Indiana Tribüne, Volume 23, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1899 — Page 6

Ai? Arttttdstiftcrltt. Von Rudolf Parend ck. Fröhliches Leben herrschte auf dem 'Nauschbacher Hof, denn Michael Stamslaus Rauschbacher, ein stattlicher junger Mann, feierte heute seine Hochzeit mit Nose Herbst, der hübschen Lehrerstochter aus dem benachbarten Waldrode. Am Vormittag hatte die Trauung in der Dorfkirche zu Wangen tätiges unten. In mit Guirlanden und Blumen geschmückten Booten, vorauf eine Gondel mit Musikanten, war die fröhliche Festgesellschast über die lichtblaue Fluth des Aaldsees dahingefahren zum kleinen Gotteshaus am jenseitigen Ufer. An der Pforte der Kirche hatte sich die Bewohnerschaft von Waldrode und nicht am wenigstens von Wangen selbst versamrrclt, um Zeuge dieses freudigen Ereignisses" zu sein, denn die Lermählung des reichsten Mannes auf Meilen in der Nunde mit der blutarmen Schulmeisters Nose" war für die guten Dörfler ein Geheimniß. Das junge Paar saß unter einem 'Tannenbaldachin und schien die Umgebung rings zu vergessen. Das beinerkte besonders Raute Möricke, die gluthäugige Tochter des reichen Fischerwirths. Sie hatte die Hoffnung, -sich den schmucken Michael Rauschbacher zu erringen, mit aller Leidenschaft in ihrem Herzen genährt. Daß er eine Andere Vorzug, war mehr, als sie zu verwinden für denkbar hielt. Ein furchtbarerKamvf tobte in ihrer Brust, eine unfaßbare Fülle von Haß gegen die .Andere", ein Durst nach Rache gegen Michael, ein ein ihr .Herz brecht zu zerspringen; sie preßt die hände gegen den wogenden Busen . . . Der Hochzeitszug ist gelandet. Die -Orgel erbraust durch das Gotteshaus, "das sich nun bis in den fernsten WinZel gefüllt hat. Dr Trauungsact ging rn. In zu Herzen dringender Rede feiert der Geistliche die schöne Stunde. . Sllax und fest lautete fos Ja" der holden Braut; kraftvoll ertönte es 'von des jungen Mannes Munde. Da ein gellender Schrei, alles drängt nach einer Stelle; eine förmliche Panik entsteht. Raute Möricke ist ohnmäch'.tig zusammengebrochen. Unter minder fröhlichen Tönen als 'bei der Hinfahrt geht es zurück nach dem Rauschbacherhof. Rose ist still und nachdenklich geworden, ihr ist nicht 'wohl, sie kann sich ihres Glücks nicht aus vollem Herzen freuen, seit sie weiß, diß sie gehaßt wird um seines Besitzes willen. Michael aber ist so zärtlich und lieb, daß sie sich schließlich etwas beruhigt. Innig drückt er seinem jungen Weibe die Hand. Borne schmetlern die frohen Weisen in den sonnigen 'Maientag hinaus. Fröhlich plaudert die Gästeschaar. Am Ufer harrt die jubelnde Menge. Durch eine schnell errichtete Ehrenpforte schreitet das junge Paar und die Gäste, vorauf die Spielleute und fröhlich schmettert es : .Wir winden Dir den Jungfernkranz Aus veilchenblauer Seide... Weit geöffnet sind alle Fenster des geräumigen Hauses, das mitten in blühenden Büschen und rauschenden 'Bäumen gleichsam wie ein verzauber'tes Schloß verborgen liegt. Das Licht fluthet durch den weiten Garten und schimmert auf den leicht bewegten 'W:llen des Sees. Die Musikanten yaben bereits tüchtig aufgespielt und -flott haben sich die Paare im Neigen gedreht. Jetzt sitzt man an der reichbesetzten Tafel und die Musikanten oben auf der Estrade, die sich bereits gestärkt haben, geben jetzt ein Concert.stück zum Besten. Tiefe Dunkelheit liegt über den 'Wipfeln und dem Wasser, die Düfte der Blüthen zhen darüber hin. Nur ein einsamer Nachen gleiter durch die 'Wellen und landet am Raschbacherhof. Drinnen im Hause singt man Rund--gesänge und bringt Hochs aus. Da 'plötzlich ein vielstimmiges Geschrei von außen her. markerschütternde Rufe, die Musik bricht mit schrillem Disaccord ab Feuer! Feuer!" schallt es in Ivildem Durcheinander. Entsetzt stürzt alles an die Fenster. 'Barmherziger Gott, die hellen Flamrnen schlagen aus dem Dach der großen Scheune und auch die übrigen Gebäude sind im Nu von dem Feuermeer ergrifsen, prasselnd schlägt die Lohe zum 'Nachthimmel :mpor, Balken stürzen und in kurzer Zeit der gräßlichsten Verwirrung ist alles dahin; an ein Netten war hier nicht zu denken. Händeringend steht Michael Naschöachcr an den rauchenden Trümmern. Er ist wie gelähmt. Dann entringt sich 'ein furchtbarer Schrei seiner Brust: ,Wehe. wer hat mir das gethan!" Sein junges Weib hängt laut schluchTzend an seinem Halse. - Da bringen sie ?in Weibsbild, das

sie aus dem See aufgefischt. Es ist Raute. Sie hat ihr Werk vollbracht -und wollte es mit dem Tode sühnen sie wollte nicht in's Zuchthaus, aber ihn nnd sie wollt? sie unglücklich ivissen. Sie wollte ihnen das Hochzeitsmahl würzen". Aristokratisch ausgedrückt. Dame: Denken Sie sich, Herr Baron, wie ich höre, soll eine Dame der besten Gesellschaft einen Diebstahl begangen haben!" Baron: Aber ich bitte Sie, meine Gnädigste, eine Dame aus der besten Gesellschaft stiehlt nicht, die kann höchstens an Kleptomanie leiden!" Boshaft. Unterosficier (zu emem einzährigen Literaten); Einjähziaer, machen Sie nicht ein Gesicht, als sollten Sie gegen einen Feind vorgehen, der sich hinter Papierkörben verschanz! hat! Eingebildete Große schaut suf uns herab, wahre Größe zieht uns sich empor.

Aas Wiener Kasseeyaus. Auf der ganzen Welt hat sich das Wiener Kaffeehaus eingebürgert; aber nirgends, außer in Wien selbst, ist es wirklich ein Kaffeehaus nach dem Herzen der Wiener, weil zu dem Begriffe auch das richtige Land und die richtigen Leute gehören. Schon in der österreichischen Provinz vermißt man einige Charakterzüge des Wiener Kaffeehauses, im Auslande aber findet man in der Regel blos die Aeußerlichleiten nachgeahmt. Es fehlt dort, wenn man so sagen darf, dem Wiener Kaffeehause der autochthone Geist, der es in Wien mit dem ganzen Zauber der Beschaulichkeit und Behaglichkeit erfüllt, dieser beidenEigenschaften, welche die aus dem Orient stammende Einrichtung dem Wiener so unentbehrlich gemacht haben. Außerhalb Oesterreichs ist das Wiener Kaffeehaus zumeist verquickt mit anderen ortsüblichen Erfrischungsstätten. Es ist das Kaffeerestaurant. In Wien bietet das Kaffeehaus gleichfalls kalte Küche, Wein, ja sogar auch Bier, .wenn der Gast es verlangt. Dennoch bleibt es seinem Charakter als Kaffeehaus treu und will sonst nichts sein als dieseZ,

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Kaffeehaus alten Stils. vielleicht noch immer unter dem Einflussc der Erinnerung an die Art seiner Gründung. Ein Pole Namens Kolszycki, der siä) während der zweiten Türkenbelagerung wiederholt als Späher den Wienern nützlich gemacht hatte, erhielt zum Danke dafür nach dem Abzuge der Türken die Erlaubniß, die zurückgelassenen Kaffeevorräthe der Bedränger Wiens zur Errichtung eines türkischen Kaffeehauses zu" benützen. Zwei Jahrhunderte sind seither vergangen, die Stadt Wien hat dis Fesseln ihresFestungsgürtels gesprengt und ist heute eine Großstadt von mehr als anderthalb Millionen Einwohnern geworden. Das Wiener Kaffeehaus hat mit dieser Entwickelung immer gleichen Schritt gehalten. Aus den qualmigen Stuben, die im vorigen Jahrhundert und noch bis in die Mitte des gegenwärtigen hinein die Bersammlungsstätten der Kaffeetrinker und Pfeifenraucher bildeten, ist das Wiener Kasfeehaus in der modernen Stadt zu dem nämlichen übermäßigen Luxus vorgeschritten, der die Ueppigkeit unserer Epoche kennzeichnet. Aeltere Wiener erinnern sich noch an das bescheidene Silberne Kaffeehaus", sogenannt wegen seiner silbernen Tassen, in denen servirt wurde. Hier kamen in den dreißiger Jahren die Häupter der literarischen Bewegung täglich zusammen: Lenau, um Billiard zu spielen; Im Cafö Habsburg. Bauernfeld, um das damalige junge literarische Wien mit seinen r'evolutionärenReden zu befeuern; ferner Grillparzer, der allerdings seltener erschien und dann schweigsam in einer Ecke saß; Anastasius Grün und andere, welche die Führer der heutig? jungliterarischen Bewegung als längst überwunden" erklärt haben. Zwischen dem Silbernen Kaffeehaus" und dem späteren Caf6 Griensteidl auf demMichaelerplatze, das auch noch den behaglichen alten Stil, wenngleich schon ausgedehntere Räumlichkeiten zeigte, lag die Periode der mächtigen Entwickelung Wiens, die jetzt wohl in den modernen Bauten auf ihrem Höhepunkt angelangt ist. In all' dem Sturm und Dränge war das Kaffeehaus immer der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht, war sozusagen der Salon für die Wiener, die in ihrem eigenen Hause nicht so gesellig sind wie die Norddeutschen, sondern ihre Empfänge gewissermaßen an einen neutralen Ort zu verlegen lieben, wie das Gast- und das Kaffeehaus. Das letztere sieht in seinen Räumen alle Schichten der Bevölkerung. Es gibt literarische Cafs, Künstlercafös, Schauspielercafös, Kaffeehäufer für die Spießbürger vom Grunde, Kaffeehäuser, wo fast ausschließlich Handelsleute verkehren, Börsencaf6s, Damencaf6s u. s. w. Ohne erkennbaren Grund wird manches Kaffeehaus mit Vorliebe erst des Nachts auf dem Heimwege vom Theater oder Restaurant besucht, ein anderes wieder, das bei Tag ganz anständig ist, aus guten Gründen des Nachts gemieden, wenn man sich in Gesellschaft von Damen befindet. Jnsbesondere für den Junggesellen ist das Kaffeehaus eine zweite Heimath, wenn nicht feine eigentliche Heimath. Es gibt Garons, die das erste Frühstück im Kaffeehause einnehmen, sich dorthin ihre Briefschaften kommen lassen, des Mittags dort ihren .Schwarzen" trinken und am Abend ihre Schinken-

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schnitte verzehren. Ja, es ist sogar nicht selten, daß solche eingefleischte Kaffeehausbrüder ihren Schneider oder sonstige Lieferanten in's Kaffehaus bestellen, in dem sie mehr Stunden des Tages zubringen als in ihrer eigenen Wohnung.

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I m Caf6 Lehman n. Der Reiz des Wiener Kaffeehauses, sein liebenswürdiger Zauber sind auch in der That unleugbar. Immer ist es durchsättigt von einer eigenthümlichen lässigen Behaglichkeit, erfüllt von einer Atmosphäre müßigen Frohmuths, der sich daran genügen laßt, von der Zeitgeschichte aus den Blättern zu nippen und in gedämpftem Tone zu plaudern. wenn es in der Welt draußen donnert. Der Fremde, welcher die Bedeutung des Kaffeehauses für den Wlene: kennen lernen will, der muß es in den Frühstunden besuchen, und zwar nicht in der schönen Jahreszeit, sondern an einem grauen, nassen Spätherbst- oder Wintermorgen, wenn der Tag noch ebenso unausgeschlafen ist wie die Menschen, welche frühzeitig ihr Tagewerk zu beginnen haben. Oben am Himmel wallen dicke Nebel, unten auf dem Pflaster dunstet die schmutzige Nässe um die Wette mit dem fauligen Herbstgeruch, den die verwelkenden Blätter des Parkes, die ersterbenden Gräser und Pflanzen der nahen Anlagen ausströmen. Bei solch' schwermüthigem Wetter umspinnt das Wiener Kasfeehaus seine Gäste mit einem ganz unbeschreiblichen Behagen. Durch seine blankgeputzten Spiegelscheiben schimmert das elektrischeLicht, mit dem in keinem besseren Kaffeehause gespart wird. Im großen Fullofen flackert ein mächtiges Feuer, und wenn man eintritt, umfängt einen gleich ein appetitliches Duftgemisch von Kaffee, frischem. Am Lesetisch. Gebäck und von noch jungfräulichem Cigarrenrauch. An den blanken Tischen ist schon alles für die früh aufstehenden Junggesellen bereit, die aus ihren ungeheizten Zimmern mit ausge schlagenem Kragen dahergelaufen kommen und nach einem warmen Tropfen Kaffee oder Thee lechzen. Diese lieblichen Getränke dampfen unter den kundigen Handen des Feuerourschen in der Kaffeeküche, während auf den verhüllten Billards neben den Kipfelkörben ganze Stoße von Zeitungen negen, deren kräftiger Geruch nach Druckerschwärze den Frühstücksgästen zu den frischen Kipfeln auch ein frisches StückchenZeitgeschichte verspricht. Nach und nach rücken sie nun an, die jungen und alten Hagestolze, meist übellaunig, verschlafen, fröstelnd. Erwärmten sie sich und ihren Humor nicht an der traulichen Kaffeehauspoesie des Morqens, es stünde schlecht um ihre Laune und Arbeitsfähigkeit während des ganzen Tages. Im Gegensatze zu dem geselligen Triebe am Abend setzt sich jeder womöglich allein an ein Tischchen und areift nach seinem Lieblingsblatte, das der aufmerksame Marqueur bereits vor ihm hingelegt hat. Und wie da dem Geschnvcke und den Gewohnheiten des Gastes Rechnung getragen wird, welche sinnreichen Combinationen blos beim Kaffee allein möglich sind! Abgesehen von den drei quantitativen Unterscheidungen, nämlich Schale. Glas oder Portion, erhält man den Kasfee in folgenden Gestalten: eine Schale, sehr heiß, mit viel .Haut; eine Schale Gold ohne alles; eine Melange mit Schlagobers; einen Kapuziner mit einem Stück Zucker JAff In der Kugel. mehr; einen Lichtbraunen in der Theeschale; einen Schwarzen im Wasserglas ohne Zucker; einen Nußbraunen mit Cognak; eine Schale Schwarzen mit zwei Gläsern Wasser etc. etc. , lauter anmuthige Variationen über das eine würzige Thema: Kaffee. Nun kommt aber noch die Wiener Gebäckssnmphonie dazu: resche, warme Kaisers.mmeln, mürbe Kipfel, Baunzcrln, asserkipfel, Milchbrot mit Rosinen, Zuckerkipfel, Theestangerln, flaumige Briochelaibchen, ferner zur Allerseelenzeit geflochtene Hciligenstrizzel, im Fasching zuckerbestreute Krapfen. mitMarillcngelee gefüllt, zur Osterzeit die herkömmlichcn Osterslecken und zu jeder Jahreszeit den gelben, leckeren Gugclhupf. Wenn unter diesen schönen Dingen

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! In den Morgenstunden tüchtig ausge räumt worden ist, so werden sie am ' ... u t

Nachmittage für die Jauje" wieoer reichlich ersetzt; denn nun rücken in vielen Kaffeehäusern die Frauen an, welche zwischen vier und sechs Uhr Nachmittags ihre Besorgungen unterbrechen, um im Kaffeehause den von ihnen so geliebten Kaffee einzunehmen. Namentlich wahrend des Winters und an Sonntagen wimmelt es in den Kaffeehäusern von Frauen, welche die illustrirten Journale durchfliegen, während ihre Gatten in 'den Spielzimmern eine Tarockvartie machen. Vom Kaffeehause aus wird dann in's Theater oder mit guten Bekannten ms Gastbaus ataanatn. Und au? dem Rückwege vom Gasthause wird abermals :m Kaffeehause emgekeyrt, um nock ein Stündcken m vervlaudern. ehe die heimathlichen Penaten ausgeud)t werden. Qo bttdet oas mener Kaffeehaus stets wichtige Stationen auf dem täglichen Lebenswege der Wiener Bevölkerung. Wien bei Nacht hat auch leine eigenen Kaffeebaustrzpen. Wer spät nach Mitternacht dom Schottenring über die Freyung zur inneren taot wanoerr, der siebt das Caf6 Äur stirnel" Am Hof hell erleuchtet und dicht besetzt. Dieser Andrang wahrt bis wett m oen T s ch e ch e r l. Morgen hinein. Es sind die Kräutler und Kräutlerinnen, die zu vielen Hunderten den nahen Gemüsemarkt beschicken und um diese Zeit bereits frühstücken. Diese braven Leute geben mit ihrer stillen Emsigkeit dem Caf6 ein anderes Gepräge, als einige Gassen weiter das nächste, von fragwürdigem Gesindel besuchte Tschecherl", das den Abschaum der Großstadt beherbergt, oder das elegante Nachtcaf, in dem sich die Lebewelt bei den Weisen emer Zigeunerkapelle herumtummelt. Zur Sommerszeit gewinnen naturlich die Kaffeehäuser im Prater, dann der Kursalon im Stadtpark besondere Bedeutung, wie überhaupt jedes, das einen sogenannten Vorgarten besitzt, bestände er auch nur aus einigen transportablen Epheustöcken. Der Wiener Volksmund hat längst die Formel für dergleichen Kaffeehausgärten gefunden: Schani, trag den Garten aussi!" Billiges Verlangen Nicht wahr, Adele, wenn Du mich wieder vor den Dienstboten schimpfst, so thu' es doch, bitte, auf französisch, damit sie es nicht verstehen!" Durch die Blume. Studiosus: Sag' 'mal. Onkelchen, möchtest Du nicht meinem Seldbriefträger 'mal so recht imponiren!" Hübsche Dauer. Richter (zum Kläger): Also gerade als Ihnen Ihre Frau eine Gardinenpredigt hielt, muß der Einbruch in Ihrem Hause geschehen sein um welche Zeit war das?" So von eins bis zwei!" Boshaft. Gattin: Wir werden die Frau Registrator in unser Kaffkränzchn aufnehmen." Gatte: Sie hat ihren Probellatsch also bestanden?" Ein Stoiker. Aber wie magst Du nur ein so gleichgiltiges Gesicht hinmachen, Seppel, nachdem man Dir das Hinterkastell so versohlt hat?" Nun, soll ich mich etwa viel darum bekümmern, was hinter meinemNücken vorgeht?!" EinMusterfürPolrtlker. Alter Dcputirter: Ja, liebes Kind, die politische Laufbahn ist eine schwierige und dornenvolle." Junge Gattin: Für Dich vielleicht, weil Du zu wenig Ehrgeiz besitzt! Warum nimmst Du Dir nicht ein- Beispiel, sa;en wir an Gambetta? Der war in Deinem Alter schon todt!"

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SiNpinosin Louistana. Es dürfte nur wenig bekannt sein, daß schon seit einer langen Reihe von Jahren in den Ver. Staaten sich auch Filipino - Niederlassungen befinden. Dieselben sind im Staate Louisiana belegen und zwar an der Mündung des Mississippi, wo Hunderte winziger Inselchen sich nur wenige Fuß über den Gewässern des Golf von Mexico erheben. Die auf der Westseite des Delta in der kleinen Bai Barataria und nördlich von der berühmten Grand Jsle belegenen Jnselchen dienen den Vettern des Erzrebellen" Aguinaldo als Wohnstätten und weitere Filipinos beherbergt die Barataria - Gruppe auf der Ostseite des Delta. Auf der größten Insel dieser Gruppe, welche den Namen Clarkcheniere führt, befindet sich die bedeutendste Niederlassung von Filipinos, welche überall am Golf Manilamänner genannt werden. Nach ihren eigenen Mittheilungen haben sich die ersten Filipinos dort vor etwa 75 Jahren niedergelassen und zwar waren dies entlaufene Matrosen, die ausSklavenschiffen gedient hatten und des Lebens an Bord der Seelenverkäufer müde geworden waren. Die schwer zugänglichen Inseln imMississippi-Dclta mit ihrem subtropischen Klima boten den entlnufenen Matrosen nicht nur sichere Zufluchtsstätten, sondern hatten mit ihrer Heimath im fernen Orient auch so viel gemeinsam, daß die braunen Tropensöhne dort für immer verblieben. Noch heute finden sich unter den ältesten Manilamännern" einige Greise, die als Knaben dorthin gekommen sind und zu den ersten Mitgliedern gehören. Bor etwa einem halben Jahrhundert wurde Grand Jsle, wo einst der berühmte Seeräuber Lafitte mit seinen Halsabschneidern viele Jahre lang hauste, von Filipinos besiedelt. Bon den Elementen hatten sie viel Ungemach zu leiden und im Jahre 1856 ergossen sich bei einem furchtbaren Orkan die Meeresfluthen über eine ganze Anzahl der niedrigen Jnselchen, dieselben mit allem Leben vollständig zerstörend. So wurde Last Jsle voll-

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Musikaufführung. ständig Lberfluthct und ihre 400 Bewohner starben eines elenden Todes. Nachdem die Wuth der entfesselten Elemente sich gelegt hatte, war in der Wasserwüste weder eine Spur der Insel noch ihrer Bewohner zu sehen. Diese furchtbare Katastrophe diente den überlebenden Manilamännern" zur Warnung, sie verlegten ihre Wohnstätten etwas näher an das Festland und ließen sich auf der Cheniere Caminado genannten Insel nieder. Dieses Eiland war etwas höher als die Nachbarinsein und mit mächtigen Eichen bedeckt. Dort nun bauten die überaus gcnügsamen Leute ihre primitiven Hütten, ja im Laufe der Jahre waren sie im Stande, ein Kirchlein sowie eine Schule zu errichten und die Grundlagen zu einem organisirten Gemeinwesen zu legen. Da kam eine zweite Heimsuchung über sie. Im Jahre 1880 brachen die Elemente von Neuem los; von dem Sturm getricen, ergossen sich die Meeressluthen fast über die ganze Insel und ca. 800 Menschen, beinahe die Hälfte ihrer Bewohner, ertranken in einer einzigen Nacht. Weitere Orkane, die große Verluste an Menschenleben im Gefolge hatten, schlössen sich an diese Katastrophe. Daß diese furchtbaren Erfahrungen die Ansiedler mit Angst und Schrecken erfüllten, konnte wohl nicht Wunder nehmen, und mit abergläubischer Furcht blickten sie auf die Inseln, wo sie der Wuth der Elemente schutzlos preisgegeben waren. Allmälig verließen sie ihre alten Niederlassungen, um sich auf den fumpfigen Jnselchen in der geschützten Ba: von Bataria und den schmalen StreiFilipinohütte. fen Landes an den Bayous, deren Wasser unter Myriaden von Wasserlilien förmlich verschwind:, neue Wohnstätten zu suchen. Dort findet man überall, in dem hohen Sumpfgrase und unter der zeitweise mit tropischer Ueppigkeit sich entwickelnden Vegetation halb versteckt, die überaus primitiven Hütten aus Palmetto und Stroh, in denen die nur halbcivilisirten Manilamänner" ihr Dasein in stiller Bedürfnißlosigkeit verbringen. Mit Fremden halten sie keine Gemeinschaft und um die Ereignisse der Welt kümmrn sie sich blutwenig Von Natur vorzügliche Fischer, genügen ihnen ihre Boote und Netze, um ihren frugalen Lebensunterhalt dem Wasser abzugewinnen. Von Schulweisheit" ist unter ihnen keine Spur zu finden, wiewohl sie. von der Natur mit mehr Intelligenz begabt sind, als manch' ander? Angehörige unserer buntscheckigen Be-

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dollerung. Unter sich bedienen sie sich ausschließlich der spanischen Sprache, doch können sie sich auch auf Englisch leidlich verständlich machen. Die meisten Sitten ihrer fernen Heimath haben sie beibehalten, doch in der Kleidung sich den Delta - Creolen der niederen Schichten vollständig assimilirt. Fische, Austern und andere Seethiere dienen ihnen nicht blos zur eigenen Nahrung, sondern auch zum Handelsartikel; namentlich unterhalten sie in diesen einen lebhaften Handel mit New Orleans. Als bemerkenswerth muß die Thatsache gelten, daß es in keiner Niederlassung der Manilamänner" auch nur eine einzige Frau gibt, die von

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Dewey A v e n u e. den Philippinen stammt. Fast alle sind mit spanischen und französischen Creolinnen verheirathet und in einzelnen Fällen haben sie Weiber aus der Negerbevölkerung genommen. Clarl Cheniere, die größte Niederlassung, ist eine Insel, die sich im Besitze eines weißen Bewohners von New Orleans befindet, und dieser erhebt von den Ansiedlern einen geringfügigen Grundzins, der zwischen $1.50 und $5 variirt. Weder eine Kirche noch ein: Schule gibt es in Clark Cheniere oder einer anderen Filipino - Niederlassung und die dunkelhäutigen und schwarzäugigen Kinder wachsen heran, ohne selbst die Geheimnisse des ABC kennen zu lernen. Als Bewohner des Staates Louisiana haben die Manilamänner" Anspruch auf die Errichtung öffentlicher Schulen und ein wohlmeinender Bürger that sein Bestes, um die Leute zur Stellung entsprechender Anträge bei der Regierung zu bewegen. Seine Bemühungen blieben aber ohne Erfolg und schließlich gab er dieselben auf. Die Charaktereigenschaften der Filipinos sind recht gut und Verbrechen sind unter ihnen so gut wie unbekannt; etwaige Streitigkeiten schlichten sie, ohne Gerichte oder sonstige Behörden anzurufen. Ihr Hauptvergnügen, das oft freilich zum Laster wird, ist das Spiel. In der Mitte der Niederlassung befindet sich ein Gebäude, wo sich die Männer allabendlich nach gethaner Arbeit versammeln, um zu spielen und meist nicht eher aufzuhören, als bis der letzte Nickel futsch ist. Auch der Musik sind sie hold; freilich kann man von den Naturkindern, die keine Noten kennen, nichts Anderes als primitive Productionen erwarten. Wie alle Orientalen sind die Filipinos überaus mäßig und Fälle von Trunkenheit überaus selten. An den kriegerischen Ereignissen des Vorjahres nahmen die Leute, die ohne Ausnahme von grimmigem Hasse gegen die Spanier beseelt sind, lebhaftes Interesse und ihrer Verehrung für den Admiral Dewey, der die Philippinen von dem spanischen Joche befreite, gaben sie dadurch Ausdruck, daß sie der Hauptstraße in Clark Cheniere, soweit von einer solchen überhaupt die Rede sein kann, den Namen Dewey Avenue beilegten. Ueber die gegenwärtigen Kämpfe auf den Philippinen schweigen sie sich aus. Werthvoll. s S-A 1. - y I WM? Bankier (zur Wärterin, welche das kleine Kind schaukelt): Nur ja recht vorsichtig, Bertha, bedenken Sie, es ist eine halbe Million, die Sie da schaukein!" Renom mage. Student: Du, Süfferl, da wird eine große feuerfeste Kasse transportirt gehen wir hinterdrein, das wird den Leuten imponiren!" Der kleine Schwerenöther. Lehrer: Nun, kannst Du nicht antworten, Fritz?" Fritz: DerHerr Lehrer hat doch neulich selbst gesagt: Reden ist Silber. Schweigen ist Gold." Dankbarkeit. A.: Warum ziehst Du denn vor diesem Herrn Deinen 5M so tief?" B.: Na. weißt Du. der hat einmal meine Erbtante sitzen lassen." Stimmt doch! Schwieger h sohn: Sie sagten mir doch, daß ich niich verwundern werde über die Mitgift, die Ihre Tochter mitbekomme und NUN ist sie ganz leer ausgegangen!" Schwiegerpapa: Nun, verwundern Tie sich darüber vielleicht nicht Z"

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Naturwunder. .

. t Fremder (in einerUnidersitätsstadt): Erlauben Sie, Herr Wirth, was hat denn jener Herr dort für eine eigenthümliche Nase?" Wirth: Ja, das ist der Studiosus Haumllller, dem haben sie nach der letzten Mensur eine künstliche Nase von Hühnerfleisch angesetzt; jetzt wachsen ihm eben Federn darauf!" EinHerkules. . . . Was unterstehen Sie sich, mein Herr?" Pardon, ich wollte nur 'mal nachsehen, ob Sie vielleicht auf meinem Hut sitzen!" Aus der guten alten Zeit. Der Rekrut Schwirle, welcher auf Urlaub war, bringt seinem Feldwebel einen riesigen Blumenstrauß aus der Heimath mit. Feldwebel: Kerl, seine Eltern glauben wohl, ich sei ein Ochs!" Kleines Mißverständniß. Also, Sie wollen meine Tochter? Sagen Sie 'mal. junger Mann, was haben Sie denn die letzten Jahre so zurückgelegt? Ich meine, im Durchschnitt!" Siebentausendachthundertvierundfünfzig Kilometer, Herr Huber!" Im Zorn. Herr Huber kommt erst um zwei Uhr zum Mittagessen. Seine' Frau schimpft ihn gehörig aus. Zum Schluß wendet sie sich auch an seinen Hund, der ihn begleitet hat: Und Du. Rabenvieh, mußt auch so lang' ausbleiben!" Verlorene Liebesmühe. Du kommst aus dem Examen, Spund?" Ja . . denke Dir, drei volle Stun den haben micht die Kerls geprüft." Na . . . und?" Alles vergebens!" Kasernenhofblüthe. Unterofficier: Rekrut Dämelmann, Sie passen in die Uniform, wie die blaue Blume der Nomantik in d:u Käseladen." .- ' -

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