Indiana Tribüne, Volume 23, Number 41, Indianapolis, Marion County, 29 October 1899 — Page 6
Ans der Börse. Durch die großartige Ausdehnung 'Zzes modernen Actienwesens hat das Geschäft in Wertpapieren an den 'Börsen alle anderen Ztreige des Han'.'dels weit überholt, und wenn man von der Aörse als tern Barometer spricht, 7)as mit größter Empfindlichkeit alle Wendungen der politischen, finanzielIcn und volkswirthschaftlichen Zeitumstände zu erkennen gibt, so denkt man 'dabei in erster Linie an die Effectendörse. Die volkswirthschaftliche Bedentung der Börse liegt darin, daß sie di, Ausgleichung von Angebot und Nachfrage mit möglichst geringem AufIvande von Mühe und Kosten zu Stande bringt. Ihre Leistungsfähigteil als Markt wird nicht allein durch das Baargeschäft bedingt, bei dem es sich um endgiltige Käufe und Verkäufe handelt, sondern auch die Speculation, die nur kauft, um möglichst bald mit Äewinn wieder zu verkaufen, trägt zur Erweiterung der Grundlagen des Marktes wesentlich bei. Dadurch erHalten die Zeit- und Lieferungsgeschäfte eine gewisse Volkswirthschaftlichc Berechtigung wenngleich sie aller-
Vr X i . : b K Uw fi MmM Beim Makler. dings leicht zu einem bloßen Spiel ausuten. Dem großen Publikum, ja selbst Dielen Geschäftsleuten, ist der innere, höchst complicirte Mechanismus, der Dei Erledigung von Börsentransactioxitn in Bewegung gesetzt wird, ein voll--ständiges Geheimniß und darum verlohnt es sich in Hinsicht auf die große Bedeutung der Börse wohl der Mühe, inen Einblick in denselben zu gewinTnen. Um dies zu ermöglichen, wollen Äir dem Leser ein kleines Geschäft illu.striren, das ein Speculant nennen wir ihn Lamb durch Vermittlung der Makler Sharp & Quick in St. Paul Actien entrirt; nebenbei sei be--rner-kt, daß man unter Wallstreet" in JRttD Jork nicht die gleichnamige kleine Straße, in welcher die Börse liegt, sondern das Centrum des Bankgeschäftes versteht. Lamb also begibt sich in das Geschäftslocal von Sharp & Quick .und gibt der Firma, in der Erwartung einer Courssteigerung, den Auftrag, ,für ihn 100 Stück (die Vörseneinheit) St. Paul - Actien zu kaufen. Angenommen der augenblickliche Cours loäre 5130 per Actie, so würden die 200 Stück ein Capital von $13.000 lepräsentiren. Diese Summe braucht nun Lamb dem Makler nicht auszuhändigen, wie er auch gar nicht daran denkt, die Acticn selbst in die Hand zu bekommen; er will dieselben vielmehr -sofort wieder verkaufen, wenn der -Cours in einem für ihn wünschenswerthen Grade gestiegen ist. Um sich -sicher zu stellen, verlangt Sharp von Lamb ein Depositum von $1000 und fiyw, v uMm -i l -uXTr . V .', : .,j N Mebermittlung der Ordres. f ellt dagegen dem Kunden seinen Creit für die zur Ausführung des Aufträges erforderlichen weiteren $12,000 zur Verfügung. Das Depositum geziügt dem Makler, für Lamb's Nechinung die gekauften Actien so lange zu schalten, bis der Cours auf 120 sinkt; dann sind die deponirten $1000 futsch", die Speculation ist mißglückt. 3lad) diesen erforderlichen Präliminalien füllt Lamb ein Formular aus, in dem der beregte Auftrag in schwarz cnf weiß gegeben ist, und derselbe gelangt in dieHände von Sharp's Ordrerlerk, der während der Börsenstunden Anausgesetzt am Telephon sitzt, um dem Börsenvertreter der Firma Aufiräge zu übermitteln. Meldungen über iie Coursschwankungen entgegenzunehmen u. s. w. Dieses Telephon, eine private Verbindung zwischen Sharp & Quick, wird an dem anderen Ente Unfalls von einem Angestellten der Firma bedient, der, mit dem Hörrohr lm Ohre, alle Anweisungen entgegen--nimmt und die Aufträge in schriftlicher Form an einen Boten weitergibt. Aus 'dem Geschäftslocal von Sharp & Quick kommt nun die Ordre: Kaufen Sie 100 Paul zu 30" (d. h. zum Course von 130, aber alle überflüssijen Worte werden vermieden) und sofort schreibt der Clerk nieder: Kaufen 100 St. P. zu 130" und in einem Augenblick fliegt der Bote mit dem Stückchen Papier in der Hand zu Sharp's Partner, Quick, der die sZirma auf der Börse repräsentirt. Mit einem Blick hat Quick den Auftrag gelesen und unverzüglich eilt er in die Ecke, wo St. Paul gehandelt wird. Der letzte Paul - Cours?" fragt er. J30il" lautet die Antwort. Wieviel ist geboten?" fragt Quick weiter. Gebe 9 für irgend einen Posten nter 5000!" brüllt eine Stimme in der Nähe. Damit meint der Schrei2de, daß er einen Posten St. Paul-
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Actien unter 5000 Stück zum Course von 129; kaufen will. Dies Frage- und Antwortspiel dauert nur eine Minute, genügt aber, um Quick zu informiren, daß St. PaulActien zu 130z feil sind, Käufer aber nur 129 bieten. Da sein Austrag auf 130 lautet, bemüht er sich, die Actien etwas billiger zu kaufen, denn der Margin ist sein Extraprofit. Gebe 9z für 100!" schreit er. 500 zu30Z!" schallt es zurück. 100 zu 30z!" ruft eine andere Stimme. Quick sieht, daß er mehr bieten muß, und ruft: 30 für 100!" 30z für 100!" 30 meine Grenze!" Ein Achtel!" 30!" Abgemacht!" Das Geschäft ist geschlossen und Quick hat 100 Si. Paul - Actien zum Course von 130 gekauft. Käufer und Verkäufer verlassen den Menschenhaufen und notiren die Transaction; jeder eilt dann an das Telephon seiner Firma und erstattet Meldung. Lamb, der in Sharp & Quick's Geschäftslocal wartet, erhält die mündliche Nachricht, daß sein Auftrag ausgeführt ist, und ein Weilchen später, der Börsenordnung entsprechend, eine entsprechende schriftliche Notification. Nun tritt der weitere Mechanismus in Thätigkeit. Sharp & Quick's Ordreclerk trägt den Ankauf der 100 St. Paul - Actien in ein Formular ein und übergibt dasselbe, nachdem er eine Abschrift genommen, dem Buchhalter, welcher für Lamb ein Conto eröffnet. Auf der Creditseite stehen die deponirten $1000, auf der Debetseite N3.012.50. nämlich der Preis der Actien mit $13,000 Und die übliche Provision von einem Achtel Procent des Pariwerthes. Nun verzeichnet ein Clerk des Kassirers auf der Clearing House" - Liste die Transacticn mit den Worten: 100 St. Paul, gekauft von Sly & Co., zu 130, $13,000, und ein Bote wird nach Sly & Co.'s Office mit einem Clearing House - Ankaufsticket gesandt, um die Transaction zu avisiren.
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Auf der Börse. Ungefähr zur selben Zeit erscheint ein Bote von Sly & Co. beim Kassirer von Quick & Sharp und überbringt das von der erstgenannten Firma ausgestellte Verkaufsticket, das zugleich eine Ordre an das Clearing House, die verkauften 130 St. Paul - Actien den Käufern zu verabfolgen, enthält. Diese Tickets dienen als Belege bezw. Quittungen und für das Clearing House der Effectenbörse, um am Schluß der Geschäftsstunden den Abschluß des Geschäftes eintragen zu können. Wie wird nun seitens der kaufenden Mallerfirma Sharp & Quick Zahlung für die gekauften Actien geleistet? Dies geschieht durch Vermittlung des Clearing House. Früher gingen die Actien, Checks u. s. w. von Hand zu Hand, aber dieser schwerfällige Modus ist jetzt in Wegfall gekommen. Präcis um 15 Minuten nach 2 Uhr an jedem Geschäftstage (Samstag ausgenommen) findet Geschäftsschluß statt und die Clerks des Clearing House ziehen die Bilanzen aller Käufe und Verkäufe. Angenommen, daß Sharp & Quick im Laufe des Tages Ankäufe im Gesammtbetrage von $400,000 gemacht haben, während ihre Verkäufe sich nur auf $350.000 belaufen, so schulden sie dem Clearing House $50.000. Die Verabfolgung der gekauften Actien erfolgt am nächsten Tage. Nehmen wir nun an. der Cours steigt auf 135 und Lamb gibt eine Verkaufsordre, so bringen die Actien $13.500 und der Speculant hat $500. abzüglich der Maklerspcsen und Zinsen, gewonnen. I m Clearing Hiuse. Noch complicirter aber werden die Börsentransactionen, wenn der Speculant auf das Fallen der Course rechnet. Nehmen wir an, Sly & Co. verkauften die 100 St. Paul - Actien für einen Kunden, der einen Courssturz von 130 auf 125 erwartet und daraus profitiren will. Er will also zu $13.000 verkaufen, was er zu $12.000 kaufen zu können hofft, und die Differenz einstecken. Daß er die Actien nicht besitzt, macht nichts aus. Sobald Sly die 100 Actien an Quick verkauft hat, muß er sich diesen Posten leihen und für das Darlehen den betrag von $13.000 deponiren. Diese geliehenen Actien verabfolgt er an die von dem Caring House bezeichnete Firma. Wenn der Darleiher die Actien von Sly zurückverlangt, ehe dessen Kunde eine Kaussordre gibt, muß das Darleben erneut werden, und dies wird sortgesetzt, bis letzterer sich deckt", d. h.
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das Geschäft schließt. Sind in der Zwischenzeit die Actien auf 135 gestiegen, so muß er $13.500 bezahlen, während sein Makler von Sharp & Quick nur $13,000 erhalten hat; aus seiner Tasche also kommen die von Lamb gewonnenen $500. Fällt umgekehrt der Cours auf 125, so verliert Lamb $500, denn er hat mit $13,000 bezahlt, was am Verkaufstage nur $12.500 bringt; in jedem Falle aber heimsen die Makler von beiden Speculanten Spesen und Zinsen ein. Die neue Passcierstraße.
Ein tiroler Nationalfest war die dieser Tage erfolgte feierliche Eröffnung der neuen Straße, die von dem Curort Meran in das weltabgeschiedene Passeierthal erbaut und nun bis St. Leonard fertiggestellt ist. 4k-V . x 'v.-v v.vvj ,' SJrvSL v v sn . üom kv.w 'II IS.XCS J 'il. V 1 n'm i n.Rf WU, il su. imimiM Straße in St. Leonhard. Das Verdienst, den Ausbau der neuen Passeierstraße ermöglicht zu haben, gehört vor allem den rastlosen Bestrebungen des Bürgermeisters von Meran, Dr. R. Weinberger, dem es endlich gelang, die zur Herstellung der Straße nöthigen, sehr ansehnlichen Mittel aufzubringen. Die vorläufig etwa 20 Kilometer lange Strecke von Meran über Riffian, Saltaus und St. Martin nach St. Leonhard soll demnächst nach dem zwei S" -.den von St. Leonhard entfernten Moos im Hinterpasseier verlängert .oerden. wo sich das hochalpine Pfeloelserthal und Hinterseethal nach den Oetzthalfernern zu abzweigt. Jnnrrhalb weiterer fünf Jahre soll die Straße eine neue Abzweigung von St. Leonhard über den Jaufenpaß nach Sterzing erhalten, wodurch eine direkte Straßenverbindung von Meran nach dem Brenner hergestellt wird; eine Route,' die schon den Römern bekannt war und vom Castrum Majense.(dem heutigen Meran) über den Jaufenpaß (Mons Jovis) nach Sterzing führte, in dessen Nähe die Mansio Vipitena gestanden haben soll, die wahrscheinlich dem Wippthal denNamen gegeben hat. Hier unterhielten die Römer eine Münzstätte, in der sie Sesterzien prägten; daher der spatere Name Sterzing. WWM 'MMKM ' . -KL-iS 3 i. t- Vfc"V,iv . 1 'mzzmzm Straße in St. Martin. Noch im Mittelter wurde der Uebergang über den Jausen als Saumpfad allgemein benutzt, und mancher Kaiser des Heiligen Römischen Reiches mag seinen Weg über denselben nach Jtalien genommen haben. Erst infolge der Herstellung der kühnen Kunststraße durch die Eisackschluchten zwischen Brixen und Bozen im 14. Jahrhundert verlor der Jaufenpaß allmälig an Bedeutung und gerieth schließlich so in Verfall, daß er jetzt den Passeiern nur dazu dient, ihre Viehheerden auf diesem Wege nach dem Brenner zu bringen. Den oben erwähnten beiden, bereits gesicherten Straßenbauten dürfte über kurz oder lang eine weitere Ausdehnung. von Moos über die Tllmmelser Alpe, das Tllmmciser- oder Timblerjoch nach Zwieselstein im Oetz thal folgen. Selbstgefühl. Richter (zum Gauner): Bisher standen Sie stets nur wegen Taschendiebstahl vor Gericht heute wegen Einbruch!" (Dauner: Ja, ick hab' mir vergrößert!" Ideale Sommerfrische. Besucher: Mir scheint, in dieser Gegend sehen sogar dieStrolche undBettler ziemlich anständig aus!" HausHerr: Allerdings, die werden auch auf Kosten des Verschönerungsvereins jeden Morgen gekämmt und rasirt!" Wenn sie" kocht. Junge Frau (vor dem neuen Herd): Die Suppe ist so versalzen, daß sie kein Mensch essen kann; das Fleisa) ist angebrannt, und das Gemüse tt mir ins Feuer gefallen .... und das nennt man nun einen Sparherd!" Unnöthig. ' Großvater: Sag', Morizche. mein Kind, was wünsch'st De Der zu Dein' Geburtstag?" Moriz: E' Zahnberscht könnt'st De mer schenken. Großpapa!" Großvater: Nü. hat das Kind Possen! For was denn e' Zahnberscht? Wann De 'mal bist so alt wie ich, hast De doch 5aa' Zähn' mehr!"
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Weiscnycim am Klar. Durch Eröffnung der Bahn im unteren Glanthal ist eine an Naturschönheiten wie an geschichtlichen Erinnerungen reiche Gegend dem Verkehr mehr als bisher erschlossen worden. Von Lauterecken an, wo die Lauter in den Glan sich ergießt, bis zur Mündung des Glan in die Nahe am Fuße des aussichtsreichen Dislbodenbergs mit seiner ausgedehnten Klosterruine ziehen sich längs dem Fluß fruchtbare Fluren hin. Stattliche Orte werden überragt von grünen Bergrücken, deren Abhänge, von kleinen Waldstrecken unterbrochen, bis zur Höhe Weinberge tragen und Obstfelder, in welchen ein vorzügliches Obst gedeiht.
hvAJfJlf,' KeSör&v? .iPKTTi.-,- : ?mmm M e i s e n h e i m. An einer der schönsten Stellen des Thales, wo sich dasselbe offener ausbreitet, liegt das alte Städtchen Meisenheim, durch den Glan, welcher die alte Stadtmauer in malerischem Bogen umfließt, von einer hohen, mit Laubholz bekleideten Bergwand getrennt. In ihren Abhängen sind schattige Spazierwege angelegt mit freien Aussichtspunkten, welche immer neue Ausblicke gewähren auf die Stadt inmitten von Baumgruppen und rosenreichen Gärten. Das von dem Glan durchströmte Gelände wird abzeschlossen von schöngeformten Höhenzügen, die mit Fruchtfeldern, Wald und Rebengrlln bedeckt sind. Meisenheim, jetzt preußische Kreisstadt im Regierungsbezirk Koblenz, ! schaut auf eine mehr als achthundertr n' m , , layrige gejcyicylttcye ergangenoeil zurück. An einer von Kriegsvölkern viel durchzogenen Straße vom Rhein nach Frankreich gelegen, hatte es mancherlei Drangsale zu erdulden seit dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Doch blieb es zur Zeit, als die Truhpen Ludwigs XIV. von Frankreich die Pfalz verheerten, vom Schwersten verschont. Damals hatte die schwedische Linie des Hauses Wittelsbach (1631) das Fürstentum Pfalz-Zweibrücken geerbt, und die verwittwete Herzogin Friederike Charlotte residirte als Statthalterin des Königs von Schweden in Meisenheim. War sie auch nicht im Stande, den französischen Erpressungen zu wehren, so wußte sie doch durchzusetzen, daß der Befehl, Meisenheim zu verbrennen, nicht zur Ausführung kam. Im Jahre 1815 kam die Stadt als Hauptort eines Oberamts an die Landgrafschaft Hessen-Homburg. und der Landgraf Friedrich Joseph verlegte mit seiner Gemahlin öfters die Hofhaltung nach Meisenheim. Im Jahre 1866 ward das Oberamt preußisch. Da im Beginn des Jahrhunderts unter französischer Herrschaft der an der Stadt vorüberfließende Glan als Departementsgrenze angenommen wurde, sind viel 'seit langer Zeit mit ihr verbundene Orte abgetrennt worden. Die Stadt kam dadurch in Rückgang und verlor fast die Hälfte ihrer Bewohner durch Auswanderung. Seit Herstellung der Bahnverbindung nach dcm Rhein und der Pfalz (Bingerbrück und Kaiserslautern nicht ganz je zwei Stunden Fahrzeit) ist jedoch wieder die Bedingung gedeihlicher Fortentwickelung gegeben, und der Fremdenverkehr belebt sich in steigendem Maße. Schloßkirche. Noch heute ist Meisenheim auf einem Theil der Fluß- und Landseite von der alten Ringmauer umgeben. Aus ihr ragt das vollständig erhaltene Unterthor mit seinem Thurm hervor, in dessen Nähe man einen malerischen Durchblick hat nach dem Mühlteich mit seinen altenGebäuden. Einige Schritte weiter erhebt sich die Ruine eines grünumwachsenen Rundthurmes. Bemerkenswerth ist auch da? alte Rathhaus in der Unterstraße mit seinen Erkerthürmchen im spätgothischen Stil aus dem Jahre 1580. Von neueren Gebäuden sind die große Synagoge und das Bahnhofsgebäude in schönem romantischem Stil errichtet. Neben der Kirche erhebt sich der noch erhaltene Theil der alten Schloßgebäude. zu dem im Jahre 1614 Herzog Johannes II. von Zweibrücken und seine Mutter Magdalena. Prinzessin von Jülich-Cleve-Bcrg. den Grundstein legten, wie eine Inschrift bezeugt. Von dem bedeutendsten Schloßbau, dem sogenannten Stephansstock", welcher 1734 von einer französischen Besatzung eingeäschert wurde, sind nur noch Mauerreste am Schloßgarten sichtbar. Und da, wo einst die alte Burg der Grafen von Veldenz stand, dehnt sich ein großer, mit Platanen und Rosen bevflanzter Plan vor der Kirche aus. ? Diese im 15. Jahrhundert erbaute I . - -. Tr.- i t?ri : Schlotzklrche, weiche ver unurmnoriker Riehl eine wahre Perle der späte-
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sten Sothik nennt, bildet die Haupte zierde von Meisenheim. In den Jahren 1877 bis 1880 ist die Kirche unter Leitung des späteren Dombaumeisters von Straßburg, Fr. Schmitz aus Köln, mit einem Kostenaufwand von circa 177.000 Mark im alten Stil völlig restaurirt worden. Die Summe wurde zu einem Viertel durch eine Gabe Kaiser Wilhelms I. gedeckt. Das Innere der Kirche ist ein wahres Museum von Kunstwerken und Alterthümern. Nicht weniger als 44 Mitglieder des wittelsbach'jchen Hauses ius den pfälzischen Zweigen haben h:er die letzte Ruhestätte gefunden. Die Avvildung des Grabdenkmals des Pfalzgrafen Karls I. von Birkenfeld zeigt schon den Uedergang von der Renaissance zum Barock. Zwischen den Pflastern befindet sich eine Nische mit muschelförmigerHalbkuppel, in welcher die Gestalt des 5erzogs in voller Nüstung steht. Das Hauptaesims oben trägt zu beiden Seiten die reichverzierten Wappen von der Pfalz und von Hessen, und in der Mitte ein schön ausgeführtes Hochrelief mit der Auferstehung Christi. Den Abschluß des Denkmals bildet die allegorisch: Gestalt der Gerechtigkeit. Diese Kunstwerke waren vor einem Jahrhundert durch die Franzoscn beschädigt worden, welche in der Kapelle eine Wachtstube einrichteten. Im
ZZI 1 2 1 WAZRKMG MiMMfy .iff'i1 Yr' 2:r5v J,itt Z T j R u n vtbrrrm. Jahre 1896 wurde die Kapelle kunstvoll wieder hergestellt, und sie bildet nun mit ihrer prächtigen, architektonischen Ausstattung und dem reichen Schmuck ihrer Bildwerke eine hervorragende Zierde der schönen gothischen Schloßkirche zu Meisenheim. So bietet die Stadt sowohl in landschaftlicher als in lunsthistorischer Hinsicht dem Besucher viel Schönes und SehenZwerthes. Kindliche Aufsassun. Die kleine Molly geht mit ihrer Mutter eben an einem stark besetzten Wirthshaus vorbei, als Jemand herausgeworfen wird. Gelt, Mama", sagt sie, da war Einer zu viel!" Gerechtes Mißtrauen Da schau' her. Alte, jetzt gibt's gar schon flüssige Luft!" Na ja, das ist halt wieder was für CuchMänner; jetzt werdet Ihr die Luft saufen statt einathmen!" Der ehrgeizige Bürgerm e i st e r. FH y l rnsi . m t Hl i ' wa3 i jm w i f t. '.n. M '-r i. . i ivii ums Fremder: Warum sind Sie denn gar so wild, Herr Bürgermeister?" Bürgermeister: G'rauft ham s' wieder! Der Sepp hat dem Natzi an Maßkrug an Schäd'l g'haut!" Fremder: Da ist natürlich wieder der Maßkrug hingewesen?" Bürgermeister: Na, der Schäd'l! Sollt man's glauben? A' Schand' und a' Spott is's für die ganze G'moa!" . EinstrengerHerr. Sie. der Bezirksarzt von Lamberg ist aber ein gestrenger Herr!" So. warum denn?" Ha, neulich hat er einen Mann wegen Kurpfuscherei angezeigt, weil er einem Kranken, der gerade nieste, zur Genesung" zurief!" Verschnappt. HeirathsVermittler: Der betreffende Herr meint, Sie wären eigentlich zu alt für ihn; fünfundzwanzig..." Fräulein Entrüstet): Wa. fünfundzwanzig ist schon zu alt? . . . wenn er nun erst die Wahrheit ersährt?" -
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Herr: Was ist denn das gestern für ein Lärm bei Ihnen gewesen, Herr Doktor?" Zahnarzt: Ach. da war ein sehr furchtsamer Patient bei mir, der mich flehentlich bat, ihm einen Zahn zu ziehen, und da Haien wir eben vor der Operation erst Jagd auf den Mann machen müssen!" Fein speculirt. A. : Was fallt jetzt unserer Hausfrnu ein! Wo sie ohnehin so häßlich? rst, auch noch diese entstellende Haube5 tragen?! B. : O. di5 ist schlau; das thut sienur. damit die Leute glauben, sie wäre' ohne die Haube ganz passabel!"' Die praktische Hausfrau.. Gnädige' Mali, vergessen Sie nicht, den Hectorl zum Metzger mitzunehmen vielleicht stiehlt er eine Wurst!" Ueberlustet. Tourist: Hier soll man ja ein sch'öne Echo hören?"' Führer: Ja. schrei'n Sie 'mal, Awei Maaß Bier"!" Tourist (thut's): Nan hört ja: nichts!" Führer: Hm. aber da hinten kommt daZ Bier schon!" Leicht beleidigt. & .U ?läaer (vor dem Aufbruche, zur XacLb): Was fanae ich nur au!! ? v' r Wenn ich jetzt den Nero, Hector und Pallasch mitnehme, dann schau'n mich die Dackeln wieder eine ganze Woche nicht an!" Wie die Alten sunF.en. Weßhalb willst Du denn nicht mit zu Geheimraths gehen, Lieschen?" Meine Puppe hat nichts anzuziehen, Mama!" Pech. Gerade, als Fräulein Wanda sechzehn Jahre alt wurde, hat ihr Vater Bankerott gemacht." Jai wohl, das arme Mädel ist zu gleicher Zeit herathsfahig und helrathZunsatzig geworden." .....
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Wenn matt bie ÜloUn blühn. Son Albert Träger. Nun hebt ein trauriges Scheiden an-. In Nebel hüllt sich das Thal, Die Berge liegen in finsterm Bann. Und nirgends ein freundlicher Strahl; Leb' wohl auch liebliches Somn-.erkind. Die sonnigen Tage verglühn, Gott gebe, daß ich dich wiederfind, Wenn wieder die Rosen blühn! Wohl ist mein Herz im Scheiden geübt. Vom Liebsten ließ es schon oft, Und hat, wenn es am tiefsten betrübt, Ein neues Glück sich erhofft; Ob rauhe Winterstürme aetost, Xn allen Leiden und Müh'n Hat treu bewahrt es den süßen Tr?st: Wenn wieder die Rosen blühn! Die Rosen blühm jegli5Z Jzhr, Neu schmückt der Frühling den Hag, Der Mensch nur scheidet auf immerdar... Schon seh' ich kommen d:n Tag, Da hebt sich, rings vom Sommer umsäumt. Ein Hügel in frischem Grün, Darunter ein Herz, das still noch träumt: Wenn wieder die Rosen blühn! Der Götze.
Von Nemdard Vo'.ker. frühmorgens beim Anziehen warm sie sich in die Haare geraden, und der erste Schiffsiunge hatte dem zweiten den Stiefelknecht an den Schä.del gevorfen. Dort war er abgeprallt und reiselustig über. Bord von bannen ae flogen. Jetzt schwamm, er behäbig cuf der lichtgrünen Fluth,. lag auf dem breiten hölzernenRücken,. sonnte sich und strebte die kurzen Beine, patzig in die Luft. Das war freilich schöner, als. dtt.Ltti wl..die Stiefel ausziehn!. Die Ween. sangen und wiegten, ihn angenehm, unö, fand es vergnüglich, da.. ih.n das. Meer die Reise so lieblich aae. Schuppiges Gethicr kam. vjfixmz men. und beschnupperte nzAber, er hielt es für den ha aien: Böllern beliebten Nasenug. und !ächelte gnädig, während nia'i ihn unge--meßbar fand und nicht w..r oacht; Als. es dunkel geword.:: i?ar. btinie es aufm den Wassern. Z)l.n:en.tanzlen blau, über die Wogenkäi:: r.e. und inevon Irrlichtern sprühte die öranoung. Wie schön ich leuchtet" dachte derStiefelknecht und seufzte., daß kein. menschlichesWesen vorhanden war, ihn. zu bewundern. Doch da fühlte, er auch, schon,, und es war kein übles Gefühl,, wie etwas Weiches ihn zärtlich berührte. lüo.' kommst denn Du her?" fragte.er nicht eben unfreundlich die. Qualle,, denn eine solche hatte sich an. ihn. gemacht.. Aus''derTiefe des Meeres!" lispelte sie. Da ist es viel herrlicher als kieloben.. Da glühen Korallen. da.sunkelt, Gold. Märchenblumen durchduften, die DämmerAngen und süße schauerlicheGeheimnisse. Perlen sind hingestreut, und alles, leuchtet und flimmert!" Das möcht' ich auch einmal. fth'n!"' seufzte der Stiefelknecht. So tauche doch nieder!" sailte. di? Qualle.. Es geht nicht!" ächzte cr nach einer: vergeblichen Anstrengung, ich bin nun. einmal.za Höherem geboren!"' Als er bei Sonnenaufgang erwachte,, sah er, trn sich gebreitet ein grünüberwuchert, wildes Gestade; Palmen, die: im Morzenwinde sich höflich neigten,, bunte Vögel, die ihn schnatternd begrübten,. Affen imGezweize schaukelnd,, die ihm Kußhändchen zuwarfen.. Unter die Palmen!" gebot: er den; Wellen, und sie trugen ihn. hin-., gehörsam, und zogen sich ehrerbietig zurück.. Da lag er nun, und dieAffen.rutfchtcn an. den Ranken herunter und bewunderten ihn. Und. so fehlte ihm nichts cun Glücke. Aber plötzlich raschelten e5;. schaurig, raschelte es imGebüsch, und schon brach es heraus, heulend, braunes, barfüßiges Volk mit breiten Nasen und, spitzen. Zähnen. Da. war es verzeihlich, daß ihm die Gänsehaut über den Rücken I'ef. Aber er hatte sich unterschätzt. DasGesindel hatte ihn. kaum erblickt als es stand, wie vom Donner gerührr und staunend die Mäuler sperr:?. Er ist vom Himmel gefallen!" murmelte der Häuptling. Und so kam ihm plötzlich der Muth wieder. Nur nähez liee Kinder!." sagte er gemüthlich. Da trugen sie ihn. cruf einer Basi matte jauchzend iu's Dorf. Die Mädchen brachten ihm Lotos und Orchideen, die Männer Mufcheln und Zähne, de? Hofmaler vergoldete ihm die Beine und machte ihm eine sch'öne Fratze auf den Lauch, mit Glotzaugen von Perlen, und einem rothen grinsenden Korallen maule. Und so war aus dem Stiefelknechte ein Götze geworden. Der Häuptlinc; verlieh ihm den Hausorden und selbst der Obervriester nannte ihn Ew. Hoch wohlgeboren. Da eines Tages kribbelte alles auf geregt durcheinander. Weiße Leute waren gelandet und mit allerhand Waaren in's Dorf gekommen. Da ist ja der Stiefelknecht!" rief plötzlich einer mit schallender Stimme. Es war der Schiffsjunge, und er ku gelte sich vor Lachen. Es wird Feuer vom Himmel fallcn!" mahnte der Häuptling. Komm einmal her, alter Freund!sagte der Bengel, setzte ihn auf den Boden und stellte ihm den Fuß auf den Rücken. Es wird Feuer vom Himmel fallen!" jammerte der Häuptling. Der Götze knirschte vor Wuth, aber tl kam über ihn wie ein innererDrang. und et konnte nicht anders . er ?og dem Jungen wieder die Stiefel aus.
