Indiana Tribüne, Volume 22, Number 362, Indianapolis, Marion County, 17 September 1899 — Page 2

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Essen Hwain.

Von Crmnttj Gordon. Das mußt Du cfon lernen, Da: ling!" Der also in dictatorischem Tone spricht, ist Graf Udo von Ruschowitz bei den Ulanen, die, an welche diese Worte gerichtet sind, darf nicht nur als clrliebste kleine Persönlichkeit gelten, die für eine schwere Menge ameri kanischer Dollars eine neunzackige Krone nebst einem der schönsten Ulauenofficiere erworben hat; Ellen Twain, jetzt Gräfin Ruschowitz, ist euch wie eingeweihten Personen bekannt eine liebende Gattin, soweit sich die Rolle einer solchen mit ihrem Temperament vereinbaren läßt. Nichts vermag sie je ganz ausschließlich zu absorbiren, und so verfolgt sie denn schon bald nach den Flitterwochen allerlei Nebeninteressen, denen sich ihr Gemahl nicht immer gewogen zeigt. Was die kleine Dame, welche gerade in einem entzückenden Negligö ihre Frühstücks - Chocolade schlürft, lernen soll, ist, daß ihre Menschenfreundlichkeit ein ihr angeborener Characterzug unter Umständen ihrem Gatten recht unbequem zu werden vermag. Müssen lernen? dazu, ich bin zu alt," lacht sie, cokett ihr Spiegelbild be trachtend, das ihr ein gegenüber stehender Trumeau zwischen exotischen Pflanzen anmuthig entgegen wirft. Der galante junge Ehemann tritt in diesem Äugenblick bei Herrn v. Ruschowitz in den Hintergrund und macht dem Autokraten Platz, zu dem er schon in der Wiege Anlage verrieth. 0e wiß, Ellen, man hat sich Vieles nzueignen in einer Stellung, welche fein nüancirte Rücksichten verlangt," sagte er, jedes seiner Worte betonend, als ob ti einen Vortrag fürUntergebene hielte. Das zarte elfenbeinsarbige Gesichtchen der Amerikanerin ist mit einem Mal rosig angehaucht, die großen dunklen Augen blitzten etwas lebhafter, anders verrieth sie kein Zeichen der inneren Bewegung bei der versteckten Anspielung auf ihre Standeserhöhung. JhrerStimme ist derselbe, etwas harte, metallene Klang eigen wie sonst, als sie in ihrer sprudelnden Weise antwortet: Mon Dien! wie viel Lärm um nichts Du machst. Du erklärst Dich einverstanden, daß ich suche eine Gesellschafterin, um nicht zu sein allein in die Stunden, wo der ewige Dienst hält Dich fern vom Hause. So weit all rilit! Aber dann meme prattische Art paßt Dich nicht, in welches ich treffe meine Wahl! Offerte, Zeugmß und Photographie von ein halbes Hundert Frauen durchsehen Pooh! war doch viel zu langweilig. Statt das ich lasse jedes Tag ein Dutzend derselben Revue passiren. Du findest das abgeschmackt ich amüsire mich dabei, und auch thut mir leid die Noth von so viele Gentlewomen. Und ich habe einige von sie gemacht mir erzählen ihre Geschichte; es hat sie gut gethan. Aber groß wie war mein Mitleid, nicht eine einzige von sie Alle könnt' ich immer haben um mich. Die Eine sieht aus wie eine Trauerweide. die Andere gewöhnlich und eine Dritte langweilig, so langweilig! Andere sind mir zu gebildet und ich kann keine blue stockin: engagiren, denn ich bin nicht gewohnt zu lassen Leute auf mich herabsehen." Bei diesen Worten trifft den jungen Ehemann ein Blitz aus den dunklen Augen, der ihm die Ueberzeugung beibringt, man brauche der holden Amerikanerin nicht eben mit dem ZaunPfahl zu winken. Während er sich in das Anschauen seiner blanken Fingernägel vertieft, fährt sie fort, weiter zu plaudern. Und nun kommt das Beste von Allem la pointe , die unverständlich ist für mir. Ich finde ein entzückendes Geschöpf von feine Manieren, hübsch, tactvoll, von guter Name, nicht so klug, um zu sein unbequem und auch nicht das Gegentheil. Aber Monsieur mon mari will davon nicht hören! Die Dame würde ihm sein eine Gene in sein Haus, weil sie gehört in die Kreise, welche er nennt die seinige!" Die Gräfin hat die Chocolade zur Seite geschoben und sich von dem mit kostbarem Brocatstoff bezogenen Fauteuil im Stile Ludwigs XV. erhoben und geht. Mit einer Gebärde der Ungeduld schiebt sie die reich mit Spitzen besetzte Schleppe ihrer Matinee zur Seite und geht mit eiligen Schritten, die etwas von der Entschiedenheit ihres Characters an sich tragen, auf den eleganten Schreibtisch zu, der her einem hübschen Spielzeug als einem der Arbeit geweihten Möbelstück gleicht. Sie entnimmt einem der zierlichen Fächer ein Bündelchen gedruckter Flugschriften und geht damit auf den Gatten zu, der durch eine extrafeine Havanna die düstere Stimmung zu bannen versucht, welche ihn zu beschleichen beginnt. Sacrd bleu!" überlegte er, welche Comödien der Irrungen sich doch in dieser Welt abspielen! Den Kameraden, unter denen manch' einem das Messer genau so nahe an der Kehle sitzt, wie ihm vor nicht allzu langer Zeit, gilt er als beneidenswerther Glückspilz! Er begleitete vor einem Jahre seine leidende Mama an die Riviera, wo die gewöhnliche Caravanserei der vornehmen Welt, vermischt mit einigen Elementen der abenteuerliehen, dem nordischen Winter aus dem Wege geht. Er freilich ging etwas ganz anderem aus dem Wege. Ein mit seinem verstorbenen Vater eng befreundete? Vorgesetzter hatte ihm den wohlgemeinten Wink geg:5':n, Urlaub zu nehmen und während desselben alle Minen springen zu lassen, um mit seinen Gläubigern zu einem Arrangement bezüglich seiner ungeheuren Schuldenlast zu kommen. Ihm stand nicht gefällig ein zu beerbendes Familienmitglied zu Gebote, kein Onkel, keine Sante mit steinernem oder tottäm,

Herzen, die durch entsprechende Hinterlassenschaft seinen Gläubigern und ihm gerecht werden konnten, nachdem sie im Leben einen derartigen Act der Gerechtigkeit für überflüssig erachtet hatten. Nein! in der Familie derer v. Ruschowitz war nichts Erbliches" vorhanden, als die neunzackige Krone und ein gut Theil physischer Schönheit. Einmal mußte die Geschichte zum Guten oder Bösen ein Ende nehmen. Als Sanguiniker galt ihm Letzteres als ziemlich ausgeschlossen, bis besagte Mittheilung seines rücksichtsvollen Vorgesetzten einen trostlosen Abgründ vor ihm eröffnete. Es erschien ihm nun selbst unmöglich, daß es ihm gelingen werde, denselben zu überbrücken. Die Reise Mit der Mutter, welche diese bei ihren kargen Mitteln lieber allein unternomrr.en hätte, sah er nunmehr blos als Aufschub der unvermeidlichen Catatrophe an. Er versäumte nicht, unter eine Reiserequisiten eine zierliche Pitole zu packen, im Lande der Van'?itti weiß man doch nie, zu was solch' ein Ding gut sein kann. Die Mama machte ganz zufällig die Vekanntschas. eines jener Vögelchen mit goldenen Schwingen, welche ihren Flug mit VorNebe zu den sonnigen Gestaden der Riviera nehmen. Es galt dieser Dame als besondere Fügung der Vorsehung, daß die liebreizende Persönlichkeit von Ellen Twain sie über den gewöhnlichen Typus der Dvllarprinzessinnen erhob. Die kleine pikante Ausländerin flirtete nicht mit einem halben Dutzend Männer zu gleicher Zeit und documentirte sich nicht in allzu aufdringlicher Weise als freigeborene Amerikanerin, welche die Vorurtheile Anderer rücksichtslos verletzt. Graf Udo machte auf die verwöhnte Dame Eindruck, dem eine gewisse ZurückHaltung seinerseits keinen Eintrag that. Seiner Reserve unterlagen widersprechende Gründe. Sobald er annähernd Hoffniing hatte auf Erlösung aus seiner kritischen Lage, erschien ihm diese schon nicht mehr so ganz bedenklich, als sie in Wirklichkeit war. Nur keine Uebereilung! Er war kein fortune bunter". Verliebte er sich in die Kleine, oder interessirte er sich wenigstens in hohem Grade für sie la bonlieur! Andernfalls mochten die Wogen des Geschickes über ihm zusammen schlagen! Das thaten sie aber nicht. Vielmehr schlangen sich bald darauf zwei Arme zärtlich um seinen Hals und eine Stimme, welche in diesem Augenblick nicht hart klang, fragte zärtlich: Bist Du wirklich im Ernst und hast Du genug Liebe für mich, um zu ertragen meine teniper Absonderlichkeiten oder wie es wird genannt in Deiner barbarischen Sprache?" Er fühlte sich in diesem Augenblick ganz durchdrungen von der Allmacht seiner Liebe und würde noch viel mehr bejaht haben, als solch' bescheidene Anforderungen. Die Kleine war ein entzückender Käfer! Natürlich wird er sie glücklich machen. Während sie ihm am heutigen Morgen mit dem druckten Material ent

gegentritt, liegt mit einem Mal deutlich die Zeit vor ihm, zu der er es sich so leicht dachte, seine Erziehungskünste bei der Kleinen" zu verwerthen. Du immer befiehlst, das mußt Du lernen," sagt sie ihn parodirend. Jetzt, Du sollst etwas von mich lernen. Vielleicht interessirt es Dich nicht; aber never niind! Das Alles hier sind Aufrufen zur Unterstützung in verschiedene Art von Frauen besserer Stände". Ich habe sie gesammelt und gewundert über die großer Zahl von Damen, welche sich mußten lassen demüthigen durch Annahme von Almosen. Zuerst ich habe nicht sie wollen geben eine Beisteuer, weil alle Mensehen soll arbeiten, die nicht besitzen Geld. Aber wenn ich habe gehört, wie schwer man es macht, die vornehmste von solche Damen zu suchen und zu bekommen Arbeit, ich habe mir anders besonnen. Mon Dieu! wie wenig Resourcen die Vornehme hat bei Euch! Eine ist seine Handarbeit, die sie liefert billig für Geschäfte billiger als die Arme ohne Stand. Und was für Vorsicht sie muß gebrauchen, daß Niemand erfahre, sie verderbe die schöne Augen um schnödes Lohn! Sie will nicht einbüßen das Verkehr mit Standesgenossen, das ihr ist so unentbehrlich. So lange sie sich nicht bekennt öffent.lich zu den Arbeitsbienen-, drückt die vornehme Welt ein Auge gefällig zu. Sie ahnt, daß die junge Gräfin Dornheim kann nicht immer sticken Decken und Läufer für sein kleine Verwandtschaft. Aber sie hat sich damit noch nicht declassirt, so lange es nicht geworden ist publik. Studium wäre sie erlaubt, aber studiren ist ein theures Spaß , viel zu theuer für die Mittellose. Nun bleibt sie noch blt Stelle als Gesellschafterin", wo auf eine, die in zu besetzen, hundert Offerte und mehr strömen herein. Die aus den höchsten Kreisen zieht hier auch das Kürzere! Es giebt Leute" mit einem bezeichnenden Blick auf ihren Zuhörer, der mit stummer Resignation den Redeström der kleinen Dame über sich ergehen läßt die es finden zu viel Gene, daß Deine, mit welches sie verkehrten in Gesellschaft ehemals, zu geben ein Obdach in ihrem Haus. Ihr Humanität ist viel kleiner als ein falscher Zartgefühl, auf das sie sind sehr stolz, ch will nicht versuchen zu werden activ in der noch immer ungelöste Frauenfrage in dies Land. Dafür bin j ich viel zu träge! Aber Vorurtheil in j unser eigenes Haus soll nicht tragen , Schuld, daß eine, die ist arm, vor- ! nehm und angewiesen auf Arbeit", 1 soll nicht darin finden ein Heim!" Graf Udo v. Ruschowitz betrachtet die junge Frau, welche aus der Suche nach einer Gesellschafterin eine caiiße celebre" geschaffen hat, mit einem ! Gemisch vonBewunderung und Aerger. ' Sie sieht in der Erreauna. in welcde sie

sich hineingeredet hat, so lieblich aus, daß er sie in die.Arme ziehen und küssen möchte. Doch seine Anwandlung von Zärtlichkeit hält dem Unwillen nicht Stand, der ihn bei der Ueberzugung übermannt, dieser Fall werde nicht der einzige sein, in dem er mit seinen Erziehungsezperimenten bei der exotischen Gattin Fiasko mache. Ihm blieb als Alternative nichts übrig, als eine gute Miene zum bösen Spiele aufzusetzen. Er sah es klar vor sich, er würde in Kurzem Eveline, die Tochter eines früheren Vorgesetzten, des General v. Hohenegg, sich als Hausgenossin aufhalsen lassen müssen! . . . Die alte Excellenz hatte Pech gehabt, war in colossal schlechten Verhältnissen gestorben, oder besser, ließ diese als Vermächtniß zurück. Das Wenige, was übrig geblieben, hatte Eveline einer älteren verheirateten Schwester, die es gut brauchte, zur Verfügung gestellt. Sie wollte ihr Brot schon selbst finden. Gott! das klang ja Alles ganz, schön! War auch gar nicht anders von Eveline zu erwarten. Sie imponirte ihm schon immer durch ihre Vernunft. vielleicht am meisten zu einer Zeit, als sie seine Aufmerksamkeiten entschieden zuriickwtts; Persönlich hatte er auch jetzt absolut nichts gegen das begabte, schöne Mädchen einzuwenden. Aber zum Henker! Deßhalb erwies es sich doch nicht minder fatal, daß sie auf Ellen's Ausschreiben reagirt hatte, und ihn in die peinuche Lage versetzte, von nun an gegen eine Untergebene das war sie doch, sobald sie sich für ihre Dienste bezahlen ließ täglich, stündlich gewiss, Rücksichten beobachten zu müssen! Mit einem Anathema gegen die verkrackten modernen Theorien der Weiber räumte er das Schlachtfeld, während die Frau, welcher die Ehre zufiel, seinen Namen zu tragen, sich vergnügt lachelnd an den Schreibtisch setzte, um einen charmanten Zusagebrief an Eveline Freiin von Hohenegg vom Stavel zu lassen. Modernes Lpinnlied.

(Frei nach Wagners .liegender Holländers Sauset, sauset, gute Rädchen, Wandrer". Vrennabor" und Pfeil", Mit den Wadchen spinnet Fadchen, Adler". Opel" und Allheil"! Der Schatz sitzt zwar am Pult zu Haus, Doch denkt er 'naus An's fromme Kind; Drum gutes Rädchen saus, saus, saus, Schnell wie der Wind, Geschwind, geschwind! Spinnt, spinnt Süße Fädchen Um ein Herz, Gute Rädchen! Sauset, sauset, gute Rädchen, Eleveland", Naumann", Freya", Greif"! Mit den Mädchen spinnet" Fädchen, Ehristysattel", Unionreif"! Der Schatz zu Haus sitzt zwar im Joch, Was ihm jedoch Viel Geld gewinnt; Drum, gutes Rädchen, forscher noch! Er gibt's dem Kind, Wenn's fleißig spinnt. ' Spinnt, spinnt Süße Fädchen Um ein Herz, Gute Rädchen! Die crkaufte Braut. Der Pic von Rocciamelone (oder Roc Maol. wie ihn die Eingeborenen mit einem keltischen Wort nennen), ist wohl der schönste Berg der italienischen Alpen. In Form einer scharfkantigen, dreiseitigen Pyramide, zeigt der mit ewigem Schnee bedeckte Gipfel in einer Höhe von über 3000 Meter im Sonnenlichte die herrlichsten Färbungen, vom Blaßgrün bis zum Hellrosa, während er in der Abenddämmerung in feuerrothen und goldenen Tönen erstrahlt. Ob durch einen Schmuck aus Menschenhand, welcher Art dieser auch sei, seine natürliche Majestät und Schönheit nicht beeinträchtigt werden wird, sei dahingestellt; interessant, wird die Gegend dennoch bleiben, und zwar nicht nur für den Naturschwärmer, sondern auch für den Geschichtsforscher und Ethnologen. Ursprünglich von pelasgischen Stämmen bevölkert, deren Spuren heute noch in den umfangreichen Steinbruchs- und Grubenarbeiten aus jener prähistorischen Zeit zu finden sind, beherbergte sie später einige, von der übrigen Welt vollkommen abgeschlossene keltische Tribus. Hartnäckig behielten diese ihre alten heidnischen Gebräuche, nachdem das Christenthum seinen Eroberungszug durch die ganze Culturwelt fast vollends hatte, und heute noch unterscheiden sich dieBewohner jener Gegend scharf, im Typus und in den Sitten, ton den anderen Piemontesen. Eine Ueberlieferung aus jener Zeit, in der das Weib als Stammeseigenthum gehalten wurde und nur durch Anwendung von Gewalt oder durch Kauf in den Besitz eines anderen Stammes übergehen konnte, ist ein Hochzeitsbrauch, der freilich im Laufe der Zeit seinen barbarischen Charakter verloren hat, um eine mehr poetische Form anzunehmen: Hat ein junger Mann aus einem Nachbardorfe um die Hand eines Mädchens aus der Gegend zwischen Racciamelone und Montcenis angehalten und will er an dem festgesetzten Tag die Braut heimführen, so findet er den Weg zu ihr durch Rosenund sonstige Blumenketten versperrt. Er muß sich dann durch eine seinen Verhältnissen angemessene Weinspende freie Bahn schaffen. Dasselbe thun die Mädchen, als Symbol der Eifersucht, gegen eine von außerhalb heimgeführte Braut. Sowohl Wein wie sonstige Geschenke werden dann unter der Bevölkerung vertheilt und unter Jubel und Festlichkeiten findet die Hochzeit öatt. 1 ...

Aic roöe.

Von HanS Fraungruber. Der Kalif Harun al Raschid saß in seinem prächtigen Palaste beim edlen Schachspiele, ihm gegenüberBen Akiba, den der Herrs-.r unter den Großen seines Reiches besonders schätzte und in seiner Gesellschaft hielt. , Eben that der Kalif den letzten Zug, dann lehnte er sich zurück und sagte gelassen: Matt! Du hast Glück im spiele. Len Akiba. Die Perlenreihe war der Preis des Gewinnes, sie ist Tein." Lächelnd schob er die kostbareSchnur d'.m Gegner zu und fuhr fort: Du strafst das Sprichwort Lügen, das dem glücklichen Spikler Unglück in der Liebe prophezeit; denn diese Perlen, so Herrlich sie auch sind, verbleichen vor der Schönheit Zairens, Deiner Gattin und ihr hoher Werth dünkt mich armselig gegenüber der Tugend und Anhänglichkeit Deines Weibes." Ben Akiba strich sich den niederwallenden Bart und erwiderte sinnend: Mein hoher Herr, aller Glanz ist nur ein Spiel des Lichts, ein Schein nichts mehr. Wende Dein Kleinod um, so ist der Schimmer verschwunden. Wehe denen, die der Gaukelei des Zufalls trauen und sie Glück nennen! Daß ich das Spiel gewann, verdanke ich der Zerstreutheit nur, der Flucht Deiner Gedanken, die alle Aufmerksamkeit hinweggefegt. Fast scheue ich davor, den Gewinn mir anzueignen." O, Du Grübler!" lachte Harun al Raschid, warum hast Du der launenhaften Göttin Deine Zaire nicht zurückgesandt?" Ist sie mein? Ich weiß es nicht. Wohl gehorcht sie mir noch und zeigt sich anhänglich, allein der Lohn hiesür ist ja so hoch wie ihr Himmel. Laß den Preis des Ungehorsams höher sein, greif ihrer Laune, ihrer Eitelkeit unfanft an die geschminkten Wangen und dann sieh zu, was Weiberliebe ist!" Betroffen erhob sich der Kalif. Thor," verwies er den Sprecher, willst Du alles an Deiner Weisheit messen? Jede Süßigkeit vergiftest Du mit Deinem Zweifel? Ei, wer zweifelt, wird nie genießen " Wer zweifelt, wird nie enttäuscht, mein Fürst." Verschone mich mit Deiner Bitterkeit, Akiba, Du thust mir leid. Nie wirst Du Deiner Gemahlin froh ungeachtet alle anderen, die sie sahen, sie gleich einem Sterne preisen. Ihr Lob widerhallt von Granada bis Toledo." Spöttisch nickte Ben Akiba und entgegnete: Redensarten, mein Gebieter. Die Narren rühmen mein Weib als unvergleichlich und preisen es als einen Schatz, kostbarer als alle Kleinode Deines Landes . . . doch ... laß es sterben und Du solltest sehen, wie alle Ruhmredner mir Ersatz anbieten in ihren Töchtern! Nimm mir aber mein arabisch Roß und keiner öffnet seinen Marstall, mir ein anderes zu geben. Haha! was halst Du nun vom hohen Werthe?" Du solltest ihn kennen," grollte der Kalif. Wer einen Edelstein besitzt, der schätzt ihn um so höher, je genauer er dessen Glanz und Fruer und sonstige Vorzüge im Gegensatz zu anderen Schätzen zu ermessen weiß. Du, scheint es, rechnest den Werth des Deinen nicht allzu hoch." Wieder strich Ben Akibas weiße Hand über die Bartwellen und zögernd sagte er: Als ich mein Weib verlassen, hungernd und bedeckt mit Lappen auf öder Heide fand, da nahm ich es mit mir sammt einem Hunde sonder Zucht, der es geleitete. Beiden galt seither meine Sorge, mein redliches Bemühen, sie mir geneigt zu machen. Wie dies gelang und wessen Treue nun das Feuer strenger Probe standhafter ertrüge, dies, hoher Herr dies " Nun? vollende!" .Ich weiß es nicht von beiden, von einem aber glaub' ich es und wähne nicht, enttäuscht zu werden." Siehst Du? Dein Weib ist's, das dankbar Dir seine Erhöhung vergelten will." Nein!" Harun al Raschid, der erregt den Saal durchmessen, hält unwillig an, seine Stirn bewölkt sich, seine Augen glimmen, und sein Zorn braust auf: Akiba. ich beklage Dich! So niedrig wägst Du Menschenart, daß Du das heißere Gefühl nein, nein es will mir nicht über die Lippen, wie Du ein menschlich Herz verleumdest. Du schuldest Sühne mir und dem beleidigten Gescklecht. Die Probe steht Dir frei; doch hier, vor meinen befriedigten Augen soll der Ausgang. Dich beschämen!" Du willst es, Herr, so sei es denn! Doch verstehe mich recht: nicht für minder edel schätz' ich des Menschen Art. Sein Herz schließt jedoch einen Reichthum schillernder Gefühle ein. Leicht spielt eines in das andere, und leicht bekriegt sich ihre Menge, während des Thieres engbegrenzte Triebe sich deutlich sondern und leichter ihre Kraft verrathen. Die Probe biet' ich Dir, obwohl ich Leid hiervon für mich befürchte und sie darum mir selbst versagte. Diese Perlenschnur, die zu dem Streite Anlaß gab, sei min mein Werkzeug. Leb wo.il, mein Fürst und zürne nicht zu rasch!" Indessen lag Zaire im Frauengemach ahnungslos auf seidenen Kissen, spielte reit Goldreifen, Diamantringen und . anderem Tand oder griff träumerisch in die klingenden Saiten der Laute. Zuweilen lauschte sie auch dem Falle des Springbrunnens im Säulenhofe oder lachte fröhlich auf. daß es glockenhell an den Marmorwänden wiederhallte. Plötzlich fühlte sie sich von starken Armen umsaßt und blickte erschrocken

in die ernsten Zuge ihres Galten, der unbemerkt eingetreten war. Ach. Akiba, Du bist's? Was hast Du mir mitgebracht?" Frohe Nachricht, Täubchen: der Kalif lädt Dich für übermorgen mit mir zu sich." Wie ein Wiesel hüpfte das schöne Weib vom Lager. Der Kalif?" jubelte sie. In die Alhambra darf ich kommen? O Du Lieber, sag, wie soll ich mich kleiden? Wie soll ich mich schmücke?.? Komm, hilf mir wählen unter Gewändern und Geschmeide ich will schön sein wie der gestirnte Himmel! Meine Arme sollen blitzen von goldenen Spangen " Und Dein Alabasterhals soll wetteifern an Glanz mit dem dieser Perlen", fügte Akiba hinzu und ließ die Schnur gleich einem Wasserfalle über die röche Seide der Kissen gleiten. Akiba", jauchzte das entzückte Weib, mir diesen Schatz? Akiba. Du Lieber. Du Süßer. Du Guter! Mir diese Perlen?" Und sie wand sich die Schnur um den Hals, und sie warf sich glückselig dem Gatten an die Brust, und sie ließ die Welle seines Bartes gleich einem Schleier über ihr Gesicht wallen. Doch sage mir, Du Unvergleichlicher, in unserem Schatze ist kein Schmuckstück von so hohem Werthe, sag, wie kommst Du dazu?" Frage nicht!" warnte der Gemahl und legte seine kühle Hand auf ihre Feuerlippen. Allein sie fragte dennoch und immer wieder. So will ich Dir vertrauen," raunte der Gatte, ich nahm die Schnur dem Mundschenk des Kalifen, ich nahm sie ihm im Hohlwege und da er sie nicht geben wollte " Da was thatest Du?" Da erschlug ich ihn! Ich that's für Dich. Zaire, und wenn Du mich je verräthst, höre, fo ist's um mich geschehen; denn der Mundschenk war der Liebling des Kalifen." Du hast es für mich gethan, Du Einziger, Du Herrlicher o wie liebe ich Dich! Die Zunge soll mir verdorren, wenn ich Dich je verrathe schweigen will ich wie die Gräber im Thale der Thränen, das schwöre ich Dir bei allen Gestirnen des Himmels!" Schwöre nicht, sondern gehorche mir und schweige!" flüsterte Akiba, und seine Augen brannten in schmerzlichem Entzücken. Allein Zaire schwor dennoch und schwor jmmer wieder. Zwei Tage später erschien Akiba vor dem Kalisen, der ihn ernst und schweigend empfing. Akibas Hand hielt das langhaarige Fell eines großen Hundes, der langsam und müde neben seinem Herrn einherschritt. Dies ist das Thier, auf dessen Treue Du so LbergßcStücke hältst?" fragte finsteren Bliäes Harun al Raschid. So ist es, erhabener Herrscher. Der Hund hst seit der Stunde, in der ich Dich verließ, weder gegessen, noch getrunken, noch geschlafen. Heute harrte er meiner im glühenden Sonnenbrande auf den heißen Stufen meines Hauses. Seine Qual ist groß, und sein Verlangen nach Labung und Ruhe kann Deinem Auge nicht entgehen." Und sein Gehorsam seine Treue?" Du wirst sie sehen." Akiba nahm eine Fleischtasse und eine Schale voll des köstlichsten Wassers vom Tische des Kalifen und stellte sie auf den Boden. Der Hund neigte den Kopf, streckte ihn vor und winselte. Ben Akiba trat näher. Ueber die Flanken des Hundes folg ein heftiges Zittern, sein Herr aber schien die flehenden Augen nicht zu. sehen; er schüttelte das Haupt und schritt weiter. Das Thier folgte ihm. Nach einer Weile kehrte Akiba zurück, lagerte sich neben Speise und Trank und begann zu essen. Wimmernd und lechzend streckte sich der Hund zu seinen Füßen nieder. Da trat der Kalif herzu und hielt dem Gequälten die Schüsseln vor. Mit gesträubten Haaren erhob sich das arme Geschöpf, schleppte sich näher, ächzte und schnappte nach einem Bissen. Harun al Raschid lachte laut auf, Ben Akiba jedoch griff schweigend nach dem Fleische und legte es in die Schüssel zurück; dann erhob er sich, winkte dem Kalifen, ihm zu folgen und fchickte sich an, den Saal zu verlassen. "Strecket hinter uns die Lanzen vor!" gebot er den Thürhütern und trat durch den Marmorbogen. Stöhnend schlich der Hund an den Schüsseln vorbei, die Thürwächter wollten ihn zurücktreiben da warf er sich mit wüthendem Gebell auf die beiden, setzte über die. Waffen und erreichte verwundet und blutend seinen Gebieter. Dieser streichelte zärtlich das geröthete Fell und wandte sich dann zu den Dienern, nachdem er dem Hunde einen Wink gegeben. Pfleget ihn und gebet ihm Nahrung und Trank!" Schweigend und ernst stand der Kalif und sah dem treuen Thiere nach. Ben Akiba winkte einen anderen Diener herbei und sagte: Bitte meine Gemahlin zu mir; sie wartet im Vorsaale." Wie die Sonne am Frühlingsmorgen in das lachende Thal tritt, die VL--gel ihr entgegenjubeln, die Blumen duftend ihre Kelche öffnen, so war es, als Zaire vor dem Kalifen erschien, der sie huldvoll begrüßte und sein Auge an ihrer Schönheit weidete. Ben Akiba legte sein Antlitz in kummervolle Falten, ging ihr entgegen und seufzte: Mein Täubchen, Du kommst eben recht, mich auszulösen. Es ist mir ein Unglück widerfahren: Ich habe einen hohen Geldbetrag im Spiele verloren. Hilf mir Du trägst kostbaren Schmuck an Dir " Daö junge Weib starrte den Gatten

an, dann griff sie zögernd nach einem Armreif. Zu wenig, Zaire Sie faßte zrsei Armbänder. Auch das reicht nicht, mein gutes Kind; alle Deine Armringe sind zu gering gegen die Summe, die ich z bezahlen habe." Zaire erblaßte, unwillig trat sie zurück. Was willst Du noch?" Zaire, ich bitte Dich gib mir alles, was Du bei Dir trägst!" Alles? Du forderst zu viel! Auch die" Auch die Perlenschnur! Ich siehe Dich an, Geliebte sieh, ich habe Dir Gutes erwiesen, vergilt mir nur einen Theil davon!" Akiba faltete die Hände, und Verzweiflung loderte in seinen Blicken. Das Weib aber schüttelte den Kopf und wies ihn zurück. Da stürzte ihr der Gatte zu Füßen, umklammerte ihre Knicc und rief: Süße, rette mich, es gilt meine Freiheit gib mir die Perlenschnur!" Niemals!" schrie das Weib und riß sich los. Gib ihm den Tand!" drängte nun Harun al Raschid mit strenger Miene. Gib ihm die Schnur, sein Leben steht auf dem Spiele!" Nein, ich gebe Le nicht!" zürnte Zaire und stampfte mit dem Füßchen. Wohlan," rief Akiba. fo will ich Dich zwingen!" Er springt auf, zerrt an der Schnur, und reißt sie der Erbokten vom Nacken. Sie aber faßt darnach, ringt mit dem Manne und kreischt: Laß ihn festnehmen. Kalif! Der Elende hat Deinen Mundschenk erschlagen und ihm die Perlen geraubt, um sie mir zu schenken. Er ist ein Räuber, ein Mörder !...'." Da läßt Ben Akiba die Arme sinken und wendet sich tiefseufzend gegen den Herrscher, der bleichen Antlitzes den Vorfall verfolgte. Herr, die Probe spricht für mich. Du aber, herzloses, undankbares Weib, fürchte nicht für den Mundschenk, er ist heil und gefund. Behalte Deine Flitter und geh hin, woher Du gekommen bist. Ich will Dich niemals wiedersehen!" Schluchzend wankt die Vernichtete aus dem Saale, während sich Ben Akiba trauernd über die dargebotene Hand des bewegten Kalifen beugt.

Die Neidkrankyctt". Tritt man in die Gesindestube eines österreichischen Bauern, in der gerade die Mahlzeit eingenommen wird, so wird man bemerken, daß alle auffällig die Eßgeräthe aus der Hand legen. Sie haben Angst, man könnte sonst einem aus der Tischrunde den Bissen in die Seele hinein verneiden. Als Beleg für diese weit verbreitete und scheinbar uralte Volksansicht, die ethisch für die Auffassung des Neides im Volke höchst beachtenswerth ist, gibt Hans SchukoWitz in der Zeitschrift für österreichische Volkskunde" folgende Stelle aus den handschriftlichen Aufzeichnungen wieder, die er in einem Kalender des Mauthausener Marktsyndikus Jgnaz Reimann aus dem Jahre 1832 fand: Es war in der Schnittzeit, am Jacobitag, und ich war damals noch junger Bräutigam, hätt sollen in Bäld die väterlich Wirthschaft versorgen, da werd ich sterbenskrank. Es ist so geschehen: Das Gesind war just beim Eilfermahl und ich unter ihnen. Kommt dasig ein Krüppel vor die Schwell und bettelt. Ich geh zum Hofbrunn und hohl mir ein frisch Trinkwasser. Und mir wird mit einmal der Becher centnerschwer, ich werd todmüd und verlier das Bewußtsein. Hast sicher weitergegessen, meint meine Mutter wie der bettelt hat. Und das Uebel wird immer ärger. Ich werd spindeldürr. Gebt dem Naz den Rosenkranz in die Hind, sagen die Nachbarsleut. Ich schlaf in einfort. und der Mund steht mir offen zum Essen. Und grad das Essen macht mich hungrig und grad der Schlaf immer matter und mägerer. Der Mutter wird himmelsbang. Sie müßt sich kein Rath mehr, sagt sie. Der Steinbrecher, rath die Auwinkelwirthin, sollt bei so was helfen können, aber man dürft halt nit bitten und nit danken für sein Rath. Und so nimmt mich unser Großknecht auf sein Schulter und tragt mich glockenschwer über die Aecker. Der meßt und meßt. Es wär' die Neidkrankheit, meint er. Ein Glied hätt noch gefehlt, und er hätt mir nimmer helfen können. Dann bekreuzt er sich und mich etlichmal und fangt selber an zu fiebern, weil er die Krankheit aufgenommen hätt. Der Mutter aber gibt er den Rath, ich sollt ein Häfen warme Geißmilch so lang einrühren, bis der Löffel stecken bleibt. Aus dem Teig macht sie Pulver und ich nimm Tag für Tag beim Sonnenaufgang eins und bet ein Vaterunser für die, die in der Krankheit gestorben. ' Darauf werd ich am 6. Fiebertag so schlecht, daß mich versehen lassen wollen. Wart zu, sagt der Steinbrecher zu meiner Mutter, bis zum letzten Pulver. Und wirklich, ein Aas kommt um das ander, unter der Achsel, am Hintern in der Fußsohlen. Lauter gelbes Wasser geht daraus ab. Am zwölften Tag bin ich munter aus der Bettstatt gesprungen und war geheilt von der Neidkrankheit. Seither iß ich vor kein Fremden nimmer." S o meint sie es. Frau Weischen und Frau Debbchen kommen soeben von einem Besuche, elchen sie der Frau Schnidbchen abgestattet haben. Frau Weischen: Hab'n Sie bei der Schnibbchen ooch die silbernen Löffel bemerkt?" Frau Debbchen: Nu freilich se sahn mir e bischen sehr mitgenommen aus." Frau Weischen: Die Löffel! Nee. die waren ja aam neu." Frau Debbchen: Nu ja, aber uff den eenen Löffel war eingrevirt: Hotel zum weißen Hirsch."

Noscttfefte.

Nur an wenigen Orten Deutschlands finden sich durch Vermächtnisse solcher Personen, die entweder aus Frankreich stammen, oder die bei längerem Aufenthalte in Frankreich die Sitte der Tugendpreise kennen gelernt haben, Spuren dieses schönen Brauches in der Roscnzeit. Einer dieser Orte ist Mainz, wo alljährlich zur Rosenzeit das hochpoetische und zugleich wohlthätige Fest gefeiert wird. Es hat damit die folgende Bewandtniß: Laut letztwilliger Bestimmung hin terließ im Jahre 1835 die aus Frankreich stammende Wittwe eines FreiHerrn von Eberstein der Stadt Mainz ein Kapital von 12,000 Gulden, dessen Zinsen einer Jungfrau zu Gute kommen sollen, die als braves, unbescholtenes Mädchen ihren Eltern eine treue und aufopfernde Pflegerin und Stütze gewesen ist. Die Bewerberinnen haben sich bei dem Vorstande der StiftungsVerwaltung zu melden, und nach erfolgte? Wahl findet dann bei demBürgermeister, neben dem die Rosenöraut den Ehrensitz einnimmt, ein Festessen statt. Die Rosenbraut, meist ein schon bejahrtes Mädchen, erhält aus der Stiftung 500 Gulden, von denen 100 Gulden ;,u der Festlichkeit selbst verwendet werden. Frau von Eberstein, eine geborene Gräfin de Rosse, errichtete diese sinnige Stiftung in Erinnerung an ihr eigenes Vaterland, wo im 5. Jahrhundert ein Geistlicher Namens Madard einen Tugendpreis stiftete, mit dem alljährlich eine würdige und ehrbare Jungfrau belohnt werden sollte. Den Namen Rosenbraut" erhielt die Erwählte, weil man sie mit Rosen schmückte und krönte. In frükeren Jahren fuhr man zunächst in rofengcschmücktem Wagen zur Kirche, dann durch die Straßen der Stadt, um im Freien bei Spiel und Tanz und fröhlichem Mahle mit Verwandten und Bekannten den Tag heiterzu beschließen. Der andere Ort oder vielmehr die anderen Orte sind die Dörfer Kirchrode und Misburg in der Nähe Hannovers. Es geschieht dies in Folge einer Stiftung des Hauptmanns Joh. Georg Cropp. Derselbe machte unter dem 23. Mai 1817 eine Stiftung von 1500 Reichsthalern behufs eines Rosenfestes, wovon die Zinsen am 1. Sonntag: nach dem 18. Juni, als am Tage der Feier des großen und glorreichen Sieges von Waterloo", zum Besten der Einwohner von Misburg und Änderten alsBeweis seiner Liebe' und Anhänglichkeit auf ewige Zeiten" verwandt werden sollten. ' Dasjenige Mädchen, welches die Hausväter in demjenigen Dorfe, welches dieReihe trifft, für das gegen seine Eltern und Brotherrschaft gehorsamste, treueste. bescheidenste, sittsamste und überall tugendhafteste" erklären, soll eine Prämie von 25 Reichsthalern und einen Kranz von Rosen geflochten aus den Händen des Herrn Pastors vor dem Altar erhalten". Wählbar sind sämmtliche junge Mädchen im Alter von 1623 Jahren, sowohl die Töchter des reichen Wannes. als die des Hirten und TaglöhnerL,". jedoch müssen sie in dem betreffenden Dorfe geboren oder seit dem 16. Jahre erzogen sein, oder, wenn sie anderwärts erzogen sind, acht Jahre hintereinander in dem Dorfe gedient haben. Dasjenige junge Mädchen, welches die meisten Stimmen erhalten, bekommen gleichfalls aus den Händen des Pastor? ein Rosenbouquet nebst Lomsvor oder 2 Reichsthalcr 18 Mgr. Diese drei Rosenmädchen" treten an dem Rosentage in weißen Kleidern mit ' entblößtem Haupte und schlichthangenden ungekräuselten und ungezierten Haaren" vor den Altar nebst 2 Knaben. welche für die fähigsten im Rechnen und Schreiben anerkannt sind". Auch diese sollen ein Rosenbouquet und 4 Louisdor oder2 Reichsthaler 13 Mgr. erhalten, bei welcher Ueberreichung der Pastor eine kurze Ansprache an sie zu halte hat. Ohne Zweifel ist der Stifter durch seine Kriegszüge in ankreich. wo die Tugendpreie vielfach gebräuchlich sind, zu dieser Stiftung gekommen. Nachdem MiSbürg eine 'selbstständige Parochie geworden ist, findet die Austheilung der Prämie abwechselnd in Kirchrode und in Misburq statt. Seltsamse Echo. Fährt da ein Postillon in stiller Berg- und Waldesgegend und läßt lustig sein Posthorn ertönen. O, er versteht es zu blasen, und jeder, der cs hört, lauscht gern den reinen, klaren Klängen. An einem Bergeshang fährt er dahin und weckt das Echo. Doch, was ist das? Klar und rein wie immer sind seine Töne, und mißlautend. disharmonisch gibt das Echo sie zurück. Er bläst darauf einzelne Töne. Sonderbar! Bläst er den Ton C, hallt das Echo Cis zurück. Er macht weitere Versuche: immer ist das Echo einen halben Ton höher, als der Ton seines Hornes. Lange zermartert er sein Hirn ob der seltsamen akustischen Erscheinung. Endlich sieht er die Lösung des Räthsels: Vor dem Bergeshange steht ein Kreuz. Abhilfe. Zimmernachbar: Entschuldigen Sie, Herr Rath, aber das Vierhändigspielen Ihrer beiden Töchter ist nebenan nicht zu ertragen, könnte da nicht vielleicht Abhilfe geschafft werden?" Rath: I gewiß, heirathen Sie eine, da hört's gleirf auf." . Modern. Vater: 500,000 Francs Mitgift das ist ja recht schön, aber bedenk' doch nur: in de? Familie sind Vater, Bruder undGroß vater an Irrsinn gestorben!" Sohn: Was willst Du, Papa; es ist halt eine Vernunftheirath!"