Indiana Tribüne, Volume 23, Number 13, Indianapolis, Marion County, 1 October 1899 — Page 6
lttvcrgcßliche K.üitcr. Die Mutter ist es, die den CharakUz des Kindes ausbildet, die die geisti.en Fähigkeiten hegt und pflegt, baß fie sich späte: zur Blüthe entfalten. 5!ne der bekanntesten Dichtermütter" ist die Frau Rat Goethe", die ihrem großen Sohne nicht nur die Frohnatur und Lust zum sabuliren" mitgab, sondern ihr sinnig:? Geist, ihre Güte und Klugheit, jeder Zug ihres Charakiers llang als Echo in ihrem Sohne nach. Schillers Butter wird als eine anspruchslose und gutmüthige, aber kluge Frau geschildert, und die Innigkeit ihres Gefühls machte siesihrem Sohne besonders theuer. Oft saß sie rnit ihrem blonden Knaben am Tisch, faltete ihm die Hände und wies ihn zu Gott. Sie erzählte ihm die biblischen Geschichten und führte ihn später in die Evangelien ein. Ein anderes mütterliches Vorbild ist die Mutter des Lyrikers Matthisson. Als Predigcrswittwe inußte sie mit der zänkischen Frau des Vorgängers das Pfarrhaus theilen. Sie setzte ihr aber einen so frommen und geduldigen Sinn entgegen, daß Frieden blieb. Der sanfte Charakter dieser Frau wirkte nachhaltend auf ihre Kinder. Auch Gellert's Mutter. mitleidig,sanft und hilfsbereit, pflanzte durch ihr Beispiel schon früh die Keime der Menschenfreundlichkeit und Nachstenliebe in ihre Kinder. Kant, de: große Philosoph, schreibt von seiner Mutter: Sie drückte in mein .Herz eine tiefe Ehrfurchl vor dem Schöpfer aller Dinge. Ich werde meine Mutter nie vergessen, sie pflanzte und nährte den ersten Keim des. Guten in mir. ihre Lehren haben einen steten heilsamen Einfluß auf mein Leben gehabt." Die Mutter der berühmten Madame Roland war ein pädagogisches Genie. Durch ihre Macht der Milde und sanften Ueberredung machte sie trotzige und starre Herzen weich und nachgebend. .'Der Vater hatte seine Tochter in der -Kindheit durch tyrannische Strenge oft zum Nachgeben zwingen wollen, vergebens; der sanften Gewalt einer Herrlichen Frauenseele gelang es spielend. Die hingebende Erziehungsweise dieser - seltenen Frau trug reiche Früchte in ' ihrem gesegneten Kinde. Eine der i geistreichsten Frauen. Frau von Stael, roar ebenfalls eine ideale Mutter. Ein Pädagoge sagt von ihr: Sollen Sie mir alle die Tugenden, die sie besaß, in einem Kranz zusammenfügen, so würde derselbe namentlich zwei Zierden ha- ' den, Lebensweisheit und wahre Mutterliebe. Das machte sie auch zu einer glücklichen Mutter." Eine so glückliche Mutter war auch die des Feldmarschalls Schwerin, des Siegers von Mollwitz. Es soll ein rührendes Bild gewesen sein, wenn der alte Schlachtenheld voll Dank gegen Gott an ihrem Geburtstage betete und dann vor ihr knieete, ihren Segen erbittend. Viele berühmte Männer verdanken ihre Wissenschaft, ihre Kunst und ihren Ruhm ihren sie anspornenden Müttern, die den schlummernden .Keim zum Leben weckten. Beethovens Mutter erzählte ihrem Sohne immer wieder von dem Großvater, der ein großer Opernsänger war, und unterstützte seine Genie, indem sie seinen Ehrgeiz weckte, und die Mutter des 'Botanikers Linne gab schon dem Kinde in der Wiege Blumen zum Spielen ; .später mußte er im Garten begießen . und Blumen warten und pflegen. Die Muiter der beiden Brüder Leopold -und Ehristian Grafen von SStolberg war eine große Naturfreundin, und in ihrem herrlichen Garten im Hollsteini--schen schlug sie ihren Söhnen das groe " Buch der Natur auf. Die Natur ist ' das einzige Buch, das den Kindern frommt, und das sie verstehen, geschrieIm mit ewiqen Lettern und voll von göttlichen Worten." In ihrem Garten trieb sie auch botanische Studien mit ihnen und legte den Keim zu der glühenden Naturliebe, die aus all den Dichtungen ihrer Söhne spricht. Die tiefe Frömmigkeit Herders ist auch auf 'das Vorbild seiner Mutter zurückzuführen. Ihre empfindsame, poetische Natur lebte in dem Sohne fort. Von Äcs Parabeldichters Krummach:r MutUt wird erzählt, daß ein vornehmer Mann mit Bezug auf sie sagte: Wenn ;lch je meine Kniee beugen könnte vor , einem Menschen, dann vor Ihrer Mut- - ter. Auch Novalis und der Philosoph 'Schleiermacker hatten fromme Mütter, 'die ihre Kindheit behüteten. Auch -Zweier englischer Mütter sei gedacht, "bie für ihre Söhne von weittragender Bedeutung wurden. Der berühmte Maler Sir Thomas Lawrence ver'dankt seinen offenen, natürlichen Sinn, se'nen bewundertenFreimukh einer vortrefflichen Mutter. Mit größter Sorg?ali arbeitete die Mutter Walter 'Scotts an der geistigen Entwickelung ihres Sohnes. Sie h mit ihm oen Homer in englischer Uebersetzung, und rvenn er an eine schöne Stelle kam, inußte er aufhören und darüber nach'denken. Die Namen vieler edler Mütter hat die Nachwelt dankbar bewahrt, und noch immer ist dies reiche Thema nicht ganz erschöpft. Ein schweres, verantwortungsvolles Werk ist die Charakterbildung. Was in der Jugend in das kindliche Gemüth gepflanzt wird, ist unausrottbar, nie mehr nachher ist der Aoden so weich und empfänglich. Wie lohnend aber ist diese Arbeit; wenn der zu bildende Charakter sich dann zu herrlicher Blüthe entfaltet, wenn ein uter Mensch mehr der Erd- geschenkt luird, dann kann das gesegnete Mutterherz. auf die Kinder deutend, mit der edlen Gracchenmutter ausrufen: .Seht, das ist mein Schmuck, das sind meine Edelsteine!" ' E s ist eine Schattenseite von Dielen, daß sie sich viel zu sehr in's Licht rücken.
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s. Der Reisende, der durch die endlose Ebene von Kansas und Iowa tagelang gedampft, der des eintönigen Verkehrs in dem Pullmanwaggon, wie des eintönigen Ausblicks aus den Fenstern müde ist, der findet Aufrichtung und Erholung, da er einmal wieder Berge sieht. In' Colorado, dem sonnigen Lande, grüßen sie ihn zum ersten Mal, die felsigen Höhen mit ihrem rothen Gestein, auf dessen Abschürfen die weißen Sonnenstrahlen metallischcnGlanz ausgießen. Ueberall kleine Bergdörfer, eingeklemmt und eingequetscht in enge Thäler und Mulden, und jedes dieser Dörfer trägt einen indianischen Namen. Das interessanteste dieser Dörfer ist wohl Manitou. Manitou ist ein indianisches Wort und deutet auf den Großen Geist" hin. der einst hier gehaust, dessen Vater, der Montblanc Colorados, der 14.147 Fuß hohe Pikes Peak ist, aus dessen steinernem Leib Manitou gesprungen. So hängen die Bleichgesichter die Namen der besiegten Rothhäute und ihrer Götter wie Trophäen auf die Landkarten. Die Rio Grande Eisenbahn, welche von Denver bis Ogden verkehrt, durchzieht die herrlichsten, romantischsten Gegenden der Staaten Colorado und Utal?. Die Jngenieurkunst hat hier ihren größten Triumph gefeiert, und die Kühnheit der Anlage wetteifert mit der Solidität der Ausführung. Die Berge rücken der Bahn näher, sobald man die Stadt Denver verläßt. Aus der dunklen Bergesstille hebt der Vater der Berge", der mächtige Pikes Peak, in der seltsamsten Form sein weißes, ehrwürdiges Haupt, und Zahnrad-LocomotZve. um seinen gewaltigen Felsenleib schlingt sich nunmehr die Bahn. Wie ein großes Wahrzeichen steht er da, bald aus freundlichen Wäldern herübergrüßend, bald mit zerrissenen Felsen und riesigen Blöcken aus Granit drohend, je nach der Seite, von wo man den Ausblick auf den Berg hat. Von Colorado Springs, dem mehr als 6000 Fuß über dem Meeresspiegel liegenden klimatischen Curort, wohin er mit dem Expreßzug gelangt ist, erreicht der Reisende mit dem Localzuge in 30 Minuten Manitou. Die Häuser dort hängen an den Felsen; überall erheben sich rotheSandsteinblöcke: 'die Straße, die sich durch den Ort hinzieht, ist roth und dieses bräunliche Roth bildet einen Rahmen zu einem Dörfchen mit seinen zerstreut liegenden Häuschen und Villen, mit seinem schäumenden Bache, der sich durch die Felsen zwängt und über die Steinblöcke rauschend stürzt. Am Bahnhofe in Manitou besteigt derReisende einen dort harrenden leichten Wagen und mit Windeseile geht es den Berg hinab; die Räder streifen den Abgrund, in dem es zischt und rauscht. Der Kutscher zeigt in die Ferne, wo sich plötzlich rothe Steine, Blöcke in den merkwürdigsten Formen erheben. Ein Wäldchen mit verkrüppelten Bäumen dehnt sich zur Seite; die Bäume sind alt. uralt, und wie die grünen, moosbedeckten Wurzeln bloßliegen, so sieht's -r'; ' !' ' ,!!!i","" , i; ' i 'J''.'!."'l'I' , ' !.'.. Z ? iLirrz T-'TZ s .,','W'!."W - '. - '.''-VTfT ;7T"Sf H'i Auf der Fahrt. aus. als ob böses Natterngezücht unentwirrbar verschlungen in dem rothen Sande sich sonnte und zwischen den Bäumen schauen die rothen Steine hervor in den merkwürdigsten Bildungen und seltsam über- und nebeneinander geschichtet. Da stehen Riesenpilze aus Stein, dort liegt ein großer Schrein und jetzt erheben sich riesige Thorwächter in rother Uniform und engen unfern Weg ein. Das ist alles durch nichts verbunden, steht lose gelöst da, man möchte schwören, daß eine menschliche Hand das alles so gestellt hat. Und doch hat nur die Natur hier ihr Spiel getrieben. Nun befinden wir uns im Garten der Götter". Ein merkwürdiges Naturschauspiel ist der Balancestein, ein Block von 7000 Pfund, der, mit der Breite nach oben, wie auf einer Nadelspitze auf einem zweiten Felsblock steht. Kleinere Steinbildungen tragen die Formen von Menschen; Carricaturen aller Art erheben sich wie kleine Büsten, dann wieder steht ein breiter Block da, auf dem sich ein wie ein Affe geformter Aufsatz befindet. Dieser Block heißt: Der Bär und der Affe". Der nächste Block siebt einem Walfisch täuschend ähnlich und so geht das fort. Einige Stunden lang durchrast der leichte Wagen die wunderbare Gegend hinauf und hinunter, und immer neue Wunder erblickt das staunend? Auge. Am nächsten Morgen wird die große Tour auf den 14,147 Fuß hohen Pikes Peak unternommen, auf dessen Gipfel eine Zahnrad - Bahn führt. Etwas komisch und nicht sehr verläßlich sieht
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das Dampfrößlein aus, da, schnaufend und prustend, den Waggon auf der Doppelzahnradstange bergan schiebt. Die großen Steinbilder Gog und Magog schauen wie Niesen auf den einfach gebauten Wagen herab, der sich mühsam durch die Schlucht zwängt. Wir kommen in die Residenz des großen Geistes Manitou. Das muß ein. gar mächtiger Geist gewesen sein! Welch' riesige Steinmassen er in
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UeberbrückteSchlucht. seinem Zorne herabgeschleudert! Häusergrze Blöcke liegen in der Tiefe, durch die ein weißschäumendes Wasser rauscht, das plötzlich unter diesen Blöcken verschwindet und weit, weit unten wieder zum Vorschein kommt. Das ist Minnehaha, das lachende Wasser, das der große Manitou in die Ebene sendet. Manchesmal scheint es, als sei der Berg mitten auseinander gesägt, so glatt, so scharfkantig sind die beiden Seiten, dann wieder liegen die Steine sorgfältig übereinander. Minnehaha heißt die erste Station, an der wir haltto vor einem kleinen, leicht gezimmerten Blockhause, dessen Fenster sauder mit Gardinen geziert sind. Die Maschine rastet nur einige Minuten, dann beginnt sie wieder zu schnauben und stößt uns weiter in die Höhe. Die zweite Station heißt Half-Way-House" wir sind an der Hälfte des Weges angelangt. Ein kleines Hotel aus Holz ist hier errichtet. Nun wird aber die Sache etwas unheimlich. In einem Winkel von 40 Grad steht der Wagen knapp am Abgrund, das Nadelholz verkrüppelt sich zu strauchartiger Pflanzenmißaedurt, kleine, schwarze Vögel mit karmoisinrother Halskrause und langen, braunen Schwanzfedern hüpfen zwischen den Stämmen, ganze Felder sind mit röthlichem Steingerölle, hoch aufgeschichtet, angefüllt. Dann geht's wieder senkrecht, schauerlich tief hinab. Ein eisiger Wind dringt in den Waggon, die Fenster werden geschlossen, die Oberkleider angelegt, man sieht die ersten bleichen Gesichter, die Luft wird dünn und der Athem wird schon schwer. In großen weiten Serpentinen steigt die Bahntrace in die Höhe. Vorwärts hebt sich der Weq. v Auf dem Gipfel. Es zeigt sich Schnee, er liegt in den Falten der Steine, er wird dichter, und nun fährt der Wagen durch eine hohe Schneemauer durch. Vier Stationen berühren wir. Nach fast zweistündiger Fahrt sind wir auf einem mit Steingeröll und Blöcken bedeckten Plateau, auf der Spitze des Pikes Peak, der seinen Namen von General Zebulon M. Pike hat. der ihn 1806 entdeckte und zum ersten Mal bestiegen hat. Ein kalter, rauher Wind streicht da oben, man friert, und das Athmen ist entsetzlich. Man fühlt an den Schläfen einen beängstigenden Druck, das Herz klopft unruhig, das Blut stürmt und drängt gegen die Pulse. Das ist die Bergkrankheit. In dem Hause auf der Höhe des Pikes Peak befindet sich die höchste Telegraphenstation der Welt und auch ein Postamt. Hier ist eine meteorologische Station angebracht, die dreimal täglich den Wetterbericht nach Washington gibt. Um von der Kühnheit der Bahnanläge eine Idee zu haben, sei erwähnt, daß der Rigi 5832. der Pilatus 6963 englische Fuß hoch ist, während die Jungfrau, die jetzt auch durch eine Zahnradbahn bezwungen wird, 13.667 englische Fuß mißt gegen 14.147 des Pikes Peak. Stoßseufzer. Radler: War' ich froh, könnt' ich jetzt auf meine Taschenuhr seh'n, wie spät es ist aber ich kann ja noch nicht einmal nach einer Thurmuhr schau'n!" Hoffnung. Richter: Weshalb haben Sie im Arrest so fllrchterlich gerauft?" Seppl: Wir hab'n gehofft, daß s' uns dann vielleicht hinauswerfen!" Wenn einMann auf einen andern wüthend ist, so sagt er ihm alles in's Gesicht, was er von ihm denkt: ist aber eine Frau auf eine andere wüthend, so sagt sie ihr, was die andern von ihr denken. ' Darum. Na. Ihr Freund hat sich mit feinem lenkbaren Luftballon ja nett blamirt! Wie er aufstieg, gehorchte ihm der Ballon nicht!" Er nahm eben unvorsichtiger Weise seine Frau mit; in ihrer Gegenwart hat er nichts zu sagen!"
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Schweizer Volkstrachten. Das glückliche Schweizerland hat nicht bloß Ueberfluß an farbenprächtigen Bergblumen und würzigen Alpenkräutern, sondern weist auch immer noch einen entzückenden Reichthum auf an alten ehrwürdigen Bräuchen, Festen und Trachten. Was wird da nicht jährlich an Grünwert, Blumenguirlanden, buntfarbigen Flaggen-, Bänder- und Trachtenschmuck durch die Thalschaften hin aufgewendet! Welche reizenden Bilder kann man da nicht an denSchützen-, Sänger-, Turn- und Schwingfesten beobachten, nicht Buntschmuckzeichnungen, sondern echte lebende Bilder, an denen jeder Maler seine Freude haben kann, wie es denn auch kein Wunder ist, wenn Künstler jeder Art diese Stätten, wo sich das Volksthum frei entfaltet, mit Genuß und Gewinn aufzufuchen Pflegen. Es ist wohl öfter gesagt worden, daß die alten Volkstrachten im Aussterben begriffen seien. Das mag zum Schaden der landwirthschaftlichen Eigenart an großen Fabrikorten wohl der Fall sein, allgemein ist diese Erscheinung jedoch nicht. Denn 'gerade da,two auf dem Lande nochWohlstand herrscht, ist man sich in den Kreisen der Bauernmädchen recht sehr bewußt, daß dieBeibeHaltung der alten Volkstracht in viel höherem Grade auf reichen Erbstand schließen läßt, als die zur Allerweltsmode gewordene französische Städterinnentracht. Letztere kann sich auch das ärmste Fabrikmädchen leisten, aber zu dem schweren 'Silberschmuck, den in nebenstehendem Bild das Bauernmäd-
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L u z e r n. Bern. chen an ihrem Mieder und über dem Brusthemd trägt, gehören des Vaters Truhen voll echter harter Silberthaler. Das ist auch der Grund, weshalb in neuerer Zeit manches reiche Bauernmädchen wieder angefangen hat. die alte Volkstracht zu würdigen, denn es hat sich gezeigt, daß deren Trägerinnen viel leichter unter die Haube kommen. In welcher hohen Werthschätzung so ein Bauernmädchen weit durch die Schweiz hinsteht, das sagt uns der anmuthige Spruch: Wenn i scho kei Distelfinkli bi. So bin i doch kein Spatz: Wenn i scho kei Bernermeitschi ha, So han i doch en Schatz. Die Mannigfaltigkeit der Volkstrachten ist ein Spiegel, in welchem sich die Costümmoden vergangener JahrHunderte fixirt haben. Das macht die Reise durch die Schweiz so interessant. daß man, mit der Eisenbahn, auf dem Fahrrad oder zu Fuß kaum einige Stunden von einem Orte weiter gelangt, gleichsam wieder in ein neues Museum vergangener Culturzustände, soweit sie sich äußerlich abprägen, eintritt. Die meisten Vollstrachten, insbesondere die weiblichen, sind die letzten Zeugen von einst höfisch gewesenen Costümmoden. Weitaus die Mehrzahl solcher weiblicher Volkstrachten stammt aus den Zeiten des dreißigjährigen Krieges. Damals wurde Mitteleuropa der Schauplatz aller möglichen Trachten des Nordens und des Südens, von den Schweden blieb dies, von den Spaniern, Franzosen und Venetianern jenes hängen. Es ist ost schwierig, herauszufinden, was in dieses und was in jenes Jahrhundert gehört. Die cylindrische, Mauerkronen ähnliche Haube ,r J3?&8 tW'Vj0l .,W.g) St. Gallen. S ch w y z. der Walliserm'adchen war im sechzehn ten Jahrhundert noch vornehm Mitteleuropäisch, das Schnürmieder trugen um 1650 die französischen Edeldamen. Je nach dem Wohlstand, dessen sich eine Bevölkerung erfreut, hält sie an dieser oder jener in der übrigen Welt außer Kurs gekommenen Mode fest, und wie es in abgelegenen Gegenden Europas gewiß jetzt noch- Orte oder Liebhaberinnen giebt, die nicht von der Krinoline lassen können, obwohl diese seit dreißig Jahren nicht mehr hoffähig ist, gerade so giebt es auch noch Gaue, wo man, in mehr oder weniger modifizirter Form die Halskrause ; la Maria Stuart noch bis zur Stunde für reizend hält und weiter trägt. Je nachdem dann die benachbarte Thalschaft diesen Geschmack theilt oder aber für sich ablehnt, entstehen allerlei Scherzreden über der Nachbarn Sonderheiten, und lose Spottvögel dichten dann Verse, wie die folgenden, in welchem sich der Reichthum der Schweizer mit dem Stall voll Zicklein über die angebliche Armuth der Appenzeller lustig macht: Mi Mueter ist en Schwitzen, Sie het en Stall voll Gitzeli; Mi Vater ist en Appezeller, Het weder Most no Wi im Cheller. In solcher launigen Stimmung offenbar machte einer vor Jahrhunderten
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den Spottvers auf die steife Ledertracht, die die Schweden in's Land brachten. Da heißt es denn spaßweise jetzt noch in der Schweiz, solche LederHosen und Strümpfe bekämen niemals Falten: Wenn eine tannige Hofe het Und hagebuechige Strümpf, So chan er tanze wie'n er will, Es git eim cheine Rümpf. Ein anderer Spaßvogel aber dichtete den Spruch also um: Wenn eine ne steinige Acker het Und het en hölzige Pflueg, Wenn eine ne böse Fraueli het. So ist er g'schlage gnueg. Ter Berliner Dom.
Das nächst dem Bau des Reichstagshauses großartigste baukünstlerische Unternehmen in Berlin, die Errichtung des neuen Domes, ist gegenwärtig so weit gefördert, daß die Abrüstung am Aeußern des Gebäudes erfolgen konnte, während an der Ausgestaltung des Innern noch allseitig gearbeitet wird. Die künstlerische Wirkung des in Hellem Sandstein im Stil der Renaissance aufgeführten BauWerks ist ohne Frage eine sehr bedeutende, im besondern günstig von den Spreeufern aus. Bei aller Mächtigkeit der Formen steigt der Bau leicht und in reichbewegten Linien malerisch auf. Professor I. Raschdorff hat in ihm eine glänzende, der Hauptstadt und des kaiserlichen Bauherrn würdige Schöpfung vollendet. Für die Außenarchitektur sind dabei die Pläne, die Kaiser Friedrich für den Dombau aufgestellt hatte, in ihren Grundzügen maßgebend geblieben, eine völlige Umformung hat dagegen das frühere Projekt der Inneneinrichtung erfahren. Die ehemals geplante Festkirche als Hauptraum der Anlage, den die Kuppel krönt, ist zur Predigtkirche geworden; die geplante Pfarrkirche, die sich an die Südseite des Mittelraumes anschließen und in ihrer Anordnung der für die Nordseite projektirten Grabeskirche entsprechen sollte, wurde, zu einem kapellenartigen Nebenraum, zur Tauf- und Traukirche für den Hof, umgestaltet, der Predigtkirche angegliedert, während die Gruftkirche an der nördlichen Seite des Domes in einer Der Dom. selbstständigeren Ausbildung dem Bau angefügt ist. Diese Veränderungen sind nicht nur vom künstlerischen Standpunkt angesehen Verbesserungen, sondern auch im Sinne der Schaffung eines wirklich evangelischen GottesHauses, einer Kirche, die den Bedürfnissen des modernen protestantischen Kultus voll entspricht. In Bezug auf die räumliche Ausdehnung wird der Berliner Dom gegen die großen Kirchen Italiens, Frankreichs und Englands um einiges zurückstehen, vielleicht nicht zum Schaden seiner Bestimmung als Predigtkirche, bei der die Akustik die wichtigste Rolle spielt. Der quadratische Kuppelraum des Domes mißt 31,5 Meter, die Kuppel von St. Peter in Rom 42 Meter, des Jnvalidendomes in Paris 37 Meter, von St. Paul in London 35 Meter. Zur weiteren Bergleichung seien die Sophienkirche in Konstantipol mit 31 Meter Kuppeldurchmesser, die Frauenkirche in Dresden mit 23 Meter, die ovale Kuppel der Paulskirche in Frankfurt a. M. mit 18,7:26 Meter angeführt. Die Raumverhältnisse des Berliner Domes sind also immerhin äußerst stattliche. Der Gesammtkomplex hat eine Länge von 112 Meter, eine Tiefe von 75 Meter, die westlichen Glockenthürme erreichen eine Höhe von 85 Meter, die äußere Höhe der Kuppel beträgt etwas über 100 Meter, die innere 73 Meter. Besonders imposante Ausmessungen hat das Hauptportal am Lustgarten erhalten das 13 Meter breit und 21 Meter hoch ist. Unter Backfischen. Denk' Dir. der Doctor Meyer kann oft furchtbar naiv sein; gestern fragte er mich, ob ich schon einmal einen Roman qelesen hätte!" D e r b r a v e Gatte. Ist das 9r. Cobb's Gattin, die dort mit ihm auf dem Tandem fährt?" Ratürlich. Du siehst doch, daß er sie ganz alleine arbeiten" läßt." Origineller Verrath. Sag' mal, Elschen, weißt Du schon, was man unter der sogenanntenSchönfärberei versteht?" Klein Elschen: Das, wobei ich der Mama bei ihrer Toilette nie zusehen darf." Redlicher Erwerb. Sie: Findest Du es nicht unehrenhaft, daß der Baron, wie er sagt, nur des Geldes wegen heirathen will?" Er: Nee. er wird sich's schon sauer genug verdienen müssen." Einziges Mittel. Wie kommt es nur. daß die alte, häßliche Frau Meyer so oft auf Reisen geht?" Ja. die ist in ihren jungen, hübschen Gatten närrisch verliebt und der gibt ihr nur KW, wenn sie abist!". . . -
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Ein Vonzennrostcr. Die berühmteste Stätte des buddhistischen Mönchthums ist das Bonzenkloster von Kuschan. Das Kloster liegt an den Flanken der Fu-tscheu-Berge in prachtvoller Lage, umgeben von den rauschenden Wipfeln des Hochwaldes und einigen sorglich angelegten Gärten und Feldern. Eine Riesentreppe von 1800 Stufen führt aus dem MinThale im Zickzack und mit mäßiger Steigung empor. Kleine Pavillons laden von Zeit zu Zeit den aufsteigenden Pilger zu einer Ruhepause ein, und der dienende Bonze bietet ihm eine Tasse Thee zur Erfrischung an. Auf der Höhe angelangt, tritt man durch ein mächtiges Thor in einen ausgedehnten Hofraum. Zunächst dem Thore schaut ein grinsender Buddha und ein Drache aus Metall auf einen nieder. Aus einem Becken aus Bronze steigt duftiges Rauchwerk auf. Zur Seite halten vier 10 Fuß hoheStatuen Wache, die Schutzgötter des Reiches. Einer hält in der Hand ein Schwert,
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TnurijnrTrar P Haupteingang. dessen Schneide er mit den Fingern prüft, der andere einen Regenschirm, der dritte eine Guitarre, der vierte eine Schlange. Nach andern stellten die Gestalten die Schutzgeister des Krieges, des Friedens, der Kunst und des Landbaues dar. Die Klostergebäude sind weitläufig, bilden aber kein planvolles Ganze, sondern ein wirres Durcheinander. Ueberall in den Gängen, Hallen, Sälen stehen unzählige Bilder und Statuen von Göttern und Göttinnen, groß und klein, alle von abstoßender Häßlichkeit, die einen mit riesigen Wänsten, andere mit Thierköpfen, oder phantastische Zwittergestalten. halb Mensch halb Thier, wieder andere mit Dutzenden von kurzen Armen oder Beinen, die in komischem Mißverhältniß zum übrigen Körper stehen, viele in sonderbar lächerlicher, oft geradezu unanständiger Stellung und Haltung. Ueber 100 Bonzen bewohnen das Kloster. Ihr Kopf ist glatt rasirt. ihr Gang langsam und feierlich, ihr Aussehen ernst und melancholisch. Sie tragen ein weites saltiges Kleid von weißer Farbe. Fragt man nach den Beweggründen und Veranlassungen, welche in der Regel zum Bonzenstande führen, so ist es nur in den wenigsten Fällen ein höheres religiöses Streben. Der Nachwuchs der Klöster wird großentheils durch den Ankauf von Kindern gesichert, die im zarten Alter aufgenommen und durch Angewöhnung und Zwang in den Bonzereien festgehalten werden. Sehr häufig übergeben die Eltern auch freiwillig ihre überschüssigen Sprößlinge den Mönchen. Außerdem findet eine beträchtliche Zahl von flüchtigen Verbrechern in den Vonzereien eine Zuflucht. Endlich ladet das sorgenfreie Leben und ein geSchutzgötter. sicherte? Lebensunterhalt manche zum Eintritt ein. In geistiger, wissenschaftlicher Hinsicht stehen die Bonzen sehr tief. Nur ein kleiner Bruchtheil von ihnen kann lesen. Die größere Zahl übt irgend ein Handwerk im Dienste des Klosters. Manche sind auswärts in den Pagoden, Fremdenhäufern u.s . w. beschäftigt oder gehen auf Bettel aus. Einmal im Jahre werden die jungen Bonzen von 20 Stunden im Umkreis in Kuschan versammelt zu einer Art Einkleidung oder Weihe. Auf dem glatt rasirten Kopf der Candidaten werden kleineKügelchen ausSchwefel, Fett und Rauchwerk befestigt. Die einen haben deren 3, andere 6. wieder andere 12. ja bis 15. Im gegebenen Augenblick zündet der aufnehmende Bonze diese KLgelchen an und sofort verbreitet sich der widerliche Geruch des verbrannten Fleisches der Novizen. Natürlich besitzt auch Kuschan. wie so viele andere Buddhistenklöster, zwei Zähne Budda's von erschreckender Größe. Diese zusammen würden ein Gebiß bilden, um das ein Riesensaurier Budda beneiden könnte. O w e h ! Dienstmädchen: Madame, der Papagei hat schon wieder 'ne Menge neue Worte gesagt." Madame (zum Besuch): Ja. meine Lore ist sehr gelehrig; sie hört auf jedes Wort, was mein Mann zu mir Was sagte denn das Thicr?" Dienstmädchen: Halt's Maul, alt: Gans!" Erster Gedanke. Herr und Frau Müller besichtigen im Panoptikum eine Negertruppe. Frau: Ob die Leute in ihrer Heimath auch so barfuß umherlaufen wie ber?" Mann: Gewiß, genau so." Frau: Dann beneide ich die Frauen." Mann: Wieso?" Frau: Weil sie für ihre Männer keine Strümpfe zu stopfen brauchen.- . , ;
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Frau Kandel: Du wagst es also, so spät in der Nacht aus dem WirthsHause heimzukehren?" Herr Kandel: Ja. Du hast Recht, es war unverantwortlich ich bin ein miserabler Ehemann, ein Schlemmer, und ich muß mich entschieden ändern!" Frau Kandel (anfangs sprachlos, dann voller Entrüstung losbrechend): Ja. was soll das heißen! Hab' ich hier die Gardinenpredigt zu halten oder Du?" Höchstes Phlegma. Sie, auf dem Platz hat noch Nie mand einen Fisch g'fangen, da ist die ganze Plag' umsonst!" Ach was, ich bin froh' wenn Keine? anbeißt, brauch' ich ihn nit 'rauszu ziehn!" Fatal. A. : Mensch, wie sehen Sie denn so zugerichtet und zerschunden aus?" B. : Ich bin gestern nach dem Theater mit dem Autor verwechselt worden." ' Richter: Sie sind ein arbeitsscheuer, verstockter Mensch; jeder Besserungsversuch bei Ihnen ist vergeblich? Mühe!" Vagabund: Na. na. Herr Richter, nur nöt die Kurasch verlieren! Pech. . . .Aber, hören Sie 'mal, in Jh rem Stück ist ja fast Alles gestohlen! Was soll denn da von Ihnen fein?" Ach, das hat die Censur gestrichen!" Ein Verschwiegener. nrnnm . . .Ich danke Dir. alter Freund, daß Tu mir allein dies Geheimniß an vertraut hast. Bei mir ist es sicher auf cehoben und ich werde auch meiner rau sagen, daß sie es nicht weiter er zahlen soll!" EinGlücklicher. Freund, ich halte es mit meiner Frau nicht mehr aus. Begegnet mir eine Bekannt: und grüßt mich, spricht sie vierzehn Tage lein Wort mehr mit mir." Du Glü. licher. Meine würde mindestens eben lange räsonniren."
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