Indiana Tribüne, Volume 23, Number 6, Indianapolis, Marion County, 24 September 1899 — Page 3

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Roman von K. Ortl). (9. Fortsetzung.) Er suchte mich nur durch die Versicherung zu beruhigen, daß mein Vermögen für die Dauer meiner Minderjährigkeit in der Verwaltung des Oheims am Ende ebenso sicher sei als in jeder anderen, denn durch die klugen und fürsorglichen Bestimmungen, die mein Vater in seinem schon vor vielen Jahren verfaßten Testamente getroffen, wäre eine Veruntreuung so gut wie ganz ausgeschlossen. Das war mir genug, und ich machte mir wegen dieser Vermögens - Angelegenheiten überHaupt sehr wenig Sorge. Viel peinlicher und bedrückender empfand ich, daß ich mich auf das immer wiederholte Verlangen meines Vormundes dazu verstehen mußte, meinen bisherigen Wohnort zu verlassen und hierher nach Buenos Aires überzusiedeln, wo ich völlig fremd war und außer der Famitte bei Vasco weder Verwandte noch freunde besaß. Ich sträubte mich dagegen, so lange es möglich war, endlich aber blieb mir nichts mehr übrig, als mich zu fügen. In einem nur blieb ich fest. Mein Oheim wünschte, daß ich in sein eigenes Haus käme, um fortan mit meiner Base Jsabella wie mit einer Schwester zu leben. Aber ich erklärte schon nach den ersten Tagen meines Aufenthaltes, daß ich dies nimmermehr thun würde, weil die kurze Zeit hingereicht hatte, mich zu überzeugen, wie wenig aufrichtig die Liebes- und Freundschafts - Versicherungen waren, mit denen Donna Maria und ihre Tochter mich überschütteten. Sie verabscheuten mich um der fremden BeiMischung in meinem Blute willen sie haßten mich wegen meines Reichthums und sie fürchteten mich wohl auch ein wenig, weil sie sahen, daß ich offene Augen hatte, alle die Abscheulichkeiten zu durchschauen, die in ihrem Hause geschahen. Namentlich Jsabella wollte es nicht immer gelingen, die Nomödie durchzuführen, zu der sie von ihren Eltern angehalten worden war. Mehr als einmal offenbarte sie mir ihre tiefe Abneigung, und tl toaxt sicherlich bald zu einer Katastrophe gekommen, wenn man mich gezwungen hätte, unter jenem Dache zu bleiben. So gestattete man mir denn, in das Kloster der Dominikanerinnen überzusiedeln, wo ich mit der Behandlung, die man mir zu Theil werden ließ, wohl zufrieden sein konnte. Man war dori vom ersten Tage an freundlich ud rücksichtsvoll gegen mich, man beschränkte mich nicht allzu sehr in meiner persönlichen Freiheit, und ich würde kaum einen Grund gehabt haben, mich zu beklagen, wenn ich in der Stadt nur einen einzigen Menschen besessen hätte, dem ich mich vertrauensvoll hätte anschließen und dem ich in Stunden der Betrübniß oder der Ratlosigkeit mein Herz hätte ausschütten können. Aber ich kannte Niemand und wußte, daß mein Oheim, sobald es nur immer in seinen Kräften stand, jeden meinerSchritte überwachte. Aber ich langweile Sie mit meiner umständlichen Erzählung, nicht wahr?" Gewiß nicht, Senorita! Ich bitte Sie vielmehr, mir nichts zu verschweigen, damit ich völlig klar sehe. Aus Gründen, die ich Ihnen vielleicht später mittheilen werde, habn alle dieseDinge für mich ein starkes persönliches Interesse." Seine Pflicht als Vormund schien mein Oheim mit fast übergroßer Gewissenhaftigkeit zu erfüllet. Er unternahm keine mit der Verwaltung meines Vermögens In irgend welchem Zusammenhange stehende Handlung, ohne mich davon zu unterrichten und ohne , meine Zustimmung einzuholen. Ich mußte mein Besitzthum in den allerbesten Händen glauben, bis er eines Tages mit einer Eröffnung zu mir kam, die zu überraschend war, als daß sie nicht hätte meinen Arg:vohn wachrufen müssen. Mein Vater hatte seine selbstständige kaufmännische Thätigkeit vor Jahren im Verein mit einem Theilhaber begonnen, an dessen Persönlichkeit ich keine Erinnerung mehr habe, und von dem ich nur aus KklegentlichenMittheilungen meiner Eltern weiß, daß er seiner Kränklichkeit wegen bald wieder aus der Firma ausgeschieden sei, um dann bald nachher in vollständige geistige Umnachtung zu verfallen. In diesem Zustande hat er dann noch eine Reihe von Jahren verbracht, bis er, ohne auch nur vorübergehend wieder zu geistige: Klarheit aclangt zu sein, beinahe gleichzeitig mit meinem Vater aus dem Lefirn schied. Es ist selbstverständlich, daß er bei seinem Ausscheiden für den Verzicht auf seinen Geschäftsantheil vollständig abgefunden worden war. Ich weiß das aus meines Vaters eigenem Munde, wenn ich mich auch nicht mehr erinnern kann, bei welcher Gelegenheit davon die Rede gewesen ist. Auch die schriftlichen Belege für diese Abfindung waren natürlich vorhanden und müssen noch heute vorhanden sein, denn bei einem Brande, von dem unser Haus später einmal heimgesucht wurde, sind zwar die Geschäftsbücher, sonst aber keine Dokumente von irgend w:lcher Bedeutung verloren gegangen. Weder von dem Kranken noch von einem seiner Angehörigen sind denn auch zu Lebzeiten meines Vaters irgend welche Ansprüche erhoben worden. Erst nachdem beide Männer todt waren, und mein Oheim bereits seit einerReihe von Monaten mein Vermögen verwaltete, traten plötzlich die Erben jenes im Wahnsinn Verstorbenen mit der BeHäuptling hervor, er hätte für seinen Vesitzantheil an ausgedehnten Ländereien in der Provinz Tucuman keine Abfindung erhalten, und die Hälfte jener Ländereien sei darum ihr rechtmäßiges Eigenthum. Nun bedeuten aber gerade diese Ländereien bei toci-

tem den größten Theil meines Vermogens, und sie sind in der Zwischenzeit durch Eisenbahnbauten und durch das Entstehen neuer, stark bevölkerter Ansiedelungen etwa um das Dreißigfache ihres einstigen Kaufpreises an Werth gestiegen. Die einst beinahe unverkäufliche Wildniß würde heute bei einer Veräußerung mehrere Millionen eintragen, und Millionen sind es, um die

' man mich zu berauben versucht." Erstaunt blickte Werner auf das junge Mädchen, das in seinem schlichten schwarzen Kleide so einfach und anspruchslos vor ihm saß. Wie, Senorita!" sagte er, Sie w'ären danach die Besitzerin eines fürstli chen Relchthums?" Eine fast verächtliche Bewegung der Schultern begleitete Conchitas Antwort. Ach. dieser Reichthum! Um wie viel glücklicher würde ich sein, wenn mein Vater mir nicht mehr hinterlassen hätte, als ein kleines Kapital, das eben hinreicht, meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Meine Habe hätte dann nicht die Begehrlichkeit schlechter Menschen gereizt, und alle diese traurigen und widerwärtigen Erfahrungen wären mir erspart geblieben. Handelte es sich um nichts anderes, als um den Verlust, den ich durch die geschickt eingefädelte Intrigue meiner Widersacher erleiden soll, so würde ich ihnen vielleicht freiwillig gegeben haben, was sie verlern gen. Aber es handelt sich um etwas viel Werthvolleres, um etwas für mich ganz Unschätzbares um die Ehre meines todten Vaters. Den Anspruch dieser Leute anerkennen heißt, ihn des Betruges fähig glauben, des schändlichsten Betruges gegen einen armen Geisteskranken. Und ich bin darum entschlössen, bis zum letzten Athemzuge für mein gutes Recht und für seinen ehrlichen Namen zu kämpfen." Wie dürften Sie auch anders denken. Senorita! Aber ich verstehe noch nicht, welcher Vorwurf in dieser Angelegenheit den Senor del Vasco treffen kann. War er denn willens, Ihre Rechte preiszugeben?" Conchita erhob den Kopf. Er sah, wie ihre Augen in leidenschaftlichem Zorne blitzten, und wie die kleine Hand, die in ihrem Schoße ruhte, sich unwillkürlich ballte. Mehr als das viel mehr! Kein Anderer als er ist der UrHeber des ganzen Anschlages. Er macht gemeinsame Sache mit meinen feinden, um sich nachher mit ihnen in die- Beute zu theilen. Weil die Bestimmungen des Testamentes es ihm unmöglich machen, mich auf andere Art zu bestehlen, versucht er es auf diese Weise." Senorita!" rief Werner entsetzt. Wenn das möglich wäre! Aber nein, es ist undenkbar Sie müssen sich in einem Irrthum befinden, einer so unerhörten Schurkerei kann del Vasco nimmermehr fähig sein." Hören Sie weiter! Als er mir jene Mittheilung machte, war er anscheinend außer sich vor Entrüstung. Er glaube für seine Person natürlich nicht einen Augenblick an die Berechtigung des Anspruches, und wenn er es auch sogleich tief beklagte, daß er unter den nachgelassenen Papieren meines Vaters auch nicht den kleinsten Zettel habe finden können, der über jene Angelegenheit Aufschluß gegeben hätte, so hege er doch nicht den geringsten Zweifel, daß der von den Erben des Theilhabers angestrengte Proceß zu unseren Gunsten entschieden werden müsse. Ich weiß nicht, wie es kam, daß mir sein Benehmen an jenem Tage trotz alledem verdächtig erschien. Alles, was ich jemals Ungünstiges über ihn gehört hatte, stand plötzlich vor meine? Seele, und wenn ich auch meinem Argwohn noch keine bestimmte Gestalt zu geben vermochte, so wollte doch die Stimme in meinem Innern, die mir zuflüsterte, daß er unaufrichtig gegen mich fei, nicht mehr zum Schweigen kommen. Ich gab ihm nichtsdestoweniger die Vollmachten, die er von mir verlangt hatte, und beunruhigte mich nicht allzusehr, denn noch schien mir die Möglichkeit eines ungünstigen Ausganges völlig ausgeschlossen. Monate vergingen. und die ersten Termine in dem Proceß hatten bereits stattgefunden. Mein Oheim versäumte nicht, mir jedesmal sofort Bericht zu erstatten, und noch immer war er guten Muthes, wein auch seine Erklärungen jedesmal etwas weniger zuversichtlich klangen. Da erhielt ich eines Tages einen anonymen Brief, der meinem dunklen und bis dahin mehr instinktiven Verdacht endlich eine bestimmte Richtung gab. Man schrieb mir, daß ich das Opfer eines nichtswürdigen Gaunerstreiches werden solle. Der ganze Proceß sei auf eine geheime Abmachung zwischen meinem Vormunde Manuel del Vasco und dem Rechtsanwalt der Gegenpartei. dem Deputirten Juan Martine;, aufgebaut. Mein Oheim besitze in Wahrheit die Dokumente, von denen er behaupte, daß sie unauffindbar feien. Aber er halte sie verborgen, um einer Sieg der Gegenpartei möglich zu ma chzn. Denn für den Fall, daß die Hälfte jener Ländereien in Tucuman den Klägern zugesprochen würde, sei ihm eine hohe Belohnung verheißen Diesen Brief haben Sie Ihrem Vormunde natürlich gezeigt?" O. ich wäre sehr thöricht gewesen, wenn ich es gethan hätte. Gerade weil ich überzeugt war, daß er nichts als die volle Wahrheit enthielt, hütete ich mich wohl, meinem Oheim etwas zu verrathen. Ich bemühte mich nur, soweit ich es unauffällig thun konnte, den Absender des Schreibens zu ermit teln. Das ist mir nun zwar leider nicht gelungen, wohl aber wurde ich von Monat zu Monat sicherer, daß ti mich nicht belogen." Und aus nxlchen Anzeichen gewannen Sie diese Sicherheit, Senorita? Sie müssen verzeihen, wenn ich mich noch immer nicht entschließen kann, einer so ungeheuerlichen Anschuldigung gegen einen Menschen, den alle Welt für einen Ehrenmann hält, Glauben zv schenken." .

Ich weiß nicht, wofür die Welt ihn hält. Aber ich weiß, daß er sich seit langem in arg zerrütteten VermögensverHältnissen befindet. Er ist ein leidenschaftlicher Spieler, und die Verschwendungssucht meiner Tante mag auch dazu beigetragen haben, ihn zu ruiniren. Daß man aber in der Familie del Vasco vor keinem Mittel zurückschreckt, wenn es gilt, irgend ein wünschenswerthes Ziel zu erreichen, habe ich während des Verkehrs mit meinen Verwandten hinlänglich erfahren, wie ängstlich man auch bemüht sein mochte, die Geheimnisse des Hauses vor mir zu verbergen. Seitdem ich gesehen habe, wie schändlich man diesen unglücklichen Strahlendorf behandelt und wie man ihn in den Tod getrieben hat seitdem halte ich nicht nur meinen Oheim, sondern auch seine Gattin und seine Tochter jedes Verbrechens fähig." Werner vermochte nicht länger an sich zu halten. Verzeihen Sie, Senorita. wenn ich Sie unterbreche! Es war nicht meine Absicht, Ihnen 'jetzt davon zu reden, nun aber, da Sie selbst den Namen meines Vorgängers nennendrängt es mich doch, eine Frage an Sie zu richten. Die Warnung, die Sie mir am Tage meiner Ankunft zukommen ließen, sollte also wirklich auf die Familie del Vasco Bezug haben, und der Mann, der, wie Sie schrieben, seine Verblendung so theuer habe bezahlen müssen, war derDirector Strahlendorf?" Conchita war sichtlich betroffen. Eine Warnung? Ja. sind Sie denn auch ganz sicher, daß sie von mir gekomme ist?" Die Handschrift Ihres heutigen Briefes hat es mir verrathen." Ah, ich war thöricht genug, nicht daran zu denken. Aber gleichviel ich brauche mich meiner Handlungsweise nicht zu schämen. Ja. ich war es, die Ihnen jenes Billet schrieb, und ich war es auch, die es Ihnen zusteckte. Mein Herz war voll von so namenloser Empörung über das, was ich mit eigenen Augen hatte ansehen müssen, daß ich mir heilig gelobt hatte, eine Wiederholung dieses Verbrechens nicht zu dulden. Daß meine Warnung überflüssig sein würde, konnte ich damals ja noch nicht voraussehen." Und worin bestand daS Verbrechen, das man gegen Strahlendorf begangen? Auf welche Weise sollen Ihre Verwandten ihn in den Tod getrieben haben? Und auö welchem Grunde?" O, lassen Sie mich darüber schweigen! Man kann einen Todten nicht wieder erwecken. Mögen sich die, welche an ihm gesündigt, mit ihrem eigenen Gewissen deswegen abfinden." Werner aber gab sich mit dieser Weigerung nicht zufrieden. Und so lebhaft drang er in Conchita, daß ihr zuletzt eine Ahnung zu kommen schien, weshalb er es that. Der ernste Ausdruck ihres Gesichts wurde plötzlich noch düsterer, und es hatte einen seltsam harten Klang, da sie sagte: Sie bestehen darauf wohl, mögen Sie es denn hören! Zu einer Zeit, da ich noch beinahe täglich auf kürzere oder längere Zeit in meines Oheims Hause verweilte, war ich eines Abends ohne mein Zuthun zur Mitwisserin eines für meine Augen und Ohren gewiß am allerwenigsten bestimmten Geheimnisses geworden. Wie ich es immer zu thun pflegte, wenn andere Gäste erschienen, hatte ich mich auch an jenem Abend in das bergende Dunkel des Patio zurückgezogen. Jsabella aber mochte der Meinung sein, daß ich mich bereits entfernt habe, denn als sie am Arm des deutschen Senors aus dem Innern des Hauses in den Hof hinaustrat, benahm sie sich so, als hielte sie jede Möglichkeit des BelauschtWerdens für ausgeschlossen. So wurde ich zu einer unfreiwilligen Zeugin der zärtlichen Scene, die sich da unmittelbar vor mir am Springbrunnen abspielte und deren ausführliche Schilderung Sie mir, wie ich hoffe, erlassen." Aber er durfte ihr nichts 'erlassen. Jetzt, nachdem er so viel gehört hatte, mußte er alles erfahren, wenn er auch sah, daß es ihrem mädchenhaften Empfinden widerstrebte, seinem Verlangen Folge zu leisten, und daß die Worte nur widerwillig von ihren Lippen kamen. Mit Mühe und wahrscheinlich nur unvollkommen verbarg er selbst seine von Sekunde zu Sekunde wachsende Erregung, als er nun bestätigt hörte, was er bei ihrer ersten. Andeutung geahnt. Glaubte er doch, in'einen schwindelerregenden Abgrund zu blicken, während er ihr zuhörte. Seine gestrige Unterhaltung mit Jsabella del Vasco, dieses von ihr herbeigeführte Gespräch, das mit einer so überraschenden und verhängnißvollen Wendung geendet, war nur eine getreue Wiederholung dessen gewesen, was sich an der nämlichen Stelle schon einmal zugetragen, nur mit dem kleinen Unterschiede, daß statt seiner damals sein unglücklicher Vorgänger die schöne Tochter Don Manuels in seinen Armen gehalten. Auch ihm hatte sie von ihrer heißen Sehnsucht gesprochen, aus den unwürdigen Verhältnissen befreit zu werden, deren Schmach sie nicht länger ertragen könne vielleicht waren es sogar die nämlichen Worte gewesen, mit denen sie gestern auch ihn bethört hatte, nachdem sie schon einmal ihre Wirksamkeit erprobt. Die erste Empfindung, die sich bei der Erkenntniß von so viel Lüge und Verworfenheit in Werner geregt, war begreiflicherweise die eines heftigen Zornes gewesen, aber sie hatte, noch ehe Conchita geendet, bereits ganz anderen Gefühlen, den Gefühlen namenloser Erleichterung und jubelnder Freude Platz gemacht. Wenn es sich so verhielt, war er ja aller Verpflichtungen ledig, und keine Rücksicht mehr hinderte ihn, die Schlinge zu zerreißen, mit der man ihn hinterlistig zu fesseln versucht hatte. ES war ihm zu Muth, als wäre plötzlies) eine Bergeslast von seiner Brust genommen worden. Er athmete freier,

und der dumpfe Druck, den er so lange noch immer in den Schläfen gespürt hatte, war mit einemmal wie verschwunden. Und weiter?" drängte er, als Conchita innehielt. Was geschah dann weiter?" Ich mußte natürlich glauben, daß die beiden sich für alle Ewigkeit angehörten. Bauten sie doch allerlei Zukunftspläne, wie nur Verlobte es thun können. Und spielte Jsabella ihre abscheuliche Rolle doch so gut, daß selbst mir, die ich sie zur Genüge kannte, kein Zweifel an ihrer Aufrichtigkeit kam. Es wunderte mich auch nicht, daß die beiden während der folgenden Zeit ihre Liebe zunächst noch als em Geheimniß zu bewahren schienen. Sie mochten ja triftige Gründe dafür haben, und ich sah aus hundert kleinen Anzeichen, wie sie uns Frauen nicht so leicht entgehen, daß sie nach wie vor in stillem Einverständniß miteinander waren. Dann aber kam ein Tag, den ich niemals vergessen werde, weil er meine Abneigung gegen Jsabella und ihre Mutter bis zu Haß und Verachtung steigerte. Ich war aus irgend einem Grunde früher als sonst in das Haus meines Oheims gekommen, und als ich durch das Musikzimmer ging, sah ich draußen im Patio Strahlendorf mit todtenbleichem, verstörtem Gesicht auf und nieder rennen. Ich zweifelte nicht, daß irgend etwas Schlimmes geschehen sein müsse, und erwartete, meine Base in Thränen oder doch in großer Aufregung zu finden. Aber ich traf sie zu meiner Ueberraschung mit ihrer Mutter am Fenster eines Zimmers im ersten Stock, von wo aus sie den deutschen Senor beobachteUn und allerlei spöttische Bemerkungen über sein Benehnen untereinander tauschten. Sie nahmen meinen Eintritt nicht sogleich wahr, und so vermochte ich einige Aeußerungen Jsabellas aufzufangen, die mir offenbarten, daß sie ebenso grausam und herzlos sei wie ihre Mutter, ja, vielleicht noch schlechter. Sie sprach von der Komödie, die sie dem Vater zuliebe mit dem deutschen Dummkopf so lange habe spielen müssen, als von einer faden und widerwärtigen Posse, die schon längst aufgehört hätte, sie zu amüsiren. Und sie sagte noch manches andere, das ich nicht wiederholen mag. Da, als sie eben eine besonders, häßliche Bemerkung über den armen jungen Mann gemacht fette, konnte ich mich nicht länger beherrschen und verrieth durch ungestüme Bewegung meine Anwesenheit. Jsabella erschrak, und wenn ich bis dahin nichts von ihren Gesinnungen gegen mich gewußt hätte, der Blick, den sie mir in jenem Moment zuwarf, würde mich darüber belehrt haben, daß es ihr nur an einer Möglichkeit, nicht aber an dem guten Willen fehlte, mich umzubringen. Am nächsten Tage hörte ich, daß man den Senor in seinem Zimmer erschossen gefunden habe. Glauben Sie nun, daß ich berechtigt bin zu sagen, die del Vasco hätten ihn in den Tod getrieben?" Ich darf wohl nicht länger daran zweifeln. Was aber brachte Sie auf die Vermuthung, daß man auch mir ein ähnliches Schicksal zugedacht hatte? War denn in Don Manuels Hause schon vor meiner Ankunft von mir gesprechen worden?" Ja. Nicht so zwar, daß ich es hören sollte und daß ich von einem bestimmten Plane in Bezug auf Sie Kenntniß erhalten hätte. Aber ich hielt jetzt Augen und Ohren viel aufmerksamer offen als früher. Die inzwischen gewonnene Erklärung, daß ich das Opfer eines nichtswürdigen Betruges werden sollte, und die Gewißheit, mich unter Menschen zu bewegen, denen jede Schändlichkeit zuzutrauen sei, hatten meinen anfänglichen Abscheu vor dem Horchen und Spionieren besiegt. Aus einzelnen Worten, die ich hie und da erhäschte, lernte ich ziemlich sichere Schlüsse auf die Absichten meiner Verwandten ziehen, und ich verstand mich bald ein wenig auch auf ihre Blicke und ihr Mienenspiel, wenn sie sich untereinander verständigten." Und weil Sie mich für bedroht hielten, warnten Sie mich, obwohl ich Ihnen ein Fremder war? Fürwahr, Senorita, ich weiß nicht, wie ich Ihnen dafür danken soll." Gerade weil Sie mir ein Fremder waren, und weil ich damals für jeden anderen dasselbe gethan hätte wie für Sie, bedarf es keines Dankes, Sekor! Und ich verdiene ihn um so weniger, als ich ja nachher schlecht genug war, Sie Ihrem Schicksal zu überlassen. An dem Abend, da Sie Ihren ersten Besuch in del Vascos Hause machten, sah ich, daß Sie meine Warnung entweder nicht verstanden oder daß Sie ihr kein Gewicht beigelegt hatten. Ich glaubte wahrzunehmen.daß Sie dem bestrickenden Zauber von Jlbellas Schönheit vom ersten Augenblick an ebenso rettungslos verfallen seien wie jener andere. Und ich fühlte mich nicht berufen, Sie gegen Ihren Willen diesem Zauber zu entreißen." Da aber ein Zufall uns an diesem nämlichen Abend Gelegenheit gab, unbelauscht miteinander zu sprechen, warum offenbarten Sie mir nicht sogleich, was Sie mir heute gesagt haben?" Er sah, wie sie unter ihrer brännlichen Haut erröthete, und er mußte ein paar Sekunden lang auf ihre Antwort warten. O, ich kannte Sie doch wohl noch nicht genügend, um das zu wagen," sagte sie endlich, und dann dann war ich Ihnen auch um Ihrer vermeintlichen Thorheit willen ein wenig böse." ' Wieder gab es ein längeres Schweigen. Die eigenthümlich freudige und beglückte Stimmung, in die das Bewußtsein seiner wiedererlangten Freiheit Werner versetzt hatte, erfüllte ihn noch immer. Aber erst während der lcdtcn Worte Conchitas hatteer uxigt

fangen, ihre eigentliche und tiefste Ursache zu begreifen. Am Ende hatte ifyi ja nicht so sehr die Aussicht, an d:e schöne Tochter Don Manuels gefesselt zu sein, gestern so tief elend gemacht, als vielmehr die Gewißheit, daß eine andere, noch halb uneingestandene Glückshoffnung damit in nichts zerstoben sei. Und diese Glllckshoffnung war jetzt von neuem aufgelebt, und sie hatte zugleich eine viel bestimmtere Gestalt angenommen als je zuvor. Den Empfindungen, die sich in ihm geregt, als er vor der Pforte der Kirche Santa Catalina auf Conchitas Erscheinen gewartet jetzt wußte er ihnen den rechten Namen zu geben. Ein verrätherisches Wort wollte sich ihm auf die Lippen drängen, aber er sprach es nicht aus. Da Conchita noch immer beharrlich stumm blieb, sagte er vielmehr, indem er sich zwang, den ruhig herzlichen Ton festzuhalten, in welchem er die Unterhaltung begonnen: Sie hatten vielleicht in der That einigen Grund, mir wegen der Nichtbeachtung Ihrer Warnung zu zürnen. Aber wir haben wohl schon zu lange von Dingen gesprochen, die nur für mich eine Bedeutung haben. Verzeihen Sie mir, Senorita, und lassen Sie mich ersahren. was Sie mir noch mitzutheilen wünschten. Wie hat der Verlauf Ihres Prozesses sich weiter gestaltet?" Es schien, daß ein glücklicher Zufall mir zu Hilfe kommen wolle, um den abscheulichen Plan zu durchkreuzen. Ich erhielt eines Tages einen Brief von einem gewissen Senor Pedro Alvarez. der viele Jahre in den Diensten meines Vaters gestanden hatte, bis er zu seinem Unglück in eine unserer häufigen politischen Unruhen verwickelt worden war. Zum Tode verurtheilt und nur durch die aufopfernden Bemühungen meines Vaters aus dem Gefängniß befreit, hatte er in das Ausland flüchten müssen und galt uns für verschollen. Auf irgend einem weiten Umwege war mit großer Verspätung die Nachricht von meines Vaters Tode zu ihm gedrungen, und er hatte es für seine Pflicht gehalten, mir aus Dankbarkeit gegen den Verstorbenen seine Dienste anzubieten. Auf ihn setzte ich jetzt meine Hoffnungen. Ich wußte, daß er von allen Vorgängen im Geschäft meines Vaters genaue Kenntniß gehabt, und hielt mich überzeugt, daß er auch von den Abmachungen zwischen den beiden ehemaligen Compagnons wissen müsse. So theilte ich ihm denn mit, was sich hier zugetragen hatte allerdings ohne des Antheils zu erwähnen, den mein Oheim an der ganzen Intrigue hatte. Und Pedro Alvarez that, was ich von seiner Treue und Anhänglichkeit erwartet hatte. Obwohl er eine sehr weite Reise machen und Frau und Kinder zurücklassen mußte, brach er doch unverweilt von seinem jetzigen Wohnort nach Buenos Aires auf, um durch sein Zeugniß die Hinfälligkeit der gegen mich erhobenen Ansprüche zu beweisen. Vor drei Tagen traf er hier ein und ließ sich von mir in einer langen, heimlichen Unterredung, die wir miteinander hatten, noch einmal ganz genau über die Sachläge unterrichten. Auch jetzt trug ich Bedenken, ihm von dem Verdacht zu sprechen, den ich gegen meinen Vormund hege. Ich nahm ihm nur das Versprechen ab, sich mit seinen Mitthei lungen nicht an Manuel del Vasco, sondern direkt an das Gericht zu wenden. Ob er dennoch gegen diesen Rath gehandelt hat. oder ob mein Oheim auf andere Weise von seinen Absichten erfuhr jedenfalls ist es auf keinen anderen als auf Senor del Vasco zurückzuführen, wenn Pedro Alvarez gestern früh verhaftet urde. Kann man sich eines gefährlichen Zeugen nicht mit List oder Bestechung entledigen, so muß es eben mit Gewalt geschehen." Wenn Ihr Verdacht zuträfe es wäre der abgefeimteste Schurkenstreich, von dem ich jemals vernommen. Aber sagten Sie mir nicht vorhin, Alvarez sei zum Tode verurtheilt gewesen? Beging er da nicht eine verhängnißvolle Unvorsichtigkeit, hierher zurückzulehren. und könnte nicht auch irgend ein anderer ihn erkannt und seine Festnahme herbeigeführt haben?" Conchita schüttelte mit Entschieden hcit den Kopf. ' Alle unter dem General Rocca wegen politischer Vergehen Verurtheilten sind beim Amtsantritt des neuen Präsidenten begnadigt worden. Die Verhaftung dieses Mannes ist eine Handlung rohester Willkür und ein himmelschreiendes Unrecht. Meinem Oheim aber wird es zu statten kommen, daß wir eben wieder in einer Zeit politischer Unruhen leben. Es ist in solchenZeiten bei uns zu Lande nicht schwer, einen Menschen für immer verschwinden zu lassen. Als ich gestern in der Wohnung des Senor Alvarez von seiner Verhaftung erfuhr und mich dann während des ganzen TageS vergeblich bemühte, die Erlaubniß tt einer Unterredung mit ihm zu erlangen, wurde es mir immer mehr zur festen Ueberzeugung, daß mein Oheim entschlössen ist. die Früchte des ersten Verbrechens durch ein zweites, noch schändlicheres zu retten." Das aber soll ihm nicht gelingen," rief Werner. Sie werden mir gestatten, Senorita von dieser Stunde an Ihre Sache zu der meinigen zu machen, und Argentinien müßte nicht das geringste Anrecht darauf besitzen, unter die civilisirten Staaten gerechnet zu werden, wenn es unmöglich sein sollte, der Wahrheit und der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen."' Vielleicht sind wir in der That viel weniger civilisirt. als Sie es bisher angenommen haben. Den Beistand, den Sie mir großmüthig anbieten, weise ich nicht zurück. Ich habe wähnd des gestrigen Tages hinlänglich Gelegenheit gehabt, zu erkennen,daß ich selbst ohnmächtig bin, dem unglücklichen Alvarez zu helfen. Ja, wenn ich frei über mein Vermögen verfügte und

die Mittel zu Bestechungen besäße! Dann würden sich wohl ohr.r weiteres alle Thüren vor mir öffnen. . Aber mein Vormund ist klug genug, mich immer nur mit geringen Summen zu versehen, und ich kann mir so große Beträge, wie sie hier erforderlich waren, auf andere Weise nicht verschaffen. Da zu kommt, daß ihm keiner meiner Schritte lange verborgen bleiben würde. Ich bin also auf fremde Unterftützung angewiesen, auf die Hilfe eines entschlossenen Mannes, der sich nicht einschüchtern und nicht von jeder gleißnerischen Lüge umgarnen läßt." Ich bin stolz darauf, Senorita, daß Sie mich Ihres Vertrauens gewürdigt haben. Lassen Sie mich denn keine Minute mehr ungenützt verlieren. Wenn Ihr Argwohn berechtigt ist, und Ihre Gegner sich wirklich mit verbrecherischen Absichten tragen, könnte ja jeder Augenblick des Zauderns dem armenAlvarez vcrhängnißvoll werden." Conchita hatte sich erhoben. Sie haben recht," sagte sie. und da Sie alles wissen, giebt es für mich keinen Grund mehr, Sie länger zurückzuhalten. Eines nur lassen Sie mich Ihnen noch sagen eine Bitte, eine dringende, inständige Bitte lassen Sie mich noch aussprechen! Was Sie auch thun mögen, niemals dürfen Sie in Ihren Bemühungen für Alvarez und mich weitergehen, als es ohne Gefahr für Ihre eigene Person geschehen kann. Es würde mich für den ganzen Rest meines Lebens unglücklich machen, wenn Ihnen um Ihrer edelmüthigen Hilfsbereitschaft willen etwas Schlimmes widerführe." Er beruhigte sie, indem er ihr versprach, jeder Gefahr vorsichtig aus dem Wege zu gehen. Nur wenige Worte noch waren es, die sie miteinander tauschten. Sie verabredeten, morgen zu einer noch früheren Stunde an der nämlichen Stelle zusammenzutreffen, dann reichten sie einander die Hände, und Werner schlug als der erste den Rückweg nach der Stadt ein. 13. K a p i t e l. Es hatte keiner langen Ueberlegung bedurft, um Werner zu dem Schlüsse zu bringen, daß die Angelegenheit des unglücklichen Pedro Alvarez jeder anderen vorangehen müsse. Er schickte an Henninger ein Billet mit der Nachricht, daß er heute erst zu einer späteren Stunde in der Bank würde erscheinen können, und daß der Prokurist die Güte haben möge, ihn inzwischen zu vertreten. Von seiner ursprünglichen Absicht, sich bei Henninger Rath darüber zu erholen, welche Schritte die geeignetstcn für die Befreiung des Verhafteten sein möchten, war er bald wieder zurückgekommen. Es schien ihm besser, sich ganz auf den eigenen Scharfsinn und die eigene Energie zu verlassen. Aber er mußte bald innewerden, daß die Erfüllung seines Auftrags noch viel schwieriger war, als er gefürchtet. Die hohen Beamten, bei denen er sich melden ließ, weil er erwarten durfte, von ihnen Auskunft über bis Schicksal des Verhafteten zu erhalten, schienen heute durchweg sehr wenig geneigt, sich mit derartigen Privatangelegenheiten zu befassen. In den Ministerien wie im Justizgebäude und auf der Polizei, überall herrschte eine ungewöhnliche Erregung, die sich des letzten Unterbeamten in demselben Maße bemächtigt zu haben schien, wie des höchsten Würdenträgers. Mußte doch auch in der That selbst ein mit den Verhältnissen völlig unbekannter Fremder schon bei einem Gange durch die Straßen den Eindruck gewinnen, daß sich außerordeutliche Ereignisse vorbereiteten. Das Straßenleben von Buenos Aires hatte mit einemmal all die harmlose Fröhlichkeit eingebüßt, die es sonst trotz allen Schmutzes und allen ohrenzerreißenden Lärmes zu einem so vergnüglichen Schauspiel macht. Die Leute standen eifrig debattirend bei einander, und hie rmd da durchzogen, von der Polizei seltsamerweise nicht im mindesten belästigt, größere Trupps mit höchst bedenklichen Rufen, wie Es lebe die Freiheit!" oder Nieder mit den spitzbübischen Ministern!" die Gassen. Die Zeitungsjungen, deren schrille, kreischende Stimmen beständig selbst über den lautesten Tumult hinweg zu vernehmen waren, hatten niemals bessere Geschäfte gemacht als heute, und Werner hatte die Empfindung, daß er kaum je zuvor fo viel zerlumptes, verdächtig aussehendes Gesindel in den vornehmsten Stadttheilen Buenos Aires gesehen habe als an die--sem Tage. (Fortsetzung folgt.)

Gefährlicher Auftrag. Arzt: Sie müssen Ihrer Frau befehlen, daß sie infolge der LuftröhrenEntzündung einige Tage so wenig als möglich spricht." Ehemann: Möchten's ihr nicht das selbst befehlen, Herr Doctor." Der schlaue Hies'l. Sepp (zum Hie'l. der ein Marterl" auf seiner Alpwiese aufstellt): Wem stellst denn 's Marterl? Js leicht wer abi g'stürzt?" Hies'l: A na! I stell's blos her, um daß d' Fremden meiner Wies' als g'fährliche Stell' ausweichen!" Die Pflegerin. Achten Sie darauf, daß die gnadige Frau regelmäßig einnimmt; die Medizin ist nämlich außerordentlich bitter." .So. Herr Doktor? Na, dann werde ich schon dafür sorgen, daß sie sie regelmäßig bekommt!" Große Auswahl. Hei ?a!hscandidat: Die Dame gefällt mir aber nicht, mit der Sie mich besannt gemacht haben. Die schielt ja auf dem rechtm Auge." Vermittler: Wollen Sie eine haben, die auf dem linken Auge schielt .

Jür die Küche. Nierensuppe. Gekochte oder gebratene Kalbsnieren werden mit etwas Petersilie durcheinandergehackt ; dann schwitzt man einen Kochlöffel voll Mehl in einer Unze Butter hellgelb, thut das Gehackte hinein und gießt die nöthige Bouillon fcazu. Kurz vor dem Anrichten quirlt man drei Eidotter mit einigen Eßlöffeln Sahne, gießt d'.e Nierensuppe langsam darüber und bringt sie dann, ohne sie wieder auf'S Feuer zu setzen, mit etwas Mukatnuß und geröstetem Brod zu Tisch. Frische Ochsenzunge mit Nosinensauce. Aon einer Och senzunge wird der Schlund abgelöst ; die Zunge wird gebrüht und mit Wurzelwerk. Gewürz, Salz und Lorbeerblatt nebst halb Fleischbrühe und halb Wasser weichgekocht. Dann wird die Haut abgezogen. Alles sauber beschnitten und zurückgestellt. Währenddessen hat man das Fett von dem Oud abgeschöpft und letzteren mit einer Rosinensauce kurz gekocht, mit etwas Citronensaft geschärft über die Zunge gethan und zusammen heiß werden lassen. Rosinensauce: Große Rosinen werden abgekocht und ausgekernt: dann eine klein? Casserolle halb voll Jus mit einem Weinglas Rothwein gut einkochen lassen, die Rosinen dazu gegeben und mii Salz und Zucker abschmecken. Kalbs milch. Die Kalbsmilch wird, um sie besser abhäuten zu können, in lauwarmes Wasser g:legt. dann rasch blanchirt und darauf in kaltes Wasser geworfen. Nachdem man sie mit einem Tuche abgetrocknet wird sie mit sehr feinen Spectstreifchen gespictt, dann mit einigen Stückchen Ochsenfleisch, zwei Carotten, zwei Zwicbem, zwei Nelken und zwei Lorbeerblättern in eine mit Speckscheiben belegte Casgrolle gethan und mit so viel kräftiger Bouillon begossen, daß sie bis zur Hälfte bedeckt ist. Ein mit Butter g tränktes Papier wird nun über die Kalbsmilch gedeckt und dieselbe dann zum Garwerken in einen ehcizt:n Ofen geschoben. Dreiviertel Stunden Zeit genügen hierzu. Man muß darauf Acht geben, daß in dieser Zeit die Kalbsmilch eine schöne hellbraune Farbe erhält. Schweinspfeffer. Mager:,? Schweinefleisch wird inStücke geschnitten, mit einer Beize von dem nöthigen Salz einem Kaffeelöffel voll ganzem Pfeffer, zwei Lorbeerblättern, einem Löffel voll Wacholderbeeren, zw:i geschnittenen Zwickeln, Gelbrüben mit Wein oder nicht zu scharfem Essig zuoedeckt. mehrere Tage in den Keller gestellt. Vor dem Kochen wird das Fleisch zum Abtropfen auf ein Sieb gebracht, dann in heißem Fett schnell gebraten und in einen anderen Topf gelegt. Im zurückgebliebenen Bratfett werden zwei Löffel voll Mehl und ein halber Löffel gestoßener Zucker braun geröstet, mit dem Beizessig sammt den Gewürzen und der noch nöthigen Fleischbrühe oder heißem Wasser aufgelöst; dies: kochende Brühe wird über das Fleisch gegeben und damit eingekocht. Gebratene Tauben. Nachdem die Tauben gut vorbereitet sinv, deckt man sie, falls sie noch nicht gleich gebraten werden, mit einem leinenen Tuch, zu und stellt sie an einen kühlen Ort. Beim Gebrauch wäscht man sie, streut in das Innere Salz und thut ein Stückchen Butter, sowie die Leber, das Herz und den Magen hinein, auch eine Morchel, wenn man sie hat. Nun legt man die Tauben in steigende Buttcr auf Speckscheiben und läßt sie gelbbraun braten. Nach Belieben können die Tauben wie folgt gefüllt werden: Ans drei Tauben nimmt man 300 Gran Butter, zu Sahne gerührt, ein eingeweichtes und wieder ausgedrücktes Weißbrot, einen halben Löffel süße Sahne, zwei Eidotter, sauber gewa schene Corinthen, einige geriebene süße Mandeln, etwas geriebene Citronenschale,, etwas Zucker, die fein gewiegten Lebern der Tauben und den Schnee von einem Eiweiß, rührt dies gut durcheinander und füllt den Leib und Kröpf der Tauben damit, doch nicht zu fest, da der Kröpf leicht platzt. An die Sauce muß man beim Begießen zuweilen ein wenig heißes Wasser thun, auch zuletzt etwas süße Sahne. Kartoffelpudding. Ein viertel Pfund Butter werden zu Sahne gerührt und ein viertel Pfund Zucker, vier Eigelb, einige süße und bittere Mandeln abgeriebene Citronenschale und ein gutes Viertelpfund Kartoffelmehl dazugegeben; zuletzt rührt man den steifgeschlagenen Schnee der Eier daran und kocht den Pudding in einer Form eine Stunde lang im Wasserbade. Butterteigkörbchen. Gu tcr Butterteig wird messerrückendic! ausgetrieben und in ganz kleine Formcn gegeben. Man drückt den Teig mit der Hand leicht an und schneidet das Herausstehende ab. Dann füllt man singerhoch Bohnen oder Erbsen hinein und bäckt die Körbchen auf einem Backblech im Rohr. Wenn sie fertig sind, stürzt man sie aus den Formen, wobei die Hülsenfrüchte herausfallen, läßt sie auskühlen und füllt sie mit gemischtem, in Zucker gedünstetem und abgetropftem Obst oder mit Schlagrahm und Erdbeeren. Auch kann man frische Früchte, wie Aprikosen, Pfirsiche und so weiter, durchtreiben und das Mark mit dem gleichen Gewicht an Zucker eine halbe Stunde rühren und dies zur Füllung verwenden. Dieser Nachtisch läßt sich gut einige Tage vor dem Gebrauch bereiten und stellt bei geringer Mühe viel vor. Selleriesuppe. Man koche zwei Sellerieköpfe sehr weich, schneide den einen in kleine Stücke und treibe den anderen mit einer Tasse Rahm durch ein Sieb. Hierauf bereite eine ganz helle Einbrenn, gieße sie mit der Sellenerahmbrühe und etwas Suppe auf und menge die kleinen Sellerie Päckchen hinzu.