Indiana Tribüne, Volume 22, Number 339, Indianapolis, Marion County, 27 August 1899 — Page 6

Läringc mit Aprikosen. Ein schreckliches Unglück hat sich in Paris zugetragen, dessen Opfer um ein .Haar ein junges, glückliches Ehepaar .geworden wäre. Er, ein noch junger, liebenswürdiger Mann, Ingenieur, 'Staatsbeamter oder so etwas; sie ein reizendes kleines Frauchen von kaum 18 Lenzen, ebenso anmuthig und gutherzig, wie unwissend. Summa: Liebesheirath in jungen Jahren mit reichlicher Mitgift. Doch ach! Zeitig gefreit hat .och Niemand gereut, sagt &cax ein Sprichwort, das aber hier -und da wohl Ausnahmen zulassen dürfte. Die Köchin ist eine Trunkenboldin, das Dienstmädchen scharwenzslt den ganzen Tag mit den Soldaten der nahen Kaserne herum; Ergebniß: Äerger der jungen Frau, Magenverstimmung des jungen Mannes. Eines 2aa.es Monsieur ist noch im Buicau meldet das Dienstmädchen, fcafj Jeanne, der Küchenpudel, wieder sternhagel betrunken hinter der Absinthflasche umgesunken sei. Um GotleZwillen." ruft die junge Frau, und s ist schon elf Uhr! In einer kleinen stunde ist mein Mann da und wir haben kein Mittagessen! Schnell, Alice, Jjolm Sie beim Schlächter ein paar Beefsteaks, beim Kaufmann das und das. beim Bäcker das Brot; ich werde 'heute allein kochen." Es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken." dachte gewiß die junge Frau, oder sie dachte es auch nicht; kurzum, halb aus Werzweiflung, halb aus Ruhm- und Ehrsucht, schickte sie sich an. das Mahl heute selbst zu bereiten. Sie, die nie auch nur von Ferne den Schatten eines 5kochtopfes gesehen hatte, die bis zum Hochzeitstage 'hinter den klösterlichen Mauern des unpraktischen Pensionats Welt- und küchenabgeschieden schöngeistige Aufsätze im Stile der höheren Töchter verbrochen hatte! Freventliches Veqinnen! Zum Glück oder vielmehr zum Unglück hatte ihr Mann ihr als Äräutigam ein Kochbuch in Prachtband von rothem Moroquin geschenkt, das bis dahin unbeachtet und unange--rührt in ihrem Boudoir gelegen hatte. Schlag zwölf Uhr tritt der Gatte über die Schwelle, und zehn Minuten später ist das Essen aufgetragen. Das Beefstcak war zähe, auf der einen Seite blutrünstig, auf der anderen verkohlt; aber im Honigmond stumpft sich der , ehemännliche Geschmack zumal wenn eine Liebesheirath vorliegt wunderbarer Weise ganz bedeutend ab, eine physiologische UnVollkommenheit, die zum Glück bald nach dem ersten Eintreffen des Storches wieder verschwindet. Doch beim Nachtisch naht sich das Malheur", wenn auch nicht, wie bei Ausch. in der Flasche voll Liqueur", so doch in Gestalt einer complicirten Speise von geradezu entsetzlichem Geschmacke. Was ist denn das? fragt der nicht ganz angenehm überraschte HausHerr. Ach, sagt sie unter leichtem Erreiben, eine kleine Ueberraschung. die ich Dir selbst bereitet habe. Und wie nennst Du den tzöllenfraß? Na. merkst Du's. das ist Aprikosenauflauf. A pri ko sen auf lauf? Ja natürlich! Ich hab' ihn nach dem LZock:buche gemacht, das Du mir geschenkt h Nicht möglich! Laß doch mal sehen. Sie nimmt das Buch und triumphirenden Blickes liest sie: Man nehme ein halbes Pfund Aprilosen, kocht sie und rührt sie mit dem Weißen von sechs Eiern zu einer kleiura Paste zusammen. Dann (hier schlagt die junge Frau hastig die Seite .um) nehme man drei frische männliche Häringe, hackt sie klein ..." Waas? Häringe? ruft der Ehemann entsetzt aus, Härrnge mit Aprikosen??? Ja, .Häringe! entgeg.et sie auf das Bestimmteste, und wenn Du's nicht glauben willst, so lies es selber. Und da--mit gibt sie ihm das Buch über .den 2isch. nicht ohne eintn Anflug von geZränkter Hausfrauenwürde in dem reizenden kleinen Gesichtchen. Er liest nun gleichfalls; doch plötzl'ch hellen sich seine Aiige lif, und noch ehe sie ein Wort sprechen kann, bricht er in ein geradezu homerisches, schallendes Gelächter aus, dem ein wahrer Lachkrampf folgt. Endlich, endlich, nach fünf langen Minuten, ist er wieder soweit zu sich geZommen, daß er, Thränen in den Augen, des Räthsels Lösung geben kann; Du mein unschuldiges Lamm!" bringt er mühsam und von neuen LachQnfällen unterbrochen, hervor, Du Hast ja nicht bemerkt, daß zwei Sciten zusammengeklebt sind!" Zum Glück ijatte sie von dem Häringsapr'.kosen-:uf-lauf noch gar nichts, er aber nur einen Zleinen Löffel gegessen. Nun bedenken Sie aber die enisetzlichen Folgen, .die Ttckj eingestellt hätten, wenn die beleiigttt'.GeschmacIsn:rv:n schließlich doch noch stärker gewesen wären, als die erTJähnten Wirkungen des Honigmonds!

Auf ein Glas. Der Durst, mein lieber Freund, 5Zst eine arge Plage, "Und kann verbittern Dir Des Lebens schönste Tage. Drum halt Dich an mich Und laß' es wird Dir frommen So Du es irgend kannst, Niemals zum Durste kommen. Ein 3 ro nist. Richter: Sie werden nur bestraft, damit Sie sich bessern!" Berurtheilter: Ja, ich toerde mir Mühe geben, mich durch meine Zellengenossen vervollkommnen zulassen!" Rücksichtsvoll. Mann: .Wie, vierzig Mark kostet der neueHut? Das ist ja ungeheuer!" Frau: Ja, toit Steuerräthin stand nämlich gerade im Laden, wie ich ihn kaufte. . . . und da wollte ich Dich doch nicht blami-xtn!"

Zn der Vretagne. Von S. Samosch. Rennes, die alle Hauptstadt der Bretagne, war der Schauplatz des letzten Aktes des Dramas Dreyfus. durch das die civilisirte Welt geraume Zeit hindurch in Spannung gehalten wurde. Als ich zuletzt bei einem meiner Streifzüge durch die Bretagne in Rennes verweilte, hätte ich mir in der freundlichen Idylle des Thabor, der LieblingsPromenade der wohl nach der Pariser Mode gekleideten, aber keineswegs die reizvolle Grazie der Pariserin aufweisenden Rcnnoises kaum träumen lassen, daß in dieser friedlichen Umgebung jemals etwas Aufregendes geschehen könnte. Allerdings erhebt sich im Thabor das Denkmal des französischen Nationalhelden Bertrand du Guesclin. dessen im vierzehnten Jahrhundert durch die Siege über die Engländer erworbener Ruhmesglanz sechzig Jahre später durch den der Jungfrau von Orleans überstrahlt werden sollte. Nur lag es mir in Rennes beim Anblick der von den Müttern gehüteten weibli-

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B r e t o n i n n e n. chen Jugend durchaus fern, historischen Erinnerungen nachzugehen. Was ich vermißte, war das bretonische Lokalkolorit, das ich bei früheren Wänderungen in der am meisten nach Westen vorgeschobenen Provinz Frankreichs lieb gewonnen hatte. Wo waren die schneeweißen Hauben, die in-Auray, in Douarnenez. in Locmariaquer das Kostüm der Bretonin vervollständigen, dc.s auch im Uebrigen manches Eigenartige ausweist? Als ich vom Thabor aus in den daranstoßenoen Jardin des Plantes eintrat, sollte ich jedoch in einem anderen Sinn bretonisches Lokalkolorit finden. In hellen Schaaren durchzog die Geistlichkeit mit den zahlreichen Zöglingen der Alumnate die Wege dieses Gartens, in dem die Rosen berauschend süß dufteten. Ernst im Ausdruck ist eine bezeichnende Eigenschaft der bretonischen Be Dorfjugend. v'ölkerung; nur wäre es verfehlt, dieses Urtheil verallgemeinern zu wollen, als ob in der Bretagne nicht gelacht, nicht gesungen und nicht getanzt würde. Schelmisch und spöttisch zugleich sahen mich die kleinen Burschen an. die an der Pointe du Raz. der äußersten Spitze des Finistere, Augenzeugen wa ren, wie ich trotz vortrefflicher Führung an den steil abfallenden Felsen der Meeresküste dahinschwankte. " Hätte ich mich nicht vor Madame Malezieuz geschämt, die mir im Hotel du Pavillon zu Auray ganz genau den Weg von Quimper nach Douarnenez und von dort über den Audierne nach der Pointe du Raz zum Fauteuil derSarah Bernhardt vorgeschrieben, so wäre ich sicherlich noch vor dem Eingang zur Hölle von Plogoff" umgekehrt. Wie sehr beneidete ich damals die größte Trag'öbin Frankreichs um ihre SchwindelA l t e r B a u e r. freiheit, als mein Führer am westlichen Vorgebirge im Anblick des atlantischen Oceans erklärte. Sarah Bernhardt habe sich sogar an langen Seilen hinuntergleiten lassen wollen, um einen besseren Einblick in die jäh zerklüftete Felsenwelt zu erhalten! Nach der Künstlerin, die im Hochsommer mit Vorliebe die bretonische Küste, insbesondere Douarnenez und Umgebung aufsucht, ist auch ein Steinsessel benannt, den die Natur an der wildromantischen Pointe du Raz geschaffen und der nicht etwa durch die tief unte? brandenden Wogen des Oceans, sondern durch die Engländer bedroht wird. Nicht daß es sich um kriegerische Unternehmungen handeln könnte; viel

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mehr sind eS durchaus friedlich gesinnte Söhne Albions, die in der unmittelbar ren Nachbarschaft des Fauteuils der Sarah Bernhardt kleine Felsstücke los. schlagen und zum Andenken an die große Künstlerin mitnehmen.

Aauernfuhrwerk. Stimmungsvoll ist die Fahrt von Audierne zur Pointe du Raz. Den Weg weist uns zunächst der steinerne, oben durchbrochene Kirchthurm von Plogoff. den wir dann zur Rechten liegen lassen. Ganz aus Stein gebauten Kirchen und Häusern begegnet man in der Bretagne überhaupt häufig;, auch trifft man in den Fischerdörfern der Küste viel Armuth an, und sobald ein Wagen mit Fremden sich sehen oder hören läßt, findet sich ein Theil der Dorfjugend ein um den Wegzoll zu fordern. Werden einige Soustücke in den Chausseestaub, geworfen, so wird der Weg freigegeben und die ganze Mannschaft zieht sich in oder vor eines der verlassenen steinernen Häuser zurück, froh und guter Dinge, da das Tagewerk vollbracht ist, und es nur noch zu überlegen gibt, wie die Beute vertheilt werden soll. Im späteren Leben entwickeln sich diese jungen Burschen zu den tüchtigsten Matrosen der französischen Kriegs- und Handelsmarine; .verlassen sie den Dienst, so finden wir manchen von ihnen unter den Jslandfischern wieder, deren Lebensloos Pierre Loti, der vortreffliche Kenner der Bretagne, in so anschaulicher, charakteristischer Weise geschildert hat. Wer öfter die westliche Provinz Frankreichs besucht, kann sich der Wahrnehmung nicht entschließen, daß die Frauen dort das Heft in Händen haben. Gerade unter den Frauen und Mädchen der Bretagne begegnen "uns auch häufig intelligente Gesichter. Mit klugen Augen blickt gar manches Kind unter seiner weißen Haube hervor, als ob es bereits über die Räthsel des Daseins nachsinnen müßte. Später stellt sich eine gewisse Koketterie ein. die auch in dem schmucken Kostüm zum Ausdruck gelangt. Die Hauben Coiffes" und Bonnets" erscheinen in den mannigfachsten Spielarten; das gestickte Mieder, eigenartige Aermel. aufschlüge fallen nicht minder auf. Die jungen Burschen sind zumeist kräftige Gestalten, die in ihren kurzen dunklen Jacken und mit den breitkräm: pigen Hüten, von denen lange, schwarze Sammetbänder auf den Rücken hinab, fallen, die Vorstellung strotzender Ge sundheit erwecken. Im Alter sehen die Vretonen minder poetisch aus; nur der große, runde Hut bleibt ihnen auch dann treu, wenn das Antlitz längst von Runzeln durch furcht ist. Bei der Feldarbeit macht Jung und Alt es sich wohl bequemer; auf den Hut verzichten sie jedoch nur selten, gerade wie die Basken unten im Süden diesseits und jenseits der Pyrenäen sich von ihrem Barett, der dunkelblauen Boma", nicht trennen. Neben der Bestellung der Felder, über denen infolge der Nähe des Meeres ein leichter H t r tu i ni e e n fc e t g bläulicher Dunst zu flimmern pflegt, wird dem Obstbau in der Bretagne be. sondere Pflege zu Theil. Wie in der Normandie ist auch in der Nachbarprovinz der Cider das hauptsächlichste Ge. trank, und damit wurde ich auf's freigebigste bewirthet, als ich bei meiner Rückkehr von den Steinwundern der Menhirs, Dolmen und Kromlechs vor Carnac in eine bretonifche Hochzeit hin. eingerieth. Bei den keineswegs melo-. dischen Klängen des Biniou", des bre. tonischen Dudelsacks, bewegte sich der jüngere Theil der Hochzeitsgesellschaft nicht im' Rundtanz, sondern langsair hin und her. Mit feierlichem Ernst la. gen Tänzer und Tänzerinnen diesem Vergnügen ob; imMuseum von Quim. per fand ich später einige der Typen ii plastischen Darstellungen bretonischer Hochzeitsfcenen wieder. Wie uns aus dem gesummten Volksleben in der Bretagne ein Hauch der Schwermuth entgegenweht, kann es auch nicht überraschen, daß inmitten der phantastischen Steinwunder, an die die Legende vielfach anknüpft, neben einer strengen. Kirchlichkeit der Aberglaube, insbesondere der Glaube an Hezen, sehr verbreitet ist. Man braucht nur die Namen einzelner dieser geheimnißvollen Hügel zu hören, um zu begreifen, daß es in der Bretagne weder an Hexen fehlt, noch an solchen, die von ihnen die Zukunft erfahren wollen oder anderen Rath erbitten. 'Berg der Fee". Mane - er - Htoeck" heißt der .Tumulus" bei Ldcmariaquer, zu dem ich in sehr anregender Pariser Gesellschaft pilgerte. Gar lustig spottet

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Flaubert über die Steinwunder der Bretagne, deren Erklärung den (Zthnographcn die größten Sorgen bereitet. Seine ebenso bündige wie sarkastische Deutung lautet: Die Steine von Carnac sind große Steine." Daß die Bretagne eine Fülle empfehlenswerther Sommerfrischen und Ausflüge darbietet, ist in Frankreich und in England wohl bekannt. Deutsche finden sich dort nur selten ein, während die Seebäder der Normandie schon häufiger von ihnen aufgesucht werden. Wer aber nach der Normandie reist, sollte dort vor allem bis zum Mont St. Michel, einem wirklichen Weltwunder, vordringen. An der bretonischen Grenze gelegen, ist der Mont St. Michel, die zur Zeit der Fluth gleichsam aus dem Wasser emporragende

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Bei der Feldarbeit. Bergfeste, mit seinen architektonischen Meisterwe.'kin zugleich ein vortreffliches Ausfallthor nach dem nördlichen Theil der Bretagne. St. Malo und das einsame, vom Meer umbrandete Grab Chateaubriands würden dort das nächste Reiseziel in der an Naturschönheiten und interessanten Volkstypen überreichen Bretagne bilden. Vielleicht hat der Dreyfus - Proceß in Rennes die Wirkung, einen größeren Fremdenstrom auch vom Auslande nach der Bretagne zu leiten, die mit ihren stillen, verschlossenen Menschen und den schwermllthigen Landschaftsstim mungen dem deutschen Empfinden gar nicht so fern steht. Die Hauptfrage. h Freundin: Also Du hast es durchgesetzt, daß Dir Dein Mann die gewünschten neuen Sommertoiletten kaufte?" Frauenrechtlerin: Jawohl, jetzt kann ich mich wieder den übrigen Frauenfragen zuwenden." Stoßseufzer eines Antiquitätenhändlers. . . . Der Eine sagt, der Brief Schi!lcrs sei echt, der Andere, er sei unecht. . . .Daß sich aber auch die berühmten Leute nicht ihre Unterschrift polizeilich beglaubigen ließen!" Mißverständniß. , Ankommender Herr: Nun, Jean, drinnen ist wohl schon Alles voll?" Jean: Bis jetzt noch kein Einziger, gnädiger Herr!" Mißverständniß. Ausflllgler: Sie sollten dieSchweine nicht so nahe beim Hause halten!" Bauer: Warum?" Ausflügler: Weil es nicht gesund ist!" Bauer: Dös is net wahr! Dö Schwein' san no nit an einzig's Mal krank g'wesen!" I m Examen. Professor: Herr Candidat, wenn Sie nun einen goldglänzenden Gegestand finden, und Sie wollen sich Gewißheit verschaffen, ob das Metallstück echt ist, was thun Sie da?" Candidat Ich würde es versetzen!" Verblümt. Lehrjunge: Sie. Meesterin, seit wir 'Abends Suppe essen, schlafe ick immer jleich nachher ein. wie so 'n Ratz!" Meisterin: Na. wie kommt dennt das?" Lehrjunge: Seh'n Se. die Suppe macht immer sc kleene Oogen; das steckt mir an, und gleich nacher bin ick ooch weg!" , C o n f u s i o n. Herr (zum Pedell eines Gymnasiums): Bitte, lassen Sie mir den Gymnasiasten SchmidHammer auf einige Augenblicke heraus kommen!" Pedell (nach einigem Besinnen): Wir hamm an Hammer, dann Hammer zwei Schmidt, dann Hammer an Hammerschmidt, aber ari Schmidthammer Hammer net!"

' Der ßroe-Hravecanak. Mit berechtigtem Stolz darf die Hansestadt.Lübeck auf den mit schnellen Schritten seiner Vollendung entgegengehenden Elbe - Travecanal blicken, der dazu bestimmt ist, ihr eine neue und billige Abfuhrstraße in das Binnenland zu eröffnen. Bereits gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts stellte sich Lübeck eine Verbindung mit der Elbe in bescheidenen Abmessungen her. Dieser alte Siekenitz - Canal war die erste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Trotz seiner beschränkten Dimensionen' erweckte der Canal den Neid der Anlieger. In einer Hand den Spaten, in der andern das Schwert, mußte man bauen und die hergestellten Strecken bewachen, um das mißgünstige Lüneburg, wie später Mecklenburg und Stettin, zurückzuweisen. Aber trotz aller Tapferkeit konnte die Stadt Störungen nicht immer rechtzeitig verhindern. Man verstopfte ihr die Elbemündung, die Zuwegung ins Herz Germaniens, und versperrte auch wohl bei Einfällen in Lübsches Gebiet der Schifffahrt durch starkeKetten die freie Passage. Zölle wurden widerrechtlich erhoben und ungeachtet der Klagen bei Kaiser und Reich und trotz freiwillig gezahlter Aöfindungssummen lustig weitergefordert. Bis in die

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Dückeranlage. neueste Zeit hinein dauerten diese Schwierigkeiten, und erst am 13. Mai 1843 gelang es dem Vertreter Lübecks bei den Verhandlungen der Elbeschiff-fahrts-Commission zu Dresden, nachzuweisen, daß sich Hannover bei Lauenburg ohne Fug und Recht einen Durchgangszoll eingezogen hatte. Viel Nutzen hat die endliche Freigabe des Wasserweges nun nicht mehr gebracht, denn für heutige Verhältnisse war er zu seicht, zu schmal und zu krumm. Die Eisenbahn trat außerdem -als gefährlichste Nebenbuhlerin auf und machte seiner Existenzfähigkeit bald den Garaus. Aus diesem Grunde wurde die Herstellung eines neuen Wasserweges nach der Elbe eine Nothwendigkeit. Es war nicht leicht für die kleine Stadt, sich an die Ausführung dieses Bauwerks zu wagen, das mehr als 23 Millionen Mark an Ausgaben erfordert. Wohl hat der mächtige Nachbar, Preußen, einen Theil der Bausumme zugeschossen, jedoch den Löwenantheil leistet Lübeck selbst. Der Wasserbaudirector P. Rehder zu Lübeck bearbeitete das jetzt in der Ausführung begriffene Project, das am 4. Juli 1893 durch Staatsvcrtrag zwischen Preußen und Lübeck angenommen und im Frühjahr 1894 verfassungsmäßig genehmigt wurde. Danach belaufen sich die Baukosten auf 23.554,000 Mark. Der Canal verläßt bei Lauenburg die Elbe, schneidet dicht beim Bahnhof Büchen die Berlin - Hamburger Bahn, berührt das wunderschön. gelegene Mölln i. L., erreicht Lübeck im Südwesten und umkreist, die alten Wälle bespülend, die Stadt im Süden und Osten, um schließlich im Norden, -unmittelbar vor dem Burgthore, in den Seehasen einzumünden. Diese Umführung fand viele Gegner, weil die Trave sich schon früher mit dem Canal vereinigt hat, die Stadt im Westen umschließt. Die Umführung geschah aber, neben Gründen technischer Art, deshalb, um auf den Osten der Stadt und ihren Verkehr befruchtend zu wirken. Außerdem wollte der Erbauer die ankommenden Elbkähne dem schmalen Seehafen möglichst fernhalten und die enge Trave nicht mit den langen Flußschiffen zustopfen. In allerletzter Stunde machte sich gegen die th'ilweise Abtragung der herrliche Promenaden bietenden Befestigungen noch eine ganz energische Agitation gel-. Beim Burgthor. tend. Man kann fast sagen, um jeden Baum wurde erbittert gestritten. Trotzdem ließ sich die Erhaltung aller Anlagen nicht durchsetzen; namentlich vor dem Mühlenthore sind gewaltige Einschnitte und Bodentransporte vorgenommen. Dadurch ist der alte Kaiserthurm, in dessen Obergeschoß sich noch heute die staatliche Navigationsschule Lübecks befindet, wieder aus dem vor circa 300 Jahren angeschüttetenFestungswalle herausgegraben worden. An beiden Seiten des zukünftigen Canals zieht sich schon rings um die Stadt herum eine Beton - Einfassungsmauer. deren Oberkante bei mittlerem Wasserstande gerade aus der Fluth hervorragen soll. Die Canalarbeiten in der Nähe von Lübeck sind so weit gefördert, daß man schon bis zur Brüssauer Schleuse sahren kann, die allerdings noch im Bau befindlich ist. Die folgende, beim Dorfe Krummesse, ist fertig und im Betriebe, um als Muster für die übrigen sechs zu dienen. Fünf vermitteln den Aufstieg von der Trave, zwei den von der Elbe bis zur 30 Kilometer langen Scheitelstrecke, die rund 12 Meter über dem Spiegel der ersteren und 7 Meter über dem Elbemittelwasser liegt. ,

5.1. i & iprsfytö fc&Mi-. jft miSM. E?

Die Krummesser Schleuse ist nach dem Plane des zweiten Lübecker Bauleiters. des Bau - Inspektors Hotop, mit Sparkammern und Sauaalocken

: erbaut, um einen Betrieb mit möglichst ! geringem Wasserverbrauch zu erzielen. Unser letztes Bild zeigt die Schleuse im Bau. Wir sehen durch das eine der großen Thore hinein in die geöffnete Schleusenkammer und können noch einen Blick werfen auf die geheimnißvolV" 2 : Huxterthor -Brücke. len, nun schon monatelang unter Wasser verborgenen Umlaufrohre, Heberglocken und andere, dem Laien unbestimmbare Vorrichtungen, die in weniger als 10 Minuten die gewaltige Schleusenkammer selbstthätig leeren und füllen. Der Wärter reZelt von' seinem über dem offenen Thore sichtbaren Häuschen durch Umlegen eines Hebels diese verborgenen Kräfte. Das andere Ende wird durch ein um die horizontale Achse drehbares Schwimmthor geschlossen, das sich durch die Einströmung von wenigen Kubikmetern Luft hebt und durch Verdrängung derselben wieder unter Wasser in eineVertiefung der Schleusenschwelle hinabsenkt. Rings um die Stadt Lübeck stieß die Bauausführung auf manche Schwierigkeiten. Zunächst bot wohl die Dückeranlage zwischen dem Mühlen und HLzterthore im Südosteu der Stadt den Technikern Gelegenheit, ihre Tüchtigkeit zu beweisen. Die großen Rohre von Meter Durchmesser sollen die Gewässer der Außenwakenitz unter den Canal hindurchleiten, ihr einen neuen Abfluß verschaffen, wenn man die alte Entwässerung vor dem Burgthore zudämmt. Zahlreiche Rammpfähle und Versteifungen der Spundwände zeigen, wie vorsichtig man abstützen mußte, um die Arbeit iroj; des ungeheuren Gegendruckes von benachbartem Moorgrund und DrängWasser zu gedeihlichem Ende zu führen. Einige hundert Meter weiter nach Osten hat eine Villa der Hüxterthorbrücke weichen müssen. Hier tritt der Canal in die weite und vordem seichte Wasserfläche der Wakenitz, den vor Jahrhunderten aufgestauten Abfluß des !?.2tz:burgers Sees. Ihr Wasserspiegel muß um rund 3 Meter gesenkt werden und soll dann den Binnenhafen bilden. Deshalb hat man schon fleißig gebaggert und schafft die Modbeschichten auf diese Weise ohne Belästigung der Anwohner beiseite. Seit die Dückeranlage den Abfluß vermittelt, ist mit dem Senken bereits begonnen. Schleuse im Bau. Später werden zwei Gewässer in verschiedenem Niveau unmittelbar nebeneinander fließen, das den Canal einlaufende Fahrzeug braucht aber beim Burgthor nun keine Schleuse mehr zu Passiren. Die neue Brücke wird jenseits des Nothdammes erbaut und später einen prächtigen Blick nach Marly im Osten wie über den Seehafen hinweg gewähren. Hier im Vordergrunde mündet der Canal dann in die Trave, nachdem er noch unmittelbar am Ufer von einer hydraulischen Hubbrücke überspannt wird, auf der die Schienenstränge der Hafenbahn zu den-enseitigen Lagerschuppen der Kaufmannschaft führen. Die ganze Länge des Wasserweges beträgt 67 Kilometer. 26 davon entfallen auf Krümmungen, deren kleinster Radius nicht unter 600 Meter herabgeht. Die Mindesttiefe ist überall 2 Meter bei einer Sohlenbreite von 22 Meter. Es ist jedoch von vornherein Vorsorge getroffen, diese Abmessungen nach Bedarf auf 2, beziehungsweise 27,30 Meter vergrößern zu können. Außer Canalhäfen bei Lübeck, Lauenbürg und Mölln sind verschiedene Lösch- und Ladeplätze, Ausweichestellen und so weiter eingerichtet, so daß der Verkehr auch mit den größten, heute gebräuchlichen Elbschiffen sofort nach der Vollendung der Arbeiten ausgenommen werden kann. Trotz mannigfacher Hindernisse sind die Arbeiten so weit gediehen, daß die neue Wasserstraße mit dem kommenden Jahrhun dert wird eröffnet werden können. N e t t e r T r o st. Sie: Wenn ich nun mal vor Dir sterbe, Alex, würdest Du dir dann eine zweite Frau nehmen?" Er: I bewahre, ich will froh sein, wenn ich Wittwer bin." Ihr Verlobung s-Konto. Ich liebe Sie unendlich, liebes Fraulein, werden Sie die Meine!" Ach wie schade, momentan bin ich gerade verlobt, aber ich werde Sie vormerken." Raffinirt. Junge Frau: Du verstehst eben Deinen Mann nicht zu behandeln. Meinst Du, ich bekomme auf geradem Wege etwas? Wenn ich von meinem Otto ein lumpiges Kleid haben will, muß ich mindestens eine Brillantschmuck von ihm verlangen. Darüber ist er natürlich entsetzt und dann froh, wenn ich schließlich mit einem Kleide zufrieden bin!"

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(I $20 r Ein Quart. Eine Halb:. jAk ( f tZMW K. i' t E.FUAl n !'rte3 a rr ir ZS?lS l V S Drei Quart. Eine Maß. Verdächtige Zärtlichkeit. Sieh', Hans, wie lieb und zärtlich Gretchen mit mir ist, während Du, abscheulicher Junge, es kaum der Mühe werth findest, mir guten Abend zu wünschen!" Ich hab' aber auch das Tintenfaß nicht über Deine Bücher geschüttet!" ZarteAufmunterung. Wirthin: Hat sich der Referendar immer noch nicht erklärt?" Tochter: Ach wo; ich habe ihm schon vier Mal Mittags Kalbsherz vorcesetzt aber er spricht immer von 'waö Ander'm!" Ahnungsvoll. ZS5 Kadett: Sie, Meister, malenSie mir 'mal ein schneidiges Thürschild für Salon!. . Heiße von Schnabelberg. . . Dienstgrad weglassen kolossal unsicher!!" O h w e h. Mutter: Henriette. Du warst mit dem Herrn Meyer gestern noch sehr lange zusammen." Tochter: Wir sahen nach den Sternen, Mama!" Mutter: Es waren ja gar keine Sterne! Der Himmel war ja vollständig bewölkt." Tochter: So? DaZ haben wir garnicht bemerkt."

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