Indiana Tribüne, Volume 23, Number 13, Indianapolis, Marion County, 1 October 1899 — Page 3
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Neman von il. Qrth. (10. Fortsetzung.) Da durfte es ihn freilieft kaum wun fc.nrhx.en, trenn man ihn halbe Stun den lang in den Vorzimmern warten U.Z. , c . k" ließ, UM iyn cann, wenn er anfing, ungeduldig zu werden, mehr als ein mal mit der AuZkunft fortzuschicken, der Beamte, den er zu sprechen b.egehre. 1 ei durch wichtige Staatsangelegenhei ten leider zu sehr in Anspruch aenommen, um ihn empfangen zu können. vütx auch da, wo es ihm nach langem Harren endlich gelang, vorgelaffen zu werden, war das Ergebniß nicht danach angethan, ihn zu befriedigen. Die Herren empfingen ihn zwar stets mit ausgesuchter Höflichkeit und hörten ihn geduldig an. doch nur, um zuletzt unter der Versicherung ihres lebhaftesten Bedauerns zu erklaren, daß die Angelegenheit nicht in ihren Amtsbereich falle, und daß sie darum nicht im Stande seien, irgend etwas für die Ersullung seiner Wunsche zu thun. Kelner von ihnen wollte auch nur die ge ringste Kenntniß von der Verhaftung eines gewissen Alvarez haben, und je häufiger sich Werner mit dem namll chen Bescheide abgefertigt sah, desto unabweislicher mußte sich ihm die Be fürchtung aufdrängen, daß zwischen all diesen hoflichen Caballeros ein geHeimes Uebereinkommen bestand, sich ihre Kreise gegenseitig nicht zu stören. Einer schickte ihn zu dem anderen, aber das Resultat war immer dasselbe: nie mals gelangte Werner an die richtige Stelle. Die Uhrzeiger aber ruckten mit unbarmherziger Gleichmäßigkeit vorwarts, und der Spätnachmittag war bereits herangekommen, ohne daß er seinem Ziele auch nur um einen Schritt naher geruckt wäre. In halber Verzweiflung hatte er schon zweimal versucht, bis zu dem Präsidenten selbst vorzudringen. Jedesmal aber hatte er dies Unternehmen als ein völlig hoffnungsloses wieder aufgeben müssen, denn er hatte die Vorzimmer mit so vielen Deputirten und anderen bedeutenden Persönlichleiten erfüllt gefunden, daß er sich sogleich sagen mußte. Seine Excellenz werde schwerlich geneigt sein, ihm Gehör zu schenken. Da begab er sich d:nn, als er alle anderen Möglichkeiten erschöpft hatte, noch einmal zu dem Polizeipräfekten, fest entschlossen, sich diesmal nicht wieder mit einem artigen Achselzucken abspeisen zu lassen. Auch hier fand er eine Menge von Leuten, die vorgelassen zu werden wünschten. Aber ob nun die dringende Bitte, die er auf seine Visitenkarte geschrieben, diesen Erfolg vewirkt hatte, oder ob der Prafekt andere Ursachen für seme LlebensWürdigkeit hatte, jedenfalls wurde er sofort eingeführt, und der hohe Beamte kam ihm sehr freundlich um einige Schritte entgegen. Ich habe Sie um Entschuldigung zu bitten, Senor", sagte er, daß Sie genöthigt waren, sich zweimal zu bemuhen. Es geschah lediglich infolge eines Mißverständnisses oder vielmehr einer Namensverwechslung, daß ich Ihnen bei Ihrem erstenBesuche erklärte, nichts von einer Affaire Alvarez zu wissen. In der That ist ein Mann dieses Namens verhastet worden, weil er die Unklugheit begangen hatte, hierher zurückzukehren, obwohl ein rechtskräftiges Todesurtheil gegen ihn vorlag. Das Verbrechen, wegen dessen er seiner Zeit vor das Kriegsgericht gestellt worden war, hatte allerdings einen überwieg:nd politischen Charakter, aber er gehörte dessenungeachiet aus Gründen, die ich Ihnen hier nicht ausführlich Wiedergeben kann, nicht zu denen, die in die allgemeine Amnestie einbegriffen waren. Nach den Buchstaben des Gesetzes hätte das Urtheil jetzt an ihm vollstreckt werden müssen. Seine Excellenz der Herr Präsident aber hat auf die Verwendung einer angesehenen Persönlichkeit hin von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch gemacht, und Senor Pedro Alvarez wurde bereits gestern Abend aus dem Gefängniß entlassen." Das war allerdings eine so günstige Auskunft, wie sie Werner kaum zu erhoffen gewagt hatte. Mit großer Lebhaftigkeit gab er seiner aufrichtigen Freude Ausdruck, um dann die Frage hinzuzufügen, wo er den Freigelassenen jetzt finden würde. Mit demselben verbindlichenLächeln, das seine vorige Eröffnung begleitet .hatte, erwiderte der Pollzeipräfekt: ..Das dürfte Ihnen allerdings nicht leicht werden. Senor. denn der Herr, an dessen Schicksal Sie so menschenfreundlichen Antheil nehmen, wurde sogleich unter sicherer Bedeckung über die Grenze befördert. Es war die denkbar gelindeste Strafe für seinen Leichtsinn und überdies eine Maßregel, die zu seiner eigenen Sicherheit geboten schien." Etwas weiteres war an dieser Ste nicht in Erfahrung zu bringen, und da Werner mit dem Augenblick, wo er über das Schicksal des Senor Alvarez beruhigt war, den dringendsten Theil seiner Aufgabe als erledigt betrachten konnte, begab er sich jetzt zunächst nach dem Bankgebäude, wo die bedrohliche politische' Lage seine persönliche Anwesenheit g'erade heute mehr als sonst nothwendig machen mochte. Es überraschte ihn nicht allzusehr, als er beim Betreten seines ArbeitsZimmers Tenor Manuel del Vasco da?in vorfanv. Der Gerant hatte ihn hier wohl sichon seit geraumer Zeit erwartet, denn er ruhte mit ausgestreckten Beinen in' einem der Lehnsessel, und ein bläulicher Nebel von Cigarettenrauch erfüllte, das ganze Gemach. Bei
WernerZ Anblick sprang er auf und ging ihm lächelnd entgegen. Wie heißt es doch in Ihrem deutsehen Sprichwort?" rief er gut ge launt. Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muß der Prophet sich wohl
bequemen, zum Berge zu gehen. Wir haben Sie während des ganzen Vormittags erwartet, und ich brauche Jhnen wohl nicht erst zu sagen, wer dabei die meiste Ungeduld an den Tag gef. i ci ftf. k rzL icui iiui. zidzx c oeoarr ieincr ZNIschuldigung. Ich hörte ja hier, daß Sie durch Außergewöhnliches in Anspruch genommen seien, und zweifle nicht, daß die Gründe Ihrer Abhaltung von sehr wm)llger viaxux waren. Er hatte das alles in seiner liebenswürdigenWeise so hastig hervorgesprudelt. daß Werner nicht Zeit gefunden hatte, ihn zu unterbrechen. Dabei schien er es in seinem Eifer nicht einmal zu bemerken, daß der Bankdirektor die dargebotene Hand nicht berührt hatte, sondern sogleich an seinen Ar beitstisch gegangen war, um sich in den (schrelbsessel niederzulassen. In der That, Senor del Vasco, erwiderte Werner ietzt. als der andere endlich innehielt, rn kühlem und gemesjenem Tone, es waren sehr wichtige und sehr dringende Angelegenheiten, die mich heute Vormittag verhinderten. zu Ihnen zu kommen die Angele genheiten eines Mannes, der auch Ihnen, wie ich vermuthe, nicht ganz un bekannt sein dürfte des Senor Al varez. Für einen Moment verrieth sich etwas wie Betroffenheit in Don Manuels Zügen; aber es ging blitzschnell vorüber. Alvarez?" wiederholte er, derselbe. der durch meine Fürsprache vor dem Schicksal des Erschossenwerdens bewahrt wurde? Wie in aller Welt konntenSle mit der Sache dieses Mannes behelligt werden?" Sie werden mir gestatten, Ihnen die Antwort darauf einstweilen noch schuldig zu bleiben. Aber Sie sagten soeben, daß Sie es waren, dem der Mann seine Begnadigung zu danken hübe. Darf ich diese Erklärung ganz buchstäblich nehmen?" Senor del Vasco machte ein erstauntes Gesicht. Ich verstehe nicht. Senor: Glauben Sie etwa an der Wahrheit meiner Worte zweifeln zu sollen?" Man sagte mir freilich, daß die Haftentlassung des Gefangenen auf die Verwendung einer angesehenen Personllchkeit erfolgt sei, erwiderte Werner. wie wenn er die letzte Frage nicht gehört hatte, aber ich hielt es jetzt nicht für sehr wahrscheinlich, daß Sie diese Persönlichkeit gewesen seien." Und warum nicht? fragte del Vasco mit gut gespielter, naiver Verwunderung. Sie würden es im Gegentheil sehr begreiflich finden, wenn man Ihnen zugleich gesagt hätte, daß Niemand ein so großes Interesse an seiner Begnadigung hatte, wie gerade ich. Der Mann war nach Buenos Aires gekommen, um als Zeuge tn einem Prozeß aufzutreten, den ich als Vormund für die verwaiste Tochter meiner seligen Schwester führe. Seine Aussage sollte uns, wie ich noch gestern glaubte, zum Siege über unsere Gegner verhelfen, und es war also, wie ich offen eingestehe, nicht nur das rein menschliche Mitgefühl, das mich bewog. alles nur Erdenkliche für die Freilassung des Menschen aufzubieten. Wenn ich gewußt hätte, daß ich mich nur für einen gewissenlosen Schwindler verwandte, so hätte ich es freilich nicht so eilig damit gehabt." Für emen Schwindler? Was wollen Sie damit sagen, Senor?" Verzeihen Sie, mein lieber, junger Freund, wenn ich mich nicht näher darüber auslassen darf. Ich bin ein wemg erstaunt zu sehen, em wie großes Interesse Sie an der Person des Senor Alvarez nehmen. Aber es fällt mir nicht ein, Ihnen mit zudringlichen Fragen lästig zu werden. Jeder Mensch hat ja seine kleinen Geheimnisse und darf mit gutem Recht verlangen, daß man sie respektirt. Dieienigen, über welche Sie von mir Auskunft verlangen, sind vollends Nicht einmal die meinigen, fondern es handelt sich dabei um Dinge, die ich ledig llch in meiner Eigenschaft als SachWalter einer anderen Person erfahren habe. Und ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, daß mich schon mein Advokateneld da zu unbedingter Verschwiegenhcit verpflichtet. Aber meinen Sie nicht, lieber Sohn, daß wir eigentlich zunächst von ganz anderen Dingen reden sollten? Ich habe erwartet, daß Sie mir in Bezug auf die gestrigen Vorkommnisse eine Erklärung zu machen wünschten." Das ist in der That meine Absicht. Aber ich muß zu meinem Bedauern den vertraulichen Namen ablehnen, den Sie mir zu geben belieben. Ich habe weder ein Recht darauf, ihn zu empfangen. noch den Wunsch, ihn mir zu erwerben. Jetzt machte Don Manuel doch c-.ro-ße Augen, und zum erstenmal verschwand das verbindliche Lächeln gänzT ! 1 , r . ri.r vi w rt iug von seinem )encyi. lüjie, enor; Verstehe ich Sie recht? Wollen Sie damit sagen, daß " Ich will damit sagen." fiel Werner ruhig ein, daß ich auf die Ehre verzichten muß, in nähere Beziehungen zu Ihrer Familie zu treten." Del Vasco trat auf ihn zu. Die Hand, die er auf den Rand des Schreibtisches gestützt hatte, zitterte merklich. Was Sie da aussprechen,, Senor. wäre eine unerhörte, eine tabu liehe Beleidigung, wenn ich nicht vorläufig noch annähme, daß es sich' nur um ein Mißverständniß handelt. Las sen Sie uns also ohne Umschweife red?n! Meine Tochter hat mir gesagt.daß St? ihr eine Erklärung gemacht, daß Sie sie umarmt und geküßt hätten. Als
ein Mann von Ehre konnten Sie nicht
darüber lm Zweifel sein, daß Sie damit gewisse unabweisllche Verpsllchtun gen übernahmen." Und ich Würde nickt z'öaern. diesen Verpflichtungen nachzukommen. wenn ich nicht inzwischen erfahren hätte, daß Senorita Jsabella dieselben Beweise ihrer Gunst vor mir schon ein:m anderen geschenkt habe." Ah. eine Intrigue also eine nichtswürdige Verleumdung! Ihr sonderbares Benehmen ließ mich sogleich etwas derartiges vermuthen. Aber es wird Ihnen genügen, wenn ich als Jsabellas Vater Ihnen mein EhrenWort verpfände, daß niemals " Halten Sie ein!" unterbrach ihn der Bankdirektor. Auch Ihr Ehrenwort könnte mich nicht irre machen in meiner einmal gewonnenen Ueberzeugung und in meinem einmal gefaßten Entschlüsse. Sie selbst werden nicht mehr erwarten, daß ich mich um die Hand Ihrer Tochter bewerbe, nachdem ich Ihnen gesagt habe, daß ich über die Natur von Fräulein Jsabellas BeZiehungen zu meinem unglücklichen Vorgänger ziemlich genau unterrichtet bin." Für die Dauer einiger Sekunden blieb Don Manuel stumm. Das war eine Ueberraschung, auf die er offenbar nicht vorbereitet gewesen war, und die ihn seiner sonst nie versagenden Geistesgegenwart für einen Moment beraubte. Aber noch einmal raffte er sich auf, denn offenbar hoffte er noch immer. das Spiel zu gewinnen. Darauf also lauft es hinaus? Nun, der Lügner, der Ihnen in irgend welcher schurkischen Abncht ein abenteuerliches Märchen erzählt zu haben scheint, mag es verantworten, wenn ich gegen meinen Willen gezwungen vrn. mich unfreundlich über einen Todten zu äußern. Ihr Vorgänger war ein unklarer Phantast, ein eingebildeter Narr, der sich rn die Sitten unseres Landes nicht zu finden wußte und der harmlosenFreundlichkeit Jsabellas eine Deutung gab. an die sie selbst niemals gedacht hatte. Sie war grenzenlos erstaunt, als er ihr eines Tages seinen Antrag machte, und die zudringliche Manier, m der es geschah, mag sie zu einer etwas scharfen Zurückweisung genöthigt haben. Ob die Enttäuschung einen Antheil hatte an seinem Selbstmordentschluß, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Aber ich habe Ursache, zu vermuthen, daß Senor Strahlendorf geistig überhaupt niemals völlig gesund war." Diejenigen, die ihm m seiner deut schen-Heimath nahe standen, sind darüber anderer Ansicht," unterbrach ihn Werner kalt. Man würde ihn sicherlich nicht auf diesen verantwortungsvollen Posten gestellt haben, wenn man nicht von seiner Klugheit und Tüchtigkeit überzeugt gewesen wäre." Nun. meinetwegen! Jedenfalls hat er sich hier wie ein Verrückter benommen. Und ich bin am Ende nicht die geeignete Person. Ihnen über die Dinae. die sich zwischen ihm und meiner Tochter abgespielt haben, bis ins einzelne Auskunft zu geben. Wenn Sie ich berechtigt qlauben, daraufhin einen Vorwurf gegen Jsabella zu erheben, so n -. .kt, . . cncfijci :c : es unzwelieioasi yre iiaji, uji das von Angesicht zu Angesicht zu sagen. Ich werde trotz Ihrer beleidigenden Worte von vorhin einer solchen Unterredung keine Hindernisse in den Weg legen und erwarte, daß Sie eine entscheidende Erklärung erst von dem Ergebniß dieser Auseinandersetzung abhängig machen." Ich danke Ihnen sur die freundiche Absicht, Senor del Vasco, aber ich bedaure. mich Ihres Anerbietens nicht bedienen zu können. Was ich Ihnen vorhin gesagt habe, war mein letztes Wort. Eine Unterredung mit Senorita Jsabella wäre ebenso zwecklos, als sie für beide Theil peinlich sein würde." Der Gerant hatte sich verfärbt. Die Entschiedenheit der Antwort mußte seine letzte Hoffnung ins Wanken bringen. Er besaß Menschenkenntniß genug um zu fühlen, daß er auch von einer noch tieferen Demüthigung keinen Erfolg zu erwarten habe, und nur die Verzweiflung über den unvermutheten Zusammenbruch des so geschickt angelegten und anscheinend bereits völlig gelungenen Planes ließ ihn noch ein letztes Mittel versuchen. Er richtete sich hoch auf, und seine feurigen Augen schienen plötzlich Blitze des Zornes zu sprühen. Ich bin ein Caballero, Senor! Und so weit dieGeschichte meines Geschlechts in die Jahrhunderte zurückreicht noch niemals hat ein del Vasco sich ungestraft beschimpfen lassen. Ich müßte mich meines Namens und meiner Abstammung schämen, wenn ich eine Beleidigung wie diese ungesühnt ließe. Ueberlegen Sie also wohl, was Sie da thun wollen. Nur in Ihrem eigenen Interesse geschieht es. wenn ich Ihre Erklärung trotz alledem noch nicht als die letzte ansehe. Ich gebe Ihnen vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit für Ihren Entschluß. Es wäre ein Unglück nicht nur für meine arme Tochter, sond:rn auch für Sie, wenn Sie sich bis dahin nicht auf Ihre Pflichten zu besinnen vermöchten." Ich werde zu jeder Art von Genugthuung bereit sein, auf die Sie nach meinen Ehrbegriffen einen Anspruch haben, Senor del Vasco," war Werners gemessene Entgegnung. Aber ich darf diese Angelegenheit damit wohl als für jetzt erledigt betrachten, denn ich habe Ihnen noch eine geschäftliche Mittheilung zu machen. Ich muß Sie ersuchen. Ihre Thätigkeit für die La Plata-Bank mit dem heutigen Tace einzustellen. Man wird Ihnen Ihr Gehalt zunächst noch fortzahlen, und eine endgültige Regelung des Verhältnisses wird von der Entscheidung des Aufsichtsrathes abhängig lein, die ich unverzüglich einzuholen gedenke."
Don Manuel starrte ihn an. alZ
hätte er in einer unverständlichen Sprache zu lhm geredet. Die hoheitsvolle Haltung, in der er sich noch soeben auf die makellose Familieneh:e der del Vasco berufen hatte, war unter der niederschmetternden Wucht dieser Eröffnung einer kläglichen Gebrochenheit gewichen, und in seiner grenzenlosen Bestürzung bot er ein wahrhaft mitleidswürdiges Bild deö Jammers. Das kann Ihr Ernst nicht sein. Senor", stieß er mit zuckenden Lippen hervor, dazu haben Sie kein Rechts Sie werden es mir überlassen müssen, zu entscheiden, wie weit meine Befugnisse reichen. Es steht Ihnen natürlich frei, sich auch Ihrerseits' den Aufsichtsrath zu wenden bis zum Eintreffen der Antwort aber muß es bei dem, was ich Ihnen soeben sagte, sein Bewenden haben." Und weshalb weshalb thun Sie mir das an? Es muß sich doch irgend einen Grund für diese unerhört?. mich tödtlich beleidigende Maßregel geden." Ich halte sie im Interesse des von mir geleiteten Instituts für geboten. Zu einer weiteren Erklärung sehe ich mich augenblicklich Nicht im Stande. Es wurde geklopft, und aus Werners Zuruf erschien einer der Vuchhalter mit der Meldung, es sei ein Beamter der englischen Bank, der den Direktor, in dringendster Angelegenheit zu sprechen verlange.anwesend. Rodewaldt machte ihm ein Zeichen, den Herrn einzuführen und wandte sich dann noch einmal gegen del Vasco. Sie entschuldigen, wenn ich mich Ihnen nicht weiter zur Verfügung stellen kann. Auch haben wir, wie ich denke, nunmehr alles erledigt, was es zwischen uns zu besprechen gab." Don Manuel kämpfte eine Sekunde lang mit sich selbst, dann neigte er sich dicht zu ihm und raunte ihm mit zischenden Lauten ins Ohr: Und Sie wähnen, daß dies das letzte Wort zwischen uns gewesen sei, Senor? Bei Gott, das wäre ein verhängn! ßvoller Irrthum. Noch ahne ich nur dunkel, in wem ich den Urheber dieses nichtswürdigen Anschlages gegen meine Ehre und meine Existenz zu suchen habe. Aber ich werde mir Gewißheit zu verschaffen wissen und wenn ich sie erlangt habe dann, so wahr ich lebe " Dann werden Sie sich weislich hüten. irgend etwas Feindseliges gegen diese Persönlichkeit zu unternehmen!" fiel Weiner ihm mit erhobener Stimme in die Rede. Denn daß Sie es wissen. Senor del Vasco, ich kenne Sie und Ihre Absichten ganz genau. Ich werde Sie fortan nicht mehr aus den Augen verlieren rnd rathe Ihnen dringend. Ihre Handlungen danach einzurichten." Wenn der andere die Absicht gehegt hatte, etwas zu erwidern, so war es dazu jetzt zu spät, denn eben trat der Engländer in das Zimmer. Don Manuel machte einen verzweifelten Versuch, seinem verstörten Antlitz wieder den gewohnten, verbindlich lächelnden Ausdruck zu geben, und mit einer leichten Verbeugung gegen den Bankdirektor hin sagte er: Auf Wiedersehen also, Senor! Wir werden morgen oder bei einer anderen geeigneten Gelegenheit weiter iiber diese Dinge reden." Dann ging er raschen Schrittes hinaus. Werner erkundigte sich nach den Wünschen seines Besuchers, und die unerfreulichen Neuigkeiten, die er von ihm vernahm, gaben feinen Gedanken sogleich eine ganz andere Richtung. Während er sich mit der Angelegenheit des verhafteten Pedro Alvarez beschäftigt hatte, waren Dinge geschehen, die ihn in seiner Eigenschaft als Direktor der La Plata-Bank sehr nahe angingen. Die Regierung hatte eine Erklärung veröffentlicht, die gerade in diesem Augenblick völlig unbegreiflich erscheinen mußte, wenn es nicht geradezu die Absicht des Präsidenten war. eine Katastrophe herbeizuführen. Während noch vor wenig Tagen die Behauptung derOppositionsblätter von der ungesetzlichen Ausgabe neuen Papiergeldes auf das entschiedenste bestritten worden war, erließ die Regierung heute die Bekanntmachung, daß hinfort in den öffentlichen Klassen hundertfllnfzig Pe-1 sos Papier nur für hundert Pesos Gold angenommen werden würden eine Verfügung, welche durch die damit ausgesprochene Entwerthung des vom Staate selbst ausgegebenen Papiergeldes beinahe einer Bankerotterklärung gleichkam. Natürlich wurden auch die ausländischen Gläubiger der Republik dadurch auf das schwerste geschädigt, und die mit fremdem Capital czgründeten Banken hatten in erster Linie die Pflicht, sich der bedrohten Interessen dieser Gläubiger energisch anzunehmen. Es sollte noch an diesem Abend eine Besprechung zwischen den Vertretern der einzelnen, hier in Betracht kommenden Bankinstitute stattfinden, damit man sich über ein rasches und einmüthiges . Vorgehen verständige. Werner sagte ohne weiteres seine Betheiligung an der Conferenz zu und schickte nach dem Prokuristen, um ihm die zunächst erforderlichen Weisungen zu geben. Ehrerbietig wie immer nahm Henninger die Befehle seines Vorgesetzten entgegen. Aber während sich Werner dann zum Aufbruch anschickte, sagte er: Senor del Vasco theilte mir soeben mit, daß er zu seiner Ueberraschung ohne jede Angabe von Gründen durch Sie von seinem Posten enthoben worden sei. Darf auch ich diese Gründe nicht erfahren?" rJcr) werde sie Ihnen nicht vorenthatten, Herr Henninger, aber das läßt sich nicht wohl mit einem Dutzend Worten abmachen. Ich bitte Sie also, sich bis morgen zu gedulden." .
Der Prokurist neigte zum Reichen
des Einverständnisses daZ Haupt, aber es war gut für ihn. daß Rodewaldt den Blick nicht mehr sehen konnte, den er dem Fortgehenden nachschickte. Bis tief in tue Nacht htnein wahrte mt Besprechung der Bankdirektoren, denn bei den mannigfach widerstreitenden Interessen und bei der Wichtigkeit der Dinge, die hier auf dem Spiele standen, war es mcht leicht, eine Elnigung zu erzielen. Endlich aber hatte man sich doch dahin verständigt, eine sehr entschieden gehaltene gemeinsame Protestnote an den Präsidenten zu richten und derselben dadurch einen noch größeren Nachdruck zu geben, daß sämmtliche ausländische Banken ihre Thätigkeit zunächst einstellten. Eine solche Maßregel ließ sich natürlich nicht langer als für wenige Tage durchfuhrcn. aber man hoffte, innerhalb dieser Zeit eine Rucknahme der NegrerungsVerfügung zu erreichen. Es war lange nach Mitternacht, als Werner in sein Hotelzimmer zurückkehrte. Wohl war er zum Tode ermüdet, aber die Aufregung hinderte ihn. den ersehnten Schlummer zu finden. Es war in den letzten achtundvierzig Stunden so vieles aus ihn erngedrun gen eine so schwere Last der BerankWartung hatte sich auf seine Schultern gewälzt, und in so ungewissem Dunkel lag die nächste Zukunft, vor ihm, daß es wohl begreiflich war, wenn bange Zweifel sein Herz oeschllchen.ob er auch überall den rechten Weg finden wurde. und wenn er trotz seiner körperlichen Erschöpfungen Stunde auf Stunde mit. pochenden Schlafen und brennenden Augen in sorgenvollem Grübeln durch wachte. 14. Kapitel. Wohin, Senor?" Mit dieser Frage hörte sich Rade waldt angeredet, als er in der Morgen. frühe auf dem Wege zu der Zusammenkunft mit Conchita aus der Calle Rlvadavia in die Chacabuco einbiegen wollte, und zu seiner Ueberraschung sah er sich einem vierzig bis fünfzig Kopf starken Trupp von Bewaffneten gegenüber, die sogleich einen Kreis um ihn. schlössen, wie wenn sie ihm icden Weg zur Flucht abschneiden wollten. Da die Leute einen sehr wenig vertrauenerweckenden Eindruck machten, und da er selbst vollständig waffenlos war. hielt Werner es sur gerathen, ihnen statt der stolz abweisenden Antwort.die sich ihm auf die Lippen drängen wollte, freundlich und halb scherzend Auskunft zu geben. Ich gehe meinen Geschäften nach erwiderte er, und ich hoffe, daß Niemand etwas dagegen einzuwenden haben wird. Aber der Mann, der ihn zuerst angeredet hatte und der Anführer des Haufens zu sein schien, war offenbar nicht geneigt, sich so leicht abfertigen zu lassen. Mit einer gewissen Feierlichkeit erklärte er: Jetzt ist nicht Zeit, Geschäften nachzugehen. ' Das Vaterland ist m Gefahr, und Sie werden glciS uns zu den Waffen greifen, Senor, um die Freiheit zu retten. Noch immer glaubte Werner die Sache von der lustigen Seite nehmen zu dürfen. Ihr irrt euch in meiner Person, sagte er, ich bin ein Fremder, der sich erst seit wenigen Wochen in Buenos Aires aufhalt und durchaus keine Lust hat, sich in die politischen Streitigkeiten des Landes einzumischen. Ich wünsche euch alles Gute. meine Freunde, aber ich habe wenig Zeit und wurde euch dankbar sein, wenn ihr mich nicht länger aufhalten. wolltet. Der Redner von vorhin wechselte mit seiner Umgebung einige Worte, die Werner mcht verstand, und sein vorhin sehr hoslicher Ton hatte sich in einen barschen und drohenden verwandelt, als er dem jungen Teutschen sein Gesicht wieder zukehrte. So mag ein Feigling und ein Verräther sprechen. Fremd oder einheimisch jeder recht schaffene Mann muß auf unserer Seite stehen, und man braucht nicht rn diesem Lande geboren zu sein, um zu wissen, was gut und was schlecht ist Keine Umstände also! Wir werden Si? zu unserem Eapitano führen, und Sie mögen sich von ihm ern Gswehr geben lassen, um gleich allen rechtschaffenen Republikanern für die Freiheit zu kämpfen." Da einige von denen, die ihm am nächsten standen, auf eine recht bedenkliche Weise mit ihren Waffen zu hantiren begannen, kam Werner nach kurzer Ueberlegung zu dem Schluß, daß es am besten sein würde, sich scheinbar ihrem Willen zu fügen; denn er hoffte, daß der Eapitano, von dem man ihm gesprochen hatte, vernünftig genug sein würde, mit sich reden zu lassen und ihm seine Bewegungsfreiheit wiederugeben. Gut denn sagte er, bringt mich zu dem Senor Eapitano, daß ich selbst mit ihm spreche." Der Haufe nahm ihn in die Mitte, und es war kein allzu weiter Weg. den Werner in dieser bunten Gesellschaft zurückzulegen hatte. An der Kreuzung der Straßen Chacabuco und Belgrano stieß man auf eine größere Anzahl Bewaffneter. die mit dem Bau einer Barrikade beschäftigt waren. In einem etwas komödienhaft aufgeputzten Herrn mit mächtigem Federhut. großem lhleppsäbel und buntseidener Schärpe, der mit weithin schallender Stimme Befehle ertheilte, um die sich übrigens Niemand viel zu kümmern schien, hatte er ohne Zweifel jenen Eapitano zu erblicken.' von dessen Entscheidung sein Schicksal abhängen sollte, und er zögerte nicht, sich an ihn zu wenden, indem er in energischem Ton und mit größerem Nachdruck als vorhin seine Eigenschaft als Fremder betonte und dem Verlangen Ausdruck gab. unbehelligt seines Weges gehen zu dürfen. Aber der Vertheidiger der argentini-
schen Freiheit zeigte sich durchaus lchk willens, der guten Sache einen so stattlichen Kämpfer, wie es der junge Deutsche war, entgehen zu lassen. Wie, Senor," rief er pathetisch, Sie haben seit Wochen die Luft dieses herrlichen Landes geathmet. Sie haben das Brot gegessen, das auf unseren schönen Fluren wuchs, und Sie wollten nun feige der ersten Gelegenheit ausweichen, Ihre Dankbarkeit für die genossene Gastfreundschaft durch die That zu beweisen? Es gilt, der Tyrannei des Präsidenten ein Ende zu machen, und nur. wer zu der verruchten Rotte seiner Anhänger gehört, kann sich weigern, seine Hand zu diesem Vefreiungswerke zu bieten. Sind Sie aber unser Gegner, so dürfen wir Sie um unserer eigenen Sicherheit willen nicht mehr aus den Händen lassen. Sie müssen das begreifen, Senor, und Sie müssen einschen, daß ich meine Leute nicht verhindern könnte. Sie niederzuschießen, wenn Sie den Versuch machten, heimlich von hier zu entweichen. Wollen Sie den Rath eines aufrichtigen Freundes annehmen, so betheiligen Sie sich ohne, weiteres an dem großen Werfr, zu dessen Zeugen ein. glücklicher Zufall Sie gemacht hat, und noch nach Jahren werden Sie stolz darauf sein, diesen herrlichen Tag erlebt, zu. haben." Obwohl das alles mit vollkommener Höflichkeit gesagt worden war, durfte' Werner doch nicht zweifeln, daß er die
versteckte Drohung für eine sehr ernst--gemeinte zu nehmen habe. Er blickte umher und sah, daß dfc Aussichten für eine Flucht so ungünstig als möglich waren. Denn überall waren Posten aufaestellt, die zwar jedenfalls in ersterRelheeineUederrumpelung des Jnsurgentenhaufens durch Regie rungstruppen verhindern sollten, die aber vermuthlich nicht gezögert haben würden, einem Deserteur, der ja für sie gleichbedeutend mit einem Verrather war, die bleierne Ladung ihrer Gewehre nachzusenden. Außerdem hatte er bei dem operettenhaften Zuschnitt der meisten sudamerikanischenRevolutionen wohl keine Ursache, das Abenteuer allzu tragisch zu nehmen. Und da es sich vorderhand gar nicht, um einen Kampf, sondern nur um den Bau einer Barrikade handelte, so wäre es thöricht gewesen, durch eine längere Verweigerung der von ihm verlangte Hilfe sein Leben zwecklos aufs Spiel zu setzen. Er ließ es also geschehen, daß man ihm em Gewehr und eine Anzahl Patronen einhändigte. Ohne besonderen Eifer, den übrigens auch die anderen Freiheitshelden bei der Arbeit stark verminen ließen, oetheulgte er sich an der Vollendung und Befestigung der lmprovisirten Schanze, die im wesentlichen aus einer Anzahl umgestürzter Fuhrwerke und darüber angehäufter Kisten, Facr und Ballen bestand. Er hatte dabei Muße genug, die Leute zu betrachten, deren Bundesgenosse und Mitkämpfer er so unerwartet und so gegen seinen Willen gewor den war. Sie gehörten offenbar ohne Ausnahme den untersten Klassen der Bevölkerung an. Ihrem Aussehen nach mochten es Hafenarbeiter, Lastträger und Maulthiertreiber sein. Unter Lachen und Scherzen verrichteten die Leute ihre Arbeit, und waren nicht ringsumher alle Laden und Hausthüren verschlössen, alle Jalousien vor den Fenstern herabgelassen und die Straßen wie ausgestorben gewesen, so würde nichts auf den kriegerischen Zustand hingedeutet haben, in dem sich die Stadt seit Tagesanbruch befand. Nach Verlauf einer Stunde aber wurde von Norden her das Krachen einzelner Schüsse vernehmlich, und man hörte Hornsignale. Der Mann mit dem Federyute forderte daraufhin die seinem Befehl unterstehenden Insurgenten nachdrücklich zu größerem Eifer rn ihrer Beschäftigung auf, und sie kamen. der Mahnung diesmal um so williger nach, als ihnen eben jetzt aus einem irgendwo in derNähe requirirtenBranntweinfaßchen neue Begeisterung m reichucher Menze zufloß. Werner?elt sich so viel als möglich rn der Nähe des Senor Eapitano, um aus den Meldungen, die diesem wichtigen Manne von Zeit zu. Zeit überbracht wurden, ein wenig über die Lage der Dinge Unterrichter zu werden. Wenn er auch nicht alles auffangen konnte, verstand er doch so viel, daß. die Insurgenten nach einem ganz öestimmten Kriegsplane verfuhren, und daß der Bau dieser Barrikade, an die der wunderlichste Zufall seines Lebens ihn verschlagen hatte, zu jenem Plane, gehörte. Es bestand allem Anschein nach die Absicht, den ganzen inneren Theil von Buenos Aires durch derartige, die Hauptstraßen sperren.de Verschanzuncum einzuschließen. Dieser Theil aber, der zwischen dem La Plata, den Straßen Florida und Esmeralda einerseits. und den Straßen Eorrientes und Ve!grano andererseits sich ausdehnt, enthält fast alle wichtigeren Gebäude der Stadt. In ihm befinden sich der Palast der Nationalregierung, das Haus des Eongresses, die Munizipalität, daö Postamt, das Zollamt, und beinahe sämmtliche großen Banken. In der Meinung, daß der Veuk dieses Stadttheils gleichbedeutend sei mit der Berherrschung der Lage, hielt die Regierung beinahe ihre ganze verfügbare Truppenmacht hier concentrirt. und die Absicht der Insurgenten ging ! nun augenscheinlich dahin, die Gegner in dem von ihnen besetzten Bezirk vollstandlg einzuschließen und ihnen jede Verbindung, mit den äußeren Viertele von Buenos Aires sowie mit der Prcvinz abzuschneiden. (Fortsetzung folgt.) Gläserfreundschaft geht leicht in Brüche. . .
Aür die Küche. Hessische Kohlwickel. Die Blätter eines ziemlich großen Kohlkopfes werben gewaschen und 10 Minuten in schwachem, lochendem SalzWasser weich gekocht. Danach giebt man die Blätter zum Abtropfen auf ein Sieb und bereitet inzwischen folgende Fleischfarce: ein halbes Pfund fein gehacktes Schweinefleisch, ein ganzes Ei, etwas Pfeff?r und Salz, sowie ein halbes, in Wasser erweichtes und fest ausgedrücktes Brötchen vermengt man gut durcheinander. Alsdann nimmt man 2 3 der großen Kol:lblätter, giebt einen Löffel der Fleischfarce darauf und wickelt sie fest zu einer Rolle zusammen, welche man dann mit einem Faden zubindet. Hat man nun die Kohlwickel fertig, bringt man sie in einen breiten Schmortopf nebeneinander, in dem man vorher fein geschnittenen Speck, sowie Butter heiß gemacht hat, deät den Topf fest zu und läßt nun die Wickel langsam weich und gar schmoren. Zuletzt giebt man an die. Sauce eine Tasse sauren Rahm, läßt die Rollen darin noch eine Viertelstunde ziehen entfernt darauf die Bindfäden und giebt dieKohlwickel mit Salztirtoffeln zu. Tisch. FeinesRothtraut. Ter gut geputzte, sehr fein geschnittene Rothtohl wird mit etwus. gutem Essig, Slz, einem Eßlöffel gestoßenem Zucker, einem feingeschnittenen Apfel, etwas Pfeffer und einer Messerspitze voll VUU
kenpulver gut vermischt. In einem Emailgeschirr setzt man das Gcmüse mit reichlich heißem Fett zu, in dem eine kleine, feingeschnittene Z.v:ebc! lichtgelb geröstet ist. Auf schwachem Herdfeuer wohl, zugedeckt, läßt nun nun den. Kohl ganz weich schmoren, giebt ein wenig Mehl daran und e was Rothwein,, so daß cr eine glänzend rothe Farbe haben muß. Man garnirt die Schüssel beim Anrichten m!t einem Kranz Bratkartoffeln. Kohlgemüse mit Sauce. Man schneidet frischeZ Weißkraut, tti mengt es mit fein geschnittenem Blumenkohl, kocht, beides in gesalzener, abgesahnter Milch und schlägt es durch ein Sieb. Nun schüttet man den Kohl in eine Easserole, thut etwas Butter und Mehl, 12 Stück Zucker, Pseffer hinzu, rührt es mit Bouillon, die mit der vorher durchgeschlagenenMilch vermengt ist, ab und läßt es gehörig aufkochen. Man giebt es mit EotclctteS oder Saucischen und Weißbrot, das in Stücke geschnitten, in Milch mit Pfcffer geweicht und in Butter geröstet ist. Grillirter Lendenbraten. Sauber abgehäuteten, von Fett und Sehnen befreiten Lendenbraten schneidet man in fingerdicke Schnitten und klopft und salzt sie. In einem Viertel Pfund Butter läjjt man feingeschnittene Zwiebel, Petersilie, Kapern, Champignons weich dämpfen, streicht dies dann durch ein Sieb, wendet jedes Fleischschnitzchen erst darin, dann in feinen Semmelbröseln um, streiche eine Backpfanne mit Butter aus und brate das Fleifch eine halbe Stunde bei starkem Feuer. Den Rückstand von den Kräutern hat man miitlerweile mit etwasFleischbrühe, Zucker, Bertramessig und wenig Mehl zu einer schmackhaften braunen Brühe verkocht, welche über die auf einer länglicben Fleischschüssel angerichtetenFleischstücke gegossen wird. Lunge n m u s cruf fchlesis ch e A r t. Die Lunge und das Herz eines Kalbes werden tüchtig gewaschen, in Wasser mit Salz und einem Lorbeerblatt nebst einer kleinen Zwiebel weichgekocht. Ist dies geschehen, so nimmt man alles aus der Brühe und schneidet es in sehr kleine Würfelchen. Sodann schneidet man etwa 2 Unzen Speck ebenso, läßt sie hellbraun werden, rührt einen Kochlöffel voll Mehl hinein, das man eine Weile darin röstet, gießt einen Theil der Lunqenbrühe und fünf bis sechs Eßlöffel Essig zu, verkocht dies zu einer sämigen Tunke, läßt die gehackte Lunge und das Herz eine halbe Stunde langsam damit durchdünsten und richtet das auf diese Art recht kräftig und angenehm schmeckende Ragout mit Salzkartoffeln am. Eierkuchen mit Weißbrotschnitten. Zwei Eier, anderthalb Eßlöffel Mehl, etwas Salz und Milch werden gut verrührt über geröstete Semmelschnitten gegossen und in der Omelettenpfanne gebacken. Sind die Kuchen halb fertig, fo streut man gerie denen Käfe, Schnittlauch, feingehackte Sardellen und würfelig geschnittenen Schinken darauf. Ganz fertig gebacken, servirt man die Kuchen zusammengeklappt mit grünem Salat. ErerimNest. Uebrig gebliebene Rühr- oder Reibekartoffel giebt man yn eine große, tiefe, unten weite, mit Butter ausgestrichene Porzellanschüssel, macht einen drei Finger breiten Rand, druckt ihn fest gegen den Schüsselrand und beleqt ihn sparsam mit kleinen Butterstückchen. Nun stellt man die Schüssel in eine Bratröhre und bäckt die Kartoffeln schön gelbbraun. Indessen hat man Eier halbweich gekocht, geschält, gesalzen; diese legt man dann in die Schüssel, in das Nest, das die Kartoffeln gebildet haben, und gießt eine warme, weißeSenfoder Sardellen-Sauce darüber. Aufgeschnittenen gekochten Schinken oder Zunge garmrt man Mit grünen Peter silienzweigchen und giebt ihn dazu. Apfelsuppe. Schöne Koch avfel werden geschält, zerschnitten, in Wasser weich gekocht und durch ein Sieb gerieben, dann verdünnt man den Brei mit Weißwein oder Wasser, giebt Zucker und Zimmt daran und kocht d:e Suppe nochmals auf. Bemerkt sei noch, daß man Apfelsuppe nie in Ku-pser-oder Messingtövfen kochen darf, da sie dadurch einen bitteren Nachge schmock bekommt. .
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