Indiana Tribüne, Volume 22, Number 339, Indianapolis, Marion County, 27 August 1899 — Page 3

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Roman von K. Orth. (5. Fortsetzung.) Sennor Manuel del AascoZ Stolz schien einen harten Kampf mit seinem guten Herzen bestehen zu müssen, ehe er sich besiegt gab; denn es verging eine geriu'.'ac Zeit, ehe der treffliche Mann der Oberin erklärte, daß er auf ihre Fürsprache hin und um seiner armen todten Schwester willen die schwere Würde dieses so verantwortlichen und undankbaren Amtes denn in , Gottes Namen noch weiter tragen wolle. Wie der küßte er der Matrone demüthig die Hand und nickte der Pförtnerin gütig lächelnd zu, als er das Kloster verließ. Aber seine Stirn war finster umwölkt, und ein Schatten ernster Sorge lag auf seinem Gesicht, als er eine halbe Stunde später im Congreßgebäude einen der Parlamentsdiener mit seiner Visitenkarte in den Sitzungssaal schickte, damit, er einen der Deputirten. den Rechtsanwalt Doctor Juan Martinez. herausrufe. Schon nach Verlauf weniger Minuten war der Abgeordnete zur Stelle, und in leisem, eifrigem Gespräch schritten die beiden Männer zwischen den Säulen des zufällig ganz leeren Wandelganges auf und nieder. ..Wir müssen also die Entscheidung unbedingt noch um einige Zeit hinauszögern," schloß del Vasco eine längere yastige Auseinandersetzung. Ich selbst wünsche ja sehr lebhaft, daß wir die Sache so bald als möglich zum Abschluß bringen könnten; aber es liegen eben sehr triftige Gründe vor, die es unmöglich machen." Der andere, ein eleganter, hagerer Herr mit einem wahren Raubvogelgesicht, verzog ein wenig die Lippen. Was Sie mir jetzt vorschlagen, verehrter Herr College, ist gegen unsere Abrede. Und ich denke, auch Sie hatten ein Jntereff? daran, daß es bei unserem letzten Uebereinkommen bleibe." Ich wiederhole Ihnen, Martinez. daß es unmöglich ist. Wohl waren wir übereingekommen, daß ich nur noch solche Einwendungen erheben würde, die zu widerlegen Ihnen ein Leichtes sei. Sie hätten dann entweder ein obsiegendes Erkenntniß für Ihre Parte: erstritten, oder ich wäre in der Lage gewesen, einen für Sie vortheilhaften Vergleich mit Ihnen abzuschließen " ..Vortheilhaft nicht nur für uns, Sennor del Vasco," fiel ihm der Deputirte mit sarkastischem Lächeln in die Rede. An dem Tage, da wir den Proceß gegen die Sennorita Conchita Ortezas gewinnen oder ihn durch einen Vergleich beenden, der den Wünschen meiner Mandaten entspricht an demselbenTage wird Ihnen durch mich als Entschädigung für Ihre Bemllhungen eine halbe Million in Gold ausgezahlt werden. Ich meine also, der Vortheil läge da aus beiden Seiten." Natürlich! Das ist die selbstverständliche Voraussetzung für jedes Geschäft. Käme es nur auf mich an. so könnte der Vergleich noch heute abgeschloffen werden. Aber ich muß vorsichtig zu Werke gehen, damit auch nicht der Schatten eines Verdachtes auf mich fallen kann. Meine Nichte glaubt felsenfest an einen glücklichen Ausgang des Processes und ist leider ein sehr mißtrauisches Geschöpf. Ich muß sie ganz allmälig vorbereiten, wenn sie uns bei ihrer Unberecyenbarkeit nicht noch im letzten Augenblick einen schlimrnen Streich spielen und den ganzen Plan zerstören soll." Sie hätten dazu meiner Ansicht nach Zeit genug gehabt, Herr College! Da man uns keine Beweise entgegenstellen kann, und dieLage des Processes für uns deshalb die denkbar günstigste ist. sehe ich in der That keinen Grund, die Entscheidung, die nur nach unseren Wünschen ausfallen kann, durch irgendwelche Winkelzüge zu verzögern. Ich hoffe vielmehr zuversichtlich, daß schon im nächsten Termin das Urtheil gesprochen werden wird." In Manuel del Vascos stieg die Zornesröihe auf. Sie glauben also, meiner nicht mehr zu bedürfen und sich bereits über meine Wünsche hinwegsetzen zu können! Sie befinden sich da in einem Irrthum, Sennor Martinez! Es könnte leicht geschehen, daß gewisse Documente, die man jetzt für verloren oder nie vorfanden gewesen hält, plötzlich und zu sehr ungelegener Stunde zum Lorschein kommen, wenn nun, wenn man mich zwänge, etwas eifriger als bisher nach ihnen zu suchen." Auf dem hageren Gesicht des anderen lag noch immer das ironische Lächeln. Wir sind unter vier Augen, Don Manuel weshalb sollten wir uns also da eine Comödie vorspielen? Es war kein übler Schachzug, daß Sie Ihre Proceßgegner an das Vorhandnsein jenerDocumente glauben machten und sie dadurch bewogen, Ihnen für die Unterdrückung derselben eine so bedeutende Belohnung zuzusichern. Ich habe Ihnen das Spiel nicht verdarben, denn wir Menschen sind darauf angewiesen, uns gegenseitig gefäl lig zu sein. Aber ich muß darum noch nicht naiv genug sein, auch für meine Person an die Existenz dieser Quittungen zu glauben, die allerdings jeden Anspruch meiner Mandanten hinfällig machen würden." Und wenn ich Ihnen mein Ehrenwort dafür verpfände, daß ich sie besitze?" fragte del Vasco, indem er seine Stimme vorsichtig bis zu leisem Flüstern dämpfte, werden Sie auch dann noch an der Wahrheit meiner Worte zweifeln?" Ihr Ehrenwort. Don Manuel ah. das ist freilich etwas anderes! Nach einer solchen Versicherung nehme ich alles zurück und erkläre, daß ick von dem Vorhandensein der Schriststücke ounmehr felsenfest überzeugt bin."

Der Ausdruck seines Gesichts untz der spöttische Klang seiner Worte mußten für del Vasco den Werth dieser Erklärung allerdings einigermaßen beeinträchtigen. Er gab sich indessen den Anschein, von dem beleidigenden Gebärdenspiel nichts zu bemerken und fuhr hastig fort: Lassen Sie uns zu Ende kommen, denn ich kann nicht wünschen, daß man mich mit einem politischen Gegner so lange verhandeln sieht. Wir werden den Proceß also noch eine Weile hinziehen etwa fünf oder sechs Monate sagen wir bis nach den Gerichtsfnien! Nur unter dieser Voraussetzung halte ich unser Uebereinkommen aufrecht. Sind Sie damit einverstanden?" Wenn dies nun wirklich das letzte Wort in der Angelegenheit ist, meinetwegen! Aber ich mache Sie darauf aufmerksam, Don Manuel, daß wir uns zu einem weiteren Aufschub unter keiner Bedingung bewegen lassen werden." Es wird dessen nicht bedürfen erklärte del Vasco kurz. Und Sie verbürgen sich auch weiterhin für die Verschwiegenheit meiner Gegner?" Man pflegt solche Dinge nicht an die große Glocke zu hängen, wenn man selbst irgendwie an ihnen betheilit ist," erwiderte Sennor Juan Martin nez. Und in der vorliegenden Angelegenheit vollends dürfte Wohl jeder von uns den anderen so ziemlich in der Hand haben. Ich habe Sie immer als einen vollkommen ebenbürtigen Gegner geschätzt und bewundert, verehrter Herr College!" Sie reichten einander nicht die Hand zum Abschied, aber als sie sich nun in die Augen sahen, lächelten beide, und Sennor Manuel del Vasco athmete erleichtert auf. als er das Congreßaebäude verließ. 8. Capitel. Drei Wochen waren bereits fei! seiner Ankunft in Buenos Aires verstrichen, und noch immer lebte Rodewaldt dahin wie in einem schönen Traume. Schien es doch, als ob sich in diesem herrlichen Erdenwinkel alles auf ei.ie geradezu wunderbare Weise nach seinen Wünschen gestalte. Er hatte erwartet, eine überaus schwierige und verdrießliche Aufgabe vorzufinden, aber er war zu seiner angenehmen Ueberraschung sehr bald inne geworden, daß die Angelegenheiten der Bank in r.'ster Ordnung waren. Mit Gewissenhaftigkeit hatte er die Verhältnisse geprüft, und es war ihm nicht gelungen, irgend eine Unregelmäßigkeit oder Nachlässigkeit in der Geschäftsführung seines Vorgängers zu entdecken. Freilich wäre er wohl kaum so schnell und so sicher zu diesem günstigen Ergebniß gekommen, wenn ihm nicht Henningers gründliche Sachkenntniß und geschäftliche Erfahrung über die Schwierigkeiten hinweggeholfen hätte, die sich ihm trotz seiner eigenen kaufmännischen Tllchtigkeil hie und da entgegenstellten. Täglich fand er auf's neue Gelegenheit, die ruhige Umsicht und den Scharfblick des Prokuristen zu bewundern. Und wenn auch ihr persönliches Verhältniß trotz des regen Verkehrs bei der immer glei chen, höflich kühlen Zurückhaltung Henningers noch keine herzlicheren Formen angenommen atte, so hielt sich der junge Director doch überzeugt, daß die beinahe instinctive Abneigung, die er im Anfang gegen seinen Mitarbeiter empfunden, nichts als ein höchst ungerechtes Vorurtheil gewesen sei. Seine Abende hatte er bisher stets in Sennor del Vascos Hause zugebracht, und gerade diese köstlichen Abende waren es, die ihm Argentinien noch immer wie ein Märchenland erscheinen ließen. Die heitere, zwanglose, von allen lästigen conv?ntionellen Fesseln befreite Geselligkeit, wie sie in diesen abendlichen Zusammenkünften gepflegt wurde, entsprach seinen eigenen Neigungen viel mehr als die zwar freigebige, doch steife und ceremoniöse Gastlichkeit, an die er in Hamburg gewöhnt worden war. Und Doctor Jos6 Vidal hatte nicht übertrieben, wenn er den Portenno von Buenos Aires den liebenswürdigsten und verbindlichsten Menschen der Welt genannt hatte. Alle diese eleganten Herren, die in Donna Marias Hause mit der Ungenirtheit von Fainilienmitgliedein X und aus gingen, behandelten den neuen Ankömmling wie einen vertrauten Freund; sie wurden nicht müde, ihm ihre Dienste anzubieten und sich ihm mit allem, was sie besaßen und vermochten, zur Verfügung zu stellen. Wohl mochte nach Rodewaldts Meinung das meiste davon nur höfliche Form und artige Phrase sein, aber der Verkehr mit diesen immer heiteren und immer zuvorkommenden Menschen hatte doc.) etwas sehr Angenehmes und Wohlthuendes. Das Geheimniß der unwiderst?hlichen Anziehung, . welche Donna Marias abendliche Empfänge auf ihn ausübten, lvar durch sein Wohlgefallen an den neuen Bekannten ' freilich noch nicht vollständig erklärt. Den süßesten Reiz der traulichen Stunden, die ,er nach rechtschaffen erfülltem Tagewerk verbrachte, bildete nicht das muntere Geplauder der nach der neuesten Pariser Mode gekleideten Caballeros, sondern Sennorita Jsabellas Persönlichkeit. An ihrer Seite oder doch in ihrer Nähe in dem dämmerigen, von Vlüthenduft erfüllten Patio zu sitzen, ihrer melodischen Stimme." ihrem silberhellen Lachen zu lauschen und sich an dem Anblick ihrer Schönheit zu erfreuen, bedeutete für Rodewaldt ein täglich sich erneuerndes Glück, nach dem er sich während des ganzen Tages sehnte, und das in den Träumen der Nacht ost genug seine liebliche Fortsetzung fand. Und doch war er seltsamerweise heute nicht mehr so fest wie an jenem ersten Abend davon überzeugt, daß es wirklich Liebe sei, was er für Jsabella del Vasco fühlte jene tiefe, echte,

wahrhaftige 'Liebe, die Noth und Tod überdauert und jede andere Empfindung in dem von ihr erfüllten Herzen ausschließt. Er bewunderte sie, wie man ein herrliches Kunstwerk von MenschenHand bewundert, er fühlte sein Herz in rascheren Schlägen klopfen, wenn im traulichen Gespräch der warme Hauch ihres Athems seincWange streifte, aber es regte sich nicht mehr wie Eifersucht in ihm, wenn er wahrnahm, daß di:selben Gunstbeweise die sie ihm vergönnte, auch anderen zu theil wurden, und mehr als einmal hatte er sich auf dem Gedanken ertappt, daß die in dieser schönen Hülle wohnende Seele doch wohl nicht seinem Ideal entspreche. Nicht daß er etwas eigentlich Tadelnswerthes an ihr wahrgenommen hätte. Aber er fühlte sich zuweilen von einem leisen Mißtrauen beschlichen, daß nicht alles, was ihn anfänglich an ihr entzückt hatte, echt und aufrichtig gewesen sei. Irgend eine unbedachte Aeußerung, die ihr im tändelnden Geplauder mit einem jungen Portenno entschlüpfte, verletzte mitunter sein feines Empfinden und wurde ihm zum Beweise einer Leichtfertigkeit ur& Oberflächlichkeit. die er bis dahin nicht vermuthet hatte. Wohl zeigte sie sich'ihm gegenüber noch immer voll warmherziger Begeisterung für alle's Große und Schöne, voll feuriger Liebe für die Kunst und voll lebhaften Interesses selbst für die ernsthaftesten Fragen des Lebens; aber er wurde bei all' seiner Arglosigkeit und bei all' seiner glühenden Bewunderung den Verdacht nicht mehr los, daß ein gut Theil. Schauspielerei bei dem allen sei, und so geschah es, daß er in seinem Benehmen gegen sie eine beinahe ängstliche ZurückHaltung beobachtete, daß er jeden seiner Blicke, jedes seiner Worte sorgsam bewachte und sich niemals die kleinste Freiheii gegen Jsabella gestattete, wie groß und wie lockend oft auch die Versuchung dazu sein mochte. Denn nicht nur die Sennorita selbst, sondern auch ihre Angehörigen thaten absichtlich oder unabsichtlich alles, was dazu geeignet sein konnte, einer in seinem Herzen keimenden Leidenschaft Vorschub zu leisten. Weder Manuel del Vasco noch seine Gemahlin schienen es zu bemerken, wenn die beiden jungen Leute abseits von den anderen in irgend einem traulich? Winkel des Patio miteinander plauderten, oder wenn sie gar auf Biertelstunden im Innern des Hauses verschwanden, weil Jsabella ihrem deutschen Lehrmeister, wie sie ihn scherzend zu nennen pflegte, dieses oder jenes zeigen wollte. Dann konnte die Sennorita in ihrem Eifer manchmal vollständig vergessen, daß der, zu dem sie sprach, ein Bekannter von wenig Tagen und ein junger Mann war. Sie legte in ihr?n Worten .wie in ihrem Benehmen eine Vertraulichkeit an den Tag, die nur ein Ausfluß unschuldigster Naivität ode? sehr klug berechneter Coketterie sein konnte. Und die Anforderungen, welche solche Situationen an Rodewaldts Selbstbeherrschung stellten, waren zuweilen nicht gering. Aber nach seinenEhrbegriffen durste kein Wort, das sich als eine Liebeserklärung hätte deuten lassen, über seine Lippen kommen, ehe er nicht über die Natur seiner Empfindungen ganz mit sich selbst im Reinen war, und ehe er sich nicht entschlossen hatte, der Tochter Manuel del Vascos seine Hand anzutragen. Er würde sich selbst verachtet haben, wenn er hätte vergessen können, daß er die Gastfreundschaft dieses Hauses genoß, und daß es seine Pflicht sein müsse, sich des Vertrauens würdig zu zeigen, das man ihm hier so offenkundig entgegenbrachte. Die angestrengte Arbeit des Tages und die heiteren Zerstreuungen der Abendstunden hatten ihn bis jetzt verhindert, seinen liebenswürdigen Reisegeführten von der Jtalia", den Doctor Jos? Vidal, aufzusuchen, obwohl er ein lebhaftes Verlangen fühlte, den ausgezeichneten Mann wiederzusehen. Von dem Prokuristen Henninger hatte er auf eine gelegentliche Frage ersahren. daß Docto? Vidal der meist beschäftigte Arzt von Buenos Aires sei. und daß seine Praxis ihm nicht nur ein großes Vermögen, sondern auch ein so hohes gesellschaftliches Ansehen eingetragen habe, wie es sich in europäischen Ländern in Arzt nur. unter ganz außergewöhnlichen Umständen zu erwerben vermag. Aber der Prokurist hatte dieser Auskunst zu Rodewaldts Ueberraschung auch die Mahnung hinzugefügt, den Namen des Doctors in Manuel del Vascos Hause so. wenig als möglich zu erwähnen. . Donna Maria würdigt ihn ihrer ganz besonderen Feindschaft," hatte er gesagt. Ich weiß nicht, ob sie einen triftigen Grund dafür hat. aber bei Frauen bedarf es ja zumeist der stichhaltigen Gründe so wenig für den Haß als für die Liebe. Und wenn Ihnen daran gelegen ist, sich die Gunst der Sennora zu erhalten, werden Sie gut thun, ihrer sehr stark ausgeprägten Abneigung gegen jenen Doctor Vidal Rechnung zu tragen." Rodewaldt hatte diese Warnung denn auch bisher beherzigt, obwohl er sich im Stillen wegen seines Verhaltens gegen den Reisegefährten unhöflich und undankbar schalt. Als er sich nun heute auf seiner Promenade nach dem' im Nordosten der Stadt gelegenen Par?e Belgrano, die er täglich nach Beendigung der Compto.rstunden zu machen Pflegte, bei seinem Namen angerufen hörte, und als er, sich umwendend, das liebenswürdig lächelnde, kluge Antlitz des Arztes vor sich sah, war denn auch sein erstes Gesühl das einer aufrichtigen Beschämung, und er zögerte nicht, lich in seiner Erwiderung auf den herzlichen Gruß des Arztes mit lebhaften Worten der begangenen Unterlassung anzuklagen. . Dotor Vidal aber wußte ihn durch sein liebenswürdiges Benehmen . sehr bald davon zu überzeugen, daß er ihm wegen seines' Verstoße? gegen die

Pflichten der Höflichkeit nicht zürne, und bald befanden sie sich, Seite an Seite durch das dichte Straßenoewühl dahinschreitend, in angeregter und munterer Unterhaltung. Der Arzt wünschte zu erfahren, wie es seinem jungen Freunde in Buenos Aires gefalle, und lauschte lächelnd den begeisterten Schilderungen, die ihm Rodewaldt von den Freuden und Annehmlichkeiten seines hiesigen Lebens entwarf. Natürlich konnte es nicht fehlen, daß dabei auch Manuel del Vascos und seines gastfreundlichenHauses Erwähnung geschah. Mit einigem Befremden nahm der junge Bankdirector wahr, daß die Miene des Arztes sich verfinsterte, sobald jener Name genannt worden war. Sennor del Vasco steht, wenn ich nicht irre, in sehr nahen Beziehungen zu Ihrer Bank?" fragte er. Ja, er ist unser Gerant, und man sagt mir, daß kein fremdländisches Bankinstitut in Buenos Aires ohne den Beistand eines mit den hiesigen Verhältnissen vollkommen vertrauten und politisch einflußreichen Portenno auskommen könne. Der politischeEinfluß del Vascos aber ist wohl außer! Zweifel. Ich höre, daß er Aussicht hat, einen Ministerpostcn zu erhalten." O. er könnte vielleicht schon heute Minister sein. Aber er ist ein kluger und vorsichtiger Mann, der nicht leicht alles auf eine einzige Karte setzt, und es liegt seit einiger Zeit wieder etwas wie eine Revolution in der Luft." j Eine Revolution?" fragte Rodewaldt erstaunt. Man ist also mit der gegenwärtigen Regierung nicht zufrieden?" Man ist in Argentinien niemals mit der Regierung zufrieden. Im Genuß der Macht sein, heißt hier nichts als ein Privilegium auf die Beraubung des Stzatsvermögens besitzen. Jeder Präsident, er möge heißen wie er wolle, ist einzig darausbedacht, sich und feine Freunde zu bereichern, und es ist bei dem allgemeinen Golddurst, von dem hier beinahe schon jedes Kind ergriffen ist, nur selbstverständlich, daß alle, denen man den Zutritt zu den unersch'öpfliehen Quellen des Nationalvermögens versperrt, von grimmigem Haß gegen die glücklichen Gewalthaber erfüllt sind." Aber man kann aus solchen Beweggrllnden doch keine Revolution anzetteln. Die große Masse des Volkes hätte ja, wenn Ihre Schilderung zutrifft, nicht das geringste Interesse daran. eine diebische Regierung zu stürzen, um sie durch eine ebenso spitzbübische zu ersetzen." Und doch ist die Triebfeder bei all den großen und kleinen Aufständen, deren es mindestens einen im Jahre gibt, immer nur die Ungeduld einiger ehrgeiziger Politiker, die sich zu lange von den wohlgefüllten Kassen des Staates ferngehalten sehen. Was die große Masse des Volkes betrifft, so steht sie diesen Umwälzungen im Allgemeinen sehr glcichgiltig gegenüber. Aber es fehlt niemals an einigen Hunderten oder Tausenden, denen die Lust am Demonstriren und Revoltiren sozusagen im Blute liegt, und die bei jeder gewaltsamen Umgestaltung der Dinge immer noch mehr zu gewinnen als zu verlieren haben. Gewöhnkich hängt alles nur davon ab. ob dieser oder jener einflußreiche General auf die Seite der Empörer steht." Und Sie halten es für möglich, daß eine solche Revolution gerade jetzt bevorsteht?" Vidal zuckte mit den Achseln. Man kann bezüglich des möglichen Ausbruchs einer Revolution nichts prophezeien. Der jetzige Präsident ist ein tüchtiger Mann, der die Augen offen hält, und dem es auch nicht an der nöthigen Rücksichtslosigkeit fehlt, um gefährliche Gegner rechtzeitig unschädlich zu machen. Aber auch unter seinen Feinden gibt es kluge und energische Köpfe. Wer wollte da voraussagen, was sich morgen oder in einem Monat ereignen kann!" Wenn ich Sie recht verstanden habe," entgegnete Rodewaldt, läßt sich Senor del Vasco also nur deshalb nicht zu einem Mitglied der gegenwärtigen Regierung machen, um es nicht mit den kommenden Männern zu verderben. Es wäre dies allerdings ein nicht gerade glänzendes Zeugniß für seine Gesinnungstüchtigkeit." Sie werden das nicht mehr befremdlich finden, wenn Sie erst einige Zeit an den Ufern des Silbernen Stromes" gelebt haben. Das, was man drüben in Europa politische Ueberzeugung nennt, gibt es hier überHaupt nicht. Es handelt sich stets nur um Fragen persönlicher Natur, und um die beste Lösung des großen Problems. rasch zu einem beträchtlichen Vermögen zu gelangen. Ich empfehle Ihnen, alle die schönen Phrasen von Freiheit. Gerechtigkeit und Humanität, mit denen unsere Politiker so freigebig um sich zu werfen pflegen, immer nur unter diesem Vorbehalt hinzunehmen. Sie werden sich dann nicht mehr allzusehr enttäuscht fühlen, wenn Sie eines Tages die Entdeckung machen, daß alle diese herrlichen Schlagworte nur eine Umschreibung sind für die eigentliche Losung, die einzig Geld" und immer wieder Geld" lautet." Ein Auflauf, der an der Kreuzung der Straßen Santa Fe und Montevideo entstanden war, lenkte in diesem Augenblick die Aufmerksamkeit der beiden Spaziergänger auf sich. Die Ursache war eines jener widerwärtigen Vorkommnisse, wie sie im Straßenleben von Buenos Aires nicht zu den Seltenheiten gehören. Ein betrunkener Soldat hatte seinem Abscheu gegen die Nachkommen der Ureinwohner desLandes dadurch Ausdruck gegeben, daß er einem harmlos seines Weges gehenden ze7lumpten Indianer ebne jede äußere Veranlassung mit der Faust in's Gesicht geschlagen hatte. Der Mißhan-

delte hatte nicht daran gedacht, den Schlag zurückzugeben, denn in dieser

heruntergekommenen, rettungslos dem Untergange geweihtm Rasse lebt seit langem nichts mehr von dem Muthe und dem kriegerischen Geiste ihrerVorfahren. Er war nur scheu zur Seite gewichen und hatte etwas vor sich hingemurmelt, das wohl eher eine Entschuldigung. als ein Schimpfwort war. Aber der berauschte Soldat verstand

die Sprache nicht oder wollte sie mcht verstehen. Indem er sich den Anschein gab, als hätte er das Gemurmel für eine Schmähung gehalten, drang er unter wüstem Geschrei mit gezücktem Seitengewehr auf den Unglücklichen ein und versetzte ihm einen Stich in die Schulter, der den schwächlich gebauten Indianer wehklagend gegen die Mauer eines Hauses taumeln ließ. Von den zahlreichen Augenzeugen dieses brutalen Auftritts machte kein einziger Miene, dem Bedrängten gegen seinen Peiniger 'beizustehen, und eben holte der rohc Mensch in sinnloser Wuth zu einem neuen Schlage aus. als ein vornehm gekleidetes junges Mädchen sich, unbekümmert um die drohende Gefahr, zwischen ihn und den Angegriffenen warf. Mit einem zornig befehlenden Wort rief sie den Rasenden zur Vernunft, und für einen Moment machte die unerwartete EinMischung den Soldaten wirklich so betroffen, daß er den erhobenen Arm sinken ließ. Aber die Geister des Branntweins, die ihn beherrschten, ließen ihn nicht zur Besinnung kommen und erstickten jede Regung von Ritterlichkeit, wie sie sonst auch dem Argentinier cu3 den unteren Ständen eigenthümlich ist. Er stieß ein rohes Schimpfwort aus, und würde die zierliche Mädchengestalt ohne Zweifel im nächsten Augenblick zur Seite geschleudert haben, wenn nicht gerade jetzt Doctor Jose Vidal und sein Begleiter den Schauplatz erreicht hätten. Sobald er wahrgenommen, was hier vorging, hatte Rodewaldt sich rücksichtslos Bahn durch den Haufen der unthätigen Gaffer gebrochen. Und nun packte er mit starker Faust den Soldaten, um ihn mit einem Stoß fast über die ganze Breite des Fahrdammes zu befördern. Ein Murren des Unwillens erhob sich ringsum, denn trotz aller Höflichkeit, die der Argentinier im Verkehr mit den Fremden an den Tag legt, hegt er doch eine tief eingewurzelte Abneigung gegen ihn im Herzen, und wo sich ihm einmal der willkommene Anlak bietet, ihr Luft zu machen, da befindet sich der Ausländer, auch sogleich in einer äußerst bedenklichen Lage. Die Situation wäre ohne Zweifel zu einer kritischen geworden, wenn nicht einer aus dem Haufen Vidal. erkannt hätte. Und der Name des allgemein beliebten und verehrten Arztes wirkte auch hier wie ein Zauberwort. Sobald man inne geworden war, daß der blonde Fremde und Doctor Vidal zu einander gehörten, änderte sich mit einem Schlage das Benehmen der Menge, und von einer feindseligen Stimmung war nichts mehr zu spüren. Es wurden sogar allerlei Aeußerungen des Unwillens über das Verhalten des Soldaten laut, und dieser hielt es darum für gerathen, stillschwe'end zu verschwinden. Rodewaldt merkte kaum etwas von diesem plötzlichen Umschwung, wie er auch von der Gefahr, in der er sich eine kurze Zeit befunden, nichts wahrgenommen hatte. Seine ganze Aufmerksamkeit und sein ganzes Interesse gehörten der muthigen Dame, welche durch ihr Dazwischentreten den Jndianer vor weiteren Mißhandlungen bewahrt hatte. Sie war neben dem zu Boden gesunkenen, zerlumpten Eingeborenen niedergekniet und bemühte sich, mit ihrem feinen Taschentuche das aus seiner Wunde hervordringende Blut zu stillen. So eifrig gab sie sich diesem allerdings ziemlich zwecklosen Samariterwerke hin. daß der junge Deutsche von ihremGesicht zunächst nichts wahrnehmen konnte. Er sah nur die Fülle wirrer, schwarzer Locken, die sich unter der etwas verschobenen Mantilla hervordrängte; aber es war ihm seltsamerweise trotzdem, als müsse er diesem entschlossenen und warmherzigen weiblichen Wesen schon einmal begegnet sein. Nun. da Doctor Vidal sich ebenfalls über den Verletzten hinabbeugte, um seine Wunde zu untersuchen, erhob sie den Kopf, und jetzt sah Werner ein feines Profil mit leicht gebogenem,schmalem Näschen, rundlichem Kinn und anmuthig geschwungenen Lippen. Das zarte, längliche Gesichtchen war etwas dunkler gefärbt, als es sonst bei den Kreolinnen der Fall zu sein pflegt; aber dieser warme Bronceton erschien ihm von einem ganz besonderen Reiz. Er wußte jetzt, daß er dies Antlitz, das man sicherlich nicht so leicht wieder vergaß. zum erstenmal erblickte, aber er konnte trotzdem noch immer rne Em pfindung nicht loswerden, daß irgend etwas m der Erscheinung . des Mao chens ihn eigenthümlich bekannt anmuthete. Sie wechselte einiae Worte mit dem Arzte, und dieser wandte sich jetzt an seine Umaebuna mit der Aufforderung, den noch immer kläglich winselnden Indianer m den nächsten Verkaussla den zu tragen, damit' er ihm dort die erforderliche Hilfe angedeihen lassen könne. Ein Dutzend Hände war sofort zu dem Liebesdienst bereit, obwohl sich obne Doctor Vldals persönliches Ansehen wahrscheinlich kein einziger aus dem Zuschaukreise geneigt gefunden hätte, die schmutzige Rothhaut zu berübren. ' Auch Werner hatte unbedenk lich zugegriffen, und so brachte man den Patienten, der allem Anschein nach über die Mübe. die man sich mit ihm gab, am meisten erstaunt war, in ein nur wenige Schritte entferntes Maga ,zin, dessen Inhaber in Menschenfreund lichem Eiser beide GlaSthüren wnt ge

offne! hatte, den vorausschreikenden I

Arzt mit tiefer Verbeugung begrüßend. Der Menschenschwarm wollte neugierig nachdrängen, aber eine gebieterische Handbewegung des Arztes reichte hin, ihn-zurückzuscheuchen, und gleich darauf befanden sich außer Vidal nur noch Werner und die tapfere junge Unbekannte in dem kleinen Gemach, das der menschenfreundliche Tiendero (Kaufmann) ihnen zur Verfügung gestellt hatte. Der Eifer, den' dieser wackere Geschäftsmann bewies, indem er dienstbeflissen hundert 'Äinge herbeischaffte, deren man durchaus nicht bedurfte, würde etwas wahrhaft RUHrendes gehabt haben, wenn er nicht in noch höherem Maße belustigend gewesen Ware. Als er zum fünften- oder sechstenmal hereingeschossen kam. weil er noch irgendwo einBüchschen mit Salbe aufgestöbert hatte, complimentirte ihn Vidal freundlich hinaus und verriegelte hinter ihm die Thür. Auch die Hilfe, die ihm Werner anbot, lehnte er köpfschüttelnd ab. Nehmen Sie's nicht übel, lieber Freund, aber für das, was hier zu thunist, taugen Frauenhände besser. Und ich möcht wünschen, daß ich immer so zarte und geschickte zur Verfügung hätte, wie in diesem Augenblick." Die junge Dame schien das Lob gar nicht gehört, zu haben, oder es für etwas Selbstverständliches zu nehmen, denn ne sah nicht einmal von ihrer Beschäftigung auf. Gleich nach ihrem Eintritt hatte sie sich des leichten Straßenjäckchens entledigt und die Aermel ihres Kleides bis zu den Ellenbogen über die schöngeformten Arme hinaufgestreift. Beherzt und sicher, wie wenn es sich für sie um eine gewohnte und längst vertraute Arbeit handle, leistete sie dem Arzte alle die mannigfachen Handreichungen, deren er bei der Reinigung der Untersuchung und dem Verbinden der Wunde bedürfte. Um die Anwesenheit Werners kümmerte sie sich dabei nicht im mindesten, und er konnte sich deshalb ganz ungestört von seinem Platze am Fenster aus dem Vergnügen hingeben, das ihm die Beobachtung dieses seltsamen Wesens gewährte. Einmal, als ihre linke Hand hell von der Sonne beschienen wurde, sah er an dem feinen Ringfinger einen Brillanten aufblitzen, und in diesem Augenblick wurde es ihm plötzlich zur Gewißheit, daß sie keine andere war als seine geheimnißvolle Bekannte aus Senor Manuel del Vascos Hause. Er hatte ihr Gesicht damals nicht erkennen können, und bei der Vorliebe der Kreolinnen für Schmuck gab es sicherlich in Buenos Aires ' mehr als eine junge Dame, welche derartige Kleinodien trug. Trotzdem hegte er nicht mehr den geringsten Zweifel an der Richtigkeit seiner Vermuthung. Das war dieselbe behende, feingliedrige Gestalt; das waren dieselben wirren schwarzen Locken, die sich so reizend widerspenstig um Hals und Schläfen ringelten, und das war auch dieselbe melodische, dunkel gefärbte Stimme, deren Klang damals so eigenthümlich reizvoll auf ihn gewirkt hatte. Jetzt begriff er es kaum, daß sie seine Gedanken in der ganzen Zeit so wenig beschäftigt hatte, denn er emPfand über den Zufall dieser unter so ungewöhnlichen Umständen erfolgten Wiederbegegnung eine Freude wie über ein großes und unverhofftes Glück. Nun konnte ihm ja auch nicht länger verborgen bleiben, wer sie sei. Die Art. wie Doctor Vidal mit ihr verkehrte, bewies, daß sie einander nicht fremd seien, und so würde es sich ohne zudringliche Neugier von seiner Seite s:iien, daß auch er heute ihren Namen erfuhr. So lange sie von ihrer menschenfreundlichen Beschäftigung in Anspruch genommen waren, durfte er sie nicht stören; jetzt aber war der Arzt mit seinem Verbände fertig geworden, und hatte an den Verwundeten einige Worte in einer Sprache gerichtet, die Werner nicht verstand. Die Wirkung war eine erstaunliche, ja, geradezu wunderbare, denn der Patient, der bis dahin regungslos und mit geschlossenen Augen gleich einem Todten auf dem Ruhebette ausgestreut gelegen hatte, sprang plötzlich mit der Behendigkeit eines Gesunden auf die Füße und stieß einen Schwall unverständlicher Worte aus. die er mit den lebhaftesten Gebärden seines verfugbaren Armes den an deren hatte ihm Doctor Vidal fest an den Körper gebunden begleitete. Irgend etwas in der Aeußerung des Arztes mußte ihn mit dem größten Entsetzen erfüllt haben, denn in seinen Zügen malten sich Angst und Schrecken. Ueber Vidals Antlitz glitt ein Lächeln. Er sprach noch eine kleine Weile ernst und eindringlich auf den Erregten ein; dann grisf er in die Tasche, drückte ihm ein paar Geldstücke in die Hand und deutete mit einer bezeichnenden Gebärde nach der Thür. Ehe er ihn noch daran hindern konnte, hatte der Indianer seine Hand ergrlsfen, sie geküßt und war dann mit einer Behendigkeit, die nichts mehr von seiner noch soeben erheucheltenSchwäche bemerken ließ, aus dem Zimmer verschwunden. , Werner, der dem ganzen Vorgange mit Verwunderung gefolgt war, konnte sich nicht enthalten, laut aufzulachen. Nun begreife ich's freilich Herr Doctor." sagte er, daß die Leute hier so viel Hochachtung und Verehrung für Sie an den Taq legen. Hätte ich es nicht mit meinen eigenen Augen gesehen, so würde ich eine solche Wunderkur nimmermehr für möglich halten. (Fortsetzung folgt.) Bäume und Hände schüttelt man am liebsten, wenn sie voll sind. Sportfanatismus. Ich radle nicht." Radfahrer: Ja, wozu sind Sie denn auf der SBtli?" '

Für die SWe.

Blumenkohl mit Frosch.' keulen. Der gut gewasmenc und beputzte Blumenkohl wird in ganzcn Sbauden in kräftigem Salzwasser nicht ganz gar gekocht, alsdann zum Abropsen und Verkühlen ausgehzden. Man macht mit Mehlschwitze, KohlWasser, Zitronensaft, etwas Fleischextract und einer Prise Paprika eine recht puante Sauce, die mit mehreren Eidottern abgezogen wird. Alsdann wird der Kohl, in möglichst groß:n Blumen, in eine gut ausgestrichene Speisenform gelegt, die Zwischcnräume mit kleinen Kohlroschcn ausgefüllt, die Sauce Darüber g:gosscn und im Rohre gebacken. Frosch!eul:n werden in El, etwas Salz und fe:n:m Reibbrot gewälzt, in Butter gebraten und m mehreren Reiben als Kranz auf dem Blumenkohl angerichtet. Gulyas. Man zerschneidet gutes Rindfleisch in grobe Würfel, salzt es und stellt es bei Seite. Hierauf schneidet man drei bis vier große Zwiebeln recht fein, röstet dieselben in reichlicher Butter gelblich braun, fügt eine gute Messerspitze Paprika hinzu, laßt es mit den Zwiebeln anlaufen, fugt nun das Fleisch hinzu und gießt nur soviel Wasser hinzu, daß das Fleisch bedeckt ist. So läßt man es langsa dampfcn, auf. gelindem Feuer gar kochen. damit die Sauce recht schon klar bleibt. Man kann immer, wenn zu wenigSaft ist, etwas Wasser nachgießen, aber rne zuviel. Geschmorte Ente reit weiß e n R ü b e n. Man bereitet die Ente dazu vor wie gewöhnlich, legt sie aber in. einen Topf mit kochendem Fett anstatt in eine Pfanne, und bräunt sie schnell auf allen Seiten an. Ist dies erreicht so gießt, man langsam etwas Fleischbrühe dazu, gibt eineMesserspitze Fleischextract und laßt so im gut verdeckten Topf die Ente möglichst weich schmoren, was bei jungen Thieren nicht lange Zeit erfordert. Die weißen Ruben putzt und wäscht man, wellt sie in Salzwasser und gießt sie alsdann ab. Inzwischen hat man aus Butter, dllnnem Zucker, etwas Mehl und Brühe eine seimige, aber nicht zu dicke Sauce gemacht. In dieser kocht man die Rüben schnell gar, zerlegt dann die Ente, die eine schöne braune Farbe haben muß, richtet sie im Berg auf runder Schüssel an und legt die Rüben als Kranz ringsherum. Die etwas verdickte, durch ein Sieb gegossene Entensauce und ganze, roh geschmorteZuckerkartoffeln gehen nebenher. MehlspeisemitSchinken. Ein halbes Pfund geriebene Semmel wird unter starkem Umrühren in reichlich drei Viertel Quart Milch auf schwachem Feuer zu einem Brei abgerührt, bis er sich von der Kasserolle löst. Ein halbes Pfund Butter wird zu Sahne gerührt, 8 Eidotter, zwei Pfund magerer, gekochter und gewiegter Schinken, Eitronenschale. Morcheln, Champignons oder Musserons. Pfeffer und Nelken werden zu der Butter und dem erkalteten Brei gerührt. Das Weiße der Eier wird zu Schnee geschlagen und ebenfalls zu der Masse gethan; nun wird alles in ein: mit Butter ausgestrichene Mehlsp?isenform gefüllt und gebacken. Salat mit Hühnerfleisch. Dazu kocht man recht fleischige, junge Hühner, löst alles Fleisch aus Haut und Knochen, schneidet es klein und marinirt es. Ebenso kocht man eine Portion Eier hart, die man dann fein wiegt und zur Seite stellt. Der Salat darf nur aus ganz gelben Salatherzen bestehen, die man noch dem Waschen und Abtropfen mehrmals durchschneidet. Mit rohem Eidotter. Senfpulver. Salz und einer Kleinigkeit rothem Pfeffer. Oel und Essig rührt man eine nicht allzu feste Majonnaise, giebt in diese alle Ingredienzien hinein - und bringt den Salat sofort zu Tisch, weil sonst die Blättchen zu sehr zusammen fallen. Dieser Salat ist in der Wärme auch eine recht willkommene Mittagsschüssel. Man hat von der Hühnerbrühe eine schöne Suppe, die mit feinen Nudeln verdickt, auch sättigt, und in die man die Herzen. Magen und Leber der Thiere sein geschnitzelt giebt, ebensc wie etwas junge Schoten. Danach ist dann der Salat genügend, um di Mahlzeit zu vervollständigen, wenn man vielleicht gerostetes Brot dazu reicht. Biscuitpudding. Man schneide aus Biscuitkuchen, wo schöne Reste sich, dann gut. verwerthen lassen, kleinfingerdicke Schnitten, bestreiche sie auf einer Seite dunn (wie Butterbrot) mit Gelee oder Marmelade und tauch sie mit, der anderen leicht in feinen, sü. ßen Likör (am besten Maraschino), schichte sie rn-n dicht voll in eine glatte Form,, beschwere sie mit einem genau passenden Teller und Gewicht und lasst es so wenigstens fünf Stunden lang stehen, stürze den Pudding und servire recht kalt mit Vanillesauce: man kann statt Kuchen auch kleine Biscuits nify men. Französische Sommer speise. Aprikosen, Pfirsiche, stit jchen, Reineclaudes genug, all Früchte, welche die Jahreszeit tadellos bietet, werden sehr behutsam, damit f. nicht zerfallen, in Zuckersaft gedünstc und zum Auskühlen in Eis gesteht. Eine halbe Stunde vor dem Anrichte nimmt man eine halbe Flasche voih auf Eis gekühlten Schaumwein 4 kann eine ganz leichte Sorte sein vermischt, ihn mit dem Saft der vcv schiedenen Früchte, den man . vorchfi zu Syrupdicke eingekocht hat und til&U ten ließ, und füllt beides in eine 2 frierbüchse. Man läßt die Mischung darin in Eis so lange, bis sich klein Crystalle bilden, worauf man sie üb die hübsch angerichteten Früchte gießt und diese sofort mit kleinemZebäck ser virt. Die Fruchtspeise ist ganz besders ttkrilchend. .