Indiana Tribüne, Volume 22, Number 311, Indianapolis, Marion County, 30 July 1899 — Page 2

Lled der Mutter.

Coa Paul Remer. Wie t)ab ich doch so dumm getraumet, Ich thöricht Kind! Ich glaubte, ewig der Frühling blühte. Ich war so blind! Seit mich dein starker Arm umfangen An Seele und Leib. Ist meinerJugend Traum zerronnen Ich wurde Weib! 2)as Glück, das ist keine lustige Dirne, Die tanzt und lacht Das Glück, das ist eine bange Mutter, 5ie sorgt und wacht Muck im Kaufe. Philosophen und Dichter aller Ze! ien und aller Völker haben versucht, ten Lebenszweck der Menschen auf die Erreichung der Glückseligkeit" zurückzuführen. Aber keinem ist es bisher gejungen, eine feste, unverrückbare Erklärunz für den Begriff Glückseligkeit zu finden. Jeder Mensch trägt in sich den Äeruf dazu, und in jedem einzelnen Wesen wird sich die Vorstellung von der Glückseligkeit anders ausgestalten. Glückseligkeit wäre vielleicht als vollZommenungetrübtes, irdisches Glück aufzufaen. Nun giebt es aber auf Erden kein solches ungetrübtes, vollkomrnenes Glück. Man schaue sich nur um in der Welt, und selbst der Beküm'.ierle, der von finsteren Schicksalsmäcyten Heimgesuchte erschauert erschreckt id dem Gedanken, mit einem oder dem an-! deren seiner Mitmenschen sein Loos I auszutauschen. Chamissos .erzählendes Gedicht: Die Kreuzschau", giebt diesem in jedem Menschen wurzelndenGefühl von der Unlust, es mit dem eines anderen zu vertauschen, farbige Gestalt. Während Gelehrte und 'Forscher .sich mit philosophischen Gedanken herumschlagen, thun weniger geistreicheSterbliche einen kühnen Sprung mitten in das Glück hinein. Sie überlegen .nicht lange, ob es rathsam ist, unvermählt zu bleiben oder das Joch der Ehe auf sich zu nehmen. Geschwind fassen sie die Gelegenheit .beim Schöpfe, .klaminern sich an das Sprichwort: Frisch gewagt ist halb gewonnen", und ehe sie es gedacht, ist Haus und Herd gegründet. Aber nur da wird in einem Hause das Glück wohnen, wo die FamilienMitglieder sich harmonisch aneinanderfügen, wo ein jedes versucht, sich dem anderen anzupassen, in die Gefühle und die Gedanken des anderen einzudringen, sie verstehen zu können. Berthold Auerbach giebt in dem zweiten Bande seines Schatzkästleins eine. beherzigenswerthe Anweisung in der schweren Kunst, jeden Tag glücklich zu sein; darin heißt es: Nimm Dir jeden Morgen vor, heute Jemand zuerfreuen und, so viel Du kannst, glücklich zu machen. Geh' dann an Deine Arbeit und thu' vor allem Deine Pflicht. Du wirst froh und heiter .dabei sein, denn ein rechtschaffener Gedanke macht froh. Suche sodann Deinen Vorsatz auszuführen, wo sich die Gelegenheit dazu bietet. Du wirst nicht lange darauf zu warten haben. Es braucht nichts Großes zu sein, was Du dem anderen schenkst oder bereitest, thu' es nur mit freundlichem Blick und Gedanken, und es wird gut sein. Doppelt glücklich aber wirst Du sein, wenn Dein Nebenmensch den gleichen Vorsatz gefaßt hat wie Du, und er sendet Dir nun unverhofft etwas FreundZiches in Dein Herz. Das ist die schönste geheime Verbindung der Mensckien, wenn jeder darauf denkt, die kurze Lebenszeit, die er hier neben dem anderen zubringt, soviel er vermag, mit allem Guten und Schönen auszufüllen Dieser Grundsatz sollte zwischen den Ehegatten unerschütterlich geübt werden. Dann schwebt im Hause ein Duft des Friedens und der Heiligkeit. Heilig ist ein Haus. Heilig war es schon den großen Ahnen aller Völker, und sie lebten in banger Furcht, daß das Glück im Hause vernichtet werden könnte. Daher wurden Opfer und Gebete den Hausgöttern gebracht. Im Frühjahr wurden der Hera, der Beschützerin der Ehen, die Frühlwgsblumen geweiht. Um den Herd der Hesto oder Vesta, der jungfräulichen Göttin. Irie das ewige Feuer hütete, versammelten sich alltäglich die griechischen Hausgenossen zu ihrer Verehrung. Und dik Laren und Penaten hatten in jedem römischen Hause einen Altar. Bei im seren Vorfahren, den Germanen, war Frigg die Beschützerin des häuslichen H:rdes, die Spenderin aller Schätze, die Hüterin der Svmdel fleißiger Mädchen und Frauen, die von ihr belohnt wurden, während die Faulen ihre Straft erdulden mußten. Warnend trat die Göttin Frigg, in ein weißes Gewanr gehüllt, bei Nacht in die Häuser ein, wenn ihr Unheil ahnte, und als weiß Frau geht sie heute noch, Uuheil kündend, in den Schlössern um. Der Cultus ist heutzutage in den Hintergrund gedrängt worden. Dik Hüterin des häuslichen Herdes ist dik Frau. Aus ihren Händen nimmt der Mann, was sie ihm bietet. Darum muß sie aber auch wissen, was dem Manne frommt, was seinem Charakter entspricht. In dem Manne liegt ein unausrottbarer Drang nach Freiheit. Als Junggeselle konnte er ihm nachgeben, aber n war doch nicht glücklich. Nur in dez Ehe glaubte er das Glück zu finden. Aber bald fühlt er sich beengt und bedrückt. Die Freiheit, die ungebundenk Freiheit fehlt ihm. Jeder Mensch begehrt nur das, was er vermißt. Nur die Frau, die ihrem Mann ein gewisse Freiheit in seinem Thun ein, räumt, wird ihn zufrieden und glücklick sehen. Dankbar wird er ihre Großmut! anerkennen und seinerseits liebuoll auj

ihre Eigenheiten und ihre Interessen eingehen. Unsere Zeit, die hastet und jagt, die kaum einen Menschen zur Ruhe gelangen läßt, tobt in unserem Inneren. Wir werden reizbar und ungeduldig. In einem Augenblick der Erregung sind die besten Vorsätze vergessen. Darum muß die Frau, deren Leben immerhin im Hause in gleichmäßigen Bahnen dahin fließt, beständige Rücksicht nehmen. Eine lluge Rücksichtnahme wird sie nicht unterdrücken, sie nicht der Macht des Mannes unterwerfen; fängt sie es geschickt an, vergiebt sie sich dabei nichts, im Gegentheil, die kluge Rücksicht wird sie über ihre Sphäre erheben. Kommt der Mann verstimmt oder mit sich selbst beschäftigt heim und zeigt wenig Neigung zum Sprechen, so darf die Frau nicht mit tausend Fragen in ihn drängen. Sie lebt in großen Aengsten, blickt ihn fragend an, martert ihr Gehirn, was ihn wohl Unangenehmes berührt habe. Aber die Fragen: Hast Du Dich geärgert? Ist Dir etwas Unangenehmes zugestoßen u. s. w. u. s. w. werden ihn wohl schwerlich aus seinem Schweigen ausrütteln. Ist es an der Zeit, so wird er schon von selber sprechen. Man fordert, daß die Frau an allen Gedanken des Mannes theilnimmt. Oft sind die Ideen noch in der Bildung, im Entstehen begriffen, und der Geist will bei dem Proceß des Ausreifens nicht gestört sein. Frauen können aber auch darum nicht immer an den Gedanken theilnehmen, weil große Entschlüsse häufig durch der Frauen Rath aufgehoben werden. Der Frauen Blick beschränkt sich fast stets nur auf das Naheliegende, während der Mann weit, weit darüber hinausschaut. Darum ist auch in allen praktischen kleinlichen, häuslichen Angelegenheiten der Frauen Rath und List des Mannes Urtheil überlegen. Kommt der Mann zur Ruhe, fühlt er das Wohlthuende des Heims, so erwacht sein Sinn für all das. was die Frau angeht. Sie hat ein Recht auf seine Theilnahme, auf feinen Rath, bezieht er sich selbst auf scheinbar Unwichtiges. Nichtiges. Wo ein gegenseitiges Verständniß für die verschiedenen Anlagen und Eigenschaften des Mannes und der Frau vorhanden ist. da herrscht EinVerständniß und Glück. Und der ist am glücklichsten, dem in seinem Hause Wohl bereitet isii per weise Minister Ein Märchen von W. Msder. Es war einmal ein König, der war so weise, daH er nichts unternahm, ohne zuvor seinen Minister um Rath gefragt zu haben; wenn er dann des Ministers Ansicht wußte, so konnte er ja nsch immer thun, was er wollte; und wenn er btm Rathe seines Ministers zuwider handelte, so fiel es diesem nicht ein. seinen Abschied einzureichen. denn er war zu gescheit, als daß er seine eigene Ansicht für die allein richtige gehalten hätte. Als der König alt wurde, dachte er daran, das Reich seinem Sohne zu übergeben. Damit war der Minister wohl zufrieden, nur meinte er, der Prinz müsse zuvor heirathen; denn wer nicht gelernt habe, eine Frau zu regieren, der sei auch zum Landessürsien untauglich. Der König seufzte, da er an seine Selige dachte; doch meinte er. es lasse sich vielleicht auch eine finden, die leicht zu beherrschen sei. Der Prinz aber klatschte vor Vergnügen in die Hände, als er von dea Heirathsplänen hörte, denn er hatte schon lange große Lust zum Heirathen, weil er noch tin unerfahrener Jüngling war. So wurde denn beschlossen, daß der Prinz sich an allen Fürstenhöfen der Welt die Prinzessinnen ansehen sollte, um die beste unter allen zu seiner Gemahlin zu wählen. Aber wie soll er die beste herausfinden?" fragte der König. Der Schein trügt, und Weiber sind Weiber, die durchschaut man nicht ohne Röntgenstrahlen!" Nun waren aber damals die Röntgenstrahlen weit und breit noch nicht entdeckt; allein der weise Minister flüsterte dem König men so klugen Plan ins Ohr. daß der König sich vor Freuden die Hände rieb und so schlau lächelte, als sei er selber darauf gekommen; und das bildete er sich auch ein, denn so oft ihm ein guter Rath seines Ministers einleuchtete, glaubte er hintennach, er sei ihm selber eingefallen. Der Prinz machte sich alsbald auf die Reise und trug sein Gepäck in einem Handkoffer bei sich, denn er reiste im strengsten Jncognito; der Minister aber begleitete ihn und hatte nichts bei sich, als eine Schachtel aus Pappendeckel. So reisten sie von einem Lande zum andern; so viele Königstöchter sie aber zu sehen bekamen, so gefiel ihnen doch keine einzige; denn sie wollten eben nur die beste, und stellten darum hohe Anforderungen. Da fanden sie, daß die guten meist häßlich und dumm waren, ixt schönen und gescheiten aber boshaft jodet hochmüthig, oder mit anderen schlechten Eigenschaften behaftet. Endlich kamen sie an einen Hof, da waren drei Prinzessinnen von außerordentlicher Schönheit und dabei gut erzogen; denn der König, ihr Vater, hatte zu ihrer Erziehung die Ruthe fleißig gebraucht, weil er sagte, Prinzessinnen müßten mindestens ebensogut erzogen werden, wie Bürgerstöchter, eher noch etwas besser. Ach!" sagte der Prinz, als er die Prinzessinnen sah, die gefallen mir! Ich möchte gleich alle drei nehmen." Halt, halt!" erwiderte der Minister, das geht bei uns nicht, es könnte auch schlimm ausfallen." Aber welche soll ich dann nehmen?" fragte der Prinz. Die beste!" Ja, wenn ich wüßte, welche -.das

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Das werden wir gleich heraushaben," erklärte der Minister voll Zuverficht; und er ging zu der Aeltesten und fragte: Hast Du den Prinzen lieb? Denn Du mußt wissen, daß mein Begleiter ein mächtiger Prinz ist, der nur incognito reist." O, das weiß ich schon lange!" sagte die wunderschone Prinzessin, lieb habe ich ihn auch. Wird er mich auch heirathen?" Gemach, gemach!" erwiderte der Minister, was könntest Du denn aus Liebe für ihn thun?" O!" sagte die Prinzessin, Reichthum und Rang könnte ich ihm opfern und ihn heirathen. wenn er sogar Meyer hieße und nicht einmal von", so lieb habe ich ihn!" Sie wußte aber gar wohl, daß er nicht Meyer hieß, sondern ein richtiger Prinz war. Als der Prinz ihre Worte hörte, rief er gleich aus: Das ist gewiß die beste! Die will ich nehmen! Solch eine Liebe, solch ein edles, opferwilliges Herz nein, das findet man nicht alle Tage!" Nur Geduld!" sagte der Minister und er führte die Königstochter abseits, flüsterte ihr etwas zu und öffnete seine Schachtel. Kaum aber hatte die Prinzessin einen Blick hineingeworfen, so kreischte sie laut auf: Das ist wirklich abscheulich, ein solch unwürdigesSpiel mit meiner Liebe zu treiben!" und sie lief auf und davon. Da wandte sich der Minister an die zweite: Hast Du den Prinzen lieb, und was könntest Du für ihn thun?" Die reizende Königstochter erwiderte: So lieb habe ich ihn. daß ich die größten Leiden, ja sogar den Tod willig für ihn ertragen könnte!" Ah!" rief der Prinz entzückt, das ist die beste! Solch eine Liebe! Mehr kann man nicht verlangen!" und er vergoß Thränen der Rührung. Als aber der Minister die Prinzessin beiseite nahm und sie einen Blick in die Pappendeckelschachtel tfjim ließ, da stieß sie einen Schrei der Entrüstung aus: Nein! solch eine Zumuthung! lieber will ich sterben!" und sie ging schluchzend davon. Nun ging der Minister zu der jüngsten, die strahlte, wie ein sonniger Maimorgen. Was könntest Du für den Prinzen thun?" fragte der Minister. Ei! das kann ich nicht im voraus sagen!" sagte sie, aber so lieb habe ich ihn, daß ich ihm gezne gehorchen würde auch ohne Schläge." Gut!" sagte der Minister, es wird nichts weiter von Dir begehrt, als daß Tu bei Deinem Einzug in der Hauptstadt das trägst, was in meiner Schach tel ist." Her damit!" sagte die Prinzessin fröhlich. Als aber der Minister die Schachtel öffnete, fand sich darin ein völlig unmoderner Hut nach der Mode der verflossenen Saison. Da lachte die blühende Kö'nigstochter aus vollem Herzen, sehte den Hut sofort auf und sagte: Den will ich mein Leben lang tragen, dem Prinzen zulieb; ich lasse ihn mir alle Jahre frisch auflackiren!" Der Hut stand ihr aber wirklich reizend, denn die. vergangene Mode war eine ganz verrückte Mode gewesen, nämlich eine geschmackvolle. Da rieb sich der Minister die Hände und sagte zum Prinzen: Die nimm! Sie ist weder eitel noch prunkliebend noch herrschsüchtig, sie hat dich wirklich lieb und wird Dir ein folgsamesWeib sein!" Und der Prinz war bereits so stcrblich i die Prinzessin verlebt, daß er seine Reisemütze vor Freude in die Luft warf und der Holden einen herzhaften Kuß gab, so daß sie über und über roth wurde; denn sie war das Küssen gar nicht gewohnt. Sie zog dann mit dem Prinzen in seine Heimath und wurde seine Königin und sie lebten glücklich, rbie nie ein Paar auf Erde. Dadurch wurde der we?se Einsall des Ministers berühmt und jedermann wollte es ihm nachmachen. Aber die Freier hatten keinen Erfolg damit, denn es fand sich nirgends mehr ein Mädchen, das eine so starke-Liebe gehabt hätte, um einen unmodernen Hut zu tragen. Vielerlei ZZüe. Ter Fuß spielt be! den Deutschen eine große Rolle. Erkundigt sich der Deutsch nach dem Befinden eines Freundes, so fragt er: Wie geht's? Wie steht's? Ist er mit Jemand befreundet, so lebt er mit ihm auf freundschaftlichem Fuße, und ist das Gegentheil der Fall, so stehen sie auf gespanntemFuße. Für das Geld gibt es einen Münzfuß, der Dichterling plagt sich mit VerLfüßcn. der Fuß ist in Längenmaß, und selbst der Berg hat einen Fuß. Der Schwerkranke steht mit einem Fuß im Grabe. Wer viel Aufwand macht, lebt auf großem Fuße, und wenn er es zu arg treibt und ein zu großer Leichtfuß ist, so steht er bald auf schwachen Füßen. Rangirt er sich dann nicht, kommt er nicht wieder auf die Füße, so folgt der Krach auf dem Fuße, und wenn dunkle Sachen vorgekommen sind, lebt er einige Zeit nicht auf freiem Fuße. Ist er aber ein Hasenfuß, der sich vor den Consequenzen seiner leichtsinnigen Handlungsweise fürchtet, so ist er bald auf flüchtigem Fuße, wenn er es nicht vorzieht, auf Freiersfüßen zu gehen und sich durch eine reiche Heirath zu retten, fußend auf das Beispiel Anderer, die in dieselben Fußstapsen getreten sind. Unbewußtes Bekenntniß. Rechnungsrath (zu seinem Collegen): Dir will ich es anvertrauen: Ich schreibe seit einiger Zeit gegen Honorar kleinere Beiträge für belletristische Zeitschriften! Du glaubst gar nicht, welch' einen reizvollen Vkrth das Geld hat. das man sich durch Arbeit tttdientl" : ...

Gleiches Schicksal. ?on ?l. Lohr. Bad Schachcn gilt in der vornehmen Welt als ein beliebter Curort. Gewiß mit vollem Recht. Wer taub und krank geworden ist vom Lärm des rasselnden Alltag'-, der kann sich da erholen und ustra'mcn im sanften Schatten der prächtig:'.. Parkanlagen oder auf schwankem Kahne sich schaukeln über ten blauen Fluthcn des Bodensees, auf den der Himmel an schönen TageU herablächelt mit dem Lächeln eines Kindes und auf den die Berge hereinschauen wie treue, stille Hüter. Ts Curhotel war auch in diesem Jahre mehr als voll besetzt, die Table d'hote stark frequ:ntirt und die Promenad: am Seestrande namentlich Morgens und Abends angefüllt mit lustwandelnden Curgästen. In dem kleinen, weltverlorenen Neste fühlte sich die Fremdencolonie als ein Ganzes. Man speiste zusammen, hörte gemeinsam der (5urmusik zu und machte gemeinsame Ausslüge. Nur zwei Personen schienen, wie ein Herr geistreich bei Tisch bemerkte, Narren aus eigene Faust zu sein; denn sie mieden consequent den allgemeinen Trubel und gingen stets ihre eigenen Wege. Die Eine hatte sich als Kunstmaler Grombach aus Düsseldorf in's Curbuch eingetragen, die Andere als ein Fräulein Irma von Eich:nberg mit ihrer Gesellschafterin aus Mainz. Eines späten Nachmittags saß der Maler mit seiner Stasfelei, die er sonst nie mit sich geschleppt hatte, in der Nähe des Sees und pinselte das Landschaftsbild, das da vor ihm lag, auf seine Leinwand hin: Der See, das herankommende Dampfschiff darauf mit seinen bunten Menschen an Bord, links in ziemlicher Ferne, wie ein Märchen aus alter Zeit, die ehemalige Reichsstadt Lindau und vorn die in Duft verschwimmenden Berge Oesterreichs und der Schweiz. Ganz in seine Arbeit vertieft, hört er nicht, wie hinter ihm der Rasen knistert wie weicher Sammet, wenn sich ein Fuß hineindrückt. Er hält einen Augenblick inne und blickt voll Interesse auf das Schiff, das eben landet; da legt sich eine leichte Hand auf seine Schulter und als er, nervös zusammenfahrend, das Haupt umwendet,' sieht er in ein junges Mädchenantlitz, das die Erregung röthet und verschönt. Entschuldigen Sie, mein Herr," mit einem Blick auf das Bild warum haben Sie hier nur leichte, weiße, kaum merkliche Rauchwölkchen hingemalt, während der Schlot des Dampfers fortwährend mächtige, Pechschwarze Rußballen in die Luft pustete?" Sie schien ihn lange beobachtet zu haben, ehe sie schüchtern die Frage wagte. Der Maler lachte. Dann erklärte er in spöttisch angehauchtem Tone: Die Idee, verehrtes Fräulein, die Idee! Das ganze Stimmungsbild muß von einer gemeinscyastlichen Idee beseelt sein, und da Pässen natürlich die schweren bleiernen Rauchungethüme nicht hinein. Deshalb habe ich sie aus der Landschaft herausgeworfen. Verstehen Sie das, meine Theuerste?" Sie dankte, nochmals erröthend, und enteilte, mit ihren Füßchen kaum den Boden berührend. Als sie außer Hörweite des Malers war, sagte die Begleiterin eine schon angereiste Dame zu Irma: Sie haben sich wieder von Ihrem Temperament hinreißen lassen, als Sie den Mann" nredeten, und mußten sich nun die Apostrophirung Theuerste" gefallen lassen!" Der Maler sah sinnend den Damen nach, als sie sich entfernten; und als sie seinen Blicken entschwunden waren, murmelte er halblaut: Arrogant die Frage, wenn sie Laie ist; überflüssig, wenn sie etwas versteht!" Und wie im Aerger tupfte er mit breitem Pinsel ungeformte Rußflecke auf das Bild. Am anderen Tage lehnte er an gleicher Stelle am Stamme einer Kastanie; aber die Damen kamen nicht vorbei; erst am zweiten Tage erblickte er sie und sah ihnen wie in Erwartung entgegen. Als sie jedoch an ihm vorübergingen, ohne ihn zu bemerken, trat er artig grüßend auf sie zu. Irma erröthete; die Begleiterin sah ärgerlich drein, er aber sagte mit Nonchalance, ihr eine Skizze reichend: Gefällt Ihnen so das Bild nun besser?" Sie lachte belustigt auf:. Nicht doch! Nein, so war es nicht gemeint, aber Sie sind eigentlich boshaft, daß Sie den schönen Entwurf nun durch Rußmassen verdorben haben. Und obendrein beschämen Sie mich noch, indem Sie mir zeigen, daß lch gar keinen künstlerischen Blick y7.be!" Wie?" entgegnete er mit einem Anslug von Neckerei. Nun ist das Bild doch so wahr, so ganz Natur!" Ernst sah sie ihn an: Ja und doch darf die Kunst nicht allzu wahr sein, sonst ist sie eben nicht mehr Kunst! Ich danke Ihnen, daß Sie mich durch dieses Bild daran erinnern." Sie wollte es ihm zurückreichen, doch er verneigte sich ceremoniell, ohne es zu ergreifen. Darf ich Sie bitten, das Blatt so quasi als meine Visitenkarte anzunehmen?" Aber die Rußballen?" meinte sie mit einem schmollenden Aufwerfen der Lippen. Nehmen wir an, es sei Ihre Empfangsbestätigung meines Besuches." Von nun an sah man den Maler und die Damen öfter zusammen, und die Mienen der beiden jungen Leute heiterten sich zusehends auf. An einem prächtigen Junimorgen

als sie einander einmal ohne die Gesellschafterin, wie zufällig, am Strande trafen, schien der Maler besonders heiterer Stimmuna zu sein.

Einer plötzlichen Eingebung folgend, ' saßte er Irma's Hand: Ich glaube," sprudelte er in jovialem Tone hervor, wir haben Beide etwas auf dem Herzen, was uns trübe stimmt und uns vielleicht sogar an diesen Curort hergeführt hat. Getheiltes Leid ist halbes Leid", sagt das Sprichwort. Wie wäre es, wenn wir uns gegenseitig das Nagende vom Herzen herunter erzählten?" Sie sah ihm. wie betroffen über seine Worte, eine Weile stumm in's Gesicht, dann sagte sie langsam und zögernd: Haben Sprichwörter immer recht? Wohl mag getheiltes Leid leichter zu ertragen sein, doch reißt das Wühlen im Weh auch alte Wunden wieder auf " Wohl, doch mir scheint, wenn man sich erst Trübes von der Seele heruntergeredet hat, vergißt man auch leichter. Uebrigens, Ihre Reflexion bestätigt mir, daß ich recht hatte mit meiner Annahme, auch Sie drücke ein Leid. Und dam'.t Sie ermuthigt werden, will ich, wenn es Ihnen recht ist, mit meiner eigenen Leidensgeschichte beginnen." Er sah sie, wie aus Antwort harrend, an und leise hauchte sie, zustimmend das Köpfchen neigend: v .Ich bitte!" Auf meiner letzten Künstlersahrt wurde ich mit einem Mädchen bekannt, aus deren schönem Gesicht die wundervollsten Augen den Beschauer anglühten. Tausend Welten voll ungeahnter Schönheit, Himmel und Hölle zugleich schienen mir in diesen glänzend-dunk-len Augensternen zu liegen. Ich versuchte, darin zu lesen als Künstler und Idealist und vertiefte mich so lange in sie, bis ich wahnsinnig in die schöne Edith verliebt war. Nach seligem Hinund Hertändeln verlobte ich mich mit Zustimmung unserer Eltern mit ihr, lebte in einem mir selber schier unbegreiflichen Glücke und berauschte mich an dem Räthsel ihrer Augen. Wenige Tage nach unserer officiellen Verlobung saßen wir in wortloser Seligkeit in einer duftenden Magnolienlaube; ich schaute nur immer wieder sehnend in die dunklen Sterne, die nun für immer über meinem Leben leuchten sollten, und die Frage stieg in meinem pulsenden Herzen auf: Wtö sie jetzt wohl gerade denken mag?" Da gähnte sie und sagte ganz gelangweilt und Prosaisch: Wollen wir jetzt nicht aushören, uns nur in einem fort anzuschmachten, Karl? Ich hab' nämlich gräßlichen Hunger, und es duftet so appetitlich von der Küche herüber." Wie niedergeschmettert stand ich, ohne ein Wort zu erwidern, auf, sie hing sich sorglos an meinen Arm und trieb den Stachel, den sie mir durch ihre so entsetzlich prosaischen Empfindungen in's Herz gestoßen hatte, noch tiefer, indem sie sagte: Woran denkst Du doch immer, wenn Du mich so ansiehst und nichts sagst? Gewiß an Deine unverständlichen Malereien, auf die Du so viel Zeit verwendest! Male doch lieber Portraits für die Leute, die so gut bezahlt werden, oder lustige Dinge für Bilderbücher oder so was, daß man auch eine Freude daran haben kann!" Meine Ernüchterung und Enttäuschung können Sie sich vorstellen! Ich war wie aus sieben Himmeln gefallen! Dieses Mädchen, das mir immer wie ein überirdisches Wesen vorgekommen war, hatte in diesen kcitzückenden Augenblicken an nichts Höheres als culinarischeGenüsse gedacht und hielt meine Kunst gerade für gut genug, um Bilderbüch?r zu illustriren! Raphael hätte sich im Grabe umgedreht, wenn er so was gehört hätte! Mir wurde auf einmal tödtlich klar, eine solche Frau mußte den Künstler in mir unfehlbar morden und erdrücken und den Menschen dazu; die Erkenntniß dämmerte in mir auf, daß in den schönen Augensternen nur das lag, was ich selber Schönes und Begehrenswerthes hineingcheimnißt hatte sonst aber nichts, gar nichts. Blutenden Herzens löste ich die Verlobung wieder auf, die für mich blos ein süßer Traum gewesen war, aus dem ich um so nüchterner und enttäuschte? erwachte." Er schwieg und sah mit verdüsterter Stirn in die sonnenüberstrahlte Gegend. Nach einer kleinen Pause sagte Irma: Wenn ich Ihnen nur sagen könnte, wie ich Ihre Empfindungen begreife und verstehe! Ganz seltsam verwandt ist das, was Sie erfuhren, mit meinem Schicksal! Prosaischen und Alltagsmenschen möchte das vielleicht nichtig und haltlos erscheinen, ich fühle aber voll mit Ihnen, und es drängt mich fast und ermuthigt mich, Ihnen mit gleicher Offenheit entgegenzukommen und mir alles Beklemmende vom Herzen zu reden." Er reichte ihr die Hand und sagte, schon wtoer in seinen heiteren Ton zurückfallend: So ist's recht! Ich lausche!" Mit vierzehn Jahren schwärmte ich begeistert für Schiller und machte Gedichte auf meine Mitschülerinnen und Lehrer, schwebte immer in höheren Regionen und träumte von einem Märchenprinzen, der mir als Ideal das Leben versüßen sollte. Mit neunzehn Jahren lernte ich auf einem Maskenballe den Gutsbesitzer Baron Lentschow im Costüm eines provenalischenTroubadours kennen; das nahm mich sofort für ihn ein, weil ich nicht anders dachte, als daß er das Costüm seinen Anlagen und Neigungen entsprechend gewählt hätte. Als er mich nun seinerseits an jenem Abend in auffallender Weise auszeichnete und mir unverblümt zu verstehen gab, wie ernstlich er sich für mich interessire. gab ich meinen Gefühlen nach und verliebte mich in ihn, da er

mir der Inbegriff alles Ritterlichen und Chevaleresken, das Ideal meiner Mädchenträume schien. Meine Eltern, denen sich der Baron schon wenige Tage nachher mit der Bitte um meine Hand näherte, waren mit dieser guten Partie sehr einverstanden, und so fand unsere Verlobung mit einem glänzenden Fest im Hause meines Eltern statt, welche stolz waren, als Aequivalent für den alten Namen des Barons ein großes Vermögen in die Waagschale zu legen. Ich, immer in Idealen schwelgend, glaubte an mein Glück, dichtete und schwärmte und träumte davon, mich nun in alle Zukunft ganz meinen Neigungen hingeben und dem Fluge meiner Phantasie und meines Genius folgen zu sönnen. Eines Abends trug uns ein schaukelnder Nachen über den Rhein. Es dämmerte und von ferne drang Nachtigallenschluchzen zu uns herüber, und am Himmel zogen leise die Sterne herauf. Er ruderte, und unbewußt fügten sich in meinem Innern Verse, dem Rhythmus des Ruderschlagcs folgend. D:r Abend war so soetisch schön und feierlich, daß mir ganz weich und sehnsüchtig um's Herz wurde, und einem inneren Dränge nachgebend, citirte ich ihm. die eben entstandenenVerse, die von Liebe. Sehnsucht und Nachtigallcnschlag durchströmt waren. Plötzlich unterbrach er mich und sagte in einem barschen Tone, der mich sehr befremdete, da ich ihn zum ersten Male an ihm wahrnahm: Liebes Kind, um Gotteswillen, verschone mich mit Versen. Dieses fade Gedusel habe ich nie leiden mögen. Und was die Nachtigallen betrifft, die Du da so anhimmelst, so kann ich diese schreienden Viecher überhaupt nicht ausstehen und heute haben sie mir schon den ganzen Abend verdorben." Ich kann Ihnen nicht sagen, wie mir b:i diesen Worten wurde. Mir schien plötzlich im Herzen etwas zu erstarren, Stein zu werden, und klar und unvermittelt sah ich ein, daß ich mich in meinem Verlobten schrecklich getäuscht hatte, daß das erträumte Ideal in eitel Nichts zerfiel, und daß ich mit einem solchen Barbaren unmöglich zusammcnleben konnte. Zum Glück landete bald darauf der Nachen; er schien aber mein einsilbiges Wesen ax nicht zu bemerken, sondern erging sich auf dem Wege nach der elterliehen Wohnung noch des Ausführlichen darüber, ich solle lieber ein gutes Kochbuch studiren, als meine Zeit mit solchem Unsinn, wie Gedichte, vergeuden. Mir war durch dieses Vorkommniß der wahre Charakter des Barons erschreckend klar vor Augen getreten und ich erklärte sofort mit aller Entschiedenheit meinen Eltern, daß dieses Verlöbniß gelöst werden müsse, das mir nur die Aussicht auf eine trostlos prosaische Ehe bot. Nicht um körperlich zu gesunden, sondern um mein seelisches Gleichgewicht wieder zu gewinnen, kam ' ich dann auf Wunsch meiner Eltern mit meiner Gesellschafterin hierher in dieses herrliche Fleckchen Erde mit seinen wunderbaren Naturfchönheiten, um die herbe Enttäuschung, die mein jugendlich glühend' Herz erfahren mußte, leichter und vollständig zu Lberwinden." Er sah sie mit einem etwas schelmischen Seitenblick an. Nun und wie weit sind Sie dann schon mit dem Vergessen gekommen?" Betroffen ob der leicht hingeworfenen Frage, wendete sie ihm das Gesicht zu, über das ein Zug leichten Aergers glitt. Er jedoch ließ sich dadurch nicht stören und meinte: Wissen Sie wohl, daß wir Beide eigentlich ganz gut zusammen paßten? Sie begeistern sich für Sterneliflimmern, fchwärmen für Nachtigallenflöten und machen darüber die herzbewegendsten Gedichte. Ich hasse ebenso alles Prosaische. Auch ich habe den Kopf voller Ideale und unverstandener Ideen; in jedem Baum sehe ich eine Dryade und in jeder Quelle ein weißgliedriges Nymphchen, so daß ich meinem Pinsel oft Zwang anthun muß, um nicht auch die Phantasiegebilde auf die Leinwand zu fesseln. Mein Hauptvergnügen aber ist, stundenlang auf dem Rücken zu liegen im blendenden Sonnenschein und Licht und Wärme in meine Seele zu schlürfen. Schon lange lag's wie ein Ahnen in mir, daß etwas Großes mir nahe. Num erfasse ich's: Sind wir nicht eigentlich wie geschaffen für einander?" Er ergriff bei diesen Worten ihre Hand, sie wehrte ihm nicht; doch senkte sie verlegen den Blick und blieb wie sinnend stehen. Er aber fuhr in weicherem Tone fort: Künstler und Dichter machen nicht viele Umstände. Also allen Ernstes, wollen Sie meine Frau werden, mein allergnädigstes Fräulein Jdealistin?" Sce sah ihm groß und voll in sein männlich schönes Antlitz: es lag ein hoffendes, jubelndes Glück in seinen Augen, und er schien in den ihren die Antwort auf feine Frage gelesen zu haben; denn er schlang plötzlich die Arme um sie und drückte sie stürmisch an's Herz. Die Ehe des Kunstmalers Grombach mit seiner reizenden Frau Irma gilt als eine selten glückliche. Nur eine Schrulle hat de? Maler, behaupten seine College: In seinem Salon, den Kunstwerke alter Meister zieren, hängt auch ein unvollendetes, unscheinbares Bild, das er seinen größten Schatz nennt und den Begründer seines Glückes: Auf dem Wasserspiegel eines Sees, den Berge und Villen umrahmen, liegt ein Dampfschiff, und der Horizont ist, übersät mit dicken, plumpschwarjen Rußballen.

Zehn Gebote für die Frauen. 1) Wenn du ein Kleidungsstück zur Wäsche giebst, untersuche es genau, ob keine Nadel darin steckt; es könnte schlimme Folgen für die Waschfrau haben, ihr zum mindesten Schmerz bereiten. 2) Achte streng darauf, daß seine Näh- oder Stecknadeln in Gardwcn, Betten, Stuhl- oder Sophalehnen gesteckt werden; das größte Unheil kann daraus entstehen; ebenso hüte di, Nähnadeln in deine Kleidertaille zu stecken, du gehst damit möglicherweise in die Küche und läßt sie in die Spei-k sen fallen. 3) Gewöhne dich daran, deine aus-! gekämmten Haare an jedem Morgen! sorgfältig zu verbrennen, nicht eifta wegzuwerfen, und wäre es in den eiltferntesten Winkel, oft erregt eine solche . Sammlung viel Verdruß. j 4) Wenn du dich gewöhnen kannst, deine Wäsche, wenigstens die feine, vor' dem Maschen zu flicken, kannst du sie' doppelt so lange tragen, als im cntgegengesetzten Falle und ersparst viel Zeit , und Arbeit. 5) Jedem Schlüssel, der zu groß ist ; für deinen Schlüsselbund, aber im all-, gemeinen Gebrauch steht, weise seinen bestimmten Nagel an; sieh streng darauf. daß er immer an seine Stelle ' kommt, dann wird niemalsUnordnung und unnöthige Sucherei entstehen. 6) Wirf niemals spitze Sachen, als unbrauchbare Nähnadeln, Stahlfedern oder Glasstückchen zur Erde oder wohl gar aus dem Fenster. Wie leicht verwunden sich Mensch und Thier daran! 7) Lege niemals inen Gegenstand nur vorläufig an einen ihm nicht zugehörigen Ort. Vergissest du ihn, so wird viel Unannehmlichkeit dadurch entstehen. 8) Borge niemals ein fremdes Buch oder einen sonstigen Gegenstand, der nicht dir gehört, an Andere; du kannst in die schlimme Lage kommen, ihn ersetzen zu müssen oder, was noch schürn mer ist. das dir geschenkte Vertrauen verlieren. 9) Stecke niemalsKleider und Unterröcke, an welchen ein Haken oder ein Band abgerissen ist. mit Stecknadeln oder wohl gar mit Haarnadeln zusammen; du könntest leicht in die Lage kommen. Dich schämen zu müssen. 19) Willst du verschiedene chemische Bestandtheile in Flaschen aufbewahren, so bezeichne jedes einzelne davon genau mit einer Etikette, damit kein Mißgriff geschehen kann; vor Allem aber stelle solche Flaschen niemals unter die, welche Getränke enthalten. Wissensaiaftlich.

Der Herr Lehrer nimmt ein Physikbuch zur Hand und studirt die Capitel der Gleichgewichtslehre und des Parallelogramms der Kräfte. Er besteigt das neuerstandene Rad und, gestützt auf die treuen Physikdiener Meyer und Scheuffele, constatirt der Herr Lehrer, daß er sich noch immer im stabilen Gleichgewicht befinde. Er vergleicht sich mit einem Tisch mit vier Füßen. Der Physikdiener Meyer hat auf Geheiß seines Gebieters den Kampfplatz verlassen; der Herr Lehrer stützt sich nur noch auf Scheuffele, constatirt aber, daß er sich noch immer im stabilen Gleichgewicht befinde; er vergleicht sich mit dem Dreifuß der Pythia. Damit finden die Uebungen des ersten Tages ihren Abschluß. Nächsten Tages repetirt der Herr Lehrer zuerst die betreffenden Capitel in seinem Buch. Er besteigt sodann sein Rad, und nachdem auf seinen Befehl auch der treue Scheuffele ihn sich selbst überlassen hatte, fällt er gemäß den Gesetzen über das stabile Gleichz?wicht auch sogleich vom Rad. Trotzdem sein Fuß sehr schmerzt, constatirt der Herr Lehrer, daß das Unglück nur dadurch passiren konnte, daß er seinen Schwerpunkt zu weit nach rechts verlegt hatte. Er steigt wieder auf. fällt aber sofort diesmal nach links wieder herunter. Damit finden die Uebungen des zweiten Tags ihren Abschluß. Trotz der Proteste seiner Gemahlin steigt de? Herr Lehrer wieder auf. In zweckentsprechender Weise versucht er. den Gesetzen über das Parallelogramm der Kräfte gerecht zu werden, muß aber das stabile Gleichgewicht stets bei der Hand haben. Scheuffele keucht und würde mehr theoretische Uebungen vorziehen. Der Herr Lehrer macht Fortschritte. Nach vierzehn Tagen weiß er die Gesetze des Parallelogramms derart praktisch anzuwenden, daß er eines stabilen Stützpunktes nicht mehr bedarf. Scheuffele freut sich darüber sehr. Der Herr Lehrerist zum erstenmal in der Lage, seine Frau auf dem Rade zu grüßen. Am selben Tage kündet er eine neue Vorlesung an: Ueber die mathematisch - physikalischen Gesetze des Radfahrens mit Hinweisen auf die einfache praktische Anwendung." Ter Kuß. Was ist ein Kuß? Nun. auf 'den Schuß Von Amors Hand Ein Nothverband. Doch nicht von Eis Nein glühend heiß! Nobel veranlagt. Ter junge Haberfeld hat entschieden Anlagen zu etwas Besserem, Feinerem, als sein Vater!" Ich wüßte nicht wieso!" O ja, er ist stark kurzsichtig, trägt einen Zwicker, ist sehr nervös und macht Schulden." E r k a n n t. Bemoostes Haupt: Ja, ja, ich sitze jetzt jeden Tag hinter meinen Büchern!" So? Und waZ trinkst Du denn hinter ihneu?-