Indiana Tribüne, Volume 22, Number 304, Indianapolis, Marion County, 23 July 1899 — Page 7
?Kaut und Hcint.
v i Von San.Rat Dr. Fürst. W ' Die Natur ist immer wahr, sie hat immer recht. Die Fehler und Jrrthürner sind immer des.Menschen. Dieser Worte Goethe's muß man gedenken, wenn man sich mit der Pflege der Haut, insbesondere des Teints, beschästigt. Denn sicher würden noch viel mehr Frauen einen schönen, tadellosen Teint besitzen, wenn sie lediglich den Winken der Natur folgen wollten, die mit ihren so einfachen, klaren Lehren noch nie geschadet, noch nie ein Unheil angerichtet hat. Wollte Jemand in baufälliges oder ganz mangelhaft constrmrtes Haus mit Fresken, Mosaik oder Skulpturen schmücken, so würde man ihn als Thoren verlachen. Auch, für die Körperschönheit ist die Körpergesundhcit Grundbedingung und Voraussetzung. Bei der Echönheitspflegc der Haut ist eine Trennung zwischen den sichtbaren und nicht sichtbaren Körperregionen ein Unding. Es handelt sich doch für eine vernünftige Frau nicht blos '-darum, ein schönes Gesicht, schöne Ärme und Hände, schönen Nacken und als zu haben. Ein Musterwerk soll kein Stückwerk sein. aut soll durchweg schön, überell woylgepflegt sein. Natürlich aber ist es das Antlitz des Menschen, auf das si die prüfenden Blicke aller zunach st schien. Im gewöhnlichen Leben gilt diejei l'.e Frau als schön, die ein schönes Q) v.ht besitzt. Der Sprachgebrauch befugt sich damit, obwohl jeder weiß, düj zu dem Begriff schön" noch der übir Körper, der Wuchsdie Bewegungen, o:e Sprache u. s. w. ihren Theil beitrage.: müssen, wenn das Bild der Schönheit ein vollkommenes sein soll. Wir sprechen d?m 2eint" und müsffen uns die Fr: vorlegen: Was ist Teint?" Manä.: würden antworten: Die Gesichtsfar". In Wirklichkeit ist sein Wesen nis so einfaches wie etwa der rosige S himmer des Blutes aus weißem GnnV, jenes bekannte Aussehen wie üHilq und Blut". Die ganze Beschafi 7.heit der Hautoberfläche (das EpiUr:), ihre Glätte, ihre feste Anhaftunz af. die tiefern Schichten, ihre Durchsickeit, ihr Pigment, ihr Freisein von Achtbaren Kapillargefäßen .oder größten blauen Venen, von Mälern, abnormer Bchaarung, Blüihm .ode? sonstigen Verunstaltungen alles dies zusammen bildet erst den Teint. Und teines:regs gilt dieser Gefammtbegriff nur von dem Gesicht. Zum Mindesten mv'b man alle stets sichtbaren Hautgebite mit dazu rechnen, ja auch solche, cie nur bei besonderen Anlässen, wie Bällen, vornehmen Festen u. s. w. unrhüllt bleiben. Oh , Tage do m peäu tonnte man ein bekanntes Wort variirrn. So wie die Haut MUffm ist, so alt erscheint man. Z isteht man es, sich diese auf natur .äße Weise möglichst lange jugendfliZ.') und normal zu erhalten, so behält man auch ebenso lange rin jugendliches Aussehen. Verweichlicht man sie. vernachlässigt man ihre Pflege oder wendet man regelmäHg Zünslliche Tcilettenmittel an, so altert man vor derZeit. Es ist so ungemein schwer, ihr dcn einmal verlorenen Reiz wiederzugewinnen. Ob die eigentliche, ursprüngliche Frische überchaupt wiederzuerlangen ist, hängt daDon ab, ob nur kur.;e Zeit die naturgeinäße Pflege außer Acht gelassen wurde oder nur ganz vorübergehend ein schädigender Einfluß stattfand. Dautxtt eins oder das andere längere Zeit, so sind die Veränderungen nur unvollkommen wieder gut zu machen. Betrachten wir nun einige Einzelheilen in der Schönheitspflege der Haut. Da ist es zuvörderst ihr milder, sammetartiger Glanz, den man sich durch nichts besser erhalten kann, als durch tägliche kühle Waschungen der gesammten Hautoberfläche, ihrer natürlichen Vertiefungen und Falten, mit Frottirstof und neutraler Seife. Der Druck beim Abreiben der Haut soll nicht zu leicht sein, weil er sonst die alien Epidermiszellen und alles, was ihneu aufsitzt, nicht gründlich entfernt, aber auch nicht zu stark, damit nicht Nauhigkeit und Entzündung der Haut entsteht. Hält man das rechte Maß ein, so verjüngt sich die Haut permanent durch das Nachrücken junger Zellen an die Oberfläche und behält ihren ' weichen, matten Glanz, während sie anders behandelt entweder speckig glänzend oder völlig glanzlos wird. Abnorme Trockenheit undFettansammlung sollen gleichmäßig vermieden wer-den.-Glätte gehört zur Schönheit der Haui. Runzeln sind. wen.', sie nicht durch zu warme Waschungen oder durch Schwund des sie straff und fest haltenden Unterhaut - Fettgewebes hervorgerufen wurden, bisweilen allerdings Folgen psychischer Ursachen; einer aufregenden, abspannenden Lebensweise, eines zu lebhaft.., erregten Mienenspiels, der Sorge, des Kummers oder ähnlichen Gemüths Zustände. Aus Runzelchen werden wenn eine der genannten Ursachen sornaucit Fältchen, aus diesen Falter, die das Leben fast unvertilgbar eingr'äbt, und zwar gerade an den Grenzen der Gesichtsmuskeln, die beständig in Thätigkeit gesetzt werden, wie ncn an den Gesichtern mancher Charakterdarsteller, besonders der Theater -Bösewichter sieht, die schließlich fci Hauptzüge ihrer Maske auch im bürz.ttlichenLeben nicht mehr ganz los :Ven können. Zunächst also soll mn'.sich, wenn man eine glatte Haut bihatten will, eine gewisse, mäßige Feitschichd durch passende Nahrung und Lebensl?eif: bewahren. Sie verdeckt mit sanften Linien die scharfen Conturen der Knochen und verleiht allen The'-len des Körpers eine anmuthige Rundung. Scdann verneide man gewohnheitsmäßige rnirni
sche Zuckungen und' unterdrücke die hy sterisch-nervöse Stimmung, aus der sie entspringen, sowie den Hang zu überinebenem, leidenschaftlichem Mienen-spiel.-Selbst Bekümmernissen suche man Gleichmuth, Ruhe und einen gewissen Optimismus entgegenzuhalten. Oft gelingt es noch, jene Runenschrift durch solche Maßregeln, denen sich, das frische Wasser als gutes Mittel hinzugesellt, wieder zu verwischen; lediglich durch die z. Z. empfohlene Haut-Mas-sage" wird man es nicht erreichen, und ebensowenig durch kosmetische Mittel. Rauhigkeiten der Haut,Abschuppung und Abschilferung sind meist Folge zu starken Drucks, zu heftiger Reibungen beim Reinigen, oft aber auch die Folge des Einflusses kalter Luft auf die noch nicht genügend abgetrocknete Haut. Lanolin - Creme dürfte in solchen Fällen das der Natur am nächsten kommende Mittel sein. Ab und zu sind auch Krankheiten des Epithels, ja selbst Pilz - Ansiedelungen daran Schuld, was natürlich nur 'der Arzt entscheiden kann. Gegen solche Zustände suche man also bei Zeiten dessen Nath zu erlangen, da sie im Beginne leicht, nach längerem Bestehen nur schwer zu beseitigen sind. Manche Haut neigt infolge ungünstiger, ererbter oder erworbener SäfteMischung und unrichtiger, zu fetter und plastischer Kost, manchmal auch zufolge ungenügender Sauberkeit, an Blüthen", wie man volksthllmlich jene kleinen, linsengroßenEntzündungen nennt, die nicht selten zu Wasser- oder Eiterbläschen führen. Man trifft ab und zu ganze Familien (Eltern und Kinder) an, in denen stets mehrere Mitglieder mit solchen Reibeisengesichtern ausgestattet sind. Die recht entstellende Affektion geht meist von der Umgebung der kleinen, in Reizzustand versetzten Talgdrüsen, nicht selten aber auch von den Lymphgefäßen aus, falls sie constitutioneller Art sind. Jugendliche Mädchen im Entwicklungsalter haben, auch wenn sie gesund sind, leicht solche Furunkelchen, die sie nicht gerade verschönern. Also fort damit! Durch monatelanges. konsequentes Verfahren folgender Art erreicht man es: reichliche, pflanzliche Kost, milde Gemüse, grüne Salate (Häuptel, Brunnenkresse, Endivien etc.) mit Citrone, nicht mit Essig bereitet, Fruchtweine, Milch, natürliche Säuerlinge, sowie Vermeiden gepökelter, geräucherter und marinirter Speisen. Sorgfältige tägliche Hautreinigung mit milden, neutralen Theerseifen. Vermeiden wollenen Unterzeugs. Die Farbe eines normalen Teints soll ein sanft verschwommenes Rosa auf einem Grunde sein, der bei Blondinen hell, bei Brünetten dunkler ist, aber auch jenen schönen Bronze-Tou haben kann, welchen die Maler besonders schätzen. Umschriebene rothe Flecke oder gar erhabene, rothe Inseln (Quaddeln) treten vorübergehend nach gewissen Speisen oder auch nach nervösen Erregungen auf. falls der Mensch dazu disponirt ist. Hier genügt Vermeidung der Ursachen. Dauernde Nöthe, z. B. der Nase, der Finger und Hände, der Ohren, ist immer, da sie aus chronischer Circulationsstörung und Erweiterung der Capillargefäße, bisweilen sogar auf einer Entzündung chronischer Art beruht, ein sehr langwieriges Leiden. Man suche also gleich ärztlichen Rath auf, ehe noch schwerere
Veränderungen der Gewebe sich emgestellt haben, die keiner Rückbildung mehr fähig sind. Pigmentflecke (kleine, braune Mäler, Leberflecke" u. dergl.) sind oft ein angeborenes besonderes Kennzeichen", gegen das, seines tiefen Sitzes wegen, nicht viel zu thun ist. Besser steht es mit den erst allmählich sich ausbildenden Pigmentflecken, z. V. den Sommersprossen. Abgesehen von Vermeidung des direkten Sonnenlichts hat man bestimmte Waschungen dagegen empfohlen. Eine schöne Haut soll nicht feucht, aber auch nicht trocken sein. Abnorm starke Schweißsecretion ist stets für das Gefühl und selbst für den Geruch sehr unerwünscht. Zum Glück ist der Arzt in der Lage, hier durch adstringirende Waschungen und austrocknende, sowie desadorirende Streupulver in verhältnismäßig kurzer Zeit Hilfe zu bringen, während geoen eine trockne, darum aber auch leicyt rissig werdende Haut sich bereits Lanolin - Creme oder Glycerin mit Rosenwasser vielfach eingebürgert haben. Ist die Fettabsonderung der Talgdrüsen an der Hautoberfläche ungewöhnlich stark, so fühlt sie sich unangenehm schlüpfrig an. Auch entsteht leicht, zumal bei fetten Personen und ungenügenderSäuberung in den Hautfalten Röthung, Entzündung, Lockerung der Epidermis, Wundsein und selbst infolge der Bildung von Fettsäuren ein schlechter Geruch. Nie darf man es so weit kommen lassen Man beseitige solche Ansammlungen von Fett baldigst, und zwar zunächst durch trocknes Abreiben mittels Aether und Watte (natürlich der Feuergefahr wegen nicht bei Licht) und wasche dann die betreffenden Stellen täglich mit kaltem Wasser und Franzbranntwein. Staut sich das Fett in den Talgdrüsen, falls deren Ausfuhrungsgang sich ver stopft, was man in manchen Familien habituell, im jugendlichen Alter nicht selten findet, so hilft tägliches Reinigen und Abreiben mit .'laliseifenspiritus ziemlich sicher. Unterläßt man dies, so bilden sich durch Anfulluna derDru sen kleine Talgcylinderchen, die an der Hautoberflache etwas geschwärzt sind unv, wenn man ne vurch Druck heraus befördert, kleinen Würmchen nicht un ähnlich sind. In der irrigen Meinung, Parasiten vor sich zu haben, nennt man sie Mitesser", und diesen Kosenamen haben sie bis auf den heutigen Tag be halten, obwohl wir die Sache jetzt bes ser wissen. Unterläßt man es, diese
Talgdrüsen mit zwei Fingernägeln, die aber sehr sauber sein müssen,, her
auszudrucken, so entzünden sie die Um gebung der Drüse und bilden häßliche Abceßchen. Eine normale Haut soll mittlere Temperatur haben. Die kalte Hand mancher Flschnaturen hat etwas Gruslich Abstoßendes, ebensoweng ist aber eine zu heiße Haut beliebt. Beides rührt meist von Störungen deS Kreislaufes her, und die Behandlung muß sich gegen diese richten. UeberHaupt tragt em richtiger Blutkreislauf viel zur Schönheit der Haut bei, und UM so mehr muß man daher diesen beachten; denn ist er nicht in Ordnung, so markirt sich dies meist zuerst auf der Haut. Muttermäler sind ganz unniitzeDinger, mögen es nun rothe Gefäßmäleroder braune Plgmentmaler sein, mögen sie abnorme Behaarung zeigen oder nicht. Hier hilft nur operative Entsernung, die jetzt, da wir die. Stelle örtlich gefühllos machen können, nicht viel auf sich hat. Eine weiße Narbe ist schließlich noch weniger auffallend, als ein gefärbtes Mal. Was soll man noch von der abnormen Behaarung" sagen? Ein kleines Schnurrbärtchen ja, aber viel Bart ist nicht angenehm für das schöne Geschlecht". Zum Troste sei gesagt, daß es schonende, schmerzlose Mittel gibt, die in wenigen Minuten ohne Rasirmesser und ohne Auszupfen" ungehörige Härchen gut beseitigen. Schließlich sei noch der Uebergangsstellen zwischen Haut und Schleimhaut gedacht, also der Lippen, der Nasenöffnungen, der Augenlider; mit ganz besonderer Sorgfalt müssen gerade diese Stellen gepflegt und sauber erhalten werden, weil ihre durch kleine Ansammlungen von Schleim, Epithelien oder Absonderungen verminderte Schönheit wesentlich zur Schönheit der Gesichtshaut beiträgt. Eine normale Haut ist dann schön, wenn sie keinen ausgesprochenen, specifischen Duft ausströmt; derjenige, den jeder Mensch besitzt, darf sich nicht vordringlich bemerkbar machen. Parfums aber erwecken, wenn sie nicht sehr discret sind, leicht den Verdacht, daß sie einen unangenehmen Geruch der Haut verdecken sollen. Toilettenmittel aber nun, sie sind meistens nicht gerade zu verwerfen, aber es gibt auch solche, deren Gebrauch nicht unbedenklich ist. Jedenfalls sind sie für eine Frau, die ihre Haut und ihren Teint nach naturgemäßen Grundsätzen pflegt, entbehrlich. Der Geiflerflscher. ' Won MauruZ Jokai. An einem Nachmittag fuhr ich auf dem Tampfschisse über den Plattensee von Siofok nach dem Plattenseebade Füred. ES war em Freitag und zum Ueberfluß noch ein großes Gewitter. Ich war der einzige Reisende, der auf dem Verdeck stand, denn cm starker Nordwind blies und wühlte den See vom Grund auf. Unser alter Dampfer tanzte nur so auf den Wogen und hob bald das eine, bald das audere Rad hoch in die Lüste. Kühne Wellen rollten hier und da bis auf das Verdeck, und weiße Wasservögel zogen kreischend um uns her. Bei solchem Wetter stehe ich gern am Backbord und sehe hinab, wie die W:l len an dem Schiffe emporschelleu und von diesem schnaubend und arbeitend wieder abgeschüttelt werden. Als wir in der Mitte des SceS an gelangt waren, schien es, als wäre man auf offenem Meere. Kein Ufer war sichtbar und die ganze Wasserfläche schneewclö von schäumenden, bäumen den Mellcnrossen. Auf dem Verdeck befanden sich außer mir nur noch dZr Steuermann und ein Schiffsjunge, den man aber füglich mit Schiffsalten" bezeichnen konnte, denn sein Bart war grau und sein Auge fast erblindet. Doch verrichtete er seme Ma trosendienfte auf dem Kisfaludy" ganz gut. Sehen Sie nur da drüben!" sagte ich zu dem alten Matrosen. Bcmcr ken Sie nicht einen schwarzen Gegen stand mitten im Wasser? Tort gegen Tihany?" Er versicherte, etwas zu erblicken, sah aber natürlich keine -pur. sieht sast aus, als wäre es ein Kahn." rvv -4 Acemer feeeie, wauryama ein Kahn!" Wem kann denn bei diesem Wetter einfallen, hier Kahn zu fahren? Das heißt m, Gott versuchen!" Tas wird niemand anders sein als der Geistertlscher." Ich spitzte die Ohren. Hier stieß ich sicherlich auf eine Volkssi:ge. Wer ist denn der Geisterfischer?" O, den kennen nur wir hier in der Umgegend des Plattensees. Es ist ein G:spenst, das m der anderen Welt ver flucht wurde, bei solchem Wetter auf den Fischfang auszugehen. Was hat es denn in dieser Welt verbrochen? Ich will Euch die Geschichte erzäh len: Ter größte Segen des Plattensees ist der Fang der Warbst". Tiefer Fisch kommt wie der Haring in ganzen Heer den gezogen. Tort oben, von dem Berge bei Tihany, sieht man schon von Weitem, wenn er sich nähert; dann schimmert das Wasser wie ein breiter überstreif von den daherziehcnden Fi schcn, und jeder Fischer greift schleu niqst nach seinem Kahn, während der Wächter auf der Spitze des Berges mit seinem Mantel das Zeichen herabwinkt. ob sie dem Garda nach rechts oder link entgegenrudern sollen. Haben sie ihn nun von allen Seiten eingeschloffen, so wird jede Barke mit schaufeln und Eimern damit angt füllt." Tas weiß ich ja alles schon." .Einmal nun. an einem Ostersonn
tag, als alles Volk zum feierlichen Got
tesdienst in der Kirche versammelt war. sah der wachthabende Schiffer von sei nem' hohen Posten aus die Annäherung des Zuges. Ta, im allererhabensten Augenblick, als der Prior das Hochwürdigste erhob, der Ministrant zur Wandlung .schellte. die Glocken läuteten, und Alles auf den Knien lag und an die Brust schlug, stürzte der Wächter in das Gotteshaus und schrie: Ter Garda kommt!" Auf dieses Wort hin brach plötzlich das ganze Volt auf, drängte Hals über Kopf zur Kirche hinaus nach den Käh nen zum (vardafang und ne dcn Priester allein am Ältar. Toch Gott strafte sie für diese Verhöhnung des Heiligthumcs, und ein furchtbares Wet ter thürmte sich über dem Plattensee auf; es konnten Alle von Glück sagen, dak sie mit leerer Barke an das Ufer von Tihany zurückkehrten. Ten Tcmpelschänder jedoch sah man nie mehr wieder. Seine übergroße Gier zog ihn in's Verderben. Vom Bergesgipfel erblickte man ihn, wie er mit seiner Schöpfschausel immer Fische auf Fische in den Kahn warf, bis er zuletzt mit dem Garda zusammen vor den Augen der Menschen verschwand. Seit' jener Zeit nun führt er oft bei so stürmischem Wetter wie heute über See. (5r hat weder Steuer noch Ruder, sondern nur eine Schöpfschausel, mit der er die vielen Fische aus seinem Fahrzeug zu werfen sucht' Sicherlich spuckt er jetzt dort bei Tihany herum, denn das ist seine Heimath. Alle guten Geister loben Gott den Herrn!Tas war nichts weiter als ein ge wöhnliches, albernes Märchen, doch es fing an, interessant zu werden, als der schwarze Gegenstand, den wir in der Gegend von Tihany erblickt hatten, sich unserem Schiffe näherte. Seltsam! Ter Windblies von Norden, der Kahn aber kann von Süden, also direkt gegen den Wind, und tanzte von tinem Wellenberg auf dcn andern. Ich nahm mein Fernrohr hervor und faßte ,bn ,n's Auae Eine einzige Menschengestalt war da rw. die sich fortwährend bückte. Ter Mann handhabte weder Nuder noch Steuer, sondern arbeitete nur mit der Schövfschaufel, und doch näherte er sich uns mit unaebcurcr Scbnellialeit, dan es Ichien, als wollte er direkt aus unier Fahrzeug losstoßen. Tiefes hatte ge nug zu thun, um sich durch die tosen dcn Wellen hindurchzuarbeiten, und dieses winzige Schifflein spielte nur so darauf hin. Jetzt war es so nahe, daß man das Gesicht des darin sitzenden Menschen erkennen konnte. Nie werd; ich diesen Anblick vergessen. Tie eine Hälfte desselben sowie des Bartes war grau, die andre dunkel. TaZ todten bleiche Angesicht war starr und unbewcglich, der Mund vffcn, die Augen blutunterlaufen. Er war kaum noch zwei Schiffslängen von uns entfernt, und noch immer hielt er auf den Dampfer zu. Ter Steuermann schrie ihm zu, der Schiffsjunge zog die Glocke, der durch den Lärm herbeigelockte Kaptän ließ das Nothsignal ertönen, doch das Gespenst sah und hörte nichts und schoß weiter mit Blitzesschnelle dem Tampfer entgegen. Ta plötzlich machte es eine Wendung und lief eine Weile neben ms her, bald aber überholte diese Nußschale, die we der Steuer noch Ruder besaß, unser von Tampfkraft bewegtes Fahrzeug, beschrieb pfeilgeschwind einen Bogen flog vor uns her. Tie darin sitzende gespenstige Gestalt hatte auch da nicht zu uns aufgeblickt und uns gewiß nicht wahrgenommen. Ich hatte diese ganze unheimliche Erscheinung, kaum fünfzig Schritte von mir entfernt, mit meinen eigenen, gefunden Augen gesehen ich war vollkommen wach und iräumte nicht, war meiner fünf Sinne gänzlich mächtig und sah doch die wnnderbare Geistererschei nung leibhaftig vor mir, sah auch, wie das Gespenst nicht einmal bei der tühnen Biegung nach dem Steuer griff, sondern nur mit fieberhafter Schnelligkeit die Schöpfschaufel handhabte und etwas aus dem Kahn schöpfte' und schöpfte. Vielleicht dcn Garda? Lange stand ich und blickte dem Phantom nach, wir es mit unnatür licher Geschwindigkeit gegen Siofok segelte, bis Regen und Nebel dcn Kahn sammt dem Gcistersischer umhüllten und meinen Blicken entzogen. Was für eine Erscheinung war das ? So'z dieses Märchen kein Märchen sein? Gab es also doch noch übernatürliche Tinge unter der Sonne? Ter Kapitän kratzte sich hinter den Obren. ,, Lieber Freund ! Tas sagen wir Niemanden in Fürcd, denn wenn diese Geschichte ruchbar wird, wagt sich Nie mand mehr auf meinen Tampfer." Ich versprach, nicht von unserem Abenteuer zu erzählen, ärgerte mich aber dabei, eiwas mit meinen eigenen Augen gesehen zu haben, was ich nicht begreifen konnte. Ten anderen Tag folgte auf das Gewitter das prächtigste Wetter. Tie Promenade von Fürcd war voll von Badegästen und anderem Volke, denn um die Zeit, wenn das Nachmittags Dampfschiff erwartet wird, pflegt die ganze Badcgcsellschaft am Strande zu sein, da es gewöhnlich neue Gäste bringt, die von Bekannten, Packträ gern, Beamten u. s. w. empfangen werden. Unter dcn Ankommenden fielen be sonders vier Männer auf, die, von der Schiffsbrücke herunterkommend, ein an Kopf und Schwanz angebundenes Ungeheuer an zwei Stangen schleppten. Tas Ungeheuer entpuppte sich als ein riesiger Wels. Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich in dem einen der beiden voran gehenden Männer sofort unseren gestri gen Geisterfischer erkannte. Taffelbe halb schwarze, halb weiße Haar, dasselbe bleiche Gesicht, die blut unterlaufenen Augen, kurz mein Ge spenst.
Sagen Sie, guter Freund," redete
ich ihn an, waren Sie es nicht, der gestern m seinem kleinen Nachen mit unserem Dampfschiff Wette lief?" Freilich war ich d".s.' Nicht wahr. ich hatte eine gute Maschine? Kein Dampfer besitzt 'eine solche. Hier auf dieser Stange hängt sie." Unterwegs erzählte er mir dann, daß er ein Fischer aus Boglow sei und gestern Nachmittags einen Niesenwels auf dem Grunde des Plattensees entdeckte, worauf er alsbald seine Harpune nach ihm warf. Das ungeheure Thier aber riß den Kahn nebst dem Fischer an dem Stricke, der die Harpune hielt, hinaus in die See und schoß mit ihm gegen das furcht bare Wetter, gegen Wind und Wellen dahin. Ter Mann hatte zu thun, die einstürzenden Wogen auszuschöpfen. (is war eine Fahrt'auf Tod und Leben; an Steuer und Ruder konnte er gar nicht denken, denn das Niesenthier schleppte den Kahn, wohin es ihm ge siel. Durch das Dampfschiff erschreckt, machte dann das verwundete SceungeHeuer einen Ceitensprung und segelte gegen Siofok, wo cS endlich von herbei eilenden Fischern mit Knütteln erschla gen wurde. Der Fischerkahn hatte die sechs Seemeilen von Boglow nach Siofok in zwei Stunden zurückgelegt. Der Wels wog zwei Ccntner, und der Geisterfischer bekam für seine Beute 150 Gulden. . Somit war der Spuk in befriedigen der Weise erklärt. ZNodernc ZNenschen. Won Annie Latt-FeiSberg. Cm Berliner Millionär hatte in einem reizenden Badeorte sich eine Villa er bauen lassen. Zwischen, saftigem, üppigem Grün lag das weiße Haus am Fuße eines mit mächtigem altem Laubwerk bestandenen Berges. Die Familie, welche mit zwei Kindern, einem Knaben und einem Mädchen gesegnet war, hatte eben- ihren Einzug gehalten. Der Hausherr, abgespannt, nervös von dem geschäftigen Treiben in der Hauptstadt, suchte hier allwöchentlich auf 48 Stunden Ruhe und Erholung. Tie Hausherrin, ermüdet von der RePräsentation ihres Hauses in Berlin. athmete auf in der würzigen Waldluft und war zur Abwechselung ganz zärt liche Gattin und Mutter. In ihrem weißen Batistkleid sah sie ordentlich mädchenhaft, luqendlich aus. Noch ein Tritter wurde zur Familie gezahlt. Em bekannter Aquarellist hatte den ehrenvollen Auftrag erhalten. den Gartensalon mit einem Cyklus mythologischer Gemälde zu schmücken. Vierzehn Tage waren verstrichen. ffia hatte es sich schon ganz heimisch aemacht m dem neuen, modernen Nest. dem es selbstverständlich an keinem Luxus fehlte. Tie Hausherrin hatte von den Win terstrapazen sich so rasch erholt, daß ihr bereits Gesellschaft fehlte. .Deshalb suchte sie natürlich so viel wie möglich den Gartensalon aus, m welchem der Künstler sein Wesen trieb. Er war ein Liebling der Frauen. Nicht mehr jung, hatte er einen Zug müder Blasirtheit in dem vornehmen bleichen Antlitz. Ein frauenhaft seiner Mund, große, weltschmerzliche, dunkle Augen, blendende Zähne und schweres, schwarzes Haar, das straft und alän zend sich um die hohe, schmale Stirn legte. Ter Anzug modern bis ins Aeußerste. Ein gefährlicher Gesellschafter für ein Weib, das in vollster Blüthe stand. dessen abgehetzter Gatte nur 48 Stun den in der Woche sich seiner Familie widmen konnte. Er fühlte auch wohl, wie gefährlich das Experiment war. und sann auf Abhilfe. Erst dachte er daran, irgend eine junge Dame ins Haus zu laden; aber seine Gattin wollte Nichts davon wlNen. Logirbesuch, Rücksichten nehmen, auf keinen Fall!" erklärte sie ganz katezorisch. Als guter Gatte gehorchte er natürlich und unterließ die Einladung. Ta führte eine neue Bekanntschaft eme willkommene Ableitung herbei. Tie Kinder kamen einst triumphi nd mit einem entzückenden fünfjäh rigen Knaben aus dem Walde gelau fen. Sie hatten ihn seiner Mutter entführt. ,Mama, er ist zu süß!" rief das Töchterlein, wie eine lebendige Puppe! So sah der kleine Fremdling auch aus mit den langen, blonden Locken, dem rosigen Antlitz mit merkwürdig großen, dunklen Augen. .Wir wollen mit ihm spielen" riefen die Kiemen. .Wenn seine Mama es erlaubt. ,,Wir wollen sie sehr bitten. Unser Spielplatz ist so schön, und es ist so langwellig allein." Eine Tame trat jetzt an die Garten thür und rief den Kleinen. O bitte lasten Sie uns das süße Kind" bat die Elfjährige, die gevöhnt war, daß ihre Wünsche sich stets krtullten. Sie gehörte zu den immer seltener werdenden kleinen Mäqchen, die sich noch mit Kindern freuen, besonders mit ttnaben, die kaum halb so alt sind, wie ie selbst. Der Vater trat nun heran und grüßte verbindlich die elegante, auffallend schöne Frau, die unter leichtem ErröIhm sich verneigte. Ich möchte mitspielen", bat nun auch der fremde Kleine. Jubelnd liefen die Drei nach dem Spielplatz, der unter schattigen Bau men sich befand. Ein wundervolles Plätzchen", konnte die Fremde sich nicht enthalten m sagen. Darf ich bitten, näher zu treten. Wie rasch die Kindheit Freundschaft chllekt!" bemerkte der Hausherr. Zögernd schritt die Dame durch daZ lsartenthor dem Spielplav in.
Durch lyr langstieliges Lorgnon
hatte die Frau vom Hause die kleine Scene von der Veranda aus beobachtet. Tie Dame und das Kind waren ibr nicht mehr fremd. Sie hatte auf den Promenaden oft beide gesehen. Bon allen Kurgästen fielen sie ihr am mei sten auf. Elegant und auffallend schön waren Mutter wie Kind. Im theuerten Hotel hatten sie Wohnung genommen, das genügte, um eine Badebe anntjchast anzuknüpfen, die schließlich ,u nichts verpflichtet. Man sucht sich, so lange man sich ge ällt. Das Geplauder mit einer eleganten, chönen Frau war eben das, was auch hr fehlte in der ländlichen Zurückge zogenheit. So wurde man bekannt und von Tag zu Tag intimer. Der Berliner neb sich vergnügt die Hände, als er beim ersten Zusammentreffen des Künstlers mit der schönen Mutter des Kindes denselben betroffen ausblicken sah. Nur eine Sekunde blinzelte auch die schöne Frau mit dcn Wimpern, dann lächelte sie ihr zauberhaftes Lächeln und verneigt sich kaum merklich vor dem Maler. Verteufelt stolz" dachte der Millionär. Das ist Recht, das wird ihn reizen. ihn den Verwöhnten!" Befriedigt reiste er diesmal ab. Die Gefahr war glücklich beseitigt. Tie schöne, kalte Wittwe war der richtige Blitzableiter für den Frieden seines Hauses. Nicht nur schön, sondern auch klug und witzig, war sie bald eine treue Gesährtin der Villenbesitzerin: abe alt, stolz, unnahbar blieb sie für den Ma ler. Oft zuckte sie zusammen, wenn er an ihr vorüberging und sein Fuß ihr Kleid streifte. Sie erblaßte, wenn er ihren Knaben berührte, seine Hand auf seine Locken legte und ihm ins Antlitz sah. Tann nek sie das Kind zu sich und schickte eZ fort aus feiner Nähe. Unser Gast ist Ihnen nicht sympathisch?" forschte die Hausfrau. Nein " Wie mich das wundert, er ist doch sonst ein Liebling der grauen." O ja ich weiß " kam es rer üchtlich von den schönen Lippen. Sie erhob sich, sie ging so eilig, als brenne ihr plötzlich der Boden unter dcn Füßen. Ter Maler blickte ihr nach mit gluthvollem Blick. Tie weißen Zähne bohr ten sich in die Lippen, der blastrte Zug war gänzlich gewichen, auf seinen bleichen Wangen, dicht unter den Augen, brannten heiße, rothe Flecke. Sie ist es!" durchfuhr es sein Hirn. Am anderen Tage blieb sie unsicht bar. Sie und das Kind fehlten allen. Sie ist zauberhaft!" rühmte die Tame des Hauses sie dem Künstler. Selten sah ich eine Frau, die so geist voll ist wie sie. Sie ist Wittwe, über ihren Gatten sprach sie noch kein Wort." Wittwen, die nicht von ihren Gatteu sprechen, sind geschiedene Frauen " lächelte er. Sie glauben, daß sie geschieden ist?" Sicher." Nun ist sie mir noch interessanter. Nun muß sie mir ihre Geschichte erzählen." Eine alte Geschichte ein Mann, der sie vernachlässigte." Unmöglich; welcher Mann könnte sie vernachlässigen?" Es giebt Männer, die ihre eigenen Frauen nie bcgehrcnswcrth finden." Weil sie das Unglück haben, ihre Frauen zu sein," lachte ungläubig die Hausherrin. Weil sie langweilig werden auf die Dauer." Diese Frau kann das nie." Er zuckte mit den Achseln. Er wußte es besser. Ein böser Zug legte sich um seine Augen und Mund. Er dachte zurück. Vor sich sah er ein ganz junges, blondes, rosiges Geschöpf. Ungeschickt, im ersten langen Kleide 'ging sie einher. Wie ihn das reizte, dies Knospenhafte, halb Kmd, halb Weib! Schüchtern, verstohlen schwärmte sie ihn an. Er sah es mit lächelndem Wohlge fallen. . Nur ein Handausstrccken und sie war sein. Er rechnete, er überlegte, er überschätzte die Mitgist. Er nahm sie. Tas junge kindliche Weib betete ihn an, ihn, den doppelt so alten Mann, den interessanten, ver wöhnten Liebling der Frauen. Pah" stäubte er die Asche seiner Cigarre ab. Eine Thorheit war's. Nur Aerger, Verdruß, Enttäuschung." Die Knosspe erschloß sich nicht. Sie krankte an Empfindlichkeit. Drei Jahre dann war es vorbei. Strich durch " Er erhob sich aus dem wundervoll bequemen Stuhl, inZdem es sich so schön träumen ließ. Die Frau vom Hause hielt seine Hand fest. Was haben Sie, mein Freund?" Er fühlte einen warmen, zaghaften Händedruck, ein leises Beben ging von ihr zu ihm hinüber. Wieder eine Blume, die sich ihm zu neigt. Wieder nur ein Handausstrecken, und sie war sein. Schärfer als je leuchtete wie Mondschein auf seinem Antlitz die Blasirtheit. Wie ein böser Zauber ging es von ihm aus. Wie ein Magnet zog er an. Sie sind gefährlich"' flüsterte es an seinem Ohr. Er lächelte, selbstbewußt, eitel, daß seine weißen Zähne blitzten. Mitleidig blickte er hinab auf das Weib, das mit sich rang im Kampfe um Ehre und Pflicht und der Macht, die er ausübte. Sie reizte ihn nicht. Er wandelte rubclos im Mondlicht. Er dachte an
sie, die Andere, die Stolze, Herbe, Un
nahbare, die Mutter, die. ihr Kind vor ihm schützte. Es ging warm und warmer durch seine Adern. Als er sie wiedersah mit dem schönen Knaben an der Hand schrie es in ihm: Sie, sie!" Sein Auge glühte ihr entgegen, seine Lippen zitterten. ' 0 Tu kannst Tu vergebe?" .,Ncin." Stolz und spöttisch wen--dcte sie sich ab. Er folgte ihr. Er suchte sie. Seine Blasirtheit wich der Leidenschaft. Ruhelos vergingen ihm die Tage, die Nächte. Seine Arbeit litt. Er konnte nicht schaffen mit brennendem Blick und wirrem Hirn. Er lauschte aus ihre Worte, draußen, die hell und lachend an sein Ohr drangen. Cine Andere und doch sie! Die Knospe hatte sich entfaltet, sie blühte in Pracht, in seltener Schöne und Frische, aber nicht ihm ! Ihr Auge leuchtete. Sie war ge rächt. .Ich halte ihn geliebt über alles Maß" erzählte sie der neuen Freundin. Und warum haben Sie sich geschie den. .Warum? O Gott, wie höhnte er mich, da junge Gänschen". Seine Berechnungen stimmten nicht, er erwartete mehr von mir mein Vater war nicht freigiebig genug. Ernähren eine Frau ernähren, das wollte er nicht. Er hakte das Kind, es kostetesoviel Mühe, Zeit, Geld!" Er gehörte zu den Männern die von den Frauen nehmen und mchlZ ge den?" Die alles nehmen, Leib und Seele,. die ein Weib zu Tode hetzen ja. da zu gehörte er ich hasse ihn, ich schäme mich, sem Weib gewesen zu sein." Sie athmete tief und schwer. Tann kam es wie Verklärung über sie. Ein Lächeln umschwebte ihre Lippen,, in ihren Augen lag es wie neue Hosfem auf Glück. Er, der lauschend im Gartensalom stand, die Palette müßig in der Hand,, er hörte sein Urtheil. Wie im Fieber schlugen seine Zähnen zusammen. Nun sie ihn haßte, nun liebte er sie!' Tie Billenbesitzer ahnten nicht, was. unter ihren Augen vor sich ging. Sie wußten nicht, daß die beiden.' Menschen, die mit ihnen an einer Tafel, saßen, so fremd, so kalt, so abweisendsie, er werbend, flehend, in leidenschast licher Liebe entbrannt, daß sie sich emfr angehört hatten in dreijähriger Ehe. Sie trug nicht seinen Namen. Ein alter Erbonkel hatte sie dasKind adoptirt, ihr den verhaßten Na' men genommen und eine halbe Million, ihr als Erbe hinterlassen. Reich, schön, begehrenswerth, so warsie jeht, die er als junges Gänschen" mißhandelt, gequält bis zur Unertröglichkcit und so gehindert sich zu entsalzten zu ihrem schönen, stolzen Selbst. Noch ein Triumph leuchtete aus ihren Augen, als eines Tages an ihrer Seite ein Herr erschien, vornehm, ga lant, sicher in seinem Auftreten, auf den ersten Blick zu erkennen als ein. Mann, ein ganzer Mann. Noch wenige Tage des Hessens und Harrens für die Leiden, noch Tage der Qual für den einstigen Gatten,'dann stellte sie ihn, den Neuangekommenen, , als ihren Verlobten vor. Ter Künstler reiste ab. Er warnicht im Stande, seinen Auftrag auszuführen. Es hat ihn stark mitgenommen,"' meinte der Berliner. Gottlob, daß er fort ist," antwor tete die Gattin, er war ein gcfähr. licher Mensch! Moderne Graphologie. Handschriften - Beurtheilungen de5' Graphologen Pfiffig, welche der Unterlehrer Baierl im Laufe eines halben Jahres empfing. Bei einem Honorar von zwei Mark: Sparsam, häusliche Natur, ein wenig zum Geiz hinneigend, enger Horizont; Sie sind wohl Aktenschreiber oder etwas ähnliches? Kleinliche Gesinnung!" Und bei einem solchen von zehn Mark: Glänzende Veranlagung, weit ausschweifender Blick, unternehmender, rastloser Geist. Freigebig bis zur Verschwendung; edler, männlicherCha--rakter. Erstaunliche Vielseitigkeit auf allen Gebieten der Kunst und Technik."' Splitter. In nebligen, trüben Tagen lernt man sehnsüchtig erkennen, wieweise und wahr die Sprache ist, dir Sonne mit Wonne in Einklang bringt Nur der vermag uns so recht. zu kränken, der uns so recht zu ehren verstünde. D i e M e n s ch e n, welche dir irr deinem Glücke am leichtesten ihr Ohr liehen, sind in deinem Unglücke meist die: schwerhörigsten. Vom Erhabenen zum Lacherlichen ist nur ein Schritt aber zurück ist's ewe lange Reuefahrt. ' Oft macht uns die Erinnerung auf ein Glück aufmerksam, dss wir gehabt. Der Phonograph ist ira Grunde nichts Neues; es hat zu allen Zeiten Menschen gegeben, die nichts anderes waren. Kartoffel - Croquets zum Braten. Uebrig gebliebener Kartoffelbrei wird mit zwei ganzen Eiern vermischt und länglich geformt, nachdem er mit Salz abgeschmeckt worden j ist, dann in Reibbrot gewälzt und in
heißem Schweinefett ausgebacken. Man kann den Kartoffelbrei auch mit feingcwiegter Petersilie vermengen, was besonders zu Kalbsbraten 'sehr gut. schmeckt.
