Indiana Tribüne, Volume 22, Number 362, Indianapolis, Marion County, 17 September 1899 — Page 3

per Irofutiijf.

Slcnianvon K. Ortl). (8. gcitfefeung.) - Natürlich war Senorita Jsabella loicber die schönste Blüthe in dem reiSenden Mädchenkranze ja, Werner hatte )it bisher kaum in einem so ver sukrerischen Kostüm gesehen wie an o.csem Abend. Er hatte sich nicht sonctzlid) beeilt, die Tochter des Hauses zu begrüßen, denn er hielt sich nach den Erfahrungen der letzten Tage eines Zuhlen und gleichgutigen Empfanges gewiß. Allein er war lebhaft überrascht. als er sie plötzlich sie konnte seine: eben erst ansichtig geworden sein raschen Schrittes auf sich zukommen sah. Sie begrüßte ihn so herzlich und liebenswürdig, als hätte sie niemals auch nur die geringste Verstimmung gegen ihn gehegt. Traulich und munter, wie nur in den ersten Tagen ihrer Bekannt schaft, plauderte sie von allen möglichen fingen, und keine taktlose Frage nach den Uriachen seines häufigen Ausblel bens setzte ihn in Verlegenheit. Sie standen noch in angeregter Untcrhaltuna, beieinander, als der größte Theil der Gesellschaft in den Musiksaal eintrat, um dem von Senor del Vasco mit hochtönenden Worten angekündigten Vortrage einer berühmten Sängerin zu lauschen, die sich heute unter den Gästen des 5)auses befand. Geschickt wußte Isabella es einzurichten, daß sie mit Werner in die Nähe der nach dem Patio hinausführenden, weitgeöffneten Flügelthür kam. Als der Begleiter der Sängerin, der wieder em Neger war, praludirend die ersten Akkorde anschlug, flüsterte fi dem Bankdirector zu: Lassen Sie uns ein wenig hinausgehen, sofern Sie es über sich gewinnen können, auf den künstlerischen Genuß zu verzichten. Ich liebe diese Sängerin nicht und ich" sie zauderte ein wenig ich möchte auch ein paar Worte unter vier Augen mit Ihnen sprechen." Natürlich ließ sich gegen einen solchen Vorschlag kein Widerspruch erheben; Werner reichte ihr den Arm, und sie traten in den halb dunklen, angenehm kühlen Patio hinaus, sicher, daß ihre Entfernung von nur sehr wenigen wahrgenommen worden war. Die letzten Worte Jsabellas hatten Werner mit einer leisen Empfindung des Unbehagens erfüllt, denn er hatte das unbestimmte Gefühl, daß die Eröffnungen, welche sie ihm zu machen wünschte, ihn in eine peinliche Lage versetzen würden. Schweigend erwartete er, was sie ihm sagen würde, aber auch Jsabella schien es jetzt nicht mehr sehr eilig damit zu haben. Sie wandte sich der leise plätschernden Fontäne inmitten des qartenartigen Hofraumes zu, uns als sie dort angekommen waren, ließ sie ihre Hand von Werners Arm herabgleiten, um sich behend auf den ziemlich hohen marmornen Rand des Springbrunnens hinaufzuschwingen. In ihrem leichten, duftigen Kleide, dessen Falten sich jeder Linie des wundervollen Körpers anschmiegten, mit ihren elfenbeinweiß schimmernden Schultern und Armen und dem anmuthig zur Seite geneigten, dunklenKöpfchen hatte sie ganz das Aussehen einer lieblichen Märchengestalt, und Werner, der bei ihrem erhöhten Sitz zu ihr aufschauen mußte, um ihr in's Gesicht zu blicken, sagte sich auf's neue, daß sie ohne Zweifel das schönste und verführerischste weibliche Wesen sei, dem er jemals begegnet. Drückend und beklemmend empfand er das lange Schweigen. Da, als er eben die Lippen öffnen wollte, um es durch irgend eine gleichgiltige Bemerkung zu brechen, sagte sie: Sie haben ::iich für sehr kindisch gehalten in diescn letzten Tagen, und für sehr ungeschickt obendrein, nicht wahr?" Die Verlegenheit , die er vorausgesehen hatte, war nun wirklich da. Er wollte mit einer artigen Phrase, wie sie auf solche Frage wohl am Platze schien, ihre Vermuthung zurückweisen, aber sie fiel ihm schon nach den ersten Worten kopfschüttelnd in die Rede. Nein, nein, es ist mir jetzt nicht darum zu thun, etwas Freundliches von Ihnen zu hören. Ich will, daß es ganz klar werde zwischen uns, damit wir einander künftig ohne allen lästigen Zwang begegnen können. Denn ein: Fortdauer dieses jetzigen Zustandes vermöchte ich wirklich kaum zu ertragen. Fürchten Sie nicht, daß ich Ihnen meine Freundschaft aufdrängen werde. Nur wissen möchte ich, wodurch ich die Ihrige verscherzt habe. Ich habe mir vergebens den Kopf zerbrochen, um mich enes Unrechts zu erinnern. das ich gegen Sie begangen, oder einer Unüberlegtheit, durch die ich Sie verletzt hätte." Und es kann in Wahrheit von dem einem so wenig die Rede sein als von dem anderen, Senorita." erwiderte er in einem Tone, der sie nothwendig von seiner Ausrichtigkeit überzeugen mußte. Seien Sie versichert, daß in meinen Gesinnungen keinerlei Wandel eingehe- ' ten ist." So habe ich mich eben von vornherein getäuscht," klang es mit einem Anflug von Traurigkeit von ihren Lippen zurück. Das ist beschämend für mich, aber ich habe keinen Grund, Ihnen einen Vorwurf daraus zu machen." Werner wünschte sehnlich, daß diese Unterhaltung mit Jsabella vorüber sein möge, denn er war zornig über sich selbst, daß er so unbeholfen vor ihr stand und ihr nicht ein einziges war-' rnes und herzliches Wort zu sagen wußte. Sie schwieg ein paar Sekunden lang, dann fuhr sie fort: Nein, ich bin Jhnen nicht böse und werde Ihnen gewiß nie wieder eine unfreundliche Miene 4ficn, wenn Sie es vorziehen, Ihre t

Äbenbe in angenehmerer Gesellschaft zuzubringen, als es die meinige ist. Mein Benehmen muß Ihnen ja Ifß richt vorgekommen sein, nein, nein.

leuanen Sie es nickt! Aber Sie können wohl auch nicht ahnen.wie schmerz lich es ist. eine schöne Hoffnung uner wartet wieder zerstört zu sehen." Es war ein so weicher und schwermüthiger Ausdruck in ihrer Stimm:, wie Werner ihn bisher noch nicht darin gehört hatte, ein Ausdruck, der ihn eigenthümlich ergriff. Ich verstehe nicht. Senorita begann er unsicher. Aber sie kam ihm freundlich zu Hilfe: Wie sollten Sie mich auch verstehen! Sie halten mich rn ohne Zweifel für em sehr glückliches, btnti denswerthes Geschöpf, das der Vorse hung gar nicht dankbar genug sein kann für das ihm zugefallene Loos. Sie müssen mich dafür halten, denn Sie sehen ja, wie man mich verhätschelt und verwohnt. Der Gedanke, daß ich trotzdem schrecklich einsam und namenlos elend sein könnte, ist Ihnen gewiß noch nie gekommen. Einsam und elend Sie, Seno rita? Nein, eine solche Möglichkeit hätte ich mir allerdings nimmermehr vorzustellen vermocht. Sie versuchte zu lächeln, aber was um ihre Lippen zuckte, glich vielmehr einem verhaltenen Weinen. Weil ich mit diesen Leuten da drinnen lache und scherze, well ich auf ihren leichtfertmen, oberflächlichen Ton eingehe und ihre faden Huldiaunaen dulde darum mußte ich Ihrer Meinung nach nothwendig ein lebhaftes Wohlgefallen an alledem finden,' nicht wahr? Daß ich unsere Gaste unterhalte gleich erne: bezahlten Tänzerin und daß ich ein Kleid wie dieses hier trage Sie hal ten es jedenfalls für eine Folge meiner besonderen Neigungen und für einen Ausfluß meines freien Willens?" Und wie hatte es anders sein können. Senorita Jsabella? Wer kann Sie zu solchen Dingen zwingen, wenn Ihr naturliches Empfinden sich dagegen auflehnen will? Wer mich dazu zwingen kann? Ja, bin ich denn meine eigene Herrin? Lebe ich nicht im Hause meiner Eltern und habe ich nicht die Pflicht, ihnen gehörsam zu sem? Auch Ihre Eltern dursen nichts von Ihnen verlangen, was Ihnen m inner: ster Seele widerstrebt. Haben Sie sich denn niemals in diesem Sinne gegen Ihre Mutter ausgesprochen?" Wie wemq Sie doch noch immer die Menschen und die Verhältnisse unseres Landes kennen. Senor! Gewiß hat auch meine Mutter keine Freude an dem Gebrauch, den ich von meinerPersonllchkeit machen muß, und sie gehorcht nur einem unwiderstehlichen Zwange, wenn sie es trotzdem von mir verlangt. Aber hier fuhrt jeder emzelne beständig einen heißen Kampf um seine Existenz und um seine Stel lung in der Gesellschaft. Und dieser Kampf ist darum nicht weniger rücksichtslos und erbittert, weil er sich hin ter liebenswürdig lächelnden Mienen und verbindlichen Formen verbirgt. Wer übe? die wirksamste Waffe verfugt und wer sie am besten zu gebrauchen versteht, hat auch die meiste Aus sicht, sich als Sieger zu behaupten. Mein Unglück ist es eben, daß man den Reiz, den die Jugendfrische eines lediglich hübschen Madchens auszuüben vermag, für eine besonders gute Waffe ansieht." Aber das ist namenlos traurig. Senorita." rief Werner erregt, nein. es ist abscheulich und verbrecherisch. Ihr weiblicher Stolz und Ihre Selbstachtung müssen Ihnen gebieten,' sich dagegen zu empören." Sie schüttelte in wehmüthiger ResigNation den Kopf. Solche Empörung würde mir wenig frommen ja, man würde sie vielleicht nicht einmal verstehen. Sie aber werden nun besser begreifen als vorhin, was ich meinte, als ich von einer zerstörten Hoffnung sprach. Es war die Hoffnung, einen Menschen gefunden zu haben, der sich in allem und jedem von den Männern meines bisherigen Umganges unterschied einen Menschen, zu dem ich bewundernd aufsah, weil ich ihn seine? Rasse und seiner Erziehung nach von vornherein hoch über meine Landsleute stellte. Ach, ich kann Ihnen nicht sagen, wie glücklich mich für einige kurze Tage mein schrankenloses Vertrauen in Zhre Ritterlichkeit gemacht hatte. Das waren ganz ahnliche Worte, als er sie aus dem Munde Conchitas gehört hatte. Hier wie dort derselbe Appell an seine Ritterlichkeit, dasselbe ohne jedes eigene Zuthun auf für ihn geradczu unerklärliche Weise gewonnene Vertrauen! Und auch hier durfte er nach dem. was er soeben gehört hatte, nicht länger an Lüge und Verstellung, an eine geschickt gespielte Komödie glauben die Stimme des Mitleids, die sich so mächtig in seinem Herzen regte, sagte ihm, daß er es nicht dürfe. Aber Conchita betrachtete dieses Mädchen als ihre Feindin! Gerade mit Rücksicht auf Jsabella del Vasco hatte sie ihm bedeutsam gesagt, daß er als rechtschaffener Mann nicht zwei feindlichen Parteien gleichzeitig dienen könne. Fürwahr, das waren unlösliche Räthsel, und er hatte sich nie zuvor in einer gleich zwiespältigen Lage befunden. Aber er mußte ihr antworten. und seine Unerfahrenheit und Vertrauensseligkeit, sowie sein warmes Herz gestatteten ihm nicht, kühl und zurückhaltend zu bleiben. Ich müßte es tief beklagen, Senorita." sagte er. wenn ich Ihr Vertrauen inzwischen verscherzt hätte. Verfügen Sie über mich, und wenn ich etwas dazu thun kann, Sie aus VerHältnissen zu befreien, die Sie selbst als unwürdig empfinden, so soll es gewiß mit Freuden geschehen." Jsabella machte eine verneinende Gebärde und in einem tiefen Seufzer hob sich ihre Brust. Lassen Sie es gut sein!" erwiderte sie, was Sie für mich

1 Ä, - . m. unfähig gemacht hätten. Er that nichts. sie von sich abzuwehren, er sagte ihr nicht, daß sie in einem verhängnißvollen Irrthum über die Natur seiner Empfindungen befangen sei er duldete vielmehr den Kuß ihrer schwellenden Lippen, und vielleicht hätte er ihn sogar erwidert, als unmittelbar neben ihnen der Kiessand des Weges knirschte und eme wohlbekannte, kühle Stimme an sein Ohr schlug: Ich bitte tausendmal um Verzeihung, wenn ich gestört habe. Es ist gewiß nicht absichtlich geschehen." Werner wandte den Kopf, aber er sah nur eben noch, wie Henninger sich nach einer leichten Verbeugung wieder dem Hause zuwandte. Die ungewisse Beleuchtung hatte ihn verhindert, den Ausdruck seines Gesichtes zu erkennen, und vielleicht war es eine Täuschung gewesen, als er einen ironischen Klang in seinen Worten zu hören geglaubt hatte. Auch Isabella mußte natürlich das Erscheinen desProkuristen bemerkt und seine Entschuldigung vernommen haben, aber sie hatte sich dadurch nicht veranlaßt gesehen, Werner aus ihrer Umarmung freizugeben. Ohne seine Bestürzung zu verberaen. flüsterte er: Man hat uns beobachtet, i Senorita ich bitte Sie, lassen Sie uns vorsichtig sein, denn auch andere könnten uns überraschen " Ach, was kümmert uns das!" rief sie. Mögen sie es doch alle sehen und mögen sie es alle wissen! Einen Tag früher oder einen Tag spater mir gilt es ganz gleich. Ich will mich nach all den Qualen dieser letzten Tage auch nicht um eine Minute meines Glückes mehr bestehlen lassen." Vielleicht Ware letzt noch der rechte Augenblick gewesen, ihr zu sagen, daß ihr vermeintliches Glück nur ein Wahn sei. daß sie einen durch die aewaltiae Ueberraschung herbeigeführten Moment des Selbstvergessens mit Unrecht zu ihren Gunsten gedeutet habe, aber Rodewaldt ließ diese letzte Gelegenheit für eine Aufklarung ungenutzt vorübergehen, denn es fehlte ihm an Muth, durch ein grausames Wort, das sie tödtlich verwunden mußte, die Einbildung zu zerstören, die für sie so unverkennbar der Inbegriff aller Seligkeit war. Es war vielleicht die erste wirkliche Feigheit seines Lebens, als er nach kurzem Kampfe sagte: Aber nicht jetzt kann ich mit Ihren Eltern sprechen, Senorita nicht an diesem Abend. Bis morgen wenigstens müssen wir das Geheimniß bewahren." Sie küßte ihn noch einmal, dann löste sie die verschlungenen Hände und erwiderte: Wohl, ich füge mich Dei nem Willen. Bis morgen also! Gehen wir denn in das Haus zurück! Man gönnt uns ja nicht, hier noch länger ollein zu sein." Ihre letzten Worte bezogen sich auf einige Damen und Herren, deren Gestalten in der offenen Thür des Musiksaales aufgetaucht waren, und die offenbar im Begriff standen, zwischen den Pflanzengruppen des Patio ebenfalls Kühlung zu suchen. Werner fühlte, wie ihm das Blut in's Gesicht stieg, während er mit Jsabella an ihnen vorüberging. Es war ihm. als sähe' er überall zudringliche forschende Blicke und spöttisch lächelnde Mienen. Nicht eine jubelnde Glücksem)?findung, sondern nur em Gefühl der Beschämung und des bittersten Grolles gegen sich selbst war es, das ihn erfüllte. Am liebsten wäre er auf der Stelle von hier entflohen, weit, weit hinweg an einen Ort. wohin kein fremdes Menschenauge drang, und wo er ganz allein war mit dem Bewußtsein des begangenen Unrechts. Denn die Erkenntniß dessen, was er durch sein zaghaftes Schweigen

kyun ronmen, yane Zyr eigenes erz Ihnen sagen müssen. Nicht ich darf es Ihnen offenbaren. Es ist wohl am besten, wenn wir jetzt zu den anderen zurückkehren und nie mehr von diesen Dingen sprechen." Sie schickte sich an, von ihrem hohen Sitz herabzugleiten, aber ob sie plötzlich von einem leichten Schwindelanfall heimgesucht worden war oder aus irgend welcher anderen Ursache für einen Moment das Gleichgewicht verloren hatte jedenfalls suchte ihre Hand nach einer Stütze, und es war nur natürlich, daß sie dieselbe an der Schulter des vor ihr stehenden jungen Mannes fand. In dem Glauben, daß sie im Begriff sei zu fallen, breitete er fast unwillkürlich die Arme aus, sie aufzufangen, und im nächsten Moment ruhte sie an seinem Herzen. Er erwartete, daß sie sich sogleich wieder losmachen würde, aber etwas Unvorhergesehenes. Ueberraschendes geschah. Laut aufschluchzend drückte sie ihr Gesicht an seine Brust und schlang die weißen Arme so fest um seinen Hals, als ob sie ihn nie mehr freigeben wollte. Um Gottes willen, Senorita," bat er. betroffen von diesem leidenschaftlichen Ausbruch, den er noch immer nur für einen Ausbruch ihres verzweifelten Schmerzes hielt, fassen Sie sich! Und sagen Sie mir, was ich thun soll! Was ich vermag, bei Gott, es soll geschehen!" Ohne die seinen Nacken umklammernden Arme zu lösen, erhob sie den Kopf, und ihre in Thränen schwiminenden Augen waren erfiÄt von einem wunderbaren Leuchten. Was Du thun kannst? O. Du thörichter .Mann muß ich es Dir denn wirklich wirklich erst sagen? Nimm mich auf Deine starken Arme und trage mich hinaus aus diesem abscheulichen Sumpf in Dein Haus und an Deinen Herd, oder wohin immer Du sonst willst. Es gibt ja für mich kein Glück auf Erden außer bei Dir." Er hätte nicht von Fleisch und Blut sein müssen, wenn nicht der süße, bestrickende Klang ihrer Stimme und die glühende Zärtlichkeit ihrer Worte ihn verwirrt und zu ruhiger Ueberlegung

über sich heraufbeschworen, lastete schon jetzt mit Centnerschwere auf seiner Seele. Es wäre ihm unmöglich gewesen, jetzt eine gleichgiltige Unterhaltung zu führen, und :r begrüßte es wie eine Erlösung. als Jsabella gleich nach ihrem Eintritt von einigen Freundinnen ungestüm in Beschlag genommen und von seiner Seite entführt wurde. Mit nahezu fluchtartiger Hast zog er sich in das Rauchzimmer zurück, wo die Politiker noch immer beim schäumenden Champagner über die Lage debattirten. Gerade als er die Schwelle überschritt, hatte der Minister sein Glas erhoben, um in übermüthigster Weinlaune auszurufen: Wohlan denn, meine Herren es lebe die Revolution. die uns Gelegenheit gibt, unsere Feinde mit einem Schlage zu vernichten. Ich trinke auf einen fröhlichen und ruhmvollen Kampf!" Zustimmende Rufe und lautes Gelächter ertönte ringsum. Die Gläser klangen zusammen, und man war in der heitersten Stimmung. Werner fühlte sich peinlich berührt, ja, fast angewidert durch die frivole Art dieser Männer, die dazu berufen waren, bestimmend auf die Geschicke eines ganzen Volkes einzuwirken. Er setzte sich in eine Fensternische, wo er von Niemand beobachtet zu werden hoffte.. Aber er sah sich in seiner Erwartung getäuscht, denn schon eine Minute später stand, wie aus der Erde gewachsen, der Prokurist Henninger mit dem gefüllten Champagnerglase vor ihm. Gestatten Sie mir, Ihnen als der

erste meine Glückwünsche darzubringen. Herr Director." sagte er mit einer Höflichkeit, die jeden Verdacht eines beabsichtigten Spottes ausschließen mußte. Ich hoffe, daß Sie mir nicht zürnen, weil ein Zufall mich zum Mitwisser Ihres Geheimnisses machte, und Sie dürfen natürlich versichert sein. daß es als ein solches bei mir wohl aufgehoben sein wird, so lange nicht Sie selbst mich von der Pflicht der Verschwiegenheit entbinden. Aber meine Freude über Ihren beneidenswerthen Erfolg ist eine so große und aufrichtige, daß Sie es mir nicht versagen dürfen, dieses Glas auf Senorita Jsabellas Wohl und auf das Ihrige zu leeren." Niemals war Werner s Zuneigung für seinen deutschen Landsmann geringer gewesen, als in diesem Augenblick. Das alte, fast instinktive Mißtrauen gegen den Prokuristen, das er in der letzten Zeit mit aller Energie zu bekä'?:pfen und zu unterdrücken versucht hatte, war mit verstärkter Gewalt von Neuem in ihm erwacht, und es kostete ihn Ueberwindung, dem Manne eme so freundliche Miene zu zeigen, wie sein verbindlicher Glückwunsch sie erheischte. Mit einigen kurzen Dankesworten that er ihm Bescheid, um dann in raschein Entschluß hinzuzufügen: Ich bitte Sie um Ihre Verschwiegenheit, Herr Henninger, bis ich mit Senor del Vasco und seiner Gemahlin gesprochen habe." Der Prokurist verbeugte sich zustimmend. Ich verstehe vollkommen und ich hoffe, Sie geben sich hinsichtlich der Einwilligung des Senor del Vasco keinen Besorgnissen hin. Unsere verehrten Gastfreunde werden sich glücklich schätzen, Sie als Sohn zu begrüßen." Wir werden sehen," sagte Werner kühl, indem er sich zugleich erhob und, um eine Fortsetzung des Gespräches abzuschneiden, sich zum Verlassen des Rauchzimmers anschickte. Henninger mußte den Wink verstanden haben. denn er zog sich mit einer Verbeugung zurück. Werner aber wurde auf halbem Wege von einem der Herren aufgehalten, der in Bezug auf eine Börsenangelegenheit seinen Rath einzuholen wünschte, und ehe er sich's versah, befand er sich inmitten einer der lebhaft politisirenden Gruppen. Die Dinge, von denen die Rede war, interessirten ihn jetzt nicht mehr als vorhin, aber er betheiligte sich nichtsdestoweniger an der Unterhaltung, weil ihm in diesem Augenblick jede Möglichkeit, seinen Gedanken eine andere Richtung zu geben, willkommen war. Eine Stunde verflog, ohne daß er Isabella wieder gesehen hätte. Dann begann zu seiner Erleichterung der Aufbruch der Gäste, die sich nach Landessitte verhältnißmäßig frühzeitig verabschiedeten. Diesmal war er darauf bedacht, sich nicht unter den letzten zu befinden, die der Dame des Hauses mit artigem Dank für die genossene Gastfreundschaft die Hand küßten. Dona Maria, mit der er während des ganzen Abends kaum ein halbes Dutzend Worte gewechselt hatte, und die sich dadurch wohl hätte gekränkt fühlen können, lächelte ihm überaus huldvoll zu, als er in vergeblich bekämpfter Verwirrung vor sie hintrat. Sie haben ein schlechtes Gewissen, Senor," sagte sie scherzend, ich lese es in Ihren Augen. Bereiten Sie sich darauf vor, mir morgen eine große Beichte abzulegen." Er stammelte etwas Unzusammenhängendes und beeilte sich, einem anderen Platz zu machen. Gleich darauf fühlte er seine Hand mit innigemDruck ergriffen und hörte Jsabella's Stimme. die ihm zärtlich zuraunte: Laß mich morgen nicht zu lange warten, Geliebter! Denke daran, daß ich die Minuten zählen werde bis zu Deinem Kommen. Und nun gute Nacht! Träume süß von mir und von unserer Liebe!" Er wußte kaum, was er ihr erwidert hatte; er wußte nur, daß er den-inni-gen Druck der kleinen weichen Hand zurückgegeben und ihr irgend eine neue Lüge gesagt. Wie ein Missethäter, den Furcht und Reue von dem Orte seiner Verfehlung hinwegtreiben, wollte er sich davonstehlen. Aber er konnte nicht verhindern, daß ihn draußen im Vorzimmer auch Manuel del Vasco noch für einige Sekunden zurückhielt. Ei ei, Don Werner." sagte der liebeuswürdige Hausherr in scherzhaft

broh?.nbcm Tone. Ein Voglel, da5 draußen im Patio gesessen, hat mir gar

wunderliche Geschichten ins Ohr geflustert. Wenn es nicht gelogen hat, müßte ich Ihnen gewaltig böse sein. Aber ich verstehe mich schlecht darauf, und ich fürchte, daß mir schließlich doch nichts anderes übrig bleiben wird, als Ihnen zu verzeihen. Er wußte also offenbar bereits allcs, und es war kein Zweifel, daß er es nur von Jsabella erfahren haben konnte. Unschlüssig suchte Werner nach Worten für die Erklärung, die er unter solchen Umständen für sofort qeboten hielt; aber Don Manuel kam ihm zuvor: Nicht jetzt, nicht jetzt! Wir werden morgen in aller Gemächlichkeit darüber reden, nicht wahr? Andere kamen hinzu; ein etwas angeheiterter Deputirter schob seinen Arm unter den des iungen Deutschen und zog ihn ahnungslos mit sich fort. Wie ein Träumender legte Werner an der Seite des eifrig schwatzenden Porteno den Weg zu seinem Hotel zurück. Er hörte nicht, was jener sprach; die letzten, zärtlich sehnsüchtigen Worte Jsabella's klangen ihm noch immer im Ohre nach, und dazwischen glaubte er eine andere jugendfrische Stimme zu vernehmen, die ihm mahnend zurief: Auch Rosenketten können eine unzerreißbare Fessel sein. Kein redlicher Mann kann zwei feindlichen Parteien gleichzeitig dienen." 12. C a p i t e l. Gegen Morgen erst hatte Rodewaldt den stundenlang vergeblich ersehnten Schlummer gefunden, einen unruhigen Schlummer mit wirren Träumen, die keineswegs süß und wonnig gewesen waren, obgleich Jsabella del Vasco in jedem von ihnen eine bedeutsame Rolle gespielt hatte. Früher als sonst erwachte er mit benommenem Kopf und schweren Gliedern. Eine dumpfe Mudigkeit wollte ihn an das Lager fesseln, aber er schüttelte sie energisch ab, um sich, wie er hoffte, durch einen Spaziergang in der frischen Morgenluft von den üblen Nachwirkungen der ruhelosen Nacht zu befreien. Seine Toilette war rasch beendet, und er klingelte nach dem Kellner, der ihm das Frühstück zu bringen pflegte. Der iunae Mensch erschien sofort, aber die Platte mit dem Kaffee und dem frischen Gebäck war Nicht das einzige, was er brachte. Schon vor einer halben Stunde ist dieser Brief für Sie abgegeben worden. Senor, sagte er mit jenem vielsagenden. vertraulich dreisten Lächeln, das Hotelbedienstete anzunehmen pflegen. wenn sie sich zu halben Mltwljjern einer zarten Angelegenheit gemacht glauben. Eine niedliche kleine Chola (farblge Kammerzofe) hat ihn gebracht. Mit rascher Bewegung streckte Werner seine Hand nach dem Vriefchen aus, das sein Interesse um so mehr erregen mußte, als es, wie er sofort erkannt hatte, von der nämlichen Form und F.rbe war wie das Billet, das ihm am Tage seiner Ankunft bei der Ruckkehr von dem erstenSpaziergange durch Buenos Aires zugesteckt worden war. Auch die Handschrist der Adresse zeigte dieselben feinen, doch charaktervollen Zuge, die ihn damals verhindert hatten. die unverständliche Warnung wie den ersten besten werthlosen Papierfetzen zu zerreißen. Er war gespannt, den Inhalt dieser zweiten Zuschrift kennen zu lernen, aber er konnte sich nicht entschließen, den Verschluß des Umschlages zu losen, so lange der neugierig zaudernde Kellner im Zimmer war. Erst als sich der theünehmende Jüngling mißvergnügten Antlitzes zuruckgezogen hatte, entfaltete Werner das Blatt, und ein Ausruf der Ueberraschung kam von seinen Lippen, als er einen Blick auf die Unterschrift geworfen hatte. Denn der Gedanke, daß jene unbekannte Warnerin und seine in Don Manuels Patio gewonnene geheimnißvolle' Freundin Conchita dieselbe Person, sein könnten, war ihm bisher niemals gekommen. Und doch durste er mcht daran zweifeln. denn das Vriefchen, das so überzeugend die Handschrift des ersten Billets aufwies, lautete: Senor! Schneller, als ich es vermuthet oder gefürchtet, ist der Tag gekommen, an dem ich der Hilfe eines aufrichtigen Freundes bedarf. Erwarten Sie mich heute Vormittag um neun Uhr auf dem Cimenterio de la Rccoleta an dem Grabmal des Präsidenten Rivadavia, wo wir uns kürzlich nach unserem gemeinsamen Spaziergange trennten. Es ist wichtiges, was ich Ihnen mitzutheilen habe wichtig freilich vor allem für mich, aber ein wenig vielleicht auch für SU. Wenn Sie indeß verhindert sind zu kommen, oder wenn Ihre Gesinnung sich geändert hat, so bedarf es keiner besonderen Nachricht. Ich werde eine Stunde lang auf Sie warten. Conchita." Werner überzeugte sich zu seiner Beruhigung durch einen Blick auf dieUhr, daß es noch früh genug sei, die für die Zusammenkunft angegebeneZeit Punktlich inne zu halten, und er zögerte nicht, sich sofort auf den Weg zu machen. Es fehlten fünf Minuten an neun Uhr, als er den Friedhof erreichte; schon von weitem aber gewahrte er die dunkle weibliche Gestalt neben der dem Eingang: gegenüberliegenden Grabkapelle. Conchita war also noch früher zur Stelle gewesen als er gewiß ein Beweis dafür, wie viel ihr an dieser Zu sammenkunft gelegen war. Sie ging ihm denn auch um einige Schritte entgegen und bot ihm die Hand. Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind, Senor ich danke Jhnen von ganzem Herzen." Dazu haben Sie nicht die geringste Veranlassung, Senorita! War es denn nicht so zwischen uns verabredet? Und haben Sie an meinem Erscheinen gezweifelt?" Nein um ganz aufrichtig zu sein ich war sest überzeugt, daß Sie kom-

men wurden. Aber ich war selbst nahe daran, wieder fortzugehen, denn am Ende wäre es immer noch besser gewesen. Sie hätten mich hier nicht gefunden. als daß Sie durch mich in Ungelegenheiten oder vielleicht gar in eine ernste Gefahr gebracht werden." Nun. dem Himmel sei Dank, daß Sie diesen höchst überflüssigen Bcwnklichkeiten nicht nachgegeben haben. Sie haben mir einmal verheißen, mich zu Ihrem Ritter zu wählen, und ich nehme es darum als mein gutes Recht in Anspruch. Ihnen zu dienen. Welchen Werth aber hätte ein Dienst, der nicht mit Unbequemlichkeiten ober Gefahren verknüpft wäre!" Er hatte versucht, einen heiteren Ton anzuschlagen, aber Conchita war heute offenbar nicht geneigt, in ihn einzustimmen. Lassen Sie uns etwas tiefer in den Friedhof hineingehen," sagte sie ernst, denn hier würden wir den neugierigen Blicken aller Besucher ausgesetzt sein." Sie schritten zwischen den zahllosen, eng bei einander stehenden Mausoleen, die dem Cimenterio de la Recoleta fast das Aussehen einer Miniaturstadt mit schmalen, winkligen Straßen verleihen, dahin, bis Conchita ii einem ganz versteckt liegenden Plätzchen Halt machte. Hier wird uns kaum Jemand belauschen. Aber ehe Sie erfahren, wec ich bin und was ich von Ihnen erbitte, lassen Sie mich Ihnen noch einmal sagen, daß meine gute Meinung von Jhnen sich auch nicht im mindesten verringern wird, wenn Sie sich aus irgen's

einem Grunde weigern, mir in meinem Kampf gegen Personen beizustehen, die Ihnen vielleicht werth und theuer sind Es gewährt mir schon eine Erleichterung, mich endlich einmal ruckhaltlos auszusprechen und daß ich es vor Ihnen unbedenklich thun darf, dessen bm ich gewiß. Sie hatte sich auf den Stufen eines Grabdenkmals niedergelassen, und Werner war neben ihr stehen geblieben. Er hielt es nicht für erforderlich, ihre letzten Worte durch eine erneute Versicherung zu beantworten und sie hatte derartiges wohl auch nicht erwartet, denn sie fuhr sogleich fort: Haben Sie in Senor Manuel del Vascos Hause jemals von Ruiz Ortegas gehört, dem Gatten seiner Schwester?" Werner verneinte. O, ich begreife es wohl, daß man es dort nicht liebt, von ihm zu sprechen. Nun wohl, Ruiz Ortegas war mein Vater. Er wurde mir allzu früh durch den Tod entrissen, nachdem meine ge liebte Mutter ihm bereits vorangegan gen war. Sie hinterließen mich als ihr einziges Kind und als die alleinige Erbin eines großen Vermögens. Die ses Erbtheil soll mir. wie es scheint. jetzt zum Verderben gereichen, denn ich hatte das Unglück, meinen Oheim Ma nuel del Vasco zum Vormunde zu erhalten, und all sein Trachten ist nur darauf gerichtet, sich meines Besitzthums zu bemächtigen. So also erklärt es sich, daß ich Sie in seinem Hause traf!" rief Werner. der durch ihre Enthüllung auf das äußerste überrascht war. Aber es ist eine furchtbare Anschuldigung, die Sik da gegen den leiblichen Bruder Ihrer Mutter erheben. Glauben Sie denn einen Beweis für ihre Berechtigung zu haben?" Würde ich sonst einen solchen Verdacht aussprechen? Aber urtheilen Sie selbst!" Sie erzählte ihm die Geschichte von der Heirath ihrer Mutter und von dem Verhalten der Familie del Vasco gegen sie. Thränen glänzten in ihren Augen, während sie von ihren Eltern, von ihrer glücklichen Kindheit sprach. Wäre mein edler Vater nicht von seiner letzten Krankheit gleichsam blitzartig befallen worden, so daß ihm vor seinem Tode nicht mehr Zeit blieb, letztwillig? Verfugungen zu treffen, sc hätte er die Sorge für mich sicherlick anderen Händen anvertraut als denen seines Schwagers, gegen den er von tiefster Verachtung erfüllt war, wenn er es auch vermied, diesen Empfindungen mir gegenüber Ausdruck zu derleihen. Aber sein Krankenlager währte nur wenige Tage, und schon am ersten hatte er das Bewußtsein verloren. Vielleicht würde das Gericht mir einen anderen Vormund gestellt haben, wenn ich gegen die Wahl meines Oheims, dei sich sofort freiwillig zur Uebernahme erboten, Einspruch erhoben hätte. Aber mein Schmerz über den arausamen Verlust war ein so grenzenloser, daß mir in den ersten Wochen und Monaten vollkommen gleichgültig war, was mit mir und um mich her geschah. Und das Benehmen meines Oheims mußte mich ja auch vermuthen lassen, daß wir alle ihm bei der Beurtheilung seines Charakters Unrecht gethan. Er war gegen mich von einer so zarten Aufmerksamkeit, und er wußte so trefflich den Biedermann zu spielen, daß ich mir manchmal ernstliche Vorwürfe machte wegen der unüberwindlichen Abneigung, die ich trotzdem gegen ihn empfand. Nur einem einzigen Menschen, einem alten Freunde meines Va ters, wagte ich einmal meine Zweifel und Besorgnisse anzuvertrauen. Auch er gehörte nicht zu den Verehrern des Senor del Vasc, aber die Rücklicht aus seine einflußreiche Stellung hielt ihn ab, sich ganz unumwunden auszusprechen. (Fortsetzung folgt.) Fatale Zu st immun g. Junge Wittwe: Der Hauptmann bevorzugt mich in auffallender Weise, mir scheint, der hat ernste Absichten." Freundin: Kann schon sein, der Mensch ist ja der reinste Narr!" Die Hauptsach. Frau A. : Nun, Frau Gevatter, wie hat Jhnen die neue Oper gefallen?" Frau B. : Ach, ich sag' Ihnen, die Primadonna hat ein Kleid angehabt, himm Zisch!"

' Für dle MHc. E i e r s a l a t. Hartgekochte, kleingeschnittene Eier werden mit einer Mayonnaise Übergossen und die Schüssel mit Sardellen, Kapern und grünen Salatblättchen aarnirt. Steaks von Kalbfleisch. Man schneidet zweisingerdicke Scheiben aus einer großen Kalbskeule, klopft sie gut und klopft Salz und Paprika mit hinein. Sie bleiben nun etwa eine halbe bis ganze Stunde liegen. Dann wird Butter ziemlich braun gemacht, die Steaks darin auf der Platte in flachen Zwischenräumen gar gemacht und sogleich en miroton (im Kranze) oder länglich liegend angerichtet. Dazu Gemüse oder frische Kartoffeln und Salat. Kartoffelkloß e. Man nehme halb roh geriebene, halb gekochte Kartoffeln. Die rohen werden ausgedrückt (am besten in einem Tuch), wodurch das Wasser herausläuft, hierbei fetzt sich nach einer Weile aus dem Grunde des Wassergefäßes Stärke an. Das Wasser gießt man fort und nimmt die Stärke zu den Klößen. Diese werden geformt und in Wasser gekocht, bis sie nach oben kommen; dann sind sie gar. Sie müssen etwa eine halbe Stunde kochen. Elsässer Kartoffeln. Guies, nicht zu fettes Hammelfleisch wird mit Wasser, Salz und etwas Kümmel gar gemacht: zwischen werden auch Kartoffeln in der Schale ge-

kocht, geschalt und m Scheiben geschnitten. Drei Unzen Butter und zwei Eßlöffel Mehl schwitzt man nun zusammen, verkocht die Einbrenne mit der durch eine Messerspitze Liigs Fleischertrakt gekräftigten Hammelbrühe sowie einigen Löffeln dicker Sahne zu einer sämigen Sauce und schmort in dieser einige Zwiebeln und eine in Würfeln geschnittene frische Gurke so weich, daß man die Sauce durchreiben kann. Ist dies geschehen, wird etwas geriebener Parmesankäse, Salz und Pfeffer hinzugefügt und hierauf werden die heißen Kartoffelscheiden hineingeschüttet. Das Hammelfleisch zertheilt man in mundg:rechte Stücke, legt es in die Mitte der Schüssel, überfüllt es mit einigen Löffeln Sauce, umkränzt es mit den Kartoffelscheiben und bestreut das Ganz mit in Butter braun gerösteter geriebener Semmel. Gedämpfte Leber. Man lege die Leber einige Stunden in Milch, trocknet sie ab, häutet sie, bestreut sie mit Salz, spickt sie mit feinen Fettstreifen und dünstet sie drei Viertel Stunden in Butter, wobei man öfter heißes Wasser oder Fleischbrühe angießt und den Saft einer Citrone hinzufügt. Wenn die Leber beinahe weich ist, gießt man einige Löffel Rahm oder noch besser Madeira zu der Sauce, läßt sie kurze Zeit damit dämpfen und richtet sie mit der Sauce an. Paprika - Schnitzel. Man läßt Zwiebeln in Fett hellgelb rosten, giebt eine Messerspitze Paprika dazu und läßt darin die geklopften und in Mehl gewendeten Schnitzel auf beiden Seiten rasch anbraten, gießt einige Löffel Rahm und etwas Bouillon aus Liebigs Fleischextrakt hinzu und läßt das Fleisch gut zugedeckt fertig dünsten. Die fertigen Schnitzel werden mit gebratenen Kartoffeln garnirt zu Tische gegeben. Rindsschnitten aufWien e r A r t. Von einem kurzen, gut abgelagerten Rippenstück schneidet man fingerdicke Stücke, löst alle Knochen ab und klopft die Fleischscheiben breit. Nun bestreut man jedes Stück mit Salz und Pfesfer, formt sie schö.'l rund, wendet sie in Mehl um und brät alle Schnitten auf Butter bei lebhastem Feuer braun. Die gebratenen Schnitten werden nun aus ihrem Fett in eine andere flache Kasserolle gelegt, mit feingeschnittenen Suppenwurzeln und Zwiebelblättchen bestreut, etwas gute kräftige Bratensauce und ein Spritzer weiß:r Wein darunter gegossen; zugedeckt mürbe gedämpft. Man giebt hierzu beim Auftragen Bratkartoffeln und eine gute Kapernsauce. Schinken in Wein gedämpft oder Burgunders ch i n k e n. Ein etwa 5 bis 6 Pfund schwerer Schinken wird gut in lauem Wasser abgebürstet, sodann 6 bis 8 Stunden in frischem Wasser gewässert. Mit heißem Wasser zugesetzt, läßt man den Schinken langsam, je nach seiner Größe, 1 bis 2 Stunde kochen, hebt ihn in eine Bratpfanne oder passenden Tiegel, gießt darüber einen Theil Schinkenbrühe, zwei Theile Rothwein, einige Eßlöffel gestoßenen Zucker, 2 bis 3 Gewürznelken, ein Stückchen Zim. metrinde und etwas Citronengelb, worauf der Schinken darin vollkommen weichgedämpft wird. Der fertige Schinken wird schön tranchirt, mit etwas Weinsauce unterschwemmt, dann heiß aufgetragen. Den Rest der Sauce stellt man in einem besonderen Geschirr zu Tisch. Blumenkohlsuppe. Der Blumenkohl wird gereinigt, in Röschen getheilt, in gesalzenes, kochendes Wasser eingelegt, einige Minuten gekocht, und über einen Seiher geschüttet. Dann röstet man zwei Löffel Mehl mit einem Stück Butter und etwas Petersilie hellgelb, füllt unter Umrühren mit Fleischbrühe allmählich auf, giebt den Blumenkohl dazu und läßt es kochen, bis derselbe weich ist. Vor dem Anrichten werden zwei Eigelbe verrührt, die Suppe darüber gegossen und in Butter geröstete Semmelwürfel dazu gegeben. M ü r b e k u ch e n. Ein halbes Pfund Butter, ein halbes Pfund Mehl. 2 Unzen Zucker, ein rohes Eidotter. Alles zusammen wird zu Teig gemacht, und zwar schnell, damit der Teig nicht schlecht wird, auf ein Backbrett gelegt, aufgemangelt und dann zu Kuchen oder Sternchen ausgestochen.