Indiana Tribüne, Volume 22, Number 354, Indianapolis, Marion County, 10 September 1899 — Page 6

Sraucn von der Straße. Man singt in Wien ein altes Lied, ;oder besser gesagt, man hat es gesungen. Denn obwohl Wien die einzige Stadt ist, in der es Volkssänger giebt .als ganz eigenthümliche Kunstspecialität, hat sich das Volk leider das Singen so ziemlich abgewöhnt. Der wiener Besang tönt nicht mehr aus 'dem Volk heraus, sondern verhallt ziemlich theilnahmlos auf dem Brett'l. And so sang man einst ein Lied, das da schilderte, wie der liebe Herrgott die Wienerin erschaffen hat. Er knetete ien weitesten Marmelstein z einer Masse, formte sie zu einem Körper nach llen Regeln der Schönheit, drückte das Wäschen leicht in die Höhe, setzte zwei Augen ein, in welche er die Farbe des Himmels zauberte, und gesponnene Sonnenstrahlen mengt? er leicht mit ier Farbe der Erde, um so jenes zauZierische goldige Braun zu erhalten, das eine spezielle Eigenschaft der Haare der Wiener Frauen ist. In das Blut goß er etwas Feuer, um den feingeschnittemn Mund drückte er zwei kleine Grüb.chen, und die Wienerin war vollendet.

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Köchin. Die Frauen, die wir hier im Bilde zeigen, rechtfertigen nicht ganz die Belechtigung des alten Wiener Liedes, -$as längst vergessen ist, obwohl die Wiener noch immer ein Recht haben, .u behaupten, daß die Legende von der Erschaffung der Wienerin die WahrIheit sagt. Einige von uns im Bilde vorgeführten Frauen können wohl als wienerisch gelten, aber es sind keine Wienerinnen. Die dralle Köchin, die des Morgens rn neckischer Frisur, schon im Mieder, '.die Bluse in koketten Faltenwurf gezo.gen und die blühweitze Schürze um die .Hüften gelegt, das Haus verläßt, um beim Fleischhauer von dem galanten 'Aufhackknecht zu hören, daß das Fräulein Resi die schönste Köchin vom Grund ist, sie ist in den seltensten Fällen echtes Wiener Blut. Böhmen sendet alljährlich Hunderte von Mädchen -nach Wien, die zuerst als Mädchen für alles" recht bärpatzig und ungeschickt als Stütze der kleinen Hausfrau sich verdingen, um endlich nach einigen Jahren als anspruchsvolle Köchin im Meldezettel zu erscheinen. Wien leidet ebensosehr unterDienstboten- als unter Hausfrauen-.,g'frett." Die Wiener Hausfrau ist conservativ über alle MaH e n d l k r a m e r Z n. ztx; sie hat eine Scheu vor den g'studirten Köchinnen, die aus den Dienst-boten-und Kochschulen hervorgehen. Sie fürchtet deren Gescheidtheit und Gelehrsamkeit und sieht in so einer IZöchin gleich einen weiblichen, lateinischen Apotheker, den sie voll Miß--trauen betrachtet. Gute Köchinnen werden in Wien durchschnittlich mit 15 16 Gulden monatlich bezahlt, wozu noch ein tägliches Nachtmahlgeld Don 20 Kreuzern kommt. Und eine echte Wiener Köchin behält es sich vor. selbst einkaufen zu gehen, denn bei diesei Gelegenheit fallen ihr immer einige Äreuzer in den Schooß. die unter dem Namen Körberlgeld" zu den üblichen Sporteln des Wiener Dienstboten geHören. Eine Straßenfigur, Vn aus . dem Norden Ungarns, wo das Völkchen der Slowaken haust, aus dem Comitat Neutra nach Wien kommt, ist die HauZirerin mit roh geschnitztenHolzwaaren, rvelche an die Urformen barbarischer Spielwaaren erinnern. Ein eckiges ZZZferd, ein plumper Ochs, SchaukelOiänner befinden sich in ihrem Korb, und nebenbei giebt es wohl noch Löffel, -Quirle und ähnliche Holzschnitzwaaren Zur die Küche, die sie zum Kauf anbieten. Ihr Ruf: Kaste Spielelei, Äuchlöffel!" ist allbekannt. Es sind Zvohl so ziemlich die einzigen Worte, die sie aus der deutschen Sprache kennt, und schon die kleinen Kinder in ihrem Hetmathsdorf lernen sie in gleich unv5ifälschter Verfälschung. Gleichfalls aus Ungarn, doch aus tnm deutschen Theil desselben, aus der Wieselburger Gegend, kommt die Hendlkramerin, die in einer ganz eigenthümlich gebauten Steige ihre lebende oder auch todte Waare mit sich führt. Es ist das ein schöner Menschenschlag, der seinen ganz eigenthllmlichen Dialekt spricht und sich zumeist z vorübergehendem oder auch dauerniern Aufenthalt im Südwesten Wiens.

in dem Bezirk Meidling, niedergelassen hat, von wo einst ein nsch heute durch den direkten Straßenzug kenntlicher Weg der Stadt zuführt. Ein Theil dieses Weges heißt noch jetzt im Volksmund der Ganserlberg", und an der Stelle, wo sich einst die Raststation der das Geflügel einhertreibenden Heanzen", das Gasthaus zur Gans" befand, erhebt sich gegenwärtig die stattliche evangelische Kirche in Währing. Eine etwas seltener auftauchende ambulante Frauenfigur ist die Haustrerin mit Bürsten und Abstaubern. Auch sie ist keine Wienerin. Die Heimath dieser Straßenverkäuferin ist zumeist Steyr, wo noch heute in der Umgebung eine starke Bürstenbinderindustrie betrieben wird. Der schwarze Radi, der im stammverwandten, benachbarten Bayernland eine so große Rolle als Stimulanz für den Gaumen des Biertrinkers spielt, ist im Wiener Volk noch nicht recht heimisch. Jenseits der Donau, in der Leopoldstadt. hat er noch den meisten Anwerth. In den einstigen Vororten ist der Wiener ein Weintrinker geblieden und sucht gern die engen und traulichen Stuben aus, in denen man einen Guten" schenkt. Hier werden Nüsse und Mandeln oder ein ganz merkwürdiges Gebäck, die Korsikanerln", feilgeboten, die zum Wein besser munden wie der Rettich, den zur Saison eine niedliche Slowakin feilbietet. Wienerisch und aus dem Volk herausgesprungen ist die Lavendelsrau. Schon an ihrem Ruf hört man es, daß unverfälschtes Wiener Blut in den Adern der ältlichen Dame fließt. Die Melodie dieses Rufes ist uralt. Es ist immer derselbe Singsang, tiefrauschend, zum hohen Diskant aussteigend und mit einemSchrei endend. Kauft's Lavendel. Lavendel kauft's, zwa Kreuzer a Büscherl. Lavendel kauft's!" Die wohlriechende Blüthe ersetzt der Frau des kleinen Mannes das Wäscheparfllm, sie garnirt damit ihren Wäschekästen, legt die blauen Blumen zwischen die einzelnen Wäschestücke und heftet so den angenehmen Duft an den Kasten.

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Bürstenverkäuferin. Echter Wiener Vollblut ist auch die Frau vom Stand, die auf den großen Marktplätzen oder in den Markthallen Gemüse, Früchte und das Grünzeug für die Suppe feilbietet, und zumeist vererbt sich das Geschäft von Mutter auf Tochter. Dies beweisen in der einstigen Vorstadt Matzleinsdorf Familien, in denen seit hundert Jahren und darüber das Geschäft sich von Frau zu Frau vererbt. Das sind die Wiener Damen der Halle", wenn auch diese Halle in einzelnen Fällen als Decke den blauen Himmel trägt. Das ist die berühmte zungengeläufige WienerStandlerin, von der es heißt, daß sie Niemand an Schärfe des Ausdrucks in Wien zu übertreffen vermag. Allbekannt ist die Geschichte aus der Congreßzeit. Im Jahre 1815 wollte Kaiser Alexander von Rußland einmal eine solche Standlerin in ihrer vollen Glorie hören und sehen. Kaiser Franz selbst führte seinen Gast zu einer Hökerin, die vor dem Burgthor saß, und als der Zar ihre Waare etwas zu theuer fand, begann die Frau den knickerischen Geizhals mit einer Fluth von bösen Reden zu überschütten und erklärte, daß nur tk da drinnen" die Schuld tragen, wenn alles so theuer sei. Dabei machte sie eine nicht mißzuverstehende Gebärde gegen die HofLavendelfrau. bürg, deren Gäste sie als die Verursacher der Theuerung gemeint hatte. Kaiser Alexander nahm beim Diner Anlaß, auf die da drinnen" einen Toast auszubringen. Das ist das Wiener Standelweiö. In den Bezir-. ken haben sich als Parasiten und Aftermiethe? der Fleischhauer Gcmüsehändlerinnen festgesetzt, die ausschließlich aus den slowakischen Gegenden Ungarns stammen und zumeist auch ihre Tracht beibehalten haben. Fast jeder Fleischhauer hat seine Krowotin", die entweder im Laden selbst oder knapp vor demselben Grünzeug und Gemüse verkauft. Die Sammlerin alter Sonnen- und Regenschirme, die um billigen Preis neue Ueberzllge herstellt oder gegen ein kleines Aufgeld einen neuen Schirm

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verkauft, ist keine Hausirerin im eigentlichen Sinn des Wortes. Ihre Kundschaft besteht aus Stubenmädchen und Köchinnen, und sie hat wohl zumeist feste Kunden, die sie besucht und die ihr ein schlechtes und rechtes Auskommen gewähren.

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Dame vom Stand. Die Wiener Frauengestalten, die wir hier im Bild vorgeführt und geschildert haben,sie haben nichts zu thun mit dem alten, halbvergessenen Lied, das einst das vormärzliche Wien gesungen hat. Das heutige Wien hat ja überhaupt nichts mehr zu thun mit dem alten, gemüthlichen Wien, wie es noch in der Erinnerung der neuen Generation lebt. Es giebt schon ein neues Lied, in dem der Wiener klagt: Dieselben Gassen no. Dieselben Straßen no. Aber nimmermehr dieselben Leut'!" In der Gewerbeaus st el, lung. A.: Warum siehst Du denn stundenlang vor der großen Dampsmaschine? Komm' doch mit in die andern Abtheilungen!" V.: Nein, ich bleibe hier! Das ist das Einzige, was meine Frau nicht gekaust haben will!" Wink. Onkel: Meinem letzten Brief an Dick hatte ich einen Fünf - Markschein beigelegt!" Studiosus (auf Ferienbesuch): Ja Onkelchen ... ich war schon recht besorgt um Dich, weil Du nur noch folch schwaches Lebenszeichen von Dir gegeben!" Immer Geschäftsmann. Sie nehmen also die Worte, die Sie gebraucht haben, zurück?" Wie heißt zurücknehmen ich nehm' prinzipiell nichts Gebrauchtes zurück!" Seltene Raritäten. A.: Denke Dir, ich hab' gestern in einer Bude einen Ochsen gesehen mit sechs Beinen und zwei Köpfen und der lebt!" B.: Das ist gar nichts! Ich kenne einen reichen Mann, der hat X-Beine und gar keinen Kopf und der lebt auch!" AufderSchmiere. Director (regissirt die Probe): Himmelsapperment! Sie, Krause, wollen Sie Abends bei der Vorstellung auch mit dem Rücken voraus abgehen?" Liebhaber Krause: Wenn mir die Frau Directorin. die ich schon wiederholt dar!m gebeten habe, bis dorthin meine Salonhose nicht flickt, allerdings!" SüßeErinnerungen. Erinne?st Du Dich noch. Klara, als Dein Vater mich aus demHause schmeiben wollte?" Ja, Hans, und als meine Mutter mich nicht eine Minute aus den Augm ließ?" Und ich mir eine Kugel vor den Kopf schießen wollte?" Ja, und meine Eltern glaubten, ich würde vor Verzweiflung Gift. nehmen?" Ach, das waren noch schöne Zeiten!"

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Fukque. Das charakteristischste vegetabilische Product Mexicos ist Pulque. Nichts erregt die Aufmerksamkeit des Tourlsten in höherem Grade als die großen Magueypflanzungen in den Thälern von Apam und Cholula. Hier wird die Maguey, eine Agavengattung, ihres Saftes wegen cultivirt. Hier ist die Magueyplantage eine vegetabilische Quelle, welcher das Haupt- und Nationalgetränk Mexicos, der Pulque, entfließt. Man findet hier AgavenPflanzungen von 80 bis 100 Acres vor. Die Cultur der Pflanze verursacht dem Besitzer keine weitere Mühe als die, den Saft einzuheimsen und später die absterbenden Pflanzen zu entfernen. Es ist dabei ganz unnöthig, neue Magueys zu pflanzen, warten doch die Schößlinge der Mutterpflanze nur auf die Gelegenheit, ihre Kronen nach Entfernung der letzteren der Sonne entgegen zu strecken. Die zum Pulque benutzte Gattung der Maguey erreicht eine Höhe von 8 bis 10 Fuß und eine Ausdehnung von 10 bis 12 Fuß. Wenn vollständig ausgewachsen, was. je nach der Bodenbeschaffenheit, vom siebenten bis zum zwölften Jahre stattfindet, werden die sich bildenden Blätter immer kleiner, bis sie schließlich aufhören, hervor-

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J33ZäMKX Pulquesammeln. zuwachsen, und die Pflanze treibt einen gigantischen Blüthenschaft, welcher 20 Fuß in die Höhe schießen würde, wäre ihm das Wachsthum gestattet. Aber der Pflanzer weiß seinen Vortheil zu wahren. Er cultivirt die Magueys nicht als Zierpflanzen und giebt nichts um ihre Blüthen. Sobald die erste Knospe des Blüthenschaftes in der Formation begriffen ist, wird das Herz desselben schüsselförmig ausgeschnitten. In dieser Höhlung sammelt sich die dem Blüthenschaft Nahrung zuführende Pflanzenmilch. Nun wird von einem Vlattstück der Pflanze die grüne Haut abgeschält, die Mitte aufgeschlitzt und so über eines der anderen Blätter gesteckt, als Zeichen für den Flachiquero. daß er hier anhalten muß, um den Saft zu sammeln. Schon aus weiter Ferne kann man die in der Sonne glitzernde weiße Fiber des abgeschälten Blattes sfhen, und der Flachiquero kann ohne Zeitverlust von einer der so gezeichneter, Pflanze zur anderen gehen, auf seinem Rücken die zur Aufnähme d:sPulque bestimmteSchweinshaut, in seiner Hand den Weinheber", bestehend aus einem langhalsigen, aus Kürbis hergestelltem Gefäß mit zwei Oeffnungen. Die kleinere Oeffnung Pulquetransport. wird nun in die mit Pflanzenmilch gefüllte Höhlung geschoben, an der größeren aber saugt er die Luft aus, bis der atmosphärische Druck den Kürbis mit Saft gefüllt hat. Dieser wird nun sofort in die Schweinshaut gefüllt, und so geht es fort, bis alle Pflanzen entleert sind. Der Gesammtertrag einer Pflanze ist etwa 120 Gallonen und erstreckt sich über einen Zeltraum von zwei bis drei Monaten. Während dieser Zeit muß der Saft täglich zweibis dreimal gesammelt werden. Die Wunde wird durch eine fortgesetzte Entfernung der sich bildenden Haut aufgefrischt, damit der Saft ohne Hinderniß hervorquellen kann. Hört die Quelle endlich auf zu fließen, dann stirbt die Pflanze ab. das heißt sie vertrocknet. Die zolldicken Blätter werden nun entfernt und für industrielle Zwecke ausgebeutet. Man bereitet aus ihnen Badebürsten, zähes Papier, Matten und dergleichen. Der gesammelteSaft wird in derSchweinshaut einer Gährung unterworfen, die Pulquewirthschaft. sich in 24 Stunden vollzogen hat. Nunmehr ist er zum Pulque geworden, wird, verzapft und getrunken. Er sieht aus wie Buttermilch und schmeckt säuerlich, ist aber von größerer Consistenz und wirkt berauschend. Der Gesundheit ist Pulque sehr zuträglich und heilt namentlich Magen- und gierenBeschwerden in kurzer Zeit. Das Getränk hält sich nach der Gährung nur 24 Stunden, verdirbt dann, wird ungenießbar und darf nicht mehr verkaust werden. Die Eigenthümer der Pulquerias in der Stadt Mexico müssen die Fässer, in welchen sie Pulque aufbewahren, alle Morgen ausleeren. das heißt die übriggebliebene Pul-

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qixt in die Gosse gießen und die Fässer mit heißem Wasser ausbrühen. Hierauf werden sie von Neuem mit frischem Pulque gefüllt. Man kauft ein Glas Pulque für einen Cent; eine Flasche für drei Cents. Es ist des Mexicaners Nektar, ohne welchen er sich unglücklich fühlen würde. Durch Destilliren der Wurzel einer kleineren Magueygattung wird Mescal - Aloebranntwein, ein ungemein starkes, berauschendes Getränk, bereitet. Trumpf.

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Mann: Denke Dir, diesen Abend wollte sich in meiner Kneipe Jemand mit meinem Ueberzieher entfernen; ich erkannte ihn an den beiden Knöpfen, die vorn fehlen!" Frau (triumphirend): Wem hast Du das zu verdanken, daß die Knöpfe nicht angenäht waren?" Verschnappt. Da hast Du Dir wieder einen so schlecht sitzenden Ueberzieher angk schafft!" Ja, glaubst Du denn im Restaurant kriegt man ihn angemessen?" Gute Freundin. Elli, ich habe mich soeben verlobt." Ach, hast Du denn plötzlich so riesig viel Geld geerbt?" Eine Resolute. Nun, wie geht es mit dem Radeln, Fräulein Jda?" Ach, derfallen könnt' man sich, eh' Einer anbeißt!" Blitzableiter. Herr Nullerl (der immer pünktlich vom Wirthshaus heimkehrt, kommt ausnahmsweise Nachts 2 Uhr nach Hause): Ich bitt' Dich. Karlinchen, schimpf' mich nicht ich hab' Dir hier einen schönen, neuen Hut mitgebracht!" Fortschritt. Kocht Ihre junge Frau jetzt schon besser?" O, jetzt kann man schon ahnen was es sein soll." Das Zartgefühl anständiger Menschen ist für solche, die es nicht sind, in Capital, über das sie rücksichtslos verfügen. Eine gute Wirthschaft. Wirthin: Du, Sepp. schau a mal her. I glaub alleweil, i hab mi in d'r Flaschen geirrt. Js dös Cognac?" Wirth: Na. na, dös is Ameisenspiritus. Für wen soll's denn sein?" Wirthin: Für 'n Herrn Vürgermaster." Wirth: No, da machts nix, der hat eh scho sechse!

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Ale Schaucttöurg. An den Vorbergen des Odenwaldes, die sich zum Rhein abflachen, entlang zieht die altberllhmte Bergstraße" dahin, welche schon zur Karolingerzeit von Frankfurt a. M. in's Neckarthal führte, Seitenstraßen nach den alten Kaiserstädten Worms und Speyer zum Rhein hinabsendend. Die Bezeichnung Bergstraße" fiel ihr schon im Mittelalter zu und wurde auch damals schon auf das ganze Gelände angewandt, das sich zwischen Darmstadt und Heidelberg, dem Odenwald und dem Rhein ausdehni. Von wunderbarer Fruchtbarkeit ist dieser schöne Landstrich. Nußbäume und Edelkastanien gedeihen herrlich zwischen den Rebengärten und Laubwäldern, die mit ihrer grünen Pracht die Berge umhüllen, von denen malerische Burgtrümmer zum Rhein herniederschauen. Und die Burgen wie die vielen kleinen und großen Ortschaften an der Straße künden von einer Cultur, deren Ueberlieferung sich im glanzvollen Schimmer der deutschen Heldensage verliert. Ueber dies Gelände zogen die Burgunderkönige von Worms aus zur Jagd im Odenwald; hier plante der finstere Hagen Siegfried's Tod; nach dem Nibelungenlied war das Kloster Lorsch bei Worms eine Stiftung der Königin

5fs rL Die Schauenburg. Ute und die Grabstätte Siegfried's. Thatsächlich wurde Lorsch unter Philipp dem Kurzen gegründet. Karl der Große wohnte der Einweihung der prächtigen Klosterkirche durch den Erzbischof Lull von Mainz bei. Ludwig der Deutsche wandte dem Stift seine ganze besondere Gunst zu; er fand hier seine letzte Ruhestätte. So gelangten die Aebte von Lorsch im frühen Mittelalter zu seltener Macht, in fürstlicher Stellung herrschten sie über einen großen Landbesitz. Fast alle Burgen der Bergstadt, zu deren Trümmern jetzt der Naturfreund fröhlich wallfahrtet, wurden von ihnen errichtet, so die Starkenburg bei Heppenheim. die Windeck bei Weinheim, das Auerachcr Schloß, auch die Edlen von Handschuhsheim und von Schauenburg waren Burgmannen der Aebte von forsch. Doch in den Mainzer Erzbischöfen bekamen die letzteren allmählich übermächtige Rivalen. 1231 erhielt Erzbischof Siegfried von Mainz von Kaiser und Papst die Herrschaft über das Kloster und seinen Besitz übertragen. Doch auch Mainz konnte sich nicht lang' in Ruhe des umneidetenBesitzes freuen: die Pfalzgrafen bei Rhein machten ältere Ansprüche geltend; häufige Fehden entbrannten; um 1460 gewann Kurfürst Friedrich der Siegreiche von der Pfalz die Herrschaft Schauenburg, wobei die Burg in Trümmer gelegt ward. Dossenheim. In den Stürmen des dreißigjährigen Krieges, welche wiederholt über die Bergstraße brausten, ging dann das alte Kloster Lorsch zu Grunde. 1803, als das Erzstift Mainz säkularisirt ward, fiel dessen Besitz an der Bergstraße Hessen-Darmstadt zu, was die Kurpfalz noch von dem Landstrich besaß. kam dagegen an Baden. Das sind in Kürze die historischen Erinnerungen, welche ein Besuch der malerischen Trümmer heraufbeschwört, die heute noch von der Schauenburg vorhanden sind. Sie liegen über dem Dorf Dossenheim unweit Heidelberg auf einem südlichen Ausläufer des Oelbergs, dessen felsgekrönte Kuppe, der Edelstein", zum Neckar und weiterhin zum Rhein grüßt. Der Uebergang der altgermanischen Wallburg in die Feudalburg des 12. und 13 JahrHunderts läßt sich an diesen Mauerresten deutlich wahrnehmen. Ein altgermanischer kleinerer Ringwall gab den Grund zur Anlage der Burg, deren Lage unweit des Zusammenflusses von Rhein und Neckar von besonders wichtiger strategischer Bedeutung war. Das sauber gehalteneDorf Dossenheim liegt ungefähr gleich weit von Heidelberg und Weinheim, welche neben der hessischen Ludwigsbahn eine Straßenbahn verbindet. Für beide ob ihrer schönen Lage weitberühmten Städte bildet die Schauenburg einen beliebten Ausflugspunkt; nicht weniger für die hessischen Sommerfrischorte der Bergstraße. Heppenheim. Bensheim. Auerdach, Zwingenberg, Jugenheim. Seeheim, die von Frankfurt a. M. und Darmstadt aus so gern aufgesucht werden. Vereinfacht. Student A.: Ich habe gestern den Wein abgefüllt, den mir mein Onkel geschickt hat!" Student B.: Hattest Du denn Flaschen?" Student A.: Wozu, ich habe ihn gleich in meinen Magen gefüllt!"

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Das Courmachm. Zu den Courmachern pur excel lence gehörte Fürst Bismarck, der durch seine liebenswürdigen Eigenschaften und Umgangsformen dieFranzosen derart bezauberte, daß sie für ihn das Wort ckarrneur" ersandm, das von da ab an Stelle des frühe? gebräuchlichen courtisan" der officielle" Titel der Hof- und Courmacher wurde. Die Erfinders des Worters war keine andere als die Herzogin von Alba. Es war im Sommer des Jahres 1865. als Bismarck , damals preußischer Minister, zu Biarritz in seiner Urlaubszeit Erholung von den Mühsalen seines schweren Amtes suchte. Wenige Tage nach seiner Ankunft trQf auch Nopoleon III. mit seinem Hofe in dem südfranzösischen Badeorte ein. Und nun zeigte sich so recht, in wie hoher Gunst der frühere preußische Gesandte in Paris bei den Damen des Hofes stand; denn wo die Kaiserin Eugenie Bismarcks nur ansichtig wurde, ließ sie ihn zu sich kommen, führte ihn in den Kreis der Damen, wo er dann mit weltmännischer Gewandtheit so hinreißend liebenswürdig plauderte und "den Schönen in so bezaubernder Weise die Cour machte, daß die Herzogin von Alba, entzückt und hingerissen von der Galantcrie des sonst so strengen Diplomaten, ihm den Kosennamen I chur mein-" verlieh. Die bis auf den heutigen Tag gang und gäbe gebliebene Bezeichnung Couroder Hofmacher brachte die Sitte mit, die an den Fürstenhöfen zur Zeit des Mittelalters im Verkehr mit Damen üblichen Umgangsformen getreulich nachzuahmen. Heute versteht man unter 'dem Courmachen.das keinem Volke der Welt fremd ist. selbst von den Negern in Afrika oft sogar in zudringlichster Weise ausgeübt wird, eine Dame in Gesellschaft, auf einem Feste oder bei einem Spaziergange besonders auszuzeichnen und mit Geist und Witz auf die möglichst angenehme Art mit Rücksicht auf-Sitte und guten Ton zu unterhalten und ihre Zuneigung zu erlangen. Daß diese Kunst aber nicht leicht und keineswegs jedem angeboren ist, erkannte schon Albertus Sommer, Bürger und Notar zu Hamburg, der die erste gedruckte Anleitung zum Hofmachen 1662 unter dem Titel Der deutsche Anführer zu anmuthigen und zierlichen Conversationsgesprächen" herausgab und in derselben auch Belehrung betreffs Kleidung und Benehmens ertheilte. Natürlich muß es höchst komisch gewirkt haben, Jüngling und Jungfrau stch nach diesen gekünstelten und geschraubten Borschriften benehmen zu sehen. 'Kostspielig und beschwerlich war zu jener Zeit das Hofmachen in Oesterreich. Man durfte es sich nicht verdrießen lassen, allmorgendlich der Angebeteten mit Blumen aufzuwarten, sie zur Kirche zu begleiten, wieder nach Hause zu führen, knieend sie bei den Mahlzeiten zu bedienen, in ihrem Dienst völlig aufzugehen und sie mit Geschenken zu überhäufen. Ein Jahrhundert später fordert man in Frankreich von den Hofmachern nur Geist und Witz bei natürlichem und ungezwungenem Benehmen. Marquise dc Deffaud, eine berühmte Salondame, die ihres Geisiets wegen allgemein unter demNamen Madame Voltaire" bekannt war, war eine so begeisterte Freundin des Hofmachens, daß sie die Scheidung mit ihrem Gatten rückgängig machen wollte, wenn er ihr eine Zeit lang regelrecht die Cour machen würde. In voller Blüthe steht das Hosmachen heute unter der Bezeichnung llirt" in England. Auf keinem Balle, keiner größeren Gesellschaft dürfen die stirtation eorners(LtccCaerker) fehlen, und die sie bildenden spanischenWände gehören zu dem nothwendigsten Möbel" moderner englischer Säle. Diese Erker sind der begehrtest: Platz der flirtenden Paare vor oder nach dem Tanze, und keine Engländerin stört ihre Tochter, wenn sie sich von einem Gentleman" den Hof machen läßt. Ernste Gedanken an eine dereinstige Verbindung kommen der Lady aber iabei nicht; denn hat sie sich einige Jahre in der Rolle der Verehrten gefallen, heirathet sie gewöhnlich einen Mann, mit dem sie niemals geflirtet hat. Die Herkunft des' Wortes leiten die Meisten von fleari (schmeicheln) ab; es bedeutet also der Flirt die zu nichts verbindende Art und Weise des Courmachens, als deren größter Meister der Sonnenkönig Louis XIV. angesehen werden kann. Er vergaß seine königliche Würde allen Damen gegenüber, grüßte selbst die Hofdamen zuerst.ohne derenGruß erst abzuwarten. Das schwärmerische Courmachen pflegt man oft Süßholzraspeln zu nennen, boshafterweise; denn man verglich es mit dem Holzraspeln der Gefangenen und sah es als eine süße Strafarbeit an. Bei richtigem und ausdauerndem Courmachen wird der Erfolg nicht fehlen, der selten von dem Alter des Hofmachers abhängt. Seit jeher haben ältere Herren auf dem Gebiete des Hofmachens mehr geleistet als ihre jungen Nebenbuhler, weil sie nicht mit Befangenheit der Schönen gegenübertreten und in der Kunst, über alles zu sprechen durchs Leben gebildet sind. DonCastillejo. ein 80 - jähriger Greis, trug über einige junge Cavaliere den Sieg davon, als er sich mit ihnen auf einem Fest am Wiener Hofe um die Gunst einer schönen Gräfin bemühte. Der 75jährige Lord Peterborough feierte am Hofe Georgs I. beim Courmachen die größten Triumphe, undHerr von Iran ceuil galt noch bei seinen 70 Jahren als der feurigste Courmacher, er blieb, wie George Sand, seine Enkelin, schreibt, schon, elegant, anmuthig, fröhlich, liebenswürdig, liebevoll und aalant biö zur Todesstunde."