Indiana Tribüne, Volume 22, Number 354, Indianapolis, Marion County, 10 September 1899 — Page 3
per MuH.
Roman von K. Orth. (7. Fortsetzung.) Es kann sich für Dich doch nur damm handeln. Zeit zu gewinnen, und dazu findet sich schon ein Mittel Ja. wenn die Dinge noch ebenso lägen, wie unter seinem Vorgänger. Aber dieser Senor hat eine Geflogenheit eingeführt, die verteufelt unbequem für mich ist. Die La Plata-Bank nimmt seit dem Beginn seiner Amtsführung keinen größeren Wechsel mehr 75 Zahlung, ohne den Bezogenen sogleich davon in Kenntniß zu setzen. Mit dem alten Auskunftsmittel geht eZ also nicht mehr." ,llnd Du glaubst, daß er auch Dir gegenüber keine Ausnahme machen würde? Hegt er denn bereits Mißtrauen gegen Dich?" Senor del Vasco zog die Schultern in die Höhe. In seinem Benehmen verräth sich davon nichts. Manchmal aber möchte ich's dennoch beinahe glauden. Ich weiß, daß er Beziehungen zu diesem verwünschten Doctor Vidal unkerh'ält; da wäre es nicht gerade ein Wunder, wenn der ihm irgend einen Argwohn eingeflüstert hätte." Die Eenora versank für eine kleine Weile in Nachdenken, und die düstere Wolke auf ihrem Antlitz bewies, daß sie dabei zu keinem erfreulichen Ergebniß gekommen war. Brauchst Du denn das Geld, das Du Dir auf die neuen Wechsel verschaffen wolltest, so dringend, Manuel?" fragte sie endlich. Dringender, als ich je in meinem Leben einer Summe bedürfte. Denn ich brauche es für die Einlösung der beiden Papiere, die am Sonnabend dieser Woche fällig sind und die Benito Sunols Namen als den Bezogenen traczen." Was für Papiere sind das?" Du solltest Dich ihrer doch erinnern. Als Strahlendorf todt war und wir erfuhren, daß nicht Henninger, wie wir vorausgesetzt hatten, sondern ein neuer Mann, von dem wir noch nichts wußten, zu seinemNachfolger bestimmt sei, galt es natürlich, den Gefahren vorzubeugen, die mit der unvermeidlichen Revision für mich verbunden sein konnten. Es mußte für die Summe, die Strahlendorf mir nach und nach batte zufließen lassen, irgend eine Deckung geschaffen werden, und für diesen Zweck schienen die Wechsel des reichen Großkaufmannes trefflich geeignet." Ich verstehe. Benito Sunol selbst ahnt nichts von ihrer Existenz?" Manuel del Vasco nickte. So ist es. Und er würde wahrscheinlich große Augen machen, wenn man sie ihm am Fälligkeitstage zur Zahlung vorlegte. Daß dies um jeden Preis verhindert werden muß, siehst Du wohl ein." Freilich! Handelt es sich um eine große Summe?" Um eine zehnmal größere, als ich sie beschaffen könnte, selbst wenn ich alle Hilfsquellen ausschöpfte, die mir zu Gebote stehen." Was aber rieth Henninger Dir, zu thun?" Er wiederholte, was er mir von allem Anbeginn gesagt hat. Seine Meinung war ja von vornherein, daß wir den neuen Director genau so behandeln sollten wie seinen Vorgänger, und er machte es mir zum Vorwurf, daß Ihr beide, Du und Jsabella, bisHer viel zu wenig darauf bedacht gewesen wäret, ihn zu fesseln." Ein böses, höhnisches Lächeln zuckte um Donna Marias volle Livven. Ist er so ungeduldig. Dein kluger Freund? Kann er die Erfüllung des Wunsches gar nicht abwarten, daß auch dieser verhaßte Nivale ihm den Weg freigiebt?" Nun, daß ihm der gegenwärtige Zustand nicht besonders behaglich ist, läßt sich doch am Ende verstehen," meinte del Vasco gutmüthig. Er hatte mit Bestimmtheit darauf gerechnet, zu Strahlendorfs Nachfolger ernannt zu werden, und es traf ihn hart, daß er sich in dieser Zuversicht getäuscht sah. Wie vortrefflich er auch die Rolle des bescheidenen Untergebenen durchzuführen weiß, ich lese ihm doch oft genug xen verzehrenden Ingrimm über diese fatale Nothwendigkeit aus den Augen. Er ist von einem brennenden Ehrgeiz und einer unbezähmbaren Herrschtegierde erfüllt. Nichts ist ihm uneriräglicher als das Bewußtsein, einen anderen über sich zu haben und sich einem fremden Willen fügen zu müssen. Dieser Rodewaldt aber muß ihm vollends noch unbequemer sein, als es hundert andere vielleicht gewesen wä?en." Ich glaube es wohl. Mit diesem Gegner ist allerdings nicht so leicht fertig zu werden, als mit jenem anderen. Und die Berechnungen, die damals so ausgezeichnet zutrafen, werden ' "den schlauen Herrn Henninger diesmal .gründlich im Stich lassen." Es war ein so eigenthümlich spöttischer Klang in ihren Worten, daß del Äasco überrascht aufblickte. Was willst Du damit sagen. Maria? Es ist hoffentlich nicht Deine Absicht, Henningers Plan geflissentlich zu durchkreuzen?" Ob es meine Absicht ist? Ich hege keinen glühenderen Wunsch als den, 'die Anschläge dieses erbärmlichen Schleichers zu Schanden zu machen. Zu lange schon haben wir seine Tyranuei ertragen. Es ist hohe Zeit, sie endlich abzuschütteln." Don Manuels bestürzte Miene beKies, wie sehr ihn dieser leidenschaftlichcZornesausbruch überraschte. Aber Du vergissest, meine liebe Maria, daß Henninaer mich leider vollständig in seiner Hand hat. Er besitzt Schriftstücke von mir, die mich ttungZlos
compromittiren. Er kennt meine BeZiehungen zu der La Plata - Bank von ihren ersten Anfängen an bis in die kleinsten Einzelheiten. Und ich glaube nicht, daß er der Mann wäre, Schonung gegen seine Feinde zu üben." Nein, der Mann wäre er sicherlich nicht. Aber war er nicht bei allem Dein Rathgeber und damit auch Dein Mitschuldiger? Könnte er Dich denunzieren, ohne sich selbst preiszuge-den?-Daß er es könnte, ist eben die unzerreißbare Fessel, die mich an ihn binet. Er hat für seine Person niemals den allergeringsten Vortheil aus den kleinen Manipulationen gezogen, mit deren Hilfe ich mich auf Kosten der Bank hie und da aus einer Verlegenheit befreite. Er hat sich nie durch ein geschriebenes Wort bloßgestellt und sein Verhalten immer so eingerichtet, daß man ihm unbedingt Glauben schenken wird, wenn er alle Schuld auf Strahlendorf und mich abwälzt, indem er sich selbst als den Getäuschten hinstellt." Schlimm genug für Dich, wenn Du es nicht verstanden hast, Dir eine vortheilhaftere Stellung ihm gegenüber zu schaffen. Aber das ist doch wahrlich noch kein Grund, dieses schmachvolle Verhältnis bis in alle Ewigkeit fortbestehen zu lassen. Siehst Du denn nicht, daß Henninger Dich lediglich als Werkzeug benutzt für seine nichtswürdigen Plane? Er bediente sich Dei ner, um den schwachmüthigen Strahlendorf in jenes Netz von Schuld zu verstricken, dessen Maschen ihn endlich erwürgen mußten. Und er rechnet darauf, daß Du ihm nun in Bezug auf den gefährlicheren Rivalen denselben Dienst erzeigen wirst." Freilich, er bemüht sich ja kaum, mir ein Geheimniß daraus zu machen." Und wenn eZ gelänge? Wenn No dewaldt eines Tages denselben Weg gegangen wäre wie der andere wenn dieser kalte Intrigant sein Ziel erreicht hätte worin würde dann wohl sein Dank für Dich bestehen. Manuel? Müßte ihm nicht sein eigenes Interesse gebieten, sich des unbequemen Bundesgenossen so rasch und so gründlich als möglich zu entledigen?" Solche Befürchtungen sind mir natürlich auch schon gekommen. Aber ich meine, wir haben keinen Anlaß, uns deshalb schon heute zu beunruhigen. Wie geschickt auch Henniger das Spiel gemischt haben mag, die beste Karte halte ich doch einstweilen noch in der Hand." Donna Marias dunkle Augen streifien über sein lächelndes Antlitz hin mit einem Blick, darin viel mehr Groll und Verachtung, als Liebe und Zärtlichkeit zu lesen war. Und diese Karte heißt Jsabella. nicht wahr? Dein einziges Kind soll den Kaufpreis bilden, mit dem Du Dich schließlich aus der Knechtschaft dieses Elenden losmachst? Aber ihr täuscht Euch Beide Du und er. Jsabella verabscheut ihn wie ich. Nicht ihm zuliebe wie er glaubt sondern einzig auf meine Vorstellungen hin hat sie sich bis jetzt für seine Absichten mißbrauchen lassen. Aber ihre Willfährigkeit hat eine Grenze, und ich werde niemals dulden, daß man einen Zwang auf sie ausübt, um sie in die Arme dieses Elenden zu treiben." Das Lächelti war aus Don Manuels Zügen verschwunden. Er versuchte gar nicht, seine Betroffenheit zu verbergen. Ich verstehe Dich nicht, Maria! Du unterschätzest augenscheinlich die Gefahr, in der ich mich befinde. Da ich keine Möglichkeit sehe, die beiden Wechsel, die Benito Sunols Namen tragen, vor dem Fälligkeitstermin einzulösen, und da sie dem Manne unter keinen Umständen präsentirt werden dürfen, so bleibt mir kaum etwas anderes übrig, als mich Rodewaldt zu offenbaren. In unserem eigenen Interesse also, nicht bloß in dem des Prokuristen, müssen wir darauf bedacht sein, den jungen Mann noch vor dem verhängnißvollen Tage so fest mit uns zu verbinden, daß er nicht mehr daran denken darf, mich dem Staatsanwalt zu überliefern. Du könntest keinen unglücklicheren Augenblick wählen, Deiner Abneigung gegen Henninger nachzugeben, als gerade diesen." Du verstehst mich in der That nicht. Gewiß will ich Rodewaldt an uns fesseln, aber ich will nicht, daß es zu seinem Verderben geschehe. Jsabella liebt ihn ich weiß es, ohne daß sie es mir bisher gestanden hätte und sie soll ihn haben. Ich verhehle mir nicht, daß er leicht ein etwas unbequemer Schwiegersohn werden könnte, aber das Glück meines Kindes geht mir über alles andere. Und er wird sie glücklich machen, obwohl er viel weniger liebenswürdig und geschmeidig ist. als unsere Landsleute. Wenn dies Verlöbniß jetzt zu Stande kommt und es wird zu Stande kommen, ich verbürge mich Dir dafür so wird es auch zu einer Heirath führen. Nicht zu einem frivolen Bruch, wie damals, als Dein freund Henninger in einer eifersüchtigen Regung zu befürchten anfing, der arme Strahlendorf könne ihm bei Jsabella im Ernste gefährlich werden." Manuel del Vasco athmete auf. Ihm war es augenscheinlich nur darum zu thun, über die gegenwärtige Verlegenheit hinwegzukommen, und er war nicht der Mann, sich über die Beseitigung vonSchwierigkeiten, die in irgend einer fernen Zukunft auftauchen konnten, vorzeitig den Kopf zu zerbrechen. Wohl, meine theure Maria," sagte er, das sind Dinge, über die wir später reden können. Sei versichert, daß ich mich Deinen Plänen nicht widersetzen werde, wenn ihre Ausführung sich als möglich erweist. Aber ich bitte Dich dringend, jetzt keine Zeit mehr zu verlieren und Deinen ganzen Einfluß auf Jsabella geltend zu machen. Wenn sie fortfährt, den jungen Mann so kühl zu behandeln, wie es bei seinen letzten
Besuchen geschehen ist, so sieht es um meine Aussichten schlecht genug." Sie fühlt sich verletzt, weil er ein paarmal ohne Entschuldigung von unserer Tertulia fern geblieben ist, und weil er sein Benehmen gegen sie seit etwa einer Woche überhaupt merklich geändert hat. Es scheint, daß irgend eine andere ihre Netze nach ihm ausgeworfen hat, und da er ein auffallend schöner Mann ist, darf man sich kaum darüber wundern. Ader es hat keine Gefahr. Er ist in Jsabella verliebt, seitdem er sie tanzen sah. oder vielleicht schon seit dem Moment, da er sie zuerst erblickte. Bei einem Menschen seines Schlages verflackern solcheEmpfindungen nicht im Handumdrehen. Selbst wenn sie sich ein wenig abzukühlen scheinen, bedarf es nur eines Hauches, um sie wieder auflodern zu machen." Das sind Dinge, bei denen ich mich ganz auf Deinen weiblichen Scharfsinn verlasse. Jedenfalls ist es mir eine Beruhigung, zu wissen, daß wir auch in dieser wichtigen Angelegenheit eines Sinnes sind." Er hatte sich vorgebeugt, um ihre Hand zu küssen, und sie ließ es geschehen. Zugleich aber sagte sie in einem keineswegs zärtlich klingenden Tone: Vielleicht sind wir es weniger, als Du annimmst. Aber das ist jetzt gleichgiltig. Du erwähntest vorhin noch anderer Unannehmlichkeiten, die Dir widerfahren seien. Laß also hören!" Er strich sich durch das dichte, wellige Haar und eine sorgenvolle Falte erschien auf seiner sonst so glatten Stirn. Ich würde Dich gern damit verschonen, wenn ich nicht von Deiner Klugheit einen Rath erhoffte, den ich selbst mir im Augenblick trotz alles Nachdenkens noch nicht zu geben weiß. Du kennst unsere Vermögensverhältmsse zu gut, als daß ich Dir's erst sagen müßte, wie ricl der Ausgang von Eonchitas Proceß für uns bedeutet. Der Gedanke, jene Dokumente beiseite zu schaffen und die Erben des längst abgefundenen Theilhabers zur Anstrengung des Processes zu veranlassen, war ohne Zweifel eine so geniale Idee, wie sie nur Deinem klugen Kopfe entsprinzcn konnte." Donna Maria unterbrach ihn mit einer fast unmuthig abwehrendeaGeste. Vor kaum einer Viertelstunde noch fälltest Du ein ganz anderes Urtheil über den Werth meiner Rathschläge. Das eine berührt mich so wenig wie das andere. Aber weshalb sollen wir uns mit unnützen Redensarten aufhalten, jetzt, da Niemand zugegen ist, dem wir eine Komödie vorspielen müßten. Was also ist mit dem Proceß?" Wenn nicht noch ein Wunder geschieht. um das Verh'angniß abzuwenden, so wird Eonchita ihn gewinnen." Wie. sprichst Du im Ernst? War nicht alles im besten Zuge, und stand nicht die Entscheidung zu Gunsten der Kläger nach Deiner eigenen Versicherung unmittelbar bevor? Was hat sich jetzt ereignet, diese unglückliche Wendung herbeizuführen?" Etwas so Seltsames und Ueberras schendes, daß man nicht gerade ein Schwachkopf zu sein braucht, um darüber aus der Fassung zu gerathen. Wenn Ruiz Ortegas selbst aus seinem Grabe aufgestanden und bei mir erschienen wäre mit dem Erbieten, seine Rechtschaffenheit vor Gericht zu beweisen, so hätte mein Erstaunen kaum größer sein können, als beim Anblick dieses Pedro Alvarez, den ich für todt und begraben hielt." 'Kürzer, Manuel ich bitte Dich! Wer ist Pedro Alvarez? Und was hat er mit dem Proceß zu schaffen?" Er war ein paar Jahrzehnte hindurch Ruiz Ortegas' Sekretär, eine Art von Faktotum, vor dem es keine privaten und geschäftlichen Geheimnisse gab. Nachdem wir uns mit der unglücklichen Heirath meiner Schwester ausgesöhnt hatten, bin ich dem Menschen bei den Zusammenkünften mit meinem Schwager regelmäßig begegnet, und es muß wohl eine Art von instinktiver Vorahnung gewesen sein, die ihn mir schon damals über die Maßen widerwärtig machte. Du weißt ja, liebe Maria, daß diese Zusammenkünfte fast immer den Zweck hatten, diesen farbigen Parvenu zur Hergabe einesDarlehens zu bestimmen, und das Blut steigt mir noch jetzt zu Kopf,wenn ich an die Demüthigungen denke, denen ich mich damals aussetzen mußte. Dieser armselige Mischling, statt dankbar die Herablassung anzuerkennen, die ich ihm erzeigte, ersparte es mir nicht, das Geld in Gegenwart seines Untergebenen, eben dieses Alvarez, in Empfang zu nehmen, zugleich mit allerlei guten Rathschlägen über die Zweckmäßigkeit einer minder verschwenderischen Lebensfllhrung Rathschläge, die übngens mehr an Deine als an meine Adresse gerichtet waren." Die Lippen der Senora erzitterten. Ihre schwarzen Augen schienen noch dunkler geworden; ein harter, fast grausamer Zug verunstaltete ihr schones Gesicht. Weshalb erinnerst Du mich daran?" stieß sie zwischen den zusammengepreßten Zähnen hervor. Wenn ich dieses Mädchen mit meinen Händen tödten könnte, ich würde ihr damit nur einen winzigen Bruchthcil heimgezahlt haben, was ihre Sippschaft mir an Schmach und Kränkung angethan." Es thut mir leid, liebe Maria, wenn ich unangenehme Empfindungen in Dir wachgerufen habe. Ich erwähnte diese altenVorkommnisse nur. um Dich darüber aufzuklären, wer Pedro Alvarez ist. Er war. wie gesagt, meines Schwagers rechte Hand, und ich weiß bestimmt, daß er auch bei den Abfindungsverhandlungen zwischen Ortegas und seinem früheren Theilhaber eine wesentliche Rolle gespielt hat. Hätte ich nicht als völlig sicher angenommen, daß derMann längst todt sei, so würde ich mich auf die Proceßgeschichte schwerlich eingelassen haben." Wie kamst Du zu einer solchen An-
nähme, wenn doch, wie es scheint, der Mann noch am Leben ist?" Er war vor sieben oder acht Jahren in eine Verschwörung gegen den Präsidenten Roca verwickelt. Man hatte ihn verhaftet und kurzer Hand zum Tode verurtheilt. Nur den guten BeZiehungen meines Schwagers Ortegas und den eindringlichen Ueberredungskünsten seines Geldes gelang es, daö Schlimmste von seinem treuen Mitarbeiter abzuwenden. Man ließ den Gefangenen entwischen, und er gelangte glücklich in's Ausland. Ein einziges Mal nur hat er dann von sich hören lassen, und noch kurze Zeit vor seinem Tode gab mein Schwager seiner Ueberzeugung Ausdruck, der Flüchtling müsse in der Fremde zu Grunde gegangen sein, da er ihm, seinem langjährigen Freunde und Wohlthäter, sonst ohne allen Zweifel öfter ein Lebenszeichen gegeben-hätte." Und jetzt ist er zurückgekehrt?" Manuel del Vasco bejahte mit einem Seufzer. Gerade als mich Henninger verlassen hatte, platzte der Unglücksmensch mir wie eine Bombe in's Zimmer. -Er hätte wirklich gar keinen günstigeren Augenblick für seinErscheinen wählen können. Und dabei mußte ich obendrein das' lebhafteste Entzücken über seine unverhoffte Heimkehr erheucheln Warum mußtest Du das?" unterbrach ihn Donna Maria streng. Wäre ich an Deiner Stelle gewesen, ich hätte mir den Anschein gegeben, mich des Menschen nicht mehr zu erinnern." Das wäre kaum diplomatisch gewesen, theuerste Maria!. Der Mann hat ja eine Reise von hundert oder mehr Meilen lediglich zu dem Zweck unternommen, sich mir für Eonchitas Proceß als Zeugen zur Verfügung zu stellen. Ich zweifle keinen Augenblick, dan es das Teufelsmädchen selbst ge Wesen ist, die seinen Aufenthalt aus Irgend eine räthselhafte Weise aufgespürt und ihn hierher gerufen hat. Jedenfalls hatte er sie bereits gesprochen, ehe er zu mir kam, und wenn ich Eonchitas Mißtrauen nicht neue Nahrung zuführen wollte, durfte ich ihn nicht anders als freundlich und zuvorkammend empfangen." Mit alledcm geschieht Dir nur, was Du verdient hast. Warum schlugst Du meine Warnungen in den Wind? Lebte Eonchita hier in unserem Hause und unter meiner persönlichen Aufsicht, so würde sie nimmermehr eine Möglichkeit gefunden haben, hinter unserem Rücken derartige Geschichten anzuzetteln. Und Du wähnst, daß sie sich willig Deiner Aufsicht unterworfen hätte? Nein. Maria! Sie wäre entweder bei Nacht und Nebel davongegangen oder sie hätte irgend einen fatalen Skandal über uns heraufbeschworen. Bei der tiefen Abneigung, die sie uns von Anfang an ganz unverhohlen entgegenbrachte, war ihr mit Liebe und Sanftmuth nicht beizukommen, und Gewalt konnten wir doch am Ende nicht gegen sie anwenden." Der grausame Zug erschien wieder auf Donna Marias Gesicht, und nachdem sie ein paar Sekunden lang finster vor sich hingestarrt hatte, sagte sie mit gedämpfter, fast klangloser Stimme: Und warum konnten wir es nicht, Manuel? Weil Du ein Schwächling bist ein unentschlossener Zauderer, dem gerade im entscheidenden Augenblick immer der Muth zum Handeln verloren geht. Hättest Du sie statt zu den Dominikanerinnen, bei denen man ihr jede erdenkliche Freiheit läßt, an jenen Ort gebracht, den ich Dir vorschlug, so hätten wir heute nichts von ihrer Feindseligkeit und ihrer tückischen Rachsucht zu fürchten." Vielleicht hatte ich Unrecht. Deinem Rath nicht zu folgen, aber es wäre ein gefährliches Spiel gewesen, und ich hoffte, wir würden weiter kommen, wenn wir uns ihr und der Welt nur als die liebevollen Verwandten zeigten. Ich gebe zu, daß ich mich darin getäuscht habe, aber es hilft zu nichts, jetzt noch Betrachtungen darüber anzustellen. Was einmal versäumt worden ist. läßt sich leider nicht mehr nachholen." Und warum nicht? Kein anderes Wort ist mir so. in den Tod verhaßt, als das klägliche zu spät", die wohlfeile Entschuldigung aller Feiglinge. Und hier zumal wäre es sehr schlecht am Platze. Handelt eö sich doch einzig darum. Eonchita unauffällig dorthin zu schaffen, wo sie sich längst befinden sollte. Haben sich die Thore jenes Hauses erst einmal hinter ihr geschlossen, so dürfen wir ganz beruhigt darüber sein, daß sie sich ihr nicht eher wieder aufthun, als wir selbst es wünschen." Und wenn es ihr trotz aller Wachsamkeit gelänge, zu entfliehen? Man kann sie doch nicht mit Ketten an die Wand schließen wie eine Mörderin." O. wir dürften es getrost ihren Hüterinnen überlassen, die geeigneten Vorkehrungen zu treffen. Aber nicht davon ist jetzt die Rede, denn von heute auf morgen würden sich die nöthigen Vorbereitungen natürlich nicht treffen lassen. Jetzt gilt es zunächst, der Gefahr zu begegnen, die in der Person dieses Alvarez aufgetaucht ist. Du glaubst also, daß sein Zeugniß hinreichen würde, eine für Eonchita günstige Entscheidung des Gerichts herbeizufüh-ren?-Ohne Zweifel! Zwar sind die Geschäftsbücher meines Schwagers bei dem Brande, seines Hauses zu Grunde gegangen, aber Pedro Alvarez scheint über ein Gedächtniß von geradezu un-, heimlicher Zuverlässigkeit zu verfügen. Wenn er vor .Gericht unter seinem Eide alle die Einzelheiten vorbringt, die er in der kurzen Unterhaltung mit mir bereits aufgezählt hat, so wird man nicht umhin können, ihm Glauben zu schenken, um so mehr, als er ein Mann von einwandfreiem Rufe ist. Alles, was ich thun könnte, um die Entscheidung noch zu verzögern, wäre ein Versuch, auf Umwegen die Vertagung des
kereiks angesetzten nächsten Termines herbeizusühren. Aber abgesehen davon, daß damit nichts als ein wenig Zeit gewonnen wäre, wird Eonchita kaum eine derartige Verschleppung dulden. Es geschah offenbar auf ihr Betreiben, daß Alvarez mir seine Absicht aussprach, sich direkt an das Gericht zu wenden. Mit Mühe nur konnte ich ihn davon zurückhalten, indem ich auf den nahe bevorstehenden Termin hinwies. Wenn dieser jetzt aufgehoben wird, unter welchem Vorwande es auch immer sei, so wird meine mißtrauische Nichte darin nur einen Beweis für d;e Berechtigung ihres Argwohnes sehen. und Alvarez wird unbedenklich alles thun, was sie von ihm verlangt, denn er ginge für sie durch's Feuer." 5o muß er noch vor jenem Termine unschädlich gemacht werden. Sagtest Du nicht, er sei vor Jahren zum Tode verurtheilt worden?" Allerdings, aber nur wegen Betheiligung an einem Aufstande gegen den Präsidenten Roca. ?ai dem Tage, da sein Nachfolger den Präsidentensitz einnahm, hätte er selbst unbehelligt nach Argentinien zurückke .en können, wenn nicht eine allgemeine Amnestie für alle politischen Verbrecher ergangen wäre." Gleichviel! Da es die einzige Handhabe ist, um ihn aus dem Wege zu schaffen, so müssen wir uns ihrer bedienen. Du wirst Sorge tragen, daß man ihn noch heute verhaftet und ihm jede Möglichkeit abschneidet, sich aus dem Gefängniß heraus mit Eonchita in Verbindung zu setzen." Ich bewundere Deine Geistesgegenwart, liebe Maria, aber ich fürchte, es ist Unmögliches, was Du da von mir verlangst. Der Präsident behandelt mich in der letzten Zeit nicht mehr so wohlwollend wie früher. Und in diefern Augenblick ist er überdies von seinen eigenen Angelegenheiten zu sehr in Anspruch genommen, um den meinigen eine besondere Theilnahme zu widmen. Noch ist es ja keineswegs gewiß, daß es seinen Bemühungen gelingen wird, die Revolution zu verhindern." Donna Maria, die bis dahin trotz des erregten Tones der Unterhaltung in ihrer lässigen Stellung auf dem Ruhebett verharrt war. sprang jetzt plötzlich auf, und indem sie das Zei tungsblatt, das vorhin ihren Unwillen erregt hatte, zornig mit dem Fuße fortstieß, sagte sie: Er ist ein Schwächling wie Ihr alle, Ihr sogenannten Herren der Schöpfung! Nie wieder wird sich eine so günstige Gelegenheit bieten, wie gerade jetzt, mit seinen Feinden aufzuräumen und sich für lange Zeit Ruhe zu schaffen. Wenn er sie jetzt zum Losschlagen zwingt, sind sie unfehlbar verloren. Denn sie haben weder Geld noch Munition, und bis auf zwei oder drei unzufriedene Officiere. die für jede Revolution zu haben sein würden, besteht ihr Anhang nur aus großsprecherischen Hohlköpfen und hergelaufenem Gesindel. In einigen Monaten aber kann sich alles geändert haben. Wenn man erfährt, daß die Regierung ohne Ermächtigung von Seiten des Kongresses viele Millionen Pesos Papiergeld hat herstellen lassen, für das in den Kassen des Staates nicht die geringste Deckung vorhanden ist, und wenn die im Umlaufe befindlichen Banknoten daraufhin plötzlich ein Viertel oder die Hälfte des Werthes verlieren, so wird die Zahl der Mißvergnügten in's Ungemessene .wachsen, und die Gegner des Präsidenten werden dann ein leichtes Spiel haben. wenn nicht jetzt durch ein warnendes Strafgericht dafür gesorgt wird, sie mit Furcht zu erfüllen. Die Revolution mufe ausbrechen, so lange die Regierung noch im Stande ist, sie niederzuschlagen. und ihre Anstifter für immer unschädlich zu machen. Vergeblich habe ich mich seit Wochen bemüht, den Präsidenten davon zu überzeugen. Die heutige Morgenzeitung liefert den Beweis, daß er seine thörichte Versöhnungspolitik fortsetzt, und daß er die kostbare Gelegenheit ungenützt vorübergehen lassen wird, wenn man ihn nicht wider seinen Willen zwingt, sich ihrer zu bedienen." Während sie sprach, war sie in beständig wachsender, leidenschaftlicher Erregung auf und nieder gegangen, fo daß die Schleppe ihres weißen Hauskleides raschelnd über denTeppich fegte. Bewundernd halb und halb zaghaft blickte Senor Manuel del Vasco zu seiner energischen Lebensgefährtin auf. Wer könnte ihn dazu zwingen, Maria? Und wer dürfte eine so schwere Verantwortung auf sich nehmen, wie es die Verantwortung für einen Bürgerkrieg ist?" Donna Maria lachte kurz und höhnisch auf. Ihr werdet Euch so lange von Euren menschenfreundlichen Empfindungen leiten lassen, bis man Euch an die erste beste Mauer stellt, um mit einem Dutzend Kugeln Euer widersvenstiges Gewissen für immer zur Ruhe zu bringen. Die Verantwortung für einen Bürgerkrieg! Was für eine lächerliche Phrase das ist! Nun wohl, wenn Niemand sonst sie tragen will, ich fürchte mich nicht davor, sie aus mich zu nehmen Jetzt erhob sich auch dil Vasco in aufrichtiger Bestürzung. Du, Maria? Um des Himmels willen, ist das Dein Ernst? Du hast Deine Beziehungen zu Rodrigo Pena, dem Todfeinde des Präsidenten, also nicht aufgegeben, obwohl ich Dich inständig darum bat?" Nein, ich habe sie nicht aufgegeben, und freue mich dessen, denn da dieser Stümper von einem Revolutionär mich für seine Bundesgenossin und Gönnerin ansieht, halte ich die Fäden der ganzen Bewegung in der Hand. Ein Wort von mir, und der Aufstand bricht los." Und wenn Rodrigo Pena oder eine? der Seinigen Dich später als seine Helferin verräth?" Pah, er ist ein Caballero, der ehe stirbt, als daß er eine Frau preisgäbe. Unb selbst wenn das Geheimniß unse
rer Verbindung an den Tag käme was hätte ich zu fürchten? Es würöe mir nicht schwer fallen, den Präsidenten zu überzeugen, daß ich nur in seinem wohlverstandenen Interesse scheinbar mit seinen Gegnern conspirirte." Don Manuel schaittelte sorgenvoll das Haupt. Das ist ein gefährliches Beginnen. Maria; viel zu gefährlich in einem Lande, wo man während Politik scher Unruhen nicht viel Werth auf ein Menschenleben legt und kurzen Proceß mit denen ZU machen pflegt, die man für seine Widersacher hält." Sie trat dicht vor ihn hin. Ihre Nasenflügel bebten, und ein Klang von verhaltener Ungeduld war in ihrer Stimme, als sie erwiderte: Ja, verstehst Du denn nicht, daß wir gerade deshalb diese Revolution brauchen, daß wir sie jetzt brauchen in diesem Augenblick? Wenn man in unruhigen Zeiten kurzen Proceß mit seinen Widersachern macht, und wenn in solchen Zeiten ein Menschenleben mehr oder weniger nicht in'sGewicht fällt, so wird sich vielleicht auch für Dich Gelegenheit bieten. Dich dieses oder jenes unbequemen Bedrängers auf gute Art zu entledigen. Es kommt dann eben nur darauf an. diese Gelegenheit zu benutzen oder sie auch, wenn es Noth thut, auf die rechte Art herbeizuführen." Du denkst an Pedro Alvarez, Maria?" Vielleicht denke ich an ihn, vielleicht aber denke ich auch noch an andere, die mir widerwärtiger sind als er." Du bist ein geniales Weib, Maria! Äahrhaftig, ich kenne keine, die Dir gleicht. Ich bewundere Dich." Es war ohne Zweifel ein aufricht?ger Ausdruck seiner Gefühle, aber er wirkte auf Donna Maria durchaus nicht. Genug von diesen Auseinander seßungen!" sagte sie abweisend. Je weniger Worte über solche Dinge gemacht werden, desto besser ist es für ihr Gelingen. Sorge dafür, das Rode waldt morgen unsere Tertulia besucht für heute hat er sich ja leider bereits entschuldigt und laß dann alles übrige meine Sorge sein. Auch diesen Pedro Alvarez nehme ich zunächst auf mich. Ich werde noch vor dem Essen zu dem Präsidenten fahren, um den Haftbefehl zu erwirken." Manuel del Vasco wollte antworten, aber in dem nämlichen Moment öffnete sich die Thür, und Jsabellas Gestalt wurde zwischen den Vorhängen sichtbar. Sie kam eben zurecht, um zu sehen, wie ihr Vater seiner Gemahlin voll ritterlicher Artigkeit die Hand küßte, aber das spöttische Kräuseln ihrer Oberlippe verrieth, daß es nicht gerade ehrerbietige Empfindungen waren. welche dieser Anblick in ihrem kindlichen Herzen wachrief.
11. K a p i t e l. Die heutige Tertulia, zu der Senor Manuel del Vasco den Vankdirector so dringend eingeladen hatte, daß eine Ablehnung fast unmöglich gewesen wäre, war eine von jenen glänzenden Gesellschaften, wie sie nur in größeren Zwischenräumen an die Stelle der gewohnten zwanglosen Zusammenkünfte traten. Wieder war in den prächtigen Räumen eine große Anzahl bedeutender Persönlichkeiten versammelt, und auf den ersten Blick hätte der Eintretende wohl den Eindruck gewinnen müssen, daß die allgemeine Stimmung die einer sorglosen Heiterkeit sei. Bei näherer Beobachtung aber mußte man doch wahrnehmen, daß heute hie? nicht alles sei wie sonst. Eine gewine Unruhe, eine erwartungsvolle Spannung schien auf der ganzen Gesellschaft zu liegen, und nur um einen einzigen Gegenstand schien sich in all den verschiedenen Gruppen das Gespräch zu bewegen. Hier in leisem, behutsamem Flüsterton, dort mit echt südlicher Lebhaftigkeit wurde die herausfordernde Haltung erörtert, welche die dem Präsidenten feindlich gesinnte Presse in den letzten Tagen angenommen hatte, und man konnte die verschiedenartigsten Vermuthungen über die unmittelbar bevorstehenden Ereignisse hören. Der Präsident war heute nicht anwesend, und auch von den Ministern hatte sich nur ein einziger eingefunden, ein stattlicher Herr in Generalsuniform und mit einem unveränderlichen überlegenen Lächeln auf dem wohlgenährten Antlitz. Er nahm die Gefahr, von der die Regierung nach der Meinung eines großen Theiles der Anwesenden bedroht war, offenbar nicht ernst. Auf alle Fragen nach den Maßregeln, die man getroffen habe, um einem etwaigen Ausstände wirksam zu begegnen, hatte er immer dieselbe, zuversichtlich klingendeAntwort, daß man imStande sei,, jeden Versuch einer Revolution schon im Keime zu ersticken, und daß die Widersacher Seiner Excellenz geradezu wahnwitzig sein müßten, wenn sie es überhaupt bis zu einem für sie völlig aussichtslosen Straßenkampfe kommen ließen. Rodewaldt hatt: diesen politischen Gesprächen hie und da ein wenig gelauscht, da er aber überall nur dieselben allgemeinen Redensarten vernahm, aus denen sich ein klaresBild der Sachläge nicht gewinnen ließ, wurde er des Geschwätzes überdrüssig und wandte sich dem Musiksaale zu, der wie immer den Versammlungsort für die jüngeren Damen und ihre von den öffentlichen Angelegenheiten minder stark in Anspruch genommenen Verehrer bildete. (Fortsetzung folgt.) Modern. Vater: Söhäm' Dich.Elly, das ist nun schon das zweite Mal. daß Du in dieser Klasse sitzen bleibst." Ich bitt' Dich, Pa', sei nicht so gräßlich pedantisch, sorg' lieber für eine anständige Mitgift, damit ich später nicht sitzen bleibe."
Für dle Mcgc.
Geflugelpüree - Suppe. Zuthaten: ein halbes Pfund Geflügelfleisch, zwei geschälte Weißbrötchen, ein halbes Pint Milch zum Einweichen, fünf Eidotter, vier Löffel Sahne, drei Unzen Butter, iz Unzen Mehl, 2 Quart Bouillon aus Liebig's FleischExtract, Salz nach Geschmack, etwas Muskatnuß. Geflügelreste von Puter. Kapaun oder Huhn in angegebenem Gewicht werden von den Knochen losgeschnitten, von Haut und Sehnen befreit, mit den in Milch geweichten, ausgedrückten Weißbroten im Mörser feingestoßen, mit Salz, zwei Eidottern und der Sahne zu einem Brei verrührt uni durch ein Sieb gestrichen. Die kleingeschlagenen Knochen der Geflügelreste setzt man mit der Bouillon aus Liebig's Fleisch - Eztract auf's Feuer, kocht sie eine Stunde, seiht die Brühe durch und verdickt sie mit der von Butter und Mehl hergestellten Mehlschwitze, sie zuletzt mit den übrigen Eidottern abquirlend und mit dem Fleisch - Purce verrührend. Man servirt die mit Salz und sehr wenig griebener Muskatnuß mild abgeschmeckte Suppe über besonders gekochten Gries- oder Semmelllößchen. Rothe Rüben mii Bratr ö II ch t n. Man loche die wohlgewaschenen Rüben an die aber ja kein Messer kommen darf, weil sie sonst Farbe und Saft verlieren in reichlich Wasser halb weich, schäle sie und schneide sie in dünne Scheiben, thue sie dann in einen Topf, übergieße sie mit halb Essig, halb Wasser, so daß sie eben bedeckt sind, und lasse sie so 24 Stunden lang stehen. Dämpfe nun eine feingehackte Zwiebel in drei Unzen feingcschnittenem Speck, rosi einen Gfelöffel Mehl gelb darin und rühre es mit et was von der Brühe, worin die Rüben gelegen, zu einer seimigen Tunk:; schneide die Rübcnscheiben zu Vierteln, dämpfe sie in der Tunk? vollends gar und würze mit Salz. Pfeffer, Gewürznelken und ein wenig Zucker, ziehe sie mit saurem Rahm ab und gebe die Bratröllchen dazu. R a h m w a f f e l n. Man rühre abwechselnd und nach und nach sechs Eidotter, ein Pint dicken, saucrn Nahm, ein halbes Pfund Mehl und etwas Eitronenschale, gebe dann den sehr steifen Schnee von sechs Eiweißen und einen kleinen Guß Rum dazu und beginnesofort, ohne den Teig stehen zu lauen, mit dem Backen auf gelindem Feuer, am besten von Holzkohlen, zu schöner gelber Farbe, bestreue sie mit Zucker und Zimmet und gebe sie möglichst warm. Kalter Ehocolade- Pudding. Man koche ein Viertel Pfund gute Ehocolade mit ZZucker in 1A Pint Milch ziemlich steif, g:be vier Eidott:r und zehn Blättchen in ein wenig Wasser aufgelöste Gelatine hinein und schlage es wohl mit einem kleinen Besen oder der Schneeruthe, füge zuletzt den Schnee von vier Eiweißen hinzu, lat ihn eben mit durchkochen und fülle die Masse, aber erst wenn sie fast erkaltet ist, in eine mit Mandelöl bestrichene Ringform. Beim Anrichten wird der Pudding gestürzt und der leere Mittelräum mit Schlagsahne aus einem Pint Rahm, einem viertel Pfund gesiebten Zucker und einer halben Schote mit dem Zucker gestoßener Vanille gefüllt. Tomatoe-Butter. 20 Pfund reife Tomaten, 10 Pfund brauner Zucker. 2 Eßlöffel gemahlenen Zimmet, 2 Eßlöffel gemahlene Nelken. 2 Eßlöffel Allspice, 34 in Scheiben geschnittene Citronen und ein Quart guten Apfelessig. Die Tomaten werden geschält, zart zerdrückt und von allen harten Theilen befreit. Alle Zuthaten werden gemischt, dann in einen Einmachkessel gethan und 3 4 Stunden gekocht. Wenn sie erkaltet sind, thut man sie in Einmachgläser. Zwetschgenklöße. Man mache einen lockeren Nudelteig, rolle ihn nicht zu dünn aus und schneide viereckige Stückchen daraus, lege aus jedes eine frische, ausgesteinte Zwetschge, schlage die vier Ecken darüber und forme es mit beiden Händen zu runden Klößchen. Koche sie etwa fünf Minuten lang in gesalzenem Wasser, gebe sie auf eine Schüssel und bestreue sie mit in Butter geriebenem Weißbrot. (Ebenso auch von Aprikosen.) Jägerschnitzel. Man nimmt am besten das Kalbssilet, das man mit einem feuchten Tuch abreibt und in passende Schnitten theilt. Dieselben werden ein wenig geklopft, mit Salz und Butter bestreut und in einer Pfanne, in welcher Butter heiß gemacht wurde, auf starkem Feuer auf beiden Seiten rasch goldbraun gebraten. Vor dem Fertigwerden wird fein gewiegte Petersilie auf die Schnitzel gestreut und ein wenig mitgebraten; nun träufelt man noch etwas Citronensaft darauf und richtet mit dem gebratenenFett an. Als Beilage eignet sich Reis mit fein geschnittenem Schinken. T au b e n k o t e l e t t e n. Man schneide die Tauben der Länge nach durch, löse alle Knochen aus bis auf den oberen Theil des Schenkelknochens, den man durch eine in die untere Seite des Schlegels geschnittene Oesfnung steckt und so das Ansehen einer Koteleite giebt, die man mit der flachen Seite des Hackmessers ganz leicht klopft und mit Pfeffer und Salz würzt, in zerlassene Butter taucht, mit geriebenem Weißbrot bestreut und sie in einer flachen Pfanne mit heißer Butter rasch abbratet. Bratröllchen. Man hacke ein Hfnnh WinMfrifA nh in Kalbes m t r r Psuno royen !scymien fern, vermiß cye es mit feingehackten Zwiebeln' Petersilie, Salz, Pfeffer und drei Eiern und forme es zu kleinen, fingerlangen Röllchen, panire sie mit Ei und geriebenem Weißbrot und brate sie in Butt braun. , . . . .
