Indiana Tribüne, Volume 22, Number 354, Indianapolis, Marion County, 10 September 1899 — Page 7

BoscnWcksar. Lvn Th. von Liska. Wer kennt die Gcschichi? Ver Rosen? Wenn die Rosen erzähln rvollten, wie viele bunte Dinge erführe man da, schaurige und traurige.! Auf einem kleinen Tischchen in einem Wafferglase stand tixt einsame Rose. (k langweilte sich entschieden nd blickte um sich, um zu sehen, ob nicht icgend ein: Unterhaltung möglich sei. Es war aber Sanz öde im Umkreise "des Tischchens. Nur eine große, leere Brieftasche lag dort mau sollte sich mit ihr in ein Gespräch einlassen? Was war aber bei dem melancholischen Charakter leerer Brieftaschen von einer Plauderei zu erwarten? Die Rose seufzte, und Ih Brieftasche hörte es. Der Seufzer war zu rührend. die Brieftasche konnte nicht umhin, ihrerseits die Konversation zu beginnen. Darf ich fragen, warum Sie seus zen, schönes Fräulein Rose?" Die Rose blickte auf. Schau, schau, die Brieftasche war galant und gar nicht mürrisch. Da durfte man die Antwort nicht schuldig bleiben. Mein Gott sagte die Rose, es fehlt hier so gänzlich an Zerstreuung. Andere Rosen kommen in Gesellschaft, man führt sie zu Musik, in's Theater glauben Sie, daß es erheiternd ist, in einem Glas Wasser zu stehen und Nichts, wie das dumme Summen ier Wegen zu hören?" Sie lieben wohl ein lustiges Leoen. wie?" fragte die Brieftasche. .Rui Tllhlg, man gewöhnt sich an Alles. .In welche tolle Kumpanei, zu welchen Zechgelagen äomme ich, wenn Geld in meinen Taschen steckt! Da ßrarte ich -närrische Geschichten erzählen! Aber das wird leider selten und ich siige mich darein. Meistens liege ich da ems dem Tisch, leer und verlassen, wie ein Moell zu einem Stillleben für meinen Maler, öder ein Gegenstand iefsinniger Betrachtungen für einen Philosophen. ... Wo kommen Sie über her, schönes Fräulein Rose?Die Betonung ihrer Schönheit schmeichelte der Rose, sie wiegte 'sich gefällig auf ihrem Stengel -und begann zu plaudern. Ach, gestern war ich mvch !im Garten, weit außerhalb der Stadt, in Gesellschaft vieler anderer Äosen, .umgaukelt von Schmetterlingen und noch manchem anderen hübschen Fant. Ds war ein schönes Leben! 2Öaä1)ie Rosen einander zu erzählen 'haben, was die Schmetterlinge Einem Alles zuflüstern es ist zum Todtlachen. Da kommt man aus der Anterhaltung überhaupt nicht heraus. Und man athmet frische, freie Lust, '.kost mit den Winden und blickt nach den Sternen aus wahrlich, es kann nichts Schöneres geben! Aber heute Morgen schnitt man mich mit einer Gartenscheere am Stiele ab und 'warf mich mit anderen Gefährtinnen in einen großen Korb." Das mag wohl schrecklich gewesen sein," sagte die Brieftasche. ergriffen. Es war wohl sch,recklich, aber es versprach doch auch himmlisch nttt zu werden! Wir sollten ja in die Stadt gebracht und in den Trubel' des Lebens verwickelt werden. Das war eine ganz angenehme Abwechslung, und wir Rosen im Korbe freuten uns Alle, endlich einmal etwas Neues .und Aufrcgendes zu erleben. Wir glühten förmlich vor Erregung, was .da kommen werde.... Mun brachte -uns also in die Stadt, in einen großen Blumenkaden, dort sortirte uns eine schmuck: Blumenfee. als plötzlich ein stattlicher ,Hcrr mit blondem Bart hereintrat, der Blumenfee beide Hände faßte .und sagte: Liebstes Fräulein Panline, Heute brauche ich einen ganz besonders schö r.en Strauß. Machen Sie .es bübsch. nnd meine ewige Liebe sei Ihr Lohn." Schneiden Sie nicht .aus, Herr Karl, ich .rathe es Ihnen," sagte die Blumenfee. Denn ich bin ein anstäuiiges Mädchen und nehme Sie gleich beim 2Öoxi. Also wie viel darf es kosten?" Auf ein paar Mark über das Gewöhnliche lommt es mir diesmal nicht an," sagte Herr Karl. Aber machen Sie dtf.5 Bouquetchen großartig, schreiben Sie's auf dieRechnung und schicken Sie's durch Ihren dienenden Geist in meine Wohnung. Ist es hübsch, so sind Sie wie gesagt, .meiner ewigen Liebe sicher, die wenigstens bis zum Sonntag währt. Und am Sonntag führe ich Sie dann in's Theater." Gut, es soll großartig sein sagte die Bkumenfee, und ihr ganzes Gesicht lachte vor Vergnügen. Der schöne blonde Herr empfahl sich dann, und ich wurde mit anderen Gefährtinnen in einen prächtigen Strauß gebunden. Käthe, das Laufmädchen, trug mich in ein vornehmes Haus und drückte an einer Thür auf den Knopf der elektrischen Klingel. Eine dunkelhaarige junge Frau empfing uns und war sehr verwundert, nicht minder eine zweite, ältere Dame mit spitzigem Kinn, die bei ihr war. Ich glaube, wir sind verrathen," sagte die junge Frau. Wir sind doch in aller Stille aufgebrochen und, ohne ein Wort nach Hause zu schreiben, nur um Karl recht zu überraschen er muß aber doch Wind von der Sache erhalten haben und schickt mir zur Heimkehr den schönen Strauß." Das kann ich schwer glauben." sagte die ältere Dame scharf. Ich sage Dir. dahinter steckt etwas, und es war die höchste Zeit, daß wir nach Hause gekommen sind!" Aber Mama," rief die Junge ent-sej-t, Du wirst doch nicht denken, dß " ' Ja. ich denke, daß rief die Alte noch schärfer. Vielleicht hat unsere Luise rasch meinen Mann verständigt."

Dai werden wir- gleich - wissen," sagte die Alte mit der Mene eines Um tersuchungsrichters, läutete und btrachtete prüfend daö Stubenmädchen, das rasch im Gemache erschien. Sagen Sie, Luise, haben Sie vielleicht in aller Eile den Herrn von unserer Ankunft verständigt?" fragte die Dame streng. I behüte." rief das Mädchen. Ich werde doch nicht die ganze Ueberraschung verderben!" Da siehst Du!" sagte die Mutter triumphirend zu ihrer Tochter. Vielleicht hat uns Jemand gesehen, als wii vom Bahnhof nach Hause fuh ren. Jemand, der Karl kennt und ihn von unserem Eintreffen unterrichtete Wird sich Alles herausstellen. Vorläufig bleibe ich dabei, der Strauß ist nicht für uns bestimmt. . . . Sie können gehen, Luise." Das Mädchen hatte abwechselnd den Strauß und die alte Dame angeblickt und sich beinahe die Zunge abgebissen, um ihr Lachen zu unterdrücken. Sie n?ar überglücklich, das Gemach verlassen zu dürfen. In diesem Augenblick läutete e3 wieder, die Damen eilten zur Thür. Karl!" Emma!" In den Armen lagen sich Beide. Ah. Frau Schwiegermutter! Sie auch zurück? Nein, diese Ueberraschung! Darauf war ich wirklich nicht gefaßt! Warum haben Sie aber Ihre Kur so früh abgebrochen?" Die alte Dame ließ die Frage unbeantwortet und sagte nur mit harmloser Miene: Sie hatten also wirklich keine Ahnunq. daß wir zurückkommen?" Richt im Geringsten." Sie wußten absolutRichis davon?" Aber wie sollte ich! Msolut nichts!" So? Und für wen war denn dieser Strauß bestimmt, den man soeben unter .Ihrer genauen Adresse abgeliefert chcrt. Herr Schwiegersohn?" Einen Augenblick stand Herr Karl starr und stumm und dachte, gleich müßte die Decke einstürzen. Dann aber 'hctte er sich auch schon gefaßt. Der Strauß ist also schon a? Nein, so etwas'. Nun ja, Frau Schwiegermutter, ich erfuhr, daß Sie eingetroffen sind und wollte den Damen meinen Blumengruß entbieten." Wie erfuhren Sie?" Ein College sah Sie im Wagen 'fahren 'Falke der dicke Falke Sie kennen ihn -ja " Siehst Du. Mama, ich sagte es gleich: ein Bekannter hat uns im Vorüberfahren gesehen und verrathen! Natürlich, liebe Emma! Wie hätte ich es denn sonst wissen können? Zauberei war nicht im Spiel.Du ahnungsvoller Engel Du." Und er küßte seine Frau, glücklich, sich glänzend herausgelogen zu haen, während die Schwiegermutter mißtrauisch die zärtliche Gruppe betrachtete. Da ertönk plötzlich wieder der elekirische Klingelzug. Ehe es der Schwiegersohn verhindern konnte, stürzte die alte Dame nfs Vorzimmer .und a die Thür, um zu öffnen. Ein Dienstmann stand üoz .der Thür. Was wünschen Sie?" fragte die Frau. Ich soll hier n Bouquetchen abholen." Wohin sollen Sie es bringen?" fragte die Alte in dem liebenswürdigsten Tone, dessen sie fähig war. Dem Schwiegersohn sträubten sich die Haare zu Berge; doch selbst der Dienftmann witterte Tücke und sagte mit schlauer Miene: Ick weeß wirtlich nich. Die Adresse soll ick ja erst kriegen. Madamken!" Darauf wandte sich blt Dame zu Hem armenHerrn Don: Hause und saale in demselben süßen Tone: Also geben Sie ihm doch die Ädresse. Herr Schwiegersohnl .Die Rose hielt ih ihrer Erzählung iinen Augenblick inne. um Athem zu schöpfen, und die Brieftasche lachte herzlich. .Das sind aber drollige Sachen!" sagte die Brieftasche. Es war wohl sehr drollig. erwi derte die Rose, es entwickelte sich aber eine hochdramatische Scene daraus. Die Scene läßt sich gar nicht schildern. Der angenehme Baß des Herrn Karl klang sehr unwirsch, als er rief, das Bouanctchen gehe die Frau Schwiegermutter gar nichts an, die alte Dame schrie in schrillen Tönen, die Tochter weinte und schluchzte zum Herzerbarmcn. und schließlich nahm der Bonquetchen - Besteller seinen Hut und lief davon. Auf dem Höhepunkt des Auf tritts wurde Luise gerufen, und das unschuldige Bouquetchen flog ihr an den Kopf, so daß einige meinerGefährtinnen geradezu entblättert wurden." Das war ja barbarisch!" rief die Brieftasche entrüstet. Barbarisch, nicht wahr?" Aber eigentlich gestaltete es sich doch sehr glücklich. Denn Luise nahm das mißhandelte Bouquetchen, trug es in ihr Kämmerlein und stellte es in's Wasser. Am Abend kam der Amtsschreiber, an den sie ihr Herz verloren, an ihr Fenster. Ist ein Besuch erlaubt?" fragte er höflich. Ach nein." sagte sie seufzend. Es geht nicht. Die Damen sind wieder hier. Du mußt verschwinden. Geliebter! Da nimm und leb wohl!" Damit griff sie in den Strauß, zog mich hervor und reichte mich demAmtsschreibe? mit einem Kusse. Es war ein schöner Augenblick, und ich wurde schließlich doch zum Liebesangebinde, wovon ich immer geträumt hatte. . . Der zärtliche Amtsschreiber brachte mich nach Hause und stellte mich in dieses Glas. So danke ich seiner Liebe noch eine kurze Frist des Lebens. Ich wäre wohl lieber an der Brust eines schönen Mädchens verblüht oder am

Helm eines Soldaten, aber mein Tod ist doch nicht ganz ohne poetische Verklärung, das tröstet mich! . . ." Ich habe kein rechtes Verständniß für Poesie," sagte die Brieftasche. Die Geldnöten, die mich besuchen, sind so prosaisch der Umgang hat mich verdorben. Aber immerhin, ich begreife ein Rosenschicksal ist 'was Schönes. Es liegt etwas Wonniges in einem Rosendasein, in seinem Utes und seinem Ende, im Leben und im Sterben. Gute Nacht, schönes Fräulein Rose, hofsentlich hauchen Sie Ihre duftige Blumenseele nicht bis zum Morgen aus!" Gute Nacht!- sagte die Rose mit einem träumerischen Lächeln und schlummerte ein. Die leere Brieftasche blieb noch eine Weile wach ließen sie die Sorgen nicht schlafen? Die arme Rose stirbt in einer schönen Täuschung," dachte sie, als sie ihre Gefährtin so ruhig schlummern sah. Nun, ich will ihre letzten Illusionen nicht zerstören. Aber die Luise, die kenne ich von einer anderen Seite!..."

Der Mann im Kol'cr. Humoreske von Leon Fanrof. Die Tragödie, die ich jetzt erzählen will, hat sich im Monat Mai eines der letzten Jahre abgespielt; um seinenRuf nicht zu trüben, will ich es nicht näher bezeichnen. Nichts, das muß ich sagen, ließ die schrecklichen Dinge ahnen, die sich in der Rue Bonaparte abspielen würden. Es war 9 Uhr Morgens, der Himmel war klar, das Pflaster trocken; der Kanarienvogel einer musikalischen Portiersfrau zwitscherte zärtlich und Yit Maler begaben sich langsam und ruhig nach der Schule der Schönen Künste" Gegen 8 Uhr 50 Minuten betrat ein Herr in reiferem Alter mit spießbllrgerlichen Manieren und einem ehrlichen nnd heiteren Gesicht den Hof der Schule; seine verlegenen Bewegungen nnd sein zögernder Gang deuteten zur Genüge darauf hin, daß er nicht allzu häufig in diesem Heiligthum des Schönen und der tollen Streiche verkehrte. Er ließ sich das Atelier Gerome zeigen nnd klopfte schüchtern antie Thür. Nach einigen Augenblicken, 'während "deren man im Atelier ein gewisses Zischein und hastige Schritte vernahm, sagte eine ernste Stimme: Herein!" Doch kaum hatte 'der Fremde die 'Thür aufgcstoßen, als ein Eimer voll Wasser den armen Mann vom Kopf bis zu den Füßen mit einer .plötzlichen Douche überschwemmte. Aber schon waren die Kunstschüler aus ihn zugestürzt und ergingen sich m eifrigen Entschuldigungen, indem sie erklärten, sie hätten ihn für einen ihrer Kameraden gehalten, was sehr unwahrscheinlich war, denn sie hatten wohlweislich durch eine Thürspalte geguckt, bevor sie ihm zugerufen hatten, er solle eintreten. Sodann ließ man, um den armen Ueberschwemmten zu trocknen, ihn seinen Paletot und seine Hose ausziehen. Sich dieses zweiten Theiles seines .Kostüms zu entledigen, hatte der PhiIister einige Schwierigkeiten gemacht. doch da die Kunstschüler ihm versicherten, er wäre unter Künstlern" und sie hätten ganz andere .Dinge gesehen, ohne übrigens zu erklären, was die fraglichen anderen Dinge wären, fürchtete er schließlich, sich niit den nassen Kleidern zu erkalten, und behielt nur seine Weste und sein Hemd an. Während die Kleider am Ofen trockncten. was eine gewisse Zeit forderte, denn einer der Kunstschüler, der fürch.tete. sie könnten anbrennen, bcgoß sie von Zeit zu Zeit mit Wasser. fragte .man den guten Philister aus. Er war der Onkel eines Schülers des Ateliers, hielt sich vorübergehend in Paris auf .und wollte seinem Neffen einen Besuch machen, denn er glaubte, ihn z dieser Stunde im Atelier zu finden. Ihr Neffe wird vor zehn Uhr nicht kommen." sagte der Hauptattentäter, ei hat etwas, was ihn hindert, frühzeitig aufzustehen." .Er ist krank?" Nein, eine Krankheit ist es nicht, aber ein Kater." So!" erwiderte der Onkel, der kein Wort verstand. Indessen schürten die Schüler, die sich berathen hatten und finstere Pläne nährten, das Feuer dermaßen, daß die Temperatur im Atelier unerträglich wurde. Wie heiß es hier ist!" murmelte der gute Mann; Ihnen ist wohl kalt!" Nein, das geschieht wegen des Modells." Wegen des Modells V Jawohl. Heut ist die Reihe an dem Mitglied des Instituts der Schönen Künste, Herrn Puvis de Chavan nes." Wie beliebt? Ich dachte, das wären bezahlte Leute und. . . ." "Äch warum nicht gar! T)och nicht in der Schule der Schönen Künste! Die größten Leute lassen sich hier von unsern Pinseln verewigen, und es ist eine solche Ehre, daß wie sie nur wunderbar gebauten Männern von hoher socialer Stellung zu Theil werden lassen. So sehen Sie z. B. auf dieser Skizze links den Herrn, der da sitzt und sich den Fuß hält. ..." Ja!" iDas ist der Botschafter Constans." Nicht möglich!" Und der große magere Herr, der sich kratzt." Ja fa Das ist der frühere Ministerpräsident Dupuy." Ach, warum nicht gar!" Na. wenn ich's Ihnen doch sage! aber es ist langweilig, so hohe Personlichkeiten zu Modellen zu haben. Denn sie sind manchmal sehr unpünktlich!" Ein anderer Schüler mischte sich in's Gespräch:

Ja. das ist wahr. So ist heut wieder ein verlorener Vormittag. . . ." Ach. wenn der Herr nur wollte," sagte ein Dritter, so könnte er uns einen großen Dienst erweisen." Ich?" rief der Provinziale erstaunt. Es ist wahr, er ist entzückend gebaut, man könnte ihn für einen Silen halten." Sie meinen, für eine Sirene!" verbesserte der geschmeichelte Onkel. Nein, meine Herren," sagte der Nä. delsführer. Sie vergessen, daß der Herr, obwohl er sehr ehrenwerth ist. keine sehr hohe Stellung bekleidet." Ach was. der Onkel eines Schülers der Kunstakademie! Welches ist Ihre sociale Stellung, mein Herr?" Ich bin Bürgermeister von Fentosobv les - Escourges." Ah, Sie sind Bürgermeister.... Ah. dann liegt die Sache anders; und wenn Sie wollten, so würden wir Sie bitten um so mehr, da es schon spät wird; übrigens sind Ihre Kleider noch nicht trocken; so würden wir Sie bitten, arbeiten zu dürfen." Ich störe Sie?" Nein, nach Ihnen zu arbeiten." Wieso nach mir?" Es würde genügen, wenn Sie das Uebrige ausziehen wollten. . . ." Ach nein! I Gott bewahre!" Herr Dupuy hat es doch auch für uns gethan." Herr Dupuy?" Sollten Sie an unseren Worten zweifeln?" Die Discussion wurde noch einige Minuten in diesem Tone fortgesetzt; endlich wiUigte der gute Mann, besiegt und geschmeichelt, ein, den Rest seiner Kleidungsstücke auch noch auszuziehen. Doch im Augenblick, da er sich anschickte, seine Flanell - Unterjacke und seineStiefel abzulegen, wurde energisch an die Thür geklopft. Einer der Schüler ging an die Thür und öffnete sie halb.

Ei sieh da! Madame Gyp! Frau Grafm. haben Sie doch die Gute, emzutretl!" sagte der Maler, ohne jedoch vollständig zu öffnen, denn es war absclut Niemand hinter der Thür. Nein, nein." brüllte der arme Philister, von dem Gedanken entsetzt, sich in diesem paradiesischen Kostüme vor einer Dame und gar vor einer Gräfin zu befinden; schnell, verstecken Sie mich!" Da." sagte einer Kunstschüler und öffnete einen großen Koffer, auf dessen Grund einige Stücke Stoff lagen, und in den er die noch feuchten Kleidungs stücke hineinwarf; steigen Sie hinein. nur für eine Minute; wir werden die Dame sogleich fortschicken." Der Unglückliche stieg hinein. Kaum war er, halb erstickt, in dem Koffer eingesperrt, als die Kniistschüler den Koffer verschlossen und forttrugen, dann brachten sie ihn mit unendlicher Borsicht auf die Straße, setzten ihn vor einem Hause nieder und gingen, nachdem sie ihn wieder aufgeschlossen, vor dem gegenüber liegenden Hause auf und ab, um zu sehen, was sich nun er eignen würde. Der arme Mensch, vz von Allem, was vorgegangen, leine Ahnung hatte, wartete geduldig, nachdem man ihn zur Erde gesetzt, daß man ihm öffnete; doch nach Verlauf einer Viertelstunde hob er leise den Deckel, und sein erschrockener Kopf erschien, einen angstvollen Blick auf die Straße werfend. Ach!" rief eine alte Dame, die auf dem gegenüberliegenden Trottoir vorbeiging; ein Enthaupteter! Mit diesen Worten fiel sie ohnmächtig in die Arme der Maler, die sich nor Lachen krümmten. Der Koffer hatte sich wieder ge schlössen und schien entschlossen, sich nicht mehr zu öffnen. Während die Kunstschüler die alte Dame bei einem Apotheker absetzten, blieben zwei Polizlsten. die im philosophischen Gesprach die Straße entlang kamen, vor dem Koffer stehen, der das Trottoir versperrte. Es ist lächerlich," sagte der Eine, daß die Leute ihre Koffer auf der Straße stehen lassen. Mit diesen Worten ersuchte er den Portier des Hauses, vor dem der Koffer stand, das Ding hineinzunehmen. Der Portier kam unter heftigen Protesten heraus, und die drei Männer öegannen. über diesen geheimnißvollen Kasten zu berathen. Die Maler waren neugierig nähergetreten. Man muß ihn aufmachen," sagten die Polizisten. Warten Sie. bis ich fort bin." rief einer der Kunstschlller, es ist vielleicht eine Höllenmaschine...." Diese Vermuthung lähmte den Eifer der Ordnungswächter" auf der Stelle, und sie meinten: Ja, wir werden zunächst dem Herrn Commissär Bericht erstatten." Einer von ihnen schickte sich an, diesen höheren Beamten zu benachrichtigen, während der. Andere da blieb, um den geheimnißvollen Koffer zu bewachen, als die alte Dame, die aus ihrer Ohnmacht erwacht war und aus der Apotheke kam, den beiden Vertretern der Behörde erzählte, sie wäre sicher, vor wenigen Augenblicken einen abgeschnittenen Kopf in dem Koffer gesehen zu haben. Dann wäre es ja aber keine HöllenMaschine," sagte einer der Polizisten. Vielleicht ist es ein Selbstmörder," meinte der andere. Wir müssen das Ding öffnen," erklärte ein dritter. Mit diesen Worten wollte er den Deckel hochheben, als sich aus dem Innern eine klägliche Stimme erhob: Nein, nein, machen Sie nicht auf, es ist Jemand drin!" Der brave Philister kann seit diesem Tage die Maler nicht mehr leiden; seinen Neffen hat er enterben wollen, doch der gute Junge hat Pinsel und Palette hingeworfen und ist Landwirth geworden.

Ein ?cigling. Von M. Schmidt von Ekensteen. Flüsternd nur ging heute die UnterHaltung am Stammtisch der rheinischen Weinstube. Ter bleiche Kellner mit den wasserblauen. ausdruckslosenAugen und dem glatlgescheitelten Haar hatte schon dreimal Umschau gehalten und sich kopsschüttelnd in den Borraum des Separatzimmers zurükgezogen. Die Glaser wurden heute gar nicht leer, und die Herren Lieutenants schienen gar nicht bei Laune. Sie sprachen in abgerissenen, halblauten Sätzen, und wenn Robert eintrat, verstummten sie ganzlich. Da hatte eS gewiß wieder etwas gegeben; aber Robert konnte kein Wort erhäschen, das ihm Klarheit gebracht hätte. Jetzt trat mit verschneitem Mantel noch ein Nachzügler ein. Ren guten Abend, Kameraden!" schnarrte er, schnellte mit einer geschickten Bewegung der rechten Wange das schwarzumrandete Monotle aus dem Auge und ließ sich den Rad mantel abnehmen. Servus, Lcwin!" gab die Tischrunde zurück wärum so spät?" Gleich, gleich! Elendes Wetter, was? Robert, fix einen Cognac und die Speisenkarte, hab 'nen grandiosen Appetit." Ich fliege, Herr Baron !" und fort schlich er mit geräuschlosen Schritten. Er lehnte die Thüre des Vorraumes nur an, und nun hörte Lieutenant von Lcwins stark accentuirte Stimme: Endlich, Kameraden, der Schluß dieser ehrlosen Sache! Ter Allmers hat heute seinen Abschied bekommen schlichter Abschied natürlich wegen Feigheit!" Pah, das ist nichts neues mehr, LeWin; Stetten hat es uns schon vor einer Stunde mitgetheilt, und dann: das haden wir ja doch erwartet und gewußt!" Robert schnippte mit den Fingern und murmelte enttäuscht! Darum das Heimlichthum! Das wissen ja die Sparen auf dem Dach, daß derlei immer so endet." Und wie ein Feldherr, der seine Truppen befehligt, rief er der Busfetdame zu: (5in?n Cognac!" Tann ergriff er die Spcisenkarte und übergab sie Herrn von Lewin. Das Eis schien gebrochen, man flüsterte nicht mehr. Eine halbe Pommery Mir Winkler Hascnsprung .... Robert, ein Filet a la Esterhazu

.... Hummer in Gelee!" So schwirrte es durcheinander, und ein lang aufgeschössen Lieutenant mit semmelblon dem Haar und kühn emporgedrehtem Schnurrbart sagte wichtig: Nun wir vor dem mit accornpli stehen, kann sich doch endlich die Entrüstung von der Seele reden! Schauderhaft eigentlich. mit solchem Eharalter so lange verkehrt zu haben!" Für mich hatte sein übertrieben artiges Wesen immer etwas Unheimliches; ich ahnte förmlich, daß sich dahinter etwas Lichtscheues verbarg; solche Natureu, die nie aus dem Gleichgewicht gerathen, haben immer niedrige Gesinnungen", warf mit hoch emporgehobener Nase und groß aufgerissenen Äugen der Präses des Tisches hin. Ja,, ja. und erinnere Dich nur. Wülknütz, wie er mit armen Leuten immer liebäugelte und sich nicht genirte in Uniform jeden Strolch anzureden nnd Almosen auszutheilen!" Ja, ja, eine angeborene Neigung nach unten!" Nur Einer an der Tischrnnde hatte bis jetzt geschwiegen; als eine Pause eintrat, sagte er ernst und ruhig: Ich hab' den Ällmers immer lieb gehakt und habe ihn vielleicht besser getcnnt, als Ihr Alle; ich glaube, daß Ihr ihn dch ein wenig verkennt. Ohne selbstrcoend seine unqualifizirbare Haltung in der Duellassaire entschuldigen zu wollen die ihn mir ja auch gänzlich entfremdet hat , halte ich doch seinen Hang zum steten Nachgeben, zum Wohlthun und sein allzu offen hervortretendes Mitleid mehr für einen Erziehungs-, als für eineu Charakterfehler. Ihr wißt ja doch Alle, daß er eine streng religiöse Erziehung erhielt und ihm die Ansicht eingepfropst wurde, das Tuell sei so eine Art Mord, eine Todsünde für Leute seiner Richtung." Billige Ausrede das, um sein Kanonenfieber zu verbergen! Mit solchen Prinzipien wird man eben nicht Offizier; die Armee braucht Männer, aber keine Memmen!" Freilich, und darum wurde ihm auch heute gerechter Lohn, nachdem wir ihn schon längst in Acht und Bann erklärten. Aber Wie, Wustrow, Sie haben ein aber" in solch' eklatantem Fall? rief hochmüthig ein schmächtiger, bleicher Offizier. Von oben bis unten maß ihn der angesprochene Hüne, dann glitt ein eigenartiges Lächeln über sein ernstes Gesicht. Ja, Herr von Loewen, als Mensch w ge ich es, dem Menschen ein aber" o'ö E itschuldigung zu gönnen. Ich fr ach int: Allmers einmal vor Jahr und 5 ag giiz objektiv über das Tuell, und cI3 er mir. in die Enge getrieben, seire Aanchten kundgab, sagte ich ihm befremdet, doch ehrlich: Wie konnten E e sich aber unter solchen Umständen den Ossizierstand erwählen, wo Sie jeden Tag in die Zwangslage eines Tuells gerathen können?" Ta lächelte ; er gutmüthig und fein, so wie es seine ' Art war, und meinte: Tem Vater-' land mit Gut und Blut zu dienen, war immer mein höchstes Streben, und wie sollte denn je an mich die Zwangslage , herantreten? Ich liebe itile Menschen und meine Natur neigt nicht zu Zorn und Hader; wo aber die Bruderhand stet bereit itt zum versöhnenden Hand- I schlag, wie könnte da ein Ehrenhandel ! entstehen?" Und sehen ie. Herr Kamerad: in meinen Augen giebt eS doch für AllmerS einen MilderungSgrund, denn er wurde ja von Schellhorn förmlich in das Tuell hineinaezwungen; Alles war provoziert das wissen wir ! doch Alle um zu sehen, wie Allmers . sich benehmen Würde. '

Tas ist ganz egal und wäscht lyn

nicht mehr rein." Nein, sicher nicht, aber ich wollte nur feststellen, daß er ganz richtig urtheilte, als er sich sagte, er könne mit seinem Charakter nicht leicht in einen Ehrenhandel verwickelt werden; er wurde eben förmlich herausgefordert, und was ihn jetzt ereilt hat, ist er quasi ein Opfer seiner religiösen Anschauungen geworden!" Na ja, mag s sein, gönnen wir lym die mildernden Umstände bei seiner mo ralischen und gesellschaftlichen Bänke rotterkläruug! Mögen die Grunde sein, wie sie eben wollen, Feigheit bleibt Feigheit, und die schöne Millionärstochter, die er anschmachtete, wird durch diesen coup de force wohl endlich über ihre Unentschiedenheit hinwegkommen. Ueberhaupt pyramidal unverständlich, wie ein Mädel da nur schwanken kann zwischen diesem langweiligen Gesellen und dem Ton Juan Schellhorn!" Glauben Sie wirklich, Wülknitz, daß Allmers irgend welchen Eindruck auf die reiche Erbin gemacht ht?" Ich glaube es nicht nur, sondern ich weiß es ganz genau; Luise Härtung ist eng mit meiner Braut befreundet, und es war für Schellhorn höchste Zeit, daß sich Allmers unmöglich machte, sonst hätte der wohl den Goldfisch geangelt. Erst kürzlich äußerte sie zu Hermine, sie meine fast, daß sie ihm einen Wink geben müsse, denn Allmers schrecke scheinbar vor dem Reichthum ihres Vaters zurück." Wetter ! Ta begreife einer diese Weiber ! Echte sin de siede-Ver-irrung. Unser fescher, schneidiger Schellhorn, noble Erscheinung vom Wirbel bis zur Zehe. Manieren wie ein geborener Fürst, ein Reiter, Tänzer und maitre de plaisir wie kein anderer, von allen Frauen verwöhnt.... und dieser charakterlose Allmers, mit seiner kleinbürgerlichen Solidität und der langweiligen Liebhaberei, in alten, schmutzigen Schmökern herumzublättern nach der Weisheit vergangener Größen !" Laßt doch da? Thema fallen ! Begrabt den Schwächling ! Ich verbürge Euch, die Härtung ist geheilt ! Seit die Tuellgeschichte ruchbar geworden ist, schweigt sie sich aus über ihn " Svorrenklirrend trat der BataillonsAdjutant Lieutenant Schellhorn ein; eine große und schlanke Figur, selbstbewußt, kühn der dunkle Kopf mit den klaren Augen. Mahlzeit, Kameraden !" gab er ausgeräumt mit einem Siegerlächeln zurück. Robert. Roederer auf Eis !" rief er sodann dem Kellner zu, und sich mit Eleganz verneigend, ehe er sich setzte, bat er die Kameraden :. Schenkt mir die Ehre, heute meine Gäste zu sein." Bis tief in die Nacht klangen die Krystallbecher aneinander ; Allmers war vergessen begraben. Robert schlief im Vorzimmer und als sich die keltere Corona heimbegab, schlug eS zwei Uhr vom Thurm der Metropolltantuche. Ter Glockenschlag der zweiten Morgenstunde drang auch in ein hellerleuchtetes Zimmer der Hohenzollernstraße, wo ein bleicher junger Mann an einem Schreibtisch saß. Neben ihm lag ein versiegelter Brief mit der Aufschrift: Frau Allmers, Jnspettorswittwe in N. Ein zweiter Brief lag vor ihm, und der Umschlag daneben trug in markigen, festen Zügen die Aufschrift: Fräulein Luise Härtung. Auf dem großen weißen Bogen standen die Worte: Gnädiges Fräulein! Unsere letzte Unterredung, in welcher Sie mir so beglückend und ehrenvoll Ihre Freundschast nicht versagten, giebt mir ein Recht, diese Zeilen an Sie zu senden. Heute wurde mir mitgetheilt, daß mich oi? ganze entehrende Härte und Strenge militärischer Gesetze trifft. Ich bin wegen Feigheit des Dienstes entlassen, weil ich es mit meinen Grundsätzen und meinem Glauben nicht vereinigen konnte, im Tuell einen Menschen zu todten oder das mir von Gott geschenkte Leben leichtsinnig preiszugeben. Ein Geächteter und Verfehmter in den Kreisen, wo ich in treuer Pflichterfül lung mich mit ganzer Seele meinem Berufe hingab, ziehe ich nun in die Fremde, mir jenseits des Ozeans ein neues Dasein zu gründen. Wenn diese Zeilen Sie erreichen, liegen Berg und Thal zwischen uns. Ter einzige' Lichtblick, den ich mit hinübernehme, ist der Gedanke, daß Sie mir vertrauten, daß Sie mich Freund nannten; der größte Schmerz aber, der mich erfüllt, ist, die geliebte Mutter und Sie verlassen zu müssen. Glauben Sie auch ferner an mich, der ich lieber ein Geächteter vor den Menschen bin, als ein Ruchloser vor meinem Schöpfer. Kurt Allmers. Langsam schob der Mann den Brief iu den Umschlag, fuhr sich nervös mit der schlanken weißen Hand durch das dunkle Haar und preßte wie in verhaljfnem Schmerz die Lippen fest zusammen. Plötzlich sprang er eilig auf. sah nach der Uhr, verschloß seinen Handkoffer, überzählte sein Geld, hüllte sich in einen langen Mantel und schritt, sich gewaltsam ermannend, vie Treppen binab. durch das knarrende Hausthor auf die schneebedeckte' Straße. Wie er hastig dem Bahnhofe zuschritt, übersann er, ob auch alle seine Angelegenheiten geordnet seien; er glaubte, nichts vergessen zu haben. Seit ihm am Morgen mitgetheilt worden war, was r rti Vsfltt flfflrtJk Tatntr ,trtrt-rtlsrtf ii viu -cucuyni iuiii -t ti.ii tktiiu sung in fieberndem Wehgefühl hatte j t -(- t . ii. i. n I lunuucii i ci;cn, yai:e iz luijig uuu cuii Alles ausgeführt, was zur Ordnung seiner Angelegenheiten nothwendig war. Seine Hausleute wollten ihm feine Briefe, Effekten und Bücher bescrgen, und er konnte beruhigt hinausziehen, einem neuen Lebenskampfe entgegen. Um fünf Uhr dampfte der Zug nach der fernen Seestadt ab, anderen Tag:s wollte er schon auf dem großen Wajsersein.

Der gewesene Officier saß allein ivt Abtheil ein schriller Pfiff, und cö ging hinaus in's Ungewisse. Von der Kaserne erilang das Signal, das die Soldaten weckt; da ging es ihm weich und weh vom Herzen zu den Augea, denn er hatte seinen Beruf geliebt wie nur Einer, und als er sich die Thräne aus dem Auge wischte, zitterte ihm die Frage durch die Gedanken: Bin ich denn wirklich zu weich für einen: Mann? Da plötzlich wie ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel, ein Schnauben. Krachen und Schreien ein gräßll eher, endloser, vielstimmiger Jammer? ruf aus gefolterten Menschenherzen. ein qualvolles Stöhnen und Schluch zen, wie eine Betäubung kam eS über Allmers und der Zug stand wie ein zusammenbrechender Trümmerhau--fen im Morgendunkel. . . Was war ge schehen? Er suchte sich zu besinnen, er griff an die Stirn; feucht rieselte es auZ klaffender Wunde über seine Hände, und der Schmerz benahm ihm fast den. Athem. Die kühle Morgenluft dranc durch die zersplitterten Scheiben wohl thuend zu ihm herein aber er harter auch das Aechzen, Stöhnen und Jam mern. Seine Arme waren heil, er ver mochte sich aufzurichten; nur der Kopf schmerzte, aber was lag daran? Drau ßen rief das Jammern hilfsbedürftiger Mitmenschen. Er versuchte die Thüre zu öffnen sie war eingeklemmt; dce umwickelte er die Hand mit dem Man telkragen und schlug die Glassplitter aus den Fensterrahmen. Jetzt war der Weg gebahnt; er zwängte sich hinaus, er konnte retten, helfen! Wie ein Lauffeuer ging die Schre ckenskunde in dämmernder Frühe durch die Stadt: ein gräßliches Eisenbahn Unglück war geschehen; Militär unr Feuerwehr half bei den Aufräumungsarbeiten und trug die Todten und VerMundeten in die Spitäler. Ein Com mando unter Lieutenant Wustrow trug-, behutsam einen Schwerverletzten mit! feinen, durchgeistigten Zügen. Die Ge retteten wußten zu erzählen, daß er mit klaffender Kopfwunde, wie ein Helr an den Rettungsarbeiten sich betheiligd hatte, bis er zusammenbrach. Als die Personalien festgestellt wur--den. ergab es sich, daß der Lieutenant a. D. Kurt Allmers", der auf der Lisw der Schwerverletzten stand, sich gleich zeitig um die Rettung der Verunglück ten in erster Linie verdient gemacht hatte. In der rheinischen Weinstube gpht es heute lebhaft zu am Stammtische Robert lauscht an der angelehnte Tkär. und seine wailerblauen Auaerk

glänzen zur Busfetdame hinüber. Lieutenant von Wülknitz ist scheinbare sehr erregt; schnarrender denn je spricht-, er das r", und die Kameraden wijserr . es, daß er dann immer ärgerlich ifr. Ich sag es Euch, meine Hermine -hat es ja schwarz auf weiß? Der aitzr Härtung hat ihn aus dem Kranken--häufe abgeholt, sobald er transportfa hig war. Auf seinem prächtigen Gute in Franken hat die Luife ihn selber gesund gepflegt, und seit acht Tagen ist sie mit ihm in Rom, auf der Hochzeitsreise!" Skandal!" preßt Schellhorn her vor. ich habe ihr doch selber deutlich-, und klar gesagt, daß er ehrlos wegen?. Feigheit quittiren mußte!" Ach. was liegt den Weibern daraus Das nennen sie interessant; unsere Zeit ist halt ganz abnorm! Weil er da irr. sentimentaler Anwandlung ein paarArbeiter aus den Trümmern hervorge--zogen hat, nennt sie ihn in ihremBriefr mit Begeisterung einen Helden unr einen Märtyrer seiner edlen Gesinnun gen!" Schande! Lassen wir das ekle Thema fallen! Was meint Ihr, spü--len wir Alles mit einer Pulle Sekt hin unter?" fragt Schellhorn. Da erhebt sich Wustrow: Kamera den, seid heute meine Gäste!" Alle schauen ihn verwundert au seine Augen strahlen wie von innerem Glücke beseelt. In wirren Fragerr schwirrt tl um den soliden, mäßigen Wustrow: Hast Du das große Loo5 gewonnen? Hat sich eine Erbtantr schlafen gelegt, alter Junge?" Er lächelt: Ja, so etwas Aehnliches!" Robert läßt die Stöpsel knallen, rmV wie die Gläser aneinanderklingen und ie Lieutenants lustig rufen: Prosit Wustrow. sollst leben!" da denkt er stillvergnügt vor sich bin: Jck aönne: Dir von Herzen Dein Glück, lieber AH mers. denn nicht nur Deine Luise kennr Dein biederes, aber tapferes Herz. auct ich kenne es, ob Du auch wegen Feigycit entlassen wurdest! Splitter. Mancher hat seine Carriere nicht seinem Fleiß, sondern der Faulheit seines Vorgesetzten zu ver danken. Richt wund're dich, siehst für ein Nichts Die Menschen du erbittert streiten; Fast stets im Leben spielen ja Die größte Rolle Kleinigkeiten! Klag' nicht, wenn dir für Viele z sorgen gegeben, Am schlimmsten kommt man allein durch's Leben. Versuch' es nie. dein Glück zu definiren. Sonst läufst du leicht Gefahr, eZ zu verlieren. VonderSchmiere. .Wa5 gab's denn neulich am Schlüsse d?r Vorstellung für einen Skandal?- D Leiche hat sich mit dem Mördr ianlt.". . . . Jr