Indiana Tribüne, Volume 23, Number 34, Indianapolis, Marion County, 22 October 1899 — Page 7

Die rotl)e Melke. Von M. Hüttig. Es geht doch wunderlich p auf die ser Welt: die einen lärmen und jagen und rennen und lassen sich'ö sauer werven und kommen doch r auf einen grünen Zweig. Jahr aus, Jahr n warten sie auf das GUiick", man .sieht sie beständig mit demselben abgeschttsstirer Ueberzieer urd mit beschnittenen, nicht ganz inen Manschetten jjungtfa 'durch die Straßen wandeln, Au? auf eine günjLge Gelegenheit war1end, elche die Groschen des lieben 'Nachsän ihnen n die eigene Tasche zaubert, ohne daß sie mit drm Strafgeseöuch in Conflict gerachen. Andere wieder lassen sich durch nichts aus ihrer Ruhe brhwjen, sie genießen ihre täglichen drei Mahlzeiten zur rechten Zeit, tnken 'reichlich Bier dazu, rau chen den Tag über Cigarren, kleiden 'sich mit Chic und Anstand und kümMern sich nicht 'darum, wer die Kosten .trägt. D.is Glück pt sie vorwärts, so daß sie. ohne überhaupt zu wissen wie, bis über die Ohren in Wohlleben, 'Achtung und Ehren sitzen. Das nannte man ffrüher Saunn glück". Und das besäst Ander? Lundqvisi im höchsten Grade. Er verabscheute Rauch und Ruß und wäre nie in die Fußstapfen seinesVaters getreten, N?el eher Schmiedemeister war. Der Judith natürlich von seinem Einzigen da Handwerk fortgeführt wissen und weihte den Widerspenstigen rn 'die Kunst des Hufbeschlagens ein lnid ehe noch "das Sd'hnchen eine Ahnung hatte, starb der Vater und Ander tauchte nicht chmiedemeister zu werden. Den Schweizerkäse dagegen VtzVte er sehr und da traf es sich von ungefähr, daß seine Mutter nach Ablmff 'des Trauerjahres einem biederen Näsefabiikanten "die Hand zum Bmid 'der Ehe'reichte. Endlich war er gcm-z 'toll" nach Feigen und zufällig brauchte der Cökonialwaarenhändler seiner Vaterstädt Brackebo einen kräftigen 'Jungen für's Geschäft. Anders kam, sa"h 'und siegte, er war damals zwölf JaHre ritt. '.Und die .Zeit verging. Anders wurde älter, machte sich selbständig, widmete sich der Geselligkeit, trat mit Würde 'auf und nahm seinen Wahlspruch: Ein Gläschen Portwein ;ge--fällrg?" mit auf den Lebensweg. .Du. müßtest Dich 'mal fr .machen, .Anders! Hast es doch dazu. Fahre doch auf ein paar Wochen nach Stock:holni .und, sieh Dich um!" redete .ihm eines Tages der Polizeihauptmann in .Brackebo zu, wo Anders als Kaufmann, Stadtverordneter und Mitglied .der Steuercommission fungirte. ..Meinst Du, Bruderherz?" lächelte Anders. Ein Glas Portwein ge.fällig?" Undaum hatten sie der Flasche en Hals gekrochen, als auch die Reise beschlosseneSache war, und an dem Morgen des dritten Tages schon kletterte unser Anders wohlbegemuth über drei .Koffer, .einem Korbe Kirschen, vier Reisetaschen .und über die Füße .einer dicken Madame aus dem engen Coupee hinaus in die große Welt, iiotu bene zuerst auf den Mittelperron der Stockcholmei Centralstation, brachte seine Sachen auf einem Hotelomnibus in Sicherheit, .kaufte von einem jüngeren weiblichen Wesen für's Knopfloch eine rothe Nette, zog darauf getrost in die Stadt hinein, um hier Kunst und Naturschönheiten in Augenschein zu neh-' men und lenkte seine Schritte endlich

nach dem Alten Kirchhof und fühlte sich wie ein Europäer und nicht wie ein kleiner Kaufmann und Mitglied der Steueicommission in Brackebo. Kaum auf dem stillen Gottesacker angelangt, wo Schuster und Poeten in gleichem Frieden ruhn, trat ihm eine elegant gekleidete Dame in den Weg. eine nette, stattliche Dame von kritischem Alter, das. aber nur in dem frisehen, hübschen Gesicht einige unbedeutende Spuren hinterlassen. Mit gesenkten Lidern und hold erröthend stand sie vor unserem Helden, machte einen freundlichen Knix, ohne damit ihre Würde zu verletzen, ungefähr wie die Königin Saba vor dem König Salomo wohl geknixt haben mochte. Und Anders Lundqvist, der in ganz Brackebo und umliegenden Dörfern nicht einen einzigen Kunden oder Bekannten besaß, der wohl 25 Procent so fein war, wie dies süße Wesen auf dem Stockholmer Kirchhof, der verbeugte sich tief, lächelte galant und wahrhaftig, ich meine, er wurde sogar roth. Mein Herr begann die Dame mit einem ganz entzückenden Augenaufschlag, der den guten Anders in einem paar herziger blauer Sterne den Himmel auf Erden ahnen ließ, mein Herr, schwören Sie mir, daß Sie nicht übel von mir denken, sonst entferne ich mich augenblicklich wieder." Mag nun der geehrte Herr Leser nocb so dreist sein, ich glaube dennoch, daß, wenn ihm Aehidliches passirt wäre, er doch mindestens einige Secunden Zeit zurUeberlegung beansprucht hätte. Wenn man aber zwölf Jahre lang in einem Brackeboer Laden gestanden, allen Hausmädchen und Kochinnen besserer Häuser die Wanan geklopft hat, wenn man sich hat von älteren, knickerigen Herren Lümmel, Betrüger, Halsabschneider" nennen lassen, wenn man mit cholerischen Hausfrauen über Petroleum- und Zuckerpreise beständig Krieg geführt hat, wenn man endlich von einem Dutzend Nähmädchen die Betheuerung gehört: Anders, ich liebe Dich!" so wird man sich doch wohl in eine ähnliche Situation zu finden wissen. Unser Anders fühlte sich sofort Herr der Situation. Wie selbstverständlich erfaßte er die Hand der ele'ganten Dame, verbeugte sich nochmals und sagte: Aber bitte, bitte! s Nur das Allerteste kann ich von Ihnen denken, meine .GnädlLste!"

Da $ob sie den Blick nochmals zu ihm empor, lächelte mit Grüöchen im Kin, machte ein schelmisches Gesicht und hauchte: Tausend Dank!" Darsuf folgten einige Augenblicke unaussprechlich süßer Berwirrur. wobei fit an ihrer Ratlosigkeit mit thrern Sonnenschirm Figuren in den Sand zeichnete und er darüber nachdachte, wie leicht man doch mit den Stockholmer Damen bekannt wird und die anliegen den Gebäude betrachtete, denn er war auch Mitglied der Baucommission in Brackebo. Nun brach ch ein leichter Seufzer über ihre Rosenlippen Bahn, weiße Zähnchen schimmerten und dann stellte sie sich vor: Mein Neme ist Eugenie Karlsson. geborene Peätersson, seit einem und einem halben Jahre Wittwe des ver

storbenen Sattlermeisters Karlsson. Und mein Name ist Lundqvist, Anders Lundqvist, .Kaufmann in Brackeb. wenn Ihnen das Städtchen bekannt ist, Mitglied der Steuer- und Baucommission. Ein Glas Portwein fällig?" Sie sagte nicht nein. Als die beiden .nun einträglich den Kirchhof verließen, stand da ein zweiter Herr -mit einer rothen Nelke im Knopfloch und sah recht verbissen und xon thend aus. Frau Karlsson aind Herr Lundqvist saßen bald vor der besten Flasche Portwein und Anders stieß auf seine erste Stockholmer Bekanntschaft o.n und ebenso auf alle schönen Frauen im Allgemeinen, auf Schwedens herrliche Residenzstadt, -und widmete zuletzt dem Andenken btZ seligen SattleTmeisters Karlsson ein volles Glas. Und die Wittwe Frau Zugcnie Karlsson ruckte ihren Stuhl mäher cheran, strich mit leiser, zärtlicher Hand äiber die rothe Nelke in dem Knopfloch des Herrn Lundqvist und flüsterte: .Du süßes, .kleines Symbol!" Entschuldigen Sie, aber .das .ist gar !kein Symbol;" meinte Anders Lutmü.thig belehrenden Tones, ,das .ist nur eine kleine, .rothe Nelke, welche ach für ffünf Pfennige dort unten am BahnHof erstanden habe, ich glaube, im .Dutzend sind Pe noch billiger." .Aber sagen Sie aufrichtig, 'Herr 'Lundqvist, .was halten Sie mur von diesem kühnen Schritt?" Entzückt bin ich, ganz unbändig entzückt, meine liebe Frau Karlsson. Noch ein Gläschen Portwein gefällig?" Nun, ich will auch garnicht leugnen, daß alles, was ich bis jetzt von Ihnen erfahren habe, einen sehr günstigen 'Eindruck aus mich gemacht hat. aber in einer so wichtigen Sache müssen wir -uns 'doch noch näher 'documentiren. Möchten Sie mich nach Hause begleiten?" Danke verbindlichst, aber ich habe schon im Hotel Rydberg Logis bePellt Aber dann ging er mit. Wahrend er an ihrer Seite die Tommandantenstraße entlang ging, der Wohnung der Frau Eugenie zu, da dachte unser Jreund Anders im Ernst darüber nach, wie wohl diese heitere Geschichte enden würde. Wohl hatte er sicb im Laufe 'der Zeit mit allerlei Damen befreun'der, aber von einem Documentiren" hatten sie nie gesprochen. Das Wort gab ihm 3u denken. Endlich ahnte er den Zusammenhang. Frau Karlsson würde ihm das Lager ihres seligen Mannes osferiren, aha, das also war's. Und als er deshalb in ihrem gescbmackvoll eingerichteten, mit lebenden .Pflanzen ausgeschmückten Speisezimmer stand, wollte er gerade die Bitte aussprechen, ihm doch die Erzeugnisse des Verblichenen zu zeigen, als Frau Eugenie dem dienstbaren Geist des Hauses die Weisung gab, die Kleinen hereinzuführen. Und kaum saß unser Freund Anders im Wiener Schaukelstuhl, als auch zwei allerliebste Knaben in blauen Matrosenkleidern auftauchten und daneben ein süßes kleines Lockenköpfchen im weißen Kleidchen sichtbar wurde. Die kleine Frau aber drückte das Händchen auf die schwellende Brust, sah mit feuchten Augen auf ihre Lieblinge herab, Anders bekam einen schüchternen Blick und dann sagte sie verwirrt: Sehen Sie, Herr Lundqvist, das sind meine größten Schätze: Oskar, Jan und Emilie." Ach, die süßen Wesen ... Ich mag nämlich Kinder furchtbar gern, Frau Karlsson, und damlt wirbelte er mit dem Kleinsten in der Stube herum. Dem Himmel sei Dank!" murmelte Frau Karlsson. Sie glauben gar nicht, wie mich das freut . . ." Dann brachte sie frischen Portwein und meinte, daß es wohl jetzt an der Zeit sei, von Geschäften" zu reden. Anders machte schweigend einen tie sen Bückling und begriff natürlich nicht das Geringste. Aber die resolute Wittwe eilte in ihr Scklafgemach und entnahm ihrem Secretär eine ganze Menge Papiere oder Documente, die sie vor ihrem erstaunten Gaste auibreitete. Anders spiegelte sich heimlich in den geschliffenen Gläsern des dunkel polirten Büffets und horchte. Sehen Sie. dies Haus gehört mir. Taxirter Werth ist 45.000 Kronen mit darauf lastenden Hypotheken im Betrage von 20.000 Kronen, und hier ist die Versicherungspolice. Meine kleine Wohnungseinrichtung ist mit 4000 Kronen versichert und hier ist die Depositionsurkunde im Werthe von 15.000 Kronen. Und hier sind die Erbschaftsurkunden, daran Sie ersehen, daß die Kinder ihr Theil herausbekommen haben und das Uebrige mir gehört." Aber ich bitte Sie, Frau Karlsson. Sie sind ja ordentlich vermögend." entfuhr es dem verblüfften jungen Mann. Bin ich auch und hatte es doch gleich angegeben," bestätigte lächelnd Frau Eugenie. Angegeben? Ein Mühlrad ging

kern nrmen Anderö im Kopfe h:rum, aber er beschloß kluger Weise, durch keine Unvorsichtigkeit den Lauf der Dinge zu stören. Doch der Mensch denkt und Gott lenkt; tUn streckte sich eine kleine Hand vor, um die Depositions- und anderen Urkunden in Veiahrung zu nehmen, eine Hand so weich und weiß und zart, daß sich niit einem Male eine rosige, lichte Wolke über die Augen unseres Freundes senkte und so zog er Hand, Arm und alles was noch dazu gehörte, auf sein Kuie meder und schloß die ganze kleineFrau an sein redliches Herz und zwar so heftig, daß sogar der selige Karlsson, der da von der Wand in trauerflorumhangenem Rahmen herabblickte, im aussteigenden Zorn die Stirn runzelte. Aber die kleine Frau machte sich rasch von ihrem kühnen Eroberer los, glättete ihre etwas derangirte Haarfrisur, setzte sich vernünftig auf einen Stuhl, strich -ihre Schürze glatt und , fragte allerdings noch mit zärtlichem Blick, aber in sehr ernstem Ton: Aber wie steht's mit Dir, Liebster?" 2ich-.. ja ... hm ... ich habe leider nur meinen Steuerzettel vom letzten Vierteljahr bei mir. Du kannst aber daraus ersehen, daß ich zu einer Iahreseinnahme von 6000 Kronen veraulagt bin, mein Engelchen." .Ach. Liebster, wer richtet sich heut zu Tage nach dem Steuersatz einer .Kleinstadt!? Das ist überall so: ein Mann, der heute für 10.000 Kronen ingeschätzt ist, macht schon morgen 'vielleicht Bankerott. Nein. Du mußt .schon gestatten, daß ich an den Syudicus von Brackebo telegraphire." AnderZ . gestattete nothgedrungen. 'Eugenie telegraphirte, die Antwort kam und als Anders die Geliebte noch einmal umarmen wollte, brachte das Mädchen gerade das Telegramm herein und Eugenie entzog sich sittsam seinem stürmischen. LiebesweibeA mit den Worten: Erst wollen wir lesen." Und sie las: JU goldsolide, Werth mindestens 40,000 Kronen." Und da öffnete sie ihre Arme weit, ihre Lippen lächelten und flüsterten so süß: Mein Anders, wie so heiß liebe ich Dich doch!" Anders aki ließ seine Reisceffekten aus dem Hotel in das kleine, gemüthliche Wittwenheim an der Conrmandantenstraße schaffen, und der selige Karlsson schien nicht übel Lust zu spüren, aus dem Rahmen zu springen und sein Bruder, der Gerbermeister, kam und tadelte eifrig die Partie und drohte von dem ganzen, glücklichen Herrn Lundqvist lauter Schuhsohlen zu gerben. Aber Freund Lundqvist lächelte in seiner Ueberlegenheit, gab dem feindlichen Schwager einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter und sagte: . Willkommen in der Familie, mein Lieber! Ein Glas Portwein gefällig?" Dann kam des seligen Karlssons Mutter, welche eine Trödelbude auf dem Markt besaß, und weinte und nahm die Kinder in die Arme und heulte, weil die Aermsten jetzt einen Stiefvater haben sollten und dann

würde sich die Mutter bald w eine Stiefmutter verwandeln, und fragte die pflichtvergessene Wittwe, ob es wohl christlich sei, in solcher Weise den seligen Karlsson schon nach achtzehn Monaten total zu vergessen. Aber Lundqvist beruhigte gar bald die Zürnende, indem er ihr sanft die runzeligen Wangen streichelte, und um die Vergünstigung bat, sie jetzt schon .Mama" nennen zu dürfen und sagte: Die Zeit heilt alle Wunden. Hoffen wir, daß Ihr lieber Sohn uns nicht im Himmel zürnt. Ein Glas Portwein gefällig." Das Einzige, was dem guten Anders noch Sorgen bereitete, war, daß er noch garnicht begriff, wie er zu seinem Glück gekommen war. Seine süße Braut fragen konnte er nicht, denn es war eine zarte Angelegenheit und wir Männer werden selten vor der Hochzeit unzart. Eines Tages nun, als die Verlobungsringe vom Goldschmied angekommen waren, erging man sich in der schönen Gottesnatur und lenkte zuletzt auch die Schritte nach dem ersten Ort der Bekanntschaft. Selig Karlsson ruhte auf dem neuen Kirchhof, konnte also in seinen heiligsten Gefühlen nicht verletzt werden. Da trat plötzlich hinter einem verwitterten Grabstein eine dürre Männergestalt hervor, das wehmuthsvolle Haupt gesenkt, im Antlitz das untrüg liche Zeichen ewigen Hungers, mit schlotternden Gliedern unter faden scheiniger Hülle und sagte: Mein Herr!" Mit einer Verzeihung heischenden Verbeugung ließ Anders den Arm sei ner Braut fahren, wandte sich an den unheimlichen Grabsteingesellen und fragte: Was steht zu Diensten?" Herr," donnerte nun der Fremde. Sie haben meine Zukunft vernichtet. als Sie sich zwischen Ihre jetzige Braut j und meine Wemgkeit drängten an tnem Tage, wo ich in Folge ihrer An nonce mit ihrem Erkennungszeichen ausgestattet, sie zu treffen gi ig!" Und dies Erkennungszeichen toax Eine rothe Nelke!" Donnerwetter noch einmal! Entschuldigen Sie gütigst! Ein GlaZ Portwein gefällig?" Vielversprechend. Fräu lein: Ich würde schon Ja" sagen, wenn ich nur wüßte, ob Sie auch eine Familie ernähren können." Bewerber: Gewiß, mein Fräulein! Und wenn jedes Jahr Drillinge einträfen!" Moderne Litteratur. Was steht eiaentlicb alles in diesem 500 Seiten starken Buche?- .Du j Pflege deö Schnurrbartt." - 1

?er Sogencoupon. ?on & du Plessac. 1. In den ehelichen Annalen von Herrn und Frau Denis sprangen zwei Thatsachen in die Augen: erstens waren Mann und grau noch niemals ein und derselben Ansicht über irgend etwas geWesen, und zweixns beugte sich Herr Denis stets der oft etwas diktatorisch ausgesprochenen Meinung seiner Gattin. Das geschah seit über fünfundzwanZig Jahren! Vor Kurzem hatte das Paar nach Frau Denis' Besinnmung die Silberhochzeit durch ein höchst opulentes Diner gefeiert, doch auch nach diesem denkwürdigen Abschnitt war von Frau Denis der Oberbefehl mit gleicherEnergie geführt worden und' der Gatte hatte sich mit gleicher Sanftmuth gefügt. Offen und gerade heraus gesagt: Frau Denis hat die . . .. doch genug: diese Andeutung genügt wohl schon! Die Meinungsverschiedenheit und die ausschlaggebende Stimme von Frau Denis traten ganz besonders zu Tage, als es sich darum handelte, Laurence, das einzige Töchterchen, zu verheirathen. Nach Herrn Denis' Wunsch sollte Christian Lobligo, ein Neffe, der Auserwählte seh), Dieser war PolizeiLieutenant, und seine Laufbahn versprach sich recht günstig zu gestalten. Daß Christian seine Cousine gern mochte, war leicht zu merken, und auch Lawrence schien dem Vetter nicht abgeneigt zu sein. Es war gerade nicht ewe von den -romantischen Leidenschaften, bei denen die Zungen Leute, wenn sich ihnen ein Hinderniß in den Weg stellt, gleich an Selbstmord denken; aber die gegenseitig: Zuneigung war doch groß genug, um eine Garantie für eine glücklicheEhe zu geben. Doch auf die Wünsche der beiden Interessirten kam wenig an, wenig kam auch auf die Ansicht des Herrn, Denis an. denn Frau Denis, als Gattin und Mutter, hatte andere Pläne. Sie hatte ihr Augenmerk auf Cassimir Leblanc gerichtet. 2. Casimir Leblanc hatte einen Beruf, um den ihn viele beneiden würden. Er war Rentier. Von seinen Eltern hatte er ein bedeutendes Vermögen geerbt, und in seinem ganzen Leben hatte er noch nichts anderes gethan, als sich seines Besitzes zu freuen mit der Neigung die für einen jungen Menschen selten genug ist . durch möglichste Sparsamkeit, die schon fast an Geiz streifte, eben dies sein Vermögen noch zu vermehren. Wohl um das Gleichgewicht einigermaßen wieder herzustellen, war er geistig und körperlich nicht gerade großartig ausgestattet. Die Höflichkeit verbietet es, seine intellektuellen Gaben anders als etwas zurückgeblieben" zu nennen, aber für seinen äußeren Menschen gab es beim besten Willen nur die Bezeichnung: häßlich". Diese Häßlichkeit war nicht abzuleugnen, sie sprang zu sehr in die Augen, und was seinen Geistesreicbthum betraf, so hatte es fast den Anschein, als wenn Casimir Leblanc mit Absicht keine Gelegenheit vorbeigeben ließ, um auch darüber den leifesten Zweifel zu verscheuchen. Er vollführte die unglaublichsten Thorheiten, und was das Schlimmste war, er war dabei der festen Ueberzeugung, äußerst geistreich zu sein, und bezeichnete seine spärlichen Gedanken als höchst geniale Ideen! Trotzdem fand Frau Denis an Casimir Leblanc Gefallen. Er schien ihr so recht ais dem H)lz geschaffen, aus dem sich gefügige Schwiegersöhne schnitzen lassen, dazu war er reich und besaß sogar ein Landgut, woselbst die künftige Schwiegermutter die Schloßherrin" spicl.n konnte. In Erwägung aller dieser Punkte entschied Frau Denis, daß Laurence besagten Casimir heirathen solle. Laurence weinte. Herr Denis schalt, aber wohlweislich nicht in Gegenwart seiner Frau. Christian schrieb drei Briefe, einen sogar auf einem officiellen Bogen, weil er hoffte, dem Schreiben dadurch mehr Bedeutung zu verleihen. Vergebliches Bemühen: Frau Denis wollte es so, und wenn Frau Denis wollte . . .! 3. Casimir war also in aller Form zum Verlobten avancirt. Täglich kam er mit einem Blumenstrauß. (Frau Denis hatte ihn darauf aufmerksam gemacht). Seine Unterhaltungsgabe war bei diesen Besuchen nicht gerade hm hervorragend. Aber das war auch kaum nöthig, denn Frau Denis führte die Unterhaltung und sorgte durch andauernde Zungengymnastik dafür, daß kein Moment des Schweigens entstehen konnte. Laurence ließ sich mit muthloser Gleichgültigkeit die Kur machen. Herr Denis murrte leise, sehr leise und die Sac-r: ging ihren steten Gang vorwärts, so daß der Tag der Hochzeit allniälig heranrückte, als plötzlich ein un erwartetes Ereianiß die ganze Lage der Dinge änderte. Casimir Leblanc zeigte sich einst besonders galant, denn er brachte außer dem traditionellen Bouquet noch einen Logencoupon für den näcbsten Abend. Die ganze Familie sollte sich Cvrano de ?erc:erac" ansehen, das mächtige

Sckaustuck, zu dem ganz Parrs sich drängte. Laurence, die die Musik liebte, verzog ihr niedliches Gesichtchen zu einem geringschätzigen Lächeln. Herr Denis sah, seinem Naturell entsprechend, am liebsten Vaudevilles und brummte leise. Nur Frau Denis war freudig berührt. Nein wirklich, Sie sind zu liebenZ würdig", sagte sie. Sie haben gerade meinen Geschmack getroffen." Es war für Casimir nicht seh?.schwer

gewesen, ihren Geschmack zu 'treffen, da sie ihn selbst gebeten hatte, eine Loge für den Cyrano d5 Bergerac" zu nehmen. Herr Denis dankte der Form wegen kühl höflich, nahm den Coupon und steckte ihn in seine Brieftasche. 4. Das sieht Dir ähnlich! . . . J-st so etwas möglich!" Aber Liebe, ich versichere Dich . . Was versicherst Du mich? . . . was denn! Daß es klug von Dir war. Deine Brieftasche stehlen zu lassen?" Stehlen! . . . stehlen! ... ich habe sie vielleicht verloren." Denke garnicht daran ... ich sage Dir. sie ist Dir gestohlen worden, hörst Du? Ich weiß doch wohl noch, was ich spreche . . . eine Brieftasche, die wird gestohlen, die verliert sich nicht so leicht." Nun ftl! es wird wohl so sein, sie ist mir gestohlen worden . . . ." Das sagst Du. als ob Du Dir darauf noch etwas einbilden könntest...!lerdings sehr viel Grund dazu vorhanden! . . . und wieviel war in der Brieftasche?" Fünf- oder sechshundert Francs." Fünf- sechshundert Francs! . . . wie kann man sich eine Brieftasche mit sechshundert Francs stehlen lassen, wenn man eine Tochter verheirathen muß!" Ich versichere Dich, ich habe es wirklich nicht mit Absicht gethan! . . ." Das fehlte auch noch! . . Vielleicht könnte man den Verlust auf dem Polizeibureau melden . . ." Natürlich! Du willst Deinen Neffen Christian dadurch hereinschmuggeln ... ich kenne Dich .... aber daraus wird nichts .... ich passe auf ... . Ah! Herr Casimir! Da sind Sie ja! . . kommen Sie schnell .... denken Sie nur . . . meinem Mann ist seine Brieftasche mit einer bedeutenden Summe gestohlen worden." Und der Logencoupon zu heute Abend war auch darin," fügte Herr Denis kleinlaut hinzu. Himmel, das auch noch!" ächzte Frau Denis, und ich hatte mich so darauf gefreut .... ein so prächtiges Schauspiel! .... Ach Laurence Deine arme Mutter ist wirklich eine beklagenswerthe Frau!" Casimir war über den Verlust des Theaterbillets ziemlich erregt, doch das verlorene Geld, was er gleichsam schon als sein Eigenthum betrachtete, ging ihm viel näher. Es kam ihm eine Idee, eine geniale Idee. Er blieb nur kurze Zeit, und ohne Jemand seinen Plan mitzutheilen, ging er fort. 5. Kaum fünf Minuten später, nachdem Herr Denis sich in sein Zimmer zurückgezogen hatte, um die hochgehenden Wogen sich erst etwas beruhigen zu lassen, hörten Frau und Tochter durch die Zimmerwand ein wahres Freudengeheul. Dein Vater ist wohl nicht recht bei Verstand?" sagte Frau Denis zu Laurence. Im selben Augenblick kam Herr Denis hereingetänzelt und schwang hoch über seinem Kopf die Brieftasche, die er hinter dem Sopha wiedergefunden hatte, und 'dazu sang er nach der Melodie eines Gassenhauers: Ich habe meine Brieftasche, ich habe meine Tasche .... ich habe meine Brieftasche!" Ich bitte Wch um alles in der Welt, sei doch ruhig.- sagte die liebenswürdige Gattin, eö ist doch wohrlich kein Grund, so zu schreien .... der beste Beweis für Deine Unordnung ... eine Brieftasche hinter dem Sopha! als wenn das der Platz dafür ist! Fehlt wenigstens nichts?" Garnichts! es sind sogar 200 Frcs. mehr als ich dachte .... und der Logencoupon! .... nun siehst Du doch Coquelin als Cyrano!" Bei dieser Aussicht beruhigte sich Frau Denis ein wenig. An Casimir wurde schnell ein Briefchen geschickt und ihm mitgetheilt, er solle in's Thea-

ter nachkommen, und dann machten sich ! Herr und Frau Denis nebst Tochter rasch auf den Weg. um auch nicht ein Wort zu versäumen. 6. Herr Denis reichte dem Logenschließer den Coupon für Loge No. 14 mit der Miene eines Mannes, der sich seines Eigenthums nach durchkosteter Angst voll und ganz erfreut. Der Beamte sah die Nummer mit merkwürdiger Gründlichkeit an. Darauf fixirte er ebenso gründlich und wenig höflich die Angekommenen, winkte zwei Männer von großer kräftiger Gestalt, die sich sofort hinter die Familie Denis stellten, zwei uniformirte Schutzleute gesellten sich den Männern zu,, und ehe das Trio noch wußte, wie ihm geschah, war es auch schon zernirt. So. mein Freundchen," sagte einer der Männer, da hätten wir Sie ja . . . ist nicht gerade sehr schlau, was Sie sich da ausgeheckt haben!" Was wollen Sie denn von mir?" fragte Herr Denis ganz verwirrt. Papa .... ich bitte Dich .... laß uns fort!" .... flüsterte Laurence ... ich habe Angst." was, kleines Fräulein, fort möchten Sie? Nun sieh man an!" antwortete einer . der Schutzleute und grinste . . . das trifft sich ja wunderschön, fortbringen wollen wir Sie ja gerade .... alle zusammen." Das anwesende Publikum war auf merkfam geworden .... Was ist passirt? .... was ist denn los?" fragte man sich. Eine Diebsbande hat man eben abgefaßt ...." Was? wirklich?" Wundert mich nicht .... sehen ganz danach aus besonders die Alte. . Frau Denis hätte den Sprechenden mit Blicken tödten mögen, es blieb ihr aber keine Zeit dazu. Nun also, vorwärts!" sagten die Beamten ungeduldig..

Die ganze Familie wurde in einen Wagen geschoben, zwei Beamte kletterten mit hinein und unter dem Gejohle der Menge rasselte das Fuhrwerk davon. ) Aber ich bitte Sie um alles in der Welt," stöhnte Herr Denis, wir sind ehrliche Leute .... Denis Rue St. Honore .... Gilbert Denis .... früher Tuchgeschäft engros ... ich habe meine Papiere .... hier .... hier .... meine Brieftasche." Na, das nenne ich doch eine Dreistigkeit!" rief der Beamte und griff nach der Brieftasche, nun legenSie sich auch noch den Namen Denis bei, nachdem Sie den Herrn erst ausgeplündert haben!? Na, wir werden ja gleich weiter sehen. Seien Sie jetzt mal ganz Me!" 7. Auf der Wache war es nichts wemger als schön, die Gesellschaft äußerst gemischt. Herr Denis, dem alles Reden nichts half, war endlich in dumpfes Hinbrüten versunken .... schlimmer konnte es ja kaum noch kommen .... Frau Denis und Laurence hatten sich in eine dunkle Ecke geflüchtet, letztere weinte leise vor sich hin, und Frau Denis war zum ersten Mal in Uebereinstimmung mit ihrem Gatten auch still. Gegen 10 Uhr wurde ein neuer Ankömmling gebracht: Casimir Leblanc, der im Theaier arretirt wurde, als er sich die Loge No. 14 hatte aufschließen lassen wollen. Sie auch!" rief Frau Denis aber mein Gott .... was ist denn eigentlich passirt!" Ich bin ganz rathlos," antwortete Casimir wie geistesabwesend .... im Laufe des Tages, als ich bei der Polizei Anzeige machte" .... Bei der Polizei Anzeige?" fiel Herr Denis ihm ins Wort .... und warum?" Wegen Ihrer gestohlenen Brieftasche .... da doch der Logencoupon drin war, dachte ich, der Dieb würde ihn am Abend im Theater vorzeigen und .... und . . . ." Oh jetzt wird mir alles klar," rief Frau Denis .... Wir haben den Coupon gezeigt und man hat uns für unsere eigenen Diebe gehalten! . . . Und das haben Sie fertig gebracht, Herr Leblanc?" Ja, gnädige Frau," antwortete Casimir stolz, ich habe ganz allein diese Idee gehabt!" Nun, darauf können Sie sich wirklich etwas einbilden! Ist denn fo etwas überhaupt denkbar! Ihnen danken wir diese schimpfliche Scene im Theater .... und unsere verzweifelte Lage hier .... Der einzige Dienst, den

Sie mir leisten können, Herr, ist der, mich so schnell wie möglich von Ihrem Anblick zu befreien!" Ja, aber meine Braut" stotterte Casimir bestürzt. Meine Tochter Ihre Braut? . . . Nein, das ist von heut an vorbei!" - 8. Bei diesen hervorgesprudelten Worten hatte Laurence plötzlich aufgehört zu weinen, die kleinen Ohren gespitzt und zur großen Ueberraschung der Eltern ging sie mit selbstbewußter Haltung auf den an der Wachtstube postirten Schutzmann zu. Kennen Sie den Polizeilieutenani Herrn Christian Lobligo?" fragte sie in sehr bestimmtem Tone. Der Mann nahm bei Nennung des Namens unwillkürlich die Hacken zusammen. Jawohl," kam die Antwort, ich habe lange in seinem Revier gestanden." Nun, dann bringen Sie ihm, bitte, einen Zettel, den ich Ihnen geben werde. Der Herr ist unser Verwandter, der Neffe meines Vaters .... ich will ihm mittheilen, durch welches Mißverständniß wir hier sind .... er wird uns helfen." Diese mit großer Sicherheit und Energie gesprochenen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Der Schutzmann ging mit seinem Auftrag ab. noch war keine Stunde vorüber, da erschien Christian Lobligo auf der Wache, und die Thüren öffneten sich, um Herrn und Frau Denis nebst Fräulein Tochter die Freiheit wieder zu geben. Casimir wollte sich ihnen beim Fortgehen anschließen.' .Bitte sehr, das geht nicht," sagte ver Wachtmeister und hielt Casimir am Aermel fest. Sind Sie vielleicht mit den Herrschaften verwandt?" Wachtmeister, lassen Sie den Herrn passiren," befahl Christian, er ist unschuldig und hat mir einen großen Dienst geleistet." Auf der Straße athmete Frau Denis auf, als wenn sie dem Ersticken nahe gewesen wäre, und dann winkte sie sofort Christian an ihre Seite oder vielmehr an die Seite von Laurence, die neben ihr stand. Diese nahm daZ wohl als einen Befehl der Mutter, sie schob rasch ihren Arm in den des dargereichten Christian's. Herr Denis ergriff den seiner treuen Gattin, und die beiden Paare gingen davn. Casimir stand da und sah ihnen mit einem nicht übermäßig geistreichen Gesicht nach. Es ist ihm nie recht klar geworden, warum eigentlich aus seiner Hochzeit nichts geworden ist. Verrathen. Fritzchen: Jette, mein Herzensengel, süßes Täubchen. bringe mir doch einmal meine Höschen herein!" Mama: Aber woher hast Du denn diese Schmeichelnamen?" Fritzchen: Papa sagt ja auch immer so zu ihr!" Stille Freude. Herr: Sie führen jetzt wohl ein höchst vergnügtes Leöen?" Geschiedener: Und I , , r, y ii . .1 Y . 00! .agiicy ntze icn ein siunoazen vor dem Bilde meiner geschiedenen Gattin und freue mich, daß sie nicht mehr meine Frau ist."

Herbsttrauer. Von Reinhold ffuchS. Ueber den herbstlichen Hügeln Geht müde die Sonne zur Ruh', . Rings rauscht es auf eiligen Flügeln i Dem Süden zu. , ! Welch' scheues, hastiges Wandem, Wohin du auch wendest den Schritt; Ein Vogel ruft es dem andern: Komm mit, komm mit!" O Sehnsucht, die tausendgestaltig Am Himmel gen Süden zieht, Wie braust mir so wehmuthgewaltig Durch's Herz dein Lied! Das mahnt mich an wärmere Sonnen, Die segnend mein Haupt einst umloht. An Freuden, die spurlos zerronnen, -An Freunde, die fern oder todt. Und breitet im Wanderdrange Die Seele die Schwingen im Wind, Dann fühlt sie, daß sie, ach lange! Gebrochen sind. Ohne Zoologie und Allegorie.

Die Bildhauerkunst soll von jetzt ab ohne Zoologie und Allegorie" arbeiten, so bestimmte der deutsche Kaiser kürzlich. Ein wunderschönes Beispiel dieser vom Kaiser getadelten zoologischen Kunst ist das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms L af der Schloßfreiheit in Berlin. Außer dem alten Kai ser und seinem Pferde, den einzigen Fi guren, die wirklich nöthig waren, befinden sich auf dem Denkmal zunächst, noch 19 halbnackte Weiber, 22 dito Männer und 12 dito Kinder. Die eigentliche Zoologie ist wie folgt vertre ten: 21 Pferde, 2 Ochsen, 8 Schafe. 4 Löwen, 16 Fledermäuse, 6 Mäuse, 1 Eichhorn, 10 Tauben, 2 Raben. 2 Adler. 16 Eulen, 1 Eisvogel. 32 Eidechsen, 18 Schlangen, 1 Karpfen, 1 Frosch. 16 Krebse, zusammen 157 Thiere. Dabei muß bemerkt werden, daß diese Zahlen nicht etwa willkürlich sind, son dein auf möglichst gewissenhafter Rech nung beruhen, daß ferner die Zählung. sich nicht auf die Mosaikbilde: deä Fußbodens erstreckt, in denen es auch von Adlern und Genien nur so wim melt. Dreiundfünfzig nackte Figuren und hundertsiebenundfünfzig Thiere daS ist ein bischen viel für ein einziges Kais ser Wilhelm-Denkmal. " Ter schlaue Hanö. Von C. Ewald. Dienstag früh bekam Carl Schar lachfieber, und Mittwoch kam die Reihe an Elfe. Sie lagen im Kinderzimmer, und niemand durfte zu ihnen hineinkommen am allerwenigsten Hans. Ter Doctor kam jeden Tag. die Fenster waren verhängt, das Ganze war furchtbar feierlich. Am Abend nahm die Mutter Hans zu sich und erklärte ihm das. Es würde viele Tage dauern, bis Carl und Elfe herauskämen, und man müßte sich sehr in Acht nehmen; denn. Scharlach wäre eine gräulich ansteckende Krankheit. So ansteckend wäre sie, daß niemand von ihren Tellern oder mit ihrem Löffel essen dürfe. Niemand sich mit ihrem Schwamm waschen oder an ihren Handtüchern abtrocknen dürfe. Hans war wie vor den Kopf geschlagen. Er starrte auf die geschlossene Thür und durfte ihr um nichts in der Welt zu nahe kommen. Er horchte, aber von drinnen kam kein Laut. Die Zeit verging, und sie begannen, sich zu erholen. Han-s konnte hören, wie sie drinnen lachten und Spektakel machten. Ein Tuschkasten wurde für sie gekauft und Bilder und Bleisoldaten. Sie kriegten Beefsteaks mit Spiegeleiern und Porter und Wein. Eines Tages guckte Hans durchs Schlüsselloch hinein und sah, wie sie bei Tisch saßen, und wie ausgezeichnet sie's hatten. Sind sie wieder gesund?" fragte er. Es geht ihnen besser," sagte Mutter. Aber sie kriegen neue Haut, und da ist's am ansteckendsten. Deswegen müssen wir mächtig auf Dich Acht geben." Hans lag in seinem Bett und dachte nach. Wenn er schlief, träumte er von Beefsteak mit Spiegeleiern und von Tuschkästen und Bleisoldaten. Aber schnell erwachte er wieder und sveculirte. Als es tiefe Nacht war und alles im Hause schlief, stand er auf und schlich sich barfuß hin zur Tbür. Er klinkte sie auf und guckte hinein. Da lagen Carl und Elfe und schliefen sanft. Auf dem Tisch standen der Tuschkasten und die Bleisoldaten. So ging er hin zum Waschtisch, nahm ihren Schwamm und wusch sich tüchtig, trocknete sich an ihrem Handtuch ab, schlich zurück in sein Bett und schlief ein, voll Hoffnung und mit lichten Träumen. Gemüthlich. Herr Bemmchen: Ei, mei' kutester Herr Taschendieb, ich bitte vielmals um Entschuld!gung, aber ich hab' Se mei' PorternoUM naie leider ich' bei mir."