Indiana Tribüne, Volume 23, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1899 — Page 2

Zoön FarKers.

Von Robby JoneS. John Parkers war in Gisst) o Kreen verliebt, so verliebt, daß er zu allem fähig war. selbst zur größten Dummheit. Er beschloßdaher auch eines schönenTayes, Cissy seine Liebe zu gestehen und sie um ihre Hand zu bitlen. Mein lie'bei Parkers", sagte ihm aber Cissy, wie gerne würde ich Ihre Bitte erfüllen, aber Sie kommen zu spät." . .Zu spät?" Ja, Parkers. Um eine Stunde und 31 Minuten zu spät. Denn da da habe ich mich mit Fred Wilkins ver lobt." O", fagteParkers. Und in dem O" lag der ganze Schmerz, den er dann drei Wochen langMit sich herumtrug. Nach diesen drei Wochen ermannte er sich soweit wieder, daß er sich ohne sonderliche Beschwerden in Käte Brinkmann verlieben konnte, die wahrhaftig mit zu den entzückendsten Mädeln von ganz New - Jersey gehörte. Auch sie schien an Parker Gefallen zu finden. und das war kein Wunden denn v. alles was recht ist aber ein netter Junge war er, das war gewiß. Er that also das. was er auch bei Cissy o Kreen schon gethan. Er ging hin und bat Käte um ihre Hand. UmGotteswillen, wie schade", sagte diese. Ja, sagen Sie mir nur Parkers, warum sagen Sie mir das alles so spät. Hätte ich das vor einer Stunde gewußt, vor 58 Minuten, dann hätt' ich ja mit Freuden Ja gesagt, so cUz .... Sa . . . a . . . der?" So bin ich seit der Zeit mit Boö Raleigh verlobt." Donnerwetter!" und in diesem Ausruf lag (siehe oben). Das .heißt nein; es lag nicht der Schmerz darin, den er drei Wochen mit sich herumtrug, sondern nur zwei. Denn nach zwei Wo chen kam sie. Sie Eveline Smith. Sie, die alle anderen Mädels von Jersey weitaus in den Schatten stellt. Sie, iie man lieben mußte, wenn man sie sah. Und da Parkers immer that, was er mußte, so that er's auch jetzt. Er verliebte sich sofort in das schöne, das herrliche München und beschloß sofort, aber sofort, zu Miß Eveline zu gehen und sie um ihre Hand, um das entzr?aendste Handchen der Welt zu bltten. Ihr Antrag. Mister Parkers. ehri mich ja sehr und, unter uns, ich würde ihn von ganzem Herzen, aber von ganzem Herzen, auch angenommen haden . . ." Wenn . . . Sie . . . nicht schon . . ." unterbrach sie Parkers, in der Ahnung der kommenden Dinge. Ja. wenn ich nicht schon verlobt wäre." Mit wem?" fragteParkers fast tonlos. Mit Ben Holley." ' ' ! Und .... und seit wann. Miß Eveline. Seit wieviel Minuten?" Seit zwanzig." O" und nein, das was der Leser vermuthet, kommt nicht. In diesem O" lag kein Schmerz, es lag wie eine Erleichterung darin. Denn, daß er nur 20 Minuten zu spät gekommen war, das gab ihm seine Hoffnung wieder, die Hoffnung, bei der nächsten nicht mehr zu spät zu kommen. Seine Zeiten" besserten sich ja außerordentlich. Von 1.31 auf 0,58, von 0,58 jetzt auf 0,20, das war colossal und er hatte alle Chancen, beim nächsten Male als guter Erster in dem Rennen um eine Frau auch zu landen. Dieses nächstemal ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Leicht entzündlich, wie John Parkers war, entflammte er wenige Tage später in heißer Liebe zu Alice Montrose, dem entzückenden Mädel, das jeder kennt. Jetzt gilts", sagte John Parkers sich selbst und ging zu Miß Alice hinauf und bat sie, die Seine zu werden Die Ihre? mit tausend Freuden." So hatte John Parkers endlich sein Ziel ooch erreicht. Hurrah! hip, hip, Hurrah! Abends sagte ihm Alice: Weißt Du mein Freund, daß um ein Haar ein anderer jetzt an Deiner Stelle hier wäre?" Wieso?" fragte John Parkers. Weil eine Minute nach Dir Joe Warker gekommen ist. um auch um meine Hand hier zu bitten." Und sie lachten beide laut auf und er drückte sie an sich und gab ihr einen doppelt herzhaften Kuß. Hin Minute! ?!ne allein hatte sein Glück entschieden. Drei Wochen später waren John Parkers und Alice Montros: ein Paar. Und das blieben sie lange, lange, lange. Drei Wochen mindestens, oder warens gar vier? Dann ... na, dann ging ja die Sache auch noch; noch immer. Ein paar Monate später aber, da fuhr sich John Parkers durchs Haar und: Eine Minute", sagte er, eine Minute. Hole der Teufel diese verdammte Uebereilung." Kindermund. Lieschen war unbemerkt zugegen, als Mama dem Papa gegenüber den Wunsch äußerte, daß der neue Herr Doctor doch bei Lieschens Schwester Stephi anbeißen möge. Als am Nachmittag der so Besprochene erscheint und alle gemüthlich auf der Veranda beim Kaffeetrinken sitzen, kommt Lieschen mit einem mächtigen Stück Kuchen in der Hand. Scherzend meint der Doctor, ob sie ihn nicht einmal anbeißen lassen möchte, worauf die Kleine treuherzig erwidert: Beiß doch lieber bei der Stephi an." Deutlich. Geck: Köstlich ist's in diesem Park, nicht wahr, gnädiges Fräulein, wie im Urwald?" Dame; a, 'ö sind auch Affen drin!"

Der Hpalring.

Humoreske von T. Resa. Sie tragen ja einen neuen Ring.sagte mein Freund Lehmann und setzte das Queue ab. das er schon stoßbereit in der Hand hielt. Ich hielt ihm die Hand mit dem Ringe hin. Gelt, schön?!" meinte ich stolz und ließ die Steine unter der Gasflamme blitzen. Den habe ich geerbt, feines Stück, nicht?" Hm! sehr fein sogar," nickte Lehmann aber es lag ein gewisses Zöaern in seiner Stimme sehr schön jawohl!" Sie sagen das so hinterhältig, Lehmann. Ich konnte wählen es war da noch eine Rubinnadel, die hat mein Bruder genommen r der Ring gefiel mir zu gut." Ja schön ist er a propos aberqläubisch sind Sie ja wohl nicht?" Abergläubisch?" staunte ich na, das fehlte gerade warum denn?" Na ich meinte nur so." sagte Lehmann Opale sollen nämlich Unglück bringen." So o o!" erwiderte ich gedehnt. Ist ja Blödsinn wie können Sie nur so etwas nachschwatzen! Na gehen wir also zur Tagesordnung über!" Lehmann machte" den Ball, und ich. den lächerlicherweise die Bemerkung über die Opale geärgert hatte, paßte nicht auf und stieß ein Loch in das Villardtuch. Ich hatte somit denHochgenuß, zwanzig Mark zu berappen. Hm, hm!" meinte Lehmann. und warf einen vielsagenden Blick auf den Ring. Lächerlich!" knurrte ich und zuckte verächtlich die Schultern. Doch war mir die Laune verdorben. Sehr ärgerlich zog ich meinen Paletot an und ging nach Hause. Zu Hause war es höchst ungemüthlich. Gewöhnlich kam ich später heim, und meine Wirthin hatte das Feuer ausgehen lassen und erschien erst auf wiederholtes energisches Schellen und in sehr ungnädiger Laune. Sie war eine kleine runde Person Mitte der Fünfzig und führte den edlen Namen Burgratz doch sah sie nicht so schwarz und struppig aus, wie man sich etwa eine Burg-Ratze vorstellen mag. sondern eher wie eine sanfte graue Hausmaus. Die Burgratze war, soweit sie nicht an Schwindelansällen litt, (die stets in noch nicht aufgeklarier Weise mit rapider Abnahme meines Cognac Vorrathes zusammenhingen) ganz leidlich sie hatte, außer besagtem Schwindel nur noch das betrübende Leiden, daß sie zeitweise total taub war. Verlangte ich etwas von ihr, was ihr nicht paßte trat merkwürdigerweise diese Taubheit auf. Sie erschien also, wie gesagt, sehr ungnädig, mit einer schiefsitzenden Haube und verdächtig rothen Backen. Schwindlig schien ihr auch zu sein. Meine Vorwürfe wegen des kalten Ofens schien sie nicht zu hören sie kniete in erhabenem Schweigen an dem Ofen nieder un machte einen so furchtbaren Spektakel mit Kohlenschippe und Feuerhaken, daß ich mein eigenes Wort nicht verstand. Schließlich erhob sie sich und stellte sich zu meinem Erstaunen vor mich hin. Und ich wollte dem Herrn Berger noch sagen, daß sich der Herr Berger nach einem anderen Logis umsehen muß. weil dieses Logis gekündigt ist." Ach nee!?" sagte ich ganz erstaunt. Warum denn? Was ist denn los?" Die Burgratze schlug verschämt die Augen nieder. Es is nur ich habe mir bloß verlobt und was mein Bräutigam is der möchte nu nich mehr so lange warten " Verlobt!!" schrie ich Donnerwetter muß das ein ach so! na meinen Glückwunsch, Frau Burgratz wie heißt denn der Glückliche und wo haben Sie ihn denn aufgegabelt?" Sie lächelte wieder unendlich verschämt. Er is 'n Wittmann und hat drei Kinder drei, sind aber schon alle erwachsen 'n Puckel is da auch bei und mein Bräutigam is bei die Bahn un es is alles da, Meubles und Wäsche und alles." Na, denn man zu!" sagte ich resigmrt .da muß ich mir eben eine neue Wohnung suchen. Wie alt sind Sie eigentlich. Frau Burgratz?" Z?rau Burgratz zierte sich ein bischen Es is man in die Zeitung stand nich über fünfzig" und ich bin nu sechsundfünszig aber die paar Jährchen die bring" ich ihm so nach und nach bei " Die Burgratze war abgetänzelt, und ich seufzte tief. Ach! welche Unbequemlichkeit! Die Burgratze trank zwar meinen Cognac und war eigentlich gräßlich aber ich hatte mich an sie gewöhnt. Nun wieder eine andere neue Untugenden! Das Beste ist, man heirathet selbst, da hat man seine Ruhe! Diese Burgratze! Mit sechsundfünfzig Jahren heirathet so was noch ein gesegnetes Rindvieh mußte der Glückliche sein. Ich stellte mich vor den Spiegel und betrachtete mich mit kritischen Augen. Haare? Da sah's trübe aus. Aber viel jüngere Leute als ich, hatten auch keine. Und sonst konnte ich mich sehen lassen, mit meinen achtundvierzig Iahren! Da wav z. B. die reizende, junge Wittwe, die mir immer so süße Augen i machte. 'N bissel kokett war sie. das war nicht zu leugnen aber das gewöhnt man ihr schon ab, wenn man erst der Herr" ist. Geld mußte da auch sein denn ihre Toiletten waren nicht aus Pappe! (gewöhnt man ihr übrigens auch ab!) ob ich's riskirte? Avancen hatte sie mir genügend gemacht Einladungen, sie einmal zu

besuchen etc. freilich ohne diese alberne Verlobung der Burgratz hätt' ich nie daran gedacht es war doch ein gewagter Schritt wenn man fo alles überlegte. Aber ein weiserer Mann als ich hat die geflügelten Worte gesprochen, we: man überhaupt überlegte, käme nie eine Ehe zu Stande. Also frisch köpfüber hineingesprungen wie in's kalte Wasser. Somit trabte ich richtig am nächsten Morgen, ein verheimlichtes Rosenbouquet in der Tasche, nach der Wohnung der Sirene, klingelte und constatirte beim Eintreten, daß die Holde eine sehr gute Köchin haben mußte, denn es duftete verführerisch nach allem möglichen Guten. Das öffnende Zöfchen, in Häubchen und Vattistschllrze, lächelte schalkhaft und trippelte mit meiner Karte ab und ich stand, sehr beklommen lockerte die weiße KraWatte, die mich beengte, und strich unternehmend den Schnurrbart in die Höhe. Sehr angenehm!" meldete das zurückkehrende Zöfchen und im nächsten Augenblick stand ich meiner Erwählten gegenüber, die mir in einer raffinirt chicen Toilette entgegen schwebte. Gleichzeitig erhob sich von einem Diwan die lange Gestalt meines freundes Lehmann und nickte mir maliciös zu. Nein, wie reizend!" rief meine Auserwählte sieh doch, Arthur, die schönen Rosen!" Sie bemächtigte sich des Bouquets und knixte schalkhaft. Vorzustellen brauche ich die Herren wohl nicht nein, wie haben Sie nur so schnell von unserer Verlobung gebört? Du Schlimmer! (hier drohte sie Lehmann, der in unverschämter Weise grinste) hast geplaudert?" Ich schüttelte die Hände und stotterte Glückwünsche und dankte meinem Schöpfer, als ich erst wieder draußen war und etwas verdutzt heimging. So viel stand bombenfest acht Tage früher hätte sie mich genommen acht Tage früher da hatte ich auch den Ring noch nicht. Dummer Unsinn! eS gibt ja mehr Weiber. Kokett ist sie reichlich und die Toilette von heute möchte ich nicht zu bezahlen haben Lehmann kann sich freuen.' Ob er ihr das Augen machen" in der Ehe abgewöhnt d. h. anderen gegenüber, ist sehr die Frage. Und auf seine alten Tage den Erzieher spielen ist ein sehr MifelhaftcZ Glück! Ich ließ, vor meinern Schreibtisch sitzend, meine weiblichen Bekannten Revue passiren. Diese Mädel, heutzutage!! Ein vergnügungstolles, putzsüchtiges, oberflächliches Geschlecht. Entweder Gänse oder Blaustrümpfe. O, wo findet man ein Weib, das Güte, Verständniß, Heiterkeit und Sanftmuth vereint, das häuslich und einfach ist, lieb und gut ? Ich drehte den Ring und als sei er ein Aauberring. zauberte er mir plötzlich ein holdes Bild vor die Augen. Ja das war das Weib, das ich suchte merkwürdig, daß ich nie daran gedacht hatte, sie zu heirathen die Jugendgespielin in der fernen Heimathstadt vielleicht, weil wir wie Geschwister fast aufgewachsen waren. Hertha Müller war dreiunddreißig Jahre desto besser für mich! Was sollte der achtundvierzigjährige mit einem achtzehnjährigen Gänschen? Und ich setze mich sofort hin und schreibe an meine Mutter die kann vorerst 'mal sondiren. Die Burgratze war, seitdem sie Myrthen witterte, ganz unerträglich. Meiner Ansicht nach hätte der Liebesrausch, in dem sich die Gute befand, vollkommen genügt, sie unausstehlich zu machen die Complication von Liebe und Schwindel alias Cognac, war etwas viel und schwer zu ertragen für einen meublirten Herrn". Nun alles nimmt ein Ende, dachte ich grimmig und begrüßte die umgehende Antwort meiner guten Mutter mit En thusiasmus. Aber mein Gesicht wurde sehr lang, als ich die Epistel las. Hertha Mülle war verreist und hatte sich in dem fremden Orte mit einem jungen Geistlichen verlobt. Mama klagte mich bitte'r an, nicht läng-st gesprochen zu haben Hertha habe mich seit den Kindertagen treu und heiß geliebt eine bessere Frau hätte ich nicht finden können hätte sie nur einen Schimmer von Hoffnung gehabt sie hätte sicher auf Dich gewartet" Meine Faust fiel schwer auf die Tischplatte der heftige Schmerz. den ich dabei empfand, erinnerte mich an den Ring der wär natürlich fchuld! in überwallendem Grimm riß ich ihn vom Finger und schleuderte ihn über das ganze Zimmer. Danke schön!" sagte mein Freund Gustav, der in demselben Moment die Thüre öffnete und dem der Ring an den Kopf flog. Das ist ja ein netter Empfang Du überschüttest den Eintretenden mit Gold und Kleinodien!" Behalt ihn!" schrie ich zornig wenn Du ihz magst." Donnerwetter!" sagte Gustav und drehte den Ring hin und her. Du spaßt wohl das ist ja ein Prachtstück!" Ich spaße gar nicht behalt ihn in drei T Namen wenn Du nicht abergläubig bist denn es sind Opale und Opale bringen Unglück." Was nicht gar! so 'n Blödsinn!" lachte Gustav vergnügt und steckte den Ring an, ihn liebäugelnd hin- und herschiebend. Du ich wollte Dich abholen " Laß mich zufrieden." knurrte ich, ich bin nicht bei Stimmung kneipt ohne mich!" Gustav war fort. Mir schien das Leben gallebitter. Diese Weiber konnte sie nun nicht geduldig weiter warten? Mir war das schreiendste Unrecht geschehen. Gott wie die

Enge! hätten wir gelebt und da kommt nun so ein wildfremder Mensch und nimmt sich, mir nichts dir nichts, mein Juwel! Ich stöhnte ich tobte die Burg, ratz ging den ganzen Tag aus die : Lampe hatte sie nicht gefüllt Kohlen hatte sie nicht geholt wüthend lief ich in die Kneipe. Dort suchte mich am späten Abend ein glattgescheiteltes Menschenkind auf, das entsetzlich nach Carbol und Jodoform roch und in jedem sofort die schauerliche Vorstellung von Särgen und Gräbern weckte. Dieser unHeimliche Jüngling überreichte mir mit Leichenbittermiene einen Brief mit etwas Hartem darin, das sich zu meinem höchsten Befremden als mein Opalring erwies. Der Ring lag in einem beschriebenen Pap'vr. Lieber Freund!" schrieb mein Freund Gustav, ich liege mit gebrochenem Bein im Hospital und habe das Vergnügen, mich sechs Wochen nicht rühren zu können. Gleich, nachdem ich Dich verlassen, fiel ich bei Schmitts die Trepp herunter, noti bene eine steinerne Wendeltreppe. Anbei Deinen Ring es war ja doch nur Spaß mit dem Spenden auch habe ich Respekt vor denOpalen bekommen. Besuche mich bald." Na da hatt' ich den Salat. Knirschend steckte ich den Ring in die Westentasche, verlor darauf im Skat mit edler Beharrlichkeit und trollte um 10 Uhr nach Haus. Dort traf ich die Burgratze, wie sie heuchlerisch besorgt um den Ofen herum stand". Ah! Frau Burgratz!" sagte ich mit verbindlichster Höflichkeit, schon heimgekehrt? Angenehmen Nachmittag verlebt, wie?" Die Burgratze warf einen mißtrau:schen Blick auf mich. O! Es war so idyllisch!" schwärmte sie dann, das Wohnzimmer von meinem Bräutjam liegt so südländisch (südlich, meinte die Gute) und die Sonne hat so schön geschienen, dieBlumen haben geduftet und der Puckel hat Zither gespielt, die reinste Idylle! Und, was der zweite Sohn ist, der war auch angekommen, aus Mexico ,den Namen wälzte sie förmlich, wie eine Delikatesse, im Munde herum), aber er soll nu nich mehr hin, wissen Sie, da gibt es fo fiese" Thiere, die Eskimos, und die beißen den Leuten in die Beine." Ich bewahrte nur schwer meine Fassung; ein Eskimo, der in Mexico den Leuten in die Beine beißt, das war überwältigend; schließlich platzte ich doch los. Und es sind fiese" Thiere." sagte die Burgratze beleidigt und wandte sich zum Gehen. Warten Sie doch!" rief ich, noch immer lachend, sie haben ja ganz recht, ob's nun ein Eskimo oder ein Mosquito ist. fies" ist beißen immer; bleiben Sie doch, ich will Ihnen ja etwas schenken. Da!" sagte ich heimtückisch und zog den Ring aus der Tasche; ich sehe.Sie haben keinen Verlobungsrina, hier, zum Andenken an Ihren letzten Miethsherrn!" Ich hielt ihr den Opalring hin. Der Herr Berger wollen mich doch bloß nur uzen." Nein. nein, 's ist mein voller Ernst. Nahmen Sie ihn nur, ich bin just in der Gebelaune heut'!" Die Burgratze erstarrte fast vorEntzücken. Mit spitzigen Fingern nahm sie den omineusen Ring und steckte ihn an. Darauf mächte sie eine Attacke, um mich zu umarmen; mit Mühe rettete ich mich davor. Schon gut, besorgen Sie, bitte, jetzt Thee, ich muß noch arbeiten!" rief ich abwehrend. Und so trundelte sie denn freudestrahlend nach der Thüre, die Augen auf den Opalen, stolperte, fiel und zerriß sich den Rock von oben bis unten. Ich sammelte sie mit frohlockendem Lächeln auf. Triumph! Ich war den verhexten Ring los; die Burgratze konnte ja fehen, wie sie damit fertig wurde. Und sie wurde damit ferUg. Zwei Tage später schwebte sie in's Zimmer, schritt mit dem tragischen Gang einer Sappho bis an meinen .Schreibtisch und legte, ohne ein Wort zu sprechen, den Ring auf den Bogen, den ich eben beschrieb. Nanu?" fragte ich erstaunt. Die Burgratze fing zu plinzen" an. Das war nicht fchön von Ihnen, 'ne arme alleinstehende Frau in's Unglück zu bringen, die sich ehrlich von's Meubliren ernährt," schluchzte sie. Ja, was ist denn eigentlich las?" Mein Bräutjam hat mich abgeschrieben," heulte die Burgratze, und da dran is bloß der Ring mit die Apollos schuld. Ich habe das nu' ja nich gewußt, aber unten die Frau Meier hat mich das gesagt, Apollos bringen allemal Unglück!" Na, na." sagte ich schuldbewußt, darum hatJhnen der Mann doch nicht abgeschrieben " Aber schuld is er doch." schluchzte sie. Und welchen Grund hat er denn nun angeführt?" fragte ich ungerührt. Frau Burgratz richtete sich hoch auf. soweit ihr das bei ihrer Muckligkeit gelang, und fragte hoheitsvoll: Meinen Sie. der hätte mir aus Liebe genommen?" Nee. das hab' ich nie gemeint," platzte ich mehr ehrlich, als höflich, heraus. Wegen dem Geld!" fagte die Burgratze, und als er erst heraus hatte, daß ich nich reich genug war, da hat er Gründe gesucht." Nun. und die waren?" fragte ich. Er hat gesagt hat gesagt (hier kippte ihr die Stimme um) ich roch: röche nach Schn Sehn hu hu hu!" Ich nickte verständnißvoll. Schnaps!!!" bekam die Bur.Mtz endlich heraus es war der trag fche

Aufschrei der Empörung, vermischt mit tiefgekränkter Engelsunschuld. Da thut Ihnen der Mann nun wirklich schwer unrecht " meinte ich theilnehmend wo Sie doch immer die beste Marke Cognac. . . ." Fine Champagne," schluchzt: sie, bestätigend und selbstvergessen. getrunken Haben!" vollendete ich ernst. Das wissen der Herr Berger!" sagte sie geistesabwesend und nie is ein anderer Tropfen über meine Lippen gekommen. O Gott! wenn ich mich jetzt aus Gram das Trinken angewöhne er bat's auf 'm Gewissen! er allein!" t Mir schauderte diese Aussicht ging meinen Weinkeller an. Am andern Morgen war mein erster Gang zum k. k. Hofjuwelier Wiesel. Dort zog ich den Ring mit den Apollos" vom Finger, und bat Herrn Wiesel, mir die Opale auszubrechen und Rubine dafür einzusetzen. Herr Wiesel betrachtete den Ring und sagte dann, es wäre schade, ihn zu ändern die Fassung sehe wunderhübsch aus zu den Steinen. Brechen Sie dennoch die Opale heraus," sagte ich ich mag einmal Opale nicht tragen es ist zu albern" fügte ich etwas beschämt hinzu aber sie sollen Unglück bringen. Lachen Sie nur immerhin aber brechen Sie die Opale aus." Das wird sich unmöglich machen lassen," lächelte Herr Wiesel, 7lchttich hoch amüsirt. Aber mein Gott, warum denn. sind die verwünschten Steine denn festgewachsen?" Das, nicht," sagte Herr Wiesel ich kann nur darum keine Opale aus dem Ring herausnehmen weil keine drin sind!" Keine drin sind?" wiederholte ich mit nicht eben geistreichem Gesicht. Nein." lachte Wiesel denn das hier sind ganz gewöhnliche Katzcnäugen und die bringen bekanntlich Glück!" Und Herr Wiesel brach in ein schallendes Gelächter aus, über mein kreuzdummes Gesicht. Ich aber steckte den Ring an den ffinger und ging, etwas benommen, in tiefen Gedanken nach Haus. War es am Ende ein Glück, daß ich die bezaubernde Wittwe nicht kriegte? Da begegnete mir der Briefträger. Ich riß den Brief, den er mir gab , er kam von Mama, hastig auf. Liebster Hans!" schrieb sie, in aller "Eile das mit Hertha Müller war eine Verwechslung mit Berthe Müller diese Müllerei macht einen gan confuse. Wenn Du noch willst, schreibe mir umgehend, ich frage dann Hertha sie ist gestern, unverlobt, zurückgekehrt!" Ich telegraphirte. Am Abend desselben Tages hielt ich das Antworttelegramm in ' der Hand. Ja! sie sagt ja! dieser Engel!! Die Burgratze lag im totalen Schwindel zu Bett, als ich ihr zurief, ich reise morgen früh. Morgen fahre ich zur Verlobung Hurrah! HoH die Katzenaugen und der Aberglauben!

DaS längste Jahr. Das längste Jahr, das es jemaU gegeben hat, war das Jahr 46 vor Christi, das auf Anordnung Julius Cäsar's nicht weniger als 445 Tage zählte. Um aller von früher her (in Folge der Uebereinstimmung des Sonnen- und des Mondjahres) vorhandenen Verwirrung ein Ende zu machen, unternahm Cäsar mit Hilfe des alexandrinischen Astronomen Sosigenes eine gründliche Kalenderreform. Diese erreichte er, indem er dem jetzt 46 v. Chr. genannten Jahre 445 Tage beilegte, die späteren aber auf 365 Tage bestimmte.. mit Ausnahme jedes vierten (Schalt-) Jahres, das 366 Tage haben sollte. Danach wurde der Kalender fortan der julianische" genannt. Die Monatstage von Januar bis December hatten vor Cäsar's Zeit resp. 29, 28, 31. 29, 31, 29, 31, 29, 29, 31, 29, 29 (zusammen 355) betragen. Diese Zahlen veränderte Cäsar zu 31 und 30, die immer abwechseln sollten, mit Ausnähme des Februar, dem für gemeine Jahre 29. für Schaltjahre 30 Tage bestimmt wurden. (Der Februar mit 23 oder 29 Tagen und der Juli und August mit je 31 Tagen stammen erst aus späterer Zeit.) Sich selbst zur Ehre veränderte er den Namen des auf den Juni folgenden Monats in Juli(us). Die Pontifexe begingen nach Einführung des Julianischcn Kalenders aber den Fehler, ein Schaltjahr schon nach jedem zweiten, statt nach jedem dritten Gemeinjahre einzusieben, und das dauerte bis zum Jahre 8 v. Chr., wo Kaiser Augustus anordnete, daß von da an zwölf Jahre lang kein Schaltjähr sein sollte, so daß das nächste wirkliche Schaltjahr erst auf das Jahr 4 n. Chr. fiel. Gleichzeitig gab Augustus dem auf den Juli folgenden Monat seinen eigenen Namen (daher der August") und legte ihm einen Tag zu, um den der Februar gekürzt wurde. Bekanntlich hat erst weit später die Besiimmung, daß die ein Jahrhundert schließenden Jahre nur dann als Schaltjahr gerechnet werden dürfen, wenn in der durch ihre ersten Ziffern (15. 16. 17, 18 ii. f. w.) ausgedrückten Zahl die 4 aufgeht, uns in fast genaue Uebereinstimmung mit dem wirklichen Erdenjahre gebracht. Ein Zeit kin d. Warumist die Luft für den Menschen so wichtig?" Karlchen: Weil man sonst seine Pneumatikreifen nicht aufpumpen lönnte." ' Aus der Schule. Lehrer: Nichts ist beständig, als der Wechsel, was heißt das?" Der kleine Moses: Er werd immer wieder vorgeßefgt!"

Mach der Scheidung.

Von I. Landau. Franz Leitenberg saß auf einerVank vor d'em Kasino in Ostende, hatte ein Bein über das andere geschlagen, 1 rauchte eine prachtvolle Upman und war sehr glücklich. Erstens war ihm nämlich, das Bad sehr gut bekommen, zweitens hatte er im Hotel Continental fürstlich geluncht und drittens hatte rhm die schone Lrane die feste Zusage gemacht, ihren schwarzbärtigen Russen zu versetzen und mit ihm eine kleine Reise nach Schottland anzutreten. Er pries das Schicksal, das ihn nun doch in diesem Jahre nach Ostende geführt hatte. Eigentlich hatte er nicht die Absicht gehabt, an die See zu gehen, aber die Sache war folgendermaßen gekommen: Vor einem Jahre hatte sich Herr Franz Leitenberg von seiner schönen Frau Mathilde scheiden lassen und zwar nach zehnjähriger glücklichster" Ehe. Das Glück bestand vornehmlich darin, daß die Beiden sich in diesen 3648 Tagen ziemlich selten gesehen hatten. Wenn sie auch Abends häufig zusammen in's Theater gingen und nachher mit Bekannten soupirten, so pflegte er sich dann noch in den Club zu begeben, während seine Gattin unter dem Schutze liebender Verwandten nach Hause geleitet wurde. Am Tace aber hielt ihn die Beaufsichtigung seiner großen Fabrik von dem häuslichen Heerde fast immer fern. Kinder waren diesem Bunde nicht entsprossen, und bei der Sachlage trat zwischen Herrn und Frau Leitenberg mit der Zeit jene Entfremdung ein, welche das Landgericht Berlin I als unüberwindliche Abneigung" und damit als Scheidungsgrund rechtskräftig ausgelegt hätte. Mathilde Leitenberg war eine Schönheit. Mandelförmig geschnittene. träumerische Augen, ein kirschrothes Mündchen, eine klassische Büste und eine schlanke, ebenmäßige, mädchenhafte Figur. Kein Wunder, daß die junge Frau, noch ehe das Trauerjähr nach der Scheidung vergangen, ein anderes Herz erobert und mit Herrn von Böty, einem ungarischen Rittergutsbesitzer, eine neue, bessere und hoffentlich dauerhaftere Ehe eingegangen war. Und darum war Franz Leitenberg in Ostende. Die Hochzeit sollte nämlich in Berlin stattfinden und das unangenehme Gefühl, der vergangenen Gattin am Arme des Zukünftigen begegnen zu können, hatte ihn von der Spree zur Nordsee getrieben. Die ersten Tage in Ostende waren freilich nicht sehr angenehm gewesen; denn die früher mit seiner Gattin dort angeknüpften internationalen Bekanntschaften brachten es so mit sich, daß er im Laufe eines Tages wohl zehnmal nach dem Befinden seiner schönen und lieben Gemahlin gefragt wurde. Wenn man selbst vom Gericht für den überwiegend schuldigen Theil erklärt worden, ist es schwer, eine paenve ÄNlworr zu geben. wenn rvan nicht für einen verruchten Ehebrecher gehalten werden will. Aber allmälig waren die bösen Mäuler still geworden, da ja die Gegenwart in Ostende so viel Stoff zur Medisance gibt, daß man keine Zeit hat, sich auch noch um die Vergangenheit der einzelnen Individuen zu kümmern. Aus allen diesen Gründen war Franz Leitenberg guter Laune, darum schmeckte ihm die Upman und darum freute er sich auf die schottischeGebirgsreise mit Liane. Als er aufstand und seinem Hotel zuwanderte, kaufte er sich eine Gardenie für's Knopfloch und stellte im Geiste philosophische Betrachtungen darüber an. daß die Ehe eine unwürdige Fessel und die Freiheit des Mannes das höchste Gut sei. Leichtfüßig stieg er die Stufen des Hotels zu feiner Wohnung hinan und war gerade im Begriff, die Thür seines Zimmers aufzuschließen, als er den Oberkellner erblickte, welcher keuchend im- Begriffe stand, einen kolossalen Korb voll blühender Rosen in das Nebenzimmer zu befördern. In seiner leutscligenStimmung richtete unser Franz die Frage an den dienende, Geist: Na, Maxime, wem gilt dem! diese Auszeichnung? Sollte ich interessante Nachbarschaft bekommen? Vielleicht so ein Dämchen aus Paris oder London?" Maxime lächelte verschmitzt: O nein! Die Blumen sind telegraphisch für ein junges Ehepaar bestellt, das seine Flitterwochen hier verleben wird." Welche Romantik im Jahre 1899! Wer sind denn die Glücklichen?Herr und Frau von Böty auö Berlin." lautete die Antwort. Aber," setzte Herr Maxime hinzu, ist Ihnen vielleicht unwohl? Sie sehen so furchtbar blaß aus." O nein, mir ist gar nichts. Ich bitte nur sofort um meine Rechnung." Sprach's und warf die Thüre hinter dem bestürzten Oberkellner zu. Nun saß der arme Franz an seinem Pult, zerpflückte die Gardenie und trat mit den schönen weißen Strandschuhen auf der Upman herum. Also mit dem rechtskräftigen Urtheile des löniglichen Landgerichts Berlin I var doch noch nicht Alles zu Ende. Er merkte, wie der künstlich gezüchtete Freiheitrausch der grauen Nüchternheit deö Daseins Platz machte, und es wurde ihm klar, daß auch die schottische Hochgebirgstour mit Liane nicht das geeignete Gegenmittel sein würde, um das Leiden zu bekämpfen. Zunächst schrieb er also, einen Absagebrief an die Geliebte des. Russen und verzichtete in Großmuth auf die Concurrenz mit dem moskovitischen Granden. Dann machte er sich an's Packen, und als die Koffer, geschlossen und geschnürt, fertig dastanden und die Hausknechte dieselben hinuntertrugen, konnte er der krankhaften Neugier nicht

widerstehen, ganz vorsichtig und leise die Thür zum Nebenzimmer zu öffnen und einen Blick in das zweite Brautgemach seiner Gattin zu werfen. Das Zimmer war nüchtern wie alle Hotelzimmer und trotzdem überlief es ihn kalt. Auf dem Tisch stand der große Blumenkorb und vis-ü-vis am Fenster mit dem schönen Ausblick auf's Meer sah man friedlich nebeneinander in schneeweißer Hülle die beiden Lager für das junge Ehepaar. Eine Stunde später saß Franz Leitenberg in eine Ecke des Nord - Süd Expresses gedrückt und blickte mißmuthig zum Fenster hinaus. Das war nicht mehr der Franz Leitenberg, der noch vor wenigen Stunden auf der Digue jubelnd die wiedergewonnene Freiheit pfeifend begrüßt hatte. Wenn er vielleicht wieder pfeifen würde, dann sicherlich einen selbstcomponirten Trauermarsch, betitelt: Nach der Scheidung". Der schlechte Mensch. Eine Erzählung für höhere Töchter ron Reinhard Söller. Sie war lieblich und schlank wie die Lilie des Feldes, jene Lilie, die nicht säet und nicht erntet, und Gott ernähxtt sie doch; Taillenweite 52z in der Woche. Sonntags 51, Handschuhnummer 51 loblenleder secksknövfia).

' ein Schuhchen dazu, so allerliebst enge, 'daß niemand begriff. wie-einMenschen-, fuß darin Platz haben könne. I Wenn man ferner bedenkt, daß sie ' Elfe hieß und neulich zwei Eier eigen-. händig gekocht hatte, ganz allein und ohne Hülfe der Köchin, daß sie Chopin nur fo vom Blatte spielte, daß endlich der väterliche Geldschrank einige Tau" send Bierbrauereiprioritäten umschloß, so wird man es nicht mehr verwunderlich finden, daß sie auf dem letztenBalle . bis zur 32sten (in Buchstaben: zwei- ' unddreißigsten) Extratour wie im Handumdrehen engagirt war und daß selbst die Edelsten der Garde es nicht verschmäht hatten, sie im Kotillon malerisch zu umflattern. Und wie konnte man sich mit ihr unterhalten! Man glaubt kaum, was sie alles gelesen hatte: den Julius Wols und den Baumbach und die neueste Rangliste und Ebers sämmtlicheWerke! Auch plauderte sie mit tiefem Verständnisse über die Modernen", schwärmte vom Uebermenschen und hatte neulich sogar der Romanzeitung ein selbstgelegtes Poem zugeschickt. Es war wirklich eine Pracht, und die Lieutenants und Referendare waren eitel Bewunderung. Aber keiner fand Gnade vor ihren Augen, denn im Grunde genommen war sie eine ehrliche Haut und das Herz saß dort, wo es hingehört. Da ing sie zu einer weisen- Frau und ließ sich die Karten legen. Und die Alte besah sich das Pflanzchen, mischte und legte die Karten: Wenn Du die Engel einmal singen hörst, dann kam der Rechte!" Und die Jungfer ging heim, grübelnd über den Spruch, und ihre Ruhe war hin. Und es kam einer nach dem anderen und versuchte sein Glück. Der eine flötete, der andere äbbäh"-te, der dritte begoß sie mit den süßesten selbstgemachten Sonetten, und sie gab sich redliche Mühe und lauschte, aber kein Engelein wollte anheben zu singen. Nur der eine, that noch immer als wäre sie Luft. Kühl und lässig warf er ihr ein paar Silben hin, wenn er mußte. und dann ließ er sie wieder stehen. Er hatte gewiß kein Herz und war ein ganz schlechter Mensch! Und sie ertappte sich eines Tages darüber, daß sie geweint hatte. Doch bei der nächsten Gesellschaft fügte es sich, daß sie ihm gegenüber zu sitzen kam, und sie ergriff die Gelegen- -heit, ihm einmal gründlich zu imponiren, und streute das neueste Bonmot Nietzsche betreffend, über die Tafel. Er aber lächelte spöttisch, und ihr blieben die feinsten Bemerkungen im Halse stecken. Und so saßen sie sich stumm gegenüber. Da merkte er plötzlich, wie unterm Tische eine kleiner, ganz allerlieb ster Fuß mit seinem heimlich zusammenstieß. that aber gar nicht dergleichen. strich den Schnauzbart und gab, schlecht wie er war, dem armen unschuldigen Fllßchen einen herzhaften Tritt auf die Hühneraugen. Und es ist heute noch unaufgeklärt, was in das gute Madchen gefahren war, als sie plötzlich emporsprang und schluchzend hinaushinkte. Ich höre sie singen, ich höre sie singen!" heulte sie draußen. Auch er war hinausgelaufen. Aber die Gesellschaft verwunderte sich noch viel mehr, als fünf Minuten darnach die Thüre sich aufthat und daö arme Herzchen wieder hereintrat, lachelnd unter Thränen, und neben ihr, zärtlich den Arm um sie schlingend der schlechte Mensch. Die orientalischen Frage. Bei Commerzienrath Goldberoer ist Gesellschaft. Da gerade der griechischtürkische Krieg ausgebrochen ist, unterhält man sich lebhaft von der orientalischen Frage-. Ich muß offen gestehen", sagte die Gattin eines bekannten Diplomaten, daß ich diese berühmte Frage durchaus nicht verstehe: sie ist mir zu verwickelt." Zu verwickelt?" rief schelmisch lächelnd der allezeit joviale Commerzienrath. Ich kann Ihnen, meineGnädige, die orientalische Frage" mit zwei Worten erklären. Die orientalische Frage lautet .... wie fcaißt?" Der Pantoffelheld. SU iifir N71,st5?

CIW "W .V 4VW WVk. USV4llfr' den?" Panwffelheld: Ich denke, inein: Me twh sHdöHn!A fügen!