Indiana Tribüne, Volume 22, Number 325, Indianapolis, Marion County, 13 August 1899 — Page 3

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Noman von K. Orth. (3. Fortsetzung.) Aufmerksam und mit unverkennbar rein Wohlgefallen ruhten die Augen der Frau des Hauses auf der Gestalt des jungen Deutschen, den ihr Gatte ihr jetzt in seiner verbindlichen Weise vorstellte. Sie hieß ihn mit einigen Worten willkommen, indem sie zugleich der Ernxirtung Ausdruck gab, daß er fortan ihr Haus als das seinige betrachten würde, und wandte sich dann n den neben ihr sitzenden Herrn, um die Bekanntschaft zwischen ihm und Rodewaldt zu vermitteln. Der neue Bankdirector erfuhr, daß es kein geringerer als der Präsident der Republik selbst war, iwn: sich gegenüber sah. Und er hätte sich wohl hochgeehrt fühlen können durch die freundliche und zuvorkommende Art, in der dieser hochgestellte Herr sich mehrere Minuten lano mit ihm unterhielt. Dann, als der President das Gespräch mit Weltmännischer Geschicklichkeit beendet und sich wieder gegen die Dan des Hauses gewendet hatte, lernte Rodewaldt durch Vit Vermittelung del Vascos nach und nach auch die übrigen Gäste kennen, unter denen es Minister, Generale. (Kongreßmitglieder und eine Menge anderer, nach den halblauten Versrcherungen des Hausherrn politisch höchst bedeutsamer Persönlichleiten gab. Sie werden mit vielen dieser Herren bald in noch nähere Berührung kommen, verehrter Freund, denn . die La Plata-Bank steht mit den meisten von ihnen auch in geschäftliches BeZiehungen. Aber es ist natürlich durchaus verpönt, hier davon zu sprechen. Auf einer Tertulia redet man vielleicht von Politik, aber niemals von

Geschäften yv Rodewaldt hatte den Eindruck, daß Ctnnor del Vasco es überhaupt n'cht tM, von Geschäften zu reden, denn c?uch bei dem kurzen Besuche, den er .eute im Cabinet des neuen Bankdirectors abgestattet hatte, war er sehr eilig gewesen und hatte sich mit einer dringenden anderweitigen Verpflichtung entschuldigt, alsRodewaldt einige kaufmännische Angelegenheiten bezügliche Fragen an ihn hatte richten wollen. Und nun, nachdem ich Sie gewissermaßen in die officiellen Kreise von Buenos Aires eingeführt habe, nun, mein theuerster Sennor, gestatten Sie mir, Ihnen auch unsere junge Welt zu zeigen, zu der es Sie vielleicht doch noch mehr hinzieht, als zu jenen." Vertraulich hatte del Vasco mit diesen Worten Rodewaldts Arm ergriffen und ihn, einen schweren Thürvorhang zurückschlagend, in inen dritten, noch größeren Raum geführt, der augenscheinlich dazu bestimmt war, als Musikzimmer und als Tanzsaal zu dienen, da seine ganze Ausstattung außer mehreren in die Wände eingeZassenen, hohen Crystallspiegeln nur. in ewem großen Concertslügel und einer Anzahl von Stühlen bestand. Die junge Welt, von welcher der HausHerr gesprochen, war hier in der That in ihren berückendsten und lieblichsten Erscheinungen vertreten. All' die fremdartige Schönheit, all' die verführerische Anmuth, die den jungen Deutschen bisher auf den Straßen von Buenos Aires entzückt ' hatte, offenbarte sich ihm da ohne die neidisch derbergende Hülle der Mantilla noch viel überwältigender. Es mochten zehn oder zwölf junge Kreolinnen im Alter von sechzehn bis zwanzig Jahren sein, die unter txrn funkelnden Kronleuchter in duftigen weißen oder zartsarbigen hellen Toiletten bei einander standen, umschmeichelt und in lebhafter Huldigung umworben von einer Anzahl befrackter Herren, die entweder zu jugendlich waren, um an den ernsthaften politischen Gesprächen in den beiden anderen Zimmern Gefallen zu finden, oder alt genug, um den beglückenden Anblick weiblicher Holdseligkeit jeder Art von geistiger Anregung vorzuziehen. Mitten unter dem Kronleuchter, und von seinen Flammen mit blendendem Licht überfluth'.t, stand ein vielleicht , achtzehnjähriges Mädchen, an dessen weicher, ebenmäßiger Gestalt und dessen wundervollem, elfenbeinfarbigem Antlitz Rodewaldts Blick seit dem Moment seines Eintritts wie durch einen unwiderstehlichen Zauber gefesselt has ten g '.blieben war. Er hatte niemals ein Wesen von vollkommenerer Schönheit gesehen, und er wäre glücklich gewesen, wenn man ihm vergönnt hätte, dieses lebendige Meisterwerk der Schöpfung still aus der Fern zu bewundern. Daran aber war natürlich nicht zu denken; er mußte sich in aller Form vorstellen lassen, und eim Minute später wußte er, daß der Gegenstand seines Entzückens die Sennorita Jsabella del Vasco, die Tochter des Hauses, toar. Wie er jetzt unmittelbar vor ihr stand, wie ihre Feueraugen sich neugierig auf ihn richteten, und die rothen, schwellenden Lippen sich zu einem Lächeln verzogen, da' fühlte er sich von einer unbezwinglichen Verlegenheit ergriffen, die ihn seiner Ueberzeugung nach zu einem Gegenstand spöttischen Mitleids für seine gesammte Umgebung machen mußte. Er unterließ es, V rf1 4. V L M

die rieme, roorngerniMte yano, die ncy ihm freundlich zum Gruße darbot, an seine Lippen zu führen, wie es doch nach allem, was er beobachtet hatte, hier zu Lande als ein unverbrüchliches Gesetz derH'öflichkeit galt, und er suchte trotz seiner 'Kenntniß der spanischen Sprache vergebens in seinem Gedachtniß nach irgend einer artigen Phrase, die hier am Platze gewesen wäre.. Aber Sennorita Jsabellas unbefantu Liebenswürdigkeit machte der für

ihn so peinlichen Situation rasch ern Ende. Mit einer reizenden Natürlichkeit, die auch nicht den leisesten Anklang von berechneter Coketterie hatte, sagte sie: Ich freue mich aufrichtig, daß wir nun doch wieder einen deutschen Sennor unter unseren Freunden haben werden. Denn ich liebe Ihr Land undJhre Landsleute, mein Herr! Ich lese mit Vorliebe Ihre Dichter, und wenn ich von eine: recht bewunderungswürdigen That höre, so stelle ich mir unwillkürlich vor, daß es ein Deutscher gewesen sein müsse, der sie vollbracht hat." Das ist nicht eben schmeichelhaft für 'uns, Sennorita," kam' einer von den dunkelhaarigen jungen Herren der Erwiderung Rodewaldts zuvor. 'Alle Hochachtung vor einer klugen und tapferen Nation aber ich denke, wir brauchen uns nicht geringer zu dünken, als sie." Vielleicht sind Sie ebenso klug u.:d ebenso tapfer, Don Francisco sagte Jsabella mit reizender Schelmerei, in einem aber stehen Sie gleich allen anderen anwesenden Caballeros den deutschen Herren unzweifelhaft nach und das ist im Punkte der Aufrichtigkeit. Wenn man Tag für Tag nur die galantesten Artigkeiten und Schmeicheleien hört, sehnt man sich von Herzen danach, auch einmal die ungeschminkte Wahrhcit zu vernehmen, und Sie dürfen 5 mir darum nicht verübeln, meine Herren, wenn ich unserem neuen Freunde ein wenig vor Ihnen den Vorzug gebe." Das war eine Offenherzigkeit und Ungeniertheit, wie sie sich in seiner deutschen Heiniath ein achtzehnjähriges Mädchen sicherlich niemals gestattet haben würde; Rodewaldt aber war trotzdem sehr weit davon entfernt, sie unpassend zu finden. Es war etwas sprudelnd Uebermüthiges und zugleich kindlich Unschuldiges in Jsabellas Art, etwas, das auch ihm die verlorene Sicherheit wiedergab. Sie machen mich stolz, Sennorita," sagte er, und es wird gewiß mein eifrigstes Bestreben sein, mich einer so wohlwollenden. Beurtheilung meiner Landsleute würdig zu erweisen." Sie können auf der Stelle den Anfang damit machen," rief sie heiter. Seit einerViertelstunde höre ich nichts als die überschwänglichsten LobeserHebungen über die kleine flüchtige Skizze, die ich den Herrschaften auf ihr dringendes Verlangen zeigen mußte, obwohl ich es durchaus nicht thun wollte, weil sie mir selbst in hohem Grade mißfällt.. Nun mögen Sie diese Schmeichler durch ein ehrliches und unumwundenes Urtheil beschämen." Sie hatte einem geckenhaft gekleideten jungen Manne das Blatt, das er eben mit dem Ausdruck höchster Verzücktheit betrachtete, ohne weiteres aus der Hand genommen und es Rodewaldt überreicht. Es ist ein Augcnblick5bild von der Plaza de Constituzion,- 'sagte sie erklärend, und wie Sie sehen, eine rechte Dilettantenarbeit." Daß es eine solche nicht war, erkannte Werner auf den ersten Blick. Er hatte sich, einer alten Liebhaberei nachgebend, in feinen spärlichen Mußestunden selbst so oft mit der Kunst des Stifts und des Pinsels beschäftigt und seine Augen an den Werken der großen Meister so gründlich geschult, daß er wohl im Stande war, die starke natürliche Begabung zu erkennen, die sich in diesem offenbar rasch hingeworfenen Aquarell kundgab. Es stellte eine Scene aus dem bunten und malerischen Markttreiben dar, das für Buenos Aires so charakteristisch ist ein Paar der grell bemalten Ochsenkarren mit ihren gewaltigen, acht Fuß hohen Rädern, und zwischen ihnen eine trefflich beobachtete und mit großer Sicherheit wiedergegebene Gruppe der Landleute in ihren malerischen Trachten. Freilich mangelte es auf dem Blatte neben den augenfälligen Vorzügen auch nicht an Verzeichnungen und anderen kleinen Fehlern, und Rodewaldt unterließ nicht, die junge Künstlerin auf sie aufmerksom zu machen, nachdem er den Schönheiten der Skizze eine, wenn auch nicht überschwängliche, so doch wärme Anerkennung hatte zu theil werden lassen. Als er geendet, klatsch!? Jsabella mit kindlicherFröhlichkeit in die Hände. Sagte ich's nicht, daß ich von diesem sennor endlich die Wahrheit hören würde? Und nun müssen Sie sich auf der Stelle auch meine anderen Sachen ansehen alle alle! Sie werden mir sagen, welche von ihnen ich einfadb fortwerfen soll, und welche des Aufhcbens werth sind. Kommen Sie, dan it wir fertig sind, he die Musik beginnt." Und ehe er noch wußte, wie ihm geschah. sah sich Werner mit dem holden Geschöpf allein in einem kleinenNebenzimmer, das'seiner ganzen Einrichtung nach nur Jsabella's eigenes Gemach sein konnte. Mit allerliebster Geschäftigkeit brachte sie ihre Skizzenbücber und Mappen herbei, um alle die Schätze vor ihm auszubreiten, die sie enthielten. Sie benahm sich dabei gegen ihn ganz wie gegen einen alten Bekannten, und das muntere Geplauder ihrer hellen Stimme ließ auch Rodewaldt bald vergessen, daß er sie vor kaum einer halben Stunde zum ersten Mal in feinem Leben gesehen Aufmerksam betrachtete er alles, was sie ihm zeigte, das eine lobend, das andere verwerfend, ganz so, wie es seine ehrliche Meinung war. Aber als er dann einmal auf ine lebhafte Frage Jsabellas hin den Blick von dem Buche, daä er eben in der Hand hielt, zu ihr erhob, als er sie an der anderen Seite des schmalen Tisches , unter der roth umschleierten Säulenlampe stehen sah, von ihrem zart rosigen Lichte wie von einer sanften Glorie umftossen, da war es ihm plötzlich, als befände, sich mitten in inem Märchen, , als hätte eine Fee ihn in ihr zauberhaftes Reich entführt, und als brauchte' er - nur noch seinen Arm auszustreckn, um daö

wonnigste Glück an seine Brust zu reißen. Mitten in dem' eben begonnenen Satze war er verstummt. Seine AuQtn aber mochien wohl, ihm selber unbewußt, einiges von dem verrathen, was so mächtig durch seine Seele ging, denn die Sennorita legte das dunkle Köpfchen mit einer unnachahmlich reizvollen Bewegung ein wenig auf die Seite und sagte, indem sie mit einem Lächeln seinen Blick aushielt: Weshalb sehen Sie mich so sonderbar an? Wissen Sie auch, daß Sie mir damit den Muth 'nehmen zu einer Bitte, die ich Ihnen eben ussprechen wollte?" Zu einer Bitte? O Sennorita, wenn ihre Erfüllung menschliches Vermögen nicht übersteigt " Ah, wie feierlich!" lachte sie. Nein, nein, es ist durchaus nicht Ihr Herzblut, das ich verlange. Aber Sie sind ein so vortrefflicher Kritiker alles, was Sie über meine kleinen Arbeiten sagen, leuchtet mir so vollkommen ein, daß ich sicher hin, ich würde sehr viel von Ihnen lernen können viel, viel mehr als von der langweiligen Malerin, die mich jetzt unterrichtet und auf meinen Studienausflügen begleitet. Die Umgebung von Buenos Aires ist überreich an Naturschönheiten und interessanten landschaftlichen Scenerien. Was würden Sie dazu sagen, wenn ich Ihnen vorschlüge, daß wir sie an Jhren 'freien Tagen gemeinschaftlich durchstreifen, damit ich unter Ihrer Anleitung hie und da eine photographische Aufnahme machen oder eine kleine Skizze entwerfen kann? Es würde ein Opfer für Sie sein, das erkenne ich an, aber Sie würden dabei doch auch unter meiner Führung manches Hübsche und Sehenswerthe kennen lernen." Er mußte an sich halten, um ihr nicht gar zu deutlich das Entzücken zu offenbaren, mit dem dieser ganz unbefangen ausgesprochene Vorschlag ihn erfüllte. Aber als er in seiner Erwiderung einen leisen Zweifel durchblicken ließ, ob Sennor del Vasco und seine Gemahlin ihre Einwilligung zu derartigen Ausflügen ertheilen würden, sah ihn Jsabella verwundert an. Aber was, um des Fimmels willen, sollten sie dagegen einzuwenden haben? Wenn es Ihnen nicht zu langweilig ist. mich zu begleiten, wird gewiß Niemand daran denken, es Ihnen zu verwehren. 'Ich hoffe doch. Sie wollen ein guter Freund unseres Hauses werden und uns von nun an täglich besuchen." Täglich?" lächelte Rodewaldt. Dürfte das Ihrem Herrn Vater nicht bei all' feiner Liebenswürdigkeit . doch als etwas zu viel erscheinen?" Mit großer Bestimmtheit schüttelte Jsabella das Köpfchen. Sie kennen unsereLandessitte noch nicht, wenn Sie das für möglich halten. Man nimmt es bei uns vielmehr als eine kränkende Zurücksetzung auf, wenn einer unserer Freunde ohne zwingendsten Grund von der Tertulia fortbleibt." Aber Sie müssen bereits bemerkt haben, Sennorita, daß ich für diese glänzenden Gesellschaften nur wenig geeignet bin." O, wenn nur das Ihre Sorge ist, dürfen Sie ganz beruhigt sein. So glänzend wie heute geht es auf unserer Tertulia nicht immer zu. Dies ist eine Ausnahme zu Ehren des Präsidenten, und vielleicht auch ein wenig Ihnen zu Ehren. Sonst sitzen wir in der Dämmerung draußen im Garten oder auf dem Patio, wo es so wundervoll luftig ist, und wo es sich so traulich plaudert beim Rauschen des Springbrunnens. Da haben wir keine andcren Lichter als die funkelnden Sterne über uns, da giebt es keine großen Toiletten und keine steifen Förmlichleiten. Jeder thut, was ihm beliebt. Man sitzt zu vieren, zu dreien, oder auch zu zweien bei einander und plau dert oder schweigt, wie es einem eben um's Herz ist. Sie dürfen die Art UNferer Geselligkeit wahrlich nicht nach dem beurtheilen, was Sie heute sehen. Erst wenn Sie einmal an einem unserer gewöhnlichen Abende bei uns gewesen sind, werden Sie sie wirklich kennen gelernt haben, und dann- wieder umspielte das Nixenlächeln ihre Lippen ich bin dessen ganz sicher, dann werden S'e gewiß gern wiederkommen." Rodewaldt wollte antworten, aber da wurden die Portieren zurückgeschlagen. und Donna Marias königliche Gestalt wurde am Arm des Präsidenten sichtbar. Sie schien nicht im mindesten überrascht. ihr. Töchterchen mit dem jungen Deutschen allein zu finden; sie nickte ihm vielmehr freundlich herablassend zu, wie wenn sie ihn durch dies Zeichen ihrer Huld für die unwillkommene Störung schadlos halten wollte und sagte: Seine Excellenz möchte etwas von deinen Zeichnungen sehen, liebste Jsa! Ich denke, es wird dir Vergnügen machen, seinen Wunsch zu er füllen." Die Sennorita schürzte ein wenig die Oberlippe, wie um anzudeuten, daß dies Vergnügen keineswegs ein sehr lebhaftes sei; aber sie erhob keinen Widerspr'ch und legte dem Präsidenten einige von den Blättern vor, die Rodewaldt vorhin als die bestgelungenen bezeichnet hatte. Den jungen Deutschen aber litt es jetzt nicht länger in dem kleinen, von einem feinen Veilchengeruch erfüllten Raume, in dem er soeben die glücklichste halbe Stunde seines Lebens zugebracht halte. Als Seine Excellenz sich in wortreichen Aeußerungen der Bewunderung erging, nahm er eine günstige Gelegenheit wahr, sich hinaus zu stehlen, und da er gewahrte, daß die beiden an der Längsseite des Musiksaales befindlichen großen Flügelthüren geöffnet waren, trat er durch eine von ihnen hinaus in's Freie.

5. Capitel. Die dämmerige Helligkeit der lauen südlichen Nacht ließ ihn erkennen, daß er sich in inem Hofraum befand, der

vielleicht auch gegründeten Anspruch darauf gehabt hätte, ein Garten genannt zu werden. Rings von einem offenenSäulengang umschlossen, zeigte er in seinem mittleren Theile prächtige Gruppen von Palmen-, Orangen- und Pfirsichbäumen, die in üppigster Lebenssülle zu gedeihen scheinen. Einzig das leise, eintönige Plätschern eines Springbrunnens unterbrach die hier herrschende friedvolleStille, und Rodewaldt begriff, wie lieb und heimlich es sich da zwischen dem schirmenden, verschwiegenen Laubwerk mit einem theuren Wesen plaudern lassen müsse. Langsam und noch ganz in dem Bann seiner Märchenstimmung befangen, durchschritt er den Garten, um sich neben einer laubenartig angeordneten Pflanzcngruppe auf einem Ruhesitz niederzulassen. Er hatte von hier aus durch die offenen Flügelthüren ungehinderten Einblick in den hell erleuchteten Saal mit seiner Fülle froh bewegter und festlich getleidetev- Menschengestalten. Und es schien ihm um vieles unterhaltender, das Treiben da drinnen unbemerkt aus der Ferne zu beobachten, als daran theilzunehmen. Auf's höchste überrascht, vielleicht sogar ein wenig erschreckt, wandte er den Kopf, als er plötzlich eine Stimme in feiner unmittelbaren Nähe sagen hörte: Ein schöner Abend, Sennor, und ein schönes Land, nicht wahr?" Von dem Hintergrunde der Pslanzengruppe an seiner Seite hoben sich ihm jetzt, da er schärfer hinsah, deutlich die 'Umrisse einer dunklen Frauengestalt ab, deren Gesichtszüge er indessen ebensowenig erkennen konnte, als die Einzelheiten ihrer Kleidung. Er zweifelte nicht, daß es eine Dame aus der Gesellschaft sei, die gletcy ihm die Einsamkeit gesucht hatte und ihm jetzt ihre Anwesenheit Wohl nurverrieth, um ihn zu verscheuchen. Ich bitte um Verzeihung. Sennora, wenn ich Sie gestört habe," wollte er eine Entschuldigung beginnen, aber sie fiel ihm abwehrend in die Rede. Sie störten mich nicht, und am wenigsten haben Sie einen Anlaß, mich deshalb um Verzeihung zu bitten. Dieser Patio steht allen Gästen des Hauses offen, und ich habe es lediglich als einen günstigen Zufall zu betrachten, wenn sie ihn heute nicht aufsuchen." Also doch für einen günstigen Zufall." sagte Rodewaldt lächelnd. Ich urte mich danach nicht, wenn ich annahm, daß Sie, Sennora, sich aus dem läuten Treiben da drinnen geflüchtet hätten, um hier allein zu sein." Das Treiben da drinnen kümmert mich nicht, denn ich gehöre nicht zu jener Gesellschaft. Aber Sie sind mir noch immer die Antwort schuldig geblieben auf meine erste Frage. Finden Sie nicht, Senor, daß es ein schönes Land ist, unser Argentinien?" Auch sie wußte also offenbar nicht nur, daß er ein Fremder war, fondern auch, daß er erst seit sehr kurzer Zeit hier verweilte. Aber das war am Ende nicht sehr verwunderlich, da ja in diesem Hause ohne Zweifel bereits von ihm gesprochen worden war, und da sie, wie er nach ihrer letzten Aeußerung vermuthete, -wohl eine Gesellschafterin oder dergleichen in der Familie del Vasco war. Und es machte ihm Freude, dem Entzücken seines Herzens gegen einen Menschen Ausdruck geben zu dürfen. Wenn ich nach den Eindrücken urtheilen darf, die ich in diesem Hause empfangen, so ist es ohne allen Zweifel das herrlichste Land der Welt," rief er mit Wärme. Aber ich fürchte freilich, daß ich das Schönste zuerst kennen gelernt habe, und daß es von nun an nur noch Enttäuschungen geben wird." Wenn Sie dieses Haus erst wirklich kennen," tönte es merkwürdig ernst aus dem dunklen Blattwerk zurück, so kennen Sie auch das ganze Land. Und ich vermuthe, daß Sie alsdann aufgehört haben, es für das herrlichste der Welt zu halten." Klang das nicht wieder wie ein warnender Zuruf wie eine Mahnung zu Mißtrauen und Vorsicht? Roiewaldt dachte an die Worte Don Joss und an das geheimnißvolle Briefchen vom gestrigen Abend. Die Häufigkeit dieser Warnungen aber, mit denen man ihn, den Fremden, so sreigebig bedachte, fing nachgerade an, ihn zu belustigen. Und weshalb sollte es mir dann anders erscheinen, Sennora?" fragte er. Kann eine Nation liebenswürdigere Eigenschaften und bestechendere Vorzüge haben, als sie sich hier so- herzerfreuend offenbaren?" Es ist nicht meine Sache, Ihnen darauf zu antworten, Sennor! Soviel nur lassen Sie mich Ihnen sagen, daß Argentinien ein gefährliches Land ist für Träumer und Idealisten. Aber," fuhr sie, noch ehe er antworten konnte, in einem ganz veränderten Tone fort, entschuldige'! Sie meine Unwissenheit ist das nicht Chopin, was man da drinnen spielt?" Seit einer Minute drangen durch die offenen Flügelthüren die vollen weichen Klänge des Flügels zu ihnen heraus, und Rodewaldt sah mit einigem Erstaunen, daß der musicirende Künstler ein allerdings wie die anderen Gäste tadellos elegant gekleideter wollköpfiger Neger war. Er lauschte eine kleine Weile, um dann zu antworten: Allerdings, Sennora, es ist ein Nocturno von Chopin. Und dieser dunkelfarbige Herr da drinnen ist allem Anschein nach ein Virtuose von nicht geringer Begabung wahrscheinlich ein bekannter und geschätzter Künstler?" Statt der Erwiderung vernahm tx 'nur ein halblautes, spöttisch klingen des Lachen. Habe ich da etwas Thörichtes ge-äußert?-fragte er. Ich glaubte annehmen zu dürfen, daß ein Sennor von der Hautfarbe dieses Musikers immerhin schon eine hervorragende Persönlichkeit sein müsse, wenn man

ihm Zutritt in eine so vornehme Gesellschaft gewährt.In der dunklen Pflanzengruppe knisterte und raschelte es wie von seidenen Gewandern, und eine Sekunde später stand die Unbekannte, von der Rodewaldt bis dahin nicht mehr als die unbestimmten Umrißlinien ihrer Figur gesehen hatte, dicht an seiner Seite. Er erkannte jetzt, daß sie nicht, wie er vermuthet hatte, eine Frau, sondern ein junges Mädchen von höchstens siebzehn Jahren war. Ihre zierliche, in einKleid von schimmerndem schwurzem Atlas gehüllte Gestalt war beinahe noch kinderhaft zart und zierlich. Sie hatte die Mantilla, die ihren Kopf verhüllte, weit über das Gesicht herabgezogen, und eine fchmale, wunderfein geformte bräunliche Hand, an deren Ringfinger ein Brillant funkelte, hielt das duftige Spitzengewebe unter dem Kinn zusammen, wie wenn sie dem jungen Manne den Anblick ihres (5k sichts nicht ängstlich genug entziehen könnte. Um des Himmels willen, mein Herr, lassen Sie sich's nicht beifallen, eine derartige Aeußerung vor irgend einem Caballero aus unvermischtem spanischem Blute zu wiederholen ! Sie würden ihm damit die schwerste Beleidigung zufügen, und alles andere könnte er Ihnen leichter verzeihen als die Vermuthung, daß er mit einem Farbigen auf dem Fuße gesellschaftlicher, Gleichberechtigung verkehrt habe. Dieser Neger ist nichts als ein bezahlter Klavierspieler, ein verachteter Paria, dessen Talent man sich zu Nutzen macht, wie etwa die körperlichen Kräfte eines indianischen Tagelöhners, und den man dabei noch tiefer verachtet als jenen. Wenn Sie es nicht ein für allemal mit Ihren Freunden verderben wollen, Sennor, so nehmen Sie vor allem Rücksicht auf ihren Rassenstolz ! Ein menschliches Wesen, das lyrer Meinung nach nicht völlig zweifelloser Abitammung ist, sei es Mann oder Weib, schön oder häßlich, arm oder reich, und wäre auch nur von' irgend einem fernen Vorfahren her in Tropfen von Neger- oder Jndianerblut in feinen Adern, ist für jeden Nachkömmling der tapferen spanischen Eroberer nur mulatto y canalla (Mulatte und Gesindel). Man mag sich seiner bedienen, wenn die Umstände es so mit sich bringen, man mag es miß-, brauchen oder bestehlen, aber man wird doch niemals aufhören, es als ein Geschöpf niederer Gattung anzusehen und es gleich etwas Unreinem mit dem Fuße beiseite zu stoßen, wenn man seiner nicht mehr bedarf." Wenn sie anfangs in gleichmüthigem Tone, mit einem kleinen sarkastischen Anfluge gesprochen hatte, so hatte sich der Ausdruck ihrer Worte zuletzt bis zur Leidenschaftlichkeit gesteigert; etwas wie glühender Zorn, wie wilder, unversöhnlicher Haß schien sich darin zu offenbaren, und als Rodewaldt erstaunt auf die zierliche Gestalt hinabsah, die er fast um Haupteslänge überragte,' glaubte er deutlich wahrzunehmen, wie die kleine bronzefarbige Hand, die den Spitzenschleier zusammenhielt, in nervöser Erregung zitterte. Die temperamentvolle Unbekannte fing jetzt an, ihn lebhafter zu interessiren. Eine Dienerin niederen Ranges war sie jedenfalls nicht. Dagegen sprach ihre Ausdrucksweise noch mehr als der kostbare Edelstein an ihrem Finger. Wenn sie trotzdem ihrer eigenen Erklärung nach nicht zu der vornehmen Gesellschaft da drinnen gehörte, so mußte es eine ganz eigene Bewandtniß mit ihrer Person haben. Er war eben im Begriff, eine Frage an sie zu richten, die ihm Aufklärung darüber, verschaffen sollte, als sie in ganz verändertem, spöttisch - kühlen Tone fortfuhr: Uebrigens empfehle ich Ihnen dringend, Sennor. sich zu der Gesellschaft da drinnen zurückzubegeben, wenn Sie nicht um den löstlichsten Genuß des Abends kommen wollen." Sie schicken mich fort, und ich werde natürlich gehen. Aber darf ich vielleicht zuvor fragen, worin dieser köstlichste Genuß bestehen wird?" In dem Glück, Jsabella del Vasco die Habanera tanzen zu sehen. Das ist eine Auszeichnung, die den Gästen dieses Haufes nur in besonderen Fällen zu theil wird, .und Ihnen am wenigsten würde man es vergeben, wenn Sie sie nicht ihrem ganzen Werthe nach zu würdigen wüßten." -Weshalb mir am wenigsten? Mir scheint doch, daß ich eine sehr unbedeutende Persönlichkeit bin neben all' diesen hochgestellt: Herren und Politik schen Großen." Man bemibt die Bedeutung Jemandes hier in der Regel nach der Größe des Nutzens, den man von ihm erwartet. Und es könnte darum recht wohl sein, daß Sie für den Augenblick gewissen Personen wichtiger erscheinen als selbst Seine Excellenz der Herr Präsident. Aber nun ist es wirklich Zeit, daß Sie gehen. Das Vorspiel zur banera hat bereits begonnen." : Und ich darf Sie nicht bitten. Sennorita, mich zu dem. wie Sie sagen. so interessanten Schauspiel zu begleiten?" . Mit einer ungestüm verneinenden Gebärde fiel sie ihm in die Rede, noch ehe er das letzte Wort gesprochen. Sagte ich Ihnen nicht bereits, daß ich nicht zu jener Gesellschaft gehöre, daß ich nichts mit ihr zu schaffen hab. und nichts mit ihr zu schaffen haen will? Gehen Sie. Sennor. und vergessen Sie .all' die thörichten Dinge, die Sie von mir gehört haben." ' - Ich habe nichts Thörichtes darin finden können, Sennorita, wenn ich auch gestehen tauß, daß mir noch nicht alles ganz verstandlich geworden ist. Vielleicht aber darf ich hoffen, daß diese unsere erste Unterhältung nicht auch zugleich die letzte gewesen sei.". - Sie ließ ein paar Sekunden vnstreichen, ehe sie antworUt und auch

dann klang es zögernd und unenr schlössen, da sie sagte: Ich weiß nicht, ob wir uns noch einmal begegnen werden. Es wird von mancherlei UmstLnden abhängen, zun.eist aber davon, oö ich Ihrer Ehrenhaftigkeit und Verschwiegenheit gewiß sein darf." Das war eine Wendung, wie sie Rodewaldt gewiß am wenigsten erwartet hatte. Es kann wohl nicht meine Sache sein, Sennorita, Ihnen von meiner Ehrenhaftigkeit zu sprechen," erwiderte er. Was aber meine Verschwiegenheit betrifft, so mögen Sie sich derselben unter allen Umständen versichert halten." Gut, lassen Sie mich eine Probe darauf machen, indem, Sie mir versprechen, keinem Menschen von unserem Zusammentreffen und von unserem Gespräch zu erzählen, Niemanden nach mir zu fragen und auch sonst keinen Versuch zu machen, der Ihnen Aufklärung über meine Person und meinen Namen verschaffen soll. Geben Sie mir Ihr Wort darauf, Sennor Rodewaldt?" Es überraschte ihn jetzt nicht mehr zu hören, daß sie wußte, wer er sei. Und auch ihre sonderbare Zumuthung hatte nach allem Vorhergegangenen eigentlich nichts mehr, das ihn in Erstaunen setzte. Mein Wort darauf, Sennorita!" erklärte er ohne Besinnen, ich werde geduldig warten, bis Sie selbst den rechten Augenblick für meine Aufllärung gekommen glauben." Wohl wir werden sehen!" ntgegnete sie kurz, um dann beinahe UNgeduldig drängend hinzuzufügen : Und nun gehen Sie endlich. Ich will nicht, daß Sie das göttliche Schauspiel versäumen." Sie hatte sich abgewendet und' war rasch in das schützende Dunkel der Pflanzengruppe zurückgetreten. Rodewaldt fühlte, daß es eine Aufdringlichkeit gewesen wäre, länger zu bleiben, und schritt deshalb nach einem höflichen Abschiedsgruße, auf den die Unbekannte indessen keine Erwiderung hatte, der Thür des Musiksaales zu. Auf der Schwelle der offenen Flügelthür kam ihm Manuel del Vasco entgegen. Ah, finde ich Sie endlich, mein theurer junger Freund? In allen Winkeln des Hauses habe ich bereits vergeblich nach Ihnen gesucht. Jsabella wird auf die dringende Bitte des Präsidenten die Habanera tanzen, und ich glaubte, daß es Sie interessiren würde, zuzusehen." Werner gab natürlich eine artige Antwort, aber es setzte ihn in Erstaunen. so schnell eine Bestätigung für die Richtigkeit dessen zu erhalten, was die seltsame Unbekannte ihm prophezeit hatte.

6. E a p i t e l. Der Tanz hatte bereits begonnen, als Don Manuels liebenswürdige Bemühungen dem jungen Deutschen endlich einen bevorzugten Platz in der Nähe des Flügels zu verschaffen vermochten. Eine seltsame, unbehagliche Empfindung regte sich in Werner Rodewaldts Brust, als er wahrnahm, daß Jsabellas Partner der hübscheste und eleganteste von jenen jungen Herren war, die er ihr vorhin so eifrig hatte den Hof machen sehen. Nun aber hatte auch sie ihn gewahrt und ihre schönen Augen richteten sich auf ihn mit einem langen Blicke, dessen Sprache er fehr wohl zu verstehen glaubte. Es war, als hätte sie auf seinem Antlitz lesen können, was in seinem Innern vorging, und als wäre es ihr dünnn zu thun gewesen, ihn von seinen peinigenden Zweifeln zu befreien. Und diese wundersamen Au gen, die ihm noch deutlicher zulächelten als die rothen, schwellenden Lippen, hatten ihn in der That ganz beruhigt. Die eifersüchtige Aufwallung war gleichsam im ersten Keime erstickt, und er durfte sich ohne jede fatale Nebenempfindung dem Genusse des Schauspiels hingeben, das ihm die Tanzenden boten. Und ein Genuß war es in der That. Er hatte bisher die Worte der leidenschastlichen Unbekannten, die ihn so ungestüm gedrangt hatte, Jsabellas Tanz nicht zu versäumen, nur. für Spott genommen, jetzt aber war er sehr geneigt zu glauben, daß sie aufrichtig gemeint gewesen seien, denn er fühlte sich überzeugt, nie etwas Schöneres und Gefälligeres gesehen zu ha ben. Die begleitende Musik mit ihren schwermüthigen Mollakkorden und ihrem melancholischen Rhythmus glich freilich eher einem Trauermarsch als einer Tanzweise; aber keiner von den mehr oder minder feurigen Nationaltanzen, die er bisher kennen gelernt, hätte die Anmuth und den Liebreiz schöner menschlicher Gestalten selbst bei der vollendeisten Ausführung so augenfällig zur. Geltung bringen konnen, als diese durch den eigenartigen Rhythmus der Habanera gebotenen, langsamen und fast feierlich abgemessenen Bewegungen. Wie bewunderungswürdig ihm auch Jsabella in dem tadellosen Ebmmaß der Formen und der weichen Grazie der Linien schon vorhin erschienen war, erst jetzt offenbarte sich ihm doch ihre ganze Holdr f i ' ' ' seligkeit. (Fortsetzung folgt.) Anzüglich. Und Sie radeln nicht mehr, Herr Baron?" Nein, bin 'mal auf den Kopf gefallen!" Ach so, man merkt das!" Unlauterer Wet'tbewerb. Weinhändler: Denken Sie sich diese Schlechtigkeit von '.nieinem Concurrenten verkauft der gemeine Mensch reinen Wein!-; ' Scherzfrage.. Wer ist der größte Streber der Welt?- .Der Radfahrer 'Warum?" Er macht beständig einen krummen Rücken und tritt dabei fortwährend nach un-ten."

3 J Aür die Aucgc. 4 Gerftensuppe. Die Gerste wird gewaschen, in halb Wasser, halb Fleischbrühe in etwa anderthalb Stunden weich gekocht, dann mit einemKochlöffel Mehl und etwas Wasser ein dünnes Teiglein gemacht, hineingerührt, und wenn man es noch besser machen will, etwas Butter daran gethan. Nun wird mit Fleischbrühe aufgefüllt und angerichtet. Um eine Schleimsuppe zu bekommen, treibt man die Gerste, nachdem sie weichgekocht ist, durch ein Haarsieb, läßt das Teiglein weg und verfährt dann, wie angegeben wurde. Ochsenfleisch mit gelben Rüben. Ein gutes Stück Ochsenfleisch klopft man tüchtig durch und macht es auf beiden Seiten in Butter gelb. Dann hackt man ein Stückchen Speck und etwas Zwiebel, nimmt dieses mit einer Handvoll Brosamen, einer Handvoll sauber geschabten, gewaschenen und kleingeschnittenen gelben Rüben und einem kleinen Kochlöffel voll Mehl in heiße Butter, dämpft es gut durch, gießt Fleischbrühe zu. läßt es sieden, thut dasFleisch hinein, würzt mit Salz und Pfeffer und läßt das Fleisch noch weich darin sieden. Man hat auf diese Weise Fleisch und Gemüse in einer Schüssel. JungeHähncheninSahne. Die jungen Hähnchen werden roh in vier Theile zerlegt dann schneidet man drei Chalotteu ganz fein und brät .'sie in Butter gar. In diese Zwiebelbutter thut man die leicht abgewaschenen Geflügelviertel, salzt und pfeffert sie und schmort sie in 45 Minuten im eigenen Saft gar. wobei sU lerne Farbe an, nehmen dürfen. Kurz vor dem Anrichten wird ein knapper Löffel Mehl mit einem halben Pint saurer Sahne verquirlt und an das Geflügel gethan, das damit noch fünf bis acht Minuten durchschmoren muß. Man giebt in Butter geschwenkte Kartoffeln dazu. Maccaroni-Aufla.uf. Man koche 7 Unzen Maccaroni mit einem Pint Milch. 2 Unzen Zucker und einer halben Stange Vanille und gieße sie zum Ablaufen auf ein. Sieb; verklopfe wenn sie erkaltet sind, vier bis fünf Eier mit vier bis fünf Eßlöffeln saurem Rahm, vermische dies mit den Maccaroni, thue sie in eine. Form undbacke sie eine Stunde Dieser sehr gute, kräftige Auflauf geräth immer; die Maccaroni können schon Abends vorher abgekocht werden. Polnischer Bock. .Ein schönes Stück Kalbfleisch,, 3. bis 4 Pfund von der unteren Schale, klopft man eine halbe Stunde lang auseinander. Einige Sardellen werden gereinigt, in Stückchen geschnitten, kleine Löcher in das Fleisch gestochen und dieSardellen, würflig geschnittener Speck, etwas Ei tronenschale und Zwiebeln hineingesteckt; dann mit Pfeffer und Salz ein gerieben, fest aufgerollt, gut. mitSchnüren zu einer Wurst umbunden, mit Butter und etwas Wasser zugesetzt, fleißig mit der Brühe Übergossen und gebraten, bis es schön gelbist. Die Schnüre werden weggenommen, bevor man den Braten aufträgt. Kalt, in dünne Scheiben geschnitten, ist er auch eine sehr schmackhafte. Speise. Stachelbecr-Auflauf. Man bereitet von 2 Pfund Stachelbeeren und 1 Pfund Zucker eiw Gel6e und zwar so, daß die. Stachelbeeren erhitzt durch ein feines Sieb gestrichen, mit dem Zucker gemengt und vorsichtig zu Gel6e gekocht werden,, den man erkalten läßt. Nun werden 10 Eiweiß zu festem Schnee geschlagen,, mit 1 Pfund Puderzucker durchzogen und mit dem abgekühlten, aber noch flüssigen Gel6e verrührt. Aus einer Schüssel bergartig dressirt. muß der Auflauf, stark mir Zucker bestäubt etwa 50 Minuten sehr langsam backen, sobald er sich zu bräunen beginnt, muß man U)n mit ci nem. Bogen: Papier, bedecken. ßTöartatte rnsse. 5 Unzen Zucker cm dem die Schale von einer Eitronc abgerieben, werden mit 12 Eigelb schaumig gerührt, dann ein' Pint Milch dazn gegossen und auf dem Feuer, bis zum Kochen mit dnn Schneebesen geschlagen; nun mengt man eine Unze, gekochte und gefeihte Hausenblase oder zwei Unzen Galatine darunter, schlägt es fort, bis es abgekühlt ist und dick zu werden beginnt; schnell mengt man den gut abgetropftenSchnee von einem Quart Schlagsahne darun.ter und füllt den dritten Theil davon ür dc mit Biskuits cmZaelegte Förm, einige mit Punschessenz angefeuchtete Biskuits darauf, wieder Creme, BisKuts, zuletzte Creme, steckt es in Eis oder in Ermangelung desselben in sehr kaltes Wasser und läßt es stehen. Bol lig erkaltet wird die Form gestürzt und gleich zu Tisch gegeben. Ochsenschwanzsuppe. Ein Ochsenschwanz wird gewaschen, in Stücke getheilt, mit geschnittenem Wurzelwerk und Zwiebelscheiben zu ewem großen Stück Butter oder gutem Bratenfett in eine Casserole gegeben und rings gut angebraten. Dazu kommen noch etwas Salz, ein Lorbeerblatt, fowie ein Dutzend gequetschte Pfefferkörner hinzu, worauf man das Ganze mit Wasser bedeckt und. mindestens, zwei Stunden kochen läßt. Die Brühe wird dann abgegossen, mit braunem Buttermehl glatt gerührt, so daß sie leicht gebunden erscheint, und mit zwei Messerspitzen Cayennepfeffer und den Schweifstück'chen noch eine Viertelstunde gekocht. Nachdem .die Suppr rein entfettet, fügt man einige in Scheibchen ge schnittene Champignons und ein halbes Pint Madeira hinzu. , Sherry-cobbler. Man vermengt kleine Stückchen weißen Kandiszucker mit gleichgroßen Eisstückchen,' füllt die Punschgläser zu einem starken. Drittel ihrer Höhe damit, mischt Sherry mit "etwas Citronensaft lnd- schüttet dies darauf.' Ein GlaS- oder Strohrohr -$i wird in jedes Glas gepellt. . ..