Indiana Tribüne, Volume 23, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1899 — Page 3
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Roman von K. Orth. (15. Fortsetzung.) 20. K a P i t e l. Ein unbeschreibliches Wonnegefühl, eine Freude an Leben, wie sie ihn ähnlich nie zuvor erfüllt hatte, ' durchströmte seine Brust. In tiefen Athemzügen sog e: die angenehm tühleachtlust ein und betrachtete die Gegenstände um sich her mit liebevollen Blicken, wie nie zuvor erschaute Wunderdinge. Hatte er doch wenige Stunden früher kaum noch eine schwache Hoffnung gehegt, daß es ihm vergönnt fein würde, die Straßen von Buenos Aires wiederzusehen. Die blutbespritzte Mauer mit den entsetzlichen Haufen davor aufgethürmter, im Todeskampfe verrenkterMenschenleiber hatte ihm unverwischbar vor Augen gestanden, und neben diesem grauenhaften Bilde erschien ihm hier draußen jetzt alles von einer Anmuth und Heiterkeit, wie er sie sicherlich nie zuvor an den zumeist rcuzt schmucklosen und nüchternen Bauwerken der argentinischen Hauptstadt wahrgenommen. Wenn er sich an die ihm ertheilten Weisungen halten wollte, so bestand seine nächste Aufgabe darin, das Haus Vidals aufzusuchen, das ihm nach der schriftlichen Erklärung seines edlen Freundes eine sichere und gastliche Zufluchtsstätte bieten sollte. Er batte die zwingendsten Gründe, von diesem Anerbieten Gebrauch zu machen; denn er war ohne alle Mittel, und so treffliche Dienste ihm seine Verkleidung auch bei dem Entweichen aus dem Gefängniß geleistet haben mochte, für eine Fortsetzung seiner Flucht hätte sie ihm doch eher hinderlich als nützlich sein müssen. An eine Rückkehr in seine HotelWohnung aber, wo er sich mit Geld und Kleidung hätte versehen können, war wegen der damit verbundenen Gefahr nicht zu denken, wenigstens nicht, solange er sich in seinem jetzigen Aufzuge befand. Die Gegend in der unmittelbaren Nähe des Stadthauses war wie ausgestorben. Sie bildete den eigentlichen Mittelpunkt der von den Ausständischen eingeschlossenen inneren Stadt und war darum bisher vom Kampfe verschont geblieben. Wenige hundert schritte weiter jedoch stieß Werner bereits auf die ersten Spuren Dieses Kampfes, auf umgestürzte Karren, auf den Leichnam eines Pferdes, und an der Kreuzung zweier Hauptstraßen auf eine größere, halb zerstörte Barrikade. Einige Dutzend Soldaten lungerte un ein Feuer, das sie mitten in der Straße angezündet hatten, und da Werner nach einer Berührung mit ihnen wenig Verlangen trug, ging er wieder ein Stück zurück, um in eine der engeren Seitengassen einzubiegen. Schon nach wenig Minuten sah er sich in einer ihm völlig unbekannten Ge2?nd, und ernstliche Besorgnisse, daß es ihm überhaupt nicht gelingen würde, sein Ziel zu erreichen, begannen sich in ihm zu regen. Da krachte in seiner unmittelbaren Nähe ein Schuß, ein zweiter folgte, und dann das Geknatter einer ganzen Salve. Ehe er sich noch mit voller Bestimmtheit darüber zu orientiren vermocht hatte, aus welcher Richtung das Kampfgetöse drang, brach mit lautem Geschrei aus der nächsten Seitenstraße ein offenbar in wilder Flucht begriffener Menschenhaufe hervor. Es waren wohl mehr als fünfzig mit Säbeln und Gewehren bewaffnete Männer, aber es waren keine militärischen Uniformen unter ihnen zu erblicken, und Werner zweifelte darum nicht, daß es versprengte Insurgenten seien. Er sah sich nach einem Schlupfwinkel um, in dem er sich vor ihnen hätte verbergen können, aber die Thüren der Häuser waren sammt und sonders fest verschlössen, und da inzwischen auch der Mond über den Dächern emporgestiegen war. die Straße fast taghell mit seinem silbernen Licht überfluthend. hatten ihn die Heranstürmenden gewahrt, bevor es ihm gelungen war, ein schützendes Versteck zu gewinnen. Der Uniformrock des guten Senor Eabildo wurde ihm jetzt zum Verhängniß. denn die Insurgenten, die ihn für einen ihrer Feinde hielten, zeigten Lust, sich an dem wehrlosen einzelnen Mann für die Schlappe zu rächen, die sie foeben von den Negierungstruppen erlitten zu haben schienen. Werner vernahm die drohenden Rufe, die nur ihm gelten konnten, er sah das Aufblitzen von Schüssen und hörte deutlich das unheimliche Pfeifen vonGewehrkugeln, die dich! an seinem Haupte vorüberflogen. Sein Leben war in äußerster Gefahr, und es wäre Wahnwitz gewesen, an einen Widerstand zu denken. Hier gab es keine Rettung, wenn nicht in schneller Flucht. Darum, ob ihn dieselbe seinem Ziele näher brachte oder ihn nur weiter von demselben entfernte, durfte er sich natürlich jetzt nicht kümrnern. Er rannte in die erste beste Gasse hinein, die sich vor ihm öffnete, und dann auf's Gerathewohl weiter und weiter, solange er noch das Schreien. Toben und Schießen hinter seinem Rücken vernahm. Das Glück schien auch diesmal mit ihm gewesen zu sein, denn der Lärm wurde schwächer, so daß er annehmen durfte, die Aufständischen hätten seine Spur verloren oder aus irgend welchen anderen Gründen die Verfolgung aufgegeben. Beinahe aihemlos vom raschenLaufe blieb er stehen und betrachtete seine Umgebung in der Hoffnung, aus irgend welchen Anzeichen zu erkennen, wohin dieser neue, unvorhergesehene Zwischenfall ihn geführt hatte. - Und er glaubte kaum seinen Augen trauen zu dürfen, als er wahrnahm, daß er
sich in einer Seitenstraße der Calle San Martin befand, deren er sich deshalb so genau erinnerte, weil in ihr die Wohnung des Prokuristen Henninger lag. den er in den ersten Wochen seines Aufenthalts wiederholt von Dona Marias Tertulia bis zu seinem Hause begleitet hatte. Zugleich mit dieser Erkenntniß fuhr ihm ein neuer Gedanke durch den Sinn. Die große Lebensgefahr, der er soeben nur wie durch einWunder entronnen war, hatte ihm ja deutlich gezeigt, wie bedenklich es sei, die Stadtgegend, in der Doktor Vidals Haus lag, zu betreten. Sein deutscher Landsmann aber hatte ohne
Zweifel in ungleich höherem Maße als. jener Fremde die Pflicht, ihm Schutz und Beistand zu gewähren; er durfte sich nicht weigern, ihn bei sich aufzunehmen. Das Schicksal muß es doch besser mit mir im Sinne haben, als ich es noch vor wenig Stunden vermuthen konnte," dachte er, als er zwei Fenster des ersten Stockwerks, das der Prokurist bewohnte, hell erleuchtet sah. Die Hausthür zwar war verschlössen, aber er brauchte nur ein paar Mal in die Hände zu klatschen, um Henningers Aufmerksamkeit zu erregen. Der Schatten einer menschlichen Gestalt zeigte sich oben, ' und gleich darauf wurde ein Flügelfenster geöffnet. Wer ist da?" rief die Stimme des Prokuristen hinunter. Die Frage war in sP2nischerSprache gestellt; Rodewaldt aber, der sich noch im Schutze eines Mauervorsprunges hielt, antwortete auf deutsch, indem er seinen Namen nannte und hinzufügte: Sie müssen mir für diese Nacht Gastfreundschaft gewähren, und ich bitte Sie dringend, lassen Sie mich auf der Stelle ein!" Die Entfernung war zu groß, als daß er hätte wahrnehmen können, ob sich auf Henningers Antlitz eine besondere Gemüthsbewegung offenbarte. Einigermaßen seltsam war es immerhin, daß Sekunden verstrichen, ehe die Erwiderung kam: Ich werde selbstverständlich sogleich herabkommen. Aber sind Sie es denn wirklich?" Werner trat in das helle Mondlicht hinaus und nahm die Uniformmütze ab. Ich habe mich vielleicht em wenig verändert, seitdem wir uns zum lctztenmale gesehen, aber ich hoffe, Sie zweifeln trotzdem nicht länger an meiner Identität." Nur einen Augenblick Geduld!" tönte es herunter. Ich werde Ihnen selbst öffnen." In der That verging nur eine kurze Zeit, bis der Schlüssel knirschte, und die Hausthür sich austhat. Henninaer. . -n ri ' ' ' 5, I . . vzz nvu) vvuiiaiivlg angeileloei war, hob die mitgebrachte Kerze empor, so daß ihr Licht voll auf das Antlitz des Einlaßheischenden fiel, und ohne dak sich dabei in seinem eigenen Gesicht irgend welche Bewegung verrathen hätte, sagte er: Haben Sie diese Beränderung vorgenommen, um sich unr. tri lennilicq zu inacyen, o in ynen Ihre Absicht allerdings vortrefflich gelungen. cy gestehe, daß lch bis zu diesem Moment noch immer an die Möglichkeit glaubte, irgend ein Spaßvogel wolle sich über mich lustig machen. Aber treten Sie gefälligst näher und seien Sie mir willkommen. Ich stehe Ihnen natürlich sowohl mit meiner bescheidenen Behausung wie mit allem, was ich sonst besitze, zur Verfügung." Wie das gesprochen war, klanq es vielleicht nicht besonders herzlich, aber es war doch auch nichts von Unlust und innerem Widerstreben darin zu spuren. Als sie oben in dem behaglich eingerichteten Wohnzimmer standen, das der Vankdirektor heute zum ersten Mal betrat, war denn auch ein warmes Dankeswort das erste, was über Werner's Lippen kam. Ohne den glücklichen Zufall, der mich ganz unvermuthet in die Nähe Ihrer Wohnung brachte, wäre vielleicht doch alles für mich verloren gewesen, fagte er. Und an der Größe der Gefahr, der Sie nun ja, Gott sei Dank, entronnen sind, mögen Sie ermessen, was Ihre Freunde vorausgesetzt, daß Sie mir l-ri 1 1 ;jc L!.r.t... -" ijciuucn, imcg unicr oiccioen zu zahlen seit diesem unglückseligen Morgen um Ihretwillen an Anast' und Aufregung ausgestanden. Es waren m der That entsetzliche Stunden. . Für Jemand, der durch das unverhoffte Erscheinen eines verloren Geglaubten plötzlich aus einem Zustande entsetzlicher Angst und Aufregung befreit wird, war das Benehmen des Prokuristen beim Anblick Werner's eigentlich merkwürdig gefaßt und gleichmüthig gewesen. Aber der Bankdirektor kannte ja die unerschütterliche Ruhe seines Mitarbeiters und war außerdem nicht in der Stimmung, auf den augenfälligen Gegensatz zwischen Henningers Worten und seinem Benehmen viel Gewicht zu legen. Sie wußten also, wie es um mich stand?" fragte er. Meine Botschaft aus dem Gefängnisse hat Sie erreicht?" Freilich, und wenn es mein eigenes Leben oder das meines Bruders gewesen wäre, das auf dem Spiele stand, so hätte ich wahrlich nicht mehr zu seiner Rettung thun können. Haben Sie davon denn gar nichts erfahren?" Nicht das mindeste." Wir wußten, daß Ihre Verurtheilung erfolgen würde, aber wir hatten große Hoffnungen auf die Möglichkeit einer Begnadigung gesetzt. Senor del Vasco " Die bloße Nennung dieses Namens reichte hin, Werner in heiß aufflammendem Zorn emporfahren zu lassen. Sprechen Sie mir nicht von ihm!" rief er. Wenn ich dem Himmel für meine Befreiung danke, so ist es vor allem, weil mir damit die ersehnte Möglichkeit gewährt wird, mit diesem Schurken und seiner würdigen Sipp-
schaft Abrechnung zu halten. Auch Ihnen hat er ja allem Anscheine nach eine Komödie vorgespielt, da Sie noch Zetzt an seine Redlichkeit zu glauben scheinen. Nun aber ist das Spiel zu Ende, und Manuel del Vasco hat die Partie endgültig verloren." In der That Sie setzen mich in Erstaunen! Verdanken Sie denn nicht del Vasco oder seiner Gemahlin Ihre Befreiung?" Meinen Untergang hätte ich ihnen zu danken gehabt, wenn sich alles nach ihren Wünschen erfüllt hätte. Aber ich bin wirklich nicht im Stande, mein lieber Henninger, Ihnen das jetzt ausführlich zu erzählen. Merke ich doch jetzt erst, wie arg die Erlebnisse dieses Tages mich mitgenommen haben. Ich bin zum Tode erschöpft." Die lähmende Müdigkeit war ganz plötzlich über ihn gekommen, aber sie war nun auch unwiderstehlich. Er sträubte sich nicht dagegen, daß Henninger ihm fein eigenes Bett zur Ver fllgung stellte, und er ließ sich nicht einmal Zeit genug, sich zu entkleiden. Nur den Rock des Gefängnißwärters streifte er ab, um sich dann mit einem Athemzuge der Erleichterung in die Kissen sinken zu lassen und noch vor Ablauf der nächsten Minuten tief und fest zu entschlummern. Er sah den haßerfüllten, wuthfunkelnden Blick nicht mehr, mit dem Henninger ihn betrachtete, und er hörte es auch nicht, wie jener nach einer Weile behutsam die Wohnung verließ. 21. K a p i t e l. Mit jenem raschen, durch keine Dämmerung vermittelten Uebergang, wie sich in tropischen Ländern der Wechsel zwischen Nacht und Morgen zu vollziehen pflegt, hatte sich eben die Finsterniß in blendende Tageshelle
verwandelt, als Rodewaldt durch mehrfaches, rasch wiederholtes starkes Pochen aus seinem tiefen Schlummer geweckt wurde. Er brauchte einige Zeit, um sich völlig zu ermuntern und sich :n seiner fremden Umgebung zurecht zu finden. Der Einlaßbegehrende aber hatte es offenbar zu eilig, um die so lange verzögerte Aufforderung zum Eintritt abzuwarten, denn noch ehe sie erfolgt war, wurde die Thür geöffnet, und Werner gewahrte eme dunkel gekleidete Madchengestalt, deren Gesicht von der weit über den Kopf gezogenen Mantilla fast ganz verhüllt war. Conchita!" war sein erster freudiger Gedanke, aber er mußte doch sogleich erkennen, daß diese beglückende Vermuthung ein Irrthum gewesen war, denn die da vor ihm stand, war größer und stärker als seine Lebensrettenn, und letzt, da sie mit rascher Handbewegung das Spitzentuch zurückschob, erhielt er auch Gewißheit über ihre Person. Senorita Jsabella Sie?" rief er, sich aufrichtend, in höchster Ueberraschung aus. Diese aber zog die Thur hinter sich zu und that einige schnelle Schritte gegen ihn Hrn. . Ja, ich bin es! Aber ich beschwöre Sie, lassen Sie uns jetzt keine Zeit mit Fragen und Aufklärungen verlieren. Jede Sekunde ist für Sie von unschätzbarem Werth, denn an jeder von ihnen hängt vielleicht Ihr Leben. Sie sind verrathen, und noch vor Ablauf einer Viertelstunde können die Schergen der Regierung hier sein, Sie zu verhaften. Stehen Sie auf und folgen Sie mir! Ich werde Sie an einen Ort fuhren, wo Sie wenigstens vorläufig in Sicherheit sind." Rasch hatte Werner die Verwirrung überwunden, in die Jsabellas Erscheinen ihn versetzt hatte, und in demselben Maße, wie ihm die Erinnerung an die Ereignisse des verflossenen Taaes zurllckkehrte. erwachte auch sein leidenschaftlicher Ingrimm gegen die heuet) lerische Sippe, der sie angehörte, und sein Groll gegen sie selbst, die lm Stande gewesen war, eine so schmähliche Komödie mit ihm zu spielen. Wenn sie seinetwegen hierhergekommen war, so war es sicherlich in keiner anderen Absicht geschehen, als um ihn zu verderben. Heute aber war er gerüstet und nicht zum zweiten Mal sollte ihr das abscheuliche Gaukelspiel gelingen. Ihr Besuch gilt also wirklich mir, Senorita del Vasco? Und Sie wollen mir sogar als rettender Engel erscheinen? Fürwahr, das ist viel mehr, als ich um Sie verdient habe, und Sie begreifen, daß schon das Bewußtsein meiner UnWürdigkeit mich abhalten müßte, von Ihrer Großmuth Gebrauch zu machen." Die Hände Jsabellas ballten sich, und in zorniger Ungeduld stampfte ihr kleiner Fuß den Boden. Mein Gott, ist denn Ihr Abscheu ror mir so groß, daß Sie sich lieber Ihren Henkern ausliefern, als mir Ihre Rettung verdanken wollen? Was kann ich thun, um Sie zu überzeugen, daß Sie verloren sind, wenn Sie mir nicht augenblicklich folgen?!" Ein unbefangenes Ohr hätte vielleicht den Klang tödtlicher Angst vernommen, der in ihren Worten zitterte. Werner aber war fest von ihrer Verworfenheit überzeugt, und ihr leidenfchaftliches Ungestüm bestärkte ihn nur in feinem Verdacht. Liegt Ihnen so viel daran, mir diese Ueberzeugung beizubringen nun wohl, so sagen Sie mir vor allem, wer mich verrathen hat und an wen." Sie zauderte eine Sekunde lang, dann warf sie mit trotziger Bewegung den Kopf zurück und erwiderte: MLgen Sie es denn in GottesNamen wisfen! Ihr Landsmann und vermeintlicher Freund Henninger ist es, der Sie Ihren Mördern auszuliefern beabsichtigt. Er kam in dieser Nacht zu meinem Vater, um ihm mitzutheilen, daß Sie bei ihm Zuflucht gesucht hätten, nachdem eö Ihnen unbegreiflicherweise gelungen sei, aus dem Gefängniß zu entkommen, und er bestimmte ihn, Ihre Wiederverhaftung zu bewirken."
Was? Welche Unaebeuerlichkeit ba-
ben Sie sich da ausgesonnen? Nein nem! Nie und nimmer werde ich daran glauben!" Nur uns also halten Sie jeder Schlechtigkeit fähig, während Sie diesem Elenden, der uns zu Werkzeugen seiner Pläne zu machen wußte, ein unerschütterliches Vertrauen entgegenbringen? Wahrhaftig, roh klug ihr Deutschen sonst auch sein mögt, mit eurer Menschenkenntniß ist es recht kläglich bestellt." Werner drückte die Hände gegen die Schläfen. Es war ihm, als ob alles um ihn zu schwanken und zu kreisen beginne. Nein, es wäre nicht auszudenken," murmelte er, es wäre ein Abgrund von Nichtswürdigkeit, den keine menschliche Vorstellung ermessen kann." Um Jsabella's Lippen zuckte es wie bitterer Hohn. Wenn die Wünsche Ihres Freundes Erfüllung gefunden hätten, so wären Sie bereits wieder in Ihrer Kerkerzelle oder Sie hätten vielleicht auch schon aufgehört zu athmen. Er bestand darauf, daß Sie noch während der Nacht festgenommen würden, weil er seiner Sache unbedingt sicher sein wollte. Nur dem glücklichen Umstand, daß es meinem Vater an persönlichem Muth gebrach, sich vor Tagesanbruch hinauszuwagen, haben Sie den Aufschub zu danken." Sie wähnte, ihn von der Wahrheit ihrer Mittheilungen überzeugt zu haben, aber sie mußte erkennen, daß es ihr noch immer nicht gelungen war. Um an eine so unerhörte Schändlichkeit zu glauben, müßte ich vor allem im Stande sein, sie mir zu erklären," sagte er. Henninger hat so wenig einen Grund, mich zu hassen, als mein Tod ihm Nutzen bringen könnte. Erst wenn Sie mir zuvor bewiesen haben, daß er den Verstand verloren, werde ich ihn des Verbrechens fähig halten, dessen Sie ihn anklagen." Unten auf der Straße wurde der Klang von Schritten und von lauten Menschenstimmen vernehmlich. Jsabella flog zum Fenster und schob den Vorhang ein wenig beiseite. Dem Himmel sei Dank, es sind keine Soldaten." sagte sie aufathmend. Aber wenn Ihr Leben nicht jeden Werth für Sie verloren hat, so lassen Sie uns nicht unthätig hier verweilen, bis sie kommen." Sie hatte den eindringlichsten Ton angeschlagen, dessen sie fähig war, und doch blieb ihr ungestümes Mahnen noch immer vergeblich. Sie wollen einer Antwort ausweichen ich sehe es wohl. Aber es bedarf deren auch nicht. Henninger mag sich einer für mich verhängnißvollen Unvorsichtigkeit schuldig gemacht haben, als er Ihnen meinen Aufenthalt verrieth; so lange aber die Aufforderung. diese Zufluchtsstätte mit einer anderen zu vertauschen, nur von Jhnen oder einem der Ihrigen ausgeht, werde ich mich hier immer noch am sichersten fühlen." Sie wollen also durchaus, daß ich die kostbare Zeit damit vergeude, Jhnen eine Erklärung für die schurkischen Anschläge dieses Menschen zu geben? Wohl, wenn Sie denn nicht anders zu überzeugen sind, so mag es darum sein." Und in kurzen, hastig hervorgestoßenen Worten, jeden Versuch einer Unterbrechung beinahe heftig zurückweisend, sagte sie ihm alles, was sie über Henninger wußte und was sie über ihn vermuthete. Es war, als sei plötzlich ein leidenschaftliches Verlangen über sie gekommen, rückhaltlos zu offenbaren, was sie noch vor Kurzem vor keinem anderen so ängstlich als Geheimniß gehütet haben würde, wie gerade vor dem Manne, dem sie es jetzt preisgab. Von dem brennenden Ehrgeiz beseelt, als erster Leiter an die Spitze des Bankinstitutes zu gelangen, dem er angehörte, war Henninger von jeher ein erbitterter, haßerfüllter Feind derjenigen gewesen, die man ihm zu Vorgesetzten gegeben. Aber er hatte diesen Haß allezeit hinter einem ruhig bescheidenen, fast demüthigen Wesen verborgen und geduldig gewartet, bis ihm der rechte Zeitpunkt für die Ausführung seiner Pläne gekommen schien. In Manuel del Vasco, dessen zerrüttete Vermögensverhältnisse er auf das Genaueste kannte, hatte er ein geeignstes Werkzeug zu finden geglaubt. Er hatte seine Berufung zum Syndikus der La Plata - Bank durchgesetzt, obwohl er wußte, daß del Vasco ein ruinirter Börsenspekulant und ein leichtsinniger Spieler war, der es nur noch durch die gewagtesten Manöver ermöglichte, sein ausschweifendes Leben fort zusetzen und den Ansprüchen seiner verschwenderischen Gattm zu genügen. Und er hatte sich in der erhofften Willfährigkeit dieses Mannes nicht getäuscht. Der ehemalige Rechtsanwalt besaß das weiteste Gewissen, und für die Aussicht auf die Befreiung aus seinen drückenden Verlegenheiten war er unbedenklich bereit, nicht nur die eigene Ehre, sondern auch die seines Kindes zu opfern. Wenn Jsabella die Wahrheit sprach, so hatte man sie nicht von Anfang an in den abscheulichen Plan eingeweiht. Ihre Eltern hatten sie nur gebeten, den Direktor Strahlendorf bei seinen Besuchen recht freundlich und liebenswürdig zu behandeln, und sie hatte sich dabei, wie sie sagte, nichts besonderes gedacht, weil sie daran gewöhnt war, daß man ihr in Äezug auf diese oder jene einflußreiche Persönlichkeit, dcien Gunst man gerade gewinnen wollte, derartige Winke gab. Erst als das Benehmen des Bankdirektors erkennen ließ, daß er das Spiel ?rnst nahm, und als sie sich darüber bei ihrer Mutter beklagte, wurde ihr eine volle Aufklärung zu theil. Nichts geringeres als die Ehre und die Existenz ihres Vaters sollten davon abhängen, daß sie den bethörten Deutschen in seinem Wahn erhielt in dem Wahi
von ihr geliebt zu werden, und daß sie ihn fester und fester umgarnte. Es ist also volle Wahrheit?" rief Werner entsetzt. Und einen so schändlichen Auftrag vermochten Sie zu übernehmen?" Machen Sie mir jetzt keine Vorwürfe es ist wahrlich nicht Zeit dazu. Ich ahne nicht, wer Sie über die Ursache von Strahlendorfs Selbstmord unterrichtet haben mag. aber ich weiß aus den Mittheilungen meiner Eltern, daß Sie sie kennen. Er hatte sich meinem Vater zuliebe allerlei Pflichtwidrigkeiten und vielleicht noch Schlimmeres zu Schulden kommen lassen. Und als ich ihm auf Henninger's Befehl unser heimliches Verlöbniß aufkündigen mußte, al5er sah. daß die ihn verriethen, denen er seine Ehre geopfert, fand er keinen Ausweg als den Tod. Gott weiß es. daß ich anders gehandelt haben würde, wenn ich dies Ende hätte voraussehen können. Henninger aber hat es vorausgesehen, dessen bin ich gewiß! Langsam und jeden Schritt mit teuflischer Bedachtsamkeit zuvor erwägend, strebte er seinem Ziele zu. Er kannte diesen Mann besser als ich. und er wußte, daß mein Brief sein Todesurtheil sein würde. Strahlendors's Schicksal ist einzig und allein Henningers Werk." Und trotz der Erfahrungen, die Sie hatten machen müssen, konnten Sie sich dazu verstehen, dasselbe Spiel auch mit mir zu beginnen?" fragte Werner verachtungsvoll. Nein." rief sie. nein! Nicht um den Preis meines Lebens hätte ich mich zum zweitenmal dazu gebrauchen lassen. Todte mich, wenn Du willst aber treibe mich nicht zur Verzweiflung durch den Verdacht, daß ich ein Spiel mit Dir getrieben habe!" Wie, Senorita, Sie wollen mich noch immer daran glauben machen, daß Sie " Bei meiner ewigen Seligkeit, Werner, ich schwöre Dir's, daß dort am Springbrunnen kein unwahres Wort über meine Lippen gekommen ist! Ich liebe Dich liebte Dich in dem Augenblick unserer ersten Begegnung, liebe Dich heute noch trotz der Grausamkeit, mit der Du mich verschmähtest." Werner trat einen Schritt zurück. Nicht so, Senorita," sagte er kalt. Lassen Sie uns ruhig miteinander sprechen. Es wäre eine nutzlose Pein für uns beide, wenn Sie versuchen wollten, eine Scene zu wiederholen, an die ich nicht ohne tiefe Beschämung zurückdenken kann. Und es wäre gerade jetzt auch nicht der rechte Zeitpunkt da zu jetzt, wo Sie soeben erst gegen sich selbst und gegen die, welche Ihnen am nächsten stehen, so furchtbare Anklagen erhoben haben." Und ist denn nicht gerade das ein Beweis dafür, daß ich auf der Welt nichts mehr liebe als Dich." rief sie mit aufgehobenen Händen, daß ich nach nichts mehr frage als nach Dir? Ja. ich habe Dir durch mein Geständniß meine Eltern preisgegeben, wie ich mich selbst Dir preisgegeben habe. Aber ich bereue es nicht. Als ich in dieser Nacht erfuhr, was meine Eltern an Dir gethan, als ich sah. daß sie bereit waren, Dich auf den Befehl dieses entsetzlichen Henninger noch einmal Deinen Henkern zu überliefern, da fühlte ich, daß auch das letzte Band zwischen ihnen und mir zerrissen war, und ich sagte mich für immer von ihnen los mit dem Entschluß, fortan nur noch für Dich zu leben." Aber was, um des Himmels willen. Senorita, haben Sie sich dabei gedacht? Soll ich Ihre Worte etwa dahin verstehen, daß Sie hierher gekommen seien in der Absicht, Ihr Schicksal mit dem meinigen zu verbinden mit dem Schicksal eines Flüchtlings, der nicht einmal im Stande ist, sür sich selbst einzustehen und daraus gefaßt fein muß, daß jede nächste Minute die letzte seines Lebens sei?" Ich fürchte mich vor keiner Gefahr, wenn ich nur bei Dir fein kann. Und Du wirst nicht sterben. Ich werde Dir forthelfen. Mit Geldmitteln bin ich zur Genüge versehen, denn ich habe Ersparnisse, von denen meine Eltern nichts wissen, und habe außerdem alle meine Schmucksachen mit mir genommen. In das Haus meines Vaters kehre ich unter keinen Umständen zurück, und wenn Du dabei beharrst, mich zu verschmähen, so gehe ich in den Strom." Er sah, daß es ihr ernst war mit dieser letzten Drohung, und wollte die Verantwortung für ihre That nicht auf fein Gewissen nehmen. Er konnte sie in solcher Gemütsverfassung nicht mit einem unbarmherzigen Wort von sich gehen lassen. Einen Augenblick noch überlegte er, dann glaubte er den rechten Ausweg gefunden zu haben. Wenn Sie durchaus nicht zu Ihren Eltern zurückkehren wollen, so gestatten Sie mir, Sie einstweilen unter den Schutz eines edlen Mannes zu stellen, der mir nach allem, was er bereits für mich gethan, auch diesen Beweis großwüthiger Freundschaft nicht versagen wird. Es ist Doktor Jose Vidal, zu dem ich " Er konnte nicht vollenden, denn ein Aufschrei aus Jsabellas Munde hatte ihn unterbrochen. Wieder eilte sie an das Fenster, und ihr Antlitz war marmorbleich. als sie sich nach einem Blick auf die Straße gegen Werner zurückwandte. Zu spät!" stieß sie mit farblosen Lippen hervor. Sie sind da sie dringen bereits in das Haus! O, warum auch mußtest Du so lange zögern!" Der Lärm, der an sein Ohr schlug, überzeugte Werner, daß sie die Wahrheit sprach, und er erkannte zugleich, daß ihm jeder Weg zur Flucht abgeschnitten war. Das Gemach hatte nur einen einzigen Ausgang, und er wäre unfehlbar den Häschern in die Arme gelaufen, wenn ei es verließ. Es
konnte also nur noch gelten, sie hier zu erwarten und sein Leben so theuer als möglich zu verkaufen. Er sah sich nach einer Waffe um, nach dem Säbel des Gefängnißwärters, den er gestern Abend hier abgelegt hatte. Aber Henninger war klug genug gcwefen, ihn zu entfernen, und der Flüchtling fand nur eben noch Zeit, zu seiner Vertheidigung einen der schweren Eichenstühle zu ergreifen, als wuchtigc. Si'sße gegen die Thür erdröhnten und den schwachen Riegel aufspringen ließ:;-., den Jsabella vorgeschoben hatte. Ein Offizier stand mit gezogenem Säbel auf der Schwelle und neben wie hinter ihm tauchten die Gestalten von mindestens einem Dutzend mit Gewehren bewaffneter Soldaten auf. Im Namen des Gesetzes, Senor ich erkläre Sie für verhaftet! Es liegt in Ihrem eigenen Interesse, mir gutWillig zu folgen." Der Anblick von Werners reckenhaft gebauter Gestalt, die jetzt, wo er sich kampfbereit hoch aufgerichtet hatte, noch kraftvoller und stattlicher erschien, hatte den Officier veranlaßt, den letzten Satz in besonders höflichem Tone zu sprechen. Mit festem Griff umklammerte der junge Deutsche die Lehne seines Stuhles und rief: Sie haben kein Recht, mich zu verhaften, Senor! Und deshalb werde ich Ihnen nicht folgen. Den ersten, der es wagt, seine Hand gegen mich zu erheben, schlage ich nieder." Die Soldaten hielten unwillkürlich in ihrem Vordringen inne, und der Officier erwiderte: Wenn Sie Senor Rodewaldt sind, so habe ich gemessenen Befehl, Sie todt oder lebendig einzuliefern. Darum warne ich Sie noch einmal davor, mich zum Aeußersten zu zwingen. Bei dem ersten Versuch eines Widerstandes würde ich meinen Leuten beschien müssen, auf Sie zu schießen." Befehlen Sie es ihnen, wenn Sie den Muth dazu haben. Aber bedenken Sie wohl, daß die Regierung des Lan des, dem ich als Bürger angehöre, blutige Rechenschaft fordern wird für das an mir begangene Verbrechen." Ich habe mich nicht um Ihre Regierung zu kümmern, Senor, sondern um die Befehle meiner Vorgesetzten. Zum letzten Mal frage ichSie: Sind Sie bereit, mit uns zu gehen?" Und zum letzten Mal antworte ich Ihnen: Nein!" Gut denn, wenn Sie es nicht anders wollen! Achtung! Legt an! Fertig!" Werner sah die Mündungen von sechs oder sieben Gewehrläufen auf sich gerichtet, und er zweifelte nach feinen gestrigen Erfahrungen nicht, daß ti dem Manne ernst sei mit seiner Absicht, ihn hier ohne weiteres niederschießen zu lassen. Er hatte mit seinem Lcben abgeschlossen; aber das entscheidende Commandowort fiel vorläufig noch nicht, denn Jsabella hatte sich zwischen den Bedrohten und seine Angreifer geworfen. Zurück!" rief sie. Tödtet erst mich! Dieser Mann steht unter meinem Schutz." Mit jener Artigkeit, die ein wohlerzogener Porteno dem schönen Geschlecht unter allen Umständen schuldig zu sein glaubt, neigte der Officier sein Haupt gegen die junge Dame. Ich bin untröstlich, Senorita, mich darum nicht kümmern zu dürfen. Meine Befehle lauten äußerst bestimmt." Aber hier liegt ein Irrthum vor. ein Mißverständniß. Dieser Herr ist nicht der, den Sie suchen." Um so weniger Grund hätte er, sich seiner Verhaftung zu widersetzen. Das Mißverständniß wird sich am zuständigen Orte ja leicht aufklären lassen." Neuer, verstärkter Lärm drang plötzlich von der Straße herauf. Schüsse krachten, und deutlich hörte man von einer hellen, kreischenden Stimme den Ruf: Es lebe die Freiheit! Nieder mit den Bluthunden, den Mördern unserer Brüder!" Der Officier stutzte. Auch er hatte den Tumult und den in hundertstimmigem Gebrüll von der Menge wiederholten Ruf vernommen. Machen wir ein Ende!" befahl er, geben Sie den Weg frei, Senorita, damit mir die Nothwendigkeit erspart bleibe, auch gegen Sie Gewalt anzuwenden." Aber sie wich nicht von der Stelle. Wie neu erwachte Hoffnung leuchtete es in ihren dunklen Augen. Vorwärts bemächtigt euch dieses Mannes, Leute!" befahl der Officier. Reißt das Weib hinweg." Die Soldaten drangen auf Werner ein. Dieser aber schob Jsabella, die ihn noch immer zu decken versuchte, zur Seite und schlug den ersten der Soldaten mit dem schweren Stuhle nieder. Eben wollte er die plumpe Waffe zum zweitenmal heben, da erhielt er von der Seite her einen wuchtigen Schlag über den Kopf. Er hörte auch noch den Knall 'eines Schusses, aber er wußte nicht mehr, ob derselbe vor ihm oder hinter ihm abgefeuert worden war. denn plötzlich begann sich alles um ihn zu drehen und er sank bewußtlos nieder. (Fortsetzung folgt.) Frech. Landrath: Ich habe Jhnen mitzutheilen, daß Sie wegen unverbesserlicher Trunksucht in ein Arbeitshaus geschickt werden." Trunkenbold: Aber, Herr Landrath, wo bleibt da die Gerechtigkeit, mich schickt man in's Arbeitshaus und Sie in's Bad, wenn geistige Ueberanstrengung" vorliegt." KeinComvliment. Junger Ehemann: Also das ist ein Rostbraten? Liebes Weibchen. Du hast selbst den berühmten , französischen Koch übertroffen, der aus einer Schuhsohle einen Rostbraten herstellte." Oh, Du Schmeichler!" Ja, Du hast umgekehrt aus einem Rostbraten eine Schuhsohle aemacht." ...
Für die MHo. Vorzügliche Tomaten s u p p e. Ein reichliches Stück Butter wird mit einer Zwiebel hellgelb gedämpft; sodann schneidet man fünf bis sechs schöne Tomaten inViertel undschmort dieselben darin weich. Nuir gibt man 3z Unzen zerschnittenes Kleinbrot dazu und füllt soviel Wasser auf, daß es sechs Teller Suppe gibt. Man läßt nun die Suppe anderthalb bis zwei Stunden langsam fortkochcn und treibt sie vor dem Anrichten durch. Will man sie ganz fein machen, so wird sie mit zwei Eidottern abgezogen. Kartoffelmuscheln zu Suppenfleischragout. Kartoffelreste werden gerieben und mit einem Ei, wenig Milch, etwas Muskatnuß und so viel Mehl verarbeitet, daß ein ziemlich fester Teig entsteht, der in kleine Stücke zertheilt wird. Man drückt diese mit der Hand gegen die Innenseite eines gewöhnlichen Reibeisens, daß sie eine gewölbte, muschelartige Form annehmen. Die so entstandenen Kartoffelmuscheln werden in Salzwasser gekocht und auf ein Suppenfleischragout gelegt. Wiener Schinkenwannd e l n. Eine Form mit Vertiefungen, wie solche zum Backen der Spiegeleier oder Ochsenaugen verwendet wird, streicht man gut mittels Pinsel mit Butter aus. Sodann werden die kleinen Vertiefungen der Form mit mürbem Teig ausgelegt. Darein kommt ein vorbereitetes Haschee aus Schinken (feinfaschirter Schinken oder Rauchfleisch wird mit etwcAk saurem Rahm, einem Stäubchen Mehl, Salz und Muskatgeschmack auf Glut ausgedünstet). Ist jedes Wanndel also mit der angegebenen Fülle gefüllt, so wird ein entsprechend groß geschnittenes Deckblatt aus Butterteig darüber gelegt, die Teigenden fest aneinandergedrückt, damit das Wanndel geschlossen, obenauf mit Eigelb leicht bestrichen und in heißer Röhre langsam ausgebacken. Das Herausnehmen der Speise geschieht am besten vorsichtig mit Zuhilfenahme eines runden Tischmessers. Die Speise muß heiß servirt werden. Diese Wanndeln können auch mit beliebig anderen Haschees gefüllt werden. Frikassirte Schweinso h r e n. Man kocht die gut gesäuberten Ohren in Salzwasser sehr weich und schneidet sie in feine Streifchen. Nun gibt man reichlich Butter und eine halbirte Zwiebel in eine Kasserolle, das Geschnittene darauf und läßt es langsam dämpfen. Mit Fleischbrühe, etwas Wein oder gutem Essig macht man eine kurze Tunke daran, würzt dieselbe mit Muskatnuß, Citronenschale und zieht sie zuletzt mit zwei bis drei Eidotiern ab. Salzkartoffeln dazu, gibt ein sehr gutes Abendessen. Pudding von Kalbsmilchen (Brieschen). Bier bis fünf altgebackene Milchbrote werden fein geschnitten und mit siedender Milch angebrüht. Dann rührt man zwei Unzen Butter leicht, gibt vier kleine oder drei große Eier dazu, dann das Eingeweichte und twas feingewiegtenKalbsbraten, ein Stückchen Speck, die Hälfte des gesottenen Brieslein, die andere Hälfte in zierliche Stückchen geschnitten, Petersilie, Zwiebeln. Salz. Muskatnuß, ein wenig Pfeffer und den Schnee der sechs Eiweiße. In gebutterte und mit feinemSemmelmehl ausgestreute Form eingefüllt, muß der Pudding fünf Viertelstunden sieden. Man gibt eine feine Buttertunke dazu. Will man es sehr fein geben, so fügt man der Tunke einige Morcheln bei. Hammel - Rippchen auf italienische Art. Aus einem altgeschlachteten Hammelrücken geschnitten, werden die Rippchen von dem größten Theile des anhaftenden Fettes befreit, der Rippenknochen eines jeden wird sauber abgeputzt, dann legt man sie, mit der Breitseite des Hackmessers ein wenig slach geklopft, .15 Minuten in eine Marinade, bestehend'dus gutem Olivenöl und fein gewiegten Kräutern. Weiter bereitet man eine Mischung von geriebenem Weißbrot, gehackten Champignons, gewiegter Pe tersilie. Basilikum, Thymian.Estragon, einer Schalotte, etwas Citronenschale, verrührt die genannten Bestandtheile tüchtig, panirt damit die Rippchen und bratet sie in frischer Butter, um sie sehr heiß mit nachstehender Sauce anzurichten: Ein Löffel Mehl wird in Butter gebräunt, mit Fleischbrühe verkocht, hierauf schmeckt man die Brühe mit einigen Löffeln Portwein, ein wenig Soja und Estragon - Essig ab und füllt sie über die in der Mitte einer runden Schüssel aufgeschichteten Rippchen, iese beliebig mit Blätterteig oder Semmel - Röstern verzierend. Braunes Zungen - Rag o u t. Butter, Mehl. Zwiebeln und Gewürz, durchschwitzt, bis sie dunkelgelb sind, werden mit einem PintFlüssigkeit, in der Fleischextract gelöst wurde, und mit Parmesankäse verbunden und eine halbe Stunde gekocht; die Sauce wird mit Pfeffer und Salz gestrichen. Gekochte, abgezogene Zungen und Kalbsmilch schneidet man sauber in möglichst gleichmäßige Scheiben, legt sie in die Sauce, fügt die Champignons dazu und läßt das Gericht 20 Minuten ziehen, aber nicht kochen. Kurz vor dem Anrichten werden zwei Eßlöffel Madeira mit dem Gericht vermischt, dasselbe mit Citronensaft und Salz abgeschmeckt und auf heißer, flacher Schüssel mit Semmelröstern garnirt zu Tisch gegeben. Mostrichkartoffeln. Aus braunem Buttermehl. Fleischextractbouillon. Salz. Pfeffer. Citronensaft, einer Prise Zucker und einem Löffel Mostrich wird eine ganz sämige Sauce bereitet, in -der man übrig gebliebene, in Scheiben geschnitten: Kartoffeln heiß werden läßt, sie in warmer Schüs sel anrichtet und mit verlorenen Eiern belegt.
