Indiana Tribüne, Volume 23, Number 27, Indianapolis, Marion County, 15 October 1899 — Page 2

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T5 Seiße Zosen. C 2Zon Leo Berthold. Im kleinen Vorgarten des FischerHäuschens blühten sie zu Hunderten an den dunkelgrünen Büschen: stachelig, ungefüllt, fast duftlos. Schneeweiß waren sie, beinahe wie große Baumblüthen, aber nicht, wie diese, Früchte bringend, nein, ganz uncultivirt und doch so seltsam anziehend, so Poetisch, ähnlich jener ersten flatterigen weißen Nose, von der Anakreon uns erzählt, daß sie aus dem Wellenschaum des Meeres entstanden, gerade an jener Stelle, wo Venus den Wogen entstiegen. Die schöne, verwöhnte Großstädterin Constanze Terry hatte die sogenannte Sommerwohnung bei Mutter Bast gemiethet, zur Erholung sollte es sein, zur Kräftigung! Das ist's, was ich will!" rief sie, als sie sich im Stübchen, im Vorgarten umgesehen. Endlich einmal ländlich, einfach, primitiv, ohne Seidenvorhänge. ohne Teppiche, keine Magnolien, keine seltsamen Zierblumen, nein, Rittersporn, bunte Wicke und diese eigenthümlichen weißen ja, sind denn das wirklich Rosen?"So hatte sie gefragt und den schör.en, dunklen Kopf geschüttelt Seltsam, dergleichen sah ich Noch nie!" Der einzige Sohn der Fischerwittwe schnitt mit dem großen Taschenmesser einen Strauß ab. Vorsichtig entfernte er die spitzen Dorneir. Danke schön!" lachte die blasse Constanze. O, hier bei Euch soll's mir gefallen, und wissen Sie was. Herr " Er heißt Johannes." sagte dieMutttx und sah stolz auf den gebräunten stattlichen Sohn. Und wissen Sie was, Herr Johannes? Alle Moigen möchte ich von diesen Nosen haben, bis sie nicht mehr blühen." Die blühen den Sommer durch bis zum Herbst," sagte Johannes. In der Frühe, wenn Constanze mit ihrer Dienerin zum Bade schritt, um durch die Erquickung neues Roth auf die weißen Wangen zu zaubern, trug sie den Rosenstrauß in der Hand. Johannes war dann schon längst seinem Berufe nachgegangen. Er fuhr auf's Meer hinaus zum Fischen; mit schwer gefüllten Netzen kam er heim. Alles beobachtete sie entzückt. Ein neuer Sport war es für sie. Die Natur in ihrer Ursprünglichkeit zu genießen, sich ihrer einfachsten Gaden zu erfreuen. Wiesen- und Feldblumen statt Orchideen, frische Butter, Brot und Milch statt Hummern und Champagner. Regelmäßig wartete ihr junger Wirth an der Stelle, wo die Boote lagen. Seine hellblauen, guten Augen leuchteten auf, wenn die graziöse junge Gestalt sich näherte. Dann half er ihr geschickt in das kleine Fahrzeug, in dem sie wieder unzählige weiße Rosen fand, dornenlos, zart, leise duftend. Und auf der wonnigen Fahrt zerpflückte sie die Blumenblätter und ließ sie in's Meer fallen und dabei plauderte sie mit dem jungen Schiffer und lachte, daß die Zähne wie Perlen glänzten, und blickte ihn an aus den Märchenäugen, daß ihm das Herz schlug in seltsamem Weh. Der Sommer verging. Constanze war rosiger denn je zurückgekehrt in ihr prächtiges Heim. Aber alle Fröhlichkeit des kleinen Fischerhauses hatte sie mit sich genommen. Mutter Bast seufzte, wenn sie dem so veränderten Treiben undWesen ihres Johannes zusah, und diesem selbst schien es nur wohl zu sein, wenn er sich auf der wogenden See befand beim Fischfang. Er war eines Tages mit Anderen hinausgefahren auf die See. Ein furchtbares Gewitter hatte sie überrascht. Das entfesselte Element trieb haushohe Wellen, der Sturm peitschte die Wogen.. Alle Gefährte trieben dem Lande zu, und alle wurden gerettet. Nur Hansens Boot war nicht heimgekehrt nach Tagen erst spülte die See den Aermsten an's Land. Stumm und starr stand die arme Mutier dann an dem Grabe da oben auf dem kleinen Kirchhofe in den Du nen. Berge von Blumen deckten den Hügel des armen Johannes. Auch aus der Stadt war ein Kranz gekommen. Constanze Terry in tiefer Theilnähme" stand auf der Karte, die dabei lag. Der Kranz war just von den weißen, flatterigen, duftlosen Rosen geflochten, wie sie so herrlich das kleine Gärtchen geschmückt hatten. De arme Mutter nickte traurig mit dem Kopfe. In tiefer Theilnahme!" murmelte sie. Armer, armer Johannes!" Tröstlich. In der Umversitatsstadt R . . . führt der Director des pathologischen Instituts, in welchem die Leichen der im Krankenhaus verstorhenen Patienten secirt werden, denselben Namen wie der Leiter der medizinischen Klinik. Eines Tages komm! in den Hörsaal des ersteren ein biederes Bäuerlein und fragt, ob er hier recht" sei; der Doktor zu Hause habe ihn hergeschickt. Noch nicht!" antwortete der Gelehrte. Unter Eheleuien. Sie: Um mich haben sich seiner Zeit sehr viel Männer beworben." Er: Und ich hatte das Unglück, der Glückliche zu sein." EinGlückspilz. A.: Haben Sie Glück m der Liebe?" B.: Rresig! Jedes Mädchen, dem ich einen Antrag mache, giebt mir 'nen Jtab!" . . .

Der Hugendspkegek.

I Humoreske von M. Crinius. Zwischen den nur halb zusammengezogenen Gardinen blinzelte die Sonne in ein zwei Treppen am Markte vom Lerchenthal belegenes Zimmer. Sie glitt mit neugierig ausblickenden Schrägstreifen goldzitternden Glanzes über die wüst überall hingeworfenen Kleidungsstücke eines Mannes, der schwer schnarchend sich unruhig in dem Bette in einer Zimmerecke herumwälzte. Draußen lag still und sonnig der breite Marktplatz. Ab und zu huschte der Schatten eines Menschen, den Fensterspiegeln möglichst zu entfliehen, längs der Häuser hin. Irgendwo schlug ein Fink in einem Bauer. Sonst traumhaftes Schweigen, lastende Schwüle! Aber jetzt heben die Glocken oben an, die Kirchthüren öffnen sich knarrend und heraus strömt die Cchaar der Besucher, sich langsam nach llen 'Seiten wieder in dem Gewirr der Gassen verlierend. Die plötzlich einsetzenden, nahen Glockentöne und ein Sonnenstrahl, der bei: Weg über das Gesicht des Schläfers gefunden hatte, mochten wohl den tiefen Schlaf verscheucht haben Er fuhr unwirsch I)alb in die Höhe, stieß ein paar grunzende, unverständliche Worte aus und ließ dann die Augen wie suchend und halb wirr im Zimmer herumspazieren. Und "dann schien eine Erkenntniß der Sachlage in ihm aufzudämmern. Ein Fluch drang über die Lippen. Dann saß der junge Mann mit einem Rucke auf der Bettkante. Er fuhr sich durch das wirre blonde Haar, das zu beiden Seiten der Stirn bereits tief hineingeschoben die lichten Geheimrathsecken" zeigte, ergriff vom Nachttisch den Zwicker und klemmte ihn über die Nasenwurzel. Wieder lauschte er auf. Unglaublich! Bimbam! Bimbam! klang es vom Thurme herunter. Gott's Dunner! Ich glaube gar , . ." Er schwankte zum Fenster und lugte zur Garne hinaus. Kein Zweifel ... die Kikche war bereits aus . . . das bedeutete ungefähr halb zwölf Uhr! Und um acht hatte er seiner heimlichen Braut zugesagt, an einem Waldausfluge, den mehrere befreundete Familien in's Gebirge unternehmen wollten, sich anzuschließen. Verpaßt, verschlafen, und dies Alles um dieser verd . . . Kneiperei willen ! Stöhnend sank er wieder auf den Bettrand nieder. Wenn's nur der Verlust dieses Ausfluges allein wäre. Aber die Beschämung vor der Familie, vor dem lieben Mädchen... vor sich selbst! Wie oft hatte er sich vorgenommen, diesem Kneiplcben Valet zu sagen. Wenn er nur den alten Corpsstudenten in sich todtschlagen könnte! Der war's! Alle guten Vorsätze sanken in Nichts zusammen, wenn der auftrotzte! Da aatYs kein Halten, kein Maß dann mehr! Dann kam's über ihn mit einer so wilden Poesie, daß er schließlich Alles vergaß: seine neugebackene Assessorwürde, die Vorwürfe des Mädchens, die Stichelreden der ehrbaren Lerchenthaler. Nur einen Nachttrunk hatte er noch rasch genehmigen" wollen und dann ... Als er heimschwankte, mußte er wohl den Bäckerjungen umgerannt haben. Ein verworrenes Bild sich auf dem Pflaster kullernder Weißbrote tauchte jetzt plötzlich vor ihm auf. Er faßte sich auf die Schädeldecke. Uijeh! Wie es da drunter hämmerte, zerrte und brannte! Ein höllisches Feuer! Eine andere Erinnerung dämrnerte auf. Richtig, aus dem Hirschen" war er hinausgetaumelt und hatte gemeint, er wanke durch Heidelberg's Gassen . . . drunten rauschte der Neckar. Da hatte er mit brüllender Stimme angehoben: Und als die Glocke Ein Uhr schlug. Das Heer sang dumpf und hohl: Herr Pfarr, Herr Pfarr, jetzt han'n wir g'nug Da hatte es an sein Ohr geklungen: I muß Sie wärklich sceindlichst bitten, hübsche stille zu sei! Nehmen's nicht ibel. Herr Assessor aber 's is meine Schuldigkeit!" Und dann hatte ihn der Nachtwächter, hilfreich und gut, angepackt und bis an's Haus geleitet, auch noch die Thür ihm aufgeschlössen. Dieser Basilisk! Assessor Wendehals begann sich langsam anzuziehen, indem er mühsam aus allen Ecken die Kleidungsstücke zusammensuchte. Wenn nur das Bücken beim Waschen nicht wäre! Als wenn ein Bleiklumpen drinnen im Hirn sich löste und nach vorn kollerte! Während des Aotrocknens seufzte er manchmal auf. Dann kam es leise von seinen Lippen: Ma thilde!" Und jetzt fiel seinBlick in den Wand spiegel über der Commode. Da sah er seine gerötheten Augen, das graufahle Gesicht, all' die anklagenden Spuren dieser letzten wilden Nacht. Erschrocken hielt er inne in seiner Beschäftigung. Erst lief ein Zug von Zerknirschung über seine Züge, dann aber kam es wie Wuth über diese. Er faßte sein Ebenbild in der blitzenden Scheibe scharf in's Auge und schrie ihm endlich zu: - Und Du willst der Assessor Wende bals sein? Schämst Du Dich nicht? Roth solltest Du werden, wenn's Dir überhaupt noch möglich! Nee. mein Junge! Hier hast Dir ausgespielt, das merk' Dir nur! Kein anständige? Mensch wird mehr mit Dir Umgang haben wollen. Pfui! Altes SumpfHuhn! Ein anständiges Mädchen hält zu Dir . . . wartet auf Dich heimlich ' mit ihrerZukunft ... Du aber . . . Und noch 'dieses wüthende Gesicht dazu? & m rfw tffea m I as jetzt auer Frecyyert nocy xk: Krone auf. Du verdientest wahrhaft tig ..." Er holte mit der Rechten aus zum Schlage, doch als er sah, daß auch

sein Gegenüber Miene zum Angrifs machte, da prallte er plötzlich zurück, faßte sich an die Stirn und murmelte zerknirscht: Wahrhaftig, ich bin noch halb im Schumm!" Wieder blickte er auf. Dann nickte er sich zu und fuhr fort, indem er sein Gesicht fast dicht an den Spiegel brachte: Theobald, alter Junge! So geht's nicht weiter, nein, nein! Siehst Du, Du schüttelst auch den Kopf. Das muß anders werden

oder Alles ist aus! Sag's Theobald, sag's, daß Du ein guter Mensch wer den willst. Dich bessern . . . aber bald . . heute noch. Versprichst Du's mir? Siehst Du, das ist brav, mein Junge ! Na, denn also fest, ganz fest! Hörst Du, Theobald?" Er sah das Auge seines Ebenbildes hosfnungsfroh aufblitzen. Da schoß es warm über seine Seele. Er fuhr sich streichelnd über die Backen und lächelte. Mehst Du, Theobald, Du bist doch u ' ' ein ganzer jim: In diesem Augenblick klopste es. Herein!Die rundliche Gestalt der Wirthin schob sich vorsichtig durch die Thür. Das Kaffeebrett vor sich her balancirend. rollte sie zum Sophatische hin. während die Aeuglein suchend in alle Winkel und Ecken glitten. Jemersch, Herr Assessor, ich hätt' doch schwören mögen, daß Sie Besuch hatten. Ganz deltuch . . . Ich? Ach nee! Uebe mich nur 'm Bauchreden! Weiter Nichts! Im Uebrigen, liebste, bste Frau Sauerdrei, jetzt fängt ein'neues Leben an. Hören Sie? Ein vollständig neues! Was gucken Sie denn nur? Hier, sehen Sie 'mal diesen Spiegel! Das ist ein Tugendspiegel! Der zelgt uns Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Reißen Sie nur die Augen auf! Den Spiegel kauf' ich Ihnen ab . . . den setzen Sie mir nur auf die Monatsrechnung. Wunder auf Wandet hat der an mir gethan! Das xl ein Spiegel! Der kann schimpfen und lachen, predigen, zürnen, weinen. Einem zu Her zen reden, daß man roth und blaß abwechselnd wird. Frau Sauerbrei ! Der gehört von heute ab mir allein. Keine Widerrede! Den kriegen Sie nicht wieder und wenn Sie die ganze Polizei Lerchenthals mir auf den Pelz jagen! So, und nun habe ich die Ehre, Frau Sauerbrei!" Unn 'S war wärUich kei Mensch hinne?" Kein Mensch! Nur der Assessor Wendehals, Ihr ergebener Diener!" Kopfschüttelnd verließ die Frau das Zimmer ihres Miethers. Länger denn sonst dauerte heute die Toilette des Assessors. Nichts klappte und paßte recht. Und dazu dieses Bumbum- im Kopfe! Nur mit Mühe zwang er sich eine Tasse schwarzen Kaffee hinein. Aber so oft seine Augen den Spiegel streiften, da nickte er hinein und betheuerte übereifrig: Wird gemacht! Verlaß Dich d'rauf! Der alte Adam ist für immer ausgezogen!" Und nun stand er auf dem Marktplatze. Die siedende Mittagsgluth behagte ihm durchaus nicht. Dazu suhlte er ganz deutlich, daß noch immer eine lichte Wolke über seinem Gemüthe lag, daß er noch Etwas gut zu machen, abzubitten habe. Er blickte unschlüssig auf und sah zugleich einige neugierige Gesichter hinter den Gardinen spukhaft verschwinden. Verdammte Fensterspiegel!" murmelte er. Elende Kleinstädterei! Spießruthen muß man hier geradezu laufen!" Dann schwenkte er in eine Seitengasse, bis er vor dem Hause hielt, in dem man ihn heute Morgen bestimmt erwartet hatte. So recht bürgerlich solide blickte das schmuck angestrichene Haus über die Straße hin. Er gab sich erst einen Ruck. Dann zog er die Glocke, neben der auf einem messingeingefaßten Porzellanschilde der Name Töppermann, Fabrikant" leuchtete. Jetzt sprang die Thür auf. und er trat hinein. Auf dem ersten Treppenabsatze kam ihm bereits die Hausderwalterin, eineWittwe, mit ihrem Kinde entgegen. Ei, Du mei Guckeda! Der Herr Assessor! Mach' hin, Mariechen! Gieb dem Herrn Assessor a schönes Händchen ... so, nun au ä Dienerchen! Ach Gott, ach Gott! Sie wollen gewiß zu Töppermann's? Ja! Die sinn ausgeflogen, ganz frieh heite! 's war Sie auch zu scheene haußen! Freilein Mathilde..." hier blinzelte sie vertrauensinnig und senkte dieStimme ein wenig, nu, die läßt Sie scheene grießen! Ach Gott, ach Gott! Unn se sah dabei so traurig aus. Die Herrschaften müssen Se wohl auf Jemand gewartet haben. 's hat Sie ä Mordschcandal gegäben. Ach, der Herr Töppermann war Se ganz aus 'm Heischen. Jh denk', mei Läbenslicht soll ausgeh', als ich's gehört. Unn das arme Freileln hat immer dazwischen geweint. Ich hab' nischt gesagt. Herr Assessor! Stumm wie das Grab! Hören Se? Aber's Herz hat's mer abgedrückt." Herr Assessor Wendehals hatte das Haupt gesenkt und hielt sich am Trcppengeländer fest. Tausend tolle, traurige Gedanken durchflutheten sein zermartertes Hirn. Der Neckar rauschte und es läuteten die Glocken. Und auf einmal sah er sein Bildniß im Spiegel! Da riß er sich los! Schön Dank! Frau Haberkorn ! Das . . . das ist ja ganz . . . aber ich versichere Sie, Alles wird anders, Alles! Von heute ab..." Schwubb, war er die Treppe hinab und zur Hausthür hinaus. Verdutzt blickte ihm die Zurückbleibende nach. Alle Tage was Neies!" flüsterte sie. Hm, hm! Wenn der Alte ihn gepiani hat dann sieht's windig aus.

Armeö Freilem Mathilde!' Und seufzend schritt sie wieder zu ihrer DachWohnung empor. Dem Herrn Assessor wollte heute das Mittagbrot gar nicht munden. Zu all' den Nachwehen der toll verjubelten Nacht gesellte sich nun auch der nagende Vorwurf, dem lieben Mädchen einen schlimmen Morgen und einen traurigen Tag bereitet zu haben. Als- ihm der Piccolo das Stammglas mit Koburger Vier hinsetzte, schob es der Assessor betrübt zurück. Trinken Sie's, Fritz, auf meine Gesundheit! Der Arzt hat mir jeglichen Alcohol streng verboten. Ich bin schwer leidend. Bringen Sie mir ein Selters! Ueberhaupt jetzt immer!" Der Piccolo schlich davon und zog ein merkwürdig verdutztes Gesicht. Mein Tugendspiegel ist mein Arzt!" murmelte der Assessor, 's wird mir höllisch schwer werden, mich an das Schan'ozeug von Wasser zu gewöhnen. Aber: Di: Sache will's!" sagt Othello." Er seufzte wieder und begann die Blumen amTapetenmuster abzuzählen.

Bald daraus saß er daheim am Schreibtisch und setzte folgende Zeilen aus: Hochgeehrter Herr Töppermann! Nicht ohne ein peinliches Empfinden richte ich diese Zeilen an Sie. Diese sollen keine Entschuldigung dafür enthalten, daß ich nicht Wort heute Morgen hielt und Sie wie den so schön geplanten Waldausflug im Stiche ließ. In Ihren Augen wird es keine Entschuldigung geben. Haben Sie denn aber schon einmal die Lieder vom Rodcnsteiner gesungen? Oder bei schäumendem Methkruge das Lied vom Enderle von Ketsch" gebrüllt? Sehen Sie, daran liegt's! Wenn einem im Geiste der Neckar seine Grüße..." Der Assessor stutzte und hielt im Schreiben inne. Dann murmelte er: Herrgott! So geht's ja gar nicht! Das hieße ja, sich mit gebundenen Händen dem Feinde überliefern . . . noch mehr Oel in's Feuer gießen! Wendehals. Wendehals! Kehre um' eh's zu spät wird sein!" Er seufzte tief auf. zerriß den Briefbogen in kleine Stücke und ließ sie in den Papierkorb langsam flattern. Dann setzte er ein neues Schreiben an Herrn Töppermann auf. schloß es und trug es höchsteigenhändig zum nächsten Briefkasten. So! Nun fängt aber ein neues Leben an! Oder besser: es hat bereits angefangen. Mit Selterswasser ! Schlimm wird's mir, denke ich daran." Melancholisch fügte er hinzu: Ich werde des öfteren mit Sauerbrunnen wechseln. Vielleicht schaff ich's dann!" Der Assessor Wendehals mußte wirklich ein schweres inneres Leiden zu bekämpfen haben. Darüber waren sich alle Stammgäste des ..Hirschen" einig. Es war ja kaum noch mit anzusehen, wie er sich dieses prickelnde Sauerwasser hineinquälte. Der Wirth schüttelte das Haupt; Freund Piccolo schlich scheu im Bogen um den Leidenden, und die Theilnahme der Gäste nahm jeden Tag energischere Formen an. Wenn dann der sich selbst Kasteiende pünktlich zehn Uhr Abends in sein Zimmer trat, da war sein erster Gang zum Tugendspiegel. Da grüßte er sich selbst mit einer Miene, in der Stolz und Wehleid kämpften. Siehst Du, Theobald? Jetzt bist Du aus dem geraden Wege, ein ordentlicher Kerl zu werden! Und alle Tugend belohnt sich! Auch Deine!" Mit diesem Troste kroch er in's Bett und schlief bald ein. Bei Töppermann's aber war er noch nicht wieder gewesen, zumal er gehört hatte, daß der Herr des Hauses aus einige Tage zur Leipziger Messe gereist sei. Erst muß er mir kommen, philosophirte er. den so Reuigen in sein Haus zurückrufen. So ging die erste Woche zu Ende. Da, am Sonnabend Nachmittag war's, da stieß er mitten auf dem Markte unweit der großen Laterne mit Mathilde zusammen. Die gute Sitte in Lerchenthal erlaubte es nicht, daß Beide stehen bleiben und ein Gespräch anknüpfen konnten. Aber ein inniger Blick suchte ihn doch auf und ein liebes Stimmchen flüsterte ihm im Vorüberstreifen zu: Papa kommt morgen wieder!" Noch ein Blick, der ihm dasBlut schneller zu Herzen trieb, dann trippelte sie von dannen. Tugendspiegel, das dank' ich Dir!" flüsterte er, und ein Siegesfeuer malte sich auf seinen Zügen. Mit diesem Siegesfeuer trat er Abends in das Gasthaus. Herrgott! Welche Ueberraschung! Da saß sein alter Freund und Studiengenosse und hielt ihm schon von Weitem das Bierglas hin. Bruderherz! Ich komme Dir nen Halben!" Da hals Nichts. Der Plccolo mußte ihm ausnahmsweise 'mal wieder das Stammglas füllen. Er hätte sich ja sonst vor der ganzen Verbindung blamirt. Bruderherz! Ich komme nach!" Auf Alles, was wir lieben!" Ja, lieben! Du hast Recht!" Und Theobald reichte dem pfiffig lächelnden Piccolo das leere Glas zum Füllen hin. Das war eine prächtige Nacht! Wie der rauschte der Neckar; über der Schlokruine von Heidelberg stand der Mond und nickte und lächelte und com mandirte immer wieder n Ganzes" zum Leeren. Und wie ganz herrlich klang das Lied vom Enderle von Ketsch" durch die Morgenfrühe draußen! Was hatte denn auch der alte tapprige Herr da zu schaffen? Ganz recht, wenn er strauchelte und hinfiel! Vielleicht hatte ihn auch elne Mauer umgerannt, denn die Hauser . . . nein, wie die 'mal wieder wankten! .

Wieder kündete Glockenllang, daß der Gottesdienst zu Ende sei. Eine Stunde später wachte Assessor Wendehals durch einen Ruf aus tiefem Schlaf auf. Die Wirthin war's, die ihm einen Brief überreichte. Aeben abgegeben! Ich dacht', 's wär vielleicht 'ne Einladung zum Mitta!" Noch halb wirr öffnete der Assessor den Umschlag. Dann las er: Geehrter Herr! Das Lied vom Enderle von Ketsch" kannte ich allerdings bis heute Morgen nicht. Auf meiner Rückkehr vom BahnHofe aber hörte ich es vor'm Hirschen" und mußte diesen eigenartigen Genuß noch mit einem Fall bezahlen. Sie werden es begreiflich finden, daß mein Haus fortan für Sie ein fremdes fein muß. Franz Töppermann." Mit einem Fluche sprang der Assessor empor. Darauf taumelte er zum Spiegel. Bor seinem eigenen Antlitz erschrak er. Dann aber schrie er: Du bist an Allem Schuld! Du allein!" Er ergriff die nahe liegende Kleiderbürste und schleuderte sie wüthend in das schimmernde Glas, daß es in zahllose Scherben niederfiel. Du... Du Tugendspiegel! In Grund und Boden hast Du mich verdorben! Nun ist Alles aus!" Aus!" klang es noch wie ein Echo unter der Bettdecke hervor. Dann schlummerte Assessor Wendehals weiter. Lotterie.

Beganndlich schbielen viele Sie in der Lodderie". Da gommd mer um de Märkchen, Mer weeß Sie ofd nich wie. Midunder hadd ja mancher Sie ooch ä bissel Schwein"; Doch bleibd Sie das de Regel: De merschden blumsen 'nein. Doch weeß ich nns, das is Sie Mehr wärdh als alles Moos": Wer hadd ä gudes Weibchen, Der zog das große Loos". Eine Reise wider Willen. Als die erste Nachricht von der Einnähme Warnas im Jahre 1823 nach Warschau kam, wagte ein deutscher Kaufmann in einem Kaffeehause einen Zweifel an deren Richtigkeit zu äußern. Am anderen Morgen überbrachte ihm ein Beamter die Aufforderung, vor dem Großfürsten Konstantin zu erscheinen. Was habe ich denn verbrochen?" erkündigte sich der erschrockene WaarenHändler. Das werden Sie schon erfahren," lautete der wenig befriedigende Bescheid. Der Kaufmann warf sich zitternd in seine besten Kleider und begab sich unverzllglich in den Palast des Großfürsten, der ihn mit den barschen Worten empfing: Sie glauben also nicht daran, daß die Truppen des Kaisers Barna genommen? Was wissen Sie von der Sache, um dergestalt Ihre Zweifel kundzuthun?" Eure Kaiserliche Hoheit, ich weiß gar nichts," stammelte der zur Rede Gestellte, ich dachte blos so." Sie müssen richtig denken lernen." Ich meinte es ja nicht böse." Glaube es wohl. Damit Sie jedoch in Zukunft Ihre Worte besser erwägen, will ich ein kleines Exempel statuiren. Es geht in diesem Augenblick ein Kurier nach Barna ab. Sie werden ihn begleiten und sich so von der Richtigkeit der Nachricht überzeugen." Protest und Bitten halfen nichts, der Aermste durfte nicht einmal von seiner Familie Abschied nehmen, sondern mußte, wie er ging und stand, zu dem Kurier in die Kibitke steigen. In Windeseile ging's dann dahin, Tag und Nacht, bis die Beiden an Ort und Stelle ankamen. Jetzt bemerkte der Beamte, welcher während der Reise kein Wort hatte verlauten lassen, kurz: Das ist Barna. Haben Sie nun die Güte, den ersten Besten nach der Zuverlässigkeit unserer Bekanntmachung zu fragen." Es bedarf dessen nicht," stotterte der Kaufmann; die Uniformen der russischen Truppen sind mir moutvekannt." Nun, dann wäre ja alles in Ordnung und Ihre Anwesenheit hier nicht weiter erforderlich. In einer Viertelstunde geht ein anderer Kurier nach Warschau zurück, dem Sie sich wieder anschließen werden, um sich nach Ihrer Ankunft in Warschau sofort zumGroßfürsten zu begeben und demselben RapPort abzustatten." Wirklich wurde zur bestimmten Zeit die Rückreise wieder angetreten, und zwar in gleicher Schnelligkeit. Konstantin empfing den Touristen wider Willen mit eineme herzlichen Gelächter und den Worten: So. nun gehen Sie wieder in das Kaffeehaus, wo Sie Ihre Zweifel über die Einnahme Varnas laut werden ließen, und sagen Sie der Gesellschaft, daß sich die Rufsen wirklich daselbst befinden." Doppelsinnig. Herr: Ich sag' Ihnen, gnädige Frau, meine Gattin .ist so eifersüchtig, daß sie mir gedroht hat, sie werde mein Gesicht entstellen, damit ichKeiner gefalle." Dame: Sie entstellen? Aber das ist ja garnicht möglich!" Schlau. Lieschen: Ach, Mamachen, nicht wahr, der Großpapa darf mir immer den Leberthran geben, nicht wahr?" Mama: Ja, warum denn?" Lieschen: Ja, weißt Du, der Großpapa zittert so mit der Hand, daß fast gar nichts vom Leberthran drin bleibt." -

Mrvöse Kinder.

Nervöse Kinder! Was für ein garsliges Wort! Gibt es denn wirklich so etwas? Darauf läßt sich nur antworten, daß es sehr unwahrscheinlich wäre, wenn die vielen nervösen Väter und Mütter lauter nervenstarke Kinder hätten. Es gibt ja tieftraurige Familienverhältnisse. denen ein Kind nur wie durch ein Wunder ohne Erschütterung der Nerven zu entgehen vermag. Aber im allgemeinen kann man wohl sagen, daß das Loos der KleNen m Tausenden und Tausenden von Fällen ein besseres sein würde, wenn die Erwachsenen anders waren, m deren Händen die Pflege und Erziehung der Kinder liegt. So vieles auch dafür spricht, daß die Nervenschwache der Eltern auf die Nachkommen übertragen wird, so scheint doch viel öfter die Nervosität der Kinder keine ursprüngliche, sondern eine anerzogene zu sein. Darum vor allem die Mahnung an Eltern und Erzieher, bei den Kindern auf. die ersten Versuche, die Nervösen zu spielen", genau zu achten und solche Regungen mit aller Energie zu unterdrücken. Niemals dulde man, daß sich ein solches Kind irgendwie gehen lasse, sei es, daß eö bei Tisch eine nachlässige, gelangweilte Haltung einnehme, sei es, daß es nach einer kleinen Anstrengung in Klagen über Uebermüdung kein Ende finden könne. Das sind gewöhnlich unwahre Komödien und übertriebene Empfindeleien, welche an den Beispielen der Erwachsenen gelernt und dann nachgeahmt werden. Es ist ganz falsch, zu glauben, daß nur die schlechten, äu ßeren Verhältnisse die Ursachen seien, welche die Kindernervosität erzeugen, vielmehr liegt das Hauptgewicht auf der geistigen und moralischen Dressur. Ein Kind muß zunächst gehorchen lernen, bevor man mit ihm etwas anfangt; so w man ein Elsenstuck, aus welchem ein Ring werden soll, zuerst glühend hämmert. Man sehe doch die Kinder an, welche an Keuchhusten, Scharlach. Masern und dergleichen erkranken, man wird die gehorsamen, die geduldig sind und den ärztlichen AnOrdnungen willig folgen, gleich unterscheiden von den ungehorsamen und zu ihrem Schaden Aufgeregten. Das ich will nicht" darf einem verständigen Vater oder Erzieher gegenüber nicht aus dem jugendlichen Munde kommen! Freilich, wenn Kinder einmal in dem nervösen Familienzuge drinnen stecken, ist es oft schwer, sie richtig zu erziehen; wenn man das eingehende Studium ihrer Charaktere vernachlässigt und sich nur an bedeutungslose Äußerlichkeiten hält, begeht man die traurigsten Mißgriffe. Solche Kinder sind durch ihre Frühreife befähigt, die Pläne und Absichten ihrer Erzieher sehr genau zu durchschauen, und jeder Fehler, den die letzteren in ihrer Methode machen, wird für die Kinder eine furchtbare Waffe, welche alle Anstrengungen der Erziehung zunichte machen kann. Wir wollen hier das vielerörterte Capitel über die Ueberbürdung" der Jugend nicht aufrollen. Daß unsere Kinder viel zu viel im Zimmer sitzen und viel zu wenig Zeit zur Erholung haben, darüber sind alle einig. Wie eine große Verschwörung gegen die Jugend erscheint der ganze Erziehungsusus, namentlich in der Familie selbst, wo ja die Jungen und Mädchen kaum eine andere Rolle haben als die eines Spielzeugs, womit sich die gelangweilte Mama oder der von Geschäftcn ermüdete Papa unterhält. Da wird gegüßt und gegirrt, da glänzt' das zwölfjährige Genie, da straft man es für eine Ungezogenheit und verspricht ihm dafür" einen Theaterabend; da glaubt man dem kleinen, faulen Spitzbuben, der nicht aufstehen will, ein Kopfweh und unterzeichnet den Zettel über die krankheitshalber erfolgte Schulschwänzung, da läßt man die Kinder mit den Großen aufbleiben, damit sie vor der Gesellschaft als Pfauen paradiren. und wenn dann das zwölfjährige Fräulein" seine Rolle gut gespielt hat, dann heißt es: Ein süßes Kind", ob es auch in den Grund und Boden hinein an seinen Nerven ruinirt wird. Wer die Wahrheit verträgt, lese nur noch einmal Tolstois vielgeschmähte Kreuzersonate"! Wenn auch der darin geschilderte Zustand glücklicherweise nicht allgemein ist, so paßt er doch auf manche Fälle und gibt uns Gelegenheit, über unsere Kinder ein wenig nachzudenken. Alte Mumien, ausgestopfte Pharaonen von Egypten, Merovinger Schattenkön'ge, Ungepuderte Perrücken; Auch die Zopfmonarchen Chinas, Porzellanpagoden - Kaiser, Alles lernen sie auswendig, Kluge Mädchen! Wie würden diese harmlosen Verse Heine's heute ausfallen! Allerdings muß nun neben der Vermeidung geistiger Schädlichkeiten die entsprechende körperliche Ausbildung einherschreiten. Indessen wird man gut thun, alles Forcirte zu vermeiden. So wie man an die Aeste junger Bäumchen keine Gewichte hängt, damit sie mit einer breiteren Krone erscheinen, so hat man sich auch zu hüten, einen jungen Körper unter übertriebenen Turnübungen zu ermatten, oder mit maßlosen kalten Waschungen zu überreizen. Was vor Allem noththut, ist, daß schon in der Kinderstube die höchste Aufmerksamkeit aufgewendet wird. An die Stelle einer nervösen Mutter soll eine Amme treten, und gleich in diesem Stadium beginne man damit, weder die Stube noch das Bad zu warm zu halten. So räth Professor Krafft-Ebing. Die Verweichlichung des Säuglings ist der erste Schritt in das Labyrinth der Nervosität. Kräftige Kost, Abhärtung durch kühle (nicht kalte)Waschungen, möglichst häufiger Aufenthalt in freier Luft, geduldiges Hinausschieben

der systematischen Lernthätigkeit. da3 sind die äußeren Grundbedingungen für die Entwickelung normal funktionirender Nerven. Es ist nicht richtig, daß man nur auf dem Lande gesund leben kann. Tausende von Beispielen sprechen gegen diese Ansicht. Nur muß das Leben entsprechend geregelt sein. Die Kinder müssen zwei bis dreiStun den des Tages absolut frei von jedem anderen Zwange sein, als dem de5 Gehorsams, und diese Zeit soll benützt werden, sie in's Freie zu führen oder sie einen Theil der Zeit, wenn es die VerHältnisse gestatten, täglich mäßige Turnübungen in gut gelüfteten Zimmern, in wärmerer Jahreszeit bei offenen Fenstern machen zu lassen. Nur bei Leibe kein Buch während der Erholungsstunden, obwohl Kant einst behauptete, daß erheiternde Lektüre gesünder sei als Körperbewegung! Da muß, will man nicht das Glück der Zukunft im vorhinein untergraben, ein Opfer des Intellekts gebracht werden! Im Uebrigen ist es eigentlich gar kein Opfer, weil es ja hundertfach durch die selbstständigere Entwickelung des Verstandes ersetzt wird! Das Opfer trifft meist nur die Augenblickseitelkeit der Eltern, welche darauf verzichten müssen. mit dem Fleiß und den schöngeistiaen Kenntnissen ihrer Kinder zu paradiren! Merkwürdig, daß so vielen die Wahl zwischen ihrer Eitelkeit und dem Glück' ihrer Nachkommen so schwer wird. Frauenbewegung vor 200 Jahren. Es ist ein Irrthum, anzunehmen, daß erst die bewegte Zeit von 1848 oder die französische Revolution der Entstehungspunkt der Frauenbewcgung seien. Allerdings die sozialen Fragen, mit denen die heutige Frauenbewegung eng verbunden erscheint, sind modernen Ursprungs, aber schon vor Jahrhunderten existirte eine Vildungsbewegung unter den Frauen, die vor etwa 200 Jahren eine hohe Blüthe erreichte. Von Italien breitete sich die Bewegung für Frauenbildung nach Frankreich, nach England und schließlich nach Deutschland aus. Hier waren es die Humanisten, die sich vielfach in ihren Gattinnen und Töchtern Schulerinnen und Gehilfinnen heranzogen. Der 30jährige Krieg hatte zwar das Nationalgefühl wie die Bildung des deutschen Volkes für Jahrhunderte zerstört, aber selbst unter Schutt und Trümmern regte sich doch noch geistiges Leben. Während Martin Opitz und Andreas Gryphius eine neue KunstPoesie schufen, bildete sich in Weimar unter Vorsitz des Fürsten von Dessau ein wissenschaftlicher Geheimbund, eine Art Akademie, der sich über ganz Deutschland ausbreitete und in allen Ständen seine Mitglieder hatte. Von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an nahm er auch Frauen als Mitglieder auf. Ein Zweigverein diescs großen Bundes war der von Harsdörfer gegründete Blumenvercin der Pegnitzschäfer in Nürnberg", der die Bürgerfrauen zur Theilnahme an den Bildungsfragen heranzog. Bald entstand in ihm eine Art Frauendiskutirclub; die Lilienzunft, derenVorsitzende eine Freiin v. Reiseneck. die Verfasserin zahlreicher religiöser Schriften, war. Das Contingent der gelehrten Frauen stellten theils die Fürstinnen, theils die Töchter der Gelehrten, während die übrigenBürgerfrauen in eng beschränkten Kreisen lebten. Das 17. Jahrhundert war ganz von religiösen Interessen beherrscht, so thaten sich die Frauen als Dichterinnen religiöser Lieder hervor, wie Luise Henriette, die Gemahlin des großen Kurfürsten. Aber auch mit der Philosophie beschäftigten sich Frauen; so war Prinzessin Elisabeth, die Tochter des Winterkönigs,' Aebtissin des Klosters in Herford. die Freundin des Philosophen Descartes, der ihr sein Hauptwerk widmete; so veranstalteteSophie Charlotte. die erste Königin von Preußen, in ihrem Schlosse Lützelburg auf Anregung ihres Freundes Leibniz Debatten zwischen Orthodoxen und Freidenkern. Auch die Pietisten Spener und Franke interessirten sich für Frauenbildung. Franke errichtete in seiner Hallenser Stiftung eine Volksschule für arme Mädchen, ein Frauengymnasium für die Töchter der Reichen; leider ging letzteres bald wieder ein. Gottsched gründete 1724 die erste Frauenzeitung, zu der er auch weibliehe Mitarbeiterinnen gewann. "Ueber die Berechtigung der Frauen zum ge lehrten Studium noch zu reden, sei ihm zu abgedroschen", erklärte Gottsched in seiner Zeitschrift. Ueberall sehen wir vor 200 Jahren die gelehrte Bildung der Frauen durch die Männer gefördert. Und die Hebung der Frau geschah nicht auf Kosten der Männer, denn gerade auf diese Blüthe der Frauenbewegung folgte die klassische Periode unserer Literatur, die so viel große Männer hervorbrachte. Immer dezent. Mann (liest aus der Zeitung vor): Ein amerikanisches Syndikat hat den berühmten Vulkan Popocatepetl in Mexiko für eine halbe Million Dollars angekauft." Frau: Was heißt denn Catepetl auf Deutsch?". Mann: Das weiß ich nicht. Frau: Du wirst schon wissen. Gewiß bedeutet es auch etwas nicht Anständiges." Unerwartete Antwort. Du bist betrogen, alter Freund, Dein

Frauchen dort sah ich gestern mit Dei nem besten Freund, dem Assessor, recht animirt im Thiergarten lustwandeln." Du närrischer Kerl, der ist :a gar nicht mein bester Freund." Hübsche Dauer. Richt:? (zum Kläger): Also gerade als Ihnen Ihre Frau eine Gardinenpredigt hielt, muß der Einbruch in Ihrem Hause ge--schehen sein... Um welche Zeit war das?" So von eins bis drei!"

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