Indiana Tribüne, Volume 23, Number 6, Indianapolis, Marion County, 24 September 1899 — Page 2

( i - .- - . .

'Radsaßrtell in den Alpen. Von Wilh. Kaufmann. AlZ ich vor einem Jahre das Radfahren erlernte, hätte ich mir sicher nicht träumen lassen, daß mich im nächsten Sommer das flinke Stahlroß übcr hohe Alpenpässe tragen würbe. Ein solches Unterfangen wäre mir ebenso gefährlich und abenteuerlich er schienen, wie der Landratte" die erste große Seefahrt erscheint. Und doch ist s eigentlich nichts, weder ein Kunststück, noch eine Heldenthat. Es ist nur eine Sache von guten Straßen, einem zuverlässigen Rade und einiger Ausdauer und Vorsicht. Aber schon, Herrlich schön und dankbar ist Sxt gewesen, diese Fahrt über den Arenner und über den Achenpaß, über Berg und Thal, durch öde Felsgegenden und über blumige Auen, vorbei an schäumenden Wildwassern und im Angesicht der Gletscher und Vergriesen Tirols. Da geht dem Radler das Herz auf und die erste Touristen - Freudigkeit, die Wanderlust der Jugend, kehrt wieder. Das Nadeln an und für sich ist ja ein Jungbrunnen, und wer's nicht glaubt, mag es an sich selbst erfahren. Was die Gefahren einer derartigen Reise anbetrifft, so sind sie wirklich nicht beträchtlich, auch nicht für Diejenigen, welche schon auf der Schattenseite des Lebens stehen. Wer sein Rad gut in der Hand hat, wer mit seinen Kräften Maß zu halten versteht und sich nicht allzu viel zumuthet, auch nicht bei jeder kleinen Verkehrsstörung die Geistesgegenwart verliert, der mag eine solche Fahrt ruhig unternehmen,, vorausgesetzt natürlich, daß da Rad erprobt und zuverlässig ist, und daß die Witterungsverhältnisse günstig sind. Sehr erwünscht ist noch das vorherige genaue Studium der Karten, wie sie jetzt in Deutschland für Radfahrer besonders hergerichtet werden, und welche ganz vortreffliche Führerdienste leisten. Dazu ein guter Kamerad, völlige Gesundheit des Körpers und die rechte Herzensfreudigkeit zum Wandern und zum Naturgenuß. Und dann, heidi, in die schöne Welt hinaus! Wir wollten unsere Fahrt schon in München beginnen, aber es regnete in der alten Bierstadt dermaßen, daß der dampfende eiserne College zu Hilse genommen werden mußte. In zwei Stunden brachte uns die Bahn nach Gmund am herrlichen Tegernsee, mitten in die bayerisch! Berge hinein. Dort fanden wir auch gute Landstraßen und, was vor Allem nöthig, blauen Himmel und Sonnenschein. Die Eisenbahnverwaltungen in Deutschland und Oesterreich sind den Radlern recht wohlgesinnt, sie nehmen das Rad unverpackt als Passagier- und als Frachtgut mit, so daß man keine Scheerereien hat, wenn Müdigkeit oder schlechtes Wetter zur Unterbrechung des Radelns zwingen. Dabei gibt es kaum eine längere Radtour in diesen Ländern, welche nicht mit guter Eisenbahnverbindung versehen wäre. Das Wetter wurde wunderschön, der von freundlichen Ortschaften, vornehmen Villen und hübschen Vauernhäusern umkränzte See zeigte sein lieblichstes Antlitz, und wenn wir nicht Radler geWesen wären, so hätte er uns sicherlich zu längerer Rast an seinen wundervollen Ufern verlockt. Aber es war unser erster Reisetag, ein längeres Verweilen erschien uns als ein Vergehen gegen unseren Reiseplan. Und hinter dem See winkten die blauen Berge und grünen Wälder des bayerischen Hochlandes. So benutzten wir den Nachmittag zum flüchtigen Besichtigen der Uferlandschaft, sahen uns satt an einem unvergeßlichen Sonnenuntergang und schliefen in einem schlichten Bauernhause, das nothdürstig für Somrnerfrischler hergericytet worden war, den Schlaf des Gerechten. Das Reiseziel des nächsten Tages war der Achensee, welcher nachBädecker, der selten lobt, nur mit dem Königssee verglichen werden darf. Die Steigung bis dahin betrug rund 200 Meter, also ungefähr 620 Fuß, welche sich aber auf 45 Kilometer vertheilt, sich also, nach unserer Schätzung bequem in vier Stunden hätte durchradeln lassen. Jedoch wir hatten die Karten nur flüchtig angesehen und nicht bemerkt, daß es auf der Strecke viel bergauf und bergab ging, daß dieStroße später sehr schlecht wurde, und daß sich so die angenommenen vier Stunden in eine kleine Tagestour verläppern konnten. Thatsächlich wurde diese Fahrt die schwierigste und anstrengendste unserer ganzen Reise, weit angreifender, als die Radlerei über den Brennerpaß. Aber wir durchfuhren eine wunderschöne Gegend, oft im tiefsten Waldesschatten und dann wieder auf luftigen Höhen mit den prächtigsten Ausblicken auf das Wetterstein-, auf das Karwen-del-und zuletzt auf das SonnwendGebirge. Ein Waldidyll, wie man das einsam zwischen hohen Waldbergen schlummernd: Bad Kreuth nennen kann, bietet sich selten den Blicken des Wanderers. Hier rasteten wir längere Zeit bei einer Mischung von frischer Milch und Mineralwasser, dem Lieblingsgetränk des vernünftigen Rad lers. Ich habe auf dieser Tour viel mit Radfahrern verkehrt und die Bemerkunz gemacht, daß das Rad einen vortrefflichen beschränkenden Einfluß ausübt bezüglich des Genusses von Alkohol und Tabak. Nicht als ob die Radler Temperenzler würden. Aber wer sonst bis zu sechs Glas Bier im Tage trinkt, kommt beim Radfahren wohl mit der Hälfte oder mit dem Drittel aus und entbehrt auch nichts dabei. Mit dem Tabaksconsum ist es ähnlich. Ich habe mich ganz leicht mit zwei leichten Cigarren per Tag begnügt, während ich sonst deren sechs oder nvh mehr zu bedürfen glaube. Das Rad ist der Feind des Alkohols und des Nikotins und also auch in diese? Hinsicht, wie in so mancher anderen, btx freund des Schlafes und der För-

derer von Gesundheit und Wohlbefin den. Tiefer ging es in dieBerge hinein auf der schönen bayerischen Straße; wir sahen bald Hochalpen mit Resten von Winterschnee bedeckt; von den Kornfeldern, die uns bisher hier und da entgegengetreten waren, war nichts mehr zu entdecken, nur Wiese, Wald, steile Felswände und rauschende Gießbache begleiteten uns. Dann kam der Stubenpaß oder Achenpaß, wo es galt, das Rad eine halbe Stunde steil bergan und dann wieder ebenso lange noch steiler bergab zu schieben. Wir erleichterten uns die Mühe dieser Aufgabe durch häufiges Rasten und wurden durch die entzückenden Ausblicke in romantische Seitenthäler vollauf entschädigt. Der ganz echte" Radler schiebt sein Fahrzeug nur dann, wenn es absolut nicht anders geht, oder wenn die Polizei ihn dazu zwingt. Aber diese ganz echten Radler, diese Kilometerfresser und im Sport aufgehenden Tretbolde, sind nicht mein Geschmack. Ich finde das Schieben gar nicht so beschwerlich.halte es vielmehr, namentlich nach stundenlangem Radeln, für eine angenehme und gesunde Abwechslung. Und wie viel mehr sieht doch der Wanderer, als der Radler. Das Kleine am Wege

bleibt dem Letzteren fast verborgen, denn er saust daran zu rasch vorbei; die farbenprächtige Flora der Alpenmatten, die Ausstattung der Gehöfte, die besonders schönen unter den Waldbäumen, nähere Beobachtung der Bevölkerung, namentlich auch der Gruppen derber Bauernkinder, kurz vielerlei kleine Dinge, welche das Auge des Fußwanderers erfreuen, sind für den flinken Radfahrer so gut wie gar nicht vorhanden. So ist das öftere Schieben des Rades schon aus diesen Gründen angenehm und nützlich, jedenfalls aber weniger gefahrvoll für die Gesundheit, wie das forcirte Berganfahren mit dem Aufgebot der ganzen Kraft, wie man es so häufig bei den Radfahr-Sports-leuten bemerkt. Da unten im Thal, jenseits des Achenpasses, stehen zu beidenSetten des Weges große Schlagbäume, wir sind an der Tiroler Grenze und verlassen das schöne Bayerland und die gute Markrechnung. Es geht jetzt nach Gulden, und wohl jeder Reisende macht bald die Bemerkung, daß man mit einem Gulden nicht viel weiter kommt, als bisher mit einer Mark. Die schönen Zeiten, als Tirol noch als eines der billigsten Länder gelten konnte, sind unwiderbringlich dahin, in einigen abgelegenen Seitenthälern mögen noch die guten patriarchalischen Sitten von frllher herrschen, aber im Allgemeinen wird man sich sagen müssen, daß das Guldenland, das im Verhältniß zu Deutschland theure Oesterreich, auch in diesem Sinne das schöne Tirol einschließt. Uebrigens hätte es der schwarzgelben Wappen gar nicht bedurft, um uns zu überzeugen, daß wir die Grenze überschreiten. Die Skraße sagte es uns deutlich genug. Allerdings fuhren wir ja auf keiner Kaiserftraße, sondern auf einer Landchaussee, aber so lange wir bayrischen Boden unter uns hatten, war der Weg vorzüglich, jenseits der Grenze jedoch wurde er holperig und schlecht. Da waren zerschlagene Steine aufgeschüttet und dem Verkehr blieb es überlassen, diese Steine einzustampfen und fest zu lagern. Die Radler hatten sich mit dem schmalen Fußpfade zu begnügen, der häufig genug auch noch vermuhrt" war. Kam man aber vom Fußfade ab, so gerieth man in die Steinhaufen und dann hörte das Vergnügen auf. Wie oft wir da auf- und abgestiegen sind, ich vermag es nicht zu sagen, ich bin nur froh, daß ich so gut davon kam, als ich einmal unfreiwillig absteigen mußte. Wunderschön zwar blieb die Gegend während der ganzen Fahrt, aber was bietet die schönste Gegenb für Genüsse, wenn man unverwandt auf die Straße starren muß,' um den Steinen aus dem Wege zu gehen. Wir machten Halt an der Grenze um den K. K. österreichischen Zollgesetzen zu genügen. So ein Wiener McKinley hat nämlich vorgeschrieben, daß von jedem Fahrrad, und wäre es auch der schlechteste Klapperkasten, ein Zoll von 50 Mark in Gold erhoben wird. Kehrt man nach dam Auslande zurück, so erhält man allerdings sein Geld wieder, vorausgesetzt, baß die Beamten an dem betr. Grenzpunkte das Geld gerade bei der Hand haben, andernfalls muß man hübsch warten, bis das Geld eintrifft, eine Sache die wenig reizvoll ist. Doch was ist da zu machen. , Trösten wir uns, daß es noch lange nicht so schlimm hier ist, wie an der spanischen oder an der russischen Grenze, wo man sein, noch viel höheres Zollgeld niemals wieder bekommt, oder wie an der amerikanischen Grenze, wo nach dem Dingley-Tarif 35 Prozent vom Werthe erhoben werden. Gegen drei Uhr Nachmittags langten wir verstaubt und schweißtriefend am Achensee an und fanden baldUnterkunft in einem der dortigen Hotels. Der Bergsee macht seinem Rufe Ehre und weist wirklich viele Aehnlichkeit mit dem Königssee auf. Man kann ihn auf einem kleinen Dampfboote in knapp zwei Stunden umkreisen und eine genußreiche Fahrt damit verbinden. Am schönsten erscheint der See, wenn man bei Sonnenschein die halbe Berghöhe an seinen Ufern emporklimmt und das herrliche Farbenspiel genießt, welches der in der Sonne schimmernde See darbietet. Vom tiefsten, kaum mehr vom Schwarz zu unterscheidenden Blau bis zu jener Abtönung, die ins Grünweiße sich verliert, findet man jede Farbenschattirung. Dazu die prächtigste Spiegelung der Berge, der Sennhütten, der dunklen Fichten. Der Achensee reizt den Maler besonders, aber auch der Naturfreund sieht sich kaum satt an diesem wechselvollen Spiel von Licht und Schatten, Sonnenglutlj und, ganz besonders. Montz-

flimmer aber, um auf daZ prosai sche Radeln zurückzukommen, da ist schlecht vorgesorgt. Eine österreichische Vicinalstraße an dem einen Seeufer, ausgefahren.versumpst und aufgeschüttet, der schmale Fußweg abschüssig unmittelbar am See, mit der schönsten Aussicht ins tiefe blaue Wasser zu fliegen, wenn das Vorderrad einmal einen größeren, der tausend kleinen verstreu ten Steine trifft. Wir versuchten es, aber die Aussicht auf ein unfreiwilliges Bad machte mich so nervös, daß ich bald dem den Menschen angeborenen Beförderungsmittel mich anvertraute und später mit dem Dampfer dem andern Ende des Sees zu eilte. Dort ließ sich wieder radeln, jedoch nur eine kurze Strecke, denn es folgt gleich ein jäher Absturz in's Jnnthal, 500 Mete? abwärts, in dreiviertel Stunden Wegs. Das erschien mir als zu anstrengend während derMittagsstunden und so benutzten wir die nach Jenbach führende Lokalbahn auf dieser kurzen Strecke. In Jenbach hatten wir das sangesberühmte Zillerthal vor uns, welches sich hier in das Jnnthal öffnet. Auch das Zillerthal lockt den Radler mit seinen schönen Straßen, mit dankenswer-

then Ausblicken auf grüne Matten und I Hochalpen. Jedoch unser Reiseplan führte uns westlich, auf der gut gehaltenen Kaiserstraße am rechten Ufer des Jnn, ungefähr vierzig Kilometer weit nach Innsbruck, der schönen Hauptstadt Tirols. Wir durchfuhren lange schmucke Dörfer, vorbei an vielen alten Schlösfern und Klöstern, die malerisch auf den höheren Punkten des Mittelgebirges liegen. Letzteres ist eine Vorlagerung des Hochgebirgs nd begleitet uns auf beiden Seiten des brausenden Jnn auf der ganzen Strecke bis Innsbruck. Dieses Mittelgebirge trägt bis in seine höchsten Kuppen dichten Wald und so bietet sich dem Auge eine Landschaft dar, welche oft an den Schwarzwald erinnert, während hoch über diesen mit Tannen und Lärchen bestandenen VorHügeln die Alpen aufragen. Wir hatten den ganzen Nachmittag vor uns und es war uns gleichgiltig, ob wir eine Stunde frühe? oder später in Jnnsbrück eintreffen würden. So wurde häufig am Wege gerastet und dies unbeschreiblich liebliche Landschaftsbild in aller Ruhe genossen. Auch durch Z t. ? . I V ... ?" I . c yerrliaze siaoicyen suyrie uns oer Weg, durch Schwaz und durch Hall, beides Orte von großem Interesse und mit vielen malerischen Alterthümern ausgestattet. Es war ein Sonntag Nachmittag, die ganze Bevölkerung I schien aus den Beinen zu sem, aus den Dörfern erscholl Tanzmusik und viele Spaziergänger belebten die Straße. Ueberall wurden wir mit Grüß Gott" und All Heil" angerufen. Die Straße bot nur geringe Niveauschwierigkeiten. Oft führt der Weg in langen wellenartigen Schwingungen über das Gefilde, so daß man mit dem durch das Bergabfahsen gewonnenen Schwung den darauf folgenden kleinen Hügel schon nehmen konnte. Die Radfahrer unter meinen Lesern werden wissen, daß ein solches Terrain die höchste Wonne des Radlers ist. In der Abenddämmerung trafen wir in Innsbruck ein und fanden im Kaiserhose gute Ausnahme. Der Wirth dort war einer von dem alten Schlage der Gasthofbesitzer, von der Sorte, die man jetzt leider immer seltener antrifft. Kein Schwärm von schwarzbefrackten Trinkgelderwärtern empfing uns hier mit den sonst üblichen tiefen Bücklingen, und wir hatten sofort das Gefühl, daß wir uns hier heimisch fühlen würden. Die Wirthsleute, selbst Radler, nahmen Antheil an unserer Fahrt, gaben uns werthvolle Winke über die bevorstehende Tour, fragten nach unseren Wünschen und setzten sich mit an den Tisch. Das Alles geschah ohne Aufdringlichkeit und Neugierde mit Takt und Freundlichkeit. Auch ist dies das einzige der vielen von uns besuchten Hotels, wo uns die Räder blitzblank geputzt, aufgepumpt und geölt wurden. Wir mußten hier drei Tage bleiben.denn der schlimmste Feind des Radlers, der Landregen, hatte sich eingestellt. Aber wir waren Vortrefflich aufgehoben und konnten uns das alte herrliche Innsbruck in aller Ruhe ansehen. Man wird weit reisen müssen, um in einer Stadt dieser Größe (Innsbruck zählt 80.000 Einwohner), so viel Sehenswerthes zu finden. Hier giebt es alte Kirchen, die man besuchen muß, wie in Straßburg das Münster und in Köln den Dom. Dazu die ganz eigenartige Architektur der Stadt, die ganz allgemein an den Häusern angebrachten Erker, die schon an Italien erinnernden hohen Fenster und Nischen (aber ohne den italienischen Schmutz und ohne die dort übliche Vernachlässigung). Unter den Erkern Innsbrucks ist das goldene Dachl" ja weltberühmt geworden. Das Stadtbild von Jnnsdruck ist in der Touristenwelt so wohl-bekannt.-wie etwa dasjenige von Heidelberg oder Luzern. Wer hat nicht schon das reizende Bild gesehen, aufgenommen von der Maria Theresia Straße in Innsbruck, wo es erscheint, als ob die hohen Kalkalpen unmittelbar hinter den Häusern emporstrebten? Wenn schon auf den Abbildungen dieser Eindruck hervorgerufen wird, so ist derselbe, wenn man es in der Natur betrachtet, noch überwältigender. Und nun erst die nächste Umgebung der Tiroler Hauptstadt. Da braucht man blos den Berg Jsel zu nennen, den Schauplatz der Kämpfe zwischen den Hofer'schen Freischaaren und den Franzosen undVayern unter Marschall Lefebre. Daß, trotz des Sieges der Tiroler, die Kämpfe später einen so ungünstigen Ausgang hatten und auf den Wällen von Mantua das Trauerspiel zum Abschluß kam, ist ja richtig, aber nutzlos sind jene Tapferen nicht gefallen. Ihr Beispiel ist von ungeheurer Wirkung gewesen auf die Freiheitskämpfe und die vier Jahre später erfol-

gende Erhebung Preußens DaZ Standbild des Helden aus dem Passeier steht an der Stätte seines Sieges. Es ist ein schlichtes - und würdiges Denkmal, vor dem ein jeder rechtliche Mann den Hut zieht. Innsbruck wimmelte zur Zeit von Fremden, je länger es regnete, desto größer wurde der Zuzug aus den benachbarten Sommerfrischen. Abends war in den Concerthallen, wo Tiroler Sänger, Schuhplattler und Bauernschauspieler sich sehen und hören ließen, kaum mehr ein Platz zu finden. Die Luft in diesen von schwitzenden Touristen gefüllten Localen war allerdings entsetzlich, aber es herrschte ein urgemüthlicher Ton hier und man konnte die Bemerkung machen, vaß der Deutsche, wenn er in die Fremde kommt, den Alltagsmenschen auszieht. Beim leichten TirclerRothwein, der hier billiger ist, als Bier, unterhielten sich die Fremden in vertraulicher Weise und zwar nicht blos über das Wetter und die Hotelpreise. Ich habe an jenen Abenden, von Einheimischen sowohl als von Fremden, manches sehr Interessante gehört über den politischen Kampf, welcher in jenen Terglanden geführt wird und welcher eine Rückwirkung der Bedrängnisse der Deutschen in Böhmen ist. Auch hatte ich später Gelegenheit, zwei sehr großen Demonstrationen beizuwohnen, die eine von der ultramontanen Partei geleitet, die andere von ihren freisinnigen Gegnern. Doch es ist in meinem Radlerbriefe nicht der Ort, um auf jenes Gebiet näher einzugehen. In Innsbruck gibt es noch immer keine Elektricität, trotzdem die Kraft sozusagen auf der Straße liegt. Durch die Stadt schnaubt und pustet ein unschönes Ungethüm, Tramway genannt, welches mit von weither Herbeigeschafften theuren Kohlen gespeist wird. Wie leicht wäre es, die unerschöpfliche Kraftquelle, den Jnn, zur Leistung heranzuziehen. Aber es hapert mit den Concessionen, und vor Allem nrit den Unternehmungsgeist. Die Jnnsbrucker scheinen vonLetzterem gar nichts zu besitzen und von auswärts will man ihn nicht herbeiziehen. Jetzt freilich sollen sich Münchener Unternehmer größte Mühe geben, die Vorurtheile der Einheimischen zu überwinden. Die Stadt würde zu ganz neuem Leben erwachen, wenn diese Kraft- und Lichtquellen ausgenützt würden. Aber selbst im schönen Innsbruck wird der Radler unzufrieden, nxnn es beständig vom Himmel heruntergießt und wenn die Berge in Nebel und Wolkenschleier gehüllt sind. Als es am Morgen des vierten Tages noch immer unfreundlich war, sagte ich zu meinem Sohne: Ich halt's nicht länger hier aus, wollen doch mal sehen, ob es drüben auf dem Brenner nicht besser ist." Und da die Straßen mit dickem, zähen Kalkschlamm überzogen waren, welche das Radeln zu einer Qual machte, so setzten wir uns auf die Brennerbahn und fuhren bis zur nächsten Hauptstation Mattrei, ungefähr 20 Kilometer bergan. Und wirklich, da oben. d. h. 400 Meter oberhalb des Jnnthals. hatte es weniger geregnet; die Straße war nur eben angefeuchtet und nach einer Stunde lachte sogar der herrlichsteSonnenschein auf uns herab. Nun fuhren wir wohl anderthalb Stunden so mäßig bergan, daß wir die Steigung kaum bemerkten. Gibt es eine schönere Bergstraße, als es diejenige ist, welche über den Brennerpaß nach Italien führt? Die über den Splügen ist wohl noch einsamer und wilder, die über den Fernpaß bietet eine weitere Aussicht und die weltberühmte Stilfser Joch-Straße ist doppelt so hoch und wird wohl nie ganz frei von Schnee, auch der FinstermünzPaß und die Arlbergpässe haben ihren wohlerworbenen Ruf, aber die Brenner Straße schlägt wohl allen Wettbewerb durch die Lieblichkeit seiner Thalbilder in Verbindung mit der Großartigkeit seiner Alpen. Und wie abwechselungsreich ist diese Straße, welche wohl die längste unter allen Alpenstraßcr ist, denn sie beginnt eigentlich schon an der bayrischen Grenze, hinter Rosenheim, und führt bis nach Verona. Welche Erinnerungen knüpfen sich an diesen Weg, der so recht eigentlich eine Völkerstraße ist, von der Natur dazu geschaffen zur Verbindung von Nord und Süd. Zwar führte sie früher, nicht so in schön geschwungenen bequemen Serpentinen den Berg hinan von Jnnsbrück aus. Sie ging steil in die Höhe, die alte Römerstraße, wie sie jetzt noch heißt und auch jetzt noch vorhanden ist. Aber nur jene verhältnißmäßig kurze Strecke im Sillthal ist modernen Anforderungen gemäß erneuert worden, etwas weiter oben, gegen den Brenner Paß zu, und dann hinunter nach Jtalien hin, hat man nichts zu ändern gebraucht. Der Brenner ist die niedrigste Einsenkung der Hochalpenkette im gangen Zuge des Gebirgsstocks von den französischen Alpen an bis Östlich dahin, wo die Berge den Namen Karpcithen annehmen. Der Paß ist nur 1370 Meter, ungefähr 4500 Fuß hoch, und er bildet die Wasserscheide zwischen dem adriatischen und dem schwarzen Meer, den Gebieten der Etsch und der Donau. Die Sill und .die Eisak entspringen beide, nördlich und südlich fließend, dem Brenner, die erstere sich bei Innsbruck dem Jnn, die letztere bei Bozen der Etsch vereinigend. So haben die beiden Flußthäler diese Naturstraße, wenn auch nicht geschaffen, so doch ausgeweitet und die Verhältnißmäßig sanften und bequemen An- und Abstiege in das Jnnthal sowohl als in die lombardische Tiefebene veranlaßt. Hier auf dieser Straße sind wohl unsere germanischen Vorfahren nach dem Lande der Sonne gezogen und viele römische Heere haben denselben Weg nordwärts auf ihren Eroberungszügen genommen. Jetzt ist die alte Völkerstraße ziemlich todt und einsam, denn die Eisenbahn, die uns erst links, dann rechts bealeitet. oft die

Straße kreuzt, in Tunnels derschwin det und dann hoch oben am Berghanq wieder zum Vorschein kommt, hat den Verkehr an sich gerissen. Die Ortschaften am Wege, welche wesentlich dem Touristenschwarm ihre Blüthe verdanken, bringen zwar noch etwas Localverkehr auf die Straße, aber was ist das gegen früher, als dieser Weg häufig genug einer Großstadt-Straße geglichen haben muß. Hier zogen die Pilgerschwärme vorüber gen Rom. hier wurde der Waarenverkehr zwischen Nord und Süd vermittelt, fanden die großen Truppenbewegungen der Vorzeit statt, wanderten und ritten und fuhren viele Tausende von Neisenden jahraus jahrein. ' Wird jene Zeit jemals dieser Straße wiederkehren? Schwerlich, aber das Gras, welches oft genug jetzt zwischen halbverwischten Wagenspuren sich breit macht, wird nicht die Ueberhand erlangen. Es sind Anzeichen vorhanden, daß die Landstraßen wieder in Aufnähme kommen. Der Fahrradverkehr nimmt mächtigen Aufschwung und auch dem Automobile, diesem jetzt noch so häßlichen, schnaubenden und schnarrenden Ungethüm, sind wir dort begegnet. In Deutschland hat zwar der Automobile-Verkehr noch längst nicht die Bedeutung wie z. B. in Frankreich. Man wartet hier offenbar noch ab, welches der verschiedenen Systeme sich am besten bewähren wird. Aber auch auf den einsamer gewordenen deutschen Landstraßen wird bald ein neues Leben sich entwickeln. Wir radelten stetig weiter bergan, vorbei an der reizenden Sommerfrische Sinach, an den weitzerstreuten GeHöften des Dorfes Stafflach, wo die Eisenbahn eine große Schleife in das benachbarte Thal von St. Jodok macht, um so die Steigung zu gewinnen. Nach und nach wurde das Vorwärtskommen schon beschwerlicher, es galt fester einzutreten in die Pedale und wir machten doch die Erfahrung, daß der Brenner ein wirklicher Berg ist. So waren wir nach Gries gekommen, der letzten Ortschaft diesseits des Brennerpasses, und gleichfalls eine beliebteStation für Sommerfrischler. Hinter Gries ging es nicht mehr weiter für unsere Kräfte, wir mußten absitzen und schieben. Wenn uns die-Jnnsbrucker'Radfahrer gesehen hätten, wir wären sicherlich verhöhnt worden, ob unserer Schieberei. In Innsbruck nämlich gilt es bei den Radfahrern für unsportsmäßig, auch nur einen Augenblick zu schieben bei der Fahrt auf den Brenner. Es werden dort sogar vielfach Wettfahrten mit der Eisenbahn von Radlern unternommen. Der Personenzug braucht 2 Stunden 10 Minuten, um von Innsbruck nach StationBrennerpaß zu kommen.' Die Radler versuchen nun, den Zug zu schlagen, d. h. in weniger Zeit, als 2 Stunden 10 Minuten dieStrecke zurückzulegen. Dabei liegt der Brenner über 800 Meter, beinahe 2500 Fuß höher als Innsbruck. Ich habe nicht beobachten können, ob die Wette von Radlern gewonnen worden ist, aber in Innsbruck lernte ich mehrere Radfahrer kennen, welche sich der That rühmten. Zugegeben muß werden, daß die Radler in den Alpenländern ganz anders auf das Bergfahren trainirt sind, als wir Flachlandbewohner, aber trotz alledem ist eine derartige Wettfahrerei aufs Höchste zu verdammen, denn sie ist mit den schlimmsten Gefahren für die Gesundheit verknüpft. Wir schoben unsere Räder die steile Höhe zwischen Gres und dem Brenner hinan und bekamen wahrhaftig genug davon. Es dauerte ja freilich nur eine halbe Stunde, aber unsere Räder waren sehr schwer beladen mit Reisegepäck, die Sonne brannte unbarmberzig auf uns hernieder und es fand sicy auf der ganzen Strecke nur ein schattiges Plätzchen zum Rasten. Endlich hatten wir den Brennersee uns zur Seite, noch einige Minuten Radelns, dann wieder, eine Strecke schieben und so standen wir zuletzt vor dem längst herbeigesehnten guten Wirthshause auf der Brennerhöhe. Jetzt hatten wir Alles überstanden, denn von nun an ging es bergab, beständig bergab. Es war eine wonnige Fahrt hinunter ins Thal, denn die Straße senkt sich meistens so sanst, daß man die Bremse nicht viel zu gebrauchen hat. Zwar fehlte es auch nicht an einzelnen ganz steilen Stellen, wie vor und hinter Gossensaß, wo wir absitzen mußten und genug zu thun hatten, um das dahinstürmende Rad zu halten, wobei man oft genug in das Traben gerieth aber meistens konnte man mit einer Geschwindigke'.t von bis zu 20 Kilometer per Stunde dahinsausen, fast ohne icbc Anstrengung. Dies war denn auch der genußreichste Theil der ganzen Fahrt. Es ging urch Gossensaß, das prächtige Sterzing, dann in das. wohl eine Wegstunde breite Thal der Eisak, wo wir wieder wogende Kornfelder antrafen, darauf durch schöne Wälder, vorbei an Mauls und Mittewald bis Franzensfeste. Dort wollten wir eigentlich Nachtquartier machen, waren aber an der eigentlichen Ortschaft vorbeigefahren und bis zur Festung Franzensfeste vorgedrungen, wo es zu unserem Erstaunen nicht einmal ein einziges Wirthshaus gab. Also weiter in die schöne Abenddämmerung hinein, bis Brixen, der alten Fürstbischofsstadt. Wir mußten rasch fahren, nur allzurasch, um noch rechtzeitig in Brixen einzutreffen. Wie leid hat mir das gethan, wie wunderschön wurde die Gegend und wir hatten gar nichts davon. Es ging stramm bergab, da hat man scharf auf die Straße auszuschauen und darf sich nicht von seinem Schönheitssinn aus Abwege bringen lassen, die zum schlimmen Sturz führen könnten. Wi? sausten nur so dahin in dieser letzten Stunde, die Bremse wurde nicht benutzt und das kleine Rad konnte schnurren, wie's wollte. Freilich ist das leichtsinniges

Fahren aber wir mußten doch Zn's Quartier. Und wir fanden in Brizen ein gutes im Elephanten". Auch billig war's dort. Wir zahlten nur 4 Gulden für Abendessen, einen Liter Wein, Nachtquartier. Frühstück und eine Anzahl Ansichtskostkarten, hatten dafür Alles aufs Beste und ein geradezu fürstliches Zimmer. In Brixen verkehren die Fremden allerdings nur im Frühling und Herbst. Am nächsten Morgen, früh um fünf, ging's weiter auf dem Rad bis nach Bozen. eine unvergeßlich schöne Fahrt durch den Garten des schönen Tiroler Landes, vorüber an unabsehbaren Weinbergen und Obstplantagen, durch KastanienHaine und Lärchenwälder. Aber derTag wurde furchtbar schwül und die letzte halbe Stunde nach Bozen hinaus, bot große Anstrengungen. Die Straße war da kreideweiß und blendete, dazu dichte Staubschichten. Wir wollten noch viel weiter fahren, nach Meran und durch den Vintschgau, dann nordwärts zurück über den Finstermllnz Paß nach Landeck undJnnsbrück, aber die furchtbare, erschlaffende Hitze gebot uns Halt. Hier darf man im August nicht radeln, wenn Letzteres ein Vergnügen sein soll. So kehrten wir mit der Eisenbahn in die Berge Nordtirols zurück und machten später nur kleinere Ausflüge mit dem Rade. Aber die durch das Regenwetter vereitelte Tour von Innsbruck nach Mattrei haben wir doch noch gemacht, also den Brenner doch noch ganz mit dem Rade überwunden. Wer eine Reise von Amerika nach Deutschland macht, nehme sein Fahrrad mit. Er wird mir für diesen guten Rath danken. Spätes Glück.

Von E. Kletzin. Nicht jenen holden Trieben, Davon die Dichter singen. Nicht jenem heißen Lieben Soll heute mein Lied erklingen; Mir ward solch selig Glühen, So heißes Sehnen nicht, Nur stilles Spätherbstblühen Und goldnes Abendlicht. Zwei Hände, die bezwungen Der schweren Arbeit Last, Und selten sich verschlungen Im Schooß zu kurzer Rast, Ein Herz, nicht stürmisch schlagend, Doch mannhaft, treu und wahr. Die boten sich mir zagend Zum Bund fürs Leben dar. Und freudig, ohne Säumen Faßt' ich die starke Hand, Wegrub mein thöricht Träumen Und knüpfte fest das Band. Da, aus der Dankes Triebe, Keimt', wie ein Blüthenflor, Die stille, reine Liebe Im Ferzen mir empor. Nun fühl' ich mich geborgen In starker, treuer Hut, Da ruht sich's ohne Sorgen, Da ruht sich's still und gut. Ich halte fest die Hände. Das Herze, treu und schlicht, Und lasse bis ans Ende Von meiner Liebe nicht. Navbinische Gespräche. Werbung. Jemand erkundigte sich bei einem Rabbi, warum immer der Mann daWeib, nicht aber das Weib den Mann bei der Heirathsbewerbung aufsuche. Derjenige, der eine Sache verloren hat, sucht nach ihr, nicht umgekehrt! gab der Rabbi zur Antwort. Der Mann hat seine Rippe verloren, die Rippe befindet sich beim Weibe, er mutz also auch die verlorene beim Weibe aufsuchen." Weisheit. Rabbi Josua ben Galafta wurde einst von einem alten Weibe gefragt, wie es im Buche Daniel heißen könne: Gott gibt Weisheit den Weisen." Du meinst wohl," entgegnete der Rabbi, daß der Text eigentlich lauten müßte: Gott gibt Weisheit den Thoren", weil sie ihrer viel mehr bedürfen, als die, in denen schon Weisheit liegt. Wem aber leihst Du lieber Geld? rei-. chen oder armen Leuten?" Eine seltsame Abgabe. Die russische Stadt Twer liegt in ei ner sehr steinarmen Gegend, und die vor etwa 70 bis 80 Jahren begonnene Pflasterung ihrer Straßen und Plätze verursachte daher so unverhältnißmäßig hohe Kosten, daß sie mit Rücksicht auf den damaligen Stand der städtischen Finanzen fast undurchführbar erschien. In dieser Noth stellte nun einer der Väter der Stadt den Antrag, die in Geld zu leistenden Mautgebühren abzuschaffen und fortan von jedem Pferde einen Zoll von drei großenSteinen zu erheben, welche zum Pflastern der Stadt verwendet werden könnten. Dies geschah denn auch, und bald genug hatte Twer ein vortreffliches Pflaster. Frommer Wunsch. Sänger (singt): Dann singe ich mein letztes Lred Und sag' der Welt ade." Herr: Wenn er nur Wort hielte!" Malice. Ist die Frau von dem verbummelten Maler da drüben geschminkt!" Ja, ich glaube, daß die ; fleißiger malt, wie er!" Grund genug. Warum haben Sie bei Ihrem Witzblatt auch einen Arzt angestellt?" Weil sich viele Abonnenten krank lachen!" Manche Wohlthäter haben so feste Principien, daß sie armen Leuten, denen sie begegnen, nichts geben, weil sie noch ärmeren begegnen könnten.

TabakSvergdtung. Daß der Genuß einer schweren Eigarre unter Umständen unangenehme Folgen nach sich ziehen kann, ist betannt. Die schädliche Wirkung beruht im wesentlichen auf dem im Tabak enthaltenen Nikotin. Freilich findet sich in den Tabakblättern noch eine Reihe anderer giftiger Substanzen; ihre Menge ist indessen so gering, daß sie kaum einen Einfluß ausüben. Eine Ausnahme macht nur das Kohlenoxyd, ein Gas, das sich besonders bei schlecht brennenden Cigarren bildet. VieleVergistungserscheinungen sind diesem giftigenGas zuzuschreiben, das beim Rauchen durch die Atmungsorgane aufgenommen wird und von den Lungen aus in den Blutkreislauf gelangt. DasKohlenozyd verdrängt den Sauerstoff, dessen wir zur Athmung bedürfen, und geht mit 'dein Blutfarbstoff eincVerbindung ein, die zu weiterer Sauerstoffaufnahme unfähig macht. Die Widerstandskraft gegen das Nikotin ist ungemein verschieden. Im allgemeinen tritt leicht eine Gewöhnung an den Tabaksgenuß ein. Dann pflegt eine lange, bisweilen zwanzig Jahre dauernde Periode einzutreten, in der keine oder nur sehr geringe Folgen verspürt werden. Schli:ßlich aber ist der Körper sozusagen gesättigt, und nun treten mit einem Mal mehr oder weniger schwere Störungen, besonders des Nervensystems, auf, die mitunter recht alarmirend wirken. Diese Störungen machen sich umso stärker geltend, je weniger die Lebensweise auch sonst den Forderungen der Hygiene entspricht, also 'besonders bei Personen, die übermäßig arbeiten, schlecht wohnen, starkem Kaffee- und Alkoholgenuß fröhnen u. f. w. Auch lebhafte Gemüthsbewegungen befchleunigen den Ausbruch der Vergiftungserscheinungen. Am auffallendsten ist die Einwirkung des Tabaks auf das Herz, und Herzbeschwerden sind es meist auch, die den Patienten zunächst zum Arzt führen. In schwereren Fällen klagen die Kranken über nervöse Schwäche, 'Schwindel, Schlaflosigkeit, Ohrensausen, Zittern, Kopfschmerzen, Abnahme des Sehvermögens, das sich bis zu völliger Erblindung steigern kann. Glücklicherweise reicht eine längereZeit durchgeführte Enthaltsamkeit aus, um die Störungen wieder zum Schwinden zu bringen. Besonders zu warnen ist vor der Unsitte, den Rauch der Cigarren und Cigaretten zu verschlucken, wodurch die Gefahr einer akuten oder chronischen Vergiftung wesentlich vergrößert wird. Borsichttg ausgedruckt.

Veit Spätzle ist wegen Körperverletzung an seinem Nachbarn Tobias Mäusle verurtheilt worden. Er ist wüthend, denn nach seiner Ueberzeugung, hat Mäusle als Zeuge in der VerHandlung falsch geschworen. Zu gern möchte er ihm das vor der ganzen Gemeinde iir's Gesicht sagen. Um aber nicht wieder in Strafe zu kommen, geht Spätzle zuerst zu seinem Anwalt in die Stadt und fragt diesen, ob er den Mäusle einen meineidigen Lumpen heißen dürfe. Um Gotteswillen nicht!" sagt der Rechtsanwalt. Sie dürfen höchstens behaupten, Mäusle habe eine objectiv unwahre Thatsache mit seinem Eide bekräftigt!" Am nächsten Sonntag das Wirthshaus ist gesteckt voll tritt Spätzle mit kirschrothem Kopf und triumphirend auf Mäusle zu. So", schreit er und zieht sein Notizbuch heraus. jetzt woiß i', was i' zu Dir sage derf: Du hascht a objektiv unwahre Thatsach' mit Dei'm Oid bekräftiget Du meineidiger Lump, Du meineidig.!" Hymne auf eine Schneiderin. Ueber Doctoren und Schäfer Stelle ich dich Juliette, Zauberst die reizendste Hülle, Gibst dem Skelete Rundliche Fülle. Wo die Natur ' Stümpernd verfuhr. Weißt du zu helfen. Schultern und Rücken Machst du gerade. Jeglicher Schade Ist dir nur Spiel. Was auch die Kundschaft Feblerhäft hatte, Haben beseitigt ' Nadel und Watte Glänzend durch dich. Der amtlichen Publication zufolge hatte die Schweiz zu Ende des letztenJahres 3.105.343 Einwohner, der volksreichste Eanton, Bern: 549.387; das industrielle Zürich 399,441. Als volkswirthschaftlich günstiges Ergebniß, z. B. gegenüber den Zuständen in Frankreich, darf es bezeichnet werden, 'daß der Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle die hohe Zahl von 32.615 erreicht hat. Dagegen ist erschreckend groß die Zahl der tödtlich verlaufenen Unfälle im Gebirg, durch Sturz oder herabfallende Felsen, nämlich 611. Auch 265 Fälle von Ertrinken in Seen und Flüssen sind verzeichnet, dagegen nur 74 älle von Ueberfahren und 31 durch Erdrücken auf der Eisenbahn. VerfehlterRath. Herr Doktor, da haben Sie mir eine schöne Suppe eingebrockt, als Sie. meiner Frau mehr Bewegung anriethen." Ja, sagen Sie mal " lAn die Spitze der Frauenbewegung hat sie sich gestellt, 's ist schrecklich." Unsere Dienstboten. Also die Dame hat Sie gleich aufgenommen, als Sie sagten. Sie hätten bei mir gedient?" Ja, sie hat gesagt, ein Mädel, das drei Monat bei Jhnen ausgehalten hat, müte ein Engel sein." , -