Indiana Tribüne, Volume 22, Number 346, Indianapolis, Marion County, 3 September 1899 — Page 3
Der pfeif,
Roman von K. Orth. (6. Fortsedung.) .DaS Wunder erklärt sich ziemlich einfach," gab Vidal lächelnd zurück. Unser wackerer rothhäutiger Freund ist bei Um unangenehmen Abenteuer viel glimpflicher davongekommen, als ich es auf den ersten Blick vermuthet batte. Die Verletzung erwies sich trotz der starken Blutung als eine ungefährliche ffleischwundr, von der er vor seinen Stammcsgenossen schwerlich viel Aufhebens machen dürfte, ohne sich ihrem Spotte preiszugeben. In der ungewohnten Rolle eines von so schönen Händen gepflegten Patienten aber gefiel sich der Brave offenbar so wohl, daß er uns mit seiner gut gespielten Schwäche noch eine Menge Unbequemlichkeiten verursacht haben würde, wenn ich mich nicht eines erprobten Mittels bedient hätte, ihm rasch auf die Beine zu helfen. Und worin hat dieses Mittel bestanden?" Lediglich in der Mittheilung, daß ich ihn in das Männerkrankenhaus für die auf Kosten der Stadt verpflegten armen Kranken aller Nationalitäten bringen lassen würde. Vor diesem Musterinstitut hegen nämlich alle die, denen die Segnungen in erster Linie zugedacht sind, eine so heillose Furcht, , daß in vielen Fällen die Aussicht, dort, hin zu kommen, wie ein wunderthätiges Heilmittel wirkt. Sie haben gesehen, daß ich mich auch hier in dem Erfolge nicht getäuscht hatte. Ihr Verdienst aber, meine liebe, verehrte Conchita," wandte er sich an seine junge Gehilfin, die bereits wieder ihr Jäckchen angelegt und die Mantilla anmuthig um das dunkle Köpfchen geschlungen hatte, wird dadurch nicht geringer, daß dieser schlaue Bursche Ihnen und mir eine kleine Komödie vorgespielt hat. Sie haben wieder einmal bewiesen, daß Sie Ihres edlen Vaters würdige Tochter sind." Er reichte ihr in sichtlicher Bewegung die Hand, und die Anerkennung in seinen letzten Worten schien einen viel tieferen Eindruck auf die Angeredete hervorgebracht zu haben, als seine früheren Artigkeiten, denn Rodewaldt sah, wie ihre bräunlichen Wangen sich dunkler färbten. O, es ist nicht werth, noch weiter darüber zu reden," sagte sie hastig. Schlimm genug, daß die Männer hier in Buenos Aires sich von einem Mädchen beschämen lassen. Aber ich habe schon zu lange gesäumt, und man wird mich daheim wieder mit Fragen über die Ursache meines Ausbleibens langweilen. Leben Sie wohl, Herr Doctor!" Ich würde es mir nicht nahmen lassen, Sie selbst zurück zu geleiten, theuerste Senorita, wenn man mich nicht leider an mehr als einem Krankenbette sehnsüchtig erwartete. Aber vielleicht gestatten Sie meinem jungen Freunde, an meiner Stelle diesen Ritterdienst zu verrichten. Ich muß um Entschuldigung bitten, wenn ich in all der Verwirrung noch gar nicht daran dachte, ihn vorzustellen." Er war offenbar willens, das Versäumte nachzuholen, Conchita aber, die bereits über die Schwelle getreten war, tam ihm zuvor, indem sie mit einem bittenden Blick auf Rodenwaldt sagte: Es bedarf dessen nicht, Don Jose! Dieser Herr und ich sind alte Bekannte." In der That?" fragte Doctor Vidal sichtlich erfreut. Nun. ,ich hatte mir's wohl denken können, daß Sie eilender in " Ich muß nun wirklich fort," unterbrach sie ihn, ehe er den begonnenen Satz hatte vollenden können. Wenn es Ihnen gefällig ist, Senor, nehme ich wenigstens für ein Stück meines Heimwege's Ihre Begleitung an. Ich möchte nicht gern ohne jeden männlichenSchutz der zudringlichen Neugier dieses Pöbels preisgegeben sein." Die Vesorgniß vor weiteren Belästigungen erwies sich freilich als unbegründet, denn als man nach kurzerVercbschiedung von dem liebenswürdigen Tiendero.' der nicht müde wurde, den Doctor seiner tiefsten Ergebenheit zu versichern, die Straße wieder betrat, battc der Schwärm der Neugierigen sich bereits vollständig verlaufen. Beruhigt konnte Don Jose die beiden anderen sich selbst überlc ssen, und eu eigenthllmliches Lächeln umspielte seine Lippen, als er wahrnahm, mit welcher Bewunderunq Werner Rodewaldts Blick an der Gestalt seiner zierlichen Begleiterin hing. 9. K a p i t e l. Ein paar Dutzend Schritte weit waren die beiden nebeneinander her gegangen, ohne daß eines von ihnen das rechte Wort für die Einleitung eines Gespräches gefunden hätte. Dann aber brach Rodewaldt das Schweigen. Was habe ich Ihnen zuleide gethan, Senorita. daß Sie sich gerade vor mir in den Schleier eines undurchdringlichen Geheimnisses zu hüllen wünschen? Sie haben den Doctor Vidal geflissentlich verhindert, mir Ihren Namen zu nennen, und doch würde es mich innig erfreuen, zu wissen, wer Sie sind." Mit einem halb forschenden und halb schelmischen Blick streiften die dunklen Augen unter dem duftigen Spitzengewebe der Mantilla hervor sein Gesicht. Und 'warum, Senor. würde es Sie so innig erfreuen?" Weil ich voll Bewunderung bin für das. was Sie gethan weil ich Sie als eine heldenmüthige und warmherzige junge Dame verehre, weil " D, halten Sie ein!" wehrte sie chelnd ab. In diesem Ton dürfen Sie nicht fortfahren, wenn Sie wollen, das ich Ihnen zuhöre. Und das ist ja
auch gar kein? Antwort auf meine Frage." Doch, Senorita, Sie haben mich nur nicht ausreden lassen. Ein mensch liches Wesen, das man bewundert und verehrt, verliert man nicht gern wieder auf ungewisseZeit, vielleicht auf immer, aus den Augen. Und daß Sie Ihren Namen vor mir so hartnäckig verborgen halten wollen, kann doch wohl aus keinem anderen Grunde geschehen, als weil Sie jeder Möglichkeit einer Wiederbegegnung vorbeugen wollen. Der Zufall aber wird sich mir vielleicht nicht zum zweitenmal so günstig erweisen wie heute." Sie haben mich also wiedererkannt, Senor Rodewaldt?Nicht auf der Stelle, Senorita." bekannte er aufrichtig, und das ist wohl kein Wunder, denn an jenem Abend in Senor del Vascos Patio versagten Sie mir ja beharrlich den Anblick Ihres Gesichts. Aber ich hatte sogleich die dunkle Empfindung, daß ich Ihnen schon irgendwo begegnet sein müsse, und ich hatte die richtige Spur gefunden, lange ehe Sie sich durch Ihre Aeußerung gegen Doctor Vidal verriethen. Ich freue mich der glücklichen Fügung, aber ich kann Ihnen den VorWurf nicht ersparen, daß Sie Ihre Versprechungen schlecht erfüllen." Welche Versprechungen, Senor?" Verhießen Sie mir nicht damals, daß ich Sie wiedersehen würde, wenn ich die Probe auf meine Verschwiegen-
heit bestände? Ich habe mein Wort rechtschaffen gehalten, habe Niemand von unserer Begegnung gesprochen und keinen Menschen nach Ihnen gefragt. Sie, aber ließen mich auf die Einlösung Ihrer Zusage vergeblich warten." Ich vermuthe, das Warten ist Jhnen nicht allzu schwer geworden. Wenn Sie ehrlich sein wollten, müßten Sie ja doch eingestehen, daß Sie jene Unterhaltung längst vergessen haben." Nun. und wenn es so wäre, Senorita diesen heutigen Vorfall werde ich gewiß niemals vergessen. Heute gib! es für Sie keinen Grund mehr, sich vor mir zu verstecken, es sei denn, daß meine Vermuthung zutrifft und Sie mich durchaus verhindern wollen, Ihre nähere Bekanntschaft zu suchen." Und haben Sie wirklich noch gar nicht daran gedacht, daß ich für mein Verhalten auch einen anderen einen ganz anderen Grund haben könnte?" Werner war überrascht von dem tiesen Ernst, der plötzlich aus ihrer Stimme klang. In der That, Senorita," sagte er nach einigem Nachdenken, mein Scharfsinn läßt mich hier gänzlich im Stich." Nun. so stellen Sie sich einmal vor, ich sei hilfsbedürftig, verfolgt, gefangen und harrte sehnsüchtig des Befreiers. Stellen Sie sich vor, daß ich gehofft hätte. Sie vermöchten mir zu helfen, aber davor zitterte, mich Jhnen zu früh zu offenbaren. Denn erstens konnte ich mich ja in Ihnen getäuscht haben, und zweitens würden meine Feinde, hätten sie auch nur dunkel geahnt, daß ich mit Ihnen im Einvernehmen stehe, alles Erdenkliche aufbieten. Sie mir abwendig zu machen. Die Verleumdung ist ein gar gefährliches und sicher wirkendes Gift. Senor! Wie nun. wenn nur die Furcht, daß man Ihnen dieses Gift beibringen würde, mein Verhalten bestimmt hätte?" Mit wachsendem Erstaunen hatte Werner ihr zugehört. Noch begriff er nicht, worauf dies alles hinaus sollte. Es sind Räthsel, die Sie mir da zu lösen aufgeben, Senorita," erwiderte er. Aber wenn Sie mich in Wahrheit der Ehre würdigen wollen, Ihnen einen Dienst, einen wirklichen Ritterdienst zu leisten, so seien Sie versichert, daß ich Ihnen zur Verfügung stehe mit allem, was ich besitze und vermag." Das ist fast, als ob man einen echten Porteno sprechen hörte. Und man sagt brj) von Ihren Landsleuten, Senor Aleman, daß sie ehrlich und 'aufrichtig seien." Ich weiß nicht, inwieweit sie in ih rer Gesammtheit dies Lob verdienen, aber ich weiß, daß Sie von meinerAufrichtigkeit überzeugt sein dürfen. Senorita. ' Welche Bürgschaft soll ich Jhnen dafür geben, daß ich es ehrlich meine?" Keine!" erwiderte sie einfach, denn ich glaube Ihnen. Aber ich kann Sie nicht beim Wort nehmen, denn es steht nicht mehr in Ihrer Macht, mir zu helfen." Es zitterte kummervoll in ihren Worten und Werner fühlte sich von diesem Klänge tief berührt. Und warum nicht, Senorita?" fragte er voll Wärme. Weil ein redlicher Mann nicht zu gleicher Zeit zwei feindlichen Parteien dienen kann und weil Ihr Wille nicht mehr frei ist." Ich bin vollkommen unabhängig und frei. Es gibt keine Rücksicht, die mich hindern könnte, einer guten und gerechten Sache meine Kraft zu widmen." Sind Sie wirklich noch unabh'angig, Senor Rodewaldt? Auch Rosenketten können eine unzerreißbare Fessel sein." Mich aber binden keine," rief er, ein wenig erheitert durch den eigenthllmlichen Nachdruck, den sie ihren letzten Worten gegeben. Glauben Sie mir's, Senorita. ich fühle mich so frei, als es ein Mensch nur immer sein kann." Und Jsabella del Vasco?" fragte sie zögernd. Darf ein Ritter die Dame verleugnen, deren Farbe er trägt?" Die unerwartete Frage machte ihn betroffen. Er suchte aus dem Gesicht seiner Begleiterin zu lesen, was sie bcdeuten sollte. Aber Conchitas Köpfchen war tief gesenkt und er vermochte nur die zarten Umrißlinien der bräunlichen Wange zu erspähen. t Die Senorita del Vasco hat mir bisher kein Recht gegeben, mich ihren Ritter zu nennen," saie er. .und es
liegt auch nicht in meiner Msich!, mich um dieses Vorrecht zu bewerbend" Jetzt erhob sie mit einer blitzschnellen Bewegung das Haupt und ein eigenthümlich freudiges Leuchten wac in ihren dunklen Äugen. Ist das wahr?, O verzeihen Sie ich weiß wohl, daß Sie in einer solchen Angelegenheit nicht die Unwahrheit sprechen würden. Aber es scheint mir so unbegreiflich. Ich glaubte nicht, daß ein Mann, den Jsabella gewinnen will, dem Zauber ihrer Persönlichkeit widerstehen könnte." Vielleicht ist es in der That keine zu hohe Meinung, die Sie da von der Schönheit und Liebenswürdigkeit der Senorita Jsabella hegen. Aber sie hat sicherlich nicht die Absicht, mich zu gewinnen. Ich bewundere sie, wie ihre ganze Umgebung sie bewundert, und ich kann nicht einsehen, inwiefern dadurch die Freiheit meiner Entschließungen und meiner Handlungen beeinträchtigt werden sollte. Sie sprachen vorhin von feindlichen Parteien, denen ich nicht gleichzeitig dienen könnte. Ist es denn die Familie del Vasco oder gar die Senorita Jsabella, der Sie feindlich gegenüberstehen?" Conchita zauderte ein paar Sekun den lang unschlüssig mit der Erwiderung, dann aber sagte sie: Erlassen Sie es mir. Ihnen darauf schon heute zu antworten. Sie kennen mich zu wenig, als daß ich nicht fürchten müßte, von Ihnen mißverstanden zu werden. Ich weiß wohl, daß es sehr undankbar und lieblos klingen würde, was ich Ihnen sagen könnte. Und es ist dazu jetzt auch weder die rechte Stunde, noch der rechte Ort. Sie dürfen mich nicht weiter als bis zu der Plaza de Retiro begleiten. An dem Standdilde des Generals San Marim, das dort schon vor uns aufragt, müssen wir uns trennen." So wollen Sie mir wirklich wieder entschlüpfen? Ich soll noch immer nicht erfahren, wer Sie sind? Wissen Sie auch, Senorita, daß dies Verstecken jetzt, wo ich mich Jhen unumschränkt zur Verfügung gestellt habe, etwas sehr Kränkendes 'für mich hat?" .Aber ich will mich ja gar nicht verstecken. Ich will nur. daß wir uns ein wenig näher kennen lernen, ehe ich mich Ihnen anvertraue." Wie aber sollen wir es anfangen, emander kennen zu lernen, wenn ich weder Ihren Namen noch Ihren Aufenthalt erfahre?" Sie waren bis zu den Gartenanlagen gelangt, die das riesige Standbild des republikanischen Generals auf der Plaza de Retiro umgeben. Ein Herrlicher Blick auf den majestätischen Strom mit seinem geschäftigen Hafenleben iljai sich ihnen auf. Conchita aber deutete mit einer leichten Bewegung nach der entgegengesetzten Seite. Sehen Sie den Thurm dort über den Häusern? Das ist die Kirche Santa Catalina neben dem Kloster der Dominikanerinnen. Wenn Sie mich übermorgen früh um acht Uhr vor der kleinen Pforte an der Westseite erwarten wollen, so können wir wieder eine Stunde miteinander spazieren gehen. Ich sage Ihnen also diesmal nicht Lebewohl, Senor, sondern auf Wiedersehen!" Damit war sie, ehe er auch nur ihren Abschiedsgruß hatte zurückgeben können, behenden Schrittes enteilt, und das Strauchwerk der Anlagen entzog ihre Gestalt rasch seinen Blicken. An diesem Tage blieb Rodewaldt zum erstenmal der Tertulia seiner hoHeitsvollen Gönnerin Maria del Vasco fern. Während er sonst die Stunde dieser Abendgesellschaften mit aufrichtiger Freude hatte kommen sehen, fühlte er heute ein unwiderstehliches Verlangen nach Einsamkeit, und das Vergnügen, die bedeutsamen Erlebnisse des Tages noch einmal an seinemGeiste vorüberziehen zu lassen, schien ihm um vieles verlockender, als die Aussicht auf ein Plauderstündchen mit der schönen Jsabella. Als er dann aber am nächsten Morgen vor seinem Schreibtische saß. war er wieder ganz der ruhige, nüchterne Kaufmann und gewissenhafte Beamte. Was Doctor Vidal ihm von den politischen Eintagsgrößen der argentinischen Republik gesagt, hatte ihm zu denken gegeben, um so mehr, als es nicht ganz übereinstimmte mit dem, was er bisher von Manuel des Vasco und auch von Henninger vernommen. Er machte sich Vorwürfe, daß er es versäumt hatte, sich über die einschlägigen Verhältnisse auch an anderer Stelle zu unterrichten. Denn die Gewinnung eines richtigen Urtheils war für ihn nicht ohne schwerwiegende Bedeutung. Er hatte in dem Portefeuille der Bank eine Anzahl von Wechseln über zum Theil nicht unerhebliche Beträge vorgefunden, über deren Dasein er von Henninger Aufklärung verlangt hatte.-weil eine bankmäßige Sicherheit für sie nicht vorhanden war. Denn als Aussteller und als Bezogene figurirten auf ihnen die Namen von Persönlichkeiten, die ein entsprechendes Guthaben bei der La Plata - Bank nach Ausweis der Bücher nicht besaßen, und der Umstand, daß diese Papiere sämmtlich auch die Unterschrift des Senor Manuel del Vasco aufz?iweisen hatten, war dem neuen Director nicht als ausreichend Erschienen, den Mangel einer im kaufmännischen Sinne genügendenDeckung zu ersetzen. Henninger aber hatte ihn dahin aufaeklärt. daß von irgend einer Gefahr
j für die Bank bei diesen Wechselgeschäften auch nicht entfernt die Rede sem könne. Sein Vorgänger habe die Annähme der Wechsel, die allerdings zum Theil schon wiederholt prolongirt worden seien, nicht verweigern dürfen, weil es sich dabei um Personen in hoher amtlicher Stellung oder von wntreichendem politischem Einfluß handele, um Leute, mit denen man eS nicht verderben dürfe, wenn man das Institut nickt allerlei Schikanen und Wider-
wariigkeiten aussetzen wolle. Die endliche Einlösung der Wechsel sei außi? allem Zweifel, da die Aussteller und Acceptanten Männer von tadellosem Ruf und unantastbarer Ehrenhaftigkeit seien. Diese Ansicht vertrat der Prokurist auch heute, als Rodewaldt ihm offen mittheilte, welche Charakterschilderung Doctor Jose Vidal von den Zuständen und den öffentlichen Persönlichkeiten der Republik entworfen hatte. Henninger zuckte dazu nur in seiner gleichwüthigen Art die Achseln und erklärte ironisch, er könne trotz der ohne Zweifel sehr bedeutenden Autorität des Arztes nichts von dem zurücknehmen, was er früher gesagt habe. Da Rodewaldt sich noch nicht hinlänglich orientirt glaubte, um der bewährten Einsicht und Erfahrung des älteren Mitarbeiters gegenüber seine Zweifel mit Nachdruck aufrecht zu crhalten, ließ er das Thema fallen, aber er nahm sich Zugleich im Stillen vor, daß künftighin bei allen, auch den geringfügigsten geschäftlichen Manipulationen der Bank, lediglich nach denselben streng kaufmännischen Grundsätzen verfahren werden solle, die man in der deutschen Heimath als für jeden soliden Betrieb unerläßlich ansieht. An demselben Tage noch erging aus dem Kabinet des Directors die Weisung, daß kein Wechsel mehr discontirt werden dürfe, der ihm nicht zur Prüfung vorgelegt worden sei, und Henninger konnte, als er von dieser Maßregel Kenntniß erhielt, nicht darüber im Zweifel sein, daß sein Vorgesetzt:: hier zum erstenmal gesonnen war, seinen anderslautenden Rathschlägen gegen über den eigenen Willen durchzusetzen. Wenn er sich dadurch verletzt fühlte, so wußte er dies doch jedenfalls gut zu verbergen, denn in seinem Benehmen gegen Rodewaldt änderte sich nichts, und er blieb derselbe bescheidene Untergebene, als der er dem Director bis dahin gegenübergetreten war. In Senor Manuel de Vascos Hause dagegen machte man aus der Empfindung einer gewissen Gereiztheit über das gestrige uncntschuldigte Ausbleiben des jungen Deutschen um so weniger ein Hehl. Don Manuel selbst war zwar von schwer überfließender Herzlichkeit wie immer; seine stolze Gemahlin jedoch zeigte sich weniger herablassend, und Senorita Jsabella schmollte in aller Form. Sie behandelte Werner kühl und beinahe schnippisch, während sie sich in Liebenswürdigkeiten gegen die anderen anwesenden jungen Herren förmlich überbot. Dabei schien sie mehr als je darauf bedacht, alle Vorzüge ihres Geistes und alle Reize ihrer Persönlichkeit in das hellste Licht zu setzen. Auch heute blieb der Zauber dieser Schönheit nicht ganz ohne Wirkung auf Werner. Aber kaum je zuvor hatte er es gleichzeitig mit so überzeugender Gewißheit empfunden, daß es nicht Liebe sei, was sich beim Anblick dieses Meisterwerkes der Natur in ihm regte. Er fühlte sich wohl ein wenig verletzt durch die offenkundige Zurücksetzung. die sie ihm zu Theil werden ließ, aber nur ein leises Bedauern, nicht Eifersucht war es, das ihn bewegte, während er ihr kokettes Gebahren im Verkehr mit den geputzten jungen Herren beobachtete, denen sie heute so auffällig den Vorzug gab. Früher als sonst brach er von der Tertulia auf, und schon auf dem Heimwege beschäftigten sich alle seine Gedanken wieder mit der geheimnißvollen jungen Unbekannten, die er am nächsten Morgen wiedersehen sollte. Schon eine Viertelstunde vor der angegebenen Zeit war er an der Kirche Santa Catalina. Da er aber fürchtete. die junge Dame durch langes und auffälliges Verweilen vor dem Gotteshause zu compromittiren, hielt er sich in einiger Entfernung, bis ihm das Anschlagen der Glocke verkündete, daß die Messe vorüber sei. Nun wandte er den Blick nicht mehr von der kleinen Seitenpforte, aus der sie ihrer Verheißung zufolge yera''5treten mußte, und er fühlte sich dabei in einer seltsam freudigen Aufregung, deren Lebhaftigkeit ihn selbst ein wenig in Erstaunen setzte. Lächelnd erinnerte er sich der glücklichen Tage seiner 'ersten Primanerliebe. wo er mit ähnlichem Herzklopfen den Augenblick erwartet hatte, da die Angebetete an ihm vorübergehen würde, und er mahnte sich im Stillen zu Kaltblütigkeit und Vorsicht, denn zu einem Liebesabenteuer sollte sich ihm diese neue Bekanntschaft wahrlich nicht gestalten. Wenn das arglose junge Wesen eines Beistandes bedürfte und sich entschloß, ihm zu vertrauen, so mußte er es ja als eine Ehrenpflicht ansehen, dies Vertrauen nicht zu täuschen und ihr nur ein Freund, nichts als ein aufrichtiger, uneigennütziger Freund zu sein. Nicht lange wurde seine Geduld auf die' Probe gestellt, denn die zarte Gestalt im schwarzen Atlaskleide, die jetzt raschen Schrittes durch das Pförtchen trat, konnte nur die der Erwarteten sein. In einer Entfernung von wenig Schritten folgte ihr eine zweite weibliche Person, anscheinend eineDienerin, von ebenfalls noch jugendlichem Aussehen. Sie trug über dem linken Arm den kleinen Teppich, dessen sich die Damen in Argentinien zum Schutz gegen die Kälte und Unsauberkeit der Steinfliesen bedienen, wenn sie in den Kirchen, die keine Bänke oder sonstigen Sitze aufzuweisen haben, knieend ihre Gebete verrichten. Auch als Werner die Senorita' begrüßt hatte, und als sie Seite an Seite die um diese, frühe Stunde noch fast menschenleere Calle Cordoba hinab dem Flusse zuschritten, folgte die Dienerin ihnen nach, allerdings in einem so weiten Abstände, daß sie von ihrer UnterHaltung unmöglich etwas vernehmen konnte. Aber selbst ein argwöhnischer Lauscher würde nichts Tadelnswerthes oder Unschickliches darin aufgespürt haben. ,
Rodewaldt war sehr erstaunt, seine junge Bekannte so fröhlich und aufgeräumt zu finden, als hätte nie eine ernstliche Sorge ihr Herz bekümmert. Er hatte sich vorgenommen, sie heute um eine Offenbarung ihrer Bedrängnisse zu bitten, aber ihr Verhalten machte es ihm unmöglich, diesen Vorsatz zur Ausführung zu bringen. Sie waren noch nicht dreißig Schritte weit gegangen, und schon hatte Conchita ihn mit ihrer Fröhlichkeit soweit angesteckt, daß er über der heiteren Gegenwart alles Vergangene völlig vergaß. Sie schlug ihm vor, am Ufer lie La Plata entlang bis zum Friedhofe de la Revoleta zu gehen, weil sie dort am sichersten wären, keinem Bekannten zu begegnen, und mit einer reizenden Aufrichtigkeit fügte sie hinzu, daß sie sich schon seit vorgestern lebhaft auf diesen Spaziergang gefreut habe. Heute ist es an Ihnen, mich zu unterhalten." sagte sie. Sie müssen mir von Ihrer deutschen Heimath erzählen, diel, sehr viel und so. wie es Ihnen gerade einfällt.. Bis zu meines Vaters Tode befand ich mich in dem Glauben, es könne gar kein vollkommeneres und glücklicheres Land auf Erden geben als Argentinien. An die armen geplagten Leute in dem fernen, kalten Norden konnte ich niemals anders als mit Mitleid denken. Seitdem ich aber verwaist und hierher nach Buenos Aires gekommen bin, haben sich meine Ansichten über diese Dinge geändert. Es erfaßt mich zuweilen wie eine glühende Sehnsucht, von hier zu entfliehen und unter Menschen zu leben, bei denen nicht, wie bei uns, alles nur gleißnerischer Schein und höfliche Lüge ist. Vielleicht ist es auch nur eine thörichte Illusion, wenn ich mir gerade von Jhrem Vaterlande und von Ihren Landsleuten eine so hohe Meinung gebildet habe. Ihre Aufgabe soll es nun sein, mir eine richtige Vorstellung davon zu geben." Auch Jsabella del Vasco hatte ihm bei ihrer ersten Begegnung von ihrer Vorliebe für Deutschland gesprochen, und er hatte sich damals nicht wenig geschmeichelt gefühlt; inzwischen aber waren ihm starke Zweifel gekommen, ob Don Manuels Tochter wirklich einer aufrichtigen Ueberzeugung Ausdruck gegeben habe, oder ob es ihr nicht nur darum zu thun gewesen sei, ihm etwas Angenehmes zu sagen. Um so deutlicher empfand er jetzt die Verschiedenheit des Eindruckes, den diese beiden jungen Mädchen auf ihn gemacht. Hier kam ihm nicht für einen Moment der Gedanke an die Möglichkeit einer Verstellung, und es bereitete ihm ein wah res Vergnügen, seiner mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschenden Begleiterin von der fernen Heimath zu erzählen, von dieser Heimath, die sich auch ihm trotz der Schönheiten seines gegenwärtigen Aufenthalts bereits mit einem verklärenden Schimmer zu umweben begann. Durch eingeworfene Fragen bekundete Conchita ihr Interesse an seinen Worten, und es waren unter diesen Fragen nicht wenige, die ihm einen überraschenden Einblick in ihr reiches Geistesleben und in die für eine Argentinierin erstaunliche Fülle ihrer Kenntnisse gewährten. Sie war ohne Zweifel viel klüger und hatte viel mehr gelernt als Jsabella del Vasco, wenn sie auch weniger darauf bedacht war,durch geistreiche Einfälle zu blenden und durch eine immer bereite, witzige Schlagfertigkeit in Erstaunen zu setzen. Er achtete im Eifer der Unterhaltung so wenig auf den Laus der Minuten als auf den Weg, den sie zurücklegten. Erstaunt blickte er auf, als sie die Kirche del Pilar vor sich aufragen sahen, neben der sich das Thor des gro ßen, schon seit beinahe drei Jahrhunderten benutzten Friedhofes öffnet. Conchita fragte, ob es ihn interessiren würde, den Vegräbnißplatz zu besuchen, auf dem sich viele interessante Denkmäler befänden. Er sagte bereitwillig zu, und jetzt war sie es, welche die Erklärerin machte. Sie war in der Geschichte ihres an aufregenden EreigNissen und blutigen Kämpfen reichen Vaterlandes wohl erfahren, und als sie nach einer halben Stunde ihren Rundgang beendet hatten, war Rodewaldt um eine Menge interessanter Kenntnisse reicher geworden. Sie standen vor dem prächtigen Mausoleum des Präsidenten Rivadavia. den die argentinische Republik als ihren größten Staatsmann verehrt, als die Senorita dem jungen Deutschen die Hand zum Abschied reichte. Aus dem Heimwege dürfen Sie mich nicht begleiten," sagte sie freundlich, aber wenn es Sie nicht langweilt, und wenn Ihre Zeit es Ihnen gestattet, können wir diesen Spaziergang immerhin wiederholen." Er bat lebhaft, daß es schon morgen sein möge, aber sie. erklärte das für unmöglich. Erst nach drei Tagen sollte er sie wieder an der Kirchenpforte erwarten, und da Werner sah, daß sie offenbar triftige Gründe hatte, versuchte er nicht, sie anderen Sinnes zu machen. Von der Kirchhofsthür aus blickte er ihr nach, bis ihre Gestalt in der Ferne entschwunden war. dann kehrte er, wie Conchita es von ihm erbeten hatte, auf einem anderen Wege in die Stadt zurück, um später als sonst sein Tagewerk zu beginnen. Auch an diesem Abend gewann er es nicht über sich, del Vascos Haus zu besuchen, und es nahm ihn kaum Wunder. als Don Manuels Damen ihn in der Folge noch kühler und zurückhaltender behandelten, als nach seinem ersten Ausbleiben. Sehnsüchtiger als das erste Mal wartete er auf die Stunde des Wiedersehens mit Conchita. Mit Pünktlichkeit fand er sich, als der Morgen des dritten Tages endlich gekommen war, an der Kirchenpforte tin. Aber eine bittere Enttäuschung war es, die ihm diesmal zu Theil wurde, denn er wartete umsonst. Conchita war nicht unter denen, die das Gotteshaus verließen, und nachdem er fast eine Stunde lang
fruchilos geharrt, mußte $t sich endlich
entschließen, den Heimweg anzutreten, erfüllt von beängstigenden Vorstellungen über die muthmaßliche Ursache ihres Ausbleibens. So fest hatte er auf ihr Erscheinen gerechnet und so glücklich war er in dieser Zuversicht gewesen, daß es ihm fast unmöglich dünkte, den Zustand der Ungewißheit, in den die Vereitelung seiner Hoffnungen ihn versetzt hatte, lange zu ertragen. Er beschloß, sich am nächsten Morgen wieder einzufinden, und wenn sie auch dann nicht kam, trotz ihres ausdrücklichen Verbotes den Doctor Vftu?I inr. ires Namen zu befragen. Als er in später Nachmittagöstunde df.s Bankgebäude verließ, hörte er sich halblaut angerufen und gewahrte, sich umwendend, ein Mädchen, in der er die Gestalt von Conchitas Dienerin wiederzuerkennen glaubte. Ihre ersten Worte schon bestätigten ihm die Richtigkeit seiner Vermuthung, denn sie sagte leise und hastig: Meine Herrin, die Senorita Conchita, schickt mich zu Ihnen, Senor Aleman. Sie läßt Jhnen sagen, daß sie heute nicht in der Kircöe Santa Catalina sein konnte und daß sie auch in den nächsten Tagen nicht dorthin gehen wird, weil sie fürchtet, daß man sie beobachtet. Aber sie läßt Ihnen weiter sagen, daß sie ihr Versprechen darum nicht vergessen hat und daß sie Ihnen Nachricht geben wird, sobald die Zeit gekommen ist, es einzulösen." Ehe Rodewaldt nur eine einzige Frage hatte in Worte fassen können, war das behende Geschöpf bereits wieder im Gedränge verschwunden. 10. K a p i t e l. Von den weichen Falten ihres weißen Hauskleides hoheitsvoll umflosscn, lag Donna Marias königliche Gestalt auf dem Ruhebett in . ihrem künstlich verdunkelten und angenehm kühlen Boudoir. Daß sie noch immer eine sehr schöne Frau sei, offenbarte die einfache Morgentoilette nicht minder als jene prächtigen Pariser Kostüme, in denen sie des Abends die Gäste ihres Gatten zu empfangen pflegte. . Aber das , Antlitz der Senora del Vasco zeigte in diesem Augenblick eine Schönheit, die vielleicht nicht nach Jedermanns Geschmack gewesen wäre. Ihre dunklen Brauen hatten sich zornig zusammengezogen, und die gßen schwarzen Augen schienen Blitze zu sprühen. Irgend etwas in der Morgenzeiiung, mit deren Lektüre sie eben beschäftigt war, mußte ihren lebhaften Unwillen erregt haben, und mit einer halblauten Verwünschung schleuderte sie eben das Blatt auf den Teppich, als hinter ihr die Thür hastig aufgerissen wurde, und Senor Manuel del Vasco hereinstürzte. Auch er befand sich unverkennbar in starker Erregung. Ohne den Hut vom Kopfe zu nehmen, ließ er sich schwer athmend in einen der niedrigen Sessel fallen, und statt eines Grußes sagte er: Nun wäre also endlich eingetroffen, was ich Dir immer prophezeit habe. Nun sind wir dahin gelangt, wohin Deine Rathschläge uns nothwendig eines Tages bringen mußten. Jetzt ist es an Dir Maria, mir auch den Weg zu zeigen, der uns aus diesem Wirrsa! wieder hinausführt." Wenn er gekommen war, ihr Vorwürfe zu machen, so hatte er den ZeitPunkt dazu sicherlich schlecht gewählt, denn die Senora war niemals weniger in der Laune gewesen, einen Tadel geduldig hinzunehmen, als eben jetzt. Heftig fuhr sie aus ihrer bequemen Stellung empor. Was fällt Dir ein? Welche Verantwortung habe ich für Deine Angelegenheiten? Wenn meine Rathschläge Dir nicht gefielen, weshalb hast Du sie dann befolgt? Und Du weißt, wie ich alle Dunkelheiten und Halbheiten hasse. Sage mir vor allem, was geschehen ist. wenn Du willst, daß ich Dir Rede stehe." Was geschehen ist? Ja, meine Liebe, ich bin beinahe in Verlegenheit, wo ich da anfangen und wo ich aufhören soll. Es ist, als ob alle Teufel mit einemmal auf mich losgelassen wären mit dem ausdrücklichen Auftrag, mir das Leben sauer zu machen. Da ist vor allem Dein Günstling, dieser neue Director der La Plata - Bank! Ich wußte von vornherein, daß uns von ihm nichts Gutes kommen würde ich wußte es. sobald ich ihm zum erstenmal in die Augen gesehen hatte. Du aber warst seiner ja so gewiß. Du meintest, aus ihm eine willenlose Marionette machen zu können, wie aus dem armen Strahlendorf!" Nun. und was ist's mit ihm?" fiel Donna Maria ungeduldig ein. Du bist doch nicht etwa thöricht genug geWesen, Dich mit ihm zu überwerfen?" Q nein, wir sind die allerbesten 'Freunde. Aber diese Freundschaft hindert den Senor Rodewaldt nicht, mich zu Grunde zu richten. Henninger war an diesem Morgen bei mir, um mir mitzutheilen, daß derDirector die Discontirung der von mir gestern überreichten Wechsel rundweg verweigert habe mit der Erklärung, es würden hinfort nur die Unterschriften solcher Personen honorirt werden, die über ein ausreichendes Guthaben bei der Bank verfügen. Der Hinweis auf den großen politischen Einfluß und die angesehene Stellung der hier in Frage kommenden Männer machte ihm, nach Henningers Erklärung, nicht den geringsten Eindruck. Er habe sich, wie er sagt, um die Politik nicht zu kümmern, sondern einzig nach seinem kausmännischen Gewissen zu handeln. Und er sei fest entschlossen, rücksichtslos auf die pünktliche Einlösung aller noch von seinem Vorgänger her im Portefeuille der Bank befindlichen Wechsel zu dringen. Ich brauche Dir kaum zu sagen, meine theure Maria, daß es für mich nichts anderes als den Ruin bedeutet, venn er bei dieser Absicht beharr!. (Fortsetzung folgt.)
Für die Mchc. - Tomatensuppe. Acht bis zehn reife, abgehäutete Tomaten, ein Quart Wasser, eine zerkleinerte Zwiebel, etwas Salz und Pfeffer, koche zwei Stunden lang. Dann füge hinzu einen Eßlöffel in einer Obertasse roll Milch angerührtes Mehl, ferner ein Stück Butler von der Größe eines Hühnereies. GurkengemüsemitKalbsschnitzeln. Man schneide schöne, geschälte Salzgurken in vier Theile, nehme die Kerne heraus und theile jedes Viertel der Quere nach in drei Stücke; schäle auch so viel kleine Zwiebeln, als man Gurkensiücke hat, und lege beides zwei Stunden lang in eine Marinade aus halb Essig, halb Wasser, Pfeffer und Salz; gieße dann die Marinade ab und so viel gute Fleischbrühe cm deren Stelle, daß Zwiebeln und Gurken bedeckt sind, und koche sie nun so lange, bis alle Brühe verkocht ist, wonach man noch etwas Fleischbrühe und den Sat einer Citrone daran thut, damit aufkochen läßt und Kalbsschnitzel dazu giebt. Kartoffel - Pastete. Gekochte Kartoffeln werden geschält und in Scheiben, geschnitten, Fleischreste fein gewiegt und beides lagenweise in tmtr gut ausgebutterte Mehlspeisen form gethan. Beim Hacken der Fleisch reste fügt man ihnen eine große Zwiebel und Salz und Pfeffer bei. Kartosfeln müssen den Schluß machen. Dann wird obenauf nicht zu wenig Butter gethan und über das ganze sehr schöne und dicke saure Sahne gegössen. Dies bäckt man in der Röhre gar, oben muß es goldbraun sein, und servirt es dann allein oder mit Gurken. Senfbutter. Ein ViertelPfund frische Butter wird mit dem Gelben von zwei hartgekochten Eiern gut verarbeitet, hierauf durch ein feines Sieb gethan, mit drei Eßlöffeln gutem Senf verrührt und mit Salz und feingestoßenem weißem Pfeffer verrührt. Es ist diese Butter besonders zu Butterbrot, das man mit Schinken, Zunge, Pökel- oder anderem kaltem Fleisch belegen will, zu empfehlen. Spanischer Tomatensal a t. Man schneidet einige Tomaten, frische Gurken, einige Zwiebeln undaltbackenes Brod in Scheiben, und vermischt diese mit einer Salatbrühe aus mildem Essig, gutem Salatöl, etwas Pfeffer und Salz. Man schwenkt die Scheiben in der Brühe um, damit sie gut durchziehen. Sicilianisches Sorbet. Ein Quart Wasser und ein Pfund Zucker wird 5 Minuten lang gekocht, dann erkalten lassen. Dazu wird ein Pint durchgeseihter Orangensaft und der durchgeschlagene Brei von einem 'Quart frischer Pfirsiche gegeben. Das wird gut zerrührt und halb gefroren, sodann vermischt mit einem Meringue von einem Eiweiß und zwei Eßlöffeln Puderzucker, dann fertig gefroren und vor dem Serviren einige Stunden reisen" lassen. Bananen-Sorbet. In einem Quart Wasser läßt man 1 Pfund Zucker klar kochen, dann schlägt man zerdrückte Bananen durch ein Haarsieb und gibt das zu dem Syrup, drückt den Saft zweier Orangen oder einer Eitrone daran, läßt es halb gefrieren und rührt ein Glas Rum oder Cognac daran. Vorzügliche Apfeltorte. Man macht einen Hefenteig von einem halben Pfund Mehl, einem Viertel Pfund Butter, zwei Eiern, einer halben Unze Hefe, etwas Milch, zwei Eß löffel Zucker. Ist dieser Teig gut geschlagen, so rollt man ihn ganz dünn aus und bringt ihn auf eine bestrichene Form. Nun belegt man diesen Teig mit dünnen Apfelscheibchen. je dicker, desto besser. Als Guß wird folgende Mischung darüber gegossen: ein Pint dicke, saure Sahne wird mit etwQs 23a , mlle, drei Eiern und einem Eßlöffel Zucker tüchtig geschlagen und schön gleichmäßig über den Kuchen geschüttet. Muß in frischer Hitze gebacken werden. Süße Stachelbee r-S a u c t. Zwei Pfund geputzte, unreife Stachelbeeren werden mit kaltem Wasser bis zum Kochen gebracht, abgegossen, dann mit einem Quart Wasser, ganzenr Zimmt und etwas Citronenschale sehr weich gekocht, durch ein Sieb gestrichen und dieser durchriebene flüssige Brei mit einem halben Pfund Zucker, und der abgeriebenen Schale einer Citrone tüchtig verkorkt. Man verdickt die Sauce mit einem Löffel in. Wein glattgerührten Mehls, würzt sie mit einer Messerspitze Salz und legiert sie mit 23 Eidottern. Diese Sauce eignet sich vorzüglich zu Mehlspeisen. Kaltes Schüsselfleisch. Man nimmt drei Pfund Kalbfleisch und drei Pfund Schweinefleisch, schneidet beides in fingerbreite Stückchen, vermengt es mit Salz, Pfeffer, etwas Nelken, gewiegten Charlottenzwiebeln, feingehackten Sardellen, Kapern und läßt es über Nacht stehen. Alsdann setzt man es in eine irdene Kasserolle, die aber gerade sem muß, legt zwei zerhackte Kalbsfüße darauf, gießt zwei Glas Wein darüber, legt einen Bogen Papier daraus und preßt es mit einem Deckel zu, den man ringsum mit einem steifen Teig verklebt, damit keine Luft hineinkommt. Dann läßt man es zwei Stunden im Backofen kochen, befeltigt. wenn es erkaltet ist, die Kalbfüße und das obere.Fett und stürzt es auf eine Platte. Forellenblau zu kochen. Die Fische werden nicht geschuppk..nur ausgeweidet, abgespült und auf eine flache Schüssel gelegt, mit heißem Essig begossen und eine halbe Stunde zuge-. deckt hingestellt. Dann thut man sie in kochendes Wasser mit reichlich Salz und dem Essig und läßt sie G Minuten kochen. Man trägt die Forellen mit geschmolzener Butter und feingehackter Petersilie auf.
