Indiana Tribüne, Volume 23, Number 20, Indianapolis, Marion County, 8 October 1899 — Page 6

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Aic Wüttze in ZZcrlitt. DaZ stille vornehme Hau, das in der Oberwasserstraße zu Berlin nahe "dem königlichen Schloß steht, deutet äußerlich beim ersten Blick wenig auf seine Bestimmung hin. Betrachten wir cber den rothen V!onumentc?lbau näCzer, so sehen wir an der Front allerlei Aasreliefs. durch die die Auffindung, Vit Verarbeitung und Anwendung der Schätze der Erde verherrlicht wird. Es muß also wohl mit dem florentinischen Palast, als der das Gebäude mehr und mehr in die Erscheinung tritt, eine eigene Bewandtniß haben. Ein gefälliger Passant verräth uns: Das ist ja die Münze!" Also die Münze! In unsern Gedanken hören wir ein lieblich einschmeichelndes Lied, gesunßen von demAlt thaufrischer 20 Markstücklein. dem angenehmen Tenor der Zziünfmarkstücke und dem Brummbaß der Kupfermünzen.

i l 1 ' r TT VZ fTTW-'A m tt-:--ii'-- ?',. rt- Z 'Tl:---'-!MW:MV I " ' -&t' iJ '-vv;-; Mmmm w riiea WWsß, mmmm A?i Die Strecke. Die Münze! Welche Hoffnungen, lvelche Entwürfe bewegen dies arme Menschenherz, das, ach, nur am Golde hängt! Treten wir in die königliche Münze des preußischen Staates, meine Herrschaften! Der Eintritt ist, wie jedes Handbuch fion Berlin besagt, gemeinhin verboten, aber wir Parlamentiren ein Weilchen inti dem Pförtner des Hauses, der mazestätisch in seiner Loge thront, und werden dann nach dem Bureau des Di?ectors gewiesen. Auf der großen Freitreppe athmen wir erfrischt die kühle Luft der schönen Vorhalle ein. Es liegt etwas in ihr, das auf die Weihe dieses Hauses deutet, allein man -riecht es nicht. Diese Geruchlosigkeit aber ist seit der klassischen Zeit der Cäsaren ein unveräußerliches Attribut des Goldes. Durch das freundliche Entgegenkommen der Verwaltung erhalten wir '.die Erlaubniß, soweit der Dienst nicht Mx Mh ' H i i i 1 1 1 i'i 5 Die Beize. -gestört wird, einen Blick m den Betrieb der Münze werfen zu dürfen. Der 'Münzmeister überliefert uns den Händen eines seiner Werkmeister, eines im 'Dienst ergrauten tüchtigen Beamten. '.Wir kreuzen über einige Höfe, ann 5,eht es über ein Wirrsal von Treppen und Thüren zunächst nach der Schmelze. Hier hantiert im weiten Raum eine Anzahl herkulischer Gestalten, die für die nöthige Mischung der Bowle zu sorgen hat, wie es im Münzjargon heißt. Das gleißende Gow, das schimrnernde Silber sowie die weniger vornehme Nickel- und Kupfergesellschaft, sie alle Präsentiren sich in ihrer Münzgestalt nicht in ursprunglicher Reinheit, sondern mit einem gewissen gesetzmäßigen Procentsatz fremder Metalle, durch die ihre Festigkeit erhöht wird. Die Rändelanstalt. Just kommen wir zurecht zu einer lupferschmelzc. In den feurigen Ofen tixrden 380 Pfund Kupfer, 16 Pfund Lirm und 3 6-10 Pfund Zink geschoLen in diesem Verhältniß wird die kipfermischung hergestellt. Der richtige Mischungsproceß ist von höchster Wichtigkeit für die Herstellung der Münzen; er ist das Fundament des qesammten weitschichtigen Betriebes. Daher ist er auch der schärfsten Controlle unterworfen, die von den erfahrrnsten Beamten der Münze ausgeübt wird. Es ist glühend heiß in der Schmelze geworden, und mit Dank folgen wir der Einladung unseres Führers, weirzuwandern. Der Arbeitsraum der Strecke" nimmt uns auf, wo das aus der Schmelze kommende Metall seiner nächsten Bearbeitung entgegensieht. Es wird dort durch Walzen gestreckt, verlangert und zur Aufnahme der Präczung vorbereitet. Durch einige sinnreiche Stazmaschinen werden in der Minute 150 'Platten in der Größe eines Einmark

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siucks herausgehoben, die nun als fe!tige, runde, noch nutzlose Häufchen gcwissermaßen im Urzustand in Mulden gesammelt und nach der nächsten Station. der Beize", hinllbertranspvrtirt werden. Dort kommen die Münzplatten in die große, feurige Wäsche. Sie werden durch Glühen weich und geschmeidig gemacht und wandern alsbald auf zwei bis drei Minuten in ein Beizfaß, wo ihnen mit verdünnter Schwefelsäure gründlich zugesetzt wird. Wenn sie dort herausschlüpfen, schämen sie sich, als königlich preußische Münzavantageure auf die Welt gekommen zu sein. Oxyd und allerlei sonstiger Schmutz schaut ihnen aus den Augen kurz, sie befinden sich in einem wenig imponirenden Austand. Der barmherzige Münzmeister läßt sie flugs in ein Scheuerfäßchen tauchen und mit Weinstcin eine halbe Stunde lang gründlich abreiben. Wenn sie diesem Bad entsteigen, werden sie Mann für Mann mit wollenen Tüchern gut abgetrocknet. Jetzt sind sie reinlich, zweifelsohne und auf ihren kommenden Beruf in der Gesellschaft wühl vorbereitet. Das nächste Rendezvous ist in der Rändelanstalt. Die Platten werden sorglich gewogen, durch Abschaben von etwaigem Uebergewicht befreit und wiederum eingeschmolzen, insofern sie das Normalgewicht nicht erreichen. Dieser Proceß der Gewichtsfeststellung, der durch eine Reihe automatischer Wagen ausgeführt wird, schließt jeden Irrthum so gut wie aus. Das Rändeln der Münzen, das in diesem Saal vorgenommen wird, bildet den Vorläufer der Prägung. Durch die Rändelmaschinen werden die Münzen mit Randschrift versehen; führen sie eine solche nicht, so erhalten sie den

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DieGraviranstalt. gepreßten Rand. Mit welcher Behendigkeit die Maschinen arbeiten, geht aus dem Umstand hervor, daß bis 800 Stück in der Minute ihren Weg durch das complicirte Maschinengetriebe machen. In der Graviranstalt werden die Stempel für die Prägung hergestellt. Bei dieser mühevollen und langwierigen Herstellung der Prägestöcke, die vollständig fabrikationsmäßig betriebcn wird, finden nur ganz erprobte Fachleute Verwendung. Da jährlich mehrere tausend Stempel von äußerster Haltbarkeit gebraucht werden, so erfolgt die jedesmalige Vervielfältigung des Originals auf mechanischem Wege. Der Vorgang ist ebenso interessant wie für den Laien schwer zu verfolgen. Das höchste Interesse concentrirt sich auf die Präge, in der das hinlänglich vorbereitete Metall seine eigentliche abschließende Bestimmung erhält. Die Prägemaschinen der Münze WunderD i e Präge. werke der Mechanik, liefern je nach ihrer Größe 250 bis 80 Stück in der Stunde. Der Anblick der funkelnagelneuen Stücke, die aus den Maschinenkanälen rieseln, ist glänzend und herzerfrischend. Auf die Beamten der Münze macht freilich all dieser gleißende Mammon wenig Eindruck. Es ist ihnen Material. weiter nichts als todtes Material, das sie in Verwahrung haben, um über die Verwendung Rechenschaft zu geben. Welchen Umfang das Münzgeschäst in Berlin hat, geht aus folgenden Ziffern hervor: es kommen im laufenden Etatsjahr zur Ausmünzung in Doppelkroncn 60, in Kronen 9, zusammen 69 Millionen Mark. Von Silbermünzen werden Fünf-, Zwei- und Einmarkstücke im Werthe von 5.400,000 Mark geprägt. Nickelmünzen (Zehn- und Fllnfpfennigstücke) sollen im Betrage von 858,000 Mark. EinPfennigstücke :n Höhe von 167,000 Mark aus der Preußischen Münze hervorgehen. Im Ganzen entspricht der Werth der zur Ausprägung kommenden Münzen dem Betrage von 73,425.000 Mark. Wenn das Metall die Präge verläßt und untadelhaft befunden ist. wird es in der Verpackungskammer in Säcke und Fässer gethan, um nach den verschiedenen Stellen im Reiche je nach Ordre der Reichsbank versandt zu werden. Das Gold trägt hierbei ein holzernes Reifenkleid; eine Mandel Fäßchen stellt gewöhnlich eine Million Reichsmark dar. Geräuschlos und schnell vollzieht sich bei aller Accuratesse das Verpackungsgeschäft; mit derselben Behendigkeit rollen die Goldfäßchen zum Thor der Münze hinaus, zur Eisenbahn. Die Münze hat aber auch eine ge treue Kundschaft in der Fremde. Civilisirte und uncivilisirte Staaten las-

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sen ihre Werthsachen in Berlin prägen. Auch private Kreise nehmen die Münze zur Ausprägung von Medaillen vielfach in Anspruch, denn das Atelier der Münze für Modelle und Medaillenkunst steht bei allen Fachleuten in hohem Ansehen. Die Medaillen, die in der Regel einen größeren Umfang und ein stärkeres Relief als die Goldmünzen haben, erfordern zum Prägen eine sehr bedeudende Kraft und eine größere Anzahl Stöße (bis zwanzig), die mit Ausglühen und Beizen der Platten und gewöhnlich mit einem starken Spindelreck ausgeübt werden.

Sonderbare Heilige. In unserem gesegneten Lande kann ein Jeder nach seiner eigenen Faon selig werden und deshalb schießt das Sectenwesen nirgendwo so üppig in's Kraut wie hier. Bon Religion, im edlen Sinne des Wortes, kann freilich bei einer großen Anzahl Secten kaum die Rede sein, da ihre Gründer nicht selten an Größenwahn leidende Rarren sind, die den ihrem krankhaften Gehirn entsprungenen Blödsinn leichtgläubigen Schwachköpfen als höhere Eingebungen" aufzuschwatzen verstehen. Zu den Religionsgenieinschaften von diesem Schlage ist auch eine Secte zu zählen, die unweit von Las Cruces, New Mexico, eine Colonie gegründet Dr. Rewbrough. hat. Der Prophet" dieser sonderbaren Heiligen ist der New Yorker Zahnarzt Dr. Newbrough und ihre Doctrinen sind in einem Oahspe" benannten Buche niedergelegt. Schon der Name desselben läßt auf den Inhalt schließen, denn derselbe ist weder einer todtcn noch einer lebenden Sprache entnommen, sondern im Hirne des Propheten entstanden und soll soviel wie Erde. Luft und Himmel" bedeuten. Der Prophet hat das Buch mit einer Schreibmaschine geschrieben, wobei, seiner Behauptung zufolge, eine übernatürliche Macht feine Finger führte. Newbrough's Anhänger nennen sich Kosmons", was 5!ichtbesitzer" in der Sprache ihrer heiligen" Schrift heißt. Der Inhalt derselben ist ein Durcheinander von tönenden, aber leeren PhraVorhofdesShalam." sen und kommunistischen Gemeinplätzen. Die Kinder sind Euere Engel. die Euch der Schöpfer gegeben hat und Ihr seid deren Götter", heißt es in dem Buche und die Kinder werden gelehrt, sich vor den Geistern der Todten, welche das Große All-Wesen" anerkennen, zu hüten." Der communistische Theil dieser sonderbaren Lehre hat in der Gründung der Colonie bei Las Cruces einen praktischen Ausdruck gefunden. Dieselbe heißt Shalam, was das Land der Kinder" bedeuten soll. Unter den Gebäuden der Colonie ist das größte und merkwürdigste das Fruternum", welches mit grotesken Bildern von der Hand des Propheten Newbrough bedeckt ist; -ferner gibt es da einen Tempel, ein Kindergebäude und Adobehäuser (Levitica genannt) für die Erwachsenen. Kritik. Sie fragen mich auf mein Gewissen, was ich vom Schauspieler Brüllmann weiß! Nun es gibt Nichts in der Welt, was er nicht virtuos wiedergäbe außer Geld!" Der Hustenreiz. Häßliches Fräulein: Hab' ich aber heute einen heftigen Hustenreiz!" Herr (leise zu einM anderen): Das scheint aber auch der einzige Reiz zu sein, den sie hat." Aus derJnstruktionsst u n d e. Unterofficier: Mayer, was ist ein Terrain?" Mayer (schweigt). Unterofficier: Jetzt weiß das Kameel nicht 'mal, was ein Terrain ist und steht den ganzen Tag drin!" Mayer: Ee Paar Stibbeln, Herr Unterofficier." JnDamengesellschaft. Herr (erzählend): Die geehrten Damen erinnern sich wohl noch an das Festspiel, welches die Aristokratie' zu Gunsten der Stadt veranstaltete?" Chorus der Damen: Natürlich, gewiß, ganz genau!" Herr: Also das war eben gerade heute vor fünfundzwanzig Jahren " Chorus der Damen: Abscheulich, Frechheit! So eine Ungezogenheit!" Q diese Dienstmädchen. Hausfrau (zu dem sich meldenden Dienstmädckien): Sie haben Ihren Platz also deshalb verlassen, toeil Sie einen Skandal mit Ihrer Gnädigen hatten?" Dienstmädchen: Keinen Skandal. Madame; nicht gerade, was man so einen Skandal nennt. Ich habe zu ihr nichts Anderes gesprochen, als was fede Dame zu einer anderen sagen darf.- .

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Lco'sxlll.'Dllrcggiatur.

In den ausgedehnten und schön gelegenen Gärten des vatikanischen Palastes pflegt der Papst Leo XIII. bei gutem Wetter regelmäßig einige Tagesstunden der körperlichen Erholung und Unterhaltung zu widmen und in der heißen Jahreszeit zuweilen eine fyrmliche Ailleggiatur zu genießen. Seinen Vorgängern standen behufs des Sommeraufenthaltes der im 16. Jahrhundert auf der luftigen Höhe des Quirinals erbaute Palast, das jetzige königliche Schloß, und das schloßartige Landhaus auf dem Kraterrande des herrlichen Albanersees zur Verfügung. Seit der Papst den Vatikan nicht mehr verläßt, mußte dort das Mittel gefunden werden, ihm die Eingeschlossenheit und die drückende Sommerhitze erträglicher zu machen, und es ist Leo XIII. gelungen, sich in dem baumreichen Garten auf dem Rücken des Mons Vaticanus, den die altersgraue, mächtige Stadtmauer einschließt und die nahe Peterskuppel überragt, einen beneidenswerthen Erholungsort und angenehmen Sommeraufenthalt zu schaffen. .-v "4-i Das Kaffeehaus. Es ist begreiflich, daß der Papst dort so wenig wie möglich gestört sein will, und daß es nicht leicht ist, in diesem Buen-Retiro zu ihm zu gelangen. Ueberhaupt sind die vatikanischen Gärten nur auf besondere Empfehlung zugänglich, und noch schwieriger ist es, die Erlaubniß zur Herstellung von Zeichnungen oder Photographien zu erhalten. Die nur wenige hundert Meter entfernte Riesenkuppel des Petersdomes, die als grandiosestes Denkmal des Genies Michelangelo's sich in die Lüfte schwingt, erscheint von dem Fahrweg, auf dem die päpstliche Carosse langsam dahinzurollen pflegt, kaum noch als Kirche, sondern als isolirtes Bauwerk, da die Gärten beträchtlich höher liegen als der das alte Circusthal einnehmende Petersplatz, weshalb dieser sammt den Colonnaden und der Kirche verschwindet. Bei dem Thurme Leo's IV. befindet sich die vom jetzigen Papst selber ange legte Rebenpflanzung, der er große Liebe und persönliche Sorge widmet, so daß man ihn dort zuweilen mit dem Winzermesser Hantiren und den Gärtnern Anweisungen geben sieht. Sein Hauptvergnllgen ist die Weinlese, wenn das Jahr gut gewesen und die Ernte reichlich ist. An einem stillen, sonnigen Septembertage wird dann der Garten vollständig abgesperrt, und der glän-zend-schwarze, mit weißem Sammet ausgeschlagene, von zwei behäbigen Rappen gezogene päpstliche Wagen, neden dem ein Ofsicier der Nobelgarde reitet, fährt unter dem Plätschern der V Der R o c c o l o. Springbrunnen und dem leisen Nauschen der fallenden Blätter nach der Höhe des Leothurms hinauf, wo die Winzer ihre Thätigkeit schon begonnen haben. Mit lebhafter Bewegung steigt Leo, nachdem der diensthabende Kämmerer den Schlag geöffnet und das dreistufige Trittbrett heruntergeklappt hat, aus dem Wagen. Er läßt die faltige weiße Soutane fallen, hebt den rothen Mantel etwas in die Höhe, drückt das weiße Kcppchen fester an. setzt den breitkrämpgen rothen Hut mit der goldenen Quastenschnur auf, den ihm der mit ihm ausgestiegene GeHeimkämmerer überreicht, und nimmt endlich den Stock mit goldenem Knopf entgegen, den ihm der Kämmerer mit einer Kniebeugung darbietet. Dann durchschreitet er, mit dem Caplan, dem Geheimkämmerer und dem Commandanten sich über die Ernte unterhaltend. die Rebengänge, läßt sich hier und da das Messer reichen, um eine schöne Traube zu schneiden, und kostet einige Beeren. Er ist sehr stolz auf die treffliche Qualität und den immer steigenden Ertrag. Schon vor zehn Jahren kamen von hier tausend Flaschen in den päpstlichen Keller. Seitdem sollen es jedes Jahr tausend mehr geworden sein. Stärkungsbedürftigen Cardinälen und anderen Geistlichen pflegt Leo davon zu schenken. Doch ist er sparsam, so daß seine Erben vermuthlich noch einen ansehnlichen Vorrath vorfinden werden. In diesem Theil der vatikanischen Gärten hat Papst Leo XIII. sich eine Villa für den Sommeraufenthalt und einige andere' Baulichkeiten errichten lassen. Zu ihnen gehört das KaffeeHaus", in dem er nach dem Spaziergang auszuruhen und ein- Zeit lang zu plaudern liebt. Den ältesten und , ehrwürdigsten Theil der aus den verl schiedenpen Jahrhunderten stammen-

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den Gebäude des Vatikans Hai man in dem Rundthurm Leo's IV., dem Torrione", vor sich, der als wuchtiger Zeuge des früheren Mittelalters in die moderne Zeit hereinragt und weithin die Gegend beherrscht. Papst Leo IV. hatte ihn zum Schutze des päpstlichen Stadttheils erbaut, den er zuerst mit einer Ringmauer umzog, nachdem er im Jahre 849 die plündernd bis Rom ziehenden und die Apostelkirchen beraubenden Sarazenen bei Ostia geschlagen hatte. Hundertjährige Eich:n umgeden ihn. Die 10 Fuß dicken Mauern umschließen eine Anzahl Räume, in die auch die römische Sommergluth nicht einzudringen vermag. In dem großen Rundgemach des ersten Stockwerkes verbringt der greise Papst die heißesten Tagesstunden. Auf einer Erhöhung

steht ein Schreibtisch, in der tiefen. Mauernische unter dem Fenster em altväterisches Empircsofa nebst einem bequemen Lehnstuhl. Das Erdgeschoß enthält einen Dienerraum, ein Gemach für die dienstthuenden Prälaten und einen kleinen, mit rother Seide ausgeschlagenen Salon, in dem bei dringenden Fällen eine Audienz ertheilt werden kann. Im Uebrigen ist dieses Asyl allen fremden Blicken streng verschlössen. Gleichwie die Vorliebe für den Gartenbau, die Winzerei und die Baumzucht theilt Papst Leo XIII. mit den italienischen Geistlichen, die in ihrem Zeitvertreib beschränkt sind, die Lust am Vogelfang. Es fehlt deshalb' im vatikanischen Garten ebenso wenig wie bei den geeignet gelegenen Landpfarreien der von Gesträuch umgebene Roccolo", der Platz mit der versteckten Vogelstellerhütte und den Schlagnetzen, die durch eine Schnur in Bewegung gesetzt werden. Für die armen LandPfarrer bilden die gefangenen Vögel, Das C a s i n o. gleichviel welcher Gattung, einen willkommenen Zuwachs zu den Küchenvorräthen; der Papst besichtigt und streichelt die Gefangenen, um ihnen, dann die Freiheit wiederzugeben. Hinter den Nebenpflanzungen liegt ein sehr eleganter Pavillon, in dem Leo ebenfalls gerne auszuruhen pflegt, wenn.er seinen Spaziergang nach dem Weinberg gerichtet hat. Ein weiterer Sommerpalast im Kleinen ist das Casino; es ist an den Thurm Leo's IV. angebaut und steht mit diesem in Verbindung. Pech. Taschendieb (nachdem er sich aus einem furchtbaren Gedränge herausgearbeitet): Donnerwetter, jetzt dacht ich. einen besonderen Fang gemacht zu haben .... und hab' mir mein eigenes leeres Portemonnaie aus der Tasche gestohlen!" Ewig jung. Arzt: Ich versichere Sie, dies Medicament kann selbst im Säuglingsalter unbedenklich genommen werden!" Alte Jungfer: Dann will ich einmal den Versuch damit machen! Offengestanden. Nichter (zu einem Kurpfuscher): Und wie viel Geld nahmen Sie für solch ein Sympathiemittel?" Angeklagter: Das richtete sich ganz nach der Dummheit des Käufers." Versorgt und a u f g e h ob e n. Hannah. ich hoffe, Sie haben in meiner Abwesenheit die Tkiere alle hübsch versorgt?" Gewiß, MaMit .t v.f sk. lA irf 2 H Si rfor i i'uua, uui c; .... ut iaiii iu vii iiyiit, ) .Sr QnU l ..',. CSnfforWsti V4V HUt fU i ...Hl. ttJV VllUf hat sie nicht zu lange Hunger leiden müssen?" Q nein, Madame; sie fraß gleich den Kanarienvogel und den kleinen Papagei auf!"

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Fremder: ..Wie können Sie Ihren Ort nur als Sommerfrische empfehlen! Man findet hier doch gar nichts kein Bad. keine Umgebung, keine Sehenswürdiakeit!" Wirth: Erlauwen Se gidigst der eenunfufzigste Breedegrad soll Sie hier doch ganz dichte d'ran vorbeigeh'!" Aus Erfahrung. Das ist ja der Maler hoch zu Roß. wohin mag der wohl reiten?" Das kann ich Ihnen ganz genau sagen, der reitet jetzt durch die Hauptstraße über den Reuen Markt in die Anlagen und von da in die Bahnhofstraße in den Stall des Pferdeverleihers Krippel!" Wie so wissen Sie das so genau?" Weil ich das Pferd auch schon geritten habe!" Die magere Mode. Er: Die Xheim ist doch immer recht geschmackvoll und modern gekleidet!" Sie: Das verstehst Du nicht! Die darf sich kleiden, wie sie will um wirklich modern zu sein, müßte sie erst eine Entfettungskur gebrauchen!" Wörtlich befolgt. Hausfrau (erklärend): Cenzi, wenn Sie den Fisch geschuppt haben, legen Sie ihn. den Schwanz im Maul, in's kochende Wasser." N. f. ,u 1 .11111 rwr rf ....Wie die Cenzi den Befehl aus' geführt hat. Umschrieben. Richter (zum Gauner, der den Win- ! ter über in Italien eingesperrt war): ' Wo hielten Sie sich diesen Winter auf?" Gauner: Den verbrachte ich im Süden!" Gut erklärt. Michel: Voda, wos is denn dös, a lebendes Bild?" Vater: Dummer Vua. hast net nnllich g'seh'n, wie der Herr Male? d' lebende Küah und Ochse gemolt Hot?" Michel: Freilich han i'Z M S AI V I ?W I 1 g'iey'n. naier: via nxr, oo mz a lebendes Bild!

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In goldener FuAe.

Lon Paul Remer Wir schreiten in goldener Fülle Durch seliges Sommerland, Fest liegen unsere Hände Wie in einander gebannt. Die große Sommersonne Hat unsere Herzen erhellt, , Wir schreiten in goldener Fülle Bis an das Ende der Welt. Und bleicht deine sinkende Stirne, Und läßt meine Seele ihr Haus, Wir schreiten in goldener Fülle Auch in das Jenseits hinaus. Wem solch ein Sommer beschieden, Der lacht der flüchtigen Zeit Wir schreiten in goldener Fülle Durch alle Ewigkeit ... JuuggescUen-ZZrauett. Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in andern europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten, dem einstigen Dorado der Frauen, wird jetzt gar häufig halb bedauernd, halb spöttisch die unleugbare Thatsache besprochen, daß die Zahl der alten Jungfern von Jahr zu Jahr steigt. Gewöhnlich giebt man als Grund dafür an, daß das Heirathen mehr und mehr bei den Herrn aus der Mode kommt, die Ansprüche wären beiderseits zu groß, auch halb und halb wird zugegeben, daß die Männer immer weniger gewillt sind, Verpflichtungen auf sich zu nehmen und Opfer zu bringen. Daß die Frauen insofern ein Wort dabei mitzusprechen haben, als sie ja ebenfalls manchmal keine Reigung empfinden können, in einen Stand zu treten, der ihnen neben den Sorgen, die sie mit dem Gatten theilen müssen, noch oft all die vielen kleinen und die große Arbeit bringt, die in ernem einfachen Haushalt der Frau und Mutter zufallen, wird nie in Erwägung gezogen. Aber seit es eine Frauenfrage giebt und diese zur Selbstständigkeit so vieler weiblicher Wesen geführt hat, überlegen diese es sich häufig gar sehr, ehe sie ihre Freiheit aufgeben, wenn das ihnen in der Ehe gebotene Loos nicht ganz günstig erscheint. Besonders in England ist dies der Fall, vielleicht weil dort die Emancipation schon größere Fortschritte als in den anderen europäischen Ländern gemacht, vor Allem aber, weil das Heirathen selbst von solchen jungen Mädchen öfter aus freier Wahl unterlassen wird, die genügend mit äußeren und materiellen Gaben ausgestattet sind, um in der That wählen zu können. Derselbe Grund, der so viele Männer veranlaßt, sich Hymens Fesseln zu entziehen, ist in diesem Falle auch für die Damen maßgebend. Sie wünschen, sich ihr Leben so einzurichten, daß es ihnen die geringsten Mühen und Unbequemlichkeiten bereitet, und es erfüllt sich dieses ihr Ideal am leichtesten, wenn sie sich nicht vermählen. Die größere Bewegungsfreiheit, welche jetzt dem weiblichen Geschlecht gestattet ist, hat viel dazu beigetragen, manch Jungfräulein zu veranlassen, ledig zu bleiben. Früher galt alles Mögliche für eine Dame für absolut unzulässig. Jetzt jedoch kann sich eine jede, die eine Revenue von mindestens 25(30 besitzt und deren Zahl ist in diesem reichen Lande keine geringe , ihr Dasein sehr bequem und gemüthlich gestalten. Sie miethet ein möblirtes Zimmer in einem eleganten Viertel der Stadt, empfängt dort ihreFreund?. alle Mahlzeiten werden von der Wirthin des Hauses, dem Gebrauch gemäß, a::f ihren Wunsch für sie bereitet, die Dienstmädchen stehen zu ihrer Disposition, ohne daß sie den nicht zu vermeidenden Aerger mit denselben hat, und wenn sie sich einsam fühlt, so begiebt sie sich nach ihrem Club", sicher, dort stets Gesellschaft zu finden. So wächst denn auch die Zahl der unabhängigen Jungfräulein und es ist bereits ihre Bezeichnung für dieselben vorhanden. Sie werden nicht mehr spinsters" wie einst, fondcrn c-Ilolor-'Onion" genannt. Bei dem Worte pinst?rs dachte man sich stets eine Dame, die nicht aus eigener Wahl, sondern weil das Schicksal ihr keinen Gatten bescheerte. unverheirathct durch's Leben ging, während, die biiclu'l)rwom.'i7i gleich dem bacsielor sich nicht vermählte, weil dies ihr schöner und bequemer dünkte. Man hat es durchaus nicht etwa mit Vorfechterinnen für Frauenrechte zu thun, die bachelor-woiiKrn sind weder Pioniere nochTHeoretikerinnen irgend weleher Art. sie haben nur ihr eigenes Wohl im Auge und wollen nichts, als sich alle Verantwortung und jede Sorge ersparen. Nur eins steht zu befürchten, nämlich daß die bachelor-Tvonien einsam sein werden, weil ihre Lebensweise sie z.l kalten Egoistinnen nichcn mu. Bisher ist die alte Jungfer", wenn auch viele ihr Dasein für ein verfehltes hielten, falls sie nur sonst ein echtes Weib war, durchaus kein nutzloses Mitglied in der Gesellschaft gewesen, sondern konnte, gerade . weil sie einen Fonds von überschüssiger Zeit und Liebe besaß, im engeren Kreise oder für die Allgemeinheit wirken. Die b:ic-Il.Ir- mon aber weren daran nicht denken, bleiben sie doch ledig, um jeder Pflicht und jedem Opfer zu entgehen und sie dürften daher nicht ge-' willt sein, diese freiwillig auf sich zu nehmen. Als eine Errungenschaft kann dieser Fortschritt", der hofsentlich auf England beschränkt bleibt, also nicht bezeichnet werden. Der Argwohn hält es für Schadenfreude, wenn sich Jemand vor älte die Hände reibt.

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