Indiana Tribüne, Volume 22, Number 346, Indianapolis, Marion County, 3 September 1899 — Page 7

Wie ich todt war. Humoreske von Albert Roderich. Die nachfolgende Geschichte hat mir mein freund Christoph Wimpelmann, der unter dem Pseudonym Heribert Orioso bekannte Romanschriftsteller, erzählt. Daß die Geschichte wahr ist, bat er mir bei dem Wohlergehen eines seiner entfernten Verwandten geschwon. von dem er eine Erbschaft von beinahe 800 Mark zu erwarten hat. Zweifel an der Wahrhaftigkeit seine: Erzählung wären also geradezu beleidigend. Ich will seine Mittheilungen möglichst wortgetreu wiedergeben. Also: Vor acht Tagen ging ich zu meinem Verleger, um ihn zu bitten, mir einen Vorschuß auf die zweite Auflage meines neuesten Romans Uebelriechende Blumen" zu gewähren. Der Mann ward noch gröber, als er es schon - gewöhnlich war. Ob ich denn just endlich vollständig verrückt geworden sei? Noch keine hundert Exemplare wären verkauft. Darauf drohte ich ihm mit Verhungern meinerseits. Schön," sagte er. seien Sie so freundlich. Dann gehen Ihre Bücher vielleicht besser. Uebrigens, Sie bringen mich da auf eine Idee. Sterben Sie doch wirklich mal ich meine' natürlich interimistisch verstehn Sie?" Ach." entgegnete ist, das ist ja ein ganz alter Witz. Ich habe neulich erst von einem Maler gelesen, der sich hat todt sagen lassen, um seine Bilder im Preise zu steigern." Ja," sagte mein Verleger, Sie müssen dann auf eine ganz originelle und sensationelle Weise sterben, dann zieht es noch. Geh'n Sie mal nach Hause und brüten Sie was aus." Ich ging nach Hause, brütete etwas aus und theilte es sofort meinem Verleger "mit. Na," sagte er, die Sache ist so dumm, daß das Publikum es wohl glauben wird. Ich will mal 50 Mark dran wagen. Nun reisen Sie also möglichst weit weg nach so'n kleinen Nest und setzen sich da ganz ruhig und still hin. Die Geschichte von Ihrem jammervollen Tod werd' ich schon in die Leitungen lanciren. Hier haben Sie 50 Mark Reisespesen und Vorschuß, und nu los!" Ich aß mich erst mal ordentlich satt für 90 Pfennig, kaufte mir einen wunderschönen, ganz hellen Sommeranzug für 18 Mark und fuhr vierter Klasse nach Grevenhausen. Dieser Ort liegt einsam und versteckt und hat im Winter 800 Einwohner, zur Zeit der Sommerfrische aber 850 bis 855. Ich gab mich im Gasthause Zum Willkomm" in Pension (3 Mark prcTag, aber ohn? Getränke) und schrieb mich m's Frem denbuch ein als Christoph Wimpelmann, Rentier". Das hatte ich immer schon gern mal sein wollen. Außer mir wohnten noch ungefähr 20 Personen im Willkomm", und es war da sehr gemüthlich und nett. Die ersten Tage hatte ich Ausflüge in die Umgegend gemacht, am dritten Tage saß ich zuerst an der Table d'hote. Mir zur Rechten saß eine junge Dame von ungefähr 30 Jahren. Sie hatte einen sehr großen Mund, aber es waren nur wenig Zähne darin. Sie ließ immer ihre Serviette fallen, die ich dann wieder aufhob. Beim fünften Male fragte ich die junge Dame, ob es nicht richtiger wäre, wenn i7q mrch unter denTisch setzte. Darauf stieß' mich die zu meiner Linken sitzende Mutter der jungen Dame, ffrau Müller, mit dem Ellbogen in die Seite und sagte zornig: Herr, compromittiren Sie meine Tochter nicht!" Mir gegenüber saß ein sehr bunt gekleideterHerr mit einem wunderschönen ffriseurladenschaufenstergesicht, der unaufhörlich von sich und seinen vielen Reisen erzählte. Er sagte, er hätte bis jetzt 41.000 Mark verreist, aber da sei der Aufenthalt in Grevenhausen noch nicht mitqerechnet. Beim Dessert zog er ein Zeitungsblatt aus der Tasche und las nach einer kleinen Einleitung das Folgende laut vor: EntsetzlicherTo.dau s E d e lmuth. ' v ' Es geht uns die Trauer! lindes zu, daß der berühmte Schriftsteller Heribert Orioso in einer Weise um's Leben gekommen ist, die seine zahlreichen Verehrer mit Grausen, aber auch mit Bewunderung erfüllen wird. Der große Romancier befand sich, auf einer Studienreise begriffen, an einer kleinen Eisenbahnstation, deren Namen wir im Interesse der sofort eingeleiteten Untersuchung noch verschweigen wollen. Der berühmte Dichter spazierte in der bereits eingebrochenen Dunkelheit des Abends auf dem Bahndamm, eine Eigarre rauchend und seinen Gedanken nachhängend. Da brauste aus der nächsten Biegung der Schnellzug heran. Ein namenloser Schrecken überfiel Orioso. Er sah. daß der Zug das un?ichtige Geleise befuhr und in wenigen Augenblicken die menschengefüllten Wagen zermalmen würde, die, zur Abfahrt bereit, im Bahnhof standen. Da sprang der edle Mann mitten auf den Damm. Mit wenigen hastigen Zügen blies er das Feuer seiner Cigarre hell an und schwang sie dann mit der Rechten im Kreise durch die Luft, so daß sie von Ferne wie ein sich schnell drehendcr Feuerring aussah. Der Führer des Schnellzuges bemerkte das Signal, bremste mit aller Kraft, und wenige Meter vor den menschengefüllten Wagen brachte er den Zug zum Stehen. Der gefeierte Schriftsteller aber, der edle Menschenfreund, der Retter aus ' Todesnoth, lag zermalmt, todt, gräßlich verstümmelt zwischen den Schienen des Bahndammes. Nachdem Herr Schnodde so hieß der buntgekleidete Mann seine Vorlesung beendet, gingen Ausrufe des Entsetzens, des Mitleids und der Schreckens durch die Gesellschaft.

Ach, meine Damen und Herren," sagte Herr Schnodde mit jbt?n Thränen erstickter Stimme, daS ist doch zu schrecklich! Und Yit ara Familie des edlen, erhabenen Menschen! Ich kenne sie; eine kranke Frau und sechs Kinder

und keinen Happen zum Essen! Da muß was geschehen! Herr Schnodde nahm einen Teller vom Tisch, sein Portemonnaie aus der Tasche und warf mit lautem Geklapper ein Zwanzigmarkstück auf den Teller. . So, meine Damen und Herren, das gebe ich für die unglückliche Familie des großen Dichters, der sein kostbares Leben im Dienste der Menschheit geopfert hat. Nun will ich mal sehn, was Sie geben, meine Damen und Herren." Damit gab er den Teller seinem Nachbarn und 'der warf zehn Mark hinein. Und so ging der Teller von Hand zu Hand und kam natürlich auch zu mir. Es ist gewiß erklärlich, daß ich ein wenig zögerte. Mein Herr," sagte ich zu meinem Gegenüber, wäre es nicht möglich, daß Sie sich in der Person des Herrn Qrioso irren? Ich glaube bestimmt und aus guter Quelle zu wissen, daß dieser Schriftsteller Junggeselle ist und niemals Frau und Kinder besessen hat." Da warf mir Herr Schnodde einen vernichtenden Blick zu. Mein Herr," sagte er, Ihre gute Quelle kann mir leid thun. Ich kenne den Herrn Orioso und seine Familie persönlich und habe die unglückliche Frau und die armen Kinder einige Male beinahe vom Hungertode errettet. Herr Orioso war ja gewiß ein edler und erhabener Mensch, aber Sie wissen ja, wie die Dichter sind die Hunderttausende, die er mit seinen Büchern verdient, hat er mit guten Freunden und schlechten Weibern verpraßt und seine -arme Familie hat er in Noth und Elend sitzen lassen." Da ward ich aber denn doch etwas ärgerlich und sagte: Wenn der Herr Orioso so ein Lump gewesen ist, dann geb' ich auch kein Geld für ihn her." Zwingen können wir Sie dazu natürlich nicht." entgegnete so von oben herab Herr Schnodde, aber ich meine, es ist nicht fein und nicht nobel, wenn man die arme Familie darunter leiden lassen will, daß der Mann ein Lump war." Nein, fein und nobel ist es nicht." sagte Einer vom andern Ende des Tisches. 'ne gute AuSrede!" rief ein Anderer. Na, so gut kann ich die Ausrede gerade nicht finden," sagte überlegen Herr Schnodde, wollen Sie nicht wenigstens den Teller weitergeben, Herr Wimpelmann?" Weil mich nunAlle so geringschätzend und verächtlich ansahen, nahm ich mein dünnes Portemonnaie heraus und opferte von meiner geringen Baarschaft ein Zehnmarkstück für meine mir unbekannte, unglückliche Wittwe mit den elenden sechs Kindern. Als der Teller an Herrn Schnodde zurückkam, zählte dieser 125 Mark. So," sagte er, mit dem Geld freu' ich mich ordentlich. Das schicke ich sofort der armen Frau ein." Wo wohnt sie denn?" fragte ich. In Berlin, Steglitzer Süafr." Orioso hat aber in Hannover gewohnt, das weiß ich ganz genau," sagte ich. Na ja, ganz richtig, er ist ja durch-, gegangen nach Hannover mit einer Choristin vom Neuen Theater." So'n Scheusal!" sagte Fräulein Müller. Ja." sagte Frau Müller, dann schadet ihm das auch nichts, daß er unter die Eisenbahn gekommen ist, nicht, Herr Wimpelmann?" Jetzt erhob sich ein junger Mann mit einem etwas runzeligen, aber sonst ganz glatten Gesicht und sagte sehr laut: Ich heiße Adalbert Bellevue." Dann machte er erst ein kleinePause, um die Wirkung dieser Worte nicht abz'uschwächen. Nach seinen Mienen zu urtheilen, war er ganz sicher, daß wir nun Alle wußten, wen wir vor uns hatten. Für die etwa in unserer Gesellschaft anwesenden Ignoranten fügte er noch hinzu: Erster Held und CharakterdarstelTer am Theater in Nothenhall." Dann äußerte er in einer umfangreichen Rede, daß man seiner Meinung nach sur die ungluclUchen Hintervlieoenen des Dichters ganz entschieden noch mehr thun müsse. Er schlage deswegen vor. eine Wohlthätigkeits - Vorstellung zu arrangiren. Um der guten Sache willen sei er bereit, einen Akt Don Carlos", einen Akt Richard IN." und einige andere eigene Dichtungen zu recitir'en. Der Vorschlag fand großen Beifall, und es meldeten sich gleich vier Damen.' die singen wollten, darunter auch Fräulein Müller. Ich äußerte nun die Meinung, cs wäre doch eigentlich sehr nett, wenn auch etwas von Heribert Orioso vorgetragen würde. Ich hätte ganz zufällig ein Novellenbuch von ihm in meinem Koffer. Das fanden denn auch Alle sehr nett. " Gleich am andern Tag war unter Leitung- des Herrn Bellevue Probe. Fräulein Müller sang mit dolchartig zugespitzter Stimme ein Lied mit dem Refrain: Du hast mir das Herz zerrissen." Dabei sah sie mich immer an, als wenn ich das gethan hätte. Ihre Mutter aber behauptete, ich hätte ihre Tochter immer so angesehen, daß alle Leute davon redeten. Ich hätte ihre Tochter conpromittirt, und das brauche sich kein Mädchen mit über 7000 Mark Miiqift gefallen zu lassen, wenn sie noch dazu so kochen könne wie ihre Alma. Und übermorgen käme ihr Mann, der sollte mir den Standpunkt schon klar machen. .Ich. pug. auch auf der Probe an. die Novelle zn lesen. Aber schon nach drei Sätzen fuhr mich der Schauspieler barsch an: .

Herr, nehmen Sie mir das nicht übel.' Sie lesen wie ein wahnsinniger Flickschuster. Sie haben ja nicht die Ahnung davon, was der Dichter gewollt hat. Lassen Sie nur, ich werde die Novellr selbst lesen." Zwei Tage später fand dann die Wohlthätigkeits - Vorstellung statt. Der Wirth hatte den Saal umnst hergegeben, und er war ziemlich oll. Herr Schnodde saß an der Kasse und nahm das Eintrittsgeld an. Etwas wollte er auch thun für das gute Werk, sagte er. Nachdem Fräulein Müller ihren Gefang beendigt hatte, setzte sie sich an meine Seite, und ihre Mama nahm hinter uns Platz. Herr Bellevue hatte meine Novelle zu Ende gelesen und machte jetzt eine Pause. Meine Novelle handelte von einem Liebespaar, das nicht vernnigt werden konnte, weil der Vater der jungen Dame mit seinem Fluche drohte. Die Familie des Jünglings war nämlich erblich mit Mondsucht belastet. Deswegen beschlossen die Liebenden zu sterben. Der Liebende wollte erst seine Geliebte und dann sich erschießen: in der Aufregung aber erschoß er aus Versehen zuerst sich selbst uttd konnte dann seinen Plan ja nicht mehr ausführen. Das Mädchen ärgerte sich furchtbar darüber und ging als Gouvernante nach Amerika. Herr Küpermeister Ringel aus Lübcck. der neben mir saß, sagte zu mir, nachdem die Novelle zu Ende gelesen war: Das ist ja ein ganz verrücktes Zeug. Der Kerl, der das gemacht hat, der is dummerhaftig. Und dann immerlos mit sein: erblich belast! So'n Kameel! Ich wollt, ich wär mit 'n paar Millionen erblich belastet!" Ich versuchte, 'den Mann über jene Velastungstheörie aufzuklären, aber er hörte gar nicht ordentlich zu und schimpfte immer weiter. Und für diesen wie heißt der Kerl man noch? für so'n Schafskopf soll man noch Geld hergeben?" 'Der Verfasser ist ja todt," belehrte Fräulein Müller, es ist ja für die arme Familie." Ach was," rief Herr Ringel, trenn eine so einen übergeschnappten Romanschreibe? heirathet, dann geschieht's ihr Recht und wenn sie mit zwölf Kindern hungert. Sagen Sie selbst, Fräulein Müller " Freilich," unterbrach diese, wenn ich das gewesen wäre, ich wäre nicht nach Amerika gegangen, so lange noch ein Schuß in der Pistole gewesen wäre. Nein, das ist nicht edel, das ist gemein." Aber mein liebes Fräulein", rief ich. Sie " .Herr," schrie jetzt Frau Müller dazwischen, Sie compromittiren meine Tochter. Wenn mein Mann heute kommt. . ha, da kommt ja mein Mann." Meine Blicke folgten den ihrigen zur Thüre. Ich fühlte mich kreidebleich werden. Da war eben Herr Müller, mein Schneider, eingetreten. Frau Müller und Tochter eilten auf ihn zu und sprachen heftig auf ihn ein. Ich hatte mich erhoben und näherte mich Vim M m ?. nnrt n Ct i -1 V.! V. 1

vvrn -t,iUiiuiiyi. jcU llUltil UIC Vlfcl auf nich zu. Was," sagte Herr Müller und sah mich durchbohrend an, diesen Mann meinst du, Frau? das soll'n Rentier sein, der von sein Geld lebt? der lebt von mein' Geld. Der ist mir noch drei Anzöge schuldig. Der kann unsere Tochter so viel com-com-comprimitti-ren.. wie er will. Herr, und Sie gehn in die Sommerfrische, Herr!" Ja und wirft.Zehnmarkstllcke auf'n Teller und geht in Wohlthätigkeitsvorstellungcn." rief empört Frau Müller. Was für Wohlthätigkcüs - Vorsiellungen?" Für einen Schriftsteller," sagte Fräulein Müller, für den bekannten " Halt," rief ich da in meiner Todesangst und riß mein Portemonnaie aus der Tasche. Hier. Herr Müller, bitte, nehmen Sie dies a Conto meiner Schuld. Ich lauf' ebeir auf mein Zimmer und hol' Ihnen den Resi." Und damit lief ich auch. Herr Schnodde saß noch an der Kasse und zählte das Geld. Ich stürzte auf ihn zu. Herr," rief ich, Sie sind ein Schwindler." . Was, Herr?" Jawohl, Heribert Orioso hat keine Frau und keine sechs Kinder und außerdem hat er keine unglückliche Wittwe, denn er ist gar nicht todt, und ich bin es selber." . Dann sind Sie ja ein Schwindler." Ja. wir sind beide Schwindler. Und nun geben Sie mir meine zehn Mark wieder, damit ich nach Hause reisen kann." Das hat er auch gethan. Als ich etwas befangen meinem Verleger wieder unter die Augen trat und ihn nach dem Erfolge unserer Kriegslist fragte, sagte er grimmig: Elf Exemplare sind verkauft. Aier es wird wohl jetzt besser werden. der Staatsanwalt M schon nach Ihnen gefragt." Einfältig. Dein fortwährendes Kränkeln muß aufhören. Du gehst heute noch zum Doktor Müller und läßt Dich untersuchen." Tochter: Aber, Papa, ich kann doch nicht zum Doktor Müller gehen, der ist ja ein Frauenarzt." Vater: Gerade deshalb, weil er Frauenarzt ist, sollst Du zu ihm gehen." Tochter: Aber, Papa, wie kann ich denn zu einem Frauenarzt gehen ich bin ja noch gar nicht verheirathet." Entsprechend. Thierarzi: Wie geht es denn Ihrer Sau, die ich neulich in Behandlung hatte?" Bauer: Danke, die fühlt sich jetzt wieder sauwohl." VieleDummheiten muß man machen, um einzusehen, daß die letzte nicht die letzte war.

Ein glückliches paar. Von Alfred Hedenstjerne. Ja, es giebt wunderliche Menschen," erzählte mir die alte Kochfrau, Mcnschen, die ein so glückliches Gemüth haden. daß sie in allen LebenSverhält nisten froh und vergnügt bleiben." Eines Tages sitze ich hier in meinem

Zimmer es kann wohl schon sieben Jahre her sein da hält drunten vor der Thür eine Equipage mit kräftigen Rappen, aus der ein nettes, junges Frauchen herausspringen wollte. Aber der neben ihr sitzende Herr, ein schöner, stattlicher Mann schlang den Arm um sie und küßte, sie wiederholt. Nun wohne ich hier zwar in einer stillen Straße, aber dennoch. Ich will unterdessen ein wenig im Park promeniren," sagte er; Johann mag mit den Pferden dort unter den Kastanien warten." Sie nickte und kam zu mir in's Zimmer gesprungen und erzählte mir in einem Athem, daß sie die Frau des Ingenieurs Elfind auf Bergahof sei und nächste Woche eine Gesellschaft geben wolle, zu der ich herüberkommen müßte. Bergahof sei nur eine halbe Meile cntfernt und alles sollte mir möglichst bequem gemacht werden. Sie hätte ge hört, daß ich so perfekt in meinem Fache sei und freue sich sehr, daß ich so freundlich aussehe. Hoffentlich sei ich nicht verhindert, hinaus zu kommen. Das Diner sollte fein und üppig wer den; auch möchte ich gleich zwei Diener miethen, sie kenne keine etc. Als sie so plapperte und lachte und mich auf die Schulter klopfte und im Zimmer herumhüpfte, war es gerade so, als sei die Sonne drin aufgegangen und eine ganze Schaar Singvögel hineingcflattert. Es hieß, ihr Mann sei ganz närrisch in sie verliebt, aber wie hätte er auch anders können? Und wäre ich für denselben Tag schon beim Bür germeister versagt gewesen, so wäre ich doch nach Bergahof gegangen, denn solch ein liebes Weibchen habe ich mein Lebtag nicht gesehen. Wir sprachen etwa zwanzig Minuten miteinander, doch ehe wir noch fertig waren, kam schon der Herr Gemahl und that, als ob er zum mindesten aus Australien zurückkam und sie schon drei Jahre nicht gesehen hätte, obwohl sie damals bereits sieben Jabre verheira thet waren. Und als sie dann wieder fortfuhren, umarmte er sie, und es war mir, . als hinterließ der Wagen einen Etrahlenschein von Licht, Freude und Liebe. In der ganzen Stadt gab es niemand, der das Elflindische Paar nicht gern hatte, doch auch niemand, der bei Erwähnung ihres Namens nicht die Achseln gezuckt und gelächelt hätte. Sehen Sie, das hing mit ihun Angelegcnhei ten zusammen. Jedermann sagte, sie seien wie ein paar Kinder und verstän den nicht hauszuhalten, sondern trieben mit all' ihrem Küsten, Scherzen und Lachen einem sicheren Untergange cnt gegen. Als ich am bestimmten Tage in Berga Hof anlangte, war das Frauchen o glückselig über ihre fünfhundert Lam pions im Garten und all' die anderen vorbereiteten Überraschungen, daß sie mir jubelnd um den Hals fiel. Auf den Feldern stand das Korn schrecklich, und eines der Dienstmädchen sagte mir, daß sie vierzehn Pferde, doch nur vier Kühe hätten. Es war ein sehr fideles Fest, natür lich ein Diner, doch die Fröhlichkeit ließ nicht, wie gewöhnlich, bis zum Eham pagner auf sich warten, sondern alle waren bereits bei ihrer Ankunft in animirtester Stimmung. Der Ingenieur und seine Frau standen draußen auf der Freitreppe und empfingen dort ihre Gäste, nicht im Salon, wie es sonst bei vornehmen Leuten Sitte ist, und beide strahlten vor Glück und ersannen immer wieder neue Annehmlichkeiten und Ueberraschungen für ihre Gäste. Und der Ingenieur hielt bei Tafel eine Rede nach der anderen, nicht solche langweiligen Salbadereien, wie sie hier in der Stadt üblich sind, sondern schrecklich spaßige Toaste, sodaß die Gäste sich beinahe todtlachcn, und ich in einem Haar die Wildsauce hätte anbrennen lassen, weil ich eö nicht lassen konnte, im Anrichtezimmer zu lauschen, so wenig ich mir auch sonst auS Toasten und dergleichen Redereien mache. Dreimal kamen sie, der Ingenieur und seine Frau, in das Borrathszimmer, um sich, wie ein paar Brautleute, schnell einmal abzuküssen. Aber als die Gesellschaft sich nach aufgehobener Tafel im Garten zerstreute, wohin nach dem Kaffee sogleich wieder eine große Bowle gebr achtwurde, hörten wir einen Wagen hcranrollen, der aber nicht vor der Veranda, son dern vor dem Kuhstall hielt, und als das Kammermädchen hinaus eilte, um zu sehen, wer da angekommen war, kehrte sie mit feucrrothem Gesicht zurück und sagte zur Köchin: Um Gotteswillen, welch' ein Elend! Ta sind sie schon wieder!" Wahrhastig? Ach, die armen Herrschzsten! Und das gerade heute!" ver setzte die Köchin, die gleich zu wissen schien, wermlt diesem sie" gemeint war. Tann holte eines der Mädchen den Ingenieur, der im selben Augenblick den Salon betrat, als der Genchtsvoll. ziehcr und noch ein Herr, den jener als Zeuge mitgebracht, durch die andere Tbür hinein kamen. Ter Ingenieur war natürlich ein Bischen bleich, doch lächelnd streckte er dem Gerichtsvollzieher die Hand entgegen und hieß ihn willkommen. . Ich konnte nicht umhin, durch die Thüre dcS Anrichtezimmers zu gucken und zu lauschen, so häßlich das auch ist. Willkommen zu sein darf ich leider nicht hoffen," sagte der Gerichtsvoklzieher. Es ist mir sehr peinlich, daß ich just heute kommen muß, wo Sie Gäste haben. Vielleicht würde es Jh nen morsen besser passen .....?"

Bewahre, bewahre, mein Herr. ES ist nur schade, daß Sie erst jetzt kommen, nun wir das Diner hinter uns haben. Aber man muß das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Sie kommen gewiß wegen der Forderung von Bergmann & Eo., für Saatkorn, nicht wahr?" Jawohl, 541 Gulden Kosten."

Wetter, wo sollen wir das heute hernehmen? Tiefer schöne Flügel hier hat mich 800 Gulden gekostet. Würde der genügen? Ich fürchte, nein." Nun, dann ist hier noch das Büffet. Ein Kunstwerk! Es hat 350 Gulden aekostet. Alle Teufel! Noch nicht aenug? ie scheinen ja heute unersättlich. Na, dann nehmen Sie nur noch ein paar von diesen Gemälden dazu; es ist keines darunter, das nicht mindestens 150 Gulden aekostet hat. Einen Augen--blick leuchte einmal, Lina!" Es thut mir wirklich schrecklich leid . .. hm "sagte der Beamte in sichtlicher Verlegenheit. Ueber Alles die Pflicht! Tarf ich Sie ersuchen, die Siegel ein bischen diskret anzubringen?" Nun wurden die verschiedenen Gegenstände nacheinander mit dem gerichtlichen Siegel versehen. Soeben drehte der Ingenieur den Flügel, an dessen Rückseite das Siegel angebracht worden, wieder der Wand zu, als seine Frau, ein wenig beunruhigt, ins Zimmer trat. N Was machst Tu denn hier, Röbie?" Garnichts, Mäuschen. Der Herr Gerichtsvollzieher wollte sich einmal unser Instrument ansehen. Vielleicht will er seiner Tochter ein solches anschaffen?" entgegnete ihr Mann. Doch ein vielsagender Blick, den Mann und Frau wechselten, verrieth mir, daß sie alles begriffe. Wie, meine Herren, Sie wollen schon wieder fort? Daraus wird nichts. Erst die Pflicht und dann das Vergnü gen. Hier hinein, wenn ich bitten darf, meine Herren " Und er nahm den Gerichtsvollzieher unter den Arm und brachte ihn in den Garten zu der fröhlichen Gesellschaft. Eine Weile darauf zog die junge Frau den Ingenieur mit glühenden Wangen in das Anrichtczimmer. wo es schon so dämmerig war, daß sie mich nicht bemerkten. Um Gotteswillen, Robert, welch ein Unglück!" Ach was, Kind, sei nur nicht bange! Eine ganz alltägliche Sache, Liebling. Ich versichere Dich, daß sehr viele Leute ihre Zahlungen prinzipiell auf diese Weise, durch Vermittelung dieses gemüthlichen Menschen, erledigen. Man erlangt dann viel sicherer die nöthigen Quittungen." Bist Du wirklich nicht böse, Ro bert?" Wer eine Frau wie Dich hat und böse ist, müßte ein Rhinozeros sein. Und hältst Du Deinen Rodic etwa für ein Rhinozeros, Liebling?" Da lachten sie und küßten sich. Die Gäste blieben auch noch zum Souper. Einmal, als einer der Diener ein Tablett hineintrug und die Thüre ein Ende offen ließ, hörte ich die fröhliche Stimme des Ingenieurs: und während wir uns hier amüsirten, erfüllte unser lctzterschiencner Gast in unserer Nähe eine harte Pflicht, aber ich war so glücklich, im Vorübergehen Beschlag auf ihn zu legen und ersuche daher die geehrte Gesellschaft, in diesem Augenblicke, den eine gnädige Vorsehung zu gemeinsamer Freude gestempelt hat, unseren Willkommensgruß durch ein Hoch" auf den Herrn Gerichtsvollzieher zu besiegeln!" Eine Weile später rief der Ingenieur seiner Frau, die soeben bei uns war, um nachzusehen, ob wir auch unseren Antheil am Festmahl erhalten, zu: Komm einen Augenblick an den Flügel, Viola. Ich habe soeben gehört, daß Herr Wallisz ein ausgezeichneter Gluntarsänger ist. Stellen Sie sich in Positur, Herr Wallisz. ich selbst werde die Parthie des Magisters singen." So schön hatte der Flügel noch nie geklungen. Als die Gäste fort waren, ließ der Ingenieur sich auf dem Kanapee in der Veranda nieder und zog seine Frau auf seinen Schoß. Welch köstlicher Abend, Viola!" Ja, und welch herrlicher Tag! Alles war so gelungen. Weißt Tu, der Gerichtsvollzieher ist ein recht gemuthlicher Mensch. Lina muß gut acht geben, daß sie die Siegel nicht be schädigt. Wie lange werden die eigentlich darauf bleiben müssen, Liebling?Bis Robie wieder Geld hat." , Und wird das bald der Fall sein?" Wer die kleine Viola zur Frau be kommen, der hat die Zeitrechnung verloren." Ja, sie waren immer ein paar Eulenküken, aber glücklichere Menschen sind mir nimmer vorgekommen," schloß die alte Kochfrau ihre Mittheilungen. Und was ist schließlich aus ihnen geworden?" fragte ich. Mit der Guts herrspielerei wird es wohl bald aus ge vesen sein Ach ja, der Herr Gerichtsvollzieher machte so viel Visiten, daß sie nach zwei Jabren all ihr Hab und Gut los waren. Aber das thut nichts, denn, icfc hat er in der Hauptstadt eine gute An stellung. und sie sind glücklicher als zuvor. ganz wie ein frisch verlobtes Paar, sagt meine Tochter die sie auf der AuSstellung gesehen. Das a l t e E o n t o. Fräulein: Nun. haben Herr Lieutenant in Ostende recht viele Eroberungen gemacht?" Lieutenant: Nein, die Damen, d da waren, liebten mich bereits alle von früher her!" Schofel. Hungerkünstler : Ich möchte in 'Ihrem Panoptikum eine vierwöcheniliche Hungervorstellung geben; was zahlen Sie Honorar?" Pancptikumbesitzer: Hm! Werd' ich Ihnen geben freie Ko."

Losen. Won Gisela Schmoll.' Rosen, holde, duftige Blumengrüße, ihr frohen Beweise einer gütigen, un endlichen, göttlichen Schöpferkraft, wel che die Erde geschaffen und ihre Erzeugnisse, zur Freude der Menschheit, zum Zeichen der Hoffnung, des Lebens, der Lust! Rosen. Ihr lieblichen Boten der reinsten Farbe, Herolde der duftigsten Töne, der zartesten Gerüche! Welcher Menschensinn bliebe unem pfänglich gegen euren Zauber? Rosen! Treifte, zudringliche junge Mädchen hielten Rosen auf der Straße feil, streckten sie den Vorübergehenden entgegen, steckten sie denselben förmlich unter die Nase. Die jungen Mädchen machten in der That auch gute Geschäfte. Von den Worten Schöner, junger Herr" geschmeichelt, ließ sich mancher Mann, der wirklich schon nicht mehr schön und auch nicht mehr jung war, verleiten, ein Sträußchen zu kaufen, und auch man cher Gatte wurde damit zur unfreiwilligen Galanterie genöthigt, für seine der Rosenzeit entwachsene Begleiterin ein Bouquet zu erstehen. Rosen, schöne Rosen," scholl es an's Ohr Anton Hallner's, bitte, kaufen Sie, gnädiger Herr." Es war eine klagende Stimme, von der diese Worte drangen, und die Besiherin derselben selbst war über die Blüthezeit längst hinaus. Was sollte der vergrämte Junggeselle mit den Blumen; er wußte Niemanden, wem er sie geben sollte. Und er selbst, der Vierzigjährige, war schon lange nicht mehr so eitel, sich mit Blu-

men zu schmucken. Für ihn, den einsamen Hagestolz, den kleinen Beamten, waren die Tage der Liebe, der Eitelkeit, vorüber. So dachte Hallner und er bcschleunigte seine Schritte. Und trotzdem verfolgte ihn der Ruf der alten Frau: Rosen! Wie eine Bitte, wie eine Beschwörung klangen diese Worte, und der Blick der Alten, dem Hallner's Auge eben begegnete, war eilt tief trauriger. Rosen, gnädiger Herr, nur fünf Kreuzer das Büschchen", flehte die Alte. Fünf Kreuzer! Die jungen Mädchen, die ihre Körbe längst geleert hatten, und nun scherzend nach Hause gegangen waren, hatten, wie Hallner wohl beobachtete, zehn Kreuzer verlangt und erhalten. Die Alte aber, die den Korb noch ganz voll hatte, bot die Blumen um so viel billiger. ES war sörmlich ein wohlthätiges Werk, die alte Frau, der man aus Kleidung. Haltung und Miene, die Noth ansah, mit einer so geringen Summe zu unterstützen. Und so zog Hallner die Börse und warf der Bittenden das Zehnheller-Stück in den Korb, um dafür ein Sträußchen Rosen m Empfang zu nehmen. Eigenthümliche Gedanken beschlichen sein Herz. Zarter Wohlgeruch quoll in zarten Strahlen ihm entgegen. Wie ein Gruß der Vergangenheit, wie ein Traum der Zukunft stieg es aus den Blumen hervor. Der schönen Zeit gedachte er, wo er selbst noch Blumen acpflückt, wo er mit seiner Geliebten im Walde lustwandelte, ihr den ersten Strauß geschenkt und den ersten Kuß der Liebe als Preis dafür erhalten hatte. Der Traum verrauschte, der Duft verflog. Die Blumen welken, die Liebe log." So im Stimmungswechsel diesen trüben Gedanken dahingegeben, achtete er nicht mehr der Blumen, die er in der Hand hielt, sie entglitten seinen Fingern. Er war schon einige Schritte weiter gegangen, ehe er es bemerkte. Er bückte sich fand aber Nichts, und so wandteer sich um, den Heimweg weiter zu schreiten. Ta sah er, wie ein Mädchen sich eben falls nach dem Strauße gebückt, und ihn auch schon aufgehoben hatte. Sie war nicht mehr jung und ihre Kleidung ließ erkennen, daß auch sie nichts weniger als reich war. Aus ihrer ganzen Haltung und Art sprach aber eme rüh rende Sanftmuthund Bescheidenheit. Als sie Hallner erblickte, gerieth sie in eine Verlegenheit, die sie erröthcn ließ. Stammelnd um Entschuldigung bittend, beeilte sie sich, mit verworrenem Lächeln Hallner das Sträußchen zurückzugeben. Dabei hatte es, ganz unabsichtlich von ihrer Seite den Anschein, als ob sie dem Mann aus eigenem Antriebe ei nen Blumenstrauß überreichen würde. Wenigstens Hallner suhlte sich hievon so eigenthümlich berührt, daß er ihr dankte. Ein Mädchen, das einem Manne Blumen gibt, das ist ja immer eine Art von Kundgebung, daß sie ihm gut ist. Täuschte ihn ein schöner Wahn? War es nicht wirtliche Güte und Freundschaft, die aus den Augen des Mädchens ihm entgegcnleuchtete. Sprach aus dem sanften Blick der schönen Augen, aus dem zarten Lächeln des Mundes nicht ein gutes Menschenherz? Sagte nicht all' ihr Mimen, ihr ganzes Aussehen, das ganze Wcscn dieses Mädchens, daß ihre Besitzerin geneigt sei, Trost zu spen den. Liebe zu schenken, weil sie selbst Trost und Llcde gesucht'und wohl nccy nicht gefunden hatte. Jung war das Mädchen nicht und der Mann ebensowenig, aber ist die Liebe nur das Vorrecht der Jugend? Nie und nimMer. Liebe auf Eitelkeit, Liebe auf Genußsucht wohl, aber Liebe auf jenem Her-zen-drang, das andere Glück M schaf fen, um das eigene zu erringen und in treuer 'meinsamkeit die Leiden des Lebens ji 'rtragen, diese Liebe ist wahrhaftig am das Recht des Alters. Sollte er, sollte sie, von diesem auf ernster Arbeit, auf festem, vor Eitelkeit und Leichtfertigkeit weit entferntem

Willen und Muth gegründetem Rechte-

ausgeschlojjen sein? Nein!Auch dem Alter können Blumen blühen." Eine beiße Sehnsucht nach Liebe über kam Hallner, als er die Blumen in der Hand hielt, die ihm das Mädchm zurück gegeben. Er wagte die Bitte zu äußern, sie möge die Blumen behalten. Die zarte Art, in der er cS thak machte das Mädchen noch verlegener alS früher. , Die Sprache der Blumen ist beredter. als die der Menschen. Das Mädchen wußte, was ihn bewegte, aber cs schwiea. Aber endlich fand sie doch Worte. An sanglich schüchtern und zweifelnd, dann vertrauend nnd hoffnungsvoller. Ein später Frühling, ein Johannis trieb des Herzens in den beiden alten Menschen erwachte und zeitigte reineBlutyen, Spatroscn der Liebe. Rosen waren es, welche die Beiden zusammengebracht. Die Sonne wah rer Liebe war ihnen spät, aber endlich aufgegangen. Je öfter sich die Beiden trafen und sprachen, desto fester faßte die Blume des Gefühles in ihren Herzen Wurzel und desto reicher trieb sie Blätter und Blüthen, bis beide endlich in der Rosen laub: traulichen Eheglückes angelangt, den Tag segneten, da ein altes Weid gerufen hatte: Rosen! Kaufen sie Rosen! Der afrikanische Elephant. 5in alter Elephantenjäger Edouard Foa, der in den verschiedensten Theilen des dunkelsten Afrika zahlreiche Thieregetödtet hat, erhebt jetzt in der Revue de Paris" seine Stimme, um seinen Nachfolgern das gleiche Jagdvergnügen zu schmälern und womöglich ganz zu verbieten. Er hat nämlich die schmerzliche Entdeckung gemacht, daß, wenn die Jagd im jetzigen Maßstabe fortgesetzt werde, der wilde Elephant in dreißig Jahren in Afrika vollständig ausgerottet sein werde. Foa bedauert, das nicht nur vom egoistischen Standpunkte des Jägers aus, der sein Lieblingswild zu verlieren fürchtet, sondern im Interesse der Cultur, welcher der Elephant in Afrika noch größer Diensteleisten könnte, als in Indien, wo erzürn nützlichsten Hausthiere geworden ist. Während aber dort weder der-Eu-ropäcr noch der Eingeborene einen Elephanten tödtet, wetteifern in Afrika dir Weißen mit den Negern in blinder Zerstörungswuth, um zwei Elephanten--zahne zu Markte zu bringen, die. kaum, den zehnten Theil des Werthes eines gezähmten Elephanten haben. Es ge--hört übrigens zr Ebephantenjagd nicht einmal viel Muth und Geschicklichkeit. denn, wie Foa erzählt, sind diese enormen Thiere fast wehrlos, wenn der Jager sie gegen den Wind beschleicht. Der Elephant hört und sieht schlecht und nur der durch den Rüssel verstärkte Ge--ruchssinn ij? gut entwickelt. Er riecht den Feind von weitem, aber er sieht, und hört ihn nur, wenn er die Schußweite schon längst überschritten hat. Daher kann dieses Thier gegenüber der Schußwaffe, die heute fast allen Eingeborenen zu Gebote steht, nicht Stand halten und ist der sicheren Ausrottung verfallen, wenn es nicht gelingt, die ' Jagd, wie in Indien, zu verbieten. Der bem Bramaismus eigene. Abscheu vordem Thiermord begünstigt aber dort, die Erhaltung der Rasse außerordentlich, während die Eingeborenen Afrikas durch keine religiösen Bedenken zurückgehalten werden, die Elephanten zn erlegen und aufzufressen und das El-- ' fenbein zu verkaufen. Foa macht da- . her den Vorschlag, die Europäer sollten ' nach allgemeiner Uebereinkunft in Afrika denAberglauoen verbreiten, daß:, der Elephant ein Fetisch der Weißen, sei und deshalb respektirt werdeni müsse. Da Foa in Afrika weit herumgekommen ist, muß er wohl wissen, ob dieser Vorschlag praktisch ist. Da5schwierigste Problem der Elephantenzucht ist aber die Reproduktion. Trotz aller Bemühungen ist es nämlich in Indien nie gelungen, Nachwuchs von gezähmten Thieren zu erhalten. Ohnedie sorgsam behüteten wilden Herden, wäre die Nasse auch dort schon längst.ausgestorben. Die zähmen Elephanten werden nur dann in der Gefangenschaft geboren, wenn die Mutter in trächtigem Zustande eingefangen wurde. Dafür ist es verhaltnißmäßi leicht, ein im erwachsenen Alter gefangenes Thier zu zähmen. Wenig Wochen genügen in der Regel. Da aber die afrikanische Nasse nicht ganz die gleiche ist. wie die indische du Stirne ist in Afrika weniger hoch und die Ohren sind größer so ist die Erfahrung-, erst noch zu machen, ob sich der afrikanische Elephant ebenso leicht abrichten läßt, wie der indische. Foa schlägt zurRettung des afrikanischen LastthiereSder Zukunft einen in!ernationalenCon-i greß vor, der während der Weltaus-. stellung in Paris stattzufinden hätte. . Ter aufgefressene ZahlungSauftras 4 Ein, ergötzlicher Vorfall wird auS Trumau (bei Traiskirchen in Oesterreich) gemeldet. Der Erbreichsdorfer Cerichtsdiener 5ubmann hatte an den dortigen Einwohner Z. Hlabek einen Zah!ungsaus:rag zuzustellen, welchen in Abwesenheit des Genannten dessen Frau übernahm. Noch hielt d:r Gerichtsdiener dzs Schriftstück in der Hand, als ein: Ziege h:rb:ikam. das Papier beschnupperte, und ehe man sich dessen versah, mit demselben zwischen den Zähnen davoneilte. Obzwar es nach einer mühevollen Jagd dem Gerichtsboten gelang, das Thier zu fassen. tarn er dock zu spät, denn der Zahlungsauftrag war bereits aufgefressen. S eltsamer Widerspruch. da Luftschlösser stets aus Sand gebaut' sind.

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