Indiana Tribüne, Volume 23, Number 20, Indianapolis, Marion County, 8 October 1899 — Page 7

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Aas MdcllKind. 3. Tragikomödie von Anna v. Klane. Die Ecken und Winkel des Ateliers begannen im Dämmerlicht zu derschwimmen. Professor Winter ruhte von der Tagesarbeit auS und prüfte sein Bild bei dem schwachen Licht, so gut das noch möglich war. Er fand, daß er an dem Königsknaben, der eine Hauptfigur war, noch einiges ändern müne. TXi klopfte es an die Atelier thür, erst leise, dann lauter. Herein! Ah, Sie sind's, Frau Heller? Ich wollte Männe abholen, Herr Professor! sagte eine blasse, mit schä biger Eleganz gekleidete Frau. Manne? Hergott, den Jungen hätte ich bald vergessen! Wo steckt er denn? Wahrscheinlich spielt er in einer Ecke! Frau Heller lächelte. Er schläft dort, sagte sie und deutete nach dem Gasofen, bei dessen Schein sich ein undefinirbares Etwas zeigte. Der Professor ging näher heran. Richtig. Hat sich der Kerl abn ein Nest gebaut! Nicht übel! Versteht was davon! Und meine besten Kunstschätze hat er auch zusammengeschleppt! Wenn der Bengel nur so schön stillhalten wollte wie jetzt! Er lachte gutmüthig. Vor ihm lora, ein fünfjähriger Knabe auf einen: Haufen von Kissen, Teppichen und Stoffen und schlief in voller Behag-

lichkeit. Einen Kuchenrest hielt er im Händchen und das andere Fäustchen stützte seinen lockigen Kopf, dem ein goldener Stirnreif entfallen war. Sein Körper war in einen indischen Stoff gehüllt und er hatte Sandalen an den nackten Füßchen. Ehe er einschlief, hatte er die Dämmerstunde benutzt, um Soldaten zu spielen. Sie standen noch in Reih und Glied vor dem Ofen, der sie Hellbeleuchtete. Ein sonderbares Regiment! Zwei japanische Puppen, eine altmeißener Schäferin. ein Buddha mit der Lotosblume und als Commandeur eine Jsisstatuette davor, die Jahrtausende lang in einem egyptischen Grab geschlummert hatte. Der Professor lachte immer mehr über das sonderbare Spielzeug, das er indessen ganz harmlos dem Jungen selber gegeben hatte, um ihn zum Stillsitzen zu bewegen. Frau Heller aber riß den Jungen ziemlich unsanst von seinem Bettchen auf. Nu komm. Männr! Allons! Vorwärts marsch! Das aufgeschreckte Kind begann zu weinen. Langsam, langsam! begütigte der Künstler. Ich habe keine Zeit zu verlieren! sprach das Weib in spitzem Ton. Ich muß eilen, daß ich nach Hause komme und mit den Würmern esse, ehe er heimkommt und der Spektakel losgeht! Hm! Ist er immer noch so schlimm! Wo ist er denn jetzt? Wo soll er sein? In den Wirthschaften ist er und spielt um Schnaps. Wo soll er sonst sein? DerProfessor schien die Verhältnisse zu genau zu kennen, um mehr zu fragen. Er gab der Frau Geld. Das bab 'ich verdient! schnurrte Männe, der sich inzwischen mit Hilfe der Mutter aus einem indischen Königssohn in einen armseligen Gassenjungen verwandelt hatte. Sein Prachtgewand lag auf dem verlassenen Lager. hauchen Sie Männe für morgen, Herr Professor? Nein, erst in acht oder zehn Tagen wieder! Das ist mir lieb, Fräulein Helling wollte ihn haben Das Kind that einen Luftsprung, daß seine Holzschuhe klapperten. Da grht er gern hin. Er kriegt Kuchen und darf mit allem spielen, was ihm gefällt. Er macht einen Amor. Amörke mache, Flügel krieje! sagte Männe. Er meint immer, er könne fliegen, nxnn sie ihm die Flügel umbindet! Na. sag schön Adieu, Männe! Adieu, Herr Professor! Adieu. Junge! Halte das nächste Mal besser still! Adieu. Frau Hell! Die Thür schkß sich hinter Mutter und Sohn. Es war etwa vier Stunden später und die schwarze Februarnacht lag über der Altstadt, deren Gaslaternen mühsam mit der Finsterniß kämpften. Trotzdem ging es noch lebhaft auf den Straßen zu, und die Vorübergehenden hielten oft vor einer kleinen Wirthschaft still, um den Musiktönen zu lauschen, die aus einem offenen Fenster herausschallten. Mit der Musik kam auch der Geruch von fettgebackenen Speisen, Bier und Tabak heraus und verdarb die reine Luft, durch die schon ein leiser Frühlingsathem wehte. Drinnen in dir Schenkstube spielte Jemand auf dem Violoncell, und die Arbeiter, die da ihr Bier oder ihren Schnaps tranken, bestellten sich allerlei Lieder und sangen stellenweise mit. Nur einige Kartenspieler in der Ecke schienen keine Freude am Concert zu Haben und warfen hämisch Bemerkun$en dazwischen. Dtr Musiker achtete wenig auf seine Umgebung, sondern stierte mit verglasten Augen vor sich 'hin. während er mit zitternder Hand den Bogen führte. Es war noch jetzt eine Meisterhand und er selbst war, trotz der äußersten Vcrnxihrlrsuna, nicht häßlich oder abstoßend. Er war aber eine Ruine, von Talent und schöner Männlichkeit, zum erbärmlichsten Elend herabgewürdigt. Das Instrument sang unter seinem Strich mit klagend tiefem Ton allerlei alte Volkslieder, vermischt mit Tingcliangelweisen. nach Wunsch seiner Umgebung, die ihm dafür das GlaS hinhielten. Manchmal ging er auch in Bruchstücke von Beethoven oder anderen Classikern über, aber das gefiel seiner Publikum nicht. Sie ermähnten

ihn. kein dummes Zeug zu spielen. Endlich brach er ab und lehnte sich müde zurück. Ich kann nicht mehr, sprach er vor sich hin. Da trink eins, das gibt Eourage! rief ihm ein Mann zu und hielt ihm ein Bierglas hin. Er stand auf und ging schwankend nach dem Tisch hin. Gierig leerte er den Rest, der in dem Glase war. Mehr, mehr! sagte er. Mehr? Nee, das ist genug für jetzt! Du hast schon genug, Heller, mehr als genug! O, ich durste, ich durste! klagte der Mann und sah sich flehend um. Jemand warf ihm ein Geldstück zu. Es war einer der Kartenspiekr. Ich danke, mein Herr! sprach Heller mit eine? Verbeugung. Der Geist eines hochgebildeten Mannes schien plötzlich aus ihm zu reden und die verfallene Gestalt nahm die Manieren enes Gentleman an. Der gütige Geber aber lachte vergnügt. Paßt auf, das gibt einen Mordsspaß! raunte er seinen Kumpanen zu. Erst muß er aber ganz voll sein, sonst merkt er's zu früh. Ein plötzliches Tuscheln und Lachen aina durck die ganze Stube, während

, sich Heller den ersehnten Labetrunk erstand und ihn hinunterschüttete. Lethe: stammelte er blöd dazu. Er sah nicht, daß sich der Kartenspieler an seinem Cello zu schaffen machte. Lethe! wiederholte er. Nu spiel weiter! rief man 'ihm mit verhaltenem Lachen zu. Spiel was Schönes! Die Gigerlkönigin oder , Komm. Karline! j Komm. Karline! sang ein Dutzend Stimmen und der Betrunkene taumelte auf sein Instrument zu. er sah nicht, daß die Saiten mit Schmierseife bestrichen waren. Aller Augen aoer hingen an ihm, wie an dem gequälten Maikäfer, der am Faden flattert. Der feurige Trank aber hatte ihn belebt, er setzte sich in Positur mit den Manieren eines Virtuosen, der vor dem elegantesten Publikum spielt, und grüßte nach allen Seiten. ' Ja, spielen, spielen! sagte er, eine Rhapsodie von Liszt, eine Andante von Beethoven, was? Und er griff zum Bogen, horchte auf ein unsichtbares Orchester, winkte, zählte ab und wollte einfallen ober das Cello gab keinen Ton von sich. Es quietschte nur leise unter seinem Strich. I IubelndesGelächter erschallte ringsum. Ein Lachen, wie es die Kinder haben, wenn ihr Maikäfer sich bei seinen Flugversuchen ein Beinchen aus- . reißt. ! Das Publikum applaudirt! sagte Heller und verneigte sich. Dann fing er wieder an. Abermals kam kein Ton und er begann zu merken, daß etwas nicht in Ordnung sei. Seine Zu- : schauer aber wurden mäuschenstill und ' verwandten kein Auge von'ihm, der an seinem Cello herumsuchte und fingerte und tastete. Endlich hatte er begriffen und fuhr wuthschnaubend zur Höhe. , Wer. wer ha t mir das das gethan?! Er lallte vor Trunk und Entrü- , stung. Ungemessener Jubel antwortete ihm. ; Behüt dir Jett, et wär zu schön jeWesen! sang der Anstifter des Streiches. Alles heulte den Refrain nach. Mein Cello, mein Instrument! Der Betrunkene sprang in die Leute hinein ' und fiel wider einen vierschrötigen Kerl, der ihn unsanft wegstieß. Et hat die Jnfau.'enzia, dein Cello! höhnte er dabei. Na, Heller, dein Publikum wartet, wie ist's mit dem Concert? fistelte ein mageres Männchen mit fettigerBallonmütze. Der Musikant stürzte sich mit einem unartikulirten Schrei auf ihn. Canaille! zischte er. Verfluchtes. besoffenesVeest! gröhlte der Angegriffene, und die Prügelei be- . gann. i Kurz darauf flog der Cellospieler ; auf die Straße. Er blutete aus einer Stirnwunde und hielt sein Instrument krampfhaft im Arm. Der Wirth eri schien hinter ihm in der Thür. So nun pack Dich nach Hause und schlaf Deinen Rausch aus! rief er ihm nach. ! Heller fing an zu heulen: Oh, oh, mein Cello ist ruinirt. mein schönes Cello, auf dem ich in Brüssel gespielt habe! Der große de Swert selber hat mich unterrichtet! Ich war sein bester Schüler, er war immer stolz auf mich! Schwankend und jammernd zog ' Heller ab. Noch aus der Ferne klangs , vom Cello und dem Conservatorium j und dem großen de Swert in verhallenden Tönen herüber. Der Betrunkene taumelte seines We- , ges. bis er in einer engen Gasse an ein ' großes Haus kam, das parzellenweise an arme Leute vermuthet war. Da ging er hinein und versuchte die Treppe hinaufzusteigen, was mit Schwierigkeiten verknüpft war. Er fiel ein paar i Mal daoel in und der Resonanzbo- ; den seines Instruments tönte dumpf j dazu. Oben, in einem erbärmlichen Zimmer duckten sich ein paar Kinder ; scheu zusammen bei diesen Tönen und ' flüsterten: Der Vater kommt! Das ; Weib, das in den Lumpen eines ele ' ganten Schlafrockes am Tische saß und bei dem Schein des Lämpchens in einem Colportageroman las, sah auf j mit einem Blick des Hasses. Das Mo- ' dellkind Männe hockte auf dem Strohsack in der Ecke, den es mit dem Vru- . der theilte, und lachte. Vappa hat Schnä'vske trunken! sagte ! es. Ein kleines Mädchen kicherte bei diesen Worten und eine grofzeSchwachsinnige lachte dumm mit, während der ältere Junge sich ingrimmig abwandte und die Hände ballte in ohnmächtiger Wuth und Scham. Der Betrunkene, taumelte heiein, warf sein Instrument in die Ecke und j ergoß sich in einenStrom vonSchimpfI Worten egen das Weib, das er in sei. ' nem GeKeszustand für die Urheberin

veZ Unglückes hielt. Sie richtete sta) hoch auf, stemmte die Arme in dieSeitc und sah ihn 'scharf an. ohne zu sprechen. Ihre verlebten, feinen Züge waren in diesem Augenblick wie vergeistigt durch die namenlose Verachtung, die aus ihnen sprach. Das dunkle Haar flog um ihr elfenbeinblasses Gesicht, ihre Lippen zuckten, sie erwiderte aber kein Wort auf seine Schmähungen. Die Kinder verkrochen sich vorahnend unter das Bett. Die Wuth des Mannes aber stieg durch ihr Schweigen immer Hörher, er packte sie bei dem Arm. Verdammtes Weib, Du bist Schuld an all meinem Unglück! Ich drehe Dir den Hals um, ich schlage Dir alle Knochen im Leibe entzwei! Sie machte eine jähe Bewegung und stieß ihn wider die Brust, da verlor er das Gleichgewicht, das er ohnehin schwer einhalten konnte, und kollerte auf den Boden. Dl "hast Du's, Du Lump, knirschte sie. Er blieb halbbetäubt liegen und warf nur einen Blechtopf, der ihm unter die Finger kam, auf's Gerathewohl nach ihr. Die Frau schickte sich indessen an, zu Bett zu gehen, was sie mit der größten Seelenruhe that, als ob kein elender Wicht sich dort am Boden krümmte und herzzerbrechend schluchzte. Sein Rausch war in's heulende Elend umgeschlagen. Marianne, sei doch gut! WaZ behandelst Du mich so? Du warst ja immer mein Herzensschatz! Was habe ich nicht für Dich gethan, und nun behandelst Du mich so schlecht! Die Kinder krochen mittlerweile wieder unter dem Bet! hervor. Sie wußten, für 'heute war der Sturm vorüber. Die zwei Mädchen huschten zur Mutter in's Bett. Die zwei Jungen lagen auf ihrem Strohsack. Der Große drehte sich nach der Wand, um das nicht zu sehen, was er doch jeden Tag sehen mußte, das vcrthierte Elend des Menschen, den er Vater nennen mußte. Er konnte sich nicht daran gewöhnen. Etwas Unklares sagte ihm. daß es verächtlich sei, si zu leben, daß es Besseres gäbe, als Schnaps und Zank und Hader, O, die gutgekleideten Menschen draußen in der Welt, die Herrschaften", die haiten's gut! Ein brennendes Verlan-' gen stieg in ihm ai f. ein Sehnen, das ihn zu ersticken drohte, hinaus aus Schmutz und Elend! Er meinte, es müsse irgendwo eine Sonne geben, in deren Strahlen es lustig zu leben sei. wo mochte sie scheinen? Heiße Thränen stiegen ihm auf, er vergrub sein Gesicht in den Strohsack, denn er hatte ja nicht einmal Worte für das Weh. das ihn durchzuckte. Was schnüffelst Du da? Sei still! rief die Mutter. Da biß er die Zähne zusammen und schwieg. Männe beobachtete inzwischen seinen Vater. Als alles Lamentiren nichts hals, hatte der den Versuch gemalt, sich einen Platz auf dem Bett zu erobern, so gut das bei seinem schwindelnden Kopf gehen wollte. Die Frau aber hatte sich vorgesehen und ein kräftiger Schlag mit einem alten Stiefelzieher bewies ihm, daß sie Waffen bei sich führte. Er taumelte zurück, ergab sich seufzend in sein Schicksal und legte sich, so gut es geh:n wollte, zu seinen Söhnen, wobei seine Beine allerdings auf die Diele kamen. Dann fühlte er in die Westentasche und zog die Flasche heraus, die bei seinen verschiedenen Handgemengen unversehrt geblieben war. Ein kleiner Nest war noch darin, er trank. Bappa, mir auch Schnäpsle! sagte ein Sümmchen neben ihm. Etwas war bei Heller übrig geblieben. trotz allem Elend, die Liebe zu dem schönen Bübchen, ,as seinerseits zärtlich an ihm hing, während ihn die anderen fürchteten und verabscheuten. Er reichte dem Kind die Flasche. Es trank. Gut. lecker, sagte es. Dann streichelte es den Kopf seines Vaters, der schwer hingesunken war, und strich liebkosend über das verwilderte Haar. Armer Bappa, hat Schlag kriegt, murmelte es mitleidig und schlief ein mit dem Aermchen um den Hals des verkommenen Mannes. Es träumte von hellen, warmen Ateliers, von Kuchen und Spielzeug und von glänzenden Prachtstoffen, weichen zarten Fellen und bunten Teppichen, auf denen man sich wälzen darf nach Herzenslust. Splitter.

Nicht verschließ' die Herzensthüre, Doch bring' hoch die Klinke an. Daß sie nicht zum müss'gen Spiele Jeder Schlingel öffnen kann Des großen Geistes Pflicht Ist Kleinern helfen, geben; Die Weisheit kann uns nicht Der Menschlichkeit entheben. Brichst du den Arm und nicht 'sGenick, So nenn, der Deutsche dies einGlück. Der hochgepriesene Verstand, Der kühne Normensetzer, In Herzenssachen ist er nur Ein mitleidswerther Schwätzer Kein Verbrechen, das nicht eiroen Vertheidiger, keine gute That, die nicht einen Ankläger oder Spötter fände. In der Eile. Der Adlutant des 3. Bataillons, Infanterie - Regiment No. 99, dictirt bei der Parole - Ausgabe dem Feldwebel folgenden Befehl: Morgen, den 9. September 1899 um 9 Uhr hat die 9. Compagnie. Regiment 99, auf Stube 9. 9 Mann zur ammerarbeit zu stellen. Der Feldwebel der 9. Compagnie schreibt in sein Notizbuch: 9, 9, 99, 9. 9, 99, 9, 9, keimt sich aber nach. her nicht mehr aus, was das bedeuten loll.

?cr weise Kadi. (Ein? türkische wefchichte), von PauILindau. Der Tag war heiß und drückend. Am Saume des steinigen, bäum- und schattenlosen Weges, auf den die Mittgssonne ihre glühenden ' Strahlen tzcradsandte, kauert: ein lahmer Bettler in staubten Fetzen. Als dem derMann, der sein kleines Pferd in langsamem Schritt die aufsteigende Straße gehen !ikß, auf zwanzig Schritte nahe gekomneu war. erhob er seine Stimme und flehte ihn winselnd und fromme Segenssprüche plärrend um ein Almosen cn. Ter Reiter hielt, betrachtete denLahmen, griff dann in seinen Gurt und warf ihm ein kleines Silberstück hin. Möge Allah Dir Deine Gutthat lohnen, edler Herr!" rief der Bettler, der das Geldstück aufgehoben hatte. Er humpelte an den Reiter heran und iiit-te den Saum seines astans. DaUi sprach er: Wolltest Du die Schale Deiner Gnade füllen, dann würdest Du mich mit auf Dein Pferd nehmen und nach der Stadt bringen, denn der Weg dorthin ist noch weit und beschwerlich, und mit meinem kranken, kurzen Beine schleppe ich mich nur mühsam vor-wärts!-Wiederum musterte der Mann mit den großen, klugen und guten Augen und dem seidig glänzenden, schwarzen Bollbart aufmerksam den lahmen Alten. Dann stieg er ab, half dem Lahmen auf's Pferd und gab ihm die Zügel. Er selber.aber setzte sich hinter ihn und hielt ihn, damit er sicherer sitze, an beiden Seiten. Der Bettler war von so viel Güte tief gerührt und dankte seinem Wohlthäter überschwänglich. Er ahnte nicht, daß der dienstbereite Mann, dessen Handflächen er warm an seinen Seiten spürte, kein anderer war, als Harun al Naschid, der gewaltige gütige und gerechte Khalif. Seiner Gepflogenheit gemäß war Harun wiederum ohne alles Gefolge in der unansehnlichen Tracht eines kleines Mannes aus dem Volke durch das Land gezogen, um unerkannt zu hören und zu erfahren, wie die wahre Meinung seiner Unterthanen sei, was sie lobten, was sie tadelten, was ihnen wohl und was ihnen wehe that. Er ritt kein prächtiges, arabisches Pferd aus seinem Marstall. Er hatte das gute und willige Thier erst vor einem Monde von einem Bauern gekauft. Er pflegte, striegelte und fütterte es selbst, und obwohl es nicht aus edlem Geblüt war, war es ihm doch lieb geworden. Wenn der Mann im schlichten, braunen Kaftan auf seinem kräftigen Pferdchen vor einer Hütte hielt und Wasser für das durstige Thier oder Herberge für die Nacht begehrte, so meinte alle Welt, es sei ein mäßig begüterter Händler, den seine Geschäfte nach Bagdad führten. Gemächlich ritten die Beiden voran, in Sonnengluth und Staub, ohne viel zu sprechen, der Bettler vorn, der Khalif hinter ihm. Sie waren froh, als sie den Kuppeln und Minarets der Moschcen, die auf dem blauen Hintergründe des wolkenlosen Himmels in blendendem Weiß strshlten, näher und näher kamen. Und nun lenkten sie in die Vorstadt ein, und dann in die lange Straße der inneren Stadt, die zum Basar und. zum großen Platze führte. Als sie dort angekommen waren, ließ der Bettler das Pferd halten und wandte sich zu seinem Hintermann. Nun steig' ab! Wir sind hier am großen Platze. Von hier aus wirst Du Deinen Weg wohl finden. Ich will heimreiten!" Harun traute seinen Ohren nicht. ?kck soll absteigen? Von meinem

Pferde? Jetzt kündige ich Dir die Gastlichkeit auf. Du undankbarer Schelm. Und wärst Du kein Krüppel, so würde ich Dich unsanft auf's Pflaster setzen. Aber beeile Dich, sonst verlier' ich die Geduld!" Da seh' mir Einer den schlechten Menschen!" schrie nun der Bettler aus Leibeskräften, so daß die Vorübergehenden stehen blieben, und sich alsbald viel Volk um die beiden Reiter sammelte. Ihr guten Leute, helft mir zu meinem Recht! Ich bin ein alter, schwacher Mann und mit meines, siechen Leibes geringen Kräften vermag ich nichts auszurichten gegen diesen gewaltsamen Bösewicht, den Allah strafen wolle an Gut und Blut, an Kindern und Kindeskindern. Ich traf ihn hier auf dem schmalen Wege nach der Stadt, zwei Wegstunden weit, matt und elend und halb verschmachtet, da bat er mich flehentlich, ihn mitzunehmen. Es jammerte mich seiner, und ich lieft ibn binten aufsiken. Und anstatt mir dafür zu danken, will er mich hier hinunterwerfen und mit meinem Pferde, mit dem Einzigen, was ich armer Mann noch besitze, davontraben! Ich bitte Euch, gute Leute, helft mir!" Vergeblich bemühte sich Harun, die Umsiehenden von der Wahrheit zu überzeugen. Was der Bettler mit kreischender Stimme und geheuchelten Thränen vortrug, machte aus die UmGebenden Eindruck. Es klana viel weNiger glaubhaft, was der Andere erzählte, daß er, der Besitzer des Pferdes, abgestiegen sei, dem Lahmen auf den Rücken des Thieres geholfen und ihm den besseren Vorderplatz eingeräumt habe. Der Unglückliche, der lahmte und augenscheinlich der viel Aermere war, flößte auch Mitleid ein. Viele derMänner und Weiber, die der Bettler durch sein Geschrei angelockt hatte und zu seinen Richtern anrief, lebten selbst in großer Dürftigkeit, und für sie war e" 5iner Ihresgleichen, mit dem stc gern gemeinsame Sache machten. Es aab aber auch Andersgesinnte, denen der tückische, lauernde Blick des Alten und sein überlautes Gebaren Mißtrauen einflößte und die dem ruhigen Manne im braunen Kaftan mit den ehrlichen, freundlicken Auaen eine so ara und heimtückische That nimmermehr zu I

trauen konnten. So waren denn die Meinungen getheilt, und um dem Gezänk hüben und drüben ein Ende zu machen, sprach Harun: Laßt uns zum Kadi reiten. Für das Geschehene ist kein Zeuge zur Stelle. De? Kckdi wird wissen, wessen Aussage er Glauben zu schenken hat. Und was er entscheidet, das geschehe!" Der Lahme, der sich auf die Kunst, durch seine Darpellung Arglose zu täuschen und zu rühren, und auf seine leichtfließenden Thränen verließ, war dessen wohl zufrieden, und alle Umstehenden stimmten zu. Als sie den kühlen Raum betraten, wo der Kadi, ein würdiger Greis, mit weißem Bart und grünem Turban, zu Gericht saß. und ihre Sache vorbringen wollten, wurde ihnen bedeutet, zu warten, da der Richter noch in anderen Streitigkeiten zu entscheiden hatte. Da standen vor dem niedrigen Polster. auf dem der Kadi mit ernster, geduldiger Miene saß, in heftigem WortWechsel ein Teppichwirker und ein Fleischer. Der begüterte Fleischer gab zu, einen Teppich um fünf Tucaten erhandelt zu haben, dehauptete jedoch, er habe die fünf Ducaten sogleich auf den Tisch gelegt, während der Teppichwirker die Zahlung entschieden bestritt. Haft Du in Deiner Börse fünf Ducaten?" fragte der Kadi. Fünf Ducaten habe ich Wohl. Aber es sind nicht die vom Fleischer", erwiderte der Wirker. So gib mir die fünf Ducaten, und kommt morgen, fünf Stunden vor Sonnenuntergang, wieder. Dann sollt Ihr hören, was Rechtens ist Der Teppichwirker händigte dem Richter die strittigen fünf Goldstücke aus, und die Beiden gingen davon, schweigsam und ohne sich anzublicken. Nun traten vor den Kadi ein dicker Bäcker -und ein hagerer Stadtschreiber, der in seinem Bretterverschlag in einem schmalen Gäßchen des Basars für des Schreibens Unkundige geschäftliche und vertrauliche Briefe und sonstige Schriftstücke aufsetzte. Abseits von ihnen, an der Wand, blieb eine tiefverschleierte Frau in dunkelm, bauschigem Ueberwurfe stehen und folgte, ansehe!nend mit großer Theilnahme, den VerHandlungen. Denn um sie war der Streit entbrannt. Sie war im Harem des dicken Bäckers. Aber mit Unrecht, behauptete der öffentliche Schreiber. Dies Weid gehöre ihm. Der Bäcker habe Leila zur Untreue verleitet, und sie sei ihm entlaufen. Der Bäcker sagte, der Schreiber rede irre. Leila selbst werde bezeugen, daß sie seine, des Bäckers rechtmäßige Gattin sei und mit dem Schreiber nichts zu schaffen habe. So tritt vor, Leila!" entschied der Kadi. Und gib Antwort! Verhält es sich also, wie der Bäcker es gesagt hat?" Es ist so! hoher Herr!" antwortete Leila mit leiser, bebender Stimme. Effendi! Sie spricht die Unwahrheil!" rief der hagere Schreiber. So führe man das Weib in meinen Harem, und kommt morgen fünfStunden voi Sonnenuntergang wieder. Dann soll Ihr hören, was Rechtens ist!" Die beiden Männer gingen davon. Nun humpelte der Lahme vor, dem Harun gemessenen Schrittes folgte. Der Bettler erzählte mit großer Geläufigkeit und lebhaften Geberden unter Thränen, wie schnöde er von dem Manne mit dem braunen Kaftan, als Dank für seineVarmherzigkeit. um sein einziges Gut, sein kleiner Pferd geprellt werden solle, während Harun die wahren Vorgänge in schlichten Worten berichtete. Der Kadi hörte den Beiden schweigsam und mit ernster Aufmerksamkeit zu. Dann besann er sich eine lange Weile und blickte sinnend vor sich hin. Wo ist das Pferd?" fragte er. Es steht draußen vor der Thür, angebunden an den Pfosten!" Sehr wohl!" entschied der Richter. So führe man das Pferd in meinen Stall. Ihr aber kommt morgeu fünf Stunden vor Sonnenuntergang wieder Dann sollt Ihr hören, was Rechtens ist. Der Bettler hinkte hinaus und weinte. Und vor der Thür erzählte er den Leuten mit erhobener Stimme, daß derMann da mit dem braunen Kaftan, der dort um die Ecke biegt, ihn um sein Letztes bringen wolle. .An anderen Tage zur festgesetzten Stunde waren die Streitenden pünktlich zur Stelle.

Der Kadi setzte sich wieder auf das niedrige Polster, vor das das langhaarige Fell einer Angoraziege gebreitet war, und rief die Einzelnen an seinen Sitz. So vernehmet meinen Spruch!" sprach er mit einer gewissen Feierlichkeit. Die fünf Ducaten sind Dir. TepPichwirker, vom Fleischer richtig ausgezahlt worden. Hier hast Du sie wieder. Doch weil Du gelogen und hast betrügen wollen, sollst Du eine Tracht Prügel von fünfzehn Stockschlägen bekommen. Du Fleischer, hast nichts mehr zu zahlen. Also lautet mein Urtheil. Allali itnlarnii! Allah weiß es besser! Der Fleischer zog fröhlich von dannen. Der Teppichwirker aber wurde zur Abstrafung abgeführt. Das Weib gehört dem Schreiber". suhr der Kadi fort. Nimm Leila wieder bei Dir auf und laß sie ihren Fehltritt nicht zu hart büß?n. Du aber, Bäcker, der das Weib verführt und das Leid, das Tu Deinem Rebenmenschen zugefügt, noch hast verlän gern und ihn dauernd hast kränken wollen, hast Dich eines schweren Vergehcns schuldig gemacht. Und dafür sollst Du zwei Tracht Prügel von je fünfzehn Stockhieben bekommen. Also lautet mn. Urtheil. Allah weiß es besser!" Gesenkten Hauptes folgte die Verschleierte dem beglückten ..Schreiber,

während der Bäcker abgeführt wurde, auf daß die über ihn verhängteStrafe sogleich vollstreckt werde. Das Pferd ist Dein Eigenthum!" sprach der Kadi zu Harun gewandt. Und Du, Lahmer, hast frech gelogen. Und weil Du eine Dir erwieseneWohlthat mit dem Häßlichsten derMenschenseele, mit Undank hast lohnen wollen, sollst Du jetzt auf's Pferd gehoben, sollst durch die volkreichen Straßen auf den großen Platz und durch den Basar geführt werden, und überall sollen Ausrufer Deine Schändlichkeit verkünden, damit mildherzige Zuxlt durch Dein heuchlerisches Flennen fürder nicht getäuscht werden. Der körperlichen Züchtigung entgehst Du nur, weil Du in Krüppel bist! Also lautet mein Urtheil. Allah weiß es besser!" Büttel führten den jammernden Lahmen ab, hoben ihn aufsPferd, und es geschah, wie der Kadi es angeordnet hatte. Harun al Raschid aber blieb in stille Betrachtung versunken stehen und schwieg. Hast Du noch ein Begehr?" fragte ihn endlich der Richter. Ja, Herr!" versetzte der Khalif.

Wenn Du mich nicht sur unwerth haltst, so sage mix: weßhalb hast Du dem Fleischer die fünf Ducaten zugesprochen?" Das will ich Dir gerne sagen. Ich habe die fünf Ducaten gestern in ein Glas gelegt, das ich mit klarem Wasser gefüllt hatte. Heute früh schwam men auf der Oberfläche kleine Fettkügelchen. Der Teppichwirker arbeitet mit trockenen Stoffen. Also sind die Ducaten durch die Hände des Fleischers gegangen und von seinen Fingern kommen die Fetttheilchen, die sich im Wasser vom Golde losgelöst haben." Ich verstehe!" sprach Harun.Allah hat Dich erleuchtet, und Dein Urtheil ist weise. Und willst Du mir auch sagen, weshalb Du Leila, trotz ihres Zeugnisses für den .Bäcker, dem Schreiber überwiesen hast?" Auch das will ich Dir gern sagen. Als ich gestern gegen Abend in meinem Hause war, wollte ich noch etwas schreiben. Aber die Tinte war von den Palmenblättern aufgesogen und dick geworden. Da befahl ich, daß manLeila aus dem Harem zu mir führe. Ich gab ihr das Tintenfaß und sagte ihr: Die Tinte ist dickflüssig geworden, bringe das in Ordnung!" Sie verneigte sich, nahm den Wasserkrug und ließ langsam, vorsichtig und geschickt zwei Tropsen auf die Palmblätter träufeln; darauf zog sie eineSchildplattnadel aus ihrem Haar und rührte damit gewandt und 'bedächtig die wieder leichtflüssig gewordene, schwarze Masse, reinigte säuberlich die Nadel, reichte mir das Tintenfaß, verneigte sich und zog sich auf meinen Wink in ihr Gemach zurück. Da erkannte ich. daß das die Frau des Schreibers fein müsse, die diese Hantirung schon öfter verrichtet und sich eine auffällige Fertigkeit darin angeeignet hatte. Das Weib eines Bäckers hätte sich dabei viel plumper und ungeschickter angestellt!" Auch diesmal muß ich DeineWeisheit loben!" rief Harun aus. Nun sage mir aber auch noch, wenn Du mir noch einen letzten Beweis Deiner Güte geben willst, sage mir: welche Umstände haben Dich die tückischen Streiche des undankbaren Bettlers durchschauen lassen?" Das will ich Dir noch gerne sagen. Ich habe dem Pferde seit'gestern nichts zu fressen und nichts zu saufen gegeben. Und ich habe es im Stall hart an die Thür und so gestellt, daß es Euch sehen konnte, wenn Ihr Such hierher begeben würdet, um das Urtheil zu vernehmen. Als nun der Bettler vorüberlahmte, blieb das Pferd ruhig und theilnahmslos mit tiefgesenktem Kopfe stehen. Als Du aber nahtest, spitzte er die Ohren, blähte die Nüstern und wandte den Kopf. Und als Du vorübergingst, wurde es unruhig, scharrte und wieherte. Und so erkannte ich, daß Du sein Herr warst, von dem es Gutes schon empfangen hatte und Gutes noch erwartete!" Da richtete sich der Mann im braunen Kaftan, der bis dahin lässig dagestanden hatte, majestätisch auf. Seine guten, treuen Augen leuchteten hell, und er reichte dem Kadi, der über diese Wandlung des unansehnlichen Händlers ganz erstaunt war, die Hand. Du bist ein weiser und feinsinniger Mann. Effendi! Allah hat Deine Augen geschärfst und Dein Herz mit Gerechtigkeit erfüllt. Und Allah wird Dir lohnen, was Du gethan hast!" Und in stolz aufgerichteter Haltung schritt der Fremde aus dem schattigen Naum. Der weise Kadi aber ward alsbald an den Hof des Khalifen gerufen, und bis an sein Lebensende blieb er der vertraute Ratheber und Freund des guten und mächtigenHarun al Raschid. - Weiße Spitzen zu waschen. Man wickelt die Spitze in gerader 'iichtung um eine kurze, dicke Flasche, legt ein Stück lose Gaze darüber und heft:t alles mit weiten Stichen zusammen. Dann wird die Flasche in kaltes Negenwasser gelegt und die Gaze ringsum mit weißer Seife gerieben. An--deren Tags stellte man die Flasche in einem reinen Kessel mit klarem RegenWasser auf's Feuer, schabt soviel weiß-:

Seife hinern. daß es eine gute Lauge wird, und läßt die Flasche eine Viertel Stunde kochen, worauf sie in klares Wasser gelegt wird. Dann stellt man die Flasche in die Sonne und läßt die Spiken trocknen. Einfach. Frau (zum Professor, der im Begriff ist fortzugehen): Nun, wirst Du Dir die Bestellung auch merken?" Professor: Ja, ich hab' sie mir in's Griechische übersetzt, da merke ich mir es besser!" AuchdieMenschen werden meist erst dann wirklich reif, wenn der Hcrbst kommt.

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Victor ?manucl auf der Jagd. Die Fürsten aus dein H2use Savo Yen sind leidenschaftliche Jäger. König. Victor Emanuel jagte mit Vorlieb: auf den Südabhängen der Alpen und Apenninen. Gekleidet wie ein Wilddieb, verfolgte er die Gemsen irr schwindlige Höhen, wohin ihn selbst die Unerschrockensten nur zögernd begleite tcn. Zuweilen jagte er auch allein und sah sich nicht selten g:zwungen, ineiner armen Vauernhütte ein iacht quartier zu suchen. Bei solchen Gelegenhnten erfuhr er oft recht intereffanteDinge über seine Regierung und semc Beamten. Eines Tages befand sich Victor Emanuel allein in einem entlegenen Winkel der piemontesische. Berge, trat in eine Almhütte und bat die anwesende alte Frau um ein 6ia Milch. Er knüpfte ein Gespräch mit ihr an und fragte sie. was er für siethun könne. Die Alte erwiderte: Si kommen mir grade recht, Sie könntcrr mir wohl den Iltis schießen, der meine Hennen und gewiß auch meine Katzen umgebracht hat." Wohnen Sie denn. aanz allein in dieser Qütte?" fraate der: 'König weiter. Ja leider. Bis voreinigen Tagen war mein Enkel noch be. mir, aber er wurde einberufen, jetzt, müssen ja alle jungen Leute Soldat, werden. Gestern hat er mir geschrieben und am nächsten Sonntag kommt, der Schullehrer zu mir, der soll mic den Brief vorlesen." Darauf ließ sich' der König das Schreiben zeigen, merkte sich die Nummer des Regiments, in dem der Enkel der Alten stand, undverließ endlich die Hütte. Einige Minuten nachher fiel ein Schuß: der glückliche Jäger hatte den Iltis erlegt,. der der Alten ihre Hühner würgte Da haben Sie 50 Centesimi für Ihre Mühe", rief diese hocherfreut, und der König schob, ohne eine Miene zu ver-' ziehen, das Geldstück ein und entferntesich. Im nächsten Jahre aber. als. Victor Emanuel wieder in der Hütte einkehrte, war derEnkel der alten Frau auch da, und nun erst erfuhr sie, wer ihr den Iltis geschossen und wem sie die Heimkehr des Enkels zu verdanken, hatte. Mcxico'ö Luft.Znscl. Eine viel größere Merkwürdigkeit in: ihrer Art, als z. B. die hängendere. Gärten Babylons es waren, bildet diesogenannte Luft-Jnse!, welche sich etwadrei Meilen südlich von der Mesa En cantada in Mexico phantastisch erhebt, und. soweit der Eindruck auf das Augein Betracht kommt, jedenfalls ihren. Namen rechtfertigt. Sie ist ein vielfach gebuchteter und' gezackter Fels, der übrigens oben eineziemlich ebene Fläche von etwa 70 Acres Areal hat und zum größeren. Theil über das Meer hinaushängt,, gleich einem ungeheuren Mushroom"' oder Morcheln-Pilz. mit schwindligem Klüften und Spalten an seinen Sei ten. Auf der Fläche, welche er hoch bei trägt, und welche wie in der Luft zu. schweben scheint, steht eine kleineStadt die an künstlerischem Reiz und Völkergeschichtlichem Interesse weit und breit ihres Gleichen nicht hat und eines der vollkommenstenMuster der vorgeschichtlichen Pueblo-Bauart. bildet. Ancom& wird sie genannt. Die meisten Häuser sind noch heute von der Gattung, welsche erfunden wurde, als jedes dieser Häuser eine kleine Festung sein mußte. Nur mit Leitern, die sie nach sich zögert,, konnten die Bewohner in ihr Heim gelangen, nachdem sie irgendwo an den Seiten des Riesenpilzes lediglich mittels Vertiefungen, die gerade zum. Einsetzen der Zehen genügten, hinauf geklommen waren! Das Ganze erinnert einigermaßen an die berühmten Colorado'er Bergklixpen-Wohnungen.. sieht aber noch verwegener aus. Eine unsägliche Arbeit muß dazu gehört haben, diese Stadt in der Luft, zu erbauen und zu befestigen. Aber Diejenigen, welche dieses Wunder voll brachten, waren auch fleißige Landbauer! Monolog einer höheren Tochter Was kümmert mich die Leutenoth? Darum lass' ich kein Haar mir bleichen Doch wenn erst Lieutenants-Noth un5 droht. Das wäre ein bedenklich' Zeichen! In patriotischen Kreisen in Paris beschäftigt man sich lebhaft mit der Frage, ob nicht an alle Mitglieder deS französischen Generalstabes Ehren-" Rasirmesser vertheilt werden sollten. Ich sttze sagte ein Zeuge im Proceß von Rennes, meinen 5iopf dafür zum Pfand, daß Dreyfus schuldig ist."' Hatte er kein werthvolleres Pfanr zu bieten? Leicht geholfen. Regisseur (zum Schmierendirektor)? Die Hugenotten können wir nicht aufführen. unser Chor ist ja viel zu schwach! Direktor: Macht nichts, wir ersuchen einfach unten am Zettel das Publikum mitzuhelfen!" SchwereArbeit. Neinv Hcrr Gcheiinrath, mit uns Geschäfts lentcn können Sie sich doch nicht, wak arbeiten anbelangt, vcrgleicren. So? Meinen Sie denn etwa, das; ich nichts,' zu thun habe? Sie sollen sich s.1zörr wundern! Da habe ich heute Mittag erst in der Mittagstunde, wenn Sie (Biesld halten, einen acht Seitenlangen Brief.... Geschrieben? Nein unterschrieben natürlich! Eine Geldangelegenheit. Aber wie kommst Du, als ga ter Freund, dazu, mir meine Braut abspenstig machen zu wollen?" Nun hör' mal! In Geldangelegenheit ten hört doch die Freundschaft aull

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