Indiana Tribüne, Volume 22, Number 346, Indianapolis, Marion County, 3 September 1899 — Page 2

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Ein angenehmer Besuch. 2on Carola Belmonie. Es war yn heißer Tag gewesen heute, und das Gewitter, das jetzt Heranzog, mußte erfrischende Kühlung dringen; aber es verzog sich wieder, die drohenden Wolken theilten sich und slogen in aufgelösten, lichten Flocken dahin. Wir hatten den schönsten Abend zu erwarten; und wirklich, als ich eine Stunde später Dr. Bergen zu unserem gewöhnlichen Abendspaziergang abholte, war von der lästigen Hitze nichts mehr zu fühlen, und ein leiser, wohlthuender Windhauch strich über die Fluren. Wir waren uach ungefähr einer Stunde langsamen Gehens auf dem Tivoli in Schönbrunn angekommen, und hier warteten schon unser beim schäumenden Bier einige Freunde, zunieist Colleoen des Advocaten Dr. Bergen. Ihr kommt aber spät!" rief einer der Anwesenden, ein junger, erst flügge gewordener Nechtsanwalt. Wo wäret Ihr denn nur so lange?" Wo anders als bei den Acten?" widerte ich. Jawohl, Acten!" lachte ein Anderer. Du hast von so trockenen Dingen wohl gar keinen rechten Begrisf. Ihr Schriftsteller habt es ja am besten, Ihr zaubert Euch in dieses trockene Dasein eine Welt voll sonniger Ideale und leuchtender Poesie hinein, während wir armen Actenmenschen mit der Zeit noch zu lebenden Paragraphen werden." Nicht immer," entgzgnete Dr.'Bergen, der bis jetzt ganz gegen seine Gewohnhcit in Nachdenken versunken verharrte, nicht immer, und zwar hängt es nur von uns selbst ab, auch in diesem Stande Poesie zu bewahren." Das ist ausnahmsweise bei Dir der Fall, mein lieber Bergen!" unterbrach ihn hier einer der Gäste, ein langjähriger Freund des Doctors. Bei Dir, von dem man weiß, daß er in seinen Mußestunden den Pegasu? sattelt zum Ritt in's alte romantische Land!" Ja. und von dem die böse Welt behauptet, daß er seine Memoiren schreibe!" Was, Memoiren?" Und die werden uns verheimlicht?" Her damit, und gleich das erste Capitel vorgelesen!" So ging es eine Weile, Scherz und Neckereien flogen hin und her, und der arme Doctor hatte die größte Mühe, die aufgeregte Tafelrunde zu beruh!gen. Laßt mich nur!" wehrte er lachend ab. Nun ja, da Jhr's schon wißt, ja ich schreibe, wenn auch nicht meine Memoiren", denn dazu bin ich doch zu herzlich unbedeutend, als daß ich mir denken würde, mein bescheidener L:benslauf könnte die Menschen inkereffiren, ich habe blos so manches interessante Moment verzeichnet, das ich hier und da in meiner langjährigen Amtsthätigkeit erlebt habe." Erzählen, erzählen!" rief von allen Seiten. Und zwar schlage ich vor, daß uns der Doctor jeden Abend zumindest eine Geschichte aus seinen Erinnerungen zum Besten gebe." Bergen nickte, und nachdem er eine Weile sinnend vor sich hingeblickt, sagte er: Es sei, wie unser Freund es vorgeschlagen! Ihr sollt jeden Abend ein Capitel zu hören bekommen, und so will ich Euch denn heute ein Erlebniß mittheilen, das Euch als Berufsgenossen insbesondere anziehen dürfte. Es war ungefähr vor 10 Jahren, ich war damals noch ein sehr junger Anfänger, und meine ganze Sehnsucht gipfelte in der Ausficht, einen großen Proceß zu bekommen, um meine Kraft zu erproben. Ich hatte denn auch nicht lange zu warten. In der Stadt, in der ich zu jener Zeit weilte, wurde ein Raubmord begangen. Man hatte einen als Wucherer bekannten und übel beleumundeten Mann in seiner Wohnung rmordet gefunden, und wenn sich auch der Mann seiner bekannten Hartherzigkeit wegen keiner allzu großen Beliebtheit unter der Bevölkerung erfreute, so herrschte doch am Tage nach dem Mord die größte Aufregung. Die Polizei entfaltete eine fieberhafte Thätigkeit, den Mörder zu entdecken, aber vergebens. Er hatte nicht die geringste Spur hinterlassen, die zur Entdeckung seiner Person führen konnte, denn mit Ausnahme einer großenSumme Baargeldes hatte er alles unberührt gelassen; blos tmt Uhr hatte er von all' den Pretiosen und Kostbarkeiten, die in der Wohnung des Wucherers aufgehäuft lagen, mitgenommen, eine Uhr aber, die zu den größten Seltenheiten gehörte, und die ob ihres besonderen Mechanismus und um ihrer Schönheit willen ein Kunstwerk genannt werden konnte. Es .war ein altes, äußerst kostbares Stück auf einem gelben Zifferblatt waren die Zahlen mit kleinen, kostbaren Steinchen eingelegt, um welche sich eine kunstvolle Malerei in Email hinzog, die Innenseite war gleichfalls mit allerlei Zierrath Versehen, und in der Mitte prangte dem Beschauer ein liebreizendes Frauenantlitz entgegen. Es war klar, daß diese Uhr einst einem großen Herrn gehört hatte, und weiß Gott, auf welch dunkelem Wege sie in die Hände des Wucherers gelangt war. 2a dies aber den einzigen Anhaltspunkt bildete, so war wohl die Entdeckung des Mörders recht sehr in Frage gestellt. Der Verdacht lenkte sich zwar bald auf Diesen oder Jenen, der in Beziehungen zu dem Ermordeten gestanden, aber immer stellte sich die Schuldlosigkeit heraus. Kurze Zeit darauf wurde ein Mann verhaftet, der gleichfalls im Verdacht stand. Er hatte mit dem Wucherer in Feindschaft gelebt, und daraufhin gründete der Untersuchungsrichter seine Muthmaßung. Aus mich aber machte jener Mensch mit den ehrlichen Zügen Vurchaus nicht den Eindruck eines

Verbrechers. imGegentheU, ich war von seiner Unschuld fest überzeugt und betrachtete es als eine heilige Pflicht, jenem Manne seine Ehre wiederzugeben. So ging ich denn mit wahrem Feuerelfe? an die Vertheidigung des Angeklagten, die mir angeboten wurde, und es gelang meiner Vertheidigungsrede, alle Anklage-Momente zu entkräften und den Verdächtigten von dem schweren Bann zu erlösen, der auf ihm gelastet, es war mir eine hohe Genugthuung, und nie werde ich den dankerfüllten Blick vergessen, der mir aus den Augen des Mannes entgegenglänzte, als er mir nach Schluß meiner Rede gerührt die Hand reichte. Und wie war ich selbst mit mir zufrieden! Ich hatte einem Menschen die verlorene Ehre wiedergegeben und war. durch diese Vertheidigung zu einem berühmten Manne geworden. -Da alle Nachforschungen vergebens blieben, so wurden endlich die Acten bei Seite gelegt, und der Fall kam bald in Vergessenheit. Einige Monate.waren seit diesen Ereignissen verflossen, derWinter stand vor der Thür, und an den Fenstern meines Zleinen Landhauses, das ich damals bewohnte, rüttelte der Novembersturm. Es war Abend geworden, und ich saß, eine Cigarre rauchend, in der Nähe des Kamins, der freilich heute noch keine Wärme ausstrahlte; mich fröstelte auch ein wenig, und mich beschlich ein unerträgliches ich möchte sagen Angstgefühl; es war doch nicht recht von mir gewesen, gerade jetzt den Diener nach der eine Stunde weit gelegenen Stadt zu senden. Zudem hatte man seit einiger Zeit gehört, daß die Gegend unsicher sei. Ein verdächtiq aussehendes Individuum, so erzählte man wenigstens, war mehrfach in der Gegend gesehen worden und zwar auch in der Nähe meiner Besitzunz, wie mir ein sehr zu Angst neigender Nachbar versichert hatte. Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf. Aergerlich über mich selbst, erhob ich mich, um Licht zu machen, aber, heiliger Gott, was war das? Ich hatte ganz in meiner Nähe ein Geräusch gehört, als ob sich noch Jemand im Zimmer befände; suchend glitt mein Blick durch den Raum, und da gewahrte ich zu meinem Entsetzen gerade mir gegenüber, mit dem Rücken gegen die Thür gelehnt, eine hochgewachsen?, dunkele Gestalt; in der herabhängenden Linken erglänzte ein funkelnder Gegenstand, . wohl eine Waffe mit einem Blick hatte ich das Entsetzliche meiner Lage überblickt. Allein in einer entlegenen Villa mitten im Felde, ohne Waffe allein und preisgegeben dem Geschick, das mir da grauenhaft gegenüber stand es war gräßlich dazu die Dunkelheit im Zimmer, die mit Mühe einen Gegenstand erkennen ließ ich fühlte mich verloren meine Pulse flogen und meine Sinne verwirrten sich ich fühlte es, meine letzte Stunde war gekommen, kraftlos, jeder Bewegung unfähig, glitt ich auf meinen Sitz zurück und schloß die Augen. Da plötzlich vernahm ich den Ton einer bekannten Stimme ganz nahe an meinem Ohr. Erschrecken Sie nicht, Herr Doctor, ich bin der Mörder jenes alten Wucherers . . . !" Und da sollte ich nicht erschrecken ! Ich zitterte am ganzen Leibe ja, lacht nur, aber denkt Euch in meine Lage, und das Lachen müßte Euch bald vergehen! Es stand mir' klar vor dem inneren Auge: Jetzt werde ich selbst an die Reihe kommen. Eine Creatur, die einen Mord auf dem Gewissen hat, die in der kaltblütigsten Weise geleugnet hatte, wird auch ihren Befreier nicht schonen, sondern ihn rettungslos dem ersten Opfer nachsenden, in der Hoffnung, daß etwas bei ihm zu finden sein werde, und daß es zum zweiten Male gelingen werde, durch die Maschen des Gesetzes zu schlüpfen Nach einigen Sekunden lähmenden Entsetzens erhob ich den Blick zu meinem unheimlichen Besucher ja, das war er nun erkannte ich den Mann, es war derselbe, den ich so glänzend vertheidigt hatte. So willst Du auch mein Mörder sein?" murmelte ich angsterfüllt zum Dank, daß ich Dich den Händen der Gerechtigkeit entrissen?!" Ich werde Sie nicht umbringen, Herr Doctor!" antwortete der Mensch in ruhigstem Gesprächston. Ich komme, Ihnen blos zu danken für Ihre gute Vertheidigung, durch die Sie mir das Leben gerettet haben und ich kann Ihnen meine Dankbarkeit nicht anders, beweisen, als indem ich Ihnen die Uhr Präsentire, die ich bei dem Morde mitgenommmen, und die allein mich hätte verrathen können. Versuchen Sie es aber nicht, mich zu verfolgen, ich verlasse mit dem nächsten Dampfer Europa und will mit dem Gelde des alten Gauners drüben mein Glück machen!" Ich war allein, lautlos, wie er gekommen, war der unheimliche Gast wieder verschwunden, und ich hätte das Ganze für einen schweren Traum gehalten aber auf meinem Schooß lag glitzernd und funkelnd die Uhr. Einige Wochen später brachten die Zeitungen die Nachricht, daß ein Dampfer auf dem Ocean gestrandet und mit Mann und Maus untergegangen sei. Auf jenem Dampfer aber befand sich der Mörder.So erzählte Dr. Bergen. . Es trat eine bange Stille ein; jeder der Tischgenossen glaubte die Gestalt des dankbaren" Mörders vor sich zu sehen. Nach einer Weile sagte einer der Juristen in neckendem Tone: Nun, und die Uhr?" Ich übergab sie sofort der Polizei.-

Getrennt. Der Herr Redacteur ist mit seiner Frau entzweit?" .Ja, er verkehrt nur noch durch den edactionsbriefkasten it ihr!"

ßyarakter und Schönyeit. Eon Emma Reichen. Und unsere Seele sucht nach ihr nach ihr, der Schönheit, die das Leben werthe:. Alle Völker, alle Zeiten waren erfüllt von einem Schönheitsideal, dessen Verkörperung ihnen die Wirklichkeit geben sollte und die sie in der Kunst fanden. Das Schönheitsideal wird aus der Anlage, aus demGeschmack, aus den Lebensbedingungen, aus der Culturentwickelung geboren. Ein jederMensch hat sein persönliches Schönheitsideal, das sich wie das einer Nation und einer Zeit nicht leicht auf eine andere Nation, auf eine andere Persönlichkeit übertragen läßt. Vergeblich hat man sich bemüht, die Frage: Was ist schön?" zu lösen. Die verschiedensten Antworten hat man gegeben, und die ganzbarste lautet: Schön ist, was gefällt." Man meint, daß das gefällt, was den Gesetzen des Ebenmaßes entspricht. Nun entspricht eine Venus von Milo vollständig den Gesetzen des Ebenmaßes. Bewundernd stehen wir vor ihr. Sie ist der Ausdruck vollendeter Schönheit. Das, was in Brosamen auf tausend weibliche Wesen vertheilt ist, das ist in seiner ganzen Fülle in diesem gemeißelten Bilde herausgearbeitet. Stumm, fast in Anbetung versunken, nehmen wir die classische Schönheit in ihrer majestätischen Ruhe in uns auf.. Und doch ist die Venus von Milo nicht das Schönheitsideal unsererTage, wie jeder Beobachter in den Kunstausstellungen bemerken wird. Unser Leben kennt kaum jene Ruhe griechischer Hoheit. Wir verbinden mit dem Begriff für das Schöne die Beweglichkeit. Beweglichkeit wirkt nur da schön, wo sie uns als Harmonie entgegentritt. Unsere Kunst ringt darnach, uns fähig zu machen, .die Formen- und Farbenschönheit, unabhängig von dem seelischen Gehalt, von der Idee, zu empfinden, weil für die modernen Künstler der seelische Gehalt sich in den Formen und Farben aufgelöst hat und mehr als Farbe und Form wirkt. Darum interessiren jene classischen Frauen - Schönheiten mit der Reinheit ihrer Linien. Uns ist aber die RegelMäßigkeit des Gesichtes einerFrau nicht das Wesentliche. Wir wollen in ihm lesen. Was kann uns die Frau geben? Was erkennen wir in ihr für einen Menschen? Solche Fragen tönen in uns, wenn wir einer Frau in dasAntlitz schauen. Strahlt uns aus demAusdruck der Physiognomie einer Frau ein beweglicher Geist, ein reiches, vielgestaltiges Innenleben, tiefes Empfinden, ein leidenschaftliches und sittenreines Glühen der Seele, lebhafte Begeisterung entgegen, so finden wir selbst solche Gesichter schön, die vor den Gesetzen des Ebenmaßes nicht bestehen können, weil es der Ausdruck einer Persönlichkeit ist. Nur solcheFrau kann aber eine Persönlichkeit genannt werden, die ein in sich abgeschlossenes, fertiges Wesen ist. Sie hat sich aus ihren Lebenserfahrungen, aus' ihrer Liebe zur Natur, aus ihrem eigenen Empfinden und durch den Rückblick auf die Entwickelung der Geistesströmungen eine Weltanschauung gebildet. Diese Weltanschauung steht oft im Widerspruch mit den Ansichten, Gewohnheiten und Gepflogenheiten der Umgebung dieser Frau. Persönlichkeiten schleifen sich aber nicht mehr ab. Ihre Jndividualität ist zu kräftig ausgeprägt, und meistens besitzt sie Härten. Diese Härten markiren sich in harten, scharfen Linien im Gesicht. Solche Linien haben einen gewissen Reiz für uns, sooald sie einen Rückschluß auf eine große Persönlichkeit gestatten. Sind diese Linien aber der Ausfluß einer kleinlich gesinnten Frau, eines niedrigen Charakters, sind sie entstanden durch beständige UnZufriedenheit mit dem Schicksal, durch rastloses Nörgeln mit der Umgebung, so verunstalten sie das Gesicht. Als tiefe Falten und Furchen setzen sie sich in der Haut fest und lassen eine Frau vor der Zeit alt und grau erscheinen. Man ist der Ansicht, daß gerade die Gesichter der Frauen aus ganz be stimmten Gründen mit tausend Falten und Fältchen durchquert sind, während der Männer Antlitz breite, lange, tief eingeschnittene Eingrabungen ausweist. Jede kleine Sorge, an denen ein Frauenleben gar reich ist, hinterläßt eine kleine, entstellende Spur, und fast jeden Tag ist sie um eine vermehrt. Die wenigen, aber großen Sorgen'des Mannes dagegen furchen sein Gesicht in großen Zügen. Diese Behauptung mag richtig sein. Leicht ist es aber, zu beobachten, daß der Charakter, die Lebensauffassung der Frau einen bedeutenden Einfluß auf ihre äußere Erfcheinung ausüben. Sie vermögen wohl nicht unregelmäßige Züge in ebenmäßige zu verwandeln, auch nicht das Umgekehrte zu vollbringen, aber sie können die bewegte Schönheit, die vielleicht nur Anmuth oder verlängerte Jugend ist, ihr verleihen. Heiterkeit und Frohsinn ist derSchutz vor frühzeitigem Welken und Schlaffwerden der Haut. Sie zaubern ein beständiges Lächeln auf das Gesicht. Man nimmt es zwar nicht wahr, es ist nicht zu sehen, man empfindet es nur. Da irgendwo sitzt es, bald in den Augen, bald in den Wangen, bald im Kinn. Unvermuthet, neckisch bricht es hervor, und es ist stets an seinem Platze. Es ist bekannt, daß vieles Lachen die Wangen rundet. Freilich ist nur von dem Beherrschten, nicht dem hen, ungebildeten Lachen die Rede. Wer zum Lachen neigt, hat sicherlich ein heiteres Gemüth: Heiter angelegteFrauen können dennoch ihrem innersten Wesen nach tief und ernst sein. Und wahrer Ernst schaut heiter in die Welt", ist ein Ausspruch des Lyrikers Richard Dehmel. In ihnen hat auch das Gefühl der Ruhe eine Heimstätte. Selbst, in lriti-

schen VugenbNöen bewahren sie Sicher tt und Geistesgegenwart. Wirklich heitere Menschen haben das Leben erprvbt. Wie Fontäne" wissen sie genau, daß alles vorübergeht, daß nichts bleibt, alles sich wandelt! Sie sehen da's Leben von einer höheren Warte an. Daber liegt in solchen Frauen nichts Hastiges, nichts Zerfahrenes. Mit Ruhe führen sie jede Bewegung aus. Diese Ruhe ist aber keine Trägheit, sondern das Ergebniß eines selbstständigen Characters. Selbstständige Frauen besitzen aber eine gewisse Krast. Und erst die Kraft giebt der Bewegung die gemessene Ruhe, und diese verleiht den Gliedern Weichheit und Fülle und schöne Formen, Güte und Selbstlosigkeit beleben die Augen mit einer wundervollen, sonnigen Wärme, die den Teint einer Frau mit einem rosigen Schein durchtränkt, während Frauen, die gleichgiltig sind, sich nicht begeistern, nicht Theilnahme und Mitleid empfinden können, kalt und gleichgittig und fahl und hager aussehen. Zorn entstellt die schönsten Züge, und Launenhaftigkeit, welche jeden Moment das Gesicht in eine andere Lage bringt, Verwischt die ursprünglichen Linien. Das Gesicht wird dadurch zu beweglich und giebt keinen einheitlichen Gesammteindruck. Das Antlitz der Frauen, die keiner kleinlichen Regung fähig, nicht eitel, aber vielleicht etwas selbstbewußt sind, insofern als sie die Grenzen ihres Könnens genau zu stecken wissen, die künstlerische Beranlagung besitzen und einen Stolz, der ihnen Richtmaß ist, spiegelt den Adel ihrer Seele wider unld wirkt schön. Frauen, die ihre Pflichten ernst erfüllen, Kleinigkeiten, Widerwärtigkeiten gering erachten, sich nicht von ihnen zu Boden drücken lassen und ihnen die gebührende Bedeutung einräumen, erziehen sich zur Geschmeidigkeit. Wie ein süßer Hauch durchdringt sie das Wesen einer Frau. Denn bei aller Freiheit, die sie erstrebt, ist es ihre größte Sehnsucht, zu lieben, geliebt zu werden, sich unterzuordnen. Entbehrt eine Frau, bei allen großen Zügen ihres Wesens, dieses feinen Reizes, der weichen Eigenschaften. so wird sie glücklich sein in einem selbsterwählten Beruf, aber nicht im innersten Empfinden als Frau. Mit Energie und'gutem Willen kann die Frau da wo ihr Qualitäten fehlen, die Natur ein wenig verbessern. Sie kann liebenswürdiger wirken, als sie es durch natürliche Anlage ist. Dabei darf sie aber niemals gekünstelt, sondern muß stets aufrichtig und wahr sein. Nur durch das Morgenthör des Schönen dringst Du in der Erkenntniß Land", singtSchiller. Wir können heute sagen: Nur durch Wahrheit gelangt man zur Schönheit.

Zwei Nadfayrleetionen. Ein etwas indiscreter Sohn Albions.er gern den stillen Beobachter spielt, belauschte kürzlich folgende interessante Zwiegespräche: Dialog zwischen einem seit sieben Jahren verheiratheten Ehemanne und der 22jährigen Frau seines Nachbars, der er das Radeln beizubringen sich erboten hat. Er: Ach, gehen Sie, Mrs. Wylie. Sie wollen doch nicht behaupten, daß Sie noch nie auf einem Rade gesessen haben? Sie halten ja wunderbar die Balame, und so leicht lassen Sie sich führen! O, bitte, das thut nichts, es ist ein Vergnügen, Ihnen behilflich zu sein. Fabelhaftes Geschick haben Sie! Wie graziös Sie schon absteigen können! Zu unsicher, meinen Sie? O, keineswegs. Sie sahren ja brillant. Erlauben Sie, daß ich Ihnen hinaufhelfe." Eine Stunde später. Dialog zwischen demselben Gentleman und seiner eigenen Gattin: Nun, Ellen, wenn Du noch lange so auf dem Rade hängen willst, wie ein Mehlsack, dann laß die ganze Radlerei lieber sein. Du wirst es ja im Leben nicht lernen. Ich sage Dir, ich habe keine Lust, we eine angeschossene Krähe hier vor allen Leuten herumzustolpern, um Dich festzuhalten. Das kann man wahrhaftig von keinem Menschen verlangen. Mrs. Wylie? Na. die alberne Person capirt die Sache in tausend Jahren nicht, ebensowenig wie Du. Was, das soll ich ihr gesagt haben ? Ich denke ja gar nicht daran. Ihre Hände habe ich gedrückt? Kann sein, jedenfalls aber nur, wenn ich dem schweren Klotz beim Auf- und Absteigen helfen mußte. Wenn ihr Mann mich nicht so gebeten hätte, würde ich mich gehütet haben, der watschelnden Gans Unterricht zu geben. Um Himmels willen, Weib, sitz doch nicht so schief! So tritt doch! Du thust ja gerade, als ob die Pedale nur zum Ansehen da wären! Pardauz, da liegt sie! So, wessen Schuld ist das nun? Jetzt mach aber, daß Du mit Deiner Karre auf den Hinterhof kommst! Ich will mich vor den Gaffern hier nicht länger als Hanswurst produciren. Ah, Du hast genug für heute? Na, ich auch mehr als genug. Adieu, meine Gnädige, ich werde längst im Club erwartet." Gedankensplitter. Im Schmerz nicht weinen, im Glück nicht lachen können, ist das Bitterste auf Erden. Am leichtesten macht sich ein Mädchen einen Namen durch den Traualtar. Reue i st nicht umsonst treib lichen Geschlechts, denn sie kommt meist zu spät. Verläumdungist ein Gift, das in kleiner Dosis am stärksten wirkt. Jeder ist seines Glückes Schmied. Die meisten müssen aber sehr lange schmieden. ' Gefallene Unschuld wird strenger verurtheilt, als verhülltes Latter. . .

Zlnscr Zunge.

Humoreske von Ialob Odön. Herr Berthold Tavin kam athemlos aus seiner Kanzlei nach Hause gerannt. Mutterchen, freue Dich, unsere Stunde hat geschlagen. Auch auf unsere Schwelle wird noch die Sonne scheinen." Und triumphirend fuchtelte er mit den Händen in der Luft herum. Seine Rechte hielt krampfhaft eine riesengroße Visitenkarte fest und vor Seligkeit konnte er kaum sprechen, nur stammein. Dicse Karte kam gestern Nachmittag, aber der dumme Kerl, mein Diener, hat sie auf meinem Schreibtisch vergessen. Da, sieh mal." Auf der Karte war in krausen Schriftzügen nur soviel zu lesen: K. Rath und Bergwerksdirektor Ladislaus Kapolthy de Kapolth und Frau geben sich die Ehre. Herrn Dr. Berthold Tavani nebst Gemahlin für morgen Abend, 8 Uhr, zum Souper zu laden." Das junge Frauchen sank mit einem Seufzer derErleichterung in den Lehnstuhl zurück, als wäre ihr eine Zentnerlast vom Herzen gefallen. Wie denn nicht? War ja doch das Haus des Bergwerkdirektors das vornehmste im ganzen Städtchen, das nur den Auserwählten offen stand, und in welchem die glänzendsten Soire6n, die opulentesten Soupers gegeben wurden. Die althergebrachte traditionelle Rangabstufung der erbgesessenen Familien erlitt einen vollständigen Ausammenbruch, denn nun begann die Werthschatzung ab- oder zuzunehmen, je nachdem, ob der Betreffende eine Einladung zu diesen Soireen erhalten hatte oder nicht. Und wer nicht zu den Auserwählten geHärte, dessen Ansehen sank bald tief unter Null. Nun aber gehörte zu diesen Berfehmten auch die Familie Tavani, welche bisher zu den Koryphäen des Städtchens gezählt hatte. Ja, der armen jungen Frau schien es sogar, als ob einige ihrer Freundinnen, die schon des Glückes einer Einladung theilhaftig geworden, sich kühler und reservirter zeigten als ehedem. Der Herr Doktor ließ sich mit zärtlicher Liebkosung neben seinem Frauchcn nieder. Nicht wahr, das überrascht Dich. Gott sei Dank. Das Eis ist gebrochen. Jetzt wird uns Niemand mehr über die Achseln ansehen können." Die junge Frau blickte voll Dankbarkeit zu ihm auf; dann aber fragte sie besorgt: Aber werden wir auch gehen können?" Ja warum denn nicht?" Wird uns der Bubi weglassen?" Das Antlitz des Gatten verdüsterte sich, und auch er begann nachdenklich in seinem braunen Bart zu. wühlen. Man sah ihm an, daß auch ihm der Bubi kein geringes Hinderniß schien. t Der Bubi war Niemand anders als ein fünfjähriger Junge, den die Eltern als den einzigen Erben ihres Namens unendlich verzärtelten, so daß fast immer sein Wille durchdrang. Man stand auf. wenn er dasHaus aus dem Schlaf lärmte; man ging zu Bett, wann es ihm beliebte, und die Eltern konnten nur dann fortgehen, wenn feine veränderliche Laune keinen Einwand machte. Herr Tavani grübelte lange über eine Kriegslist nach und endlich blickte er mit strahlender Miene empor. Weißt Du was, Mama? Heute geh ich nicht in die Kanzlei, sondern widme dem Bubi den ganzen Tag. Gegen Abend wui er so müde sein, daß er bei anbrechender Dämmerung schon zu Bett gehen wird. Dann kleiden wir uns lautlos an und lassen ihn allein." Das Frauchen fiel ihrem Mann jubelnd um den Hals, und beide lachten bis zu Thränen über den genialen Einfall. Der Bubi wurde sofort aus der Küche hereincitirt, wo er eben die süßen Ueberreste einer Marmelade mit den dicken kleinen Fingerchen von einem Teller wischte. Na, Bubi. Jetzt heißt's sich schön abwaschen lassen. Du gehst Vormittag mit Papa in den Stadtwald, Papa kauft Dir auf dem Markt Johannisbrodt, dann gehen wir in den Wald Hasen schießen." Bubi griff sofort nach der Flinte und wollte sich schon mit marmeladebedeckten Fingern auf den Weg machen. Nur mit Mühe gelang es, ihn einer oberflächlichen Abwaschung zu unterziehen. Endlich 1 machten sich Papa und Söhnchen auf den Weg. Aber schon auf demMarkt fing dieBescheerung an. Als Bubi in dem Geschäft, wo sie Johannisbrodt kauften, ein wirkliches Gewehr erblickte, begann er aus Leibeskräften zu heulen, er wolle 'eine solche Flinte haben, und es bedurfto einer großen Ueberredungskunst, um ihm weiszumachen, daß der Schornsteinfeger mit diesem Gewehr böse Buben fängt, aber Hasen können nur mit Bubis Pistole geschossen werden. Endlich geruhte er, das selber einzusehen. Im Walde gab's abermals viel Schwierigkeiten. Der kleine Jäger forderte hartnäckig die zu erlegenden versprochenen Hasen, die durchaus nicht vor dem tödtlichen Gewehrlauf erscheinen wollten, und brach in ein mörderisches Zetergeschrei aus, daß getoifc selbst die lahmen Hasen aufgescheucht wurden. Es blieb nichts anderes übrig, als sich in den Schatten eines Baumes niederzulassen und dort auf die Hasen zu lauern. So oft ein Vogel durch das trockene Blätterwerk streifte, meinte Bubi hoch und heiliz. es sei der langerwartete Käse und lauerte ihm so lange mit

spannter Aufmerksamkeit, die Augen auf. einem Punkt gerichtet, auf, bis er in Papas Schooß einschlief. Horch! Da schlägt die Thurmuhr die zwölfte Stunde. Jetzt heißt's den Heimweg antreten. Aber Papa Tavani waet es nicht,' sein Söhnchen zu wecken; aufseufzend nimmt er also den müden kleinen Jäger auf den Arm und trabt hinter den Weingärten mit der füßen Last den: Hause zu; dei.n über den Markt zu gehen mit dem großen Jungen auf dem Arm, das hätte doch seinem Ansehen empfindlich geschadet. Bubi aber schlief auch zu Hause weiter und erwachte in bester Laune, als der Papa nach dem Mittagessen müde und erhitzt sein Mittagsschläfchen machen wollte. Daraus ward aber nichts! Der Augapfel seiner Eltern, unser Bubi war nun geneigt mit Papa zu spielen. ' Papa stell Dich auf alle Biere. Ich will Hotthü spielen. So jetzt reit' ich auf Deinem Rücken." Und Papa, der seinen Bub! ohnedies ermüden und ihn, auf dieseWeise überlisten wollte, war natürlich gezwungen. Klein - Bübchen als Reitpferd zu dienen und den muthwilligen kleinen Husaren so tüchtig als nur möglich durchzuschütteln und durchzurütteln. Aber dies Spiel begann dem Bubi mit der Zeit langweilig zu werden. Da galt es nun, etwas Neues zu ersinnen. Versteckenspiel" draußen auf dem von Maulbeerbäumen beschatteten Hof. Papa mußte die Augen schließen, bis Bubi sich ein Versteck gewählt und der geplagte Papa hatte seine liebe Noth, bis er den Kleinen auffand. Der Nichtsnutz wußte sich so gut zu verstecken. Aber was ihn am meisten ermüdete, war das Pferdchen" spielen. Natürlich war er das Pferd, eine alte Schnur diente als Zügel und Bubi war der Kutscher. So galoppirten sie lustig rund um den Hof' herum, bis der Abend hereinbrach. Als es anfing, finster zu werden, begaben sie sich in's Schlafzimmer, wo Mama schon alles recht fürsorglich geordnet hatte. Die Vorhänge waren herabgelassen, auf dem- Nachttisch brannte eine Kerze und die weißen, weichen Federbetten luden verlockend zum Schlaf ein. Na Bubi, jetzt schön beten und schlafen gehen." Papa aber auch," forderte Bubi gebieterisch. Nun, mein Kind, Papa hat noch zu thun. Papa bleibt noch auf." Bubi warf sich ohne weiteres auf den Teppich nieder und hub ein Gebrüll an, welches einem wohlentwickelten Löwenjungen alle Ehre gemacht hätte. Gott gerechter! Das Kind bekommt Weinkrämpfe," fchrie die entsetzte Mutter, ihn vom Boden hebend und mit Küssen beschwichtigend. Leg Dich nieder, mein Herz, Papa wird sich auch niederlegen, Mama auch, mein Herzblatt." Bubi stellte das Weinen scfert ein, als wäre nichts geschehen. Er betete und ließ sich ruhig in's Vettchen legen. Papa und Mama thaten desgleichen und löschten die Keze aus, mit Mühe das Lachen über ihren gelungenen Staatsstreich unterdrückend. Na, den Jungen hab' ich aber gründlich überlistet." Ja, aber Bubi wollte durchaus nicht einschlafen. Als endlich Papa und Mama fest überzeugt waren, er schliefe, hob er den Lockenkopf und platzte ganz unvermuthet mit der Frage heraus: Nicht wahr, Papa, das Kameel thut dem Eisbären nichts zu leide?" Papa beantwortete die Frage mit demonstrativem Schnarchen, um dem Kleinen ein nachahmungswerthes Beispiel zu geben. Und wirklich gelang es ihm. Bubi stellte keine Fragen mehr, sondern schlief ein, indeß Mama mit verhaltener Heiterkeit sich an dem erheuchelten Schnarchconcert ihres Mannes belustigte. Ja, ja," murmelte sie. er ist etwas st'örrig, unser Kleiner, weil ihm der Papa zu viel nachgiebt. . . Wohl würde ich ihn auch für alle Schätze der Welt nicht mit einem Finger anrühren. Aber es wird .doch etwas Tüchtiges aus ihm. denn er hat ein gutes Herz." Jiz solchen und ähnlichen Gedanken sich ergehend, begann allgemach die Wirklichkeit vor ihren Augen zum Traum zu verschwimmen, da fühlte sie eine leise Berührung. Frauchen, daß Du mir ja nicht einschläfst, fast wär ich selber eingeschlummert." Erschrocken sprang sie auf und ihr Mann zündete rasch die Lampe an. Aber im selben Augenblick entfuhr ihm ein Schrei des Entsetzens. Herr Du mein Heiland, Mttternacht ist vorüber." Sie starrte ihn an, regungslos wie eine Salzsäule. Zu spät! Zu spat! Für ewig und immer ist uns die Thür dort verschlossen. Ja, es bleibt uns nicht einmal eine ordentliche Ausrede." Ueber dem ungewohnten Larm erwacht Bubi und steckt den Lockenkopf aus den Kissen hervor. Papa, werden wir morgen wieder spielen?" Wüthend schnaubt ihn der verzweiselte Papa an: Scheer Dich zum Teufel, nichtsnutzige Range Du."

Zuvorkommend. Wenn ich um zehn Uhr nicht zu Hause bin, liebe Frau, brauchst Du nicht mehr auf mich zu warten! "Fällt mir auch gar nicht ein! . . Wenn Du um neun Uhr nicht da bist, hol' ich Dich!" Malheur! Indianer (bei Skalpirung eines Weißen): Nein, was ich für ein Malheur hab', schon wieder ein Glatzköpfiger und meine Alte hat g'rad auf einen Chignon gevartet! ....... . .

Gin ttrwaldabentcuer.

Sch'n S'. meine Herren," erzählt Herr Borkhube: am Stammtisch, nach seiner großen Ameritareise. über echte Liebenswürdigkeit geht halt nix. Wie i drüben amal in einer kleinen Wcstgrenzftadt war. lädt mi' a a'.ter Tckaunter auf seine Farm -in. Er zt mir g'rai'n, bis an den Rand des Urwald'ö zu fahr'n, innerhalb dessen er sich a gut's Stück Land ausgerottet, hat, bezeichnet mir die Stelle genau, an der er mi' erwarten will und i fahr richtig bin. I steig' g'rad' an dem Ort aus, der ja. der Beschreibung nach, nct zu verkennen war und schau' rechts und schau' links aber von mei'm Spezi seh' i kei' Spur. No. denk i mir, schaust halt amal hinter die ersten Lüsch' und trapp' zu. Nix, nix und wieder nir! Unter solchen Umständen fährst du .wieder heim, sag' i zu mi? ja prost Mahlzeit! Wiei wieder aus 'm Gebüsch heraußen bin, is der Hallunk von einem Boy schon fortg'fahren g'wesen! Jedenfalls hat er net verstanden, was i ihm bei mei'mWeggeh'n g'sagt hab', denn deutsch hat er net g'lernt g'habt. Da steh' i also in der Prairie und weift mir net aus und nct ein! Und diese kannibalische Hitz! Jesseö jetzt a Maß Mllnchnerisch! Ja freili', im Urwald! I war schon froh wie ich nur wieder im Schatten war aba i bitt' Sie, was jetzt thun? Den Weg hoam woaß i net, den Weg zu mei'm Freund aa net. a saubere G'schicht! Da heißt's natürli' kalt's Blut ham und überleg'n. I setz' mi also auf an Stein und schau mir die nächste Umgebung genau an viel-' leicht daß i doch an, wenn aa an schmalen Weg entdeck'! Auf amal muß i Aug'n kriegt ham wie Suppenteller. Ja, is' dann jetzt das die Möglichkeit? Das muß i mit Händen greisen, eh' i 's glaub! I spring also auf und zu auf den Gegenstand meines Interesses, Ka Spur von Täuschung! Da steht auf einem Baumstumpf a echter bayrischer Maßkrug gelt, da reißt's ebenfalls die Aug'n auf? Wie i sng, a Maßkrug und was das Beste war, g'füllt!! Ihr könnt's Euch denken, daß er im nachsten Augenblick leer war. War das a Wohlthat! Bei der Urwaldkühle is das Bier ganz leidlich g'wesen aber freili' nur a Tropfen auf mei' durst'ge Scel'! Ueber das warum" und woher" hab' i mi' net lang kümmert, das könnt 'r Euch denken i hab' nur nach mehr geschaut. In der Näh' war nix mehr i geh also weiter. Nack, fünf Minuten Geh'n seh i, ebenfalls auf einem Baumstumpf einen zweiten danach einen dritten u.s.w., immer frischer. Hat mir der gute Kerl, weil i mi' verspät' g'habt hab und er und seine Leut' furchtbar no!hwendig bei der Ernt' g'habt haben den Weg zu seiner Farm mit Maßkrüg' markirt!" Aus alier Zeit. Aus den Wöchentlichen Frankfurter Frag- und Anzeigungs - Nachrichten" hat ein Sammler folgende Auszüge ausgegraben: Den 13. Januarii 1724. Bor ohngefähr 8 Tagen ist einem sicheren Frauenzimmer eine Tabatiere in ??orm eines Hertzens abhanden kommen, weil sie nun das Hertz verlohren und schier nicht weiß wie, als wird jedermänniglich hiermit ersucht, dem Besitzer des Hertzens gegen einer settsamen Recompens bey Außgebern dieser Nachricht zu melden." Den 18. Februarii 174. Auf einem frey Adelichen'Schlob ohnweit Franckfurt hat sich die Occasion ereignet, daß ein silberner Hembder - Knopff verlohren gegangen, welchen ein Hun, das nicht größer ist als eine Taub verschlungen, da dann die Cammer - Jungfer denselbigen in dem Kropff des Huns verspürte, hat sie dem Thier den Kropff und Hals aufgeschnitten, den Knopff herausgenommen. und den Schnitt wiederum verwahret, also daß das Hun gesund frisch und lebendig geblieben ist. Wann sich nun dergleichen anderswo begeben sollte, so ist gedachte Cammer-Jungfer im stand mit ihrer Wenigkeit zu dienen." Den 7. May 1731. Nachdem der hies. Burger und Becker - Meister Häffner, vermuthlich aus eigennütziger und widerrechtlicher Gesinnung, zur Blame seiner abgelebten Frau, deren Freundschafft und absonderlich des Backhauses auff der Schäffer - Gaß öffentlich auszustreuen kein Bedenken getragen, als ob ihn gedachte seine Frau nach ihrem Todt in seinem Hauß öffters beunruhigte, ein solches sich aber bey der darauff erfolgten gerichtlichen Untersuchung weder verifiziren können noch mögen: Als haben sich auch dieserwegen die nächste Anverwandte bemeldter Häffnerischen Haußfrau. 'mit Borbtwust eines hochlöblichen Consistorii, dem Poblico hiervon behörige Nachricht zu ertheilen, ohnumgänglich bemüssigtet gesehen. Poetische Annonce. Aus einem gewissen Grunde , Verkauf' ich ein Damenrad, Mein Liebchen ist verschwunden, Das drauf geradelt hat. Einfach. Eommis: Ich finde, Herr Müller, ich kann bei Ihnen kein rechtes Fortkommen finden." Chef: Na. dann machen Sie doch, daß Sie fortkommen." Unter E h e l e u t e n. Sie: Um mich haben sich seiner Zeit sehr viel Männer beworben." Er: Und ich hatte das Unglück, der Glückliche zu tmf