Indiana Tribüne, Volume 22, Number 332, Indianapolis, Marion County, 20 August 1899 — Page 7
ßinWann von 5 Iayren. Vauerndilder mit Herrenglossen von Veter Rosegczer. Der Regen hatte aufgehört, ein lebhafte? Wind schüttelte die Tropfen von den Bäumen. Ich machte noch am Abend einen Spaziergang aufwärts des Trabachs, wo noch die zwei- und dreihundertjährigen Bauernhäuser stehen. Sie sind von Holz gebaut und haben noch klingend harte Wände, während unweit davon das hölzerne Häuschen eines Sommerfrischlers, das aus dem vorigen Jahrzehnt stammt, bereits anfängt zu modern. Auch diese putzige Villa" bemüht sich, schon recht alt zu scheinen und hat ihr Holz deshalb braun anstreichen lassen. Aber die sonnen- und wetterbraune Farbe der hundertjährigen Bauernhäuser ist es nicht. Die Bauernhäuser am Trabach haben kleine Fenster, in denen rothe Nelken stehen, und sind einen Stock hoch. Das Bretterdach ist noch einmal so hoch und sehr steil, wie ein gotischer Kirchengiebel, und ragt starr über die Wirthschaftsgebäude empor. Bei meinem Spaziergange nun sah ich auf dem Firste eines solchen Hausdaches etwas Lebendiges. Ein fahlfarbiges Wesen, das sich längst der Dachschneide langsam fortbewegte. Es war weder eine Katze noch ein anderes Hausthier, es war etwas Gespenstiges, wie es sich so zuckend weiter bewegte und dann wieder unbeweglich dahockte. Und näher kommend sah ich. daß ein Menschenkind da oben hinkroch. Ein etwa fünfjähriger, blonder und rothwangiger Knabe, barhaupt und barfuß, nur ein graues Hemd und Höslein am Leibe. In reitender Stellung, mit den Händen vorgreifend, sich festhaltend an den Latten, bewegte er sich voran, dann, an den Giebel gekommen, sachte wieder zurück, und ein paarmal rief er aus: Hü, Schimmel!" Das Haus war sein Reitpferd. Ich war bei dem Anblick erschrocken, daß mir die Beine zitterten. Wie kommt dieser Knabe auf das schreckliche Dach? Die Leute arbeiteten auf der Wiese und sahen es nicht, in welcher Gefahr das Kind schwebte. Ich wollte noch hinaufrufen: Gieb acht! Gieb acht!" fürchtete aber gerade, ihn mit diesem Rufe zu erschrecken und unsicher zu machen. Er ritt auf dem Dachfirst gelassen hin und zurück und rief mit seinem hellenStimmlein: Hü, (Schimmel!" Ich ging um's Haus herum und sah dann auf der Gartenseite eine lange Leiter angelehnt, bis zum unteren Dachrand reichend. Von dort weg lag auf dem Bretterdach eine Feuerleiter, die bis zum First ging, aber sie bildete nicht die Fortsetzung der unteren Leiter, sie lag mehr seillings und konnte nur über einige steile Dachbretter hin
erreicht werden. Und doch mußte er da hinaufgestiegen sein. Als der Kleine sich satt geritten hatte auf dem im Winde klappernden Bretterdach, als er auch an dem Giebelknauf gerüttelt hatte, ob der wohl auch fest stehe, hob er das eine Bein über den First und begann an der Feuerleiter niederzusteigen, den Rücken an's Dach gekehrt. Einen Augenblick rutschte er. denn die Bretter waren glitschig, aber an den Sprossen klaute er sich fest. Der Kleine machte es so bedächtig, daß mir fast die Zuversicht kam. Niedersteigend fing er an, laut die Sprossen zu zählen: Eis zei bei vier füf sechs acht zölf." Na, wenn er die Sprossen auch so übersprungen hätte wie die Zahlen, dann wäre es schlimm geworden. Endlich war er am unteren Dachrande. Hier, auf dem Rücken liegend und mit den Händen zu beiden Seiten sich an der Leiter festhaltend, fing er an, mit den Beinen zu strampeln hinaus über den Rand in die freie Luft, vor lauter Lust. Und ich, auf dem sicheren Erdboden, stöhnte vor Angst. Da hatte er mich plötzlich bemerkt und stutzte, wurde ganz still und schaute unbeweglich herab. Ich rief ihm zu, er solle nur so sitzen bleiben, und versuchte, die untere Leiter zu rücken, daß sie sich an die Feuerleiter anschloß. Als der Knabe diese Absicht bemerkte, schob er sich rasch um und kletterte aufwärts, hastig und flink wie eine Katze.' Ich war rathlos und wollte die Leute rufen von der Wiese. Am Zaunthor stand ein mit Grünzras vollgepfropfter Korb, den schleppte ich herbei und entleerte ihn über den Steinen der Dachtraufe, wo der Kleine unfehlbar herabfallen mußte. Der Knabe hockte wieder auf dem Dachfirst und beobachtete mit Mißtrauen mein Beginnen. Dann wendete er das lichte Rundköpflein nach der anderen' Dachseite hin, wo' keine Leiter war. Es schien fast, als wollte er es dort hinab versuchen. Von der Wiese her kam der alte Bauer und rief mir zu: Was macht Ihr denn da? Der Bub fürchtet sich ja!" Aber, mein Gott, es ist auch die höchste Gefahr. Wie könnt Ihr ihn denn da hinaufsteiaen lassen? Auweh!- lachte der Alte. Vor dem Herabfallen wird er sich fürchten! Das wär' schon gar schön! Wann soll denn der Mensch das Klettern lernen, als in der Zeit, wenn er gelenkig und gering ist!" .Aber das arme Kind!" sprach ich entrüstet. Wie kann denn ein Kind die Vortheile und die Gefahren kennen und die richtige Vorsicht anwendend Den Schlingel solltet Ihr erst einmal auf den Kirschbäumen sehen! Bis in's letzte Zweige! hinaus, daß er dann nur so von einem Ast zum anderen hüpft wie ein Vogel. Dr fängt Euch von den Rothkiefern Eichkatzen herab. Und so ein Hausdach da, wo' nichts brechen kann!" Aber 31 sagtet doch selber, daß er sich fürchtet!" .Freilich fürchtet! Natürlich fürch-
tet ! Wenn ein fremder Mensch dasteht bei der Leiter und nicht weggehen will!" Vor mir soll er sich fürchten?" Vor wem denn? Fremde Leute kommen nicht viel zu uns, da ist er schreckig." Der Bauer rüttelte an der Leiter, ob sie feststehe, dann rief er auf's Dach: Mark! Ich bin da! Ich bin's! Der Aehndl!" Der Fremde aber ging hinüber an die Lindenbank, wo er vom Dach aus nicht gesehen werden konnte. Und dort habe ich mich erst einmal besonnen. So weit ist eö mit dir gekommen, du alter Waldbauernbub! Hast du nicht selbst einst an den Giebeln der Hausdächer in die Spatzennester geguckt? Hast du nicht selber von den Wipfeln der Lärchbäume die rothen Blüthenzäpfchen herabgeholt? Und du wirst jetzt nervös wie eine alte Kindsfrau, wenn ein frischer Knabe auf dem Dach herumsteigt? So weit haben es die vierunddreißig Stadtjahre gebracht, und das Hocken am Schreibtisch! Und die verschiedenen Mütter, die vor Schreck aufkreischen. wenn ein Kind auf den Lehnstuhl klettert oder sich aus einer Zaunlatte schaukelt! Ich bitte dich, bleib herunten, du kannst herabfallen! Ich bitte dich, spiele doch ruhig mit den Bausteinen und laß das Umhertollen, du kannst die Arme und Beine brechen! Ich bitte dich, lege das Messer weg, du kannst dich schneiden! Ich bitte euch, so rauft doch nicht, ihr Rangen, ihr werdet euch noch ein Auge ausschlagen! Ich bitte dich, ziehe doch den Paletot an. wenn du ausgehst, es ist windig! Und schlage ein dickes Tuch um den Hals, damit du' keinen Katarrh bekommst! Aber Karl, du hast gewiß nasse Füße, ziehe sofort trockene Socken an! Mein Gott, lauft doch nicht so, Kinder, es wird eine Lungenentzündung geben!" So geht es den ganzen Tag. und nach dem Willen der Mutter müssen die Kinder immer hübsch brav im Winkel hocken oder bei streng gemessener Temperatur von achtzehn Graden im Garten recht ruhig und eingezogen herumgehen. Aber die schlimmen Kinder folgen nicht. Sie folgen einer anderen Mutter, der Mutter Natur. Sie wollen sich rühren, mit allem frisch anbinden, alles versuchen und sich natur-
gemäß vorbereiten für den großen , Kampf, der ihnen ja nicht erspart bleibt. Trotzdem gelingt es dem immerwährenden Bewachen und Einschränken vielerEltern, ihreKinder derart zu verweichlichen, daß sie später zu nichts fähig sind. So untergräbt man systematisch seinen eigenen Stamm. Eine Stadtmutter wäre im Angesicht des kletternden Kindes wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, ich . hatte nicht weit dazu, und daraus enthellt die Entartung eines von Haus aus leidlich gesunden Naturburschen, wenn er in's Treibhaus der Civilisation versetzt wird. War denn kein Tröpflein Blut mehr vorhanden von jener Zeit? Hatte er sie denn ganz vergessen, die kleinen, lustigen Kerle im Waldlande, die Tag für Tag sich in die Lebensgefahr begaben, fo lange, bis sie groß und stark geworden? Im reißenden Bach der Fresen waren sie barfuß hin und her gegangen, um Forellcn zu fangen, und wehrsameKrebse hatten sie in die Zehen gezwickt. Auf glosenden Kohlenmeilern waren sie umhergestiegen, um die sich öffnenden Krater mit Lösche zu verschütten. Stiere hatten sie gereizt und waren ihnen dann auf den Rücken gesprungen. Auf den sich vorwärts bewegenden Baumblöcken der Brettersäge waren sie geritten, ganz nahe bis zum auf- und niederrasenden Messer hin. das sie im nächsten Augenblick mitten entzwei geschnitten hätte. Auf dem Mühlfloß über dem kreischenden Rade hatten sie das Eis aufgehackt, in der Zeugschmiede hatten sie unter sprühenden Funken das Eisen gehämmert. Gerungen hatten sie miteinander, daß die Recklein zu Boden purzelten, die Körper an die Steine schlugen und es mehr Beine gab in der Luft als Köpfe. Bei schwärmenden Bienen huben sie die lebendigen Trauben von den Sträuchern. Es gab Stiche und Schrämmen und allerhand Wunden, aber es wurde kein Aufhebens davon gemacht. Frost und Hitze. Hunger und Durst, ohne daß viele Worte darüber verschwendet wurden. Auch nicht, wenn einer zu Ostern beim Böllerladen Tabak rauchte. Hatten sie ein Halsbren nen oder eine Lungenentzündung, so wußten alte Frauen dafür Schmieren. Pflaster, Pulver und Tränke, die wendete man an und wartete dann, bis die Krankheit vorüber war. Manchmal starb einer, die jedoch davon kamen, waren dann wie Stahl aus der Esse. So wird ein starkes Volk erzogen.'' Auf dem Steinhaufen wird der Mensch kräftig, in der Watte geht er zu Grunde. Dergleichen sann ich unter der Linde, alldieweilen Erinnerung der Muth der Alten und Moralisiren die Tugend der Schwachen ist. Von der Haldgasse her glockt und trottet die Heerde Kühe. Ochsen. Sticre und Kälber durcheinander. Die Thiere' waren übermüthig, gaukelten -mitein-ander, stießen sich, sprangen eins auf's andere, stemmten sich Kopf an Kopf gegeneinander, jedes bestrebt, sein Horn dem Gegner in den Hals zu rennen. Dabei brüllten sie. schnoben und scharrten mit den Beinen, daß der Sand slog. Mitten unter diesem Gewirre und Gedränge watschelte ein kleines Barsüßlein drein, ein etwa sieben-jähr-ges Dirndl, das mit der Birkengerte den ganzen Trubel vor sich her trieb, oft den Rindern fast unter die Füße kam und doch die Führende blieb. So ein Ochs nimmt ein siebenjähriges Kind gerade so vollwerthig wie eiren dreißigjährigen Mann und läßt sich von ihm leiten, und dem Kinde fallt es nicht ein, daß es von der halb-
wilden Hcerde zermalmt werden könnte. Allmählich machten die Leute aus der Wiese Feierabend und kamen zum Hause herüber. Da sagte die kleine, stets emsige Bäuerin zu ihrem Manne: Bei der Bachwehr unten die Stang' künntst wohl auch einmal wegihun. Der Maxl hupst draus schon wieder hin und her. und na kann er in's Wasser patschen " Nachher ist er naß und kriegt Schläg'!" antwortete der Alte, sonst sagte er nichts. Der Majl war nämlich schon lange nicht mehr aus dem Dach. Draußen, aus der über dem Bache liegenden Heustange, gerade über dem Wirbeln und Strudeln des großen Wehrtümpels schien es ihm wohl heimlicher zu sein als auf dem Hausfirst, wo einer gar nit sicher geht vor fremden Leuten. Wieviel habt Ihr?" fragte ich den Bauern, denn es wurden der Kinder immer mehr sichtbar, größere, als der Majl war, und auch kleinere. Und alle voller Lebendigkeit und Unternehmungslust. wo sie sprangen, hüpften und kletterten. Stück a zehn werden ihrer im Ganzen sein," antwortete er. Einer ist uns gestorben," vervollständigte die Bäuerin. Bei näherer Nachfrage erfuhr ich, daß ein Junge von einem Holzschlitten erdrückt worden war, den er vom Berge herab zog und an der steilen Lehne schließlich nicht mehr aufhalten konnte. Einer war also doch in der Gefahr umgekommen, während die übrigen in steigender Kraft und froher Kühnheit aufstreben. Einer! Von zehn verwcichlichten Stadtkindern stirbt wohl ein Drittel vor der Zeit. Ich bin meines Weges weiter gegangen. Und auf der Wiese beim rauschenken Bach, da sprang aus dem Wehrtümpel plötzlich der Knabe. Das Wasser über und über von seinen Kleidern schlenkernd, daß es spritzte. So schoß er. dem unheimlichen Fremden in weiter Runde ausweichend, quer hin, aber nicht gegen das Haus, sondern gegen eine Bretterhütte. Dort im Heu mochte er ein behaglicheres Trockenwerden erhoffen, als im Hause, wo ein nasser Bub Schläge kriegt. Das Hüpfen auf der Stange war freilich erlaubt, aber das Jnswasserfallen war verboten. Als ich mir nachher den Tümpel besah, den weiten, tiefen Kessel, in den von dem Wehr ein kleiner Njagarafall niederbrauste und in weißen Gischten rundum wirbelte und kochte, da ward mir die Sache deutlicher. Ein anderer wäre einstweilen drinnen geblieben. Mein Mari aber! Er mußte Uebung haben im Hineinfallen und Heraussteigen, der junge Mann von fünf Jahren! Ich glaube, den könnte man auf die Spitze des Stefansthurmes schicken, zu sehen, ob die Türken schon kommen, oder in eine Taucherglocke thun; er fürchtet sich weder vor Adlern noch vor Seeungeheuern er fürchtet sich blos vor Fremden.
Aie Hodtcnwachc. Cine finländiscbe Geschichte von L. v. Rehren. Laas Kapiaisen war gestorben. Kaum ein Jahr war er verheirathet gewesen mit der hübschen Olla, der Tochter des Schenkwirthes von Lauritsala. Er war immer so vollblütig gewesen, der gute Laas, und wie er nun eines Abends ein wenia zu viel aetrunkei: hatte er liebte so sehr den starken schwedischen Punsch, der Selige. da hatte er einen Schlaganfall bekommen, und dann war es ausgewesen. Das war nun eine sehr traurige Sache. Das ganze Dorf Lauritsala trauerte um Kapiaisen; denn er war einer der Reichsten im Orte gewesen. Und alles machte sich auf, um die junge Wittwe zu trösten. In der besten Stube war er. aufgebahrt worden. Ein Laken hatte man über ihn gebreitet, und Lichte brannten zu beiden Seiten des Lagers. Und einer nach dem Anderen kam, hob das Laken auf, sah Laas an und sagte: Ach, wie verändert er ist!" oder: Er sieht gut aus, ganz wie zu seinen Lebzeiten" wie es jedem gerade einfiel. Und dann drückte einer ach dem Anderen der jungen Wittwe, die u.it vom Weinen verschwollenen Augen daneben stand, die Hand und ging in's Nebenzimmer, um dort ein Glas Punsch zu trinken und ein Schinkenbrot zu essen. Allmählich gingen alle wieder fort, und nur vier Personen blieben noch da, um die Wittwe zu trösten und bei em Todten zu wachen: Die Mutter oer jungen Frau, Onni Ditkalachti. Aslo nutavl die veioen besten Freunde des Verstorbenen und Oge Jlander. Dieser war' nun nicht gerade ein Freund des Verstorbenen gewesen; denn er hatte selbst umOlla gefreit und es Laas nie verzeihen können, daß er sie bekommen hattc. Aber jetzt war ja Laas todt und es war doch hübsch von Oge Jlander, daß er da blieb und dem Todten nichts übersGrab hinaus nachtrug. So saßen sie denn alle fünf trübselig und schweigend da: Die Wittwe, ihre Butter, die beiden Freunde und Oge Jlander. Endlich stand Onni auf und ging auf den Tisch zu, trank ein Gläschen von dem schwedischen Punsch, der darauf stand, und sagte mit kummervoller Stimme: Wir sind ja alle sehr traurig, sehr, aber den Leib darf man denn doch dar über nicht vergessen. Ihr erlaubt, Olla?" Olla erlaubte es gern, und die anderen Leidtragenden rückten nun auch näher zum Tisch heran. Da stand guter Punsch, Schweineschinken. Rauchfleisch und hartes, schwedisches Brot,
in glatter Form gebacken. Und sie tranken alle und aßen und weinten dazu. Allmählich aber hörte das Weinen und Essen auf, und sie tranken nur. Es wurde nun ganz gemüthlich. AstoSnutavi erzählte, wie er mit Laas zusammen auf einem der kleinen finischen Dampfer gearbeitet hatte, die die Newa befahren, und erzählte viele Geschichtchen aus der stolzen russischen Hauptstadt Petersburg. Anfangs sprach er mit leiser Stimme und erzählte lauter ernste Sachen, allmählich aber kamen auch lustige Dinge vor, und alles lachte. Es war eine sehr vergnügte Todtenwache. Dem Todten konnte es ja auch gleichgültig sein, ob man neben ihm lachte oder weinte. Es wurde immer später, die Uhr zeigte auf zwei; aber dunkel wurde es doch nicht. Die weiße Nacht lag auf Lauritsala, die helle Sommernacht Finlands, in der Koit und Aemarik, die Morgensonne und die Abendröthe, sich küssen. Unten lag ruhig der Sai-ma-See, und der rosige Schein des Himmels glühte in ihm wieder. Im Zimmer war es still geworden. Alle schliefen, den Kopf auf den Tisch gelegt, nur Olla und Oge saßen noch wach da und sahen sich an, mit ganz eigenen Augen. Und Olla mußte daran denken, daß sie Oge Jlander immer recht gern gehabt hätte, ja sogar sehr gern und daß, wenn er reicher gewesen wäre.... Sie seufzte. Komm Olla," flüsterte Oge. Lassen wir sie hier schlafen, wir wollen hinuntergehen zum See". Und er faßte Olla's Hand, und beide gingen hinaus. Die Zurückgebliebenen schliefen ruhig weiter. . Durch's Fenster sah der -Morgen hinein, in das Zimmer, wo der stille, todte Mann lag. Jemand hatte vergessen, das Laken wieder über sein Gesicht zu breiten, und so sah die Mor gensonne ihm gerade ins Gesicht. Er sah ordentlich hübsch aus in dieser Beleuchtung. der gute Laas, und garnicht Wie ein Todter. Eine kleine Fliege summte um den Todten herum. Zuerst saß sie auf feinem Haar, aber da gefiel es ihr wohl nicht; nun spazierte sie weiter auf feine Nasenspitze und kroch ihm endlich gar in die Nase. Es ist nun sehr unangenehm, wenn einem eine kleine Fliege in die Nase kriecht, und das mochte Laas Kapiaisen wohl auch meinen, denn er nieste plötzlich einmal, zweimal sehr kräfiig. machte dann die Äugen auf und richtete sich empor. Anfangs machte er ein sehr dummes Gesicht und es mag einem wohl auch ganz merkwürdig zu Muthe sein, wenn man von den Todten aufersteht. Allmählich aber begriff Laas. Nein, die Freude, die seine Frau haben würde, wenn sie sah, daß er lebte! Und Laas stieg von seinem Bette herunter. Es fröstelte ihn in der Morgenkühle; denn man hatte ihm ganz leichte Kleider angezogen. So nahm er denn das Laken mit, wickelte es sich um den Leib und ging hinaus, um seine Frau zu suchen. Etwas schwindlig war ihm zu Muthe; aber das ist wohl nicht anders, wenn man todt geWesen ist. Im Nebenzimmer schlief noch alles, und Reste vom Punsch, dem Schinken und den Eiern standen noch da. Laas Kapiaisen hatte großen Hunger, aber zuerst wollte er doch seine Frau aufsuchen, was gewiß sehr hübsch von ihm war. Er trat aus der Hausthüre. Draußen funkelte noch der Thau, feine Nebel schwebten über demSee, der mit blauen Augen ' aus dem Grün der Bäume guckte, und die Hähne krähten. Unten am See sah Laas ein weißes Kopftuch leuchten, das er sehr wohl kannte er hatte es einmal Olla geschenkt. Da saß sie gewiß und weinte um ihn. Und Laas schürzte sein Laken ein wenig, das wie eine lange Schleppe hinter ihm her zog. und ging mit großen Schritten dem See zu. Da saß Olla und neben ihr Oge Jlander. Aber was war das? Plötzlich fuhr Laas Kapiaisens Hand zwischen die Gesichter der beiden, die einander sehr nahe waren, und traf klatschend Oge's Wange. Olla und Oge sahen ihn eine Weile erstarrt an. und dann liefen sie, ohne einen Laut auszustoßen, in panischem Schreck das Ufer entlang, der eine nach dieser, der andere nach jener Seite. Laas sah ihnen eine Weile zornig nach, schüttelte die Faust hinter Oge her und murmelte: Der kommt mir nicht mehr in's Haus!" Dann ging er kopsschüttelnd und betrübt inS Zimmer zurück. Drinnen schlief noch alles, nur die Fliegen waren wach und summten. Und während seine Leichenwächter um ihn her laut schnarchten, setzte Laas sich in seinem weißen Laken mitten unter sie, aß Schinken und Eier und trank mit trüber Miene Punsch dazu.
JnderSchule. Der Lehrer (der im Laufe der letzten sechs Tage die Schöpfungsgeschichte erzählte): Also Hahn, tvas hat Gott am ersten ?chöpfungstage erschaffen?" Der kleine Hahn (der am ersten Tage nicht in der Schule war): Ich bitt', am ersten Schöpfungstage war ich mit meinem Vater in der Stadt." GuterAnfang. Klärchen: Also Sie sind unsere neue Erzieherin, Fräulein?" Fräulein: Ja. mein Kind." Klärchen: Na. da will ich Ihnen nur gleich sagen, daß ich eins von den Kindern bin, die nur durch Güte zu erziehen sind. Sie hätten lieber gleich Bonbons mitbringen sos len!" Moderne Kinder. Sich mal. Elsa da sind zwei Störche auf der Wiese!" Ach geh' doch ich glaube doch nicht daran!" . -
Der große ZNichu. Bon Emile Zola. I. An einem Nachmittage, in der Vieruhrspause, nahm mich der große Michu auf die Seite, in eine Ecke des Hofes. Geint Miene war ernst und flößte mir eine gewisse Angst ein, denn der große Michu ist ein stämmiger Bursche mit riesig: Fäusten, den ich mir um keinen Puü zum Feinde hätte machen wollen. Hör' mfc," sagte er mit seiner rauhen, den noch' halb ungeschliffenen Bauern verrathenden Stimme, hör' mal. thust Du mit?" Kühn sagte ich: Ja." Geschmeichelt, bei etwas mit dem großen Michu zusammen dabei zu sein. Nun setzte er mir auseinander, daß es sich um ein Complott handle. Was er mir andertraute, erfüllte mich mit einem solch' köstlichen Bewußtsein, wie ich es seither vielleicht nie mehr empfunden habe. Endlich sollte ich eingehen in das Leben mit seinen tollen Wagnissen, ich hatte ein Geheimniß zu bewahren, einen Kampf zu bestehen. Und sicher, nicht der kleinste Theil an der wilden Freude über meine neue Rolle als Mitschuldiger war der heimlichen Beklemmung zuzuschreiben, die ich verspürte bei dem Gedanken, mich derart bloszustellen. Ich stand denn auch in Heller Bewunderung vor ihm, während der große Michu mit mir sprach. In etwas barschem Tone weihte er mich ein, Ivic einen Recruten. zu dessen Energie man nur mittelmäßiges Vertrauen hgt. Doch der wonnigeSchauer, der mich durchrieselte, die verzückte Miene, die ich beim Anhören haben mußte, gaben ihm schließlich eine bessere Meinung von mir. Als die Glocke das zweite Zeichen gab und wir Beide uns in Reih' und Glied stellten, um in den Lehrsaal zurückzukehren, sagte er leise: Es ist also abgemacht, nicht wahr? Du bist auf unserer Seite. Hoffentlich hast Du keine Angst und verräthst uns nicht?" O nein, Du sollst sehen. Ich schwöre es Dir." Er sah mir fest, wie ein gereifter, verständiger Mann in's Gesicht mit seinen grauen Augen und fügte noch hinzu: Sonst weißt Du schlagen werde ich Dich nicht, aber alle sollen es wissen, daß Du ein Verräther bist, und kein Mensch wird mehr mit' Dir sprechen." Ich erinnere mich noch des eigenthümlichen Eindruckes, den diese Drohung auf mich machte. Sie gab mir wahren Löwenmuth. Meinetwegen, murmelte ich vor mich hin, und wenn sie mir zweitausend Verse zudictirten, hol' mich der Teufel, wenn ich Michu verrathe. Mit fieberhafter Ungeduld wartete ich auf die Essensstunde. Die lttevolter sollte im Speisesaal vor sich gehen. H. Der große Michu stammte aus dem Bar. Sein Vater, welcher einige Morgen Landes besaß, hatte im Jahre 51, bei dem durch den Staatsstreich hervorgerufenen Aufstand den entscheidenden Schuß gethan. Für todt auf der Ebene d'Uchane liegen gelassen, war es ihm gelungen, sich in Sicherheit zu bringen. Als er wieder auftauchte, ließ man ihn unbehelligt. Nur die Notabilitäten der Umgegend, die großen und kleinen Rentiers nannten ihn nicht mehr anders als: dieser Schelm, der Michu. Dieser Schelm, ein biederer, ungebildeter Mann, schickte seinen Sohn in die Anstalt von A. Wahrscheinlich wollte er, der Sache zu Ehren, die er nur mit den Waffen in der Hand zu verfecheten gewußt hatte, seinen Sohn zum Gelehrten machen. Wir Schüler hatten von der Geschichte munkeln gehört, die für uns unseren Kameraden zu einer gefürchteten Persönlichkeit stempelte. Der große Michu war übrigens viel älter, als wir. Er zählte beinahe achtzehn, obwohl er erst in der vierten Classe saß. Aber keiner wagte, ihn deswegen aufzuziehen. Er gehörte, zu jenen, die ihren gesunden Menschenverstand besitzen, schwer lernen und schwer begreifen, aber was er wußte, das wußte er gründlich und für immer. Baumstark, wie mit der Holzaxt zugehauen, war er Herr und Meister in den Freistunden. Dabei von einer seltenen Sanftmuth. Ich habe ihn nur
einmal zornig gesehen, er wollte einen Pron, der uns einredete, alle Republlkanereien Diebe' und Mörder, geradeWegs erwürgen. Beinahe hätte man den großen Michu vor die Thüre gesetzt. Erst später, wenn ich an meinen ehemaliaen Schulaenossen zurückdachte, ist mir das Verständniß für sein gesetztes. kraftvolles Auftreten gekommen. Sem Vater hatte ihn beizeiten zum Manne gemacht. III. Der große Michu war gern in der Anstalt zu unserer nicht geringen Verwunderung. Nur eine Marter hatte er auszustehen, den Hunger. Der große Michu hatte beständig Hunger. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen ähnlichen Appetit gesehen zu haben. Er, der sehr stolz war. ließ sich manchmal zu erniedrigenden Comödien berbei, um ein Stück Brot, irgend einen Imbiß von uns zu erhäschen. Unter freiem Himmel, am Fuße der Seealpen auferzogen, litt er noch mehr als wir unter der mageren Anstaltskost. Das war eines unserer häufigsten Gesprächsthemata, im Hofe der Mauer entlang, die uns ihren sparlichenSchalten spendete. Wir andern waren etwas heikle Esser. Namentlich eines g.ewissen Stockfisches in brauner und gewis ser Bohnen in weißer Sauce erinnerß ich mich, die ein Gegenstand allgemeiner Verwünschung waren. An den Tagen, an denen diese Gerichte auftaiuhten, .wollte das Schimpfen kein
Ende nehmen. Der große Michu schimpfte ehrenhalber mit. obwohl er gerne sämmtliche sechs Portionen seines Tisches verschlungen hätte. Er beklagte sich nur über die Quantität der Speisen. Der Zufall hatte ihn, um das Maß voll zu machen, unten an den
Tisch gesetzt, neben den Pion, einen schmächtigen Kmrps, der uns auf den Spaziergängen rauchen ließ. Nach der Hausordnung hatten die Pions Anrecht auf zwei Portionen. Nun mußte man, wenn Würste auf den Tisch kamen, sehen, mit was für Augen der große Michu die beiden Wurstenden, die einträchtiglich Seite an Seite auf dem Teller des kleinen Pions lagen, betrachtete. Ich bin doppelt so stark wie er," sagte er einmal zu mir, und er bekommt zweimal soviel als ich. Er läßt nie etwas übrig, also ist's ihm nicht zu viel." IV. Nun hatten die Rädelsführer beschlössen, daß man sich endlich gegen den Stockfisch in brauner und die Bohnen in weißer Sauce auflehnen müsse. Natürlich boten die Verschwörer dem großen Michu die Oberleitung an. Der Kriegsplan dieser Herren war wunderbar einfach, es genügte 'dachten sie mit dem Appetit zu streiken, jede Nahrung von sich zu weisen, bis der Director feierlich erklärte. Verbesserungen eintreten zu lassen. Das Einwilligen des großen Michu in diesen Plan ist einer der schönsten Züge von Selbstverleugnung und Heldensinn, die ich kenne. Er übernahm es, die Bewegung zu leiten mit dem kaltblütigen Heroismus jener alten Römer, die sich für das Allgemeinwohl opferten. Man bedenke, ihm war nichts daran gelegen, den Fisch und die Bohnen verschwinden zu sehen, er hatte nur den einen Wunsch, mehr davon, so viel er haben wollte, zu bekommen. Und nun sollte er zu dem allen auch noch fasten! Er hatte mir später gestanden, daß seine republikanische Tugend, die sein Vater ihm eingeprägt, das Solidaritätsgefühl. das Unterordnen des Individuums demWohl der Gesammtheit gegenüber nie auf eine härtere Probe gestellt worden sei. Am Abend, im Refectorium, es war der Tag des Stockfisches in brauner Sauce, nahm der Streik seinen Anfang mit einer wirklich erhebenden Uebereinstimmung. Nur Brot war gestattet. Die Gerichte marschiren auf, wir rühren sie nicht an, wir essen nur trockenes Brot. Und das mit ernster M.iene, ohne uns leise zu unterhalten, wie das sonst üblich war. Nur die Kleinen kicherten und lachten. Der große Michu hielt sich Prachtvoll. Er ging an diesem ersten Abend so weit, nicht einmal Brot zu essen. Die Ellbogen auf den Tisch gestemmt, sah er verächtlich dem Pion zu. der eifrig aß. Mittlerweile ließ der Aufsichtführende den Director rufen, der wie ein Wirbelwind in's Zimmer stürmte. Er fuhr uns grimmig an, fragte, was wir an diesemEssen auszusetzen hätten, das er kostete und für trefflich erklärte. Nun stand der große Michu auf. Herr Director," sagte er, der Fisch ist verdorben, wir sind nicht imStande, ihn herunterzubringen." So," rief der Knirps von Pion, noch ehe der Director zu Worte kommen konnte, und an anderen Abenden hast Du die Schüssel beinahe allein ausgegessen!" Der große Michu wurde dunkelroth. An jenem Abend wurden wir einfach zu Bett geschickt. Wir würden uns bis morgen die Sache schon überlegen, hieß es. V. Am nächsten und übernächsten Tage war der große Michu fürchterlich. Die Bemerkung des Pions hatte ihn tief getroffen. Er sprach uns Muth zu, wir wären Feiglinge," sagte er, wenn wir nachgäden." Jetzt setzt er seinen ganzen Stolz daran, zu zeigen, daß er, wenn er wolle, auch ohne Essen sein könne. Es war das reinste Martyrium. Wir andern hatten alle Chocolade, Confitüren, sogar Wurstwaaren m unseren Pulten versteckt, was uns half, das Brot, mit dem wir die Taschen vollstopften, nicht ganz trocken verzehren zu müssen. Er. der keinen Verwandten in der Stadt besaß und stch zudem solche Näschereien versagte, hielt sich unentweat an die paar Brotrinden, die er finden konnte. Am übernächsten Tage, beim Frühstück, nachdem der Director erklärt, daß, da die Schüler eigensinnig alle Gerichte vorübergehen ließen, kein Brot mehr ausgetheilt werde, brach die Revolte aus. Es war der Tag der Bohnen in weißer Sauce. Der große Michu, den ein wahnsinNiger Hunger wohl nicht ganz zurechnungsfahig machte, erhob stch ungestüm. Er packte den Teller des Pions, der nach Kräften d'rauf los aß, uns zum Trotz, und um uns Lust zu machen, schleuderte ihn mitten in denSaal, dann stimmte er mit mächtiger Stimme die Marseillaise an. Es war wie em gewaltiger Windstoß, der Alle mit sich riß. Teller, Gläser und Flaschen führten einen niedlichen Tanz auf. Und die Pions eilten über die Scherben weg und stellten uns schleunigst das Refectorium zur alleinigen Verfügung. Der Knirps erhielt im Fliehen eine Schüssel Bohnen an die Schultern, deren Sauce ihm zu einer großen weißen Halskrause verhalf. Es galt jedoch, den Platz zu befestigen. Der große Michu wurde zum General ernannt. Er ließ die Tische vor den Thüren aufstapeln. Ich erinnere mich, daß wir alle Messer zur Hand genommen hatten. Und die Marseillaise ertönte immerfort. Die Revolte wurde zur Revolution. Glücklicherweise ließ man uns drei lange Stunden ruhig gewähren. Wie es scheint, hatte man die Wache geholt. Dieser dreistündige Tumult genügte, um uns austoben zu lassen.
Hinten im Refectorium waren ztocr Fenster, die nach dem Hof hinausgingen. Die Aengstlicheren, erschreckt, bafc man unsere Missethaten o lange ungeahndet ließ, öffneten sachte eines davo und verschwanden. Die Uebrigcn folgten nach und nach. Bald war der große Michu nur noch von etwa zehn der Aufrührer umgeben. Geht hinüber zu denAndern," sagte er barsch, es genügt, wenn ein Schul diger zurückbleibt." Und da er mei Zögern bemerkte, fügte er hinzu: Ich gebe Dir Dein Wort zurück verstanden?" Als die Wache eine der Thüren erbrochen hatte, fand sie den große Michu ganz allein, ruhig auf einer Tischecke sitzend, mitten unter dem zertrümmerten Geschirr. Er wurde nocham selben Abend seinem Vater zurückgeschickt. Wir Anderen hatten mit unserer Revolte wenig gewonnen. Man vermied es freilich einige Wochen hindurch uns Stockfisch und Bohnen vorzusetzen Dann kamen sie wieder auf den Tisch, nur war der Fisch in weißer und die Bohnen in brauner Sauce. VI. ' Erst nach langer Zeit sah ich da großen Michu wieder. Er hatte seinem Studien nicht fortsetzen können. Nun. bebaute er die paar -Morgen Landes, die sein Vater ihm hinterlassen hatte. Ich wäre ein schlechter Advocat oder ein schlechter Arzt geworden," sagte er, denn ich kapirte furchtbar schwer Bauer sein ist besser für mich. Zu dem. tauge ich. Aber nett im Stiche gelassen habt Ihr mich. Und ich, der gerade Bohnen und Stockfisch so gernt aß !"
Im Schweinestall. ! Zwei Landsleute, Jehann und Hinnerk, aus dem Dorfe R. bei Hoya hatten das Kriegerfest gründlich mitgefeiert. Arm in Arm, sich' gegenseitig stützend und haltend, waren sie nn Dunkel der Nacht in's Heimathsdorf' gelangt bis zu der Stelle, wo ihre Wege: sich trennten. Jehann schob nach rechtsab, Hinnerk nach links. Vereint war das Marschiren so - leidlich gegangen, aber getrennt o weh. Unser Hin--nerk langt endlich vor einem bekannten.. Gebäude an. In der Meinung, sein-, eigenes Heim vor sich zu haben, offnes' er die Thür, entledigt sich seiner Klcidung und ruht bald in des Traumgotts Armen. So gegen 5 Uhr. kommt Nachbar Dierk aus den Federn will seine Ställe inspiziren und die Ferkeln süttern. Nanu? Wat i3 denn dat? De Stalldöhr aptnV" Leiser geht Dierk näher heran, und' sieh! da liegt auf weicher Streu selig: im Traum lächelnd der wohlbekannt brave Hinnerk. Dierk ist ein Schalke Er schleicht ganz leise wieder von dannen, ruft Nachbars Fiele, Trina. Bede, Lischen, Meta und Gesche: Kamt mal., fix hierher, mi is äwer Nacht een fett Swin tolopen. et sitt in'n Stall, kiekt, mal to, wem dat woll tohört!" Unfälle sechs Mädchen kommen nun neugierig heran, Dierk macht die Thürauf. O, dieses Kreischen! DaZ mußte selbst einen so tiefen, seligen Schlummer stören, wie HinnerkS Schlaf war. Seine Augenlider heben sich schwerfällig, verwundert sieht er die lachenden Mädchen an, ohne die Situation begreifen zu können und ruft dann entrüstet aus: Dunnerwäcr! Ws kamt Ji denn her, wat willt Ji in min. Kamer?" Der allmählichen Ernuchterung folgte ein gehöriger Katzenjammer, begleitet von dem unvermeidlichen Moralischen." Das Schlimmsie bei der Geschichte ist aber jetzt die Fopperei. Wo Hinnerk sich sehen läßt, da tönt, ihm die Frage entgegen: Hinnerk, heft. all hört! Bi Dierk is 'n fett Swin. tolopen." Daö Rauchen. Von Alfred Schick. Die Frage manchen echauffirt. Ob rauchen soll die Frau.' Wie ich dieselbe lösen möcht'. Das sag' ich euch genau: Die Frau, sie gleichet dem Vulkan: Solang der r a u ch t, ist's gut; , Doch wenn er statt zu rauchen k o ch Dann seid auf eurer Hut! r Drum stört die Frau im Rauchen nicht Und macht sie nicht nervös. Sonst fängt sie leicht zu kochen an Und das, das wäre bös. . . Einen unfreiwilligen Aufenthalt erlitt neulich ein Zug bet Station Trentschin.- Königshuld. Hinter Trentschin waren aus dem. Walde Wanderraupen in so enormen Mengen auf das Schienengleis gekro-" chen, daß es der Maschine des ZugeS bei der arökten Anstrenauna nicht mehr möglich war. ihn weiter fortzubewegen. n cnv i ...x w:. ÄLIC Jiuuci luuicu uuiuf uiz iicuiiyc Masse nickt Mübr beweaunasfäkia. Der Zug mußte in zw:i Theile getrennt werden, wovon der erstere in lanon ttönigshuld abgesetzt wurde und dann erst der zweite Theil nachgeholt werden konnte, was immer noch mit Schwie riokeiten verknüvit war. da imlner--.während die Schienen von dem lästigen Ungeziefer überzogen wurden. vt Raupen halten sich schon mehrere Wochen in den dortigen Waldungen auf und haben fast alles Laub am Untergehölz aufgefressen. Rücksichtsvoll. Bettler (auf einem belebten Platz zu einen, vorübergehenden Herrn, von dem er kein Almosen erhalten): Danke tausendmal!" Herr: Warum bsixmien Sie sich, ich babe Ihnen doch nichts ge-. schenkt?" Bettler: Ich wollte Sie mir. vor den andern Herrschaften nich!.' blamiren i
