morgen! Am andern Mittag übergab Kurt Marie seine Visitenkarte, war aber schmerzlich überrascht, als er Charlotte nicht mehr vorfand. Wichtige Familienverhältnisse hätten ihre sofortige Abreise dringend nothwendig gemacht. Bald danach erhielt er einen Brief, der dem Poststempel nach nur von ihr kommen konnte. Er enthielt eine Doppelkarte. Auf der einen Hälfte stand: Die Verlobung ihrer Tochter Charlotte mit dem Premierlieutenant usw. Herrn Eugen von Sobritz," usw. Einige Augenblicke später hörte Kurts Wirthin, Frau Wachtel, einen scharfen Knall. Als sie in's Zimmer stürzte, fand sie Kurt bleich gegen einen Eckschrank lehnend und in der gegenüberliegenden Ecke die zerschmetterte Weckuhr. Die Deichte des Sterbenden. Die Direction des Allgemeinen 5rankenhauses in Wien hatte spät Nachts das Polizei-Commissariat Alsergrund telephonisch angerufen und gebeten, daß ein Commissär möglichst rasch in das Spital kommen möge, da ein Sterbender einem. Polizeibeamten gegenüberEröffnungen zu machen habe, welche in einen bereits abgeschlossenen Criminalfall eine sensationelle Wendung bringen würden. Concipist Dr. Breitner, ein im Dienste noch junger Beamter, hatte rasch den Degen umgeschnallt, den Uniformrock zugeknöpft, die Kappe ausgesetzt und nachdem der Detective König einen Wagen herbeigeholt hatte, fuhren die Beiden in das Spitalsgebäude. Der Wagen' hielt im ersten Hofe bei der Aufncchmskanzlei und hier wurde dem Concipisten bedeutet, daß sich der betreffende Kranke auf einer Klinik im siebenten Hofe befinde. Von einem Kanzleibeamten geführt, schritt der Concipist mit dem Detectiv durch die großen Höfe des weitläufigen Gebäudes. Die vereinzelten Gasflammen verbreiteten nur ein spärliches Licht und die Schritte der drei Männer fanden einen lauten Wiederhall an den kahlen Mauern der langgestreckten Häuserfronten. Der nächtliche Gang durch das Spital war nichts Angenehmes. Kalt überläuft es Einen, wenn man zu den erleuchteten Fenstern emporblickt und daran denkt, daß hier Kranke liegen, deren Leiden den Schlaf bannt, die mit angstvoller Erwartung das Springen der Uhrzeiger betrachten, ob es denn noch nicht bald Morgen werde, ob die Nacht mit ihrer vermehrten Pein noch nicht bald vorüber sei. Der Polizeibeamte und der Detectiv mußten daran denken, daß hier Sterbende liegen, welche mit demTode ringen, und schaurig klang es durch die Stille der Nacht, als es mit langgezogenen Tönen von der Uhr der Krankenhauskapelle herab Mitternacht schlug. Der siebente Hof war erreicht und die drei Personen betraten einen geräumigen Krankensaal, in welchem sich etwa zwanzig Patienten befanden. Am Ende des Saales brannten neben einem Bett zwei Kerzen, ein Crucifix stand auf dem Nachtkästchen und der Spitalspriester spendete dem Sterbenden, der halblaut betete, die letzte Oelung. Der diensthabende Arzt Dr. Goldmark und Wärterinnen standen ebenfalls in dem Winkel des Krankenzimmers. Der Polizeibeamte trat an das Bett heran, und als der Kranke seiner ansichtig wurde, zuckte ein Strahl den Freude in den Augen des Sterbenden und ein Gott sei Dank" entfuhr seinen Lippen. Jetzt nur schnell,HerrDoctor, bevor es zu spät ist. Ich habe Ihnen Wichtiges mitzutheilen, damit ein unschuldig Verurtheilter aus der Haft entlassen und der eigentliche Thäter verhaftet wird!" Rasch, in übersprudelnder Rede hatte der Kranke gesprochen, als fürchte er, nicht mehr vollenden zu können. Doch die Anstrengung hatte ihre nachtheilige Wirkung, er fiel auf das Polster zurück, schwer hob und senkte sich die Brust, der Arzt trat hinzu und erst nach einigen Minuten hatte sich der Patient einigermaßen erholt. Das Blut, welches früher aus dem Gesichte des Kranken gewichen schien, circulirte wieder, eine hektische Röthe bedeckte sein Antlitz und die Mahnung des Arztes und des Polizeibeamten, langsam zu sprechen und sich nicht anzustrengen, nicht befolgend, sprach er rasch und stoßweise fort. Es betrifft den Mord im Prater. den Mord, welcher vor sechs Jahren unten auf einer Wiese an dem Hausirer Nechler verübt worden ist. Man hat damals den Schuster ". Ein schwerer Hustenanfall hemmte die weitere Rede des Kranken, ein starker Blutstrom ergoß sich aus seinem Munde, er schloß die Augen und die Umstehenden glaubten schon, daß der im n t. . - . rr- rm zutann nun iicrocn iveroe. ucine Wär terin wusch rasch das Blut weg. der ! Arzt reichte dem Bewußtlosen kräftige Mittel und nach längerer Zeit schlug dieser wieder die Augen auf. Sie hatten einen unheimlichen, fieberhaften Glanz; man sah, daß nur äußerste Energie das entfliehende Leben in dem siechen Körper zurückhalte. Der Kranke setzte seine Beichte fort: Man hat damals den Schuster Franz Hofmann für den Thäter gehalten. hat ihn zum Tode verurtheilt und

dann zu lebenslänglichem Kerker be-

gnadlgt! Hofmann ist aber unschuldig, der Schein hat getrügt, er ist nicht der Mörder! Die Blutthat hat der " Wieder waren die Kräfte des Sterbenden aufgebraucht, wieder fiel er auf die Kissen zurück und wurde ohnmächtig. Rasselnd arbeitete seine Brust, pfeifend kam sein Athem aus der Kehle. Blut bedeckte denMund, der ganzeKörper des Kranken geneth m Zuckungen. Von den übrigen Krankenbetten schauten die Patienten angsterfüllten Blickes herüber, wie hier ein Mensch furchtbar mit dem Tode rang. Mit übermenschlicher Kraftanstrengung raffte sich der Sterbende noch einmal auf, er mußte seine Beichte noch beenden, er wollte das Geheimniß nicht in's Grab mitnehmen, wollte einen Unschuldigen retten und den Thäter nennen. Die Blutthat hat der hat der " Nur mehr röchelnd klangen diesz Worte. Wie im Wahnsinn, von Anast gepeinigt, daß er früher sterben weM, hatte der Kranke die Augen weit aufgerissen. Dock seine Anstrengung hatte keinen Erfolg, nur unverständliches Gerochel war vernehmbar. Der Polizeibeamte war derMernung, daß der Sterbende selbst der Mörder sei und nun, vor dem nahen Ende von Gewissensbissen gepeinigt, einGeständNlß ablegen wollte. Detectiv Konig legte dem Manne eine diesbezügliche Frage vor, er zeigte mit dem Finger auf ihn. Doch energisch bewegte der Kranke den Kopf. Er war nicht der Thäter. Die Wärterin hatte einen Polster hinter den Rücken des Sterbenden geschoben, sie setzte ihn halb auf. Mit letzter Kraft öffnete er den Mund, die Lippen bewegten sich, doch keine Worte waren hörbar. Angstschweiß bedeckte die Stirne des Mannes. Nicht die Todesangst hatte den Schweiß aus den Poren getrieben, sondern die Furcht, vor, Beendigung der Beichte sterben zu müssen. Alle Anstrengungen waren vergeblich, kraftlos sank der Sterbende auf das Bett zurück, ein starkes Zucken bewegte noch einmal den Körper, es war das letzte Aufflackern des Lebens, ein kreischendes Röcheln noch, dann war es still und ruhig, der Mann war gestorben, bevor er den Namen des Schuldigen nennen konnte. Die Mission des Polizeibeamten war erfüllt, er konnte hier Nichts mehr richten. Dr. Breitner und der Detectiv schritten wieder durch die SpitalsHöfe dem Ausgange zu und heftiger Schauder schüttelte Beide, als sie draußen in der frischen Luft der erstenMorgcnstunden sich nochmals jene schrecklichen Scenen vergegenwärtigten, deren Zeugen sie eben waren. Das ganze Grauen vor dem Sterben, die furchtgebietende Majestät des Todes hatte die Beiden gefaßt, als sich knarrend hinter ihnen der Thorflügel des Spitalausganges schloß. Das knarrende Geräusch der sich in den ungeölten Angeln drehenden Thür klang geradeso, wie das letzte Röcheln des Verstorbenen. Eine neue Untersuchung der Mordaffaire wurde eingeleitet und dieselbe ergab, daß der Schuster Franz Hofmann dem an dem Hausirer Nechler verübtenMorde vollkommen ferne stehe. Hofmann wurde nach sechsjähriger Haft in Freiheit gesetzt. Den eigentlichen Thäter konnte man nicht mehr eruiren, der verstorbeneMitwisser hatte sein Geheimniß mit in das Grab genommen, der unerbittlich grausige Zerstörer Tod war der Retter eines Mörders gewesen. Strandidyll. Won A. Mahler. Am Strande Im Sande Da spielen die Kleinen. Mit Strandkorb Und Handkorb Die Großen erscheinen. . Die Damen Den Rahmen Ausspannen zum Sticken; Nach Herr'n Von Fern Dabei sie ausblicken. Mit Büchern Und Tüchern Und Kuchen versehen, Die Bonnen Zum SonnenUntergang gehen. Auf Möven Die Löwen Des Kursalons schießen. Das sollte Die holde Marie nicht verdrießen?! Die Wellen Zerschellen Weiß brandend am Strand: Noch bat Sie der Rath Nicht um ihre Hand. Am Strande Im Sande Herrscht fröhliches Treiben. Sie weint; Denn es scheint, Sie soll Strandjungfer bleiben. Kun st Hunger. Jntcres I frn" irch 'henn fn fcfir für kirnst ' I I 7 ' " " --7- ' - I "f i daß Du Deinen Freund, den Maler, i so oft besuchst?" Das weniger, aber . ich esse ihm immer seine Vorlagen für Stillleben" weg." 'Verblümt. Madame: Guste, was machen Sie heute an Ihrem Geburtstage für ein finsteres Gesicht!" Zimmermädchen: Ich, Madame! Aber gewiß nicht deshalb, weil ich von Jhnen noch kein Geburtstagsgeschenk erhalten habe!"

, Es gab eine Zeit, da man für die Frau des Hauses keine andere Bencnnung hatte als Hausehre , und weiv ches schönere Wort ließe sich wobl den--ken, welche tiefere und anmuthendcre Bezeichnung könnte es wohl für ein. Weib geben, als Hausehrc? Dieses Wort ist aus der Umgangssprache: zwar verschwunden, nur hier und vaheimelt es uns noch aus Buchern und' Gedichten an. aber sein tiefer Sinn, ist geblieben! Die Hausfrau ist auch.. heute noch des Hauses Ehre, wenn sie in Treue und Selbstlosigkeit in ihrem häuslichen Kreise schaltet und waltet als der gute Geist im klemm heimischen. Reiche! Wo des Hauses Ehre leuchtend strahlt, hat sicher die gute Hausfrau den köstlichen Samen gelegt, aus dem die Frucht innerer Zufriedenheit und wachsenden Glückes emporsprießt; denn in die Hand der Frau hat die Vorsehung die Zügel gegeben, alles zu lenken und zu leiten, was zur Ordnung und zum inneren Frieden des Hauses dient. Keinen Kampf hat die Frau zu kämpfen, um Herrscherin im Haushalt zu bleiben, keiner Frauenfrage" und keiner. Congresse bedarf sie, um hier ihre Rechte zu wahren. Das Hausmit all seiner Arbeit, seinen Pflichten und Forderungen bleibt, wie es seit. Jahrtausenden war, ihr unumschränktes Gebiet, und wo sie ihm ihre volle: Kraft mit Lust und Liebe weiht, bei: wird sie stets eine Hausehre sein,, wenn die moderne Zeit sie auch nicht' mehr so nennt. Ist es nicht Ehre und Lust zugleich mit Klugheit und Einsicht einen Haushalt zu leiten, Ordnung, Reinlichkeit, Sparsamkeit und Fleiß als Haupttugenden zu betrachten und zu bethätigen? Der Fleiß ist dieZierde der Hausfrau, und je weniger.' sie fremde Hände zu bezahlen braucht,, desto mehr wird sie den Wohlstand ihres Hauses fördern; je mehr sie sich seiV ber müht, desto süßer wird sie schlum--mern im erhebenden Bewußtsein tu erfüllter Pflicht. Was aber wäre. Arbeit ohne Ordnung? Was die Ar--beit leistet, verschlingt die Unordnung;. nur wo beide, Arbeit und Ordnung., miteinander wirken, kann Ersprießliches gedeihen, und die gute Hausfrau-, weiß es wohl, daß genaue Zeiteintheilung, was nichts anderes ist, als Ordnung in der Zeit, ebenso unerläßlich ist . zu musterhaftem Haushalt wie Ordnung bei Ausübung der verschiedenen! Arbeiten und Ordnung in den Räumen. Fleiß und Ordnung haben als treue Verbündete noch die Reinlichkeit und Sparsamkeit, alles Dinge, die auch , dem Aermsten erreichbar sind; denn zuihrer Bethätigung gehört nur guterWille. Anleitung und Ausübung vonzartester Jugend an. Die Reinlichkeit : in Zimmern, Küche, Spinden und Ka sten ist ganz ebenso nothwendig wie diejenige des Körpers und der, Klei--dung und die weise Sparsamkeit, dienicht in Geiz ausartet, ist mit eine Hauptbedingung zum Glück undWohl--stand des Hauses. Gewiß haben jene Cardinaltugenden die Frauen in hohem Maße geziert, welche die schöne -Benennung Hausehre" zuerst erhielten, und gewiß sieht auch heute noch' jeder edle Hausvater in seinem treuen, gewissenhaften Weibe seines Hauses stolze Ehre". Mag die fleißige, ord--nungliebende, reinliche und sparsame Herrscherin im heimischen Reiche auchheute kurzweg Hausfrau" heißen, im Herzen ihres Gatten, ihrer Kinder undFreunde wird sie stets die Hausehre. sein. Zoll auf Braute. In Nieder-Oesterreich besteht noch die alte Sitte des Fürziehens": Dem: Brautpaare, das aus der Kirche schrei--tet, wird ein Strick vorgehalten, den eT nur nach Abgabe einer gewissen Steuer' überschreiten darf. Die Sitte hat in: Ortsgesetzen früherer Zeiten amtliche. Regelung gefunden. In vielen Ort-' schaften Nieder-Oesterreichs war die Durchfuhr von Bräuten ohne vorherige Anmeldung und Entrichtung einer Zollgebühr nicht gestattet. Jni Taiding des Marktes Drösing ist zu lesen: Item wann ainer führt einebraut über die March, der ist mauth schuldig 42 Pfennige". In dem Taiding. des Marktes Weikertschlag a. d.. Thaya: Item alle bräut, so durchfüh-' ren, die müssen mauthen, das ist unser recht." Im Taiding von Leopoldau bei Wien wird der Zoll genauer präcisirt: Wenn man eine braut über die. prugk her in das aigen fuert, so gibt, man zur maut von einer wittib 12. Pfennige, von einer junckfrawen 6. Pfennige und nicht mehr." Im Taiding. der Dörfer Ober-Nonberg, Loschberg, und Roiten beiZwettl wurve festgesetzt". Erstlichen wann einer mit einer braut' ohne rorwiszen der grundobrigkeit oder des richters durch diesen marlt fahret,, ist er in der grundobrigkeitlichen stra--se. . . Ferner wann man einem so mit einer braut durchführen wolte, den weeg mit einem sail Überzuge und vorr einen solches sail ausz übermuet undVerachtung des gesetztes abgehaueti wurde, ist er der Herrschaft zum wandle verfahlen 32 Pfund Pfennige, deren jedes Pfund 240 Pfennige oder einen gulden in gelt auszmachet Item wann ein brautvolk die freibeit mehrgemeldcten Marktes und des dortes iLcsch fco tritt, sie zuvor auf beschehendes anmtUden sechs groschen geben muesz. ae schicht abcr keine anmcldung, ist solches ein schwarzes kalb mit vier weiszen fucszcn zu geben schuldig." Fatal. Warum rathen Sie mir ab, bei dem Buchhändler Müller einzukaufen?" Alte, häßliche Jungfer: Ach, dessen Bücher taugen ja nichts Schon vor elf Jahren kaufte ich nr bei ihm einen Liebesbriefsteller und heute habe ich noch kein Mann." .

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