Indiana Tribüne, Volume 22, Number 325, Indianapolis, Marion County, 13 August 1899 — Page 2
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Llndenduft. Bon Lauregz KieZgen. Die Zeit vergißt du nimmer, Herz: Im Juni war's, die Rosen blühten. Und tausend Kelche himmelwärts Den Duft in heißen Strahlen sprühten. Es war ein goldner Sommertag, Wo Glanz und Glück im Herzen zun den; Wie Segen in der Lust es lag, 5s dufteten so süß die Linden. Da wir so glucklrch. Lieb! Im lauten Sonntagsfestgedränge Ging still die Sehnsucht mit und irxih Uns lockend aus dem Lärm der Menge. Am Waldw-g, wo das Moos sich wob. Da mochten einsam wir uns finden. Ein Vogel sang der Liebe Lob, Und fernher dufteten die Linden. Und heute wirft der Nebelhauch Den Schleier über das Gelände. In Dornen starrt der Rosenstrauch, Das Sommerleuchten ging zu Ende, Es sank das seidene Blätterdach . Und stob davon mit rauhen Winden; Doch unsere junge Liebe, ach. Die schwand schon mit dem Duft der Linden.
Zur ßorscttftage. Trotz deZ eifrigen Kampfes einer ganzen Anzahl bedeutender Aerzte und nergischer Frauen gegen das Corsett, trotzdem dieser Kampf schon so lange Sekämpft wird, .als das Corsett besteht, ist der Erfolg boch fast gleich Null. Das Corsett wirdrotz .seiner Unbequemlichkeiten. ja trtz der Qualen, die es oftmals verursacht, von dem erwachfenen weiblichen Geschlecht immer weiter getragen und nur erst einige Wenige haben sich von ihm losgesagt. Das Corsett hat eine ganze Reihe der widersprechendsten Moden erlebt und überlebt; .dies Beharrlichkeit, mit der es trotz allerAnfeindungen seinen Platz in der Frauentracht behauptet hat, könnte fast zu dem Gedanken verführen, als ob das Corsett doch etwas Gutes, Unersetzliches besitze, das es so ausdauernd lebensfähig erhält. In der Deutschen Med. Wochenschrift" erörtert Dr. A. Schanz (Dresden) einige Gesichtspunkte, die für den guten Kern sprechen, der in da dicken und harten Schale dieses Bekleidungsstückes versteckt ist. . Schlecht ist am Corsett, daß es als Schnürleib zu verwenden ist; das Gute an ihm ist, daß sich durch das Corsett die Last der Röcke auf die Hüften übertagen läßt. Wie wichtig das Corsett in dieser Beziehung ist. ergiebt sich aus der Thatsache, daß die Refornfrauenkleidung mit dem Aufgeben des Corsetts einen neuen Stützpunkt für die Last der Röcke erst suchen mußte. Sie hat dazu die Schultern gewählt; damit hat man nach Dr. Schanz' Ansicht einen großen Fehler begangen. Denn .beim Manne, dessen Wirbelsäule doch weit kräftiger ist, hat man z. B. in der Ausrüstung des Soldaten gerade das Gegentheil cethan; man hat dort die Last der BePackung von den Schultern auf die Hüften verlegt. Der Soldat vor 50 Jahren trug außer Tornister und Mantel noch Seitengewehr. Patronentasche. Brotbeutel. Feldflasche und SprenIgeug auf der Schulter; jetzt trägt er dort nur noch den Tornister mit dem Mantel, und auch deren Last wird durch die hintere Patronentasche gestützt und so zum Theil auf die Hüften übertragen. Freilich ist zwischen . der Bepackung des Soldaten amd der Kleidung einer Frau ein großer Anterschied; aber auch der Soldat, wie der Mann überhaupt trägt seine Kleidung nicht ausschließlich auf der Schulter ; durch ihren Schnitt nnd durch das enge Anliegen vntheUt die Männerkleidung ihr Gewicht aus den ganzen .Körper, und Weste, Hose und Rock (namentlich, wenn letztern zugeknöpft ist) wird zu einem guten Theil durch die Hüften gestützt; jedenfalls wird beim Manne kein Zörperabschnitt so belastet, wie beim Tragen der Frauenröcke, die frei aufgehängt sind. Dr. Schanz meint, wenn man die Frauenlleidung im Sinne de? Männerkleidung Amarbeiten will, so genügt es nicht, in die Frauenlleidung einsach die Hosenträger einzufügen, sondern man muß in der künftigen Frauentracht vom Rocke ab- und zur Hose übergehen. Die Reform Unterkleidung entwickelt sich ja in dem Sinne, aber es ist den betheiligten Kreisen noch nicht zum Bewußtsein gekommen, daß darin - der Cardinalpunkt Negt und daß damit auch die Corsettfrage gelost wird, und zwar in dem Sinne, daß das Corsett unnöthig wird. Damit verschwindet es dann von selbst, aber nicht, so lange es noch ein zweckdienliches Hilfsmittel der Frauenkleidung ist. Den t Beweis dafür findet Dr. Schanz in den Frauengestalten, die die Lukas-Cranach-Ausstellung,' die sich gegenwärtig in Dresden befindet, vorführt; sie zeigt, welchen Einfluß unsere Frauenkleid'ung auf den Körper , ausübt, wenn sie ohne Corsett auf den -Schultem getragen wird. Zur Zeit dieses Malers trugen die Frauen eine Kleidung, welche nch von der heutigen im Wesen eben dadurch unterscheidet, daß sie corsettlos war und daß sie auf den Schultern ruhte. Die Röcke sind an dem Leibchen, welches in der Höhe der Magengrube endet, befestigt. Durch diese hochliegende Taille ist verhindert, daß die Last der Röcke auch nur zum Theil auf die Hüften verlegt wird. Wie wirkte diese Kleidung, : die der Jdealkleldung unserer Reform so nahe kommt, auf ihre' Trägerinnen? Wer die Redensart von der Entartung deö weiblichen Geschlechtes, durch daö Eon fett im Munde führt, der wird überrascht sein, wenn er die Eva-, die Luretiaaestalten. die Göttinnen' jen'
Malers sieht. Es ist geradezu unglaublich, welch' eine krumme und verkümmerte Gesellschaft die Frauen jener Zeit waren! Jene Frauen hatten ausnahmslos runde Rücken und so hochgradig, wie wir sie heute unter unseren orthopädischen Kranken selten sehen! Daß in der That der runde Rücken in jener Zeit ein Gemeingut der Frauen war, geht daraus hervor, daß der Maler, welcher prächtige Männergestalten malt, den runden Rücken bei der Frau überhaupt als normal ansieht und daß er seine Jdealgestalten mit rundem Rücken malt. Auch die Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) kann in jener Zeit nicht selten gewesen sein. Das Bildniß der Herzogin Catharina, welches sich in der Ausstellung befindet, zeigt diese stark gekrümmte Wirbelsäule. Der Künstler hat nicht eininal den Versuch gemacht, durch eine günstige Stellung es zu verdecken. Die Frau mit dem runden Rücken ist nun nicht etwa eine Sonder-Eigen-tbümlichkeit Cranach's; sie ist allen Dealern jener Zeit gemeinsam. Man betrachte z. B. das bekannte Bild Albrecht Dürer's Adam und Eva", und man wird erstaunt sein, wie der Maler, der eine so prachtvolle Männergestalt abbildet, daneben eine so krumme Frauengestalt stellen konnte. Recht lehrreich ist in dieser Beziehung auch das Durchblättern einer Costümgeschichte. Wenn man in der Costümgeschichte der Culturvölker von Jacob von Falke die Bilder durchsieht, welche deutsche Frauenmoden wiedergeben, kann man aus der Haltung der betreffenden Figuren' sehen, ob sie aus der Corsettzeit oder' aus der vorcorsettlichen stammen. Die Letzteren haben runde Rücken, Erstere sind gerade aufgerichtet. Man macht bei der Behandlung der hier erörterten Fragen, sagt Dr. Schanz, oftmals den Fehler, eine besonders verschnürte moderne Dame gegen ine altgriechische Idealfigur zu stellen. Wenn man die Unzweckmäßigkeit der heutigen Frauenkleidung überHaupt darstellen will, ist die Nebeneinanderstellung ganz richtig. Aber der Einfluß des Corsetts läßt sich auf diese Weise nicht nachweisen. Das ist nur möglich, wenn man corsetttragende und nicht corsetttragende Frauen nebeneinanderstellt, die sonst aber nach demselben Princip gekleidet sind. Um die Möglichkeit eines Mißverständnisses auszuschließen, betont Dr. Schanz zum Schluß noch einmal kucz, daß er nicht als ein Vertheidige? des Corsetts an sich auftreten will. Er verkennt dessen Schädlichkelten keinesfalls. Er wollte nachweisen, daß das Corsett, wenn es richtig gebraucht wird, in der heutigen Frauenkleidung ein zweckmäßiger Bestandtheil ist, und daß die Reform der Frauenkleidung nicht mit der Beseitigung des Corsetts beginnen, sondern mit ihr endigen muß. Was Baby kann.
Onkel Tom war der gutmüthigste alte Junggeselle; eines Tages, als alle Anderen ausgegangen waren, mußte er auf Baby aufpassen. Zum Scherze stellte er eine Liste auf, was Baby Alles in einer Stunde vollbrachte. Hier ist sie: 1) Baby schrie eine Viertelstunde lang, ohne Athem zu schöpfen. 2) Zog von seines Onkels Kopf und aus seinem Schnurrbart Haar genug, um ein Sophakissen zu stopfen. 3) Bearbeitete die Tapete, so hoch es reichen konnte, mit der Feuerzange. 4) Zerbrach eine gläserne Vase, indem es sich darauf setzte. 5) Verschlang 6 Knöpfe und die größere Hälfte einer Strähne Garn. 6) Schüttet den Inhalt des Nähkorbes in den Herd. 7) Versuchte den Kopf der Katze in eine Tasse zu quetschen, und wurde bei diesem Versuche jämmerlich zerkratzt. 8) Zerschlug den Kopf einer feinen Wachspuppe, die der älteren Schwester gehörte, indem es mit der Puppe einen Nagel in Papas Cylinderhut einzuschlagen suchte. 9) Fiel von der Sophalehne und riß zwei kostbare Vasen vom Paneel mit herunter, daß sie zerbrachen. 10) Zerbrach zwei Fensterscheiden mit einem Spazierstock, den Onkel ihm zum Spielen ließ. 11) Fiel in den Kohlenkasten und verdarb das neue weiße Kleidchen. 12) Zündete inen Teppich an, als Onkel hinausgegangen war, um was Neues zu des Kindes Vergnügen aufzutreiben. 13) Kroch unter das Sopha und weigerte sich, hervorzukommen, bis ihm Onkel den Topf mit Eingemachtem gegeben atte. 14) Klemmte sich zwischen die Beine eine's Stuhles, , die abgebrochen wnden mußten, damit es heraus konnte. 15) Schüttete inen Topf Milch in die Morgenschuhe ' seiner Mutter. 16) Endlich.- als es seine Mutter komrnen sah, lief es zur Thür hinaus, fiel die Stufen hinunter, wobei es sich die Nase blutig schlug und in sein Kleid ein Loch von einem Quadratfuß Größe riß. Und doch ist ,der Onkel überzeugt, daß Baby noch mehr leisten kann. Der Sieg. Man hatte eine schwarze Masse gefunden, die Niemand kannte. Schließlich ging man ein paar Autoritäten um ihr Gutachten an. Einer hielt es für getrockneten Caviar, der Andere für Schießpulver. Als sie lange gestritten hatten, meinte der Letztere: Wir wollen es anzünden !" Es wird nicht brennen!" höhnte der Andere und rieb sich die Hände. Sie warfen in Strehholz hinein. Da gab's einen Krach. ' Victoria!" rief der Erste und haschte nach seinem Kopf, der eben davonflog.. Ein guter Vorsah gleicht einem Regenschirm: man vergißt ihn leicht. . '
Aer Douglas. Lumoresre von Paul Schüler. Er wollte heirathen; er wußte nur noch nicht genau, wen. Einmal, als wir von einem Th:e - Abend, bei meiner Tante heimkehrten, sagte er: Du. Deine Cousine Ella, die wäre so eine Frau für mich. Diese mädchenhafte Anmuth! Dieses goldblonde Haar! Ich schwärme für goldblondes Haar. Und wie wirthschaftlich sie ist! Hast Du ihre selbstgemachten Kuchen gekostet? Ich glaube, die könnte mich glücklich machen." Ein anderes Mal, als er aus dem literarischen, Salon der Frau Lucinde kam, sagte er: Du, diese Lucinde ist wie geschaffen für mich. Diese vollendete Weiblichkeit! Dieses herrliche, rothe Haar! Ich schwärme für rothes Haar. Und wie begeistert sie für die schönen Künste ist! Mit den bedeutendsten Dichtern steht sie auf Du und Du. Da ist nichts Kleinliches. nichts'Spießbürgerliches; Alles an ihr hat einen großen Zug. Ich glaube, mit der könnte ich glücklich werden!" Lucinde war die geschiedene Frau eines Malers. Böse Zungen behaupteten, die Röthe ihres Haares sei nicht echt, und der Geist, mit dem sie glänze, sei auch nicht echt; was sie zu sagen wisse, das habe sie gesprächsweise von Anderen aufgeschnappt. Allein, würden wohl die bedeutendsten Dichter sie ihres Vertrauens gewürdigt haben, wenn die schöne Lucinde nicht auch wahrhaft bedeutend gewesen wäre? Hätte er sich nur endgiltig für sie entschieden! Denn mir selbst flößte, ich gestehe es, meine Cousine Ella ein Interesse ein, das weder in ihren selbstgemachten Kuchen, noch in dem zufälligen Umstände unserer Verwandtschaft eine ausreichende Erklärung fand. Es war mir deshalb nicht unlieb, daß eines Tages sein schwankendes Gemüth eine entschiedene Wendung zu Lucinden nahm. Und das kam so. Frau Lucinde begnügte sich nicht damit, die Freundin anerkannter Größen zu sein, nein, sie hatte den höheren Ehrgeiz, neue Dichter zu entdecken und ihnen die Wege zur Unsterblichkeit zu ebnen. Es verging denn auch keine Saison, wo nicht ein neuer Stern an Lucindens Dichterhimmel aufgegangen wäre. Dem Dankbaren, der einstens die Biographie dieser merkwürdigen Frau schreiben wird, sei hiermit gesagt, daß auch er einer von denen war, die durch Lucinde ihrem Dichterberufe zugeführt wurden. Von Hause aus war er Jurist. Aber Bücher und Acten hatten nicht vermocht, das Künstlerische seines Wesens zu unterdrllcken. Es lag ein Etwas in ihm, ein Etwas nun, man versteht mich. Aus seinem Antlitz aber sprach eine gewisse Schwermuth, die darauf hindeutete, daß er eigentlich zu Höherem geboren sei. Die Dichter in Lucindens Salon betrachteten ihn als College, und da keiner etwas von ihm kannte, so hegten sie die Ueberzeugung, daß sein Feld die Lyrik sei. Mit ienem feinen Instinkt, der sie schon so oft auf die Fährte des Genies geleitet hatte, spürte Frau Lucinde heraus, daß es hier wieder was zu entdecken gab, und eines Abends, als sie in der dämmerigen Nische des Längeren über Zweck und Ziel dieses Daseins geplaudert hatten, senkte sich ihr feucht schimmernder Kennerblick tief in sein melancholisches Auge hinein, und sie sprach das erlösende Wort: Sie sind ein Dichter!" Seit diesem Abend ging eine UmWandlung mit ihm vor. Er brach sozusagen mit seiner Vergangenheit. Einen Beruf hatte er nicht nöthig, und so entfernte er denn Alles, was an seine bisherige Laufbahn erinnern konnte. Bürgerliches Gesetzbuch und Proceßordnung wanderten in eine stille Kabuse, in die weder Sonne noch Mond schien. Alsdann nahm er einen weißen Bogen, kniff ihn und setzte einUrlaubsgesuch an den Justizminister auf. Mit seinem äußeren Menschen ging eine eingreifende Wandlung vor. Die philistrose Gewohnheit, sich die Haare kürzen zu lassen, gab er auf. Es dauerte denn auch nicht lange, so. konnte seine Tolle den Wettbewerb mit den berühmteren Tollen, die sich in Lucindens Salon bewegten, getrost aufnehmen. Und mit den Haaren wuchs die Poesie. Schon früher hatte erGedichte geschmiedet. Nunmehr betrieb er's systematisch, nach den Regeln der Kunst. Er schaffte sich eine deutsche Verslehre an, und seitdem verging kein Tag. wo er nicht eine Dichtung zu Papier brachte. Die wurde dann frisch vom Tintensaß zur Entdeckerin getragen, und, ich kann wohl sagen: es waren weihevolle Stunden. wo wiz im allerkleinsten Kreise den Offenbarungen seines Genius lauschen durften. Ich selbst verstehe ja nicht viel von Poesie; aber wenn ich sah. Wie die verständnißvolle Lucinde mit stolzem Blick und seligem Lächeln an denLippen ihres Jüngsten" hing, dann sagte ich mir: jawohl, das ist auch ei ner, einer von den ganz Großen. Meine Cousine EJa lachte mich zwar aus, als ich diese Ansicht äußerte. Sie meinte: so gut wie de r dichte sie auch noch. Allein diese Kritik bewies nur, daß man ein liebenswerthes Geschöpf sein kann, ohne das geringste Verständniß für die Lyrik zu besitzen. Unter seinen Gedichten war eines, das sich mir mit besonderer Schärfe eingeprägt hat. Es begann mit den Worten: Ich hab' es lange getragen und ich kann es nicht tragen mehr; Ich muß es Dir endlich sagen :ch liebe Dich zu sehr. Als er mir das vorlas, war ich hingerissen. Du,- sagte ich, das ist was Kolos. sales' diese Tragik in dem doppelten tragen"! Dieses Qualvolle in dem vierfachen ich-!" Nicht wahr?" sprach er. .Waö
meinst Du, diese Verse würden auch Ella gefallen?" Ella?" fragte ich verwundert und zugleich beunruhigt bei dem Gedanken, daß in seinen Gefühlen einRückfall eingetreten sein könnte; was weiß denn Ella? Aber Lucinde!Ja die! Die lobt mich immer!" Um so besser!" erwiderte ich lebhast. Kann ein Schaffender mehr verlangen, als von Kennern anerkannt zu werden?" Ja, ja," sagte er und suchte nach Worten, aber glaubst Du, daß Lucinde meine Verse auch dann schön sinden würde, wenn ich " Nun?" Wenn ich keine gute Partie, sondern ein armer Schlucker wäre?" Ist das der Dank," donnerte ich. den man seiner Entdeckerin schuldig ist?" Nun wollte er nichts gesagt haben und behauptete, ich hätte ihn mißverstanden. Wenn man mit einem bekannt sei, meinte er, , dann halte es schwer, die Person von der Sache zu trennen. Zumal Frauen seien geneigt, das Vorurtheil, das sie für oder gegen einen gefaßt hätten, auf seine Werke zu übertragen. Warum sollte Lucinde eine Ausnahme machen? Das klang schon anders. Darüber ließ sich reden. Weißt Du was?" sprach ich; wenn Dir an einem unbefangenen Urtheil gelegen ist, dann kannst Du ja einfach sagen: einer, der nicht genannt sein will, habe Dir ein Gedicht zur Begutachtung gegeben, und Du möchtest gern hören, was sie davon halte." Er dachte eine Weile nach. Dann schüttelte er mir dankerfüllt die Rechte. So wird's gemacht!" rief er. Wenn ich Ella vorrede, mein Gedicht stamme aus der Feder eines gewissen Schulze, dann wird es ihr vielleicht gefallen." Nun sprichst Du wieder von Ella!" sagte ich. Du meinst Lucinde!" Da wurde er auf einmal ganz feierlich und sagte: Wen ich eigentlich meine, das weiß ich selber nicht. Aber so viel weiß ich. daß dieses Gedicht über meine Zukunft entscheiden soll. Beide sollen es hören. Da wird es sich ja erweisen, wer von Beiden es verdient, die Lebensgefährtin eines Dichters zu werden." Ich suchte ihm sein Vorhaben auszu reden. Noch auf dem Wege zu Ella gab ich ihm zu bedenken, daß es nicht ungefährlich sei. seine Zukunft von der Wirkung eines. Gedichtes abhängig zu machen. Ich stellte ihm vor, daß der Mensch ein Sklave seiner Stimmungen wäre und daß eine schlechte Verdauung das beste Gedicht um seine Wirkung bringen könnte. Alles vergebens: er blieb fest. Ich war sehr niedergeschlagen. Denn wenn in Ella plötzlich das Verständniß für poetische Feinheiten erwachte, wenn sie sich an der tragischen Schönheit des vierfachen Ichs begeisterte, dann war er im Stande und machte ihr einen Heirathsantrag; und was sich weiter entwickeln würde, das war ja gar nicht auszudenken! Und nun saßen wir zu Dritt in Ella's Boudoir. Mir war, als befände ich mich am Grabe meiner Hoffnungen. Er aber zog das Maunscript des Ungenannten aus der Tasche, fuhr sich genialisch durch die Tolle und declamirte: Ich habe es lange getragen und ich kann es tragen nicht mehr; Ich muß es Dir endlich sagen: ich liebe Dich zu seht, Weiter kam er nicht. Denn hier brach Ella in ein fröhliches und anhaltendes Gelächter aus, dessen Ursache ich vergebens , zu gründen suchte. Mit einer Stimme die vor Erregung bebte, fragte er, was denn an dem Gedichte so komisch wäre. Und sie antwortete mit lachendem Munde: sie sei bisher des Glaubens gewesen, daß der Douglas von einem gewissen Fontane gedichtet wäre. Was für ein Douglas?" fragte er finster. Was für ein Fontane?" fragte auch ich. Aber da kam ich schön an! - Du weißt nicht, wer Fontane ist?" rief sie. Pfui, schäme Dich was!Ich ersuchte sie, bei der Sache zu bleiben und bemerkte: In Deutschland werden tagtäglich so viele Gedichte gemacht, daß es kein Wunder wäre, wenn sich zwischen diesem und jenem gewisse Aehnlichkeiten herausstellen sollten." Gewisse Aehnlichkeiten!" rief sie belustigt. Weißt Du denn, wie der DouglaZ anfängt? Ich hab es getragen sieben 'Jahr, und ich kann es nicht tragen mehr" die Ähnlichkeit geht etwas weit!" Ich kann das nicht finden," erwiderte ich gereizt, ob man etwas lange trägt, oder ob man es sieben Jahre trägt,' das ist ein großer Unterschied." . Aber mit Ella war ja nicht zu reden: sie fing von Neuem zu lachen an. Der gekränkte Dichter erhob sich, machte schweigend seine Verbeugung und ging. Nun merkte sie wohl, was sie angerichtet hatte; allein anstatt den Vorfall zu bedauern, sagte sie nur: Er hat's nicht besser verdient. Warum sagt er nicht gleich, daß er den neuen Douglas verbrochen hat?" Ich begreife Dich nicht," sprach ich, nunmehr entschlossen, den Dichter mit Entschiedenheit in Schutz zu nehmen, die Aehnlichkeit mit dem Douglas liegt doch höchstens in den Worten! Wie kann Dich ein so äußerlicher Umstand blind machen gegen die innerlichen Schönheiten, gegen die erschütternde Tragik des vierfachen " Du dummer Junge !" unterbrach sie mich und versetzte mir mit ihrer kleinen, weißen Hand einen leichten Backenstreich. Du dummer Junge, thut es Dir wirklich so leid, daß mir seine Verse nicht gefallen wollen?" SDabei sah sie mich an mit einem Blick, so lieb und schelmisch: wäre ich nicht von Natur so schüchtern, ich glaube, ich wäre ihr um den Hals ge fallen. ' ,
Er that mir leid. Noch blieb zwar Lucinde; Lucinde, deren Verständniß dafür bürgte, daß sie nicht am Aeußerlichen haften, sondern den poetischen Gehalt vollständig erfassen würde. Allein mir waren doch Bedenken aufgestiegen. Mein Vertrauen zu der sieghaften Kraft des vierfachen Ichs war einigermaßen erschüttert worden, und ob Lucinde den Schönheiten des Gedichts auch dann gerecht werden würde, wenn man ihr sagte, daß es nicht von ihm, sondern von einem gewissen Schulze verfaßt sei. das war mir mittlerweile zweifelhaft geworden. Mißerfolge lahmen dieSchaffenskrast: ich hielt es für meine Menschenpflicht, der Möglichkeit eines zweiten Mißerfolges vorzubeugen. Schonend berei tete ich Frau Lucinde auf das Kommende vor; ich sprach nur so im Allgemeinen und nannte keinen Namen. Aber sie hätte noch thörichter sein müssen, als es ihre Neider behaupteten, wenn sie nicht begriffen hätte, daß er ihr demnächst eines seiner Gedichte unter falschem Namen zur Begutachtung vorlesen würde. Ich gebe zu. es war hinterlistig. Indessen: was thut man nicht aus Nächstenliebe? Und wieder saßen wir zu dritt beisammen. Diesmal war Lucinde die dritte. Und wieder fuhr er sich genialisch durch die Tolle und begann: Ich hab' es lange getragen, und ich trag' es nicht länger mehr; Ich muß es Dir endlich sagen: ich liebe Dich zu sehr Lucinde unterbrach ihn mit Ahs und mit Ohs, mit Worten der Begeisterung und mit Seufzern der Verzückung, und als er fertig war, da glänzten in ihren Augen Thränen der Ergriffenheit, und mit bewegter Stimme sprach sie: Ach, hätten Sie doch das gemacht! Da hätt? man ihn sehen sollen! Eine stolze Freude leuchtete in seinen Zügen auf, und er rief: Ich Hab's gemacht! Nun gab es kein Halten mehr: ihre Kunstbegeisterung durchbrach die Schranken philiströser Sitte. Die Entdeckerin hing am Halse ihres Entdeckten und küßte ihn einmal über das andere. Bei der Hochzeit war ich auch. Wir sahen uns nur noch selten. Wie das bisweilen so geht, wenn einer von zweien heirathet: die Frau' verdrängt den Freund. Meine zeitweilige Verseßung in eine andere Stadt machte dem Verkehr vollends ein Ende. Jahr und Tag verging, ohne daß ich etwas von ihm zu- hören bekam Eines Abends, als .ich rauchend durch die Straßen ging, sprach mich Jemand um Feuer an. Der Schein der Cigarre fiel auf mein Gesicht. Du bist's? sagte er und ergriff meine Hand. Nun erkannte ich ihn erst. Er hatte sich sehr verändert. Den Dichter hätte man ihm nicht angesehen. Ihm fehlte das gewisse Etwas; die Haare trug er kurz; mit einem Wort: er sah aus wie ein Alltagsmensch. Ich ahnte nichts Gutes, und richtig: er bestätigte mir, daß er das Dichten aufgegeben habe. Aber warum denn?" fragte ich. Du bei Deinem Talent! Ach was," erwiderte er, ich habe nie eins besessen. " Ich protestirte. Wer so schöne Gedichte machen kann wie das: Ich hab' es lange getragen Verschone mich," rief er und hielt sich die Ohren zu. Wie? Dieses , herrliche Gedicht, dem Du Dein Lebensglück verdankst..." Lebensglück!" Er lachte höhnisch. Du weißt wohl nicht, daß ich geschieden bin." Geschieden? Du? Von Deiner Frau?" Von wem denn sonst? O dieses Weib! Hätte ich sie nur eher durchschaut. Alles an ihr war eitel Heuchelei. Ihr verständnißvolles Interesse Komödie und Verstellung. Sie verstand von Literatur gerade so viel wie ich oder Du." Erlaube." Das Ganze war weiter nichts als ein Mäntelchen für ihre unlautern Triebe." Was Du sagst. Aber ich verstehe noch immer nicht...." Du verstehst nicht?" rief er wüthend, Du verstehst nicht? Glaubst Du, ich werde es ruhig mit ansehen, wie sie einen jungen Lassen, der nichts ist und nichts kann, als ihr den Hof machen, allenthalben als größten lebenden Poeten ausschreit?" Also eine neue Entdeckung? Das ist freilich hart, aber doch kein Grund zur Ehescheidung." Kein Grund? Wenn die Dankbarkeit dieses neugebackenen Poetzn keine Grenzen kennt. Keine Grenzen, sage' ich. Wir sprachen von anderen Dingen. Er erkundigte sich nach Ella, und ob sie wohl noch manchmal an ihn dächte. Gewiß." sagte ich, und Dein Gedicht gehört zu ihren liebsten Erinnerungen." Was für ein Gedicht?" Nun, Tu weißt schon: Ich hab es lange getragen." Nicht möglich. Damals, als ich's ihr vorlas, hat sie mich doch ausgelacht." , 'Ja, damals. Jetzt lacht sie nicht mehr darüber." Er seufzte. Ich hätte mich doch lieber für sie entscheiden sollen. Mit ihr wäre ich glücklich geworden. Meinst Du nicht auch? " Schon möglich." Was sie wchl dazu sagen würde. wenn ich jetzt noch einmal mein Glück versuchte?" Wie meinst Du das?" Nun, ich bin ein Mann in den desten Jahren, und wenn ich ihrHerz und Hand anböte..." Dazu dürste es denn doch zu spai sein." Ach so. Du meinst, einen geschiedn nen Mann...."
Das nicht, aber ich furchte, ihr Gatte wird Schwierigkeiten machen." Sie ist verheirathet?" rief er, und in seinen Augen flammte das Etwas auf, das früher darin geleuchtet hatte, früher, als er noch Dichter war. Wer ist der Elende?" Ich gestand angesichts seiner drohenden 'Haltung gehörte ein gewisser Muth dazu, daß ich selbst der Elende war. Du?" Er schien zerschmettert. So muß es in Wallenstein ausgesehen haben, als er den Verrath des Piccolomini erfuhr. Ich entschuldigte mich, so gut es ging. und suchte ihn milder zu stimmen. Leicht ist es mir nicht geworden, sage ich. Ich hatte mich zwar auf meinen Antrag vorbereitet. Allein meine angeborene Schüchternheit bewirkte, daß ich stecken blieb. Ich stotterte und stammelte, und meine Lage begann komisch zu werden. Da fiel mir, ich weiß selbst nicht wie. Deine Dichtung ein. Ella! rief ich in tausend Aengsten, ich
j hab es lange getragen und ich kann es nicht tragen mehr .... Sie lachte und sah mir in die Augen. Bei ich muß es Dir endlich sagen" fiel sie mir ins Wort, und beiich liebe Dich zu sehr" fiel ich ihr um'den Hals. Siehst Du, so ist das gekommen. Seitdem gibt es für Ella nur einen Dichter, und ihr Lieblingsgedicht ist der Douglas. Arm und Vcich. Von I. G. Tiefe Stille rings umher, nur das leise Rauschen des Windes ist hörbar, der über die weiten Felder streicht. Da unterbricht Stimmengewirr, Peitschengeknall und Musik die Stille. Schüsse ertönen, und in tollem Jagen kommt auf der Landstraße ein Zug daher. Voran reiten einige Burschen in grellrothen Jacken, mit Sträußen und Schleifen an Hut undBrust, sie schwingen die Peitschen und wehen mit bunten Tüchern. Hinter ihnen kommen mehrere mit Blumen geschmückte Wagen, darinnen eine bunte, geputzte Gesellschaft. Der Josef und die Leocadia halten heute Hochzeit und kehren von der Trauung aus dem nahen Kirchdorfe heim. Der Vater der Braut ist der reichste Wirth des Dorfes und Joses der ärmste, aber hübscheste Bursche; hoch soll es bei der Hochzeit hergehen, seit Tagen spricht im Dorfe Niemand von etwas Anderem, als von dieser. In hellgrünemWollatlas. mit schweren Ketten von Junten Glasperleü und Bernstein behängen, die hohe, aus Rosmarin, Blumen und Goldflittern gewundene Brautkrone im Haar, so sitzt die Braut, hochroth im Gesicht, stolz um sich blickend, im ersten Wagen und neben ihr der Josef. Ueber der langen rothen Weste trägt er den blauen Rock, an der Brust prangt der Rosmarinstrauß. .Da ein Ruck, die Pferde stehen still,quer über den Weg ist eine Leine gespannt. Mit lachenden Gesichiern stehen Burschen da, erst muß der Brautvater Lösegeld geben, dann darf der Zug passiren. Die Pferde, durch das Schreien und Schießen wild gemacht, jagen über die holprige Straße dahin, daß die Wagen nur so fliegen und die Insassen sich kaum halten können. So ist es recht, so muß es sein! Kreischend halten sich die Mädchen, die hohen Kronen auf den Köpfen, fest, die langen, seidenen Bänder, die ihre Halsketten zusammenhalten, flattern im Winde. Die Burschen haschen danach, und so gibt es Schreien und Jubeln ohne Ende. Der Josef sieht etwas bedrückt aus, huschte nicht vorhin am Wege die schlanke Gestalt der Antka vorüber? Seufzend sieht er auf seine junge Frau, schön ist diese nicht, in dem feierlichen Putz sogar noch häßlicher als sonst. Die Antka dagegen ist ein anderes Mädchen, aber das Exempel einfach, die Leocadia hat Geld, die Antka hat keins, und Josef ist nicht dumm und kennt seinen Vortheil. Vorhin, da er in der Kirche stand, und der alte, ehrwürdige Propst von dem heiligen Sakrament der Ehe sprach, hat ihn auf einmal eine schwere Angst befallen. Hat er nicht doch ein Unrecht gethan, erst ein Jahr lang mit der Antka zu gehen und dann eine Andere zu nehmen? Aber jetzt in dem Lärm und Lachen umher ist die Sorge schon halb verflogen. Dann sitzen sie alle in der dumpfen, niedrigen Bauernstube und sprechen tapfer den Speisen zu. Der Schweinebraten und Schüssel Pirogis. die gedörrten Pflaumen, das dampfende Sauerkraut mit Bratwurst, alles ist gut und reichlich und Schnaps und Vier vorhanden. Eine erstickende Luft herrscht in dem engen Raum, in dem das Brautpaar und die nächsten Verwandten sitzen. Während die übrigen Gäste halb im Flur halb vor dem Hause ihre Mahlzeit einnehmen. Endlich erklingen frohe Tanzweisen; so lange das Tageslicht währt, schwingen sich die Paare im Mazurek und Krakowiak auf der nahen Wiese, um dann beim Dunkelwerden in der niedrigen Stube weiter zu tanzen. Der Schweiß rinnt ihnen in Strömen von der Stirn, die Mädchen in ihren schweren Kronen, knappen Miedern und dicken Röcken glühen förmlich; aber weiter, immer weiter in toller Lust. Der Branntwein fließt nur so, ja, es ist fürwahr eine schöne Hochzeit! Drei Tage soll sie währen! Drei Tage essen. trinken, tanzen! Hingerissen von dem Lärm umher umfaßt der Josef stolz und strahlend seine junge Frau und wirbelt mit ihr im Tanz herum. Ja, stolz ist er; denn von seiner, des Josef Hochzeit werden die Leute, noch lange sprechen! ' . ; ; v
Einsam an der Landstraße steht ein Nuttergottesbild. zu. seinen Füßen liegt ein junges Weib, die zhternden Hände umklammern den Rosenkranz über das- hübsche, junge Gesicht rollt, Thräne auf Thräne. Der Wind trägt :inzelne, verlorene Töne, der Tanzmusik zu ihr herüb?r. Der Rosenkranz entsinkt ihren Fingern, sie lauscht mit vorgebeugtem Kör? per und birgt dann laut schluchzend das Gesicht in den Händen. Scheu aus der Ferne, damit sie niemand in ihrer ärmlichen Kleidung ge wahrt, hat sie den Hochzeitszug ge je hen. ihr Herz krampfte sich zusammen war es doch ihr Josef, der dort an der Seite der Braut saß. Arm sein, bettelarm, nie ist es der: Antka so schwer erschienen wie heute da sie die Leocadia gesehen, in ihrenr strahlenden Putz. Arm sein und ein--sam dazu; die Antka weiß, wie t's thut sie hatte keinen Menschen, der nach ihr fragte. Neben ihr im Grase liegt das Bündel mit den wenigen Sachen, die sie ihr eigen nennt. Arm ist sie, aber auch stolz, lieber will sie in die Fremde gehen, ehe sie den Spott der anderen dul--det, die hochmüthigenBlicke ihrer glücklichen Rivalin erträgt. Roch einmal betet sie. an dem alten Muttergottesbilde, das so still. friedlich wie immer aus dem Gewirr der Büsche, die es umgeben, heraus--schaut. JDH, rnatka, baska, hilf mir.nimm die sündigen Gedanken aus meinem Herzen!" Noch einmal, schlingt die Weinendedie Arme um das Bild; dann ergreist sie ihr Bündel und wandert von dannen. Die Sonne geht gerade zur Ruhe purpurne Wolken schwimmen am Himmel, die Bäume, die Häuser des Dorfes, alles glüht auf-in dem Licht der scheidenden Sonne. Wie schön ist die Heimath, wie schönt Nie hat die Antka es gewußt, nie daran gedacht, daß ein Sonnenunter--gang etwas Herrliches sei; nun sie von dannen geht, erscheint ihr die Heimath in verklärtem Lichte. Nach und nach versinkt der strahlende Glanz, langsam steigt der Nebel, die Dunkelheit empor, leise schluchzend wandert das Mädchen auf einsamer Straße in die Ferne. Im Dorfe, wird der Jubel immer toller, immer schriller die Musik, immer dunkler der Weg der armen Antka. Mdderner Ritterschlag.
Bei dem Leib-Kürassier-Reaiment Großer Kurfürst (Schlesisches) No. 1 besteht ein althergebrachter Brauch dei Ritterschlages der neuernannten Officiere, wie solches bei keinem anderen Regiment der preußischen Armee weiter vorkommt. Nach dem Hoch auf den Kaiser vollzieht sich die Ceremonie wie folgt: Der älteste Lieutenant erhebt sich, mit ihm die neuernannten Officiere, und mit Hinweis auf den Spruch des Ritterschlags nimmt er die neuen Kameraden in das Dffiriercorps auf, sie zugleich mahnend, stets dir Pflichten. die der Ritterschlag ihnen auferlegt, eingedenk zu sein. Hierauf zieht er einen mächtigen Kürassierdegen, die jungen Officiere treten einzeln vor und erhalten je drei Schläge: Den Ersten für Seine Majestät den Kaiser und König!- Den Zweiten für die edele Reiterei". Den Dritten für Frauenehre und fortan keinen mehr!" Sodann reicht der älteste Lieutenant jedem zum Ritter Geschlagenen die Rechte und der älteste der Aufgenommenen erhebt sich.vum ein Hoch auf das Wohl des ältesten Reiter-Regiments der preußischen Armee auszubringen, unter der Versicherung, daß die nunmehr zum Ritter Geschlagenen sich stets dieser Ehre würdig zeigen werden. Der große Kürassierdegen, mit dem der Ritterschlag ausgeführt wird, wurde anläßlich des 200jährigen Regimentsjubiläums, bei welchem der damalige Kronprinz seinen Vater vertrat, von den Töchtern der Familie des Frhn. v. Ziegler und Klipphausen dem Regimente eigens für diesen Ritterschlag überreicht. Die Berufswahl. Ein biederer Bürger unseres glorreichen Landes zerbrach sich den Kopf darüber, waö er seinen Sohn werden lassen sollte. Welcher Art sind seine Fähigkeiten und welchen Beruf wird er wählen?" fragte sich der besorgte Vater. Eines Tages fuhr ihm eine glänzende Idee durch den Kopf, wie er sich Gewißheit verschaffen könnte. Er ging in das Zimmer seines Sohnes und legte dort auf den Tisch eine Bibel. eine Flasche Whisky und ein nagelneues Goldstück. Dann versteckte er sich, um zu beobachten, indem er zu sich selbst sprach: Wenn mein Junge das Goldstück nimmt, so soll er ein Geschäftsmann werden; greift er zur Bibel, dann wird er ein Prediger; nimmt er aber die Flasche mit Whisky, dann ist er unrettbar dem Trunke verfallen und zu keinem Berufe tauglich." Wenige Augenblicke später kam der Junge pfeifend in's Zimmer, steckte das Goldstück in die Tasche, nahm das Buch unter den Arm, entkorkte die Flasche Whisky, trank zwei Gläschen, davon und ging, sich, die Lippen ableckend, wieder hinaus. Good pracious!" schrie der Alte voll Entzücken, der Junge wird ein Politiker!" MuttcrundTochter. Die Wittwe: .Warum weinst Du, Elarissa?" Deren Tochter: Heute hat Herr vott S.l:eferl um meine Hand angehalten und als ich ihm sagte: Spreche Sie mit Mama" antwortete er: Um Mama habe ich schon vor einiger Zeit angehalten, aber die hat mir einen Korb aeaeben.-
