Indiana Tribüne, Volume 23, Number 41, Indianapolis, Marion County, 29 October 1899 — Page 3
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Poznan von K. jCvfl). (14. Fortsetzuna.) Wenn es nicht gegen Ihre Pflicht ist, so führen sie das Mädchen zu mir." sagt: er. Ich hoffe, es wird mir aestattet sein, einige Worte allein mit ihr Zu precy.'n. Te? Schließer machte eine Gebärde dcZ Bedauerns. Ich würde damit gegen meine Instruktionen verstoßen. -enor! Es i)t mir zwar erlaubt. jeden zu Ihnen zu lassen, den Sie selbst empfangen wollen, aber die Unteryaltung darf nur m meiner Gegenwart stattfinden. Bei der Dame, die Sie soeben verließ, handelte es sich um eme Ausnahme, denn sie hatte einen Passierschein vom kommandirenden General, auf dem ausdrücklich vermerkt war. daß sie ohne Zeugen mit Ihnen sprechen dürfe. Aber mein Gott, am Knde bm ich kein Unmensch. Wenn Sie mich nachher mit iraend eiiurn Auftrage wegschicken, vielleicht mit der Ältte. Jynen eine Flasche Wein oder zwei zu holen, so können Sie die Seit bis zu meiner Rückkehr immerhin zu einem kleinen vertraulichen Zwiegesprach ausnuken." Dankbar drückte Werner ihm die Hand. Ich wußte, daß ich mich in Ihrer Mensclensreundlichkelt nichk getäuscht habe. Senor Cabildo! Der Himmel möae es Ihnen lobnen." Ach, Senor, für Sie thäte ich mit Freuden noch mehr, versicherte der Schließer gerührt. Seitdem sie den wackeren Rocafuerte aufgehängt, ist mir keiner von meinen Schützlingen mehr so lieb und werth gewesen wie Sie." 19. K a p i t 1 I. Nie hatte Werner seine Geistesgegenwart und Selbstbeherrschung nöthiger gehabt, als in dem Moment, da die vermeintliche Chola in der offenen Thür seiner Zelle erschien. Obwohl sie die Mantilla weit über das Gesicht gezogen hatte, war doch ein einziger Blick hinreichend gewesen, ihm zu offen, baren, daß keine andere als Conchita selbst in dem kurzen, kaum bis zu den Knöcheln reichenden Röckchen stecke, und er würde vielleicht in der ersten Ueberraschung wirklich ihren Namen ausgerufen haben, wenn sie ihn nicht mit Augen und Hand bedeutet hätte, zu schweigen. Aber er konnte so wenig verhindern, daß ihm das Blut heiß in das Gesicht stieg, als er des Zitterns Herr werden konnte, das ihn plötzlich befallen hatte. Er hatte an diesem verhängnißvollen Tage mehr als einmal dem Tode in's Auge geblickt, ohne zu erbeben; jetzt zum erstenmal drohte seine Fassung ihn gänzlich zu verlassen. Wäre Conchita nicht stärker und geschickter gewesen als er, so würde sein Benehmen es ihr'ohne Zweifel unmöglich gemacht haben, die Rolle durchzuführen, die sie sich selber zugewiesen hatte. Aber sie n?ar offenbar gut vorbereitet und ließ sich durch die Empfindüngen, welche dies schmerzliche Wiedersehen auch in ihrem Herzen wachrufen mußte, nicht irre machen in der Ausführung ihres Vorhabens. Nachdem sie eine Sekunde lang zaudernd an der Schwelle verharrt, eilte sie auf ihn zu und schlang ihre beiden Arme um seinen Nacken. Welch ein Unglück, liebster Schatz, welch ein schreckliches Unglück!" rief sie mit theatralischem Pathos. Wollen sie dich wirklich todtschießen, diese abscheulichen Soldaten? Aber es kann ja gar nicht sein. Man hat mich sicherlich nur erschrecken und sich übe: meine Angst lustig machen wllen. Sage mir. daß es nicht wahr ist. Liebster, damit ich nicht nöthig habe, mir vorVerzweiflung die Augen auszuweinen." Werner verstand noch nicht, worauf sie hinaus wollte, aber er erkannte, daß sie eine für den Schließer berechnete Komödie spielte. Natürlich." erwiderte er. auf ihren Ton eingehend, man hat dir ein Märchen aufgebunden, mein liebstes Herz! Ich befinde mich hier nur infolge eines Mißverständnisses, und man wird mich frei laen, sobald es sich aufgeklärt hat." O, diefe häßlichen Menschen," jubelte sie, mich ohne Noth so zu ängstigen! Per dios, es wäre auch gar zu abscheulich gewesen. Und nun, da ich mich mit entsetzlicher Mühe bis zu dir durchgebettelt habe, nun schickst du mich auch nicht gleich wieder fort, nicht wahr? Dieser gute Mann dort hat gewiß nichts dagegen, daß wir ein Bicrtelstündchen miteinander verplauoern." Werner's Herz klopfte zum Zerspringen. Wortlos preßte er die biegsame Gestalt,, die sich so vertraulich an ihn geschmiegt hatte, an seine Brust. Es war gut. daß der Senor Cabildo ihm in seiner liebenswürdiger Weise zu Hilfe kam. Nein, meine reizende Senorita, ich habe durchaus nichts daaegen. Und wenn Ihr Freund galant genug ist, Sie mit einem Gläschen Wein zu bewirthen, werde ich mit Ihren hübschen Augen zuliebe sogar bereit finden lassen, es zur Stelle zu schaffen." Ein bedeutsamer Druck der kleinen Hand, die auf seiner Schulter ruhte, sagte Werner, daß er von diesem Anerbieten Gebrauch machen müsse. Mit unsicherer Stimme ertheilte er seinem wohlwollenden Gönner den Auftrag, ihm eine Flasche vom besten Rebensaft und einen kleinen Imbiß für die Senorita zu besorgen. Allerdings muß ich Sie bis zu meiner Rückkehr beide einschließen," meinte der Schließer lächelnd, während er sich zum Fortgehen anschickte. Aber ich hoffe, Sie werden sich , nicht davor sürchten." Höchlichst erheitert durch diesen aus-
gezeichneten. Scherz, zog sich der Wackere zurück. Sobald die Thür hin-
ter ihm zugefallen war, ließ Conchita ihre Hände von Werner's Schultern herabgleiten und trat ein paar SchrUte von ihm zurück. Es war, als käme ihr erst jetzt ein Gefühl der Beschämung über die Vertraulichkeiten, -die sie sich gegen ihn herausgenommen, denn die bräunliche Haut ihre: Wangen färbte sich um eme Nuance dunkler von dem darunter heiß aufsteigenden Blut. Verzeihen Sie mir, Senor, und denken feie man schlecht von nur. Aber ich durfte in dem Schließer keinen Verdacht aufkommen lassen, als konnte es meine Absicht sein, Sie zu lt. freien. Und ich wußte es nicht besser anzufangen, als auf diese Art." Was hatte ich Ihnen zu verzeihen. Senorlta! Auf meinen Knieen möchte ich Ihnen vielmehr dafür danken, daß Sie mir diesen letzten Sonnenblick der Freude verschafft haben. Ich kann Ihnen ja nicht aussprechen. wie glücklich . Das Roth auf ihren Wanaen wurde noch tiefer, aber sie schüttelte, ihn unterbrechend, energisch den Kopf. ,Wenn jede Sekunde emMenschenleben werth sein kann, darf man die Aeit nicht mit Artigkeiten vergeuden, Senor! Haben (sie den iönef des Dok tor Vidal empsana.cn?" Ja, und ich war tief eranffen von der Theilnahme, die er meinem Schicksal zuwendet. Aber der Fluchtplan, den er mir anaiebt. scheint mir aus mehr als einem Grunde unausführbar. Ich wurde noch andere m mem Verhängniß hineinziehen, ohne doch selbst einen Gewinn davon zu haben. Um des Himmels willen, so dürfen Sie nicht denken. Seien Sie versichert, daß der Plan gelingen wird, wenn nicht qanz unvorhergesehene Zwlschenfalle eintreten. Wir haben alles reiflich überlegt. Wir sagen Sie, Conchita? So habe ich in Ihnen vielleicht sogar die eigentliche Urheberin der Idee zu erblicken? Und Sie sind der ungenannte Freund, von dem Doktor Vldal m seinem Briefe spricht?" rj cw r - v 'ka. 'ms fe mim iur veraoreoeten Zeit auf dem Friedhofe vergebens warten ließen und als ich dabei fort: während das Schießen von der Stadt herüber horte, erfaßte Mich eine schreckliche Angst. Ich hatte die sichere Em pflndung. daß Ihnen etwas Schllmmes zugestoßen sein müsse, und nachdem ich bis zum Mittag vergebens versucht hatte, Sie aufzufinden, wußte ich mir keine anderen Rath mehr, als zu Doktor Vidal zu gehen, dem einzigen Menschen, dem ich mich anzuvertrauen wagte. Es muß eine Fugung des Himmels gewesen sein, die mir diesen Gedanken eingab, denn während ich noch bei ihm war und wahrend wir gemeinsam überlegten, was man unternehmen konnte, Ihren Verbleib zu erMitteln, kam einSoldat mit der schreckllchen Meldung von Ihrer Gefangennähme und von dem Schicksal, das Sie bedrohte. Von dem Augenblick an bin ich nicht mehr von Doktor Vidals Seite gewichen und kann ihm das Zeugniß ausstellen, daß er rechtschaffen alles gethan hat, was sich unter den obwaltenden Umständen nur immer thun ließ. Es ist jetzt nicht Zeit, Ihnen das alles ausfuhrlich zu erzählen. Genug, daß wir endlich zu dem Schlüsse kamen. in einer Flucht aus dem Gefangnisse läge für Sie die einzige Möglichkeit der Rettung. Den Schließer durch Bestechunq zu gewinnen, war leider unmöglich, denn Doktor Vidal kennt den Mann seit langer Zeit und weiß, daß er auck durch die Aussicht auf die größte Belohnung nicht dazu zu bewegen sein würde. So blieb kein anderer Weq als der, den wi? Ihnen vorgeschlagen. Es ist ein verwegenes Unterfangen, aber ich hoffe sicher, daß es gelingen wird." Und Sie, Conchita? Was wird aus Ihnen werden, wenn man gegen Sie Verdacht schöpft, mir behilflich geWesen zu sein? . O. machen Sie sich darum keine Sorge! Von den Leuten hier im Gefängnisse kennt mich ja Niemand, und keiner hegt auch nur den geringsten Argwohn, daß ich etwas anderes als eine Dienerin sein könnte." Trotzdem liegt es mir schwer aus der Seele, daß Sie sich um meinetwillen hierher gewagt haben, an diesen Ort des Schreckens, den Sie vielleicht besser niemals kennen gelernt hätten. Erst dann werde ich an meine eigene Befreiung denken können, wenn ich sicher bin, daß Sie das Gefängniß ungefährdet verlassen haben." Mir droht Nicht die geringste Gefahr ich wiederhole es Ihnen. Nun aber lassen Sie uns um Gottes willen nicht mehr von mir. sondern nur noch von Ihnen sprechen. Sie haben Hoffentlich das Pulver in dem Briefe gefunden?" Werner bejahte. Seiner Wirkung können Sie unbedinat gewiß sein, und Doktor Vidal hat mir versichert, daß sie mindestens zehn oder zwölf Stunden vorhält. Auch einKanonenschuß, den man neben ihm abfeuerte, wurde Nicht im Stande sein, einen Menschen, der mit diesem Mittel eingeschläfert wurde, aus seiner Betäubung zu wecken. Sobald es seine Schuldigkeit zu thun beginnt, müssen Sie sich mit dieser kleinen Scheere Ihren Schnurrbart abschne:den, damit Sie nicht in Gefahr sind. erkannt zu werden, wenn Ihnen aus Ihrem Wege Jemand begegnen sollte, der Sie heute schon einmal gesehen hat." Allerdings ist die Gefahr, daß man Sie erkennt, nicht allzu groß," fuhr Conchita zu Werner fort, denn es wird vollständig dunkel geworden sein, ehe Sie dazu kommen, Ihre Zelle zu verlassen. Wenn Sie Ihren Rock mit dem des Schließers vertauscht haben, wird jeder Sie im Vorübergehen fiix einen Gefängnißbeamten halten, und
die einzige Schwierigkeit liegt darin, daß Sie unbehelligt durch eines der Ausgangsthore auf die Straße gelangen." Und sollte nicht gerade das so gut wie unmöglich sein? Ich bin mit den örtlichen Verhältnissen dieses gewaltigen Gebäudekomplexes so wenig vertraut, daß ich mich sicherlich darin verirren werde." Um das zu verhindern, kam ich hierher. Ich habe die Gelegenheit auf Las Genaueste auskundschaftet, während ich überall umherlief unter dem Vorwande. nach Ihnen zu fragen. Wenn Sie Ihre Zelle verlassen haben, die Sie der größeren Sicherheit halber mit dem Schlüssel des Aufsehers hinter sich verschließen müssen, wenden Sie sich zunächst nach rechts und steigen die Treppe hinab, auf die Sie am Ende des Ganges stoßen werden. Der Hof, den Sie erreichen, hat zwar auch einen Ausgang nach der Straße, aber er wird immer verschlossen gehalten, und der Pförtner könnte möglicherweise entdecken, daß Sie keiner seiner Amtsgenossen sind. Dort dürfen Sie es also nicht versuchen. Aber durch eine kleine Thür, die Sie nicht verfehlen können, weil über ihr eine Laterne brennt, gelangen Sie in einen zweiten
Hof.und wennSie denselben in gerader Richtung überschreiten, kommen Sie zu dem großen Hauptthore neben dem Wachtlokal, das Tag und Nacht offen steht. Es befinden sich da allerdings zwei Militärposten, aber ich bin sicher, daß man keinen Versuch machen '.oird. Sie auszuhalten, wenn Sie nur mit möglichst unbefangener Miene und in recht zuversichtlicher Haltung an ihnen vorübergehen. Darüber, wie Sie sich dann weiter zu verhalten haben, sind Sie ja durch Doktor Vidals Brief unterrichtet worden. Und 'nun kein Wort mehr! Wir sind mit unserer kostbaren Zeit viel zu leichtfertig umgegangen, denn der Gesangenwarter kehrt bereits zurück." -In der That wurde draußen ein wiederholtes Räufpern vernehmlich. und eine halbe Minute später trat Senor Cabildo hochrothen Antlitzes und reich mit Schätzen beladen wieder rn die Zelle. Es hat ein bischen langer gedauert. als ich eigentlich hätte fortbleiben dürfen," sagte er mit einem pfiffigen Augenzwinkern nach Conchita hin. Aber ich hoffe. Senorlta werden es nur verzeihen." Er hatte diesmal der Vorsicht halber gleich drei Becher mitgebracht und trieb seine Artigkeit so weit, selbst das Amt des Mundschenken zu übernehmen. Roth wie Blut floß der schwere, feurige Wein in die Trinkgefäße, und Conchita war es, die zuerst nach dem ihrigen griff. Aus fröhliches Wiedersehen, liebster Schatz!" rief sie in trefflich gespieltem Uebermuth. Es lebe der Präsident und Tod seinen Feinden!" Ja, Tod all diesen Hunden von Insurgenten!" stimmte Senor Cabildo zu, mdem er herzhaft mit ihr anstieß. Dann aber schien er sich darauf zu besinnen, daß ja auch sein Schützling einer dieser Insurgenten war, und er hielt es aus Gründen der Höflichkeit für geboten, sich zu verbessern. Mit gewissenAusnahmen natürlich, Senorl Ich weiß wohl, daß es auch unter den Aufständischen ehrenwerthe Leute giebt - sehr ehrenwerthe Leute sogar, denm ich von Herzen alles Gute wünsche. Aus Ihre Gesundheit. Senor, und auf ein langes, glückliches Das letzte Wort des wohlgemeinten Trinkspruches hatte ihm indessen doch nicht recht über die Lippen gewollt, und er ertränkte es in einem kräftigen Zuge, der auch nicht ein Tröpfchen mehr in seinem Becher ließ. Die kleine Anfeuchtung hatte ihn offenbar in die beste Laune versetzt und vielleicht Nicht sie allein, denn die sehr beredten, zärtlichen Blicke, die er auf Conchita warf. ließen vermuthen, daß auch die Thatsache ihrer Gegenwart einen nicht geringen Antheil an seiner munteren Stimmung hatte. Um so mehr emPfand es Werner unter diesen Umständen als eine Erleichterung, als sie nach einer kleinen Weile erklärte, nun leider nicht länger bleiben zu dürfen. Auch das freundlicheZureden des Schließers. der ihr zu bedenken gab, daß man so jung ja doch nicht wieder zusammenkäme, vermochte ihren Entschluß Nicht zu ändern. Aber man mußte es dem Senor Cabildo zu seiner Ehre lassen. daß er keiner von den neidischen und mißgünstigen Menschen war. Als er wahrzunehmen glaubte, daß die beiden vermeintlichen Liebesleute sich ohne den zärtlichen Abschied trennen wollten. den sie ohne seine störende Anwesenheit vielleicht voneinander genommen hat ten. fühlte er ein freundliches Rühren und zögerte in seiner biederen Weise nicht, ihm Worte zu verleihen. Ein ußchen dürfen Sie Ihrem Liebsten getrost noch geben, Senorita, oder auch zwei. Man kann in diesem Leben niemals wissen, ob man Gelegenhelt finden wird, nachzuholen, was man einmal versäumt bat. Ich verspreche Ihnen auch, daß ich beide Augen zumachen werde." Werner war m peinlichster Verlegenheit, denn die täppische Zutraulichkeit dieses Menschen mußte ja eine Marter für Conchitas Empfinden sein. In der That stand sie sekundenlang wie mit Blut übergössen da; plötzlich aber warf sie sich mit wildem Ungestüm an seine Brust, um ihn wortlos wieder und wieder stürmisch zu küssen. Und diese Liebkosungen waren von einer ganz anderen Art als die, welche sie ihm vorhin hatte zu theil werden lassen. Diese mit fast elementarer Gewalt hervorbrechende Leidenschaft konnte nicht mehr eine gut gespielte Komödie sein. sondern war ohne Zweifel der Ausdruck ihres wahren, bis dahin mit Selbstüberwindung niedergehaltenen Empfindens. Was er , trotz mancher verrätherischen Anzeichen noch immer
nicht im Ernst zu hoffen gewagt hatte, jetzt endlich war es ihm zur beglückenden Gewißheit geworden. Und auch er vergaß in diesen seligen Augenblicken Noth und Gefahr, auch er schloß das geliebte Mädchen fest in seine Arme und küßte sie. Auf Wiedersehen!" raunte er ihr zu, als sie sich endlich von ihm losmachte, und ihr Mund gab ihm das hoffnungsvolle Abschiedswort zurück, während ihre Augen zugleich eine andere, tausendmal holdere Verheißung hinzufügten. Senor Cabildo öffnete dem jung, i Mädchen die Thür mit seinem süßeskn Lächeln. Ja, er schien ernstlich mit der Versuchung zu kämpfen, ihr über den Gang und die Stiege' das Geleit zu geben. Aber ein Blick auf den Wein und auf die anderen guten Dinge, die ihm hier drinnen winkten, ließ ihn die verführerische Lockung überwinden. Ein großartiges Mädchen bei meiner Ehre, Senor!" wandte er jich, als Conchita ihn nicht mehr hören konnte, mit dem Ausdruck ehrlichster Bewunderung an Werner. Das war wahrhaftig etwas qanz anderes als
der Besuch, den Sie vorhin empfingen, obwohl das eine vornehme Dame war. und diese hier nur eme kleine Chzla. Es sind eben doch nicht immer die Kleider, welche die Leute machen." Er hatte seinenBecher aufs Neue gefüllt und begann nun auch wacker dem für Conchita bestimmt gewesenen Imbiß zuzusprechen. Werner ging ein paar Mal in der Zelle auf und nieder, dann blieb er vor dem Schmausenden stehen. Da Sie eben von Kleidern reden. Senor Cabildo. hatte ich Ihnen nicht vorhin die meinigen versprochen?" Gewiß. Senor. und ich hoffe, es ist Ihnen inzwischen nicht wieder leid geworden. Keineswegs! Ich vermuthe nur. daß sie Ihnen nicht passen werden. Ich bin doch wohl etwas größer und stärker als Sie." O, was das anlangt, so könnten wir gleich die Probe machen. Ich hätte Sie ohnedies gebeten, sich dem nun, Sie wissen wohl, was ich meine bei dem bewußten Gange mit dem alten Anzüge zu begnügen, m welchem Sie hier eingeliefert wurden. Es ist sine Eigenthümlichkeit der Gewehrkugeln, daß sie Löcher nicht blos in die Haut, sondern auch in die Kleider machen. Ich hofft, es berührt Sie nicht unangenehm, Senor, daß ich davon spreche. Nicht im Mindesten. Ich verstehe vielmehr Ihre Besorgniß vollkommen. Aber ich bin wirklich neugierig zu sehen, ob ich mich bei der Verglelchung unserer Gestalten nicht getäuscht habe. Wahrhaftig Sie haben recht, dieser Rock sitzt Ihnen wie angegossen." Der Schließer, der semen Uniformkittel mit Werner's elegantem Gehrock vertauscht hatte, betrachtete seine eixene. so vortheilhaft veränderte Figur mit höchstem Wohlgefallen. Ver dios, ich glaube es selbst, Senor! Schade, daß es hier keinen Spiegel giebt, in dem man sich ordentlich bewundern könnte. Ich danke Ihnen noch einmal, Don Alemano, und verspreche Ihnen, daß ich diese Kleider niemals anziehen werde, ohne m herzlichster Freundschaft an Sie zu denken." Das ist brav von Ihnen. Und nun thun Sie mir noch einmal Bescheid! Mögen Sie zum Nutzen aller derer, die nach mir diese Zelle bewohnen werden. Ihrem Menschenfreundlichen Berufe noch lange erhalten bleiben!" Die Becher klangen zusammen, und Senor Cabildo leerte den seinen bis zum Grunde. Als er ihn absetzte, schnalzte er mit der Zunge und schüttelte bedenklich den Kopf. Es giebt keine Ehrlichkeit und keine Rechtschaffenheit mehr in der Welt. Senor! Der Himmel mag wissen, was für ein Teufelszeug dieser Weinhändler mir da wieder ausgehängt hat. Die obere Hälfte der Flasche war gut, aber dieser Rest ist bitter wie Galle." Er spie aus und zündete an der Kerze, die seit dem Einbruch der Dunkelheit die Zelle mit spärlichem Licht erhellte, eine Cigarette an, um den üblen Geschmack zu beseitigen. Irgend einen Verdacht gegen seinen Gesängenen hatte er offenbar nicht geschöpft. Und doch war Werner keineswegs sehr geschickt zu Werke gegangen, als er, während jener mit dem Anprobiren des geschenkten Kleidungsstückes beschäftigt gewesen war, den Inhalt des von Doktor Vidal übersandten, zusammengefalteten Papiers in den Becher geschüttet hatte. Auch schienen seine Bedenken gegen die Reinheit des Weines dem wackeren Beamten durchaus nicht den Appetit verdorben zu haben, denn er griff gleich darauf nach der zweiten Flasche und schickte sich an, ein gebratenes Hühnchen mit seinem Taschen messe? zu zerlegen. Dabei begann er zur Erheiterung seines Pflegebefohlenen wieder eine von den Hinrichtungsgeschichten zu erzählen, von denen er einen unerschöpflichen Vorrath in der Schatzkammer seines Gedächtnisses zu bewahren schien. Aber schon nach Verlauf von einigen Minuten flössen ihm die Worte nicht mehr so leicht und beredt von den Lippen wie zuvor. Seine Zunge wurde merklich schwerer, und er unterbrach seine Rede immer häusiger durch gewaltiges Gähnen. Bei meiner Seele", stammelte er zuletzt, indem er die Hand mit dem Messer sinken ließ, mir ist, als ob man mir ein paar Pfund Blei in den Schä' del gegossen hätte. Ich glaube ich muß ein wenig nicken " Er hatte die Arme auf den Tisch gelegt und das schwere Haupt darauf gebettet. Nur ein paar Sekunden noch, und seine tiefen, geräuschvollen Athemzüge ließen erkennen, daß er eingeschlummert sei. Regungslos und mit klopfendem Herzen hatte Werner diese über alles
Erwarten schnelle Wirkung von Doktor Vidals Mittel beobachtet. Wie kostbar auch die Minuten sein mochten, noch wagte er nicht, das Werk seiner Befreiung zu beginnen. Wenn der Aufseher zur Unzeit ermunterte, war ja alles verloren. Aber der Mann rührte sich auch nicht, als Werner die
geleerte Flasche absichtlich vom Tische stieß, so daß sie auf den Steinfließen des Fußbodens mit lautem Klirren zerbrach. Und er gab keinen Laut von sich, da ihn der Gefangene nun ziemlich derb am Arme faßte, um ihn kräftig zu schütteln. Vorwärts denn!" murmelte Werner, den diese Proben endlich von der Zuverlässigkeit des Pulvers hinlänglich überzeugt hatten. Es wäre eine Feigheit, jetzt noch zu zaudern." Er bediente sich zunächst der kleinen scharfen Scheere, die Conchita ihm übergeben hatte, zu dem von ihr bezeichneten Zweck, und er selbst würde wahrscheinlich nicht wenig erstaunt geWesen sein, wenn er sich mit Hilfe eines Spiegels hätte überzeugen können, wie gewaltig die Beseitigung des Schnurrbartes sein Aussehen verändert hatte. Dann nahm erSenor Cabildos schmuhigen Uniformrock vom Boden auf und zog ihn an. Auch den Säbel, den jener vorhin hatte ablegen müssen, schnallte er sich um den Leib, und es war seltsam, mit welcher Zuversicht und Entschlossenheit ihn das Bewußtsein erfüllte, sich im Besitz einer Waffe zu befinden. Nun mögen sie versuchen, mich noch einmal gefangen zu nehmen!" dachte er. Lebendig wenigstens sollen sie mich jetzt gewiß nicht wieder haben." Nachdem er sich mit der Mütze des Schließers bedeckt, und sie so tief als möglich über die Stirn herabgezogen hatte, war er endlich zum Aufbruch fertig. Er konnte sich einer Anwandlung von Mitleid nicht erwehren, als er auf den schlafenden Senor Cabildo blickte. Im Grunde vergalt er ihm ja seine Menschenfreundlichkeit sehr schlecht, denn es war kaum zu bezweifeln, daß man den Aufseher für seine Flucht verantwortlich machen und dafür bestrafen würde. Aber es würde sich, wenn diese Flucht gelang, wohl ein Mittel finden lassen, den Wackeren für das erlittene Ungemach schadlos zu halten. Es war ein glücklicher Zufall, daß der Aufseher den Schlüsselbund im Thürschloß der Zelle hatte stecken lassen, denn so brauchte Werner seine Zeit nicht mit dem Aufsuchen des rechten Schlüssels zu verlieren. Er lauschte ein paar Sekunden lang hinaus. Der langgestreckte Gang war, wie Conchita es vorausgesagt hatte, nur sehr spärlich beleuchtet. Menschliche Wesen waren nicht zu erblicken. So ließ sich Werner Zeit, die Zelle wieder zu verschließen, hakte den Schlüsselbund in eine dazu bestimmte Qese der Säbelkoppel ein und schritt in fester, aufrechter Haltung nach der von seiner Retterin bezeichneten Richtung hin den hallenden Gang hinab. Er gewann die Treppe und erreichte den Hof, ohne daß ihm Jemand begegnet wäre. Jetzt aber er hatte erst wenige Schritte gegen das Pförtchen hin gethan, über dem die von Conchita erwähnte Laterne brannte sah er die Gestalt eines Mannes gerade auf sich zu kommen. Er konnte ihm nicht ausweichen, ohne seinen Verdacht zu erredenum so weniger, als jener äugenscheinlich die Absicht hatte, ihn anzureden. Zwar war der Mond, der unter diesem südlichen Himmel in klaren Nächten zuweilen fast Tageshelle verbreitet, noch nicht aufgegangen, und es herrschte darum eine Dämmerung, die es unmöglich machte, die Gesichtszüge eines Menschen anders als aus unmittelbarer Nähe zu erkennen. Aber der Mann, der ebenfalls, wie Werner jetzt gewahrte, die Uniform eines Gefängnißaufsehers trug, schien Unglücklicherweise willen, eine Unterhaltung mit dem vermeintlichen Collegen zu beginnen. Der Flüchtling zog den Kopf so tief als möglich zwischen die Schultern und rückte mit einer unauffälligen Handbewegung die Mütze noch etwas weiter in's Gesicht. Die Kenntniß, die er trotz der Kürze ihrer Bekanntschaft bei tem vertraulichen Wesen des Senor Cabildo von seinen kleinen Schwächen erlangt hatte, gab ihm ohnedies gerade in dem letzten, kritischsten Augenblick einen sehr glücklichen Gedanken ein. Indem er den unsicheren, schwankenden Gang eines halb Berauschten annahm, schob er sich mit abgewandtem Gesicht und mit einem unverständlichen Gebrumm so dicht an dem anderen vorüber, daß er fast seine Schulter streifte. Der Aufseher, dem dieser Zustand seines Amtsgenossen eine ziemlich gewohnte Erscheinung sein mochte, blieb stehen, um ihn lachend etwas nachzurufen. Aber es befremdete ihn zum Glück nicht, daß er keine Antwort darauf erhielt, und Werner athmete erleichtert auf, als er hörte, wie der Schritt des Mannes hinter ihm sich weiter und weiter entfernte. Werner fühlte sich durch die glückliche UeberWindung dieser Gefahr gehoben, es überkam ihn eine beinahe fröhliche Stimmung, die jeden Zweifel an dem Gelingen seines verwegenen Beginnens erstickte. Er fand die kleine Pforte offen, wie Conchita es vorausgesagt, und er sah sich in einem schmalen, halbdunklen Gange, der nur dazu bestimmt schien, eine Verbindung zwischen den beiden Höfen herzustellen, da er weder zur Rechten noch zur Linken eine Thür auszuweisen hatte. Aber die freudigen Hoffnungen des Flüchtlings wichen einer desto schmerzlicheren Enttäuschung, als er, amEnde des Ganges angelangt, die Entdeckung machen mußte, daß er sich vor einer verschlossenen Thür befand. Alles Stoßen und Rütteln war umsonst die beiden Flügel Mchen nicht. Schon dachte Werner daran.
wieder umzukehren und sein Heil an einer anderen Stelle zu versuchen, als er sich des Schlüsselbundes in seinem Gürtel erinnerte. Vielleicht befand sich der rechte darunter. Er versuchte den ersten, den zweiten und den dritten Schlüssel ohne Erfolg; dann aber hatte er Mühe, einen .lauten Jubelruf zu unterdrücken, denn der vierte ließ sich ohne Widerstand in dem Schlosse drehen. Die Thür war offen, und Werner sah den großen, von vereinzelten Laternen nur spärlich erhellten Hof vor sich liegen. Da er an allen vier Seiten von hohen Gebäuden umschlossen war, würde der Flüchtling wohl im Zweifel gewesen sein, nach welcher Richtung er sich zu wenden habe, wenn ihm nicht Conchitas Mittheilung, daß der Hauptausgang sich neben dem Wachtlokal befinde, als Fingerzeig gedient hätte. Im Scheine der vier Fackeln, die man in einem Winkel des Hofes angezündet hatte, sah er die blinkenden Läufe von in Pyramiden zusammengestellten Gewehren und dunkle menschliche Gestalten, die sich's nach Landessitte auf den Steinfliesen bequem gemacht hatten. Augenscheinlich hatte man des Aufstandes wegen auch hier die Besatzung verstärkt, und die Leute hatten im Innern der Wachtstube nicht alle Raum genug für ihre Nachtruhe gefunden. Der große, offene Thorweg, in dessen Wölbung ebenfalls zwei Fackeln brannten, lag so, daß Werner unmittelbar an den ruhenden Soldaten und an den Gewehrpyramiden vorüber mußte, um ihn zu erreichen. Das war sicherlich kein geringes Wagniß, und bevor er sich dazu anschickte, versäumte Werner nicht, den Säbel in der Scheide zu lockern. Dann schritt er entschlossen vorwärts und vermied es sogar absichtlich, den Schall seiner Schritte zu dämpfen, die weithin vernehmlich über den stillen Hof klangen. Einer der Männer richtete sich zu sitzender Stellung empor, als er hart an ihm vorbeistreifte, aber nur um ihn aus schlaftrunkenen Augen anzublinzeln und sich dann wieder niederulegen. Unbehelligt hatte Werner die ermüdete Wachmannschaft passirt, und schon sah er jenseits des Thoress die nächtlich stille Straße vor sich liegen. Noch aber galt es, eine letzte und vielleicht die größte Gefahr zu Lberwinden, denn die beiden Posten, die den Ausgang bewachten, hatten sicherlich Befehl, sich jeden, der das Gebäude verlassen wollte, auf das Genaueste anzusehen, ehe sie ihn passiren ließen. Und sie waren leider nicht in ihren Schilderhäusern eingeschlafen, wie es Werner sonst wohl gelegentlich schon gesehen hatte, sondern sie standen mitten in der äußeren Thoröffnung, auf das Eifrigste einer Beschäftigung hingegeben, die allerdings ganz danach angethan war, sie munter zu halten. Ihre Gewehre hatten sie neben sich an die Mauer gelehnt, und es war nicht schwer zu errathen, weshalb sie es gethan hatten. Waren sie doch beide in lebhaftester Unterhaltung mit einem weiblichen Wesen begriffen, von dem Werner zwar zunächst nichts als den Umriß der zierlichen Figur erkennen konnte, das ihm aber eine jugendliche Person dienenden Standes ?u sein schien. Und waren ihnen doch für diese Unterhaltung die Arme offenbar besonders nothwendig, da bald der eine und bald der andere den Versuch machte, der Kleinen seine freundliche Gesinnung auf handgreifliche Weise darzuthun. Das Mädchen jedoch mochte mit sich noch nicht recht darüber im reinen sein, welchen der tapferen Vaterlandsvertheidiger es mit seiner Gunst beglücken solle, denn es wußte den beabsichtigten Liebkosungen jedesmal behend auszuweichen und frohliches Lachen verspottete dann obendrein die Gefoppten. In solche Hitze hatte dies neckische Spiel, das vielleicht schon seit einer guten Weile andauerte, die pslichtgetreuen Posten versetzt, daß sie das Näherkommen Werners gar nicht bemerkten. Die Kleine aber hatte wohl schärfere Sinne als sie, oder es geschah infolge eines besonderen Ungefährs, daß sie ein wenig den Kopf wandte, als der Flüchtling bis auf fünf oder sechs Schritte herangekommen war. Die Mantilla hatte sich so weit verschoben, daß eine Fülle wirrer, dunkler Löckchen daunter hervorquoll, und die vom Zugwinde bewegte Flamme einer Fackel warf für eine Sekunde hellen Lichtschein auf ihr Gesicht. Wie von einem Gluthstrom fühlte Werner sich in diesem Augenblick vom Scheitel bis zur Sohle überrieselt. Die er da vor sich sah, war Conchita zu deutlich
hatte er die reizvolle Linie ihres eigenartiqen Profils erkannt, als daß er an die Möglichkeit eines Irrthums hätte glauben können. Eben machte wieder einer der Soldaten den täppischen Versuch, sie zu umschlingen, als Werner vorüberging. Sie aber entwand sich mit Hellem, spöttischem Auflachen dem dreisten Griffe, und lief ein paar Schritte auf die Straße hinaus, wie um den allzu ungestümen Berwerbern zu entfliehen. Was sie in kluger Berechnung vorausgesehen haben mochte. geschah. Ohne sich um ihre Jnstrukhonen und um ihre unaufbesichtigten Gewehre zu kümmern, eilten die beiden Soldaten ihr nach, und der Weg für den Flüchtling war frei. Mit einigen raschen Schritten trat Werner durch das Thor und ging nach der entgegengesetzten Ritmcg hin die schweiqende. völlig mensenleere Straße hinab. Niemand verfolgte ihn. (Fortsetzung folgt.) Schlau. A.: Wie, Du poussirst die Tochter Deiner Hauswirthin? Do.s Mädel ist doch sehr arm!" B.: DaZ thut nichts; die Mitgift bleibe ich jetzt schon allmälig bei ihrer Mutter schuldig!"
Aür die Küche. SagosuppemitWein. Zwei FUnftelpfund Palmfago werden in ei nem Sieb mehrmals mit kaltem Wasser gewaschen, hierauf mit einemQuart kaltem Wasser, etwas ganzem Zimmt und Citronenschale unter beständigem Umrühren zum Kochen gebracht, ganz allmäliz eine halbe Stunde ausgeqvellt, mit einer Flasche Roth- oder Weiß wein und zwei Fünftclpfund Zucker nebst dem Saft einer Citrone einmal aufgekocht und angerichtet, wobei rru Zimmt und Citronenschale heraus nimmt. Nimmt man Kartoffel- oder sogenannten Perlsago zu der Suppe, so rührt man denselben in das kochende Wasser ein. Wirsingrollen. Von einem schönen Wirsingkopf werden die äußeren, rauhen Blätter abgeputzt, woraus man den Kohl in siedendem Salzwasser halbweich kocht, in kaltem Wasser abkühlt und gut abtropfen laßt. Nun nehme man Blatt für Blatt heraus, schneide die dicke Vlattrippe weg und gebe auf jedes Blatt einen Eßlöffel voll Vratwurstflllle. Schlage die Blätter so zusammen, daß nichts herausdiinJcn kann, setzt die Röllchen in flache Kasserole, bestreue sie mit Salz und Pfeffer und gieße einige Eßlöffel fette Fleischbrühe darüber. Hammelrippchen mit fei nemZwiebelpüree. Die gut ge klopften und mit Pfeffer und Salz bestreuten Rippchen bratet man in Butte:
schon gelb, gießt ein wenig guteFleischbrühe daran, beträufelt sie mit Citronensaft. und stellt sie warm. Nun schneidet man zwei bis drei Zwiebeln in feine Scheiben, dämpft dieselben in reichlich guter Butter ganz weich, giebt etwas Mehl, einen Eßlöffel Zucker und wieder etwas Fleischbrühe daran. Zuletzt mengt man noch etwas süßenRahi oder Milch darunter und streicht alles durch ein Haarsieb. Nachdem man b!e Rippchen im Kranze gelegt hatgießi man die heiße Sauce darüber. Frikadellen von Kalbfleisch. Man schneidet von vier Pfund Kalbfleisch (derbes Fleisch ist vorzuziehen) nach gutem Klopfen viereckige Stücke, welche etwa einen fialten Zoll dick sein sollen, spickt sie mit feinem Speck, legt in eine Kasserolle 7 Unzen Butter, sechs Stück ausaegräthete Sardellen, recht klein cehac eine in Scheiben geschnittene Citrone, etwas Pfeffer und Salz, legt das Fleisch hinein, deckt die Kasserolle zu und läßt da? Ganze auf sehr gelindem Feu:r 14 Stunde kochen. Kalbsbraten mit saurer S a h n e. Zu einer großen Keule rechnet man ein halbes Pfund Butter, kommt aber sehr wohl mit ein viertel Pfund im sparsamen Haushalt aus. Die Butter wird auf den Braten gelegt und derselbe in den Ofen gestellt. Wenn die Butter geschmolzen ist, muß rech! oft begossen werden. Nach einer haloen Stunde kommt etwas saure Sahne dazu, mit der dieKeule noch H Stunde braten muß. Man giebt nun die Suce durch ein Sieb, thut dann in die Pfanne einen Theelöffel Mehl in Wasser zerquirlt, läßt den Beiguß aufkochen und giebt ihn dann durch ein Sieb. So ist die Keule durchgebraten. Fein gedämpfte Aepfel. Möglichst gleich große runde Aepfel werden gut geschält und mit dem Apselbohrer ausgestochen. Dann bringt man ein halbes Pfund Zucker mit dem Saft und der Schale von einer Citrone zum Sieden, thut dann die Aepsel hin ein und dämpft sie darin fast weich, dann füllt man die Höhlung eines je den Apfels mit in kochendem Wasser gebrühten und von den Stielen befrei ten Korinthen, läßt die Aepfel vollends gar dämpfen, hebt sie mit einem Schaumlöffel auf eine Assiette, verkocht den Saft mit einem Glase Weiß wein, schüttet ihn über die Aepfel und reicht sie am nächsten Tage. Soll der Saft besonders gut geliren. so fügt man ihm drei Tafeln Gelatine (rothe oder weiße), welche in warmem Wasser aufgelöst wurde, hinzu, giebt aber woh! acht, daß man sie ganz auflöse und sie durch ein Mull - Läppchen gieße, wenn man sie zu dem Safte fügt. Wem das Füllen zu mühsam ist, der legt die Korinthen einfach in die Sauce, auch kann der Wein fortbleiben. Schmorbraten. Ein gutes mageres Stück Rindfleisch wird tüchtig geklopft, in ein passendes Geschirr gelegt und leicht gesalzen. Mit Speckscheiden. Zwiebeln. Lorbeerblättern, ganzer Petersilie, sowie 20 Psefferkörnern wird dann das Fleisch auf beiden Seiten schön braun angebraten und hieraus eineFlasche Wein darauf gegossen, gut zugedeckt und je nach der Größe des Fleisches 3 bis 4 Stunden unter beständigem Begießen gedämpft; hernach wird das Fleisch sauber auf eine Schüssel angerichtet und mit Gemüsen garnirt. Gedämpfter Sellerie mit Eiersauce. Das Herz einer Sellerieknolle nimmt man heraus, schnei det es rund und kocht es in zu gleichen Theilen Milch und Wasser und etwas Salz, bis es ganz weich ist. Dann läßt man es ablaufen. Unterdessen röstet man im Ofen ohne Butter eine Schnitte Weißbrot ohne Kruste, etwa fingerlang und ebenso breit, bestreicht sie mit Butter, legt den Sellerie darauf und übergießt ihn mit einer dicken, fei nen Eiersauce, über die man ein wenig gewiegte Petersilie streut. Die Speise muß sehr heiß servirt werden. Kartoffeln en sricass& Zu gekochten, abgegossenen Kartoffeln wird ein Stuck fnfche Butter gethan, womit sie 8 10 Minuten heiß gestellt wer den. Man quirlt unterdessen eine Tasse Weinessiq, vier Eidotter und einen halben Löffel Mehl, fügt gute Fleisch, brühe auf, läßt es unter starkem Nüh ren aufkochen, giebt es sodann unter die Kartoffeln.
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