Indiana Tribüne, Volume 22, Number 311, Indianapolis, Marion County, 30 July 1899 — Page 3
M rof;iirI.
Roman von K. Orth. 1. Capitel. Der erste Prokurist der La PlataBank zu Buenos Aires, Georg Henninger, saß emsig arbeitend in seinem hinter dem großen Hauptcomptoir gelegenen Bureau. Er war gleich den meisten anderen Angestellten der von hamburgischen Capitalisten gegründeten Bank ein Deutscher, und obwohl er kaum fünfunddreißig Jahre zählte, gehörte er doch zu den ältesten Beamten des Instituts, in dem er seit dem Tage der Errichtung, -also seit nahezu einem Jahrzehnt, arbeitete. Er war ein mittelgroßer, gut gebauter Mann, dem man es auf den ersten Blick ansah, daß er seiner äußeren Erscheinung wie seinem körperlicyen Wohlbefinden eine ganz besondere Sorgfalt widmete. Sein Gesicht konnte hübsch genannt werden, denn es hatte regelmäßige und intelligente Züge. Aber diese regelmäßigen Linien waren von einer Unbeweglichkeit, die an die Starrheit eines Wachskopfes erinnerte, und der Umstand, daß seine Lider beständig tief gesenkt waren, gab seinem Blick etwas Lauerndes und Verstecktes, das nicht angenehm wirkte, irr ließ sich nicht in seiner Thätigkeit unterbrechen, als einer der Buchhalter den Kopf zur Thür hereinsteckte, um zu melden, daß SennorManuel del Vasco ihn zu sprechen wünsche, und er sah noch immer nicht von dem angefangenen Briefe auf, auch nachdem auf seine stumm bejahende Kopfbewegung hin der Gemeldete eingetreten war. Es war ein mit peinlichster Sorgfält gekleideter, etwa fünfzigjähriger Herr von hohem Wüchse und unverkennbarem spanischem Typus. In sein dunkles welligesHaupthaar mischten sich bereits zahlreiche silberne Fäden, während der modisch zugestutzte Vollbart, der ein intelligentes, scharf markirtes Gesicht von bräunlicher Hautfarbe umrahmte, noch von tiefem, glänzendem Schmelz war. Seine lebhaften Augen ruhten einige Sekunden lang erwartungsvoll auf dem Schreibenden; dann aber, als Henninger durchaus nicht Miene machte, von der Anwesenheit des Besuchers Notiz zu nehmen, sagte er mit vorsichtig gedämpfter, tiefer Stimme in spanischer Sprache: Sie haben mir mitgetheilt, daß Sie mich zu sprechen wünschten. Nun wohl, ich bin, wie Sie sehen, zu Ihrer Verfügung." Henninger setzte bedächtig mit eleganten, zierlichen Schriftzügen die Firma der Bank und seinen Namen unter den fertigen Brief, ehe er dem anderen sein Gesicht zuwandte und ihm Anwort gab. Sie haben, wie ich 'hoffe, unsere gestrige Verabredung innegehalten, Sennor d:l Vasco. Ich weiß, daß die Sennorita an den Director Strahlendorf geschrieben hat, aber ich möchte von Ihnen die ausdrückliche Vestätigung erhalten, daß ihr Brief den zwischen uns vereinbarten Inhalt hatte." Sie hat Ihren Entwurf wörtlich abgeschrieben und dem armen jungen Manne das heimliche Verlöbniß in aller Form aufgekündigt. Wir haben uns auch diesmal Ihrem Willen gefügt, aber die Verantwortung für die Folgen fällt allein auf Sie." Ter Prokurist hatte für die letzten Worte nur ein geringschätziges Achselzucken. Strahlendorf empfing den Brief um drei Uhr und verließ gleich darauf die Bank. Natürlich ist er bei Ihnen gewesen?" Sennor del Vasco war an den Schreibtisch getreten, und seine in feinen. perlgrauen Handschuhen steckenden Finger spielten nervös mit einem Lineal. Ja. Er befand sich nach der Aussage der Dienerschaft in großer Aufregung und verlangte durchaus Jsabella zu sprechen, da sie, wie er bestimmt wie, um diese Zeit stets anwesend sei." Sie hat ihn selbstverständlich nicht empfangen." Nein sie so wenig als Donna Maria, bei der er dann gemeldet zu werden wünschte. Man erzählte mir, daß er wie ein Verrückter im Patio herumgelaufen und dann in hellem Zorn sortgestürzt sei." Sehr wohl! Bei seinem Temperament ließ sich ja erwarten, daß er es nicht geduldig hinnehmen würde. Auch drinnen in seinem Bureau rennt er jetzt seit beinahe einer Stunde gleich einem eingesperrten Tiger auf und nieder. Aber der Sturm wird sich schon legen. Es kommt nur darauf an, daß Sie ihm von Anfang an eine unbeugsame Entschlossenheit zeigen." Aber Sie erwarten doch nicht etwa, daß ich jetzt zu ihm hineingehe?" Gewiß! Es ist der einfachste Weg, die Angelegenheit rasch zum Abschluß zu bringen. Da Sie ja doch morgen oder übermorgen geschäftlich mit ihm verkehren müßten, hätte das Versteckspiel ohnehin keinen Zweck. Fürchten Sie etwa, daß er Sie umbringen wird?" Manuel del Vasco wies diesen Ver-dc-.cht mit einer stolzen Handbewegung von sich ab. Ah. Thorheit! Aber ich liebe solche heftigen Auseinandersetzungen nicht, zumal wenn ich in meinein Herzen von ihrer Nothwendigkeit nicht überzeugt bin. Alle Achtung vor Ihrer Klugheit, Sennor Henninge?, aber ich fürchte ich fürchte, wir spielen diesmal ein gar zu gewagtes Spiel." l?r befand sich offenbar in einer nichts weniger als behaglichen Stimmung, und ein Klang ernster Sorge war in seinen Worten. Der Prokurist aber erwiderte kalt: 2ch sagte Ihnen bereits, daß V0'I einem Wagniß nicht die Rede ist. Sie haben diesen Strahlendorf vollständig in der Hand, und er kann nicht das
Geringste gegenSie unternehmen, ohne sich selbst zu Grunde zu richten." So sagten Sie allerdings schon gestern, aber Sie haben mich damit keineswegs vollständig beruhigt. Er liebt JsabeUa und dieser unerwanete Bruch trifft ihn sehr hart. Ein Mensch in solcher Gemüthsverfassung ist leicht zum äußersten bereit. Wie nun, wenn er nicht davor zurückschreckte, sich selbst zu opfern, nur um an Jsabella und mir stäche zu nehmen?" Hnninger verzog die Lippen zu einem halben Lächeln. Sie hatten also vielleicht daran gedacht, Sennor del Vasco, ihn wirklich zu Ihrem Schwiegersohn zu machen?" Nein keineswegs! Ich hatte Ihnen ja mein Wort verpfändet, daß dies Verhältniß kein wirklich ernstliches werden sollte, und ein del Vasco pflegt seine Versprechungen zu halten. Aber es kommt mir zu früh ich bin dieses Mannes noch nicht sicher genug. Ein paar Wochen oder Monate hätten wir die Dinge schon noch gehen lassen können. Sie müssen mir eben gestatten, darin anderer Meinung zu sein. Ich habe sehr triftige Gründe, das Ende dieser Comödie herbeizuwünschen. Schließlich ist Ihre Tochter doch auch nicht von Stein, und wir würden es eines Tages zu unserer Ueberraschung erleben können, daß sie Gefallen an der Sache fände. Da gilt es, zur rechten. Zeit einen Riegel vorzuschieben.
Und ich wiederhole, daß Sre nicht das Geringste zu fürchten haben. Strohlendorf ist Ihnen auf dem verbotenen Wege zu weit gefolgt, als daß es noch in seinem Belieben stände, umzukehren. Als Ihr Freund oder als Ihr Feind er wird Ihnen auch weiter zu Willen sein müssen, wenn ihm daran liegt, sich in seiner Stellung zu behaupten." Und wenn ihm nun nichts mehr daran läge? Wenn er verzweifelt genug wäre, unser Geheimniß preiszugeben?" Dann würde man ihn in'S Gefängniß stecken, während sich für Sie doch wohl noch irgendwo ein Thürchen zum Entschlüpfen fände. Unter allen Umständen ist er es, der am meisten zu verlieren hat, und Sie dürfen versichert sein, daß er sich dessen noch zu guter Stunde erinnern wird. Die Aussicht auf die Hand der Sennorita Jsabella mag ein gutes Lockmittel geWesen sein, als es sich darum handelte, seine Bedenklichkeiten zu überwinden; jetzt aber, wo er durch andere und stärkere Fesseln an Sie geknüpft ist, dürfen Sie dies lästige Band getrost zerreißen." Manuel del Vasco's breite Brust hob sich in einem schweren Athemzuge. Was hilft es am Ende, darüber zu reden! Was einmal geschehen ift, läßt sich ja' doch nicht mehr ändern. Und Sie haben recht, es wird am .besten sein, gleich jetzt volle Klarett zu'schaffen. Ich finde ihn also drüben in seinem Bureau?" Henninger nickte bejahend. Es scheint, daß er Ihren Besuch erwartet, denn er hat bereits wiederholt nach Ihnen gefragt. Und noch einmal kein schwächliches Zurückweichen und keine halben Zugeständnisse mehr! Sii müssen Sorge tragen, daß er von heute an Ihr Haus nicht wieder betritt und daß er sich jede Hoffnung auf Sennorita Jsabella vergehen läßt. Lassen Sie sich jetzt von ihm einschüchtern, so habenSie auf mich und meineFreundschaff nicht länger zu rechnen. Und ich denke, Sennor del Vasco, Sie sind nicht darüber im Zweifel, wer von uns beiden der werthvollere Bundesgenosse für Sie ist." Ich wäre untröstlich,Sennor, wenn Sie meine Ergebenheit und die Aufrichtigkeit meiner Gesinnung in Frage stellen könnten," versicherte der anvere mit großer Lebhaftigkeit. Ich werde selbstverständlich auch weiterhin nach Ihren Rathschlägen handeln, wie ich es bisher stets gethan habe." Und nicht zu Ihrem Schaden, wie ich meine. Aber gehen Sie jetzt! Ich werde mir erlauben, mich heute Abend nach dem Befinden Ihrer Damen zu erkundigen, und bei der Gelegenheit mögen Sie mir über den Verlauf Jhrer Unterredung mit Strahlendorf berichten." Sie drückten sich die Hände, und Sennor del Vasco durchschritt das Hauptcomptoir mit so unbefangener Miene, als wäre zwischen ihm und dem Prokuristen nur von den angenehmsten Dingen die Rede gewesen. Es war auch gar nichts mehr von Erregung oder Beklommenheit in seiner Stimme, als er einen der jünguen Buchhalter ersuchte, ihn bei dem Herrn Director anzumelden. Und erst, als er eine Minute später seinen Fuß über die Schwelle des mit großem Luxus ausgestatteten Directionszimmers setzte, nahmen seine Züge wieder einen Ausdruck feierlichen Ernstes an. Mit einigen raschen Schritten eilte Paul Strahlendorf, der Director der La Plata-Bank, auf ihn zu. Er war wohl noch um fünf oder sechs Jahre jünger als der Prokurist, von zierlicher Erscheinung und fast um einen Kopf kleiner als Sennor del Vasco. Sejn Gesicht zeigte so unverkennbar die Spuren einer furchtbaren seelischen Erregung, seine Lippen waren so färblos und seine Augen so dunkel umschattet, daß er ganz das Aussehen eines Kranken hatte. Er wartete kaum, bis die Thür hinter dem Eintretenden zugefallen war, um ihm mit einer Stimme, die heiser und tonlos war vor mühsam verhaltener Leidenschaft, zuzurufen: Ah, gut, daß Sie endlich da sind, mein Herr del Vasco! Wahrhaftig, es war die höchste Zeit! Aber ich wußte es ja, daß Sie kommen würden daß Sie kommen müßten, um mir zu sagen, dies alles sei nur eine Täuschung, ein abscheuliches Mißverständniß! Der Brief da" mid er riß ein ganz zerknittertes Blatt aus der Brusttasche seines Rockes ist gewiß nichts, als ein
schlechter Scherz: man hat ihn geschrieben, um mich aus irgend einer unbegreiflichen Ursache auf die Probe zu stellen! Reden Sie reden Sie schnell, denn Sie sehen, ich bin nahe daran, über all' diesem Unbegreiflichen den Verstand zu verlieren." Mit einer beschwichtigenden Geberde erhob der Argentinier die Hand. Ruhe, mein lieber junger Freund, Ruhe! Ich bitte Sie vor allem dring:nd " Bitten Sie mich um nichts, sondern antworten Sie mir klar heraus: Ist dies Spaß oder Ernst Traum oder Wahrheit? Ich bin nicht aufgelegt, Räthsel zu lösen." Sie konnten wohl nicht darüber im Ungewissen sein, verehrter Herr Director, daß man in so wichtigen Dingen keinen Spaß treibt, und daß ein Brief, wie der meiner Tochter, nur ernsthaft gemeint sein kann. Es war ihr sehr schmerzlich, sich in diese Nothwendigkeit versetzt zu sehen, aber Sie dürfen mir glauben, daß es keine andere Möglicheit mehr gab, und Sie werden bald zu der Erkenntniß gelangen, daß es so am besten war auch für Sie." Strahlendorf hatte ihm mit seinen brennendenAugen in's Gesicht gestarrt, als ob .er ihm die Worte von den Lippen reißen wollte. Run lachte er kurz .imd schneidend auf, und indem er sich von ihm abwandte, schleuderte er den in einen Knäuel zusammengeballten Absagebrief in eine Ecke des Zimmers. Also Wahrheit! Man hat ein frevelhaftes, schändliches Spiel mit mir getrieben! Lug und Trug war alles Ihre sogenannte Freundschaft wie Jsabellas angebliche Liebe ! Ich habe es manchmal dunkel geahnt. Aber ich habe mich mit allen Kräften dagegen gewehrt, wenn der entsetzliche Argwohn an mich heranschleichen wollte. Es war ja auch nicht zu fassen nicht auszudenken! Und wenn ich an diese Augen, diesen Mund, diese Stimme denke dann will es mir noch jetzt nicht in den Sinn, daß alles, was
sie mit hundertmal gelobt, nur Luge und Heuchelei gewesen ist. Nein, nein, Sie allein sind der Schuldige! Sie haben einen grausamen Zwang auf Jsabella ausgeübt oder Sie haben sie ebenso nichtswürdig hintergangen wie mich !" Manuel del Vasco nahm die Miene eines tiefgekränkten Mannes an. Ich will diese beleidigenden Worte Ihrer Ausregung zugute halten," sagte er mit mildem Ernst, aber ich muß Sie ersuchen, sich zu mäßigen, wenn Sie nicht wollen, daß ich diese Unterhaltung abbreche. Ich habe so wenig einen Zwang auf meine Tochter ausgeübt, als es mir eingefallen ist, Jemand zu hintergehen. Sie selbst warcn es. der durch seine thörichten Eifersüchteleien nach und nach die Zuneigung in Jsabellas Herzen erstickt und sie schließlich zu diesem Aeußersten gezwungen hat." Ich war es also ich? Ja. mein Gott, was habe ich denn so Unerhörtes gethan? Daß ich es nicht ruhig ansehen wollte, wenn meine Braut sich von all' diesen leichtfertigen, gewissenlosen Herrchen, die als angehende politische Größen in ihrem Hause verkehren, den Hof machen ließ, und daß sie mit ihnen in einer nach meinen Begriffen höchst unschicklichen Weise cokettirte war es nicht mein gutes Recht?" Sie vergessen eben, mein verehrter Freund, daß wir hier nicht in Ihrem deutschen Vaterlande sind, und daß für uns andere Schicklichkeitsbegrisfe Geltung haben als für Ihre Landsmänninnen. Und diese jungen Politiker, die Sie mit einer so wegwerfenden Aeußerung abthun, sind die Blüthe unserer Nation .sie repräsentiren die Zukunft unserer glorreichen Republik." Der Banldirector unterbrach ihn durch eine ungeduldige Bewegung. Meinetwegen! Ich gönne Ihrer glorrreichen Republik diesen würdigen Nachwuchs von Herzen. Aber es handelt sich hier, nicht um ihn, sondern um die empörende Thatsache, daß Sie mein Lebensglück zum Gegenstand einer erbärmlichen Speculation gemacht haben! Alles, was in Jsabellas Brief steht und alles, was Sie mir da sagen, sind ja nur jämmerliche Vorwände. Sie haben sich nicht einmal bemüht, einen halbwegs stichhaltigen Grund für die Aufhebung meines Verlöbnisses mit Ihrer Tochter zu erfinden wahrscheinlich weil Sie der Meinung waren, daß es dessen nicht mehr bedürfe. Ich habe mich in der Verblendung meiner Leidenschaft hinreißen lassen, Ihnen mein kostbarstes Besitzthum. meine Ehre zu opfern. Ich bin in einer schwachen Stunde Ihr Mitschuldiger geworden, und mit teuflischer Schlauheit haben Sie mich von da an Schritt für Schritt weiter mit sich hinabgezogen in Schuld und Verbrechen. Nun aber glaubten Sie mich ganz in Ihrer Gewalt zu haben. Nun bedürfte es des Köders nicht mehr, der nur dazu bestimmt gewesen war, den arglosen, thörichten Fremdling in das verhängnißvolle Netz zu locken! O, ich durchschaue Sie bis auf den Grund Ihrer Seele, und Ihr rlharacter liegt in seiner ganzen NiedrigkeU offen vor mir da." Sennor Manuel del Vasco richtete sich hoch auf. Ich sollte Ihnen eigentlich sehr böse sein wegen all' der häßlichen und höchst ungerechten Dinge, die Sie mir da gesagt haben versetzte er würdevoll, aber ich sehe ja, daß nur Ihr jugendliches Ungestüm Sie fortreißt, und daß Sie in diesem Augenblick wirklich der Meinung sind, es sei Ihnen ein großes Unglück widerfahren. Darum, mein verehrter junge? Freund, wollen wir .izcht um Worte rechten. Sie werden bald genug selbst einsehen, daß wir beide durch die Umstände darauf angewiesen sind, gute Freunde zu bleiben, auch wenn ich zu meinem schmerzlichen Bedauern Sii nicht als Schwiegersohn umarmen kann. Jsabella hat aus eigen freier
Entschließung ihr Wort zurückgesordert. Sie werden gut thun, mtm theuerster Sennor, sich in das Unabänderliche zu fügen." Das heißt also, Sie verweigern mir auch eine letzte Unterredung mit Jsabella?" Ich vermag nicht einzusehen, was mit einer solchen Auseinandersetzung, die ja nur neue Aufregungen in ihrem Gefolge haben könnte, für Sie oder für meine Tochter gewonnen wäre. Sie selbst wünscht Ihnen vorläufig nicht mehr zu begegnen." Eine Sekunde lang starrte Strahlendorf den Argentinier wie geistesabwesend an, dann kehrte er sich von ihm fort und trat an das Fenster. Lange blieb es still zwijcyen ihnen, bis der Bankdirektor, das Gesicht immer noch der Straße zugewendet, in eigenthümlich verändertem, scheinbar ruhigem Tone sagte: Haben Sie mir sonst noch irgend eine Mittheilung zu machen, Senor del Vasco?" Eigentlich nicht," war die zögernde Erwiderung. Wir sind vielleicht beide nicht in der rechten Stimmung, über unbedeutende geschäftliche Angelegenheiten zu verhandeln." Wenn sie nicht sehr dringend sind, dürfte es allerdings besser sein, sie zu verschieben. Ich will Ihre kostbare Zeit also nicht länger in Anspruch nehmen um so weniger, als auch die meinige knapp bemessen ist. Leben Sie wohl!" Senor del Vasco sühlte sich dura) diese Veränderung in dem Benehmen des jungen Mannes offenbar sehr erleichtert. Er gab mit einigen verbindlichen Worten seiner Zuversicht Ausdruck, daß zwischen ihnen schließlich doch alles beim Alten bleiben werde, und zog sich, da er keine Antwort mehr erhielt, mit einer artigen Verbeugung zurück. Etwa eine halbe Stunde später trat der Bankdirektor in das Cabinett des ersten Prokuristen. Er sah auch jetzt noch sehr bleich aus, aber er war doch vollkommen gefaßt, und in seinem Benehmen verrieth sich nichts mehr von jener leidenschaftlichen Erregung, die ihn während der Unterredung mit del Vasco beherrscht hatt. Ich hoffe, lieber Herr College, daß Sie ein paar Minuten für mich übrig haben," wandte er sich an Henninger, der ihn sehr höflich und in der ehrerbietigen Haltung eines Untergebenen empfangen hatte. Ich sehe mich plötzlich genöthigt, eine Reise anzutreten, deren Dauer sich in diesem Augenblick noch nicht bestimmen läßt, und Sie werden die Güte haben müssen, mich während meiner Abwesenheit zu vertrete." Der Prokurist gab durch eine leichte Verneigung zu erkennen, daß er dagegen nichts einzuwenden habe, aber er fragte so wenig nach dem Ziel derNeise als nach den Ursachen, die sie so plötzlich nothwendig gemacht hatten. Außerdem," fuhr Strahlendorf fort, habe ich noch eine andere Gefälligkcit von Ihnen zu erbitten. Ich wünsche unserem Verwaltungsrath in Hamburg einige vertrauliche Mittheilungen von höchster Wichtigkeit zu machen, und es liegt mir außerordentlich viel daran, daß der betreffende Brief nicht etwa durch irgendwelche Zufälligleiten verloren geht. Da unser Postdampfer erst übermorgen abgeht, und ich den Antritt meiner Reise nicht bis dahin ausschieben kann, möchte ich den Brief und die Schriftstücke, die ihm beigefügt werden sollen, heute Abend in Ihre Hände legen. Haben Sie also die Güte, sich gegen zehn Uhr noch einmal her zu bemühen. Ich hoffe, bis dahin Alles aufgearbeitet zu haben, was vor meiner Abreise nothwendig noch erledigt werden muß." Ich bin selbstverständlich ganz zu Ihren Diensten. Herr Direktor! Was Sie da von mir verlangen, sind ja keine Gefälligkeiten, sondern Obliegenheiten meiner Stellung, die ich ohne Weiteres zu erfüllen habe." Ich möchte nicht, daß Sie es so auffassen," sagte Strahlendorf nach einem kurzen Zögern. Wenn es sich auch um geschäftliche Angelegenheiten handelt, so sind sie doch von einer so besonderen Art, daß es mir lieb wäre, wenn ich in Ihnen nicht nur den Eollegen, sondern auch den Freund sehen dürft?. 'Wir sind uns wähund unserer gemeinsamen Thätigkeit persönlich nicht so nahe gerückt, als es wohl hätte geschehen sollen, aber Sie dürfen sich versichert halten, daß ich Sie stets aufrichtig geschätzt habe. Ich beklage es, daß wir einander nicht besser kennen gelernt haben. Vielleicht wäre mir manche schwere Enttäuschung erspart geblieben, wenn ich mich von Ihrer reiferen Menschenkenntniß in meinen Privatangelegenheiten ebenso hätte berathen lassen, wie in geschäftlichen Dingen" Sie sind seh: gütig. Herr Direktsr! Aber ich habe keinen Anspruch auf besondere Anerkennung, denn ich that niemals mehr als meine Pflicht." Nun, wir wollen uns jetzt nicht mit artigen Redensarten aufhalten, mein lieber Henninger! Ich kann mich in diesem Augenblick nicht so rückhaltlos aussprechen, als ich es mochte; heute Abend jedoch wird Ihnen alles klar werden. Es ist möglich, daß Sie mich selbst nicht mehr antreffen. Aber Sie werden in diesem Falle auf meinem Schreibtisch außer dem bereits erwähnten Briefe auch ein für Sie bestimmtes Schriftstück vorfinden, das Ihnen alle wünschenswerthen Aufllärungen gibt. Wenn Sie es gelesen haben, werdenSie erkennen, von wie großer Bedeutung namentlich die Rathschlage sind, die ich Ihnen in Bezug auf Ihr ferneres Verhalten gegen eine
gewisse, mit unserer Bank bisher engverbundene Persönlichkeit zu ertheilen gedenke. Also pünktlich um zehn Uhr, nicht wahr?" Ich werde mit dem Glockenschlage zur Stelle ein."
Strahlendorf reichte dem Prokuristen die Hand. Ich danke Ihnen, denn ich weiß, daß ich dieAngelegenheit, die mir so sehr am Herzen liegt, keinen zuverlässigeren Händen übergeben kann, als den Ihrigen. Aber ich möchte Ihnen gern jede überflüssige Unbequemlichkeit ersparen. Sie wissen, daß mein Arbeitszimmer außer dem Zu-
gang vom Hauptcomptoir noch einen zweiten von der Straße her hat, und ich bitte Sie. diesen zu benutzen. Hier ist der Schlüssel für den Fall, daß Sie die Thur bereits versperrt finden sollten. Ist es mir möglich, so werde ich Sie erwarten sollte ich aber durch zwingende Umstände daran verhindert sein, so bitte ich Sie, mir wahrend meiner Abwesenheit ein freundliches Gedenken zu bewahren." Henninger, der seinem Vorgesetzten gegenüber von einer merkwürdigen Schweigsamkeit und Zurückhaltung zu sein schien, beschränkte sich auch jetzt auf eine stumme Verbeugung. Sein Gesicht war während der ganzenDauer des Gespräches so unbeweglich geblieben wie das Antlitz einer Puppe, und die seltsame Ausdrucksweise Strahlendorf's, die doch sicherlich jedem anderen Anlaß zur Verwunderung und zu allerlei bedenklichen Vermuthungen gegeben haben würde, hatte ihn offenbar nicht im mindesten befremd!. Er nahm nun auch den dargereichten Schlüssel entgegen, ohne daß sich auch nur das leiseste Erstaunen in seinen Zügen gespiegelt hätte. Aber als Strahlendorf ihn dann verlassen hatte, als er sich allein und ganz unbeobachtet wußte, da flammte es in seinen bisher so müden und gleichgültig blickenden Augen auf, da richtete er sich aus seiner nachlässigen Haltung straff empor, und während er sich in allen Gelenken reckte wie Jemand, der eben eine schwere, anstrengende Arbeit verrichtet hat, verzog er die schmalen Lippen zu einem Lächeln, das sein Gesicht für eine Sekunde in ein höchst widerwärtiges verwandelte. Von den Kirchthürmen der argentinischen Hauptstadt herab ertönte eben der Schlag der zehnten Stunde, als Henninger pünktlich, wie er es versprochen hatte, an der kleinen Seitenthür des Bankgebäudes in der Calle San Martin erschien. Das Pförtchen war verschlossen, und der Prokurist zögerte eine Weile, ehe er sich des mitgebrachten Schlüssels bediente. Dann aber, nachdem er einen Blick zu den erleuchteten Fenstern des ersten Stockwerkes emporgeworfen, stieß er ihn mit einem energischen Ruck in das Schloß, indem er vor sich hinmurmelte: Und wenn er es gethan hätte was weiter! Man wird nicht gleich an dem Anblick sterben." Er stieg die schmale Nebentreppe empor, durchschritt ein erleuchtetes Vorgemach und klopfte an eine Thür. Von drinnen wurde ihm keine Antwort zu theil, und es blieb ganz still, auch als er zum zweiten- und drittenmal gepocht hatte. Da legte er seine Hand auf den Drücke: und öffnete. Es wa: das Arbeitsgemach deZ Bankdirektors, das sich vor ihm aufthat. Beim ersten Blick hätte der Eintrctende versucht sein können zu glauben, daß Paul Strahlendorf mitten in seiner Arbeit von derMüdigkeit übermaltigt worden sei; denn er lag gleich einem Schlafenden in seinem Schreibsessel zurückgelehnt. Der Kopf war nach hinten auf die Lehne gesunken und das Licht der über ihm brennenden Gasflamme fiel hell auf das farblose, doch vollkommen ruhige Antlitz.- Aber es beleuchtete auch den unheimlichen schwarzen Fleck an der rechten Schläfe und die kleine, fast kreisrunde Wunde, von der sich ein schmaler Streifen gcronnenen Blutes über die Wange hinabzog es glitzerte in den weit geöffneten, starren, verglasten Augen, und es ließ den Lauf des Revolvers, der neben der schlaff herabhängenden Hand des Todten auf dem Teppich lag. in mattem, metallischem Glänze schimmern. Unschlüssig war Georg Henninger auf der Schwelle stehen geblieben, aber sein Zögern war nicht von langer Dauer. Roch einmal streifte sein Blick kalt und prüfend über den Regungslosen hin, dann ging er an ihm vorbei zu dem Schreibtisch und begann die auf der Platte liegenden Schriftstücke einer genauen Musterung zu unterziehen. Einige der verschlossenen und versiege!ten Briefe, mit deren Abfassung der Selbstmörder allemAnschein nach seine letzten Lebensstunden verbracht hatte, verbarg er in der Brusttasche seines Ueberrockes, und erst, als er vollkommen gewiß sein konnte, daß nichts Bedeutsames mehr seiner Aufmerksamkeit entgangen war, drückte er auf den Knopf der elektrischen Klingel, die den im Hause wohnenden Pförtner der Bank alarmiren sollte.
2. C a p i t e l. Dumpf dröhnend rollte der Donner eines Kanonenschusses über die weite Wasserfläche des Silbernen Stromes", des mächtigen La Plata, dahin! Ein leichtes Erzittern ging durch den gewaltigen Schiffsleib des Auswandererdampfers, und mit t'xithin vernehmlichem Kettengerassel sanken die beiden Anker in die Tiefe. Die Wochenlange Seefahrt der Jtalia" war zu Ende; denn der dunkle Streifen, der sich weit in d?r Ferne als ein unbestimmtes Etwas aus den Schleiern des verhüllenden Morgennebels hob, war das ersehnte Ziel der Reise, die argentittische Hauptstadt Buenos Aires. Was sich von Passagieren an Bord des Dampfers befand, stand dicht gedrängt auf der jenem dunklen Streifen zugekehrten Seite des Verdecks. Fast auf all den Hunderten von Menschengesichtern, die seltsam bleich erschienen in dem fahlen Lichte des anbrechenden Tages, lag ein Ausdruck erwartungsvoller Spannung, denn die meisten der Ankömmlinge gingen ja einem neuen Leben, einer dunklen, ungewissen Zulunft entgegen, und cs war wohl kaum
einer unter ihnen, dessen Herz nicht ho her geschlagen hätte beim Anblick jenes unbekannten Landes, darin er schneller als in der fernen Heimath die heiß umworbenen Güter des menschlichen Lebens, das Glück und den Reichthum, zu erjagen gedachte. Fast an der äußersten Spitze des Schiffes lehnte mit über der Brust verschränkten Armen ein junger Mann von hohem, weit über das Mittelmaß hinausragendem Wuchs an dem Deckgeländer. Während die übrigen Passagiere fast ausnahmslos den italienischen Typus zeigten, konnte man beim Anblick dieses jungen Hünen nicht eine Sekunde lang darüber im Zweifel bleiben, daß er ein Deutscher sei. Das leicht gelockte blonde Haar, der blonde Schnurrbart, die graublauen Augen sprachen unzweideutig für seine germanische Abstammung. Etwas wie ein Schatten der Sorge lag auf seinem hübschen Gesicht, und ein tiefer Athemzug hob seine breite Brust. Da legte sich eine Hand auf seine Schulter, und eine tiefe, volltönende Stimme sagte in spanischer Sprache: So erust. Senor Rodewaldt? Ist es eine Enttäuschung, die der Anblick 5hrer neuen Heimath Ihnen bereitet?" Das Gesicht des Angeredeten hatte sich aufgehellt, sobald er in das edel geschnittene, tief gebräunte Antlitz des Sprechenden, eines graubärtigenMannes von etwa fünfundfünfzig Jahren, geblickt hatte. Eine Enttäuschung nein, gewiß nicht. Doktor Vidal! Wie sollte mich enttäuschen können, was ich gar nicht sehe?" Auch die Erwiderung war in spanischer Sprache erfolgt, die der junge Deutsche mit vollkommener Sicherheit zu beherrschen schien, wenngleich der Tonfall jedem geübten Ohr sogleich den Ausländer verrathen hätte. Lächelnd blickte der Doktor zu dem dunklen Streifen am Horizont hinüber. Freilich, wir sind noch sechzehn Seemeilen von der Stadt entfernt, denn die Seichtheit unserer Rhed: gestattet Dampfern von solchem Tiefgange nicht, sich dem Lande weiter zu nähern. Aber nur ein wenig Geduld! Man kommt bereits, uns aus der langen Schiffsgefangenschaft zu befreien Eine Flotille von kleinen Dampfern hatte sich mit vielemGeräusch der Jtalia" genähert, um die Reisenden mit ihrem Gepäck aufzunehmen. In dicht gedrängtem Knäuel wälzte sich alles gegen die herabgelassene Schiffstreppe heran, aber der Kapitän, der mit dem ersten Officier dort Aufstellung genommen hatte, wies die Anstürmenden mit gebieterischer Handbewegung zurück. Alles nach der gehörigen Ordnung! Den Vortritt hat Doktor Vidal. Darf ich bitten. Don Jos6! Der Weg ist frei." Der Graubartiae nahm vertraulich
den Arm des jungen Deutschen, und durch die Gasse, die sich willig vor ihnen geöffnet hatte, schritten die beiden der Treppe zu. Einige AbschiedsWorte und ein letzter Händedruck wurden mit dem artigen Eapitän getauscht, dann stiegen sie hinab, und wenige Minuten später schoß die kleine Dampfschleppe pfeilgeschwind dem Lande zu. Immer schärfer und deutlicher hob sich die Stadt, der sie entgegenstrebten, aus dem zerflatternden Nebel. Ein gewaltiges, schier unübersehbares Häusermeer war es. das sich da auf weiter Ebene vor ihnen ausdehnte, und schon vom Flusse aus ließ sich die rechtwinllige Anordnung der schnurgeraden Straßen erkennen. Sie werden ohne Zweifel finden, Senor Rodewaldt " sagte Doktor 23i dal. daß unser Buenos Aires keine schone Stadt im Sinne Ihrer alten eit ropaischen Hauptstädte ist. Aber ich bitte Sie, mit Ihrem Urtheil trotzdem. nicht allzu schnell fertig zu sein, unter den Städten wie unter den Menschen gibt es solche, deren Vorzüge sich erst bei näherer Bekanntschaft offenbaren. Ich werde mir mit meinem Urtheil, die aroßte Zurückhaltung auserlegen. Wenn man seinen Fuß in ein völlig unbekanntes Land setzt, ist solche Vorsicht ja doppelt geboten." Der Doktor neigte sich etwas näher zu ihm. um von den Umstehenden mcht gehört zu werden, und sagte: Vorsicht, mein lieber junger Freund, ist ein Wort, das Sie da drüben überhaupt zu Ihrem Wahlspruch erheben sollten. Vorsicht ganz besonders da, wo mau sich bemüht. Ihr Vertrauen zu gewinnen. Der Porteno (so nennen sich die Einoeborenen von Buenos Aires im Gegensatz zu den eingewanderten Fremden) ist vielleicht der höflichste und verbindlichste Mensch von der Welt, daß er aber auch der ehrlichste und zuverlässigste sei, läßt sich leider nicht behaupten. Sie werden diese Warnung jetzt vielleicht etwas wunderlich finden, aber nachdem Sie einige Monate n Argentinien gelebt yaven. werden Sie begreifen, daß sie nur ner wohlmeinenden Absicht entsprang. Ich bin dessen schon jetzt vollkom men aewiß." erwiderte r junge Deut sche. Sie haben mir während unserer langen gemeinsamen Sfoiie, seit der Stunde der Abfahrt vom M010 zu Genua bis zu diesemAugenblick so viele Beweise herzlichen Wohlwollens gegeben. daß ich nichts lebhafter wünsche. als mir Ihre Freundschaft in derFolge auch wirklich zu verdienen. ..Es bedarf dazu keiner besonderen Bemühungen, mein verehrter Senor. Und ich werde immer zu Ihren Dien sten sein. Aber ich weiß freilich schon jetzt, daß Sie von diesen Diensien wohl kaum Gebrauch machen werden. (Fortsetzung folgt.) Gelungene Abwehr. .Dieses Jahr reisen wir nach Caprl nicht wahr, Männchen? Jfltt, diese
Caprice, käme mir doch zu theuer.
Für die Mcc. Kaltschalen. Hcidelbeerkalt
schale. Ein Pfund gewaschene Heidelbeeren kocht man in Wasser mit etwas I W S nr m llronenicyale uno 15 Unze Perisago weich, streicht sie durch, süßt sie genügend, giebt eine Flasche rothen Fruchtwein daran und stellt sie kalt. DU Kaltschale wird mit Zwieback servirt. Buttermilchkaltschale. Man reibt 3i Unzen Schwarzbrot und röstet es langsam unter stetem Rühren mit 2 Unzen Zucker braun, doch darf es nicht anbrennen, well es dann sofort bitter schmeckt.. Man vermischt kurz vor dem Anrichten ein Quart Buttermuch mit 6 Löffeln saurer Sahne, giebt etwas Zucker und Zimmet hinein und verMischt das inzwischen abgekühlte Brot damit. Apselwemkaltschale. 1Z Unze Reis werden dreimal abgekocht, dann in Wasser mit etwas Salz gar gekocht. was etwa 25 Minuten haunt Man schüttet den Reis auf einen Durchfchlag, übergießt ihn mit kaltem Wasser, damit er klar wird. 2 Eßlöffel Korinthen hat man indeß in Wasser aufquellen lassen, die man nun abgießt und zum Reis giebt. Wenn beides abgekühlt ist, thut man die Zuthaten in eine Terrine, giebt eine Flasche Apfel wein, der mit einem halben Pint Was ser, 1$ Unze Zucker und etwas abgeriebener Citronenschale vermischt wurde, darüber und stellt die Kaltschale kühl. KalteEiersauce. Zu kaltem Braten oder auch frischer Wurst paßt folgende Sauce vortrefflich. Bon drei hartgesottenen Eiern nimmt man die Dotter und verrührt dieselben mit Es sig recht glatt. Sodann mengt man tropfenweise gutes Speiseöl darunter unter beständigem Rühren, ebenso etwaS sehr fein gewiegte Zwiebel und Petelie, nach Belieben auch etwas Senf. Zuletzt salzt und pfeffert man die Sauce, probirt öfters und giebt sie dann zu Tisch. Statt des Senses kann man etwas sauern Rahm nehmen, was sehr wohlschmeckt. Wiener Reisfleisch. Eine gute Verwendung des Suppenfleisches ist folgende: Man läßt eine kleingeschnittene Zwiebel in Fett hell rösten, giebt das gesottene, grobgehackte Fleisch und Reis in gleichem Gewicht hinzu, salzt, giebt Wasser, so daß es über dem Reis steht, und läßt es eine halbe Stunde dünsten, ohne umzurühren; wird es aber trocken, giebt man noch ein Stück Fett oder Butter dazu; vor dem Anrichten wird das Reisfleisch mit Parmesankäse oder auch mit ge riebenem Schweizerkäse dicht bestreut. Ragout von Hammelfleisch mit Reis. Ist der Reis gut gebrüht, so thut man Butter in eine Kasserolle, läßt sie zergehen und gibt den Reis dazu. Run gießt man etwas Wasser daran und läßt dasselbe einkochen. Ist dies geschehen, so gibt man Hammelfleischstückchen in hübscher Form dazu, füllt etwas Wasser nach, salzt es und läßt Reis mit Fleisch langsam weichkochen. Bor dem Anrichten thut man ein Stückchen frische Vuiter an den Reis. Man ordnet zuerst den Reis auf die Schüssel und legt dann das Fleisch darauf herunr. Geriebener Parmesan- oder Schweizerkäse kann dazu gereicht werden. Brotpfannkuchen. Altes Weißbrot oder Kleinbrot schneidet man, etwa 1 Pfund, in kleine Würfel und übergießt dieselben mit siedender Milch. Ist die Masse völlig durchweicht und abgekühlt, so rührt man dieselbe ganz glatt, mengt vier Eier darunter, eine Prise Salz, einen Eßlöffel Zucker, eine Prise Zimmet, einen Eßlöffel Rum, einen Löffel Mehl und 2 Unzen gewaschene Korinthen. Man backt wie Eierkuchen in gutem Schmalz, indem man jedesmal eineSchöpfkelle voll Teig ms heiße Fett bringt, schön braune Kuchen. Alle Arten Obst kann man dazu reichen. Filetbraise. Ein Ochsenfilet (Lendenbraten von 4 bis 6 Pfund) häutet man vollständig ab. entfernt das Fett, falzt, und spickt es mit ganz feinem Speck und umwickelt es mit einem Bindfaden. In einer Bratpfanne legt man Speckscheiben, geschnittene Zwiebel, Karotten, Thymian. Petersilie, Lorbeer. Pfefferkörner etc., darauf das Fleisch, gießt ein halbes Glas rewen Branntwein darüber und bedeckt es mit von Butter getränktem weißem Papier. Bei mittlerem Feuer läßt man nun den Braten zwei Stunden im Backofen und übergießt während dieser Zeit fleißig mit Fleischbrühe. DaL in Scheiben geschnittene Fleisch wird auf einer erwärmten Schüssel angerichtet, mit der auf diese Weise entstandenen vortrefflichen Brühe übergössen und mit verschiedenen Gemüsen, wie Spinat, Karotten, Kohlrüben, jungen Kartoffeln etc., garnirt. Jtslienischer Rindsbraten. Ein großes Stück Rindslende wird von allem überflüssigen Fett befreit, mit Salz und Pfeffer eingerieben, auf der unteren Seite mit Essig gurlenstreifchen, Speck, Schinken und geräucherter Zunge, einigen gelben Rübenstreifchen gespickt, mit den ausge losten Knochen und fein geschnittenem Wurzelwerk gebraten. Die Sauce wird leicht mit etwas Mehl angestäubt und mit der nöthigen Suppe vergossen. Man giebt dazu den Saft von einer viertel Citrone, fowie einige Eßlöffel Wein, worauf die Sauce gut aufgekocht und mit dem Braten und hart gedün stetem Reis servirt wird. Bohnen mitParmesan k äse. Junge Bohnen zieht man ab, bindet sie in Bündel zusammen und kocht sie so ganz in Salzwasser weich; dann ordnet man sie kranzförmig wie Spargel auf einer runden Schüssel und ser virt sie Mit zerlassener Butter und geebenem Parmesankäse. Schinken. Koteletten und so weiter paffen gut dazu.
