Indiana Tribüne, Volume 22, Number 332, Indianapolis, Marion County, 20 August 1899 — Page 6

Vor der ßapitusation. . Ton Julie Wilbor. Gs freut mich ja, daß er kommt, es 'freut mich wirklich recht sehr, aber so besonders auch nicht, denn verliebt bin ich gewiß nicht in ihn." sagte sie und ihre Augen leuchteten dabei, und in ihxem Herzen sang und jubelte es; wahrscheinlich weil das Frühlingswetter draußen so schon war. Er dürfte heute so gegen Abend kommen. Mops." sagte sie zu ihjcm Hündchen, das ihr bellend entgegenkam. Wie wär's, Mops, wenn wir ihm ein paar Blumen in's Zimmer stellten?" Und als der Hund seine freudige Zustimmung durch erneutes Gebell zu er-kenn-n gab, setzte sie beschwichtigend hinzu: Du weißt, daß ich das für jeden Gast thue." Und sie ging in den Garten hinaus und plünderte ihn so, daß die Pflanze, die Bäume selbst, vor Allem aber der Gärtner einen vorwurfsvollen Ausdruck bekamen. Es ist nur ich bekomme einen Gast," entschuldigte sie sich denn auch und brach schnell ein Acstchen voll duftender Pfirsichblüthen ab. deren ZuZunft damit nun ein für allemal geknickt war. Als die Blumen in seinem" Zim mn hübsch arrangirt waren, zog sie sich in ihr Zimmer zurück. Sie öffnete all' ihre Schränke und holte all' ihre Toiletten hervor. Eine grüne, eine blaue, eine rosa, eine graue. Ich brauche doch nicht auszusehen wie eine Vogelscheuche," sagte sie sich, auch wenn mir nichts an ihm liegt." Und endlich entschied sie sich für das blaue Kleid. Das steht zu blond ja immer noch am besten. Ach und sie wußte, das blonde Haar gefiel ihm so gut. Es lag ihr zwar nichts daran, gar nichts, denn sie hatte wahrhaftig kein Interesse an ihm, aber es freut Einen doch, wenn man Jemandem gefällt, wenn man einen guten Eindruck auf ihn macht. Und sie zog sich an. Ein gnädiger Sonnenstrahl drang .voll in den Raum. Ach. wie ist das Leben doch so schön." rief sie und streckte ihre Arme der Sonne, dem Leben entgegen. Dann lachte sie auf und fing beim Anziehen -an zu singen. Sie nestelte ihr Haar los. da frei über ihre Schultern herbfiel. Sie sah es im Spiegel und lächelte wieder. Er ist doch ein sehr netter Kerl," 'dachte sie dabei ganz unvermittelt, .wenn ich auch absolut nicht verliebt in ihn bin." Und wie um sich zu überzeugen, ob er wirklich so nett sei, ging sie zu ihrer Schatulle, und entnahm ihr ein Bild. Sein Bild. Ja. er war nett, sehr nett und sie betrachtete das Bild lange mit sehr glücklichem Lächeln. Sehr nett." wiederholte sie dann, das Bild wieder verschließend. Aber iiian kann die Männer nett finden. ohne im Geringsten verliebt in sie zu sein. Nun nestelte sie ihr Haar wieder hoch und arrangirte es zu einer Frisur, die ihm gefallen mußte. Ihm, ihm! Was ging er denn sie an? Sie frisirte sich doch immer so gut sie konnte. Immer, und für ihn machte sie gewiß keine "Ausnahme. Dann zog sie sich fertig an. Ein prüfender Blick in den Spiegel. Ja, sie sah gut aus, sehr gut sogar. Und nun trat sie an's Fenster. Kam er schon? Nein. Ach was, wenn es Zeit ist .wird er schon kommen. Geht die '.Uhr nicht zurück? Nein, die andere zeigt auch dieselbe Stunde. Sonderbar. Jeht konnte er doch eigentlich schon da sein. Nein, noch immer nicht. Aber jetzt da da ist er und sie -fliegt ihm schon entgegen. Entgegen? Nein. Wie käme sie dazu? 'Ulux ihren Mops drückt sie an's Her,'., giebt ihm einen hastigen Kuß auf die Schnauze, dann geht sie ihrem Gast würdevoll, gemessen entgegen. Ich freue mich wirklich, Sie bei mir zu sehen," und w reicht ihm die 2Qcrnb herablassend, so kühl, so fremd, fcafe er förmlich vergißt, sie ihr zu drücken. O bitte, lassen Sie Mops doch nicht so an sich herumspringen. Gehst Du wohl. Mops, was wird der Herr Don Dir denken." Sein Gesicht wurde immer länger, trotzdem überwand er sich und gab eine heitere Antwort. Dann im SaIon sprachen sie miteinander, beimThee plauderten sie und dann. ... Ich weiß ziicht. Aber als sie die Kerze auslöschte und in ihrem Büte lag. küßte sie noch z'mmal irgend etwas das. wenn man im Dunkeln hätte sehen können, ausgesehen hätte wie ein Bild, und dabei flüsterte sie: Er ist doch zu reizend, zu reizend, wenn ich auch nicht ein bischen verliebt in ihn bin. Nicht ein -bischen."

Die kluge Henne. Da weiß ich Ihnen einen merkwürbigen Fall von Thierintelligenz zu belichten," erzählte neulich der Oekonom Grashuber. In diesem Sommer hatte ich wie das häufig vorkommt Enteneier durch eine Henne ausbrühn lassen, welche sich der kleinen Pflegebefahlen mit mütterlicher Sorgfalt annahm. Eines Tages aber fanden die jungen Schwimmvögel den .Weg zum nahen Teiche und schwammen alsbald lustig in dem kühlen Elemente herum, unbekümmert um die Pflegemutter, die am Ufer rathlos hin- und herrannte. Dieses Spiel wiederholte sich einige 2age. Was sehe ich nun. als ich neulich wieder an den Teich komme? Sitzt die Henne in einer leeren Cigar--nkiste, mit der meine Jungens Ma xine" zu spielen pflegten, und gondelt ihre Flügel als Ruder gebrauchend fidel hinter den Entchen auf dem Wasser umher!"

ZZildcr vom Kunsrück. Der Hunsrück oder Hundsrückm, wie wir ihn mit seinem so lange von ihm in Ehren geführten und ihm nur zu Unrecht verkümmerten Namen benennen wollen, bildet einen Theil des großen rheinischen Schiefergebirgs und r.-.uß geologisch als die Fortsetzung des rechtsrbeinschen Taunusgebirgs betrachtet werden. Mit dem Harz, dem Thüringer Wald, dem Erzgebirge, dem .ichtelgebirge, dem Schwarzwald und den Vogesen bildet es einen der wenigen stehengebliebenen Horste eines gewaltigen alpinen Hochlandes, das, im Centrum von Frankreich beginnend und sich von da in einem mächtigen Bogen durch Mitteldeutschland bis nach Mähren undOesterreichisch-Schle-sien ziehend, längst abgetragen und zerstört war, als sich um die Mitte der Tertiärzeit die jetzigen großen Kettengebirge der Erde zu heben begannen. Das Hochland des Hundsrückens besteht speciell aus uralten Schieserablagerungen, aus denen Quarzit-Verg-rücken emporragen. Derartiger Bergrucken, die alle in der Richtung von Südwest nach Nordost streichen, unterscheidet man drei, den vom Saarthal

MÄWx I2K2& WMWMA vvT Stromberg. steigenden Hochwald, im Erbiskopf mit 1818 Meter den höchsten Punkt des linksrheinischen Schiefergebirges erreichend, den Jdarwald und den von der Hauptachse des Gebirges etwas nach Südosten abbiegenden Soonwald. Der nordöstliche Theil des Gebirges, der sich vom Jdar- und Soonwald nach dem Rhein und der Mosel erstreckt und in dem die alte Gaulandschaft Hundruche" gelegen war, trägt vorwiegend den Character einer Plateaulandschaft an sich. Prächtige Laubwaldungen, nur hie und da von dunkleren, meist erst aus neuerer Seit stammenden Nadelholzbeständen unterbrochen, verleihen dem Landschaftsbilde des Hundsrückens srirn hervorstechenden Character. Das Heideland, das vor fünfzig Iahren noch einen großen Theil der Hochfläche einnahm, hat jungen. WaldanPflanzungen weichen müssen öder ist zu Acker- oder üppigem Wiesenland geworden. Auch in den Thalgründen stehen die Wiesen bei sorgfältiger BeWässerung und guter Pflege sehr schön. Für Wasser sorgen die vielen Gebirgsbäche mit ihrer oft reißenden Strömung. Der Ertrag der Ackerscholle ist auf der Hochfläche nicht sehr hoch anzuArgenschwang. scklagen, doch wechselt er sehr nach der Gegend, in den Flußthälern und narnentlich an der unteren Rahe steht er dem der Rheinebene nicht nach. Im Allgemeinen jedoch ist die ländliche Bevölkerung neben der Landbestellung auf die Viehzucht angewiesen, die besonders in der Rindviehzuchl gute Eraebnisse erzielt. Mit dem Schwinden des Heidelandes sind die früher sehr beträchtlichen Schafherden stark zusammengeschmolzen, sehr zum Bedauern der lebensfrohen Rheinländer, welche die leckeren Hundsrücker Hammelbraten" nach Gebühr zu schätzen wußten. Die Industrie hat nur an wenigen Stellen festen Fuß gefaßt, die Gerberei vorwiegend in Kirn, die früher bedeutendere Eisenverhüttung auf der Mariahütte im Primsthal sowie auf der Rheinböller und Stromberger Hütte im Guldenbachthal. Zu den Eigenthümlichkeiten des Landes gehört die Edelsteinschleiferei, die, seit Jahrhunderten gepflegt, sich namentlich in der Gegend der oberen Nahe (Oberstein) zu hoher Blüthe entfaltet hat. Dem Waidmann liefert das ganze Gebiet des Hundsrückens ergiebige Jagdgründe, soweit Roth-, Reh- und Schwarzwild in Betracht kommen, wenn auch der Bestand des letzteren gegen früher wesentlich abgenommen hat. Die Hasen- und Hühnerjagd leidet unter dem wenig rationellen Betriebe, Haselhühner kommen strichweise vor, Schnepfen, die in den Brüchen des Hochwaldes gerne brüten, in ziemlich erheblicher Anzahl. Der Hundsrücker Bauer ist eine zähe, arbeitsame Natur, bescheiden in seinen Lebensansprüchen, treu an dem heimathlichen Boden und der alten Ueberlieferuncz hängend. Dem Rheinreisenden, der nur wenig Zeit zur Verfügung hat, ist jetzt Geleoenheit geboten, sich mühelos und binnen kürzester Frist wenigstens einen Vorgeschmack von dem zu verschaffen, was der Hundsrücken an landschaftlicher Eigenart und an malerischem Reiz zu bieten hat. In etwas mehr als einstündiger Fahrt bringt die Eisenbahn ihn vonBingerbrück nach Stromberg, in das Gebiet des wald- und wildreichen Soonwaldes. Das Städichen liegt anmuthig in dem Guldenbachthale, ringsum von theils bewaldeten, theils schrofffelsigen Bergen umgeben. Fast senkrecht steigt vom Guldenbach der gleich vom Bahnhof aus zu gewahrende Hundsfels empor, ein Marmorfels, dessen Material in früherer Zeit in Schleifereien verarbeitet wurde, jetzt aber nur zur Kalkgewin-

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nung dient. Gegenüber erhebt sich der prächtige Goldenfels mit einem aus den Ruinen der alten Ritterburg Goldenfels an deren Stelle im Jahre 1619 errichteten, von schönen Anlagen umgebenen burgartigen Wohnhause. Ueber dem Städtchen thronen auf der malerischen Höhe des Schloßbergs die Trümmer der Fusten- oder Strombürg, auf der jahrhundertelang das alte Rittergeschlecht der Fuste von Strombcrg hauste. Ihre MauerumWallung führte, wie jetzt noch zu sehen ist, in das Thal herunter und umschloß das Städtchen; die ehemalige Burg Goldenfels bildete nur ein Vorwerk in ihrem Befestigungssystem. Stromberq ist ein Sitz uralter Cultur, die Römer hatten hier eine Niederlassung, und die Gewerbethätigkeit des Ortes reicht bis in's Mittelalter zurück; heute äußert sie sich vor allem in dem Betriebe von Kalkgruben und Kalkbrennereien und in der Herstellung von emaillirten Blechwaaren. Von Stromberg auS ist mit der Ei senbahn in kurzer Zeit Simmern, der Hauptort des östlichen Hundsrückens, zu erreichen. Interessant ist ein Absteche? von Stromberg nach einem der schönsten Punkte des Soonwaldgebiet, nach dem Weißenstein, mit 541 Meter der höchstenErhebung einer südlichen Vorkette des zwischen dem Gul-den-und dem Simmerbachthal sich ausdehnenden sogenannten großen Soons. Oben wird man sich durch eine entzückende Aussicht nach dem Rhein und dem Rheingau, nach dem Taunus, den Nahebergen bei Kreuznach und nach dem Haardtgebirge bis zum Donnersberge belohnt finden. Auch der Rückweg läßt sich lohnend gestalten, wenn man ihn über Schöneberg nimmt; oberhalb dieses einst kurpfälzischen Ortes eröffnet sich ein ähnlicher Blick wie auf der Höhe des Weißenfels, der im Vordergrunde das Guldenbachthal und im Hintergrunde die Naheberge und die Höhenzüge des

Hundsrückerin. Haardtgebirges zeigt. Schattige WaldPfade führen dann nach Stromberg zurück. Für einen rüstigen Fußgänger ist eine, lohnende Tour von Kreuznach nach Simmern, indem man den Weg uoer Hargesheim das Gräfenbachthal aufwärts verfolgt. An der malerischen Ruine Äuttenbcrg vorüber gelangt man über Wallhausen nach dem Orte Dalberg, über dem sich die Trümmer der alten Dalburg erheben, des einstigen Sitzes des berühmten Reichsfreiherrngeschlechtes der von und zu Dalberg, das dem Mainzer Erzstifte seinen letzten Kurfürsten, den bekannten Kanzler gab, den Förderer Schiller's, den Bruder des Mannheimer Intendanten, unter dem die erste Räuber"Vorstellung stattfand. Die nächste Haltestelle dürfte das Dorf Argenschwang sein, mit den Ueberresten einer aus dem dreizehnten Jahrhundert stammenden Burg. Der weitere Weg führt an dem früheren Eisenwerke Gräfenbacher Hütte vorbei, das mit seinen zerfallenen Hochöfen, Retorten und Gießereien und seinen verlassenen Arbeiterwohnungen einen traurigen Eindruck macht. In ähnliche Stimmung versetzt auf der letzten Strecke desWeges die sogenannte Glashütte", das heißt einige weltverlorene, inmitten großer Waldwiesen gelegene Holzhauerhütten, an deren Stelle vor Alters eine Glashütte gestanden haben soll. Ueber Forsthaus Thiergarten gelangt man von hier nach Bahnstation Ellern oder drei Viertelstunden weiter Station Argenthal. von der aus man an mehreren Steinbrüchen vorbei nach Simmern mit der Bahn in zehn Minuten und zu Fuß in einer Stunde er reicht. Wl J&X Schinderhannes-Thurm. Simmern, die ehemalige Residenzstadt des Fllrstenthums Pfalz-Sim-mern, liegt an den Ufern des Simmerbachs und erhebt sich heutzutage nicht über die Bedeutung einer kleinen preußischen Kreisstadt. Von sehenswerthen Gebäuden sind nur die am Markt glegcne protestantische Kirche und das ehemalige Schloß hervorzuheben, in dem nunmehr das Amtsgericht, eine Präparandenanstalt, eine Schule und das Arresthaus untergebracht sind. In der Nähe des Bahnhofs gewahrt man den sogenannten Schinderhannesthurm, der eine Zeitlang den berüchtigten, 1803 in Mainz Hingerichteten

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Raubmorder und Vandenführer Johannes Bllckler beherbergt hat. Wer den Hundsrücken von seiner der Mosel zugekehrten Seite kennen lernen will, benutze dazu einen Ausflug ton dem am rechten Ufer der Mosel etwas stromaufwärts von Alken gele-

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Ehrenburg. genen Brockenbach aus durch das Ehrenburgerthal zu der auf einem Felskegel gelegenen Ehrenburg. Der Weg führt eine Stunde lang durch eine malerische Gegend, an Wiesengründen, Mühlen, Schluchten und schroffen Felsen vorüber. Die Ehrenburg selbst ist eine der schönsten Burgruinen Deutschlands und jedenfalls die interessanteste des Moselthals und des Hundsrückens. Eine, besondere Merkwürdigkeit ist ihr Rampenthurm, den man mit einem Wagen hinauffahren kann und dessen Mauern eine Stärke von nicht weniger als 18 Fuß erreichen. Tcr Cäsarewitsch. Der längst vorausgesehene, aber schließlich doch überraschend schnell eingetretene Tod des Großfürsten Georg Alexandrowitsch hat einen abermaligen Wechsel in den Erbansprüchen auf den russischen Thron zur Folge gehabt. Nach dem Reichsgrundgesetz über die Thronfolge in Rußland, das aus der Zeit Kaiser Paul's I. stammt, sind die Großfürstinnen von der Thronfolge ausgeschlossen. Da nun auch das jüngstgeborenö Kind des Kaiserpaares eine Tochter ist, so geht jenes Erbrecht an den jüngsten und jetzt einzigen Bruder des Zaren über, und mittels Manifestes wurde denn auch Großfürst Michael Alexandrowitsch mit der Würde des Thronfolgers (Cäsarewitsch) bekleidet, fr lange, bis es Gott Großfürst Michael. gefällt", wie es im Manifeste heißt. Uns durch die Geburt eines Sohnes zu segnen." Der neue Thronfolger des Riesenreiches ist am 22. November (4. December) v. I. zwanzig Jahre alt geworden, mit denen jeder Großfürst die Mündigkeit erreicht, während dieser Zeitpunkt beim Thronfolger schon drei Jahre früher eintritt. Großfürst Michael gelangt also reifer zu dieser Würde als die Thronerben Rußlands sonst. An die Öffentlichkeit ist der neue Cäsarewitsch noch gar nicht getreten. Er lebte mit der jüngstenSchwester. Großfürstin Olga, seit dem Tode des Vaters nach wie vor am Hofe der Mutter, und begleitete diese auf ihren Reisen nach Dänemark, in den Süden des Reiches u. s. w. Ein hartgesottener Jung geselle. Ä U M g . . .Vom gestrigen Essen im Restaurant Spazini hab' ich furchtbare Magenschmerzen bekommen!" Ich auch!. . . Aber heirathen thu' ich doch nicht!" I n Wuth. Schwiegersohn: Was, das ist die ganze Aussteuer, die ich erhalte? Wissen Sie. lieber Schwiegcrpapa, das ist das erste und letzte Mal. daß ich Ihre Tochter geheirathet habe!" Irrthum. Schutzmann (Abends): Ich beobachte Sie schon seit drei Stunden, wie Sie hier in verdächtiger Weise um das Haus herumschleichen; folgen Sie mir einmal zur Wache." Herr Ach. gutestes Herrchen. ich habe Sie ja gar nichts Böses im Sinn ... ich wollte mir nur hier bei dem Barbier einen Zahn ziehen lassen." GuterRath. Gast: Sie. Herr Oberkellner, heute möchte ich einmal recht gut essen. Hier haben Sie ihr Trinkgeld schon im Voraus; nun sagen Sie mir aber auch nach bestem Wissen und Gewissen, was Sie für das Beste halten." Kellner (sich scheu umblickend): Das beste wird schon sein, Sie gehen nebenan in die Drei Lilien" und essen dort!" .

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Ein Ricsenteleslop. Eines der großartigsten Zugstücke der nächstjährigen Weltausstellung zu Paris wird das nach Angaben von M. Francois Deloncle gegenwärtig in den Werkstätten des Pariser PräcisionsMechanikers M. P. Gautier in der Ausführung begriffene Riesenteleskop sein, das in seinen Größenverhältnissen alles auf diesem Gebiete Bestehende übertreffen wird. Das gegenwärtig größte Fernrohr der Welt befindet sich auf der JerkeS - Sternwarte; es hat eine Länge von 19 Meter bei einem Objectivdurchmesser von 1 Meter und bewegt sich in einer Kuppel von 25 Meter Durchmesser. Das Pariser Fernrohr dagegen wird ein Stahlrohr von 60 Meter Länge bei iz Meter Durchmesser haben und 19.900 Kilogramm wiegen. Zur Aufstellung dieses riesigen Instrumentes in der bisher üblichen Weise würde sich der Bau einer Kuppel von 64 Meter Durchmesser und annähernd 1 Million Kilogr. Gewicht nothwendig gemacht haben. Daß die Herstellung einer so gewaltigen Kuppel zur Bewegung des Fernrohrs aber nicht nur in technischer, sondern auch in financieller Hinsicht ganz bedeutende Schwierigkeiten bieten mußte, lag auf der Hand. Die genialen Erbauer des Pariser Fernrohrs umgingen diese Schwierigkeiten durch eine von der bisherigen völlig abweichende Construktion. indem sie das Stahlrohr des Teleskops unbeweglich und horizontal anordneten. In einiger Entfernung von dem nach Norden gerichteten Objectiv ist sodann auch ein sogenanntes Siderostat aufgestellt, dessen versilberter Glasspiegel die auf ihn fallendenLichtstrahlen der Himmelskörper immer in derselben horizontalen Richtung in das davor stehende Fernobjectiv und so auch in das Ocular am Südende des Rohrs zum Auge des Beobachtenden wirft. Hier kann das Bild durch eine lichtempfindliche Platte auch photographisch aufgenommen oder für einen größeren Zuschauerkreis auf einen Schirm projektirt werden. Die Grsammtansicht des Teleskops gibt den

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letzteren Fall im Bilde wieder. Dies die allgemeine Anordnung des Jnstruments. über dessen wichtigsten Details an der Hand der übrigen Abbildungen noch folgendes angegeben sei. Der Siderostat (Figur 1) darf als einMei. sterstück der modernen Präcisionstechnik angesehen werden. Sein Hauptbestandtheil, der feinpolirte Spiegel, ruht in einem Support, der in einem mit Quecksilber gefüllten Gefäß schwimmt, wodurch eine möglichst sanfte Drehung gewährleistet werden soll. Support und Spiegel mit allem Zubehör wiegen zusammen 15.000 Kilogramm.' Das Gesammtgewicht der Siderostats beträgt 43.000 Kilogramm. ' Der Spiegel allein, der 2 Meter Durchmesser hat und 27 Centimeter dick ist, wiegt 3600 Kilogramm. An seiner Rückseite ist eine Führungsstange angebracht, die durch eine Muffe und Gelenkgabel mit der nach dem Himmelspol gerichteten Stundenachse in Verbindung steht. Die Stunden- oder Polarachse wird durch ein darunter befindliches Uhrwerk mittels Zahnradgetriebe in eine der täglichen Rotation des Himmels genau entsprechende, gleichförmige Bewegung versetzr. Das Uhrwerk wird durch GeWichte getrieben. Aus der zweiten Jllustration ersieht man die Anordnung der Objective auf einem quer zu dem Stahlrohr verschiebbaren, auf Schienen laufenden Wagen. Von diesen Objectiven ist eins für gewöhnliche Beobachtungen. das andere für HimmelsPhotographie bestimmt und wird dementsprechend auch das eine oder Z andere vor das Rohr geschoben, Sie letzte Illustration zeigt das andere Ende des Rohrs mit dem Ocular, das in ähnlicher Weise wie das Objectiv verstellbar ist. Wie der 10.5 Meter hohe Siderostat befindet sich auch das Fernrohr in einem völlig gedeckten Raum: nur der Spiegel liegt natürlich während der Beobachtung frei, ist im Uebrigen aber auch durch geeignete Schutzvorrichtungen vor den Unbilden der Witterung geschützt. Unverfroren. Bankier: Wenn ich Ihnen die Summe leihen soll, müssen Sie mir selbstverständlich Bürgschaft leisten." Bewerber: Würde Ihnen meine heiße Liebe zu Ihrer jüngsten Tochter als solche genügen?" Günstige Gelegenheit. Erster Bauer: Sax'n hab' i Zahnschmerzen! Wenn s' net bald aufhören. laß ich mir den Zahn heut' noch reiß'n!" Zweiter Bauer: Da thaT ich an Deiner Stell' noch a bißl toa ten. Uebermorgen ist Kirchweih' vielleicht wird er Dir da 'rausg'schlagen!" . . ;

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Nadfahrerspicl?. Für manche Radfahrer, die ihr Ideal nicht im Recorddrücken" sehen, wird das Fahren allein auf die Dauer langweilig, und man sehnt sich nach irgendeiner Abwechslung. Wenn man im Laufe einer gewissen Zeit alle Ausflllge, die es in die nähere Umgebung des Wohnsitzes oder Aufenthaltsortes gibt, wiederholt gemacht hat, will auch das Spazierenfahren nicht mehr a:nügen. Den radfahrenden Damen ist es auch nicht zuzumuthen, daß sie. nur um der Abwechslung willen, sich körperliche Anstrengungen auferlegen sollen, bei denen eine Schädigung der Gesundheit fast unausbleiblich ist. Um nun dem Bedürfniß nach Abwechslung in der Radfahrerei zu genügen, erfand man die Radfahrerspiele, die Jung und Alt, Mann und Weib Gelegenheit zur UnR i n g e l st e ch e n. terhaltung, zur Erlangung einer gewissen Gewandtheit, zur Bethätigung einer gesunden Körperanstrengung in freier Luft, zur Uebung von Hand und Auge geben. Als Spielplatz kann jeder mäßig ebene, genügend große Grasplatz dienen. Man hat das Fahrrad nicht mit Unrecht das Stahlroß genannt, und ein Theil der Radfahrerspiele gleicht vollständig den Spielen, die man zu Pferde ausführt oder vor Jahrhunderten schon ausführte. So wurde das Ringelstechen schon von den Herren und Damen des 9. Jahrhunderts zu Pferde geübt. Die Fuchsjagd, bei der ein Reiter, der durch einen an der Schulter befestigten Fuchsschwanz bezeichnet ist, den Fuchs macht und nachdem er einen gewissen Vorsprung erhalten hat, von den anderen Reitern verfolgt wird, kann ebenfalls auf dem Rade ausgeführt werden. Ebenso das früher in Frankreich in den Manegen viel betriebene Kartenstechen, bei dem vom Pferde aus mit leichten Spießen nach Karten gestochen wurde, die auf dem Boden lagen. Es gehört große Sicherheit dazu, in rascher Bewegung eine Spielkarte aufzuspieß?n. Sieger wird, wer die meisten Points in den Karten zusammengespießt hat. Die Engländer in Australien erfanden das Kegelspiel. Ballspiel zu Pferde, das an die Gewandtheit, Sicherheit, Kraft und Ausdauer der Spieler die höchsten Anforderungen stellt, und das zu Rad" noch schwieriger ist als zu Pferde, da sich ein Rad in gewissen Augenblicken nicht so dirigiren läßt wi: ein Pferd. Die Fahrschule wurde ja auch schon seit Jahrhunderten zu Pferde ausgeführt. Auf dem Rade ist dieses Spiel etwas naiv und erinnert gar zu sehr an das Pferdespielen der Kinder. Ein gutes Uebungsspiel für Erlangung allgemeiner Sicherheit im Radfahren, insbesondere eines sicheren Sitzens. ist das Fahren über die umklappenden Schaukclbretter, und Si cherheit und Uebung erfordert das Kegelspiel auf dem Rade, wobei es darauf ankommt, gewisse Kegel umzufahren und wiederum anderen so auszuweichen, daß sie nicht umgefahren werden. Aus der guten alten Zeit. Bürgergardist: Weiberl, wo ist denn mein Tschako?" ' Gattin: Ach. der steht auf'm Fensterbrettl. da hab' ich Blumen 'neinPflanzt." Eine unglückliche Frau hat viele Freundinnen, eine glückliche keine einzige. Eine Helden that.. Junge 5dame: O Arthur, wärest Du im Stande, eine Heldenthat zu vollbringen. um mir Deine Liebe zu beweisen, wie es die Ritter thaten?" Junger Mann: Aber Lieschen, das thue ich ja jetzt schon; ich trage doch täglich den roth- und grüncarrirten Shlips, deu Du mir geschenkt hast!"

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u 1) jffjfö--' V ..--SB'S mM &" 14 ' Ein Feind des Adels. A.: Arbeiten Sie doch! Bedenken Sie, Arbeit adelt den Menschen!" Vagabund: Reden Sie mir nicht vom Adel"!' BoshafteFrage. (ÄöS Kiä Freundin (einer alten Jungfer, als diese von ihrem Papagei mit Engel, Kind!" etc. angesprochen wird): Ist Dein Papagei nicht kurzsichtig?" Höchste Zerstreutheit. Professor: Unbegreiflich! fünfzeh?: Uhr kann es doch nicht sein!" Gattin: Aber Mann. Du siehst a aufs Thermometer anstatt auf die Uhr." E i n K e n n e r. Bettler: Schenken Sie mir gütigst zehn Pfennig; ich möcht' mir Brot bi für kaufen!" Herr: Wissen Sie, das Brot werd' ich selber trinken!" Zuspät. Die Frau: Ich sage. Dir, Fritz, ich bin mit meiner Köchin bis jetzt äußerst zufrieden. Sie locht '. gut, ist sparsam, keine Ausläuferin und weder geschwätzig noch brummig." Der Mann: Ach! Schade, daß ich der Person nicht vor unserer Heirath begegnet bin!" . ...

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