Indiana Tribüne, Volume 22, Number 325, Indianapolis, Marion County, 13 August 1899 — Page 7
ZZrautschau. Humoreske von Emma Reichen. Martt)a, Martha. ich habe Dir eine Neuigkeit zu melden! Etwas ganz Außergewöhnliches hat sich zugetragen! Kannst Du es wohl errathen, Schwesterchen?" Mit diesen Worten stürmte meine Schwester Liesbeth iYs Zimmer und schwang einen offenen Brief in der Rechten. Du bast wohl das große Loos geWonnen?" Bist Du ein prosaisches Geschöpf! Was gilt mir Geld und'Gut! Etwas viel Schöneres ist mir widerfahren. Denke Dir nur, Marthi, ich habe einen Freier! Wirklich,. einen Freier, einen leibhaftigen Mann von Fleisch und Blut! Schaust mich so ungläubig an ! Sieh' her; hier steht es, schwarz auf weiß!" Erstaunt legte ich meine Arbeit, an der ich gerade beschäftigt war, bei Seite und sah zu, wie Liesbeth das Schreiben entfaltete, an das Fenster trat, um mir den Inhalt vorzulesen, den ich mit Interesse verfolgte. Liebe Elisabeth! Ich muß Dir mittheilen, daß ein guter Bekannter von mir sich in Dein Bild verliebt hat. Er ist Wittwer und hegt schon seit längerer Zeit den Wunsch, sich wieder zu verheirathen. Zufällig bekam er Deine Photographie zu Gesicht, und sogleich war es um sein Herz geschehen. Er erkundigte sich genau nach Deinem Charakter und Wesen bei mir, und da ich ihm natürlich eine glänzende Schilderung gab, entschloß er sich, Euch zu besuchen. Selbstverständlich ermuthigte ich ihn in seinem Vorsatz, denn er ist eine gute Partie. Mittwoch gedenkt er zu kommen. Sei freundlich zu dem armen Mann und vergiß nicht, mich zu DeinerHochzeit einzuladen! In Eile Deine Tante Marie." Die gute Tante Marie! Das sieht ihr wieder einmal ähnlich!" rief Liesbeth, halb belustigt, halb ärgerlich. Weil es eine gute Partie ist, meint sie, muß er mir ohne Frage gefallen. Und wenn mein Herz nun schon gesprochen hätte, liebste Tante?" Liesbeth, heule ist ja schon Mittwoch! Du kannst Deinen Verehrer jede Minute erwarten." Ich möchte Tante Marie am liebsten zerreißen. Wie fange ich's nur an, den kühnenHerrn los zu werden? Muß ich auf den dummen Einfall gerathen, meine kostbarenBilder in die Welt hinaus zu schicken. Martha,' hilf mir doch! Gieb mir einen- Rath, Schwester, wie ich mich meines neuestenLiebhabers entledigen kann!" Schweigend überlegte wir beide einen Augenblick. Ich Hab's, ich Hab's!" rief Liesbeth plötzlich und fiel mir jubelnd, um den Hals. Ich stelle mich einfach taub. Ei, das wird einen Spaß geben!" Das ist leichter, gesagt als gethan, Liesbeth! Du wirst Deine Rolle nicht durchführen können!" Das laß meine Sorge sein!" antwartete Liesbeth. Ihre Augen glänzten, und fast stürmisch sprach sie auf mich ein. Du darfst keinen Augenblick vergessen, daß ich vollständig taub bin, daß ich keine Silbe des Gespräches verstehen kann, wenn es in der üblichen Tonhöhe geführt wird! Du mußt also übermäßig schreien, wenn ich an der Unterhaltung theilnehmen soll! Aber Du darfst nicht lachen, ganz ernst mußt Du bleiben,. denn sonst könnte er am Ende doch hinter unsere Schliche kommen, und wir würden uns lächerlich machen! Doch jetzt muß ich mich zu seinem Empfange vorbereiten." Es war ncch keine halbe Stunde nach unserem Gespräch verstrichen, als ich emen Mann die Straße vom Bahnhof her heraufkommen sah. Natürlich war es Liesbeth's Verehrer. Er schien wenigsteks fünfundvierzig Jahre alt zu sein; sein schwerfälliger, behutsamer Gang stand im Einklang mit seinem ernsten Gesichtsausdruck. Er sah aus, als hätte er seinen Sonntagsstaat angelegt und fühlte sich unbehaglich darin. Ich öffnete ihm die Thür. Da stand er. Wohnt hier Fräulein . Elisabeth Müller?" frug er. Ja, mein Herr!" antwortete ich. MeineSchwester erwartet Sie bereits, denn Sie sind sicherlich der Herr, dessen Besuch uns Tante Marie in Aussicht gestellt hat." Ja, mein Fräulein! Mein Name ist Peters Johann Peters. Sie wissen es gewiß schon?" Nein, Tante Marie hat uns Ihren Namen nicht genannt. Sie theilte uns nur mit, daß Sie meine Schwester Elisabeth besuchen würden. Darf ich Sie zu ihr führen? Ich muß aber vorausschicken, daß Sie etwas laut sprechen müssen, da Liesbeth nicht ganz gut hört." Das ist freilich unangenehm!" sagte Herr Peters und zog ein rothes Taschentuch hervor, womit er sich die dicken Schweißtropfen oon seinerStirne trocknete. Es ist schrecklich warm heute!" Man sah ihm an, daß er aus Ueberzeugung sprach. Ja, es ist recht warm," antwortete ich. Dabei öffnete ich die Thür zum Nebenzimmer. Elisabeth saß am Fenster und kehrte uns den Rücken zu. Elisabeth!" rief ich ziemlich laut. Keine Antwort erfolgte. Die junge Dame muß geradezu taub sein, wenn sie das nicht einmal hört!" sagte Herr Peters. Wie lange -hat sie denn schon dieses Uebel?Ich überhörte natürlich diese Frage, trat .näher zu Elisabeth heran und legte meine Hand auf ihre Schulter. Sie wandte sich um und sauns verwundert an. -s Warum verhältst Du Dich denn sc schweigend?" fragte sie. .Elisabeth! Ich möchte Dir Herrn
Peters, dessen Besuch uns Tante Ma!
rie meldest, vorstellen", sagte ich, indem ich ihr ins Ohr sprach. Freut mich sehr, Herr Eders, Ihre Bekanntschaft zu machen," erwiderte Liesbeth mit einer Verbeugung. Bitte, nehmen Sie Platz. Herr Eders!" Peters heiße ich. Fräulein Müller, aber nicht Eders!" Ein wenig lauter, wenn ich bitten darf, Herr Eders! Ich habe nicht ganz genau verstanden, was Sie sagten." Liesbeth senkte den Kopf etwas, um besser hören zu können. Ich sagte, daß ich Peters und nicht Eders heiße!" brüllte der Gefragte. Ganz recht, ich verstehe, mein Herr! Sie müssen nicht etwa annehmen, daß ich sehr schwer höre! Wenn Sie nur deutlich sprechen, vernehme ich Ihre Worte ganz genau." Ihre Tante Marie hat mir von Ihnen erzählt," setzte Herr Peters das Gespräch fort. Sie hat lange Zeit in meinem Hause gewohnt." Tante Marie todt? Das ist ein Irrthum Ihrerseits. Herr Peters! Sie schrieb doch gar nichts davon!" Sie hat lange Zeit in meinem Hause gewohnt!" wiederholte der Wittwer. und seine Stimme klang wie Drometengeschmetter. So, so, jetzt habe ich verstanden. Sehen Sie, Herr Peters, wenn Sie nur ein ganz klein wenig lauter als gewöhnlich sprechen, haben wir Beide gar keine Schwierigkeit, zusammen zu plaudern." Ihre Schwester muß aber wirklich taub sein," wandte sich Herr Peters an mich. Ich konnte das Lachen nicht länger unterdrücken, stand daher auf und machte mir im Eßzimmer zu schaffen. Aber auch hier traute ich meinen Lachmuskeln nicht und ging deshalb hinaus in die Küche. Selbst dort erreichte mich noch ihr Gespräch. Immer wieder und wieder ließ meine grausame Schwester ihren Anbeter seine Aeußerungen wiederholen, so daß der arme Mann bald ganz heiser war. Es ist sehr warm!" stöhnte er. Eine Farm besitzen Sie? Ach. das ist ja reizend! Seit meiner Kindheit ist es mein Traum, auf dem Lande zu leben. Das ist doch etwas ganz anderes als in der Stadt !"sagte Liesbeth begeistert. Wenigstens ist es gesund", war die nüchterne Antwort. Einen Hund haben Sie auch? Ei, das muß ein Vergnügen sein, .ihn bellen zu hören, so recht laut, wenn ein Fremder eindringen will! Ich freue mich aufrichtig, Herr Peters, daß wir in unserer Geschmacksrichtung so ganz übereinstimmen." Herr Peters schüttelte bedenklich das Haupt und athmete schier erleichtert auf, als ich die Herrschaften zu Tisch bat. Es war wahrlich eine Pein für mich, ruhig auf meinem Platze auszuharren. ' Das Herrlichste, was es für mich auf Erden giebt sind Spaziergänge und Wasserfahrten beim Mondenschein," nahm Liesbeth die Unterhaltung wieder auf. Sie theilen sicherlich meinen Geschmack, Herr Peters?" Das könnte ich nicht behaupten. Die Nachtluft ist immerhin etwas kühl, und ich bin recht rheumatisch." Romantisch! Das ist ja geradezu überraschend! Man findet so selten einen Mann, der romantisch angelegt ist. Wie gut sich das trifft, ich bin nämlich im höchsten. Maße!" Ich sagte, daß ich rheumatisch wäre!" schrie Herr Peters jetzt, daß der Tisch zitterte. Pardon, mein Herr! Sie scheinen aber manchmal zu vergessen, daß ich ein ganz klein wenig schwerhörig bin, denn Sie sprechen beständig leise. Ich lebe aber der Hoffnung, daß Sie sich allmälig daran gewöhnen, etwas lauter zu sprechen." Das glaube ich kaum!" raunie mir Herr Peters zu. Kann denn gar nichts dagegen gethan werden?" Vielleicht, Herr Peters!" antwortete ich ihm und suchte in meiner Tasche. Den ganzen Nachmittag spielte Elisabeth die übernommene Rolle; der Mann strengte sich übermäßig an, sich meiner Schwester verständlich zu machen. bis ihm endlich die Stimme versagte. t Er stand auf, um ein wenig Luft zu schöpfen, und benutzte die gute Gelegenheit, mit mir allein zu sprechen; denn ich war schon längst in den Garten geeilt. Ich bin vollständig erschöpft, Fräulein Müller!" seufzte Herr Peters. Es ist schwerer, sich mit ihr zu unterhalten. als einen Bären das Tanzen zu lehren. Schade um das hübsche Mädchen. Unbedingt muß ein Ohrenarzt befragt werden. Sie gefällt mir ganz ausgezeichnet und scheint mir ein lebhaftes Interesse entgegen zu bringen." MöchtenSie die Angelegenheit nicht lieber mi? Liesbeth besprechen?" warf ich ein. Ich kann nicht mehr, liebes Fräulein! Ich bin todtmatt. Mir scheint es. als verschlimmere sich das Uebel gegen Abend, denn jetzt hört sie gar nichts mehr. Am Morgen war es noch erträglich. Aber jetzt muß ich fort und bitte, Ihrer Schwester zu sagen, daß. wenn sie sich in die Behandlung eines Ohrenarztes geben will, und die Kur günstig ausfällt, unserer Verbindung nichts mehr im Wege steht. Wie konnte mir Ihre Tante nur diese fatale Angelcgenheit verschweigen! Wahrscheinlich fürchtete sie. daß Fräulein Elisabeth in diesem Falle, gar keine Aus-, sichten hätte, ihr Glück in mir zu finden." Sie wollen schon fort, Herr Peters? Ach wie schade! Ich hoffe, wir haben sehr bald das Vergnügen. Sie wieder bei uns zu sehen," sagte Elisabeth, als ihr Gnst Abschied nahm.
Also auf baldiges Wiedersehen!" Das hängt davon ab, wie die Kur verläuft. Ihre Schwester wird Ihnen mittheile, daß ich mit ihr gesprochen habe. Wenn ich fort bin, erfahren Sie Alles." Gewiß Herr Peters, werde ich an Sie denken, wenn Sie fort sind." war Elisabeths Erwiderung. Sie werden uns doch schreiben?" Vielleicht, mein Fräulein!" Als Herr Peters gegangen war. brachen beide junge Damen in ein unbändiges Gelächter aus, das sie nicht zu meistern vermochten. Die gute Tante, was wird sie sagen, wenn sie von Deiner Taubheit erfährt?" fragte Martha am nächsten Morgen ihre Schwester, deren Heiterkeit schon wieder nach Ausdruck rang. Ein Briefträger überreichte die Antwort in Form einer Depesche: Bin sehr besorgt. Sofort nach Berlin kommen. Eine Capazität befragen. Tante Marie." berliner Leben. ,
Neben London ist Berlin zur Zeit t?ohl diejenige Stadt, in der das Sportleben den größten Aufschwung und die allergrößte Betheiligung aufweist. Wien, München, auch Paris dürften kaum damit in Wettbewerb tretett können. Der ganze überwiegend niederdeutsch Theil der Berliner B-e-völkerung, auch äußerlich den Angelsachsen so ähnlich, scheint diese sächsi-' sche Lust am Sport allmälig wieder in den Adern zu spüren wie der Engländer, nachdem seit 1848 und seit 1871 mit der politisch - geistigen Freiheit auch die Freiheit der Körperübung und Körperpflege wieder aufkam. In Zeiten der Reaction und eines mit ihr verkündeten politischen Absolutismus hat man wiederholt verstanden, diese Uebungen des Körpers und des Muthes zu unterdrücken oder hintanzuhalten. Metternich hatte vor dem Turnen stets eine gewisse unbestimmbare Angst und Abneigung, nicht nur, weil die heranstrebenden Turnerschasten zugleich die Träger des ihm verhaßten deutschen Gedankens waren. Er mochte wohl auch sonst ahnen, daß die Selbstbestimmungskraft, der offene Muth, die man im Sport züchtet, in sein politisches System nicht paßte. Er brauchte Duckmäuser und Denuncianten, die unter echten Sportsleuten niemals recht gedeihen wollten. Duckmäuserisch ist nun der Berliner am Ende des 19. JahrHunderts sicher nichts selbst ein Verleumder von Beruf könnte ihm das nicht nachsagen. Wohl aber reitet er oder radelt er, er kutschirt oder fährt zu Wettrennen, er fährt Schlittschuh, er turnt, die Studenten fechten, man schwimmt, man huldigt dem Kahnfahrfport, man läuft zum Lawn - Tennis oder zum Fußballspiele, genug, es gibt kaum eine Kurzweil dieser Art, die nicht ausgiebig betrieben würde. Soweit es möglich ist, betheiligt sich das weibliche Geschlecht sehr stark daran; Mädchen und junge Frauen radeln zu irgend einem Sportparke mit demValle im Netze oder mit dem geflochtenen Ballschläger, das ist ein stehender Anblick. Man kennt diesen Anblick zwar auch in den kleinsten deutschen Städten, aber in Berlin ist es ein Massenbild. Auf dem Tempelhofer Felde wirft die Schülerwelt und Vereine jüngerer Männer den schweren Fußball und schlägt ihn mit der Stiefelspitze gegen den Himmel; im Thiergarten, bei der Stadtbahnstaton Zoologischer Garten". concentrirt sich das Reiterleben. Im nahen Hippodrom und auf den Reitwegen des Thiergartens, den Kurfürstendamm hinaus gen Grunewald, tummeln Herren und Damen ihre Pferde.! Dann gibt es überall Radelbahnen' und Lawn - Tennisplätze, Sportplätze, wohin die jungen Damen massenhaft pilgern, seien es die großen Sportanlagen beim Bahnhof Zoologischer Garten, der Sportpark Friedenau oder andere Plätze. Auf den Havelseen, auf den Grunewaldseen, auf demMüggelsee und der Spree aber blüht der Wassersport jeder Art, wie es die Iahreszeit bringt. Turnhallen und Turnvereine gibt es überall im Westen, Süoen, Norden und Osten inmitten des Häusermeers; da übt man die Kippen und Riesenwellen, die Vauchaufzüge, sie Schwungstemmen und alle sonstigen llllnste, die der Mensch erworben hat, zls er noch mit einem Affenschwanz an oer Rückseite auf Urwaldbäumen vohnte und genöthigt war, sich von Ast zu Ast zu schwingen. Denn die Darlvin'schen Theorieen finden wohl nirzends eine größere Bestätigung, als in kiner Berliner Turnhalle. Zu den tteichshallen - Theatern, zum Variötö. zum Circus wollen wir uns dabei noch zar nicht versteigen. Aber wenn ich 'ehe, wie so ein Berliner Kind und Nenschenkind am Recke in den Kniekehlen und, den Kopf herunter, hängt, wie es dann das Reck mit den Händen faßt, sich rücklings hinauswirft, sitzt, rnv j rr. rf". a ? r . wie iNllllcnweuc lcgiagi, hieraus rvieoer frei in die Kniekehle zu hängen kommt lind nun frei schwingt, bis es plötzlich , lus der Kniekehle losspringt und auf ! der Erde steht, dann kann ich niemals : den Gedanken unterdrücken: hätte er ietzt einen Rückenschwanz, so könnte er im Abspringen dessen Ende um die Reckstange wickeln und dann auch noch nn Weilchen am Schwänze hin- und herbaumeln. Wenn ich aber im Hippodrom die schönen, manchmal aber auch recht mageren und unscheinbaren Reiterinnen, die Officierstöchkr und reilcnden Commercienrathstöchter sehe, so denke ich stets, wenn das Pferd keinen Kopf hätte, so könnten sie wohl Stuck'sche Centaurinnen sein, die hier mit ihren Hufen den Sand aufwirbeln und vorüberhoppen, und ich wundere mich dann regelmäßig nur, warum diese blonden und schwarzen Centaureniunafrauen so häßliche, schwarze
Koäztöpfe und Ofenrohre aus Filz auf dem Kopfe tragen. Eine Reiterin, die :inen Cylinder auf dem Kopfe hat, ist doch unter Menschen und Göttern das unbeschaubarste von allen Geschöpfen. Dazu die großen, schwarzen Stiefel, in oenen der ich'önste Fuß zum schwarzgewichsten Pferdefuß wird. Wenn sie aufsteigt, wenn sie oben sitzt, besonders auf einem hohen Pferde, ich weiß nicht, warum dann selbst jede centaurischi Vorstellung schwindet und ich an jene kleinen, netten Aeffchen denken muß, die vor den Schaubuden auf den Circuspferden sitzen und die man mit süßen Möhren füttert; besonders, wenn das schwarze Reitkleid sehr eng und knavv um die Taillenwölbuna Ichließt, der Cylinder schief sitzt und trn Reiten das Sitzen zu einem Auf- und AbHüpfen des Sitzes selbst wird, enden alle Vorstellungen von einem Zusammenhang zwischen Pferd und Reiterin, und das animalische Vollgefühl der Centaurenhaftigkeit ist dahin. Mußte es denn aber so sein? Trugen nicht einst die Reiterinnen wunderschöne Federhüte mit Bändern, die im Winde flatterten? Flatterten nicht die bunten Barette, trug die Reiterin nicht einen reichlichen, farbenreichen, goldgestickten Rock, der im leiten prächtige Falten warf, den Sattel ordentlich deckte und Pferd und Reiterin gleichmäßig verschönte? Freilich trug das Pferd da auch noch seinen schönen natürlichen Schweif in voller Roßhaarlänge, der es noch einmal so stolz machte, als es schon von Natur war' außerdem das prächtige Thier vor Bremsen schützte und im Schweiße als eigenes Abkühlungsmittel wirkte. Jetzt laufen die schönsten Rosse mit einem kurzen Cigarrenstummel hinten dran umher; jetzt wedeln sie unsicher und trübselig mit dem verkümmerten Maurerpinsel in der leeren Luft einher und wissen nicht mehr, wozu sie überhaupt das Ding da hinten noch haben, genau, wie die Reiterin nicht weiß, warum sie so armselig becylindert sein muß. Und hinter ihr drein läuft nun auch noch eine hohe, prachtvolle Dogge, denn Hundesport muß man mit dem Reitsport doch auch vereinigen, aber ach! Die Dogge hat auch keinen Rllckenzierrath mehr; sie haben ihn ihr abgezwickt und es ist nur noch ein kleines Andenken an den ehemaligen Gedanken Gottes da. Sogar die Ohren hat man ihr beschnitten, als hätten Ratten daran genagt, und schamersüllt, mit halbeingezogenen Hinterläufen, rennt der arme Hund einher. Das ist nun bekanntlich nicht nur Berliner Sport, aber der Norddeutsche, der Deutsche überhaupt hat nicht die Art, sich so zu halten und sein Pferd so zu führen, daß diese Carricaturen der Natur und der Tracht den Zweck solcher Carricatur erreichen, nämlich chic" zu erscheinen. Es sieht gar nicht fesch und chic aus; es ist steif, anmuthslos und Iächerlich. Warum unsere deutschen Damen und Herren sich in diesen Dingen immer wieder dem englischen Sportgeschmack, der englischen Mode unterwerfen und zu Carricaturen des Auslandes machen, ist wirklich nicht recht einzusehen. Hat den Araber, der auf dem edelsten, schönsten aller Pferde sitzt und der wie der leibhaftige Teufel reitet, jemals sein langer, weiter Beduinenmantcl gehindert? Haben in früheren Zeiten die flatternden Hutfedern, die Barette, die breiten Strohhüt'e die Reiterin ernsthast geschädigt? Man sage doch nicht, daß die gegenwärtige Reitertracht praktischer sei. daß überhaupt diese englischen Moden sammt dem aus
England importirten Cylinder zweckentsprechender seien. S:e sind es nicht, sie sind nur fast ausnahmslos die Carricaturen der vermeintlichen Zwecke. Jeder Sport soll, wo er recht betrieben. wird, nicht nur eine wahllose Muskelübung sein, sondern er soll schön betrieben werden. Erst durch diese Bethätigung des Schönheitstriebes darin wird er zu einer physischen und geistigen Selbstveredwng. Die Reiterin, der Reiter soll vor Allem gut im Sattel sitzen, so daß es einen schönen Anblick gewährt. Der Turner soll mit Anmuth und Leichtigkeit sich am Reck und Barren schwingen, damit die Linien seines Körpers künstlerisch ausladen und er selbst dabei auch das Bewußtsein hat, daß seine Bewegungen auf Andere einen angenehmen Eindruck machen. Die Ruderer im Flachboot, die im regelmäßigen Rhythmus ihre nackten Arme am Ruder bewegen und pfeilschnell über den See fliegen, sollen ihr Ruder elegant führen, denn jeder Sportsmann weiß, daß die Schönheit in seinem Fache zugleich auch die größere Sicherheit, Physische Leichtigkeit' und Erleichterung der Thätigkeit ist. Auch der Radfahrer soll, damit er nicht zum Straßenfloh" wird, wie man ihn jetzt nennt, hübsch aufrecht im Sattel sitzen, nicht steif, aber auch nicht zusammengekrümmt, wie in getretener Regenwurm. Er wird bemerken, daß er auf dieDauer am leichtesten und auch mit dem größten Genuß an Natur und an Bewegung selbst fährt, wenn er die Lenkstange nur leicht spielend hält, leicht, aber fest im Sattel sitzt und mit rhythmischer Bewegung, als wäre es zur Musik, aufrecht dahingleitet. Ob bei der Masse des Sports, wie er in Beilin betrieben wird, .auch in gleichem ' Maße die Schönheit des Sports ausgebildet ist? Ich möchte das dahingk stellt sein lassen. Im Ganzen kann man der Berliner Reiterin dieses Lob nicht spenden. Man sieht nur selten eine solche Gestalt, die wirklich zu ihrem Pferde zu gehören scheint. Meist ist es ein recht hilfloses Einherhoppen, bei. dem die Sorge um das Abfallen des Cylinderhutes größer ist, als die sieghafte Freudigkeit. Herrin und Künstlerin des Pferdes zu sein. Dagegen sieht man unter den Officieren und den Pferdehändlern selbst viele elegante Reiter. An sckönen Pferden itt kein Manael. Die Ställe unter den
(Stadtbahnbogen beim Zoologischen Garten zeugen davon. Hier riecht Alles
nach dem Stalle, die Jockeys und Pferdeknechte,, die Händler und Kenner" verkehren in den benachbarten Restaurationen und Speisehäusern. In Hoppegarten, Carlshorst im ostlichen Lande und auf den großen Rennplätzen im Föhrenwalde von West - End. wo man aus icyoner Straße an die yav hinunter und nach Pichclswerder kommt, werden dann die Sportsschlachten geschlagen. Schön sind diese Renntage nur selten, meist toll. Sichilich bemüht ist dagegen die Berliner Radlerin, ihren Sport zu einem schönen zu machen. Gar manche Wünscht sich ja ben dabei zu zeigen, und im Ganzen darf man bekennen, daß die Berliner Mädchen ganz famos auf dem Rade sitzen, ebenso flott wie ruhig bewegt, gradsitzig dahineilen und leicht und gewandt abspringen. Ja, es geschieht wohl, daß in Radler im Grunewald eine Dame vor sich dahinfahren sieht, deren ebenmäßige Haltung. schöne Rockbewegung von einem leichten Tritte leine Sinne fesseln. Er eilt, ihr nachzukommen, sie zu überholen, um im Vorbeihuschen ihr anmuthiges Gesicht zu sehen. Sie gleitet gleichmäßig weiter, als wäre sie sich ihrer Schönheit voll bewußt. Aber ach! im Vorbeihuschen ein Blick es ist eine ganz Alte, Häßliche, längst passte"! Das kommt vom schön betriebenen Sport, denn sie sind so gut gewachsen, diese Berlinerinnen, selbst die Alten! Vom Fechten sieht man äußerlich nicht viel. Das treiben in Deutschland die Studenten da, wo der Pedell nicht zur Stelle ist, die Maler in ihren Ateliers, die Turnlehrer auf den Fechtböden, die Cadetten in ihren Anstalten und Kriegsschulen. In Berlin muß man sich aber nur zu den Zeiten, wo Collegien enden, an den Eingang der Universität oder in die Anlage hinter derselben verfügen, um an den Gesichtsschmarren vieler zu sehen, daß die blanke Waffe noch recht im Schwünge ist. Im großen weiten Berlin an sich verschwindet die Studentenschaft, trotzdem sie fünf- bis sechstausend Mann beträgt, als selbstständiger Factor in der Masse der Erscheinungen. Aber um die Universität, den SammelPunkt eines großen Theiles der Hörer, erhält man bei der Massenhaftigkeit der Hereingehenden und Herausströmenden doch ein anderes Bild. Berliner Turner und Schwimmer aber sind im Reiche wohlbekannt und haben manchen Preis davongetragen; die Preisrichter mögen sich fragen, ob die Eleganz, Anmuth, Schönheit hierbei immer im gleichen Verhältniß ihrer Kraft, Kühnheit und Schnelligkeit stand. LawnTennis und Ballspiele werden in Berlin meist nach englischer Weise betrieben; auch hier beobachtet man, daß das weibliche Geschlecht eher eine gewisse Anmuth damit zu verbinden sucht. Wie verbreitet die Lust am Sport ist, das lehrt die Thatsache, daß auch im Osten unter der Arbeiterschaft viele Rudervereine und Radlervereine bestehen. Man kann nur wünschen, daß diese Wohlthat sich immer mehr ausbreite. Der Arbeiter, der vielfach in der Fabrik die ganze Woche lang nur eine einzige Thätigkeit mit bestimmten Bewegungen ausübt, bedarf sehr der Abwechslung durch Sports-Erholung, damit er nicht körperlich degenerirt. Wer auf der schönen Havel zwischen Wannsee und Pichelswerder rudert, kann daher oft einem Kahn voll Ardeiter begegnen, die in der Abendsonne friedlich dahinrudern und an der Pfaueninsel deutsche Lieder vom himmelblauen See" anstimmen und Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut" singen. Leider entspricht diesem großen Sportkben nicht immer die öffentliche FürserLe, Der berühmte Kurfürstendamm" von Berlin, auf dem der Villenbewohne? des Westens nach Tische mit seiner Familie eine Verdauungsfahrt macht, ist eine der schlechtesten, ausgefahrensten Straßen von der Welt. Nur im Anfang gibt es Asphalt, dann kommt ein lochreicher, mit spitzen Steinchen gespickter Straßendämm mit Mulden, auf dem die elegantesten Equipagen mit den stolzesten Pferden unschön einherschüttern müssen, während die ganze elegante Radlerwelt, die nach der Colonie Grünewald fährt, im dauernden Auf- und Abzittern einherstockert, so daß die hellen Vlusenärmel der jungen Damen wie Espenlaub bewegt sind. Dazwisehen rattern neuerdings jene kleinen Motorwagen auf Gummirädern ü, la Dreirad, worin der Herr Fabrikant mit seiner Familie zusammengepfercht sitzt. Es ist ein erschreckliches Hin- und Herschleudern dieser Motoren, trotzdem die Sache auf Gummi geht. Dazwischen kommt die Dampfstraßenbahn und wirft ihren Dampf den Leuten in's Gesicht. Droschken erster und zweiter Güte Alles rumpelt und humpelt über .die hübschen spitzen Steinchen hinaus, froh, wenn endlich Halensee erreicht ist, wo auf einmol die schönsten Tanzplätz: von Straßen sind. Da jährlich in den illustrirten Blättern so viele Abbildungen vom Berliner, Sportleben auf diesem Kurfürstendämm mit seinen Corsofahrten u. dergl. erscheinen, wo denn in der Hauptstadt Alles fesch", chic", sin de sbce erscheint, so sei hier auch einmal darauf aufmerksam gemacht, datz das Parquet, auf dem sich das Alles bewegt und spartet, zur Zeit ganz und gar nicht sin de siecle ist. - Mancherschimpftnur deshalb über das Weib, weil er zu keinem gekommen ist, mancher freilich auch gerade aus dem entgegengesetzten Grunde. Bei Tisch. Frau (Zeitung lesend): Denke Dir, hier steht von einer Henne mit vier Beinen." Mann: Das wird wohl 'neEnte sein."
Der Schwarzer. Humoreske von Wilhelm Herbert. Hans Stöckl saß in der Weinlaube, int Portion Salami und einenSchoppen Spectal vor sich, und träumte, von den wirren Ranken versteckc, auf die Dorfstraße hinaus. Schräg gegenüber am Zaun lehnten schon lange zwei Burschen in auffallend geheimer Zwiesprache. Endlich schieden sie mit einem festen Handschlag von einander. Jetzt trat Stöckl aus der Laube. Loisl!" rief er. Der eine der Burschen, welcher gegen das Gasthaus her gegangen war, trat an die Laube. Es war ein hübscher, frischer, dunkelhaariger und schwarzäugiger junger Mann, der einen Typus von fast südlichem Character zeigte. Na. Loisl," frug Stöckl. was habt Ihr denn für Geheimnisse?" Der Bursche lächelte verschmitzt. Ich ftxtt was," drängte der Fragende in ihn und dämpfte seine Stimme. Ihr habt eine Schwärzerei ausgemacht he?" Loisl rückte sein Hütl. Der Herr Maler wird uns ja net verrathen," meinte er, es is schon so!" Saprament!" murmelte der junge Künstler gespannt. Heut' Nacht he?" Loisl rückte sein Hütl. Der Herr Male? wird uns ja net verrathen," meinte er, es is schon so!" Saprament!" murmelte der junge Künstler gespannt. Heut' Nacht he ?" Der Andere nickte. Du, Loisl Du, Loisl " sagte Stöckl unruhig, sah dann um sich und winkte den Burschen in die Laube. Weißt', Loisl," fuhr er dort weiter, schenkte dem Gaste ein und schob ihm den Teller hin, weißt', das wär' für einen Maler was. da einmal mitgeh'n zu können verstehst', so das Ganze die Heimlichkeit, die Gefahr all' das reizt die Phantasie des Künstlers da hast' einen Thaler nimm mich mit, Loisl!" Loisl sah zuerst den Maler an, dann das Geldstück. Er zögerte eine Minute. D'rauf griff er aber energisch nach der Münze und schob sie ein. Gut!" sagte er. Is recht! Seid's um Zehne auf d' Nacht bei dem Martertaferl außerhalb dem Dorf dort, wo's den Holzknecht erschlagen hat b'hllt' Enk Gott!" Damit war er weg; denn seine Luchsaugen hatten den Ortsgendarm von ferne kommen sehen. , Stöckl blieb in hochgradiger freudiger Aufregung zurück. Also einmal so ein richtiges Künstlerabenteuer voll Reiz und Gefahr, bei Nacht und Nebel! An die etwaigen schlimmen Folgen dachte er kaum. Was konnte man auch ihm viel anhaben, wenn's wirklich schief ging? Daß er als Künstler nur aus Interesse an der Romantik des Unternehmens mit dabei war, konnte ja keinem Zweisei unterliegen. Uebrigens Kerle, so pfiffig und gewandt Wie der Loisl, würden sich schon nicht erwischen lassen. Er ruhte sich den Tag über gehörig aus, aß tüchtig zu Mittag, ließ aber den Wein mehr links liegen, als sonst seine Art war die Schwärzer sollten keine Gelegenheit haben, sich bei ihm über Mangel an Kraft und Ausdauer lustig zu machen. Stille Nacht lag bereits über dem Dorfe, als Stöckl, in seinen Lodenmantel gehüllt, lautlos das Dorf hinauschritt. Bei dem Marterl trat eine dunkle Gestalt aus den Bäumäi hervor und winkte ihm. ßirn ging es steil durch den Bergtann aufwärts. Dort, wo der Wald am undurchdringlichsten war, that sich mit einem Mal eine kleine Blöße auf. Eine verlassene Köhlerhütte stand da. Der Begleiter Stöckls. dessen geschwärztes Gesicht der Maler nicht erkennen konnte, der aber der Gestalt nach kein Anderer als Loisl war, stieß einen leisen Pfiff aus. . Drei oder vier vermummte Gestalten erhoben sich vor der Hütte. " Ein kurzes Geflüster dann trat plötzlich einer der Schmuggler auf Stöckl zu. De? Maler wollte zurückweichen; aber schon war ihm der Andere jählings ein paar Mal derb mit der Hand über das Gesicht gefahren. Ein richtiger Schwärzer muß auch schwarz sein wie der Teufi!" lachte der Unbekannte dabei! Stöckl nieste, spuckte und rieb sich die Augen. Na. er mochte ja gut aussehen nach dieser Kienrußtunke! Aber gleich , wieder überwältigte der Reiz der Situation, welcher gerade dadurch neuerdings erhöht worden war, sein Mißbehagen. . Lautlos ging es nun vorwärts. Mit einer energischen Handbewegung hatte man den Fremden an die Spitze des Zuges gesetzt. Ein leises Gruseln lief ihm dabei über den Rücken. Es war ihm, als hörte er Hähne hinter sich knacken, bereit, ihm beim ersten Anzeichen eines Verraths das Lebenslicht auszublasen. So ging es auf schmalem, steilem und beschwerlichem Schleichweg durch die sternenlose, milde Sommernacht aufwärts der Grenze entgegen, welcher zur selben Zeit die Gegenpartei mit den Schmuggelwaaren von der anderen Seite näher rückte. Man mochke ungefähr eine Stunde so gestiegen sein, als plötzlich der Weg abbrach, und auf die Straße mündete, die hier über das stock) herüber führte Weitzscytmmernd. Jag das Sträuchen, eine geraume Strecke weit mit den Augen verfolgbar,' vor den einsamen Wanderern, während links das bewachsene Gehänge schroff abfiel und rechts die Felswand steil emporstieg, An d' Wand halten!" ertönte das Commando. Lautlos huschten die.Gestalten längs
der Felswand hinler einander yer. Plötzlich vernahm Stöckl hinter sich ein Springen über die Straße, ein Poltern iuden Steinen am Wegrand, dann ein sausendes Hinabgleiten über die steile Berghalde. Ehe er recht begriff, um was es sich handelte, stand er allein. Im nächsten Augenblick sah er vor sich in paar Gestalten aufspringe!.. Dieselben waren mit wenigenSätzeu am Straßenrande und blickten flu--chend den Ausreißern nach. Dann schienen sie eine kurze Berathung zu pflegen, wobei es dem Zurückgebliebe nen vorkam, als wäre von ihm die Rede; wenigstens meinte er das Wort Maler" gehört und ein leises Lachen vernommen zu haben. Vorübergehend tauchte in Stockt der Gedanke auf, daß er es mit Grenz jägern zu thun habe, welche hier den Schmugglern aufgelauert und sie verscheucht hatten. Schnell aber verwarf er diese Annähme wied. D beiden Fremdere trugen kein Dienstadzeichen, hatten Lodenmäntel nach Jägerart übergeworfen und machten im Ganzen einen viel zu gemüthlichen Eindruck, als daß. man in ihnen Beamte hätte vermuthen dürfen, welche jeden Moment öereit sein müßten, dem Tode in's Auge zu sehen. Stöckl mußte unwillkürlich lächeln. Was waren doch diese großen Helden diese kernigen Kraftmeier, diese gepriesenen und berüchtigten Schwärzer für feige Tröpfe! Vor ein paar harmlosen Jägern, deren Unmuth sie erregt hatten, weil sie ihnen das Wild verscheuchten, rissen sie aus. Da war doch er ein ganz Anderer. Ja, Künstlerblut hat Feuer! Das Abenteuer begann ihn erst recht zu freuen und er beschloß, es bis zur Neige auszukosten. Na, liebe Leute," sagte er und trat auf die beiden Fremden zu, Ihr seid wohl erbost, weil Euch diese guten Burschen hier das Wild verscheucht haben?" Die Angeredeten stutzten inen Augenblick. Ja, freilich." sagte dann der Eine von ihnen lustig, 's Wild haben s' uns. verscheucht stimmt!" Ihr müßt den braven Leuten nichr böse sein," fuhr Stöckl fort, es sink arme, brave Edelweißsucher!" Noch nie war er sich so bedeutend' vorgekommen als in diesem Augenblicks da er noch den Ruf der ausgerissenen Tollpatsche schlau von jedem Makel reinwusch, der ihnen etwa hätte anhaften können. j Die beiden Anderen lachten. Edelweiß haben s' gesucht ? schmunzelten sie. Aha!" Plötzlich sprang der Eine auf die Seite. Halt! Still!" murmelte er und deutete nach oben. Man hörte einen leisen Pfiff. Dann sah man eine Gestalt auf der Jochhöhe erscheinen. Es war ein Thier, das vorsichtig herabschritt. Gemsen?" frug Stock! gespannt. Der eine seiner Genossen nickte. Da faßte den jungen Maler eine unbeschreibliche Jagdgier. Wenn er eine Gemse erlegt hätte eine richtige, wirkliche Gemse im Hochgebirge Herr des Himmels, auf ewig wäre sein Ruf als Nimrod bei allen Bekannten festgestanden! Laßt mich!" flüsterte er in heißer Erregung. Laßt mich sie schießen!. Ich zahle, was Ihr wollt!" Es war. als wechselten die Beiden einen raschen Blick. Da," sagte dann der Eine und drückte ihm die Flinte in die Hand, aber gut zielen!" Ob er zielte! Bumm krachte der Schuß, ein dumpfes Stöhnen und das Thier brach zusammen. Jetzt fort! Schnell fort! Wir bringen's Ihnen morgen runter in'sDorf!" flüsterte ihm der Nächststehende zu und schob ihn weg. Was wollte er machen ohneFlinte als gehorchen? Die schußneidigen Bursch waren offenbar besorgt, daß nun das ganze nachfolgende Rudel von Gemsen ihnen auskäme und sie selbst nichts erhielten. Na, ihm konnte es schließlich gleich sein. Er hatte seine Trophäe. Auf den ersten Schuß eine Gemse fabelhaft! ' Vergnügt trollte sich Stöckl straßenabwärts. Bald hörte er es aber mehrmals knallen. Ja," schmunzelte er, schießen allein macht's nicht treffen mutz man!"
' Am andern Tag verzehrte ihn die Ungeduld beinahe. Aber lein Wild kam. . Endlich gegen Abend lief ihm Loisl in die Hände. ' Na." sagte der Maler, Ihr seid schöne Einfaltspinsel! Kaum wart Ihr fünf Schritte weg, stieß ich auf ein paar Gemsenjäger einer lieh mir seine Büchse habe damit kapitale Gemse geschossen erwarte sie fieberhaft!" Loisl stand einen Augenblick, starr. " ' Waö?" rief er dann. Was Sie waren's also? Sie haben uns also mit dem G'wehr von einem Grenzjäger den g'schmuggeltenMastochsez z'sammg'schossen o diese Stadtfiack!" ' Wohl die erste erlegte G-emiV. von welcher der Schütze Keinem e'.n Wort verrath! Galgenhumor. Strafling (der auf der Flucht ertappt und vor den Richter gebracht wird): Herr Richter um Gottes Willen, nur keine Moralpredigten. Brech' ich ein, ist'S Ihnen nicht recht, brech' ich aus. auch nicht. Also wie soll .ich's Ihnen ei. gentlich recht thun?"
