Indiana Tribüne, Volume 22, Number 304, Indianapolis, Marion County, 23 July 1899 — Page 6

An: Höcrryein. Eine Dampferfahrt auf dem Oberrhein ist eine Fahrt durch ein Land der Romantik, in dem die lieblichstenLandfchaftsbildr abwechseln mit alten, malerischen Rheinstädtchen, mit sagenumtvobenen Burgen, Schlössern und urLlten Klosterstätten, an denen zu verweilen für den Freund von Natur und Geschichte reichlich lohnt. Daß don der einen Seite deutsche, von der andern schweizerische Gaue herübergrüßen, erhöht den Genuß dieser Fahrt noch besonders und verleiht ihr den Reiz geographischer Eigenartigkeit. DieStromfahrt wi?d auf einem der kleinen, aber sauberen Dampfer der Schweizer!schen Dampfboot - Gesellschaft vom Untersee und Rh?in" in Schaffhausen angetreten, wo der junge Rhein ein be'onders prächtiges Strombild zwischen 'attgrünen Hügeln bietet. Schaffhau'en fesselt nicht blos durch seine malen'che Lage, sondern auch die Stadt elbst, ein kleines Nürnberg, bietet des l-ehenswerthen gar viel. Da begegnet man noch aus Schritt und Tritt aller-

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Stadtthor: nDZessenhofen lei alterthümlichem Kleinzeug, das noch die gemüthliche Sprache früherer Zeiten redet, und beimAnblick der geschlosjenen Gassenbilder, zierlichen Erker, lustigen Wappenbilder, drolligen Häusernamen und gothischen Fenster wird einem recht mittelalterlich zu Muthe. Eine Weile fesselt die Silhouette des anmuthigen Stadtbildes von Schaffhausen. Dann folgt rasch ein Stromidyll dem andern. Ab und zu grüßen noch, bald vom deutschen, bald vom schweizerischen Ufer, reizende LandHäuser auf den tiefblauen Strom hernieder Aber bald schiebt sich eine Eoulizse zartgrünen Laubwaldes vor und zwischen waldumsäumten Ufern nimmt uns ernster Stromsrieden auf. Flüchtig grüßt als erstes Rheinstädtchen auf der' Fahrt das freundliche thurgauische Diessenhofen mit seinem stattlichen alten Thor und der Hölzernen Rheinbrücke. Noch ein Waldesidyll und auf einmal taucht in der Ferne auf hoher, weit in das Land lugender Warte Schloß Hohenklingen auf, das Stammschloß Walters von Klingen, des Minnesängers, kühn und stolz auf.steilem Weinberg 2000 Fuß emporragend, mit prächtiger Aussicht auf Rhein und Untersee, zumal bei Abendbeleuchtung. An den Fuß dieser malerischenBergfeste hingebettet, liegt das alterthümliehe Städtchen Stein in äußerst anmuthiger Umgebung, die zu den schönsten der ganzen Uferstrecke zählt, mit -seinen Thürmchen und Giebeln ein unauslöschlich schönes Bild. Nicht nur sind hier die Rheinufer noch genau so .erhalten, wie sie im Mittelalter ausger i H TM Trifiw.a i isüSL -ri vmiTm ZWjZj&Mz Ml'ZU SWtzUM -F- I-i(C?01i , mmm. iury. v i. , wm .B-Lphi mmmmm - rikh - 1 1 BLS-JP

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Haus in Stein a. Rh. sehen haben mögen, sondern auch die Bauart der Häuser und ihre Bemalung ist noch ebenso mittelalterlich wie im bekannteren Rothenburg a. d. Tauber. Zahlreiche Häuser, worunter viele mit Fachwerk, zeigen noch die alte Stafselgiebel oder sind mit Erkern geschmückt und langen Reihen gothischer Fenster. Besonders malerisch nehmen sich aber jene Häuser aus, deren Borderseite reich bemalt ist mit Darstellungen beliebter Historien und Anekdoten der Renaissance, wie die Fassade des Weißen Adlers" und des Rothen -Ochsen". Im Hauptsaal des letzteren sind noch gut erhaltene Malereien groen Stils; an den Fensterpfeilern vier inusicirende Damen mit Laute,Kontrabaß, Orgel und Schlagzither; auf weilern Wandfeld eine sehr heitere und figurenreiche Darstellung der Arche Noah, mit der Stadt Constanz im Hintergrund; aus etwas späterer Zeit Judith, den Kopf des Holofernes in den Sack werfend, mit der Inschrift: Durch weibliche Schwachheit siegt die gräulich' Frechheit". Ein Kleinod seltener Art besitzt das Städtchen Stein im ehemaligen Benediktinerkloster St. Georg und der jeden Sommer darin zugänglichen mittelal ierlichen Ausstellung von toerthvollen .Zrunstschätzen, einer Schöpfung .deZ berühmten Germanisten Dr. F. fetter.

der zugleich Besitzer dieser interessanten Klosterstätte ist. Eine weitere halbe Stunde strömaufwärts fahrend, vorbei an sattgrünem, üppigem Ufergelände, erreicht der Dampfer den Untersee mit überraschend schönen Landschafts- und Wasserscenerien. Man ist in Dichters Lan-

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m mj fW" Z-7J-r-mH &7h m&ä&m 1P r 1 1 ii jIf.,.t3C V tf 1 i V:i. IW'sZt 5 UMMM SchloßArenenberg. den. mitten in Scheffels Ekkehardgegend. Dort im Westen, am abendlichen Goldgrund des Himmels, zeichnet sie sich ab, die Burg der schönenSchwabenherzoginHadwig. der Hohentwiel". Im Vordergrund das liebliche Insel gelände der Reichenau, wo der böse Kellermeister Rudimann seine Ränke Wider Ekkehard geschmiedet, die Brüder des heiligen BenediktuS die liora gesungen und ihren Seewein gekeltert haben. Gar alte Cultus- und Culturstätten machen dieses seltsame Eiland zu einem hochinteressantenAnziehungsPunkt für Freunde alter Baudenkmäler und kunstgewerblicher Forschungen. Da steht noch in Oberzell die im Jahre 888 von Abt Hatto III. erbaute, sehr merkwürdige St. Georgskirche, eine dreischiffige, früh-romanische Säulenbasilika mit Krypta aus der karolingischen Zeit, und interessanten Wandma lereien aus dem Anfang des II. JahrHunderts, hervorgegangen aus der Reichenauer Malerschule. In Mittelzell, dem Hauptort der Insel mit dem Münster, der großen Stiftskirche des ehemaligen berühmten Benediktinerklosters, 816 errichtet, ist des Denkwürdigen gar viel zu sehen. Auf der Südseite des Untersees fesselt das grüne Helvetien mit pittoresken Anhöhen und üppigen Obstgärten, oben Schloß an Schloß, eines dem andern so nahe, daß man sich von ihren Zinnen aus zurufen könnte. Da grüßen die Napoleonidenschlösser Areneno:rg und Salenstein, wo der dritte Napoleon seine Jugendjahre verlebte und Schloß Sälen st ein. den ersten Kaisertraum geträumt, und von deren Terrassen aus Victor Schcffel, dessen fröhlich heitere Muse ja ihren Zauberschleier um die ganze Gegend gewoben, oft hinübergeblickr hat zuv Reichenau und zum Hohentwiel. . Am Fuße dieser schlössergekrönten Höhen liegen die Dampfschiff - Stationen Mannenbach und Ermatingen mit schönen Sommerfrischen. An-schönen Veduten fehlt es in den Revieren des Untersees nicht. Sei es von der Luisenruh auf der Reichenau oder vom Wolfsberg oder der Ruine Schrotzburg aus, die Aussicht auf den Hegau mit seinen Burgen, aus Konstanz und den Obersee bis zum Alpenkranz ist entzückend. Noch fesselnder ist das nähere Landschaftsgemälde selber mit all den reizenden Geländen und dem blauen See, und man gesteht sich unbewußt, daß in der Unterseelandschaft die Natur wie ein schaffender Künstler einen ihrer holdesten Lieblingsgedanken verwirklicht hat. ß In den Rahmen dieses Bildes fügt sich auch das etwas weiter stromaufwärts gelegene Gottlieben, durch sein zweithürmiges Schloß weithin sichtbar und in der Geschichte von Konstanz und Umgebung oft genannt. 'Hier saßen im westlichen Thurm zur Concilszeit 1415 Johannes Huß und der abgesetzte Papst Johann XXIII. gefangen. Um die Mitte des 13.JahrHunderts entstanden, hat der kleine, niedliche Ort heute noch alterthümliches Gepräge und Häuser von architektonischer Eigenart. Aber immer weiter, see- und strömaufwärts fahrend, geht es Konstanz entgegen, dessen hoher, schlanker Münsterthurm in duftumflossener Ferne schon im Untersee auftaucht. Der Uebergang aus den lieblichen Wasserrevieren des Untersees in die bes meergleichen Bodensees macht, zumal zur Zeit hohen Wasserstandes, einen über- ! ä Haus in G o t t l i e b e n. wältigenden Eindruck. Mächtig geht dann der Wogendrang unter den weitgeschwungenen Bogen der Konstanzer Rheinbrücke und die gewaltige Wassermasse kündet laut die Nähe des meergleichen, bei trüber Witterung uferlos scheinenden Obersees. Wenn aber die Fernsicht frei ist und mit einem Schlag der silbernglänzende Kranz der Vor-arlberger-, Tiroler- und Schweizer-

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Alpen auftaucht, im Vordergrund' d'aS grüne Hügelland, so bietet sich das Schaustück einer Naturoffenbarung von vollendeter, einziger Schönheit. Frisches, junges Leben, das überall wie ncugrünende Triebe aus ergrautem Stamm hervordringt, überrascht den Nahenden. Aber mit ihren alten, wettergebräunten Thürmen und interessanten Architektur- und Gassenbildern zaubert die Stadt noch immer den Traum längst vergangener Zeiten vor die Seele, und es gibt nur wenige deutsche Städte, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem so interessanten Stadtbild verschmelzen, wie in dem altehrwllrdigen Konstanz, über dem immer noch der Hauch der Geschichte weht. Zeitgemäß. Chef (zum stellesuchenden Reisenden): Können Sie auch mit derKundschaft gewandt verkehren?" Reisender: Bitte, habe hier einen Phonographen mitgebracht, und einige Aufnahmen, wie ick mit den Kunden verkehre!" Auch ein Medicinalwein. Fremder (zu einem Bauern, der auch Wein keltert): Euer Wein 'ist ja schrecklich sauer!" Bauer: Afa g'sund!! Den verschreibt sogar unser Herr Doctor zum Gurgeln, wenn Oan's Diphtherie hat!" Zum Trotz. Er: .'... Ja, wenn ich es noch einmal zu thun hätte, würde ich Dich nicht heirathen!" Sie: Und wenn Ich es noch einmal zu thun hätte, würde ich Dir zum Aerger und Trotz . gerade Dich nochmal heirathen!" Der" angehende Geschäftsmann. Dem kleinen Moritz, Sohn des InHabers eines Abzahlungsbazars, sind von seinem Vater für eine Unart Fünfundzwanzig" zudiktirt worden. Vater. Vater!" ruft Moritz in größter Angst, streng' D'r nicht so an ib se m'r lieber in monatlichen Raten!" Abgespeist. Student: Lieber Onkel, ich bin überzeugt. Du würbest mir das Geld bestimmt geben, wenn Du Dich nur einmal in meine Lage versetzen würdest. Onkel: Mag sein, aber ich habe eben nicht die Uebung im Versetzen, wie Du. Das bessere T heil der Tapferkeit. Der Ringkämpfer Meyer hat Sie gestern Abend Lügner und Schwindler genannt; warum haben Sie sich das so ruhig gefallen lassen?" Weil ich Selbstbeherrschung besitze." Aus der Jnstruktionsst u n d e. Unterofficier: Was kommt beim Soldaten nie vor? (Alles schweigt.) Sogar diese einfache Frage könnt Ihr nicht beantworten, Ihr Tölpel die Hintere Patronentasche kommt nie vor!" Befähigungsnachweis. Auf Grund welcher Fähigkeiten sll ich Sie denn für meine Bühne engagi ren?" Ich habe in dem Gelbenthal'schen Sensationsprozesse eine Rolle gespielt." Sie sind engagirt .

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Airdcr aus Zapan.

Trotz des raschen Fortschrittes, den die moderne Cultur in Japan macht, hat doch, abgesehen von der Nordinsel Jesso, das öffentliche und private Leben selbst in den Hafenstädten noch vorwiegend das reiche malerische Colorit des altjapanischen Stiles bewahrt. Diese wunderliche Mischung gibt der Scenerie einen eigenen Reiz. Nichts ist malerischer", so schreibt P. de Ratzenhausen S. I., der vor einiger Zeit Japan bereiste, als ein Blick in die Straßen der japanischen Städte. Ueberall hängen vor den Kaufläden (statt unserer Schilder) die oft mehrere Fards langen schmalen Streifen mit dem Firmazeichen und den Reclamen nieder. Geschäftsleute, wandernde Bettelbonzen mit ihren Riesenhütcn, die altjapanischen Schinrilisbas (leichte Handwägelchen für Persi,..entransPort), Hausirer der guten alten Zeit: alles wogt hier in bunter Mischung durcheinander. Die Nationaltracht der Japaner empfiehlt sich nicht sonderlich durch Eleganz und hebt den Japaner nicht in den Augen des Fremden. '?ie ist aber bequem, und darum hält auch der moderne Japaner wenigstens im Japanische Damen., Privatleben noch gern daran fest. So lange diese japanischen Gentlemen", erzählt ein Reisender, in einem den Europäern offenen Hafen, wie Nagasaki, weilten, waren sie ganz europäisch gekleidet, mit steifen Manschetten und hohen Halskragen. Kaum aber hatten wir den Hafen verlassen, so zogen sie mit der größten Unverfrorenheit den Europäer wieder aus und den Japaner an, d. h. sie hüllten sich in ihren Kimono", den sie auf bloßem Leibe tragen." Um so ansprechender wirkt die altjapanische Frauentracht. Sie ist neben dem herrlichen Blumenflor der Schmuck des Landes. Die Frauenkleidung ist zwar im Schnitt nicht sehr verschieden von derjenigen der Männer; allein die Damen wissen sie mit unvergleicher Eleganz zu tragen. Dazu ist das Gürtelband bei ihnen ungleich breiter. Die japanischen Damen tragen keine Hüte; statt ihrer dient eine Art leichter Regenschirme aus Papier oder Binsen, die in allen Farben des Regenbogens schillern. Man muß in Japan gereist sein, um die Schönheit und den Reichthum dieser Kimonos Blindekuh. (Frauenkleider, meist aus blumengestickten Seidenstoffen) -ganz zu würdigen. Alle Touristen stimmen in dem Wunsche überein. daß diese altjapanische Tracht erhalten werden möge, und es ist auch keine Gefahr, daß sie in absehbarer Zeit verschwinde. Nicht zu vergessen ist der Kopfputz der Frauen. Die japanischen Damen stehen ja im Rufe, hierin unübertroffen dazustehen. Der Gebrauch von Camelia-Oel von früher Kindheit an gibt ihrem Haar gleichmäßig seine tiefschwarze Farbe. Leider verbreitet diese Essenz ein keineswegs liebliches Aroma. Man unterscheidet in Japan an 100 verschiedene Frauenfrisuren. Unter die auffalendsten gehören die Schimada" der Tänzerinnen, die Mitsuma", die Tenschimash" und Toschinmash", die Jtschogaseshi". die für Mädchen unter 15 Jahren, und die Marumalh", die verheiratheten Frauen vorbehalten ist. So kann man in Japan aus dem Kopfputz der Frauen ihre sociale Stellung, ihren Beruf und ihr Alter erkennen. Um diese Haarkunstwerke aufzubauen, scheint wohl ein halber Tag nothwendig zu sein. Dafür braucht er aber auch bloß alle 3 4 Tage erneuert zu werden. Um sie nicht zu verderben, legen die Damen beim Schlafen den Kopf nicht auf die Matten und Kissen, wie wir, sondern ruhen, indem sie den Nacken auf eine Art Kopfschemelchen lehnen. Das muß unsern Damen als ein halbes Martyrium vorkommen; allein die Macht der Gewohnheit macht alles leicht." Sehr hübsch ist das japanische Kinderleben. Die Zahl und Mannigfaltigkeit ihrer Spiele ist sehr groß. Ueberall auf den Straßen, und besonders auf den Vorplätzen der Tempel, werden Kinderspielzeug, allerlei Flitterkram und Zuckersachen für die lieben Kleinen feilgeboten. Sie machen vor allem die Lust der Mädchen aus, die bis zu ihrem heirathsfähigen Alter rechte Kinder bleiben. Ueberall vor den Thüren der Häuser sieht man sie Ball. Blindekuh oder mit Papierdrachen aller Formen und Größen spielen. Nicht mit Unrecht nennt ein englischer Schriftsteller Japan das Paradies der Kinder". Freilich räumt allmählich die mehr und mehr eindringende westliche Cultur mit manchen urwüchsigen Formen und

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Erscheinungen deö altjapanischen Lebens auf. Der altj5panische Quacksalber und Wunderdoctor macht in den

Mattenwirker. größern Städten dem akademisch gebildeten Herrn Doctor Platz. Die schlichte Art der einheimischen Weberzunft, die mit einfachen Mitteln doch Bedeutendes leistete, erhält an den immer zahlreicher werdenden' Dampfspinnereien einen gefährlichen Mitbewerber. Nach 50 Jahren wird man Japan, das einst so romantische Reich des Mikado, kaum mehr kennen. Von der Schmiere. Director (zum. Schauspieler): In dem neuen Stück werden Sie im 5. Act sterben. Da soll nun ein dreistimmiger Leichengesang vorgetragen werden; weil wir aber nur noch zwei Sänger zur Verfügung haben, müssen Sie dann selbst mitsingen! " EineitlerKneipp-Kurgast. Abgeblitzt. Herr (zudringlich, zu einer Dame mit hübschem Teint, welche vom Regen überrascht wird): Gestatten gnädiges Fräulein, daß ich Sie vor dem Naßwerden schütze." Dame: Danke, ich bin waschecht." Bei der Visitation. Ü . . Und woher haben Sie denn dieses wohlgefüllte Portemonnaie?" Das das hab' ich einem Spazierg'änger abgekauft!" I n V e r l e'g e n h e i t. Major: Sie, Pummwitz, in, der heutigen Nummer dieses Witzblattes ist ein Witz von mir drin!" Lieutenant (für sich): Donnerwetter, wenn ich jetzt nur nicht an der falschen Stelle lach'!" Anzüglich. Junger Radier: Ich will Ihnen sagen, wie ich mir einen idealen Radfahrweg denke." Herr: An beiden Seiten des Weges - Matratzen?" Erkannt. Ach. Männchen, iH habe Dich so lkb, so lieb . . . Aber, ,nein 'Herzchen, ich habe Dir doch erst vor Kurzem einen neuen Hut gekauft, was möchtest Du denn nun wieder daben?" ...

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NeZchcnbcrg. Mit 33,000 Einwohnern zeichnet sich Reichenberg, die größte Stadt Deutschböhmens, die drittgrößte Böhmens, durch eine herrliche Lage aus. Schon vom Bahnhof aus genießt man eine reizende Rundschau über die Stadt, die in dem kesselförmigezz Thal der Neisse von Sütost nach Nordwest terrassenförmig aufsteigt; im Hintergrund erhebt sich malerisch das Gebirge. Das neue Rathhaus, an Stelle des alten Hauses mit hölzernem Dach, nach den Plänen des Wiener Bauraths Ritter von Neumann zwischn den Jahren 1888 bis 1892 im Stile deutscher Frührenaissance gebaut, besitzt einen größeren und zwei kleinere Thürme mit reichem architektonischem Schmuck, auch einen sehr geräumigen altdeutschen Rathskeller mit Glasmalereiei:, Wandund Deckengemälden, sowie den WapPen und Sprüchen deutschböhmischer Städte. Der Sitzungssaal desStadtverordneten - Collegiums enthält ein an Figuren reiches allegorisches Holzrelief, Holzdecken von schöner Ausstattung und eine Reihe historischer Gemälde. Im zweiten Stockwerk befindet sich die Handels- und Gewerbekammer. Auf der Kaiser Josephstraße, die eine

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Das neueRathhaus. ' stattliche Reihe von Villen aufweist, gelangt man an der Schwimmschule und dem Votanischen Garten vorüber zu dem vor dreizehn Jahren angelegten Kaiser Josephs - Park, in dessen Mitte sich das schöne Kaiser Josephs - Denkmal erhebt. Unweit vom Asylhaus auf dem Johannesstein gewahrt man die St. Vinzentiuskirche. Von Baronesse Marie Liebig im romanischen Stil zwischen 1884 bis 1883 erbaut, wozu der Architekt Jordan und der Hofbaumeister Schmalzhofer die Pläne lieferten, genießt man von dem Umgang der höchsten Kuppel eine schöne Aussicht auf Reichenberg und Umgebung. Erwähnenswerth unter Anderem ist ferner das Stadttheater auf dem Theaterplatz. Unstreitig gehört es zu den schönsten Bauten der Stadt, das Aeußere in Spätrenaissance, das Innere im reichen Barockstil. Südwestlich von Reichenberg führt die an Aussichten reiche Jeschkenstraße durch die Dörfer Johannesthal und Hanichen über den Jeschkensattel nach Kriesdorf und Gabel. Der Tourist biegt hinter dem ersten Viadukt der Zittauer Bahn strecke rechts von der Jeschkenstraße ab in die Dörfer Franzendorf und Karolinsfeld, die sich längs eines Bächleins, das vom Jeschken herabfließt, hinziehen. Hat man das letzte Haus von Karolinsfeld, das Gasthaus Zum letzten Pfennig", im Rücken, so fiihrt von da ein mit Ruhebänken versehener Weg durch den Wald auf die Jeschkenstraße. Von da erreicht man in ungeSt. Vincentius-Kirche. fähr einer Wegestunde die Jeschkenkoppe, auf deren Gipfel ein Gasthaus Nachtherberge gewährt. Die isolirte Lage des Bergkegels bietet dem Beschauer einen lohnenden AussichtsPunkt, besonders gegen Westen und Südwesten, wo sichHöhe an Höhe reiht. Da entfaltet sich Reichenberg mit den vielen Orten des Neissethales bis Gablonz, der Friedrichswalderkamm mit den Aussichtsthürmen auf der Königshöhe und dem Seibthügel, dann gewahren wir die Mittagssteine", das Taubenhaus" und ganz abseits liegend die Tafelfichte". An's Jsergebirge östlich schließt sich an das Niesengeb'irge, das Hohe Rad", die Schneekoppe", der Schwarzbrunn", die Häuser von Marschowitz und Schumburg und der Kaiserstein". Südöstlich der kahle Jeschkenzug, der Kosakow mit dem Switschin, Turnau, die Felsen von Großskall, die Ruine Trosky. Südwestlich die Teufelsmauer", Oschitz, der Georgsberg bei Raudnitz. weiter die Hasenburg", der Hoblit" bei Laun und das Duppauer Gebirge bei Karlsbad; nebstdem der Gelbsch" und der Kreuzberg bei Leitmeritz. sowie der Donners- oder Milleschauerberg, bei besonders günstiger Witterung der Keilberg im Erzgebirge als der entfernteste Punkt, dann das Mückenthürmchen". Nobel. Hausfrau (zum neuen Dienstmädchen): Haben Sie einen Geliebten?" Nein, einen Verehrer." Eine feine Familie. Ehemann: Nicht wahr, so'n Kuß haben Sie noch nicht bekommen, Hulda?" Stubenmädchen: O, der junge Herr küßt noch viel schöner!"

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Uebertrumpft.

Humoreske von C. Hessen. Mensch, wenn der Alte doch schon am Achtundzwanzigsten Geld schicken wollte!" seufzte der lange, dünne Walter Stegemann, als er mit seinem Studiengenossen Robert Köhler an einem heißen Sommernachmittage tiefsinnig über die Promenade spazirte. E's war nämlich der achtundzwanzigste von einunddreißig Tagen. Hm, hm," sagte sein Begleiter und sah den Kameraden prüfend von der Seite an. Sollte der als äußerst sparsam bekannte Stegemann in der That kein Geld mehr haben oder wollte er den schnöden Mammon gar allein verzehren? Das war einer Untersuchung werthe Ich schlage übrigens vor. wir genehmigen uns' irgendwo einen Schoppen," fuhr er fort und blickte mit der Mienv eines Dollarmillionärs um sich. Hm, hm, sagte nun auch der andere. Sollte," dachte er bei sich, dieser Luftikus wirklich noch so weit zahlungsfähig sein? Das wäre nicht übel." - Wenige Schritte weiter standen sie vor dem Eingang eines feineren Restaurants. Ja, lieber Freundlich bin aber leider augenblicklich nicht in der Lage...." erklärte Stegemann. O das macht nichts!" fiel Köhler ein, ich habe zwar auch nichts, aber...." Einen Augenblick sahen sich beide an; jeder suchte in des anderen Zügen zu lesen. Er scheint doch nicht ganz abgebrannt zu sein", schloß Stegemann. Der Kerl thut natürlich nur so, als ob er nichts habe", dachte Köhler und dann schritt er erhobenen Hauptes in das Lokal hinein, der jetzt ganz sicher gewordene Stegemann hinterdrein. Der heute besonders süffige Stoff hatte vorzüglich geschmeckt. Köhler gab seinem Schnurrbart einen wohlhabenden Schwung und rief: Kellner, zahlen!" Ehe aber der dienstbare Geist erschien, flüsterte er Stegemann zu: Nicht wahr, lieber Freund, Scherz bei Seite, Du bist so freundlich und " Aber mein Gott, ich sagte schon. vorhin, ich ... Was, also wirklich? Nun. dann müssen wir uns auf andere Weise aus der Affaire ziehen!" Himmel, wie denn?" Nun, wir müssen schon ein Pfand zurücklassen", sagte er gedehnt. Ich habe übrigens eine Eigarrentasche von echtem Leder, die mir ein kleines Mädel verehrt hat. Vielleicht wo steckt sie denn? Aha hier!" Damit legte er entschlossen besagte Tasche auf den Tisch und besah sie noch einmal zärtlich von allen Seiten, als ob er sich auf lange Zeit von ihr trennen müsse. Inzwischen war der Kellner herangekommen. Eine Mark? Na. also . . Weiter kam er nicht. Stegemann, der bis jetzt unruhig' der Entwickelung zugeschaut, griff plötzlich in die Tasche, holte seine Portemonnaie hervor, legte ein Goldstück auf den Tisch und sagte mit einer Stimme, als ob er hingerichtet werden sollte: Ziehen Sie bitte ab!" Köhler steckte kaltlächelnd, eine Cigarre an und ging so stolz aus dem Lokal, wie er hereingekommen war. Draußen brach das Unwetter los. Aber Mensch, Mensch, wie kann man nur . . ." Kann man nur? Wieso denn?" Was hätte man davon denken sollen, wenn . . . ." Wenn? Hier gibt's kein Wenn. Wenn Du nicht hättest zahlen können, so hätte ich eben selbst gezahlt!" Sprach's und holte mit unnachahm licher Grazie einen Gegenstand aus der Westentasche es war ein Zweim!stück! Schnadahüpf'l. Die Welt is voll Faxen 's laßt ihr d'-Narrheit kei Ruh'! Wo d' hinschaust, mußt' d' lachen; So verkehrt geht's oft zu! D' Mama fahrt im Höserl Ganz kurz, schneidig, keck. Und 's klei' Baby watschelt In ell'nlange Röck'! . Weibliche Rache.

Die Herzogin Sarah von Marlbsrough besaß wundervolles Haar, dessen glänzend blonde Farbe sie durch den Gebrauch von Honigwasser erhielt. Sie wußte, daß keiner ihrer Vorzuge den Herzog, ihren Gemahl, so fesselte, als dieses Haar. Bei einer Gelegenheit hatte sie 'ihren Willen gegen den Herzog n'cht durchzusetzen vermocht. Sie nahm sich daher vor, den Herzog wegen dieser vermeintlichen Hartnäckigkeit zu strafen, und indem sie darübe: nachdachte, was ihn wohl am empfindlichsten Neffen könne, siel es ihr einsich die prabtigen blonden HaarfleWen abzuschneien. Sie that es und legte dieselbe: in ein Zimmer, durch welches der Herzog öfters gehenmußte. Zu ihrer Enttäuschung schien dieser aoer nichts zu bemerken oder nichts merken zu wollen, bis eines Sages das Haar spurlos verschwand... Als er auch während der nächsjeLage nichts erwähnte, stellte sich bei ihr die Reue ein. zumal der Spiegel $r rückhaltslos die Verstümmelung vorhielt. Die Sache j gerieth in Vergessenheit bis nach den Tode des Herzogs. Da fand sie ihre Haarflechten sorgfältig in einem Schräkchen neben allem dem aufbewahrtwas ihm im Leben am theuersten rar. P e cH. Junge Frau (im Thea. ter): Schclndlich. 30 Mark hat mich mein neuer Hut gekostet, und jetzt sitzen alle meine Freundinnen vor mir. (