Indiana Tribüne, Volume 23, Number 34, Indianapolis, Marion County, 22 October 1899 — Page 3

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Zer KLmiß.

Äoman von K. Qrth. (13. Fortsetzung.) Werner war aufmerksam geworden. Und der Name dieses Herrn?" fragte -er. Hieß er vielleicht Pedro Alvatcz?" Ja, bei Gott, so hieß er. Sie sen nen also den Fall?" Wenigstens zum Theil. Aber es interessirt mich, von Ihnen Näheres 'darüber zu erfahren. Wissen Sie auch, auf wessen Verwendung hin die Entlassung dieses Gefangenen erfogte?" Ich kann leider nicht viel darüber sagen, denn die Sache wurde mit großer Heimlichkeit betrieben. Es war ein sehr vornehmer Herr, der seine Hand dabei im Spiele hatte Senor Manue.l del Vasco, wenn Sie ihn vielleicht kennen sollten." Ein wenig. Woraus aber schließen Sie, daß gerade er an der Sache betheiligt war?" Nun, er war nicht weniger als dreimal hier bei dem Gefangenen. Es geschab, auf eine eigenhändige Verfügung des Justizministers, daß ich ihn einlassen und ihm gestatten mußte, unter vier Augen mit dem Verurtheilten zu reden. Draußen vor der Thür Wache zu halten, war mir natürlich nicht derboten, und Sie wissen wohl. Senor, uch die'eisenbeschlagene Thür einer Gefängnißzelle ist nicht so dick, daß nicht hie und da ein Laut hindurchdränge. Von dem, was der Senor lt Vasco sagte, konnte ich freilich nicht eine Silbe verstehen. Mein Gefangener aber schrie zuweilen so laut, daß man es durch eine dicke Mauer hätte hören können. Ich vermuthe, daß man etwas von ihm verlangte, wozu er sich anfänglich durchaus nicht verstehen wollit. Bei dem ersten Besuche dcs Senor 'del Vasco wenigstens rief er drei- oder viermal, er wolle eher sterben, als daß tx sich zu einem solchen Schurkenstreich hergäbe. Als der Herr dann aber nach einigen Stunden wiederkam und sich abermals für eine lange Zeit mit ihm einschließen ließ, war er schon öiel weuiger aufgeregt, und Senor del Vasco kam mit sehr vergnügtem Gesicht aus der Zelle heraus. Mein Gefangener dagegen saß ganz gebrochen auf seinem Stuhl und gab mir auf alle meine theilnehmenden Fragen überhaupt keine Antwort mehr. Ich seh deutlich, wie ihm die Thränen über die Wangen liefen, und ich glaubte natürlich, daß es die Todesangst fei, die ihn so arg mitnahm. Hatte er mir doch bald nach seiner Einlieferung in ganz herzbewegender Weise' erzählt, daß er daheim Weib und Kinder habe, die er nun wahrscheinlich nie mehr wiedersehen werde. Da er so gar nichts von meinem Zuspruch wissen wollte, überließ ich ihn schließlich sich selbst, und ich war nicht wenig verwundert, als nach einer Weile Senor VZanuel del Vasco zum drittenmal erschien, diesmal in der Begleitung eines Herrn, von dem er mir fügte, daß es ein Notar sei. und der ebenfalls einen Erlaubnißschein für den Besuch des Delinquenten vorweisen konnte. Die beiden Cabakros blieben über eine Stunde bei meinem Gefangenen. Ich war natürlich durch alle diese geheimnißvollen Dinge ein wenig neugierig geworden und mag mein Ohr wohl etwas näher an das Schlüsselloch gebracht haben, als ich es aus Gründen der Bequemlichkeit im allgemeinen zu thun pflege. Da hörte ich denn, daß der Senor del Vasco etwas zu diktieren schien. Was es aber war daraus konnte ich trotz allerMühe nicht recht klug werden. Wie ich dann aber die Thür aufschloß, nachdem die Herren durch Klopfen zu erkennen gegeben hatten, daß sie herausgelassen werden wollten, vernahm ich ganz deutlich, wie Pedro Alvarez sagte: Ja, Sie haben nur das Leben geschenkt, doch Sie haben mir meine Ehre und den Frieden meines Gewissens dasür genommen. Gott möge Ihnen verzeihen, was Sie gethan." Senor del Vasco und sein Begleiter hatten es dann sehr eilig, fortzukommen; mein Gefangener aber warf sich laut schluchzend auf sein Lager, und da blieb er liegen, bis ein höherer Beamter mit dem Befehl zu seiner Freilassung erschien. Er wurde von zwei Polizisten in Empfang genommen, und ich weiß nicht, was weiter mit ihm geschehen ist. Aufgehängt aber haben sie ihn jedenfalls nicht." Nun lag das ganze Gewebe des teuflischen Planes, den del Vasco ersonnen hatte, um den gefährlichen Zeugen unschädlich zu machen, offen vor Werners Augen da; und er hatte in diesem Moment keinen glühenderen Wunsch als den, daß es ihm noch vergönnt sein möge, das fein gesponnene Netz von Nichtswürdigkeit und Betrug zu zerreißen. Und der Fall des Senor Pedro Alvarez bildete die einzige Ausnahme von der Regel, daß jeder, der Ihnen einmal zur Obhut anvertraut worden ist. von hier aus auch unfehlbar seinen letzten Gang'anzutreten hat?" Senor Cabildo machte eine vielsagende Bewegung mit den Schultern. Vielleicht nicht qerade die einzige. Aber was Sie selbst betrifft. Senor. so möchte ich allerdings nicht viel für Ihr Lcöen geben. Ich sprach einen der Offiziere vom Kriegsgericht, und er sagte mir, das ganze Prozeßverfahren sei nur eine Förmlichkeit, di man Ihrem Gesandten zuliebe ins Werk setze." Die Antwort des Senor Cabildo war entmuthigend genug, um Werne. auf alle weiteren Fragen nach den Aussichten, die ihm noch blieben, 'derzichen zu lassen.. Und nun hörte er auch draußen auf dem Gange

den Schrttt einer anmarschirendenSol datenabtheilung und das Klirren von Waffen. Der Schließer öffnete die Thür, und der Gefangene sah, daß nickt weniaer als Zwölf Mann mit

schußfertigen Gewähren bereit standen, ihn für seinen Gang vor das Kriegsgericht in Empfang zu nehmen. In ihrer Mitte schritt er durch den langen hallenden Corridor und über die Schwelle eines großen Gemaches, rn dem hinter einem langen, mit grünem Tuch verhängten Tische sieben Offiziere in prächtigen, goldstrotzenden Uniformen saßen. Sechs von ihnen bekleideten den Rang von Obersten und Majo ren, der siebente aber, der den Vorsitz führte, war siner von den Generalen, an denen die argentinische Armee so großen Ueberfluß besitzt. Höflich erwiderten die Herren Werners Verbeugung, ohne daß indessen einer das Wort an ihn gerichtet hätte. Sie hatten sich's alle auf ihren Sesseln bequem gemacht, und eine dichte Wolke von Cigarcttendampf erfüllte das Gemach. Die lebhafte Unterbaltuna. in der sie begriffen gewesen waren, erfuhr durch das Erscheinen des Angeklaaten keine Unterbreckuna. Natürlich waren es die jüngsten Ereignisse, die das Gesprächsthema bttvelen, uno aus einigen Aeußerungen, die bis zu ihm dranaen. konnte Werner entnehmen. daß die Stimmung, in der man sich befand, nicht eben die rosigste war. Die Vartei der Aufständischen war offenbar der Regierungsgewalt gegenüber einstweilen noch im Vortheil, und der iunae Deutsche durfte sich nicht verhehlen, daß dieser Umstand seine eigene Lage nicht hoffnungsvoller machte. Ein burserllcher Herr m tadetto em Frack stellte sich ihm jetzt unter Berufung auf Doktor Jose Vidal, von dem er, um die Uebernahme des Mandats ersucht worden sei, als sein Vertheidiaer vor und bat ibn umMittheiluna al les dessen, was er zu seiner Entlastung vorzubringen habe. Der junge Deutsche schilderte ihm der Wahrheit gemäß me abenteuerlichen Erlebnisse dieser ages. und der Advokat hörte ihn sehr aufmerksam an. ohne daß indessen seine Miene eine besondere Hofsnungsfreudigkeit ausgedrückt hätte. Wohl eine halbe Stunde lang ließ mcm den Angeschuldigten ungestört mit seinem Vertheidiger confenren. und als sich dann endlich der präsidirende General nach einem Blick aus seine Taschenuhr zu ihnen wandte, geschah es in dem höflichsten und verbindlichsten Tone von der Welt. Würden Sie damit einverstanden sein, Herr Doktor, wenn wir jetzt beginnen? Oder haben Sie Grund zu wünschen, daß wir noch ein wenig warten?" Der Rechtsanwalt verbeugte sich artig. Ich bin ganz zur Verfügung Eurer Excellenz." Nun gut. fangen wir also an." Die uniformirten Richter versahen sich mit frischen Cigaretten und nahmen eine aufmerksame Haltung an. Ein etwas abseits vor einem kleineren Tische sitzender Offizier, der die Anklage vertretende Auditeur, erhob sich, um in wenigen Worten seinen Antrag auf Verurtheilung des Angeschuldigten wegen Hochverraths vorzubringen. Erst nachdem er sich wieder gesetzt hatte, richtete der General an Rodewaldt die üblichen Fragen nach seinen Personalien. Als der junge Deutsche dann aber etwas zu seiner Vertheidigung vorbringen wollte, schnitt er ihm mit höflicher Bestimmtheit die Weiterrede ab und erklärte, dies sei lediglich Sache seines Anwalts. Der Herr im Frack nahm denn auch sogleich das Wort, und Werner war erstaunt über die Lebendigkeit und Wärme der Schilderung. die er von den Erlebnissen seines Klienten entwarf. Man hatte ihm ja schon öfter von der Redegewandheit und den theatralischen Gepflogenheiten der Vertheidiger vor den argentinischen Gerichtshöfen erzählt; jetzt aber konnte er sich aus eigener Wahrnehmung überzeugen, bis zu welcher Meisterschaft in der Kunst des Schönredens, der klingenden Phrase und der wirkungsvollen Geste es ein geschickter Anwalt in dieser Schule zu bringen vermöge. Das Plaidoyer währte fast eine Stunde, und es war reich an Abschweifungen, die an und für sich mit der im Grunde so einfachen Sache nicht das geringsten zu thun hatten. Die Herren des Kriegsgerichts aber hörten nichtsdestoweniger geduldig zu, und der Präsident machte nicht ein einzigesmal den Versuch, den Redner zu größerer Kürze und Sachlichkeit anzuhalten. Als er endlich mit einem langathmigen Hinweis auf die vortrefflichen Eigenschasten der glorreichen deutschen Nation geschlossen hatte, wandte sich der Vorsitzende an Werner mit der Frage, ob er Zeugen dafür v namhaft machen könne, daß man ihn gewaltsam zur Vertheidigung der Barrikade gezwungen habe. Solche Zeugen aber besaß der Angeklagte natürlich nicht, denn die einzigen. die es ihm vielleicht hätten bestätigen können, lagen ja erschossen unten im Hofe des Gefängnisses. Als er darauf hinwies, machte der General ein höchst bedenkliches Gesicht und sagte, nachdem er ein paar dicke Rauchwolken von sich geblasen, im Tone freundlichen Bedauerns: Es thut mir leid, Senor, Ihnen erklären zu müssen, daß bei dem gänzlichen Mangel an Zeugen sür die Wahrheit Ihrer Darstellung die Sache nicht eben günstig für Sie steht. Sie wurden ergriffen, als Sie mit bewaffneter Hand gegen die Regierungstruppen kämpften, und ich denke, es ist nicht Ihre Absicht, diese Thatsache zu leugnen." Doch. Man hat mich inmitten der Empörer ergriffen, aber ich habe nicht gegen die Regierungstrupven gekämpft." Haben Sie sonst noch etwas zu Ihrer Entlastung vorzubringen?"

NichiZ, das mein Herr Vertheidiger nicht bereits geltend gemacht hätte." So wären wir also in der Hauptfache fertig. Sie werden die Güte haben, Senor, einstweiten in das Nebenzimmer einzutreten. Bei der Klarheit des Falles hoffe ich, daß wir Sie nicht allzu lange warten lassen müssen. Seien Sie versichert, daß wir Ihre Sache gerecht und unbefangen prüfen werden. Weder Sie selbst noch Seine Excellenz, Ihr Herr Gesandter, sollen Ursache haben, sich über einen Mangel an Sorgfalt bei der Erledigung Ihres Falles zu beklagen." Er machte Werner eine artige Verbeugung und winkte dem hinter ihm stehenden Offizier zu, den Angeklagten abzuführen. Werner trat mit seiner militärischen Bedeckung in das Nebengemach ein. Von den Berathungen im Sitzungszimmer, deren Ausfall für ihn Leben und Tod bedeuten sollte, drang nichts weiter zu ihm als ein zeitweilig sehr lautes und lärmendes

Durcheinander von Stimmen. Er konnte von den einzelnen Reden nichts verstehen und er gab sich auch nicht einmal besondere Mühe, ihren Sinn zu erfassen. Die offenherzige Mittheilung des freundlichen Schließers, daß dieses ganze Kriegsgericht nichts als eine Formalität sei, dünkte ihn nach dem, was er eben erlebt hatte, noch glaubwürdiger als zuvor. Und daß die Herren da drinnen ihre Aufgabe nicht eben von der ernsthaftesten Seite nahmen, bewies ihm das laute Gelächter. das mehr als einmal an sein Ohr schlug. Was konnte er von Leuten zu erwarten haben, die sich sorgloser Fröhlichkeit hingaben, während sie über Sein oder Nichtsein eines Mitmenschen aburtheilten, und während draußen in den Straßen, wo der Bürgerkrieg tobte, vielleicht in dem nämlichen Augenblick die Würfel um ihre eigene Existenz geworfen wurden! Das Versprechen aber, daß man ihn nicht allzu lange warten lassen würde, löste der liebenswürdigeGeneral wenigstens ein. Es war wohl wenig mehr als eine Viertelstunde gewesen, deren der militärische Gerichtshof für seine Berathung bedurft hatte. Das Anschlagen einer Glocke im Sitzungszimmer gab das Zeichen zur Wiedereinführung des Angeklagten, und in fester Haltung, entschlossen, sich nicht eine Sekunde lang schwach zu zeigen, trat Werner vor seine Richter hin. Der Präsident bedeckte sein Haupt mit dem federgeschmückten Generalshute und erhob sich von seinem Sessel. Senor Rodewaldt, ich habe Ihnen den Spruch des Kriegsgerichts zu verkünden. Es würde mir für meine Person eine außerordentliche Freude bereitet haben, wenn derselbe zu Ihren Gunsten ausgefallen wäre. Denn auch wir schätzen, gleich Ihrem Herrn Vertheidiger, die deutsche Nation sehr hoch, und wir haben keinen lebhafteren Wunsch als den, im besten Einvernehmen mit Ihrer ebenso mächtigen wie verehrungswürdigen Regierung zu leben. Aber die Interessen unseres eigenen Landes dürfen natürlich nicht darunter leiden. Sie werden das einsehen, Senor, und Sie werden der Gerechtigkeit unserer Entscheidung, wie ich hoffe, Ihre Anerkennung nicht versagen. Da es außer allem Zweifel ist, daß Sie in den Reihen der Empörer mit den Massen in der Hand gefangen genommen wurden; da ferner die von Ihnen vorgebrachte Erzählung bei dem Mangel an Zeugen, die ihre Richtigkeit zu erweisen vermöchten, dem GerichtsHofe nicht geeignet erschien, Sie zu entlasten; und da wir endlich durch die allgemeine Lage im Interesse einer baldigen Wiederherstellung geordneter Zustände zu unserem Leidwesen genöthigt sind, äußerste Strenge walten zu lassen mußte das auf besonderen Befehl Seiner Excellenz, des Herrn Höchstkommandirenden eingesetzte Kriegsgericht die durch das Gesetz vorgeschriebene höchste Strafe über Sie verhängen. Das Urtheil lautet auf den Tod durch Erschießen. Von Rechts wegen." Werner hatte kaum etwas anderes erwartet, und doch legte sich die verhängnißvolle Gewißheit jetzt so schwer auf ihn, daß für die Dauer einer Sekünde der Schlag seines Herzens stockte. Als nun aber der Präsident, der sich wieder gesetzt und seinen prachtvollen, goldgestickten Hut behujsam vor sich auf den Tifch gelegt hatte, in seinem liebenswürdig zuvorkommenden Tone die Frage an ihn richtete, ob er noch irgend etwas vorzubringen habe, hatte er die lähmende Empfindung bereits überwunden und seine stolze, mannhafte Haltung vollständig zurückgewonnen. Ja, Herr General, ich habe vörzubringen, daß dies Urtheil eine Handlung unerhörter Ungerechtigkeit und Willkür ist; daß seine Vollstreckung nichts anderes sein würde als ein Meuchelmord. Ich befinde mich in Ihren Händen und muß mein Schicksal über mich ergehen lassen; aber ich werde wenigstens mit der tröstlichen Gewißheit sterben, daß mein Tod nicht ungerächt bleiben kann. Mein Vaterland wird von Ihrer Regierung Rechenschaft fordern für das an mir verübte Verbrechen, wo Sie Ihre heutige Entscheidung bitter bereuen." In den Mienen der Richter verrieth sich nicht, ob seine Erklärung irgend welchen Eindruck auf sie hervorgebracht. Zumal der Herr Präsident bewahrte durchaus seine artige und verKindliche Haltung, als er erwiderte: Da wir nur nach Ehre und Pflicht geurtheilt haben, Senor. vermag uns keine Drohung zu erschrecken. Wir sind freie, unabhängige Männer, die Niemand Rechenschaft schuldig sind als ihrem eigenen Gewissen. Und damit, denke ich, könnten wir diese Unterhaltung beenden. Das Urtheil wird erst morgen früh vollstreckt werden, damit Ihnen die erforderliche Zeit zum Ort nen Ihrer Angelegenheiten bleibt.

Ich erkläre die Verhandlung sür geschlössen." Wieder eine höfliche Verbeugung und ein Wink gegen den Offizier. Dann schaarten sich die Soldaten mit ihren geladenen Gewehren auf's Neue um Werner, und nach einem letzten verachtungsvollenVlick avdas Kriegsgericht wandte er sich, um straff und aufrecht in seine Zelle, die Zelle der zum Tode Verurtyeilten. zurückzukeh-ren.

18. K a p i t e l. Von dem Wunsche erfüllt, die kurze Frist, die man ihm zum Ordnen seiner Angelegenheiten bewilligt, nach Möglichkeit zu nützen, hatte Werner den gefälligen Schließer, der ihn mit einer Miene freundlichen Bedauerns empfing. um die rasche Besorgung von einigem Schreibgeräth gebeten, und wenige Minuten später schon hatte der Senor Cabildo ihm das Verlangte gebracht. Das Papier war freilich von der denkbar schlechtesten Beschaffenheit, die Tinte fast eingetrocknet und die offenbar seit Menschengedenken nicht mehr benutzte Feder so verrostet, daß sie ihren Beruf kaum noch zu erfüllen vermochte. Aber der gute Mann hatt: auf Werners Beschwerde mit Zweifelloser Aufrichtigkeit versichert, besseres Material sei nicht zu beschaffen. Langsam und mühselig genug kamen unter solchen Umständen die beiden Briefe zu Stande, mit deren Abfassung er seine irdischen Angelegenheiten so geordnet zu haben glaubte, wie sein Gewissen es ihm gebot. Der eine von ihnen war an feine Eltern gerichtet und enthielt nichts als einige liebevolle und herzliche Abschiedsworte, denen er einen gewissen tröstlichen Charakter durch die Versicherung zu geben versucht hatte, daß er ohne Todesangst und bittere Seelenqual seinem letzten Stündlein entgegensehe. Das zweite, ungleich längere Schreiben war für Doktor Jos6 Vidal bestimmt. Er glaubte Conchitas Angelegenheiten jetzt, da er selbst sich aller menschlichen Voraussicht nach ihrer nicht mehr annehmen konnte, in keine besseren Hände legen zu können, als in die des edlen und menschenfreundlichen Arztes. Er theilte ihm alles mit, was er von ihr selbst und vorhin von dem Gefängnißwärter über den gegen sie begangenen Schurkenstreich erfahren, und er beschwor den Arzt mit den eindringlichsten Worten, die er in dieser feierlichen Stunde fand, das schutzlose junge Mädchen nicht zu verlassen. Noch war er mit dem Briefe nicht ganz zu Ende gekommen, als wieder der Schlüssel knirschte. Er faltete das eng beschriebene Blatt hastig zusammen und schob es in die Brusttasche. Die nächste Sekunde schon belehrte ihn, wie wenig überflüssig diese Vorsicht gewesen war. Denn zu seiner gewaltigen Ueberraschung mußte er erkennen, daß die vornehm gekleidete, hochgewachsene Dame, der Senor Cabildo mit tiefer Verbeugung höflich den Vortritt ließ, und die jetzt mit rascher Handbewegung den ihr Antlitz verhüllenden dichten Schleier lüftete, keine andere als Dona Maria del Vasco war. Die Thür fiel hinter ihr zu und kreischend schob sich der Riegel vor. Sie hatte sich mit ihm einschließen lassen, wie es nach der Erzählung des Gefäng nißwärters vor einigen Tagen ihr Gatte mit dem bedauernswerthen Pedro Alvarez gethan, und blitzschnell, noch ehe auch nur ein einziges Wort zwischen ihnen gewechselt worden war, fühlte sich Werner von der Gewißheit durchzuckt, daß es nur in einer ganz ähnlichen Absicht geschehen sein könne. Aber er hatte keinen Grund, der stolzen Senora ihr Vorhaben zu erleichtern, und ohne ihr etwas von den Empfindungen zu verrathen, die ihr Anblick hervorgerufen, überließ er ihr es. die Unterhaltung zu eröffnen. Dona Maria war scharfblickend genug, in diesem unter solchen Umständen allerdings befremdlichen Schweigen einen Ausdruck feindseliger Gesinnung zu erkennen, und sie mochte es darum für das beste halten, ohne viele diplomatische Umwege auf ihr Ziel loszugehen. Es muß Sie in Verwunderung setzen. Senor, mich hier zu sehen." sagte sie. ohne den Stuhl, von dem er sich erhoben und den er ihr mit stummer Einladung dargeboten hatte, anzunehmen. Auch ich hätte nimmermehr erwartet, daß wir einander an solchem Orte gegenüberstehen könnten. Aber ich hoffe, mein Erscheinen ist Ihnen nicht unwill kommen." Sie müssen verzeihen, Senora, wenn ich darauf erst antworte, nachdem ich seine Veranlassung erfahren habe," erwiderte er kühl. Nach dem, was zwischen Ihrem Herrn Gemahl und mir gestern vorgefallen, kann ich ja unmöglich annehmen, daß es lediglich freundschaftliche Theilnahme an meinem Schicksal gewesen ist, die Sie hierherführt." Ich könnte Ihnen darauf antworten. daß Sie unsere Großmuth unterschätzen, und daß die Kunde von dem, was Ihnen widerfahren, uns die erlittene Beleidigung habe vergessen lassen. Aber ich will hier keine theatralische Scene mit Ihnen ausführen. Nein, wir haben diese Beleidigung noch nicht vergessen, und wenn Sie den Wunsch hegen, daß es geschieht, so wird es an Ihnen sein, sie auszulöschen, ehe wir Ihnen die Hand zur Versöhnung bieten." Und auf welche Weise, Senora. könnte das Ihrer Meinung nach geschehen? Muß ich Ihnen das wirklich erst sagen? Sie haben unser Haus beschimpft, indem Sie sich unter nichtigem Vorwande weigerten, eine EhrenPflicht zu erfüllen, die Sie gegen meine Tochter eingegangen waren.' Nur indem Sie die unbegreifliche Weigerung zurücknehmen, vermögen Sie die Schmach zu tilgen, die Sie meinem Kinde angethan." .

Ist Senorlta Jsabella mit dem vorschlage einverstanden, den Sie mir da zu machen belieben?" Das arme bethörte Wesen weiß bi) zu diesem Augenblick noch nichts von Ihrem unwürdigen Verhalten. Mein Gatte und ich hatten bisher nicht den Muth, die Illusionen zu zerstören, in denen sie so glücklich ist. Wenn Sie sich jetzt auf die Gebote der Ehre besinnen, wird sie niemals erfahren, eine wie grausame Enttäuschung Sie ihr zugedacht hatten." Aber glauben Sie nicht. Senora. daß eine Erklärung, wie Sie sie da von mir zu erwarten scheinen, unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein sehr zweifelhaftes Geschenk für Ihre Tochter bedeuten würde? Vielleicht wird die Nachricht von meinem Tode sie weniger betrüben, und sie wird den Verlust leichter verschmerzen, wenn sie zugleich erfährt, daß mein Verschwinden aus der Reihe der Lebenden für sie überhaupt keinen Verlust mehr bedeutete. Oder sollten Sie" und er konnte nicht verhindern, daß seine Stimme dabei eine etwas ironische Färbung annahm sollten Sie vielleicht noch nicht wissen, daß ich vor einer Stunde durch ein Kriegsgericht zum Tode verurtheilt worden bin?" Ich hätte mich wohl kaum entschlossen, Sie an diesem Orte aufzusuchen, wenn ich es nicht wüßte. Und Sie sind klug genug, sich zu sagen, daß ich diesen ungewöhnlichen Schritt gewiß nicht gethan haben würde, wenn ich nicht zugleich über die Möglichkeit verfügte, Sie zu retten." Werni ich Sie recht verstehe, Senora, werden Sie indessen von dieser Möglichkeit nur unter gewissen Voraussetzungen Gebrauch machen. Es ist eine Art von Tauschhandel, den Sie mit mir abzuschließen wünschen mein Leben auf der einen und ein Heirathsversprecheu auf der anderen Seite nicht wahr?" Wenn es Ihnen gefällt, die Sachläge so anzusehen, meinetwegen! Sie müssen begreisen, daß für mich und meinen Gatten keine Veranlassung vorHanden wäre, uns für Jemand zu verwenden, der die genossene Gastfreundschaft und das ihm geschenkte Vertrauen nicht besser zu erwidern wußte als damit, daß er das Glück unseres Kindes zerstörte." Nach allem, was ich in der letzten

Zeit erfahren, würde ich das in der That ganz begreiflich finden. Ich bin heute nicht mehr naiv genug, zu erwarten, daß ein Porteno Geschenke ohne entsprechende Gegenleistung machen könnte. Aber sind Sie Ihrer Sache auch ganz gewiß, Senora? Ich glaube zu wissen, daß hochstehende und einflußreiche Personen sich ohne jeden Erfolg um meine Freilassung bemüht haben. Sollte die Verwendung Ihres Gatten da in der That ein besseres Ergebniß haben zumal letzt, nachdem ich in aller Form verurtheilt worden bin?" Dona Maria fand diesen Zweifel offenbar ganz natürlich und nahm ihn auch wohl für einen Beweis seiner. Geneigtheit, auf ihren Vorschlag emzugehen. Um ihre Stimme bis zu leisestem Flüstern dampfen zu können, trat sie einen Schritt näher auf ihn zu und erwiderte rasch: Es handelt sich gar nicht um meinen Gatten und um das. war er vermag. Der Umstand, daß ich statt semer hierhergekommen bin, muß Ihnen ja schon zeigen, daß ich diese Angelegenheit selbst in die Hand genommen habe. Und eine Frau vermag vieles, was auch die Höchstgestellten und einflußreichsten Männer nicht mehr zu Stande bringen würden. Es giebt für Sie nur noch eine einzige Möglichkeit der Rettung. Der kommandirende General, auf den während der Dauer des Belagerungszustandes alle Machtbefugnisse des Präsidenten übergegangen sind, kann das Urtheil des Kriegsgerichtes bestätigen oder er kann Ihnen die Freiheit wiedergeben, indem er es einfach aufhebt. Und ich habe bereits mit ihm gesprochen. Allein von dem Verlauf unserer Unterhalt tung wird es abhängen, ob er von seirv t - w TA r nem egnaoigungsrecyt eoraucy macht oder nicht." Mit anderen Worten: Der Herr General hat dieses Recht auf Sie übertragen?" Nennen Sie es immerhin so! Es kommt jetzt wahrlich nicht darauf an, der Situation einen Namen zu geben. sondern einzig darauf, sie zu nutzen. Und die Zeit ist kostbar. So lange der Präsident mit den erwarteten Truppen noch nicht da ist, um die von den Insurgenten eingeschlossenen Stadttheile zu entsetzen, kann uns hier lebe Viertelstunde die unangenehmsten Ueberraschungen bringen. Lasten Sie uns zu einem Ergebniß kommen, damit nicht alle meine Bemühungen am Ende doch vergeblich gewesen seien." Ich bin erstaunt, Senora, zu sehen, welchen Unbequemlichkeiten und vielleicht sogarGefahren Sie sich aussetzen, um mich für Ihre Tochter zu retten. Und ich kann die Vermuthung nicht unterdrücken, daß Sie sich da Hinsichtlich der Vortheile, die Ihnen aus solcher Verbindung erwachsen könnten, irgendwie im Irrthum befinden mllssen. Ich besitze weder ein großes Vermögen . noch eine außergewöhnliche glänzende gesellschaftliche Stellung. So viel ich gesehen, bewerben sich ungleich bedeutendere und begehrenswerthere Kavaliere um Senorita Jsabellas Gunst." Vielleicht halten wir es in der That für eine bedauerliche Verirrung. daß Jsabella ihr Herz gerade an Sie verlieren mußte, und fügen uns in das Unabänderliche nur um des Seelenfriedens unseres bethörten Kindes willen. Ihre Aufgabe wird es sein, sich das Vermögen und die gesellschaftliche Stellung zu erringen, die Sie Ihrer Gattin schuldig sind. Und Sie werden mir Ihr Ehrenwort verpfänden, daß Sie sich dabei in allen Stücken

nach meinen und meinrZ Gatten Rath schlagen richten werden."

Ah, der Vertrag, den Senora mit mir abzuschließen wünschen, enthält also mehr als einen Artikel?" Nur diese beiden. Und es ist lacherlich genu.;, daß man genöthigt ist. Ihnen den Weg zu Ihrem Glücke erst zu zeigen. Jeder andere an Ihrer Stelle würde ihn auch ohne solchen Hinweis gefunden haben. Man hat Sie auf einenPosten gestellt, wo Ihnen täglich und stündlich Gelegenheit gcgeben ist. große Summen zu verdienen. Nur ein Dummkopf und ein ausgemachter Narr läßt solche Gelegenheit ungenützt. Das Leben ist ein Kampf, und jeder hat das gute Recht, sich in diesem Kampfe der Waffen zu bedienen, die ihm die Verhältnisse darbieten. Für die dumme Ehrlichkeit, die Sie zeitlebens einen armen Teufel bleiben läßt, würde Ihnen dereinst Niemand Dank wissen. Haben Sie es aber einmal zu Reichthum gebracht, so wird alle Welt demüthig vor Ihnen auf den Knieen liegen, und keinem wird es in den Sinn kommen, Sie zu fragen, auf welche Weise Sie ihn erworben." Eine vortreffliche Moral, Senora, schade nur, daß sie für mich ein wenig zu spät kommt. Denn da ich nicht gesonnen bin, auf die erste Bedingung Ihres Tauschvertrages einzugehen, dürfte es mir ja leider an Gelegenheit fehlen, jene ausgezeichneten Lehren zu denützen." Sie sah ihn mit ihren großen dunklen Augen durchdringend an, als wolle sie in seinen Gesichtszügen lesen, ob es ihm wirklich ernst sei mit seinen Worten. Sie glauben also nicht an die Wahrheit dessen, was ich Ihnen sagte? Sie hoffen, sich ohne meinen Beistand zu retten?" Nein, Senora, ich hege in dieser Hinsicht kaum noch irgend eine Hoffnung. Aber Sie waren im Irrthum, als Sie annahmen, mir meine Ehre um den Preis meines Lebens abkaufen zu können." Dona Maria warf mit einer ungeduldigen Bewegung den K?pf zurück. Ah, das sind leere Phrasen, mit denen Sie mich verschonen sollten. Sie halten es eben für unmöglich, daß man das Urtheil wirklich an Ihnen vollstcken könnte, und Sie wähnen deshalb, meine Hilfe zurückweisen zu dürfen. Aber ich schwöre Ihnen, daß Sie sich täuschen. Es giebt für Sie keine Rettung außer der, die ich Ihnen gezeigt habe keine! Wenn Sie mich jetzt als Ihre Feindin von hier gehen lassen, so haben Sie damit Ihr Schicksal selbst besiegelt. Darum überlegen Sie wohl, was Sie thun." Es bedarf keiner Ueberlegung, Senora! Ueber die Antwort, die ich Ihnen auf Ihr schmachvolles Anerbieten zu- geben hätte, bin ich in Wahrheit nicht eine Sekunde lang im Ungewissen gewesen. Ja, ich würde eine Vegnadigung, die ich durch Ihre Vermittelung und ausJhrer Hand empfangen müßte, mit Verachtung zurückweisen, selbst wenn sie an keine Bedingung geknüpft wäre. Sie hätten sich alle die Mühe ersparen können, die Sie sich meinetwegen gegeben." Flammen des Zornes und des wildesten Hasses sprühten aus ihren schwarzen Augen. Und wenn ich Ihnen sage, daß ich die Bestätigung des Todesurtheiles hier bei mir habe daß ich ebenso ermächtigt bin, sie zu zerreißen, als sie dem zuständigen Offizier zum Zwecke der Vollstreckung zu übergeben! Werden Sie auch dann noch bei Ihrem trotzigen Hochmuth verharren?" Fürwahr, es müssen ausgezeichnete Zustände herrschen in einem Lande, wo man emem ränkesüchtigen Weibe derartige Vollmachten 'giebt! Thun Sie, was Ihnen beliebt und was Sie verantworten können, Senora! Ich erwarte von Ihnen keinen anderen Freundschaftsdienst mehr als den, daß Sie mich von Ihrer Gegenwart oefreien." Sie fuhr auf wie eine getretene Schlange. Das sollen Sie mir bezahlen! Denken Sie an Maria del Vasco, wenn Sie morgen vor den GeWehrläufen Ihrer Henker stehen! Welche Narrheit war es auch von mir, Sie für einen Caballero und für emen vernünftigen Menschen zu halten!" Sie klopfte ungestüm an die Thur der Zelle, und unmittelbar darauf rasselte Senor Cabildos Schlüsselbund. Er öffnete mit unterthäniger Verbeugung. Sie aber würdigte ihn keines Blickes, sondern rauschte in stürmischer Hast an ihm vorbei. Kopfschüttelnd blickte ihr der Schließer nach. Mag der Teufel aus den Weibern kluq werden! Ich sage ja, es taugt nicht, sie zu einem Verurtheilten zu

lassen. Und dabei ist unten schon wieder eine, die zu Ihnen möchte. Senor! Eine sehr niedliche kleine Chola. Es scheint ja, daß Sie Ihre Verbindungen in den verschiedensten Kreisen hatten, was mich übrigens bei einem so stattlichen Caballero keineswegs wunder nimmt. Die Kleine sieht zwar nicht aus, als ob Sie Ihnen mit vielem Ge jammer dasHerz schwer machen würde, aber wenn Sie fürchten, daß sie Ihnen lästig werden könnte, schicke ich sie trofc ihrer hübschen Augen und ihrer beweglichen Bitten gleich wieder fort." Eine freudige Ahnung hatte sich in Werner's Herzen geregt. Die Chola, von der Senor Cabildo sprach, konnte nur Conchitas Kammerjungfer sein. Und obwohl er noch vor kurzem fest entschlossen gewesen war, ängstlich alles zu vermeiden, wäs das geliebte Mäd chen in irgend eine Beziehung bringen konnte ZU seinem eingenen Geschick, gewann er es doch nicht über sich, die Botin abweisen zu lassen, die sie ihm vielleicht mit einem letzten Gruße gesandt. (Fortsetzung folgt.) EinJammer! E Korb hat se mer gegeben, de Sara! Wieder a mal umsonst gewaschen!" .

Zur die Küche.

Kräuter suvpe. Feingeschnitten nes Suppengrün, Zwiebeln, Sellerie Würfel, zwei in Würfel geschnittene Möhren kocht man inSalzwasser weich. Nun macht man eine kleineMehlschwitzs sämig und giebt ein:n Theelöffel Li:bigs Fleischextrakt dazu. Zuetzt iat man feingehackte Petersilie, Kerbel, Sauerampfer, Spinatblätter mit au?wellen und rührt die Kräutersuppe mit einem Eigelb an. Kohlpudding. Wirsing- oder Weißkohlblätter werden von den Rippen befreit und darauf in Salzwasser kurze Zeit gekocht. Währenddem macht man einen Teig wie zu Fleischbrötchen aus gehacktem Schweinefleisch, in Milch erweichter Semmel, einem Ei, Pfeffer, Salz und ein wenig gehackter Zwiebel. Eine gut mit Butter ausgestrichene Puddingform belegt man nun mit einigen der sorgfältig vom Wasser befreiten Kohlblätter, giebt eine Lage deö farcirten Fleisches, einige Körnchen Kümmel und dann wieder Kohlblätter darauf, bis die Form gefüllt ist. Einige oben aufgelegte Butterstückchen heben den Wohlgeschmack noch mehr. Fest verschlossen, kocht man die Form zwei Stiden lang im Wasserbade, richtet dann eine Einbrenne her und vergießt dieselbe mit der kräftigen Kohlbrühe, welche sich in der Form gebildet hat. Gestürzt, wird der Pudding mit etwas Sauce übergössen, die übrige reicht man zu Salzkartoffeln in einer Schale herum. Das Ganze ist ein sehr empfehlenswerthes Essen. Irisli stew. Man benothlgt ein Hammelblatt, roh in ansehnliche Stückch zerhackt; zwei Köpfe Weißkohl in großen Stücken, blanchirt und von den Rippen befreit; einen Suppenteller voll roher Kartoffeln, in dicke Scheiben geschnitten; vier Zwiebeln, in Scheiben geschnitten oder gehackt; Salz, Pfeffer und Kümmel. Die Zuthaten werden schichtweise in eine Casserolle gepackt und gewürzt. Obenauf legt man große Kohlblätter, gießt so viel dünne Bouillon oder auch Wasser an, daß alles knapp bedeckt ist, und verschließt die Casserolle mit gut passendem Deckel, um das Ganze 2 3 Stunden langsam zu kochen. Schinkenspeise. Eine vorzüglicheSpeise von Schinken und Eiern bereitet man, wenn man vier Eidotter mit etwas Salz und ungefähr einem Theelöffel vollMehl fein abrührt, dann den Schnee der vier Eier dazu thut, diesen Teig in eine Pfanne mit heißer Butter gießt und ihn bei offenem Feuer backen läßt. Gewendet darf die Speise nicht werden. Wenn sie auf der unteren Seite eine goldgelbe Farbe hat und oben leicht überlaufen ist, giebt man feingewiegten Schinken nebst einigen Kapern darauf, schlägt die Speise, über dem Schinken zusammen, und läßt sie noch einige Augenblicke in der Pfanne und giebt sie dann rasch zu Tisch. Gebratene Wildente. Im Gegensatz zu anderem Wildgeflügel dürfen Wildenten nicht hängen, sondern müssen sogleich nach dem Schießen verwendet werden! Jede Berzögerung, die anderem Wildgeflügel erst den ihm eigenthümlichenWohlgeschmack verleiht, macht die Wildente, wie alle Arten Wasservögel, ungenießbar. Man erkennt die Frische des Thieres am Aussehen des Unterleibes, dessen Haut weiß und fest sein muß? bei grünlichem Aussehen und weicher Haut ist bereits Fäulniß eingetreten und vor Ankauf zu warnen! Die Enten werden ebenso zugerichtet wie das andere Geflügel, in einer Kasserolle mit Butter, Salz, in Scheiben geschnittenen Zwiebeln etwa dreiviertel Stunden im Ofen gebraten, worauf man die Ente schneidet und anrichtet, den Fond mit einigen Löffeln Bratenjuice und Fleischextrakt aufkocht, etwas Citronensaft dazu gibt und über den Bra ten gießt. Schusterpastere. Ein beliebtes ostpreußisches Nationalgericht ist die Schusterpastete, welche man aus allen Fleisch- und Bratenresten, sogar aus Schinken- und Fischresten herstellen kann. Nachdem das gare Fleisch, bezw. der Schinken, der vorher gekocht wurde, gehackt oder gemahlen ist, vermischt man es mir dem Fleische von ein bis zwei, vorher gut gewässerten, abgezogenen und ebenfalls gehackten oder gemahlenen Häringen. In eine gut mit Butter undReibbrot ausgestrichene Blech- oder Porzellanform, (in welcher die Pastete auch servirt wird,) thut man eine Schicht gekochter, zerschnittener Kartoffeln, dann eine Schicht Fleisch., wieder eine Schicht Kartoffeln, eine Schicht Fleisch und als oberste Schicht wieder Kartoffeln. Man legt etwa, ein Viertel Pfund Butter in tleimn Stückchen darauf und läßt die Schusterpastere eine Stunde bei maßlgcr Hitze backen. Fangen die Kartoffeln an braun zu werden, so thut man etwa ein Pint gute, saure oder auch süße Sahne hinzu und schlägt kurz vor dem Anrichten, je nach der Größe der Pastete, 510 geklopfte Eier darüber. Leberrouladen. Nachdem die Leber vorbereitet ist, schneidet man sie in Streifen. Diese reibt man mit Salz und seinem Pfeffer ein und füllt sie mit etwas feingehackten Zwiebeln und etwas Lorbeerblatt. Sie werden aufgerollt, mit Faden umwickelt, in geschlagenem Ei und feinem Brösel gewendet und in gutem Fett schön braun gebacken. Mit kurzer Sauce aufgetragen, passen die Rouladen vortrefflich zu allen Sorten von Gemüsen. Eier MltSens undSar del len. Man kocht Eier hart, schneidet sie mit der Schale in Hälften, holt mit einem Löffel die Eihälften aus der harten Schale und bestreicht eine jede mit einer Messerspitze Senf, legt Sardellen (kreuzweise oder gitterartig), gießt auf die in einer Schüssel geordneten Eihälften braune Butten

und servttrt das Gericht.