Indiana Tribüne, Volume 23, Number 13, Indianapolis, Marion County, 1 October 1899 — Page 2
Mn nlüdtö Herz.
Der Frühling kam, die Lerche sang, Die Schwalbe flog am Bergeshang, DieAmsel strich den ganzen Tag Durchs Dämmergrün im Tannenhag. Nur in ein armes, müdes Herz Wollte der Lenz nicht kommen. Der Sommer hat sein Licht verhauchi. Hat Berg und Thal in Gluth getaucht, Die Tage heiß, die Nächte mild, 3a? Ernte reif das Saatgefild. Nur in ein armes, müdes Herz Wollte die Sonne nicht kommen. : Die Schwalbe floh, das Laub verblich, Durchs Weigerank der Herbstwind strich, Die Flur so still, zur Ruh' bereit. Der Nebel woö ihr Sterbekleid, Nur in ein armes, müdes Herz Wollte die Ruh? nicht kommen. Das Thalgefild ruht frostumhüllt, Won Norden blasi der Sturmwind wlld, Ein rc ist halb vom Schnee -verweht. Ein Kreuzlein auf dem Grabe steht. Darunter ruht ein müdes Herz, Das endlich zur Ruhe gekommen. ßr soll dein Kcrr sein. Lon Arulin JPonai. Sie war die einzige, verzärtelte Tochter ihres reichen Baters. Herr Karl Bergner dankte ihr gewissermaßen auf den Knieen für die Gnade, daß sie sich zu ihm herabließ und ihm ihre Hand gab. Sie waren bereits auf der Hochzeitreise. Herr und Frau Bergner wollten die Flitterwochen in Italien verleben. Eben neigte sich der Mann in zärtlicher Regung zu seiner Frau, da bemerkte er in ihrer Hand ein Portemonnaie, so ein ganz kleines, herziges Ding. Es schien etwas zu enthalten, denn das kleine Schlößchen hielt die Bügel anscheinend nur widerstrebend zusammen. Was ist das?" fragte der glückliche Mann, das kleine Ding mit sonderbarem Blicke betrachtend. Geld!" rief mit stolzem Lächeln die junge Frau und entnahm dem Täschchen einen blanken blauen Hundertmarkschein, den sie lustig in der Luft herumschwenkte. Siehst Du, Schatz, wie reich ich bin und gar nicht auf Dich angewiesen?" Herr Bergner wird ernst und fragt in forschendem Tone: Wozu denn das Geld?" Die junge Frau blickt erst etwas beiroffen empor, findet aber keinen Grund, sich die Laune verderben zu lassen. Nur ein klein wenig leiser, aber noch immer scherzend, sagt sie: Mama hat es mir gegeben. Sie weinte, es sei nicht gut, den Gatten so bald um Geld anzugehen. Hier hast Du eine Kleinigkeit, sagte sie, brauchst Du irgend etwas, Haarnadeln, Bändchen, Parfüm, vielleicht 'mal eine Erfrischung, so kannst Du es aus Eigenem bestreiten und hast es nicht nöthig, Deinen Mann zu belästigen." Meine Theure," spricht daraus Herr Bergner und legt seine Hand sozusagen väterlich auf ihre Schulter, Deine Mutter ist gewiß eine vortreffliche Frau, aber sie scheint mich nicht zu kennen. Du bist nunmehr meine Frau und für Alles, was Du nöthig hast. babe ich zu sorgen. Es darf Dir nicht lästig fallen. Alles von' mir zu fordern, und Du darfst keine eigene Kasse ha ben; denn der Mann mutz immer wissen, wie viel und wofür die Frau Geld ausgibt. Bitte, gib mir das Geld!" Die Frau zuckte die Achseln mit jenem alten Trotz, den Herr Bergner srüher so reizend an ihr gefunden hatte. Das Geld gehört mir, Mama hat es mir doch gegeben!" Herr Bergner zog die Augenbrauen zusammen und sagte mit einer Stimme, in der schon recht vl Entschiedenheit lag: Zwischen Mann und Frau gibt es kein Mein und Dein. Ich bitte Dich, gib das Geld her." Die junge Frau war jetzt schon eingeschüchtert und dem Weinen nahe. Sie hielt noch unentschlossen die Banknote in der Hand. Und wie sehr habe ich mich damit gefreut!" Dann brach sie in Thränen aus. Der Gatte nahm indessen den Geldschein aus ihrer Hand und ließ ihn in seiner großen Brieftasche verschwinden. Dann zog er die Frau, die sich weinend sträubte, zärtlich an sich und überhäufte sie mit Liebkosungen. Aber, liebes Kind," sprach er, ich hoffe. Du hältst diesenBorfall nicht für wichtig genug, um uns beiden die Flitterwochen zu verderben. Ich nahm Dir ii Geld fort, wie einem Kinde das Streichholz, mit dem es spielen wollte. Aber darum bleibt es doch Dein. Sobald wir zurück sind, thue ich das Geld auf die Sparkasse, lege vielleicht noch etwas dazu, und das Buch, das natürlich auf Deinen Namen ausgestellt wird, sollst Du dann bekommen." Die Frau schien sich ein wenig zu trösten und schluchzte nur noch ganz leise in sich hinein. Kindisch darfst Du mir aber nicht sein, das ewige Weinen paßt nicht für eine Frau." Frau Karl Bergner, sich kaum noch dessen bewußt, daß sie Frau KarlBergner geworden war, zog sich betroffen von ihrem Manne zurück, blickte ihn auch über die Schulter an und erwiderte, in ihren kalten, verwöhnten Mädchenton verfallend: Es scheint. Dein Geschmack hat sich sehr verändert, seit wir vor dem Altare standen." Meine Liebe." antwortete der Mann mit aller ihm zu Gebote stehenden Zärtlichkeit, ich erlaube es nicht, daß Du in einem solchen Tone zu mir sprichst. Ich bin kein junger Lasse, der Dir den Hof macht, sondern Dein 27tamt Dtin Herr, und titm M
willst. Dem Gebieter. Komm her, setze Dich zu mir." Die Frau zitterte am ganzen Körper, ihre Seele empörte sich gegen diesen Ton, und sie beschloß, sich nicht terrorisiren zu lassen. Sie wandte sich zum Fenster und blickte hinaus. Du kommst zu mir!" rief der Mann in strengem Ton. Himmel, wie gern wäre sie ihm um den Hals gefallen auf ein einziges liedes Wort, aber auf Befehl?! Ihr ganzer Frauenstolz lehnte sich dagegen auf. Ich sage noch einmal, komm' hierer!" Sie zitterte vor Aufregung und Furcht und hätte schon gerne gehorcht: aber ihre Füße waren wie angewurzelt und ihr Wille wie gelähmt. Jetzt ergriff ihr Mann kräftig ihre Hände, riß sie an sich, und die glückliche eintägige junge Frau schluchzte an seiner Brust. Was ich will, das muß geschehen," murmelte er durch die Zähne. Du mußt lernen, in mir Deinen Herrn zu sehen, und je früher Du es lernst, desto besser für mich und für Dich." Diese kleine sonderbare Scene hatte sonst keinerlei Folgen. Das Ehepaar verlebte die Tage in Frieden. Nur war
es der Frau, als hätte sich in ihr Herz ein unbestimmtes, unangenehmes tite fühl eingenistet. Es gab Momente, wo sie heimlich ihren Mann beobachtete: Ob er wohl den Blick fortwendet, damit sie diesen Moment ausnützen könnte. Wozu? Das wußte sie nicht recht. Sie erinnerte sich jedoch der Schulzeit, wo sie glücklich war, wenn sie dem Lehrer hinter seinem Rücken eine Nase drehen oder Eselsohren zeigen konnte. Und sie liebte doch ihren Mann, er gefällt ihr, und sie freut sich auch, mit ihm zusammen zu sein, und dennoch macht ihr jede Minute Vergnügen, in der sie fühlt, daß sein beobachtendes Auge nicht auf ihr ruht. Von der Hochzeitsreise zurückgekehrt, bekam sie thatsächlich ein Sparkassenbuch über 125 Mark. Eine alte Schuld wurde bezahlt," erklärte ihr Mann, davon gab ich Dir 25 Mark. Bewahre das Buch gut, damit es nicht verloren geht." Sie dankte ihm in größter Fseude. Sie fühlte sich kräftiger, selbstständiger in dem Bewußtsein, daß sie 125 Mark besitz?, die ihr persönliches Eigenthum bildeten. Das Familienleben war sost ein geregeltes, friedliches und herzliches. Kam Herr Bergner gut gelaunt nach Hause, dann' lies ihm seine junge Frau mit kindlichen Scherzen entgegen. War seine Stimmung aber keine besondere, so wies er sie kurz ab: Gib Nuhe, ich bin heute nicht bei Laune." Dann zog sich die junge Frau still wie ein Mäuschen in eine Ecke zurück. Daß sie einmal schlecht gelaunt gewesen wäre, wenn ihr Mann Lust zum Küssen und Kosen hatte, dessen erinnerte sie sich nicht; daß sie sft verschmachtete nach einem guten Worte, wenn der Herr Gemahl verstimmt und mißmuthig war, darüber hatte sie nie geklagt. Herr Bergner mischte sich übrigens auch in die Angelegenheiten des HausHalts. Er miethete die Dienstboten und er entließ sie auch. Die tägliche Speisenordnung stellte er zusammen und über das Wirthschaftsgeld ließ er sich bis auf den letzten Pfennig Rechnung ablegen. Bei einer Gelegenheit konnte die Frau die Bemerkung nicht unterdrücken: Ja, glaubst Du denn, daß ich das Geld vernasche, wenn Du es mir ganz anvertraust?" Und er machte ihr darauf den Standpunkt klar: Mein Liebchen, ich bin kein Geizhals, und Dich halte ich für keine Verschwenderin; es ist aber die Grundlage des Familienlebens, daß im Hause der Mann und nicht die Frau herrsche. Ich möchte Dir weder etwas verbieten, noch würde es mirFreude bereiten. Dich in Deinem Thun und Lassen controlliren zu müssen. Das Geld bleibt bei mir, und damit ist die Sache erledigt. Denn jeder Schritt und jede That hängt mit dem Gelde zusammen. Weiß ich. was Du ausgibst, so weiß ich auch, was Du gethan hast." Das war einfach, klar und nüchtern gesprochen, und die Frau hatte es auch verstanden. Sie erschauerte, als wenn sie eine Kette um den Hals fühlte, deren anderes Ende in der Tasche ihres Mannes steckte. Sie versuchte es später, sich aufzulehnen. Sie bekam einmal verschwenderische Anwandlungen. Sie wollte neue Hüte, neue Kleider haben, der Mann kaufte sie. Sie wurde kühner. Irgend ein kleiner Schmuckgegenstand gefiel ihr; sie ließ ihn nach Hause schicken und die Rechnung ihrem Manne übergeben. Herr Bergner betrachtete das Ding der Preis war 20 Mark und gab es dem Commis zurück. Wir brauchen das nicht," rief er, nehmen Sie es nur wieder mit!" Aber ich habe es doch gekauft!" Ich will's aber nicht haben!" wieverholte Herr Bergner in bestimmtem Tone und verließ das Zimmer. Die Frau verging fast vor Scham. Nein, das war zu viel, das war nicht mehr zu ertragen. Sie erinnerte sich des Sparkassenbüchleins. Hier ist das Geld," sagte sie zu dem Commis und bezahlte ihn aus dem Wirthschaftsgelde. Dann ging sie sofort auf die Sparkasse und ließ sich von ihrem Guthaben 20 Mark ausfolgen. Nie hatte sie sich so gefreut, wie über dieses kleine Schmuckstück; sie hatte es ja mit ihrem eigenen Gelde gekauft und nicht mit dem ihres Mannes, ja sogar gegen seinen Willen. Freilich trug sie das kleine Ding nur in der Tasche. Sie hatte doch nicht den Muth, es vor ihrem Manne sehen zu lassen. Er hätte doch r i. 5 srt tt. t- w gefragt, nm weichem miot t es vezahlt habe und wie sie es wagen konnte, gegen seinen Willen zu handiln.
Einmal tarn Herr Bergner in selten guter Laune nach Hause. Die Frau bemerkte das und beeilte sich, ihn zu umarmen; aber nicht so wie früher, als es von Herzm kam, sondern gewöhnheitsmäßig, weil sie wußte, was ihr Mann, wenn er in guter Stimmung war, von ihr verlangte. Herr Bergner war diesmal so aufgeräumt, daß er sogar von Geschäftssachen zu sprechen begann, während er doch sonst dem Princip huldigte, daß die Frau von den Geschäften ihres Mannes nichts zu wissen brauche, denn das störe das Glück der Ehe. Rund 2000 Mark hat mir die Sache eingebracht," damit beendete er die Erzählung von dem gelungenen Geschäfte. Du sollst aber auch Deinen Antheil haben, gib nur her, Liebchen, Dein Sparkassenbüchlein." Die Frau erschrak. Das Buch " stotterte sie, das Buch ?" Ja, das Buch über die 125 Mark, die Summe soll verdoppelt werden." Wozu denn?" erwiderte die Frau. Ich kann das Geld doch nicht benützen!" Das verstehst Du nicht, gib es nur her!" Kalter Schweiß perlte auf der Stirn der jungen Frau. Was soll sie nur machen?! Nun bemerkt er ja, daß von dem G:lde etwas fehlt. Ich werde es schon ein ander Mal suchen. Ich weiß wirklich nicht, wo ich es hingelegt habe." Herrn Bergner's scharfes Auge hatte die Verlegenheit der Frau bereits bemerkt. Nun will ich es aber sofort haben," rief er streng, sonst werde ich es selbst suchen!" Unter Thränen gab sie ihm dctrauf das Buch. Ein Blick in dasselbe genügte, um Herrn Bergner über die Sach aufzuklären. ' Was hast Du mit den 20 Mark angefangen?" frug er sie. Schluchzend zeigte sie ihm das Schmuckstück, sprechen konnte sie nicht. So, so" meinte Herr Bergner, hm, hm." sonst sprach er kein Wort; und ohne ihr auch nur den geringsten Vorwurf zu machen, verließ er das Zimmer. Die junge Frau blickte ihm dankbar nach. Sie fühlte etwas wie eine Regung der alten Liebe zu ihm. so wohl hatte ihr seine scheinbare Nachsicht gethan. Nach einer Stunde kam Herr Bergner mit dem Sparkassenbuch zurück. Hier hast Du das Buch wieder." sagte er kalt, ich habe 200 Mark sür Dich eingelegt. Sollte eZ Dir aber noch einmal einfallen, etwas davon auszugeben, so nehme ich es Dir ganz weg." Da erhob sich die Frau und blickte ihrem Manne einen Moment lang starr in die Augen, dann ballte sie das Büchlein in ihren Händen zusammen und warf es ihm in's Gesicht Und seither kann Herr Bergner guter Laune sein oder mißgestimmt seine Frau schert sich nicht darum. Sie führen ein friedliches, kaltes, frostiges Leben. Alles geschieht, was der Mann will, aber es geschieht auch nur so viel. Er kann befehlen sie gehorcht.
Sürflliche Ferlobungen. Aon 71 heirathsfähigcn fürstlichen Jungfrauen erzählt uns der Gothaische Kalender, denen nur 17 Heirathsfähige Fürsten und Prinzen gegenübersteh:n. Dabei existiren bekanntlich noch eine Anzahl regierender kleiner Dynastie:n und noch über 100 Seitenlinien, die ebenfalls den fürstlichen Hausgesetzen und der Etiquette unterworfen sind, und deren Prinzessinnen natürlich auch nur eine standesgemäße Ehe einaehen sollen. Es ist nothwendig, das j Wort besonders zu betonen, denn wenn man die .welbllchen Sprößlinge der Fürstenhäuser nicht zum Cölibat verurtheilt, dann ist, wie man sieht, das Loos der Fürstent'öchter an den großen und kleinen Höfen nicht sehr beneidenswerth: Ein einsames, hoffnungsleeres Leben in glänzender Hülle liegt vor den Sitzenbleibenden", wie das Volk diejenigen Damen nennt, denen es nicht gelingt, einen Mann zu erhalten, trotzdem sie, die Zurückbleibenden, vielleicht mit ebenso viel Liebreiz, wie die glücklich an Prinzen gebrachten, ausgestattet sind. Und eben deshalb haben in den letzten Jahrzehnten es gehört dies auch zum Capitel der Frauenemancipation die Fürstentöchter begonnen, den Kreis der Etiquette zu überspringen und sich Lebensgefährten nach dem Trieb ihres Herzens zu wählen. Ein Schriftsteller nennt dies den demokratischen Zug, der durch die intimsten Gemächer der Prinzessinnen weht." Wir finden Prinzessinnen an Gutsbesitzer, Aerzte, Industrielle etc. verheirathet; gar nicht von den nichtstandesgemäßen Verheirathungen an Grafen, Freiherrn und Barone zu sprechen. Ist es wirklich ein demokratischer Zug. der bis in die Frauengemächer der Fürstenhöfe drang, so wurde er von einer Kaiserin angefacht. Kaiserin Elisabeth von Oesterreich war es, die, wie Graf Szecheny erzählt, als Diplomaten und Würdenträger für diePrinzessin Gisela, die jetzige Prinzessin Leopold von Bayern, einen Prinzen aus dem Hause der Bourbons in Vor-, schlag brachten, die Worte aussprach: Ueber die Wahl eines Gatten ist sollte ich meinen das Herz eines Mädchens in erster Reihe zu befragen. Soll in dieser Beziehung eine Prinzessin hinter der Vllrgerstochter stehen? Daß meine Tochter keinen unedlen Mann erwählen wird, ist zweifellos; aber wenn sie wählt, sollt sie nach dem Herzen wählen!" Dieselbe Kaiserin von Oesterreick war es, die, als ihre Enkelin dem schlichten Lieutenant, Varon seefried, an dem ihr Herz voll Liebe hing, sich über die Etiquette hm
weg setzend, die Hemd reichte, ein warmes Wort beim Vater,' ihrem Schrote gersohn Prinzen Leopold, einlegte und auch den Kaiser bat, dem jungen Paare Zuflucht im österreichischen Kaiserstaat und dem jungen Baron Seesried Auf-
nahmt in die österreichische Armee zu gewahren. Die Kaiserin von Oesterreich empfing und besuchte in München auch die uichtstandeögemäße Gemahlin ihres Bruders ein? ehemalige Ballettänzerin. Die Kaiserin donOesterreich war die erste regierende Fürstin, die ganz offen für die freien Herzensneigungen der Prinzessinnen plaidirte. Die Königin von England als Fürsprechen der Heirathen zwischen der Prinzessin Luise und dem Marquis of Lorne; ebenso Friederike. Prinzessin von Hannover, mit dem Freiherrn von Pavel - Rammingen folgte erst viel später. Die Prinzessinnen von Geblüt haben zwar das Recht, auf den Hofbällen die jungen Höflinge und vorgestellten Herren von Militär vom Lieutenant auswärts zum Tanze zu befehlen". aber die Pflicht, auch den flottesten Tänzer und herrlichsten Mann nach dem Balle sofort aus dem Gedächtniß verschwinden zu lassen. Das ist mal so Sitte." Die Fürstentöchter, namentlich an den kleinen deutschen Höfen, stehen somit. von den Rangvorzügen abgesehen, in Bezug auf Herzensneigungen, hinter der Bürgerstochter, die nach Neigung den Gatten wählen darf, und mancher geistvolle weibliche Sprößling deutscher Fürsten ist, da das Gebiet, welches den Prinzessinnen in Bezug auf Heirath offen steht, nur die regierenden Häuser und höchstens es kommt hier geradezu eine Nothlage in Betracht die Seitenlinien umfaßt, durch diesen Umstand zum Cölibat verurtheilt. Daß dies aber nicht immer nach Neigung und Geschmack der jungen, lebensfrohen Prinzessinnen war, ist begreiflich. Es giebt an den Höfen strebende Diplomaten, ehrgeizige Hofdamen, die eine Art Buch über die möglichen standesgemäßenVerbindungen" zwischen den Fürstenhäusern führen, die Vor- und Nachtheile, bevor es gewagt wird, einer solch möglichen Verbindung" auch nur zu erwähnen und die diplomatischen Fäden zu spinnen, genau berechnen. Hier spielen, ebenso wie beim Bürger, außer derPerson des fürstlichen Bräutigams nicht zum kleinen Theil die Apanage, Mitgift und Witthumgeld eine große Rolle. In neuerer Zeit helfen wegen letzten Punktes die Lebensversicherungen aus. Der Gatte einer bayerischen Prinzessin, welche nach Spanien heirathete, und derselben kein allzugroßes Witthumgeld sichern konnte, kaufte seinLeben vor der Trauung mit drei Millionen Mark bei einer Versicherungsgesellfchaft ein. Rußland war und ist immer zum Theil noch das wunderliche Land, auch in Bezug auf Heirathen der Mitglieder des Kaiserhauses. Wenn früher der Zar die Absicht, sich zu vermählen, äußerte, so durchreisten die Herren vom Hofe das ganze Reich, um die schönsten jungen Mädchen der angesehenstenFamilien aufzusuchen. Deren Zahl belief sich in der Regel auf sechzig bis hundert. und es gereichte allen denen zu großer Ehre, die darin einbegriffen gewesen. Sie wurden sämmtlich nach dem Kreml zu Moskau gebracht, wo sie bis zu dem feierlichen Tage, an welchem der Fürst seinen versammelten Großen die Anzeige machte, welche von ihnen nach seinem höchsten Willen berufen sei, mit ihm die Krone zu theilen, unter der Aufsicht des Hofintendanten blieben. Bis dahin durfte sich ihnen niemand nähern, der Zar und einige Personen, die er dazu ermächtigt hatte ausgenommcn. Wie haben sich die Zeiten geändert! In Rußland dauern die diploma tischen Verhandlungen über eine Heirath zwischen Großfürsten und Prin zessinnen und umgekehrt oft Jahre. Die größte Schwierigkeit bildet immer der verlangte Glaubenswechsel einer nicht der griechisch - orthodozen Kirche angehörigen Prinzessin. Sogenannte Liebesheirathen" bei Mitgliedern des russischenKaiserhauses kennt man sehr wenig. Von Kaiser Nikolaus I. wird erzählt, daß er seinen Kindern, nachdem die diplomatischen Verhandlungen über die beabsichtigte Heirath eines seiner Kinder beendet und alles geordnet war. diesen ihre Verlobung durch Befehl einfach anzeigte. Ein etwa verlangter Glaubenswechsel bildete früher wohl auch an anderen Höfen das Haupthindern'ß einer beabsichtigten .Heirath. Immer zerstreut. Professor Ueberschlau ist. ein ausgezeichnete: Botaniker, mehr noch ausgezeichnet freilich durch seine schie? unglaubliche Zerstreutheit. Nachdem er vor Kurzem erst seine Uhrkette in Spiritus gelegt hatte und eine lebende Blindschleiche an seine Uhr als Kette befestigen wollte, passirte ihm an einem heißen Sommertage eine andere kleine Geschichte. Lustig streifte er mit Käscher, Spiritusflasche und Botanisirtrommel im Walde herum, als er an den Rand eines nicht tiefen Weihers kam, dessen schönes klares Wasser in ihm den Wunsch erweckte, ein kühles Bad zu nehmen. Mit einem behaglichen Ah!" hüpft unser Professor in die spiegelklare Fluth. doch als er dar aus emportaucht, schreit er entsetzt: Ah, ich habe ja vergessen, mich vorher auszuziehen! Enttäuscht. Verehrer: Gewiß hat der Junggesellenstand auch seinen Reiz, aber es kommen doch Stunden, in denen man sich nach einem Wesen sehnt, dem man so recht von Herzen gut und das man sein eigen nennen könnte." Dame: Aber da würde ich doch an Ihrer Stelle einen Hund anschaffen." .
Sie geutordctcn Lieder. Ein Märchen von W. Ernst. Jung - Spielmann war ein lustig' Blut; er zog landaus, er zog landein und sang seine fröhlichen Weisen, der Jugend zur Lust, den Alten zur Labe; überall war er gerne gesehen. Wo er aber blitzendeMädchenaugen und holde Gestchtchen sah. da glühten und sprühten seine Lieder, erst in rechtem Feuer und sie wurden gesungen landauf, landab, wo Herzen in Liebe erglommen. Und wenn ihn die Mädchen gar so hold anschauten, warf er ihnen verliebte Blicke zu und sang verliebte Lieder aber dabei ließ er's bewenden: sein Herz konnte keine gewinnen, denn das dachte allezeit an eine andere, die der junge Gesell im Leben noch nie geschaut, aber in seinen Träumen und Phantasien stets vor sich sah; nach ihr sehnte er sich und nach ihr suchte er auf allen seinen Wanderungen. Da und dort fand er wohl ein Mädchen, das etwas von seiner unbekannten Liebsten hatte, die Augen oder das Haar, die schlanke Gestalt oder die Purpurlippen dann sang er seine schönsten Lieder zu seinem Preis; doch die Lieder und die Blicke und die Liebe galten doch dem Mädchen im Grunde nicht, sondcrn der Unbekannten und doch so Bekannten, die alles in sich verernigte, darnach sein Herz sich sehnte und die er in all seinen Weisen besang. Die Mädchen aber, die seine Gluthblicke auffingen und seine Liebeslieder hörten, meinten, es gälte ihnen; er aber redete sie nicht an, sondern zog vorüber, ob die schwellenden Lippen auch noch so verheißungsvoll lächelten. Fort, immer zu, ob er die Eine finden möchte! Schon wollte Schwermuth sein junges Herz gewinnen, da er suchte und nie fand: sie ist auf Erden nicht zu sinden. dachte er dann trüben Muthes und eine Stimme flüsterte ihm zu: Pflücke die Rosen zur Rosenzeit, pflücke die Rosen am Wege und nimm Dich in Acht, daß Du nicht über dem Suchen nach einem Traumgebilde, die Zeit der Rosen versäumst und schließlich leer ausgehest." Dann ober sprach er wieder zu sich selbst: Wenn ich die Eine nicht soll finden, so mag ich keine." Und so wandert er fort, Lieder der Sehnsucht auf den Lippen und sehnende Liebe im Herzen. Da geschah es eines Tages, daß er durch einen dunklen Tannenwald manderte; in der Abenddämmerung sah er's so golden durch die Stamme und Zweige schimmern, daß er dachte: Wie prächtig geht doch die Sonne unter, und nirgends ist ihr Glanz so entzückend, als wenn sie die scheidenden Strahlen in das Dunkel des TannenWaldes sendet!" Da er aber näher zusah, bewegte sich der Schein, und als er durch die Zweige sich Bahn brach, fand sich's, daß es das goldene Lockenköpfchen eines lieblichen Mägdleins war, das er für die Sonne gehalten, und nur der Widerschein des untergehenden Gluthballes spielte in den schimmernden Haaren. Und wie er die Jungfrau bewundernd betrachtete, so daß sie erröthend die Augen zu Boden senkte, da jauchzte es in seinem Herzen: Sie ist's, sie, die ich bis heute vergeblich gesucht." Die Jungfrau, da sie sich von ihrem ersten Schrecken erholt hatte, wollte fliehen; er aber ergriff sie rasch bei der Hand und seinen flehenden Blicken und bittenden Worten konnte sie nicht widerstehen. Und wie er ihr erzählte, wie lange er ste mit Sehnen gesucht, und daß er nimmer von ihr lassen könne, nun er sie gefunden, da blickte sie schamhaft und doch selig lächelnd ihn an. Nun hab' ich mein Liebchen gewonnen! Ihr Auge strahlt himmlisch und klar, Wie die Gluth von verlöschenden Sonnen So leuchtet ihr goldenes Haar!" So sang Jung - Spielmann noch einmal, dann aber verstummten seine Lieder, denn er hatte vor Küssen und
Kosen und Lieben kerne Zeit nochRuhe, neue Weisen zu ersinnen, und das höchste Glück, wie der herbste Schmerz läßt sich nicht in Worte fassen: es leuchtet im Herzen und strahlt aus den Augen, aber die Lippen verstummen und die Lieder flattern davon, denn sie sind zu schwach, solche Seligkeit auszusing"en. Nun zog Jung - Spielmann mit seinem Lieb in ein rebenumranktes Häuschen am Waldessaum; die grünen, blumigen Matten dehnten sich davor aus, von krystallklarem Bächlein durchflossen; wie Kinderspielzeug standen in der Ferne die weißen Häuser der Städtchen und Dörfer mit ihren rothen Dächern im Grünen; hinter dem Häuschen aber rauschte der Wald, und die Vögel sangen und die Rehlein lugten zwischen den Stämmen hervor. Jung - Spielmann und sein Lieb lebten in Glück und Liebe dahin. Aber die Welt war zu nah. Aus Dörfern und Städten zogen Leute vorbei und die alten Lieder Jung - Spielmanns wurden gesungen. Ach! sagten die guten Freundinnen und frommenNachbarinnen zur jungen Frau, das hat er dem Aennchen gesungen, und das hat er auf Gretchcn gemacht; und dies galt der schönen Julia und jenes dem kleinen Mietzchen und wie sie alle heißen! Ja, Euer Eheliebster war ein gar lustiger Kumpan und manchem armen Schätzchen hat er den Kopf verdreht. Und wenn man meinte, nun nimmt er die flugs war der lose Schmetterling zu einer anderen Blume weitergeflogen." Jung - Spielmann merkte bald, daß sein Lieb etwas auf dem Herzen hatte: es blickte nicht so freundlich und fröhlich wie sonst. Er forschte nach ihrem Kummer. Da klagte sie mit bitteren Vorwürfen, daß er so viele geliebt vor ihr. . --
Aber Jung - Spielmann tröstete sie und sprach: Ich habe keine geliebt denn Dich; Dein Bild schwebte mir vor Augen, wenn ich meine Lieder sang. Dir galt mein Singen und Lieben. schon eh' ich Dich gesehen. Drum hat auch keine Blume am Wege den Falter fesseln können: Vorüber, hieß es, vorüber! Bis ich Dich fand; Dir aber gehöre ich ganz zu eigen." Warum dann singst Du mir nicht auch so schöne Lieder wie den andern?" Alle Lieder, die ich gesungen, gelten Dir. und keines einer anderen; unter wechselnden Namen und Gestalten hab' ich nur das Bild besungen, das ich von Dir im Herzen trug; die Sehnsucht gab mir die Klänge ein; da ich Dich fand und mein Sehnen gestillt war, sind auch die Lieder verstummt, denn all mein Wesen ist von der Liebe nun eingenommen!" Aber Jung - Spielmanns junges Weib verstand ihn nicht und ein Haß erfüllte es gegen alle anderen Mädchen und Weiber, ein Haß besonders gegen Jung - Spielmanns Lieder, und wo sie eines vernahm, flammte Eifersucht in ihrem Herzen auf. Und sie ging hinaus, die junge Frau; zur Mittagsstunde ging sie hinaus in den Wald zur alten Hexe. Hilf mir die Lieder todten, sonst tödten sie mich!" Die Hexe lachte häßlich, denn es freute sie, das Glück der Menschenkinder stören zu können, besonders das Glück der Jugend. Ich will Dir Macht geben über die Lieder, aber einen Lohn fordere ich von Dir. Deine Liebe will ich nicht, die liegt schon im Sterben, sonst käme Dir kein solches Verlangen; aber Deine Treue mußt Du mir schenken, damit die Liebe nicht mehr auferstehe!" Ich schenke Dir, was Du willst. lobte mir nur die bösen Lieber! Meine Treue sei Dein, mache damit, was Du willst!" Da braute die Hexe einen Zauberirank und sprach ihre Vannsprüche darein, daß die Lieder, in lauter bunte Vöglein verwandelt, ängstlich daherflattern mußten, wie vom Anblick der Schlange verscheucht. Jung - Spiel manns Weib aber erhäschte die Vöglein und drehte ihnen lachend den Halz um. Dann ging sie heim und legte sich nieder; aber es wollte kein Schlaf in ihre Augen kommen, sie wußte nicht warum? Keine Neue wandelte sie an, denn ihre Liebe war gestorben; aber es war ihr, als ob die Seelen der Lieder ihr Lager umflatterten und klagten und seufzten, daß sie nicht schlafen konnte. Grausame! Unschuldige Gottesgeschöpfe, aus reinem Herzen geboren, hast Du gemordet. Jn'harmlosem ?slug erfreuten wir der Liebenden Gemüth. Dir selber wollten wir zur Freude sein o, daß Du uns verstanden hättest! Nun aber hast Du in blinder Leidenschaft Dein eigen Glück zerstört!" Aber die junge Frau glaubte ihnen nicht. Als Jung - Spielmann am Morgen erwachte, war es ihm trüb und schwer zu Muth; fremd und kalt blickte ihn sein Weib an; doch das war er seit lange gewohnt, und traurig ging er hinaus in den düstern Wald. Um ihn schwirrten flüsternd die Seelen seiner Lieder und lockten ihn immer weiter, aber er wußte nicht, was es war. Im Lande ringsum waren die Lieder von der Stunde an verstummt; das selige Singen der Liebenden hatte ein Ende und mit kalter Berechnung wurden die Ebebündnisse fortan geschlossen, und vernünftig und geschftsmäßig klangen die Unterredungen der Brautleute, die Poesie war dahin! Am selbigen Tage aber noch, nachdem Jung - Spielmann im Walde lange in die Krcuz und Quere gewandert war. hörte er plötzlich Stimmen, davon eine ihm gar bekannt war, und, Liebessehnsucht im Herzen, ging er ihr nach: ob sie ihn wohl suchte? Da sah er .durch's Gebüsch am Rande einer Quelle sein Weib in den Armen eines fremden Jünglings, flachshaarig, mit wässerigen Augen und lüsternen Blicken, ein Mensch ohne Herz undGeist; von Ekel wurde JungSpielmann erfaßt. Sein Weib aber sprach zum Jungling unter Küssen: Nie habe ich aus gehört, Dich zu lieben! Ein Zauber muß mich umgarnt haben, damit der fremde Betrüger durch Blicke und Worte mich bethört, daß ich Dein eine Weile vergaß, und ihm mich zu eigen gab; aber da ich erkannte, daß sein Herz der ganzen Welt gehörte und nicht mir allein, bin ich zur Besinnung gekommen: ich habe ihn nie geliebt. Dein bin ich ganz und bleibe Dein!" Jung - Spielmann aber wandte sich ab und schlich sich stille davon; mit weinenden Augen durchschritt er den Wald und nimmer kehrte er um. Sein Herz war zerrissen, und ausgeträumt der Traum von Liebe und Erdenglück. fernhin durchzog er fremde Länder, und wieder strömten Lieder von seinen Lippen; die Seelen seiner alten Lieder fand er wieder, aber gar anders klangen seineWeisen, schmerzlich und trübe, daß die Herzen erzitterten und die Augen mit Thränen sich füllten, wo sie erklangen. Und man sang wieder, seine Lieder landaus, landein, mit wunderbarerGe--walt ergriffen sie die Herzen. Und die Lieder drangen vor bis an das rebenumkränzte Häuschen am Waldessaum, wo Liebe und Treue gestorben waren, aber auch das Glück. Und als sie dort erklangen, da zog die Reue, die bittere Sehnsucht nach verscherztem Glück und verlorener Unschuld im Häuschen ein. In thränendem Kummer verzehrte sich das junge Weib und hoffnungslose Sehnsucht zerstörte ihr Leben. So rächten sich die Seelen der gemordeten Lieder.
rwlschtk
i Non Ernst Konrad. 'Eine erdrückende Schwüle lag über dem kleinen, engen Comptoir. Es war um die Mittagszeit. Die Angestellten waren zu Tisch gegangen, auch lil Chefs hatten heute zeitiger als sonst das Bureau verlassen. Dir Cassire: Heine allein hockte roch nu seinem Drehschemel, wischt; sich bis Schweißtropfen von der Stirn und rechnete. E? addirte. fubtrahme, mult'plici::e es war alles Eins, er stand vor ?incm Fehlbetrag von cüoi 60.000 Mark. Woher der kam, wußte er ganz genau. Vor etwa zehn Monaten hatte er c.n?f fangen, 6 Mark, auszeichne: ' 3 Mark, hatte er aus der Casse entnommen und auf Titan gesetzt, der ja Sieger bleiben mußte. Aber der H:ngst siel kläglich ab, das Geld war weg, und die Spiellust war angefacht. Das nächste Rennen schlug wieder fehl, die Wetten brachten auch Verluste; u der Lotterie gab's eine Niete um d? andere, schließlich sollte an der Börse a!les wieder rangirt werden. Aber Heine lag schief", und er verlor, toeU chen Trumpf er auch immer ausspielen mochte. So waren innerhalb zehn Monaten aus den 6 Mark 60.000 Mark geworden. Was hatte er denn nun so Schlammes gethan? Er hatte Geld genommen, was ihm nicht gehörte, alsc gestohlen. Pfui, das war ein hartes Wort, dieses ..gestohlen!" Aber was thaten denn die Anderen? Hatte nicht der eine Chef erst kürzlich kalt lächelnd erklärt, als er ihm von einer waghalsi gen Speculation abgerathen hatte: Was thut's? Was geht's Sie's denn an, wenn ich anderer Leute Geld verspekulire?" Und der andere pah, die Spatzen erzählen sich's auf den Dä chern, daß er seinen früheren Compagnon, einen unerfahrenen jungen Mann, betrogen hatte. Jetzt half er sich mit einem Witz" darüber hinweg, der ju belnde Heiterkeit erregte, so oft er ihn zum Besten gab. 's ist richtig lächelte er. zuerst hatte er das Geld und ich die Ersahrung, jetzt hat er die Erfahrung und ich hab's Geld." Also was er als Cassirer gethan hatte, war das Schlimmste noch rficht! Er zählte den Baarbestand: 18.000 Mark Scheine, 4000 Mark Gold und Silber. Ob er nun 60.000 Mark genommen hatte oder 80,000 Mark das war in einem Aufwaschen. Er war kein Faullenzer, kein Verschwender, kein Schlemmer und Prasser. Wenn er erst 'mal jenseits des große Wassers war, wollte er seine Ellenbogen schon gebrauchen . . ., glückte es ihm dort, dann konnte er die paar Groschen, die er hier mitnahm, mit Zins und Zinseszins zurückschicken. Hastig barg er das Geld in Brieftasche und Portemonnaie, schloß den Geldschrank zu, stülpte den Hut auf und verließ das Comptoir. .... Am Abend war er schon in Dresden. Auf der ganzen langen Tour vom Erzgebirge herauf hatte sich kein Mensch um ihn gekümmert. Bald war re in Berlin, in Hamburg, in New York, das Billet bis dabin hatte er schon in der Tasche. Das hatte er sich schlauerweise gleich auf der nächsten größeren Station gelöst. Der Portier des Dresdener Neustädter Bahnhofes haiie schon ein Mal abgerufen. Da drängten sich plötzlich von rechts und links zwei Männer an Heine, der eine nahm ihm den Koffer sanft aus der Hand, der andere hielt ihm eine runde, gelbe Marke unter die Augen und raunte ihm zu: Ruhig, Herr Cassirer Heine, machen Sie nicht erst unnöthiges Aufsehen, Sie sind verhaftet!" Der Cassirer schnappte nach Athem, ruderte einige Male mit den Händen durch die Luft und fiel , dann mit einem dumpfen Schlag in die Bank zurück. Wie durch einen Nebel hörte kr den Portier noch abrufen: JBIifoug Verlin - Hamburg ein schdei gen!" Gin guter Tropfen. Unter den Weinen des Konstanzer Sees war früher der zu Oehningen der geringste; er mag wohl hauptsächlich zu dem üblen Ruf beigetragen haben, in welchem die Seeweine im vorigen Jahrhundert überhaupt standen. Seitdem haben sich diese Seeweine wie bekannt infolge richtiger Sortenauswahl und rationeller Pflege erheblich gebessert. In dem Oehninger Herrschaftlichcn Keller lag zu Beginn dieses Jahrhunderts ein beträchtliches Quantum, das so schlecht war, daß man an allem Absah verzweifelte. Ein Staatsbeamter aus Konstanz, der in Oehningen auf Besuch war. nahm der Curiosität wegen ein Fäßchen dieses Göttertrankes mit sich heim und verfiel, als er viele Rückstände in seiner Schreibstube antraf, auf die geniale Idee, die vorzüglichen Eigenschaften dieses edlen Rebenblutes zur Besserung seiner saulen Schreiber zu verwenden. Hatten einzelne derselben die Faulheit doch so weit getrieben, daß sie nicht etwa blos mitten im Niederschreiben eines Wortes, sondern sogar eines einzelnen Buchstabens inne hielten! Und das e'genartige Mittel wirkte in der That. Jeder der Faulenzer mußte zur Strafe ein großes Glas auf einen Zug leeren, und als der Chef erklärte, es solle von jetzt ab jeder Rückstand auf gleiche Weise geahndet werden, da persicherten die Schreiber einmüthig, daß sie künftig lieber bis zur äußersten Eischöpfung schreiben wollten, lals sich der Gefahr dieser fürchterlichen Strafe, auch nur ein einzigesmas noch auszu setzen. E i n L i n g u i st. A.: Schulze ist ein bedeutender Mann, er spricht dreiSprachen." Bi: Welche denn?" A.: Deutsch, Plattdeutsch und die Nadfahrersprache."
