Indiana Tribüne, Volume 23, Number 27, Indianapolis, Marion County, 15 October 1899 — Page 1

0 7 s vTs AA fO H 1 ytz sVs o K m r s 'i n i 1 1 ,i Ok ü w - w i u o Office : No. 18 Gßb Mabama Mrafze. Telephon 1171. Jahrgang 33. Indianapolis. Zndiana Sonntag, den J5 Cktober 899. No. 27

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Falschmünzer entdeckt.

Chattanooga, Tenn., 14. Okt. Detektivs der hiesigen Polizei haben eine großartige Falschmünzerwerkstatt ausgefunden. . Dieselbe befand sich in einer großen Höhle in der Wildniß deö Abhanges von Lookout Mouotain und die vorgefundenen Geräthschaften und Utensilien waren zahlreich. Der InHaber der Anstalt, ein Mann von 3 Zähren, wurde verhaftet, aber seinen Spießgesellen gelang eS zu entkommen. Ein netterKriegSmann. San Francisco, 12. Okt. Armeeofsiziere an Bord deö TranSportdampferS Pennsylvania" auS Manila zurückgekehrt, erzählen hübsche Geschichten über Oberst Wholley vom 1. Washington Regiment, die jedenfalls noch im Kongreß ein Echo finden werden. Tapferkeit ist deS Obersten Sache nicht. Bei San Pedro Macati duckte und drückte er sich vor den feindlichen Kugeln und riß schließlich ganz und gar auS. Während seiner eiligen Flucht verlor er die Mütze, hatte aber nicht so viel Courage, dieselbe auszuheben, sondern schickte einen Soldaten hinter derselben her. Gin großer Stratege ist Oberst Wholley auch nicht. So zum Beispiel kommandirte er zwei Compagnien Infanterie im Dunkel der Nacht, ohne Kundschafter auszusenden, über einen Bach mitten in den Feind hinein. Diese Manöver kostete Capt. gortson und zwei Mann daS Leben. WaS ihm an Muth und Erfahrung abging, ersetzte Oberst Wholley reichlich durch brutale Frechheit; namentlich im Plündern brachte er eS zu großer Virtuoftlät. SS ist derselbe, welcher Ein geborene in Manila daS ganze HauSmöblement, Klaviere, Tische und Teller, wegstahl und als Eigenthum deS 1. Washington Regiments proklamirte. DaS gelbegieber. Key West, 14. Oktober. Heute wurden hier 10 Fälle von gelbem Fieber angemeldet, aber keine TodeSfälle. Sieben Fälle waren gestern nicht berücksichtigt worden. Revolte in Samoa. Chicago, 14. Okt. Eine Spezialdepesche an die Tribune" von Berlin meldet : Die Nachricht kommt von Apia, daß die Eingeborenen trotz deS Abkommens mit den BertragSmachten Tampasese als König ausgerufen haben. Der Korrespondent der kölnischen Zeitung" schreibt von Apia, daß die Eingeborenen ihre Mißachtung den Vertretern der BertagSmächte gegenüber garnicht verbergen. Tampasese lud die Beamten und die prominenten Weißen von Apia zu einem HochzeitSfest ein. Alle gingen, ausgenommen die Deutschen. Der amerikanische Consul OSborne hielt eine Rede, dadurch daS gest offiziell anerkennend. TampaseseS Anhänger tanzten und proklamirten Tampasese als König. Die Eingeborenen schwuren ihm Treue in Gegenwart der Consuln. Die Sache soll von einem Neuseeländer Advokaten, NamenS Gurr angestiftet sein. AuS Deutschland. Berlin, 14. Okt. 3a der inneren politischen Lage in Preußen ist noch Alles in der Schwebe. Der Reichsbote" erklärt, weder Fürst Ho henlohe noch Dr. von Miquel werde zurücktreten. Herr v. Zedlitz sei der Sündenbock, der durch seine Preßthä tigkeit alle.Unhkil angerichtet habe und daher über die Klinge habe springen müssen. Bezüglich bei Separat sriedenS", der Zwischen Miquel und den Conservativea in der Redaktion der Kreuzzeitung" geschlossen worden sein soll, giebt dieses Blatt jetzt zu, daß zwei Herrn, die aber nicht Abge sandte Miquel'S gewesen seien, in der Redaktion erschienen wären und mit getheilt hätten, daß die Meldung, Mi quel sei für die Maßregelung der poMischen Beamten gewesen, unbegrün det sei. Miquel hat sich mit dem Mi nister für Landwirthschaft, grhrn. v Hammerftein-Loktea, zur Einweihung deS neuen BeterinärinftiwtuS nach Hannover begeben. Die Königin Wilhelaine von Hol

land hatte letzte Nacht eine unange nehme Erfahrung. Eine Kutsch

brachte sie vom neuen PalaiS in daS Stadtschloß in Potsdam. ES war stockfinster und der Rosselenker, welcher die Hofkutsche leitete, verlor im Park seinen Weg. Er gerieth in Sümpfe und schließlich blieb die Kutsche ganz im Morast stecken. Eine Droschke pasfirte bald daraus in der Nähe : sie wurde angerufen und brachte die Königin, deren Kleid voll Schmutz war. noch dem Schloß. Der Kutscher MaertenS, der verantwortlich für daS Mißgeschick der Königin ist, fürchtet nun seine Entlassung. Der ReichScommissär für die Parier Weltausstellung, Geheimrath Dr.Rich ter, ist auS Paris zurückgekehrt und er klärt, daß die deutsche Ausstellung auS zwanzig Abtheilungen bestehen werde darunter solche für Elektricität, Ma schinen, Chemikalien, Ezvlofivstoffe und Schiffahrt. Der Gesammtwerth der deutschen AuSstellungögegenftäade werde ca. 13.00S.000 Mark betragen. Bei der LandtagSwahl in Sachsen sind bis jetzt zwanzig Conservative, acht Liberale, acht Fortschrittler und acht Agrarier, aber keine Sozialdemotraten gewählt worden. DaS dem preußischen nachgebildete neue sächsische LandtagSwahlgesetz hat also seine Schuldigkeit gethan. DaS Wahlrecht ist bekanntlich so abgeändert worden, daß ohne Compromiß mit bürgerlichen Parteien die Wahl sozialdemokratischer Candidaten unmöglich ist, selbst wenn ihre Partei die größte Mehrheit der Wähler deS Königreichs bildet. Bezüglich der zwischen den Ber. Staaten, Deutschland und Großbriannien schwebenden Verhandlungen über die samoanischen EntschädigungAnsprüche wird offiziell mitgetheilt: ES ist richtig, daß Deutschland und England sich geeinigt haben, die Schadenersatzansprüche, soweit eine Erledigung derselben von Cabinett zu Cabinett nicht zu erzielen ist, einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Unrichig dagegen ist eS, daß die Ber. Staaten prinzipiell gegen die Anrufung eines Schiedsgerichts find. Die Entschließung der Regierung in Washington hängt nur von der vorherigen Erledigung von Formsragen ab." Charlotte von Embden, die hochbeagte Schwester Heinrich Heine'S, ist in Hamburg, ihrem Wohnfitz, erkrankt. - D erKrieg in Afrika. L o n d o n, 14. Okt. Die Exchange Telegraph Company" hat eine Depesche von Cape Town erhalten, wonach die Buren noch einen Eisenbahnzug mit Kriegsmaterial vernichtet haben. London, 14. Okt. Die Buren haben die Eisenbahnstation nördlich der vierzehn Flüsse zwischen Kimberly und Vryburg genommen. Die Kämpfe daselbst dauern fort. D u r b a n, 14. Okt. 2000 Buren haben am Jngogo ein Lager aufgeschlagen. Kleine Gefechte siden fortwährend an der Grenze statt. Gleneoe Camp, 14. Oct. Die Buren haben Spitzkopf bei Neweaftle besetzt. Die Cap Regierung hat die Beförderung von Depeschen auS Transvaal untersagt. Dieauffallendften Heilungen von Skrofeln, die man kennt, find mittelst Hood'ö Varsaparilla erzielt. Diese Mittel sucht seines Gleichen bei Blutkrankheiten. Braucht nur Hood'S. Hood'S Pillen sind mit der Hand gemacht und völlig gleich an Größe und Gewicht. 25c. Die Erlösung. Von Jacob Wassermann. Frühe? war es mit Cornel Schwarz so gewesen, daß er als der völlige Herr seines jungen Weibes gelten konnte. Gab es auch manchmal Streitigkeiten, in welchen Ernestme oie Oberhand ve hielt sie pflegte dann tagelang noch darüber zu triumphiren oder Verstimmungen, die er großmüthig dadurch desettigte, daß er ihre Aerzelyung erbat. obwohl sie selbst die Schuld trug, so war es nicht zu verkennen, daß er trotzdem die Zügel in der tzand behielt, an welchen er sie mit einer gewissen ras fi lmten Gescbicklichkeit in lenken ver-

stand; denn'T) ihrer starren, rechtyaberischen und gewaltsamen Natur war es schwer, sie durch Zärtlichkeiten zu be-

sänftigen, wenn sie grollte. Unmöglich jedoch war es, sie in den 'weichen Stimmungen durch Tadel zu verletzen, weil dann ihr ganzes Wesen in einer gedruckten Schwermuth hinfloß. Allma lig hatte sich Cornel Schwarz so völlig eingelebt in ihre Art, daß er den oftmals erschreckend raschen Wechsel ihrer Stimmung an einem Zucken der Au genwinkel errieth, und er verstand es mit bewundernswerthem Scharfsinn, oft mit Lu, oft mit Scherz, oft durct glücklich gewählte Lektüre, oft nur mi einem rechtzeitigen Lächeln auch sie lä cheln zu machen und so wieder alles in .k M , r i r. ein lseielfe zu ormgen. xjuxq Ditt überaus kluge und vorsichtige Art ge wann er ihr ganzes Vertrauen, ein Ge fühl, daö von warmer, dauernder, kameradschaftlicher Natur war, und beider Charaktere, die jedem Beobachter anfangs so inkohärent erscheinen muß ten, fügten sich mit der Länge der Zeit m einer erstaunlichen Weife in einander ekn. Ganz anders gestaltete sich plötzlich das Verhältniß, als Schwarz jene dumme und unbesonnene Wechsels! schung beging. Die Gerichte hatten frei lich nicht Grund, sich mit der Sache zu befassen: ein FreundCornels sprang in letzter Stunde mit all seinem Gelde ein, beglich den Schaden, und die Angelegenheit wurde vertuscht. Stundenlang blieb Cornel bei diesem Freund. Gottfried Richter, und weinte, gänzlich zum Weib geworden im Angesicht seines Unglücks. Noth habe ihn getrieben; nicht für sich selbst habe er's gethan. Er selbst könne der Noth wohl widerstehen, aber die geliebte Frau wollte er davor bewahren. lZs ist wahr, er bediente sich mancher Phrase bei diesen Aufklärungen, aber konnte sein Schmerz nicht deshalb doch ungeheuchelt sein? Rich ter, dessen Entsetzen ebenso große war, als die Verwunderung aruber daß Cornel einer solchen Handlung sahig gewesen, sagte nichts. Er schwieg und schwieg. Aber dies Schweigen war furchtbarer und bedeutsamer als Vorwürfe oder Anklagen. Um nun das Vorgefallene Ernestine zu verheimlichen denn daß es verheimlicht werden müßte, daran zweifelte Cornel keine Minute lang schloß er sie langsam und so, daß es ihr nicht auffiel, von jedem äußeren Verkehr ab. Ernestine wunderte sich darüber, aber da dies mit ihren eigenen Wünschen übereinstimmte, ergab sie sich ohne Widerreden drein. Das ganze fernere Leben der Beiden baute sich nun auf dieser Lüge, auf. dieser Verheimlichung auf, und sie erzeugte tausend Lügen, ja eö giebt nicht einmal so viele Worte der Sprache, als Lügen zwischen ihnen entstanden, denn Blicke, Mienen, ein gelegentlichesVerschweigen, alles dies baute an dem großen Lügenhaus mit, in dem sie fortan wohnen mußten. Es giebt nichts in der Welt, und besonders in jenen Kreisen der Welt, die nzir so seltsam die. Gesellschaft- nennen. das so geheim gehalten werden könnte, um es vox den lauernden Augen und Ohren erwartungsvoller Neugier oder Feindseligkeit zu schützen. Es waren noch nicht acht Taae vergangen als die That cornel Schwarz' ick durch unterirdische Canäle in all jenen Häusern bekannt wurde, in denen er einst verkehrte. Das vage Gerücht nahm immer festere Formen an, wurde von allen Seiten bestätigt, übertrieben, beklagt oder verdammt. Es war inWahrheit ein Mysterium, woher die Sache bekannt geworden oder von wo sie ihren Ausgang genommen, denn Gottfried RichtersVerschwiegenheit war eine gut und oft erprobte. Aber wie das Feuer meist am verheerendsten ist, das guf unaufgeklärte Art entsteht, so auch hier. Cornel sah, wie all seine Betonn ten gleichsam einen unauflöslichenRjna um ihn schlössen, er sah die Kunde mit unerbittlicher Sicherheit von einem zum andern fliegen; er erstaunte oft, wie eS zu Leuten kam. mit denen er niemals vorher in Berührung gestanden, aber die Kette seiner guten Bekannten erschien ihm plötzlich ohne Ende, uno er sagte sich mit Bitterkeit, daß ja alle Menschen der Erde sich einander kennen und daß sie brüderlich gesinnt auf einander zueilen, um den Fall eines Gefallenen zu bestätigen. Im Bewußtsein seiner Schuld war er machtlos. Er wollte auch nicht der Stadt den Rücken wenden, denn, merkwürdig genug, es war ihm als läge es in seiner Macht, sich wieder reinzuwaschen, und ein gewisser Trotz hielt ihn ab. mit sich selbst streng genug in's Gericht zu gehen. Er wurde in krankhafter Manier mißtrauisch, beobachtete die Blicke der Leute auf der Straße, im Kaffeehaus, im Theater, fühlte sich stets unbehaglich, erdrückt, gemieden, bedauert oder verspottet. Einmal kaufte er einen Revolder bei den schmalen Einkünften, die ihm jetzt noch flössen! aber es war ein zähes Bedürfniß zu leben, zu gerneßen, geachtet zu werden in ihm, noch viel mehr als jenes starke Hosfnungsgefühl, das uns abhält, den letzten Sckritt iu tbun. Seine früher fofclfcß

bewußte Art aufzukreken' wurde scheu, dienerhaft; er lächelte oft unmotivirt,

wenn er mit jemandem sprach, war dann allzusehr liebenswürdig, so daß es die Betreffenden merkten und stutzig wurden, und seine frühere, oft kindliche Heiterkeit verwandelte sich in Schwer muth nächtelang. ' Und nun mit Ernestine . . . AuS Angst, daß sie etwas bemerken könne. war er übermäßig eifrig um sie be icyasttat. war Nets in irgend emer Sache besorgt um sie, suchte sich beständig gefällig zu erweisen, brachte sich schwer aus dem Hause, und wenn er fort war, trieb ihn eine nagende Un geduld und Unruhe bald wieder zurück. Das alles erregte zunächst einen eigen thumlichen Widerwillen in ibr. und manchmal begann er ihr lästig zu wer den. Dann aber erwachte außer dieser Empiinvuna noch eine in e furcht m ihr. und sie begann zu ahnen. Sie suchte auf seiner Stirn und in seinen Augen zu lesen, oft war es, als ob sie mit ihren Blicken m sein Gehirn eindringen wolle, und eme würgende Be klemmung ergriff Cornel in solchen Augenblicken. Den früheren ironischen Ton. mit dem er bisweilen so glücklich ihren Launen begegnet war, vermochte er mcht wiederzufinden; ihre Schrul len ließen ihn nicht mehr gleichgiltig, ihre harten Worte machten, daß er zusammenzuckte wie nn Sklave, ihre wei che und sanfte Stimmung benutzte er. um sie mit stürmischen, tollen, gefährli chen Liebkosungen zu überschütten, woraus folgte, daß sie der Zärtlichkeiten überdrüssig wurde und ihm einen tagelangen tiefen Groll nachkrug. Wenn sie fragte, wie er mit diesem oder jenem Bekannten stehe, log er. Wenn sie sich nach seinen Geld - Angelegenheiten erkündigte, log er, indem er sie überaus günstig darstellte. Dabei log er sich wie der selbst vor, es geschehe nur, um sie sicher zu machen, um sie in Hoffnung zu lassen, während nur Feigheit die Triebkraft seiner Handlungen war. Es kam bald soweit, daß er bei den geringfügigsten und unnöthigsten Dingen log. oft nur um eine Gleichgiltiakeit zu heucheln, die er nicht besaß. Er log zum Beispiel, er sei bei Bekannten gewesen, habe dort gespielt, musizirt, während er in Wahrheit in irgend einer Kneipe stundenlang trübsinnig vor sich hingestarrt hatte. Bei alledem nahm seine Liebe zu Ernestine in einer ihn selbst erschreckenden Weise zu. und ihre Liebe nahm ab. Ihre Liebe wich dem Argwohn, für den sie keinen Boden fand, wie Jemand, der im Finstern seim Lampe sucht. Sie fühlte, daß etwas zwischen sie getreten war, das sie tren. nen mußte. Sie fühlte, daß Cornel eS ihr verheimlichte, und ihre Achtung vor ihm begann zu schwinden, täglich mehl und täglich rascher. Sie besuchte einmal Richter, aber dieser diskrete und feine Mensch war nicht weniger herzlich und gut als früher, ohne haß durch diplomatische Fragen etwas aus ihm zu entlocken gewesen wäre. Dagegen war seine Frau von einer Kälte und Förmlichkeit, die Ernestine mit Besorgwß und seltsamer Scham erfüllte. stieg die Qual, die sie durchlebte, von Tag zu Tag. Die Liebe Cornels erschien ihr Plötzlich durchaus lüstern und widerwärtig: sie geriethen bei jedem Anlaß, so lächerlich er auch sein mochte, in Streit, wobei sich Ernestine bis zu einer gehässigen Gluth erhitzte. Was er that, störte sie. was er sagte, fand sie in irgend einer Weise abstoßend oder komisch; sein Gang, seine Bewegungen, seine Worte, sein Schlaf selbst, gerie then unter ihre bittere Kritik, und er fühlte in ihrer Nähe sein ganzes Wcsen zermalmt. Trotzdem oder gerade deshalb trieb es ihn, immer bei ihr zu sein, wie die Motte heim Llcht bleibt, sie mit eiferfüchtigin und begeglichen Augen zu überwachen, sie zu reizen und d.ann wieder mit einem Uebermaß rednerischer Leidenschaft zu besänftigen, ihr knabenhafte Rohheitei zu sagen oder in derselben knabenhaften Manier einmal eine Viertelstunde lang den Herrn herauszuspielen. Seine Scherze waren beklommen, sein gütiges Zureden geziert, seine liebevollen .Worte zu süß, und so hatte die eine Lüge das Leben der Beiden zerstört und zur unerträglichen Qual gemacht, während goch ein offenes Geständniß schon lange hätte Klarheit und Vergebung bringen können. Ja. eine Qual war beiderLeben. eine lange Qual die langen Herbsttage hindurch. Cornel begann sich fortzusehnen nach einem anderen Land, nach Freiheit und Alleinsein. Je tiefer er sich sinken sah. je brennender wurde diese Sehnsucht. Jetzt erschien ihm ein Bekenntniß völlig unmöglich; es hätte sich durch eine Mauer von Lügen Bahn brechen müssen, und wie grenzenlos erniedrigend war jede einzige! Auch ihn beaann eine beißende Erbitterung zu erfassen; er ließ sich zu gewagten und demüthigenden Bemerkungen hinreißen, wie: alle Weiber sind Koketten, sprach überhaupt nur noch über die Weiber", erschien anmaßend in seinem Urtheil und hatte jegliche Begeisterung verloren . . . .... . .

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affetas vi i , o .iv wvb. tiefer Alaune-, ka Nins. 83,75 $6,00 I U W .. Satin Streike, kk nk ' .......... 98c qqc Nlixn in seinen Phanlasl.n ein, ihm sei eine Fünfpfundnote weggekommen, einer der Mitreisenden müsse sie haben. Und er verlangt die Taschen der Nachbarn zu revidiren. Dem Erzbischof wurde schwül, denn er hatte eine Fünfpfundnote in seiner Tasche. Er malt sich eine unangenehme Situation aus. kommt aber schnell auf den rettenden Gedanken: Schlaf zu heucheln. Der Betrunkene naht sich: Hallo, Nach-bar!-Keine Antwort. Der Mann faßt ihn an den Arm und schüttelt heftig. Er schläft ruhig weiter. Der schüttelt und schüttelt, aberDr. Maclagan schläft wie ein Todter. Schließlich legt sich sein Kamerad dazwischen: Nu höre, Bill, laß den Mann endlich zufrieden! Siehst Du denn nicht, daß der noch besoffener ist als Du?" Das war einleuchtend, und so kam es, daß der Schein der gründlichsten Betrunkenheit zinem englischen Erzbischof einmÄ förderlich gewesen ist. JmmerJurist. Hausherr (bei einer Soiree): Was sagen Sie zum Spiel des jungen Herrn iu Justizrath: Da steht Zuchthaus d'rauf!" Hausherr: Weshalb?- Justizrath: Wegen Notensälschung!Daher! Sie: Das war eine neue Art Pudding, die ich Dir heute machte, Fred." Er: Ich dachte so etwas." Sie: Ja? Warum?" Er: Ich bekam eine ganz neue Art Magenschmerzen darauf." R ü ck f a l l. Jsidor (zu seiner Verlobten, nachdem er ine Zeit lang mit ihr zärtlich gethan): Sarah, mein Gold, wollen wir sein e' Weil' txr nünftig wie viel kriegste als Aussteuer?" Eheliche rZwist. Sie(wüthend): Es thut mir leid, daß ich solchen Narren wie Dich geheirathet habe." Er: Na, ärgere Dich deshalb nicht, denn ein Anderer als ein Narr hätte Dich i'l'erbauvt nickt aenomme." n r r U st e t. Student (zu seinem Schneider, den er im Restaurant trifft): Na, wissen Sie. wenn Sie bei Wein und Gänsebraten sitzen können, dann ist es aber auch gar kein Wunder, daß Sie mich täglich um Ihr Geld mahnen!" DerSelbstarzt. Doctoc: .Und dann habt Ihr auch Fieber und dabei natürlich einen sehr großen Durst da muß ich Euch zunächst vom Durst helfen!" Patient: O, ich danke schön, Herr Doctor, wegen dem hilf ich mir scho' selber!" JhreAuffassung. Neulich sagte mir mein Freund, der Doctor daß hauptsächlich durch Radfahren Herzleiden entständen." Ach. ich war früher, noch ehe ich Rad fuhr, auch schon einmal unglücklich verliebt." Schlimm. Vertheidiger: Außer Ihnen gab es bis dato keinen Mörder in Ihrer Familie?" Angeklagter: Nein." Vertheidiger: Das ist bedauerlich, sonst hätte ich erbliche Belastung als Milderungsgrund ange führt." .

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